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Tagebuch 2011/Teil 2

 

Donnerstag, 4. Mai 2011

Hab mir jetzt nochmal die Trophee Wallonie ganz lebhaft in Erinnerung gerufen. Aber das Jahr 1985 war auch in anderer Hinsicht bemerkenswert. Da gab es beispielsweise die beiden ganz großen Etappenrennen, Wien-Gresten-Wien und Niederösterreich-Rundfahrt, unmittelbar hintereinander. Doch davon später.

Jetzt möchte ich euch ein Geheimnis verraten. Die Existenz meines HEILIGEN BUCHES. Die Saison 1977 war meine erste. In dem Jahr bin ich bei den Junioren 40 Rennen gefahren. Und irgendwann im Sommer habe ich die Bedeutung erkannt, aus jedem Rennen, das man fährt, irgendeine Lehre zu ziehen. Ein Resümee. Und ich hab sofort begonnen, rückwirkend mit dem ersten Rennen, einem Jugendförderungsrennen in Raaba, mir die wichtigsten Punkte jedes Rennens aufzuschreiben.

Da steht zum Beispiel unter "27. März 1977, Jugendförderungsrennen Raaba, 66 km, 21. Platz" folgender Eintrag: "Nicht hinten fahren, vorausschauend fahren" In der Tat, das war damals der Grund, weshalb ich abreißen lassen mußte. Und so habe ich aus jedem Rennen eine Weisheit mitgenommen, festgehalten mit teilweise schon vergilbter Handschrift. Werde in naher Zukunft diesen Schatz mal digitalisieren.

Samstag, 7. Mai 2011: SPORTLEREHRUNG IN WÖRGL

Habe sehr lange überlegt, ob ich da überhaupt hinfahren soll. War bisher immer Ende Jänner, der neue Termin paßt uns Radsportlern ja überhaupt nicht - da ist Rennsaison. Ich hätte heute z.B. ein Rundstreckenrennen in Ljutomer in Slowenien, naja, hab mich dann also doch entschieden, nach Tirol zu fahren, dafür morgen, Sonntag, dann das Straßenrennen in Slowenien. Ich brauche jedes Rennen, jeden Kilometer. Es wartet noch so viel Arbeit, um zu einer ansprechenden Form zu kommen.

In der Aula des Schulzentrums kamen wieder Sportler und Sportlerinnen aller Coleur zusammen. Bedingung waren eine Medaille bei österreichischen oder Tiroler Meisterschaften oder der Sieg in einem internationalen Bewerb. Leider war die Akustik in der Aula wie in den letzten Jahren auch völlig unter jeder Kritik. Da steht der Sprecher keine 3 Meter vor mir und brüllt ins Mikro und ich verstehe kein Wort. Abschließend gab es ein Buffet, nicht mehr so üppig wie in den letzten Jahren. Jaja, der Sparstift. Viel zu spät bin ich dann aufgebrochen, Richtung Steiermark und zu 2 bis 3 Stunden Schlaf. Mehr ging sich leider nicht mehr aus.

Am Vormittag hatte ich noch ein paar Kilometer runtergekurbelt, das Training wollte ich nicht missen.

Blick auf Wörgl

Das Schuzentrum u. Veranstaltungszentrum - leider mit furchtbarer Akustik in der Aula!

Es war eine lange Autofahrt, 5 Stunden hin und 5 Stunden zurück, dann 3 Stunden schlafen und weiter geht´s nach Slowenien runter. Ich merke das Alter, es fällt mir zunehmend schwerer, diese Husarenritte zu absolvieren. Vor allem die ersten Male im Jahr.

Sonntag, 8. Mai 2011: STRASSENRENNEN IN LJUTOMER (Slowenien)

Gerädert komme ich in Ljutomer (Luttenberg) an, einem kleinen Örtchen im nordslowenischen Hügelland. Mir ist heute so gar nicht nach einem Rennen zumute, ich muß mich zwingen, mich zu konzentrieren. Umziehen, Startnummer holen, Strecke anschauen. Anspruchslos, schmale, kurvige Straße, flach, aber windig. Ich drehe ein paar Runden und schlafe immer wieder ein. War wohl keine besonders gute Idee, gestern noch aus Tirol heimzufahren und heute hier zu starten. Gottseidank ist´s nicht weit hierher, knappe eineinhalb Autostunden von Graz aus.

Ljutomer

Dienstag, 10. Mai 2011

Wieder einmal starke Kopfschmerzen. Manchmal, in so Situationen wie heute, habe ich die Befürchtung, daß ich was ganz Schglimmes ausbrüte. Naja, amn solchen Tagen kann ich nicht viel anfangen. Zu dumm, daß diese Tage immer mehr werden. AmWochenende folgt das Straßenrennen in Schrobenhausen (Bayern) auf neuem, selektivem Kurs. Solche Pläne bringen mich auf andere Gedanken und lassen mich die Kopfschmerzen vergessen.

Mittwoch, 11. Mai 2011

So schnell, wie sie gekommen sind, waren die Kopfschmerzen heute wieder weg. Als ob nie was gewesen wäre. Habe ich Halluzinationen???

Donnerstag, 12. Mai 2011

Schrobenhausen ist gestorben. Der Hans ist noch  nicht so weit, hat sich nach seinem Handbruch noch nicht so weit erholt und ist mit dem Training auch noch nicht so weit, daß er sich dieses schwere Rennen zutrauen würde. Schweren Herzens habe ich meine Nennung zurückgezogen. Werde wohl in Slowenien starten - wieder einmal.

Freitag, 13. Mai 2011

Ein Bekannter hat mich heute gefragt, weshalb ich auf einmal so viele Rennen in Slowenien fahre. Hat natürlich mehrere Gründe: zum einen sehe ich im Moment aufgrund meiner Form bzw. meiner Unform keine Möglichkeit, in die Preisränge zu fahren. Daher sind diese Rennen für mich nur Training. Und da wähle ich mir jene Rennen aus, die den geringsten Aufwand verlangen. 3.- € Nenngeld und eine gute Autostunde Anfahrt sind Trümpfe, die nicht wegzuwischen sind. Zum anderen ist in Slowenien ein langsamer, gezielter Aufbau leichter möglich als daheim in Österreich, dort kennt mich niemand, da brauche ich mir keine blöden Bemerkungen anhören, da ist es egal, ob ich vorne mitfahre und hinten absteige.

Samstag, 14. Mai 2011: STRASSENRENNEN IN LENDAVA 

Ein neuer Rundkurs in Lendava, 16 km lang, wunderschön im Dreiländereck Slowenien/Kroatien/Ungarn gelegen und 96 km lang, da kann ich nicht NEIN sagen. Herrliches Frühlingswetter, eigentlich schon ein sommerliches.

Ich kenne die Gegend hier schon, die Strecke ist flach. Und trotz der langen Distanz sind über 100 Mann am Start. Was will ich mehr? Dann der Schock: als ich meine Rennmaschine herrichte, merke ich, daß ich eine Trinkflasche daheim vergessen habe. Scheiße! Bei der Distanz brauche ich aber eine. Ich habe noch etwas Zeit bis zum Start, also fahre ich mit demAuto durch die Ortschaft, finde einen Baumarkt und sehe dort nach, und richtig, ich finde um 2,50 € eine Plastik-Trinkflasche. Sieht zwar aus, als sei sie ein Relikt aus dem Weltkrieg, aber was soll´s.

Mein Start ist gerettet.

Sonntag, 15. Mai 2011: STRASSENRENNEN IN TISINA

Das ist vielleicht ein Bauernkaff!

Damit ihr einen Eindruck davon kriegt, wie´s hier aussieht!

Donnerstag, 19. Mai 2011

Habe in dieser Woche sehr viel Berg trainiert. Semriach, Schöckel, Rechberg, dann die Runde mit den steilen Anstiegen Hiening und Freßnitz. Am Berg sehe ich jetzt die größten Probleme auf mich zukommen. Da habe ich riesigen Nachholbedarf. Und am Wochenende wartet das Bergzeitfahren auf den Blassenstein.Weiß ich seit genau 5 Minuten. Scheiße, hätt´s beinahe übersehen.

Samstag, 21. Mai 2011: BERGZEITFAHREN SCHEIBBS - BLASSENSTEIN

Die lange und aufreibende Anfahrt nach Scheibbs (3 Stunden durch das Voralpengebiet) zieht mir jedes Mal den Nerv!

Blick auf den Ötscher!

Nach dem enttäuschenden 4. Rang packe ich zusammen und fahre gleich wieder nach Hause. Den Ort einer Niederlage verläßt man am besten sehr schnell.

Sonntag, 22. Mai 2011: STRASSENRENNEN IN MARIBOR/BREZJE

Zwar bin ich bis vor drei Tagen der Meinung gewesen, heute beim Vulkanland-Marathon bei Feldbach zu starten, habe dann aber in letzter Minute wieder alles umgeschmissen. Naja, solange ich keine Plazierungen einfahre, ist es eigentlich ja egal, wo ich fahre, für mich ist´s alles nur ein Training. Hab vorher nicht gewußt, daß in Marburg ein Rennen ist, Marburg und Feldbach sind zwar von Graz etwa gleich weit entfernt, Anfahrt also ungefähr gleiche Kosten, aber das Nenngeld! Beim Marathon über 50.-, hier in Marburg 3.-: und diese Überlegung hat letztlich den Ausschlag gegeben.

Blick auf das kleine Dörfchen Brezje am östlichen Marburger Stadtrand

Herrliches Wetter, für Nachmittag sind Wärmegewitter angesagt, aber da bin ich hoffentlich schon wieder am Heimweg. Es ist etwas umständlich, nach Brezje zu kommen, da muß ich durch Marburg durch, verfahre mich ein paarmal. Dann sehe ch mir mal den 7,5-km-Rundkurs an. Völlig flach, schmale Straßen. Ja, die längere Distanz in Feldbach wäre schon wichtig gewesen. Aber hier fahren wir auch 12 Runden.

Und obwohl ich dann bei der Heimfahrt nur eine Stunde im Auto sitze, werde ich unglaublich müde, andauernd fallen mir die Augen zu. Endlich bin ich dann wieder daheim - und sofort wieder putzmunter!

Nächste Woche steht dann schon die Straßenmeisterschaft vor der Tür - kommt ein bißchen früh heuer, der Heimo hat sich auch schon angesagt, er möchte mitfahren nach Amstetten.

Montag, 23. Mai 2011

Ich fühle mich krank, es regnet, hat auch etwas abgekühlt (Temperaturen waren ja schon wie im Hochsommer!). Kopfschmerzen, Halsschmerzen, kann wieder mal kürzertreten. Vielleicht wird´s bis morgen ja besser.

Dienstag, 24. Mai 2011

Im Training läuft´s ja schon ganz gut, ich fahre die ersten Intervalle, ich fahre hochfrequentige Passagen mit bis zu 10 Minuten Länge, jetzt bin ich so weit, daß mir ein paar schwere Rennen durchaus weiterhelfen würden.

Mittwoch, 25. Mai 2011

Ich trainiere zwischen zweieinhalb und drei Stunden täglich jetzt. Die Woche war bisher ziemlich durchwachsen. Die Ausdauer ist okay, aber sonst fehlt´s an allen Ecken und Enden. Habe jetzt erst seit 3 Monaten trainiert, die anderen arbeiten den Winter durch. Und in diesen drei Monaten mußte ich zunächst mal den Rückstand aufarbeiten, wie auch immer, ich darf mich nicht beklagen.

Und die Meisterschaft am Wochenende? Ha, ist mir egal, ist kein Ziel von mir, mit meiner Form muß ich froh sein, wenn ich ins Ziel komme. So früh im Jahr und so gar keine Rennen davor, nichts bis auf das Kirschblütenrennen, das ist halt eine fatale Terminplanung. Wer sind diese Dumpfbacken, die einen solchen Terminkalender zusammenstellen? Eine Straßenmeisterschaft hat in der ersten Saisonhälfte absolut nichts verloren. Werden die Termine per Losentscheid vergeben? Oder im Rahmen einer Tombola?

Samstag, 28. Mai 2011

Heute bin ich mit´m Heimo nach Amstetten rausgefahren, am Nachmittag, um 14.15 Uhr sind wir in Graz losgefahren. Heute wär das Bergrennen in Kindberg, in Slowenien ein Straßenrennen, hab ich alles ausgelassen.

Im Herzen des Mostviertels, 1,5 km südlich von Amstatten, kurz vor der 1000-m-Marke des morgigen Straßenrennens, haben wir im Gasthof Ortmayr Quartier gefunden. Und billig obendrein. Morgen gibt´s Frühstücksbuffet. Und das alles um 32.- € pro Person.

Sonntag, 29. Mai 2011: ÖSTERREICHISCHE STRASSENMEISTERSCHAFT IN AMSTETTEN

Es ist soweit. Leider hab ich das Frühstücksbuffet nicht ausgenutzt, ich kann ja nicht mit vollgefressenem Wanst am SDtart stehen. 6 Runden á 11,6 km, 132 Höhenmeter pro Runde, das sind knappe 800 Höhenmeter. Und die Konkurrenz? Master II und III starten wieder gemeinsam, aber diesmal fehlen einige Fahrer, die im Vorjahr noch dabei waren. Groß Rudi (ARBÖ Feld am See), der regierende Meister der Klasse III, fährt den Kärnten-Marathon (muß er, da es eine eigene Veránstaltung ist, und die Koffern haben den Termin mit der Meisterschaft zusammengelegt!), der Taucher wird immer jünger, je älter er wird, heuer fährt er schon Master 1, im Vorjahr noch Master 2, eigentlich ist er Master 3. Matejka fehlt, dafür ist Treitler aufgestiegen und ein ganz heißer Tip, Gillmayr (ARBÖ Wels) und der Günther Iby vom Veranstalterverein, oder aber irgendein Außenseiter. Und meine eigenen Chancen? - Wie gesagt, ich möchte ins Ziel kommen, natürlich im Feld und nicht auf der Tragbahre, ich wünsche mir trockenes Wetter und halbwegs gute Beine.

Start und Ziel oben in der Kaserne, endet das Rennen mit dem schwersten und längsten Anstieg der Runde. Heimo und ich gehen am Vorabend noch diese Steigung ab, spazieren bis zur Kaserne rauf und ein paar hundert Meter weiter, dann wieder zurück.

Heute ein herrlicher Tag, heiß, Sonnenschein, von Regen keine Spur, es ist ein Sommertag.

Dienstag, 31. Mai 2011

Heute einziger Trainingstag dieser Woche, denn am Wochenende steht ein ganz harter Einsatz bevor: 5 Rennen von Donnerstag bis Sonntag! Zunächst der Schwechater Marathon und dann die Langenloiser Remax-Radsporttage - vier Tage Rennsport nonstop! Mal sehen, wie weit ich mit meiner Form schon bin. Sollte interessant werden, zwei lange Distanzen gleich zu Beginn, Wettervorhersage heiß und unbeständig.

Donnerstag, 2. Juni 2011: SCHWECHATER RADMARATHON

Das Wetter paßt, aber schon der erste Renneinsatz an diesem langen Wochenende, beim Schwechater Marathon, kostet mich viel mehr Nerven als geplant und noch viel mehr Substanz. Es ist heiß und vor allem schwül, ich hab nur eine Trinkflasche mitund trockne vollständig aus. Hätte gut und gerne 3 bis 5 Liter gebraucht! Nach dem Rennen schütte ich Flüssigkeit literweise in mich rein, mit dem Effekt, daß ich schon eine Stunde später Dünnschiß habe!

Und nach dem Sturz in Mannersdorf machen sich auch die Nachwirkungen bemerkbar: am Abend im Quartier in Langenlois merke ich erst, wo ich überall Verletzungen davongetragen habe: die linke Schulter und der linke Oberarm schmerzen unheimlich, sobald ich  ihn über Kopfhöhe hebe. Dazu der linke Ellbogen, die rechte Hüfteund der rechte Knöchel. Hautabschpürfungen und Prellungen, doch jetzt tun auch leichte Bewegungen schon weh. Die Nacht verläuft dementsprechend.

Freitag, 3. Juni 2011: LANGENLOISER RADSPORTTAGE, STRASSENRENNEN IN LANGENLOIS

Die Langenloiser Radsporttage beginnen mit demlangen, flachen Straßenrennen. Ich fahre erstaunlich gut, habe den gestrige Tag weitgehend weggesteckt, nicht aver die Sturzfolgen. Die Schmerzen behindern mich doch einigermaßen. Wird Zeit, daß sie verschwinden.

Weinbauort Langenlois

Zum zweitenmal werden die Radsporttage unter dem Hauptsponsor Remax gefahren. Anscheinend haben die ganz schön ordentlich viel Geld springen lassen, denn es wird auf Hauptstraßen gefahren, eine große Runde, viel Begleitpersonal, viel Exekutivbeamte in Langenlois selbst beim Zielgelände, das ist ziemlich teuer. Es wird mit Chipzeitmessung gefahren, leider ist es sehr, sehr schwül. Alle stöhnen und ächzen unter diesen Bedingungen.

 

 

 

 

 

 

 

Hauptplatz in Langenlois

Vor allem das Rennen der Frauen genießt inernationalen Anstrich, es sind Deutsche und vor allem Schweizer am Start. In den Masterklassen hat sich auch durch den neuen Hauptsponsor nichts geändert, es gibt weiterhin nur 3 Preise pro Altersklasse, daher auch beschämend wenige Starter. Die Strecken sind sehr schwerund selektiv, die Veranstalter bemühen sich, die Veranstaltung hat sich eine solche Beteiliugng wirklich nicht verdient. Aber Langenlolis genießt halt auch in Rennfahrerkreisen das Attribut, sehr schwere Rennen zu veranstalten. Da ziehen es leider auch viele vor, durch Fernbleiben zu glänzen.

Dem Weinbau begegnet man hier auf Schritt und Tritt

Samstag, 4. Juni 2011: LANGENLOISER RADSPORTTAGE, BERGRENNEN SCHILTERN UND EINZELZEITFAHREN  ETSDORF

Heute finden zwei Rennen statt, am frühen Vormittag ein 9-km-Bergrennen nach Schiltern rauf, anfangs flach, erst der letzte Kilometer führt steil durch den Wald auf die Schilterner Höhe hinauf. Gegen die Strecke gibt es nichts zu sagen, ist durchaus selektiv, mal was anderes. Und die Besten sind wieder vorne.

Am Nachmittag dann das Zeitfahren, leider auf der Hauptstraße mit vielen Kreisverkehren und äußerst mangelhafter Absperrung. Über denRennverlauf könnt ihr  an anderer Stelle nachlesen, hier möchte ich mal nicht mit Kritik sparen. Wer mit so viel Geld eine Veranstaltung aufzieht, muß sich auch mal was sagen lassen. Vor allem dann, wenn mit dem Geld derart sorglos und stümperhaft umgegangen wird. Die meisten von euch wissen ja, daß ich nicht unbedingt ein großer Freund eines flachen Zeitfahrens bin. Aber egal, gewisse Grundregeln sollte man dennoch einhalten. Die beiden wichtigsten sind: Sicherheit der Teilnehmer und Objektivität des Rennens. Beides war hier nicht mal in kleinster Formgegeben. Ich weiß schon, es ist nicht leicht, ein Rennen durch den Hauptverkehr zu lotsen. Und es ist auch nicht damit abgetan, alle paar hundert Meter einen uniformierten Helfer zu plazieren. Irgendwer bei der Organisation hat sich eingebildet, dasZeitfarhen auf der Bundesstraße ablaufen zu lassen. Völlige Schnapsidee! Ist bei dem Verkehrsaufkommen nur mit einer völligen Straßensperre zu machen! Und hier rcht sich auch die Manie, alle paar hundert Meter einen Kreisverkehr zu bauen. Diese Unart hat schon bei den großen Rundfahrten viele unnötige Stürze verursacht, war hier nicht viel anders.  Wann lernen die Leute endlich, daß die  Polizei NICHT dein Freund und Helfer ist??? Wenn ein Exekutivbeamter im Kreisverkehr steht und dem Autofahrer deutet, er solle schneller durchfahren, wird genau das Gegenteil passieren: voller Schtreck, irgendwas falsch gemacht zu haben, wird der Autofahrer bremsen. Und in Nullkommanix ist die stehende Autokolonne vor jedem Kreisverkehr entstanden. Solcherart wird eine Durchfahrt für den Rennfahrer lebensgefährlich. Und ein solches Zeitfahren dauert mit den vielen Kategorien  stundenlang, da werfen dann alle Streckenposten die Nerven weg. Ein reguläresRennen ist es schon lange nicht mehr. Ich habe einige Teilnehmer gesprochen, die falsch eingewiesen wurden (ich war auch einer davon!) Ein kleiner Tip: rasch wieder her mit der Vorjahrsstrecke! Streckenprofil hin oder her, allen kann man es sowieso nicht recht machen.

Und wenn ich lesen muß, daß ausgemusterte Postbeamte zwangsweise zur Polizei versetzt werden und dort aber keine Aufnahme finden, weil sie der deutschen Sprache nicht mächtig sind und nicht mal eine e-mail senden oder lesen können, ich aber bei diesem Rennen mein Schicksal in die Hände von gut 20 Polizeibeamten legen soll, fällt mir dieser Entschluß auch nicht unbedingt leichter.

Noch ein weiteres Wort zur Streckenwahl: die Rückfahrt mit der Kopfsteinpflasterpassage, noch dazu bergab zum Kreisverkehr am Hauptplatz, ist auch keine glückliche Lösung. Einerseits würdigt man das Engagement der Veranstalter, dann sieht man aber wieder solche Patzer, die einem dkie ganze Freude vergällen. Das stundenlange Warten auf die Preisverteilung ist da nur mehr das Tüpfelchen auf dem i - vor allem, wenn man dann erfährt, daß das Renngericht zunächst mal ausgiebig essen geht.

So, genug der Kritik, es waren ja auch durchaus schöne und spektakuläre Rennen, selektive Strecken und starke Konkurrenz, also sollte man dazwischen auch ein paar lobende Worte finden.

Sonntag, 5. Juni 2011: LANGENLOISER  RADSPORTTAGE, KAMPTALER STRASSENRENNEN

Die traditionelle Runde über den Schilterner Berg wurde auch etwas entschärft, was ich persönlich gar nicht begrüße: bisher hatten wir das Ziel ja oben am Berg, sind diesen Anstieg, den schwersten des ganzen Rennens, einmal mehr gefahren als Runden waren (in meiner Klasse 3 Runden, daher 4mal den Anstieg). Jetzt war das Bergrennen schon relativ leicht, da kann man doch ruhig das Straßenrennen schwer und selektiv lassen, aber nein, das Ziel muß jetzt in Langenlois unten sein, daher drei Runden, dreimal über den Schilterner Berg. Und durch die umständliche Ortsdurchfahrt wurde die Runde sehr viel länger, nämlich 24,8 km. Wichtiger Aspekt für die Gesamtwertung: durch das bisherige Ziel am Berg konnte man wenigstens mit ein paar Sekunden Zeitdifferenz innerhalb einer Gruppe rechnen, jetzt fällt das wieder weg. Durch die lange Abfahrt bis zum Ziel läuft meist wieder alles, zumindest aber vieles, zusammen. Aber ich will nicht schon wieder kritisieren.

Fazit dieser halben Woche: es waren schöne und tolle Rennen, sehr schwere, die mich sehr viel weiter gebracht haben. Mein Trainingsrückstand wird zusehends geringer, leider kann ich noch nicht ganz so fahren wie ich gerne möchte. Die Form ist noch nicht da, ich kann mich noch nicht so richtig quälen, obwohl es schon ansatzweise funktioniert. Da brauche ich noch ein  paar Wochen... Nichtsdestotrotz waren es wichtige Rennen, die ich dringend gebraucht habe.

Dienstag, 7. Juni 2011

Habt ihr schon mal darüber nachgedacht, mit welchem unnützem Krimskrams euer Gehirn vollgepackt ist? Voller unwichtiger und unnötiger Details. Beispiel: ich erinnere mich noch ganz genau an den Baumstumpf im Kurpark des Heilbads Andeer in der Ostschweiz, auf dem ich 1985 gesessen bin und auf die Siegerehrung gewartet habe.  Und während ich mich an diesem knorrigen, uralten, riesigen Baumstumpf erinnere, kommen auch die Bilder dieses Rennens wieder, des Bergrennens von Andeer nach Yuf hinauf zur Rheinquelle in über 2100 m Höhe. Der haushohe Favorit Ueli Zimmerli hatte in der Vorwoche das Bergrennen Ilanz - Vals gewonnen, war ich Hochform und wurde als alleiniger Siegeskandidat in Andeer gehandelt. Nach 15 km war ich in einer 6-Mann-Spitzengruppe, Zimmerli war auch dabei. Nach Innercarrera kamen ein paar Tunnel, bei einer Steigung von ca.10 % habe ich da immer wieder aufs Tempo gedrückt. Mit dem Hintergedanken, Zimmerli, der bekannt dafür war, ziemlich hart zu fahren, langsam mürbe zu machen. Und dann,bei der 14%igen Steigung in Avers, dem entscheidenden Kernstück der Strecke, ist es dann Ernst geworden. Zimmerli ist lang und länger geworden, und natürlich haben da alle forciert, mit dem Ergebnis, daß die Gruppe ratzfatz auseinandergeflogen ist.

Ueli Zimmerli bei der Transalp

Und wie immer, wenn sich zwei so kindisch streiten, ist da irgendwo ein Dritter, der davon profitiert. Und als Armin Darms angetreten hat, waren alle überrascht. Naja, Zimmerli ist Vierter geworden, nicht mal am Stockerl gewesen. Ich war am Stockerl, habe aber dennoch nicht gewonnen. Schon mal daran gedacht, daß diese unnützen und wertlosen Details vielleicht nur dazu da sind, um sich die wirklich wichtigen Fakten zu merken??

Donnerstag, 9. Juni 2011

Heute ist es mir ziemlich mies gegangen. Die Sturzverletzung vom Schwechater Marathon, die verletzte Schulter, schmerzt in den Anstiegen sehr, wenn ich am Lenker ziehe. Dann habe ich jetzt auch noch eine kleine Verkühlung eingefangen. Ist euch auch schon aufgefallen, daß diese beschissenen Verkühlungen und Infekte immer dann kommen, wenn die Form immer besser wird??

Ein langes Pfingstwochenende steht bevor. Mein Terminkalender ist noch voller Lücken. Ich suche und suche. In Österreich sind heuer so verdammt wenige Rennen. Habe jetzt eine dreitägige Veranstaltung im ungarischen Csesztreg gefunden, von Samstag bis Montag. Am Samstag ein Kriterium, am Sonntag ein Zeitfahren und am Montag ein Straßenrennen. Bei uns hier in Trieben die Österreichische Zeitfahrmeisterschaft, am Montag ein 90-Minuten-Marathon in Schwanenstadt, am Sonntag auch der Leithaberg-Marathon in Purbach. Wer die Wahl hat, der hat auch die Qual.

Hab mir die Strecken angesehen: am Samstag Training, am Sonntag Zeitfahren in Trieben, am Montag Straßenrennen in Csesztreg. Was soll ich von einem Ort halten, der sich wie "Scheißdreck" anhört??? Liegt 52 km hinter Murska Sobota im Dreiländereck Ungarn/Slowenien/Kroatien. Der 90-Minuten-Marathon in Schwanenstadt: was bitte soll daran ein Marathon sein???

Samstag, 11. Juni 2011

Gesundheitlich geht es mir wieder besser, hab in letzter Sekunde die Kurve gekriegt.  Hab heute eine Stunde mit der Zeitfahrmaschine hinter mich gebracht. Hab mir die Strecke auf der Karte angesehen, mich damit vertraut gemacht.

Sonntag, 12. Juni 2011: ÖSTERREICHISCHE ZEITFAHRMEISTERSCHAFT IN TRIEBEN

Hab wieder ein paar alte Bekannte getroffen, wie den Franz Venier, den Extremradler, der mich gefragt hat, welche Abmessungen man bei der Zeitfahrmaschine beachten muß, und dann noch gemeint hat: "Ich hab alle 24-Stunden-Rennen gewonnen, hab ich das notwendig? Wenn die mich nicht starten lassen, fahre ich gleich wieder heim!" Ha, er ist natürlich gestartet.

Montag, 13. Juni 2011: STRASSENRENNEN  IN CSESZTREG (Ungarn)

Es ist immer so etwas wie ein Schock, wenn ich über die Grenze in den Osten fahre. Der Dreck verfolgt dich überallhin. Umweltverschmutzung zum Quadrat. Und das Scheißdreck-Dorf macht seinem Namen alle Ehre. Im Startbereich ist die ganze Fahrbahn voller Kuhdreck. Duschen gibt es nicht, Parken muß man im Gelände. Und das scheint ein frischer Komposthaufen zu sein. Jedenfalls ist das alles nicht sehr anziehend.

Mittwoch, 15. Juni 2011

Auch im Training merke ich noch meine Schulterverletzung. Das ist vor allem bergauf sehr hinderlich.

Freitag, 17. Juni 2011

Die ganze Woche war sehr schwül, sehr heiß, meist am Abend mit Regenschauern. War heute nicht viel anders. Ich hab taäglich so zwischen zweieinhalb und drei Stunden trainiert.

Samstag, 18. Juni 2011: RUNDSTRECKENRENNEN IN RACE

Race liegt im Becken unterhalb von Marburg, ca. 90 km südlich von Graz. Eine lokale 6-km-Runde, anspruchslos, aber  mitten im Wochenendverkehr.  Nur: das kümmert genaugenommen niemanden. Solange man in einer größeren Gruppe fährt, ist es auch gefahrlos. Die Probleme beginnen erst, wenn man alleine unterwegs ist und glaubt, ein Rennen zu fahren. Da wird man schnell eines Besseren belehrt.

Bei der Rückfahrt spätabends beginnt es gleich hinter der Grenze zu regnen. Das kann ja morgen beim Kriterium in Stattersdorf heiter werden. Im wahrsten Sinn des Wortes.

 

 

   

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bis 1991 fuhr Simon alljährlich die Tour. Danach beendete er nach Paris-Tours seine Karriere, er belegte den 147. Platz. Ein Jahrzehnt später, 2001, übernahm sein jüngerer Bruder Francois ausgerechnet in Alpe d´Huez das Gelbe Trikot, jener Etappe, in der sein Bruder aufgegeben hatte. Francois erzählte den Reportern: "Am Abend hat mich Pascal angerufen und sagte mir, er habe damals sein Gelbes Trikot irgendwo im Nirgendwo in den Alpen sein Gelbes Trikot verloren. Und ich solle es jetzt für ihn zurückgewinnen."

Die Etappe war kaum zu Ende gegangen, da schaltete Pascal den Fernseher aus, stieg in Nordfrankreich ins Auto und fuhr die ganze Nacht durch, um seinen Bruder zu unterstützen. Und dann beendete auch Francois seine Karriere. Seit 2003 gibt es keinen Simon mehr im Peloton, zum ersten Mal seit 1980. Pascal und Francois waren zwei von sieben Kindern. Vier davon - Regis, Pascal, Jerome und Francois - wurden Radprofis. Sie alle fuhren die Tour. Nahezu ein Vierteljahrhundert lang schlugen ihre Eltern täglich die Zeitung auf, um irgendetwas über einen ihrer Söhne imgrößten Rennen der Welt zu lesen. Doch plötzlich war der Bann gebrochen... so wie Pascal Simon´s Schulterblatt.

Pascal Simon scherzt mit seinem Bruder Francois, dem Träger des Gelben Trikots in der Tour de France 2001, mit den Nichten Nathalie und Alicia, 28. Jänner 2007

 

 


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