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Tagebuch 2010/Teil 3 (ab September)

 

Mittwoch, 22. September 2010

Bin heute 112 km gefahren, kreuz und quer durchs Leibnitzer Becken, es war windig, aber flach (gerade mal knappe 300 Höhenmeter). Das verletzte rechte Knie hat geschmerzt, jeder Kurbeltritt hat weh getan. Eigenartigerweise war es egal, ob die Belastung größer war oder nicht. Naja, es war mir egal, der Schmerz war nicht sehr groß, und ich bin halt einfach drauflos gefahren.

Am Wochenende stehen jetzt zwei Zeitfahren auf dem Programm. Nach Berlin fahren? Nein, nicht mein Fall. Okay, es wäre nicht so weit, wie es aussieht, aber trotzdem. Jetzt habe ich zwei Zeitfahren, am Samstag in der Rachau bei Knittelfeld, am Sonntag dann in Zillingdorf bei Wiener Neustadt. Und das Wetter soll auch noch umschlagen. Der Winter soll kommen, naß, kalt, das typische Wochenendwetter halt.

Samstag, 25. September 2010: BERGZEITFAHREN ST. LORENZEN BEI KNITTELFELD - GLEIN/RACHAU

Wie erwartet: saukalt, 11°, strömender Regen, da vergeht einem wirklich jede Motivation. Der Veranstalter kann natürlich nichts dafür. Die Strecke ist geringfügig länger als beim letzten Mal, heute geht es nach Glein, das letzte Mal sind wir noch nach Rachau raufgefahren. Die neue Strecke erweist sich als sehr viel schwerer, ein flacher, unendlich leicht aussehender Anstieg, der sich das knüppelhart erweist.

The Messenger - for The God issue of Working Class

Das "Styrian Time Trial" in der Obersteiermark wurde 2007 erstmals ausgetragen, dann noch 2008, heuer also nach einjähriger Pause zum dritten Mal. Der Gründer dieses Rennens ist der Radsportgeschäfts-Inhaber Roman Gruber. Unter Mithilfe von Franz Asböck (Organisation) und der Werbe- und Eventagentur "Eyecatcher" wird dieses Rennen relativ professionell organisiert. Jetzt gibt es im Raum Knittelfeld ein erstklassiges Jedermann-Rennen. Und schon von Anfang an gab  es dabei für die Hobbyfahrer und Amateure die interessante Möglichkeit, sich mít Profis zu messen. Heute sind dies Markus Eibegger und Stephan Rucker.

Das Aufwärmen ist ein Problem, es gibt im ganzen Ort nichts Überdachtes. Es regnet immer stärker, die Wolken kommen immer tiefer, es wird immer kälter. Als ich mir mit dem Auto die Strecke anschaue, habe ich schon patschnaße Füße.

Vor der Preisverteilung gehe ich in Knittelfeld noch schnell einkaufen, hetze wieder zurück, komme gerade zurecht. Und gewinne einen Freßkorb, eine steirische Brettljause. Hätt ich mir das Einkaufen sparen können! Die Probleme eines Regenrennens: gleich nach der Heimfahrt Wäsche waschen, morgen brauche ich sie trocken wieder! Dann lege ich mich in die Badewanne, werde sehr schnell sehr müde und schlafe beinahe ein...

Sonntag, 26. September 2010: EINZELZEITFAHREN IN ZILLINGDORF

Nächstes Rennen, nächste Chance, nächstes Zeitfahren: diesmal ist es das "Pippi"-Gedenkrennen, wieder ein Zeitfahren, diesmal in Zillingdorf bei Wiener Neustadt, 29 hügelige und schwere Kilometer stehen bevor. Und das bei diesem Sauwetter!

Kurz zur Geschichte dieses kuriosen Rennens: Im Gedenken an den viel zu früh verstorbenen Freund und Radkollegen Franz "Pippi" Füssl (gestorben am 7. Juni 2009) wird dieses Rennen als Gedenkrennen an ihn gefahren. Im Jahr 1988 fanden sich einige Radlerkollegen in der "Edergrube" in Zillingdorf bei Wiener Neustadt ein, um bei einem Einzelzeitfahren ihre Kräfte zu messen. Darunter auch Franz "Pippi" Füssl, legendärer Torhüter verschiedener Vereine. Gerade mal 15 Teilnehmer starteten bei diesem Rennen, "Pippi" wurde 10. 21 Jahre danach wurde "Pippi" durch eine lange Krankheit aus dem Leben gerissen. Der LC Blattla aus Zillingdorf hat sich daher entschlossen, im Gedenken an den langjährigen Freund und Wegbegleiter ein Gedenkrennen zu organisieren. Zu seinen Ehren blieb die Strecke aus dem Jahr 1988 gleich.

Franz "Pippi" Füssl

Das Wetter ist nicht viel besser als gestern, also fahre ich mit gemischten Gefühlen daheim weg. Doch je länger ich fahre, desto trockener wird die Straße, obwohl tiefe, dicke Gewitter- und Regenwolken den Himmel bedecken. Bis zum Wechsel geht´s so halbwegs, dann ruft mich der Hans an. Er ist gerade aufgestanden, es regnet in Strömen. Er fährt bald los. Und schimpft wie ein Rohrspatz über das Wetter. Auch ich freue mich nicht gerade. Dann bin ich in Aspang, es ist immer noch trocken, aber kurz vor Wiener Neustadt beginnt es zu nieseln. Scheiße! Und mit einem Mal ist auch ein Sturm da, der einem den Atem nimmt. Einige Male verschlägt es mir das Lenkrad!

Ich mache mit dem Hans noch aus, daß er sich bei seiner Anfahrt den ersten Teil der Strecke anschaut, ich mir den zweiten. Ich komme über Neudörfl auf die Rennstrecke, fahre dann ab dem Pöttschinger Berg´ins Ziel. Fazit: Rückenwind auf den letzten 5 km, Ortsdurchfahrt in Lichtenwörth sehr eng, kurvig und unübersichtlich. Der Hans schildert mir danach den ersten Teil: zwei Anstiege zwischen Zillingtal und Pöttschíng, dann der endlos lange Pöttschinger Berg. Gefährlich eng und kurvig dann die Zieleinfahrt, und verdammt schmal! Mit der schwer zu steuernden Zeitfahrmaschine ein Himmelfahrtskommando! Als wir dann noch eine Stunde bis zum Start Zeit haben (der Veranstalter hat sich zu einem 30-Sekunden-Startintervall durchgerungen), und es schon klar ist, daß die Straße weiterhin auftrocknet und es keinen Regen mehr gibt, verzichten wir auf die Zeitfahrmaschine. Wir nehmen die Straßenmaschine und schrauben einen Aufsatz drauf, und ab geht´s zum Start.

Das Zielgelände in Zillingdorf

Preisverteilung

Nummernausgabe

Als nette Erfrischung gedacht, ist bei den Temperaturen aber nicht gut angekommen!

Renngericht

So trocken das Rennen auch war, bei der Heimfahrt komme ich hinter dem Wechsel ins richtige Sauwetter rein: Gewitter, Regen, Windböen, etc...

Der Sieg in meiner Altersklasse bleibt ohne "Folgen": es gibt nur zwei Siegerehrungen, eine für eine ältere Klasse (da gewinnt der Hans) und eine für die Jüngeren, die sind naturgemäß schneller als ich, meine Klasse haben sie anscheinend zur jüngeren dazugerechnet. Pro Klasse gibt es 5 Preise, ich gehe als Klassensieger daher leer aus. In der Tageswertung bin ich Elfter...

Naja, alles in allem ein beinahe perfektes Rennwochenende: gestern Zweiter, heute Sieger - der fünfte Saisonsieg in diesem Jahr! Von mir aus kann´s so ruhig weitergehen...

Montag, 27. September 2010: JURE ROBIC TOT!

Extrem-Radsportler Jure Robic bei Verkehrsunfall gestorben

Der slowenische Ausnahmesportler Jure Robic ist am Freitagnachmittag gestorben! Beim Mountainbiketraining wurde er in der Nähe seiner Heimatstadt Jesenice von einem Auto angefahren und starb noch an der Unfallstelle. Er kollidierte auf der Abfahrt in der Kurve eines Waldweges mit dem Auto eines 55jährigen Einheimischen. Der Unfall ereignete sich um ca. 14 Uhr in Plavski rovt, etwa 5 km von seinem Wohnhaus entfernt. Die örtliche Polizei untersucht den Vorfall derzeit noch. Er war im Training für die bevorstehende Crocodile-Trophy in Australien gewesen.

Mit ihm verliert die Langstreckenszene ihr allergrößtes Aushängeschild.

Der fünffache Race-across-America-Sieger wurde 45 Jahre alt, er hinterläßt eine Frau sowie einen 6jährigen Sohn. Geboren am 10. April 1965 nahm der Berufssoldat der slowenischen Streitkräfte 1999 mit der Crocodile Trophy an seinem ersten Langstreckenrennen teil, belegte dabei den 3. Platz. 2004 stellte er mit 834,770 km einen neuen 24-Stunden-Weltrekord auf. 2005 gewann er die Premiere der "Tour Ultime", bei der die Gesamtstrecke der Tour de France nonstop gefahren wird.

Die Unfallstelle

In seinen 20ern war er Mitglied der slowenischen Straßen-Nationalmannschaft, verlagerte seinen Schwerpunkt dann aber sehr bald in den Ausdauerbereich. Obwohl ein ausgezeichneter Straßenrennfahrer, hatte er hier nie den Durchbruch geschafft. 2004, 2005, 2007, 2008 und 2010 gewann er das Race across America - ein einmaliger Rekord.

Gut check

Jure Robic in Colorado bei seinem 5. RAAM-Sieg.

Die brasilianische online-Plattform "esportes.terra.com.br" schreibt über den Unfall: "Das Radsportidol Jure Robic starb Freitag nachmittag bei einem Verkehrsunfall in der Nähe seiner Heimatstadt Jesenice in Slowenien. Der 45jährige Langstreckenspezialist trainierte auf einem single-track im Wald, ehe er eine Straße überquerte und mit einem Auto kollidierte, das von einem 55jährigen Einheimischen gelenkt wurde. Nur Minuten später trafen die Notärzte an der Unfallstelle ein, fanden den Rennfahrer aber tot vor. Nach Berichten der slowenischen Zeitung DELO wird der Vorfall von der örtlichen Polizei noch untersucht."

Jure Robic erreichte in seiner Radsportkarriere mehr als 100 Siege und 150 Podiumsplazierungen.

Da fährt der Typ 40.000 km im Jahr und dann endet ein Unfall 5 km vor der Haustür tödlich - was für ein Scheiß!

 . Foto: Race Across America/Divulgação

Jure Robic

Dienstag, 28. September 2010

Komisches Wetter, nicht kalt, nicht warm, windig, ich habe heute überhaupt null Bock aufs Training. Fühle mich gar nicht gesund, der Ruhepuls war heute früh bei 62, viel zu hoch. Ich spüre, daß eine Krankheit in mir steckt. Sollte ich mich am Samstag in Knittelfeld verkühlt haben? Das hätte mir gerade noch gefehlt!

Mittwoch, 29. September 2010

Gestern hat sich´s abgezeichnet, heute ist es soweit! Halsweh, Kopfweh, Gliederschmerzen. Ich wollte am Samstag im Veneto in Italien fahren, das hat sich jetzt erübrigt. Mit einer solchen Vorbereitung kann ich´s vergessen. Der Hans wollte natürlich auch, daß ich am Kolsassberg am Sonntag fahre, aber so, wie´s jetzt aussieht, hat eine so weite Anreise überhaupt keinen Sinn.

Donnerstag, 30. September 2010

Gestern bin ich keinen Meter gefahren, heute dafür zwei Stunden lang in der heißen Badewanne gelegen. War nachher auch nicht viel besser. Ich habe zwar kein Fieber, bin aber trotzdem ganz schön krank. Scheiße aber auch. Hab das Wochenende bereits gecancelt, fahr jetzt, wenn´s überhaupt geht, am Sonntag in Seiersberg.

Freitag, 1. Oktober 2010

Bin wieder im Sattel gesessen, bin ein paar Kilometer gefahren, und das war nicht mal so schlecht! Tempo fahren ist nicht drin, aber ich bin zwei Stunden herumgetorkelt, die Wettervorhersage fürs Wochenende ist gut, heute hat´s geregnet, und ich hab gleich eine neue Verkühlung riskiert. Vielleicht rapple ich mich bis Sonntag noch auf.

Samstag, 2. Oktober 2010

Heute ein schöner, warmer Tag, ich bin wieder zwei Stunden gefahren, ein paar Intervalle. Am Anfang ist´s gegangen, nachher aber macht sich gleich ein flaues Gefühl im Magen breit. Ein Bergrennen wie das in Kolsass ist undenkbar, da würde ich ganz klarer Letzter werden. Bei einem Kriterium aber, noch dazu einem so kurzen, Fahrtzeit gerade mal eine halbe Stunde, naja, da traue ich mir doch einen Platz im Mittelfeld zu.

Sonntag, 3. Oktober 2010: KRITERIUM "RUND UM DEN BURGERKING" IN GRAZ-SEIERSBERG

Das ist wieder ein Scheißtag! Bereits um 9 Uhr früh hat´s leicht zu nieseln begonnen, tiefer, dicker Nebel, keine Sicht, naßkalt, das ist ja ein unglaubliches Scheißwetter!!! Und die Wettervorhersage - zur gleichen Zeit wohlgemerkt! - lautet immer noch auf Schönwetter! Bei 9° am Vormittag bin ich schon in Seiersberg, schaue mir die Nachwuchsrennen an, dann wird mir einfach nur kalt. Ich ziehe mich ganz winterlich an und fahre dann zwei Stunden bis Wildon runter und zurück, dort ist dann auch die Straße trocken, es nieselt nur hier in Graz!

Und das Rennen selber? Im Zielsprint einen Stockerlplatz vergeben, was soll ich dazu sagen? Schwamm drüber, ich war nicht nur körperlich angeschlagen, auch mental war ich nicht auf der Höhe. Die Krankheit, die schwache Form, das Wetter, die Motivation ist im Keller geblieben...

Das Rennen ist gleichzeitig Schlußveranstaltung des Burgerking-Nachwuchscups, des Steirischen Mastercups, ist gleichzeitig Kärntner und Steirische Landesmeisterschaft - nur, die Starter waren halt nicht da! 11 Mann am Start (aber das waren zwei Altersklassen!), davon ein Slowene - wahrlich kein überschwengliches Teilnehmerfeld! Dazu das triste Wetter - es war alles in allem ein absolut echtes Abbild des österreichischen Radsports!

Montag, 4. Oktober 2010

Es geht besser, ich fühle mich langsam wieder etwas gesunder...

Mittwoch, 6. Oktober 2010

Habe heute erstmals seit dem Burgerking-Kriterium wieder ernsthaft trainiert, bin 85 km gefahren, schnell, zügig, aber es war halt eine ganz flache Strecke.

Donnerstag, 7. Oktober 2010

Heute erstmals seit über einer Woche habe ich mich richtig gesund gefühlt und bin auch dementsprechend gefahren. 100 km mit 29,5 km/h Schnitt. Das Wochenende kann kommen. Am Samstag also das Bergzeitfahren in Oberaich, am Sonntag stehen mehrere Optionen zur Auswahl: in Venetien ein Straßenrennen, in Wels ein Rundstreckenrennen, in Slowenien ein Straßenrennen, in Ungarn ein Rundstreckenrennen...

Samstag, 9. Oktober 2010: BERGZEITFAHREN IN OBERAICH

Herrlich schönes Wetter, aber saukalt! Und die Form spielt doch nicht mit, ich weiß nicht... War optimal aufgewärmt, aber die Leistung war dann doch nicht das Erhoffte... eher bescheiden...

Die Preisverteilung danach war dann am späten Nachmittag, da war es so saukalt, trotz Sonnenscheins, daß ich gefroren hab!

Bin heute etwas niedergeschlagen und frustriert. Nichts ist so gelaufen, wie ich mir das vorgestellt hatte. Sicher, das Training war in der letzten Woche unter jeder Kritik gewesen, dazu die Krankheit... Aber ich hab halt doch gehofft, leider vergebens... War fast 3 Minuten hinter der Tagesbestzeit, das sind Welten!

Zieht sich wie ein roter Faden durch diese Saison: so wenig Starter wie nie zuvor! Ich erinnere mich, hier bei diesem Rennen meist so knapp über 100 Starter gesehen zu haben - heute waren es 53... Das Wetter hätte besser nicht sein können, daran kann es also nicht gelegen sein - was war dann der Grund?

Sonntag, 10. Oktober: STRASSENRENNEN IN PTUJ (SLOWENIEN)

Habe kein Autobahnpickerl für Slowenien, jetzt zahlt es sich auch nicht mehr aus, also mußte ich auf Landstraßen in den Süden fahren. Hat etwas länger gedauert. Ein Problem war es dann, die Rennstrecke überhaupt zu finden, hab viel zu lange herumgesucht, die Ausschreibung war sowas von unklar, ich dachte, der Start sei irgendwo in der Stadt, dabei war er in Nova vas, einem kleinen Vorort, der keine Ortstafel hat - na, wie soll ich das denn finden? Hab mir dann die Strecke angesehen, eine 21 km lange Runde mit zwei Anstiegen gleich zu Beginn, nicht steil, der erste so 2 bis 3 %, der zweite durchschnittlich 5 %, die Kuppe mit 8 %, etwa 1,5 km lang, also nichts Weltbewegendes. Rundenanzahl war gar keine angegeben, ich hab halt mit 2 oder 3 Runden gerechnet, war dann ziemlich überrascht, als es geheißen hat, wir fahren 5 Runden!

Ich hatte mächtig Glück, daß ich instinktiv noch eine Trinkflasche mit eingepackt habe, sonst wäre ich jämmerlich verdurstet! Das Rennen selber war eine Entschädigung für die gestrige Enttäuschung, ich hab gewonnen, und das gleich mit zweieinhalb Minuten Vorsprung! Aber ich muß gestehen, das hab ich nur geschafft, weil wir mit der jüngeren Klasse zusammen gestartet sind, mit denen bin ich mitgefahren und war der einzige aus der Klasse 50+, daher der Sieg. Und übernommen hab ich mich auch, ich war am Ende völlig tot, mausetot, hätte keinen Kilometer länger durchgehalten...

Schon auf der Heimfahrt hab ich mich wieder krank gefühlt, entsetzlich müde, abgespannt, ausgebrannt, einfach fix und fertig...

Montag, 11. Oktober 2010

Das Wetter ist wieder etwas wärmer geworden, kaum ist das Wochenende vorbei. Die Saison 2010 biegt in ihre Zielgerade. Lange dauert´s nicht mehr, und wieder ist ein Jahr vorbei. Ich täusche mich doch nicht, daß die Jahre immer schneller vergehen, je älter ich werde! Ist das eine Alterserscheinung? Mir ist, als hätte die Saison gestern erst angefangen! Und wenn ich dann einen Blick auf meine Ergebnisse werfe, mein Gott, wann bin ich alle diese Rennen denn gefahren?

Es ist logisch, daß man einer zu Ende gehenden Saison nachtrauert, wenn die Form sehr gut ist. Aber das ist ein Naturgesetz, irgendwann ist´s vorbei, meistens dann, wenn es am schönsten ist! Ein paar Rennen noch, ich muß die Form so lange wie möglich halten, in spätestens einem Monat ist sowieso alles vorüber.

Jetzt wird der Aufwand immer größer, in Österreich daheim gibt´s jetzt keine Rennen mehr, ich muß also immer weiter wegfahren. Und im gleichen Maße wird durch das Wetter das Training daheim schwieriger und schwieriger. Aber jetzt möchte ich mal die letzten Rennen so richtig genießen...

Dienstag, 12. Oktober 2010: RADSPORTBLOGS

Wenn die Tage jetzt immer kürzer und kälter werden, wenn es hinterm Ofen immer gemütlicher wird, dann ist die Zeit gekommen, mal einen Blick auf ein paar Radsportblogs zu riskieren, die da im Netz herumschwirren. Ein paar sind nämlich von wirklich bemerkenswerter Qualität. Hab ein paar für euch rausgesucht:

www.le-grimpeur.net

www.sprinterdellacasa.blogspot.com

www.belgiumkneewarmers.com

www.redkiteprayer.com

www.6yearsinaraincape.com

www.fatcyclist.com

Ich könnte die Liste endlos lange fortsetzen, aber ihr könnt auch selber suchen.

Mittwoch, 13. Oktober 2010

Bin heute bei erstaunlich warmem Wetter eine 110-km-Runde gefahren. Flach zwar, aber schnell. Training fürs Wochenende, in Massanzago im Veneto steht ein 100-km-Rennen an. Aber im Finale, die letzten 10 bis 15 km, die waren zäh. Ich hab gemerkt, daß ich ZU LANGE keine langen Distanzen gefahren bin. Es hat mich einige Mühe gekostet, da das Tempo noch hoch zu halten.

Donnerstag, 14. Oktober 2010

War heute in Spielfeld unten, das waren knappe 120 km. Aber am späten Nachmittag sind schon wieder eine Menge Wolken aufgezogen. Die Trainingsrunde hat mir heute richtig getaugt. Hab ziemlich voll reingehalten, bin einige Intervalle mit 45 km/h gefahren. Und am Ende hatte ich einen Schnitt von 31,4 km/h!

Von so einer Form kann ich im Frühjahr nur träumen...

REST IN PEACE, FRANZ!

Mag. Franz Winter, Lehrer am PRG St. Rupert in Bischofshofen, ist heute bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen. Wenn ich daran denke, daß ich in Stadl/Mur noch mit ihm gesprochen habe und wir gelacht und geschäkert haben, dann macht es mich betroffen, daß er jetzt nicht mehr unter uns ist. Mit 57 ist er viel zu früh gegangen und es führt einem wieder einmal vor Augen, wie saugefährlich unser Sport ist. Der Straßenverkehr wird von Monat zu Monat gefährlicher, und wie man sieht, lebensgefährlicher. Wir alle kennen das Risiko, wir alle nehmen´s in Kauf. Und doch ist es so verdammt unnötig.

Only the good die young!

Samstag, 16. Oktober 2010: RUNDSTRECKENRENNEN IN TEISBACH/DINGOLFING

Ich weiß auch nicht, warum, aber die deutschen Rennen gehen irgendwie alle an mir vorbei. Dort fahre ich kaum, dabei gib´s auch jenseits der Grenze eine ganze Menge davon. Eines davon bin ich heute gefahren, das Rundstreckenrennen "Kirtarennen" in Teisbach, einem Ortsteil von Dingolfing. Die Anfahrt war mühsam. Zunächst durchs Ennstal rauf, dann über den Walserberg auf die deutsche Autobahn Richtung München. Aber dann haben die Probleme begonnen.

Soll ich schon in Traunstein runter? Oder erst in Rosenheim? Oder soll ich gar über München fahren? Das wäre die mit Abstand längste Variante, aber auch die schnellste. Ich hab mich für Traunstein entschieden, die kürzeste. Hab mir so an die 80 km erspart. Aber dafür hab ich auf schmalen, engen Landstraßen höchstens 60 km/h Schnitt fahren können. Und weil am Ende dann noch eine großräumige Umleitung dazugekommen ist, die mittendrin nicht mehr angeschrieben war, hat´s am Ende länger als erwartet gedauert. Bin trotzdem genau 64 Minuten vor dem Start angekommen.

Von daheim weg hat´s geregnet! Und zwar in Strömen! Wenn man stundenlang durch eine solch unangenehme Waschküche gaukelt, ist das bei Gott nicht aufbauend! Je näher man dem Startort kommt, desto mehr denkt man ans Rennen. Alles wird dreckig, das Rad, die Trikots und die Hose, dazu die Kälte, der Dreck im Gesicht, in den Augen, Ohren, im Mund, die Sturzgefahr, die Bremsen ziehen nicht ordentlich, und, und, und...

Natürlich hat der Regen nicht aufgehört, natürlich ist es wieder einmal ein Regenrennen geworden. Viele Leute fragen mich immer wieder, wie man sich denn gegen den Regen schützt... Wenn die wüßten! Gegen den Regen kann man sich nämlich gar nicht schützen! Gegen die Kälte schon, aber gegen den Regen... Ich hab da so, wie alle anderen auch, meine eigenen Mittelchen, so nach dem Motto: Es gibt kein Sauwetter, nur ungenügende Kleidung! Um klarzustellen: ich rede jetzt nicht von einem Sommerregen, bei dem es noch so an die 25° hat, ich rede vom JETZIGEN REGEN, gerade noch Plusgrade, dicker Nebel ganz dicht über dem Boden, die Nässe ist unangenehm kalt und glitschig und kriecht durch alle Ritzen und Fugen, die kalte, die eiskalte Luft füllt einen von innen her aus.

Es macht nicht viel Sinn, mehrere Schichten und Lagen anzuziehen, denn das Zeug wird ja alles naß und damit kalt und schwer. Dann ist doppelt oder gar dreimal so viel Zeug dreckig und zu waschen. Und helfen tut dir das gar nichts. Nein, zwei Schichten genügen, zwei Paar Socken, dazwischen einen kleinen Plastiksack, damit die Zehen trocken bleiben. Über die Schuhe ein Paar Überschuhe, den oberen Rand abkleben, damit dieser Weg der Nässe verwehrt bleibt. Dasselbe passiert am Oberkörper. Unterhemd, dann Kurzarmtrikot und Ärmlinge, dann folgt ein großer Plastiksack, der in umgestülpter Form über den Kopf gezogen wird. In der Mitte habe ich eine größere runde Öffnung reingeschnitten (für den Kopf), an den Seiten jeweils zwei kleinere (für die Arme). Das ist meine eigene kleine Regenpelerine, darüber folgt dann nochmal ein Kurzarm- oder ein Langarmtrikot. Damit kann´s auch um den Gefrierpunkt haben, mir wird nicht kalt. Und genauso präpariert bin ich in Dingolfing gestartet. Die 7° und strömender Dauerregen haben mir gar nichts gemacht. Das sehr viel unangenehmere Ding ist dann das Umziehen nach dem Rennen.

Zunächst mal krieche ich ins Auge rein, aber Achtung, immer auf den Beifahrersitz! Denn mit dem naßen Gewand machst du sonst den Fahrersitzt ganz naß, das soll ja auch nicht sein! Ich lege immer einen großen Plastiksack unter, das trockene, warme Gewand für danach richte ich schon vor dem Rennen griffbereit her. Dann also die Schuhe ausgezogen, die Socken, da drücke ich dann gut einen Liter Schmutzwasser raus, inzwischen laufen die Scheiben an, das naße Gewand klebt förmlich wie mit Superkleber am Körper, das kriegt man gar nicht so einfach runter, und rühren kannst dich im Auto sowieso nicht. Die Gelenke tun weh, du bist ausgefroren, die Zähne klappern, dauernd rinnen dir Wasser und Dreck von den Haaren in die Augen, sdann das Trikot vom Körper, die ganzen Unterschichten, wohin jetzt mit dem naßen Zeug? Natürlich muß ein weiterer Plastiksack für das Schmutzgewand bereit sein, dann werden die neuen, trockenen Sachen angezogen, die Socken, die nicht über die Füße gehen, weilst in den zittrigen Fingern kein Gefühl hast. Naja, das alles ist ein Martyrium, irgendwann bist fertig, eine dicke Winterjacke drüber, dann wieder raus ins Sauwetter, jetzt mußt du das Rad noch verstauen und dabei darauf achten, daß du nicht WIEDER naß bis auf die Haut wirst! Da gewinnt ein überdachter Parkplatz enorm an Bedeutung.

Es ist eine rührige Preisverteilung gefolgt, ich bin als Dritter am Stockerl gestanden. Danach über die A 9 und München Rückfahrt nach Wörgl, wo ich gegen 20 Uhr eingetroffen bin. Natürlich hat´s inzwischen immer noch geregnet. Schließlich steht ja auch noch ein Renntag bevor.

Einige wenige Kilometer vor Wörgl plötzlich ein lautes Brummen und Grollen, und mein Volvo 360 verwandelt sich urplötzlich wieder in einen JAGDPANZER! Die Auspuffdichtmasse, mit der ich das Loch seit Monate kitte, ist wieder mal rausgefallen. Heute kommt aber auch alles zusammen! Natürlich ist es um diese Zeit schon stockdunkel. Ich also beim Hans in die Einfahrt reingefahren, ich denk mir nicht viel dabei, schließlich hab ich immer so eine Dose Dichtmasse dabei. Blöd ist jetzt nur der Regen, aber ich darf nicht warten, denn  die Nacht über muß das Zeug aushärten, also nur schnell das Notwendigste aus dem Auto rausgeräumt, die Rennschuhe, die hab ich mit Zeitungspapier ausgestopft, den Laptop, etwas zum Essen und Trinken, hab Heizung und Wasser im Haus eingeschaltet, damit der Boiler mal Warmwasser aufkocht, dann bin ich mit Taschenlampe bewaffnet unters Auto gekrochen, hab das große Loch im Topf gesehen, ca.10 cm Durchmesser, mach die Dose auf, und die ist, richtig, LEER! Das war wirklich nicht mein Tag heute, und das Samstag Nacht!

Wo kriege ich eine Dichtmasse her? Um diese Zeit? Gegen 22 Uhr? Ich klappere eine Tankstelle nach der anderen ab, von einer schicken sie mich zur nächsten, in meiner Verzweiflung suche ich dann sogar noch den ÖAMTC-Stützpunkt in Wörgl auf, natürlich steht auf der Tür groß drauf, daß am Samstag ab 12 Uhr mittags geschlossen ist, aber ich sehe Licht in der Werkstätte, richtig, da werkelt einer rum, also klopf ich an die Tür.

So sieht mein Topf aus, nur ist das Loch ungefähr 18mal so groß!

Ich habe ausnahmsweise auch einmal Glück. Es dauert etwá 10 Minuten Arbeit mit Abschleifen und Schweißen, und ich bin der glücklichste Mensch in Wörgl. Kann mir eigentlich einer sagen, warum ich das nicht schon vor Monaten gemacht habe????? Ganz schnell ist aus dem Panzer wieder ein Pkw geworden!

Sonntag, 17. Oktober 2010: STRASSENRENNEN IN MASSANZAGO

Das ist wieder mal eine Anreise! Am Brenner oben, wo ich etwa um 7.10 Uhr drüberfahre, hat es +2°, es schneit, rundherum ist alles weiß mit Schnee. Dann geht es runter nach Südtirol, nach Bozen, weiter nach Trento, ins Sugana-Tal bis Bassano del Grappa, es regnet, regnet, regnet, mal stärker, mal schwächer, aber es regnet unentwegt. Unter Bassano passiere ich Cittadella, dann gehts rüber nach Camposampiero und über die S 307 gerade drüber, noch 6 km bis Massanzago. Und natürlich regnet´s auch dort.

Zunächst überlegt der Veranstalter eine Streckenverkürzung, aber das geht nicht, weil das Rennen über eine einzige große Runde führt, die ist schon markiert, mit Streckenposten versehen, da kann man jetzt nicht mehr eine andere Strecke wählen. Also werden die geplanten 100 km gefahren.

Etwa 30 Minuten vor dem Start hört dann der Regen auf, und ca. 10 Minuten vor dem Start reißt die Wolkendecke auf, die Sonne schickt ein paar Strahlen runter. Kein Mensch denkt mehr an eine Verkürzung, es hat 11°, die Straße beginnt aufzutrocknen, was will man mehr??? Ich ziehe mein Kurzarmtrikot an, darunter Ärmlinge, das reicht. In der Euphorie merkt gar niemand mehr, daß das Wetter wieder zuzieht, dunkle Wolken schieben sich heran, und wir sind noch gar nicht aus Massanzago draußen, als die ersten Tropfen fallen, diesmal schwere, große Tropfen. Was soll ich noch viel sagen? Etwa 5 Minuten später waren wir alle bis auf die Haut naß, ein Wolkenbruch ist niedergegangen, der bis zum Zieleinlauf nicht mehr nachgelassen hat! Die Temperatur ist von 11° auf 5° gefallen, Plusgrade waren´s schon noch!

In Alpinfilmen sieht man immer wieder mal irgendwelche Bergsteiger, die unter dramatischen Umständen in irgendeiner Schneewächte erfrieren. Seit heute weiß ich ganz genau, wie sich sowas anfühlt! Fahrt mal im Regen, fahrt mal im kalten Regen, fahrt mal im eiskalten Regen, bei 5°C, und das gut zweieinhalb Stunden lang! Wenn du schon nach 7 Minuten frierst! Die Vorarbeit leistet der feine Sand, Sandkörner im Millimeterformat zwängen sich zu Tausenden in alle Körperöffnungen, in die Ohren, die Nasenlöcher, zwischen die Zähne, die Augen brennen, entzünden sich, etwa alle 25 bis 30 Sekunden muß ich meine Brillen sauberwischen, das sind etwa 350mal! Rechts und links. Und die Konzentration beim Fahren darf natürlich auch nicht nachlassen. Jedes Bremsmanöver bricht mích in akute Sturzgefahr, jede Kurve sowieso. Ich sehe kaum was, die Augen brennen, die Brillen sind dreckverschmiert und auch noch angelaufen. Irgendwer hat mal gesagt, RADSPORT MUSS SPASS MACHEN! Ich komme beizeiten darauf zurück...

Bei der Preisverteilung klappern die Zähne noch ganz automatisch und aus Gewohnheit, ich bringe vor Kälte kein Wort heraus. Dann schnell ins Auto, Heizung voll aufgedreht und rauf auf die Autobahn. Ich überlege nicht lange, fahre nach Süden, über Noale und Santa Maria di Sala in Dolo-Mirano auf die Autobahn. Und erst wieder in Graz-Ost runter. Um 21.45 Uhr bin ich daheim. Nach 1500 km Autofahrt im strömenden Regen. Und 130 km am Rad im strömendem Regen. Und das alles bei maximal 7°. Ich kann alle verstehen, die sagen, Radsportler seien total verrückt!

Eine Unmenge Wäsche ist zu waschen, alles naß und dreckig und stinkt. Ich lege mich selber in die heiße Badewanne und taue langsam wieder auf. Ist nicht nächste Woche das Straßenrennen in Caorle? Wieder ein 100-km-Rennen... the show must go on!

Mittwoch, 19. Oktober 2010

Es ist wieder einmal so weit: leicht erhöhter Ruhepuls, trockener Mund, leichte Schmerzen beim Schlucken = ein Infekt ist im Anmarsch!

Donnerstag, 20. Oktober 2010

Der Kampf ist eröffnet! Der Kampf der Bazillen und Viren um meine Gesundheit! Bin heute 63 km gefahren, flach, in 2:09 Stunden, aber es war trotz heiterem Himmel und Sonnenschein verdammt kalt, und mir ist´s gar nicht gut gegangen: leichte Kopfschmerzen, Schnupfen (die Nase rinnt, ich muß ungefähr 20mal am Tag nießen), manchmal habe ich das Gefühl, Fieber zu haben, obwohl ich keines hab!

Irgendwie Scheiße, immer, wenn die Form gut ist, wenn sie sehr gut ist, sinkt im gleichen Maße die Immunabwehr, und da ist es nur mehr eine Frage der Zeit, bis man sich einen Infekt einfängt. Ich behaupte sogar, eine Hochform wird IMMER durch einen Infekt beendet!

Bei mir war´s wohl das letzte Wochenende, der viele Regen, die Kälte, diese tiefen Temnperaturen, das war zuviel.

Jetzt ist´s wohl mit einer Top-10-Plazierung am Wochenende beim Straßenrennen in Caorle vorbei. Und weil um diese Jahreszeit ja nur mehr eine Plazierung interessant ist, weil man da keinen Aufbau und kein Training mehr braucht, muß ich mich auch fragen, ob ich in einem solchen Zustand überhaupt hinfahren soll. Naja, mal sehen, wie´s weitergeht, meine Gesundheit und das Wetter.

Freitag, 21. Oktober 2010: SPORT AUF DER SCHIEFEN BAHN

Bezüglich Fairness sollte der Sport so etwas wie ein Vorbild sein. Sollte.

Das Gegenteil ist der Fall: die Sportwelt ist zum Abziehbild einer verdorbenen Gesellschaft geworden, in der Politiker und andere Promis an Skandalen gemessen werden - nicht an Leistungen.

Wie krank ist ein spanisches Basketball-Team, dessen Spieler sich im Jahr 2000 als behindert ausgaben, um eine Medaille bei den Paralympics zu erringen?

Wie irre ist allein der Vorwurf gegen den Schweizer Radprofi Fabian Cancellara, der seinen Drahtesel mittels Elektromotor auffriesiert haben soll?

Wie gruselig ist die Blut- und Hormonpanscherei von Ausdauer-Sportlern?

In der wievielten Terminator-Fortsetzung ist Gendoping erfunden worden?

Wie arrogant ist ein Formel-1-Zirkus, in dem eine verbotene Stallorder mit einer Alibi-Strafe von 100.000.- $ legalisiert wird, obwohl der finanzielle Nutzen des abgekarteteten Spiels zwischen Massa und Alonso für Ferrari ein Vielfaches beträgt?

Wie gestört ist ein selbsternannter Skyrunner, der einfach nur behauptet, auf den zweithöchsten Berg der Welt gelaufen zu sein? Übrigens war der Berg-Münchhausen Christian Stangl offenbar nicht einmal tausend Meter unter dem Gipfel, sondern soll irgendwo in der Nähe des Basislagers im Zelt gelegen sein und ein spannendes Buch gelesen haben.

In der Ära Nicolae Ceausescu soll es Pläne gegeben haben, das Spielfeld des Bukarester Stadions auf eine Achse unterhalb der Mittellinie zu legen, um es zugunsten der Heimmannschaft um ein paar Grad neigen zu können. Die Hinrichtung des rumänischen Diktators am 25. Dezember 1989 mag dieses Projekt vereitelt haben. So bleibt es einstweilen nur eine optische Täuschung, wenn ein Match auf einer schiefen Ebene abläuft.

Doch auf die schiefe Bahn ist der Sport längst geraten. Kriminelle Profitgier, irrwitziger Ehrgeiz und pathologischer Geltungsdrang. So heißen die aktuellen Werte des Sports.

Was ist dagegen der Frust über einen nicht geschafften Sieg? Es gibt schlimmere Sünden in der Welt des Sports.

DOCH NACH CAORLE

Wieder ein schlimmer Tag heute. Kalter Schweiß, Kopfschmerzen, Gliederschmerzen, trockener Mund, Schluckbeschwerden, leichter Schwindel - muß ich noch weiter aufzählen? Vor dem Fernseher schlafe ich sofort ein, vor dem PC-Bildschirm schmerzen und tränen die Augen, im Bett liegend ist sofort die Nase verstopft. Ich glaube, ihr wißt alle, wovon ich rede.

Es macht ganz genau keinen Sinn, in einem solchen Zustand ein Rennen zu fahren. Noch dazu eines im Ausland, eines mit großem Aufwand. Aber ich will´s ja nicht wahrhaben. Glaube insgeheim immer noch, daß ich vielleicht sogar gewinnen kann.

Warum? Weil ich heute zweimal eine Nasenspülung gemacht habe, mit Salzwasser (es gibt ja wohl kaum was Grauslicheres!!), und danach geht´s mir besser. Aber ich bin die ganze Woche nicht am Rad gesessen, war ja kaum mit dem Hund spazieren. Das ist ein viel zu großes Handikap, ich weiß es ja. Wer nicht hören will, muß halt fühlen.

Samstag, 23. Oktober 2010: STRASSENRENNEN IN CAORLE

Ich hab´s ja geahnt! Naja, für meinen Zustand bin ich ein geradezu sensationelles Rennen gefahren! Ich kannte die Strecke, die Konkurrenz und mich bzw. meinen Zustand. Dementsprechend waren auch meine Erwartungen. Viereinhalb Stunden im Auto gesessen, auch nicht gerade die ideale Vorbereitung, wenn man dann genau 51 Minuten vor dem Startschuß ankommt.

Der Spätherbst ist in Italien ja die Zeit der langen Straßenrennen. Nach dem 100-km-Rennen der Vorwoche jetzt also das nächste, auf dem traditionell klassischen 33-km-Kurs in Caorle.

Ich war sowas von tot, kaum zu beschreiben! Aber durch das Ergebnis (Platz 15) bin ich übermütig bzw. größenwahnsinnig geworden und am späten Abend weitergefahren in Richtung Padua nach Lovertino, wo morgen das nächste Rennen am Programm steht.

Wenigstens war das Wetter heute nahezu perfekt: trocken, leichter Wind, 17°! Und die Meeresluft hat meinen kranken Bronchien unheimlich gutgetan!!!

Mit ein Grund für die immer sehr starke Besetzung hier in Caorle ist neben der Distanz auch die Tatsache, daß es sich hier immer um die Abschlußveranstaltung des Giro Alto Adriatico handelt. Und dieser Bewerb bestand heuer gar nur mehr aus 3 Rennen, damit ist natürlich jedes hart und heiß umkämpft. Der Auftakt zu dieser Rennserie fand am 8. Mai in Cortellazzo bei Jesolo statt, danach folgte am 19. August das Straßenrennen in Portovecchio, ehe dann eben am 23. Oktober in Caorle das Finale anstand.

Sonntag, 24. Oktober 2010: STRASSENRENNEN IN LOVERTINO

Hätt ich´s doch bleiben lassen!!! Es gibt im Radsport keine Wunder, und so muß ich es akzeptieren, daß ich schwere Beine  hatte, schlecht geschlafen hatte, in der Nacht hatte ich ein traumatisches Erlebnis, als ich im Halbschlaf die Regentropfen auf die Scheibe habe prasseln hören!

Es war von Anfang an der Wurm drin, und das hätte ich wissen müssen, vor allem nach dem gestrigen Rennen! Hab´s eh gewußt, aber halt nicht wahrhaben wollen, vor allem nicht in dieser Dimension!

Auf der unglaublich langen und nervötenden Heimfahrt habe ich an die beiden noch ausstehenden Rennen gedacht, zwei Straßenrennen, jeweils an den beiden folgenden Sonntagen, endgültiger Saisonschluß ist am 6. November in Pramaggiore. Jetzt  muß ich aber erst mal schauen, daß ich so schnell wie möglich gesund werde, den Rückstand einigermaßen aufhole bzw. dann mal sehen, wieviel von der Form noch da ist. Wenn die nicht mehr ausreichend ist, hat das doch wirklich keinen Sinn, dann ist es gescheiter, den Winterschlaf zu beginnen. Scheißverkühlung, die hat mir gefehlt wie eine riesige Eiterbeule mitten im Gesicht!

Dienstag, 26. Oktober 2010: NATIONALFEIERTAG

Bin heute 63 km flach gefahren, es war kalt und sehr windig, aber trocken. Angezogen war ich wie im tiefsten Winter, lange Hose, Langarmtrikot, und trotzdem war mir kalt. Ich hab einfach eine unglaubliche Aversion gegen so ein Wetter. Und díe Saison geht zu Ende, der Winter kommt. Der ist halt absolut nicht meine Jahreszeit.

Ich hab Kopfweh, Schnupfen, und ich merk auch an den Pulswerten, daß ich nicht in Ordnung bin. Daher bin ich auch gleichmäßig langsam gefahren, ist mir jedenfalls so vorgekommen. Es war Bewegungstherapie, nicht mehr.

Mittwoch, 27. Oktober 2010

Halleluja! Esgeschehen ja doch noch Zeichen und Wunder! Ich bin gesund!!!! Bin in der Früh aufgewacht und war pumperlg´sund! Keinerlei Schmerzen oder Beschwerden, der Schnupfen war wie weggeblasen.

Probe aufs Exempel: Bin am späten Nachmittag 90 km flach trainieren gefahren, und es ist anstandslos gegangen. Hatte 28,8 km/h Schnitt, bin substanzmäßig auch nicht eingebrochen. Ich denke schon wieder an die nächsten Rennen am Wochenende.

Donnerstag, 28. Oktober 2010

Heute bin ich meine flache Lieblingsrunde gefahren, runter nach Spielfeld, das waren 118 km, mit 29 km/h Schnitt. Das gestrige Training hab ich natürlich noch gespürt, hatte etwas schwere Beine, bin also noch nicht 100 %ig gesund. Aber doch wieder erstaunlich gut in Form. Also am Sonntag auf nach Rovigo.

Freitag, 29. Oktober 2010

Habe heute beim stundenlangen Herumsuchen im Netz ein Rennwochenende in Lenti, Ungarn, aufgetrieben, das ungarische Saisonabschlußrennen, das ich schon einige Male gefahren bin, ein Straßenrennen in Lenti, heuer ist noch ein Kriterium dazugekommen. Das Straßenrennen ist lang, das liegt mir sicher, und vor allem sind es zwei Rennen an diesem Wochenende und die Anfahrt ist auch nicht lang, gerade mal knappe zwei Stunden.

Bin heute noch 3 Stunden am Rad gesessen, bin 89 flache Kilometer gefahren, fühle mich nach überstandener Infektion wieder ganz gut, aber natürlich habe ich keine Ahnung, wie´s mit den ganz hohen Pulsbereichen aussieht. Die Bronchien sind noch etwas belegt, also da wird´s sicher noch ein Handikap geben. Es war ziemlich kalt heute, windig, bedeckt, trübes Wetter einfach.

Samstag, 30. Oktober 2010: KRITERIUM IN LENTI (Ungarn)

Es ist wirklich nicht sehr weit nach Lenti, und seit die Grenzkontrollen weggefallen sind, hält dieser Grenzübertritt auch nicht mehr auf. Ganze 1:45 Stunden war ich unterwegs. Die Rennstrecke ist landschaftlich super gelegen, und zwar im Energiepark St. Georg, der dem Thermengelände in Lenti eingegliedert ist.

Heiltherme Lenti; Energiepark

Energiepark St. Georg

Der in Europa einzigartige Energiepark besteht aus vielen Schnittstellen von Erdstrahlen, 2002 erst entdeckt. Eignegt sich vorzüglich für energetisches Auftanken, Harmonisieren seelischer Befindlichkeiten und zum Aktivieren von Selbstheilungsprozessen. Die Heiltherme in Lenti ist weit über ihre Grenzen hinaus bekannt und vor allem bei den Steirern sehr beliebt. Das Heilwasser mit sehr hohem Natrium-Hydrogenkarbonatgehalt dient vor allem der Heilung bei Problemen mit dem Bewegungs- und Stützapparat, auch bei Entzündungen und Abnützungsprozessen ist eine Heilwirkung nachgewiesen.

Eingang zur Therme

Thermalbecken

Die Therme hat ganz neu ausgeschaut, dürfte renoviert worden sein. Wir haben alle freien Eintritt gehabt, gut, seit Ende September ist das Freiluftbecken, das ihr hier oben am Foto seht, leider gesperrt, aber das wäre sowieso zu kalt gewesen.

Und so sieht´s drinnen aus, das ist der Teil, der den Winter über geöffnet ist.

Die Rennstrecke im Thermengelände führte über schmale, enge, verschlungene Wege, alles im Grünen, viele Bäume und Sträucher, kaum Zuschauer, gerade mal im Start- und Zielbereich, die Runde war auch ungewöhnlich lange, nämlich 1,8 km, und wir sind 20 Runden gefahren. Das Besondere an diesem Rundkurs: es gab keine einzige Ecke, keine 90-Grad-Kurve, alles weite, sanfte Kurven, wie auf der Radrennbahn, die hat man alle voll durchziehen können. War gewöhnungsbedürftig.

Und nach dem Rennen? Für den Spottpreis von 12.- € pro Person (ich hab da wirklich ein paarmal nachfragen müssen!) hat jeder Starter ein Appartment bekommen!!!, natürlich war da der Gratiseintritt in die Therme inkludiert. Anfangs wollte ich ja nach Hause fahren, aber unter diesen Umständen hab ich mich natürlich übereugen lassen und mich geopfert!

Appartmentanlage im Thermengelände

Natürlich bin ich nach dem Rennen ausgiebig in die Therme gegangen, hab dort in den diversen Becken herumgeplanscht und gepritschelt, die Zeit ist wie im Flug vergangen. Gegen 23 Uhr bin ich zurück ins Appartment, hab noch ausgiebig gegessen (hungrig war ich ja nach dem Rennen und der gut vierstündigen Pritschlerei!), ob das alles so gut war angesichts des morgigen Straßenrennens? Es war mal was anderes, und das Saisonende steht sowieso unmittelbar bevor.

Sonntag, 31. Oktober 2010: STRASSENRENNEN IN LENTI (Ungarn)

Nachdem gegen 10 Uhr vormittags endlich der Nebel zögerlich verschwunden ist, hat sich ein spätsommerlicher oder frühherbstlicher Supertag breitgemacht. Strahlend blauer Himmel, nicht das klitzekleinste Wölkchen war zu sehen, angenehme Temperaturen von gut 16° schon am späten Vormittag. Ich hab lange geschlafen, heute ist ja auf Winterzeit umgestellt worden. Das heißt für mich: eine Stunde mehr Schlaf!

Gestern waren´s zwar nur 36 Rennkilometer, aber die spüre ich heute, als ob es 360 gewesen wären! Mit ein Grund, warum ich diesmal hier in Lenti starte und nicht im Veneto, war auch, daß die Konkurrenz hier natürlich schwächer ist. Und um diese Jahreszeit will ich mich herumplagen mit lauter Typen, die allesamt stärker sind als ich!

Auf der Heimfahrt dann am späten Nachmittag war ich wieder einen gewaltigen Schritt näher dem Saisonende: jetzt fehlt nur mehr ein Wochenende, das allerletzte!

Montag, 1. November 2010: ALLERHEILIGEN

Heute war kein Rennen am Programm, aber ich hab erfahren, daß der letzte Bewerb, das Straßenrennen in Pramaggiore in Venetien am nächsten Samstag, wegen "motivi technici" abgesagt worden ist. Das ist ungewöhnlich für Italien, heißt aber im Klartext, daß der Veranstalter kein Geld hat. Irgendwie schade, das war schon eine richtige Traditionsveranstaltung, schöner Rundkurs, habe auch durchwegs gute Erinnerungen daran. Eine Fortsetzung gibt´s also da nicht, und ohne es zu ahnen, bin ich also gestern das letzte Rennen dieser Saison gefahren!

Einerseits schade, andererseits ist die Form sowieso schon den Bach runtergegangen, bei dem winterlich kalten Wetter hier daheim wäre ein Training ohnedies ziemlich schwierig gewesen.

Also ist ausrasten und erholen angesagt, der Winter wird ja noch lang genug. Und das Training für die neue Saison beginnt auch noch früh genug.

Ganz so arg dürfte es nicht werden! Wir sehen bzw. lesen uns dann irgendwann in nächster Zukunft im Tagebuch 2011!


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