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Tagebuch 2010/ab Juli

 

Montag, 19. Juli 2010: In eigener Sache

Es gibt Probleme, gewaltige Probleme, mit dem Anbieter Beepworld. Die haben einen neuen Editor installiert, der aber hinten und vorne nicht funktioniert. Da wird Schriftart und -größe dauernd variiert, willkürlich natürlich, man kann nichts mehr speichern, gespeicherte Inhalte verschwinden, manche davon tauchen an anderer Stelle wieder auf. Naja, Gottseidank bin ich rechtzeitig draufgekommen. Es betrifft bei mir die beiden Unterseiten "Tagebuch" und "Rennberichte". Diese beiden kann ich im Moment nicht weiterführen. Wie lange das dauert? Der Anbieter selbst leugnet ja diese Probleme, also, ich denke, das kann noch sehr lange dauern. So lange will und kann ich aber nicht warten und ich möchte vor allem das bisher Gespeicherte nicht gefährden, indem ich dort herumpfusche. Also lasse ich diese beiden Seiten, wie sie sind, von Saisonbeginn bis Mitte Juli, und führe beide in neuer Form hiermit weiter.

Hab im Beepworld-internen Forum nachgelesen, wie sich die Mitglieder da aufregen, wie sie in die Fäkalsprache verfallen und alles und jeden beschimpfen. Ist ja auch verständlich, die zahlen schließlich alle teures Geld und haben dann einen solchen Scheiß gekauft. Ich kann den Anbieter aber auch verstehen, die wollen natürlich konkurrenzfähig sein bzw. bleiben und versuchen immer wieder, was Neues zu bringen. Aber diesmal war´s eben ein richtiger, echter, klarer, stinkiger Scheißhaufen. ´Tschuldigung, ich wollte nicht fäkalisch werden!

Sollten sich in absehbarer Zeit die Probleme bereinigen lassen, dann werde ich die beiden Seiten unter einem Titel, nämlich "2010", wieder zusammenlegen, und alles ist wie geplant. Bis dahin aber laufen die neuen Berichte ab Mitte Juli eben auf einer eigenen Unterseite.

Und dabei zahle ich teures Geld für dieses Paket, das sich "Rundum sorglos" nennt. Das ist wirklich ein Brüller!!! Daraus sollte man doch tatsächlich ein Kabarettprogramm basteln können! Alleine für den bisherigen Bericht ist mir das ganze Programm ganze drei Mal abgestürzt!! Für die paar bisherigen Zeilen habe ich sage und schreibe 45 Minuten gebraucht! Da bekommt das Sprichtwort "Zeit ist Geld" eine ganz neue Bedeutung. Und immer öfter denke ich darüber nach, den Anbieter zu wechseln.

Donnerstag, 22. Juli 2010

Eine Trainingswoche geht zu Ende. Ich habe mich mit diesem verdammten Anbieter stundenlang herumgeschlagen in den vergangenen Tagen, mir wird der Zeitaufwand einfach viel zu groß, ich sitze stundenlang vor diesem Scheißkasten, und nichts, absolut nichts, funktioniert.

Bin heute eine kleinere bzw. kürzere Runde gefahren, über den Weizberg, Stiwoll und zurück über St.Oswald nach Gratkorn und Graz. Knappe 70 km, aber am Berg läuft es deutlich besser als zuletzt. Bin beide Anstiege in ziemlich genau 7 Minuten hochgefahren. So schnell wie noch nie heuer.

Am Wochenende werde ich den Giro del Polesine im Großraum Rovigo bestreiten, der hat mir voriges Jahr, als ich erstmals dort gestartet bin, sehr gefallen. Schöne Strecke, vor allem lange Distanzen, gute Konkurrenz, vor allem als Aufbaurennen ideal. Bei uns in Österreich gibt´s ja - wieder einmal - gähnende Leere im Terminkalender, am Sonntag hätte ich das lange Salli-Rennen in Egelsdorf bei Gleisdorf, immerhin 80 km. Aber in Rovigo habe ich zwei Rennen, 74 und 108 km. In Laibach ein Kriterium, in Budapest ebenfalls eines, beide am Sonntag. Also dafür fahre ich nicht Hunderte Kilometer ins Ausland, beide sind um die 20 km lang. Und zwei Kriterien in Bayern, aber da müßte ich bei den Amateuren starten. Und am Sonntag ein kurzes Straßenrennen in Basaldelle bei Udine. Die Wahl fällt da nicht schwer.

Wie war das Wetter? Wieder das andere Extrem. War es vorige Woche noch tropisch heiß, ist jetzt arktische Kälte eingekehrt. Kaum mehr 20°, anfangs war das richtig angenehm kühl. Aber jetzt könnte es durchaus wieder Sommer werden, da hätte ich nichts dagegen. Vor allem regnet es mir einfach zu viel, beinahe täglich. Wie soll man da vernünftig trainieren?

Samstag, 24. Juli 2010: GIRO DEL POLESINE, 1. Etappe in ROVIGO (I)

Die Anfahrt nach Rovigo ist mörderisch. Ein Punkt, der eigentlich gegen dieses Rennen spricht. In 5 Stunden Mitte Juli kaum zu schaffen. Ich fahre auf der Autobahn bis Udine-Süd, dann runter, schneide auf der Landstraße das Eck um Portonovo ab, fahre in Lisignano wieder rauf, und umgehe dabei auch den Stau, der um dieses Autobahndreieck immer um diese Zeit herrscht. Kostet mich etwa 20 bis 25 Minuten, aber ich spare gut eineinhalb Stunden. Aber wissen muß man´s halt.

Komme nach sechs Stunden Fahrtzeit in Rovigo an, genau 50 Minuten vor dem Start. Jetzt wird´s hektisch. Parkplatz suchen, der möglichst im Trockenen (überdacht) liegt. In der Zeit unmöglich. Raus aus dem Auto, umziehen, Rad zusammenbauen, Rennbüro suchen, hinfahren, Nummer holen, Nummer montieren. Aufwärmen? Noch 15 Minuten bis zum Start. Naja, ein paar Kilometer gehen sich aus, 6 bis 7 vielleicht. Scheiße, habe die Trinkflasche im Auto vergessen, die Verpflegung ebenfalls.

Was das Ganze erschwert: es regnet seit Klagenfurt in Strömen, vorher hat´s nur leicht geregnet. Aber hier in Rovigo ist es Gottseidank nicht kalt dabei, es hat immerhin - laut Temperaturanzeige bei einer Apotheke - 23°. Streß pur, ich steh am Start und bin vor Aufregung schon aufgewärmt.

Danach umziehen. Naßes Zeug irgendwo verstauen, trockenes anziehen. Rad putzen, einpacken. Dann ist auch schon die Ergebnisliste da. Geht ja sauschnell hier in Italien, nicht so schleppend wie bei uns daheim. Zimmer suchen.

Sonntag, 25. Juli 2010: GIRO DEL POLESINE, 2. Etappe in ROVIGO (I)

Endlich wieder trocken, die Sonne scheint noch dazu! Kalter Wind, aber immerhin.

Nach dem Rennen bin ich ziemlich geschafft. Habe heute sehr viel investiert. Im allerletzten Moment hat´s doch noch geklappt. Die Form kommt, ist im Anflug. Unter Form verstehe ich den Zustand, in dem man sich richtig quälen und überwinden kann. Je besser die Form, desto mehr und länger kann man hinhalten. Jetzt kann ich im richtigen Moment ziemlich lange hinhalten, beinahe schon so lange, wie es nötig ist. Dieses Rennen hier war wieder eine Art Bestätigung. Ja, du bist am richtigen Weg. Hast bisher kaum Fehler gemacht. So eine Bestätigung baut auf, motiviert, weiterzumachen. Denn jetzt wird´s richtig hart. Man muß auf immer mehr Details achten, es wird immer schwieriger, je höher man auf der Pyramide nach oben steigt. Und die Fehlerquelle wird immer größer und umfangreicher.

Rennberichte? Dauert noch etwas, hole ich aber noch diese Woche nach. Bitte um etwas Geduld, im Moment weiß ich nicht mehr, wo mir der Kopf steht.

Montag, 26. Juli 2010

Bin heute 115 km gefahren, teilweise schnell, aber ziemlich flach. Hab mich rundum total gut und wohl gefühlt. Bin ein paar Passagen sehr schnell gefahren, mit hoher Frequenz, ein paar kürzere mit harter Übersetzung, ähnlich einem Zeitfahren. Gesamte Distanz mit 31 km/h Schnitt, dabei ca. 350 Höhenmeter. Da macht das Training gleich noch mehr Spaß!

Dienstag, 27. Juli 2010

Bergtraining. Was gibt´s in Graz und Umgebung steileres als den Pleschkogel? Darum fahre ich den auch nur ungern und selten. Scheißplackerei. Bin heuer erst zum zweiten Mal da raufgeklettert. Es war zwar schwül, aber nicht sehr heiß, bedeckt, und im zweiten Teil des Anstieges (Gottseidank durch das dichte Blätterdach des Waldes geschützt) hat´s sogar leicht genieselt. Vor drei Wochen bin ich da schon mal raufgefahren, hab mir damals die Zwischenzeiten notiert. Bin den ganzen Anstieg (ab Parkplatz Stift Rein) in 33 1/2 Minuten gefahren, das erste Stück, die flache Anfahrt zum Berg hin, in genau 5 Minuten, heute in 4:50. Dann kommt das erste Steilstück, kurze flachere Unterbrechung, dann ganz steil aus dem Wald raus, Ortschaft Kehr, am Ortsende wieder flacher und hin zur Kreuzung, wo´s dann rechts weggeht auf den Pleschkogel. Bis dorthin beim ersten Mal 18:20, heute 17:35. Dann folgt das Kernstück des Anstieges, das längste und steilste Stück bis rauf zur vorletzten Kehre (nach rechts), wo´s aus dem Wald rausgeht in das flachere Finale. Beim ersten Mal war ich nach 27:20 dort oben, diesmal nach 17:10, hab also den beinah´ ganzen Vorsprung wieder vertan, obwohl ich mich ziemlich gut gefühlt hab. Endzeit also wie gesagt vor drei Wochen 33:30, diesmal nach einem voll gefahrenen letzten halben Kilometer 32:45, hab allein da also eine halbe Minute wieder rausgefahren, insgesamt eine dreiviertel Minute. Naja, heute war´s viel kühler als damals, war ein Vorteil, aber ich hatte heute Gegenwind. Ein weiteres Handikap: ab Kehr hatte ich immer stärker werdende Rückenschmerzen, das war im wirklich steilen Anstieg dann sehr, sehr hinderlich.

Mittwoch, 28. Juli 2010

Bin heute auf den Schöckel gefahren. Die leichte, flachere Seite über Kumberg und den Kreuzwirt zum Schöckelkreuz und weiter zur Mautstelle rauf. Es war sonnig, leicht bewölkt, aber mit sehr starkem Nordwestwind, also Gegenwind bei der Auffahrt bis zum Schöckelkreuz. Und dieser Gegenwind war vor allem im ersten flacheren Teil bis zum Kreuzwirt sehr ärgerlich. Der Zeitvergleich mit der vorherigen Auffahrt von vor drei Wochen: anfangs etwa zeitgleich, dann leichter Vorteil, dann wieder zeitgleich bis zum Schöckelkreuz rauf, erst auf den letzten 1,5 km bis zur Mautstelle bin ich wirklich stark gefahren. Dort mit 34/19, hoher Frequenz und gleichmäßig, Tempo immer kaum nennenswert unter 20 km/h - und am Ende bin ich mit 43:25 auch 3 Minuten schneller gewesen als beim vorigen Mal. Das Handikap waren neben dem Gegenwind auch diesmal wieder starke Rückenschmerzen.

Freitag, 30. Juli 2010

Damit ihr mal einen Einblick bekommt, mit was für SCHEISSPROBLEMEN man sich als Radrennfahrer rumschlagen muß, erzähle ich euch die folgende Geschichte: heute nachmittag, als ich noch schnell einkaufen fahren wollte, knattert der Wagen urplötzlich wie ein Jagdpanzer. Da er aber keiner ist, dachte ich sofort an den Auspuff. Bleibe also stehen, sehe nach, das Auspuffrohr ist noch da, sieht nicht mal so schlecht aus, kein Rost irgendwo, also werfe ich mich auf den Boden, leuchte den ganzen Auspuff samt Töpfen mit der Taschenlampe ab (obwohl es noch hell ist, kann man ja da unten kaum was sehen!), nach ein paar Minuten entdecke ich das üble Loch auch: am vorletzten Topf, direkt neben dem Auspuffrohr, ca. 3 cm im Durchmesser, wie sauber rausgeschnitten! Ein Blick auf die Uhr: es ist 18.45 Uhr! Also was tun? Keine Werkstätte, der Markus ist nicht erreichbar, also hole ich mir noch schnell im allerletzten Abdruck vom Bauhaus einen Auspuff-Reparaturkitt, und im letzten Tageslicht knalle ich den halben Topf auf das Loch, unterlege es noch mit einem kleinen Eisenplättchen, das ich in meinem reichhaltigen Fundus im Keller entdeckt habe.

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Kurz vor Mitternacht probiere ich dann eine kurze Fahrt, aber schon nach 800 Metern ist wieder ein kleines Loch da, gut, es ist kleiner als es vorher war, aber immerhin ein Loch. Also den Rest der Dose draufgeschmiert. Jetzt erst entdecke ich den kleinen Zusatz an der Gebrauchsanweisung: Aushärtungszeit 12 Stunden! Wer hat denn so viel Zeit und nichts zu tun???

Samstag, 31. Juli 2010: BERGRENNEN KITZBÜHLER HORN

Halleluja, der Auspuff hält! Ich fahre wie auf rohen Eiern, außerdem schon eine Stunde früher weg. Eigentlich wollte ich ja gestern nachmittag noch fahren, aber wegen der Auspuffreparatur ist das nicht gegangen. Im Ennstal nimmt der Verkehr dann zu, im Radio höre ich dann auch, daß in Deutschland wieder mal irgendwo die Ferien beginnen, am Tauerntunnel staut es sich schon in aller Herrgottsfrühe 30 km lang! Also fahre ich übers Deutsche Eck, und tatsächlich, kaum Verkehr dort, ich bin wirklich ganz schön schnell.

Noch ein Wort zum Status des Rennens: laut Ausschreibung war das die Tiroler Bergmeisterschaft der Klassen Elite, U-23, Amateure, Master und Frauen, jedenfalls hab ich das so verstanden und anscheinend die meisten anderen auch. Dann muß ich jedoch, nachdem ich gestern spätabends noch bei den "radlnews.blogspot.com" nachgesehen habe, erkennen, daß dem nicht so ist. Der Veranstalter hat es doch tatsächlich geschafft, diese an sich ganz einfache Tatsache so zu formulieren, daß sie derart mißverständlich ist! Baumann Harald, der Tiroler Landesverbandspräsident, klärt mich dann auch in Kitzbühel am Hauptplatz auf: Landesmeisterschaft nur für Elite und U-23, alle anderen Klassen fahren Anfang September in Inzing um die Landesmeistermedaillen. Auf den zaghaften Einwurf, daß dort ja gar keine Masterklassen ausgeschrieben sind, zuckt er nur die Schultern. Das Heilige Land Tirol! Gott erhalt´s!

Bei der Heimfahrt bin ich leider eingeschlafen und erst bei der Mautstelle Gleinalm-Tunnel wieder aufgewacht. Dabei wollte ich dort gar nicht fahren, sondern außen rum über Bruck. Naja, hat mich 7,50 € gekostet, aber ich war eine halbe Stunde früher daheim. Und der Auspuff knattert auch wieder.

Sonntag, 1. August 2010

Heute hätte ich mehrere Optionen gehabt, ein Rennen zu fahren, etwa den Zweiländer-Marathon in Eibiswald mit Leutschacher Schloßberg und Soboth, oder den "Trattberger Stier", das 90 km lange Bergrennen in Salzburg mit der unglaublich steilen Schlußsteigung, ich hätte mit dem Hans nach Zwenkau zum Kriterium fahren können, in Italien wäre auch eine ganze Menge am Kalender gestanden, dazu natürlich auch in Slowenien und Ungarn. Statt dessen bin ich daheimgeblieben, hab mein Auto gerichtet (den Auspuff zugekleistert) und eine kleine Auszeit genommen.

Es hat schon auch was für sich, wenn man sich mal ordentlich ausschlafen kann. Es war nur so eine Ahnung, aber ich glaube, ich habe richtig gehandelt. Man braucht so viel Fingerspitzengefühl, um im richtigen Augenblick das Richtigte zu tun. Die Form soll nicht einbrechen, soll weiter steigen. Jetzt ist der August gekommen, mit den Rennen in Deutschlandsberg und danach in St.Johann/Tirol, der wichtigste Monat im Jahr.

Dienstag, 3. August 2010

Es geht gleich wieder ordentlich los: heute 145 km mit 1800 Höhenmetern, bin auf der Pack gewesen, bei der Rückfahrt dann noch den Schlenker über Bärnbach und den Södingberg gefahren. War heute voll motiviert, gut in Fahrt und habe mich auch ganz gut gefühlt. Trotz der gestrigen 125 km, aber die waren ja flach, da waren gerade mal 140 Höhenmeter.

Donnerstag, 5. August: STRASSENRENNEN IN LIETTOLI

5 Stunden Anfahrt sind kein Honiglecken, und auch da merke ich, daß ich langsam alt werde. Früher ist das anstandslos gegangen, da waren 1000 bis 1500 km an einem Wochenende kein Problem. Heute denke ich mir, Wahnsinn, daß ich das mal so durchgezogen habe!

Nach dem Rennen bin ich rausgefahren an die Küste, wollte mir in Porto Viro die Strecke des morgigen Rundstreckenrennens anschauen. Und was ich da gesehen habe, das hat mich schlichtweg umgehauen: auf dem 1,2 km langen Rundkurs, der ja an sich nicht schlecht gelegen wäre, befanden sich aber gezählte 8 Kanaldeckel (!!!), die alle zwischen 5 und 8 cm erhöht waren, leider auch in allen Kurven genau in der Fahrtlinie gelegen waren. Habe ich so einen Scheiß nötig? Nach dem heutigen Sieg werde ich morgen sicherlich ganz genau markiert werden, da ist wahrscheinlich keine Aktion möglich. Der Start auch erst um 21 Uhr, bis ich da ins Bett komme, wird es wohl Mitternacht werden. Und am Samstag ist um 14 Uhr der Start in Hopfgarten in Tirol, das kann noch eng werden! Naja, und während ich so hin und her überlege, merke ich, daß ich eigentlich nur nach Ausreden suche, dieses Rennen nicht fahren zu müssen. Wenn das so ist: ab auf die Autobahn und ab nach Hause!

Es gibt morgen noch ein anderes Rennen, nämlich ein Bergrennen in Ozbalt in Slowenien, gleich hinter der steirischen Grenze, eine knappe Autostunde von Graz entfernt, und dort gibt es nicht so viele dämliche Kanaldeckel!

Freitag, 6. August 2010: BERGRENNEN OZBALT - KAPLA

Dieses 15 km lange Bergrennen wird erstmals durchgeführt, und alle, die im Vorjahr den Zweiländermarathon gefahren sind, kennen den Anstieg, denn in Kapla waren damals Start und Ziel, es hat also eine Bergankunft gegeben, ich kenne den ersten flachen Teil ja schon, und den Zielanstieg, die letzten 5 km, sehe ich mir auf der Hinfahrt an. Alle Achtung, eindrucksvoll, schwer, aber doch nicht superschwer. Schmale Straße, die Steigung teilweise ruppig, frei am Hang, damit auch frei im Wind.

Nach der gestrigen gewaltigen Autofahrt (5 Stunden hin, 5 Stunden zurück, also 10 Stunden insgesamt im Auto!) bin ich heute etwas geschlaucht. Aber der Nachhall des gestrigen Sieges, des zweiten Saisonsieges, schluckt das alles. Es gibt nichts Schöneres als einen Sieg, da weiß man, wofür man sich Tausende Kilometer lang schindet und plagt, bei Wind und Wetter, Stunde um Stunde.

Oben im Ziel ist auf einer eigentlichen Mistg´stätt´n ein Festzelt aufgebaut, da wird gefeiert, da gibt´s dann auch unter riesigem Gejohle die Siegerehrung (aber leider nur 3 Preise, da war ich schon etwas enttäuscht einerseits, andererseits aber auch froh, denn ich bin ja Dritter geworden!) Bizikleta slovenija!

Samstag, 7. August 2010: BERGRENNEN HOPFGARTEN - WEGSCHEID

Heute war mein "Pechtag 2010"! Der stand wahrlich unter keinem günstigen Stern! Abgesehen mal davon, daß es stark geregnet hat, je näher ich nach Tirol gekommen bin, onbwohl es noch am Paß Thurn relativ harmlos ausgesehen hat, trockene Straße, ganz leichtes Nieseln nur, aber auf der nördlichen Seite dann starker Regen, Temperatursturz auf 11°, richtiges "Wegscheid-Wetter" also!

Dazu kam dann noch, daß ich durch den unerwartet starken Verkehr schon ziemlich in Verzug war, der Start war auf 14 Uhr festgesetzt, und ich habe schon andauernd hin- und hergerechnet, wann ich wohl in Hopfgarten ankommen würde, und bin dann bei 13.15 Uhr gelandet, mußte dann in Richtung 13.30 berichtigen, und habe beinahe einen Herzkasperl gekriegt, als ich in Aurach, gleich hinter Jochberg, in einer unglaubliuch langen Staukolonne gestanden bin. Alle paar Minuten ein paar Meter weitergerollt! Die Zeit ist da schneller vergangen als die Distanz in Richtung Start! Ich bin auf Nadeln gesessen, der Hans hat auch andauernd angerufen, wo ich denn bleibe, hat mir immer durchgesagt, wie stark es in Hopfgarten schüttet, wie kalt es dort ist, und daß der Sprecher auch schon seine Arbeit aufgenommen hat. Um 13.35 Uhr war ich dann endlich durch Kitzbühel durch, bin den Tunnel raufgefahren ins Brixental rein, der Hans hat wieder mal angerufen, und ich hab ihm gesagt, er solle meine Nummer holen, sonst geht´s sich nimmer aus!

Was soll ich sagen? Um 13.48 am Parkplatz neben der Startlinie in Hopfgarten eingetroffen, rausgesprungen in den Platzregen, gleich in eine tiefe Pfütze rein, sodaß ich patschnaß war, das Rad zusammengebaut, mich umgezogen, 13.55 Uhr, rein in die Schuhe, die Handschuhe, den Helm rauf, 13.56, der Hans kommt mt der Nummer, eine riesengroße Rahmennummer, die kommt vorne auf den Lenker, 13.57. Startaufstellung, Startaufruf, der Regen wird stärker, Auto absperren, zum Start fahren, nein, wieder zurück, ich muß auch noch aufpumpen, Scheiße, ob sich das noch ausgeht??? Alles geht, wenn man will, 13.59 Uhr sperre ich wieder ab, stecke den Schlüssel ein, zurück zum Start, dort schießt einer, okay, das war der Startschuß. Adrenalin pur!

Nach dem Rennen hört der Regen auf, wie immer, und während des langen Wartens auf die Preisverteilung (beginnt genau um 16.51 Uhr oben beim Berggasthof Wegscheid) blinzelt dann sogar manchmal die Sonne raus! Um 18.19 Uhr sitze ich wieder im Auto, fahre den Berg runter nach Hopfgarten und raus nach Wörgl ins Quartier. Dort ausgepackt, Rad raus und gründlich geputzt, Kette geputzt und geölt, dann war der Dreck vom Rad auf mir, ich mußte mich gründlich waschen, dann hab ich mich umgezogen und bin noch eine eineinhalbstündige Runde gefahren, das hat wahnsinnig gutgetan, leider waren die Schuhe naß, aber auf diese Weise sind sie schneller getrocknet! Bin über Niederbreitenbach nach Kufstein gefahren, über die Bundesstraße zurück, dann noch einen kleinen Schlenker Richtung Ellmau rauf, aber als es mir dort zu steil geworden ist, hab ich umgedreht - war aber auch ein Scheißverkehr! Morgen also Abschluß dieses langen Wochenendes mit der Tiroler Zeitfahrmeisterschaft auf der WM-Strecke in Erpfendorf. Für mich eine Chance auf eine Medaille!

Sonntag, 8. August 2010: HANS JÖCHL-GEDENKRENNEN, TIROLER ZEITFAHRMEISTERSCHAFT IN ERPFENDORF

Heute fahren wir ein Hauch länger als bei der WM, weil der Start ein paar Hundert Meter früher ist, bei der Kreuzung zum Sportplatz rein. Dadurch fahren wir etwa 25 Sekunden länger als bei der WM, das nur mal als Info für diejenigen, die die Zeiten dann vergleichen wollen.

Heute kein Frühstück, ich trinke nur etwas Mangosaft, möchte lieber mit leerem, aber nicht mit knurrendem Magen das Zeitfahren bestreiten, dann fahre ich mit dem Auto gemütlich rüber nach Erpfendorf. Furchtbarer Verkehr, fast nur Deutsche. Dieses Rennen bin ich noch nie gefahren, hat sich immer mit der Deutschlandsberger Radsportwoche überschnitten. Heuer aber ist es soweit, besserer, neuer Termin, ich kann teilnehmen, aber leider dadurch auch sehr viel mehr Starter, nachdem dieses Rennen bisher immer nur durch die spärlichen Starterzahlen aufgefallen ist! Auffallend viele Deutsche sind am Start, kaum wer läßt sich die Chance auf eine Generalprobe für die Zeitfahr-WM in zwei Wochen entgehen!

Nach dem gestrigen Regentag ist es heute trocken, wärmer, aber immer noch kühl, beinahe windstill, Hochnebel, bedeckt. Naja, man wird genügsam in diesem Sommer. Oder ist der gar schon vorbei und der Herbst gekommen? Laut Starterliste sind wir in der Masterklasse 2 vier Tiroler (es gibt ja keine Nachnennungen, also kann´s auch keine unliebsamen Überraschungen geben!) Für eine Medaille muß ich also mindestens einen schlagen: Polak vom Veranstalterverein, Leutgeb nach langer Krankheit noch rekonvaleszent und Moosbrugger Klaus aus Wattens, den ich nicht kenne. Die beiden ersten ungefähr mein Niveau, von Moosbrugger weiß ich rein gar nichts. Der Sieg scheint möglich, eine Medaille sollte rausspringen, aber ich weiß auch, der Teufel schläft nie, ein vierter Platz ist durchaus auch drin.

Start 9 Uhr, ich komme um 10.48 Uhr dran, also lasse ich es gemächlich angehen. Erst mal optimal aufwärmen, mindestens eine Stunde lang. Um die Strecke brauche ich mich nicht zu kümmern, die kenne ich ja genau.

Blick auf Erpfendorf

Dieser stark negative Ruf, den diese Veranstaltung bisher hatte, weil kaum Starter waren, hat den Veranstalter anscheinend dazu bewogen, die Landesmeisterschaftsmedaillen nicht in jeder Masterklasse zu vergeben, sondern jeweils drei Kategorien zusammenzufassen: Master 1-3 und Master 4-6, es gibt also nur zwei Landesmeister in den Masterklassen! Das ist schon irgendwie ein Schlag für mich, ich sehe da kaum Licht, aber das Ergebnis sagt was anderes: SILBERMEDAILLE, 1 Sekunde vor dem Dritten! Nach Silber in der Marathonmeisterschaft jetzt also auch noch eine Landesmedaille in dieser Saison, und die Landesbergmeisterschaft steht ja noch aus!

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Darum geht´s: die Medaillen für die Landesmeisterschaft...

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... und die Pokale fürs Zeitfahren!

Die lange Heimfahrt überstehe ich dann dank einer euphorischen Stimmung, die mir vor allem so kurz vor Deutschlandsberg und St. Johann viel Druck wegnimmt. Nach dem entsetzlich schwachen Saisonstart scheint es sich also doch noch auszugehen, ich habe bisher zwei Siege, die Form steigt, die Moral ebenso, und es ist auch ein gutes Gefühl, wenn ich im Nachhinein sagen kann, daß auch die Entscheidung richtig war, an diesem Wochenende vier Rennen zu fahren.

Als ich in Andritz von der Autobahn runterfahre, bricht das Loch im Auspuff wieder durch. Halleluja, ich bin ein Panzer, wieder daheim und ein langes Wochenende hat sein Ende gefunden!

Moosbrugger Klaus: den kenn ich nicht, noch nie von ihm gehört. Hab daheim gleich auf der ÖRV-Seite beim Lizenz-Stand nachgesehen, ob der überhaupt eine Lizenz hat. Ja, hat er. Komisch nur, daß er bei der Landesmeisterschaft nicht mehr im Ergebnis aufscheint. Im Heiligen Land Tirol ticken anscheinend die Uhren anders.

Die ganze Heimfahrt über hab ich nachgedacht und nachgerechnet, die wievielte Landesmeistermedaille das heute war. Bin zu keinem schlüssigen Ergebnis gekommen. Hier nochmal überschlagsartig die Sammlung: in der Eliteklasse Burgenländische Landesmeisterschaft Berg und Straße Bronze und Silber, dann Tiroler Landesmeisterschaft in der Masterklasse zweimal Bronze Berg und Straße und jetzt Silber im Zeitfahren, dazu die Österreichischen Meisterschaften: Silber im vorigen Jahr im Kriterium und heuer im Marathon. Auffallend dabei: Medaillen in den Disziplinen Berg, Straße, Kriterium, Marathon und Zeitfahren, also eigentlich in allen Disziplinen! So was nennt mal vielseitig. Also noch mal: zwei Staatsmeistermedaillen und fünf Landesmeistermedaillen in fünf verschiedenen Disziplinen!

Dienstag, 10. August 2010

Bin heute runter nach Spielfeld gefahren, mit ein paar Schlenkern bei der Hin- und der Rückfahrt, so sind 115 km zusammengekommen, 280 Höhenmeter, Schnitt 31,3 km/h, also schon ganz zügig! Hab mich sehr gut gefühlt, dieses Gefühl ist mir dann aber vergangen, als ich danach erfahren hab, daß das Straßenrennen am Sonntag in Grafenstein abgesagt wurde. Ist ja typisch, wie der Radsport in Österreich scheibchenweise in den Abgrund geschnitten wird! Auf einmal werden die behördlichen Auflagen ins Unermeßliche gesteigert, sodaß man zum Schluß kommt, daß da wohl was ganz anderes dahintersteckt.

Mittwoch, 11. August 2010

Bin heute ganz schlimm eingebrochen. Knapp nach Mittag bin ich in meine Trainingsrunde gestartet, über Kalsdorf, Dobl, Lannach, Schlieb und St. Stefan nach  Stainz, dort die Deutschlandsberger Runde über Stainz, Graschuh, Groß St. Florian, Frauental, Bad Gams zurück nach Stainz und von dort wie bei der Hinfahrt zurück nach Graz. 118 km, 800 Höhenmeter, und ich bin mit leerem Magen losgefahren. Das war ein Fehler, die Strecke war zu lang und zu schwer, das Wetter viel zu heiß, und so bin ich beim Anstieg nach St. Stefan auf der Rückfahrt schon immer langsamer und müder geworden, und oben in Schlieb habe ich dann einen Obstgarten eines Bauern geplündert. Ungefähr 20 klitzekleine Äpfelchen habe ich geschluckt, oder waren es 30? Hat wenigstens so weit geholfen, daß ich zumindest heimfahren konnte. 4:05 Stunden, Schnitt 28 km/h, daheim hab ich gleich mal gut 3 Liter Flüssigkeit in mich reingeschüttet.

Freitag, 13. August 2010: BERGZEITFAHREN LATSCHACH

Freitag, der Dreizehnte! Naja...

Schon auf der Anfahrt zum Faaker See bei Villach regnet es in Strömen und ohne Unterbrechung. Die Motivation sinkt mit jedem Kilometer. Danach fahre ich mit dem Auto mal die Strecke ab, sie ist kurz und nicht sonderlich steil. Das Aufwärmen ist ein Problem, schließlich steige ich dann 40 Minuten vor meinem Start in den Regen raus und fahre ein paar Kilometer, dann auf der Bundesstraße Richtung Westen, die fällt da stetig ab, auf der Rückfahrt steigt sie und ich fahre mal hohes Tempo. Alles patschnaß, ist nicht unbedingt mein Wetter.

Der Start befindet sich bei der "Taverna Paco" des Milram-Profis Peter "Paco" Wrolich, der auch in der Organisation mitmischt. Nicht umsonst steht das Rennen unter dem Titel "8. internationales Peter-Wrolich-Bergzeitfahren"! Neben dem Peter ist auch mit Bernhard Eisel ein weiterer ProTour-Fahrer anwesend. Und sonst? Relativ wenige Starter, aber dafür lauter hochkarätige. Naja, die schwächeren bleiben bei dem Wetter eben eher zuhause.

Irgendwie komisch, daß eine Kärntner Landesmeisterschaft an einem Freitag stattfindet, aber das hat sicherlich auch ein paar Starter gekostet. Heimfahrt? Richtig, Regen!

Samstag, 14. August 2010: WELTRADSPORTWOCHE, KRITERIUM IN DEUTSCHLANDSBERG

Zwei schwere, lange und harte Wochen beginnen. Heute startet die Deutschlandsberger Woche mit dem Kriterium, eigentlich ist das ja ein Rundstreckenrennen, weil nur auf eine Endwertung gefahren wird. Und heute scheint endlich wieder mal die Sonne! Aber ich fühle mich nicht besonders, schiebe das aber auf die Aufregung. Mal sehen und abwarten.

Sonntag, 15. August 2010

Schlimm, ich bin krank, mich hat´s erwischt! Sehr starke Kopfschmerzen, leichter Schwindel. Ich fühle mich kotzübel! Muß das ausgerechnet in dieser Woche sein? Und warum immer ich???? Den ganzen Tag über liege ich nur herum wie ein naßer Fetzen, untätig, alles tut weh, ich möchte nur schlafen. Sogar Licht und Geräusche tun mir im Kopf weh. Das kann ja heiter werden - Fiebermessen traue ich mich gar nicht.

Montag, 16. August 2010

Bin bei weitem noch nicht gesund, aber es ist um einen Hauch besser - oder bilde ich mir das bloß ein, weil ich es gerne so hätte? Noch ein Tag Galgenfrist, erst morgen steigt das nächste Rennen in Deutschlandsberg, leider gleich das schwere Straßenrennen nach Eibiswald. Habe keinen Hunger, habe seit gestern nichts gegessen. Aber schon beim Spazierengehen mit dem Hund bricht mir der kalte Schweiß aus!

Ich denke mir, daß ich vielleicht die Krankheit rausschwitzen sollte. Gesagt, getan: ich ziehe mich warm an, über ein Kurzarm-Trikot noch ein langärmeliges, und fahre eine flache 65-km-Runde mit hoher Trittfrequenz. Ich schwitze wie ein Schwein, bin bereits nach einigen Minuten patschnaß. Dann bricht der eiskalte Schweiß aus, die Haare stellen sich auf. Wieder zurück, bin ich gezeichnet, müde, erschöpft, aber ich fühle mich besser.

Dienstag, 17. August 2010: STRASSENRENNEN GROSS ST. FLORIAN - EIBISWALD

Es ist zum Verzweifeln! Kaum in Form, werde ich krank! Es ist mir heute zwar schon besser gegangen als noch gestern, von gesund aber war ich Lichtjahre entfernt. Nach dem Rennen dann ist der Kopfschmerz stärker als je zuvor wieder zurückgekehrt, der Schwindel ebenfalls. Ich fühle mich uralt und gebrechlich.

Und dazwischen immer die nagende Unruhe: mache ich nicht vielleicht einen Fehler, in dem Zustand an den Start zu gehen? Aber ich habe kein Fieber, und als Rennfahrer will man doch starten. Schade, bin  in St. Ullrich am Berg abgerissen und nicht mehr herangekommen! Wieder daheim, hab ich mich sofort niedergelegt und stundenlang geschlafen.

Mittwoch, 18. August 2010: SPRINT IN DEUTSCHLANDSBERG

Endlich ein Ruhetag! Ich kann mich erholen, habe das auch bitter nötig. Trotzdem ist das ein gewisser Aufwand, nach Deutschlandsberg fahren, aufwärmen, dann wieder heimfahren. Jeder Kilometer fällt mir schwer, ich schleppe mich herum, habe das Gefühl, als hätte ich eine anspruchsvolle 200-km-Runde hinter mir. Alles tut weh, ich bin zerschlagen und furchtbar müde. Die Augen fallen mir andauernd zu, und ich weiß auch, daß ich eigentlich was ganz anderes tun müßte, als hier Rennen zu fahren.

Donnerstag, 19. August 2010: BERGRENNEN HOLLENEGG - BURG LANDSBERG

Wieder so ein Tag. Schwül, dunkle Regenwolken tief am Himmel, naja, und viel besser geht´s mir gesundheitlich auch noch nicht.

Mittelalterliches Ambiente am Ziel des Bergrennens: Burg Landsberg

Blick auf die letzten 500 Meter des 14%igen Anstieges

Irgendwie ist es ärgerlich, schade und vor allem frustrierend, wenn man, endlich in guter Form, zusehen muß, wie genau diese durch eine plötzlich eingefangene Krankheit wieder zerstört wird. Einerseits war es eine Freude, mit hoher Frequenz in den Berg reinzuknallen und ganz vorne mitzufahren. An vierter Stelle war ich bei der kleinen Kapelle nach 300 Meter Steigung! Als 17. bin ich oben bei der Burg angekommen. Es gibt eben keine Wunder!

Dennoch bin ich überzeugt, wenn ich langsamer in die Steigung reingefahren wäre, auch dann wäre ich explodiert, hätte das Temnpo nicht fahren können, wäre im Endeffekt um keine Sekunde schneller gewesen. Mit einer solchen Krankheit gehört man ins Bett und nicht in den Rennsattel - noch dazu bei einer solch anspruchsvollen internationalen Besetzung, und das Tag für Tag.

Freitag, 20. August 2010: STRASSENRENNEN IN BAD GAMS

Das tägliche Hin- und Herfahren nach Deutschlandsberg bzw. heute nach Bad Gams ist schon irgendwie schlauchend. Ich merke das Alter, wahrscheinlich auch, weil ich nicht  100%ig gesund bin. Heute ist es auch noch dazu schwül, gleich von Anfang an hügelig, seit gestern (Bergrennen) ist mein gesundheitlicher Zustand auch - insgesamt - wieder etwas schlimmer. Hatte die ganze Nacht Kopfschmerzen, Schwindel, Gliederschmerzen, eigentlich echte Grippesymptome ohne Fieber.

Blick auf Bad Gams

Dann habe ich nach meinem Zieleinlauf auch noch vom schweren Sturz vom Schalk Pepi erfahren. Alle haben davon geredet, aber jeder hatte eine andere, eigene Version vom Geschehen - interessant, daß die alle aber nicht dabeigewesen sind. Was ich raushgebracht habe: er ist mit 20 Sekunden Vorsprung in Führung gelegen, ist mit hohem Tempo (nonaned) die Abfahrt vom Gamser Hügel runtergebrettert und in einer unübersichtlichen Linkskurve auf ein dort STEHENDES Auto reingedonnert. Angeblich mit 60 bis 100 (!) Sachen. Ehrlich, so waren die Schilderungen. Seine Rennmaschine ist in mindestens zwei Teile gerissen worden, alles hin, schade um seine Lightweight-Garnitur, er ist auf der Straße gelegen, anderen Schilderungen zufolge in der Wiese. Eine Hand soll er sich gebrochen haben. Im Auto soll ein junges, 20jähriges Mädchen gesessen sein.

Wer kennt diese Typen? Richtig, ganz links, das ist doch... rechts jedenfalls, das ist der Kretz Ludwig

Jedenfalls sind der Hans und ich nach dem Rennen, vor der Siegerehrung, ins LKH Deutschlandsberg gefahren. Wir haben angenommen, daß sie ihn dorthin gebracht haben. Wohin auch sonst? Also sind wir hingefahren, mit unseren Rädern, die können wir natürlich nicht draußen irgendwo stehenlassen, also sind wir mit den Rädern reingefahren. Die Tür ist automatisch aufgegangen, wir waren schon drinnen. In einer aufgelassenen Küche. Von dort sind wir dann durch eine Tiefgarage auf einmal in einer Rezeption gewesen. Alles leer, nirgendwo war jemand zu sehen. Endlose Gänge, wir flitzen mit unseren Rennmaschinen herum, ich hinter dem Hans her, manchmal auch er hinter mir.

Nirgendwo war irgendjemand zu finden, den wir hätten fragen können, kein Portier, keine Schwestern, keine Ärzte, aber auch keine Patienten. Das gesamte Spital hätten wir ratzeputz ausräumen können!!! Dann wieder ist ein Besucher da, der telefoniert sofort völlig geschockt, ich höre ihn noch sagen, daß da ein paar Radrennfahrer wie irr durchs Spital radeln! Ob die das denn überhaupt dürfen??? Endlich, nach einer geschlagenen Stunde (!), stehen wir einer ebenfalls geschockten Schwester gegenüber. Vor lauter Schreck bringt keiner ein Wort raus. Dann meint sie, mit den Rädern dürften wir hier nicht rumfahren. Wir einigen uns darauf, die Räder im Schwesternzimmer zu deponieren, dann müssen wir die Schuhe ausziehen, statt dessen, hellblaue Plastiksäcke drüberziehen - wir sehen aus wie die Guantanamo-Häftlinge! Naja, irgendwann stehen wir in der Chirurgie vor dem Zimmer 6, dahinter der Pepi, der ziemlich viel Besuch hat. Eigentlich sind ja ganz viele gekommen, wir dachten, wir wären die einzigen. Weit gefehlt. Er sagt, er hat keine Schmerzen. Junge, die kommen noch, und wie! Beide Hände gebrochen, eingegipst von den Fingern bis zum Oberarm, er kann in dem Zustand ja nicht mal nasenbohren!

Ja, das Lachen fällt ihm auch schwer, für jeden Handgriff braucht er wen. Er wird morgen überstellt, dann auch mal operiert. Die Saison ist damit mit einem Schlag vorbei. 2011 steht vor der Tür. Also, Josef, jetzt ist´s sowieso schon wurscht, heuer fährst keine Rennen mehr, also volle Konzentration auf 2011!

Danach schnell wieder zurück zur Siegerehrung - wir brauchen eine halbe Stunde, bis wir wieder unsere Räder finden, dann schnell hinauf nach Bad Gams, wir kommen gerade zurecht. Der Hans hat gewonnen, er hat dreieinhalb Minuten Vorsprung gehabt, ist bereits nach 9 km weggefahren - ein rundum toller Sieg! Die Form kommt mit Riesenschritten, gerade rechtzeitig vor der WM.

Und ich? Naja, der Josef hat mir schon leid getan, ich weiß ja, wie die Schmerzen nachts kommen, ich weiß, wenn man bewegungsunfähig im Spitalsbett liegt, wie einem die blödesten Gedanken durchs gemarterte Hirn schießen. Ein Körper, jahrzehntelang auf Höchstleistung getrimmt, von einer Sekunde zur anderen zur Regungslosigkeit verdammt. Damit kommt nicht nur der Körper nicht zurande, vor allem auch der Geist nicht. Aber da muß man durch.

Samstag, 21. August 2010: EINZELZEITFAHREN IN STAINZ

Vorletzter Tag, heute wieder ein gewaltiger Dämpfer. Die Zeit war furchtbar schwach, vor mir sind der Schebath und der Handler gestartet, beide haben mich ABGEHÄNGT!!! Einziger Lichtblick: ich bin gleichmäßig gefahren. Der Hans war um genau eine Minute schneller als ich. Dieser Vergleich tut schon weh, aber ich hab keine Sekunde schneller fahren können.

Bin müde, saumüde. Vor allem auch geistig müde, kann mich nur schwer konzentrieren. War froh, als ich wieder daheim war. Zwei Stunden in der Badewanne gelegen. Morgen der Marathon. Der Hans hat mir abgeraten.

Sonntag, 22. August 2010: ÖLSPUR-NATIONEN-MARATHON IN DEUTSCHLANDSBERG

 

Gemischte Gefühle. Zweimal hab ich hier hintereinander gewonnen, was wird heute sein? Ich bin weit weg von einer optimalen Verfassung, aber ich bilde mir ein, ich brauche das mentale Erlebnis, ich will nicht mit einem solchen Negativerlebnis wie´s die diesjährige Radsportwoche war, nach St.Johann fahren.

Und dann? Wie ausgewechselt, mental total frisch und konzentriert, alle Rückschläge weggesteckt, ein wirklich SENSATIONELLER dritter Sieg in Serie! Diesmal im Sprint, quer über die letzte Verkehrsinsel, einem Zentimetervorsprung entgegen!

Eine Riesenlast ist abgefallen, die Form wieder da - naja, eigentlich war sie ja nicht weg, ich war nur krank. Das scheint jetzt vorbei zu sein. Dann wird´s hektisch. Zusammenpacken, Schnitzel runterwürgen, ein paar Gespräche mit Freunden, dahinter eine Live-Musik, die so schrecklich ist, daß ich die zwei Typen sofort vergesse, die machen keine Musik, sondern genaugenommen nur Lärm - zwei Krawallrowdies! Und spielen nur so alte Nummern, lauter Hadern, die im Original um Lichtjahre besser sind. Eigene Nummern haben die anscheinend nicht.

Daheim mit Spike zur Hundewiese, dann Autowaschen, Haare waschen, eine Stunde in die Badewanne, Rennmaschinen herrichten, Gepäck zusammenpacken, hier die Homepage auf den neuesten Stand bringen. Und schlafen soll ich auch noch irgendwann - übrigens, der Start findet morgen um 9.20 Uhr statt - in Kirchdorf/Tirol!

Montag, 23. August 2010: WILDER-KAISER-BERGPOKAL IN KIRCHDORF/TIROL

Nahtlos geht die Hetzjagd weiter. Gestern noch Deutschlandsberg, heute schon in Tirol. Um 9.20 Uhr früh stehe ich in Kirchdorf am Start zum Bergrennen in die Griesenau auf die 1024m hoch gelegene Griesner Alm. Das Wetter ist herrlich, strahlend blauer Himmel, die Sonne scheint, aber um diese frühe Zeit ist es noch ziemlich frisch. Bis Mittag aber brennt die Sonne unerbittlich vom Himmel, es hat schon über 30°.

Berggasthof Griesneralm im Kaiserbachtal

Die Mautstraße auf die 1024 m hoch gelegene Griesneralm

Ein paar Kleinigkeiten einkaufen, dann ab 17.30 Uhr Preisverteilung in Kirchdorf, danach fahre ich mit dem Hans noch auslockern, wir rollen raus nach Erpfendorf und fahren die Zeitfahrstrecke ab. Herrliches Gefühl, denn nach dem Rennen am Vormittag hatte ich bis jetzt starke Kopfschmerzen. Die Krankheit ist nicht weg, nein, die ist wieder da! Ist ja auch kein Wunder, bei dem Streß, dauernd auf Achse. Morgen also ein Ruhetag, und den werde ich wörtlich nehmen. Die Form scheint zu passen, den Rest werde ich - hoffentlich - auf noch hinkriegen.

Leider habe ich bei meinem Laptop das Netzkabel daheim vergessen, ich kann also nicht lange online bleiben, der Speicher wird bald leer sein, muß mir ein Netzkabel kaufen, teuer ist das Zeug ja nicht.

Eine Kleinigkeit nur habe ich abends gegessen, dafür aber viel getrunken, dann bald ins Bett und bis 9 Uhr morgens durchgeschlafen. In der Nacht hat es ziemlich stark und viel geregnet.

Dienstag, 24. August 2010

Ziemlich unbeständiges Wetter, am frühen Vormittag hat es geregnet, zeitweise richtig stark dann aber aufgehört, aber 11 Uhr bin ich mit dem Hans eine kleine Runde gefahren, locker, hohe Frequenz, raus nach Kufstein und wieder zurück, mit kleinen Umwegen, es waren 45 km.

Dann wieder einkaufen, das Netzkabel habe ich leider vergessen, morgen MUSS ich dran denken, der Speicher zeigt nur mehr Saft für ein paar Minuten an. Am Nachmittag bin ich dann - mit dem Auto - nach St. Johann rübergefahren, Startnumnmer fürs morgige Zeitfahren abholen. Ich hab die Nummer 507, starte um 13.46 Uhr. Hab ein paar Freunde getroffen, viel geplaudert, die Kopfschmerzen sind weg. Gottseidank.

Bei der Rückfahrt hat es wieder ganz stark geregnet. Hab mir ein paar Feigen gekauft, aber leider waren sie nicht ganz reif. Die Säcke hier haben ja keine Ahnung von Feigen. Leider. Hab mir dann am Abend ein paar Nudeln gekocht mit einer eigenen Pasta-Kreation, mit Obers, Mango, Knoblauch und diversen Kräutern. Hab beim M-Preis-Supermarkt einen "CANNABIS-Eistee" gefunden, ehrlich, das gibt´s wirklich, Viertelliter-Dose um einen Euro! Bestandteile u.a.: Hanfblütensirup 5 %, Hanfblütenextrakt 0,0015 %! Sachen gibt´s, das Zeug kommt übrigens aus der Schweiz. Sicherheitshalber hab ich bei dem Zeug zugeschlagen und alles aufgekauft. Werd´s vielleicht morgen beim Zeitfahren mal testen. Hab auch einen Bio-Orangen-Mango-Saft gefunden, den gibt´s bei uns in Graz auch nicht!

Mittwoch, 25. August 2010: WELTMEISTERSCHAFT IM EINZELZEITFAHREN IN ERPFENDORF

Heute also ist es so weit, erster Auftritt bei der Weltmeisterschaft. Als schwacher Zeitfahrer rechne ich mir nicht viel aus, ich möchte nur unter 30 Minuten bleiben. Ich starte um 13.46 Uhr, kurz nach Mittag also, schlafe mich richtig gut und lang aus, stehe gegen 10 Uhr auf. Ich trinke nur etwas, esse nichts, dann fahre ich von Wörgl rüber nach Erpfendorf. Die Startnummer, die ich mir am Vortag geholt habe, ist montiert, ich mache mich bereit zum Aufwärmen. Das mache ich nicht auf der Rolle, wie immer mehr Fahrer es tun, es ist schön, die Sonne scheint, es ist warm, ich mache das auf der Straße. Sicher, die Gefahren des Straßenverkehrs habe ich auf der Rolle nicht - ob das ein Argument ist?

Der Hans ist schon am Vormittag gefahren, sein 6. Platz ist zusätzliche Motivation für mich. Als ich eine halbe Minute schneller bin als im Vorjahr, 29:26 fahre, ist das zwar nicht wirklich sehr schnell, für mich aber eine Verbesserung und Steigerung, fürs Straßenrennen fühle ich mich jetzt doch sicherer.

Der Hans ist angefressen, seine Medaillenchance war realistisch, und er hat sie vertan, oder besser gesagt, sie ist ihm gestohlen worden, vom UCI-Beobachter, der ihn erstmal den Sattel zurückstellen ließ und dann den Aerohelm ihm verweigerte, weil der kein AINSI-Logo aufwies... Ich bin mit dem selben Helm gefahren, bei mir hat das anstandslos geklappt... Mit seiner Rennmaschine und dem Helm fährt  er seit Jahren, und noch NIE gab´s irgendwelche Beanstandungen, und jetzt das... In dem Chaos hat er dann die Überschuhe vergessen, konnte nicht mehr aufwärmen, mußte sozusagen "kalt" ins Rennen starten - und daher "nur" Platz 6, 1:31 hinter dem Sieger.

Naja, so ganz problemlos war mein Start ja dann auch nicht gewesen. War zwar zeitgerecht in Erpfendorf, aber vor einem Zeitfahren muß man ganz seriös und gewissenhaft aufwärmen, muß sozusagen vom ersten Meter an "da" sein. Da ist es eine Katastrophe, wenn man die ersten Kilometer des Rennens zum Aufwärmen braucht, wie es beim Hans der Fall gewesen ist...! Ich fahre also auf der Bundesstraße bis St.Johann, dann über Litzlfelden und Kirchdorf bis Erpfendorf an die Zeitfahrstrecke, und das Ganze dann wieder zurück, dann Richtung Waidring den Berg hinauf, alles in allem 35 km. Zurückgekommen bin ich um 13.42 Uhr, Überschuhe anziehen, Handschuhe anziehen, Helm aufsetzen, ab zum Start, wo ich um 13.45 Uhr ankomme, mein Start ist um 13.46 Uhr. So was nennt man neuhochdeutsch "Timing"!

Langhammer, Hundegger und der UCI-Beobachter bei der technischen Kontrolle, ich war ja schon vor dem Aufwärmen dort, muß jetzt aber wieder hin, weil ich ja in der Zwischenzeit was verändert haben könnte - jetzt beginnt´s also wirklich hektisch zu werden, denn ich starte in wenigen Sekunden, aber dieses zusätzliche Adrenalin braucht man anscheinend, um die letzten Körner mobilisieren zu können.

Eine Zeitfahrmaschine der etwas "anderen" Art

Am späten Nachmittag, eigentlich am frühen Abend, bin ich dann "daheim" in Wörgl noch zweieinhalb Stunden auslockern gefahren, 65 km, bis es ganz dunkel gewesen ist. Das hat unheimlich gut getan, nach der Anstrengung des Zeitfahrens, und es ist sooo wichtig, die Beine auszulockern und die Milchsäure rauszufahren, speziell, wenn bald darauf das nächste Rennen ansteht.

Blick auf Erpfendorf

Eine Kleinigkeit essen, aber sehr viel trinken, dann ab in die Badewanne, danach noch etwas trinken und ins Bett. Dazwischen hab ich diesen Bericht geschrieben und mir in Ruhe die Ergebnisliste durchgesehen.

Vor dem Auslockern wollte ich mir noch schnell ein Netzkabel für den Laptop holen, aber das hat sich als gar nicht so einfach erwiesen. Ich werde von Pontius zu Pilatus geschickt, lande irgendwann dann beim Media-Markt, dort erklären sie mir, daß es Hunderte verschiedene Kabel und Buchsen gibt, und für jedes Modell nur eine bestimmte Stromstärke. Um das richtige zu wählen, braucht er das Originalkabel. Himmel noch mal, unter welche Idioten bin ich denn da gefallen?? Wenn ich das Kabel hätte, bräuchte ich ja keines!!! Und als ich ihm erkläre, daß mein Gerät die Spannung zwischen 100 und 240 Volt individuell regelt, glaubt er mir nicht. Naja, letztlich, nach einer angestrengten Diskussion über etwa eine Stunde, erstehe ich das kostbare Ding - mit Akku, acht verschiedenen Steckern, drei Kabeln, vier (!!!)Gebrauchsanweisungen, zum stolzen Preis von 46.- €! Dabei hätte ich doch nur ein Kabel gebraucht, das ich in eine Steckdose stecken kann!

Donnerstag, 26. August 2010

Heute war ein wirklich herrlicher Sommertag. Strahlend blauer Himmel, Sonne pur, dazu leichter Wind, nicht allzu heiß - Radlerherz, was willst du mehr? Bin mit Hans eine lockere Traibingsrunde gefahren, über Langkampfen nach Kufstein, dann in die BRD raus, nach Kiefersfelden, in Niederndorf wieder nach Österreich rein, am Inn-Radweg zurück nach Kufstein - einfach herrlich, völlige Ruhe und Stille, daneben der leise plätschernde Fluß, so könnt´s von mir aus auch im Winter sein, ich hätt´ sicher nichts dagegen! Der Hans fährt über Mariastein heim auf den Angerberg, ich fahr noch weiter über Kleinsöll und Breitenbach nach Kundl und auf der Inntal-Bundesstraße zurück nach Wörgl, 90 km. Gerade richtig.

Morgen hat der Hans sein WM-Rennen, ich komme dann am Samstag dran. Hoffentlich hält das Wetter so lange.

Freitag, 27. August 2010

Das Wetter hat nicht gehalten! Hab ich´s mir doch gedacht! Anfangs noch schön und leicht bewölkt, hat es mittags zugezogen. Um 12 Uhr (high noon) wollte ich mit dem Rad rüber nach St. Johann fahren auf die Huberhöhe und den Hans anfeuern, der um 13.20 Uhr gestartet ist. War noch nicht mal oben auf der Bundesstraße, da hat es zu regnen begonnen, ganz leicht. Bin trotzdem weitergefahren, aber in Söll war dann endgültig Endstation, es hat immer stärker geregnet, ich drehe also um, bei der Rückfahrt komme ich dann in den richtigen Wolkenbruch rein. Fazit: 12 km gefahren, patschnaß. Also umziehen, Rad putzen.

Danach bin ich noch schnell einkaufen gegangen, und danach hat´s - wie zum Hohn - aufgehört zu regnen. Der Hans hat angerufen, aus dem Spital, schwerer Sturz in der Zielkurve, von hinten von einem Franzosen (Nummer 75, Michel Andree) abgeschossen, Knie, Ellbogen, Knöchel aufgeschlagen und blutig, aber noch viel schlimmer, eine Rippe gebrochen. Dabei hatte er eine so tolle Form, wäre auch um den Sieg mitgefahren!

Der Hans fährt mit dem Auto wieder heim auf den Angerberg, ich drehe noch eine einstündige lockere Runde, danach beginnt es wieder zu regnen. Den ganzen Abend, die ganze Nacht - hoffentlich regnet es sich mal ordentlich aus, damit es morgen trocken ist!

Samstag, 28. August 2010: STRASSENWELTMEISTERSCHAFT ST. JOHANN/TIROL

Scheißwetter! Es hat die ganze Nacht geregnet, den ganzen Vormittag, es hört und hört einfach nicht auf. Dazu ein ziemlicher Temperatursturz, meine Motivation sinkt und sinkt. Ich fahre dann schon um halb zehn Uhr los, rüber nach St.Johann. Zu allem Überdruß vergesse ich dabei am Küchentisch in Wörgl mein mobiles Modem, während ich mir den Weg nach St.Johann suche, Scheibenwischer auf höchster Stufe, das Wasser, das in den Pfützen schon zentimeterhoch steht, spritzt rechts und links weg.

In St. Johann hat sich nichts am Wetter geändert. Ich hol mir die Startnummer, montiere sie, inzwischen wird es kälter und kälter. Ich muß mich wohl oder übel damit anfreunden, ein Regenrennen zu bestreiten. So sehr sich auch alles in mir dagegen sträubt. Ab er es hat absolut keinen Sinn, sich mit diesem Frust und der Enttäuschung die Gedanken zu verderben, denn mit einer solchen negativen Einstellung ist nicht mal ein Blumentopf zu gewinnen!

 

Bei so einem Ausblick durch die Windschutzscheibe will nicht recht Freude aufkommen - immerhin stehen 76 km bevor!

Also beginne ich, natürlich im allerletzten Moment, mit der speziellen Vorbereitung: Rad auspacken, ganz dick Fett auf die Kette auftragen, dann ziehe ich mich selber um, entsprechend präpariert, nämlich kleine Plastiksäckchen zwischen zwei paar Socken, Überschuhe, die oben rum dick mit Klebeband zugeklebt werden. Dann die Hose, Kurzarmtrikot, Ärmlinge. Unter dem Trikot ziehe ich einen großen Plastiksack an, an dem ich unten drei kleine Löcher geschnitten habe, das sind die Öffnungen für den Kopf und beide Hände.

Dann schnell ein paar Kilometer fahren, aufwärmen, eigentlich ein absurder Hohn bei diesem Wetter!

Wie üblich, nach dem Rennen hört der Regen auf. Hätte mich ja auch gewundert! Naja, vielleicht wird´s in den nächsten Tagen besser.

Eine gute halbe Stunde lang ist Radputzen angesagt, Kette ölen, Schaltung und Bremsen probieren, danach lasse ich mir zum Abschluß des Tages eine heiße Fritattensuppe schmecken.

Sonntag, 29. August 2010: BERGRENNEN IN SAN PIETRO MUSSOLINO

Nach dem Frust des gestrigen WM-Rennens ist heute mal Revanche angesagt. In punkto Wetter stimmt das durchaus: Sonnenschein, 26°, windstill. Radlerherz, was willst du mehr? In südlicheren Gefilden ist´s halt doch am schönsten!

Im Val Chiampo, nordwestlich von Vicenza, ist´s  noch immer Sommer. Die Gegend hier gefällt mir ungleich besser als das, was ich in den letzten Tagen daheim in Österreich gesehen habe.

Blick auf San Pietro Mussolino

Das Bergrennen wird als Veneto-Regionalmeisterschaft gewertet, entsprechend ist auch die Besetzung. Wir fahren neutralisiert knappe 5 km, ehe das Rennen freigegeben wird. Endlich ein Erfolgserlebnis, der 5. Platz ist zwar nicht das Gelbe vom Ei, aber immerhin, nach dem Frust, der sich in der St. Johanner Woche angesammelt hat, sowas wie eine Befreiung.

Montag, 30. August 2010

Endlich wieder daheim! Die beiden letzten Wochen waren anstrengend, viele Rennen, viele Erlebnisse, aber auch Enttäuschungen, Freuden, Überraschungen, es waren viele Emotionen dabei, Höhen und Tiefen. Heute habe ich ausgeschlafen, bis mittags.

Dienstag, 31. August 2010

Das Training hat mich wieder. Trainingsalltag. Ich habe hier vor mir eine Ausschreibung für ein 3-Tage-Rennen in Norddeutschland, ein Nachtkriterium, Zeitfahren, Straßen- und Rundstreckenrennen. Die Form ist gut, und es wäre auch richtig, sie jetzt auszunutzen und in Ergebnisse umzusetzen.

In dieser Woche trainiere ich leicht, zweieinhalb bis drei Stunden, hügeliges Terrain, das Wetter ist auch nicht besonders, es ist eigentlich saukalt für August, hat so zwischen 15° und 20°, da kommt einfach keine Freude auf. Es ist jetzt sehr schnell Herbst geworden und Herbst heißt, die Saison biegt in die Zielgerade.

Donnerstag, 2. September 2010

Langsam wird es etwas wärmer. Bin heute erstmals in dieser Woche kurzärmelig gefahren! Jeden Tag überlege ich, ob ich nach Norddeutschland fahren soll. Am gleichen Wochenende wäre bei uns die beiden Zeitfahrten in Grünau und Stadl/Mur. Der Hans ist auch ziemlich niedergeschlagen, mit seiner gebrochenen Rippe geht noch gar nichts, am Wachau-Ring am Sonntag (Ginner-Cup-Finale) kann er höchstwahrscheinlich nicht fahren.

Bin heute den steilen Anstieg von Peggau nach Hiening raufgefahren, 4,5 km lang, hohes Tempo, sehr gute Zeit. Ja, die Form gibt schon was her!

Freitag, 3. September 2010: KRITERIUM IN MARIBOR

Auf einem 1,5-km-Rundkurs wird rund um den Tabor-Sportpark in Marburg ein Kriterium gefahren, und weil das erst am späten Nachmittag stattfindet, fahre ich am Vormittag noch ein zweistündiges Training.

Dann geht´s in das rund eine Autostunde entfernte Maribor, den Sportpark Tabor finde ich relativ schnell, ich fahre auf der Rennstrecke ein paar Runden zum Aufwärmen. Das einzige, das mir nicht so gefällt: das Ziel befindet sich am Ende einer langen Geraden, da entscheiden die Sprintfähigkeiten, und die habe ich ja bekanntlich nicht. Ein Zielstrich möglichst knapp hinter einer Kurve wäre da für mich schon besser!

Was noch auffällt: bereits 6 Minuten nach dem Zieleinlauf wird die Siegerehrung abgewickelt, hier nach jedem Rennen, nicht gesammelt einen halben Tag später. Könnten sich alle österreichischen Veranstalter eine ganze dicke Scheibe abschneiden!

Samstag, 4. September 2010: STRASSENRENNEN IN GRAD

Das Straßenrennen in Grad durch den Naturpark Goricko liegt mir, ich freue mich richtig darauf, schließlich habe ich das schon einmal gewonnen, 2008. Aber man kann sich halt nicht so richtig auf eine Strecke einstellen, denn in jedem Jahr gibt es eine andere. War es damals bei meinem Sieg noch eine einzige, riesige 123 km lange Schleife gewesen, wird heute ein 15-km-Rundkurs fünfmal gefahren (= 75 km), ehe der 1,5 km lange Anstieg zum Schloß hinauf für das traditionelle Finale sorgt.

Schloß Grad

Das Schloß mit den letzten Metern des Zielanstieges

Bereits auf der Fahrt nach Grad regnet es, teilweise sogar ganz heftig. Die Motivation sinkt. Dann wird es immer heller am Himmel, der Regen aber bleibt. Selbst als ich in Grad bin, regnet es weiter. Erst etwa 5 Minuten vor dem Start hört der Regen auf, der teilweise sehr starke Wind trocknet dann relativ schnell die Straße auf, und nach einer Stunde blinzelt dann sogar schon die Sonne durch die löchrige Wolkendecke.

Mit den Temperaturen steigt auch meine Motivation, mein Kampfgeist, und da wir alle drei Masterklassen (40+/50+/60+) zusammen starten, was ja normalerweise nicht der Fall ist, bin ich doppelt motiviert, schließlich geht es ja auch gegen die jüngeren und damit stärkeren Konkurrenten. Und wie immer kann ich mich damit ganz gut arrangieren und letztlich habe ich meinen Sieg in der Kategorie 50+ zu einem Gutteil auch diesem Umstand zu verdanken. Schließlich distanziere ich den Zweiten, den slowenischen Olympiastarter und mehrfachen WM-Teilnehmer Bojan Ropret um ganze 35 Sekunden! Das ist mir nur gelungen, weil ich im Finale mit der Spitzengruppe mithalten konnte, die außer mir aus lauter 40+-Fahrern bestand!

Da das Rennen bereits am frühen Vormittag startet (ungewöhnlich für ein Samstagrennen!), fahre ich daheim in Graz dann am Nachmittag bei bewölktem Himmel, aber kühlen Temperaturen, noch ein zweieinhalbstündiges Auslockern, das mir unheimlich guttut.

Ein Pokal und 150.- € in bar können ganz schön motivieren! Und als ich wieder daheim in Graz am Abend in der Badewanne sitze, lasse ich diesen Tag Revue passieren. Platz 2 und 1 an diesem Wochenende, was will ich mehr?

Sonntag, 5. September 2010: AUSSCHEIDUNGSRENNEN AM WACHAU-RING

Das dritte Rennen an diesem Wochenende bringt mir den dritten Podest-Platz! Jetzt, im September, am Ende der österreichischen Saison, ist die Form endlich da, mit der ich zu Saisonbeginn schon gar nicht mehr gerechnet hatte! An diesen letzten drei Tagen bin ich insgesamt über 300 km gefahren, fühle mich aber nach wie vor frisch und munter.

Das Ergebnis war etwas unbefriedigend. Ich bin Zweiter geworden und muß mich als Dritten auf der Ergebnisliste akzeptieren! Das ist hart, aber letztlich tröste ich mich damit, daß das ja nur ein klitzekleines Rennen war und es für mich ohnehin nicht um den Sieg gegangen ist. Mit einem Protest hätte ich sowieso nichts erreicht, außer mir mehrere Feinde gemacht. Vor 10 Jahren noch hätte ich wahrscheinlich eine Woche lang jeden angeschnauzt und angemault, heute stehe ich da drüber. Cést la vie!

Es tut sich noch einiges an diesem Tag, vor allem nach dem Rennen und hinter den Kulissen. Seit St.Johann/Tirol vorige Woche geistert ja das Gespenst durch die österreichische Master-Szene, daß im nächsten Jahr von der UCI, vom Weltverband, die Masterkategorie überhaupt aufgelöst wird! Die Fahrer dieser Altersklassen werden einer sogenannten "Cycling-for-all"-Klasse zugeteilt, in der sich auch die Unlizenzierten tummeln, vor allem die Marathonfahrer. Das wäre wohl der Tod des Master-Sports. Und jetzt rätseln sie alle herum, wie es nächstes Jahr wohl weitergeht, wenn es denn überhaupt weitergeht.

Ha, die Italiener haben vorgebaut, die haben seit Jahrzehnten schon zwei Verbände, denen kann so ein Scheiß nicht passieren. Und ich habe ja eine italienische Lizenz, fahre ich dann halt mehr Rennen in Italien. Was ändert sich da großartig schon?

Offizieller Grund der UCI: mit der Masterklasse ist kein Geld zu machen, diese Altersgruppe kann nicht vermarktet werden. Ein ganz schwaches Argument, das ja so überhaupt nicht stimmt. Dann soll mir mal bitte wer erklären, wie man denn irgendeine Nachwuchsklasse besser vermarkten kann? Wieviel Geld kann man denn mit etwa einem Mädchenrennen machen??? Aber gut, da steckt wieder die Politik dahinter, die Nachwuchsklassen sind tabu, die darf man nicht antasten. Wieviel Geld steckt etwa hinter der Radsportwoche in St.Johann oder der in Deutschlandsberg? In Deutschland etwa ließen sich noch ungleich mehr Beispiele finden, in Italien kann man grundsätzlich jedes Rennen anführen, das veranstaltet wird. Der Grund ist doch ein ganz anderer: wenn man sogenannte Marketing-Fachleute ans Werk läßt, die in Wirklichkeit unglaubliche Dilettanten sind, dann hat man halt Rennen, die vor leeren Zuschauerrängen ablaufen, keine Sponsoren haben und in den Medien nicht aufscheinen. Und wenn man dann solche Starter"felder" sieht wie etwa heute am Wachauring oder gar gestern in Inzing, dann muß man doch ehrlich sagen, zumindest für Österreich ist diese Entwicklung durchaus berechtigt!

In Inzing, bei der Tiroler Bergmeisterschaft, die in allen sechs Masterklassen ausgeschrieben war, sind insgesamt 2 Fahrer (in Worten: ZWEI!!!!!) an den Start gegangen. Das heißt nichts anderes: wenn ich am Bauch liegend rückwärts kriechend, vor Einbruch der Dunkelheit die Rennstrecke absolviere, hole ich mir zumindest eine Bronzemedaille ab!!! Dabei kann ich noch ein volles Sektglas am linken Knie balancieren oder ähnlichen Scheiß machen. Was bitte hat das noch mit Radsport zu tun? Und wenn sich dann Karl Korpitsch, der Master-Vertreter, bei der Siegerehrung über die schwache Beteiligung aufregt, hat er zwar fachlich völlig Recht, seine Standpauke trifft aber wieder einmal die Falschen: denn die, die da staunend mit offenem Mund vor ihm stehen/sitzen, die sind ja sowieso gestartet, ins Gewissen reden müßte er den anderen, die nicht gekommen sind, aber die sind ja eben nicht da!

Die Aussicht, einen eigenen Master-Verband gründen zu müssen, wenn uns die UCI den Lebenssaft abdreht, ist auch nicht beruhigend, denn wie dieser bürokratische Aufwand zu bewältigen ist, weiß heute noch niemand! Ich glaube vielmehr, daß eine ganz andere Entwicklung einsetzen wird: die "schwarzen" Rennen, die heute schon ohne den ÖRV laufen, die werden wie Schwammerl bei feuchtheißen Temperaturen aus dem Boden schießen! Vor dem Angebot an Zeitfahren und Bergrennen sowie Marathons wird man sich gar nicht mehr retten können! Damit einher geht natürlich eine immense Verteuerung der Nenngelder, aber das wiederum hat für den Veranstalter ja nur einen positiven Effekt.

Der Vorschlag von Korpitsch, als Master jedem Master-Veranstalter freiwillig 10.- € Nenngeld zahlen zu wollen, ist nur auf den ersten Blick eine Lösung: wenn die UCI die Kategorie auflöst, läßt sie sich doch nicht von einer Anhebung des Nenngelds in Österreich umstimmen! Bei den schwarzen Rennen gibt´s ohnehin jetzt ja auch schon die diversen Altersklassen, eine bundesweit einheitliche Lösung kann´s da sowieso nicht geben, weil ja der Verband als regelnde Instanz fehlt.

Und bei einer Loslösung von der UCI möchte ich gar nicht an die versicherungstechnischen Feinheiten einer Veranstaltung denken! Aber wird es auch so heiß gegessen, wie es gekocht wird? Wohl kaum. Vielleicht ist die ganze Aufregung ja auch nur inszeniert, um einen Grund zu haben, Lizenzgebühren und Nenngelder zu erhöhen. Die Italiener, Franzosen und Niederländer scheinen an einer europaweit einhelligen Lösung kaum interessiert zu sein, die haben ja ihre Schäfchen ohnehin schon im trockenen. Aber ehrlich: um den ganzen komplexen Fragenkatalog habe ich mir bisher noch überhaupt keine Gedanken gemacht. Ein kleiner Tip: wenn ihr wirklich wissen wollt, was gespielt wird, seht doch mal auf der Homepage der UCI nach!

Und daß im schlimmsten Fall die nationalen Master-Vertretungen einen neuen internationalen Verband gründen, halte ich für ein Gerücht: allein der bürokratische Aufwand ist so groß, daß das Jahre dauert!

Ehrlich: das sehr viel Einfachere wäre, die Infrastruktur samt Marketing so weit zu verbessern, daß niemand einen Grund sieht, diese Kategorie zu eliminieren! Warum nicht das Naheliegendste? Eine Vermarktung wäre sowieso selbstverständlich, also warum da Nenngelder anheben, neue Verbände gründen, Eingaben, Proteste, Sitzungen, Gremien, Ausschüsse, Beschlüsse, etc.??? Wie wär´s mit ´nem Marketingexperten? Der käme ja auch viel billiger.

Aber es hat auch Erfreuliches gegeben: Pepi Schalk war dabei, zwar nur als Zuschauer, mit zwei Gipshänden kann er ja höchstens am Ergometer fahren, nicht aber auf der Straße. Vielleicht sieht er jetzt, mit etwas zeitlichem Abstand, sein unwahrscheinliches Glück, das er bei seinem furchtbaren Sturz gehabt hat: er hätte ja auch tot sein können! Dazu der Zeitpunkt: jetzt steht das Saisonende vor der Tür, viel verliert er da nicht: die WM in St.Johann, Ginner-Cup-Abschluß, Stadl/Mur, das eine oder andere schwarze Rennen. Das ist doch zu verschmerzen. Noch eine Berichtigung: nicht seine Lightweight-Garnitur ist bei dem Unfall draufgegangen, sondern es war ein Satz Corima-Laufräder (um die ist´s aber auch schade!). Aber alles in allem tut es sicher gut, wieder dabei zu sein, wenn auch nur als Zuschauer, aber er hat sich für den Gesamtsieg im Ginner-Cup feiern lassen, den Pokal abgeholt, das sind sicher emotionale Momente, die für die Heilung nicht ganz unwichtig sind. Wie er mit beiden gebrochenen Händen da gestanden ist, den Pokal festgehalten hat, das war schon Spitze!

Montag, 6. September 2010

Endlich wieder zuhause! Trotz der guten Form spüre ich, daß die Saison schon sehr, sehr lange dauert. Bin heuer schon viele Rennen gefahren, da wird es immer schwerer, sich zu motivieren. Es geht eigentlich nur, weil die Form immer besser wird und das die Moral hebt.

Am nächsten Wochenende also dann der Marathon in Schwaz, den ich im Vorjahr gewonnen hab, am Samstag stehen gleich ein paar Termine zur Auswahl: Straßenrennen in Schrick, Bergrennen Hocheck, Bergrennen Wechsel, ich denke, ich werd wohl in Schrick fahren, wie im Vorjahr auch. Warum bloß müssen die alle an einem Tag sein? Sowas gehört doch ein bißchen koordiniert!

Mittwoch, 8. September 2010

Heute ist´s im Training wirklich saugut gegangen. Bin 103 km gefahren, runter nach Spielfeld, also meist flach, waren gerade mal 300 Höhenmeter. Aber so gut war ich schon lange nicht mehr. Schnell gefahren, hohe Frequenz, Schnitt 32 km/h. Bin eine ganze Reihe von Intervallen gefahren, hat richtig Spaß gemacht. Hab jetzt noch ein Kriterium am Freitag abend in Szombathely in Ungarn aufgetrieben, ist gleich hinter der Grenze, oben am Neusiedler See.

Donnerstag, 9. September 2010

Bin heute trotz des morgigen Rennens wieder eine lange Einheit gefahren, 101 km waren es. Der Sommer ist jetzt wirklich endgültig vorbei. Es ist kalt, windig, hat andauernd geregnet, bin  heute insgesamt fünfmal (!) in einen Nieselregen geraten, am Ende hat dann aber sogar die Sonne gescheint. Heute 400 Höhenmeter, bin über Söding und Mooskirchen nach Wildon runtergefahren, bei Lannach den Gießenberg gefahren, und da in 5:49 Minuten so schnell wie noch nie raufgefahren. Dabei bin ich das lange flache Mittelstück durch die Ortschaft mit dem kleinen Blatt (34/16) gefahren, das auch flache letzte Stück dann aber mit dem großen Blatt (50/19). Das Wochenende steht jetzt auch: Freitag Kriterium in Szombathely, Samstag Straßenrennen in Schrick, Sonntag Marathon in Schwaz.

Die Form ist gut, und das möchte ich ausnutzen - Ergebnisse müssen her, am besten Stockerlplätze. Der Herbst ist die Zeit der Ernte.

Freitag, 10. September 2010: NACHTKRITERIUM IN SZOMBATHELY

Heute also das Nachtkriterium in Szombathely. Am frühen Vormittag fahre ich noch 65 km, eine flache Runde, zügig, und obwohl es kühl und frisch ist, kündigt sich ein trockener, sonniger Tag an. Am späten Nachmnittag fahre ich dann los, es sind etwa eineinhalb Autostunden bis Szombathely, bei Schachendorf geht es über die ungarische Grenze, dann sind es noch ca. 15 km.

Das Hotel Claudius, das einzige 4-Sterne-Hotel in Szombathely, ist schnell gefunden. Es liegt in einer noblen Parklandschaft, eíne rechteckige 950-m-Runde umkreist sowohl Hotel als auch Park. Sieht alles sehr nobel und gehoben aus, überhaupt nicht der übliche verwahrloste, verkommene Eindruck, den ich bisher von allen Orten im Osten bekommen habe.

Nach dem Rennen geht es weiter nach Schrick in Niederösterreich, wo morgen das kurze Straßenrennen auf dem Programm steht.

Samstag, 11. September 2010: STRASSENRENNEN TOUR DE SCHRICK IN SCHRICK

Der klitzekleine Weinbauort Schrick im Weinviertel, zwischen Gaweinsthal und Mistelbach gelegen, ist Startort der "Tour de Schrick", einem kurzen, aber heftigen Straßenrennen über nahezu sämtliche Hügel und "Bodenwellen" des Weinviertels rund um Schrick. Gefahren werden zwei Runden, zuerst eine größere, dann eine kleinere, beide aber haben 3 km vor dem Zielstrich den Schricker Berg, eine 2,5 km lange, relativ flache (ca 6 %) Steigung - die Selektion dieses Rennens.

Durch die neueröffnete Autobahn kann man jetzt die ca. 30 km vom Wiener Stadtrand bis ins Weinviertel rauf in nullkommanix bewältigen, es gibt direkt in Schrick eine Abfahrt. Leider gibt es in dem Bauernkaff nicht mal ein Geschäft, und so muß ich nach dem Rennen dann die Bundesstraße bis Gaweinsthal zurückfahren, um noch ein paar Lebensmittel einzukaufen.

Dann beginnt die lange Fahrt auf der Westautobahn über St. Pölten, Linz, Salzburg und das Deutsche Eck nach Wörgl, wo ich dann irgendwann nach 22 Uhr eintreffe. Ich esse noch eine Kleinigeit und lege mich dann nieder, morgen ist der Start ja erst um 11.30 Uhr, das ist wenigstens eine christliche Zeit.

Sonntag, 12. September 2010: TIROLER RAIFFEISEN-RADMARATHON IN SCHWAZ

Ein herrlicher Tag, warm, sonnig, auch etwas windig, aber die Temperaturen entschädigen für beinahe alles. Ich bin ausgeruht, frisch und munter. Das denkwürdige Hauptereignis dieses Tages kommt aber erst lange dem Zieleinlauf, nach der Preisverteilung.

Wir sitzen alle bei den aufgestellten Bänken und Tischen vor dem Lokal und schlingen Spaghetti, dann brechen wir auf. Schließlich steht - vor allem mir - noch eine lange Heimfahrt bevor. Es ist ein paar Minuten vor 17 Uhr.

Genau an dieser Stelle, an der Klostermauer, vor der der Hans hier steht, hat die Andrea ihr Rad abgestellt, gegenüber, gerade mal drei Meter entfernt, waren die Tischbänke aufgestellt. Und da war ein Gewusel von gut hundert Menschen. Als wir, der Hans und ich, an diesem Eck vorbeikommen, sitzt die Andrea dahinter am Boden und weint herzzerreißend. Soeben hat sie bemerkt, daß ihr Rad gestohlen wurde! Ein funkelnagelneues noch dazu, kaum einen Monat alt. Natürlich war es nicht versichert, natürlich war es nicht abgesperrt. 3.500.- € hat sie dafür auf den Ladentisch gelegt - und jetzt ist nur mehr ein leerer Platz übriggeblieben!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Naja, natürlich waren wir sofort bei der Polizei und haben eine Diebstahlsanzeige gemacht, dabei mußten wir erfahren, daß noch ein zweites Rennrad den Besitzer gewechselt hat an diesem sonnigen Sonntagsnachmittag. Und obwohl wir insgeheim wissen, daß wir diese Rennmaschine abschreiben können, dennoch hier an dieser Stelle ein Foto: Farbe schwarz-weiß, Rahmenhöhe 48, Marke: Airstreeem, Type: Straßenrennmaschine SL, Super-Lite-Carbonrahmen, Monocoque, Smooth Wall Technology, Airstreeem.com-Light-Laufräder. Der Polizist hat noch gemeint, heuer waren´s eh noch wenig, denn in den letzten Jahren sind 10 bis 12 Rennmaschinen bei diesem Rennwochenende verschwunden! Aufgetaucht ist übrigens nichts davon...

Wir haben dann noch ganz Schwaz abgesucht, man weiß ja nie, sozusagen ein"Planquadrat" veranstaltet, war aber eh ergebnislos... um 2 Uhr früh bin ich heimgekommen. 

Dienstag, 14. September 2010 

Habe heute erstmals seit dem Marathon wieder trainiert. Es ist kalt, es regnet, mit einem Wort, ein Sauwetter. Das gestohlene Rad vom Sonntag geht mir nicht aus dem Kopf. So unendlich schade, die Tränen von der Andrea waren herzerweichend. Hab ihr die beiden restlichen Rennen des Tirol-Cups rausgesucht, sie liegt jetzt an der 4. Stelle der Gesamtwertung. Und hat sehr gute und realistische Chancen, in den beiden letzten Rennen noch den Sprung aufs Stockerl zu schaffen. Für ihr erstes Jahr sicher ein großer Erfolg.

Donnerstag, 16.  September 2010 

Das Wochenende steht vor der Tür, zwei Zeitfahren, eines flach, eines bergauf. Irgendwie wären mir zwei Straßenrennen lieber. Gegen Ende der Saison gibt´s immer so komische Rennen. Da werd ich dann immer so komisch wehmütig, denn das Saisonende steht bevor.

Bin beim Training heute wieder einmal in den Regen geraten, in der letzten Viertelstunde war ich klatschnaß. Na super! 

Samstag, 18. September 2010: EINZELZEITFAHREN IN GRÜNAU/ALMTAL 

Bin wieder im Almtal gelandet, im Vorjahr war ich hier Dritter, da kommt man immer wieder gerne zurück. In Graz regnet es, als ich wegfahre, aber schon bei Leoben hört´s auf, und ab Liezen scheint sogar teilweise die Sonne. Es ist trocken, aber windig. Und der Wind ist kalt. Ganz gut aufgewärmt nehme ich das Rennen auf...

Bin heute gut 100 km gerollt, die Zeitfahrstrecke bin ich zum AHufwärmen einmal abgefahren, dann im Rennen selbst und dann noch zumn ausrollen, macht insgesamt schon 84 km, beimAufwärmen bin ich auch noch einmal Richtung Gmunden rausgefahren, und einmal auch in die andere Richtung, es waren heute 105 km auf der Zeitfahrmaschine...

Danach geht es so schnell wie möglich weiter nach Stadt/Mur, in Schöder habe ich noch einen Termin, da geht es um einen Neuzugang im nächsten Jahr, alles andere möchte ich an dieser Stelle nicht erwähnen. Schade, daß das Almtal so abgelegen liegt, ich fahre schon eine Ewigkeit bis nach Gmunden, dann runter bis Bad Ischl, über den Pötschenpaß, dann gibt´s im Ennstal auch noch eine Umleitung, und dann gehts - im Finstern - rauf auf den Sölkpaß. Oben sehr neblig, kaum Sicht, Schnee neben der Straße!

13 km weiter bin ich am Ziel, es ist 20 Uhr - kurz nach Mitternacht bin ich nach einer sehr langen Unterredung endlich in Stadl. Zeit zum Schlafen. Scheiße, das Knie schmerzt ziemlich.

Sonntag, 19. September 2010: BERGZEITFAHREN STADL/MUR - FLATTNITZ

Habe sehr schlecht geschlafen, große Schmerzen im rechten Knie. Eine furchtbare Nacht. Ich bräuchte ein paar Eisbeutel, das Knie ist furchtbar geschwollen, mindestens auf das Dreifache. Was so ein simnpler Schlag auf den Schleimbeutel alles bewirken kann! Als ob ich einen Ziegelstein unter der Haut oberhalb der Kniescheibe transportieren würde! Kann ich so überhaupt fahren? Kaum zu glauben, denn ich kann das Bein kaum abbiegen. Scheiße!

Um 9 Uhr früh gibt´s noch einen Treff in Stadl mit einem möglichen Neuzugang im nächsten Jahr, ich bin nicht ganz bei der Sache, der Schmerz treibt mir die Tränen aus den Augen. Ich bin drauf und dran, das Rennen abzublasen. Ein letzter Versuch, ich ziehe mich um und versuche ein paar Kilometer sachte herumzurollen.

Ziehender, beißender Schmerz, bei jeder Muskelkontraktion, bei jeder Bewegung, als ob da drinnen ein glühendes Messer plaziert wäre. Warum so etwas immer mir passiert? Jedesmal ist irgendwas, das eine optimale Fahrt verhindert! So eine Scheiße mit Soße! Heute ist der Hans da, der ist ja auch schwer verletzt, zwei gebrochene Ripppen, ein gerissenes Band im Knöchel, der hat vorige Woche den Schwazer Marathon gewonnen, wieso gehts bei ihm und bei mir nicht????? Wegen eines beschissenen simplen Schleimbeutels?? An der Haut sieht man nicht den geringsten Kratzer.

Ich spule Kilometer um Kilometer ab, es wird zu nehmend besser. Aber der Schleimbeutel ist ziemlich angeschwollen und schmerzt natürlich bei jeder Bewegung. Ob das gutgehen kann? Ich habe zu niemandem was gesagt, mache gute Miene zum bösen Spiel. Dann sehe ich, daß sich nur 6 Mann angemeldet haben, eine solche Chance kommt so schnell nicht wieder, und dann so ein Handiap! Es ist zum Aus-der-Haut-fahren! Obwohl es saukalt ist, fahre ich im Overall, vielleicht kriege ich den Schmerz mit Massage etwas weg, aber auch das hilft nicht wirklich. Dann ist es soweit, ich stehe am Start...

Es ist ja eines der letzten Rennen in Österreich heute, daher treffe ich viele Fahrer hier zum letzten Mal. Man schwätzt, plaudert, die Zeit vergeht, das Wetter wird auch immer besser. Und ich vergesse meinen Schmerz beinahe...

Ach ja, der verletzte Hans hat sein Rennen gewonnen, mir haben auf Platz 3 beschissene 13 Sekunden gefehlt! Ich bin irgendwie froh, als ich im Auto sitze und heimwärts fahre. Es ist kaum zu glauben, aber wahr: nach dem Rennen ist der geschwollene Schleimbeutel beinahe verschwunden - wie zum Hohn. Ich ärgere mich gar nicht mehr.

 

 


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