rob1958's Webseite

Tagebuch 2011/Teil 1

November 2010

Endlich geht´s mal wieder weiter, hab mich schon länger hier nicht mehr gemeldet. ist auch alles drunter und drüber gegangen. Gleich mal vorneweg: ich hab ´ne neue Adresse: www.robertbartonek.m.vu  bitte weitersagen, der Grund ist ganz einfach:

Als ich meine HP erstellt habe, da hab ich von einigen verschiedenen Anbietern mir das Beste rausgesucht, so u.a. von "Joynic" die Adresse, weil ich halt eine mit einer .at-Endung wollte. Und die als einzige das mit annehmbaren Konditionen angeboten hatten. Jetzt war das aber ein ganz kleiner Anbieter, der anscheinend zu klein für den Markt war bzw. von den größeren viel zu schnell aufgefressen wurde. Irgendwann waren sie weg und mit ihnen meine Adresse. Mußte mich um neuen Anbieter umschauen. Bei den üblichen großen Anbietern hätte ich überall eine .de-Endung gehabt, das wollte ich nicht. Daher jetzt eine neutrale Endung, bin wieder online und ab jetzt geht´s auch wieder wie gewohnt weiter im Text.

Der November war ein verteufelter Monat, und das in mehrfacher Hinsicht. Die meisten von euch erinnern sich noch an den schlimmen Wintereinbruch, den ärgsten der letzten Jahre. Hat auch mich getroffen, so wie alle anderen auch, die auf der Straße ihr Training absolvieren und nicht irgendwo im stillen Kämmerlein. Was mich aber sehr viel mehr getroffen hat, war meine Gesundheit, die mir im November irgendwie abhanden gekommen ist.

Angefangen hat´s mit den Kopfschmerzen. Ich hatte ja damals Ende der Achtziger Jahre den schlimmen Sturz mit der Kopfverletzung, bin mit ´nem Schädelbruch mit dem Auto von Salzburg nach Hause gefahren, dann eine Woche lang daheim wie ein naßer (pardon, feuchter) Fetzen herumgelegen, ehe ich mich mit letzter Kraft ins Spital geschleppt habe. Dort haben sie von einem Wunder gesprochen, daß ich überhaupt noch lebe. Und weitere fünf Wochen später bin ich das nächste Rennen gefahren...

Damals war ich halt noch ein harter Knochen. Aber damals schon haben mir die Ärzte gesagt, daß der "Sprung in der Schüssel" (ein ca. 5 cm langer quer über die Stirn) immer am Röntgenbild sichtbar bleiben wird, und ich daher bei jedem zukünftigen Kopfröntgen sagen muß, von wann diese Verletzung ist, damit die Ärzte nicht etwa glauben, daß es was Aktuelles ist. Kingt lustig. Hab ich mir damals gedacht und das nicht weiter beachtet. Schließlich hatte ich anderes im Kopf, wollte wieder Rennen fahren und das so schnell wie möglich. Aber mir wurde auch gesagt, daß ich mit einer Zunahme der Schmerzen und Beschwerden in den kommenden Jahren werde rechnen müssen. Auch das hab ich damals noch auf die leichte Schulter genommen. Wann beginnt denn schon die Zukunft? Richtig, immer in der Zukunft, also das kommt so schnell nicht...

Seit einigen Jahren leide ich unter quälenden Kopfschmerzen, die mich eben mal mehr und mal weniger quälen, aber sie sind so gut wie immer präsent. Im November haben sie mich erobert. Langsam, schleichend, und dann war ich überwältigt. Jede Kleinigkeit hab ich gespürt, jeden Schritt, jede Kopfbewegung, jeden Punkt der Biorythmus-Kurve, beinahe schon jeden Gedanken. So was ist lähmend. Und eine Lähmung ist was Furchtbares. Man resigniert und kapituliert vor dem Alltag. Training gestorben. Alles andere natürlich auch. Man ist ja zu nichts mehr fähig. Und man hofft, daß es bald wieder besser wird, man hofft und hofft und hofft... irgendwann hofft man immer mehr, weil sich nämlich nichts ändert und man sich einfach weigert, die Realität zu akzeptieren: man hat soeben einen Schritt näher zum Grab gemacht. Vielleicht sogar ein paar Schritte auf einmal... vielleicht fällt man grade rein. Wer weiß. Die Hoffnung schlägt ins Gegenteil um, in Resignation.

Dazwischen immer wieder ein paar Trainingsversuche, anfangs noch mit ganz passablem Resultat, irgendwann sind die Pausen immer länger geworden, das Training immer sporadischer. Dann hat das Wetter mit einem dicken Strich alles beendet. Ich steige also auf andere Sportarten um. Versuche wieder einmal zu laufen, natürlich im Gelände. Ganz locker und gemütlich habe ich mit 2 km begonnen, und da bin ich noch die Hälfte gegangen. Ergebnis am nächsten Tag: das rechte Knie ist um gut 8 cm dicker und läßt sich kaum bewegen, das bißchen auch nur unter größten Schmerzen. Aber ich habe ja noch Energie, also lasse ich mich so schnell nicht abbringen. Als Leistungssportler hat man ja sowieso eine viel höhere Schmerzgrenze. Also Zähne zusammenbeißen und weiter geht´s mit dem Irrsinn.

Aber wenn´s schon mal so richtig dicke kommt, dann kommt´s meist faustdick. Oder gar knüppeldick... oder hammerdick. Mitte November hab ich mal im Keller den Boden gekehrt. Staubentwicklung. Bis in Kopfhöhe. Keine 12 Stunden später Erstickungsanfall, ich krieg keine Luft mehr, jede Bewegung schmerzt, es ist ein Gefühl, als ob einem langsam die Gurgel auf immer enger gedreht wird. Klingt nach Asthma. Stauballergie. Staub ist aber überall, Staub ist sozusagen das Leben. Allergisch aufs Leben???

Und über alledem steht in ganz, ganz dicken Buchstaben: FRUST. FRUST. FRUST! Ich kann nicht mal mehr mit dem Hund spazieren gehen, ja schon die Stufen runter in den Keller oder gar wieder rauf sind eine abenteuerliche Expedition: Inhalationsgerät nicht vergessen, Handy nicht vergessen, aufgeladen muß es sein, wer weiß... Eine Expedition im eigenen Haus... sowas nennt man Galgenhumor, oder?

Gegen Monatsende wird es besser. Aber ist es wirklich besser oder hab ich den Zustand akzeptiert und mich damit arrangiert? Diese Frage ist ja noch viel quälender als all der Frust davor. Also wieder aufs Rad. Minusgrade. Ein paarmal habe ich´s noch mit Laufen probiert, immer dasselbe Ergebnis: das Knie macht nicht mit. Dabei war ich nur im Gelände, nicht mal auf Asphaltboden. Okay, akzeptiert. War ja nur ein Versuch. Am Rad schaffe ich gerade mal eineinhalb Stunden, dann bin ich so gut wie tot.

Naja, irgendwann ist auch jeder November zu Ende und vorbei. Aber das hat auch was Schlimmes: es beginnt der Dezember.

STADT GRAZ PFEIFT AUF OLYMPIASIEGERIN

Sarah Schmölzer, ihres Zeichens Medaillengewinnerin bei den Special-Olympics, ist seit ihrer Geburt schwer behindert. Um ihr den Alltag erträglicher zu machen, braucht sie dringend eine behinertengerechte Badewanne. Das Grazer Sozialamt lehnte eine Kostenübernahme ab - aus nicht nachvollziehbaren Gründen. Sarah ist heute 19 Jahre alt. Kurz nach ihrer Geburt hatte die junge Frau drei Gehirnblutungen, seither ist sie schwer behindert. Sie ist  Spastikerin, kann fast nicht gehen und ist auf einem Auge nahezu blind. Ihr Vater Franz kümmert sich seit Jahren rühren um sie. Trotz ihrer Einschränkungen ist die 19jährige eine Kämpfernatur. Und sie liebt das Eislaufen. Bei den Special-Olympics in Idaho (USA) heuer im Frühjahr hat sie im Eisschnellauf für Österreich eine Gold- und eine Bronzemedaille geholt. Dafäür gab´s sogar einen Empfang beim Bundespräsidenten.

Es sind die kleinen Dinge, die ihren Alltag so schwierig machen. Sarah ist auf Hilfe angewiesen. Auch bei der Körperpflege. Sie muß in die Badewanne gehoben werden. "Auf Dauer geht das nicht, sie wird immer größer und schwerer und ich immer älter", sagt Schmölzer. Eine neue Badewanne muß her. Eine begehbare. Schmölzer holte bei allen Anbietern Angebote ein - die billigste Wanne kostet 5.300.- € ohne Einbau. Das kann sich der alleinerziehende Vater nicht leisten. Er bat im Sozialamt um Hilfe, dort lehnte man ab: nur "Duschumbauten" kämen in Frage.

Sarahs Ärztin, die sie seit Jahren kennt, sieht das ganz anders. Das Mädchen benötige aus vielen, auch sehr intimen Gründen, unbedingt eine begehbare Badewanne!

Von links: Trainer Franz Schmölzer, Christoph Sagl, Sarah Schmölzer, Stefan Matzhold

Empfang beim Bundespräsidenten, Bildmitte: Franz und Sarah Schmölzer

Dezember 2010

Und es geht munter in derselben Tonart weiter: es war fast kein Tag in diesem Monat, an dem ich KEIN Kopfweh gehabt habe. Dazu ein paar Érstickungsanfälle. Jetzt mag man sich vielleicht denken, Gott, hat der Junge ein Glück, daß er Asthmatiker ist, da hat er ganz legalen Zugang zu den Asthmamitteln. Aber nein, ich war nicht beim Arzt, ich will das Zeug auch gar nicht, weil es aufs Herz geht, und so lange es auch ohne irgendwie geht, werde ich mich davor drücken.

Zum Wetter: naja, Schnee. Viel Schnee. So viel Schnee wie selten noch in einem Dezember. Das heißt: Training ade!

Dann hat sich wieder mein verletztes rechtes Knie gemeldet, die Bewegung ist immer schwerfälliger geworden (hab ich schon seit August bemerkt), aber jetzt sind auch erstmals Schmerzen dazugekommen, die immer ärger geworden sind. Der Arztbesuch war unausweichlich. Also Röntgen im UKH, naja, was soll ich sagen: unter der Kniescheibe hat sich übermäßige Kallusbildung einen Raum verschafft, der nicht vorhanden ist. Daher Schmerz. Bedeutet: neuerlich Operation, schon die vierte im Knie. Ist aber nur ein kleiner Eingriff diesmal (sagen die Ärzte!).

Die geplante Trainingswoche in der ersten Jännerwoche am Gardasee ist auch ausgefallen. Grund: einerseits das fehlende Interesse, alle haben abgesagt, es wären nur mehr Hofer Vater und Tochter und ich übriggeblieben. Und ich bin dann wegen der Operation auch noch ausgefallen. Dabei hatte ich mir solche Mühe gegeben, in Bardolino ein Appartment für 8 Personen aufzutreiben, pro Woche hätten wir nur 670.- € bezahlt, das wäre ja geschenkt gewesen!

Die paar Trainingskilometer im Dezember waren wirklich nicht der Rede wert, hab jetzt insgesamt knappe 1000 km in den Beinen. Die Feiertage zum Jahreswechsel waren saukalt, mit -10° und noch kälter, viel Schnee und Eis auf den Straßen, also nicht gerade einladend. Aber dafür im Jänner! Jetzt aber wirklich volle Kraft auf die neue Saison 2011!

Fußballer und Stadt Graz unterstützen Olympiasiegerin (Bild: Jürgen Radspieler)HAPPY-END FÜR OLYMPIASIEGERIN

Nachdem das Grazer Sozialamt die Kosten für ein dringend notwendiges Bad für die Behindertensportlerin und Olympiasiegerin Sarah Schmölzer ablehnte, bahnt sich jetzt eine Lösung an. Und die Kicker des FC Gratkorn spendeten den Inhalt ihrer Sielerkassa: 1.300.- €! Seit dem Schicksalsschlag (3 Gehirnblutungen) ließ sie sich nicht daran hindern, ihrem Lieblingssport nachzugehen - dem Eisschnellauf.

"Es zeichnet sich nun eine gute Lösung ab!", freut sich Sarahs Vater, Franz Schmölzer. Sein Dank gilt auch dem Grazer Alt-Bürgermeister Alfred Stingl, der sich eingeschaltet hat und zwischen ihm und dem Sozialamt vermittelte.

FC-Gratkorn-Kapitän Michael Sauseng: "Ich habe Sarah´s Geschichte gelesen und war sehr betroffen. Wir Spieler vom FC Grastkorn wollen der Familie mit unserer Spende helfen, von Sportler zu Sportler! Das ist für uns Ehrensache." 1.300.- Euro lagen in derSpielerkassa - dieses Geld übergaben die Gratkorn-Spieler an Sarah und ihren gerührten Vater Franz...

Dienstag, 4. Jänner 2011

Haben die beiden letzten Monate mit viel Schnee begonnen, so ist es jetzt die Kälte. Über mittags bleibt´s bei Minusgraden. Wie soll ich da trainieren? Das rechte Knie schmerzt, ich kann kaum gehen. Vorsichtig spule ich die ersten Kilometer runter. Naja, noch ist´s ja nicht so tragisch, die Saison ist noch in weiter Ferne, ich hab´noch Zeit, um halbwegs in Wettkampfform zu kommen (zumindest rede ich mir das ein!). Die ersten Kilometer auf der Straße sind ein Graus. Ich krieg keine Luft, der Puls hämmert in den Schläfen, ich spüre jeden einzelnen Herzschlag.

Sonntag, 9. Jänner 2011

Durch diesen Zustand muß ich durch, es hilft nichts. So schnell ist die Form weg! Ist die ganze Ausdauer weg! Und so mühsam geht´s dann in die andere Richtung. Diese lächerlich kurzen Trainingsfahrten nehmen mich derart her, daß ich danach kaum mehr die Stufen aus dem Keller rauf schaffe! Das sind die Momente, wo ich mich, alle anderen und sowieso alles verfluche. Warum muß ich mich so plagen?

Dienstag, 11. Jänner 2011: IMMER WIEDER DAS LEIDIGE THEMA DOPING!!!

War heute abend bei Freunden eingeladen, eine illustre Runde, wir waren gut zehn Leute, aber alle haben sie mit Radsport nichts am Hut. Und irgendwann ist das Thema aufs Doping gekommen. Und dann war sie da, die typische Frage aller Fragen: "Hör mal, wie ist das denn mit dem Doping, du gehörst ja auch zu denen dazu...?" Mit einem Schlag war´s mucksmäuschenstill, und alle haben sie mich erwartungsvoll angeschaut. Ich bin das Thema irgendwie schon leid, es kommt ja sowieso nichts raus. Die Meinung der anderen kann ich mit nichts ändern. Also hab ich mich auf eine wirklich kurze Abhandlung beschränkt: "Es muß jeder selber wissen, was er tut, die Konsequenzen muß er ja auch selber tragen. Man kann sich nicht auf diesen oder jenen ausreden, auf einen Dealer, Trainer, Betreuer, Bekannten oder sonstwen, der einem dieses oder jenes Präparat besorgt, verkauft oder eingeredet hat. Verantwortlich bin ich selber."

Und was die Dopingsperren angeht: Ich persönlich finde 2 Jahre viel zu kurz. Da kommen die Jungs wieder zurück, sind "geläutert", fahren aber stärker als je zuvor. Ja sind denn die alle saublöde, schauen die jeden für dumm an? Es gibt ja kaum einen der wirklich Guten, die nicht schon mal eine Dopingsperre abgesessen haben. Rennen zu fahren ist kein Grundrecht. Ja, ich wiederhole mich: niemand kann ein Recht für sich in Anspruch nehmen, ein Rennen zu bestreiten. DAS IST EIN PRIVILEG. Und wer seine Kollegen mit betrügerischen Methoden übervorteilen möchte, der soll dieses Privileg verlieren, und zwar auf Lebenszeit. So, und jetzt genug davon!

Freitag, 14. Jänner 2011: PETER POST GESTORBEN

Der niederländische Ex-Profi Peter Post ist heute gestorben.  Er wurde am 12. November 1933 in Amsterdam als Sohn eines Metzgers geboren. Im Alter von 19 Jahren wurde er als Radsportler von Gerrit Schulte entdeckt, er war von 1956 bis 1972 als Profi tätig. Er war hauptsächlich auf der Bahn aktiv, gewann 65 Sechstagerennen (Rang 4 der ewigen Bestenliste). Auf der Straße gewann er 1960 die Holland-Rundfahrt, 1962 die Deutschland-Rundfahrt und 1964 Paris-Roubaix. Bei diesem Rennen wurde er mit dem "Ruban Jaune", dem Gelben Band für die schnellste Siegeszeit in einem Klassiker, ausgezeichnet. Seine 45,129 km/h haben bei Paris-Roubaix heute noch Bestand. Später gab er zu, sich 1965 bei seiner einzigen Tour de France gedopt zu haben.

  peter post

Ab 1974 war er sportlicher Leiter bei TI-Raleigh (u.a. Jan Raas, Gerrie Knetemann, Dietrich Thurau), ab 1983 dann bei Panasonic-Raleigh (Olaf Ludwig, Jen Heppner, Alexi Grewal u.a.), unter seiner Regie gab es in seinen Teams flächendeckendes systematisches Doping. 1995 zog er sich aus dem Radsport zurück, war jedoch ab 2005 für das Team Rabobank als Bersater tätig.

 

Sonntag, 16. Jänner 2011

Ich muß sehr aufpassen, daß ich mich nicht verkühle, daß ich das operierte Knie nicht verkühle. Ist natürlich ein Problem, das Knie ist sehr exponiert und die Jahreszeit ist auch nicht gerade nach Schwitzen. Ich kann noch keinen Druck aufs Pedal bringen, das Knie und alle Muskeln schmerzen sofort.

Erinnert ihr euch an Alexi Grewal, den seltsamen Typ, der bei den Profis meist nur durch wilde Sprüche und Spuckattacken aufgefallen ist? Als Amateur hat er das Straßenrennen bei den Olympischen Spielen 1984 in Los Angeles gewonnen, 1985 wechselte er zu den Profis. Der versucht jetzt ein Comeback, will mit 50 Jahren wieder eine Pro-Lizenz!

Dienstag, 18. Jänner 2011

Weil ich so viele Anfragen und Genesungswünsche in letzter Zeit bekommen hab, hier also noch einmal der Ablauf meiner letzten Knieoperation kurz vor Weihnachten. Ich hatte Schmerzen im Knie, schon länger, abe sie sind stetig stärker geworden. Dauert natürlich eine Weile, bis ich mich dazu aufraffe, zum Arzt zu gehen. Der stellt eine Flüssigkeitsansammlung unter der Kniescheibe fest, also zwischen Kniescheibe und Knorpelauflage. Das Knie muß punktiert werden. Keine Hexerei, aber dennoch muß ich diese Prozedur dreimal über mich ergehen lassen (mit örtlicher Betäubung), ehe soviel Flüssigkeit weg ist, daß der Druck und damit auch der Schmerz nachläßt. Resultat: das Knie ist etwas beweglicher (ist ja auch logisch, weil sich mit der Flüssigkeit alles viel dicker und zäher angefühlt hat), wie eine Kette, die nicht mehr quietscht, weil sie geschmiert ist. So weit, so gut. Aber dafür ist der Schmerz da bzw. geblieben. Und damit muß ich mich jetzt arrangieren.

Donnerstag, 20. Jänner 2011

Seit der Punktierung meines Knies war ich KEINEN EINZIGEN Tag schmerzfrei! Wie soll man da ein Hochleistungstraining absolvieren? Andauernd Unterbrechungen, Rückschläge, Schmerzen, Frust... ein Kreislauf, eine Spirale, die mich stetig nach unten zieht. Ich brauche viel länger, bis das Kniegelenk halbwegs rund funktioniert. Oder ist das nur eine Alterserscheinung???

Sonntag, 23. Jänner 2011

Kaum läuft einmal das Training etwas besser (sprich: schmerzfreier), merke ich den gewaltigen Formverlust. Also wieder von vorne beginnen. Ich schaffe also jetzt gerade mal anderthalb Stunden. Flach. Bei Windstille, besser noch mit Rückenwind. Aber kaum soll ich Druck aufs Pedal bringen, ist der stechende Schmerz wieder da. Naja, kommt Zeit, kommt Rat.

Mittwoch, 26. Jänner 2011

Ich merke das Alter. Und die Kälte. Es heißt zwar, die konserviert. Aber anscheinend nur die schwache Form. Ich bräuchte Wärme, Sonne, Hitze. So verschiebe ich wieder eine Trainingsfahrt, und wenn ich analysiere, warum, dann ist es eigentlich nur das Wetter: weil es -1° hat, weil ein eiskalter Wind weht, weil das Knie schmerzt, weil ich voller Frust bin, weil mir nicht danach ist, weil ich lieber in der Wärme bleibe, etc.... Früher hätte es das nicht gegeben, da bin ich auch bei -5° drei Stunden im Sattel gewesen. Ja, früher halt...

Irgendwie vergeht´s einem da... und der Trainingsrückstand wird immer größer...

Der neue Cyclepassion-Kalender 2011 ist raus, hier die ersten Blätter, für den Jänner und den Februar sehen wir Willow Koerber (USA) und Hanka Kupfernagel (BRD), im März fährt Liz Hatch (USA) im BH...

US-Girl Willow Koerber begeistert in Dessous für ihren Sport Unser Mountainbike-Star Hanka Kupfernagel zeigt wie im letzten Jahr wieder viel Haut im Cyclepassion-Kalender Liz Hatch fährt privat bestimmt nicht nur im BH...

Montag, 31. Jänner 2011

Datum km Zeit Schnitt Höhenmeter
Sa, 1.        
So, 2.  39,4 km  1:30  26,4  115 Hm
Mo, 3.        
Di, 4.        
Mi, 5.        
Do, 6.  54,5 km  1:59  27,4  155 Hm
Fr, 7.  69,6 km  2:31  27,6  125 Hm
Sa, 8.  63,8 km  2:20  27,3  180 Hm
So, 9.  67,3 km  2:27  27,5  130 Hm
Mo, 10.        
Di, 11.        
Mi, 12.        
Do, 13.  61,1 km  2:14  27,3  125 Hm
Fr, 14.  63,2 km  2:18  27,4  120 Hm
Sa, 15.        
So, 16.  85,7 km  2:59  28,5  260 Hm
Mo, 17.  32,1 km  1:11  27,1    80 Hm
Di, 18.        
Mi, 19.        
Do, 20.  61,1 km  2:18  27,9  125 Hm
Fr, 21.        
Sa, 22.  78,1 km  2:47  28,1  190 Hm
So, 23.  46,9 km  1:39  28,2  100 Hm
Mo, 24.        
Di, 25.        
Mi, 26.  72,6 km  2:35  28,1  165 Hm
Do, 27.        
Fr, 28.        
Sa, 29.  61,1 km  2:08  28,5  125 Hm
So, 30.        
Mo, 31.        
SUMME  856,5 km  30:36    1.995 Hm

Gerade mal 14 Trainingstage also im Jänner, und auch mit der Kilometerleistung bin ich weit hinter dem geplanten Aufwand geblieben. Dazu kommt, daß alle 856 Kilometer unter großen Schmerzen gefahren worden sind, was natürlich auch nicht gerade eine hohe Qualität verheißt. Aber dann denke ich mir wieder, das war ja erst der  Jänner, und es kommt noch der Februar, und dann wird alles besser. Aber warum sollte es besser werden? Weil ich es hoffe? Da bin ich wirklich ein Optimist!

Donnerstag, 3. Februar 2011

Naja, es geht ja! Endlich mal eine längere Trainingsfahrt, 3 Stunden, gut, die Schmerzen sind nach wie vor da, und werden auch nach etwa 2 Stunden immer stärker, aber ich hab´s überlebt. Schmerzen sind ja ganz einfach zu überleben, man braucht sie nur auszuhalten!

Samstag, 5. Februar 2011

Gestern waren die Kopfschmerzen kaum auszuhalten, ja, so einfach geht´s halt doch nicht. Schmerzen machen mürbe, und ich war auch ganz knapp dran, eine Tablette einzuwerfen - wenn ich´s nicht besser wüßte, Schmerztabletten wirken bei mir leider so gut wie gar nicht, haben aber eine gefährliche Nebenwirkung: sie verursachen bei mir - erraten, Kopfschmerzen! Wie zum Trotz bin ich heute wieder 3 Stunden gefahren, sogar mit der Ruppbauern Höhe zwischen Stallhofen und Voitsberg den ersten Berg dieses Winters. Schwamm drüber. Okay, ich war übermütig, soll nicht so schnell wieder vorkommen.

Sonntag, 6. Februar 2011

Heute war mein mit Abstand bester Tag dieses Winters.  Bin 96 km gefahren, dreieinhalb Stunden, hab die Dkistanz gut überstanden, erst auf den letzten 20 km sind Knie- und Kopfschmerzen immer stärker geworden. Heute 7° warm, im Moment liegt Graz und Umgebung im Föhn. Okay, das ist an sich ein Kopfwehwetter, naja, man klammert sich halt an Details, die irgendeine Hoffnung verheißen.

Dienstag, 8. Februar 2011

Die Schön- und vor allem Warmwetterphase geht zu Ende, heute war wohl der Höhepunkt mit 14° - aber ich kann´s nicht mehr ausnutzen, bin viel zu schwach, genaugenommen zu angeschlagen von den letzten Trainingstagen, gestern eindreiviertel Stunden, heute keine anderthalb Stunden mehr. Das Knie schmerzt schon, wenn ich nur daran denke. Das heißt, der Schmerz ist mittlerweile permanent.

Freitag, 18. Februar 2011

Wenn´s dicke kommt, dann meist ganz, ganz dick: bin eine Woche mit der Schweinegríppe im Bett gelegen. Aber das hat das Kraut auch nicht mehr fett gemacht. Kopfschmerzen (etwas mehr als sonst, und auch andere, stechende, vom linken Schläfenlappen ausgehend), dazu  Schwindel und Übelkeit, Muskelschmerzen, Gelenkschmerzen (mein Gott, was gibt´s denn nicht alles für Schmerzen!) Bin natürlich nicht im Bett gelegen, nur nachts etwas länger halt, tagsüber war ich meist auf den Beinen. Und heute bin ich mein erstes Training seit gut einer Woche gefahren, 76 km, 2:42 Stunden, und danach war´s dann noch schlimmer als vorher. Ist wohl etwas zu früh gewesen.

Mittwoch, 23. Februar 2011

Endlich wieder am Rad gesessen! Ist das ein Winter, die Grippe dürfte ich überstanden haben,  bei den vielen permanenten Schmerzen weiß ich´s ja gar nicht genau. Ha, ich bin ein waschechter Schmerzpatient geworden. Die Grippe ist aber auch gerade zur rechten Zeit gekommen, es hat geschneit und es ist saukalt gewesen, ein Training hätte mich da wahrscheinlich umgebracht.

Samstag, 26. Februar 2011

Heute 80 schmerzverzerrte Kilometer hingehalten, aber langsam frage ich mich wirklich, ob das gescheit ist, wie ich´s mache. Ich meine, ich weiß doch, das ganze Training reduziert sich auf eine einzige Frage: BRAUCHE ICH DAS oder WILL ICH DAS? Wenn ich es brauche, dann, verdammt noch mal, dann brauche ich es, dann gibt es nichts daran zu rütteln, dann MUSS das gemacht werden. Wenn ich es aber will, ja dann, dann muß ich wohl oder übel vor jeder einzelnen Trainingsfahrt entscheiden, ob ich sie absolviere oder nicht. Aber ich bin kein Hobby- oder Sonntagsfahrer, ich fahre Rennen, und da BRAUCHE ich das Training, daher heißt es tagtäglich ab in den Sattel, egal, welches Wetter, egal, ob und welche Schmerzen. Es ist ja ein Trugschluß, zu glauben, daß die Schmerzen verschwinden, wenn ich NICHT fahre - dann sind sie nämlich auch da! Also hängen sie nicht ursächlich mit dem Training zusammen. Nach dem Training ist der Schmerz auch nicht anders oder größer als vorher, was soll´s, der Mensch soll halt leiden. Genauer darf ich darüber gar nicht nachdenken.

Montag, 28. Februar 2011

Die ersten Rennen sind gelaufen, sowohl bei den Profis als auch bei den Amateuren, es gibt die ersten Ergebnisse, neue Teams, neue Trikots, einfach neue Verhältnisse, auch durch die vielen Teamwechsel, einige sind überhaupt aus der Szene verschwunden, weil sie gesperrt sind. Ist alles noch ziemlich weit weg. Ich hab die Ausschreibungen von St.Johann/Tirol und Deutschlandsberg bekommen, dazu ein paar Mails aus Slowenien, die sich dort unten auch alle freuen würden, wenn ich wieder dabei wäre. Das ist wieder ein sanfter Hinweis: Junge, schau zu, die Saison steht praktisch vor der Tür!!!

Datum km Zeit     Schnitt Höhen-meter
Di, 1.        
Mi, 2.        
Do, 3. 86,5 km 3:01 28,7 265 Hm
Fr, 4. 56,8 km 1:58 28,8 135 Hm
Sa, 5. 86,4 km 3:05 28,0 440 Hm
So, 6. 95,6 km 3:29 27,5 570 Hm
Mo, 7. 48,3 km 1:45 27,7 115 Hm
Di, 8. 38,0 km 1:20 28,4   95 Hm
Mi, 9.        
Do, 10. 65,2 km 2:18 28,2 390 Hm
Fr, 11.        
Sa, 12.        
So, 13.        
Mo, 14.        
Di, 15.        
Mi, 16.        
Do, 17.        
Fr, 18. 76,4 km 2:42 28,3 180 Hm
Sa, 19.        
So, 20.        
Mo, 21.        
Di, 22.        
Mi, 23. 61,1 km 2:12 27,8 125 Hm
Do, 24.        
Fr, 25.        
Sa, 26. 80,1 km 3:00 26,7 475 Hm
So, 27. 72,0 km 2:38 27,4 160 Hm
Mo, 28. 50,0 km 1:55 26,0 400 Hm
Gesamt 816,4 km 29:23   3.350 Hm

Der Februar hat also auch nicht die erhoffte Steigerung gegenüber Jänner gebracht, jetzt waren es gar nur mehr 12 Trainingstage, also zwei weniger als im Vormonat, weniger Kilometer (um 40), dafür aber deutlich mehr Höhenmeter. Wenigstens etwas.

Mittwoch, 2. März 2011

Bin heute 82 km gefahren, langsam finde ich zu einer besseren "Form", aber noch fehlt es an allem, vor allem aber an Konsequenz und Schmerzresistenz. Kommt vielleicht auch noch.

Freitag, 4. März 2011

Es wird langsam wärmer, und siehe da, der Schmerz läßt nach. Ha, bin jetzt überhaupt auf den Clou gekommen: das, was ich bisher immer als Schmerz identifiziert habe, war nichts weiter als eine Wetterfühligkeit! Der Arzt hat wiederholt gemeint, daß alles in Ordnung sei, keinerlei physische Schmerzgrümnde vorhanden seien. Aber was soll man davon halten, wenn man vor Schmerzen laut schreien könnte?? Jetzt, bei etwas wärmeren Temperaturen (heute etwa 9°), funktioniert auch der ganze Bewegungsablauf besser und etwas schmerzfreier. Das wäre ja der Hit, wenn das wirklich "nur" eine - zugegeben extrem ausgebildete - Wetterfühligkeit wäre! Aber was habe ich davon, wenn ich jedes Tief auf der nördlichen Erdhalbkugel verspüre?

Samstag, 5. März 2011

Heute 8°, ich verspüre ein gewisses Kribbeln in den Knochen, die Spannung ist wieder da, das Fieber, die Leidenschaft. Die Distanzen werden länger, ich kann leichter kurbeln, eine höhere Frequenz länger halten. Enormer Fortschritt. Man gibt sich ja schon mit kleinen Steigerungen zufrieden.

Sonntag, 6. März 2011

Bin heute den ersten Hunderter in diesem Winter gefahren! Halleluja! Und wie! 112 km, zügig, keinerlei Probleme, hab die ganze Distanz durchfahren können. Sicher schaff ich die Distanz nicht täglich, aber ein Trend ist es allemal. Die Zeit drängt auch, die Saison steht vor der Tür, weiß gar nicht, ob sich das noch ausgehen kann. In einer Woche Saisonauftakt in Slowenien! Wenn das Wetter passen würde, und vor allem meine Form, ja dann... Aber ich bin jetzt ja der typische Fall, der Rennkilometer braucht: wenn die Form weg ist, kommt sie nur über Rennkilometer, also heißt´s dann starten, starten...

Die erste Phase des Wintertrainings ist der Umfang, der langsam gesteigert wird, bei gleichmäßigem Kurbeln. Dann folgen ein paar langgezogene schnellere Passagen, dann die ersten Intervalle. Wichtig ist da, daß man nicht nur in den roten Bereich reinfährt, sondern vor allem kontrolliert wieder raus. Übernehmen kann man sich ganz leicht, das ist wahrlich keine Kunst.

Jetzt kommt dann bald wieder die Zeit, wo man auch auf den Landstraßen wieder ab und zu ein paar Radler trifft. Aber noch sind die alle vom Winter so scheu, schauen nicht rechts und nicht links, fahren stur vor sich hin, wenn sie einen anderen treffen, muß der sofort abgehängt werden. Naja, wir sind ja auch in Österreich...

Hab noch immer Medikamentenrückstände im Blut, ich spüre das im Organismus, vor allem Antibiotika sind es, auf die ich nahezu allergisch reagiere. Und der Scheiß braucht so lange, bis er wieder draußen ist! Ich trinke viel Mineralwasser, das schwemmt das Zeug schneller raus

Montag, 7. März 2011

Habe heute eine Ausschreibung vom Straßenrennen in Murska Sobota am Sonntag erhalten. Das paßt ja wie die Faust aufs Auge! 65 km rund um Murska Sobota, flach, und ich habe nur gute Erinnerungen an dieses Rennen, war dreimal hintereinander in den Top-10 und einmal sogar am obersten Stockerl - da hab ich gewonnen! Aber jetzt?

Habe heute den gestrigen Hunderter ziemlich stark gespürt...

Dienstag, 8. März 2011

Im Moment bin ich zu 50 % entschlossen, am Sonntag nach Slowenien runterzufahren. Die Distanz von 65 km ist nicht das Problem, sondern vielmehr die Intensität, denn da hapert´s noch gewaltig. Heute immer noch Schmerzen im rechten Knie vom Sonntagstraining...

DIE ALTERSFRAGE oder DIE ROUTINE

Michael Walchhofer, Österreichs stärkster Abfahrer der letzten Jahre, beendet ja mit Ende der heurigen Saison seine Karriere. Und er hat auch schon eine neue Herausforderung: ein Studium. Walchhofer arbeitet mittels Fernstudium darauf hin, Master of Business Administration zu werden. "Da kann ich lernen, wo und wann ich will." Das Alter, sagte er, ist keine Sache, auf die man stolz sein muß, es kommt von alleine.

Sagt man, oder? Ich bin auf mein Alter auch nicht stolz. Kennt ihr Murphys Gesetz? Nein? "ALLES, WAS SCHIEFGEHEN KANN, WIRD AUCH SCHIEFGEHEN." Der Mann macht mir Mut. "Das ideale Alter eines Mannes ist zwischen 35 und 48." Da bin ich schon draußen. Murphy weiß, wovon er spricht, schließlich hat er diese Zone bei seinem Ausspruch schon verlassen. Walchhofer hat sie gerade erst betreten.

Und ich hab gegrübelt, über das ideale Alter und Alterserscheinungen. Und über Routine. Walchhofer meinte etwa über seine persönliche, altersbedingte Wandlung: man wird mit dem Alter ruhiger, verliert den jugendlichen Leichtsinn. Außer, denke ich, der innere Schweinehund bellt zu laut. Walchhofer ergänzt: bei aller Routine ist es wichtig, daß nichts zur Routine wird. In seinem Beruf wäre das sogar gefährlich. Man kann doch selbst von alpinen Abfahrern noch was lernen!

Die Routine ist also eine Altersfrage, denke ich. Und da fällt mir ein: nicht nur die. Auch Funktionen. Man denke nur an den Multi-Funktionär. Vizepräsident, Vorstandsmitglied. Funktionen, die dank des Alters kommen. Ich hab im Verein auch eine Funktion, die des Schriftführers. Aber ich mach trotzdem was falsch: Politiker kassieren ja für jede Funktion, ich muß nur zahlen. Gut, denke ich und schmunzle. Wenigstens eine Sache ist und bleibt keine Altersfrage: DIE DER INTELLIGENZ!

Donnerstag, 10. März 2011

Zu 60 % bin ich am Sonntag in Slowenien! Hab in dieser Woche das Training schon mal in Richtung Rennen etwas verändert, ich fahr jetzt mit etwas härterer Übersetzung, nämlich mit 50/16 und 17, lasse die Frequenz aber gleich, und ich schalte auch bei den Geländeübergängen. Macht das Training realistischer und echter, aber ob´s was für den Sonntag hilft?

Samstag, 12. März 2011

Ich bin schon ein verrückter Hund! Trotz aller Schmerzen im Kopf und im Knie bin ich Feuer und Flamme und schon ganz gierig aufs erste Rennen. Die Startwahrscheinlichkeit morgen in Murska würde ich mal mit 99,999...% beziffern. Das heißt, ich hab mich schon entschlossen. Aber ich hab jetzt natürlich noch einen gewaltigen Trainingsrückstand, den aufzuholen ist das vordergründigste und oberste Ziel. Daher bin ich heute auch 112 km gefahren, mit 400 Höhenmetern und einem Schnitt von 29 km/h.

Ich kurble also die Liebenauer Hauptstraße stadtauswärts (ich bin erstmals in dieser Saison mit kurzer Hose unterwegs), also ich von hinten eine seltsame Gestalt an meine Seite schiebt, mich auffordernd ansieht und dann fragt: "Ist dir nicht zu kalt?" Da mir wohlig warm ist, ich diese Frage etwas seltsam empfinde, wo es ihn doch erstens gar nichts angeht und zweitens er selbetr auch mit kurzer Hose unterwegs ist, schüttle ich nur den Kopf. Er sieht mich weiterhin wie einen Marsmenschen an, also sage ich ihm: "Wenn dir kalt ist, fahrst halt schneller!" Und zur Bekräftigung fahre ich selber etwas schneller. 10 Sekunden später ist er weg. Seltsame Gestalten bevölkern diesen Erdball. Als Außerirdischer müßte ich mich doch glatt fürchten.

Wenn ich keine Form habe, dann will ich eine kriegen, und das geht am besten, indem man Rennen fährt. Habe ich eine Form, will ich die in Ergebnisse umsetzen, und das geht nur, indem man Rennen fährt. Also war die Entscheidung klar. Und die lange Trainingsfahrt heute? Es ist Frühling geworden, 18°, sehr milde, wenn auch sehr windig, aber ein solches Wetter darf man sich einfach nicht entgehen lassen. Und morgen fahre ich ja nicht auf Sieg, sondern es geht nur darum, schnelle Kilometer (Rennkilometer) in die Beine zu kriegen. Normalerweise ist das ja nicht unbedingt eine ideale Rennvorbereitung, das weiß ich schon.

Danach habe ich gepackt, die Tasche mit dem Gewand, den Trikots, Kurz- und Langarm, Ärmlinge, Beinlinge, alles in dreifacher Ausführung (dick, mittel und dünn), kurze und lange Hose, genügend Gewand für nachher und alle Wettersituationen, dazu Handschuhe, Sturzhelm, Socken, Jacken und Überjacken usw. Dann die Werkzeugkiste, die Zahnkränze, Schmutzfetzen zum Radputzen, falls es regnen sollte, usw. Und dann noch eine weitere Tasche mit der Verpflegung, Essen, Energy-Riegel, Gels, Trinkflaschen, fürs Rennen und für nachher, Bananen, Äpfel, usw. Díe Rennmaschine hab ich auch noch hergerichtet, geputzt, die Schaltung noch mal durchprobiert, die Übersetzung hergerichtet (Stufenkranz 12-21), Ersatzlaufräder mit derselben Übersetzung, Luftpumpe, dazu noch Straßenkarte, die Ausschreibung hab ich mir ausgedruckt, ich denke, ich bin gerüstet.

Sonntag, 13. März 2011: STRASSENRENNEN IN MURSKA SOBOTA (SLOWENIEN)

Man möchte es nicht glauben, aber so ein Rennen bedeutet Streß pur. Obwohl die Anfahrt ein Klacks ist, nicht mal zwei Stunden, aber dann geht´s los: ich muß meine slowenische Lizenz verlängern lassen, und das machen etwa 300 andere Fahrer auch. Der Veranstalter gibt einen Stempel vom slowenischen Master-Verband in die im Vorjahr ausgestellte Lizenz rein und aktiviert sie sozusagen für ein weiteres Jahr. Kostenpunkt: 15.- €, dann bezahle ich das Nenngeld für das heutige Rennen, 3.- €, hole mir die Startnummer ab und gehe mich aufwärmen.

Naja, den Rennbericht könnt ihr - wißt schon wo - nachlesen. Hier geht der Bericht mit dem Zieleinlauf weiter. Das Podest hab ich verfehlt, die Top-10 erwartungsgemäß auch, aber dann beginnt gleich der zweite Teil des Tagesprogramms. Ein kurzer Anruf daheim, in Graz ist es bedeckt bei 16°, hier scheint die Sonne bei 20°, also bleibe ich hier und drehe noch eine Trainingsrunde, fahre noch mal 65 km. Training ist alles. Als ich nach gut 2 Stunden wieder zum Parkplatz komme, ist der wieder leer - als ob nie was gewesen wäre... Der Zielstrich ist noch zu sehen, aber das war´s dann auch schon, der tägliche Straßenverkehr läuft wieder ganz normal.

Bin nördlich von Murska herumgefahren, bis in die Hügel rein, der starke Wind war sehr hinderlich, die Beine noch vom Rennen sehr schwer, war eine Stunde auslockern und eine weitere Stunde locker, dann immer schneller kurbeln, alles mit 50/18 und 19. Die zweite Stunde war sehr, sehr hart, ich war leer, hatte zu wenig gegessen, im Rennen zu viel Energie gelassen (nämlich so gut wie alles), danach gerade mal eine Banane runtergewürgt und einen halben Liter getrunken. Bin da eine Stunde lang am Rande eines Hungerastes herumgekrabbelt, die Beine waren leer, konnte keinen Druck mehr aufs Pedal bringen. Bin dann ins Auto reingefallen, knapp 150 km heute geschafft. Auf der Heimfahrt klopft sache wieder der Kopfschmerz an die Schädeldecke.

Montag, 14. März 2011

Bin noch ziemlich angeschlagen von gestern, mehr seelisch als körperlich. Daß ich da gleich am Start abgerissen bin, war einerseits auf die gute Besetzung und den starken Wind zurückzuführen (irgendwer hat es augenscheinlich darauf abgesehen gehabt, das Feld sofort zu zerreißen), andererseits auf meinen Trainingsrückstand und dann natürlich auch noch auf die allgemeine Schwäche in den ersten Rennen der Saison. Da fehlt mir jegliches Tempogefühl. Gut, das sollen keine Ausreden sein, vielmehr Ansporn, diese Schwächen auszubessern. Ha, ich arbeite daran!

Freitag, 18. März 2011

Endlich wieder Nordwind, das übliche Wetter für den Großraum Graz! Es ist an sich mild, aber es bläst ein fürchterlich eisig kalter arktischer Wind, der die Temperaturen auf ca 7° drückt. Bin heute eine längere Trainingsrunde gefahren, etwa 100 km, und zwar das Murtal gegen den Wind rauf bis Mixnitz und mit dem Wind wieder zurück nach Graz. Bei der Wende hatte ich 25,8 km/h Schnitt, daheim in Graz dann 28,2 km/h!

Samstag, 19. März 2011

Wieder bin ich am Tag vor dem Rennen eine schwere Trainingsrunde gefahren, 100 km, diesmal sehr hügelig, über den Fasslberg, Gschwendt, Weiz nach Großpesendorf und Sinabelkirchen, weiter nach Gleisdorf und über die Ries zurück nach Graz. Knappe 900 Höhenmeter, und bei dem starken Sturm aus NW bis N bin ich einen guten 27er-Schnitt gefahren. Es läuft besser, die Woche hat mir viel gebracht, ich bin deutlich stärker als noch vor einer Woche. Und morgen geht´s wieder runter nach Slowenien, das zweite Rennen der Saison in Marjeta unterhalb von Maribor steht an. Mal ehen, wie´s diesmal läuft.

Sonntag, 20. März 2011: STRASSENRENNEN IN MARJETA

Marjeta, ein eigentlich ganz großer Ort etwa 15 km südlich von Maribor, ist diesmal Ziel meiner Reise. Eine gute Autostunde von Graz. Das Wetter ist sehr gut, strahlender Sonnenschein, aber wieder eiskalter Nordwind, wenn auch nicht so stark wie daheim in Graz.

Und wieder fahre ich nach dem Rennen noch 5 Runden auf dem 12-km-Rundkurs. Bei der Gelegenheit sehe ich mir auch das Frauen- und ein paar Nachwuchsrennen an. Wenn nur der Wind nicht wäre! Manchmal verwünsche ich ihn, dann träume ich von einer windstillen Gegend (vielleicht auch deshalb, weil´s dann gleich um gefühlte 50° wärmer ist!).

Dienstag, 22. März 2011

Der Trainingsalltag geht weiter. Die Schmerzen im rechten Knie werden geringer, ich hoffe nur, ich bilde mir das nicht nur ein. Der Wunsch ist ja oft der Vater des Gedankens. Das Training verläuft bisher nicht so schlecht, ich arbeite und feile an der Ausdauer. Am Wochenende steht die Rundfahrt in Kranj bevor, aber da zögere und zaudere ich noch. Ist mir mindestens eine Nummer zu groß. Soll ich dennoch??? Mal sehen, was sonst noch alles am Terminkalender steht.

Mittwoch, 23. März 2011

Hab heute endlich einmal probiert, bin volles Tempo gefahren, trotz des starken Windes. Es war eine lange Trainingsfahrt, runter bis Spielfeld, dann rüber bis Mureck und wieder zurück nach Graz. 131 km, und bis Wildon hatte ich trotz des starken Windes einen Schnitt von 30,4 km/h, am Ende waren es dann immer noch 29,9!

Was das Wochenende angeht: es gibt keine wirkliche Alternative, ich hab in Ungarn ein Kriterium in Budapest entdeckt, das ist mir wirklich viel zu weit weg, in Slowenien gibt´s in Laibach auch eines und in Rijeka ein Kriterium mit einem Straßenrennen. Vom Aufwand her kein Vergleich zu Kranj, dorthin fahre ich anderthalb Stunden.

Donnerstag, 24. März 2011

Heute wieder 100 km trainiert, voller Freude muß ich sagen, die Kilometer fallen immer leichter. Naja, der März war auch bisher vom Arbeitsaufwand her in etwa normal, es werden bis Monatsende an die 2000 km zu Buche stehen. Und schön langsam sollte ich wissen, ob ich morgen nach Kranj runterfahre oder nicht! Wenn nicht, dann muß ich daheim ordentlich trainieren. Aber dort unten könnte ich übers Wochenende immerhin vier Rennen fahren!

Freitag, 25. März 2011: GIRO DI GORENJSKA, 1. Etappe

Bin doch nach Kranj runtergefahren! Hab am Vormittag noch eine Stunde trainiert (32 km), bin locker, aber zügig gefahren, fühle mich gut, die Aufregung schlägt sich aber auf den Magen: Dünnschiß!

Was macht einen guten Etappenfahrer aus? An erster Stelle muß ich da wohl die schnelle Regenerationsfähigkeit nennen, die ist überhaupt das Um und Auf. Ich denke, da bin ich von den Genen her wirklich gesegnet und habe auch gegenüber den anderen einen ziemlichen Vorteil. Bei einem Etappenrennen geht es in erster Linie darum, zu jeder Etappe so frisch als möglich anzutreten (Regeneration!). Diese Regeneration kann man mit verschiedenen Maßnahmen natürlich unterstützen, forcieren, verstärken. Im Laufe der Jahre habe ich mir da ein ganz individuelles Prozedere zurechtgelegt, das ich natürlich auch an normalen Wochenenden anwende. Normale Wochenende sind für mich Samstag/Sonntag oder Freitag/Samstag/Sonntag mit unabhängigen Eintagesrennen.

Nach dem Rennen folgt eine etwa ein- bis eineinhalbstündige Ausrollphase, in der ich locker, zügig, mit hoher Frequenz und leichter Übersetzung kurble, um die Milchsäure aus den Beinen zu kriegen. Ganz wichtig, da ich meist alleine unterwegs bin und daher keinen Masseur dabeihabe. Und Selbstmassage funktioniert halt auch nicht ideal. Danach geht ins Quartier, unter die Dusche (Körperreinigung), danach für mindestens eine Stunde in eine heiße Badewanne. Tut wahnsinnig gut, öffnet die Poren, danach, wenn  möglich, Massage/Selbstmassage, danach das Abendessen, wo es darum geht, die verbrauchten Kalorien zu ersetzen, ohne den Magen zu belasten. Denn nachher geht´s ab ins Bett, am Wochenende brauche ich meine 7 bis 8 Stunden Schlaf. Am nächsten Tag geht´s weiter, da wartet das Frühtück, und das ca. zweieinhalb bis 3 Stunden vor dem Start. Da kann man sich leicht ausrechnen, wieviel Zeit da übrigbleibt bzw. wie eng gestaffelt das Programm ist.

Diese Rundfahrt hier in Kranj aber ist ganz anders. Da wird vom Veranstalter alles getan, um das alles unmöglich zu machen. Wie das? Die erste Etappe, das heutige Rundstreckenrennen, wandert im Zeitplan immer weiter nach hinten, ist jetzt schon ein reines Nachtrennen. So bin ich mit meiner Alterklasse 50+ heute gar erst um 21.50 Uhr gestartet - es waren über 50 km zu fahren! Danach kurz ausrollen (wohin auch um Mitternacht?!) und ab ins Zimmer, Essen, Waschen, Schlafen, morgen startet die zweite Etappe schon um 9 Uhr früh. Heißt: Frühstück um 6 Uhr! Zu allem Überdruß: Umstellung auf die Sommerzeit, da wird mir eine weitere Stunde gestohlen! Zwischen den beiden morgigen Etappen liegen auch nur 3 Stunden, und die letzte Etappe am Sonntag startet dann schon um 8 Uhr früh!

Wenn ich in Hochform wäre, käme mir ein solcher Zeitplan sicher entgegen, da spiele ich mit der Konkurrenz Katz und Maus - aber davon bin ich im Moment um Lichtjahre entfernt!

Es wird dann heute abend auch alles sehr hektisch. An und für sich liegen mir solche Nachtrennen, mir taugt die Atmosphäre, das Ambiente. Aber um diese Jahreszeit??? Es wird doch ganz schön frisch in der Nacht, der Rhythmus verschiebt sich auch und all das muß ich morgen und übermorgen dann büßen. Und ehrlich: wann hat ein Masterfahrer schon Gelegenheit zu einem Nachtrennen? Die gibt´s ja bei der Elite kaum...

Bin heute auf den Boden der grausamen Realität zurückgeholt worden, zeitgleich mit dem Sieger war diesmal keine Option, bin nicht mal in die Nähe davon gekommen! Aber morgen geht´s dann ja erst so richtig los!

Samstag, 26. März: GIRO DI GORENJSKA, 2./3. Etappe

Verschlafen, müde und etwas zerschlagen komme ich sehr spät zum Start, muß erst noch die Einschreibkontrolle hinter mich bringen (da unterschreibt man zum Zeichen seiner Anwesenheit den Startbogen), wie ich sehe, bin ich da einer der Letzten, der Sprecher erwähnt mich extra, ich mache einen saublöden Scherz ("Nomen est omen"), ist vielleicht sowas wie Galgenhumor. Das Wetter hat bisher gehalten, toi, toi, toi! Der Hmmel ist bedeckt, es ist kühl und windig.

Nach der Etappe rolle ich in Bled ein paar Kilometer aus, sehe mir den See an, aber ich hab nicht so recht den Geist dazu, wartet doch am Nachmittag die nächste schwere Etappe. Von den drei Stunden Zeit zwischen den beiden Etappen habe ich mit dem Auslockern schon eine vertan, ich ziehe mich danach schnell um, gehe essen, danach dann erst duschen, das aber ausgiebig, weil ich der einzige in den Duschen bin und anscheinend mir jetzt die Zeit nehmen kann, das warme bzw. heiße Wasser voll zu genießen.

Eine halbe Stunde vor dem Start bin ich dann wieder zur Stelle, umgezogen, Startbogen unterzeichnen, ein paar Scherze hier und da, einrollen, ganz wichtig, weil die Muskeln von der Vormittagsetappe nicht verkrampfen sollen.

Das Debakel hat seinen Lauf genommen, und ein paar Stunden später in Jesenice beginnt die ganze Prozedur wieder von vorne. Die Beine sind wirklich ziemlich mitgenommen, ich rolle etwa eine dreiviertel Stunde aus, muß mich dazu zwingen, e ist kühl geworden, hat kaum 14°. Danach geht es gleich ins Quartier, ausgiebig baden, das tut wirklkich gut. Danach mache ich mich auf den Weg und suche mir ein Lokal, ich krieg ein überaus günstiges Schnitzel mit Reis (6.- €!!!). Ich glaube, heute habe ich es verdient, ich gönne mir eine zweite Portion!

Als ich abends dann ins Bett falle, ist es wirklich mehr Bewußtlosigkeit als Schlafen. Die Ergebnisliste interessiert mich nicht, die sehe ich morgen noch früh genug.

Sonntag, 27. März 2011: GIRO DI GORENJSKA, 4. Etappe

Es hat in der Nacht geregnet, ich hab´s an die Fenster prasseln gehört, und in der Früh ist draußen auch noch alles naß. Das kann ja heiter werden. Der Temperatursturz hat sich gestern schon angekündigt. Heute früh - 2° draußen, dazu ein eisiger Nordwind von den Bergen runter! Meine Motivation ist weg - völlig verschwunden! Und bei dem Wetter soll ich über 120 km runterkurbeln???

Natürlich ist ein solches Wetter immer wieder Anlaß zu Diskussionen über eine Verkürzung - doch die kommt hier LEIDER nicht in Frage! Wenn wir einen Rundkurs fahren würden, mit mehreren Runden, okay, dann kann man ein paar Runden streichen und so die Strecke verkürzen. Das geht hier aber nicht, denn wir fahren eine einzige riesengroße Schleife, und die Organisation arbeitet auch nachts - die Streckenposten stehen bereit, ein paar Absperrungen, die Hinweisschidler sind angebracht, alle haben ihre Instruktionen und die Streckenführung - ich sehe es ja ein, da kann man nicht ein paar Kilometer irgendwo rausschneiden.

Aber dann wird es doch nur halb so wild, es trocknet auf, bleibt aber kalt und windig.

Nach dem Rennen (ich bin übrigens wieder im Finale eingebrochen und abgehängt worden) brauche ich auf keine Preisverteilung mehr zu warten, ich packe zusammen, fahre knappe 2 Stunden lang nach Hause, dort ist es trocken und sogar ein paar Grad wärmer, ich drehe noch eine kurze 50-km-Runde am späten Nachmittag über Wildon und Weitendorf, um die Beine zu lockern und entspannen. Trotz der vielen Rennkilometer an diesem Wochenende tut mir das nach der Autofahrt und der langen Hinhalte-Etappe saugut.

Dienstag, 29. März 2011

Wieder daheim. Das Wochenende war der Hammer, ich hab mich bis heute noch nicht ganz davon erholt. Allgemeines: im März werde ich wohl auf über 2000 km kommen. Im großen und ganzen muß ich zufrieden sein, die Form ist schon akzeptabel. Bin heute im Gegenwind mit 30 bis 32 km/h gefahren, aber als ich dann 35 km/h fahren wollte, ist es nicht gegangen. Durchchnitt ist okay, aber im Spitzenbereich hinke ich hinten nach.

Donnerstag, 31. März 2011

War heute mit meiner Trainingsleistung zufrieden. Was doch ein intensiver Trainingsmonat alles bewirken kann! Wer sich fragt, ob ich immer noch unter den Schmerzen leide: sie sind geringer geworden, ich hab Unmengen Noni-Saft in mich reingeschüttet - und es hat gewirkt! Oder hab ich mich nur daran gewöhnt? Es stimmt, ich bin in diesem Winter eine weitere riesige Menge wetterfühliger geworden - bin sozusagen schon ein Barometer für Übersee!

Datum km Fahrtzeit Schnitt Höhenmeter
Di, 1.        
Mi, 2.   82,0 km 2:59´ 27,4 km/h 260 Hm
Do, 3.        
Fr, 4.   78,6 km 2:47´ 28,3 km/h 130 Hm
Sa, 5.   71,8 km 2:31´ 28,5 km/h 255 Hm
So, 6. 111,9 km 3:52´ 29,0 km/h 580 Hm
Mo, 7.        
Di, 8.   53,9 km 1:56´ 27,9 km/h 265 Hm
Mi, 9.   91,1 km 3:29´ 26,1 km/h 435 Hm
Do, 10.   63,6 km 2:11´ 29,2 km/h 210 Hm
Fr, 11.   76,2 km 2:45´ 27,6 km/h 185 Hm
Sa, 12. 108,9 km 3:45´ 29,0 km/h 395 Hm
So, 13.

  12,5 km

  65,0 km

  65,5 km

0:35´

1:50´

2:26´

22,0 km/h

35,0 km/h

27,0 km/h

  --

  50 Hm

  65 Hm

Mo, 14.   58,9 km 2:01´ 29,2 km/h 125 Hm
Di, 15.        
Mi, 16. 100,5 km 3:39´ 27,5 km/h 850 Hm
Do, 17.   31,1 km 1:06´ 28,2 km/h   75  Hm
Fr, 18.   53,5 km 1:53´ 28,3 km/h 210 Hm
Sa, 19.   99,6 km 3:32´ 28,2 km/h 250 Hm
So, 20.

  14,4 km

  84,0 km

  60,0 km

0:40´

2:22´

2:15´

21,6 km/h

36,4 km/h

26,7 km/h

---

  70 Hm

  50 Hm

Mo, 21.   42,1 km 1:32´ 27,5 km/h 115 Hm
Di, 22.   63,9 km 2:16´ 28,2 km/h 400 Hm
Mi, 23.   72,5 km 2:39´ 27,3 km/h 465 Hm
Do, 24.   48,6 km 1:45´ 27,8 km/h 180 Hm
Fr, 25.

  35,0 km

  52,5 km

  17,5 km

1:25´

1:19´

0:45´

25,2 km/h

39,5 km/h

25,0 km/h

100 Hm

150 Hm

  50 Hm

Sa, 26.

   25,0 km

  69,0 km

  19,0 km

  56,0 km

  25,5 km

0:55´

2:03´

0:45´

1:13´

1:01´

27,2 km/h

33,8 km/h

25,4 km/h

44,0 km/h

25,0 km/h

  10 Hm

455 Hm

105  Hm

115 Hm

185 Hm

So, 27.

  11,5 km

126,5 km

  24,2 km

0:29´

3:17´

0:55´

24,5 km/h

39,0 km/h

26,6 km/h

---

115 Hm

  45 Hm

Mo, 28.   42,1 km 1:32´ 27,5 km/h 115 Hm
Di, 29.   63,9 km 2:16´ 28,2 km/h 400 Hm
Mi, 30.   72,5 km 2:39´ 27,3 km/h 475 Hm
Do, 31. 131,1 km 4:23´ 29,9 km/h 285 Hm

GESAMT

davon

 2.380,1 km

    453,0 km

 82:55´

12:04´

 

8.265 Hm

   955 Hm

 

Rennkilometer in rot

Freitag, 1. April 2011

Ich suche immer noch nach Startmöglichkeiten herum. Ein Kriterium in Budapest, eines in Rijeka, ist alles viel zu weit weg, unterhalb von Marburg gibt´s ein Straßenrennen, muß erst noch die Strecke rausfinden, eines gibt´s auch im südlichen Ungarn, im Dreiländerzipfel Ungarn/Kroatien/Slowenien. Ich weiß, wird langsam Zeit, mich zu entscheiden!

Samstag, 2. Aril 2011: RUNDSTRECKENRENNEN IN LENART (SLO)

Ich liebe diese slowenischen kleinen, regionalen Rennen! Für meine bescheidene Form genau das richtige! Hier kann ich - relativ unbekannt und ungestört - Rennkilometer in die Beine kurbeln, die Besetzung ist dennoch sehr gut, ein paar Klassefahrer sind schließlich immer dabei, und vor allem der Aufwand, der ist geringer als bei den meisten österreichischen TRennen: diesmal eine gute Autostunde südlich von Graz - Radlerherz, was willst du mehr?

Heute sind wir eine kleine 2,2-km-Runde nördlich von Lenart, einer kleinen Gemeinde inmitten des nordslowenischen Hügellandes, gefahren. Beim Aufwärmen machte ich die Bekanntschaft von Joze, einem gleichaltrigen Slowenen aus dieser Gegend, er wohnt in Gradisce, einem kleinen Bauernnest etwa 5 km östlich von Lenart, und er hat mich spontan eingeladen, bei ihm zu übernachten.

Nach dem Rennen, das er übrigens kurz nach Halbdistanz wegen eines Sturzes aufgegeben hat, sind wir tatsächlich zusammen zu ihm nach Hause gefahren. Er hat dort ein schönes Haus, etwas abgelegen im Grünen, ganz neu, er wohnt dort alleine mit seiner Frau, die aber übers Wochenende bei ihren Eltern in Laibach war. Sturmfreie Bude, da ist ihm wohl langweilig geworden, deshalb hat er mich eingeladen. Warum auch nicht?

Die Küche ist funkelnagelneu und völlig unbenutzt, wir sind daher zum Abendessen wieder nach Lenart gefahren, er wollte mich sogar einladen, aber ich hab so lange auf ihn eingeredet, bis ich dann für uns beide bezahlt hab - man glaubt es kaum, aber es hat nicht mehr als 25.- € ausgemacht!

Danach gab ers ein Fachsimpeln bis beinahe Mitternacht, dann sind wir beide völlig ermüdet eingeschlafen.

Sonntag, 3. April 2011: STRASSENRENNEN IN LENART (SLO)

Die Nacht war nicht so kurz, wie es sich hier vielleicht anhört, wir haben durchgeschlafen bis beinahe 10 Uhr morgens, danach kurz gefrühstückt (ich hatte ja was dabei, das habe ich mit ihm geteilt, derTyp wäre ohne mich ja wohl verhungert!), danach sind wir wieder langsam und gemütlich nach Lenart rübergefahren, wo um 13 Uhr der Start erfolgte. Diesmal sind wir eine etwas größere Runde gefahren, die auch durch sein Heimatdorf Gradisce führte.

Naja, er scheint keine besondere Leuchte zu sein. Obwohl ich mit Formrückstand und noch etwas angeschlagen von gestern gestartet bin, ist er bald danch abgerissen und in einer größeren Gruppe hinter dem Feld gefahren. Ich hab ihn erst nach dem Rennen wieder gesehen.

Dienstag, 5. April 2011

Bin gestern gar nicht am Rad gesessen, mußte erst mal das Wochenende verdauen. Es läuft jetzt schon sehr viel besser als noch vor einem Monat, aber zur Normalform ist es noch ein weiter Weg.

MILCHSÄURE-TSUNAMI, Teil 1

Mir ist am Wochenende beim Plaudern mit Joze wieder die Vergangenheit in den Sinn gekommen. Wenn einer so lange wie ich schon im Rennsport drinsteckt, dann erlebt er zwangsläufig unzählige Höhen und Tiefen, nicht nur, was die Formkurve angeht. Was habe ich an technischen Innovationen in dieser Zeit gesehen! Klickpedale, Lycrahosen und -trikots, der Weg von der 5fach-Übersetzung zur 10fachen, usw. U.a. ist das Thema auch im Gespräch dann auf Lance Armstrong und seine erstaunliche Wandlung nach seiner Krebserkrankung gekommen. Da ist der Typ vorher ein bulliger Eintagesfahrer, danach der weltbeste Etappenfahrer. Und jeder stellt sich folgende einfache, logische Frage: Wie ist das möglich??? Eine Erklärung: das optische Erscheinungsbild. War er vorher der etwas füllig wirkende Sprinter, ist er danach der ausgezehrte, hagere Etappenfahrer. Am erstaunlichsten aber seine Wandlung vom Sprinter zum Bergfahrer. Herrlich die Anekdote, als er vor der Vuelta ´98, seinem ersten großen Etappenrennen nach seinem ersten Comeback, im Aufzug den fünffachen Toursieger Miguel Indurain trifft, und sein Trainer Chris Carmichael dem Spanier vertrauensvoll eröffnet, daß Lance im folgenden Jahr, also ´99, auf den Toursieg losgeht. Miguel ganz perplex: "Aber Lance ist doch gar kein Bergfahrer!" Wie wir heute wissen, ist Lance wenig später in der Vueltas Vierter geworden und hat im folgenden Jahr, ´99, tatsächlich seine erste Tour gewonnen - beide Ergebnisse kamen übrigens durch eine beeindruckende Stärke in den Bergen zustande. War er über Nacht tatsächlich zum Bergfahrer geworden? Das US-Postal-Team erklärte diese Wandlung mit der Tatsache, daß Lance seine Trittfrequenz beinahe verdoppelt hat. Mit rasend hoher Frequenz zum Toursieg? Es ist schon immer wieder erstaunlich, für wie dumm manche Leute die Allgemeinheit ansieht, und wie sie dann doch sich selber immer wieder überführen!

Greg LeMond hat als einer von ganz wenigen (außer ihm nur Merckx und Roche) das wohl Allergrößte im Radsport geschafft: den Sieg in der Profi-Straßenweltmeisterschaft und gleich darauf in der Tour de France, damit sich sowohgl die Krone der Eintagesfahrer (WM) aufgesetzt, als auch bewiesen, daß er der weltbeste Etappenfahrer ist. Im Regenbogentrikot zum Tour-Sieg! Im darauffolgenden Winter hat LeMond mit allen möglichen Theorien experimentiert, um eine Leistungssteigerung herbeizuführen, u.a. ist er eben der Frage nachgegangen, ob durch eine Erhöhung der Trittfrequenz eine Leistungssteigerung möglich sei. Nach unzähligen Versuchen das eindeutige Ergebnis: NEIN! Und es ist ja auch logisch: man kann ja auch nicht schneller fahren, indem man schneller kurbelt! Es spießt sich alles an einer Größe: um schneller zu fahren, muß man mehr Sauerstoff im Blut transportieren, und das geht nicht, indem man schneller kurbelt, sondern die Sauerstoffaufnahmefähigkeit des Blutes vergrößert. Und das wiederum ist durch Training nicht zu machen, sondern nur durch chemische Hilfe. Ein derartiger Leistungssprung wie eben bei Lance ist also mit normalen physischen Größen nicht zu erklären, sehr wohl aber durch verbotene chemnische Unterstützung. Womit wir bei der Frage wären: wo liegt die Grenze der menschlichen Leistung?

Ungeachtet dieser Vorbilder habe ich selber vor vielen Jahren schon damit spekuliert, schneller zu fahren, indem ich eine höhere Frequenz fahre. Es klingt ja logisch, bei höherer Frequenz schneller zu sein, allerdings läßtman dabei immer den wichtigsten Faktor außer acht: auch die Übersetzung muß gleichbleiben, dann aber brauche ich mehr Kraft, und das geht wieder nur über die Sauerstoffversorgung, wobei wir wieder am Anfang wären.

Ich werde euch in den nächsten Tagen mal darüber berichten, was ich selber bei meinen Überlegungen und Versuchen für Erfahrungen gemacht habe.

Donnerstag, 7. April 2011

Furchtbarer Tag heute.Es ist heiß, ungewöhnlich heiß, an die 30°, und ich habe von der Früh weg starke Kopfschmerzen. Als ich mich dann irgendwann nach 15 Uhr aufraffe, mich umziehe und zu einer Trainingsrunde starte, nehmen die Kopfschmerzen zu. Hinter dem linken Auge sitzt das Schmerzzentrum, irgendwas drückt aufs Auge, daß die Tränen nur so rausspritzen. Wenn ich den Kopf bewege, tritt Schwindel auf. Nach 3 km muß ich umdrehen - Training unmöglich! Ich fahre also zurück, lege mich nieder, verdunkle das Zimmer. Ganz langsam läßt der Schmerz nach.

Freitag, 8. April 2011

Der Schmerz ist weg, ich fahre - ziemnlich schmerzfrei - 100 km. Nicht nachdenken, nur treten. Am späten Nachmittag packe ich fürs Wochenende zusammen, sehe mir nochmals die Strecke auf der Karte an. Zwei Straßenrennen bei Celje in Slowenien - damit verzichte ich aufs Zeitfahren in Ybbs, dem Auftaktrennen zum Ginner-Cup, und auf das Kirschblütenrennen am Sonntag - heuer erstmals 3 Runden, also 105 km - irgendwie schade, aber ich kann mich nicht teilen. Und ich muß an meine Form denken.

Samstag, 9. April 2011: STRASSENRENNEN IN CELJE (Slowenien)

Langsam komme ich in die Gänge. Wieder schönes Wetter. Ich habe wirklich in diesem Jahr großes Glück mit dem Wetter. Bei jedem Rennen Sonnenschein! Und die Form? Langsam wird sie besser. Kann ja auch gar nicht sein, daß das intensive Training nichts bringt.

Wegen des schönen Wetters bin ich nach dem Rennen noch ein paar Runden auf dem Rundkurs gefahren, langsam, gleichmäßig, habe mir die Milchsäure aus den Muskeln gefahren. War ziemlich motiviert, ambitioniert, nachdem das Rennen so gut gelaufen ist. Zumindest teilweise. Mal sehen, wie´s morgen geht.

Sonntag, 10. April 2011: STRASSENRENNEN IN CELJE (Slowenien)

Zweites Rennen, zweiter Versuch, endlich im Hauptfeld mitzuhalten - und erstmals in dieser Saison war ich erfolgreich! War wirklich danach happy und noch voller Adrenalin.

Ich trainiere jetzt eineinhalb Monate sehr intensiv, und immer noch fühle ich zeitweise meine Beine so leer wie selten zuvor. Das ist das frustrierende Gefühl daran, ich trainiere, arbeite, rackere. Dieses Winter- und Frühjahrstraining ist halt immer mit sehr viel Quälen, Überwinden und auch Frust verbunden.

Bin nach dem  Rennen wieder eine Trainingseinheit gefahren. Bin ja hier in Celje noch wenig gefahren, kenne die Gegend kaum. Ist sehr, sehr hügelig, und die Hügel sind hier keine Hügel, wie wir sie von daheim kennen, sondern viel kürzer aber unheimlich steil und kommen meist völlig unvermittelt des Weges. 100 bis 200 Meter lang, aber schon mal 18 bis 20 % steil. Brechen den Rhythmus, vor allem auch deshalb, weil man da immer viel zu hart drüberwürgt. Und ein paar dieser Zacken hintereinander, und schon haben wir den Effekt wie z.B. bei der Flandern-Rundfahrt. Das Feld platzt  auseinander!

Ein paar grundlegende Beobachtungen zum slowenischen Radsport: regionale und nationale Meisterschaften werden weiterhin vom Slowenischen Radsportverband veranstaltet (ich rede jetzt natürlich von der Master-Szene), die meisten Master-Rennen (nicht alle!) werden aber vom Master-Verband durchgeführt. Da geht der Trend (jetzt im zweiten Jahr) eindeutig dahin, daß der Veranstalter ein ganzes zwei- oder gar dreitägiges Wochenende abdeckt. Eindeutig ein Plus für die Rennfahrer. Ein weiteres Plus ist, daß es jetzt sehr viel mehr Rennen gibt, man kann die Saison mehr oder weniger lückenlos durchfahren. Durch die großen Starterfelder hat man eindeutig einen Vorteil für den Veranstalter (es wird mehr Nenngeld eingehoben!), ob es aber auch für die Fahrer von Vorteil ist, bleibt dahingestellt: dadurch, daß jetzt auch Hobby- und Sonntagsfahrer lizenziert wurden, hat man auch technisch sehr schwache Fahrer im Feld dabei. Ist nicht von Bedeutung, mag man denken, weil die sowieso bald abreißen, aber bis dahin stehen sie im Weg, beeinflussen das Rennen. Es gibt kein Mitrollen im Feld, denn das bricht so lange auseinander, bis lauter kleine Gruppen unterwegs sind. Es gibt praktisch kein passives Fahren mehr.  Und was die Taktik angeht: auch die Sprinter attacken, wollen das Feld aufbrechen, die Mannschaftstaktik verliert zunehmend an Bedeutung. Brachialgewalt dominiert über die feine Klinge. Das ist nicht unbedingt meine Welt, aber ich fahre diese Rennen ja auch nur jetzt im Frühjahr, um meinen Traininsrückstand so schnell wie möglich wettzumachen.

Dienstag, 12. April 2011: STILLSTAND

Die Folgen von zu intensivem Training kennen wir alle: gerade im Frühjahr, und ganz besonders nach intensiven Trainingseinheiten kommt man irgendwann zum Punkt, an dem man in der Früh gar nicht mehr aufstehen will, man glaubt, man ist gerade aufgewacht, dabei liegt man seit Stunden halbwach im Bett. Diesen Punkt habe ich jetzt erreicht. Aber ich bin darauf vorbereitet, werde jetzt eine Woche kürzertreten. Ich hab´s auch schon kommen sehen, denn in den beiden letzten Tagen war der Ruhepuls deutlich erhöht.

Mittwoch, 13. April 2011: MILCHSÄURE-TSUNAMI, Teil 2

Vor ein paar Tagen schon habe ich das Thema angeschnitten, jetzt gibt´s die Fortsetzung: es geht um die Frage, ob man durch eine höhere Trittfrequenz eine Leistungssteigerung erreichen kann. Bevor ich zu dieser Frage gekommen bin, hat sich die Frage anders gestellt, und zwar: Was ist überhaupt eine Leistungssteigerung? Wenn ich eine Strecke in, sagen wir mal, 15 Minuten fahre und beim zweiten Mal dann in 14 Minuten, war das jetzt eine Leistungssteigerung? Oder habe ich mir beispielsweise die vorhandene gleiche Menge Kraft anders=besser eingeteilt? Habe ich mich mehr überwunden? Ist Überwindung Leistungssteigerung? Ich habe schon vor Jahrzehnten die Erfahrung gemacht, daß man außer Form sich kaum überwinden kann, in Form dagegen sehr gut und in Hochform ist die Überwindungsfähigkeit beinahe exzellent. Das spricht eher dafür, daß man Leistung direkt proportional zur Überwindung setzen kann.

Freitag, 15. April 2011: UND WIEDER DAS LEIDIGE THEMA DOPING

Nicht, daß ich darauf herumreiten möchte, aber wenn ihr euch an die Radsport-Zeitungsberichte im Jänner und Februar erinnert, muß euch doch aufgefallen sein, daß es in ausnahmslos ALLEN Berichten nur ums Doping gegangen ist. Da gab es die Dopingfälle Alberto Contador, der in der letztjährigen Tour gleich 4mal positiv getestet wurde, dann aber nach langem Hin und Her nur ein Jahr gesperrt wurde (obwohl das nur im Zuge der Kronzeugenregelung vorgesehen ist!), dann sind sogar hochrangige spanische Politiker öffentlich für ihn eingetreten, so nach dem Motto: "Der ist so ein lieber Junge, und außerdem sagt er ja, daß er nicht gedopt hat, also ich glaube ihm, die Sperre sollte aufgehoben werden!" Und siehe da, wenig später liest man, daß er schon wieder startet, die Sperre also wohl oder übel aufgehoben wurde. Ja, übel kann einem da durchaus werden, hat er seine positive Probe ja gar nicht geleugnet, sondern vielmehr auf verunreinigtes Fleisch geschoben. Eine beinahe ideale Ausrede, kann man doch so gut wie unmöglich nachweisen, ob das im Zuge eines Fleischkonsums aufgenommen wurde (also unabsichtlich) oder absichtlich.

Oder Ricardo Ricco, Sieger der Österreich-Rundfahrt. Der pfuscht wie der größte Anfänger herum, spritzt sich das Zeug selbst (anscheinend schon im Delirium), erwischt vielleicht einen Liter zuviel und wird in höchst bedenklichem Zustand (als ob er den nicht schon vorher gehabt hätte!) ins Spital eingeliefert. Dort wird alles publik (drum merke: wer dopt, der meide am besten die Spitäler, siehe Humanplasma!), er wird zum  was-weiß-ich-wievielten-Mal gesperrt, als er sich dann so weit erfangen hat, daß er wieder in zusammenhängenden Sätzen sprechen kann, spricht er von der Suche nach einem neuen Team. Hat ihm denn niemand gesagt, daß er auf Lebenszeit gesperrt ist? Oder gibt´s da eine Klausel, von der Normalsterbliche wie ich nichts wissen???

Aber man mußja gar nicht so weit herumsuchen, bleiben wir doch in Österreich, da gibt´s (zur gleichen Zeit) die Fälle Baldauf und Knopf. Beide leugnen, beide werden gesperrt. Interessante Erscheinung: bei beiden Teams wird diese Tatsache totgeschwiegen! Als ob´s die beiden Typen nie gegeben hätte!

Ich kann euch sagen, ich war heilfroh, als mit der Tour of Qatar und der Tour Down Under die Saison endlich begonnen hat und dere Radsport wieder der Radsport war. Doch die Meldungen über die einzelnen Etappen mußte man in den Zeitungen mit der Lupe suchen. Zum Vergleich dazu: Anfang Jänner war die Meldung in allen Zeitungen groß aufgemacht, daß ein hierzulande völlig unbekannter Italiener wegen Dopings 20 Jahre (oder waren´s 24?!) gesperrt worden war.

Oder erinnert ihr euch (vielleicht vage) an die Guatemala-Rundfahrt des vorigen Jahres? Da sind doch die ersten vier der Endwertung wegen Dopings disqualifiziert worden. Der Fünftplazierte wurde dann nachträglich zum Sieger erklärt, aber auch nur deshalb, weil er NICHT getestet worden war. Wie dieser Test wohl ausgefallen wäre??? Die ersten fünf kamen alle aus Mittel- und Südamerika. Interessantes Detail am Rande: ein klappriger Bus, in dem die B-Proben transportiert wurden, ist auf dem Weg ins Labor überfallen worden und verschwunden. Ist bis heute nicht aufgetaucht. Was ist das für eine Räuberpistole? Ich spritze, lasse mich testen, bin positiv (Überraschung!), überfalle den Bus mit der B-Probe und bin fein raus???

Und da reden alle von einer neuen Fahrergeneration, von sensibleren Teams, von einem neuen Bewußtsein  in punkto Doping, usw, usw.

Meine Meinung über einen Aspekt, den ich noch in keiner Dopingdiskussion gehört habe: durch Doping stehle ich Erfahrungen! Wenn ich als Gedopter einen sauberen Fahrer schlage (was ja Sinn und Zweck des Dopings ist!), dann habe ich dem die Erfahrung gestohlen, auf dem Stockerl zu stehen, die Erfahrung des Sieges, etc. Und genau diese Erfahrungen sind es ja, weshalb wir den Rennsport betreiben, d.h. ich stehle meinem Radlerkollegen die Grundlage seines Lebens! Auch wenn es niemals auffliegen sollte, daß ich positiv bin, ICH SELBST WEISS ES, und ich muß mit diesem Bewußtsein leben. Mit dem Brewußtsein, ein Dieb und Betrüger zu sein. Na dann viel Spaß damit.

Samstag, 16. April 2011: STRASSENRENNEN IN MURSKA SOBOTA

Zwei Straßenrennen an diesem Wochenende vor meiner Haustüre sozusagen, eine gute Autostunde entfernt. Zwei schnelle Rundkurse, flach, versprechen interessante Rennen. Und das Wetter ist auch besser als daheim, etwas wärmer, und sogar die Sonne blinzelt durch die ansonsten dicke Wolkendecke.

Nach dem Rennen drehe ich noch 4 Runden auf dem Rundkurs, aber dem morgigen. Der Start ist an beiden Tagen ident mit dem Start des Eröffnungsrennens vor einem Monat. Danach fahre ich aber wieder nach Hause, in der gewohnten Umgebung schläft sich´s doch am besten, und eine Stunde Autofahrt ist auch nicht die Burg.

Bin heute zum ersten Mal in dieser Saison im Feld mitgekommen! Das gibt gleich mächtig Auftrieb und Motivation für die näüchsten Rennen. Daheim lege ich mich noch zum Abschluß des Tages eine gute Stunde in die Badewanne und genehmige mir danach eine nicht ganz radlerfreundliche Abendmahlzeit: Mozzarella mit Olivenöl und Tomaten, dazu Weißbrotscheiben mit Pesto, das ganze in Milch eingeweicht und mit Käse überbacken. Eine Kalorienbombe. Und sättigend dazu.

Sonntag, 17. April 2011: STRASSENRENNEN IN  MURSKA SOBOTA

Zum erstenmal heuer habe ich attackiert, bin aus dem Feld weggefahren, natürlich wieder eingeholt worden, aber das Gefühl war unbeschreiblich. Die Form kommt jetzt endlich, wenn´s so weitergeht, kann ich bald auf die erste Top-10-Plazierung losgehen.

An diesem Wochenende gab´s in Österreich ja die Traunsee-Rennen. Bergrennen Gmundnerberg, Zeitfahren und Marathon. Wäre sicherlich eine interessante Alternative gewesen. Aber die Beteiligung! In den Masterklassen 2 und 3 jeweils ein einiger Starter! Was soll das? Das ist doch kein Radrennen, das ist eine Zumutung! Ich kann wirklich jeden verstehen, der diese Klassen einsparen will. Das hat mit Radsport wirklich gar nichts mehr zu tun. Beim Zeitfahren drei Starter in meiner Klasse 2. Irgendwie war ich froh, da nicht hingefahren zu sein. Und ich muß gestehen, mich interessiert die österreichische Szene immer weniger. Das macht absolut keinen Spaß, abgesehen davon, daß Murska Sobota sehr viel näher liegt.

Montag, 18. April 2011

Habe nach dem Rennwochenende gleich weitergemacht und bin heute den Rechberg gefahren. Zum ersten Mal in diesem Jahr. War noch etwas zäh, vor allem konnte ich das Tempo  nicht den ganzen Anstieg rauf halten, bin schon vor der Hälfte deutlich langsamer geworden. Und hab dann auch 35 Minuten gebraucht (vom Kreisverkehr in Frohnleiten weg gestoppt). Bin dann über Semriach nach Graz zurückgefahren. Hat Spaß gemacht, aber ich hab auch die beiden Rennen gemerkt. Die Beine waren schwer und sind auch nicht mehr so rund gegangen. 

Dienstag, 19.  April 2011: MILCHSÄURE-TSUNAMI, Teil 3

Heute geht´s im dritten Teil also um meine eigenen Erfahrungen im Kampf gegen die Milchsäure-Flut, beginnen möchte ich da in den Achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts. Kennt ihr die Seealpe im süddeutschen Oberstdorf? Nein? Dort bin ich zum erstenmal bewußt mit diesem Problem konfrontiert worden.

Ein kleines,aber feines Bergrennen von den Oberstdorfer Sprung- und Flugschanzen rauf zur Seealpe, gerade mal 3 km lang. Und sehr steil. Schmales und schlechtes Asphaltband, Steigungen teilweise bis zu 30 %, in Summe sicher steiler als etwa das Kitzbüheler Horn. Mit Massenstart gefahren, zählte zur Allgäuer Jahreswertung. Eine Wertung, die es heute immer noch gibt, das Bergrennen aber gibt es nimmer. Da ist alles auf einem Haufen gefahren, es gab auch nur eine einzige Wertung und 5 Preise. Dabei waren alle, die in der Jahreswertung gefahren sind, ein paar lokale Größen und in diesem Fall auch die Bergfahrer, war es doch das einzige Bergrennen dieser Serie. Beteiligung also aus Süddeutschland, Tirol sowie ein paar wenige Kapazunder von noch weiter weg, so wie ich auch. War ein Freitagrennen, ich bin das so nebenbei gefahren,  zum Aufwärmen für das eigentliche Wochenende. Bei meinem ersten Antreten war ich 5., also in den Preisrängen. Und im darauffolgenden Jahr habe ich mich als Siegeskandidat gewähnt, war aber wegen meiner viel besseren Form als im Vorjahr viel zu übermütig und auch in Gedanken schon bei den beiden folgenden Tagen, als daß ich das wirklich seriös genommen hätte. Viel zu nachlässig aufgewärmt, und als ich dann mit etwa 30 bis 35 anderen am Start gestanden bin, am Fuße der riesigen Flugschanzen, ist mir mit einem Male - viel zu spät - bewußt geworden, daß ich noch ganz kalt war.

Mit dem Startschuß sind zwei Mann vorne weggesprintet, danach hatte ich mit mir selber genug zu tun, um halbwegs in die Gänge zu kommen. Fahrtzeit für die 3 km: rund eine Viertelstunde! Nach dem ersten Kilometer lag ich weit zurück, der Traum vom Sieg war mir nicht mehr in den Sinn gekommen, ich war nicht mal Top-10! In einem Gewaltakt konnte ich mich nach vorne kämpfen, habe Platz um Platz aufgeholt. Viel zu schnell war dann die 1000-m-Marke da, und da hab ich dann auf meinen berühmten Schlußkilometer vertraut: diese ominösen 1000 m waren der Startschuß zu einer Adrenalin-Eruption ohnegleichen, ich hab einen Tunnelblick gekriegt und bin mit 110 % losgesprintet, Erlösung hat erst der Zielstrich gebracht. So auch diesmal, kurz nach der 500-m-Marke bin ich zu einer 3-Mann-Gruppe hin und gleich vorbei, hab noch mitgekriegt, wie die sich aufs Hinterrad schmeißen und im gleichen Moment aber auch schon abgerissen sind. Haben bis ins Ziel noch mehr als eine halbe Minute verloren!

Als ich durchs Ziel gefahren bin, habe ich vor mir niemanden mehr gesehen, mußte dann aber feststellen, daß die beiden, die am STart angegriffen hatten, vor mir oben waren! Ich war also Dritter, geschlagen von den beiden Spitzenreitern um eine knappe Minute! Auf dieser kurzen Strecke waren das Welten. Und beim Warten auf die Siegerehrung habe ich beschlossen, die beiden mal nach ihrer Taktik auszufragen.

Es waren der Hans Knauer und der Hans Lex, zugegeben die beiden stärksten Bayern, haben auch international Karriere gemacht, vor allem der Knauer Hans als Straßenfahrer. Und da konnte ich - zu meiner großen Freude - feststellen, daß die beiden das Rennen taktisch ähnlich angegangen sind wie ich. Zunächst mal haben wir alle drei die Strecke gedrittelt, drei Teile zu je einem Kilometer. Ging leicht, es waren ja nur 3 km, der letzte war durch die 1000-m-Marke eindeutig bestimt, und den Punkt des ersten Kilometers haben wir beim Aufwärmen ausgemessen und uns einen markanten Punkt gemerkt. Die beiden hatten - nicht abgesprochen! - rein zufällig zugleich am Start attackiert, sind also ihren ersten Kilometer so gefahren wie ich meinen letzten. Ich habe vorher herumgegrundelt, die beiden sind nachher kontrolliert gefahren und haben ihren Vorsprung behalten. Das schien mir unlogisch, denn ich war immer der Meinung gewesen, einen solchen Energieanfall hat man nur angesichts der Ziellinie, früher kann das nur ins Auge gehen. In einem waren wir uns aber einig: eine mehr als hundertprozentige Anstrengung wird in jedem Fall belohnt!

Wir haben also zu rechnen begonnen: zuerst mein Rennen, dann ihres miteinander verglichen: ich den ersten Kilometer mit 60 %, den zweiten mit 70 %, den dritten mit 110 % - macht 240 %, im Schnitt also 80 %. Und schon da ist mir aufgefallen, daß eine "nur" 80 %ige Leistung für das Gefühl, das ich nach meinem Schlußkilometer hatte, eigentlich recht wenig war! Und dann ihr Rennen: 110 %, 80 % und 80 %, macht 270 %, im Schnitt also 90 %! Ich war von der Rechnung immer noch nicht überzeugt, wußte ich doch, wie sehr ich den Beginn verschlafen hatte, das ist doch im Normalfall nicht so, und wenn ich dann die ersten beiden Kilometer mit jeweils 80 % oder gar mit 85 oder 90 % fahre, habe ich im Schnitt dann trotzdem noch mehr als sie, aber diese Rechnung haben sie mir dann ganz schnell runtergeräumt. Je länger ich vorher am Limit fahre, desto unwahrscheinlicher sind dann die 110 % am Schlußkilometer! Hab ich wieder entgegnet, nach meinem Schlußkilometer könnte ich aber sicher nicht kontrolliert noch 2 km fahren, da bin ich aber mausetot! Ich hab irgendwie Respekt vor ihrerm Ruf und ihrer internationalen Erfahrung gehabt, hab das also nicht leichtfertig weggewischt, obwohl ich nicht überzeugt war. Diesen strittigen Punkt haben die beiden in einer für sie Hunderte Male bestätigten Tatsache zusammengefaßt: Wenn eine mehr als 100%ige Anstrengung, dann am besten so früh als möglich! Was dafür spricht: wenn ich damit bis zum Schluß warte, werde ich immer erschöpfter, das stimmt sicher, aber auch der Druck steigt, denn ich bin im Nachteil und MUSS diesen Energieschub kriegen, in ihrem Fall haben sie den gleich am Start und können dann beruhigter mit einem Vorsprung fahren, ein Gefühl, daszusätzlich Kräfte verleiht. Der Unterschied eben zwischen den Rollen als Jäger und Gejagter! Und es tut selber sehr gut, der Konkurrenz gleich mal zu zeigen, wo der Hammer hängt, und denen tut´s verdammt weh!

Immer vorausgesetzt, dieser Leistungsturbo am Start führt zu keiner Explosion, denn dann fällt die Leistung danach auf Null. Die ganze folgende Woche habe ich über dieses Problem nachgedacht, bin zu keinem Schluß gekommen, habe mich aber entschieden, bei Gelegenheit die Probe aufs Exempel zu machen.

Ihr dürft euch auf einen vierten Teil dieser Serie freuen, denn dann schreite ich zur Tat. Frage: Wie kann ich mit den Leistungsgrenzen spielen, um die Leistung besser auszuschöpfen? Denn es war mir klar geworden, man kann durch dieses Gebiet nicht linear durchmarschieren, wenn man es optimal oder maximal nutzen will, geht das nur progressiv!

Donnerstag, 21. April 2011

Das Osterwochenende steht vor der Tür, es ist warm, schön, sonnig, und das Rennwochenende ist auch gerettet: ich werde noch einmal in Slowenien mein Bestes geben, bei den "3 Tagen von Beltinci" von Samstag bis Montag. In Österreich hätte ich da nur das Kriterium in Salzburg. Meine Österreich-Premiere 2011 werde ich also in der Woche darauf geben, am Neusiedler See, da gibt´s ein Einzel/Paarzeitfahren und den Marathon rund um den See. Warum nur gibt es zu Ostern so wenige Rennen?

Freitag, 22. April 2011: DAS SCHICKSAL SETZT DEN HOBEL AN...

... und hobelt meine Reifen weg! Scheißtag heute! Kurz nachdem ich losgefahren war, hatte ich hinten einen Platten, muße zu meinem Entsetzen feststellen, daß ich gar nichts mithatte, weder Ersatzreifen noch Pumpe. Also umdrehen und nach langsam und vorsichtig nach Hause rumpeln, damit der Felge ja nichts Böses passiert! Nach 22 km war ich wieder daheim, hab das Problem behoben und bin abermals losgefahren. Bin relativ konstant um die 70 bis 80 % gefahren, erst hinter Wildon habe ich am Dexenberg mal aufs Tempo gedrückt und die Beine gefordert. In der Abfahrt nach Lang dann ein Schreckmoment, bei hohem Tempo, um die 35 km/h, bin ich in einer Rechtskurve beinahe zu Sturz gekommen, in voller Schräglage war auf einmal zu wenig Luft im vorderen Reifen! Konnte gerade noch einen Sturz vermeiden, aer auch nur, weil ich einen Ausritt in den linken Straßengraben in Kauf genommen habe, der erschien mir gerade richtig, weil dort das Gras über einen Meter hoch war und ich mir dachte, im schlimmsten Fall landest du weich. Aber durch das hohe Gras sieht man halt auch nicht, wie der Boden aussieht, was dort alles für Gefahren warten. In meinem Fall Gottseidank nichts, ich konnte sogar ohne Sturz stehenbleiben. Richtig, vorne war keine Luft mehr, wieder ein Platter, diesmal halt vorne! Und in der Hektik der ersten Reparatur hatte ich abermals Ersatzreifen und Pumpe vergessen! Wie blöde kann man eigentlich sein????????

Also abermals langsames Nachhausefahren, diesmal aber mit ganz starkem Rückenwind, der hat mich wirklich förmlich nach Hause geschoben. Waren wieder weitere 64 km heute. Schwamm über diesen fatalen Tag!

Samstag, 23. April 2011: DREI TAGE VON BELTINCI, RUNDSTRECKENRENNEN

Beltinci knapp hinter Murska Sobota ist der Schauplatz dieses Oster-Wochenendes. Wasich gar nicht gewußt habe: in Beltinci gibt es eine rege Radsport-Szene, das Kaff war sogar schon einige Male Etappenziel bei der Slowenien-Rundfahrt der Elite! Der relativ späte Start und die kurze Anfahrt bringen doch noch Hektik in den Vormittag, mittags noch schnell einkaufen, dann Abfahrt!

Bei herrlichem Sommerwetter fahren wir heute also den ersten Rundkurs, den kürzesten der drei Tage, gerade mal 7 km lang. Hab mir noch vor dem Rennen ein Quartier gesucht und bin in Bogojina fündig geworden, 9 km nördlich von Beltinici gelegen: in die Ortschaft rein, an der Kirche vorbei den Berg hinauf, ganz oben am Waldrand rechts eine klitzekleine, aber feine, Pension, dort habe ich für 2 Tage ganze 40.- € bezahlt, üppiges Frühstück inklusive!

Auf der Karte oben seht ihr einen Teil der Rennstrecke: von Beltinci nach Bratonci, dort rechts rauf.

Nach dem Rennen bin ich noch einige Runden auf dem morgigen Kurs gefahren, der liegt im Süden von Beltinci, ist nur minimal länger als der heutige, ebenfalls topfeben, da kommen wir auf der linken der beiden orangenen Straßen zum Ziel rein und fahren nach der Spitzkehre auf der rechten wieder nach Süden raus. Herrliches Wetter, ich hab wirklich jeden Kiloemter genossen. So muß Radsport sein!

Sonntag, 24. April 2011: DREI TAGE VON BELTINCI, RUNDSTRECKENRENNEN # 2

Wieder Kaiserwetter, hab also auch diesen Tag genossen. Es gibt eine Gesamtwertung, aber die geht nach Punkten, komplizierter Schlüssel, das Wichtigste: man muß alle drei Rennen beenden, um in die Gesamtwertung zu kommen, man kann aber auch ausscheiden und am nächsten Tag wieder starten, nur ist dann halt die Gesamtwertung weg. Für morgen sagt der Wetterbericht nichts Gutes, nämlich Regen und leichte Abkühlung. Schade. Es war so schön.

Hab das Wetter noch einmal ausgenutzt und bin nach dem Rennen nochmal 50 km gefahren, drei Runden auf dem morgigen längsten Rundkurs, aber auch der ist flach wie eine Flunder. Und es hat auch sehr gut getan, nach den Anstrengungen des Rennens ein paar lockere Kilometer in der warmen Sonne runterzukurbeln.

Der Reifenverschleiß ist wirklich enorm. Als ich wieder im Quartier war, mußte ich feststellen, daß ich hinten kaum mehr Luft hatte, der dritte Reifen also innerhalb weniger Tage hinüber. Nicht, daß jetzt der Eindruck entsteht, ich verwende nur kaputtes und minderwertiges Material: es waren alle drei deutsche Wertarbeit, Conti, aber ich muß zugeben, normalerweise verwende ich die italienischen Vitoria. Oder die amerikanischen Bontrager.

Ostermontag, 25. April 2011: DREI TAGE VON BELTINCI, Straßenrennen

Schlußtag der dreitägigen Veranstaltung, mit dem Straßenrennen steht das längste Rennen am Programm. Ich starte mit rasenden Kopfschmerzen und bin heilfroh, als der Zirkus dann vorbei ist. Schade drum, aber dieses Wochenende stand einfach unter keinem guten Stern. Vielleicht war auch die Erwartung zu hoch, aber drei Tage mit starken Kopfschmerzen sind nicht ohne. Naja, ich hab mich wenigstens durchgewurschtelt.

Bei der Heimfahrt bin ich dann in den Regen gekommen. Nächstes Wochenende dann endlich der Österreich-Start, es geht am Neusiedler See los. Und Mitte Mai folgt das nächste Auslandsrennen, das Straßenrennen in Schrobenhausen, Bayern.

Dienstag, 26. April: MILCHSÄURE-TSUNAMI, Teil 4

Sehr bald schon hatte ich die Gelegenheit, die These von der frühen Attacke auf Herz und Nieren zu prüfen. Das traditionelle Bergzeitfahren in Trento über 3 km zur Ponte Alto bot sich förmlich an. Traditionsklassiker, über 100 Jahre alt, eines der ältesten Rennen Italiens, von der Stadtmitte die Steigung rauf in Richtung Valsugana. Genau 3 km lang, sehr flach, alles mit dem großen Blatt. Streckenrekord knapp über 7 Minuten.

Ich hab mir also die Strecke genau angesehen, in drei gleich lange Passagen á 1 km unterteilt und bin dann den ersten Kilometer voll gefahren, den mittleren verschnaufen und Schwung holen für den letzten. Ich hab´s einfach nicht so wie beabsichtigt hingekriegt, konnte den ersten Kilometer einfach nicht mit mehr als 100 % fahren. Dennoch hat sich das Ergebnis sehen lassen. Mit meiner persönlichen Bestzeit von 8:03 Minuten bin ich Neunter geworden, auch vom Resultat mein bestes Ergebnis.

Hab´s dann später im Herbst noch einmal probiert, und zwar beim ebenfalls 3 km langen Bergzeitfahren von Frangart nach Girlan, südlich von Bozen. Auch wieder sehr flach, eine Spur steiler aber als Ponte Alto. Durchschnittliche Steigung ca 5 %, Fahrtzeit 8 Minuten.

Girlan an der Südtiroler Weinstraße, Blick Richtung Meran und Mendelpaß

Bin überraschend stark gefahren, habe in meiner persönlichen Bestzeit von 8:03 meine Altersklasse gewonnen und nachher erfahren, daß das auch gleich Streckenrekord war. Leider gibt´s das Rennen heute nicht mehr, ist, wie so viele andere, diversen Sparwellen zum Opfer gefallen. Das spricht wohl eindeutig für diese Theorie. Wenngleich ich dort im Jahr davor mit meiner eigenen Taktik auch gewonnen habe, aber eben in einer sehr viel schwächeren Zeit.

Fazit: Ich kann dieser Theorie nur zustimmen, gleich am Start mit mehr als 100 % loslegen. Wenn sich jetzt jemand fragt, was denn mit "mehr als 100 %" gemeint ist, schließlich gibt´s ja nicht mehr als 100 %!, kann ich dazu nur sagen, gemeint ist natürlich die anaerobe Schwelle, über die man geht. Der "rote Bereich", die Todeszone, wenn man so will. Ist natürlich ein ganz individueller Bereich, das ist klar. Die Kunst dabei ist, wieder unbeschadet rauszukommen, dort drin nicht zu explodieren und zu vedrenden. Dafür trainiert man, dafür quält und schindet man sich stundenlang und viele Tausende Kilometer lang. Je bessaer und vor allem r9obuster die Form, desto eher kann man daran denken, aus diesem Bereich wieder rauszukommen.

Dennoch habe ich diese Taktik NIE mehr später angewendet. Warum? Der Grund ist für mich einfach und logisch, liegt auf der Hand: diese Taktik ENTSPRICHT MIR ÜBERHAUPT NICHT! Das geht gegen mein Naturell, meinen Charakter, meine Art, meine Philosophie, und daher geht das auch nicht gut. Ich habe meinen Weg gefunden, ich bleibe meiner Taktik, am Ende noch einmal alles rauszuholen. Daher sind auch jene Typen, die gleich am Start attackieren können, sozusagen meine Angstgegner, mit denen ich nur sehr schwer fertigwerde. Eigentlich bin ich darauf angewiesen, daß sie sich dabei übernehmen und Opfer ihrer eigenen Taktik werden.

Donnerstag, 28. April 2011

Habe heute bemerkt, daß das Paarzeitfahren am Neusiedler See nicht wie geglaubt am Samstag, sondern schon am Freitag stattfindet, also morgen! Scheiße! Wie konnte ich das nur übersehen? Mein Partner kann morgen gar nicht, und auch mir kommt das äußerst ungelegen. Egal, wird´s eben gecancellt, und ich fahre stattdessen am Samstag in Slowenien, taugt mir sowieso besser. Am Sonntag bleibt dann aber die Österreich-Premiere am Neusiedler See.

Samstag, 30. April 2011: STRASSENRENNEN STARA NOVA VAS

Zwischen Slatina Radenci und Ljutomer gelegen ist das unglaublich kleine Bauernkaff Stara Nova Vas. Auf einer 10,5 km langen Runde - völlig flach - sind ein paar Runden abzuspulen. Leider spielt das Wetter überhaupt nicht mit. Bei der Anfahrt schon ziemlich wolkig und trüb, unbeständig und feucht, wird´s immer ärger, je näher ich dem Start komme. Dann sind die Straßen feucht, wenig später naß, und im Ort selber sieht´s aus wie in einem riesigen Überschwemmungsgebiet. Die Straßen stehen unter Wasser.

Ein Nest zum Vergessen. Pünktlich zum Start öffnet der Himmel seine Schleusen. Einfach widerlich. Das Rennen wird wenigstens verkürzt, obwohl ich davon gar nichts habe. Statt 9 Runden (94,5 km) fahren wir jetzt nur 7 Runden (73,5 km), aber ehrlich: soll ich mich darüber freuen??? Das erste Regenrennen heuer. Auf solche Premieren könnte ich getrost verzichten.

Danach wird´s hektisch: heimfahren, Rad putzen, Gewand waschen, Tasche für morgen zusammenpacken, noch schnell in die Badewanne, essen und ab ins Bett, es ist ohnehin schon spät geworden.

Sonntag, 1. Mai: STRASSENRENNEN/MARATHON "RUND UM DEN NEUSIEDLER SEE" IN MÖRBISCH

Das wohl wichtigste Rennen in der bisherigen Saison: das erste in Österreich, und die Überschrift ist einfach - wie gut ist die Form jetzt wirklich? Immerhin zählt das Rennen zum "Austria-4-Cup", da sind schon einige der größten Kapazunder dabei, ich fahre quasi gegen Elitefahrer, und das bei tschechischer, slowakischer und ungarischer Beteiligung. Ich bin selber schon unglaublich gespannt, was die slowenischen Rennen wirklich wert waren, wie gut oder schwach bin ich zur Zeit wirklich?

Die Platten scheinen mich in letzter Zeit wirklich zu verfolgen: als ich gestern wieder abends heimgekommen war, habe ich bemerkt, daß bei meiner Renngarnitur hinten keine Luft mehr drin war. Also Reifen gewechselt, der vierte in den letzten Tagen! Ob sowas normal ist?

Das Rennen hat ein tolles Ergebnis gebracht, ich bin wirklich zum erstenmal heuer vollauf zufrieden: RANG 2!! Hab dann bis 17 Uhr auf die Preisverteilung warten müssen, da ist ein Gewitter nach dem anderen über Mörbisch gezogen, da hatten wir im Rennen ja noch mal Glück gehabt, da hat die Sonne gescheint und es waren eigentlich (auch wenig Wind) ganz gute Bedingugnen, das hat man auch an der Fahrtzeit gesehen. Das Rennen war selten so schnell gewesen! Hab ein paar alte Freunde getroffen, den Othmar Peer (schon seit Jahren Sprecher hier), den Franz Venier (Langstrecken-As aus Tirol) oder den Alfred Lechnitz, der nach einem Jahr Pause wieder - wie man sieht, kräftig - in die Pedale tritt.

 

Othmar Peer (links) und Franz Venier

Übrigens: hat jemand von euch Lust, in zwei Wochen beim Straßenrennen in Schrobenhausen/Bayern mitzufahren? Schreibt mir eine e-Mail, einen Fahrer kann ich mitnehmen (Amateur od Master). Robert.Bartonek@gmx.at, aber bitte entscheidet euch bald, am Freitag ist Nennungsschluß!

Montag, 2. Mai 2011

Es ist wieder ein Monat vergangen, es ist wieder an der Zeit, die Trainingsergebnisse des letzten Monats durchzusehen. Die Renndaten sind wieder in rot gehalten.

Datum Strecke Fahrtzeit Schnitt Höhenmeter
Fr, 1.   63,8 km 2:11 29,3 km/h 205 Hm
Sa, 2.

  22,0 km

  44,0 km

  12,5 km

  40,0 km

    55

1:06

    35

1:29

25,0 km/h

40,0 km/h

22,9 km/h

27,0 km/h

150 Hm

300 Hm

  45 Hm

180 Hm

So, 3.

  10,5 km

  78,4 km

  39,2 km

   26

2:01

1:25

23,8 km/h

39,0 km/h

27,6 km/h

  55 Hm

360 Hm

115 Hm

Mo, 4.   61,7 km 2:09 25,6 km/h 345 Hm
Di, 5. 116,4 km 3:58 29,3 km/h 585 Hm
Mi, 6.   58,6 km 2:06 27,8 km/h 450 Hm
Do, 7.        
Fr, 8. 100,6 km 3:30 28,7 km/h 455 Hm
Sa, 9.

  18,0 km

  72,0 km

  36,0 km

   48

1:50

1:20

26,0 km/h

39,7 km/h

28,0 km/h

  90 Hm

180 Hm

125 Hm

So, 10.        
Mo, 11.        
Di, 12.,        
Mi, 13.        
Do, 14.        
Fr, 15.        
Sa, 16.        
So, 17.        
Mo, 18.        
Di, 19.        
Mi, 20.        
Do, 21.        
Fr, 22.        
Sa, 23.        
So, 24.        
Mo, 25.        
Di, 26.        
Mi, 27.        
Do, 28.        
Fr,29.        
Sa, 30.        
GESAMT        

 

Dienstag, 3. Mai 2011: ERINNERUNGEN

1985. Auch schon wieder ein Vierteljahrhundert her. Ich erinnere mich, Ende April in Belgien gefahren zu sein. Trofée Wallonie, der Fleche Wallone der Amateure. Eine österreichische Auswahlmannschaft, mit mir sind noch Georg Glechner, Robert Prager, Michael Alfon, Slawek Witkowski und Hermann Kofler gestartet, eine Sechsermannschaft also. Etappenrennen, 5 Tage, 7 Etappen. Das Besondere daran: das belgische Wetter, jeden Tag Regen, Sturm, Kälte, Nässe, sogar Hagel und Donner, Kopfsteinpflaster, Anstiege, also die "Hellingen" und die "Kasseien", dazu ein internationales Starterfeld erster Güte. Und mitten drin der keine Robert. Da waren solche Kapazunder dabei wie Jan Ostergaard (DMK), der später Mountainbike-Weltcupsieger, die Belgier Marc Fruch, Rudy Vanderhaegen, Jean-Claude Florkin, Philippe Boulanger, Eric van Bael, Patrick Vanlondersele, Ludo Verschueren, usw, der Niederlände Corneille Daems, die Franzosen Alain Jamart, Luc Msarchand, Alain Hubeau, Jean-Francoise Deligniere, die Iren Serge Quintin, Anthony Falkboll, Norman Campbell, Andrew Robinsón, David O´Cooughlin, Alistair Irvine, und viele andere, die alle in den folgenden Jahren die Profilaufbahn eingeschlagen haben.

Wie bin ich zu diesem Rennen gekommen? Der Hermann Kofler, den ich schon sehr früh kennengelernt habe, zu einem Zeitpunkt, als er seine kriminelle Energie erst entdeckt hat, hat damals die Initiative ergriffen und einfach alle Veranstalter von UCI-Rennen angeschrieben, den Start einer österreichischen Auswahlmannschaft angeboten und auf Einladungen gewartet. Ein paar Veranstalter haben geantwortet, und so kam auch dieser Start zustande. Vom 27. April bis 1. Mai organisierte der Velo Club Seillois die 6. Trophee de Wallonie. Startort der 1. Etappe: Seilles, Ziel nach 132,6 km Dion Le Mont.

Doch schon im Vorfeld ist so ziemlich alles schiefgelaufen, was nur schieflaufen kann. Ich hab den Bus besorgt, nämlich den eigenen Vereinsbus, hab einen Bekannten meiner Schwester als Chauffeur mitgenommen, den ich noch nie zuvor gesehen hatte, und bin Richtung Wien losgefahren. Dort sind Witkowski samt Freundin, Alfon und Prager zugestiegen, dann ging´s weiter nach Amstetten, dort haben wir Kofler aufgelesen, in Salzburg dann noch Glechner. Und das alles mit einem alten Bus, der kaum 100 Sachen fuhr. In Salzburg waren wir schon am späten Nachmittag. Start am darauffolgenden Tag um 13.30 Uhr.

Im Raum Stuttgart gab´s ne Umleitung, wir sind runter von der Autobahn, und auf der Bundesstraße gab´s eine kilometerlange Baustelle. Die war an der Mittellinie mit Verkehrshütchen vom Gegenverkehr abgetrennt. Da wir in Eile waren, wollte der Kofler, der zu dem Zeitpunkt hinterm Steuer saß, Zeit gutmachen, und hat angefangen zu überholen, wodurch er gezwungen war, zwishen den Verkehrshüten Slalom zu fahren. Und das alles bei dichtem Verkehr. Das schrille Hupen der anderen hat uns geweckt, wir haben ja geschlafen. Es kam, wie es kommen mußte: irgendwann hat er das erste Verkehrshütchen erwischt, dann das nächste, dann hat er alle abgeräumt, wie beim Kegeln. Nach rechts und links sind sie weggeschleudert worden, dann ist ihm eines unter der Achse steckengeblieben, die Lenkung war blockiert, er hat laut zu schreien begonnen, dadurch hat sich natürlich gar nichts geändert. Und vor uns dann die nächste Kurve. Kurz vorher ist der Wabgen zum Stehen gekommen, aber am Bankett, hat sich dann ganz langsam nach rechts in Richtung Böschung geneigt und drohte umzukippen. Wir sind also links rausgesprungen, auf die andere Seite gelaufen und den Bus mit den Händen gestützt. Hat ausgesehen wie der schiefe Turm von Pisa, pardon, der schiefe Bus von Stuttgart. Der Kofler kam dann auch noch raus, hat seinen Fotoapparat gesucht und zunächst mal ein Foto geschossen.

Die Weiterfahrt war ziemlich wortkarg, nachdem dieser Zwischenfall uns über eineinhalb Stunden gekostet hat. Es war bereits finster, als wir die belgische Grenze passiert haben. Es hat zu regnen begonnen und es ist immer kälter geworden. Dann haben wir uns hoffnungslos verfahren, es hat mehrere Stunden gebraucht, bis der Tank leer war und der Idiot endlich stehengeblieben ist. Naja, als Radrennfahrer bist du in Belgien sowas wie ein Gott, und so waren wir bald wieder unterwegs. Jetzt waren wir auch auf der richtigen Straße, und um 2.15 Uhr früh sind wir in Seilles angekommen, vor dem Haus von Monsieur Jean-Maurice Dehousse, Sportminister und Präsident des Radsport-Regionalverbandes Wallonien, der Veranstalter. Das war ein kleines, dickliches, altes Männchen, runzlig, vergilbt, ist mit Schlafmützre und Schlafrock herumgelaufen, hat mit den Österreichern endlich das letzte noch ausständige Team abgehakt und uns sofort ein Quartier besorgt. Dort sind wir um 3 Uhr früh eingezogen und todmüde in die Betten gefallen.

Der Renntag. Es hat von der früh an geregnet, und dieser Regen hat im Laufe des Tages enorm zugelegt. Die Wolkendecke ist immer dünkler geworden und tiefer gewandert. Schon auf einer Autobahnüberführung waren wir in dieser Wolkendecke verschwunden. Der Start erfolgte am frühen Nachmittag, bei prasselndem Regen, der mal schwächer wurde, dann aber gleich wieder stärker. Zwischendurch hat es auch mal gehagelt, so stark mit so großen Hagelkörnern, daß das furchtbar wehgetan hat. Und dabei ist es kälter und kälter geworden.

Jedes ausländische Team hat vom Veranstalter einen Betreuer beigestellt bekommen, der auf die Eigenheiten hingewiesen hat, vor allem Verständigungsprobleme bereinigt hat. Dabei haben wir den Haupttreffer gezogen: den persönlichen Betreuer des damaligen Profiweltmeisters Claude Criquelion! Der Typ war ein Wahnsinn, er hat die Strecke natürlich gekannt wie seine Westentasche, hat uns alle Steigungen angekündigt und vor allem beschrieben, auch die Mauer von Huy, hat unsere Rennkleidung (Hose, Trikots, Ärmlinge, Überschuhe, Langarmtrikots, Regenjacken, etc.) täglich mit nach Hause genommen und gewaschen, hat uns ab dem zweien Tag mit Rennverpflegung überrascht, nämlich mit klitzekleinen Reiskuchen, Zwetschkenkuchen, saftigen Biskuitstücken, alles fein säuberlich in mundgerechten Happen in Stanniol verpackt.

Damals sind alle belgischen Straßenrennen immer auf einem kleinen Rundkurs zu Ende gegangen, so auch hier die Etappen. Wir sind zunächst etwa hundet Kilometer lang kreuz nund quer durch die Gegend gefahren, auf kleinen, verdreckten Forstwegen für Fuhrwerke, danach ein kleiner Rundkurs, am ersten Tag hatte der die Form einer Acht, wir sind also zwei kleine Scheifen gefahren, die eine im, die andere gegen den Uhrzeigersinn, und erst in der 3. oder 4. Runde habe ich gemerkt, daß wir immer wieder denselben Kurs fahren, wir haben nämlich eine Schleife immer ausgelassen. Das Feld war unglaublich weit aufgesplittert, ein völliges Chaos, alles ging drunter und drüber, zeitweise kamen uns ganze Gruppen entgegen, dann wieder hsaben uns welche auf Parallelstraßen überholt, irgendwann bin ich dann abgestiegen, andere sind weitergefahren, jedenfalls gab es am Abend eine Ergebnisliste. Streckenmarkierung gab es keine, vielmehr ein Vorausfahrzeug vor jeder Gruppe, nur nicht vor meiner, ich bin immer den anderen nachgefahren.

Das böse Erwachen kam dann bei den Duschen nach dem Rennen: nur KALTES Wasser, nein, eigentlich war es EISKALTES Wasser! Wir sind gerade noch zum Essen zurechtgekommen, mit zittrigen Händen und klapprigen Zähnen haben wir irgendwas runtergewürgt, was noch lebendig ausgesehen hat. Habs später dann als Risotto mit Shrimps identifiziert - wir waren so ausgehungert, wir hätten wohl auch Mehlfliegen gefressen!

Jan Ostergaard hat die Etappe solo mit 26 Sekunden vor Marc Fruch und 40 Sekunden vor Eddy Soquet (beide Belgien) gewonnen, Slawek Witkowski ist als unser Bester mit 6.38 Rückstand an der 23. Stelle klassiert gewesen, hat aber selber gestanden, daß er ein paar Runden Rückstand hatte bzw. höchstwahrscheinlich auch eine falsche Runde gefahren ist. Óbwqohl die letzten Runden alleine gefahren, bin ich dann mit den anderen zeitgleich klassiert worden, war 47. (-13.24), einzig Prager kam noch mal 2 Min. dahinter, Kofler hat aufgegeben. Der ist von der Rettung gebracht worden, sie haben ihn in unseren Bus reingeschoben, er war steifgefroren und hat andauernd geweint und vor Schmerzen geschrien (Erfrierungen an Fingern und Zehen). War ein Weichei! Übrigens: es hatte 4°C bei strömendem Regen!

Jan Ostergaard hat z.B. 1992 als Profi die Fleche du Sud gewonnen!

Zweiter Tag, es ging von Chaumont-Gistoux über 133,4 km nach Assesse. Wetter: anfangs trocken, zeitwerise kam sogar die Sonne raus, dann aber ging´s wieder Schlag auf Schlag: zunächst Wind, dann Regen, dann Hagelsturm, zuletzt gar Scneetreiben. Wir kämpften uns wiedre über unzählige Höhenmeter, Kopfsteinpflaster, Steigungen, alleine, in Gruppen, es war ein beinharter Überlebenskampf, die Temperatur ist immer weiter gefallen, beim Zieleinlauf bei strömendem Regen wieder um die 8°! Ich erinnere mich, daß die Bergwertungen Cote de Malonne, Cote de Leffe und Cote de Spontin alle auf Asphalt gefahren wurden. Eigenheit: die 1000-m-Marke war noch im Flachen, die Wertung selbst wurde meist schon am halben Anstieg ausgefahren, in einem wilden Sprint zur Linie, danach ging´s eben noch die zweiten Hälfte des Anstiegs rauf, und da ist das Feld dann meist auseinandergeplatzt. Wieder hat Ostergaard gewonnen, im Sprint vor dem Belgier Jean-Philippe Boulanger, die beiden hatten eine Minute Vorsprung. Damit war Ostergaard klarer Gesamtführender und ganz heißer Anwärter auf den Toursieg, ich war als 31. bestplazierter unseres Teams (4.20 zurück), in der Gesamtwertung war ich weiterhin 47.

Ostergaard´s Bike-Shop heute in Rollingen-Mersch in Luxembourg

Im Ziel war unsere Haut aufgeweicht wie die einer Wasserleiche. Wir sind kreuz und quer durch Wallonien mit dem Bus gefahren, dorthin zum Übernachten, dahin zum Essen, dann woandershin zum Start, usw. Und alles bei Regen, überall Wasser, alles naß, alles kalt. Das typische belgische Wetter. Interessante Beobachtung: ich sah während der gesamten Rundfahrt keinen einzigen Belgier oder Holländer, der sich übers Wetter beklagt hätte!!! Als ob es das selbstverständlichste der Welt war, habern sie tagtäglich ihr Rad in den Regen, Schnee oder Hagel zur Startlinie rausgeschoben.

Kasseien

Am ersten Tag hatten 16 Fahrer aufgegeben, am zweiten Tag wieder 12. Das hat man bei den Essen gemerkt, die Tische wurden immer leerer. Und uns ist langsam aber sicher das trockene Gewand ausgegangen.

Dritter Tag, zwei Etappen am Programm, das erste Rendezvous mit einer Legende: der Mauer von Huy! Am Vormittag Bergankunft in Huy, wie beim Fleche Wallone der Profis, am Nachmittag auf eben diesem Anstieg ein 900-m-Bergzeitfahren. Das totale Spektakel!

Die Mauer von Huy, Steigung bis 18 %

Von links: lauter Legenden an der Mauer von Huy: Bernard Hinault, Freddy Maertens, Eddy Merckx, Roger de Vlaeminck!

Am Vormittag sind wir - natürlich wieder bei Regen! - von Assesse über 103,6 km nach Huy gefahren. Jean-Marie Denil hat gewonnen, vor dem Iren Andrew Robinson und dem Franzosen Thierry Ista. Ostergaard als 17. hat eine Minute verloren, seine Gesamtführugn aber verteidigt, 1.41 vor Fruch und 2 Minuten vor Florkin. Ich hab den Anstieg nicht gekannt, unser Betreuer hat immer geschildert, daß Criquelion da mit 39/19 und 21 hochschießt. Ich hab aber gewußt, daß im letzten Drittel das steilste Stück mit 18 % wartet. Ich hab auch gewußt, daß die Straße sehr schmal und eng ist, trotzdem war ich ziemlich weit hinten im Feld, als wir den Anstieg erreicht haben. Ich war eingezwickt, und schon nach 100 m ist irgendwo vorne einer umgefallen, und damit war für alle 50 Mann dahinterr das Rennen eigentlich auch schon wieder vorbei. Also auch für mich.

Ich hab knappe 2 Minuten auf den Tagessieger verloren, eine Minute auf den Schnellsten aus dem Feld, den Bergspezialisten Philippe Boulanger. Ich bin mit dem 23er zu hart gefahren, hab dann aufs 24 geschaltet, aber in der Gruppe war auch das zu hart. Das Tempo war einfach viel zu ungleichmäßig, ich hätte mindestens das 26er gebraucht - oder aber hätte ganz vorne fahren müssen!

Jedenfalls hab ich mir die Strecke für den Abend genau angesehen, und ab 18 Uhr ging´s dann in 30-Sekunden-Intervallen noch einmal richtig zur Sache. Aber ich hatte da einen großen Vorteil: ich bin nämlich abermals mit dem 21er gefahren, diesmal jedoch war ich alleine auf deer Straße! Und ich bin nicht wild drauflosgesprintet wie die anderen, sondern ich hab´s mir eingeteilt. Mein Sprint ist erst auf den letzten 400 Metern gekommen, im steilsten Stück. Jean-Francois Deligniere (B) hat in 3:56 bei starkem Regen gewonnen, 3 Sek. vor Luc Meurisse und 9 Sek. vor Philippe Boulanger. Der Kofler, der Idiot, ist mit der Kamera in der Hand 1 bis einen halben Meter vor mir herumgesprungen und hat eine ideale Einstellung gesucht, aber KEIN EINZIGES Foto geschossen! Scheißkerl!

So sieht das bei den Profis aus

Ich weiß nicht mehr, wie ich ins Ziel gekommen bin, oben bei der Kapelle. Ich hatte dieselbe Zeit wie Boulanger, war aber um 0,84 Sekunden langsamer, daher Platz 4! Ich war so kaputt, daß ich im Hotelzimmer mit dem Trikot und der Rückennummer dran aufs Bett gefallen und sofort eingeschlafen bin. Gesamtstand: Ostergaard 1.44 vor Fruch und 1.54 vor Florkin, ich an der 36. Stelle, 19 Min. zurück.

Vorletzter Tag, wieder zweigeteilt, um 14 Uhr start zur 5. Etappe von Huy über 97 km nach Bioul. Was soll ich sagen? 3 Bergwertungen, an der Cote d´Andenne, der Cote de Sorinne-la-longue und der Cote d´Annevoie. Wetter? Wie gehabt, kaltm, stürmisch, Regen, mal stärker, mal schwächer, wieder einige Kopfsteinpflasterpassagen. Zieleinlauf in Bioul: eine 28 Mann starke Spitzengruppe kommt zum Sprint, mit dabei - 3 Österreicher! Außer mir noch Witkowski und Alfon, aber auch die drei Führenden der Gesamtwertung, wodurch sich da nichts ändert. Im Sprint sind wiur nicht so schlecht, ich kann die beiden hzwar nicht unterstützen, aber sie schaffen es auch so: Witkowski Zehnter, Alfon Elfter! Ich belege Platz 22, in der Gesamtwertung rücke ich auf Platz 32 vor.

Michael Alfon heute

Am Nachmittag folgt die Krönung des Kabaretts: 8-km-Mannschaftszeitfahren in Bioul. 11 Teams treten zu diesem Bewerb an, nur 11 sind noch mit sovielen Fahrern vertreten, daß sie daran überhaupt teilnehmen können. Da dieser Bwerb aber nicht zur Gesamtwertung zählt, sondern nur zur Mannschaftswertung, ist der sportliche Sinn und Wert eher gering. Stand vor dem Zeitfahren: Aubagne führt 1:45 vor Keumiee und 4:18 vor Jette, wir (Vienne) liegen 43:05 zurück an der 10. und vorletzten Stelle. Dieses Zeitfahren kann also keiner einzigen Mannschaft (!) einen Platzgewinn bescheren! Start und Ziel am Stadtrand, die Strecke führt dann über kleine, schmale und kurvige Straßen in einem kleinen Bogen wieder zurück. Es regnet sehr stark und es hat bis auf 10° abgekühlt. Dementsprechend widerwillig ziehen wir uns um (wieder rein ins naße G´wandl) und wärmen gar nicht auf. Unterschied zu Österreich: im Start/Ziel-Gelände haben sich trotz dieses Wetters unzählige Zuschauer eingefunden. Wir starten zu fünft. Stehen am Startstrich alle fünf nebeneinander, ich irgendwo in der Mitte, und dann fassen wir uns ein paar Sekunden vor dem Start an jeweiligen Lenkern unseres Nachbarn. Damals sind wir ja noch nicht mit Klickpedalen sondern mit Klipsriemen gefahren.

Dann ein Startschuß (wahrscheinlich mit so einer Art Schreckschußpistole), der laute Knall erschreckt uns wirklich, wir mühen uns - ein paar mit vielen zu harter Übersetzung - aus dem Stand weg auf die Strecke. Einer, der am Rand ganz außen gestanden ist - ich glaube, es war der Prager Robert - ist gar nicht weggekommen, sondern am Start umgefallen. Wir beachten ihn nicht und warten auch nicht, sondern fahren, was das Zeug hält. Es dauert eine Weile, bis wir vier zusammen sind. Nach ein paar Minuten folgende Passage: eine kleine Kupppe, dann kurz, nicht mal 100 m, steil runter, unten Kreuzung, Spitzekehre nach rechts weg und gleich wieder in eine gut 10 % steile Wand rein, die aber auch nur ein paar Meter lang ist. Ich sehe das Gelände auch viel zu spät, will noch schalten, werfe mich aber schon um das Eck und wuchte mich dann die Steigung rauf, die Kette springt runter und durch den Zug dreht sie sich sofort zwischen Kranz und Ausfallende rein, keine Chance, sie mit dem Werfer da wieder rauszukriegen. Und hinter mir reißt einer ab.Ich springe runter, hinterer Schnellspanner auf, Kette raus und auf den Kranz gelegt, Schnellspanner wieder zugedrückt, rauf in den Sattel, antreten. Der Abgerissene - ich glaube, es war Glechner, ist inzwischen umgefallen und krabbelt gerade wieder hoch. Die anderen rollen einzeln vor mir her, ich schließe auf und schreie sie an, sie sollen doch endlich weiterfahren. Sie sind sich nicht sicher, ob dre dritte oder der vierte Mann zählen, ob sie also auf Glechner warten sollen oder nicht. Irgendwie kommen wir wieder in Tritt, fahren zu dritt weiter. Doch noch ist die Qual nicht ausgestanden, es wartet noch die Zielkurve. Wieder Abfahrt, hohes Tempo, kerzengerade geht es runter, dann 90-Grad-Kurve rechts, und schon liegt der erste da, rutscht in einer Drecklacke mit dem Vorderrad weg, und dann geht´s wie beim Kwegeln Schlag auf Schlag: nicht alle neune, aber zumindest alle drei! Erschrocken rappeln wir uns wieder auf und fahren einzeln ins etwa 300 Meter entfernte Ziel. Sehr zum Gaudium der Zuschauer, die uns begeistert applaudieren. Aber jetzt kommt´s - das Ergebnis: Jette gewinnt (13:16) vor Blanmont (13:22) und Keumiee (13:35), wir belegen mit unserer artistischen Nummer den unglaublichen 7. Rang (13:45!!!), können also mit dieser Leistung 4 Teams schlagen! Mannschaftswertung danach: Aubagne, das Team des Gesamtführenden Ostergaard, 1:44 vor Keumiee und 3:58 vor Jette, wir liegen 43:14 zurück an der 10. Stelle.

Am fünften Tag geht die Rundfahrt mit der 7. Etappe von Bioul über 123,2 km nach Seilles zu Ende. Wieder regnet es, zwei Bergwertungen, die erste an der Cote d´Evrehailles, die ja auch beim Fleche Wallone gefahren wird, gewinne ich im Sprint des gesamten Feldes. Ist ein ganz flacher Anstieg, wir fahren alle mt dem großen Blatt rauf, breite Straße, starker Seitenwind, ich halte mich in der ersten Reihe, das Tempo wird immer höher, und ich mache noch einen Tigersprung unmittelbar vor der Linie, das reicht, ich gewinne die Bergpunkte vor Ostergaard, dem Gesamtführenden und Boulanger, dem Träger des Bergtrikots. Herrgott noch mal, warum hab ich das nicht schon Tage früher gemacht??? Es sind 13 km gefahren, ein paar Hundert Meter nach der Bergwertung haut es mich beinahe auf die Pfeife, ich trete plötzlich leer durch, knalle mit Kopf und Schulter auf den Lenker, kann nur mit Mühe einen Sturz verhindern. Was um Himmels willen war das jetzt? Des Rätsels Lösung: die Kette ist gerissen! Die Rundfahrt ist für mich vorbei, Ersatzmaschine hab ich ja keine dabei. Der Kofler mit dem Betreuerwagen parkt sich hinter mir ein, sucht umnständlich in der Werkzeugkiste nach dem Kettenzwicker, auch ein begleitender UCI-Kommissär parkt sich hinter uns ein und sieht interessiert zu, mit welch handwerklichem Geschick die Austriaci solch alltägliche Probleme bereinigen. An der gerissenen Stelle müssen zwei Kettenglieder entfernt werden, weil sie verbogen sind, und nach etwa 10 Minuten kommen wir drauf, daß die Kette dann aber zu kurz ist. Neue Schnapsidee: Rennmaschine vom Kofler vom Dach geholt, dort die Kette runtergebaut, bei mir wieder rauf. Jetzut ist der Typ aber höchstens 1,60 groß, dementsprechend kurz ist seine Kette. Also die wieder runter, meine rauf, bei seiner ein Stück abgezwickt und bei mir dazugelängt, wäre ja gelacht. Ich hab eine Sedis-Gold-Kette damals gefahren, er eine Everest, zusammen war das dann sowas wie eine SEDEVER-Kette. Gehalten hat´s dann bis ins Ziel, mehr war auch nicht gefragt.

Als ich wieder in den Satttel gestiegen bin, lag ich ca. gute 20 Minuten zurück - und vor mir noch ca. 110 km bis ins Ziel. Was tun? Ich nicht faul, lange mit meiner Linken nach dem Außenspiegel des VW-Busses, ziehe mich ganz eng an die Karosserie ran, drücke mich förmlich in den Windschatten rein, so gut ich kann, der Kofler steigt aufs Gas, schließlich muß er viel Zeit gutmachen. Das Tempo steigt, 40 km/h, 50, 70, 90, 110, 125 - mehr geht der Kübel nicht, das wußte ich. Aber es war sauschwer, bei dem Tempo den Spiegel zu halten, ein Loslassen wäre gleichbedeutend mit einem schweren Sturz gewesen. Hinter uns brüllt der UCI-Kommissär etwas von Strafminuten in sein Megaphon, wir ignorieren das. Was ist eine Strafminute gegen die 20 Minuten Rückstand, die sich bis ins Ziel auf eineinhalb Stunden summieren würden? Langer Rede kurzer Sinn: wir jagen dem Feld nach, und nach einer Weile ist mir die Kappe - unter dem Sturzring - durch den starken Fahrtwind ins Gesicht gerutscht und ich hab nichts mehr gesehen. Funkstille sozusagen. Ich ruhe verzweifelt, daß er mir die Kappe aus dem Gesicht zihen soll, kann er aber nicht, weil er ja auf der linken Seite sitzt und lenkt. Ich könnte den Typen umbringen! Er ist dann stehengeblieben. Wir sind am abschließenden Rundkurs - notgedrungen - ins Feld wieder reingekommen, aber auch nur, weil wir dort auf die Gruppe gewartet haben und ich dann die letzten zwei Runden mitgefahren bin. Das war auch nicht leicht, schließlich war meine linke Hand um gut zwei Meter länger und hat geschmerzt bis in die Schulter.

An diesem Schlußtag haben weitere 17 Fahrer aufgegeben, darunter auch Alfon und Witkowski. 39 kommen in die abschließende Endwertung der Rundfahrt. Ostergaard gewinnt wie erwartet 1.49 vor Florkin und 2.07 vor Boulanger, Fruch fällt mit 2.27 auf den 4. Rang zurück. Ich werde 28.37 zurück 28. und damit bester Österreicher. Im Bergpreis belege ich mit 5 Punkten den 8. Rang, in der Teamwertung werden wir Achte und Letzte.

Corneille Daems

Es war mein erstes und letztes Abenteuer mit Kofler, und ich bin auch nicht mehr einen solchen Klassiker in Belgien gefahren. Aber dieses Abenteuer ist mir bis heute ganz lebendig im Gedächtnis geblieben.

 


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