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 Insel Losinj

Dienstag, 25. Dez. 2007 (Mali-Losinj-Update # 1):

Endlich! Es geht los! Aufstehen, die letzten Sackerln und Taschen ins Auto packen, Abfahrt dann um 5.12 Uhr früh, Grenzübergang Spielfeld, es ist immer noch stockdunkel, Autobahn Marburg, Laibach, Postojna, Abfahrt, Richtung Rijeka über Rupa, in Matulji sehenund riechen wir zum erstenmal das Meer. Wir? Ganze Familie, Kind und Kegel, Frau, zwei Söhne und der PSP ist auch dabei. Küstenstraße runter bis Brestova (nur 35 km, aber dauert eine gute Stunde), Anstellen und Warten auf die Fähre. Ticket lösen. Wir haben´s gut erwischt, die fähre ist uns vor der Nase weggefahren, wir haben die Abfahrt um etwa 1 Minute verpaßt!! Also heißt es jetzt 59 Minuten warten.

 Image:Porozina.jpg

Anlegestelle Porozina auf Cres

Eine halbe Stunde dauert die Überfahrt nach Porozina, der Anlegestelle auf der Insel. Dort ist dann der erste Teil der Anfahrt geschafft. Es ist mit jeder Viertelstunde deutlich wärmer geworden an diesem Vormittag, nicht, wiel die Zeit vergeht, wahrscheinlich, weil es südlicher liegt. Laut Klimaanlage im Auto haben wir in Brestova 9°, eineinhalb Stunden später in Porozina gar 11°! Und das bei strahlendem Sonnenschein! Also runter von der Fähre mit den ungefähr drei bis vier anderen Pkw´s und etwa 10 Lkw´s, zur Seite fahren, umziehen, Rad raus, aufpumpen, und es kann losgehen! Die ersten 79 km bis Mali Losinj stehen an! Das ist ein Gefühl, wie im Frühling! Der erste Anstieg, 13 km lang, 550 Höhenmeter, den fresse ich förmlich unter mir weg, konstante Steigung, 53/21 locker hochgekurbelt, ein absolutes Hochgefühl, dann oben ein paar Kilometer am Bergkamm entlang, ehe es runtergeht nach Cres, relativ steile Abfahrt, 5 km, und ich bin wieder auf Meeresniveau.

 

 Man hat fast immer einen herrlichen Blick aufs Meer, auf irgendeiner Seite der Insel. Unten in Cres beginnt gleich der nächste Anstieg, 7 km rauf nach Krcina, knappe 400 Höhenmeter. Wieder sehr konstant und gleichmäßig, ich fahre wieder 53/21, sitzend, kein Problem. Und auch kein Verkehr. Denn der Verkehr wird hier bestimmt durch den Rhythmus der Fähre. Wenn die alle geschlagenen Stunden in Porozina anlegt, spuckt sie bis zu 50 Fahrzeuge aus, die sich dann wie ein Hornissenschwarm über die Insel in Richtung Süden hermachen. Naja, und in Cres verschwindet schon mal ein Großteil dieser Flotte. Die Straße ist nicht so breit, daß da dauernd überholt wird, so bleibt der Haufen mehr oder weniger zusammen. Je weiter südlicher ich bin, desto kleiner ist er. Und der Gegenverkehr? Kaum der Rede wert. Ein paar Einheimische, ein paar Lkw´s, vereinzelt sogar Busse. Abfahrt geht in Etappen, zuerst runter nach Batanji, dann neuerlicher Anstieg, 2,5 km lang, etwa 70 Höhenmeter. Dann geht es leicht runter bis zum Vrana-See, und eine steile, aber kurze Abfahrt beschließt das Ganze. Ich bin in der absoluten Inselmitte, sehe jetzt kein Meer, weder links noch rechts. Beinahe flach geht es bis Belej, dann sehr hügelig weiter. Ruppige, steile, aber Gottseidank kurze Anstiege wechseln sich jetzt sehr schnell ab, 200 bis 400 Meter lang, aber alle mindestens um die 15 % steil. Nach Osor hin gibt es eine gut 2 km lange Abfahrt, relativ steil, runter zum Meer. Jetzt verlasse ich die Insel Cres, es geht rüber auf die Insel Losinj, hier in Osor ist eine Drehbrücke, die wirklich 23 Stunden und 55 Minuten am Tag befahrbar ist. Ich rumple drüber und bin - beinahe - in einer anderen Welt. Vorher kaum Vegetation, alles braun, verdorrt, überall Steine, Straße, Straßenbegrenzeung, Zäune, Wegmauern, alles aus Stein, selbst die Häuser. Hier dominiert jetzt Grün. Auch um diese Jahreszeit. Alles ist grün. Wälder, Pinienwälder, Wiesen, ja, richtig, sogar Wiesen gibt es hier. Und natürlich der Wind. Der stete, starke Wind, der nur zwei Richtungen kennt: Vormittags Nordwind, nachmittags Südwind. Klingt verrückt, ist aber so. Das heißt, etwa um 10 Uhr in Mali Losinj nach Norden losfahren, mittags umdrehen und dann zurück, heißt knappe 4 Stunden Gegenwind! Fürs Training ideal, aber wenn man da etwas angeschlagen ist, dann ist das zum Verzweifeln. Auch jetzt summieren sich die Höhenmeter noch: kurzer, flacher Anstieg in Nerezine, danach in Sveti Jakov, dann folgt der lange Anstieg auf den Veli Kriz (2 km mit knappe 150 Hm), lange, wellige Abfahrt über Cunski runter zum Meer. Wieder einmal bin ich unten auf Meeresniveau, diesmal schon in der Bucht von Mali Losinj, die ich jetzt ausfahre. Man glaubt es kaum: ganze 2 km topfeben am Ufer entlang!! Wieder ein kurzer, ruppiger Anstieg, für knappe 200 Meter brauche ich die kleine Scheibe, wieder über eine Drehbrücke, dahinter steigt die Straße stetig an: Umfahrung Mali Losinj, ich "fresse" hier wieder gut 150 Höhenmeter, ehe ich im Süden kurz und steil in den Ort runterfahre. Cikat-Bucht, Hafen, Quartier.

 

Damit ist jetzt der erste Teil des Tages vorüber. Quartier beziehen, Auto ausräumen, Zimmer einräumen, Essen gehen. Nach dem Essen sollst du ruh´n und die Füße hoch hintun. Eine knappe Stunde Mittagspause, dann ziehe ich mich wieder um, wieder in den Sattel, diesmal fahre ich rauf bis Osor (Drehbrücke zur Insel Cres) und wieder zurück. Naja, das ist hier halt das etwas Einfallslose: es gibt nur eine einzige Straße, auf der man immer und immer wieder auf- und ab fahren muß. Ich fühle mich gut, das Wetter ist toll und einwandfrei, gerade so, daß ich halt noch mit langer Hose fahre. Etwas wärmer, und ich ich hab´ die kurze an. Am Nachmittag kommen noch mal 51 km dazu, das macht heute also insgesamt 134 km. Guter Start in die neue Woche. Im Süden. Am Abend noch gepflegt schnabulieren gehen irgendwo am Hafen, dann müde ins Bett. Erster Tag wird abgehakt.

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Photographer Lucija Kruzic.

Dragozetici im ersten Anstieg nach Porozina

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Photographer Lucija Kruzic.

An den Anblick muß man sich hier gewöhnen: Stein, wohin das Auge reicht

Vom frühmorgendlichen Fang zurückgekehrt, richten die Fischer ihre Netze wieder her

Mittwoch, 26. Dezember 2007 (Mali-Losinj-Update # 2):

Zweiter Tag, wieder herrliches Wetter. Aufstehen um 6 Uhr, weil ein größeres Militärschiff in den Hafen einläuft und mit der Sirene heult. Also Weckruf um 6 Uhr früh. Aufstehen, frühstücken, umziehen, aufs Rad. Blauer Himmel, Sonnenschein, und um 7.45 Uhr früh, als ich losfahre, hat es schon 7°! Radlerherz, was willst du mehr??!? Natürlich spüre ich die gestrigen 130 km, also lauwarm beginnen, in der ersten halben Stunde nur mal die Milchsäure aus den Muskeln fahren. Es geht wieder rauf (no na, wohin denn sonst??) nach Osor, dann die Steigung rauf, erste Quälerei, es geht nicht mehr so locker wie gestern noch, weiter bis Hrasta, unmittelbar vor dem steilen Anstieg zum Vrana-See fahre ich links weg nach Stivan, dann geht´s steil runter nach Martinscica, am Strand fahre ich an vielen neugebauten Appartement-Häusern vorbei, die aber jetzt im Winter alle geschlossen sind. Dann folgt der Höhepunkt des Tages: der 1,8 km lange Anstieg nach Vidovici rauf, aber da sind 280 Höhenmeter zu fahren (!!!), das sind 15 % Durchschnittssteigung! Mit 39/25 quäle ich mich hoch, auf schmaler, schlechter Straße. Der Wald ist zu weit weg, der hält keinen Wind ab, ich fahre im Wald, stehe aber dennoch frei im Wind!

 

Die paar Steinhäuser von Vidivoci

 

Links Martinscica, rechts Miholascica, da sieht man noch die Straße vom Berg runter, dahinter Martinscica, der kleine, weiße Fleck rechts oben im Wald ist Vidovici

 

Stivan, auch so ein klitzekleines Nest

Die Aussicht von hier oben ist phantastisch, ich sehe die Inseln Zeca, Unije, ich sehe sogar rüber bis zum Festland, Halbinsel Istrien, nach Medulin und Premantura. Keine Verschnaufpause, ich rolle wieder runter, das erforderrt sowieso die ganze Aufmerksamkeit. Rückfahrt auf der gleichen Strecke. Ich finde wieder etwas Energie und kann in den letzten Steigungen auf der Insel Losinj etwas aufs Tempo drücken. Das baut auf, da fühle ich mich gleich um Klassen stärker. Das waren heute vormittag also 98 km.

Am Nachmittag folgt der zweite Abschnitt, derselbe wie gestern, nach Osor und zurück (51 km), nach den gestrigen 130 km heute also wieder 149 km. Und ich lebe noch, fühle mich ganz gut, wenn auch müde und zerschlagen. Müssen die Endorphine sein, die jetzt frei im Körper herumschwirren und mich ganz high machen.

Am Abend, als ich diesen Eintrag hier schreibe und auch meine Mails durchsehe, erfahre ich vom Unfalltod von Andreas Matzbacher, 25. Der Junge hat sich mit dem Auto ohne Fremdeinwirkung ins Jenseits befördert. Tragisch. Aber da fahren halt immer so viele Umstände und Komponenten mit, mit denen man gar nicht rechnet oder auf die man gar nicht achtet. Ich habe ihn zwar nicht sonderlich gut gekannt, aber sowas geht mir natürlich nahe. Wieder hat´s einen von den ganz Guten erwischt, und sofort sind die Erinnerungen an Norbert Huber und die Steiermark-Tour wieder da. Scheiße! Was soll ich ihm noch ins Jenseits nachrufen? Rest in Peace! Klingt irgendwie sarkastisch, aber vielleicht möchte man damit nur von der Gefahr ablenken, in der man selber schwebt. Als Radrennfahrer ist man - so paradox das klingt - viel mit dem Auto unterwegs, ist oft in Zeitdruck und fährt schnell. Wieder Scheiße!

Es klingt so unfaßbar, weil es vermutlich so banal ist. Wer von uns ist noch nie mit dem Auto irgendwo reingekracht? Noch dazu alleine? Zu schnell? Übermütig? Unaufmerksam? Unkonzentriert? Eis? Sekundenschlaf? Wir werden es wohl nie erfahren - und wenn, ist es auch egal, es ändert ja nichts mehr. Gerade weil so ein Tod so banal und unsinnig klingt, ist es schwer, da die richtigen Worte zu finden. Ungerecht? Schicksal? Das Leben geht weiter, die Erde dreht sich weiter, als ob nichts gewesen wäre. Das macht den Schmerz nur noch größer. Andy, du hast nicht umsonst gelebt, du hast was hinterlassen!

Donnerstag, 27. Dezember (Mali-Losinj-Update # 3):

Heute also der vorläufige Höhepunkt der Woche: von Mali Losinj aus geht es - wieder bei schönem Wetter, es ist heute aber wolkig, die Sonne kommt nicht so durch, aber immerhin auch wieder 9° - nach Norden bis Cres, dann rechts rüber nach Merag, Anlegestelle der Fähre von und nach Krk. Der Anstieg nach Merag ist einer der schwersten der gesamten Insel. Von Cres aus auf der Hauptstraße zunächst leicht steigend 2,5 km bis zur Abzweigung, 39/17 mit hoher Frequenz, nach der Abzweigung dann 2,5 km rauf zur Kuppe mit 39/23, Steigung schwankt zwischen 10 und 12 %, aber breite, schöne Straße, schnurgerade geht es rauf, keine Kurven. Teuflischer Berg. Oben dann eine leichte Abfahrt, und immer wieder Gegensteigungen, die es in sich haben, bis zu einem halben Kilometer lang und bis zu 13 % steil, das schießt wie Adrenalin in die Beine. Dann längere Abfahrt nach Merag zur Küste runter. Wende und das Ganze wieder zurück.

Reisebericht - mit tuifly.com nach Mali Losinj in Kroatien - der im letzten Jahr ausgebaute Fährhafen Merag auf Cres

Ich bemühe mich, die Anstiege so gleichmäßig und konstant wie möglich zu fahren. Ist am Anfang locker, ich muß mich zurückhalten, am Ende aber muß ich da schon hinhalten, um das Tempo zu halten, nicht nachzulassen, nicht langsamer zu werden. Und natürlich spüre ich auch die Vortage, die vielen Kilometer bleiben nicht spurlos. Unten in Cres, geht es gleich wieder hinauf, 7-km-Anstieg, dann runter zum Vrana-See, das Schlimmste ist geschafft. Die vielen ruppigen, kurzen Anstiege, sehr steil und knackig, die sind es, die weh tun. Und natürlich der andauernde starke Wind, gegen den man sich stemmen muß. Naja, da sollte es nicht verwundern, daß der Schnitt nicht besonders hoch ist. Das Gelände hier ist eben - in Verbindung mit dem Wind - verdammt schwer. Die letzten Steigungen - Nerezine und Cunski - machen die Beine da richtig breit, und der Anstieg in Mali Losinj auf der Umfahrungsstraße und dann am Ende noch rauf zum Cikat - wieder 12 % - sind da nur mehr Draufgabe, ich bin geschafft. Viel länger hätte ich nicht fahren dürfen, ich war ziemlich am Limit. Es waren 143 km.

Am späten Nachmittag dann die zweite Einheit, ich fahre wieder, wie schon in den vergangenen Tagen, die 51 km rauf nach Osor und wieder zurück. Aber diesmal bin ich am bisher langsamsten. Wen wundert´s? DerTag geht zu Ende, ich bin einersetis ziemlich geschafft, habe relativ viel Milchsäure in den Beinen, andererseits froh, etwas geleistet zu haben. Heute waren es schon 195 km. Daheim hat es angeblich tagsüber immer Minusgrade und ist nebelig trüb. Das übliche Winterwetter halt. Furchtbar! Ich fühle mich direkt privilegiert. Am Abend gibt es einen ausgedehnten Hafenspaziergang, die Meeresluft tut verdammt gut, wenn man so angepeckt ist wie ich. Und das lockere Herumschlendern ist auch nicht gerade schmerzhaft. Solche Tage lasse ich mir gefallen!

 

Blick von der Insel Losinj auf Osor, dahinter ist der 2 km lange Anstieg zu erkennen. 

Freitag, 28. Dezember (Mali-Losinj-Update # 4):

Die ersten Kilometer fallen heute schwer. Ich fahre erstmals in die andere Richtung, nach Südosten, nach Veli Losinj.Sind zwar nur 6 km, aber die haben´s in sich, mit zwei schweren und steilen Anstiegen. Danach geht es rauf nach Osor, den Berg dahinter hoch, dann rauf bis Cres, eine Schleife durch die Ortschaft, am Kloster vorbei, und wieder zurück. Während der Rückfahrt streiche ich insgeheim die geplante zweite Trainingsfahrt am Abend nach Osor ersatzlos. Nein, heute reicht mir die aktuelle Vormittagsfahrt. Sind auch 119,5 km. Der Wind war heute - so ist´s mir halt vorgekommen - noch sehr viel stärker als in den letzten Tagen.

Bild:PICT7539-1.JPG

Blick auf die kleine Hafenbucht in Veli Losinj

 Bild:GK200N Losinj-Orte.jpg

Der Stadthafen von Cres in der Kvarner Bucht ( Kroatien - Kvarner Bucht - Cres ), ein herrlicher Ort um Urlaub zu machen. Die Stadt hat viele Sehenswürdigkeiten. In   der Stadt Cres selbst und deren Umgebung gibt es eine Reihe guter Speiselokale.
Der Urlauber wohnt entweder in einer Ferienwohnung im Zentrum der Stadr oder im Villenviertel Malin im Westen der Stadt. Ferienhäuser gibt es in dieser Gegend nicht.

Hafen in Cres

Cres

Blick auf Cres

Der Schnappschuß am Strand darf auch nicht fehlen!!!

Dafür gibt es am Nachmittag ausgedehnte Spaziergänge in der Cikat-Bucht, am Badestrand, der jetzt so ganz verlassen ist, an den vielen alten im Winter leerstehenden Villen aus der k.u.k.-Zeit vorbei, und dann natürlich auch wieder in Mali Losinj im Hafen, wir suchen wieder ein paar neue Lokale fürs Abendessen. Relaxen pur.

 Mali Lošinj, uvala Čikat

 

Die im Winter verlassene und leere Cikat-Bucht

Am Abend überfresse ich mich erstmals, bin ein Gierschlund und kann nicht genug kriegen. Jetzt kann ich morgen gut 2 Stunden anhängen, um das wieder abzuarbeiten. Ein Verdauungsspaziergang ist danach angesagt, Mali Losinj bei Nacht. Trotz vollgefressenem Bauch wird uns aber kalt und wir marschieren dann sehr schnell wieder zurück ins Quartier. Es war der vierte Tag ohne Fernseher. Unglaublich, wir sind immer noch am Leben.   

 

 

Lubenice, das Bergdorf hoch über dem Meer, sieht ziemlich alt und mickrig aus

Damit nicht genug für heute, es folgen am späten Nachmittag dann noch die üblichen 51 km bis Osor und retour. Habe mich also doch noch aufgerafft zu dueser Einheit, bin gleichmäßig (langsam) gefahren, bei derRückfahrt dann habe ich mich auch schon wieder besser und spritziger gefühlt. Wenn ihr auf Fahrtzeiten, Schnitt, Höhenmeter, etc. wartet, dann müßt ihr wirklich warten. Am Ende des Trainingslagers gibt es dann eine Übersicht mit allen Zahlen. Heute also 171,5 km am fünften Tag. Ich fühle mich gut und stark, gar nicht angeschlagen, mal abwarten, wie es morgen wird. Ich möchte an einem Tag auf die Telefrina klettern, den höchsten Berg der Insel. Dafür muß icha ber auch einen halben Tag rechnen. Naja, warten wir mal das Wetter ab. Die Vorhersage rechnet erst frühestens ab nächsten Mittwoch mit Schlechtwetter. Bis dahin soll die Sonne scheinen, mehr oder weniger  halt. 

Samstag, 29. Dezember 2007 (Mali-Losinj-Update # 5):

So, heute war mal ein etwas kälterer Tag (pardon, kühlerer), 6° in der Früh, bewölkt, der Wind auch nicht so stark wie zuletzt. Ich bin um 10 Uhr diesmal losgefahren, habe mich ausgiebig ausgeschlafen, danach ausgiebig gefrühstückt, lang und ziemlich viel. Aber ich habe langsam gegessen, bin danach relativ schnell losgefahren. Ich weiß, das ist nicht ideal, um 9.55 Uhr war ich mit dem Essen fertig, um 10.01 Abfahrt. Man kann´s auch anders sehen: die Zeit optimal ausgenutzt!    Von Mali Losinj aus Richtung Nordwesten, die gewohnte Strecke rauf bis Osor, dazwischen bei Nerezine die Baustelle, die auch schön langsam nervig ist, da gibt es ein paar hundert Meter Schotterstraße, eine Fahrtrichtung ist immer gesperrt und muß endlos lange warten, ich fahre immer durch, kümmere mich darum nicht. Es geht heute etwas zäh, die Beine sind nicht mehr so frisch wie noch vor ein paar Tagen. Aber spätestens nach dem Anstieg nach Cunski läuft es wieder, paßt der Rhythmus. Kurz hinter Belej dann der nächste steile Anstieg, rauf nach Vrana, die 2 km sind ein Hammer, mit 39/21 muß ich mich schon ziemlich quälen, wenn ich da Gegenwind hätte, wäre diese Übersetzung nicht möglich. Kurz vor der Kuppe, wenige Kilometer später, fahre ich dann links weg Richtung Valun runter, es geht gute 5 km runter zum Meer. Valun ist ein klitzekleines Fischerdorf, die Straße dort runter natürlich eine Sackstraße. Bekannt geworden ist das Nest durch die Fernsehserie "Der Sonne entgegen" Anfang der 80er Jahre, und auch ich habe damals erstmals von diesem Ort gehört. Vielleicht habt ihr ein paar Folgen davon gesehen, mit Heinz Petters, Josef  Meinrad und Erwin Steinhauer in den Hauptrollen. Damals war die ganze Insel touristisch völlig unberührt und auch unbekannt, viel hat sich daran bis heute nicht geändert. Wenn ich nach dem Zustand der Straße gehe, gar nichts. Schmal, schlechte Fahrbahn, Schlaglöcher, enge Kurven, ziemlich schlechter Zustand alles in allem. Die letzten 300 Meter runter zum Strand sind mit gut 22 % ziemlich steil, es geht dann etwa 200 m direkt am Strand entlang in die Ortschaft flach rein. Wende.

 Valun

Fischerdorf Valun

Rückfahrt ist dann natürlich dementsprechend schwer, ich fahre etwa einen Kilometer den Berg hoch, dann rehcts weg nach Lubenice, einem kleinen steinernen Dorf hoch oben am Felsen, besteht auch nur aus ein paar Häusern. Aber es geht wieder steil rauf, auf insgesamt 4,5 km sind 380 Höhenmeter zu bewältigen. Ruppiger Anstieg. Oben Wende, wieder runter, nach 4 km geht es rechts weg und gleich wieder 4 km den Berg hoch, zurück zur Hauptstraße. Ich fahre hier ständig mit 39/21 und 23 - klingt ziemlich steil, aber ich muß auch gleichmäßig fahren, und möchte nicht herumwürgen, also fahre ich lieber eine höhere Frequenz, es ist auch so schwer genug. Zurück auf der Hauptstraße, geht es wieder über Belej runter nach Osor, dann über Nerezine nach Mali Losinj zurück. Geschafft. 120,5 km.

Heute also erstmals keine nachmittägige Fahrt nach Osor, es bleibt bei der einen Ausfahrt am Vormittag. Am Nachmittag spazieren, mit den Kindern in der Cikat-Bucht, in Mali Losinj im Hafen, Beine hochlagern, relaxen.

Sonntag, 30.Dezember (Mali-Losinj-update # 6)

Das war heute wirklich ein ganz schön schweres und hartes Stück Arbeit. Vorbereitung wie bei einem Rennen, ausgiebiges, rechtzeitiges Frühstück, dann zwei Trinkflaschen mitgenommen, Energy-Gel von PowerBar, zusammen mit zwei Äpfel und einer Banane, Handy, Kleingeld, Fotoapparat. So ausgerüstet bin ich um 9.15 Uhr losgefahren. Mali Losinj - Veli Losinj - Mali Losinj - Osor  - Belej - Cres - Porozina, Wende am Fährhafen, den langen Anstieg wieder rauf, 11 km bis zur Kuppe, dann links weg auf einer kleinen, schmalen und leider auch sehr schlechten Straße nach Beli, in Stufen geht es leicht bergab, 6 km lang, dann Wende, wieder zurück den Berg hoch, runter nach Cres und nach Mali Losinj. 172 km, ich brauche sechseinhalb Stunden dafür. Ich war von Anfang an gespannt, wie mein rechtes, verletztes Knie diese Belastung verdaut. Die heutige und die der letzten Tage. Es ist gut gegangen, und um den erwarteten Folgen nach der Trainingsfahrt zu entgegen (Knie wird dicker und beginnt zu schmerzen), nehme ich gleich danach ein ausgedehntes Bad in der Wanne

 

 Beli, hoch über dem Meer gelegen, Blick rüber zur Insel Krk.  

Irgendwie wundere ich mich darüber, wie problemlos bisher alle Ausfahrten abgelaufen sind, vor einem Jahr noch wäre eine solche Belastung undenkbar gewesen. Das gibt mir Hoffnung für die neue Saison, ich komme doch wieder deutlich näher an meine "Normalform" heran, in den letzten Jahren war ich ja schon im Training gehandikapt, das Knie hat dauernd geschmerzt, mir waren da die Grenzen sehr viel enger gesteckt. Heuer - kein Vergleich. Innerlich kribbelt es vor Spannung und Aufregung. Ich kann die ersten Rennen kaum erwarten, das Wintertraining ist bisher jedenfalls hervorragend verlaufen.  

Montag, 31. Dezember (Mali-Losinj-update # 7), SILVESTER: 

Heute also ist es soweit, der letzte Tag des Jahres, nach der gestrigen Marathonfahrt habe ich beschlossen, heute wieder mal zweigeteilt zu agieren: am (frühen) Vormittag Training, ab Mittag dann Televrina-Besteigung. Bereits um 7 Uhr starte ich heute in den sonnigen, heiteren Tag, anfangs hat es nur 7°, bei meiner Rückkehr am späten Vormittag dann aber schon 11°. Vorteil dieses frühen Trainings: da ist der Wind auch noch nicht so stark! Ich fahre bis Osor, dann gleich am Ortsende, noch vor der Steigung, rechts weg nach Punta Kriza. Da geht eine shcmale, schlechte, rumpelige Straße hin, langweilige, fade Gegend, alles verdorrt, alles braun und aus Stein, kein Grün. Das ändert sich erst ein paar Kilometer hinter Punta Kriza, als ich an die Küste komme. Beim Autocamp in Luzare (Campingplatz) drehe ich um und fahre wieder zurück. Keine großen und nennenswerten Steigungen diesmal, nur Hügel. Und "nur" 87 km.

 

 Straße nach Punta Kriza

Dennoch spüre ich diesmal die gestrige Fahrt gewaltig. Die Beine sind sauer, das gibt sich erst in der Rückfahrt, dann kann ich auch wieder - oder endlich - eine hohe Frequenz fahren. Die Steigungen auf der Rückfahrt, Nerezine und Cunski und Mali Losinj, fliege ich förmlich hinauf. Ich fahre leicht und mit hoher Frequenz, brauche viel Luft, aber die habe - das tut der Moral sehr gut, vor allem nach der gestrigen Belastung.

 

Nach dem Mittagessen, das ich vorgezogen habe, startet das nächste Abenteuer. Besteigung der Televrina, des höchsten Berges der Insel, 588 Meter über dem Meer. Mit dem Auto geht es bis Nerezine, 21 km von Mali Losinj, ich fahre zur Seite, auf Schotterwegen ein wenig den Berghang entlang, bis der eigentliche Fußpfad beginnt. Ich kenne den Aufstieg ja schon, der ist markiert, ich schicke die Kinder vor, gebe ihnen eine Viertelstunde Vorsprung, ehe ich starte. Bei mir muß natürlich alles auf Zeit gehen. Aus allem soll ein Trainingseffekt erwachsen. Also quasi ein Berglauf hinauf zum Gipfel. Meine Bestzeit stammt noch aus dem Jahr 1987 und steht bei 19 Minuten. 

 Luftbildaufnahme des Osorscica Gebirgszuges bei Nerezine auf der Insel Losinj

Luftansicht der Televrina, im Hintergrund Mali Losinj, links Osor

am Fu�e des Osorscica Blick von der Stra�e von Mali Losinj nach Nerezine - links der Osorscica

beim Start der Tour in Nerezine beim Start der Tour in Nerezine

beim Start der Tour in Nerezine Blick von der Stra�e von Mali Losinj nach Nerezine - links der Osorscica

am Fu�e des Osorscica 

 

Bilderserie vom Aufstieg und dem Ausblick von der Televrina aus, Gipfelhaus, Gipfelstein und Kasten fürs Gipfelbuch, unten dann am späten Nachmittag am Gipfel.

 Ich hab´die beiden nie eingeholt, und als ich oben war, hab ich sie auch nicht gesehen. Ich hab den Aufstieg diesmal in 20 Minuten geschafft, war also ziemlich schnell oben, immerhin gut 580 Höhenmeter. Natürlich hab ich geahnt, daß sie sich versteckt haben, mich vorbeigelassen und dann lachend hinter mir den Berg hochkommen. Und ich hab sie nicht bemerkt, wie ich keuchend wie ein altes Dampfroß den Berg hochgestampft bin. Naja, oben verstecke ich mich dann und warte (kindisch bin ich obendrein!), aber sie kommen nicht. Verlaufen ist nicht, denn der Weg ist erstklassig markiert. Also warte ich, und tatsächlich, sie kommen lachend den Berg hochgestakst und winden sich fast am Boden, weil ich sie im Vorbeischnaufen nicht bemerkt hatte. Pulswert oben am Gipfel: 192, Durchschnittspuls beim Aufstieg: 181. Nicht schlecht für einen alten Sack. Der Sommer kann kommen.

Die Kinder haben den Rucksack mit der Reservekleidung mit, ich ziehe mich um, zusammen genießen wir den Ausblick und den Abstieg.

SILVESTER IN MALI LOSINJ: Wie von der Welt abgeschnitten, am Hauptplatz unten am Hafen ist zwar ein großer Weihnachtsbaum aufgestellt, und es wird auch schon ein Feuerwerk am späten Nachmittag vorbereitet, aber alles hat nicht diese Dimensionen wie bei uns daheim. Wir sind natürlich live mit dabei, schließlich wird es nur einmal im Jahr Silvester. 

Croatia

Blick über Mali Losinj

 Am Abend begann kurz nach Einbruch der Dunkelheit das Feuerwerk, das stundenlang bis Mitternacht so dahinging, bis es schon langsam fad wurde. Und 15 Minuten nach Jahreswechsel war es auch schon finster und das ganze Theater vorbei. Ein paar Bars und Gasthäuser hatten durchwegs geöffnet, sogar die Gastgärten, die Leute sind im Freien gesessen, bei 6 bis 7°, und Punkt Mitternacht haben wir dann den Jahreswechsel auf Kroatisch erfahren (vom Feuerwerk mal abgesehen), da sind ein paar - eigentlich waren es sehr viele - aus den Häusern gestürmt, mit Maschinenpistolen, und haben ganze Gewehrsalven in die Luft gejagt und alle möglichen und wahrscheinlich unmöglichen Parolen geschrien. Polizei war übrigens den ganzen Abend keine zu bemerken. Naja, ein wildes Volk sind sie halt schon hier. Erschossen wurde - angeblich - niemand, wir sind dann schlafen gegangen, lange nach Mitternacht, als das Leben in der Stadt wie erstorben war und alle ihren Rausch ausgeschlafen haben. Der nächste Morgen war unüblich ruhig, wie eine bleierne Decke ist die Stille über der Stadt gelegen. Um 6 Uhr früh hat keine Schiffsirene geweckt, kein Motorenlärm, kein Autolärm, keine Fischerbotte, die mit reichem Fang reingekommen sind, nicht mal Kirchgänger. Mali Losinj als Geisterstadt. Erst ab 9 Uhr hat sich langsam erstes Leben gereckt. Was es nicht alles gibt.

Hier noch ein paar Impressionen aus Mal Losinj

 Kroatien - Insel Losinj - Mali Losinj

 Dienstag, 1. Jänner 2008 (Neujahr):

Heute also Heimfahrt, ganz früh bzw. gestern noch packen. Ich fahre mit dem Rad von Mali Losinj bis Cres und weiter, bis meine Frau mit dem Auto kommt. Abfahrt um 5.45 Uhr früh, es ist draußen noch finster, aber der Morgen dämmert bereits. Warm eingepackt fahre ich los, rauf nach Osor, den Berg rauf, durch Belej weiter zur Steigung nach Vrana, den Berg rauf, hinten runter nach Cres und ich fahre sogar noch den nächsten Berg rauf bis zur Wasserscheide, der Gedenkstein steht riesengroß neben der Straße direkt am Ende der Steigung. Es ist so ziemlich der schwerste Anstieg der ganzen Insel, wird am Ende immer steiler, ich fahre den letzten Kilometer schon mit 39/21. 68 km. Mit dem Auto den Berg runter nach Porozina zur Fähre. Rüber nach Brestova, dann rauf nach Rijeka und weiter nach Postojna auf die Autobahn. Ich dücke aufs Gas, fahre wie eine gesengte Sau, auf der Autobahn kaum unter 180 km/h - und was muß ich sehen??? Überall Schnee! Ja, das ist das weiße Zeug, das vom Himmel fällt, wenn´s draußen kalt ist! Zwischen Laibach und Celje sogar teilweise Schneefahrbahn auf der Autobahn, ich muß langsamer fahren. Um 13 Uhr sind wir dennoch daheim, um 14 Uhr stehe ich schon wieder frisch umgezogen im Keller, trage das Rad rauf und drehe die Abschlußrunde des heutigen Tages: 83,5 km, diesmal schon daheim in Graz, aber ich nehm´s noch dazu zum Trainingslager, und zusammen mit dem Vormittag ergeben sich so auch am letzten Tag noch 151,5 km. Schade, ist schnell rumgegangen diese Woche.  Aber ich denke, ich habe gut trainiert, wichtige schwere und harte Kilometer in die Beine gebracht. as verletzte Knie hat supertoll gehalten, keine Probleme. Das Material ebenfalls, kein Defekt, kein Reifenschaden. Ein weiterer - nicht unangenehmer - Effekt: ich habe von den seit Anfang November raufgefutterten 5 kg wieder 3 kg runtertrainiert.

Das waren ein paar Bilder noch vom Fischmarkt. Es geht nichts über fangfrischen Fisch! Ups, das ist ja ein Zungenbrecher. Aber da merkt man, daß der Fisch aus dem Meer kommt, nicht aus dem Supermarkt. Und selbst zubereitet - ein Gedicht, es ist nicht mal besonders schwer. Der Fischhändler nimmt den Fisch bereits aus, wie man das möchte, filetiert ihn auch, daheim haue ich die Filets nur mehr in die Pfanne, mit Olivenöl und etwas Knoblauchbrot dazu bin ich wunschlos glücklich.

Panoramabild

Bild:©reini007705.jpg

Bild:©reini007701.jpg

Naja, jetzt ist´s genug der Fotos, wenn ihr mehr sehen wollt  müßt ihr selber hinfahren (ab Graz 485 km).

Trainingslager Mali Losinj 25.12.2007 – 1.1.2008

Datum

Wendepunkt

Distanz

Fahrt-

zeit

Schnitt

Höhen-meter

max.

Puls

durch-schnittl.

Puls

max.

Watt

durch-schnittl. Watt

Di 25.12.

Porozina – Mali Losinj

Osor

83,3 km

51,2 km

3:04´

1:48´

27,2

28,4

1.450

665

168

156

132

124

522

428

295

278

Mi 26.12.

Vidovici

Osor

98,3 km

51,2 km

3:47´

1:49´

26,5

28,3

1.510

665

186

154

136

127

539

417

281

284

Do 27.12.

Merag

Osor

144,0 km

51,2 km

5:22´

1:52´

26,5

27,5

2.440

665

188

158

135

128

545

405

297

268

Fr 28.12.

Veli Losinj bzw. Cres

Osor

119,6 km

51,2 km

4:18´

1:53´

27,7

27,4

1.690

665

170

159

132

124

482

369

291

278

Sa 29.12.

Valun bzw. Lubenice

120,4 km

4:24´

27,3

1.845

180

137

536

312

So 30.12.

Porozina bzw. Beli

172,7 km

6:23´

27,1

3.000

168

132

511

299

Mo 31.12.

Autocamp Luzare

87,4 km

3:02´

28,5

835

154

124

472

232

Di 1.1.

Mali Losinj -

Graz-Hühnerberg-Guggitzberg-Ragnitz-Haslach-Wildon-Kehlsberg-Kalsdorf-Raaba-Graz

68,4 km

83,5 km

2:34´

3:00´

25,4

27,8

1.210

470

191

164

139

127

594

500

319

215


 


 

1.282,4

km

43:16´

27,3

17.100

Hm


 


 


 


 

 

Comune di Cavazzo Carnico

Samstag, 16. Februar 2008 (Lago di Cavazzo-Update # 1)

Endlich wieder Italien! Knappe 3 Autostunden von Graz entfernt, Tarvis, Carnia, Amaro, Cavazzo, Cesclans, Somplago => Lago di Cavazzo! Ruhig, still, kein Tourismus, kein Verkehr, herrlich. Vor dem Hotel stehen insgesamt 4 Teamautos vom GS Grassi Italbonfica Brescia, und jetzt stelle ich meinen Wagen halt noch dazu, damit es dann 5 sind. Wetter: herrlich, heiter, strahlend blauer Himmel (gut, das Wetter hatten wir daheim in Graz auch), aber hier hat es 16°, und das im Schatten! Eine leichte, trocken-warme Brise, angenehm, der Geruch des Wassers liegt in der Luft.

lago cavazzo

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  

Blick vom Gipfel des Monte Festa auf den Lago di Cavazzo (rechts die Autobahn Carnia-Gemona)

Um 7 Uhr früh sind wir weggefahren in Graz, um 9 Uhr waren wir in Tarvis. Am dortigen Marktplatz habe ich den Wagen eingeparkt, mich umgezogen und bin dann mit dem Rad weiter durchs Kanaltal runter Richtung Sonne und Meer gefahren. Meine Frau hat mit den Kindern noch den Markt besucht und allerlei Krimskams und wichtige Kleinigkeiten eingekauft, inzwischen bin ich auf den Sella di Camporosso raufgekeucht (klingt ärger als es dann wirklich ist), 816 m hoch, Tarvis liegt ja "nur" auf 732 m. Und von dort dann geht es permanent bergab, Carnia liegt auf 248 m. Zum Schluß geht es noch über den Sella di Cesclans runter zum Lago di Cavazzo. Auf der schmalen Uferstraße am Westufer nach Süden, dann links weg runter zum See und zum Hotel. 64 km in 1:48´, Schnitt 35,0 km/h, insgesamt 225 Höhenmeter. Ich bin jetzt richtig aufgewärmt für den Nachmittag. Rechtzeitig in Amaro war meine Frau mit dem Auto auch wieder hinter mir, und zusammen sind wir dann rüber zum See zum Quartier gefahren.

Am Nachmittag folgt dann eine Einheit mit den Eliteamateuren aus Brescia, Lago di Cavazzo - Alesso - Peonis - Susans - Tiveriacco - San Daniele - Dignano - Spilimbergo - Sequals - Meduno - Lago dei Tramonti - Clauzetto - Forgaria - Flagogna - Cornino - Susans - Tiveriacco - Osoppo - Trasaghis - Braulins - Bordano - Colle d´Interneppo - Lago di Cavazzo - Somplago - Hotel, 122 km, 725 Höhenmeter, 3:39´, Schnitt 33,5 km/h. Ich bin halbtot, vor allem der lange Anstieg vom Lago dei Tramonti ist ja 17 km lang, 500 Höhenmeter sind zu überwinden, und im Finale dann noch der Colle d´Interneppo mit einem guten Kilometer und einer Steigung von bis zu 10 %. Nicht ohne nach der Distanz, ich habe permanent nur hingehalten. In der ersten Stunde noch so manches Plauscherl geführt, aber dann bin ich immer leiser und stiller geworden, in der letzten Stunde habe ich kein Wort mehr rausgebracht, bin nur hinten an letzter Position gefahren und hatte eineinhalb Stunden lang nur einen einzigen Gedanken: BITTE NICHT ABREISSEN!!!

foto illustrativa

Blick auf Clauzetto (650 m)

Veduta dal Lago

Alles danach habe ich richtig zelebriert: Duschen, heiß duschen (genauer gesagt), das war eine schier unglaubliche Wohltat, umziehen, essen. Und das Essen ist ein wahres Wunder hier. Feinster Schinken, der das Wasser im Mund zusammenlaufen läßt, dazu Fisch in unendlichen Variationen, natürlich Nudeln, die vielen Nudelvariationen, für die die friulanische Küche so berühmt ist, Gemüse, Soßen, alles in allem keine Gegend für mich, denn wenn ich mich da nur ein einziges Mal gehenlasse, habe ich 5 kg zugenommen.

Am Abend dann, nach dem Essen, hocke ich mit Emilio zusammen, dem Wirt des Hotel "Dal Lago". Ich kenne ihn jetzt schon seit ein paar Jahren, ist ein freundlicher, netter Zeitgenosse, ruhig, zurückgezogen, und ein echter Fachmann, was die Radsportszene in Friaul und dem Veneto angeht, sowohl Profis als auch Amateure und Junioren, er ist immer am laufenden und versteht auch von der Materie unglaublich viel. Seit zwei Wochen ist das Amateurteam aus Brescia hier, die sind jetzt in ihrer letzten Woche, dabei ist das nur die zweite Garnitur des Teams, die erste ist ja unten an der Riviera schon im Renneinsatz, die fahren dort die "kleinen" Klassiker in Diano Marina und Laigueglia. Emilio hat ein Herz für Radrennfahrer, ich zahle zum Beispiel schon seit Jahren hier bei ihm nichts mehr, dafür bringe ich ihm immer mal wieder ein paar neue Gäste an. Anfang Februar waren auch zwei Teams aus Slowenien hier bei ihm, die waren zum ersten Mal da, aus  Novo Mesto und aus Laibach, die hatten da etwas Pech mit dem Wetter, es waren meist Regentage. Mit einem Lächeln meint er, da hat er wieder einmal den Unterschied zwischen den italienischen Fahrern und allen anderen gesehen. Während die Italiener ohne zu murren einfach die Winter- und Regenklamotten auspacken, als sei es das Naürlichste der Welt, und dann ihre 3 bis 4 Stunden im Regen runterspulen, verkriechen sich die anderen im Zimmer und zeigen unausstehliche Laune. So als ob er, Emilio, schuld am miesen Wetter sei. Er beobachtet viel und er beobachtet gut, und langsam, während die Minuten verrinnen, wird mir die italienische Zunge immer vertrauter, im gleichen Maße aber sinken die Augenlider nieder und werden schwerer und schwerer. Es war ein langer, sehr langer Tag heute, ich bin müde, verabschiede mich, wanke ins Zimmer, falle ins Bett und während dem Hinfallen bin ich schon im Tiefschlaf.

Sonntag 17. Februar 2008 (Lago di Cavazzo Update # 2)

Zweiter Tag, wieder herrlichstes Wetter, ich starte mit der Grassi-Mannschaft (das sind sage und schreibe 24 Mann!) zur Trainingsrunde. Hauptaugenmerk liegt in dieser Woche am Bergfahren. Wir starten um 8.30 Uhr, es ist noch kühl, aber die Wärme des Tages kündigt sich bereits an. Es hat schon 12°, wird schnell wärmer. Und windstill ist es obendrein. Strecke: Lago di Cavazzo - Somplago -Sella di Cesclans - Calvazzo - Tolmezzo - Villa Santina - Ovaro - Coneghans - Ravascletto - Sutrio - Paluzza - Paularo - Passo el Cason di Lanza - Pontebba - Sella di Cereschiatis - Moggio Udinese - Carnia - Venzone - Pioverno - Bordano - Colle d´Interneppo - Somplago - Lago di Cavazzo. Wie schwer die Strecke ist, zeigen sicherlich schon mal die 2.800 Höhenmeter. Die Steigungen: Sella di Cesclans (1 km lang, 80 Hm), Ravascletto (6 km, 420 Hm), Sella di Ligosullo (7,5 km, 470 Hm),  Passo del Cason di Lanza (13 km, 700 Hm), Sella di Cereschiatis (8 km, 505 Hm), Colle d´Interneppo (1 km, 80 Hm), also 6 Steigungen insgesamt,  der Passo del Cason di Lanza ist mit 1552 m der höchstgelegene (dort war auch ziemlich Schnee neben der Straße, die Fahrbahn selber trocken). Insgesamt 130 km, Fahrtzeit 4:45´(Schnitt 27,6 km/h).

Ravascletto

Ihr könnt auch gar nicht vorstellen, wie ich heute gelitten habe!! Der Sella di Cereschiatis ist mit seinen bis zu 14 % sicher der steilste aller dieser Anstiege, da bin ich mit 39/25 herumgegurkt und habemir da immer gedacht, Gottseidank war der Monte Zoncolan gesperrt, wir sind ja über Ravascletto gefahren (max. 3 km Luftlinie entfernt, aber gute 700 m niedriger!). Bergab mußte ich immer Vollgas fahren, um wieder an die Gruppe ranzukommen. Da habe ich mir jedesmal die Seele aus dem Leib gefahren, nur um jedesmal zu erfahren, daß sie sowieso auf mich gewartet hätten!! Wie ich den Interneppo geschafft habe, den letzten Anstieg, der ja im Vergleich zu den anderen zuvor nur ein kleiner Hügel ist, weiß ich nicht mehr. Ich glaube, ich habe mich heute für den Rest der Woche vernichtet, und es ist am besten, ich fahre wieder heim. Auch ein gutes Essen ändert an meinem Zustand und meiner Meinung nichts. Ich bin tot, mausetot.

Diese Trainingswoche hier mit dem Continental-Team aus Brescia ist für mich eigentlich keine Trainingswoche, sondern eine sauschwere Rundfahrt. Ich sorge vor und versuche schon vom ersten Tag an, mich optimal zu erholen, ich dusche nach dem Training (gut, das ist sowieso normal), aber am Abend lege ich mich jeden Tag für eine Stunde in die Badewanne. Mann, tut das gut! Unwahrscheinlich, was so ein Ladung Wasser, wohltemperiert, ausrichten kann! Die Elitefahrer sind immer in der Gruppe unterwegs, fahren in der Doppelreihe, zwar kein belgischer Kreisel, dafür ist der Haufen einfach viel zu groß, aber für mich ist das ideal, ich hänge hinten drinnen, führe kaum jemals, und habe immer eine ganze Menge Hinterräder und breiter Rücken vor mir.

Montag, 18. Februar 2008 (Lago di Cavazzo update # 3)

Heute war eine Marathondistanz am Programm, dafür aber - Gottseidank! - weitgehend flach. Lago di Cavazzo - Alesso - Trasaghis - Osoppo - San Daniele - Dignano - Casarsa - San Vito - Cordovado - Portogruaro - San Stino di Livenza - Caorle - Brian - San Dona di Piave - Ponte di Piave - Oderzo - Pordenone - Casarsa - Codroipo - Basiliano - Colloredo di Prato - Martignacco - Fagagna - Majano - Osoppo - Trasaghis - Bordano - Colle d´Interneppo - Somplago - Lago di Cavazzo, 385 Höhenmeter, 274 km (!), ein Mörderschlauch, kann ich euch sagen! Doppelreihe, gleichmäßig hohes Tempo, ich habe kaum geführt, bin nur ganz hinten dringehängt, an letzter Position, habe hingehalten, eigentlich von Anfang an. Vor allem von Portogruaro runter bis Caorle war Gegenwind, danach Rückenwind, und das war fürchterlich. Das Tempo sehr hoch, so um die 45 km/h, erst ab Pordenone ist es dann etwas gemächlicher geworden, dafür war es zwischen Basiliano und Majano ein ständiges Auf und Ab, da hatten wir schon klar mehr als 200 km in den Beinen. Natürlich sind wir das nicht an einem Stück durchgefahren, in Prata di Pordenone nach 185 km sind wir etwa eine STunde lang in einem Café gesessen, oder sollte ich richtigerweise sagen: gelegen??. Reine Fahrtzeit 7:15 Stunden, Schnitt 38,6 km/h. Nach 270 km dann der Anstieg zum Colle d´Interneppo, da bin ich sowas von abgerissen, habe da auf 100 Meter Steigung mindestens 90 Meter aufgerissen. Wäre ich doch daheimgeblieben, wäre ich doch heute alleine irgendwohin gefahren! Aber nein, ich Idiot muß ja da mitfahren, mit einem der Top-5-Teams aus Italiens Amateurwelt, ist ein Continental-Team, eigentlich ein Profiteam, was habe ich dabei bloß verloren!?

Lago di Cavazzo

Eine solche Distanz wie heute bin ich schon seit Jahren nicht mehr gefahren. Ich bin - wieder einmal - fix und foxy, freue mich schon seit Mittag auf das abendliche Bad in der Wanne. Heute wollten wir mal auswärts essen gehen, aber ich bin viel zu kaputt, wir müssen das verschieben. Die anderen, die fahren rüber nach Gemona, dort gibt´s ja genug Lokale für Gourmets, Feinspitze und Schleckermäuler. Ich sitze - wieder einmal - mit Emilio zusammen, der sich heute wirklich wundert, daß ich nach den gut 7 Stunden überhaupt noch lebe. "Robert, wie machst du das, du bist doch ein alter Sack, und wie schaffst du das, mit den Jungen mitzuhalten? Die könnten doch teilweise deine Kinder sein!" Gut, ich muß ihm recht geben, ich bin ein alter Sack, der Altersunterschied ist auch gegeben, und ich weiß es auch nicht, wie ich es heute wieder geschafft habe, lebendig zurückzukommen. Ohne Pause hätte ich es sowieso nicht überlebt. Ich bin halt gefinkelt genug, um den Rückstand in Kraft, Energie und Form mit Routine und Erfahrung und Disziplin, mit Ehrgeiz und schierem Überlebenswillen wettzumachen. Jajaja unterschätzt mir den Überlebenswillen nicht! Wenn das Wasser bis zum Hals steht, entwickelt man manchmal ungeahnte Kräfte.

Lusevera

Wir fachsimpeln über das Alter, darüber, daß man den Radsport bis ins höchste Alter ausüben kann, naja, wir reden halt so herum, ist ja auch viel Blödsinn darunter, ich meine, ich bin doch das beste Beispiel dafür, daß meine Zeit abgelaufen ist, nie und nimmer könnte ich in einem Eliterennen mithalten. Dann aber tröste ich mich damit, daß ich in meiner Altersklasse aber doch zu den Besten und Stärksten zähle. Und manchmal, ich betone, manchmal, kann ich auch in einem Eliterennen wenigstens im Feld mitfahren. Ab und zu, das braucht der morbide Körper und der morsche Geist, als Selbstbestätigung dafür, daß man ja doch ewig lebt und niemals älter wird. Da blüht man dann auf, für kurze Zeit wenigstens, man hat wieder das Hochgefühl, die Euphorie und die Kraft der Jugend in den Adern, das Blut pulsiert, das Herz pocht, und die Zeit scheint um Jahre zurückgedreht, während die Erinnerungen ausgebreitet werden. Doch die Zeit vergeht, der Abend kommt schneller als man denkt, die Müdigkeit, die bleierne Müdigkeit, die tief in den Knochen steckt, straft einen dann doch noch Lügen, schließlich kann man die Altersringe nicht verbergen. Die Muskeln haben nicht mehr die Spannung aus der Jugendzeit, die Beine drehen auch nicht mehr so schnell, die Lungen sind auch kleiner geworden und man MUSS erkennen, daß es an der Zeit ist, kleinere Brote zu backen.

Dienstag, 19. Februar 2008 (Lago di Cavazzo update # 4)

Was die Jungs aus Brescia hier trainieren, steht ja in ganz krassem Widerspruch zu jeder gängigen Trainingslehre. Ich meine, nach dem gestrigen Selbstmordkommando wären doch ein paar Ruhetage angebracht. Aber nein, heute stehen wir wieder nach dem Frühstück bereit, eingefallene Wangen, schwarze Ringe unter den Augen, müde Blicke, kraftlose Hände und Beine, es ist deutlich leiser am Frühstückstisch als sonst. Nachwirkungen von gestern oder die Aussichten auf heute? Oder beides?

Lago di Cavazzo - Alesso - Trasaghis - Magnano - Tarcento - Nimis - Passo di Monte Croce - Attimis - Monte San Giacomo - Prossenicco - Monte Ovelach - Lusevera - Tarcento - Magnano - Urbignacco - Ursinis - Treppo Grande - Colloredo di Monte Albano - Tomba a Buia - Rivoli - Osoppo - Trasaghis - Alesso - Lago di Cavazzo, 108 km, Fahrtzeit 3:15´, Schnitt 33,3 km/h, 1.450 Höhenmeter. Die Berge sind nicht ohne, auf den ersten Blick flach, aber die Beine wollen halt nicht so, wie der Kopf gerne möchte. Am Passo di Monte Croce, wo ich im Rennen bisher immer mit 53/19 oder 20 drübergedrückt habe, fahre ich jetzt, zwar sitzend, aber immerhin 39/19. Der Monte San Giacomo ist 7 km lang, flache, weit ausholende Serpentinen, Steigung max. 7 %, der Monte Ovelach ist heimtückisch und mörderisch, jedenfalls in meinem Zustand, lange Gerade, unterschiedliche STeigung bis 12 %, der Anstieg nach Lusevera ist auch nicht viel leichter, 5 km lang, unrhythmisch, unterschiedlich steil, aber diesmal "nur" bis 10 %, danach geht es nur mehr bergab, nur zwischen Treppo Grande und Rivoli wird es nochmal hügelig, genau die Art von Steigung, maximal ein paar hundert Meter lang und max. 8 % steil, die mörderisch weh tut in den Beinen. Am Berg habe ich keinerlei Reserven, bin sofort am Limit und muß abreißen lassen. Aber immerhin schaffe ich es, gleichmäßig den Berg hochzufahren, breche also nicht wirklich ein. Und eh klar, bei dem Kontrast zu einem Continental-Team sehe ich natürlich nicht gut aus.

Die Jungs fahren am Nachmittag nochmal eine dreistündige Einheit, machen da ein paar Intervalle, aber ich bleibe unauffällig im Zimmer, ich habe enorme Probleme, nur über die Stiege nach unten zu gehen. Warum müssen Radfahrer auch immer irgendwo oben im Stock untergebracht sein und NIEMALS im Erdgeschoß???Naja, wenigstens wartet am Abend das Essen und danach die Badewanne. Das Leben macht ja doch noch Sinn.

Mittwoch, 20. Februar 2008 (Lago di Cavazzo update # 5)

Und weiter geht es frohgemut dem physischen Zusammenbruch entgegen. Wieder strahlend sonniger Tag heute, wie zum Hohn, denn mir ist überhaupt nicht nach radfahren zumute. Und dennoch muß ich, ehrgeizzerfressen, wieder bei allem Unfug mitmachen. Heute vormittag geben sich die Elitefahrer ein Bergzeitfahren. Zum aufwärmen rollen wir südwärts um den Lago di Cavazzo herum, rollen die 12 km bis Bordano rüber. Dort starten wir in 30-Sekunden-Abständen auf den Colle d´Interneppo. Nach einem guten Kilometer Anstieg zweigt oben an der Paßhöhe rechts die alte, schmale Militärstraße ab, die auf den Monte San Simeone führt.

 

   

 

Diese Straße hat wirklich alles, um meinen endgültigen physischen Zerfall zu provozieren. Teilweise enorm steil (bis 15 %, durchschnittlich 8 %, sehr unrhythmisch, schmal, schlechter Belag, viele und mit Fortdauer immer größer werdende Schlaglöcher. 27 Kehren und 9 Tunnel führen zur alten, verfallenen Festung hinauf. Es gibt eine behördliche Einbahnregelung: vormittags darf man nur rauffahren, nachmittags nur runterfahren. Die Festung, wo die befestigte Straße endet, liegt auf 1215 m Seehöhe (Startort Bordano liegt auf 235 m).

Der Monte San Simeone mit seiner charakteristischen Form von der Autobahn Carnia-Gemona aus gesehen

Die Startreihenfolge hat irgendwer irgendwann ausgelost, als wir in Bordano ankommen, steht die Reihenfolge bereits fest. Wie bei einer großen Rundfahrt beginnen die schwächelnden Säcke, die großen Kapazunder folgen am Schluß des Starterfeldes. Ich weiß nicht viel, nur soviel: 980 Höhenmeter, 12 km, vor mir nur zwei Starter, nämlich Mechaniker und Chauffeur des Teams. Jetzt weiß ich wenigstens, was die alle von mir halten. Ist ja auch nicht schlecht, brauche ich nicht lange zu warten, komme gleich dran und mit etwas Pech bin ich doch erst als Letzter oben.

Der Blick runter zum Tagliamento

Ich beginne natürlich viel zu schnell, fetze den Interneppo rauf, bin oben mausetot bei der Abzweigung und trotzdem den beiden vor mir um keine Sekunde nähergekommen. Tiefer Frust macht sich breit und wird langsam abgelöst vom Überlebenskampf. So registriere ich gar nicht, wie die jüngeren Elitefahrer einer nach dem anderen an mir vorbeifahren. Die Straße ist schmal, sehr schmal und eng, hat aber immer wieder, hinter jeder Kurve, unerwartet atemberaubende Ausblicke und Panoramasichten parat. Ich weiß gar nicht, worauf ich mich mehr konzentrieren soll: auf das Panorama, den Anstieg, die Atmung, die Übersetzung, die Straße, die Vögel, die Überholenden, meinen Puls etc. etc.

Und rein geht´s in einen der Tunnel - schmal, eng und gefährlich

Ich sauge mich förmlich am Kilometerzähler fest und hoffe inständig, daß die Distanzangabe von 12 km richtig war. Wenn ich mir diese Distanz so lange einbläue und mich derart darauf konzentriere, kann ich natürlich keinen Meter weiter fahren. Frust hoch zwei, als ich erst 2 km geschafft habe. Aber dann geht es ja doch voran, ich fahre sogar gleichmäßig (gleichmäßig langsam halt!!!), breche nicht so richtig ein. Na gut, für meine Verhältnisse nicht mal gar so langsam, ich fahre mit 39/19 auf den Interneppo, schalte dann langsam hoch, 39/21, 39/22 und zu guter Letzt 39/23. Meine gewohnte Frequenz kann ich aber nicht fahren, die kostet mich viel zu viel Luft. Kompromisse über Kompromisse. Wäre ich doch daheim im Bett geblieben!

Atemberaubender Blick auf die engen Serpentinen

Es gibt nichts Flaches zum Verschnaufen, Kehre um Kehre geht es höher, dem Ziel entgegen. Es wird langsam auch wärmer und wärmer, ich schwitze ziemlich, schnaufe noch viel mehr. Einer nach dem anderen kommt an mir vorbei, und ich muß jetzt wirklich langsam Allerletzter sein. Lange kann es nicht mehr dauern. Und vor mir gähnende Leere. Die fahren aber auch alle sehr viel härter, haben höchstens 39/21 aufgelegt. Und wie die vorbeifahren! Richtig schnell, ambitioniert, um jede Sekunde und jeden Meter kämpfend. Das ist halt der Unterschied - ich kämpfe um jeden Atemzug!

Natürlich bin ich irgendwann oben, mausetot, es sind insgesamt 19 Mann an mir vorbeigefahren - ABER NICHT ALLE!!! Für die genau 12,4 km lange Strecke habe ich eine Zeit von 54:12 benötigt - die Bestzeit habe ich um 11:12 Minuten verpaßt - das war eine schier unfaßbare Fahrtzeit von 43:00 Minuten! Auf den letzten anderthalb Kilometern bin ich den beiden vor mir Gestarteten doch noch nähergekommen, die beiden waren zusammen, ich hab sie 800 Meter vor dem Ziel eingeholt und bin 50 Meter vor dem Ziel an ihnen vorbei - die haben sich gewehrt, als ob es um eine Weltmeisterschaft ginge! Und es waren die beiden einzigen, die ich an diesem Tag schlagen sollte. Ist aber auch nicht so schlecht, denn wie ich nachher erfahren habe, waren die beiden auch ehemalige Amateure und nicht mal so schlecht - aber um gut 10 Jahre jünger als ich!


 Ende der Asphaltstraße

 Ich bin dann mit all den anderen runtergefahren, alle hintereinander, ich bin ein paarmal stehengeblieben, habe Fotos geschossen, es war ja ideales Fotowetter, Hochdruck, Fernsicht, alles da. Und irgendwann war ich dann Letzter. Ich fahre also weiter und als ich schon beinahe unten war, vielleicht 2 km vor dem Colle d´Interneppo, großes Tohuwabohu. Ein Pkw hat zwei Radler niedergefahren. Kein Wunder auf der schmalen Straße, aber der Autofahrer ist wie eine Wildsau den Berg hochgerast. Ein Blick auf die Nummerntafel und ich weiß genug - ein  WIENER! Diese Schleimbeutel sind ja wirklich überall! Der Rowdy, bereits umzingelt von gut 20 heißblütigen und tollwütigen italienischen Radlern, die drauf und dran waren, handgreiflich zu werden, schwitzt Blut und Wasser, telefoniert mit seinem Designerhandy, macht auf wichtig. Ich stelle mich neben ihn, er ist vielleicht 25, Gel im Haar, goldene Breitling und ein pechschwarzes BMW-Coupé, das jetzt vorne links leicht zerkratzt  und zerbeult war. Den beiden Radlern ist Gottseidank nichts passiert, die Rennmaschinen sind auch intakt. Sie waren ja auch nicht besonders schnell. Ich frage ihn, ob er gleich an Ort und Stelle den Schaden begleichen will oder ob das eine langwierige Versicherungsangelegenheit wird. Aber da er alleine ist, hat er gegen soviele Zeugen sowieso keine Chance. Als er nach der Schadenshöhe fragt, weiß ich, daß er verloren hat und klein beigeben wird. Mit einem Augenzwinkern rechne ich ihm also vor: zwei Lenker, zwei Lenkerbänder, zwei Bremsgriffe, zwei Schlauchreifen, Laufräder zentrieren, ein Sattel, das wird teuer werden. Vom Schmerzensgeld gar nicht zu reden. Also 1.000.- € wären da schon angemessen, bei einer Verhandlung werden das sicher sehr viel mehr, ganz abgesehen davon, daß er wahrscheinlich bei der Schadenshöhe sowieso in U-Haft genommen wird. Er zückt die Geldbörse und ich sehe, ich traue meinen Augen nicht, der hat doch wirklich ein GANZES BÜNDEL TAUSENDER drin!!! Da wird er den Verlust von einem einzigen wohl verschmerzen, zumal er auf einer gesperrten Militärstraße unterwegs war, also das sieht ganz, ganz böse für ihn aus. Er soll lieber schnell zahlen, ehe die beiden Geschädgten es sich noch anders übelegen udn Anzeige erstatten oder gar in den Blutrausch fallen,  denn dann kann ich ihn auch nicht mehr schützen.

Ich bin von dem Moment an der Held in der Gruppe, die beiden kassieren je 500.- Euro und können es nicht fassen. Ich bin in der Hierarchie ziemlich weit nach oben geschnellt.

Ich fahre nach Hause, um den See rum, über Somplago zum Lago di Cavazzo, die anderen wiederholen das Ganze am Monte Festa, fahren wieder runter nach Bordona und dann wieder in Form eines Zeitfahrens den Monte Festa hoch. Der ist nicht ganz so hoch und die Distanz nicht ganz so lang wie der Monte San Simeone. Ich muß passen, muß mich für den Nachmittag erholen.

Am Nachmittag fahren wir eine kleinere Runde, vom Lago di Cavazzo über Alesso und Trasaghis nach Osoppo, weiter über San Daniele und Dignano  nach Spilimbergo, rauf nach Pinzano, runter ins Tagliamento-Tal, dann drüben rauf, links weg auf den Monte Ragogna (6 km, 400 Höhenmeter), eine unglaublich steile Abfahrt runter, da hat es stellenweise gut 18 % Gefälle, wieder auf schmaler, kurviger Straße und über San Daniele wieder zurück zum Lago Cavazzo. 92 km, 525 Höhenmeter, Fahrtzeit 2:35´, Schnitt 37,1 km/h. Ich bin um mein Leben gefahren, am Monte Ragogna ist es mir sogar nicht mal so schlecht gegangen, ich kannte den Anstieg ja schon, bin mit 39/23 und hoher Frequenz zügig und gleichmäßig hochgefahren. In der Abfahrt bin ich wieder an die Gruppe rangefahren, bzw. haben sie auf mich gewartet. Aber da war der ganze Haufen ja ziemlich zerzaust.

Donnerstag, 21. Februar 2008 (Lago di Cavazzo update # 6)

Heute gab es wieder mal - weil ja so selten - ein Rennen, wir sind zunächst vom Lago di Cavazzo über Alesso nach Peonis und über Susans nach Tiveriacco, dann über Majano und Pers nach Vendoglio und Treppo Grande, Collalto, Tarcento nach Ciseriis, in dem Tal, das ins Grenzgebirge reinführt. Kaum aus Tarcento draußen, ist das "Rennen" freigegeben worden, das Tempo ist angezogen worden und im Handumdrehen war eine wilde Fetzerei im Gange. Auf stetig ansteigender Straße ging es das Tal hinauf auf den 850 m hoch gelegenen Passo di Tanamea, 17 km Steigung ab Tarcento und ein Höhenunterschied von 620 Meter. Diesen Paß kannte ich nicht, einer der wenigen, die mir in dieser Gegend unbekannt waren, aber er war nicht steil, gleichmäßig zwischen 4 und 6 %, im Hochsommer, mit besserer Form, kann ich mir schon vorstellen, da mit dem großen Blatt raufzuknallen. Die Siegerzeit (bei fliegendem Start) für die 17 km lag bei 36:15 Minuten, ich kam nach 39:55 Minuten oben an, in einer kleinen vierköpfigen Gruppe. Wieder unten in Tarcento, sind wir über Magnano und Trasaghis zum Lago di Cavazzo zurückgefahren. Insgesamt also 87 km in 2:25´, Schnitt also wieder 37,2 km/h.

Am frühen Nachmittag fahre ich dann alleine eine Runde, mit dem Team ist mir einfach zu viel. Irgendwann muß man ja den Unterschied merken, das sind Halb- bzw. Profis, ich dagegen ein alter Sack. Und ich habe in den sechs Tagen bisher unglaublich hinhalten müssen, um wenigstens im Windschatten die Hinterraden halten zu können. Die vielen STeigungen haben mir dann endgültig den Rest gegeben, jetzt ist mal eine Pause angesagt. Daher fahre ich am Nachmittag alleine los, Lago di Cavazzo - Alesso - Trasaghis - Magnano - Tricesimo - Nimis - Tarcento - Rivoli - Tiveriacco - Susans - Peonis - Alesso - Lago di Cavazzo, 69 km, 115 Hm, Fahrtzeit 2:15´, Schnitt 30,4 km/h. Das Wetter ist ideal, dennoch bin ich - wieder einmal - danach völlig kaputt. Wir packen alle ins Auto und fahren rüber nach Bordano, in das Schmetterlingsdorf. Wir essen mal ordentlich - viel besser geht es mir danach aber nicht. Der Höhepunkt aber - für die Kinder jedenfalls - ist der Besuch des Schmetterlingsmuseums. Es gibt auch unzählige Käfer und andere Insekten zu sehen, das Hauptaugenmerk aber liegt eindeutig bei den Schmetterlingen. Da gibt es riesige - mit bis zu 15 cm Flügelspannweite und seltene zu sehen.

 In den wunderschönen exotischen Gärten der "Casa delle Farfalle" umwerben, paaren und ernähren sich über 400 der schönsten Schmetterlingsarten der Welt. Es sind drei große Gärten mit tropischen Schmetterlingen zu zählen. ein amazonischer, ein afrotropischer und ein indisch-australischer Garten. Diese Aufteilung stellt in bezug auf andere Häuser, wo die Schmetterlinge nicht nach ihrer Herkunft in verschiedene Bereiche eingeteilt sind, eine Besonderheit dar 

 

 

 

 

In der "Casa delle Farfalle" können sämtliche Entwicklungsstadien der Schmetterlinge beobachtet werden: Ei, Raupe, Puppe und Schmetterling. Es können außerdem die Unterschiede zwischen Tag- und Nachtschmetter-lingen beobachtet werden.

       

Die Schmetterlinge leben in einem eigens für sie eingerichteten Bereich. Dabei handelt es sich übrigens nicht um einen Garten im herkömmlichen Sinn. Wenn auch das Schmetterlingshaus einige bemerkenswert schöne Pflanzenarten aufzuweisen hat, die es mit den schönsten botanischen Gärten aufnehmen können, so geht es doch nur um den natürlichen Lebensraum der Schmetterlinge. Daher die zahlreichen Pflanzen mit von Raupen zerfressenen Blättern oder Anzeichen von Schädlingsbefall, die in botanischen Gärten üblicherweise nicht zu sehen sind. Im Schmetterlingshaus ist Schädlingsbekämpfung nicht zugelassen, hier werden natürliche biologische Kontrollsysteme bevorzugt und es bleibt den Pflanzen selbst überlassen, wieweit sie sich ausbreiten.

 

   Murales a BordanoIn Bordano sind überdies so gut wie alle Häuser mit wunderschönen Motiven bemalt, meist mit Schmetterlingen - wie überraschend!

 Bordano und Interneppo - die beiden  Schmetterlingsorte im Tal der Schmetterlinge - die verfolgen einen hier wirklich auf Schritt und Tritt - entweder in natura, oder auf den Hauswänden, oder im Schmetterlingshaus, oder.... Hier herrscht das für Schmetterlinge beste Klima weltweit. Bordano ist eine Reise wert. Wenn ihr also irgendwann mal in diese Ecke kommt, schaut unbedingt in Bordano mit seinen Schmetterlingen vorbei. Nach ein paar Stunden sind wir wieder heimgefahren, rüber an das Westufer des Sees.

 

 

 Hier noch ein paar Impressionen vom Lage di Cavazzo, oder, wie er auch genannt wird, der Lago di Tre Provinci.

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Freitag, 22. Februar 2008 (Lago di Cavazzo update # 7)

Etwas Gutes hat der heutige Tag schon: er ist der letzte! Heute abend Heimreise! Und dre hat sich noch mal ganz schön gewaschen: die heutige Strecke ist wieder sauschwer, vom Lago di Cavazzo geht es über Peonis und Pinzano  nach Maniago, dann weiter Montereale nach Aviano, und dort wartet die wohl größte Schwierigkeit des Tages, der 12 km lange Anstieg nach Piancavallo mit 1120 Höhenmetern. Ein gewaltiges Stück Arbeit, zumal der Trainer das Rennen freigibt und sich sofort alle mit Todesverachtung in die Steigung werfen. Die ersten 4 km sind mörderisch, ich fahre mit 39/25 und bin schon wieder tot. Danach wird es flacher, die letzten 3 km sind beinahe flach, und wenn ich eine Form hätte, könnte ich da glatt mit dem großen Blatt fahren. Natürlich bin ich wieder bei den Letzten, komme mit 12 Minuten Rückstand auf den Sieger oben an. Natürlich wird gleich weitergefahren, die Ersten haben nur auf die Letzten gewartet, und die beißen die Hunde, denn die können weiterfahren, während die Ersten sich ausgerastet haben - das Vorrecht der Schnelleren. Ich fahre den Anstieg nach Piancavallo in 52 Minuten, vor Jahren bin ich hier in einem Bergrennen hochgefahren und habe dafür 45 Minuten benötigt. Sagt wahrscheinlich auch nicht viel, dieser Vergleich. Jedenfalls fahren wir auf einem ganz, ganz schmalen Steg oder Pfad hinten runter zum Lago di Barcis.

Minigolf nella pittoresca Piancavallo

Das malerische Piancavallo

Der nächste Anstieg, der Passo di San Osvaldo, ist lang, aber nicht sonderlich selektiv. Danach die Abfahrt nach Longarone, rauf nach Pieve de Cadore, Lozzo di Cadore, der dritte Anstieg, jetzt geht es auf den Passo dell Mauria, leicht runter nach Forni di sopra, Ampezzo, Socchieve und Tolmezzo. Dann wird es etwas unübersichtlich, wir müssen von der Umfahrungsstraße runter, rein nach Tolmezzo, damit wir die Straße nach Cavazzo kriegen. Der Sella di Cesclans ist die letzte Steigung, leicht, flach, aber nach der Distanz so steil, daß ich mit der kleinen Scheibe fahren muß. Und 5 Minuten später stehe ich schon am Lago di Cavazzo. Insgesamt also 191 km, Fahrtzeit6:12´, Schnitt 30,8 km/h, 2915 Höhenmeter. Ich glaube, noch toter kann niemand sein.


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