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Montag, 9. November 2009: Nach dem Rennen ist vor dem Rennen, nach der Saison ist vor der Saison, usw...

Das Jahr 2009 ist jetzt mal vorbei, ich MUSS jetzt mal ausspannen. Und es gibt ja auch so viele andere Dinge, die jetzt anstehen, die während der Saison alle zu kurz gekommen sind. Wie z.B. der Trainingsplan für unser neues Vereinsmitglied, Andrea Knapp aus dem Tiroler Inntal. Ich habe ihr zum Anfang (will sie ja auch nicht verschrecken) drei Trainingseinheiten pro Woche aufgeschrieben (Mittwoch, Freitag, Sonntag), wir beginnen jetzt mal mit gut 2000 km Grundlagenausdauer. Also leichte Übersetzung, flache Strecke, gleichmäßiges Fahren. Um auch die Pulswerte festlegen zu können, habe ich sie mal ein 10mal 2-km-Zeitfahren auf flachem Terrain fahren lassen, mit ungefähr gleichbleibenden Pausen, sie hat die Fahrtzeiten aufgeschrieben, die Pulswerte am Start und im Ziel und damit habe ich auch die Unterschiede zwischen diesen beiden Pulswerten. Naja, und aus all diesen Kurven läßt sich relativ leicht der aktuelle Maximalpuls herauslesen, der liegt bei ihr bei ca. 170 Schlägen pro Minute. Ich habe ihr also einen PERFEKTEN Plan geschrieben (mit Trainingseinheiten, Gelände, km, Pulsbereichen, Trainingsdauer, Übersetzungen), dann die nächste Hiobsbotschaft: sie kann wochentags erst ab 17 Uhr trainieren, also gar nicht, weil´s da nämlich schon finster ist. Also was tun? Wir haben also den Freitagtermin auf den Samstag gelegt, den Mittwochtermin in eine Laufeinheit umgewandelt (statt 2 Stunden am Rad 45-60 Minuten im Gelände laufen), den Pulsbereich muß man natürlich auch fürs Laufen umrechnen. Ich hasse solche Improvisationen!

Donnerstag, 12. November 2009: Wir werden immer mehr!!

An dieser Stelle muß ich mal anmerken, daß wir uns im Winter vermehren! Nach der Andrea und der Hofer Natascha aus St.Veit/Gölsen sind jetzt noch zwei weitere Frauen im Gespräch: eine aus dem Tiroler Zillertal sowie eine 15jährige aus Kitzbühel. Die Kontakte hat alle der Hans hergestellt (der hat ja auch sonst nichts zu tun!!), ich soll dann den Gusto auf den Rensport machen. Natürlich bekommen sie alle neue Rennmaschinen, und auch wegen dem Gewand (Trikots, Hosen, Trainingswäsche) müssen sie mal vermessen werden. Bin gespannt, ob das wirklich was wird, oder ob da wieder einige oder gar alle abspringen. Mich wundert wirklich, daß der Hans ANDAUERND trainings- und rennwillige Mädels aufreißt - wie macht der alte Sack das eigentlich?

Heute geht es mir endlich etwas besser, nachdem ich jetzt vier Tage lang etwas kürzertreten mußte: Grippe (KEINE Schweinegrippe!!!) hat mich gebremst, ich hatte aber nur Kopfschmerzen, das war alles. Werde morgen mein erstes Training im neuen Jahr fahren. Neues Jahr? Okay, das alte ist vorüber, daher ist jetzt das neue schon angebrochen.

Sonntag, 15. November 2009: Trainingsalltag

Habe heute den dritten Tag in dieser Woche trainiert, bin heute rauf nach Mixnitz gefahren, das waren knappe 100 km. Flaches Gelände, ungewöhnlich mildes Wetter, heute waren es 15° und nur ganz leichter NW-Wind. Bin schon gestern und vorgestern jeweils 81 km gefahren, es geht ganz gut. Immerhin ist heute das erste rennfreie Wochenende seit März! Ein ungewohntes Gefühl.

Die Natascha kriegt auch einen Trainingsplan, von der weiß ich aber im Moment noch gar nichts. Die fliegt irgendwie so im luftleeren Raum herum, im Moment besucht sie das Internat in der Militärakademie Wiener Neustadt.

Der Hans und ich haben uns den 29. November rausgesucht, dann werde ich nach Wörgl rausfahren, dann gibt es die Übergabe der Rennmaschinen an  die neuen Fahrerinnen, wir drehen eine Trainingsrunde, es gibt Instruktionen, Trainingsratschläge, usw. Auch die neue Wäsche wird übergeben, es ist also der erste offizielle Termin im neuen Jahr (ist eigentlich noch das alte, aber im Radsport beginnt das neue Jahr ja unmittelbar nach dem Ende des alten, in unserem Fall also etwa Mitte November).

Montag, 16. November 2009: Anmeldung zum ÖRV-Lehrgang

Habe mich heute zum ÖRV-Lehrgang angemeldet, bei dem Ende Jänner 2010 in der Sportschule Lindabrunn zum nationalen Rennkommissär ausgebildet wird. Nach wie vor ist es viel zu warm für die Jahreszeit, aber mich stört´s wirklich nicht. Der Lehrgang ist nicht billig, pro Tag sind 75.- € zu berappen, dazu kommt noch die Verpflegung. Der Lehrgang dauert vom 21. bis 24. Jänner. Werde mir beizeiten in den nächsten Tagen das Winterrad herrichten.

Würde gerne auch in Graz mal ein paar Mädels kennenlernen, die den Radsport wettkampfmäßig betreiben wollen. Aber das ist seit Jahren nicht drinnen. Ich weiß, Graz ist in dieser Hinsicht ausgestorben.

Der Hans will im nächsten Jahr anläßlich unseres 40jährigen Vereinsjubiläums einen Kalender herausgeben, dazu soll ich schon mal an die 25 Fotos raussuchen, Fotos von mir, ihm, dem Sigi sowie dem Manfred und der Stephanie. Das ist eine Aufgabe in den nächsten Tagen, die sehr aufwendig ist (muß das Fotomaterial der letzten beiden Jahre durchsehen). Zwei Varianten stehen zur Auswahl: ein "normaler" Kalender (von Jänner bis Dezember) sowie ein ganz spezieller (von März bis Februar 2011). Jedenfalls werdet ihr es hier aus erster Hand erfahren, wann es so weit ist.

Vielleicht veranstalten wir auch ein Rennen, der Hans denkt da an eine Tiroler Bahn-Landesmeisterschaft (Bahnrennen auf Sandbahn im Stadion!!!), vielleicht wird es aber auch bloß irgendeine Tiroler Landesmeisterschaft auf der Straße, wer weiß??? Er hat eine ganz knüppelharte 7-km-Runde mit knapp 200 Höhenmetern bei ihm daheim am Angerberg, und ich kann nur sagen: Gott gnade allen Startern! Vielleicht kommt´s aber auch ganz anders.

Freitag, 20.November 2009: Team RadioShack

Das ist ja wie im Sommer! Viel zu warm für die Jahreszeit, und mein Training läuft schon wieder oder noch immer wie im Sommer, ich hab jetzt schon gute 300 km in dieser Woche in den Beinen! Und das, obwohl ich nur relativ locker bis zügig dahinrolle. Naja, ich lasse mir die Option mit den zwei Wochen Ägypten nach wie vor offen, muß mich aber spätestens nächste Woche entscheiden, wegen dem Flugticket.

Habe heute mit einem Bekannten über Gott und die Welt gesprochen, sehr schnell sind wir auf das neue Team von Lance Armstrong gekommen, RadioShack. Er hat gemeint, er hat bereits das ganze weltweite Netz abgesucht nach dem Team Kit und nichts gefunden, absolut nichts. Also habe ich mich meinerseits auf die Suche gemacht und ebenfalls nichts gefunden. Ich dachte mir, das kann doch nicht sein, irgendwo MUSS es doch was geben. Und nach 4 Stunden bin ich fündig geworden! Also, hier die Weltneuheit, das Teamtrikot der neuen Mannschaft RadioShack. Ich hoffe halt, daß das kein Fake ist und ich hier wirklich diese Weltneuheit präsentieren kann:

Wäre jetzt wirklich saublöd, wenn die Jungs dann in der Saison mit einem völlig anderen Trikot herumkrebsen! Hab jetzt beschlossen, daß ich dann immerhin noch diesen Eintrag einfach löschen kann, nach dem Motto: Schwamm drüber, da war eh nichts!

Ihr kennt doch auch diese Typen, die immerzu mit irgendeinem Profitrikot herumfahren, meist mit irgendeinem uralten, das es gar nicht mehr gibt. Das ist ja das Problem, daß die Brieftasche mit der schnellebigen Zeit im Profizirkus nicht mitkann! Und so nebenbei: man sollte halt auch die Figur für ein solches Trikot haben!

Prost Mahlzeit!!!

Samstag, 21. November 2009: Business as usual

Ein herrlich warmer und milder Herbsttag, eigentlich viel zu warm für die Jahreszeit, aber mir soll´s nur recht sein. Bin heute 100 km gefahren, ziemlich schnell, Schnitt 29,6 km/h, ich war oben in Mixnitz.

Hab mal die Rennen der letzten Saison nachgezählt, ich komm auf 77 Stück! Nicht gerade wenig, so viel bin ich seit meiner schweren Knieverletzung 2003 nicht mehr gefahren! Und ich merk es ja natürlich auch, denn der ganze Organismus schreit förmlich nach der Winterpause. Wenn ich nach Ägypten fliegen sollte, kämen noch 12 Rennen dazu - ob das nicht wirklich zu viel ist?

Sonntag, 22. November 2009

Heute ist eine dicke Nebelsuppe über der Landschaft gelegen, ganz tief, den ganzen Tag über nicht weggegangen, es war dunkel und feucht, ein grausliches und abstoßendes Wetter. Bin trotzdem gefahren, 72 km, aber zu spät, und die letzte halbe Stunde bin ich dann in völliger Dunkelheit gefahren. Die Beine sind nach wie vor sehr gut, und ich bin im Moment total im Zwiespalt: weiterfahren oder Winterpause? Ägypten oder daheimbleiben? Ehrlich: ich tendiere eher zum Daheimbleiben und zu einer gemütlichen Winterpause. Rennstreß hatte ich heuer wirklich genug. Und kaum geht mir dieser Gedanke durchs Gehirn, ist da schon wieder die Gier nach der Rennatmosphäre.

Und diese exotische Rundfahrt läuft mir nicht davon: die gibt es nächstes Jahr wieder! Und dazu Ende November die Kuba-Rundfahrt, Betätigungsfelder also genug.

Mittwoch, 25. November 2009

Habe das Ägypten-Abenteuer heute endgültig ad acta gelegt. Nächstes Jahr vielleicht. Zu viele Rennen heuer bereits, und ich fühle mich einfach nicht in der Lage, mich mental noch einmal aufzuraffen, mich zu motivieren, mich zu konzentrieren, die nötige Spannung aufrechtzuerhalten. Ich fühle mich im Gegenteil müde und ausgelaugt, ich denke, die Entscheidung war die richtige. Ich merke das ja auch im Training. Zur Zeit fahre ich so zwischen 2 und zweieinhalb Stunden drei- bis viermal die Woche. Flaches bis welliges Terrain, leichte Übersetzung, nicht allzu schnell. Es ist herrlich, kein Druck, kein Hinhaltenmüssen, keine Zahlen wie Kilometer, Schnitt, Zeit, Puls usw., einfach nur herumfahren, weil´s Spaß macht. Der Ernst des Wintertrainings kommt noch früh genug.

Freitag, 27. November 2009

Am Wochenende bin ich in Wörgl, treffe mich mit der Andrea, die kriegt die Vereinswäsche, wir besprechen den Trainingsplan und drehen eine gemeinsame Trainingsrunde.

Ich fahre jetzt täglich, das Wetter ist wie im Frühjahr, warm und mild, die Sonne scheint, kaum Wolken, auch in der Nacht Plusgrade.

Sonntag, 29. November 2009

Streß pur. Gestern abend bin ich noch nach Wörgl rausgefahren, Übernachtung in unserem "Vereinshaus" in der Peter-Anich-Straße. Giut, der Hans ist zwar schonb ein saualter Knoch3n, aber daß er das Haus derart verkommen läßt...! Jedesmal, wenn ich hier bin, tut mir der riesige Grund leid, wo alles zuwächst, das Gras ist jetzt schon an die zwei Meter hoch, das Unkraut, Moos und Gras wächst einfach über Asphalt und die Steinplatten und so holt sich die Natur langsam aber sicher wieder ihr Gebiet zurück. Wenn ich nicht wäre! Habe heute früh insgesamt 3 Stunden lang Unkraut gerupft, Gras geschnitten, Wege freigehackt und so einen riesigen Abfallberg mit Gras und Unkraut gebildet. War ganz gut zum Aufwärmen, heute früh war es ziemlich kalt und frisch...

Dann bin ich eine 60-km-Runde gefahren, die Andrea hat noch ein Pferd ausliefern müssen, ist daher erst am Nachmittag gekommen. So ist auch der ganze Zeitplan über den Haufen geworfen worden. Als ich dann wieder zurück war, mußte ich noch etwa eine Dreiviertelstunde warten, in der Zeit habe ich wieder etwa 6 Quadratmeter Grund zurückerobert. Dann war die Andrea da. Ich habe ihr Trikots und Hosen übergeben, sie hat sie anprobiert, hat alles gepaßt. Wir hab en dann noch eine gute halbe Stunde lang übers Training und den Trainingsplan geplaudert,dann ist der Hans gekommen. Er hat mir gesagt (jetzt erst!!!) daß heute ab 16 Uhr in Innsbruck die Preisverteilung vom diesjährigen TT-Cup (Nachwuchws-Jahreswertung) stattfindet, der Baumann hat das alles organisiert. Die Strobl Stephanie war dazu eingeladen (Sechste des TT-Cups)m, konnte aber nicht hinfahren, weil sie an der Schweinegrippe erkrankt war. Also sind der Hans und ich hin. Es gab ein großes Buffet, wir haben zugeschlagen. Nudeln und Salat. Preisträger sind nicht viele gekommen, wie es scheint, ist ganz Tirol von der Schweinegrippe hingerafft. Der Purmer Armin war als Vertreter der TT (Tiroler Tageszeitung) auch dabei.

Armin Purner, 37, führt das Marketingteam der Moser Holding AG (u.a. Herausgeber der TT)

Fred Steinacher, 57, war jahrelang TT-Sportchef, unterstützt jetzt Purner. Und wie mir der Hans erklärt hat, hat er mit diesem Typen einen jahrelang Krieg ausgefochten. Naja, am Hans scheiden sich ja die Geister, und dabei ist der Junge hier auf der Strecke geblieben!

Harald Baumann, Organisationsleiter der Master-WM in St.Johann/Tirol und LRV-Präsident in Tirol, er hat zu dieser kleinen Feier geladen.

Für alle diejenigen Nostalgiker unter euch, die gerne wissen würden, was Tirols Radsportlegenden so treiben, hier ein Foto, gerade mal ein halbes Jahr alt. Von links: Armin Purner, Georg Totschnig, Helmut Wechselberger und Wolfgang Steinmayr, die mit einer 30köpfigen Gruppe Radfahrer zum Giro-Start nach Venedig geradelt sind.

Danach waren wir gegen 21 Uhr wieder in Wörgl, ich bin dann noch zum Hans auf den Angerberg rauf, in seinem reichhaltigen Fundus haben wir ein Rad für die Andrea rausgesucht, einen kleineren tollen Titan-Rahmen, dann haben wir noch das Zubehör zusammengekratzt, lauter Super-Komponenten, meist Karbon- oder Titan-Teile. Ich hab alles eingepackt, ich werde das Rad dann daheim zusammenschrauben. Ja, richtig, heimgefahren bin ich dann ja auch noch, etwa um 2.30 Uhr bin ich in die Novalisgasse eingebogen. Und da soll noch mal einer sagen, daß der Winter geruhsam und zum Kräftetanken da ist!

Mittwoch, 2. Dezember 2009: Placebo-Doping

Mal angenommen, ihr leidet unter Kopfschmerzen. Dann habt ihr jetzt zwei Möglichkeiten. Entweder nehmt ihr eine dieser klassischen weißen Kopfwehtabletten. Oder ihr nehmt eine diesere klassischen Kopfwehtabletten. Der einzige Unterschied zwischen diesen äußerlich identen Pillen: die erste enthält tatsächlich Aspirin, die zweite hingegen besteht aus vollkommen wirkungslosem Milchzucker.

Und nun die Überraschung: mehr als die Hälfte all jener Menschen, welche die zweite, also pharmazeutisch wirkungslose Tablette schlucken, wird anschließend sagen, ihr Kopfweh sei wie weggeblasen. Einzige Voraussetzung, daß das klappt: ihr dürft nicht wissen, daß ihr eben eine Pseudo-Pille eingenommen habt.

"Placebo" nennt die Wissenschaft so ein "falsches", dennoch wirksames Medikament. Der Name ist lateinisch und bedeutet "Ich werde gefallen" - was sehr schön beschreibt, worin die Kraft der Pille liegt: in unserem Geist! Dem gefällt, was wir da schlucken, worauf er dem Körper sagt, er solle damit aufhören, Schmerzen zu haben. Und was macht unser Körper? In über der Hälfte aller Fälle hört er auf den Befehl undf läßt das Schmerzen sein.

Welch unglaubliche Kraft unser Geist entfalten kann, davon wußte schon die Bibel ein Lied zu singen. Der menschliche Glaube, so schreibt Paulus in seinem 1. Brief an die Korinther, könne "Berge versetzen". Und was ist schon ein wenig Schmerz gegen den Mount Everest? So darf es uns nicht wundern, daß sich so ein Placeboeffekt auch anderswo beobachten läßt. Es wird ja berichtet, daß Menschen sich bereits kurz nach dem Betreten der Psychologiepraxis deutlich wohler fühlen (nur weil sich vielleicht gar der Onkel Doktor kurz blicken läßt) und daß die Wirkung von Placebos sogar so weit geht, auch jene Nebenwirkungen hervorzurufen, wie wir das von der "normalen" Medizin kennen.

Wie kann ich aber diesen Effekt jetzt für meine radsportlicher Leistung nützen? Es gibt überraschende Anwendungsgebiete für die "Kopf-Pille": gibt man nämlich Radsportlern vor einem 10-km-Zeitfahren (flach) eine ordentliche Dosis Placebo (und sagt ihnen z.B.,es handle sich um Koffein), dann fahren sie anschließend um 3,1 % schneller als zuvor - das habe ich in der Zeitschrift "Medicine and Science in Sports und Exercise" aus dem Dezember 2006 lesen. Das heißt: WILL EIN SPORTLER DOPEN, MUSS ER KEIN UNGESUNDES, VERBOTENES ZEUG MEHR SCHLUCKEN, SONDERN NUR MEHR SO TUN, ALS OB. Ungeklärt bleibt hier, wie man Sportler auf Placebo-Doping testet. Mit Placebo-Doping-Tests, die für den Fall, daß sie positiv sind, mit einer Placebo-Spoerre enden? Ich sehe: hier gibt es noch einiges zu forschen und zu klären.

Sonntag, 6. Dezember 2009: LA Confidential

Ha, das war ein echter Glückstreffer! Bingo! Habe mich im Netz, dem weltweiten, irgendwo verloren, diese Labyrinthfahrt war dann nach einigen Stunden nicht mehr nachvollziehbar, nicht mal mit der Funktion "Verlauf", ich bin von einer site zur nächsten weditergereicht worden, habe manchjmal was angeklickt, auch irgendein pop-up-Fenster, das vor meinen staunenden Augen aufgegangen ist. Irgendwann mal war die Suche auch vorbei, ich weiß jetzt gar nicht mehr, was ich eigentlich gesucht habe, ich hab halt nicht mehr aufhören können. Ihr kennt das ja alle, wenn man dem inneren Zwang gehorcht, immer wieder was anklicken zu MÜSSEN. Und irgendwann war ich auf einer gar seltsamen site, in der alle möglichen Dopingmittel und -produkte promotet wurden. Das kann ich gar nicht anders sagen. Und dann war es da auf einmal, ein klitzekleines Fensterchen, das pulsierend auf sich aufmerksam gemacht hat. Wie unter einem Zwang habe ich es angeklickt, das war keine Bestellung einer Sonderportion CERA, nein, ich bin bei einem pdf-Format des Werkes "LA-Confidential" gelandet.

Im Englischen steht ja "LA" als Kürzel für "Los Angeles", hier ist aber im Gegenteil Lance Armstrong gemeint, wie alle eingefleischten Fans oder Kritiker gleich wissen. Und jetzt erinnert ihr euch auch vielleicht, in seinem letzten aktiven Jahr (vor seinem Comeback!) gab´s ja schon massive Dopinggerüchte und -anschuldigungen, die dann in dem Werk "LA Confidential" gipfelten (auf Deutsch vielleicht "Lance Armstrong streng vertraulich"), das von zwei Medizinern verfaßt wurde. Und wie von Sinnen hat Lance alle Hebel diesseits und jenseits der menschlichen Vorstellungskraft in Bewegung gesetzt, um das Erscheinen dieses "Mach"werks zu verhindern. Was ihm nicht gelungen nist. Das Buch kam auf den Markt. Das Interesse daran hat sich hierzulande in Grenzen gehalten, denn es ist nach wie vor nur auf Englisch erhältlich. Und welcher Österreicher ist schon der englischen Sprache mächtig? Bzw. wer traut sich zu, ein 195 Seiten langes Buch auf Englisch reinzuziehen?

Also, ich hab das Werk mal runtergeladen und ausgedruckt. So billig kommt man ja nie mehr zu einem solchen Buch. Und dann habe ich angefangen zu lesen. Bin noch nicht ganz durch, aber die Fakten sind elektrisierend. Da tut sich eine ganz neue Welt auf. Es geht in diesem Buch grundsätzlich darum, daß durch Indizien (die laut den Verfassern aber Tatsachen und Fakten sind) ein chronischer Dopingmißbrauch des "Big Tex" nachgewiesen werden soll, und nach Meinung der Verfasser gelingt dieser Nachweis auch ganz leicht.

Es handelt sich sicherlich um Tatsachen, die nicht widerlegt werden können. Aber bei einem Dopingnachweis tut man sich halt schwer, solange kein positiver Dopingtest vorliegt. Ich werde das Buch mal fertiglesen, ist morgen oder übermorgen so weit, dann werde ich ein Resümee ziehen. Jedenfalls sind das alles Daten und Fakten, die wir hier in Österreich nicht kennen und auch nicht über die Medien kennen können.

Dienstag, 8. Dezember 2009: LA Confidential, vol. 2

Ich hab das Werk förmlich inhaliert. Ist total interessant, allerdings muß man dafür eine gewisse Detailkenntnis im Dopingbereich voraussetzen sowie ein paar medizinische Grundkenntnisse. Ist total logisch aufgebaut, bringt Fakten und Indizien in einer Fülle, daß man nicht mehr von einem Zufall sprechen kann. Jeder Punkt für sich hat vielleicht eine etwas schiefe Optik, aber in der Fülle ergibt sich doch ein ganz anderes Bild. Ich möchte euch hier jetzt nicht mit Details langweilen, aber da das Werk ja nur auf Englisch erhältlich ist, habe ich im folgenden die mir am wichtigsten erscheinenden Punkte zusammengefaßt.

1. Ihr erinnert euch wahrscheinlich alle noch an den Oktober 1996, an die Straßen-WM in Lugano in der Schweiz (Sieger Museeuw). An das Rennen erinnert sich kaum mehr wer, sehr wohl aber an die Pressekonferenz, bei der Lance Armstrong einer geschockten Öffentlichkeit seine Hodenkrebserkrankung im fortgeschrittenen Stadium bekanntgibt. Dabei hätte diese Krebserkrankung sehr viel früher erkannt werden müssen. Denn eines der ganz typischen Symptome von Hodenkrebs ist ein stark erhöhter Spiegel des Hormons Beta-hCG. Dieses Hormon wird von vielen Athleten benutzt, um auf unerlaubte Weise die Testosteronproduktion anzukurbeln. Die normale Konzentration liegt bei 1-2 Nanogrammpro Milliliter. Bei Armstrong wurden 52.000, 92.380 und 109.000 (laut Armstrong selbst) gemessen. Solch hohen Werte von Beta-hCG hätten bei jeder Dopingprobe bemerkt werden müssen, auch weil es sich hierbei um ein verbotenes Produkt handelt. Schließlich war er um das 100.000fache über dem erlaubten Grenzwert! Zwei Schlüsse: entweder ist er die Tests umgangen (durch ein maskierendes Präparat) oder die Tests waren allesamt wirkungslos. Das Hormon ist synthetisch bereits ´88 entwickelt worden (und auf den Markt gekommen), also lange vor ´96.

2. Es wird der Mannschaftsarzt von US-Postal interviewt, Dr. Prentice Steffen, der von Tyler Hamilton und Marty Jamieson ganz konkret auf Dopingpraktiken angesprochen wurde. Dabei wollte er sich nur um die Rennfahrer kümmern. Seine Aussage über systematisches Doping bei US-Postal, die er aber sehr schnell dann widerrufen hat, führt mich zur Annahme, daß er wohl gemeint habe, dieses sehr gut funktionierende (Doping)-System nicht mehr mit seinem Gewissen vereinbaren zu können.

3. Das ONCE-Team von ´95 war für seine Dopingpraktiken in der Szene berüchtigt. Angeführt wurden diese Praktiken vom Mannschaftsarzt Dr. Aramendi. Journalisten entdeckten einmal sogar 28 gebrauchte Spritzen, EPO-Ampullen und einige andere Dinge in einem Zimmer dieses guten Mannes. Ein prominentes Mitglied dieses Teams war auch Langzeit-Direktor Manolo Saiz, der ja bekannt war für seine Eigenheit, sowohl Dopingpräparate als auch eine Riesenmenge Bargeld mit sich herumzuschleppen. Ein weiteres Teammitglied: Johan Bruyneel! Später leitete derselbe Bruyneel das US-Postal-Team. Der Mannschaftsarzt, den er für US-Postal anheuerte? Richtig, Aramendi. Alex Zülle, der ´98 in die Festina-Affäre verwickelt war, ist kurz darauf zu diesem berüchtigten ONCE-Team gewechselt. Bei ONCE konsumierte er EPO unter Aufsicht und Anleitung des Teamarztes und "José". Der einzige Arzt bei ONCE, der José hieß? Wieder richtig, Aramendi. Irgendwann braucht man nur mehr eins und eins zusammenzählen.

4. Weiters wird erwähnt, daß Armstrongs VO2-Maximalwert vor seiner Krebserkrankung, verglichen mit dem Wert danach, ständig gestiegen ist. Angesichts seines Gewichtsverlustes durch die Krankheit plus Behandlung (das waren übrigens nur 6 bis 8 Kilo, nicht 12 Kilo oder noch mehr, wie sicher viele, auch ich, gedacht haben!) ist es aber so gut wie UNMÖGLICH, daß der VO2-Max-Wert derart stark ansteigt. Ein Schelm, wer Böses denkt.

5. Ein großer Teil beschäftigt sich auch mit der Theorie, daß Armstrong nach der Krebserkrankung so viel stärker war, weil er eine höhere Frequenz gekurbelt ist. Als etwa Greg LeMond Jahre vorher auf dem Höhepunkt seiner Karriere war, hat er genau diese Möglichkeit probiert, um seine Leistung noch weiter zu steigern. Er hat nachgewiuesen, daß das schlichtweg UNMÖGLICH ist. Wenn man schnell klettert, und dann noch schneller sein will, dann kann man nicht einfach die Frequenz steigern. Was dann passiert, wissen wir alle, man explodiert! Bauernschlaue sagen sich vielleicht, daß man dann aber ja pro Kurbelumdrehung weniger Sauerstoff benötigt, aber dafür hat man sehr viel mehr Kurbelumdrehungen! Es gibt kein Wunderniveau oder irgendeinen Multiplikator. Wenn du schon 90 Milliliter Sauerstoff pro Kilo Körpergewicht verbrennst, dann gibt es nichts, aber auch GAR NICHTS, was du tun kannst, um deine Leistung zu steigern, es sei denn, du hast mehr Sauerstoff zur Verfügung. Den mußt du aber auch mal verbrennen können! Aber du hast KEINE FREIEN KRAFTRESERVEN! Es ist KEINE Erklärung für Armstrongs urplötzlich aufgetretene spektakuläre Kletterleistung. Es gibt nur eine einzige logische Erklärung dafür: der Fahrer selbst muß in seinem Blut deutlich mehr Sauerstoff transportieren! Komisch, daß jetzt jeder an EPO denkt!!

6. Es gibt auch ein Kapitel über die Theorie, Cofidis habe damals Armstrong fallengelassen. Hier wird die Cofidis-Version dargelegt. Und jetzt erinnern wir uns mal an die Szene, als Jahre später Armstrong in der Tour de France dem armen, klitzekleinen Filippo Simeoni selbst nachgefahren ist und ihn zurückgeholt hat und danach rotzfrech in die Kamera gelogen hat. Der Grund für diese Aktion war schlichtweg Rache, weil Simeoni in Italien in einem Prozeß gegen den Arzt Dr. Michele Ferrari ausgesagt hat, der auch Armstrongs Arzt war. Angesichts dieser Tatsache glaube ich jetzt doch, daß die Cofidis-Version teilweise, wenn nicht großteils wahr ist.

Es gibt noch eine Unzahl weiterer Details, Indizien, aber diese sechs scheinen mir die seriösesten und wichtigsten zu sein. Interessant auch, daß Armstrong mit allen Mitteln das Erscheinen dieses Buches (vergeblich) von David Walsh und Pierre Ballester verhindern wollte!

Freitag, 11. Dezember 2009: DER HEISSE ERDAPFEL

Da ich ja in keiner Partei eine politische Funktion habe, bin ich wohl sowas wie ein durchschnittlicher Bürger und daher auch Wähler. Und vor jeder Wahl stellt sich mir dier Frage, welche Partei ich wählen soll. Ich bin kein Stammwähler, der rein aus Gewohnheit immer dieselbe Partei wählt. Warum ich ausgerechnet jetzt damit anfange? Weiß auch nicht, vielleicht weil ich jetzt Zeit dazu habe.  Ein ganz wichtiger Punkt in meinen Überlegungen ist der Sport. Wie steht die jeweilige Partei zum Sport? Darüber habe ich mir meine Gedanken gemacht.

Seit vielen Jahren wandert der Sport von einem Ministerium zum nächsten. Jetzt ist er bei der Landesverteidigung gelandet.

Der 1. Februar 1991 sollte als "Tag des heißen Erdapfels" in die Geschichte der sportlichen Bananenrepublik Österreich eingehen.

Damals im ehrenwerten Wiener Café Landtmann: ein Internist aus Kärnten stellt sich als neuer Gesundheitsminister vor. Anschließend wird Michael Außerwinkler vom anwesenden Reporter in Kenntnis gesetzt, daß er auch Sportminister sei. Er erkundigt sich bei seinem Pressesprecher, ob diese Behauptung den Tatsachen entspreche und unterstreicht postwendend seine Fachkompetenz: "Ich bin ja sogar schon von einer Skischanze gesprungen."

Seit diesem Tag wird der heiße Erdapfel "Sport" von einem Ressort zum anderen geworfen. Selten will ihn einer länger als zwei Jahre in der Hand halten. Vom Unterrichtsministerium der Hilde Havlicek ins Kultusministerium von Rudolf Scholten, der noch verblüffter über seine Rolle als Sportmninister war als sein Nachfolger Außerwinkler.

Danach wurde der Sport-Staatssekretär als Alibi für ein fehlendes Sportministerium erfunden. Von diversen Ausflügen in andere Ministerien abgesehen, kehrte er immer wieder dorthin zurück. Zuletzt mußte sich der rote Kanzler und Sportminister Gusenbauer mit dem schwarzen Staatssekretär Reinhold Lopatka den Feind ins eigene Bett legen.

Und dann landete der Erdapfel im Verteidigungsministerium.

Tagwache? Naja, sagen wir so: ein Hoffnungsschimmer. Sofern Sportfan Norbert Darabos sein Zusatzressort nicht gleich wieder abtreten muß. Womöglich an die Fremdenlegion.

Apropos fremd: in den anderen Ländern unserer Zivilisationsstufe weiß man längst, wie wichtig Sport ist.

Nach wie vor ist Österreich das Land mit den wenigsten Turnstunden, stellt bei Fettleibigkeit und Bewegungsuntüchtigkeit ständig neue Rekorde auf.

Nach wie vor stehen Sportstätten leer, weil es an Personal mangelt.

Nach wie vor ist das kleine Österreich mit drei konkurrierenden Dachverbänden (ASKÖ, UNION, ASVÖ) sowie dem übergeordneten Kuriosum BSO (Bundessport-Organisation) hoffnungslos überorganisiert.

Nach wie vor ist Universitätssport nur für jene Studenten existent, die Sport studieren. In anderen Ländern ist Sport traditioneller Teil jeder Studienrichtung.

Nach wie vor glauben namhafte Menschen in diesem Land, daß Sport volkswirtschaftlich mehr kostet als bringt. Dabei ist der Schaden durch Ski- und Hobbysport-Unfälle statistisch zu vernachlässigen, wenn man ihn am Nutzen sportlicher Betätigung mißt.

Nach wie vor wird der gesundheitliche Wert des Sports auf politischer Ebene dilettantisch unterschätzt. Auch wenn der als Wirtschaftsminister angelobte Reinhold Mitterlehner seine vor einigen Jahren geäußerte Bemerkung, wonach Sport dem Staat furchtbar teuer komme, zurückgenommen hat.

Nach wie vor pfeift sich kein Mensch auf politischer Ebene um die immer lauter werdende Warnung der Ärzte: "Sport ersetzt Medikamente." Öffentliche Motivation zum Sport kann mittelfristig unser Gesundheitswesen finanzierbar machen.

Nach wie vor reißt sich keiner darum, im Sport politisch etwas zu bewegen. Ein Sitzplatz auf der Ehrentribüne muß reichen. Der grüne Alexander van der Bellen hat seinen Sager "Wir lassen uns sicher nicht mit dem Sport abspeisen" zwar bereut, aber denken tun nach wie vor sehr viele so.

Nach wie vor stört es kaum wen , wenn internationale Skandale als Kavaliersdelikt durchgehen. Wie jene...

... um Turin 2006.

... um die Blutbank Humanplasma.

... um das ÖOC-Schweigegeld für Walter Mayer.

... um den "Irondoc".

... und zuletzt um die fast schon arrogante Verarschung aller Sportfans durch das lächerliche Geständnis von Bernhard Kohl.

Sonst hätte im letzten Wahlkampf vielleicht irgendwann einer das Wort "Sport" in den Mund genommen, statt sich an minder besteuerten Wachteleiern die Zähne auszubeißen.

Ich habe mir die Mühe gemacht, die Odyssee des Sports durch die jeweiligen Ministerien nachzuvollziehen:

BUNDES-KANZLER

ZUSTÄNDIGKEIT FÜR 

DEN SPORT

              FOTO                        

Bruno KREISKY

1970 - 1983

Unterrichtsministerium:

Minister Alfred Sinowatz (1970-1983)

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Alfred SINOWATZ

1983 - 1986

Bundeskanzler und Minister

Alfred Sinowatz (1983-1986)

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Franz VRANITZKY

1986 - 1997

Unterrichtsministerium:

Minister Hilde Havlicek (1987-1990)

 

 

Ministerium für Wissenschaft:

Minister Rudolf Scholten (1990-1991)

 

 

Gesundheitsministerium:

Michael Außerwinkler (1991-1994)

 

Staatssekretär im BKA:

Schäffer (1994-1996)

1996-1997: Staatssekretär eingespart,

Sport ohne Zuständigkeit

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Viktor KLIMA

1997 - 2000

Staatssekretär im BKA:

Wittmann 1997-2000

 

Wolfgang SCHÜSSEL

2000 - 2007

Ministerium für öffentliche Leistung:

Minister Susanne Rieß-Passer (2000-2003)

 

Staatssekretär im BKA:

Karl Schweitzer (2003-2007)

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Alfred GUSENBAUER

2007 - 2008

Staatssekretär im BKA:

Reinhold Lopatka (2007-2008)

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Werner FAYMANN

ab 2008

Verteidigungsministerium:

Minister Norbert Darabos (seit 2008)

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Sonntag, 13. Dezember 2009

Jetzt ist es also so weit! Der erste Schnee ist da! Hat in der Nacht angefangen, den ganzen Tag durchgeschneit, liegengeblieben ist - neben der Straße - vielleicht ein halber Zentimeter. Dazu ist es saukalt geworden, Temperaturen um den Gefrierpunkt. Bin heute 99 km gefahren, rauf nach Mixnitz und zurück, alles flach, dreieinhalb Stunden, Schnitt 28,6. War vor allem durch die Kälte und den Schneefall schwer, immer alles feucht, die Kälte schmerzt auf der Haut ja gleich doppelt.

Montag, 14. Dezember 2009

War schwer, es ist saukalt draußen, ich bin auf teilweise feuchter Straße zweieinhalb Stunden gefahren (74 km). Die Finger abgefroren, die Zehen auch, die Ohren teilweise.

Dienstag, 15. Dezember 2009

Heute schneit es wieder mal den ganzen Tag, die Straßen sind feucht, unwirtliches und unfreundliches Wetter, aber ich bin wieder gefahren, 62 km waren es heute, die Überwindung war ganz schön groß.

Mittwoch, 16. Dezember 2009

Der Winter ist jetzt tatsächlich da. Anhaltend kalt, in der Nacht hat es ganz schöne Minusgrade. Bin heute wieder drei Stunden gefahren, es waren 79 km, leicht wellig bis hügelig, und in dieser Woche habe ich mir bis jetzt schon 314 km in die Beine gezogen, und ich bin mir sicher, die anderen haben, wenn überhaupt, in diesen Tagen sehr viel weniger. Jetzt ziehe ich diesen ersten Block beinhart durch, egal, wie das Wetter ist. Mein Diätplan: bis Neujahr Gewicht halten, danach abnehmen. Ungefähr ein Kilo pro Woche.

Es ist halt hart, wenn man jeden Tag bis auf die Knochen durchfriert. Wenn die Rennmaschine von oben bis unten voller Dreck, Schlamm und vor allem Salz ist. Wenn das ganze trocknet, konserviert es sozusagen, es bildet sich eine steinharte Kruste, die mit Wasser gar nicht mehr runtergeht. Vor allem das Salz ist gefährlich, es bildet einen leimartigen Film, der einen Vergleich mit einem Superkleber nicht zu scheuen braucht. Ergebnis: innerhalb kürzester Zeit funktionieren Schaltung und Bremsen nicht mehr. Dem kann man nur vorbeugen, indem man konsequent, das heiß täglich, die Maschine putzt. Vor allem die beweglichen Teile, also Kette, Schaltung, Bremsen. Das dauert halt, läßt sich aber nicht umgehen.

Sonntag, 20. Dezember 2009: Wintereinbruch

Spätestens jetzt wird es ernst mit dem Wintertraining: jetzt ist´s nämnlich wirklich richtig Winter! War heute eine Stunde Schneeschaufeln, das Radtraining mußte ich auf den Ergometer im Keller verlegen. Es hat jetzt seit zwei Tagen geschneit, ungefähr eineinhalb Zentimeter sind liegengeblieben!

Montag, 21. Dezember 2009: Francois Faber, Tour-de-France-Sieger 1909

Hab diesmal was ganz Interessantes entdeckt: Radprofis als Briefmarkenmotive! Und da tut sich eine ganz neue Welt auf, ich möchte euch mal da einen ganz kleinen Einblick zeigen und mit dem Luxemburger Francois Faber beginnen, dem Tour-de-France-Sieger.

 

Er wurde am 26. Jänner 1887 als Sohn einer französischen Mutter und eines luxemburgischen Vaters in Aulnay-sur-Iton (Frankreich) geboren. Bei Erreichen der Volljährigkeit entschied er sich für die luxemburgische Staatsbürgerschaft und arbeitete zunächst als Hafenarbeiter. 1906 stieg er mit einem auf Kredit gekauften Rennrad in den Radsport ein. Seine 1,89 m hohe Statur und seine 90 Kilo Muskelmasse brachten ihm schon bald den Spitznamen "Riese von Colombes" ein. Mit seiner ausgezeichneten Gesundheit und Ausdauer war Francois Faber einer der größten Radrennfahrer seiner Zeit und gewann die Tour de France 1909,  vor  genau 100 Jahren, nachdem er den Sieg im Jahr davor knapp verfehlt hatte. Bei Kriegsausbruch im August 1914 schloß sich Faber der Fremdenlegion an und fiel am 9. Mai 1915 bei der Schlacht im Artois auf dem Bauernhof Bonneval. Der Stich wurde anhand eines Fotos aus der damaligen Zeit erstellt.

Datei:Stamp - GDR 20 Pfennig - Road Cycling World Championships 1960.jpg

Die UCI-Straßenweltmeisterschaften 1960 fanden am 13. und 14. August am Sachsenring bei Hohenstein-Ernstthal statt. Es waren die 27. Weltmeisterschaften im Straßenradsport und die einzigen in der Radsportgeschichte, die in der DDR ausgetragen wurden! Bei den Profis siegte dr Belgier Rik van Looy, bei den Amateuren Bernhard Eckstein (DDR) und bei den Frauen die
Britin Beryl Burton. Die Weltmeisterschaften waren bereits im Vorfeld durch die Bemühungen der DDR-Staatsführung geprägt, sowohl die Ausrichtung selbst als auch mögliche Erfolge von DDR-Sportlern propagandistisch zu nutzen. Durch den überraschenden Sieg von Bernhard Eckstein, der auf einem taktischen Verzicht seines Mannschaftskameraden und Titelverteidigers Gustav-Adolf Schur beruhte, wurde die WM zu einem der denkwürdigsten Sportereignisse, die je in der DDR stattfanden.

Die Reihe ließe sich lange fortsetzen, ich werde in der nächsten Zeit ein paar weitere Motive präsentieren.

Dienstag, 22. Dezember 2009: Training

Es ist schon wieder wärmer geworden, es taut überall, alles steht unter Wasser - unter Dreckwasser! Bin lieber gleich auf den Ergometer ausgewichen.

Mittwoch, 23. Dezember 2009

Zwei Stunden Training auf naßer und vor allem völlig dreckiger Straße, dann zwei Stunden Rad putzen, ein sehr, sehr aufwendiges Verhältnis von Trainings- zu Instandhaltungszeit, aber so ist das nun mal im Winter!

Donnerstag, 24. Dezember 2009: WEIHNACHTEN!

Scheißtag heute! Alle sind ganz weihnachtsverrückt! Draußen schwimmt alles, es ist saukalt, fürs Training gehe ich heute wieder mal in den Keller.Am Ergometer kommen mir viele Gedanken, die Sinne schweifen ab, zwischen den vielen Schweißtropfen, die zu Boden klatschen und dort eine Lacke bilden.

ZU DUMM FÜRS BUNDESHEER???

Ich bin kein Freund des Bundesheeres, und in der Tat wandern ja fast alle, die zu blöde für irgendeinen Beruf sind, zu Bundesheer, Polizei oder Feuerwehr ab. Jetzt habe ich einen Bericht über die letzte Statistik bei ausgemusterten Stellungspflichtigen gelesen. Phantastisch: es gibt doch tatsächlich welche (und nicht mal so wenige), die fürs Bundesheer nachweislich ZU BLÖDE sind!!! Was ist los mnit den jungen Männern in der Alpenrepublik? Die heimische Jugend schwächelt immer mehr. Im letzten Jahr (also 2008) wurden ganze 14,6 % der Stellungspflichtigen (18jährigen) als untauglkich ausgemustert, im Jahr davor waren es noch 13,1 %.

Rund ein Drittel der Untauglichen fiel durch, weil es mehrere Einzeldiagnosen (Untauglichkeit aufgrund Mehrfachminderung) gab. Es sind gar nicht so sehr die körperlichen Gebrechen, die die Hauptrolle spielen. Die häufigsten Gründe sind vielmehr "psychologisch". Dies gilt vor allem bei den Mehrfachdiagnosen.

5,1 % der Untauglichen hatten Krankheiten des Nervensystems und weitere 5 % neurotische, belastungs- und somatoforme Störungen. Bei jedem 16. hat die Intelligenz nicht ausgereicht (6,1 % !!!!), bei 4,8 % wurden Entwicklungsstörungen und bei weiteren 4,8 % Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen festgestellt. Die häufigsten Gründe für Untauglichkeit bei körperlichen Erkrankungen sind: angeborene Fehlbildungen, Deformitäten und Chromosomenanomalien. Bei 7,6 % der Untauglichen wurden diese diagnostiziert. 7,2 % hatten Ohrenerkrankungen, bei 5,3 % wurden Ernährungs- jund Stoffwechselerkrankungen festgestellt. Augenleiden schlagen sich mit 4,2 % zu Buche. Untauglich wegen Verletzungen, Vergiftungen und anderen Folgen äußerer Ursachen waren 4,3 %. Und bei 10 bis 15 % aller Präsenzdiener kann Suchtgiftkonsum nachgewiesen werden. Kommentar aus dem Verteidigungsministerium: der Prozentsatz sei ein Abbild der Gesellschaft! Gute Nacht, ein lustiges Völkchen, diese Österreicher!!

Freitag, 25. Dezember 2009

Es ist wieder warm, der Schnee ist weg, die Straßen weitgehend trocken bis feucht. Bin heute 95 km gefahren, flach, war aber nicht sehr motiviert. Die letztze dreiviertel Stunde war auch ziemlich mühsam und schleppend. Trotzdem war danach alles dreckig, das Fahrrad, das Gewand, und ich auch.

Sonntag, 27. Dezember 2009

Sonnig, windig, etwas frischer als zuletzt, ich bin nach Mixnitz raufgefahren und wieder runter, einfallslose Strecke, fad, dreckig, viel Verkehr, 100 km.

Montag, 28. Dezember 2009: Hunde, Schweine, Kinder

Habe heute meinen sarkastischen Tag. Wer Schweine großzieht, ist ein produktives, wer Kinder großzieht, ein unproduktives Mitglied der Gesellschaft. Eine uralte Aussage, die gerne auf Familienkongressen zitiert wird. Anders gefragt: was ist es wert, wenn man seine drei Kinder selbst betreut und großzieht und nicht in den Kindergarten oder die Tagesbetreuungsstätte abgibt? Wie kann ein Durchschnittsverdiener so unvernünftig sein, sich drei oder vier Kinder zuzumuten?? Wie ist es zu verstehen, daß eine fünfköpfige Alleinverdienerfamilie weit mehr Steuern zahlt als ein Paar mit zwei Gehältern? Wieso ist die Betreuung von drei Kindern, der Zeitaufwand und Verzicht auf ein zweites Einkommen oft als persönlicher Luxus angesehen?? Warum ist diese persönliche Betreuung in der Familie nur ein Bruchteil von dem wert, was die öffentliche Hand für einen Kindergartenplatz zahlt - 1.500.- € pro Platz und Monat??

Wer ökonomisch denkt, hält sich einen Hund. Oder bekommt ein Kind und gibt es in den Kindergarten. Warum gibt es dann überhaupt noch Mütter? Warum wollen die nicht tauschen? Warum wünschen sich die mehr Fairness? Und mehr Anerkennung für ihre Arbeit??

Dienstag, 29. Dezember 2009: GEHETZTES WUNDERKIND

Um 5 Uhr früh beginnt Budhias Tag mit einem Frühstück aus Haferbrei und Proteindrinks. Dann geht es zum Training, 20 km läuft der Inder jeden Tag. Manchmal sind es auch 40. So ehrgeizig wie Budhia Singh trainieren wahrscheinlich zigtausende Marathonläufer weltweit. Bloß: Budhia Singh ist 7 Jahre alt!

In Indien ist das Kind, das 2002 in den Slums von Delhi geboren wurde, längst ein Medienstar. Seine Geschichte liest sich wie ein Märchen. Erst verkauft die eigene Mutter den Buben an einen Straßenhändler, weil sie die Familie unmöglich durchfüttern kann. Doch dann nimmt ihn sein heutiger Trainer Biranchi zu sich - und entdeckt zufällig sein unglaubliches Lauftalent.

Um Budhia im "Buch der Rekorde" zu verewigen, läßt Biranchi ihn in einem aufsehenerregenden Lauf 70 km zurücklegen. Nach 7 Stunden und 65 km schreitet eine Militärärztin ein und entreißt den völlig erschöpften damals 5jährigen seinem Mentor.

"Als Budhia ganz unten war, hat sich niemand um ihn gekümmert. Jetzt mischen sich alle ein", sagt Biranchi. "Sie spielen mit demn Leben eines Kleinkindes", sagt die Ärztin.

Und was sagt Budhia? Er hat dem Ehrgeiz seines Trainers nichts entgegenzusetzen und protestiert, als ihn die Behörde zum eigenen Schutz von Marathon-Bewerben ausschließt. Sein tiefster Wunsch beinhaltet wohl trotzdem die Phantasie, nicht mehr laufen zu müssen. "Ich will Medaillen gewinnen", sagt Budhia zwar, fügt aber dann hinzu: "Und ein Fahrrad!"

Mittwoch, 30. Dezember 2009: SCHMERZEN

Heute ist wieder einer dieser Tage, die man am allerliebsten ausradieren würde. Von einer Sekunde zur anderen war der Schmerz da. Im verletzten rechten Knie, ausgehend von dort bis runter zur Ferse. Und zwar so heftig, daß ich gar nichts mehr machen konnte. Gehen war so gut wie unmöglich. Also sitzen. Ging auch nicht, denn aufstehen und hinsetzen war unmöglich. Also liegen. Ging auch nicht, denn auch das Umdrehen, von der Rücken- in die Seitenlage, in irgendeine, war unmöglich, da stechender Schmerz.

Bin - wieder mal - mit beiden Krücken herumgehumpelt, hab das Tagespensum aber auf zwei oder drei Ausflüge aufs WC begrenzt. Was anderes war nicht möglich. Tja, das ist halt das Leben nach einer so schweren Verletzung. Wie habe ich mit DEM Bein zehn Rennen gewinnen können? Ganz zu schweigen von den anderen Stockerlplätzen? Einfach unglaublich, ich darf gar nicht daran denken.

Dabei hab ich das Knie gar nicht irgendwie komisch verdreht, nein, es war eine ganz normale Situation. Mit dem Schmerz. Auf einmal, übergangslos, wie ein lange sorgfältig geplanter Überfall aus dem Hinterhalt. Mein lieber, lieber Schmerz, der mir so familiär vertraut ist, der mir ein so zwillingsgleicher Begleiter in den letzten Jahren war. Den ich am liebsten in ein anderes Universum schießen möchte. Was hilft´s, sich darüber aufzuregen. Ganz genau genommen rein gar nichts.

Donnerstag, 31. Dezember 2009: SILVESTER

Heute ging´s mit dem Bein schon wieder sehr viel besser. Bin auch wieder am Rad gesessen, 65 km flach. Auch gestern war das Wetter ja ziemlich gut gewesen, 5°, trockene Straße, fast ideale Verhältnisse für einen Wintertag. Und wenn man sowas nicht ausnutzt, kriegt man fast ein schlechtes Gewissen. Heute waren es 8°. Bin ganz locker und gleichmäßig gekurbelt, das hat dem Knie ganz gut getan.

Die darauffolgende Nachtetappe war relativ kurz. Ein paar Feuerwerke anschauen, die Kinder haben sich reingesteigert, und ein paar hundert Kracher gezündet, und das seit 18 Uhr abends. Die waren voll in ihrem Element. Naja, es war halt das übliche Programm: selbstgemachte belegte Brote, bis zum Erbrechen. Jahreswechsel. Nicht so viele Feuerwerke wie in den letzten Jahren. Und auch kein Regen wie vom Wetterbericht vorhergesagt, statt dessen sternenklare Nacht.

Freitag, 1. Jänner 2010: NEUJAHR

Hab mir heute 105 km reingezogen, aber ab der Hälfte war es eine zähe Quälerei, die Schmerzen im Knie sind unangenehm stark und präsent geworden. Daher war ich auch froh, wieder daheim zu sein. Bin dann 3 Stunden in der wohlig warmen Badewanne gelegen, hab ein paar Entschlackungsmittel ins Wasser getan, fürs Knie war das wie Balsam.

Datei:Stamps of Germany (DDR) 1964, MiNr 1033.jpg

Und weil´s so schön war, gleich noch ein Briefmarkenmotiv hinterher, anläßlich der Sommerspiele ´64 in Tokio wurde u.a. dieses Motiv gedruckt.

Datei:Stamps of Germany (DDR) 1964, MiNr 1042.jpg

Gleicher Anlaß, nur mit doppeltem Ausgabewert (10 Pfennig). Irgendwie gefallen mir diese Radsportmotive, ich werde weitersuchen und bei der nächsten Gelegenheit euch die nächsten Motive präsentieren.

 

Samstag, 2. Jänner 2010: DIE GESCHICHTE DES MARATHONLAUFS

Der Marathgonlauf über 42,41 km gilt als Inbegriff des Ausdauersportbewerbes. Warum eigentlich? Beinahe jedes Radrennen ist ja länger, sowohl von der Distanz als auch von der Fahrtzeit her. Aber egal, der Marathonlauf hat eine lange und aufregende Geschichte. Kennt ihr die?

Lief der wackere Soldat 490 v.Chr. auf kürzestem Weg von Marathon nach Athen, um vom Sieg über die Perser zu künden? Überwand er also das Pendeli-Massiv, um nach 34 km mit seinem "Freut euch, wir haben gesiegt" zu verröcheln oder lief er vom Fenchelfeld (Marathon) kommend ums Gebirge herum an der Küste entlang? Das wären dann rund 40 km gewesen. Diese Frage wird sich wohl nie richtig klären lassen.

Plutarch und Lukian von Samosata ließen sich um 100 bei Verbreitung ihrer Geschichte nicht auf Einzelheiten ein. Wohlweislich, weil sie sich einer ca.5 00 Jahre zuvor von Herodot erzählten Begebenheit bedienten, wonach ein gewisser Pheidippides in weniger als 2 Tagen von Athen nach Sparta gelaufen sei, um (vergeblich) Hilfe gegen die anrückenden Perser zu erbitten. Und von Athen nach Sparta sind es, das weiß jeder Absolvent eines Sparthatlons, an die 245 km.

Unbestritten ist, daß den ersten Marathon der Neuzeit der Grieche Spiridon Louis in 2:58:50 Stunden gewann und damit 1896 in Athen Olympiasieger wurde - freilich auch nach nur 40 km. Auf halbem Weg soll sich der Bauernsohn und Wasserträger in einer Taverne ein Glas Wein gegönnt und nach seinen Konkurrenten erkundigt haben. Nach seinem Triumph bestritt Spiridon Louis nie wieder einen Wettkampf.

Spiridon Louis

Die also gar nicht so klassischen 42,195 km wurden erstmals 1908 gelaufen. Damals, anläßlich der Olympischen Spiele in London, erfolgte der Start vor Schloß Windsor, das Ziel hatte vor der königlichen Loge im neuen Olympiastadion zu sein. Nach mehrmaligem Vermessen einigte man sich auf eine Streckenlänge von 26 Meilen und 385 Yards, also auf exakt 42,195 Kilometer.

Die Royals sahen eine sportliche Tragödie, der Italiener Dorando Pietri brach in führender Position wenige Meter vor dem Ziel zusammen. Bobbies trugen ihn ins Ziel, Pietri wurde disqualifiziert. Der weit weniger bekannte New Yorker John Hayes trug den Sieg davon. Seine 2:55:19 waren fortan die Richtschnur.

John Hayes

Wegen der Unschärfen, die Streckenlängen und -beschaffenheiten betreffend, wurden Weltrekorde bei Damen und Herren erst seit 2003 geführt. Den der Damen hält seit damals die Britin Paula Radcliffe, die in London 2:15:25 Stunden lief. Im September 2008 in Berlin drückte der Äthiopier Hailie Gebrselassie die Bestzeit der Herren auf 2:03:59.

   

Paula Radcliffe                                                      Haile Gebrselassie

Bester Marathonläufer aller bisherigen Zeiten würde sich Gebrselassie deshalb aber nicht nennen. Seine Bewunderung gilt dem schon verstorbenen Landsmann Adebe Bikila, der 1960 in Rom in bis dahin unerreichten 2:15:17 zu Olympischem Gold lief - barfuß, wie der wackere, eher unbewaffnete Soldat 490 bv.Chr. vermutlich auch.

Adebe Bikila

Sonntag, 3. Jänner 2010

Wieder schönes Wetter heute, 4°, aber starker, saukalter NW-Wind. Meine Motivation hat sich heute in Grenzen gehalten, daher gerade mal flache 57 km. Heute war einfach nicht mein Tag, alleine schon die Gedanken an das lange Umziehen, die vielen Schichten Gewand, das alles hat mir einen ziemlichen Dämpfer versetzt. Winterfrust halt...

BRUCE SPRINGSTEEN: "MUSIK IST EIN TIEFER ATEMZUG VOLL JETZT"

Habe ich euch schon mal gesagt, daß ich ein Bruce-Springsteen-Fan bin? Naja, etwas, das ich mit Annte-Stmk-Mann Martin Moser gemeinsam habe. Daher möchte ich euch auch nicht vorenthalten, was Springsteen über sein jüngstes Album "Working on a Dream" gesagt hat:

"Alles, was ich erlebt habe, ist endlich. Da kommt dann das kosmische Element, wenn du in die Zukunft siehst und die Begrenztheit begreifst. Rockmusik findet in der endlosen Gegenwart statt. Als ich jung war, lautete die wichtigste Botschaft: jetzt, jetzt, jetzt. Darum geht es auch auf der Bühne: die Suche nach dem Jetzt. Musik ist für mich: ein tiefer Atemzug voll Jetzt, voll Gegenwart, voll im Augenblick gelebten Lebens."

"Jeder versteht Schmerz. Jeder 12jährige weiß, was es heißt, Schaden zu nehmen. Du findest deine Identität in den Verletzungen, die man dir zufügt. Einen großen Teil unserer Zeit verbringen wir mit Flucht. Born to run, eines meiner Spezialthemen. Wir finden unsere Identität in den Verletzungen, in den Wunden, den Narben. Und sie werden zu Auszeichnungen. Jeder trägt die Dinge, die er überlebt hat, stolz wie Orden. Und dadurch kannst du sie auch überwinden."

 

"Man kann keinen Teil seiner Persönlichkeit zurücklassen oder entfernen. Sie sitzen alle mit dir im Auto, der 12jährige, der 22jährige, der 30jährige, der 40jährige, der 50jährige. Und die Autotüren sind versperrt. Niemand kann aussteigen. Entscheidend ist, wer lenkt. Hoffentlich ist es der am weitesten entwickelte Teil von dir, und er fährt dich an einen Ort, wo du wirklich sein möchtest."

"Das Publikum schätzt Künstler, an denen etwas frißt. Elvis - was fraß an ihm, was ließ ihn so singen und sich so bewegen? Was fraß an Jerry Lee Lewis, an Hank Williams, an Johnny Lydon? Der Trick ist, mit dem zu leben, was an dir frißt - ohne dich auffressen zu lassen. Meine Musik und ich, wir versuchen, nicht aufgefressen zu werden. So gut es geht."

Dem ist nichts hinzuzufügen. Könnte ich nicht besser ausdrücken. Auffallend: nach "Philadelphia" hat er jetzt schon mit "The Wrestler" die zweite Auszeichnung für einen Titelsong in einem Film erhalten. Scheint ein besonderes Händchen für Filmmusik zu haben.

Mittwoch, 6. Jänner 2010: Das leidige Thema Doping...

Im Winter ist ja so viel mehr Zeit als im Sommer, daher macht man jetzt auch all die Dinge, die im Sommer aufgeschoben werden. Zum Beispiel Lesen. Ich habe mir die Protokolle der letzten Dopingfälle in Österreich rausgesucht. Allein das war Arbeit für mehrere Winter, kann ich euch sagen! Zum Lesen und Durcharbeiten brauche ich da jetzt sehr viel länger als bloß ein paar Tage. Es ist doch immer wieder elektrisierend, wie all die vielen, unzähligen Dopingfälle am Ende sich auflösen und ein zusammenhängendes verfilztes Geflecht sichtbar wird. Wer konnte schon ahnen, daß das, was sich 2002 mit der Blutbeutelaffäre in Salt Lake City angekündigt hat, später mit solchen Schlagworten wie Turin 2006, Bernhard Kohl, Susanne Pumper, EPO, Stefan Matschiner, Christian Hoffmann, Walter Mayer, Humanplasma, "Irondoc", Lisa Hütthaler, Christian Pfannberger, usw. (diese Liste ließe sich wahrlich endlos fortsetzen) immer aktueller werden und schließlich durch die drei magischen Buchstaben EPO verbunden werden würde???

Ich habe die Berichte jetzt mal überflogen, aber mir sind da ein paar Details ins Auge gestochen, Details, die es sicher wert sind, daß man sich näher damit beschäftigt, Details, die aber vor allem dadurch auffallen, daß sie, so wichtig sie auch sein mögen, nicht weiter verfolgt werden...

*) Da heißt es z.B. im Reglement, daß gedopte Sportler mit einer Sperre von 2 Jahren zu bestrafen sind, es sei denn, sie nennen Namen und Hintermänner, dann kann die Sperre auf eineinhalb  oder gar nur ein Jahr reduziert werden. So weit, so gut, Beispiel Bernhard Kohl: der hat 2 Jahre kassiert, jetzt kann man daraus schließen, daß er nichts gesagt hat. Dann behauptet er in Interviews, er hätte der Soko alle Namen und Hintermänner genannt. Was soll man davon halten? Er hat Pfannberger genannt, der ist aber wegen eines anderen positiven Dopingbefundes lebenslang aus dem Verkehr gezogen worden. Dann Hannes Hempel. Der hat alles abgestritten und alles ist paletti. Stefan Matschiner. Man liest nichts von einem Verfahren. Lisa Hütthaler? Die hat selbst gestanden, ist jetzt wieder aktiv. Die Humanplasma-Ärzte? Alles abgestritten, nichts passiert. Die Ärzte bei Gerolsteiner? Alles abgestritten, nichts passiert. Der ganze oberösterreichische Sumpf mit Matschiner und Kiesl? Alles verläuft im Sande.

*) Worauf ist diese allgemeine Straffreiheit in diesem ganzen Sumpf zurückzuführen? Es hat den Anschein, als würde jemand eine schützende Hand über alle Aufgedeckten halten. Wer mag das sein? Wer ist so mächtig, daß er die Justiz und die Soko beeinflussen kann?

*) Alle Aussagen der Humanplasma-Ärzte und -Krankenschwestern rechtfertigen sich damit, daß das Doping sozusagen von höchster bzw. allerhöchster Stelle angeordnet worden sei. Wer ist damit gemeint? Politiker? Das Ministerium? Und vor allem: wieso wird all dem nicht nachgegangen? Wer war damals in der Regierung an den maßgeblichen Stellen? Kabinett Schüssel bzw. Sport-Staatssekretär Schweizer. Ein Schelm, wer Böses denkt. Warum rechtfertigen die sich, noch ehe sie beschuldigt werden?

*) In der Humanplasma-Affäre werden an die 50 Namen beschuldigt, öffentlich genannt aber werden nur ganz wenige: Kohl, Hütthaler, Pfannberger, Allen, Totschnig, Rasmussen, Dekker, Hoffmann. Wer sind die anderen? Wieso verläuft da alles im Sande? Es wird der Eindruck erweckt, als sei das Bekanntwerden dieser Namen nur ein kleines Leck gewesen, das sofort wieder gestopft worden ist.

*) Sowohl Kohl als auch Hütthaler gestehen und nennen Namen, Orte, Hintermänner. Warum passiert da nichts?

Zusammenfassend kann man wohl sagen, daß Österreich in gewisser Weise ein Doper-Paradies scheint. Die Präparate sind leicht erhältlich, die Vertriebswege nach wie vor ungestört, die Nachfrage ist vorhanden und wird durch das Angebot befriedigt. Die Tests scheinen allesamt nicht viel wert zu sein. Nahezu alle Präparate bzw. Methoden sind verschleierbar, der Rest gar nicht nachweisbar. Wird man beschuldigt, leugnet man halt. Am besten, man droht selbst gleich mit dem Anwalt, schreit laut "Rufmord!" und macht den Ankläger unglaubwürdig, indem man ihm die eigenen Delikte anhängt.

Mit jedem Kapitel, mit jedem Namen, tauchen mehr und mehr Fragezeichen auf. Und die Moral von der Geschicht´? Ehrlich, da bereut man es ja sofort, nicht selbst auch gedopt zu haben!!! Ich werde euch in den kommenden Tagen mit ein paar auffälligen Details bekanntmachen, die über die Medien gar nicht publiziert wurden. Warum wohl?

Freitag, 8. Jänner 2010: Wintereinbruch!

Es schneit und schneit und schneit! Richtig, man ist gleich aus dem Häuschen, wenn es mal ein paar Schneeflocken vom Himmel wirbelt! Das Training auf der Straße ist bis auf weiteres auf Eis gelegt (im wahrsten Sinn des Wortes!), ich begnüge mich heute mit einer Stunde Schneeschaufeln.

Samstag, 9. Jänner 2010

Man glaubt es kaum, aber es sind jetzt schon gut 25 cm Neuschnee zusammengekommen! Heute wieder 4 Stunden Schneeschaufeln. Übrigens, ehe ich es vergesse: ich habe für unser neues Vereinsmitglied Natascha Hofer eine neue website gestaltet, ihr könnt unter www.nataschahofer.at.tt mal reinsehen. Sonst beschäftige ich mich stundenlang mit der Soko Doping. Faszinierend, was einem da alles entgangen ist in den letzten Jahren!

Sonntag, 10. Jänner 2010: Training unter Tage...

Draußen schmilzt alles wieder, natürlich steht alles unter Wasser. Jetzt ist das aber nicht unbedingt das Wetter, bei dem ich mit Vorliebe draußen trainiere. Also runter in den Keller, rauf auf den Ergometer und dort die Stunden und Kilometer runtergestrampelt, alles aufgelockert durch ein paar Intervalle.

Dienstag, 12. Jänner 2010

Was die ganze Dopingcausa angeht: ich habe mir gedacht, es ist besser, ich stelle die interessantesten Artikel darüber online, so geschehen auf der Unterseite "Dopingnetz". Es dauert halt etwas, bis dort alles drauf ist, aber ein paar Artikel könnt ihr dort schon mal nachlesen. Immer wieder mal reinschauen, es wird laufend fortgesetzt!

Samstag, 16.Jänner 2010

Und wieder ist der Winter da! Ein paar Zentimeter Schnee sind heute dazugekommen. Und ich merke - wieder einmal - das Alter. Die Gelenke sind steif und schmerzen beim Aufstehen, ich brauche mehr Schlaf, ich überwinde mich schwerer, wenn überhaupt. Das kann ja noch heiter werden! Der Boiler ist kaputt, muß ausgewechselt werden, das geht aber erst am Montag. Ein ganz nettes Wochenende!

Donnerstag, 21. Jänner 2010: Neue website

Hab´s mir jetzt doch anders überlegt! Ich finde den Dopingfall so spannend, daß ich euch da wirklich kein noch so kleines und unbedeutendes Detail vorenthalten möchte. Vor allem die politische Brisanz dieses Falles ist für Österreich so typisch, also habe ich mich entschlossen, die Unterseite über diesen Dopingfall wieder zu löschen und statt dessen - auf einer eigenen website - den ganzen Fall aufzurollen. Also entweder folgenden Link anklicken oder eintippen: www.dopingnetz.oyla.de, die Adresse ist aber nicht endgültig, die werde ich noch ändern, ist noch zu kompliziert. Aber egal, seht mal rein, der Anfang ist gemacht, das Werk schreitet voran, chronologisch, beginnt mit der Blutbeutelaffäre in Salt Lake City 2002

Sonntag, 24. Jänner 2010: MEIN BESTER FREUND: DER SCHMERZ

Klingt irgendwie abgefahren, der Titel. Egal, ich steh dazu, bin aber wirklich kein Masochist. Aber bei einem Leistungssportler ist der Schmerz der ständige Begleiter. Der ist immer da, immer präsent, immer vorhanden, macht sich immer bemerkbar. Er hämmert, er sticht, er brennt, er bohrt und er treibt zur Verzweiflung, Er läßt das Wasser waagrecht aus den Augen schießen, er beschert mir Alpträume und zittrige Knie. Aber eines ist er nie: UNGERECHT! Er ist immer da, wenn ich ihn brauche. Er ist ein treuer, anhänglicher Begleiter.

Zunächst kommt er auf leisen, schleichenden Sohlen, langsam, unscheinbar, unterschwellig, aber stetig, er kriecht hinauf in die Oberschenkel, dann runter in die Unterschenkel, die Waden, zur gleichen Zeit ist er dann plötzlich im Nacken, in diesem scheinbar geometrischen Mittelpunkt zwischen den beiden Schulterblättern, von dort strahlt er in die Oberarme aus, erobert den ganzen Schultergürtel, dannn kriecht er quälend langsam im Rippenbogen runter zum Zwerchfell, und mit einem Mal bemerke ich ihn auch, wie er hinter meinen Schläfen sitzt und pulsiert. Mit immer mächtigeren, fordernden Kontraktionen drückt er gegen den Schädelknochen, dann bemerke ich ein immer unangenehmer werdendes Ziehen in den Oberarmen, bis sie beinahe taub sind.

Nein, diesmal hat er sich das Ende der Wirbelsäule ausgewählt, dort hinten sitzt er drückt mit aller Kraft, ja, wohin eigentlich? Ich merke es nicht mehr, es strahlt aus, in alle Richtungen, wie Metastasen kriecht der Schmerz überall hin, in jede Ritze, in jede noch so kleine Öffnung.

Das letzte Stadium (so weit kommt er wirklich selten) ist das Kiefer. Die Zähne schmerzen, als würden sie mkir mit einer glühenden Zange ganz aufreizend langsam ohne Narkose rausgezogen. Niemals war ein Schmerz glühender, leidenschaftlicher, unausstehlicher, fordernder und furchtbarer. In diesem Stadium habe ich die meisten meiner Konkurrenten bereits entscheidend distanziert. Es ist auch das Zeichen, daß ich an meinem Limnit angelangt bin.

Ja, richtig, die Intensität des Schmerzes ist für mich ein ganz genauer Gradmesser meiner Form. Und mit Schmerz meine ich nichts anderes als die Fähigkeit, ihm zu widerstehen, ihn auszuhalten und zu erdulden. Je besser die Form, desto höher die Schmerzgrenze.

Samstag, 30. Jänner 2010: In Wörgl

Morgen ist es so weit, die Sportlerehrung in Wörgl steht an, wie alle Jahre. Ich bin heute schon nach Tirol rausgefahren, denn das Wetter ist nicht sehr gut, es schneit stellenweise stark, und mit meinen sauschlechten Winterreifen ist das wirklich nicht lustig. Und ich muß auch noch die Rennmaschine für die Andrea fertig zusammenschrauben, das Lager fehlt noch, ich habe mir über dieses Wochenende beim Kotnik einen Schlüssel für die Shimano-Lagerschalen  ausgeborgt.

Nach Bischofshofen dichtes Schneetreiben, Schneefahrbahn, mir war gar nicht wohl in meiner Haut, aber am Paß Thurn war die Straße dann wider Erwarten frei und trocken. Erst auf der Tiroler Seite, runter nach Jochberg, Schneefahrbahn. Tiefschnee. Unten im Tal Schneematsch, naße Straße.

Derartig ausgerüstet treffe ich nach einer Odyssee in Wörgl ein. Ich hätte die Stephanie in Kitzbühel mitnehmen sollen, aber da war niemand zuhause, und am Telefon hat sich auch keiner gemeldet. Bin an der Wohnungstür gestanden, hab geläutet und gehorcht, aber es war finster und man hat keinen Mucks gehört, also bin ich alleine nach Wörgl rübergefahren.

Alle Trümmer sind da, der Hans hat sie vorbeigebracht, und ich mache mich sofort an die Arbeit. Es ist zum Haareausraufen, jetzt habe ich das richtige Lager mit dem richtigen Gewinde (italienisch), aber es paßt einfach noch immer nicht! Das Shimano-Lager und die FSA-Kurbelgarnitur sind NICHT kompatibel! Ich rufe ihn an, er ist frustriert. Ich auch. Jetzt brauchen wir unbedingt ein FSA-Lager, denn die Shimano-Kurbelgarnitur gibt es nicht mit den Kettenblättern 50/34. Es ist spät, als ich mich niederlege, weitergebracht habe ich nichts.

Sonntag, 31. Jänner 2010: Sportlerehrung in Wörgl

Gegen Mittag bin ich zum Hans auf den Angerberg raufgekrochen, wir haben dort in seinem reichhaltigen Fundus herumgekramt, aber nichts gefunden. Also muß er das neue FSA-Lager beim Stöger bestellen, und damit ist das Thema für heute gestorben. Dann hat er die Idee, daß er einen alten Krabo-Karbonrahmen als Materiallager hernimmt, aber der ist noch ganz toll beisammen und so gut wie gar nie gefahren, also mache ich den Vorschlag, daß wir das Rad lassen und vollständig bestücken. Er hat eine Campagnolo-Super-Record-10fach-Schaltung, nur der linke Schalthebel ist kaputt, da ist der Schaltgriff rausgesprungen. Mühsam baue ich ihn wieder ein, es dauert eine knappe Stunde. Die Seilzüge muß ich auch alle erneuern. Naja, der Tag vergeht quälend langsam, dann wird es Abend.

Die Look-Pedale habe ich daheim in Graz vergessen, das ist wirklich nicht mein Wochenende, und dann schickt mir die Andrea zu allem Überdruß noch ein SMS, daß sie mit ihrem Freund eine Skitour macht und heute abend nicht kommt. Langsam frage ich mich, weshalb ich eigentlich nach Wörgl gefahren bin, ich hätte daheimbleiben sollen! Der Rothauer Sigi und der Schweighofer Hans kommen diesmal auch nicht, die sind in der Tschechei in Tabor bei der Querfeldein-Weltmeisterschaft. Der Exenberger kommt auch nicht, weil er faul und bequem ist, und die Laure hat auch keine Zeit, obwohl sie schon vor Wochen fix zugesagt hat. Es stimmt: wenn es dick kommt, dann wirklich ganz, ganz dick! Für die Andrea hab ich den Trainingsplan mit, die ersten Intervalle, alles ganz genau beschrieben, aber die Gute kriecht ja irgendwo im Gebirge rum!  Um 18 Uhr beginnt die Ehrung, und da ist sie noch nicht daheim?

Weils da auch ein Buffet gibt, habe ich seit zwei Tagen nichts gegessen, aber als ich dann da voller Frust im saukalten Haus in Wörgl sitze, und das bei minus 8 Grad draußen, da überkommt mich plötzlich ein derartig fieser Heißhunger, daß ich mich nicht mehr halten kann und ich plündere den Kühlschrank und fresse ihn leer wie eine Schar Heuschrecken! Um 18 Uhr habe ich einen vollgefressenen Bauch und kann mich kaum rühren, als ich zum Buffet wanke. Scheißtag!

Aber wenigstens hocke ich nicht alleine mit dem Hans dort, der Manfred mit der Stephanie ist gekommen, und unser Neuzugang ist auch da, die Hofer Natascha mit Vater und Schwester. Wenigstens jemand zum Reden da. Und dann beginnt auch schon die Ehrung. Insgesamt 258 Sportler sind heuer eingeladen, mehr als je zuvor - ein neuer Teilnehmerrekord! Naja, Sportstadt Wörgl halt. Wir sind alle vertreten. Um hier eingeladen zu werden, braucht es schon eine stolze Erfolgsbilanz: ein Tiroler Landesmeistertitel, oder eine Medaille bei den Österreichischen Meisterschaften oder bei internationalen Titelkämpfen. Oder ein Sieg bei einem internationalen Rennen. Diese Anforderungen erfüllen wir alle. Und so machen wir uns durchaus Hoffnungen auf die Mannschaft des Jahres.

Immerhin, die Zahlen sprechen für sich: Rothauer ist Österreichischer Straßen- und Kriteriumsmeister und Vizebergmeister, der Hans ist Österreichischer Vizestraßenmeister und Dritter der Kriteriumsmeisterschaft, ich bin Österreichischer Vize-Kriteriumsmeister, die Stephanie ist Österreichische Meisterin im 250-Meter-Zeitfahren auf der Bahn und Vizemeisterin im Scratch, das macht also 3 Österreichische Meistertitel, insgesamt 8 Medaillen bei Meisterschaften, dazu der Vize-Europameistertitel auf der Straße vom Sigi, die Silbermedaille bei den Olympischen Spielen im Kriterium in Sidney, insgesamt 31 Siege und 63 Stockerlplätze, ganz zu schweigen von den 59 Plazierungen zwischen dem 4. und dem 10. Rang, damit haben wir heuer 122 Top-10-Plazierungen! Es ist dann schon etwas ernüchternd, als wir weder einen Sportler des Jahres stellen, noch eine Sportlerin des Jahres und auch nicht Mannschaft des Jahres werden. Diese Auszeichnung sichert sich die Damenmannschaft des Wörgler Tennisvereins! Was haben die sich heuer geleistet? Keine Ahnung. Aber wie gesagt: es ist nicht mein Tag heute!!! Naja, wenigstens kriege ich wieder ein paar Gutscheine für die Wörgler Einkaufswelt, habe jetzt schon 80.- €, und die sind ganze 3 Jahre lang gültig, das ist ja wenigstens etwas.

Dann schlingen wir beim Büffet unseren Frust runter. Das Salatbüffet ist wirklich sehenswert, da sind gut 20 verschiedene Salate aufgetischt, als Hauptspeise - und das ist leider etwas dürftig - gibt´s nur Maccheroni mit einer Käsesoße, Hendlflügerl oder Rindsschnitzel. Ich entscheide mich - weiß eigentlich gar nicht, warum??? - für letzteres, esse aber hauptsächlich die Salate, denn die sind wirklich gut. Für die Mehlspeisen reicht dann das Fassungsvermögen meines Magens leider nicht mehr, denn da war das Timing mit der Freßattacke eine Stunde zuvor nicht ganz ideal.

Naja, um halb 10 Uhr abends breche ich auf und fahre heim nach Graz, über den Paß Thurn krieche ich im hellen Mondesschein im Tiefschnee über den Paß, ich bin ganz knapp raufgekommen, weil kein Verkehr war, wenn ich da stehenbleiben oder auch nur bremsen hätte müssen, ich hätte nicht mehr anfahren können, hätte umdrehen und wieder runterfahren müssen. Naja, um diese Zeit und bei dem Wetter (dichtes Schneetreiben) war auch - Gottseidank - kein Verkehr. Und danach bis heim nach Graz war es ein ständiger Wechsel zwischen sternenklarer Nacht und Schneegestöber. Ich bin hundsmüde und komme um 3 Uhr früh in Graz an.

Sonntag, 7. Februar 2010

Es ist kalt, windig, ich habe absolut keinen Bock aufs Training. Trübes Wetter, dicke Wolkendecke, Minusgrade.

Mittwoch, 10. Februar 2010

Scheißkaltes Wetter! Ich krieg keine Trainingstage zusammen, kaum sitze ich am Rad, frieren die Zehen ab, die Finger, die Ohren, und die Motivation ist vorher schon im Keller.

Samstag, 13. Februar 2010: Training in Friaul

Das Wetter hat mir gereicht daheim, zuletzt ist sogar das Rad eingefroren! Also habe ich in den sauren Apfel gebissen und bin übers Wochenende nach Friaul runter gefahren, um wenigstens zwei ordentliche Trainingstage in dieser Woche zu haben! Großer Aujfwand, aber ich bin heute mal bis Artegna runtergefahren, das liegt an der Staatsstraße zwischen Gemona und Udine, hab das Rad ausgepackt und bin bei +8° gefahren, daheim hatte es heute früh -9° - hier ist es jetzt also 17 Grade wärmer! Zwar auch bedeckter Himmel, aber egal, man kann wenigstens im Freien atmen, ohne sich gleich eine eitrige Bronchitis zu holen!

Die Ausdauer fehlt mir etwas, aber dafür war die Motivation da, und das gleich ordentlich! Ich bin also von Artegna aus rechts reingefahren nach San Daniele, runter bis Dignano, alles bei leichtem Seitenwind, dann rüber nach Spilimbergo und rein in die Hügeln bei Valeriano und Pinzano, über den Tagliamento rüber, den Anstieg nach Ragogna rauf, den kenne ich von einigen Rennen, die ich hier schon gefahren bin. Dort war ich dann schon ziemnlich müde, bin aber noch über San Daniele nach Rive d´Arcano runter, rüber nach Fagagna, über Moruzzo rauf nach Colloredo di Montealbano, sehr hügelige Gegend, viele Höhenmeter, unter der Autobahn durch nach Treppo Grande und wieder rauf nach Artegna. 77 km nur, aber ich war gute zweieinhalb Stunden unterwegs. Habe mir ein Zimmer gresucht, in Reana del Rojale auch gefunden, und das um gerade mal 17.- € inklusive Frühstück!

Sonntag, 14. Februar 2010: Training in den friulanischen Bergen

Heute früh iswt es etwas freundlicher, ich zahkle das Zimmer, frühstücke noch und packe zusammen, lasse das Auto aber am Parkplatz stehen, direkt an der Staatsstraße Nummer 13, ich bin hier 8 km nördlich von Udine. Als ich mich umgezogen habe und um 9.25 Uhr aufs Rad steige, hat es draußen schon 8°, die Sonne blinzelt durch die Wolkendecke, es bläst ein starker Nordwind. Ich fahre nach rechts Richtung slowenische Grenze rüber, hier kenne ich das Gelände von zahlreichen Rennen her. Über Qualso geht es rauf nach Nimis, über den Passo di Monte Croce (klingt schwer, aber da fahre ich mit dem großen Blatt drüber) nach Attimis, runter nach Povoletto, jetzt habe ich den Wind im Rücken. Weiter geht die Fahrt über Remanzacco nach Buttrio, auf der Hauptstraße runter nach Cormons, dann drehe ich um, weil ich Angst habe, die lange Rückfahrt im Gegenwind nicht mehr zu schaffen. Ich fahre am Berghang entlang, der hier die Grenze zu Slowenien bildet, es geht dauernd rauf und runter, über Corno und Prepotto komme ich wieder nach Cividale zurück, auf einer kleinen Gemeindestraße durch Ziracco, Marsure und Rizzano fahre ich zurück nach Reana. Fix und foxy bin ich dann, aber ich habe 96 km hinter mich gebracht, in 3:20 Stunden, und es war ein toller Trainingstag. Die Heimfahrt war weniger toll, in Kärnten hat es geschneit.

 

 

Malerische Gegend bei Cividale

Samstag, 20. Februar 2010

Der Winter ist jetzt wohl vorbei, es ist wärmer geworden, der Schnee schmilzt, ich kann - endlich - wieder draußen trainieren. Die Beine sind noch etwas wackelig, aber nach zwei, drei Trainingseinheiten bin ich wieder der alte. Und dabei sind die ersten Profirennen schon Geschichte! Australien, Spanien, Italien, Sonne, heißer Asphalt, da kommt man doch ins Träumen. Es dauert nicht mehr lange, und das erste Rennen steht vor der Tür. Ich muß meinen - doch existenten - Trainingsrückstand aufholen. Nicht viel, aber etwas. Ich fahre jetzt schon ein paar Intervalle, ganz einfache, auf flachem Gelände, ich gehe vom normalen Trainingstempo aus, ca. 30 km/h, beschleunige auf 32, dann auf 34, auf 36, und jedes Tempo halte ich etwea 8 bis 10 Sekunden lang. So geht es rauf bis 44 oder 45, dann wieder runter, da fahre ich dieselben Stufen. Das ist fast noch schwerer als das Beschleunigen. Zwei bis drei solcher Staffeln fahre ich in dieser Woche pro Training, danach werden es mehr.

Alptraumwetter!!!

In Gedanken bin ich schon bei den ersten Rennen, in Slowenien und Ungarn. Mein Verein hat heuer erstmals einen ziemlichen Aderlaß hinnehmen müssen. Im Spätherbst schon hat sich die Stephanie Strobl abgemeldet. Sie fährt jetzt bei der NÖ-Rad-Union vom Stocher Franz, und im Jänner ist dann der Rothauer Sigi gefolgt. Er bildet sich ein, bei einem anderen Verein (genaugenommen beim ARBÖ Grassinger Lambach) kriegt er sehr viel mehr bezahlt als bei uns in Wörgl. Mit den beiden sind unsere drei österreichischen Meistertitel weg (Stephie auf der Bahn, Sigi Kriterium und Straße), und der stärkste Master-Verein Österreichs sind wir natürlich auch nicht mehr. Wie kann man das komnpensieren? Die Natascha Hofer ist dazugekommen, aber die wird noch eine Weile brauchen, bis sie die Stephie ersetzen wírd können, wenn überhaupt, und die Knapp Andrea, aber die braucht auch noch eine Anlaufphase. Und Österreichische Meistertitel darf man da nicht erwarten. Wir werden also 2010 wieder kleinere Brötchen backen müssen. Okay, das ist der Lauf der Welt.

 

 

Chrissie Soeder, auch nicht gerade die richtige Adjustierung (ich meine natürlich die Lenkerauflage!

Freitag, 26. Februar 2010

Wieder eine Woche rumgebracht, es war saukalt draußen, mehr als zwei bis zweieinhalb Stunden Training sind da gar nicht möglich, und meine Motivation ist wieder in den Keller gefallen. Kann mich in den letzten Jahren an gar keines erinnern, in dem der Winter sich derart hartnäckig gewehrt hat! 

Montag, 1. März 2010

Mit Riesenschritten kommt die Saison näher, rundherum (ich meine im Ausland) sind die ersten Rennen im Gange, nur hier herrscht noch tiefster Winter. Und kaum scheint einmal die Sonne, kommt das dicke Ende am nächsten Tag, meist schneit es dann oder es hat Minusgrade.

Das kann ich euch doch nicht vorenthalten!

Verfolgungsrennen im Schnee...

Donnerstag, 4. März 2010

Heute ist mir eine ganz interessante Ausschreibung reingeflattert, von meinen lieben Freunden aus Slowenien, die am 14. März, also in eineinhalb Wochen, das traditionelle Eröffnungsrennen in Murska Sobota veranstalten. Die Strecke leicht abgeändert, wegen einiger Baustellen (da dürfte es im Süden auch einige Frostaufbrüche gegeben haben!), aber das wichtigste: weil die Masterfahrer dort unten bisher so wenig Rennen im Jahr haben, hat es dort im Winter ganz interessante Aktivitäten gegeben. Die haben doch glatt einen eigenen Verband gegründet, sich vom slowenischen Radsportverband irgendwie losgelöst, das betrifft hauptsächlich die Veranstalter von Masterrennen. Es gibt jetzt also einen eigenen "Kolesarski"-Verband für Masterfahrer, die Lizenz löst man ganz einfach und unbürokratisch um 25.- € beim ersten Rennen, für jeden Start zahlt man dann 3.- € an den jeweiligen Veranstalter. Diese Rennen sind jetzt auch offen für Unlizenzierte (?), sofern sie diesen Jahresausweis lösen. Slowenienweit haben sich heuer schon über 30 Veranstalter gefunden, die da mitmachen, Tendenz steigend. Und wenn sich noch ein paar zusammenfinden, können sie vielleicht gar dem slowenischen Verband irgendwelche Regeln aufzwingen. Die Masterrennen sind jetzt also nicht mehr an irgendwelche anderen Klassen gekoppelt. Bin gespannt, wie das dann in der Praxis aussieht.

Samstag, 6. März 2010: Wieder Winter, wieder Schnee!

Ich kann es kaum glauben, es schneit schon wieder den ganzen Tag, und gut 12 cm Neuschee sind es diesmal wieder. Am liebsten würde ich auswandern, irgendwohin in die Karibik. Dort soll ja angeblich die Sonne scheinen.

Das ist für alle Sonnenhungrigen!

Neue Sportart? Etwa gar olympisch??

Sonntag, 7. März 2010: WIEDER SCHNEESCHAUFELN!!

Wieder mal die in letzter Zeit typische Sonntagsbeschäftigung: Schneeschaufeln! Die Saison steht vor der Tür, und eine Woche vor dem Saisonstart versinkt hier alles im Schnee! Sauwetter, grausliches!! Unten in Slowenien wird´s wohl dasselbe Wetter haben, ist ja nur eineinhalb Autostunden entfernt.

Montag, 8.März 2010: BOG SNORKELLING!!!

Leute, ich hab ´ne neue Sportart entdeckt: Bog Snorkelling, das SCHLAMM- oder SUMPFSCHNORCHELN!!! Das ist ein Hit!! Die Briuten haben es erfuznbden, und ganz besonders tun siuchg da die Waliser hervor, die seit 1976 in Llanwrtyd Wells die Weltmeisterschaft abhalten. Die 110 m lange Strecke muß dabei im Delphin-Stil zurückgelegt werden. Sieger ist, wer den Matsch am schnellsten durchpflügt.

 

Mia Roberts of North Wales climbs out of the bog as she completes the 120yd course dressed as Wonder Woman during the World Bog Snorkelling Championships held at Waen Rhydd Bog on August 31, 2009 in Llanwrtyd Wells, Wales.

Und das ist die neue Weltmeisterin, Mia Roberts aus Wales

Freitag, 12. März 2010

Es ist soweit, übermorgen steht das erste Rennen auf dem Programm. Die Straßen sind jetzt frei und größtenteils trocken,aber die Temperaturen sind gerade mal im Plusbereich. Noch nie habe ich einen Saisonauftakt dermaßen unpassend gefunden wie diesmal. Start um 11 Uhr am Sonntag, wenn wir Glück haben, hat es da schon Plusgrade. Bin heute 110 km gefahren, die letzten knappen zwei Stunden mit einem Schnitt von 35 km/h - erraten, Rückenwind! Aber ich hab das Tempo durchgehalten, habe mich heute erstaunlich frisch und stark gefühlt. Ist es wirklich schon Mitte März???

Sonntag, 14. März 2010: STRASSENRENNEN  IN MURSKA SOBOTA (Slowenien)

Brrr!!!! Heute früh um 6 Uhr, als ich losgefahren bin, hatte es noch MINUS 2 GRAD!!!!! Sicherheitshalber habe ich all die dicke Winterwäsche mitgenommen, und schon während der Fahrt ist überhaupt kein Wettkampfgefühl aufgekommen. Bis Murska ist es auch um kein einziges Grad wärmer geworden, schrecklich! Dabei hat die Sonne gescheint!

Der einzige Grund, weshalb ich da heute mitfahre: die persönliche Einladung, die sie mir geschickt haben, schließlich starte ich als Vorjahrssieger mit der Startnummer 1 zu meiner Hinrichtung! Und das Wunder geschieht tatsächlich: bis zum Start um 11 Uhr wird es warm, das Thermometer zeigt dann sogar schon 7° an! Die Veranstalter begrüßen mich wie ein altes Familienmitglied, dabei können wir kaum ein paar Worte wechseln, ich kann nämlich kein Slowenisch! Aber der Vorjahrssieger ist da, wertet die Veranstaltung auf, und das ist in diesen Zeiten sehr, sehr wichtig für die Veranstalter von Masterrennen, die sind auf jede noch so kleine Resonanz angewiesen. Je mächtiger sich der neue Verband präsentiert, desto eher muß er anerkannt werden. Ich bin der einzige Österreicher am Start, die österreichische Grenze liegt aber gerade mal 11 km entfernt...

Kurze Hose, die Gänsehaut läuft mir vor dem Start bereits unentwegt rauf und runter, ein Kurzarm- und darüber ein Langarmtrikot, zwei Paar Socken, beim Aufwärmen noch die Winterhandschuhe, eine lange Hose, eine dicke Thermojacke, eine Skihaube, und dennoch fühlt sich die arktisch-kalte Eisluft auf der Haut an wie kleine Nadeln, die sich die Haut zurechtschneiden... Ich wärme gerade mal 10 Minuten auf, die Zähne klappern bereits, ich verkrieche mich dann wieder ins Auto, da ist es noch warm. Doch dann ist es soweit, ich muß raus in die Kälte...

Schön wärs, aber auf diesen Maschinen sitzen im Original die Exekutivbeamten... und die sind wärmer angezogen!

Ein Panoramablick über Murska Sobota

Nach dem Rennen sitze ich noch lange mit den Veranstaltern zusammen, sie erklären mir den "neuen Verband" genau und was sie damit bezwecken. Daß sich der slowenische Verband und vor allem die UCI das aber gefallen lassen, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Wenn sie dem Verband den Rücken drehen, dann haben sie ja auch die UCI verlassen. Und damit gibt´s auch keine internationale Vernetzung mehr, was ist mit dem Problem der Versicherungen? Ein seltsames Volk, diese Slowenen. Mir soll´s egal sein, solange ich Rennen fahren kann, werde ich das tun. Und jetzt gibt es für mich sogar noch mehr Startmöglichkeiten, nächste Woche gibt´s ein "Rebellenrennen" in Lenart, auch nicht viel weiter, zwischen Murska Sobota und Maribor gelegen. Und dann wartet die dreitägige Krajina-Rundfahrt, ehe es in Österreich losgeht.

Montag, 15. März 2010

So, jetzt aber mit Vollgas ins Training! Das gestrige Rennen hat klar aufgezeigt, wo´s noch Defizite gibt, und die gilt es jetzt schleunigst zu beseitigen. Die Motivation ist da, und jetzt ist auch das entsprechende Wetter endlich da. Sonnenschein, milde Temperaturen. Was will das Radlerherz mehr????

Dienstag, 16. März 2010: ALARMSTUFE ROT

Das Leben besteht nicht nur aus dem Radsport, nicht nur aus Rennen und Training, es gibt noch genug andere Probleme, die das Leben schwer machen. Heute vormittag klingelt das Telefon, es ist der Klassenvorstand vom Dominic dran (Keplergymnasium). Er meint ganz ungeduldig, es wäre endlich an der Zeit, daß die Eltern vom Dominic endlich mal zu ihm in die Sprechstunde kämen, jetzt ganz besonders wichtig, da er seit genau 3 Wochen nicht mehr in der Schule war, und das die Zeit ist, die man unentschuldigt fehlt, ehe man automatisch von der Schule abgemeldet wird. Und ich dachte immer, er sei jeden Tag in die Schule gegangen, wenn er in der Früh seine Schultasche packt und aus dem Haus geht! Naja, der Apfel fällt halt doch nicht allzu weit vom Stamm.

Als er dann mittags aus der "Schule" heimkommt, und ich ihn frage, wie´s denn dort war, meint er nur: "Wie immer."  Selbst als ich ihm sage, daß sein Klassenvorstand angerufen hat, bringt ihn das nicht aus der Ruhe. Was er denn gewollt hat, fragt er. Als ob er das nicht gut genug weiß! Sich in keiner Situation eine Blöße geben! Das kann er jedenfalls sehr gut.

Dann läßt er sich immerhin zu der Bemerkung hinreißen daß er nicht mehr schulpflichtig sei und eigentlich sowieso eine Lehre anfangen möchte. Und er weiß auch schon ganz genau, was, nämlich Fitnessbetreuer! Das geht Schlag auf Schlag, da kommt man kaum zum Denken dazwischen.

Bereits am Nachmittag sind wir beim AMS, dort wollen sie ihm unbedingt davon abraten, weil die Berufsaussichten vornehm ausgedrückt beschissen sind. In der gesamten Steiermark gibt es eine einzige aktuelle freie Stelle, nämlich in der Rogner-Therme in Bad Blumau, und dort wird der eine einzige Lehrling ab Mai eingestellt. Ich versuche unzählige Male, den Personalchef dort anzurufen, aber es hebt nie jemand ab.

Mittwoch, 17. März 2010

100 km Training, zäh, aber es ist sich ausgegangen. Jeder dieser Kilometer ist immens wichtig, es ist harte Arbeit, die Muskeln sind überfordert, reagieren mit Schmerzen. Man kann halt nichts erzwingen.

Freitag, 19. März 2010

Bin heute noch 70 km gefahren, ein paar Intervalle, die Form ist besser als noch zu Wochenbeginn. Das tut gut, gibt Selbstvertrauen und stärkt die Motivation. Das morgige Straßenrennen findet auf schwierigem Gelände statt, das ist ein ganz anderes Kaliber als noch am letzten Wochenende. Da wird es gewaltige Zeitdifferenzen geben. Und da wird jede Schwäche offenbar werden.

TAG DER OFFENEN TÜR IN DER ROGNER-THERME BAD BLUMAU

Heute ist in der Therme der "Tag der offenen Tür", also fahren wir hin, ich mit dem Dominic. Um 13 Uhr beginnt eine Führung durch die gesamte Therme, alle Bereiche, alle Büros, ein Blick sozusagen hinter die Kulissen. Und es haben sich an diesem gesamten Tag inklusive Dominic nur gerade mal zwei Interessierte gemeldet! Dabei sollen jetzt 18 Lehrlinge aufgenommen werden, einer davon eben der auszubildende Fitnessbetreuer.

Also, ein paar Eindrücke habe ich euch zusammengestellt, aber die meisten von euch werden die Therme ja sowieso kennen. Bei der Führung fallen auch ganz interessante Zahlen: 131 Angestellte, maximal 800 Hausgäste, Minimum aber auch immerhin 400, und maximal 160 Tagesgäste. Dazu kommen Suiten mit bis zu 120 Quadratmetern, das sind ja wahre Paläste,  dazu antiallergische Bettwäsche, der Härtegrad der Matratze läßt sich digital einstellen! Die zweite, ein 16jähriges Mädchen, möchte ins Gastgewerbe. Wie es scheint, ist der Dominic also wirklich (toi, toi, toi) der einzige Interessent! Telefonnummern werden ausgetauscht, ein Bewerbungsbogen ausgegfüllt, ein Termin für ein Bewerbungsgespräch vereinbart, dann soll noch ein Schnuppertag stattfinden, ehe die endgültige Entscheidung fällt. ABER ZURÜCK IN DIE SCHULE WILL ER NIE MEHR!! Mein Einwand, daß er dann sowohl Kinderbeihilfe als auch Versicherung verliert, interessiert ihn nicht.

Rogner-Therme, designed by Hundertwasser! Und der Personalchef erzählt auch die Geschichte, daß sich der Hundertwasser kurz vor der Eröffnung mal die Therme von innen anschauen wollte, aber vom Sicherheitspersonal nicht reingelassen wurde, weil die geglaubt haben, er sei ein Waldschrat oder zumindest ein Sandler.

Hundertwasser, 1928 geboren, damals allerdings noch als Fritzchen Stowasser, änderte seinen Namen 1950 in Hundertwasser (sto = lateinisch = hundert), und 1960 seinen Vornamen von Fritz (Friedrich) in Friedensreich.

Hier Hundertwasser mit dem alten Rogner in der Therme in Blumau

Als wir dann wieder heimfahren, habe ich nicht mehr ein ganz so schlechtes Gefühl. Vielleicht passiert ein Wunder und sie nehmen ihn ja doch. Das Aufgabengebiet ist sehr vielfältig, er muß den Fitnessraum instandhalten (nämlich die Geräte), muß Bedienung, Wirkung und Aufbau den Kunden erklären, muß Trainingsprogramme erstellen, auch ganz individuelle, muß Trainingsgruppen einteilen und leiten, das geht je nach Jahreszeit von Aquajogging, Nordic walking, Radtouren in der Umgebung, Wandern, Waldläufe, etc. bis hin zu Verwaltungs- und Bürotätigkeiten. Dazu kommen noch drei (!) Fremdsprachen, nämlich Englisch, Französisch und Italienisch. Ob er da nicht im Gymnasium besser dran wäre???

Samstag, 20. März 2010: STRASSENRENNEN IN LENART

Ich bin das Rennen hier schon einmal gefahren, allerdings war damals das Finale auf anderer Strecke, es war leichter. Auf den letzten 20 km werden diesmal mehrere Anstiege warten, die die Entscheidung bringen sollten. Naja, übrigens: heute findet auch der Klassiker Mailand-San Remo statt - was für ein Vergleich! Die Profis stehen schon voll im Saft, haben die ersten großen Klassiker und Etappenrennen hinter sich gebracht, bei uns sind noch alle im Winterschlaf.

Das Wetter ist herrlich, es ist warm, ich fahre kurzärmelig, die Temperaturen bewegen sich um die 20° - es gibt nichts auszusetzen! In einer Stunde bin ich in Lenart unten.

Heimfahrt: ich bin total k.o., habe mich noch immer nicht erfangen, die Beine sind steif und voller Milchsäure.

Sonntag, 21. März 2010

Ganz warm war es heute, gut 20°, gar nicht frühlingshaft, nein, das war heute schon der Sommer. Bin heute hügelige 125 km gefahren, war ganz gut in Form, die letzte Stunde war ganz schön stark, bin gegen den Wind 30 bis 32 km/h gefahren.

Dienstag, 23. März 2010

Dilemma! Was ist ein Dilemma? Der Terminkalender Anfang Juni ist ein Dilemma! Am 3. Juni das "Race across Styria" von Bad Aussee nach Bad Radkersburg über 280 km, am 5. Juni die Plattensee-Rundfahrt über 206 km und am 6. Juni der Klassiker Mailand-San Remo über 298 km. Die unglaublich dilettantischen Fettsäcke in allen Verbänden, national und international, haben es doch glatt geschafft, alle drei langen Klassiker in diesen drei Nachbarländern (!) auf dasselbe Wochenende zu legen!!! Wie kann man die denn dann fahren? Alle drei auf einmal??? An einem Wochenende 800 Rennkilometer??? Also am Donnerstag in Bad Aussee, dann vielleicht noch den Plattensee, da ist ein Tag Pause dazwischen, Mailand-San Remo ist mit den 300 km und den vielen Steigungen viel zu schwer nach dem Auftakt, oder eben nur eines von diesen dreien. Wenn zwei, dann Donnerstag und Samstag, wenn Sonntag, dann nur Sonntag alleine.

Das "Race across Styria" bin ich ja schon einmal gefahren, damals in fünf Teilen, die allesamt mit geführtem Vorausauto und vorgeschriebener Geschwindigkeit waren, ist für mich uninteressant, dafür zahle ich nicht ein horrendes Startgeld, damit ich dann 9 Stunden lang mit Tempo 34 durch die Steiermark fahren kann. Heuer soll es - angeblich - ein Eliterennen geben, also so etwas wie ein echtes Rennen, das ist wieder interessant. Wenn ich als Masterfahrer da starten kann, warum nicht? Wenn das nicht geht, dann ist der Fahrplan klar, dann Sonntag Mailand-San Remo. Am Plattensee bin ich auch schon mal gefahren, das ist mit 206 km das kürzeste der drei Rennen, und wenn es durch die Steiermark auch meist bergab geht, flaches Terrain, hohes Tempo, so wird das doch ziemlich in die Beine gehen. Da tut ein Tag Pause vielleicht (hoffentlich!) Wunder. Und am Plattensee gibt´s auch nur ganz harmlose Anstiege, eigentlich nur "Bodenwellen"! Das ist daher die einzige Kombination, die ich mir mit zweien dieser Rennen vorstellen kann. Aber ich bin dann noch so saublöde, daß es mir um die leid tut, die ich dann NICHT fahren kann!

Mittwoch, 24. März 2010

Das Training geht voran, bin heute gute zwei Stunden gefahren, recht zügig, 29,8 km/h, 60 km wellig bis hügelig, es ist warm, eigentlich schon fast heiß, zumindest empfindet man das so nach den saukalten Tagen des Spätwinters. Zwei Stunden lang hinhalten schaffe ich, die dritte Stunde ist noch ein Desaster. Und am Wochenende wartet dann schon die Krajina-Rundfahrt in Slowenien, drei Tage, vier Etappen, das letzte Teilstück davon ist ein langes (125 km), da habe ich noch etwas Bauchweh, wenn ich daran denke. Aber egal, die Rundfahrt ist flach, schnelle Kilometer, gute Besetzung, einfach ein ideales Aufbaurennen um diese Jahreszeit - vorausgesetzt, man ist schon so weit, daß man die Distanz bewältigen kann!

Donnerstag, 25. März 2010

Ich fühle mich nicht schlecht, aber am Berg bin ich noch sauschwach. In der Ebene bin ich schon ein paar Intervalle gefahren, das geht so halbwegs. Naja, jedes Rennen ist ein gutes Training, und in meinem derzeitigen Zustand ist jedes Rennen Balsam für den Formaufbau.

Panorama von Kranj

Freitag, 26. März 2010: GIRO DE GORENJSKA

Ich bin runtergefahren nach Kranj, bin gerade noch zurechtgekommen, es ist ja nicht so einfach, weil ich kein slowenisches Autobahnpickerl habe, also muß ich mich auf den Landstraßen durchschlagen, und in Slowenien funktioniert mein Navi auch nicht. Aber es ist sich gerade noch ausgegangen, es ist derselbe 3,5-km-Rundkurs wie im Vorjahr, nur fahren wir diesmal 17 Runden (im Vorjahr waren es nur 14). In der Nacht dann, nach dem Rennen, fahre ich über die Grenze zurück nach Kärnten, wo ich, wie im Vorjahr auch, ein Zimmer genommen habe.

Samstag, 27. März 2010: GIRO DE GORENJSKA

Zweiter Tag, Etappen 2 und 3, ein sauschwerer Tag, ich habe in der Früh schon schwere Beine, die Nachmittagsetappe ist ein Kreuzweg. Hinhalten vom Start weg! Dann nix wie ab zurück ins Quartier, für zwei Stunden lege ich mich in die Badewanne. Ich fühle mich ein klein wenig besser, aber sehr müde und schwach. Die fehlende Form ist ein Wahnsinn, ich fühle mich wie ein Nackerbatzerl.

Sonntag, 28. März 2010: GIRO DE GORENJSKA, SCHLUSSTAG

Schlußetappe, 126 km, im Gegensatz zum Vorjahr diesmal schönes, trockenes Wetter. Die vergangenen drei Etappen sowie die fehlende Form sind mir tief in die Knochen gebrannt. Ein wahres Himmelfahrtskommando! Und die Italiener randalieren sofort nach dem Start, schlimmer kann´s gar nicht sein! Irgendwann ist auch dieser Tag vorbei und irgendwann bin ich im Ziel. Geschafft! Ich lebe noch, bin nicht tot, aber gerädert. Und so soll´s ja sein. Es war ein total wichtiges Rennen, diese schweren Kilometer habe ich wirklich gebraucht. Jetzt ein paar Tage locker trainieren, dann kommt der Effekt dieser Rundfahrt voll zum Tragen.

Mittwoch, 31. März 2010

Habe jeden Tag leicht trainiert, heute erstmals eine längere Runde gefahren, 105 km, das Wetter war nicht besonders. Am Wochenende wieder drei Rennen, aber endlich in Österreich. Aurach ein langes Straßenrennen, dann das Kriterium in Neumarkt/Wallersee, am Ostermontag das Straßenrennen in Beltinci in Slowenien, knapp unterhalb von Murska Sobota. Ein stolzes Programm, aber ich brauche jetzt wirklich jedes Rennen. Ein gewaltiger Trainingsrückstand, den ich aufholen muß.

Nur so am Rande: am nächsten Donnerstag hat der Dominic in Blumau das Vorstellungsgespräch.

Donnerstag, 1. April 2010

Habe heute schwere 85 km trainiert, es war kalt, saukalt eigentlich, am späten Nachmittag hat es es dann sogar geregnet. Bin geschafft, war mausetot. Das Training ist insoferne zu schwer, weil ich gar nicht die Voraussetzungen habe, es zu verdauen. Aber die Zeit läuft mir davon. Also hoffe ich mal darauf, daß ich es schon irgendwie überleben werde.

Samstag, 3. April 2010: DREI-STUNDEN-STRASSENRENNEN IN AURACH/HONGAR

Die Sonne scheint, es ist mild, aber ein stürmischer Wind fegt über den Rundkurs. Und das macht es sauschwer, denn die gesamte Runde liegt völlig frei im Wind. Die Anfahrt ist mühsam, Aurach liegt so unmöglich hinter den sieben Bergen, da kommt man nicht so einfach hin. Ich probier es über den Ziehberg, über Gmunden.

Nach dem Rennen kann ich mich nicht mehr rühren. Dauernd Krämpfe im rechten Fuß, bei jeder Bewegung, ich setze mich ins Auto, verfolge dort dann das Rennen der Elitefahrer, erst zwei Stunden später bin ich in der Lage, mich umzuziehen. Was ist das für ein gutes Gefühl, sich im Autositz zurückzulehnen, auf die Autobahn zu fahren und dort alle Glieder zu strecken und dahinzurollen. Es geht Richtung Salzburg, ich muß noch etwas zum Essen einkaufen. Die Zeit wird knapp, denn es ist 17.45 Uhr. In einer Viertelstunde sperren die Geschäfte. Die Probleme eines Radrennfahrers.

Lange suche ich ein Zimmer, in Straßwalchen ist alles gesperrt. Jedes Gasthaus zu, oder Ruhetag. Ich fahre weiter bis Steindorf, kriege dort ein Zimmer um sage und schreibe 18.- €. Aber: keine Heizung, kein WC, keine Dusche, kein TV, freier Internet-Zugang sowieso nicht. Natürlich auch kein Frühstück. Aber egal, ich habe alles mit.

Ostersonntag, 4. April: KRITERIUM IN SCHALKHAM

Ein wirklich unmöglicher  Rundkurs, 1,5 km, davon die Hälfte bergauf, 40 Höhenmeter pro Runde, und gerechnet haben die Veranstalter anscheinend in allen Klassen mit einem Schnitt von mindestens 50 km/h. Der wird natürlich nicht gefahren, daher dauert jedes Rennen deutlich länger, und die Master, die ganz zum Schluß vorgesehen sind, müssen warten - und warten, und warten. Es wird am Nachmittag immer kälter, die Wolken ziehen auf, immer dünklere, dann beginnt es leicht zu nieseln und zu tröpfeln. Um 15.15 Uhr war der Start vorgesehen, um 16 Uhr fährt nch immer die Elite. Als wir starten, regnet es und es ist saukalt.

Im Ziel bin ich eingefroren, wie der Ötzi, obwohl von 21 auf 15 Runden verkürzt worden ist. Also umziehen, rein ins Auto, ich habe den ganzen Tag noch nichts gegessen, also richte ich mir vier Käsesemmeln her, die ich innerhalb von 10 Minuten verdrücke. 310 km sind es nach Hause bis Graz, dort kommt die naße Wäsche sofort in die Waschmaschine, ich lege mich in die Badewanne, bin todmüde nach der vierstündigen Autofahrt im strömenden Regen. Dann ab ins
Bett, keine Zeit mehr, großartig zu essen. Morgen früh geht es nach Slowenien.

Ostermontag, 5. April 2010: STRASSENRENNEN IN BELTINCI

Hin und her, kreuz und quer durch Österreich und das angrenzende Ausland treibt es mich an den Wochenenden. Und durch diese neue Situation in Slowenien gibt es doch sehr viel mehr Rennen als in den letzten Jahren. So etwa das heutige Straßenrennen in Beltinci im Umfeld von Murska Sobota. Mit dem Auto keine zwei Stunden ab Graz.

Ein kleines Bauernkaff, Start und Ziel befinden sich genau an der Kreuzung der beiden orangefarbenen Straßen, die auf der Karte von unten her nach Beltinci reinführen. Auf der linken sind wir rein-, auf der rechten wieder rausgefahren. Flacher Rundkurs, keine besonderen Anforderungen. Schnelle Trainingskilometer halt. Wie der Rindler Hans, ein alter Freund, immer zu sagen pflegte: "Wenn du nichts wirst, dann war es halt wenigstens ein gutes Training."

Nach meinem 9. Rang bin ich total happy, es war ein ausgezeichnetes Finale, ich war richtig stolz auf mich, und war dann doch recht angefressen, als ich draufgekommen bín, daß es nur drei Preise gegeben hat, dabei hab ich mir eingebildet, in der Ausschreibung anfangs was von 10 Preisen gelesen zu haben. Naja, rein ins Auto und ab nach Hause. Dort hab ich mich dann in die Badewanne gelegt.

Mittwoch, 7. April 2010

Ich trainiere hart, bin jetzt seit Montag jeden Tag an die 100 km gefahren mit jeweils mindestens 600 Höhenmetern. Morgen möchte ich nur locker eine Stunde ausrollen, denn am Freitag steht das nächste Rennen am Programm, diesmal geht es nach Ungarn. Am Wochenende bin ich dann in Wörgl, dort läuft am Sonntag das Saisoneröffnungsrennen für den Nachwuchs, das traditionelle Rundstreckenrennen in Langkampfen. Und ich hab die neue Rennmaschine für die Andrea dabei, mit ihr möchte ich am Samstag und Sonntag jeweils zwei Trainingsrunden drehen.

Freitag, 9. April 2010: RUNDSTRECKENRENNEN IN KÖRMEND

Wieder knappe zwei Autostunden Fahrt ab Graz in dieses ungarische unglaublich schmutzige Kaff.

Blick auf Körmend, der Großteil der Ortschaft besteht aus Neubauten, aber der alte Ortskern ist der Hammer. Der Dreck liegt auf der Straße, die anscheinend hier eine Art Mülldeponie ist. Und daß die Bewohner hier anstatt aufs eigene WC zu gehen, einfach auf die Straße scheißen, ist angesichts der vielen Exkremente eine berechtigte Annahme. Oder war da einer unterwegs, der es nicht mehr aufs WC geschafft hat????

Das Rennen ist erst in der Finsternis zu Ende, mit Preisverteilung, umziehen, zusammenpacken und heimfahren wird es Mitternacht. Eine ganz kurze Nacht, denn bereits in aller Herrgottsfrühe bin ich dann morgen nach Tirol unterwegs.

Hier in Körmend finden die dreitägigen Radsporttage statt, die aber nur aus einem einzigen Rennen bestehen, nämnlich eben diesem Rundstreckenrennen auf einem zugegeben schönen 2,1-km-Rundkurs. Ein Dreieckskurs, und davon kann man eine Kurve voll durchfahren, ist so eine langgezogene. Am Freitag also die Masterklassen als Nachtrennen, am Samstag dann der Nachwuchs und am Sonntag fährt die Elite. Ha, da kann man wenigstens gleich den Wert der Masterkategorien sehen.

Samstag, 10. April 2010: CHAOS IM TIROLER UNTERLAND

Es hätte mich ja wirklich gewundert! Wieder einmal bin ich mitten ins größte Chaos reingeplatzt. Es hat damit begonnen, daß ich zu spät weggefahren bin, war müde, habe verschlafen (kein Wunder bei dem Programm!). Irgendwo zwischen Bischofshofen und Zell am See hat mich dann der Hans angerufen, der inzwischen den neuen CANYON-F 10-Rahmen für die Natascha bekommen und zusammengebaut hat. Bzw. hätte sollen. Er ist nämlich nicht fertiggeworden. Zunächst hat es da ja die Probleme mit dem Lager gegeben, weil das FSA- und das Shimano-Lager halt doch NICHT ident sind, obwohl es alle behaupten. Also hat er das Shimano-Lager wieder zurückgebracht und ein FSA-Innenlager bestellt, die Kurbelgarnitur war ja schon da. Ist übrigens die einzige Marke (angeblich), bei der es die Kettenblattkombination 50/34 gibt. Dann hat er also heute vormittags das neue FSA-Lager in Kufstein beim Stöger abgeholt (mit dem Rad), bei der Heimfahrt hat er die Hälfte davon irgendwo angebaut (verloren!). Naja, daheim angekommen, hat so einiges gefehlt, u.a. eine dünne Beilagscheibe aus Gummi, die auf der linken Lagerschale sitzt. Also hat er mich angerufen und gleich nach Kufstein umdirigiert, daß ich zum Stöger hinfahre und (sicherheitshalber) gleich zwei solcher Beilagscheiben mitnehmen soll. Dort hat sich dann herausgestellt, daß er diese S
cheiben gar nicht hat, also haben wir schon mal improvisiert. Der Hans hat gemeint, es ist ein ca. 2 bis 3 mm starkes Spiel, die einzige Gummibeilagscheibe, die der Stöger aufgetrieben hat, war aber nur 0,45 mm stark und eben noch dazu aus Gummi, d.d. die wird ja zusammengedrückt. Also haben wir es dann mit einem Distanzring aus der Marchisio-Kollektion probiert. Der hat nicht gepaßt, also haben wir ihn innen ausgefeilt. Was jetzt nach improvisiertem Pfusch klingt, hat letzten Endes aber durchaus professionell ausgesehen und auch wie angegossen gepaßt.

Das Canyon F10 ist wahrlich eine supertolle Rennmaschine! Und die Trainingsrunde mit der Andrea, zu der ich bei diesem Programm sowieso keine Zeit gehabt hätte, ist auch deshalb entfallen, weil sie um 16 Uhr in Brixlegg die Tiroler Meisterschaft gelaufen ist. Und wenig später ist dann auch schon der Roman mit der Natascha aufgetaucht, wir haben´s uns dann zu dritt im riesigen leeren Haus gemütlich gemacht, dann aber hat es zu regnen begonnen. Und dann hat der Hans angerufen, daß er endlich fertig ist, wir können raufkommen und die Rennmaschine abholen. Wir fahren also zu dritt mit dem Roman seinem Wagen bis zum Innufer runter, gehen zu Fuß über den Steg rüber und klettern drüben dann den steilen Hang rauf nach Achleit zum Hans.

Große Freude bei der Natascha, die natürlich nichts davon gewußt hat, daß sie die Rennmaschine heute kriegt. Wir sofort wieder runter, denn ich mußte dann noch ein paar Kleinarbeiten durchführen, wie Bremsen einstellen, Schaltung einstellen, Sattelhöhe und -position einstellen, Lenkerband raufwickeln, kurz vor Mitternacht bin ich ins Bett gekommen.

Sonntag, 11. April 2010: RUNDSTRECKENRENNEN IN LANGKAMPFEN/NIEDERBREITENBACH

Der Tag des Rennens. Erstes Rennen also für die Natascha. Die ganze Nacht hat es durchgeregnet, am frühen Morgen hat es aufgehört und sogar aufgetrocknet. Ich stelle jetzt noch den Sattel ein, dann soll sie ein paar Kilometer fahren, damit sie sich daran gewöhnt. Aber es gibt wieder Probleme (eh klar!!). Sie hatte bei ihrem alten Rad eine Shimano-Schaltung, da ist jetzt die Campagnolo-Schaltung ungewohnt, sie kommt damit nicht zurecht. Ich bin schon so weit, daß ich ihr sagen will, sie soll doch mit ihrem alten Rad fahren und erst am darauffolgenden Wochenende mit dem neuen, aber dann will sie es doch probieren.

Na, paßt die Rennmaschine nicht wie angegossen? Ein Gedicht, da läuft einem wirklich das Wasser im Mund zusammen!

Ein weiteres Problem stellt der Zahnkranz dar, denn die Mädchen haben ja ein Übersetzungslimit, da ist der kleinste erlaubte Kranz bei einem 50er-Kettenblatt der 17er. Und der Hans hat einen 16er montiert - das 17er gibt´s nicht, sagt er. Der Roman wird unruhig, und die Übersetzung wird auch vor dem Rennen kontrolliert. Wir sagen der Natascha noch, sie solle doch hinten die Luft auslassen, vielleicht geht es sich dann aus, aber der Roman holt dann ihr altes Hinterrad und sie montieren es wenige Augenblicke vor dem Start. Hektik pur, aber dann paßt doch noch alles und die Natascha startet.

Start in Langkampfen

Naja, in der 2. Runde reißt sie dann ab und fährt das Rennen alleine hinten zu Ende.Viel hat sich nicht geändert seit dem Vorjahr. Sie muß sich eben erst an die neue Rennmaschine gewöhnen.

Montag, 12. April 2010

Der Trainingsalltag beginnt wieder, ich bin dabei, meinen Trainingsrückstand zu verkürzen. Eine schwere 98-km-Runde gleich zum Wochenauftakt, ungefähr 650 Höhenmeter.

Dienstag, 13. April 2010

Und glich eine 95-km-Runde nachgelegt, am Wochenende wartet mit dem Kirschblütenrennen einer der schwersten Klassiker Österreichs.

Freitag, 16. April 2010

Es war eine harte, anstrengende Trainingswoche, heute noch einmal 82 km mit 380 Höhenmetern. Die Beine sind müde, ich spüre es.

Samstag, 17. April 2010: STRASSENRENNEN IN MARIBOR

Beschauliches Panoramabild von Maribor

Schweres Rennen, viele Höhenmeter, hinhalten ohne Ende. Heimfahren ist eine Tortur, ich schlafe andauernd ein, Gottseidank ist es nicht weit, eine gute Autostunde nach Norden und ich bin wieder daheim.

Sonntag, 18. April 2010: KIRSCHBLÜTENRENNEN IN WELS

Ich bin so müde von dem Scheißrennen, bin sowieso gleich abgerissen, mit Kees und Nutz eineinhalb Runden hingehalten und im Sturm  zu Ende gefahren. Wie schon gestern auch, wird die Heimfahrt zum lebensgefährlichen Slalom. Im Tiefschlaf jage ich über die Autobahn nach Süden. Daheim angekommen, bin ich ausgeschlafen und munter. Die nächste Woche kann kommen.

Dienstag, 20. April 2010: Mit Dominic in Leoben

Dominic hat eine neue, zweite Lehrstelle entdeckt, ist seit heute online: im "Injoy"-Fitneßstudio in Leoben!  Also nichts wie auf nach Leoben, wir fahren mit dem Auto hin, es ist zugesperrt, wedil Ruhetag ist. Hätte man sich da nicht vorher erkundigen können???

Mittwoch, 21. April 2010

Dominic ist mit dem Zug wieder nach Leoben gefahren, alleine diesmal. Er gibt alle Bewerbungsunterlagen ab und stärkt sich nachher - unvermeidlich! - im McDonald´s! Also das hätt´s zu meiner Zeit niemals gegeben, undenkbar! Ich war inzwischen 88 km trainieren.

Freitag, 23. April 2010: BERGRENNEN JENBACH-KASBACH/MAURACH

Ich bin viel zu schwach, aber was soll´s? Ich bin ja schließlich hingefahren, damit ich der Andrea den neuen Colnago-Titan-Rahmen bringen kann. Der Hans hat in den letzten beiden Wochen die Seilzüge eingezogen, die Kette montiert sowie das FSA-Compact-Lager. Warum muß es FSA sein und nicht Shimano? Weil die beiden vorderen Kettenblätter die Größe 50 und 34 haben und FSA die einzige Marke ist, die das hat.

Genauso hat er´s gehabt, die Kurbeln, die Kettenblätter und das Zubehör, wie man da sieht, besteht das aus einem Imbus-Schlüssel, Beilagscheiben und dem Kurbel-Abschlußdeckel, der auf der rechten Seite montiert wird und beide Kurbeln auf die Achse preßt. Bei meinem Saustall habe ich diesen Deckel nicht mehr gefunden, der seit Jänner irgendwo rumkugelt. Kein Problem, kaufe ich halt einen neuen, kann ja nicht viel kosten. Aber da gibt´s über 15 verschiedene! Keine Ahnung, welcher der richtige ist. Im letzten Moment finde ich dann doch noch den Originaldeckel, er war in meiner Werkzeugkiste. Wo er ja auch hingehört!

Um 14 Uhr war ich dann dort bei ihr in Maurach, und ewig lange haben wir mit den Look-Pedalen herumgetan! Als wir dann endlich fertiug waren, ist es auch allerhöchste Eisenbahn gewesen, zum Start nach Jenbach rüberzufahren! 45 Minuten vor dem Start waren wir da.

Blick vom Achensee nach Jenbach runter.

Die Organisation ist ein Wahnsinn. Was der Baumann da zusammengemurkst hat, ist sagenhaft. Nach zwei Stunden Warten auf die Siegerehrung meint er doch glatt, der Computer war überfordert - er hat es nicht geschafft, fünf Mann hoch in der richtigen Reihenfolge aufzuschreiben, wo sie doch "nur" 4 Minuten auseinander waren! Und in der unglaublichen Hektik vergessen sie dann auch noch auf die Siegerehrung der Masterklassen! War mit der Andrea in einem Café, wo wir dann die Zeit totgeschlagen haben.

Andrea im Steilstück, hier schon mit der neuen Rennmaschine

Der Hans ist selber nicht gefahren, war aber zuschauen da (mit dem Rad!). Es war ihm zu steil, kann ich verstehen, der letzte Kilometer ist immerhin 18 % steil! Natürlich ist ihm sofort aufgefallen, daß die Andrea nicht im Vereinstrikot, sondern mit einem hellblauen, neutralen Trikot gefahren ist. Aber Hans, ich hab´s dir doch in der letzten Woche gut zwanzigmal gesagt, daß sie KEIN Kurzarmtrikot hat, keinen Zeitfahranzug! Er wollt´s nicht wahrhaben, hat behauptet, er hätte ihr alles gegeben. Denkste, also verspricht er für morgen die fehlende Rennkleidung nachzuliefern. Und morgen will er selber auch starten! Das Wetter ist sommerlich, so warm war´s heuer noch nie.

Nach der Preisverteilung bringe ich sie nach Hause, es ist bereits stockdunkel. Dann fahre ich selber heim nach Wörgl, ich bin geschafft, müde, gar nicht hungrig, leichte Kopfschmerzen. Ich lege mich schnell nieder und bringe eine traumlose Nacht hinter mich.

Samstag, 24. April 2010: UNION-Landestagung in Innsbruck und Bergrennen Brixlegg - Alpbach sowie diverse Aufregungen

Der Tag beginnt mühsam. Die Sonne scheint, es ist sehr, sehr warm, das ist immerhin angenehm. Ich arbeite etwa zwei Stunden im Garten, jäte und rupfe Unkraut, buddle die Steinplatten frei, die mit jahrelangem Unkraut überwuchert sind. Heidenarbeit. Um 10.30 Uhr packe ich dann zusammen und fahre los. Zunächst mal auf der Bundesstraße Richtung Brixlegg, dort sehe ich mir den Anstieg an, die Rennstrecke vom Nachmittag. Typisch Baumann, es ist noch nichts angezeichnet, keine Ahnung, wo Start und Ziel sind.

Brixlegg

Laut Ausschreibung fahren wir 7 km, bei ca.8 km beginnt ein ganz steiles Schlußstück in die Ortschaft Alpbach rauf. Also ist irgendwo vorher das  Ziel, da sind auch einige ganz große Parkplätze rechts und links. Ich habe genug gesehen und fahre wieder runter.

Ich gehe einkaufen, ein paar Kleinigkeiten zu essen, viel zum Trinken, dann geht es weiter nach Innsbruck. Ich muß bei der UNION-Tagung für den Verein die Delegiertenkarte abholen, meine Anwesenheit beglaubigen lassen,  und kann dann wieder dazuschauen, pünktlich um 15 Uhr in Brixlegg am Start zu sein. Die Tagung findet in der Villa Blanca statt, hoch oben über Innsbruck. Da muß man erst mal hinfinden! Das Navi nutzt mir gar nichts, es wimmelt nur so von Baustellen.

Innsbruck (Hotelfachschule Villa Blanka)Die Villa Blanca ist eine Hotelfachschule, im Restaurant/Café findet die Tagung statt. Kein Parkplatz mehr, ich muß zu Fuß die letzten 600 m steil bergauf hinaufhecheln. Die ideale Vorbereitung für ein Bergrennen! Um 14 Uhr beginnt das Theater, ich bin halbwegs pünktlich, kann die Delegiertenkarte abholen, lasse mir meine Anwesenheit bestätigen,  sitze dann im Saal, die Tagesordnungspunkte werden durchgenommen, es wird darüber abgestimmt, und dann mache mich auf den Rückweg. Wen es interessiert, was da so alles auf der Tagesordnung gestanden ist, für den habe ich ein paar Fotos und Eindrücke zusammengesucht.Im großen und ganzen war das wohl Wichtigste die Abstimmung über den UNION-Präsidenten der nächsten 4 Jahre.Und da wurde Univ. Prof. Dr. Günther Mitterbauer wieder gewählt.

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Blick in den Saal auf die Stimmabgabe

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In der ersten Reihe sitzen die Promis, NR Peter Haubner (Präsident Sportunion Österreich), Vizebürgermeister  Innsbruck, Christoph Kaufmann, Dr. Hubert Schir (Ehrenpräsident
Sportunion)

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Erfolgreiche Sportler werden geehrt, hier im Bild Nina Reitmayer (Olympia-Silber in Vancouver 2010) und Matthias Guggenberger (Skeleton) mit Landtagspräsident DDR. Herwig van Staa und NR Peter Haubner.

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Die Creme der creme der Sportunion, von links: DDR. Herwig van Staa (Landtagspräsident Tirol), Dr.Hubert Schir (Ehrenpräsident Sportunion Tirol), Univ. Prof. Dr. Günther Mitterbauer (Präsident Sportunion Tirol), NR Peter Haubner (Präsident der Sportunion Österreich), Christoph Kaufmann (Vizebürgermeister Innsbruck)

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Univ. Prof. Dr. Günther Mitterbauer gibt in seinem Tätigkeitsbericht einen Überblick über die letzten 4 Jahre der Sportunion.

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Auch Funktionäre werden geehrt und mit dem Ehrenzeichen der Sportunion in Gold ausgezeichnet, von links: Franz Rauth, Sigrid Köck, Univ. Prof. Dr. Günther Mitterbauer, Herbert Lener, Alfred Steiner, Hans Luchner, Günther Nothdurfter und NR Peter Haubner.

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Zum Abschluß wartet das Buffet

Doch die Zeit drängt, ich kann nicht bleiben, denn das Rennen in Brixlegg wartet nicht auf mich, ich rase dann ziemlich schnell wieder nach Brixlegg zurück, gehe nochmals einkaufen, weil ich einen schier unstillbaren Durst verspüre (ist wohl wegen der Hitze, im Schatten knappe 30°!)

Den Otto treffe ich auch, die Andrea ist mit dem Rad hingefahren. Dann geht das Chaos auch schon los. Irgendwann mal sehe ich auch den Hans, der sagt mir nur, daß er für die Andrea das Trikot mithat, und sofort habe ich ihn wieder aus den Augen verloren. Inzwischen finde ich die Andrea auch nicht mehr, der Start rückt immer näher. Dann endlich finde ich ihn wieder, weil er mich am Handy anruft, das ich aber im Auto liegen habe. Geparkt hat er knappe 2 km entfernt, da kann ich ihn ja nicht finden! Er gibt mir das Trikot, als ich zum Start zurückkomme, stehen die Frauen aber schon aufgereiht an der Linie. Zu spät, um das Trikot noch zu wechseln!

Blick auf Alpbach

Wie jeden Tag, so starte ich auch heute wieder 10 Minuten hinter der Andrea. Als ich völlig angeschossen dann ins Ziel komme, überfällt mich gleich der Hundegger Karl, der Rennleiter, was ich mir denn da mit dem Rad von der Andrea geleistet hätte!!! Ich verstehe nur Spanisch, er meint dann, sie hätte die Kurbel verloren. Ich suche sie, finde sie auch nach einer Weile, und richtig, sie sagt mir, gleich hinter der 500-m-Marke sei ihr die Kurbel runtergefallen. Ich glaube, ich höre nicht recht. Und aufs große Blatt könne sie auch nicht mehr schalten. Gleich danach ist auch der Hans da, sicherheitshalber scheißt er mich auch gleich ordentlich zusammen.

Ein peinliches Bilddokument: die Andrea ohne Kurbel bzw. Kurbel in der Hand statt am Fuß, unterwegs in Richtung Ziel.

Ich fahre ein paar Meter mit ihrem Rad, versuche zu schalten, tatsächlich, es geht nicht. Ich sehe mir den Werfer an, der sich nicht mehr bewegt, und sehe auch gleich, warum. Der Schrauben ist ziemlich locker, der Werfer am Anlötteil ganz nach unten gerutscht. Ja fix noch einmal, ist das heute Sabotage oder was?????? Der ganze Dreck fällt auseinander?? Für die Kurbel brauche ich einen 8er-Inbus, meiner ist seit eben jetzt spurlos verschwunden, wohin eigentlich???? Ich drehe den Schrauben mit den Fingern rein, so gut ich eben kann, mehr ist jetzt nicht mölglich. Ich fahre dann mit dem Hans relativ schnell runter zum Start, wo wir unsere Autos stehen haben, ich ziehe mich um, packe ein und nehme dann den Hans wieder mit rauf nach Alpbach zur Siegerehrung.

Dann sitzen wir oben in einem Lokal und warten ud warten, stundenlanges Herumsitzen, sinnloses Warten, dauerndes Vertrösten, das findet niemand mehr lustig. Sind diese Rennleiter nicht fähig, die paar Wurschteln in der richtigen Reihenfolge aufzuschreiben??? War ja sowieso kaum jemand am Start, das dauert genau ein paar Sekunden, und die schaffen es nicht mal in einigen Stunden?? Wo sind wir denn da??? Wozu haben wir fünf Startnummern und eine Rahmennummer, wozu gibt es den Zielfilm? Und das Beste kommt aber erst: alle Fahrer sind ziel- und wahllos auf alle möglichen Kategorien aufgeteilt, nur nicht in denen geführt, in die sie eigentlich hingehören! Das ist ein absolutes Meisterstück! Ím Vergleich dazu ist es ja gestern noch rasend schnell gegangen!

Nach der Preisverteilung fahren wir dann runter nach Brixlegg, zum Auto vom Hans, der hat einen 8er-Inbus, und ich drehe den Schrauben so weit rein, so weit ich nur kann, der Hans kommt dann unter dem allgemeinen Gelächter mit einem über einen Meter langen massiven Stahlrohr daher, das benutze ich als Hebel und ziehe den Schrauben eine weitere halbe Umdrehung an. Mehr traue ich mich nicht, das Ding ist aus Kunststoff und knapp davor, auseinanderzubrechen.

Den ganzen Abend lang überlege ich, wie es möglich ist, daß nach ein paar Kilometern die Schrauben locker werden, wie es möglich sein kann, die Kurbel zu verlieren!!

Sonntag, 25. April 2010: BERGRENNEN INNSBRUCK - HUNGERBURG

Der Abschluß der dreitägigen Rennserie. Doch das Chaos bei uns geht weiter, steigert sich sogar noch. Ich schlafe aus, dann arbeite ich etwas im Garten, dann ruft der Hans am Vormittag an. Er will, daß ich bei ihm im Bus mit nach Innsbruck rauffahre. Ich räume das Haus, packe alles raus ins Auto, wir treffen uns beim Parkplatz am Innsteg. Ich sperre ab, nehme die Schlüsseln mit raus, dann will ich das Gartentor aufsperren, damit ich mit dem Auto rausfahren kann. Der Hans hat schon angerufen, daß er unterwegs zum Innsteg ist, in knapp 5 Minuten dort sein wird. Und ich finde diesen verfluchten Schlüssel nicht, den ich noch vor wenigen Sekundenbruchteilen in der Hand gehalten habe! Der kalte Schweiß bricht mir aus, ich drehe das ganze Auto um, leere die Taschen aus, suche in meinen Hosentaschen, Jackentaschen, unterm Auto, neben dem Auto, gehe den Weg ums Haus rum zur Haustüre ein paarmal ab, nirgends ist der Schlüssel zu finden. Er bleibt verschwunden. Dann ruft er Hans wieder an, wo ich denn bleibe. Ich bereichte von dem Mißgeschick, er flucht. Ich weiß auch warum, es gibt nämlich keinen zweiten Schlüssel. 3 Minuten später ist er da. Der Hans, nicht der Schlüssel.

Ich werfe die Taschen und mein Gepäck über das Gitter, das gut 2 Meter hoch ist, dann kommen die Laufräder und das Rad noch drüber, zu guter Letzt klettere ich selber drüber. Gut,das Rennen ist gerettet, aber wie komme ich dann mit dem Auto raus? Daran wage ich jetzt nicht zu denken, ich kann auch beim besten Willen nicht verstehen, wohin der Schlüssel verschwunden sein kann.

Aber an diesem Tag kommt es noch dicker. In Innsbruck endlich angekommen, treffe ich auch die Andrea etwa 5 Minuten vor ihrem Start, sie ist ganz verzweifelt, weil ihre rechte Kurbel wieder total locker ist. Mich wundert gar nichts mehr. Ich rase zurück zum Auto, stecke den Inbusschlüssel ein, sie steht schon am Start, ich ziehe den Schrauben ganz fest an, setze den Schlüssel ab  und sie startet. Wie soll man denn unter solchen Umständen eine Leistung bieten? Ist mir schleierhaft. Sie hat keinen Mucks gesagt, jede andere hätte das Gerümpel hingeschmissen, hätte sich umgedreht und wäre gegangen, sie hat kein Wort der Klage über die Lippen gebracht! Beeindruckend.

Schweißgebadet frage ich den Hans, ob es denn sein kann, daß wir da vielleicht eine Beilagscheibe vergessen haben? Schuldbewußt meint er, das sei durchaus möglich. Zusammengesteckt hat er das Lager, die Achse und die Kurbeln, ich hab nur den Schrauben festgezogen. Wenn einer Schuld hat, dann doch wohl er!

Die Andrea fährt ein ausgezeichnetes Rennen, steigert sich abermals und beweist, daß sie wirklich keine Nerven hat. Sie kennt die Strecke nicht, findet sich aber sehr schnell erstaunlich gut zurecht. Obwohl ihr etwas mehr Steigungsprozente besser gefallen hätten! Sie wird Sechste und verteidigt ihre zweiten Gesamtrang erfolgreich. Nachher sagt sie mir, jetzt gefällt ihr der Radsport gleich sehr viel besser. Sie spielt damit auf die Tatsache an, daß sie in diesen drei Rennen plus Gesamtwertung insgesamt 65.- € an Preisgeld kassiert hat!

Die Kurbel hat gehalten, warum, weiß ich eigentlich auch nicht. Bei mir läuft es gar nicht, ich bin in Gedanken ganz woanders, kann mich nicht konzentrieren, werde auch nur Sechster. Ist ja auch kein Wunder bei all dem Chaos.

Hungerburgbahn

Gleich nach dem Rennen fahre ich mit dem Hans eine kleine Runde zum Auslockern, er ruft vorher seine Ex-Frau an, die draußen in Völs lebt. Sie hat einen Reserveschlüssel von seinem Gartentor, aber niemand weiß, ob das auch der aktuelle ist. Also fahren wir raus nach Völs, holen den Schlüssel und hoffen, daß er paßt. Was gibt´s sonst noch für Möglichkeiten? ÖAMTC rufen (das kostet nichts), einen Schlüsseldienst (das kostet), oder mit Anlauf und Vollgas durch das geschlossene Gartentor. Aber dann sind Tor und Auto kaputt. Daß so ein Scheiß aber auch immer mir passieren muß! Zwischendurch suche ich immer und überall nach dem Schlüssel, aber er bleibt unauffindbar.

Es ist schon finster, als wir nach einem ziemlich Unwetter wieder in Wörgl sind, der Moment der Wahrheit ist gekommen, der Han steckt den Schlüssel ins Schloß, dreht ihn rum, das Tor springt auf! Nach einer mehrstündigen mitternächtlichen Autofahrt bin ich wieder daheim in Graz. Aber ein paar Jahre meines Lebens hat mich dieses Wochenende sicher gekostet.

Dienstag, 27. April 2010

Trainingsalltag. Hinhalten. Jetzt denke ich schon voraus bis zu den Straßenmeisterschaften in Amstetten. Kein Straßenrennen in Sicht bis dahin, das ist heller Wahnsinn. Was denken die fetten Hintern im ÖRV sich eigentlich, wenn sie so einen Terminkalender zusammenstellen?? Mit meinem Trainingsrückstand und meiner aktuellen Verfassung wäre es vielleicht besser, ich würde an diesem Tag im Bett liegenbleiben.

Donnerstag, 29. April 2010

Ich überlege noch. Eigentlich wollte ich am Wochenende nach Italien runterfahren, dort die Lizenzen besorgen und dann am Sonntag ein Straßenrennen bestreiten. Aber ich bin die ganze Woche verdammt müde. Auffallend müde. Ich kann mich nicht und nicht aufraffen. Fürs Training reicht es gerade so, aber mehr ist nicht drin. Ich sehe mir den slowenischen und den ungarischen Terminkalender durch, in Slowenien gibt´s nur ein Kriterium, und das ist in Lubljana, zu weit also. In Ungarn gibt es ein Straßenrennen. Muß noch weiter überlegen. Erst mal ausschlafen.

Freitag, 30. April 2010

Morgen fahre ich also doch nach Ungarn runter. Ist ein langes Straßenrennen, völlig flach. Jedenfalls auf der Karte sieht´s so aus. Am Sonntag dann der Karawanken-Marathon.

Samstag, 1. Mai 2010: STRASSENRENNEN IN SARMELLEK (Ungarn)

Ist doch wirklich interessant, kaum bin ich im Osten irgendwo unterwegs, fällt mir der unglaubliche Dreck auf, der überall herumliegt. Auf den Straßen, den Felder, den Gehsteigen, in den Ortschaften, als ob dort überall jemand Mistkübel auf ddr Straße ausgeleert hat. Das Straßenrennen wird gesponsert von der Air-Balaton, das Bauernkaff Sarmellek ist ja auch nur bekannt wegen seines Flughafens.

Das einzige halbwegs moderne Gebäude im Ort

Das Flughafengelände, wo sich Start und Ziel des Straßenrennens befinden.

Anfangs dachte ich noch, daß wir 86 km fahren, doch dann mußte ich sehen, daß Elite, Amateure, Master und Junioren die lange Strecke fahren, 127 km, die Frauen und die Jugend die kurze, die 86 km. Nach dem Rennen ist alles sehr schnell gegangen, ich hab mich gleich umgezogen, und schon war die Siegerehrung, und schon bin ich wieder im Auto gesessen. Kein Vergleich zu der Quälerei der Vorwoche in Tirol. Und so was müssen einem die Ungarn vorzeigen! Bin trotzdem ziemlich spät nach Hause gekommen, war erst um 22 Uhr daheim. Hab mich dann in die Badewanne gelegt, nach einer Stunde etwas gegessen (zugegeben, das war eigentlich schon zu spät!). Aber morgen ist der Start erst um 10 Uhr, das ist etwas humaner.

Sonntag, 2. Mai 2010: KARAWANKEN-RADMARATHON IN KIRSCHENTHEUER

Heute hab ich überhaupt keine Lust gehabt, mich da am Rennrad abzuquälen! Viel lieber wollte ich daheim im Bett liegenbleiben, um 6 Uhr früh ist der Wecker gegangen, ich war noch todmüde. Ich bin halt aufgestanden, aber alles nur halbherzig, eigentlich wollte ich daheimbleiben. Was kann da schon rausschauen am Tag nach einem 127-km-Rennen? Und die Distanz mit 143,5 km ist ja auch nicht gerade kurz. Hab dann eine Kleinigkeit gegessen, viel zu lange in der Zeitung geblättert, eigentlich alles gemacht, damit es zu spät wird und ich mich wieder niederlegen kann. Aus irgendeinem Grund bin ich dann aber doch noch losgefahren. Aber wirklich viel zu spät.

Um 10 Uhr war der Start, um 9.27 Uhr war ich in Kirschentheuer. So knapp komme ich normalerweise NICHT zu einem Rennen. Ich hole mir die Startnummer, 9.32 Uhr, ziehe mich um, 9.36 Uhr, richte das Rad her, 9.40 Uhr, Reifen aufpumpen, 9.43 Uhr, und das war dann der Moment, in dem ich gemerkt habe, daß ich eine Trinkflasche daheim vergessen habe, ich hatte nur eine kleine mit (1/2 Liter), ich stecke mir noch zwei Power-Gels in die Trikottasche. Kurz aufwärmen, 5 Minuten, dann zum Start, und schon geht´s los.

 

Blick auf Kirschentheuer

Daß das Rennen so gut läuft, hätte ich mir nie zu träumen gewagt. Mit ein Grund war aber - um ehrlich zu sein - die schwache Beteiligung. Am Start hat´s noch geheißen, daß wir 80 Starter sind, auf der Ergebnisliste waren dann aber nur 65 angeführt. Also eine wirklich sehr, sehr mäßige, um nicht zu sagen, enttäuschend geringe Starterzahl. Der Grund? Keine Ahnung, vielleicht die lange Distanz, die schwere Strecke, der frühe Termin, etc... Oder sind´s die Preise? Der Struger Charly hat wieder irgendeine Baustelle im Drautal geplündert, die Trophäen waren - wie beim Vorbild Paris-Roubaix - Pflastersteine...

Für die Straßenmeisterschaft war´s jedenfalls sicher ganz, ganz gut, daß ich diese beiden Straßenrennen gefahren bin. Trotzdem ist die Form noch lange nicht so, wie ich sie mir vorstelle...

Donnerstag, 6. Mai 2010

Nach drei Tagen Regen scheint heute erstmals die Sonne, endlich!  Es ist auch warm, ich fahre 125 km, runter nach Spielfeld, und das alles mit einem Schnitt von 31,8 km/h, ich fühle mich gut, stark, um Klassen stärker als etwa noch vorige Woche. Die nächsten Rennen können kommen! Naja, ganz so toll bin ich natürlich nicht in Schuß, am Berg fehlt es noch ganz gewaltig, da habe ich enorme Defizite, die ich so schnell gar nicht aufholen kann. Im Moment ist es mir aber nur wichtig, bis Amstetten so weit zu sein, daß ich dort über den Zielanstieg mitfahren kann. Allein das wäre schon ein ganz enormer Fortschritt. Mal sehen.

Freitag, 7. Mai 2010

Ich richte mein Gepäck und das Rad schon für morgen her. Da steht mir ein weiter Weg bevor und ich weiß jetzt schon, daß ich da sehr früh wegfahrenb muß und jeder Handgriff sitzen soll. Bis nach Verona ist es ein weiter Weg, doch der bleibt mir nicht erspart.

Samstag, 8. Mai 2010: STRASSENRENNEN IN COLLINE DI ISOLA DELLA SCALA (I)

Wieder mal - wie schon so oft - bricht am Renntag die pure Hektik aus. Es ist heute ein umfangreiches Programnm, das ich absolvieren soll. Zunächst mal muß ich in Italien erst die UDACE-Lizenzen besorgen, ehe ich überhaupt starten kann. Also muß ich zum Präsidenten unseres italienischen Vereins GS Tecnoimpianti Padova fahren und mir dort die Lizenzen ausstellen lassen, ehe ich darandenken kann, ein Rennen in Italien zu fahren. Unser "patron", Mario Magri, residiert im kleinen, wunderschönen Flecken Megliadino di San Fidenzio, etwa 40 km südwestlich von Padua. Der Hans soll ihn schon mal am Vorabend anrufen und ihm mitteilen, daß ich wegen der Lizenzen komme, damit er auch daheim ist und alles vorbereitet.

Doch da kommt schon das erste Problem auf uns zu: er erreicht ihn gar nicht, wird von seinerTochter auf den nächsten Tag ab halb 9 Uhr früh vertröstet. Problem: um überhaupt zum Start zurecht zu kommen, muß ich aber schon spätestens um 7 daheim wegfahren! Wir einigen uns darauf, daß mich der Hans bis spätestens halb 9 am Handy anruft und sagt, ob alles okay geht und er daheim ist, denn sonst würde ich ja umsonst so weit runter fahren, in dem Fall muß ioch also vor der Grenze in Tarvis noch schnell umdisponieren und eventuell zu einem Rennen in Slowenien ausweichen.

Haarsträubend, wie sehr man da improvosieren muß!

Mario Magro (links) mit Verbandspräsident Antonio Facciolo, hier beim "Grande Festa dell´UDACE Padovana", wo er am 14. Februar 2009 eine Auszeichnung erhält.

www.gstecnoimpianti.it - die Homepage unseres italienischen Vereins.

Ich fahre also daheim los, ohne zu wissen, wohin. Zunächstmal also Richtung Grenze in Tarvis. Der Anruf vom Hans erreicht mich kurz davor, Magro ist "Mezzogiorno" daheim und wartet auf mich, also mittags. Zwei Rennen habe ich zur Auswahl, beides Straßenrennen, eines bei Verona (Start um 15 Uhr), eines oberhalb von Vicenza (Start 14 Uhr). Das zweite scheidet wohl aus, weil der Start viel zu früh ist und ich da noch nicht startklar bin. Um die Distanzen mal zu verdeutlichen: von der Grenze weg fahre ich (alles Autobahn) über Udine, Venedig und Padua runter bis Monselice, wo ich die Autobahn verlasse, dann sind es noch gute 20 km bis Megliadino. Doch meist kommt alles anders, besonders in Italien: bereits vor Udine wird auf der Autobahn groß angekündigt, daß sich zwischen Latisana und Portogruaro ein ziemlicher Stau befindet. Diese Ankündigung hat Vor- und Nachteile: Vorteil sicherlich, daß man von diesem Stau weiß und die Bundesstraße wählt, die Autobahn bei der nächsten Möglichkeit verläßt. Nachteil: genau dieser, denn jetzt fährt alles auf der Bundesstraße, wo sich sogleich der nächste Stau einstellt. Die Kunst ist, eine nicht befahrene Route zu finden und trotzdem keine Zeit zu verlieren. In Italien meist ein Ding der Unmöglichkeit.

Zu allem Überdruß beginnt es gleich unter Udine zu regnen, der Himmel verdunkelt sich, es regnet mit jedem Kilometer stärker. Das geht so bis runter zur Küste, und als ich dann Richtung Westen nach Venedig fahre, wird es auch nicht besser. Regen, Regen und Regen, so weit das Auge reicht. In Latisana fahre ich also von der Autobahn ab und stecke im Stau, dem ich auf der Autobahn ausgewichen bin! Also schlage ich mich bei der nächsten Gelgenheit seitwärts weg und rase über Landstraßen und Feldwege in Richtung Portogruaro, wo ich wieder auf die Autobahn will. Das wird aber zur Geduldsprobe. Allein die 4 km lange Auffahrt von Portogruaro-Zentrum dauert eine gute halbe Stunde, vor allem wegen der Mautkarten. Dann bin ich endlich oben, und richtig, der Stau ist vorbei, ich drücke aufs Tempo bzw. Gas und fahre mit gut 180 km/h Richtung San Doná, wo ich mal (daran muß ich immer denken, wenn ich durch diese Stadt fahre) bei einer Trainingsrunde den Profiweltmeister Moreno Argentin mit seinem Spezl, dem damaligen Amateur-Vizeweltmeister Daniele Sgnaolin, getroffen habe.

Wie´s halt so kommt, wird es später und später, dann ist auch "mezzogiorno" schon vorbei, der "halbe Tag", also mittag. Und ich hab gerade erst mal Veneding passiert. Ist übrigens auch auf der dortigen Stadtautobahn zäher und dichter Verkehr, nichts geht weiter, ich fahre keine 100 km/h mehr. Aber das ist hier ja ein Dauerzustand. Die Touristen kennen das, glauben aber, das sei auf die Sommermonate beschränkt. Irrtum, das ist 365 Tage im Jahr hier so. Ausweichen durch die Stadt ist der sichere Tod, der reine Irrsinn. Also reingebissen in diesen sauren Apfel, auch das geht einmal vorbei. Dann wird wieder das Gaspedal malträtiert, mit 180 Sachen geht es Richtung Padua, das dauert gerade mal gute 10 Minuten, dann runter Richtung Süden nach Bologna. Zweite Ausfahrt, Monselice, und über Landstraßen Richtung Megliadino. Um 13.15 Uhr bin ich dann endlich da.

Megliadino San Fidenzio, die alten Stadtmauern

Kurze Zeitrechnung im Kopf: Start 15 Uhr, um 14 Uhr soll ich dort sein, jetzt ist es 13.15 Uhr, eine gute halbe Stunde brauche ich dorthin, also habe ich jetzt gerade mal eine Viertelstunde Zeit. Und da soll noch mal einer sagen, hetzen sei ungesund! Es ist mittlerweile ziemlich heiß geworden, gut 26°, aber eine trockene Hitze, nicht so eine feuchte und schwüle wie bei uns immer. Ich begrüße ihn, er erwartet mich schon, und ich sage gleich, weshalb ich da bin, "tessera per tre corridori", er führt mich in sein angenehm kühles Büro, zieht aus einer Schublade die vorbereiteten Blanko-Lizenzen. In Italien geht halt alles äußerst unbürokratisch zu, wenn man weiß, wie das geht. Er schiebt sie mir zu, ich fülle sie mit einem Kugelschreiber aus, trage gewissenhaft und sorgfältig (leserlich!) Namen, Anschriften und Geburtsdaten ein, gebe ihm die dazugehörenden Paßfotos, die er anheftet, dann folgen seine Unterschrift samt Vereinsstempel, zwei Abschnitte pro Lizenz werden abgetrennt (für den Verein und den Verband), die Lizenz überreicht er mir. Ich habe ihm auch Geschenke mitgebracht (ist fast so ähnlich wie bei den Eingeborenen, denen man im vorvorigen Jahrhundert Glasperlen mitgebracht hat!), nur sind die Glasperlen bei mir eine Geschenkpackung Bonbonniere sowie eine 1-Liter-Flasche 80%igen Jaimaika-Rums! Da quellen seine Augen über, ich höre förmlich, wie ihm das Wasser im Mund zusammenläuft! Ich stecke die Lizenzen ein, sage ihm noch, weshalb ich so ein Eile bin, "Partenza gara su strada in Isola della Casa ore quindici", er lächelt verständnisvoll (wohl in Erwartung einer Kostprobe des besten Rums der Welt, sobald ich verschwunden bin!), ich springe ins Auto und weiter geht die Raserei.

  Megliadino San Fidenzio

Luftansichten von Megliadino San Fidenzio

Es ist jetzt 13.45 Uhr. Jetzt muß ich aber leider feststellen, daß die Straßen bei weitem hier nicht so ausgebaut sind, wie sie die Straßenkarte verspricht. Über Montagnano, Legnano, Cerea und Bovolone kämpfe ich mich Richtung Isola della Casa. Wenig Verkehr zwar, aber schmale Straßen, unübersichtlich, und immerhin knapp 60 km. Ich brauche dafür beinahe eine Stunde!

Um 14.40 bin ich endlich da. Nach siebeneinhalb Stunden hektischer und chaotischer Autofahrt durch halb Italien! Jetzt ist wieder mal Eile angesagt, knapp 20 Minuten Zeit bis zum Start. Ich richte mir das Rad her, ziehe mich um, suche das Rennbüro, Nummernausgabe, hole mir die Startnummer, zahle das Nenngeld, wieder zurück zum Auto, Nummer ans Trikot machen, Trinkflasche herrichten, Reifen aufpumpen, Sturzhelm, Handschuhe, schnell noch ein Powergel eingesteckt, das Auto abgesperrt, etwa 200 Meter weit entfernt höre ich bereits den Startaufruf, ich fahre hin, so schnell ich kann, und schon starten wir. Ist sich gerade noch mal ausgegangen! Daß unter solchen Umständen die Leistung nicht außergewöhnlich sein kann, wird wohl jedem ein Begriff sein!

Über den Rennbericht müßt ihr euch an anderer Stelle umsehen, hier geht´s jetzt mit dem Geschehen nach dem Rennen weiter. Ich warte also auf die Ergebnisliste, ca. um 18.15 Uhr b8in ich dann soweit, daß ich wieder aufbrechenb kann. Morgen ist das Rennen in Medea, zwischen Palmanova und Cormons in Friaul gelegen. Also 200 km zurück Richtung Osten. Um etwas Geld zu sparen, um ein Quartier zu finden, fahre ich diesmal nicht auf der Autobahn, sondern auf der Bundesstraße. Nur für die Umfahrung von Padua und Venedig wähle ich die Autobahn, dann wird es schon dunkel. Und es beginnt wieder zu regnen.

Kurz hinter Latisana werde ich dann fündig, es ist knapp 22 Uhr, ich bringe keinen Bissen mehr runter, bin hundemüde, aber durstig. Radrennfahrer haben doch alle einen gewaltigen Dachschaden! Als ich mich schlafen lege, regnet es noch immer. Ich bin heute 850 km im Auto gesessen!

Sonntag, 9. Mai 2010: STRASSENRENNEN IN MEDEA

Dieses Rennen findet hier erst zum zweiten Mal statt, ich bin zum ersten Mal dabei. Und ich muß sagen, diese Veranstaltung hat wirklich alles, um einmal ein richtiger Klassiker zu werden. Das Wichtigste: eine perfekte Strecke, der 9-km-Rundkurs ist leicht wellig, hat breite Straßen mit perfektem Asphalt, keine gefährlichen Kurven, verspricht hohes Tempo. Und dann der 2 km lange Zielanstieg: perfekt selektiv, aber nicht übermäßig steil. Es ist tadellos schönes Wetter, blauer Himmel, leicht bewölkt, dieSonne scheint, aber nicht zu stark. Es hat in aller Frühe 13°, erwärmt sich dann auf 19°, bis zum Start um 9.30 Uhr auf 21°.

Das idyllische Medea

Die Sonnenuhr am Hauptplatz, wo sich der Start befindet

Ara Pacis - Medea

Im Hintergrund der Monte di Medea mit dem Friedensdenkmal, das weiß herausleuchtet

Es dauert diesmal sehr lange, bis die Ergebnislisten publik werden, und so kann ich erst um 13.30 Uhr ins Auto steigen und die Heimfahrt antreten. Mit dem Sprit wird es noch einmal - wie erwartet - sehr knapp. Wegen des Spritpreises will es ja unbedingt vermeiden, in Italien zu tanken. Und als ich in Medea losfahre, leuchtet die Reserve bereits auf. Dabei bin ich noch gut 25 km von Udine entfernt! Ich komme noch rauf bis Carnia, was ich vorher als das höchste der Gefühle mir vorgenommen hatte, dann fahre ich weiter, in Pontebba erst bleibt der Wagen stehen, weil er Tank leer ist. 30 km vor der rettenden Grenze! Ich fülle meinen 6-Liter-Kanister nach, den ich immer in Italien dabeihabe und gelange damit problemlos und sicher zur Raststätten Dreiländereck in Kärnten. Knapp 1200 km habe ich an diesem Wochenende zurückgelegt, ich bin geschlaucht, ich weiß nicht, wovon mehr: vom Autofahren oder vom Radfahren! Wegen der bevorstehenden Straßenmeisterschaft nächsten Sonntag war es mir wichtig, Rennpraxis zu sammeln und die Form so gut als möglich anzuheben. Was das genutzt hat, werde ich in einer Woche sehen!

VEREINSGESCHICHTE G.S.TECNOIMPIANTI PADOVA

So, und zum Abschluß dieses Wochenendes möchte ich euch einen kleinen Überblick über die Vereinsgeschichte meines italienischen Vereins geben, Tecnoimpianti Padova.

Die GS (steht für Gruppo sportivo) Tecnoimpianti ist eine Gruppe von Radenthusiasten, die 1985 gegründet wurde. Erster Vereinsobmann wird Giorgio Danesi, Vizepräsident Claudio Trevisan, Sekretär Arsenio Faccioli, Kassier Louis Faccioli, über allen steht Vereinspräsident Mario Magro. Die ersten ganz großen Erfolge kommen im Querfeldein, kein Wunder bei solchen Namen wie Giorgio dalla Costa und John Scolaro, immerhin zwei WM-Teilnehmer.

Damals wie heute unterstützt die Familie Faccioli mit ihrem guten Namen den Radsport auf allen Linien. Die Firma Tecnoimnpianti ist einer der wichtigsten Produzenten im kleinen Örtchen Ospedaletto Euganeo und fertigt seit fast 30 Jahren Anlagen für die Lebensmittelindustrie, verfolgt dabei eine konsequente Strategie für Forschung und Aktualisierung von neuen Lösungen und hat Geschäftspartner in ganz Europa.

Die wichtigsten Erfolge in der Vereinsgeschichte:

1988: 23 Saisonsiege der Amateurtruppe unter der Leitung von Mario Magro, die herausragendsten davon sind die Provinzialmeisterschaft und die Regionalmeisterschaft der UDACE, jeweils im Querfeldein.

1989: Francis Hallo gewinnt die Provinzialmeisterschaft auf der Straße.

1991: GS Tecnoimpianti organisiert die erste Veranstaltung, in Ospedaletto Euganeo findet die 23. italienische Querfeldeinmeisterschaft der Kategorie senior statt.

Giorgio Danesi legt sein Amt zurück, zugunsten von Mario Magro, der auch im nationalen und regionalen UDACE-Verband eine wichtige und einflußreiche Position einnimmt.

1993: NATALINO SANGUIN gewinnt in der Klasse Gentleman (in der ich zur Zeit fahre) im "9. Grand Prix Cyclecross Tecnoimpianti" den Titel des Provinzial-Meisters.

1999: Mario Magro und Rita Businaro gewinnen den prestigereichsgten Titel, den des "Paar-Querfeldeinfahrens bei der 15. Italien-Meisterschaft (einen vergleichbaren Titel gibt es bei uns in Österreich nicht!).

Von 2001 bios 2004 werden viele Veranstaltungen durchgeführt, hauptsächlich Querfeldeinrennen, in Ospedaletto Euganeo, Saletto, Megliadino San Fidenzio, Pons, Santa Margherita Adige und in Casale Scodosia.

Unter der Schirmherrschaft der Stadt Ospedaletto Euganeo wird 2005 bereits die siebente Auflage des "Ride for Life" durchgeführt, eine Veranstaltung, bei der alle Erlöse dem "Parent-Project" gespendet werden. Das ist eine weltweite Organisation, in der Kinder mit den Muskelkrankheiten Duchenne und Becker betreut werden. Die Ziele sind Beschaffung finanzieller Mittel für Forschung, die klinische Anwendung sowie die Verbreitung von wissenschaftlichen Informationen.

Führungsriege des Vereins, Mario Magro Dritter von links.

Die bislang letzte Veranstaltung fand am 6. Jänner 2010 statt, das Querfeldeinrennen in Tresto di Ospedaletto Euganeo, Sieger war der bekannte Cross-Profi Angelo Tosi.

Tosi gewinnt das Crossrennen

Maurizio Busato

Das viel Wichtigere aber, das man an diesem Foto sieht: zu einer Zeit, als bei uns Schnee, Eis und Kälte herrschten,sind die Jungs dort auf trockenem Boden mit kurzer Hose gefahren! Radsportparadies Italien!

Montag, 10.Mai 2010

Heute ist leider der Klammer Pepi in Bozen gestorben, mein langjähriger Vereinspräsident bei den Tiroler Radlern, bis 2007 bin ich bei dem Verein ja gefahren. Näheres weiß ich leider noch nicht, aber er war ja weder der Jüngste noch der Gesündeste. Also überrascht hat´s mich nicht, obwohl es immer traurig ist, wenn ein guter Bekannter stirbt. Bin heute deswegen auch irgendwie niedergeschlagen. Im Südtiroler Radsport geht damit immerhin eine ganze Ära zu Ende.

"Die Gesellschafter und Mitarbeiter der Firmen Vetter Italia und Weitsped nehmen aufrichtig Anteil am Schmerz, den ihr geschätzter Gesellschafter Herr Mario Klammer durch den Tod seines Vaters, Herrn Josef Klammer, erlitten hat, und drücken ihm und den Angehörigen ihr tief empfundenes Mitgefühl aus. Bozen, 10. Mai 2010"

"Der ASC Tiroler Radler trauert über das plötzliche Ableben des Ehrenpräsidenten Peppi Klammer

und drückt seinen Angehörigen die tiefst empfundene Anteilnahme aus. Bozen, den 11. Mai 2010"

Zwei Kondolenzanzeigen in der "Dolomiten"-Tageszeitung

Dienstag, 11. Mai 2010

Mildes Wetter heute, obwohl es bedeckt und regnerisch war. Nachdem ich gestern noch das Wochenende in den Knochen gespürt habe und daher nur eineinhalb Stunden locker gefahren bin, war heute ein etwas schärferes Training angesagt. Heute ist der einzige Tag in dieser Woche, an dem ich wirklich ein hartes Training absolvieren kann. Morgen ist dann schon wieder der Tag vor dem Rennen, also bin ich heute noch eine längere Runde über 92 km und ein paar Steigungen gefahren. Und ich muß sagen, so gut war ich heuer noch nie: trotz des Gegenwindes war ich ziemlich zügig unterwegs, bin dann den Dexenberg hinter Wildon in 7:35 raufgefahren, selten war ich dort so schnell, dann über Lebring zurück nach Wildon und in 6:18 auf den Aframberg, da habe ich dann am letzten halben Kilometer schon die Beine hochgenommen. Jedenfalls war ich mit der Leistung heute hochzufrieden. War ein wichtiger Schritt.

Mittwoch, 12. Mai 2010

Bin heute vormittag kurz und locker gefahren, am Nachmittag hat´s dann geregnet. Sauwetter. Mit der Form ist das so eine Sache. Auf einmal ist sie da, und keiner weiß so recht, warum. Bin ich jetzt in Form? Geht das überhaupt so schnell? Wochenlang bin ich der Form nachgefahren, noch in Wels war die Vorstellung eher peinlich. Gestern dagegen habe ich mich gefühlt wie ein Weltmeister, die Luft ist da, ich kann eine hohe Frequenz fahren, auch bergauf, eigentlich paßt alles, bis auf einen kleinen Umstand: es war bloß ein Training, kein Rennen.

Der nächste Höhepunkt ist die Straßenmeisterschaft am Sonntag. Höhepunkt, weil jede Österreichische Meisterschaft ein Höhepunkt ist, obwohl mir dieses Rennen so überhaupt nicht gelegen kommt. Viel zu früh. Im Vorjahr war ich in besserer Frühjahrsform, und war gerade mal so weit, daß ich halbwegs seriös das Rennen zu Ende fahren konnte. Heuer ist es auf derselben Strecke, eine Runde länger und findet einen Monat früher statt - Wahnsinn! Obwohl ich eigentlich ja dafür bin, daß ein Meisterschaftsrennen so selektiv wie möglich ist. Aber wenn diese Straßenmeisterschaft im August oder September stattfindet, wäre ich der letzte, der da NEIN sagen würde!

Morgen also steht der Schwechater Marathon über 123 km am Programm, am späten Nachmittag folgt dann das Zeitfahren in Offenhausen in Oberösterreich bei Lambach, am Freiztag vielleicht noch ein Straßenrennen in Italien, am Sonntag die Meisterschaft in Amstetten. Aber ausgerechnet jetzt soll wieder das Wetter schlecht werden!

Donnerstag, 13. Mai 2010: RADMARATHON SCHWECHAT

Ein Wahnsinnsrennen war das heute! Habe leider den großen Fehler gemacht, und bin am Start ganz hinten bei den Letzten gestanden, also nicht unter den ersten 300 Positionen. Hab das wirkloich unterschätzt, obwohl ich es besser wissen müßte. Aber es geht flach weg auf den ersten 35 km, da dachte ich, daß ich da wohl ganz schnell vorne an der Spitze sein würde. Weit gefehlt! Nicht mal die zweite Gruppe hab ich noch erreicht, bin in der dritten hängengeblieben, war aber sowohl im ersten Anstieg Kaisersteinbruch als auch beim zweiten, Donnerskirchen, bei den jeweils Schnellsten, und das hat mächtig Auftrieb gegeben. Hab die ganze Distanz erstklassig überstanden, hab auch im Finale noch Kraft und Energie gehabt, also die Form ist eigentlich definitiv da. Oder täusche ich mich da? Vor allem der längere Anstieg in Donnerskirchen war kein Problem, so schnell wie heute bin ich da noch nie raufgefahren, mit 34/19 und 21, hab den ganzen Anstieg eine sehr hohe Frequenz getreten und war bei den Schnellsten (zumindest aus meiner dritten Gruppe!)

Gleich nach dem Zieleinlauf hab ich mich umgezogen, eingepackt und bin nach Oberösterreich losgestartet zum Zeitfahren, aber schon in Wien war dann das Unwetter da, ich bin in einen wahren Wolkenbruch reingeraten, und laut Wetterbericht war da kein Ende abzusehen. Gleiches Wetter bis Tirol! So schnell hab ich gar nicht schauen können, war ich schon auf der Südautobahn in Richtung Graz. Hab mich einfach nicht mehr motivieren können für ein zweites Rennen, und ein Zeitfahren ein paar Stunden nach einem Marathon war wohl auch keine sehr gute Idee, das hätte nur Moral gekostet. War so sicherlich besser. Dafür fahre ich morgen noch nach Italien runter, dort unten soll´s ja schöneres Wetter haben, vor allem trockenes!

Freitag, 14. Mai 2010: STRASSENRENNEN IN COMUGNE DI PRAMAGGIORE

Auf einer flachen 7-km-Runde sind wir abends 7 Runden gefahren, das waren 51,1 km, gefahren sind wir bis in die Dunkelheit rein, es war ein schnelles, schönes Rennen, die Form ist definitiv da, ich tue mir leicht mit hohem Tempo, den höheren Pulsbereichen, es paßt einfach alles, hoffentlich ist die Form auch am Sonntag noch da!!! 

Samstag, 15. Mai 2010

Bin heute mit dem Vogt Heimo nach Amstetten rausgefahren, er hat mich angerufen, will  das Rennen fahren, aber nicht alleine rausfahren, also fährt er mit mir mit. Die ganze Fahrt raus hat es geregnet und war saukalt. Nicht gerade einladend, dieses Wetter. Erst kurz vor Amstetten hat es aufgehört zu regnen, aber dann doch wieder angefangen, die Straßen waren alle naß, die Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt. Keiner von uns beiden hatte da noch den Geist, auf die Rennmaschine zu steigen und ein paar Runden am Kurs zu drehen. Wir sind kurz nach 18 Uhr angekommen, aber da war es bereits finster. Also haben wir direkt an der Rennstrecke, gleich zu Beginn der Schlußsteigung, ein Zimmer genommen, ich war schon im Vorjahr da, diesmal hat das Doppelzimmer mit reichhaltigem Frühstück gerade mal 66.- € gekostet. Eine Kleinigkeit gegessen, den Rest des Abends haben wir mit lauter Greuelgeschichten und Prognosen für das morgige Meisterschaftsrennen verbracht, und den Aussichten, bei null Grad und starkem Schneeregen zwei Stunden im Sattel zu sitzen. Irgendwann bin ich eingeschlafen.  

Sonntag, 16. Mai 2010: ÖSTERREICHISCHE STRASSENMEISTERSCHAFT IN ALLERSDORF

Heute ist also der große Tag da, und siehe da, es regnet nicht (obwohl ich es in der Nacht noch prasseln gehört habe!), die Straßen sind naß, die Temperaturen auch im Plus-Bereich (4° um 6 Uhr fMrüh!). Kurz nach 7 Uhr früh sind wir beim Frühstück, das ist ziemlich umfangreich, wir können gar nicht alles runterwürgen. Dann fahren wir den Berg rauf zur Ostarrichi-Kaserne, wo sich Start und Ziel befinden. Es ist nach wie vor saukalt, der Wind ist - wie angekündigt - ziemlich stark geworden. Aus Westen bis Nordwesten bläst er mit einer Intensität entgegen, daß es einem die Sprache verschlägt. Naja, etwas Gutes hat er auch: die Straße trocknet schneller auf, und tatsächlich, als wir starten, gibt es nur mehr einige wenige feuchte Stellen. Aber rundum tiefe, schwarze Wolken, der Regen hängt direkt über uns.

Man möchte es kaum glauben, aber das Wetter hält. Die Straße wird sogar völlig trocken, Wind und Temperatur bleiben aber. Naja, man kann ja nicht alles haben.

Als wir nach dem Rennen eingepackt haben und heimfahren, sind wir gerade mal knappe 2 km unterwegsa, als es zu regnen beginnt - was für eine Überraschung! Die ganze Heimfahrt über regnet es, die Temperaturen beginnen wieder zu fallen - geht das denn überhaupt noch?

Irgendwie wundert es mich, daß anscheinend im ÖRV ein paar Herren sitzen, die einen solchen Termin für eine Österreichische Meisterschaft bewilligen. Nichts gegen die Veranstaltung an sich - da wurde ganze Arbeit geleistet. Die Strecke war ausgezeichnet, das Profil selektiv und hat keinen speziellen Typ bevorzugt, da war für jeden was dabei. Die Distanz - eine Runde mehr als im Vorjahr - geht in Ordnung, vielleicht könnte man eine weitere Runde anhängen, das wäre optimal. Die Absperrung: so mustergültig, daß man das direkt erwähnen muß, obwohl es ja eigentlich selbstverständlich sein sollte. Das Wetter, naja, das fällt nicht in den Verantwortungsbereich des Veranstalters. Der Termin: da bin ich eindeutig nicht einverstanden. Es kann nicht angehen, daß das zweite Straßenrennen der Saison Mitte Mai bereits die Österreichische Meisterschaft ist!

Dienstag, 18. Mai 2010

Nachdem ich gestern nur eine kurze, lockere Runde gefahren bin, habe ich heute über 52 km (okay, sehr viel länger ist das auch nicht!) eine sehr viel größere Intensität gefahren, Sprints und Intervalle, bin z.B.in 4:49 auf den Murberg bei Mellach gefahren, so schnell wie noch nie, ist ganz leicht gegangen, ich hatte sogar noch ziemliche Reserven. Es stimmt immer wieder, das Hochgefühl nach einer guten Leistung in einem Rennen bringt einen gleich ein paar Stufen weiter nach oben auf der Leiter.

Habe mir jetzt das nächste Wochenende mal angesehen, die Renntermine sind ja jetzt ziemlich nebulos, hab mich für ein Straßenrennen am Samstag in Salgareda entschieden, am Sonntag das erste Zeitfahren des Assetline-Zeitfahrcups in Wolfsberg. Am Freitag wäre ein (Berg?)-zeitfahren im Wienerwald, weiß noch nicht, ob ich das auch machen soll. Hauptziel ist jetzt jedoch ein seriöser Formaufbau, das braucht Fingerspitzengefühl, nicht Brachialgewalt. In der darauffolgenden Woche ist dann das Blassenstein-Bergrennen in Scheibbs und der Kärnten-Marathon auf der Nockalm-Straße am Programm, danach folgt schon das lange Wochenende in Langenlois, das ist für die Ginner-Cup-Gesamtwertung ganz wichtig.

Es ist halt schade, daß in Österreich seit Jahr und Tag der Terminkalender vor allem für die Masterrennen mit Kraut und Rüben wild durchgemischt ist, so was gibt´s in keinem anderen Land. Ein Aufbau mit Rennen ist da so gut wie unmöglich. Ich glaube, das ist heuer so arg wie noch nie.

Jetzt muß ich die Andrea noch aufmuntern, die hat am Samstag beim Gerlosberg-Rennen im Zillertal den undankbaren 4. Rang belegt, und das bei strömendem Regen und 5°, und sie war außerdem noch verkühlt und gesundheitlich nicht ganz auf der Höhe. Muß ihr jetzt eine Mail schreiben.

Donnerstag, 20. Mai 2010

Bin heute eine ganz interessante Trainingsrunde gefahren. Von Graz über Hausmannstätten nach Wutschdorf, das liegt abseits auf einem steilen, schweren Berg hoch oben, dann runter und rauf nach Mellach, wieder zurück Richtung Hausmannstätten, rechts rein und den Berg rauf nach Gnaning, raus auf den Hühnerberg, runter bis Prosdorf, auf den Guggitzberg, links weg und über Kohldorf nach Krumegg und weiter auf die Schemerlhöhe, dann Laßnitzhöhe, durch das Tomschetal raus bis Raaba und zurück nach Graz. Hat zwar nur 72 km, aber dafür 900 Höhenmeter! Bin´s in 2:31 Stunden gefahren, habe mich heute wirklich sehr gut gefühlt.

Danach hab ich im Keller mal die Zeitfahrmaschine rausgesucht, zum ersten Mal heuer, war voller Spinnweben und ähnlichem Geschmeiß. Ja, sicher, ich weiß, sehr professionell klingt das alles nicht. Mir ekelt vor Spinnweben. Hab das Zeug weggewischt, die Maschine mal geputzt. Morgen versuche ich dann - hoffentlich - die ersten Kilometer. Muß vorher aber noch die Laufräder finden. Letztes Jahr hatte ich noch welche. Wo die wohl verschwunden sind? Wahrscheinlich ganz hinten, im letzten Eck, unter dem größten Dreckhaufen. Da kann ich so schnell gar nicht hin, muß mir erst eine Schneise arbeiten. Das dauert wieder!

Ungefähr so sieht´s im Keller aus!

 Gäste haben sich auch einquartiert.

tarantula

Also auf das Ding möchte ich in meinem Keller wirklich nicht stoßen!

Alptraum-Vorstellung: ich räume Gerümpel beiseite und blicke auf einmal in diese Augen!

Hat jemand Lust, meinen Keller aufzuräumen??? Meldet euch zahlreich, vielleicht findet jemand meine Laufräder! Übrigens, hab ich schon gesagt, daß ich Spinnen nicht mag? Vor allem die ganz großen.

In Kambodscha gelten frittierte Riesenspinnen als Delikatesse. Bei der Kambodscha-Rundfahrt werde ich sicherlich NIE starten!

So, jetzt ist´s aber genug!

Hab ich die auch im Keller und weiß es nur noch nicht? Ich muß aber rein, obwohl ich jetzt gar nicht will!

Freitag, 21.Mai 2010

Hab mich überwunden und den Keller durchsucht, Laufräder gefunden! Waren leider auch eine ganz erkleckliche Anzahl Spinnen dabei, aber kleinere. Naja, ich hab neue Reifen aufgezogen, hab an der Zeitfahrmaschine noch eine neue Kette montiert, Schaltung neu eingestellt, es war jedenfalls eine Menge Arbeit.

Samstag, 22. Mai 2010: STRASSENRENNEN IN CAMPOBERNARDO DI SALGAREDA

Keine Probleme auf der Anfahrt, hatte genug Zeit, bin schön gemütlich über die Bundesstraße gefahren, war gar nicht auf der Autobahn.

Damit ihr wißt, wo ich war.

Auf der Heimfahrt war ich schon noch etwas frustriert, daß ich so knapp vor dem Ziel noch eingeholt worden bin. Aber es war ja nur deshalb, weil ich langsamer geworden bin, wenn ich diese Schwächephase nicht gehabt hätte, dann hätte ich wohl gewonnen. Naja, neues Rennen, neues Glück. Angefressen war ich halt auch deswegen, weil die viele Arbeit, der ganze Aufwand, umsonst gewesen sind. Achter wäre ich so oder so geworden, hätte mir aber diese ganze Schinderei erspart. Hoffentlich fällt mir das jetzt in den beiden nächsten Tagen nicht auf den Kopf.

Sonntag, 23. Mai 20210: ASSETLINE-ZEITFAHRCUP, 1. RENNEN IN WOLFSBERG

Der Lavanttaler Assetline-Zeitfahrcup ist eine Jedermann-Veranstaltung, besteht aus vier Zeitfahren, eines davon bergauf. Vor zwei Jahren schon bin ich diese Serie gefahren, war damals in drei Rennen Zweiter und auch Gesamtzweiter. Einziger Haken: das war halt vor zwei Jahren! Seither hat diese Veranstaltung an Qualität gewonnen, und ich mußte heute erkennen, daß ich so leicht nicht mehr zu einem Podiumsplatz komme wie damals! Dazu kam diesmal noch, daß ich das Rennen vom Vortag ganz gewaltig in den Beinen gespürt habe!

Die Strecke war auch viel zu kurz, damit bin ich gar nicht warm geworden. Bis zur Wende war ich zwar zeitweise schnell, aber dazwischen immer wieder viel zu langsam. Ich bin nicht konstant und gleichmäßig gefahren, da waren Sprünge drin von 38 bis 48 km/h. So kann man kein Zeitfahren erfolgreich abwickeln! Die Rückfahrt war etwas besser, aber viel konnte ich da auch nicht mehr retten. Vor zwei Jahren habe ich als Zweiter auf ähnlicher Distanz etwa eine halbe Minute auf den Sieger Forobosko verloren, der war diesmal "nur" Vierter (die stärkere Besetzung!), aber ich habe auf ihn eine dreiviertel Minute verloren! Da kann ich mich nur selbst an der Nase nehmen, da war ich langsamer, einfach zu langsam. So gesehen hat mich das gestrige Rennen etwa 15 bis 20 Sekunden gekoset. Der 12. Rang war eine einzige Enttäuschung und gipfelt in dem Resümee, daß ich halt doch kein Zeitfahrer bin!

Das waren zwei der Podiumsplätze in meiner Kategorie: Bernd Stenitzer (links, Sieger) und Gerhard Mosler (Dritter)

Pfingstmontag, 24. Mai 2010: STRASSENRENNEN IN TISINA (SLOWENIEN)

Mann, war ich froh, daß ich noch ein Rennen heute aufgetrieben habe! In Österreich tote Hose, in Italien genauso (da ist das heute gar kein Feiertag!), in Slowenien bin ich fündig geworden. Ist ja auch noch die beste Lösung gewesen, eine gute Autostunde Anfahrt nur. Leider gibt es dort jedes Jahr einen anderen Kurs, diesmal war es eine flache 30-km-Runde, die wir dreimal gefahren sind. Ganz schön lang, auch das hat mir gepaßt. Und zusammen mit den jüngeren Masterfahrern, auch das war ganz in meinem Sinne.

Typische Ansicht von Tisina, einem kleinwinzigen Bauernkaff.

Wieder war ich angefressen, vor zwei Tagen in Campobernardo bin ich kurz vor dem Ziel nach einer Solofahrt eingeholt worden, den Sieg schon greifbar nahe. Heute habe ich noch bei ca. 300 m vor dem Ziel meine Kategorie angeführt, dann der Massensturz, und ich bin auf den fünften Platz zurückgefallen! Schade, es will einfach nicht gelingen! Aber wichtig ist, daß es aufwärts geht, daß die Form kommt.

Dienstag, 25. Mai 2010

Bin heute eine lange und schwere Trainingsrunde gefahren, teils, um meinen Frust vom Wochenende rauszufahren, teils um das schöne Wetter auszunutzen. Man weiß ja nie in diesem "Sommer", wie lange das anhält. Bin über den Fasslberg und Weiz nach Leska und Dürntal aufs Gschaidt gefahren, dann runter nach Naas und weiter über den Rechberg nach Frohnleiten. Im Murtal dann zurück nach Graz. 117 km, 1000 Höhenmeter, Schnitt beinahe 28 km/h. Damit ich während des Trainings auch das Hirn mitstrapaziere, habe ich meinen kleinen Fahrradcomputer von "km" auf "Meilen" umgestellt. Jetzt läuft also das englische Zählwerk, da muß man alles mit 1,6 multiplizieren, um auf den gewohnten km-Wert zu kommen, 10 Meilen sind also 16 km.

Mittwoch, 26.Mai 2010

Das Bergtraining geht weiter. Bin heute von Peggau über Hiening nach Semriach rübergefahren, den 5 km langen steilen Anstieg von Peggau aus raufgefahren. Die Straße ist jetzt schon sehr viel besser ausgebaut als noch vor drei Jahren. Flacher ist´s deshalb aber nicht geworden. Die meiste Zeit führt die Straße durch den Wald den Berg hinauf. Es war unbeständiges, labiles Wetter, sehr regnerisch, sehr schwül, als ich oben dann aus dem Wald rausgekommen bin, war da eine unglaublich dicke Nebelsuppe, man hat kaum 10 Meter weit gesehen. Als sich der Nebel dann etwas gelichtet hat, da hat es gar zu regnen begonnen! Im strömenden Regen bin ich dann runter nach Semriach gefahren und weiter raus bis Friesach und dann heim nach Graz. Ab Gratkorn war dann die Straße eigenartigerweise wieder trocken.

Semriach liegt 709 m hoch

Donnerstag, 27. Mai 2010

Wieder bin ich ´nen Berg raufgeknallt. Diesmal war´s der Pfannberg in Frohnleiten, rauf bis auf den Hochtrötsch, über Schönegg nach Neudorf runter und weiter nach Semriach, zurück nach Graz so wie gestern. Den Pfannberg (9,1 km) bin ich in 28:40 Minuten raufgefahren, schneller als je zuvor. Anscheinend bin ich wirklich in guter Form. Oder war´s der Rückenwind? Danach hat´s wieder leicht zu nieseln begonnen, aber auch gleich wieder aufgehört.

Samstag, 29. Mai 2010: BERGZEITFAHREN AUF DEN BLASSENSTEIN IN SCHEIBBS

Alte Erinnerungen werden wieder wach, vor 15 Jahren oder noch länger her war dieses Bergrennen (mit Massenstart) fixer Bestandteil der Erlauftaler Radsporttage Ende Juli. Dann wurde es durch ein Kriterium, später ein Rundstreckenrennen ersetzt. Naja, die Bergrennen sterben halt irgendwann alle mal. Der rührige ÖAMTC Ortsverein in Scheibbs hat sich dieser Tradition besonnen und veranstaltet jetzt bereits zum 6. Mal das jährliche Bergzeitfahren auf diesen Scheibbser Hausberg.

Die Urlinger-Warte am Blassenstein

Endlich mal genug Zeit, um bei der Anfahrt nicht zu hetzen, um mir die Rennstrecke genau anzusehen und einzuprägen, um mich aufzuwärmen. Einige Erinnerungen an die Bergrennen hier sind noch ziemlich lebendig in meinem Kopf, so etwa 1977, als ich hier mein allererstes Bergrennen bestritt und mich mit 42/21 raufgemüht habe. Das war damals für mich armen Schlucker natürlich viel zu schwer, es war ein eindrucksvoller, aber völlig sinnloser Kampf um ein paar Schnapper nach Luft. Oder an mein letztes Rennen hier, das völlige Gegenteil davon: ich erinnere mich an ein lockeres Fahren, mit hoher Frequenz, und daß ich pausenlos, den ganzen Anstieg rauf, an anderen vorbeigefahren bin. Und 17 Minuten gebraucht habe.

Blick vom Blassenstein runter auf Scheibbs

Auffallend auch, daß ganz Österreich unter einem hartnäckigen und vor allem sehr feuchten Tiefdruckgebiet versteckt liegt, hier aber anscheinend wirklich der einzige Ort ist, an dem heute die Sonne scheint!

Nach dem Rennen gehe ich noch beim BILLA etwas zu essen einkaufen, dann geht´s zur Preisverteilung, danach schwupps, ins Auto und ab Richtung Gänserndorf zum morgigen Straßenrennen. Es wird schon leicht dämmrig, als ich Prottes erreiche.

Diese Ölpumpen sieht man hier zu Dutzenden, sie scheinen das charakteristische Wahrzeichen dieses Landstriches zu sein.

Das Wahrzeichen von Prottes, das Barbarakreuz

Die Nacht war lang und furchtbar, ich konnte nicht richtig schlafen, bin immer wieder aufgewacht.Todmüde bin ich dann in der Früh aus dem Bett gekrabbelt... Mittlerweile ist wieder das "normale, gewohnte" Wetter eingekehrt: es regnet...

 

Sonntag, 30. Mai 2010: Straßenrennen in Prottes um den Mai-Cup der RC Schnecke

Kalt, windig, regnerisch, so präsentiert sich der neue Morgen, und es regnet auch gleich ein paarmal, ein paar Regenschauer, stark genug, daß man naß wird bis auf die Haut... Als wir dann endlich starten, schließt der Himmel seine Schleusen. Aber egal, die Straße ist ja noch naß!

Es ist schön langsam zum Verzweifeln, Woche für Woche regnet es am Wochenende! Die ersten drei Kilometer reichen aus, um naß und dreckig zu werden! Pünktlich zum Zieleinlauf haben sich am Himmel dann riesige tiefschwarze Wolken zusammengerottet, die wolkenbruchartig ihre Schleusen öffnen.

So siehts aus, wenns mal zu lange regnet!

Auf der Heimfahrt komme ich nicht mal bis Wien, da geht schon ein Wolkenbruch nieder, wie ich selten noch einen erlebt habe! Von einer Minute auf die andere fahre ich nicht mehr auf der Straße, sondern in einem Fluß! An das Rennen denke ich gar nicht mehr, ich muß zusehen, so schnell wie möglich hier wegzukommen, will mich nicht unterstellen und abwarten, denn wer weiß, wo ich dann angeschwemmt werde! Halb Niederösterreich steht ohnehin schon unter Wasser, also nichts wie weg! Erst kurz vor dem Wechsel hört der Regen auf.

Dieses Foto wurde in WIEN aufgenommen!

Ich kann Wasser schon gar nicht mehr sehen, war das etwa schon der Sommer? Kommt da noch was? Ich meine natürlich, außer Regen. Die Haut ist ganz schrumpelig und aufgeweicht, das Rad völlig verdreckt, das wird wieder ein langer Putztag!

Dienstag, 1. Juni 2010: Regen, Regen, Regen...

Was soll ich sagen? Es regnet halt den ganzen Tag, und die ganze Nacht, und den ganzen Tag, und die ganze Nacht... Bin in der Früh um 7 Uhr eine Stunde am Rad gesessen, da hat´s zwar nicht geregnet, aber die Straße war naß und ich daher auch. Dafür hat´s nachher wieder geregnet.

Mittwoch, 2. Juni 2010:

Endlich ist´s mal trocken - naja, feucht halt. Bin eine größere Runde gefahren über Wildon, den Dexenberg, dann rauf auf den Aframberg (oben durch eine Baustelle längere Schotterstraße!), und über Gnaning und Hausmannstätten wieder zurück nach Graz. Hat gutgetan, ich fühle mich auch frisch und spritzig, die Form ist weiter gestiegen (während des Regens, richtig!) Langenlois kann kommen!

Freitag, 4. Juni 2010: BERGRENNEN LANGENLOIS - SCHILTERN

Anfahrt nach Langenlois bei herrlichem Sonnenschein, Hitze, ein Wetter, das ich ja gar nicht mehr kenne! Hab meine Geldbörse daheim vergessen, samt Lizenz und Ausweis und allem drum und dran! Naja, wozu hat man einen Obmann dabei?

Langenlois

Samstag, 5. Juni 2010: EINZELZEITFAHREN  IN LANGENLOIS

Furchtbare Strecke, vor allem der starke Autoverkehr ist ein Wahnsinn. Schon beim Aufwärmen wäre ich beinahe dreimal niedergefahren worden!

Das Kamptaler Weinbaugebiet

Es ist ungewohnt heiß heute, irgendwie eigenartig, wie immer das Wetter auch ist, man hat immer was auszusetzen! Nach dem vielen Regen scheint jetzt die Sonne, nachdem es so kalt war, ist es jetzt heiß, und wieder bin ich unzufrieden!

Die Streckenposten sind bessere Vogelscheuchen! Die stehen in der Gegend rum und tun rein gar nichts, sehen interessiert zu, wie Autos auf die Rennstrecke fahren, wie sie die Rennfahrer behindern und vor allem gefährden und sie reagieren nicht mal, wenn man ihnen den Vogel zeigt oder sie mit einem furchtbaren Schimpfwort bedenkt. Ist eine ganz eigenartige Spezies. Vielleicht tut ihnen die Hitze nicht gut, stundenlang herumstehen, ist ja auch nicht Jedermanns Sache.

Sonntag, 6. Juni 2010: KAMPTALER STRASSENRENNEN IN LANGENLOIS

Bin gestern nachmittags nach dem Zeitfahren noch eine Runde auf dem neuen Rundkurs gefahren, der ist sauschwer, ich hab mich jedenfalls beinahe in die Hosen gemacht! Hihi, das wird für viele ein böses Erwachen geben. Je schwerer die Strecke, desto mehr kommt es mir entgegen. Der 2 km lange Zielanstieg, dann der gut eineinhalb Kilometer lange steile Anstieg in Schiltern, dann noch der zweieinhalb Kilometer lange ganz flache Anstieg nach Reisert zur Straußenfarm. Das wird ein Gedicht heute! Ich kann´s kaum erwarten.

Wer hat meine Form gesehen? Hat sie wer gefunden? Wo ist sie geblieben? Ha, wenn´s doch bloß so einfach wäre! Vor der Straßenmeisterschaft hab ich fieberhaft versucht, wenigstens eine halbwegs seriöse Form hinzukriegen. Jetzt plötzlich ist sie da. Wie stark? Wie groß? Wie stabil? Keine Ahnung. Aber ich spür´s in den Zellen, in jeder einzelnen. Es ist dieses ganz bestimmte Gefühl, dieses gewisse Kribbeln, wenn sich die Haare ganz leicht aufstellen in freudiger Erwartung dessen, was da kommen wird. Die große Form ist´s noch lange nicht, dazu fehlt noch einfach viel zu viel. Aber ich bin jetzt wieder ein ganz schönes Niveau höhergeklettert, und gewisse Umstände können mir bestenfalls ein Lächeln entlocken. Wie die Hitze. Wie ein steiler Anstieg. Wie überhaupt ein schweres Rennen. Oder erwarte ich doch zu viel? Abwarten. Der Rennverlauf wird´s zeigen. So oder so.

Montag, 7. Juni 2010

Mann, bin ich tot!  Alles tut weh, die Beine sind sauer und unglaublich müde, jede Bewegung erinnert mich daran, daß ich selbst nach 10 Stunden nicht ausgeschlafen bin! Ja, so muß die Form sein! Dieser Zustand ist ja nichts anderes als die Fähigkeit, mehr hinzuhalten als sonst, sich mehr verausgaben zu können als normalerweise.  Natürlich ist dann die Erschöpfung größer, ist man danach leerer als sonst. Wichtig ist halt jetzt die Regeneration. Bestenfalls ein ganz leichtes Rollen heute, maximal eine Dreiviertel Stunde. Fingerspitzengefühl ist gefragt.

Gestern fand ja der Klassiker Mailand-San Remo statt. Ein Rennen, das ich seit Jahren unbedingt fahren will, aber es hat sich bisher nie ergeben. Immer ist irgendwas dazwischengekommen. Und diesmal ist eine österreichische Abordnung in Mailand am Start gestanden, angeführt vom Waldviertler Hannes Krivetz. Normalerweise mache ich an dieser Stelle hier ja nicht gerne Reklame für jemand fremden, aber diesmal muß es einfach sein. Der Tagessieg ging an den Italiener Michele Masceroni (ASD Bassotoce), der in 7:49:21 mit einem Schnitt von 37,58 km/h triumphierte. Krivetz Hannes ist gleich nach dem Start weggefahren, in einer 5-Mann-Spitzengruppe hat er bis zum Passo del Turchino 7 Minuten herausgefahren, ehe dort die Gruppe zerplatzt ist. Respekt vor dieser Leistung, Hut ab, er hat sich dann - obwohl schwer angeschlagen - beachtlich aus der Affäre gezogen!

Die Plätze der Österreicher: 13. Thomas Westermayer (ARBÖ Drahteisel Voitsberg) -5:24, 46. Herbert Arnhof (Kosmopiloten Zwettl) -12:12, - 84. Hannes Krivetz (Kosmopiloten Zwettl) -33:53, - 91. Markus Stocklasser (Kosmopiloten Zwettl) -35:44, - 111. Gerhard Maurer (Linz) -45:16

Ja, ihr habt richtig gelesen, "Westi" ist ganz vorne mitgefahren, der eigentlich suspendiert bzw. gesperrt ist wegen Ephedrin-Dopings! Aber die Italiener kümmern sich halt weder um die NADA Austria noch um die UCI, lassen dopinggesperrte Typen an den Start.

Dienstag, 8. Juni 2010

War ein harter "Arbeitstag" heute! Bin 185 km gefahren, über die Pack, weiter auf die Hebalm und runter nach Deutschlandsberg, raus über Preding und am Ende dann noch Aframberg, Inzenhof und Gnaning als steile, kurze Anstiege! Es hat aber gut getan, ich hab das dringend gebraucht! Dazu die Hitze, es war wirklich nicht einfach. Hab insgesamt zwei große Trinkflaschen leergesoffen und war dann noch immer so ausgetrocknet, daß ich daheim gleich mal mit 6 Litern nachgespült habe!

Mittwoch, 9. Juni 2010

Bin heute eine kürzere Runde gefahren, aber eine sehr bervorzugte, nämlich rauf nach Frohnleiten, auf den Pfannberg (9 km), über Neudorf runter nach Semriach und heim nach Graz. War ein paar Minuten langsamer als am 27. Mai, als ich diese Runde zuletzt gefahren bin. Gründe? Die Hitze, der volle Bauch, das gestrige schwere Training, der Gegenwind am Berg usw... Die Hitze war nahezu unerträglich, hab heute 9 Liter in mich reingeleert (im Laufe des Tages!)

Übrigens muß ich hier jetzt endlich Farbe bekennen: ich WURDE ERWISCHT UND ÜBERFÜHRT!! Und zwar am letzten Samstag in Langenlois, von den paar Rennfahrerkollegen, bei der Streckenbesichtung des Rundkurses. Ich wurde aufgedeckt, daß ich COMPACTKURBELN verwende - und jetzt bleibt mir nichts anderes übrig, als mich vollständig zu outen - ja, seit nunmehr 3 Jahren! Tut mir leid, Jungs, daß ihr das erst jetzt erfahren müßt, aber ich hab halt auch meine dunklen Seiten!

Samstag, 12. Juni 2010: BERGZEITFAHREN MOUNTAINSPEKTAKEL HANSBERG

Ein schwarzes Rennen, aber was für eines! Findet heuer erst zumn zweiten Mal statt, aber die Organisation ist im großen und ganzen so gut und perfekt wie bei einem Klassiker! Tolle Strecke (Streckenprofil), tolle Landschaft, gute und starke Besetzung, schöne Preise, tolle Angebote der Organisation (Gratisessen imn Ziel), rundum ein wirklich perfektes Rennen!

Als ich nach Hartkirchen über die Donauibrücke gefahren bin und dann ins Mühlviertel rauf, auf schmalen Bergstraßen, da war ich mit einem Schlag in einer anderen Welt. In Niederwaldkirchen war beim Sportgelände der Start, auf schmalen Forststraßen, die aber asphaltiert waren, ging es dann den Hansberg hinauf. Leider habe ich mich bei der Streckenbesichtigung mit dem Auto bereits ein paarmal verfahren (Streckenmarkierung äußerst dürftig!!!), und den letzten Kilometer haben sie mich gar nicht anschauen lassen, ein Streckenposten hat mir da die Durchfahrt verweigert, obwohl es noch geschlagene 2 Stunden bis zum Start waren!! Naja, wirklich perfekt war das Rennen nicht, ein paar kleine Mängel kann man durchaus noch ausbessern.

Zur Siegerehrung hat es sich ziemlich lang hingezogen, leider bin ich nur Fünfter geworden, aber es war knapp - umso mehr wurmt mich das! Der Hansberg ist ein Wintersportgebiet, im Sommer ein Aussichtsberg, und so habe ich nach dem drückend schwülen und unglaublich heißen Tag (36°) schön gesehen, wie sich die schwarzen Gewitterwolken rund um den Berg zusammengezogen haben. Es war abzusehen, daß bald ein Donnerwetter niedergehen würde. Bis zur Preisverteilung bin ich daher wie auf Nadeln gesessen, danach sofort ins Auto gesprungen und mit Vollgas durchs Mühlviertel runtergeblasen zur Donau, dann bergab Richtung Ottensheim und Linz. Leider habe ich es nicht ganz geschafft.

Das Unwetter beginnt kurz vor Linz

In Linz beginnt´s. Das Unwetter nämlich. Es hat zu regnen begonnen, gleich darauf stark, dann war das ein Wolkenbruch, und da war ich dann schon auf der Autobahn. Richtung Knoten Linz, aber den hab ich dann nicht mehr gesaehen. Denn was da niedergegangen ist, war unbeschreiblich. Es hat geprasselt unbd geknattert am Autodach, ich hab überhaupt nichts mehr gesehen, die Straße war ein reißender Fluß, meist habe ich die Bodenhaftung verloren, aber das war kein Aquaplaning, das war, wie gesagt, ein Fluß! Nur nicht stehenbleiben wie die vielen anderen, die sich am Pannenstreifen geparkt haben (woher haben die gewußt, wo der ist? Ich hab da nichts mehr gesehen!), wer weiß, wo´s mich sonst noch hinschwemmt, nur weg, so schnell wie möglich weg! Also bin ich gefahren, mit 50 bis 60 Sachen, todesmutig, gesehen hab ich absolut nichts. Als ob ich blind wäre. Mittlerweile war ich nicht mehr in einem Fluß, sondern im Meer. Vor Amstetten hat es dann endlich nachgelassen.

 

Damit ihr wißt, wie´s da ausgesehen hat!

Das war die Sicht aus der Windschutzscheibe!

Ich hab den ganzen Tag noch nichts gegessen, so wird der Durst erst mal übermächtig. Bei dem Wetter kann ich aber nicht stehenbleiben und aus dem Kofferraum was holen, da wäre ich sofort patschnaß. Also fahre ich weiter, aber es hört nie ganz zu regnen auf. In St. Pölten geht es dann runter von der Autobahn, und obwohl erst 17.45 Uhr, ist es beinahe völlig dunkel. In Spratzern finde ich dann endklich, wonach ich solange schon gesucht habe. Bei einem kleinen Geschäft an der B 20 ist ein kleines, schmales Vordach angebracht, darunter parke ich mich hin und kann mnir endlich von hinten was zu essen und zu trinken holen.

Als ich nach ein paar Minuten wegfahren will, geht das Licht nicht mehr. Trotz mehrfachen Herumprobierens funktioniert weder Stand- noch Abblend- oder Fernlicht! Total blind aber kann ich nicht weiterfahren, weil es schon stockdunkel ist. Ob da durch die Wassermassen was naß oder feucht geworden ist? Scheiße, immer trifft es mich, und immer dann, wenn ich absolut keine Zeit habe!!! Also schnell den ÖAMTC  angerufen, das ist gerade noch gegangen, weil der Handy-Akku zu allem Überdruß natürlich auch schon beinahe leer ist! Also eine knappe Stunde gewartet, ehe derTyp kommt.

Was soll ich sagen? Die Birnen sind in Ordnung, der Sicherungskasten auch, ist staubtrocken, aber dann: Der Stecker hat keinen Strom, daher brennen die Lichter nicht! Aber wo genau liegt der Hund begraben? Die Armaturen-Abdeckung kriegt er nicht weg, weil er dazu die ganze Lenksäule ausbauen müßte, also fahre ich in seinem Schlepptau die 3 km zurück zum ÖAMTC-Posten, wo er mir dann den Reservewagen dieses Stützpunktes andrehen will. Ich entschließe mich dann aber dazu, gleich hier an Ort und Stelle im Auto zu schlafen (spät ist es ohnehin schon und ich bin müde!) und morgen bei Tageslicht ganz normal weiterzufahren.

Sonntag, 13. Juni 2010: ÖSTERREICHISCHE KRITERIUMS-MEISTERSCHAFT IN STATTERSDORF

Ja, heute ist es also soweit, heute muß ich meinen Vizetitel aus dem Vorjahr verteidigen! Ich bin schon um 8.30 Uhr im Startgelände (Start ist erst um 11 Uhr), es ist bedeckt, aber schwül und trocken. Wie lange das Wetter anhält? Ich gehe zu Fuß die ganze Zielgerade ab, und mit jedem Schritt wird es unwahrscheinlicher, das Ergebnis aus dem Vorjahr zu wiederholen: Ein klassischer Sprinterkurs ist das, mit einer ganz langen Zielgerade, mindestens 350 m, da kann sich wirklich nur ein Sprinter durchsetzen. Und so kommt er Zielkurve entscheidende Bedeutung zu, die ist neu asphaltiert, dadurch aber etwas schwerer und vor allem spitzer geworden. Und als ich dann auch noch die Starterliste sehe, ist die Motifvation endgültig im Keller angekommen. Mit Gössler, Kemethofer, Taucher, Gruber, Ganser, Gugler, Mateyka und Co. ist wirklich alles am Start, einzig der Mosler Gerhard fehlt.

Ich kann nicht sprinten, bin also auf überraschende Solovorstöße angewiesen, um zu Punkten zu kommen. Aber bei der Besetzung ist hohes Tempo vorprogrammiert, ob ich da wohl die Chance haben werde, mich wegzuschleichen?

Am Abend, es ist schon dämmrig, komme ich mit dem lädierten Wagen gerade noch heim. Dann wird es finster.

Montag, 14. Juni 2010

Heute gegen 16 Uhr fahre ich - wie abgesprochen - rauf zur Halle am Fasslberg zur Werkstätte vom Markus und lasse mir den Wagen anschauen. Natürlich fangen sie wieder gleich an wie schon zuvor der ÖAMTC-Mann, die Birnen werden überprüft, dann die Sicherungen, das Relais ausgebaut, das ist kaputt. Dann wird eine Brücke eingebaut, doch die Scheinwerfer leuchten nicht, obwohl sie´s müßten. Das Lenkrad wird abmontiert, das Armaturenbrett darunter genauso, dann kommt man zum Schalter dazu, der wird ausgebaut und zerlegt. Die Stunden verrinnen. Jedes Kabel wird einzeln gemessen, aber das Ergebnis bleibt dasselbe: nach den Sicherungen ist plötzlich der Strom weg! Also, nach 8 Stunden (Mein Gott, ich hab direkt ein schlechtes Gewissen!!) habe ich eine Brücke im Sicherungskasten und fahre mit Abblendlicht wieder heim (es ist 0.30 Uhr!) Ein Relaisschalter ist kaputt, den muß ich mir besorgen, aber wo? Wer hat einen so alten? Das Fernlicht geht noch immer nicht...

Und dazwischen regnet es munter drauflos, es hat ja schon so lange nicht mehr...

Dienstag, 15. Juni 2010: REGEN, REGEN!!!

Normalerweise ist ja der Mittwoch mein Marathontag, wo ich eine lange, ausgedehnte Trainingseinheit von 4 bis 6 Stunden absolviere. Da ich aber diesmal ein sehr langes Wochenende mit vier Rennen an vier Tagen vor mir habe, ist die lange Einheit bereits heute fällig gewesen. Leider unter dem Einfluß des Schlechtwetters. Es regnet andauernd, immer nur Regenschauer, dazwischen hört es auf, trocknet sogar einigermaßen wieder auf, aber dann beginnt es gleich wieder. Ich bin anfangs den Regenwolken immer ausgewichen (bzw. ich wollte es halt!) und bin so Richtung Voitsberg und Köflach gefahren, dann weiter auf die Pack, dort hat mich wieder ein Schauer erwischt, aber dann war´s mir schon egal. Naß war ich schon, also bin ich weitergefahren. Den langen Anstieg auf die Pack (20 km) habe ich diesmal in genau einer Stunde geschafft, so schnell war ich hier selten. Ich bin einen schönen Zug gefahren, einen guten Rhythmus, da hat einfach alles gepaßt. Ich habe mich auch die ganze Zeit über sehr frisch und stark gefühlt, naja, wenn der Regen nicht gewesen wäre!

Während der Rückfahrt dann wieder insgesamt dreimal in den Regen gekommen, wollte noch ein paar Haken schlagen, aber dann bin ich geradewegs nach Graz zurückgefahren. 142 km waren es, und ich war 4:55 Stunden unterwegs (Schnitt 28,4). Wieder daheim, hatte ich eine schrumpelige Haut wie eine aufgeweichte Ölsardine. Eklig!

Donnerstag, 17. Juni 2010: NACHT-RUNDSTRECKENRENNEN IN VILLAFRANCA

Meine Form ist ganz gut, die Hochform ist im Anrollen. Da zahlt es sich aus, wenn ich jede Startmöglichkeit wahrnehme, einerseits, um an meiner Form zu feilen, sie zu steigern, andererseits, um vielleicht eine Plazierung einzufahren. Wenn nur diese weiten Anreisen nicht wären!  Da merke ich schon, daß ich alt werde!

Nach Villafranca bei Verona war ich gut 5 Stunden unterwegs. Da war es doch ganz gut, daß der Start erst um 21 Uhr abends war. Trotzdem, ich war ganz schön verspannt, als ich aus dem Auto geklettert bin!

Eine der Sehenswürdigkeiten von Villafranca: Start und Ziel befinden sich direkt vor dem alten Kastell! Das ist schon was ganz anderes, wenn man, so wie hier, mit jedem Meter auf geschichtsträchtigem Boden fährt! Man atmet förmlich die Aura der Jahrhunderte, saugt sie mit jedem Atemzug in sich auf.

Schönes, warmes Wetter, tolle Zuschauerkulisse, was will man mehr?

Freitag, 18. Juni: STRASSENRENNEN IN CADÓNEGHE DI PADOVA

Toll! Endlich der erste Saisonsieg! Lang hat´s gedauert, aber jetzt ist´s endlich passiert! Dabei hatte ich nach diesem Rennverlauf gar nicht dein Eindruck, daß das ein so tolles Rennen von mir gewesen ist! Naja, meine Siege sind allesamt nicht sonderlich spektakulär, die "passieren" meist einfach so... Heute hat einfach alles gepaßt, die Lockerheit, Lässigkeit, ich hab´s einfach nicht erzwungen, bis zuletzt nicht, bis zum Zielsprint, den ich eigentlich gar nicht fahren wollte, ich hätte mich mit dem 4. Rang zufriedengegeben...

Dabei ist Cadóneghe gar nicht mal so klein...

Gesponsert von der Baufirma Iperlando gab es bei diesem Rennen wirklich außergewöhnliche Preise, Pokale, Siegeskranz, Bargeld, Gutscheine, Warenkorb (obligatorisch!), etc.

So, und jetzt geht´s mit Vollgas wieder nach Hause, morgen wartet schon das Zeitfahren in Oberwart...

Samstag, 19. Juni 2010: ÖSTERREICHISCHE ZEITFAHRMEISTERSCHAFT IN OBERWART

Was hab ich hier eigentlich verloren? Wenn´s nicht österreichische Meisterschaft wär, wenn´s nicht zum Ginner-Cup zählen würd´, ich glaub, ich wär in Italien geblieben! Zu allem Überdruß ist die Strecke nicht nach meinem Geschmack, das Wetter (Regen) sowieso nicht. Ich bin wohl etwas gereizt wegen der langen Anfahrt - dabei hab ich hier doch gar nichts zu erwarten, die Konkurrenz ist dann vor allem größer als erwartet, stärker sowieso...

Zeitig genug bin ich ja in Oberwart angekommen, ca. 4 Stunden vor dem Start, wollte mir die Strecke anschauen, aber das geht nicht, weil sie nicht mal markiert ist! Ich suche herum, verfahre Benzin, die Straße ist naß, ich bin frustriert, etwas müde noch immer von der langen Nachtfahrt aus Italien...

Dann endlich kann ich mir die Rennstrecke ansehen, wo die Wende ist, weiß ich noch immer nicht, aber der Berg - Wahnsinn! Und das in einem Zeitfahren! 2 Stunden vor meinem Start fahre ich die Strecke mit der Zeitfahrmaschine ab: über den Berg komme ich gerade mit 52/21 drüber, und das ist mir viel zu hart! Dazu kommt: die Straße schmal und vor allem schlecht, die Abfahrt kriminell steil und kurvig, dazu der Verkehr, na prost Mahlzeit! Die Organisatoren versichern mir zwar, daß die Straße für den Verkehr gesperrt ist, aber bei Ortsdurchfahrten weiß man ja nie... Dazu ist die Straße auf den ersten und letzten 7 km so schmal (und noch dazu wird sie im Rennen in beiden Richtungen befahren!), daß man da nicht mal überholen kann, wenn einem gerade wer entgegenkommt, und das soll eine Meisterschaft sein! Aber wozu reg ich mich so auf, bei mir geht´s ja sowieso um gar nichts...

So eine Strecke auszusuchen, ist eines, aber sie zu genehmigen, etwas ganz anderes!

Im Rennen kommt es dann noch dicker, denn es beginnt wieder mal - pünktlich zu meinem Start - zu regnen!!!

Als ich danach meine Zeitfahrmaschine wieder einpacke, stelle ich sie mal auf den Kopf, und es rinnt beinahe ein halber Liter Regenwasser aus dem Rahmen!

Um 13 Uhr beginnen die Masterrennen, die Nachwuchsfahrer starten dann bis 18.30 Uhr. Als ich vom Rennen zum Auto zurückkomme, steht ein besonders häßlicher Wicht davor, hat meine Autonummer aufgeschrieben, zusammen mit gut 30 anderen Rennfahrern, die auch auf diesem Parkplatz gestanden sind, und mir erklärt, daß ich angezeigt werde, wenn ich nicht sofort verschwinde, weil es sich um einen Privatparkplatz handelt (weil der Typ so häßlich war, sage ich hier auch, daß es sich um den Parkplatz vor dem Möbelhaus Möbelix gehandelt hat!), hab dann eine Weile herumgestritten mit dem Typen, bin dann aber doch weggefahren. Das ist ein Kundenparkplatz, da hätten wir nichts verloren. Ich hab ihm noch angedroht, ich geh ins Geschäft rein und kauf mir einen Fußabstreifer, aber dann mußte ich erkennen, daß die sowieso schon geschlossen hatten! So ein Sch...wichtigmacher!

Um mich etwas abzureagieren, bin ich dann im allerletzten Moment, um 17.45 Uhr, noch schnell einkaufen gegangen, alles ins Auto gepackt, ab nach Hause, Zeitfahren wegblenden und mich aufs morgige Straßenrennen konzentrieren...

Sonntag, 20. Juni 2010: STRASSENRENNEN IN SLOVENSKA BISTRICA (SLOWENIEN)

Eigentlich wollte ich nach Friaul runterfahren, zum Straßenrennen in Basaldelle bei Udine. Aber ich war dann doch etwas müde, faul, matschig. Drei Rennen in drei Tagen und vor allem die langen Autofahrten haben ihre Spuren hinterlassen. Wieso eigentlich so weit fahren, wenn doch auch in Slovenska Bistrica ein Rennen stattfindet??? Dorthin sind es gerade mal gute eineinhalb Autostunden ab Graz. Ich werde anscheinend alt.

Gut, also nach Slowenien diesmal. Kaum entschieden, bin ich auch schon wieder hellwach und motiviert. Also doch nicht alt. Wo ist das eigentlich? Und die Strecke? Ich seh sie mir mal auf der Karte an, ist größtenteils flach bis hügelig. Aber genau weiß man das speziell in Slowenien nie. Da bauen sie oft aus 20 Höhenmetern eine Steigung von 15 bis 18 %, richtig unnötig - aber okay, für die Zuschauer ist sowas sicher spektakulär. Aber ich bin KEIN Zuschauer.

So, das ist also Slovenska Bistrica. Eine der ältesten Städte Sloweniens.

Vor dem gleichnamigen Schloß Windisch-Feistritz befinden sich Start und Ziel. Leider sehe ich das alles nicht so schön wie auf diesen Fotos, weil es nämlich REGNET. Wieder einmal. Es regnet den ganzen Tag, es regnet, regnet, regnet... Wie langweilig...

Aber wenn ich´s genau überlege, dann habe ich einige meiner besten Ergebnisse bei strömendem Regen erzielt, immer dann, wenn ich richtig motiviert war. Als ich die Starterliste sehe, gerade mal 35 Mann, da bin ich richtig motiviert, die großen Namen fehlen alle, einzig Ales Hren steht da drauf, gleich mit der Nummer 1, der ist aber immerhin slowenischer Straßenmeister... Aber den hab ich auch schon ein paarmal versenkt. Warum also nicht auch heute? Holla, was kostet die Welt!?!?!

Hab das trockene Gewand für danach daheim vergessen. Scheiße! Muß also das gebrauchte von gestern hernehmen. Improvisation ist alles.

Bei der Heimfahrt bin ich total aufgekratzt. Der Pokal steht am Beifahrersitz. Vier Rennen, dreimal top ten, ein Sieg, heute Zweiter, was will ich mehr? Daheim dann kehrt die ganze Müdigkeit der gesamten Woche zurück, nein, des gesamten Lebens, ich lege mich aufs Bett, schlafe sofort ein. Mein letzter Gedanke: ich muß doch wirklich Jahrhunderte alt sein!!!

Übrigens: gewonnen hat der Ales Hren, in einer ziemlich fragwürdigen Art und Weise, gesehen hab ich ihn das ganze Rennen über nicht, als ich solo vorne war, ist er nachgefahren und hat mich dann abgespurtet. So sehen wohl Sieger aus! Jawohl, so sehen sie aus, aus mir spricht ja nur der Frust des Zweiten, des ersten Verlierers.

Daheim hat´s auch den ganzen Tag geregnet.

Mittwoch, 23. Juni 2010

Endlich mal wieder ein ordentliches Training möglich! Kein Regen, unglaublich! Bin in den Bergen herumgefahren, naja, in den Hügeln! Stallhofen, Voitsberg und zurück, 96,5 km, Schnitt 31,2, ganz ordentlich für 350 Höhenmeter, habe mich auch ganz gut gefühlt.

Donnerstag, 24. Juni 2010

War heute wirklich ganz schlecht drauf - da ist mal ganz nichts gegangen. Bin über Frohnleiten auf den Rechberg rauf, aber die Bweine waren schwer, ich langsam, keine Luft, war´s der Gegenwind? Ich brauchte jedenfalls 38:14 da rauf, gute 5 Minuten langsamer als meine Durchschnittszeiten! Dabei hatte ich das Gefühl, ganz gut unterwegs zu sein - ha, das spricht nicht gerade für mich. Dann oben am Rechberg rechts, gleich darauf links nach Anger und runter nach Semriach, dann zurück nach Graz - 95 km, Schwamm drüber.

Dann noch die Nachricht, daß der Roland am Samstag nicht fahren kann, das Paarzeitfahren in Mariazell ist damit geplatzt. Bleibt also nur das lange Bergrennen in Friaul, von Feletto Umberto über 92 km auf den Sella Chianzutan, das ist aber leider am Sonntag, überschneidet sich mit Keutschach. Und am Sonntag dann die Kärntner Seenrundfahrt. Wird ein heißes Wochenende, und damit meine ich nicht unbedingt das Wetter!

Freitag, 25. Juni 2010: LINGERIE LEAGUE!

Habt ihr davon schon mal was gehört? Nein? Wirklich schade, da habt ihr was verpaßt! Aber Football kennt ihr? Und von der Super Bowl habt ihr auch schon mal gehört? Als Pausenshow bei der Super-Bowl hat´s begonnen, mittlerweile ist es innerhalb kürzester Zeit ein Millionenhit geworden: Lingerie League! Das sind nichts anderes als Damen-Footballspiele in Unterwäsache! Kein Tochdown mit erotischer Bedeutung, sondern "echter Sport"! Mittlerweile gibt es 10 Teams, darunter die San Diego Seduction, L.A. Temptation oder Dallas Desire und Miami Caliente. Die Feministinnen toben, doch die Liga zieht so sehr, daß Tickets auf dem Schwarzmarkt um sage und schreibe 1.000.- $ angeboten werden! Ha, ich geb´s euch billiger, hier könnt ihr ein paar Szenen sehen, aber fragt mich bitte NICHT, was denn da die Cheerleader anhaben!

Wenn ihr jetzt auf den Geschmack gekommen seid, könnt ihr euch selber ein paar Bilder reinziehen, etwa unter www.lingeriefootballleaguepics.blogspot.com. Viel Spaß dabei!

Das nenn ich totalen Körpereinsatz! So, jetzt ist´s aber genug der Fotos, schließlich ist diese website ja jugendfrei! Ein Tip: ihr könnt ja auch mal bei youtube nachsehen!

Und jetzt mal was anderes: das Programm fürs Wochenende steht, ja, ich weiß, es ist etwas spät jetzt, denn immerhin geht´s morgen schon los. Im Belluno gibt es ein ganz interessantes Rennen, nämlich das Bergrennen auf den Passo Giau, und das in zwei Teilen: morgen, Samstag, von Alleghe aus (20 km), am Sonntag dann von Cortina d´Ampezzo aus (17 km). Ich werd halt nur beim ersten Teil dabeisein.

Von der Zeitfahrmeisterschaft am vergangenen Wochenende in Oberwart finde ich keine gescheiten Fotos. Nicht mal auf der Seite des Veranstalters - traurig!

Samstag, 26. Juni 2010: BERGRENNEN ALLEGHE - PASSO GIAU

Heute also ist es soweit. Weil der Roman im letzten Moment noch abgesagt hat, ist es nichts mit dem Paarzeitfahren in Mariazell, in der kurzen Zeit konnte ich natürlich auch keinen Ersatz finden. Also bin ich jetzt in Alleghe im Belluno am Start. Kurzfristig sozusagen, natürlich habe ich mich mental auch nicht darauf einstellen können. Ist halt nicht so gut.

In der wilden Bergwelt der Dolomiten

Aber dann hab ich mir gesagt, daß ein so schweres Bergrennen eine Woche vor der Bergmeisterschaft nicht dumm wäre. Ist halt ein langer Weg hierher, dann noch die Strecke anschauen, das habe ich bei der Herfahrt schon gemacht, bin nämlich von Cortina rübergefahren, da hab ich beide Seiten mit einem Male kennengelernt. Nicht leicht, heute ist es vor allem unrhythmisch, steile Passagen wechseln mit ganz steilen. Wie immer, so motiviert mich die Umgebung der schroffen Felsgebirge auch heute. Die Dolomiten sind halt meine Welt. Zum leben, beim Bergweandern, oder auch beim Rennen. Hier fühle ich mich einfach wohl.

Schönwetterpanorama am Passo Giau

Im Rennbüro muß ich dann erfahren, daß es auch eine Gesamtwertung der beiden Rennen gibt, des heutigen und des morgigen. Und da gibt es bessere Preise als bei den beiden einzelnen Rennen, nämlich Barpreise! Ich werde schwach, will die Entscheidung auf nach dem Rennen verschieben. Aber es reizt mich doch, hier beide Rennen zu fahren.

Eine wirklich wilde Bergwelt!

Nachdem ich 5. geworden bin, mit ziemlich geringem Rückstand auf den Dritten, fällt mir die Entscheidung leicht: ich bleibe hier und fahre morgen auch das zweite Rennen! Leider muß ich daher auf die Kärntner Seen-Rundfahrt in Keutschach verzichten, ein Rennen, das mir auch immer sehr getaugt hat, vor zwei Jahren gewonnen, im Vorjahr Vierter. Aber diesmal gibt es keine lange Distanz über 160 km mehr, da fahren alle die kurze über 105 km, daher habe ich da eine ungleich härtere, größere Konkurrenz. Und die Bergmeisterschaft steht nächste Woche vor der Tür. Der Anstieg nach Freiland ist zwar kurz, aber relativ steil. Eine Spur flacher als hier. Naja, solche Details überlege ich halt, aber die Entscheidung fällt dann sozusagen aus dem Bauch heraus: mir taugt es hier einfach, und die Aussicht auf einen weiteren Preis, noch dazu in bar, tut ihr übriges.

Ich fahre rüber nach Cortina, das Wetter ist sehr warm und schön, ich suche mir außerhalb der Stadt ein schönes ruhiges Plätzchen, finde auch bald eines, abseits der Straße, am Waldrand, verborgen hinter Buschwerk, geschützt von den heißen Sonnenstrahlen durch das dichte Blätterdach, ich mache beide Fenster auf, und lasse die Seele baumeln. Nach einiger Zeit packe ich etwas Essen und Trinken aus, schiebe ein paar Kalorien nach. Ein Picknick wie im Bilderbuch.

Von der Stille der Bergwelt in den kreischenden, hämmernden Rhythmus der Olympiastadt Cortina d´Ampezzo.

Die Lagazuoi-Gruppe überragt alles

Sonntag, 27. Juni 2010: BERGRENNEN CORTINA D`AMPEZZO - PASSO GIAU

In Cortina ist alles exorbitant teuer. Da kann man sich ja nicht mal ein Mineralwasser gönnen! Italienische Abzocke! Ich kenn´s und probier´s erst gar nicht. Bin daher auf der SS 51 von Cortina aus südlich Richtung Pieve di Cadore runtergefahren und schon in Acquabona, 5 km außerhalb von Cortina, der ersten Ortschaft, fündig geworden. Eine kleine Pension direkt an der Straße, aber mit den Zimmern in den Hinterhof raus, 15.- € inkl. Frühstück! Unglaublicher Preis!

Der Hausberg von Cortina, die Tofana-Gruppe

Das Tofana-Massiv - was für eine Kulisse!!

Es hat sich ausgezahlt, daß ich hiergeblieben bin: gestern Fünfter, heute Zweiter, in der Gesamtwertung auch Zweiter! Dazu das herrliche Kaiserwetter, es ist schade, und ich bin traurig, daß ich heute wieder heimfahren muß! Aber ich habe mich entschlossen, im Sommer mal eine Trainingswoche hier in den Dolomiten einzulegen, irgendwo in der Abgeschiedenheit dieser grandiosen Bergwelt.

Verrückt wie ich bin, habe ich daheim, unmittelbar nachdem ich angekommen bin, die Rennmaschine ausgepackt und bin mit all den Endorphinen im Blut, mit der Euphorie und dem Überschwang dieses vergangenen "Re Giau" auf den Schöckel gefahren! Natürlich bin ich keine Klassezeit raufgefahren, habe mich vielmehr in 46:47 raufgequält, aber immerhin war kräftiger Nordwind, also Gegenwind. Ha, das waren weitere 63 km in zweieinhalb Stunden, als ich dann endgültig daheim war, ist es finster gewesen.

Montag, 28. Juni 2010: KURT STÖPEL

Könntet ihr euch vorstellen, daß Jan Ullreich nach seinem 2. Platz bei der Tour de France ´96 noch das Grab Heinrich Heines in Paris besucht hätte? Oder daß Lance Armstrong ihn 2003 am Ruhetag empfangen hätte, um - noch im Pyjama - über Gott und die Welt zu philosophieren??Wohl kaum. Bei der Frankreich-Rundfahrt 1932 jedoch hielt es Kurt Stöpel als Herausforderer des französischen Superstars André Leducq genau so - in einem Rennen, in dem er als erster Deutscher in der Geschichte der Tour de France eine Etappe gewann, das Gelbe Trikot trug und aufs Podium fuhr. Am 12. März 2010 wäre der Berliner Radrennfahrer, den seine ausländischen Kollegen gern den "Philosophen" nannten, 102 Jahre alt geworden.

Kurt Stöpel, hier auf einer Autogrammkarte von 1935

Es ist normalerweise nicht meine Art, hier mein "Tagebuch" zur Werbezwecken verkommen zu lassen, aber diesmal muß ich eine Ausnahme machen. Es geht um eine Reihe von Büchern, Radsportbücher, die ich euch unbedingt ans Herz legen möchte. Und mit dem ersten davon will ich heute beginnen.

Schlicht "Tour de France" heißt die Erlebnisreportage von der Tour ´32, die Kurt Stöpel später anhand seiner Tagebuchaufzeichnungen verfaßte: ein Buch, das bis heute, 80 Jahre später, nichts von seiner Faszination eingebüßt hat. Denn Stöpel hat nicht nur Bemerkenswertes zu berichten, er erweist sich auch als Autor von bemerkenswertem Erzähltalent.

"Das Packendste, der literarisch anspruchsvollste Bericht von der Tour de France", urteilt etwa die "Süddeutsche Zeitung" in ihrer Kritik über die 2004 erschienene Neuauflage, und die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" lobte: "Eine wunderschöne, 72 Jahre alte Erinnerung breitet Kurt Stöpel in diesem Sommer aus. Endlich ist der Bericht des ersten Deutschen, der Zweiter der Tour de France wurde, wieder erhältlich. Seine von Bescheidenheit und Bildung geprägte Sprache geben der Erzählung vom Kampf mit André Leducq um den Sieg bei der Tour ´32 ebenso Farbe wie die Schwarzweißfotos, mit denen die Neuauflage illustriert ist." 

"Es ist eine tragische Nacktheit, das zerklüftete Felsgestein scheint uns angrinsen zu wollen. Der Weg der tausend Krümmungen wird jetzt bereits von Schneepfützen markiert", heißt es in Kurt Stöpels Buch über eine Pyrenäen-Etappe im Unwetter. "Jetzt kann man nicht mehr in das violett schimmernde Tal hinabblicken, die Wolken hüllen uns ein, als hätten sie Mitleid mit uns keuchenden Ameisen, die es gewagt haben, die Riesen der Bergwelt herauszufordern. Es ist nur ein Tasten, ein ungewisses Taumeln von einer Straßenhälfte zur anderen, dabei die Angst im Herzen, nicht zu nahe an den Abgrund zu kommen."

In dieser authentischen, bildreichen Sprache schildert er das Leiden der Fahrer und die ganze Dramatik einer Frankreich-Rundfahrt, die so anders war als die moderne Tour de France - und doch manche Parallele aufweist. Denn Kurt Stöpel verschweigt nicht, daß auch damals der Griff zu fragwürdigen Substanzen für viele Rennfahrer auf der Tagesordnung stand: "Der Bürgermeister erzählt bedächtig das furchtbare Erlebnis, als der kleine Rebry wie ein Wahnsinniger angespurtet kam. Keiner hatte ihn hinter dem Ziel halten können. Er wäre in das Meer hineingerast, wenn nicht energische Hände den Sieger dieser mörderischen Etappe vom Rad geholt hätten. In diesem Moment weiß ich: Es kann kein Märchen sein, daß Beckmann einer der größten Mixer unter den Managern ist. Aber wem nützt dieser Sieg?"

Nach dem Krieg arbeitete Stöpel als Dolmetscher am Flughafen Tempelhof und für den Berliner Senat, später dann als Taxiunternehmer in seiner Heimatstadt. Am 11. Juni 1997 wollte er sich in der Küche seines Altersheimes etwas zu trinken holen, griff aber versehentlich zu einer Flasche Reinigungsmittel. Er starb noch am selben Tag, nur wenige Wochen, bevor er Jan Ullrich gratulieren konnte, ihn als bestplazierten deutschen Tour-Fahrer aller Zeiten abgelöst zu haben.

Zumindest in den Augen seines Bezwingers aber war ja auch Kurt Stöpel schon ein wahrer Tour-Sieger gewesen: "Leducq nahm seinen herrlichen Rosenstrauß, den er bei der Ehrenrunde in seiner Hand gehalten hatte und überreichte ihn, mit der Schleife in den Farben der Tricolore, meiner Frau: Madame Stöpel, sagte er bescheiden, wir beide, Kurt und ich, haben die Tour de France gewonnen!"

Dienstag, 29. Juni 2010

Es ist heute wieder ein ziemlich heißer Tag, die Sonne knallt vom Himmel, und ich klettere in den Bergen herum. Ausnahmsweise ist heute mal nicht mein Marathontag, sondern, so wie jeder andere Tag in dieser Woche, mein "Bergtag". Bin diesmal vom Stift Rein aus auf den Pleschkogel gefahren, 6 km pure Wand, dann hinten runter nach Groß- und weiter nach Kleinstübing, von dort zurück nach Graz. Der Anstieg ist der Hammer. Kleine, schmale Straße, beinahe der gesamte Anstieg im dichten Wald, durch das dicke Blätterdach gegen die Sonne geschützt, kommt man erst oben auf der Kuppe wieder ans "Tageslicht". Ich bin diesen Anstieg anfangs mit 34/21 gefahren, ab der Hälfte dann mit 34/23, und manchmal war mir auch das noch zu hart.

Keine spektakuläre Aussicht vom Gipfel, obwohl er über 1000 m hoch ist.

Ganz so oft fahre ich hier nicht, es ist mir schlicht und einfach zu steil. Und so bin ich heute auch nicht so besonders schnell, fahre ab dem Stift Rein bis zur Bergkuppe hinauf "nur" 33 Minuten. Da war ich schon einige Male schneller!

Stift Rein, ab hier beginnt die Quälerei, knappe 700 Höhenmeter in den Himmel rauf.

Seltsamerweise habe ich hier noch einen anderen Radfahrer getroffen, egal welcher Wochentag, egal, welche Tageszeit. Anscheinend gibt es mehrere, die diesen Berg "boykottieren". Dabei liegt er doch im Grazer Umfeld, ist doch für alle leicht und schnell zu erreichen.

Mittwoch, 30. Juni 2010

Und weiter geht´s! Heute wieder eine etwas kürzere Runde, keine 70 km, aber zwei Anstiege, die ich wirklich im Renntempo raufgefahren bin. Zunächst den Weizberg von Eisbach aus, dann im Stiwoller Tal rauf nach St. Oswald. Beide Male in der prallen Sonne, beide Male mit letztem Einsatz, und beide Male bin ich mit gut 7 Minuten die heuer jeweils schnellste Auffahrtszeit gefahren. In der zweiten Stunde dabei immer eine ganz drohende riesengroße pechschwarze Gewitterwolke im Rücken.

Kaum daheim, hat das Unwetter auch schon losgelegt. Aber damit muß man im Sommer bei solchen tropischen Temperaturen eben rechnen - da sind Wärmegewitter nie weit.

Donnerstag, 1. Juli 2010

Bin heute auf der Ries herumgefahren, zunächst über den Vasoldsberg auf die Schemerlhöhe, dann runter nach Gleisdorf, raus bis Eggersdorf und von dort den anfangs steilen Anstieg rauf auf die Ries. Wieder war es ungewöhnlich heiß, habe geschwitzt wie eine Sau.

Freitag, 2. Juli 2010: PETER WINNEN

Bin heute eine schnelle, kurze, 65 km lange flache Runde gefahren, über Kalsdorf, Unterpremstätten, Dobl, Wildon und Raaba zurück nach Graz. Zeit 2:06´ Stunden, Schnitt 31,7

In dieser Woche habe ich meine "Lesewoche" - ein paar Bücher kann ich euch da gleich ans Herz legen, Radsportliteratur pur! Ihr kennt ja wohl noch den Holländer Peter Winnen, der zweimal die Bergankunft in Alpe d´Huez im Rahmen der Tour de France gewonnen hat: wegen seiner Erfolge und der seiner Landsleute Rooks und Theunisse aus dem legendären PDM-Team hieß der Anstieg ja viele Jahre lang "Berg der Holländer"!

 

Peter Winnen heute                                      .... und 1982

Und genau der Typ hat sich nach Ende seiner aktiven Laufbahn aufs Schreiben verlegt, zunächst Kurzgeschichten, alle aus der Radsportszene, den richtigen "Durchbruch" schaffte er mit seinem Buch "Post aus Alpe d´Huez". Dem Klischee vom Radprofi, der es nur nin den Beinen hat, hat Peter Winnen nie entsprochen. Bei der Tour hatte er Dostojewski im Gepäck (okay, das ist hart!) und feilte abends auf dem Hotelzimmer an Gedichtfragmenten. 1991 beendete er seine Laufbahn und nahm ein Studium der Kunstgeschichte auf. 1999 gestand er als einer der ersten aus freien Stücken langjähriges, systematisches Doping in seinen Rennställen. Ein Jahr darauf überzeugt er erneut mit beispiel- und schonungsloser Offenheit: sein autobiographischer Roman, der als "Post aus Alpe d ´Huez" auch auf Deutsch erschien, ragt literarisch weit aus deer Masse der Sportler-Memoiren heraus und macht ihn zu einem der gefragtesten Chronisten und Kommentatoren des Radsportgeschehens. Kürzlich ist sein zweites Buch erschienen, meines Wissens (noch) nicht auf Deutsch erhältlich, ein "Best of" seiner Kurzgeschichten, die er im "NRC Handelsblad",im "Playboy", in "De Muur" und in "Fiets" veröffentlicht hat. Und genau daraus habe ich euch die Kurzgeschichte "Harmonie" aus dem Italienischen übersetzt:

Ich strampelte lustig drauflos. Mein Tempo war höher als normal. Ich war fröhlich. Es war erst Ende März, doch ich fuhr schon mit Kurzarmtrikot und kurzer Hose. Die Sonne strahlte, als wäre es schon Juli. Ein Irrtum? Die Zeit wird es zeigen. Jedenfalls wurde das Grün am Straßenrand wie durch einen riesigen Magneten aus den Knospen gezogen: die Bäume bekamen einen zarten Flaum. Ungefähr einen halben Kilometer vor mir sah ich eine Gestalt. Ein Fahrradfahrer so wie ich, in buntem Trikot, mit gebogenem Rücken, ein Rennradfahrer also.

Ich schaltete nicht einen Gang höher, ich erhöhte die Trittfrequenz - ein Anzeichen beseelter Fröhlichkeit - und begann, die Gestalt einzuholen. Langsam, ich gebe es zu. Ich war zu beschwingt für einen heftigen Kampf, doch dort vor mir wurde ordentlich Tempo gemacht.

Eine Viertelstunde später war ich noch ungefähr ein halbes Fußballfeld von der Gestalt entfernt. Ein Rennradfahrer mit austrainierten Beinen, so viel konnte ich schon erkennen. Herrlich, wie sich die langen Wadenmuskeln entspannten und wieder anspannten. Und das Becken, so stabil - es ist das Becken, das die Kraft der Beine bestimmt, am Becken erkennt man den Champion.

Der Schweiß lief mir die Schläfen hinunter, es dauerte noch lange, bis ich auf gleicher Höhe war. "Hallo", sagte ich. Ich sah in eine dunkle Sonnenbrille auf einem kurz geschorenen, schwarzhaarigen Knabenkopf. Ich erkannte es an der Nase und dann erkannte ich es an den Lippen - Lippenstift. Ich erkannte es am Hals und ich erkannte es am Kinn: ich hatte mit großer Mühe eine Frau eingeholt!

Ihr Gesicht hatte sich verfinstert. War das eine Träne, die da hinter ihrer Brille hervorkullerte?

"Kann ich Ihnen vielleicht helfen?"m, fragte ich. Sie antwortete nicht.

"Tut Ihnen irgendwas weh?", fragte ich daraufhin. Sie zeigte keine Reaktion.,

"Haben Sie Durst?" Ich reichte ihr meine Trinkflasche, in der sich noch eine Pfütze lauwarmes Wasser befand. Sie lehnte ab.

"Haben Sie etwa Hunger?", fragte ich. "Vielleicht haben Sie ja Lust auf eine Banane." Sie schüttelte ihren Kopf. Ich aß die letzte braune Banane aus meiner Rückentasche selbst auf.

"Nun, ich muß dann mal weiter", sagte ich.

Ich beschleunigte. Als ich unter meinem Ellbogen vorbei nach hinten blickte, sah ich, daß sie sich an mein Hinterrad hängte.

Das ging so über einen oder anderthalb Kilometer. Dann kam sie längsseits.

"Er ist erin Rüpel erster Güte!", rief sie.

"Wer?", fragte ich.

Sie schwieg eine Weile.

"Ach", sagte sie, "dieser Kerl, der mnindestens 5 Minuten vor mir fährt - mein Mann."

"Aha?"

"Er hält sich selbst für ein Talent, das seine Berufung verfehlt hat. Jede unserer Radtouren macht er zum Rennen."

"Aha."

"Ich bin sein Konkurrent, nun, jedenfalls auf dem Fahrrad. Er zwingt mich, mit ihm um die Wette zu fahren. Ist das etwa normal?"

In der Zeitung lese ich regelmäßig über schlimmere Vorfälle zwischen Eheleuten.

Als Trost bot ich ihr an, ein rasantes Paarzeitfahren daraus zu machen, bis wir es diesem "Rüppel" gezeigt hatten. Mit dem kräftigen Pedaltritt, den sie hatte, müßte das gelingen. Außerdem war ich neugierig auf diesen Mordskerl, dem es gelungen war, sie abzuhängen.

Zum ersten Mal erschien um ihre Mundwinkel herum der Anflug eines Lächelns. Ein Paarzeitfahren, das traf bei ihr auf offene Ohren. Da legte sie auch schon einen Zahn zu, ich tat es ihr gleich. Schon bald waren unsere Rücken naß geschwitzt. Ich hatte eindeutig Mühe, ihr zu folgen. Ich mußte einen Gang höher sachalten. Steifheit ist ein Zeichen dafür, daß die Zeit wie ein Biber an den Fasern des Körpers nagt. Solange ich hinter diesem kräftigen Rücken im Windschatten fuhr, ging es noch einigermaßen.

Sie hatte wirklich einen energischen Pedaltritt. Diese Beine, wuchtig, aber wohlgeformt, kreisten scheinbar mühelos. Sie riefen in mir Bilder von dem göttlichen Indurain wach, auch wegen des Materials - sie fuhr ein weißes Pinarello. An der Ausrüstung war offenkundig nicht gespart worden.

Ob síe eine Rennlizenz habe, rief ich bei einer Ablösung. Sie schüttelte den Kopf. An ihrem Kinn schaukelte ein Schweißtropfen hin und her. Nicht mehr lange und ich würde nicht mehr fähig sein, etwas zu rufen. Dieser Kerl da vor uns mußte ein brutales Talent sein. Wie sonst hätte er diese Göttin abhängen können?

"Ihr Mann, hat der eine Lizenz?", rief ich wieder. Sie schüttelte den Kopf. Mühsam übernahm ich wieder für zweihundert Meter die Führung.

"Wir haben gerade erst mit dem Radfahren angewfangen." Endlich eine Antwort. Wenn ich auch zugebe, daß mich diese Antwort gleichermaßedn erstaunte wie erschütterte. Ich begann, das Alter noch deutlicher zu spüren. - vor allem im Kreuz, das immer besonders beansprucht wird, wenn große Übersetzungen zu treten sind. Sie sollten mal schnellstens eine Lizenz beantragen, alle beide.

Ein kleiner Punkt kam in Sicht. Der Punkt kam rasch näher, der Punkt nahm eine menschliche Gestalt an, doch die Gestalt befand sich nicht auf dem Radweg, sondern daneben. Die Gestalt wechselte den Schlauch eines Rennrades, das war nun klar zu sehen.

Sie fuhr vorne und wurde keinen Deut langsamer. Es war also nicht die gesuchte Gestalt. Er konnte es auch gar nicht sein, denn er war eine Art Hippie im Fußballtrikot, mit langen Haaren und einem roten Schnurrbart. Vor allem hatte er behaarte Beine. Er entsprach gar nicht dem Bild, das ich mir von dem Gesuchten gemacht hatte. Wir fuhren einfach vorbei. Der Hippie gab einen Schrei von sich: "Hey!"

Plötzlich zweifelte ich. Ich übernahm die Führung. "War er das?"

Sie schüttelte den Kopf und fuhr wieder an mir vorbei, jedoch etwas weniger energisch als zuvor. "Ja, das war er."

Bei der nächsten Ablösung: "Und ich habe die Pumpe."

Das waren die letzten Worte, die ich von der Göttin hörte. Sie übernahm nicht mehr die Führung. Als ich mich umsah, hing sie noch nicht mal mehr an meinem Hinterrad. Ich sah, wie sie auf dem Radweg zurückfuhr. Und aus der Ferne konnte ich sehen, wie sich zwei kleine Gestalten in die Arme fielen.

Sie brauchten auch keine Rennlizenz zu beantragen. Die beiden hatten aneinander mehr als genug. So viel war mir inzwischen klar."

Samstag, 3. Juli 2010: RUNDSTRECKENRENNEN IN GRAFENBACH

Eine unglaubliche Hitze, die dieses Rennen zu einer wahren Tortur macht. Wir fahren zwar "nur" 10 Runden, also 61 km, aber die sind an der Grenze des Erträglichen. Ich jedenfalls empfinde es so. Ich fixiere ein Hinterrad vor mir, beiße mich fest, spule Kilometer um Kilometer ab. Ab der 8. Runde ist meine Trinkflasche leer. Im gleichen Mmoment spüre ich nahende Krämpfe in den Unterschenkeln. Mit aller Kraft und Energie halte ich die letzten Minuten durch, schaffe es sogar.

Dann bin ich erledigt, fix und fertig. Schon beim Umziehen danach kann ich mich kaum mehr bewegen. Die ganze Rückenmuskulatur ist völlig verspannt, bereitet bei der geringsten Bewegung größte Schmerzen. Dazu die Hitze, die schon das Atmen zur Qual werden läßt. Völlig naßgeschwitzt sitze ich im Auto, vor Schwäche fallen mir beinahe die Augen zu. Auf der Heimfahrt fahre ich dann viele Kilometer in einem Wärmegewitter. Abgekühlt hat es danach aber nicht.

Daheim angekommen, lege ich mich für eineinhalb Stunden in die Badewanne. Mann, tut das gut! Ein paar entsprechende Badezusätze, danach creme ich mir den Rücken ein, diesmal versuche ich es mit einer Anti-Rheuma-Salbe. Man braucht ja auf seine alten Tage doch eine beinahe komplette Apotheke! Keine Ahnung, wie ich morgen ein Bergrennen überstehen soll - wo ich doch nicht mal in den Keller runterkriechen kann!!! Pochende, pulsierende Schmerzen, die Rückenmuskeln sind spürbar hart. Vor lauter Hinhalten bin ich ein einziger, verspannter Muskelstrang! Eine alptraumlose Nacht. Ein Hoffnungsschimmer?

Sonntag, 4. Juli: ÖSTERREICHISCHE BERGMEISTERSCHAFT IN FREILAND

Der Tag beginnt so, wie der vorige geendet hat: mit Rückenschmerzen! Ich komme kaum aus dem Bett, geschweige denn, daß ich mir vielleicht Socken anziehen könnte! Müde, abgespannt, resigniert und frustriert schleppe ich mich zum Auto. Um 9.35 Uhr fahre ich los. Die Regenschauer der Nacht sind vorüber, es scheint wieder mal die Sonne. 25 Grad im Schatten am frühen Vormittag!

Ich habe dann zwei Stunden vor Ort Zeit zum Aufwärmen. Hoffentlich kann ich diese verhärteten Partien irgendwie wegbringen! Und siehe da, nach ein paar Kilometern gemütlichen Herumfahrens ist der Krampf weitgehend weg, ich kann mich halbwegs schmerzfrei bewegen. Aber die Ambition ist grundsätzlich bescheiden, denn ich spüre überall noch das gestrige Rennen, vor allem natürlich in den Beinen, die sind sauer. So gut bin ich halt noch nicht, daß ich zwei Rennen hintereinander so mir nichts, dir nichts wegstecke. Es kostet ziemliche Überwindung, es ist wieder heiß, es ist schwül, hohe Luftfeuchtigkeit, alles verschwitzt, alles naß und feucht und klebrig. Es ist halt Sommer geworden.

Dienstag, 6. Juli: STEIFER RÜCKEN UND NOCHMALS PETER WINNEN

Der Rücken schmerzt nach wie vor genauso wie am Sonntagmorgen. Ich creme ihn mir jeden Tag mehrmals ein, verwende jetzt eine andere Salbe, das "Teufelskralle Gel", hilft besser. Habe jetzt, vor allem auch auf das Drängen vom Hans hin, mich entschlossen, am Sonntag die Österreichische Marathonmeisterschaft zu fahren. Die findet heuer im Tannheimer Tal statt, im letzten Zipfel Tirols, führt in zwei kleinen Schleifen auch über deutsches bzw. Vorarlberger Gebiet. Die Distanz: 230 km, schluck. Aber die Berge: Hochleitensattel, Flexen-Paß, Arlberg, Hahntennjoch, Gaicht-Paß, der erst 14 km vor dem Ziel! Das kann ja heiter werden! Vielleicht tut mir auch deshalb - natürlich unbewußt - jetzt schon der Rücken so weh????

Egal, ich hab wieder ´ne Kostprobe von Peter Winnen´s neuem Buch rausgesucht, "Gute Beine, schlechte Beine", diesmal ein Kapitel, das mich betrifft und Gleichaltrige, "Sportheld":

Ich versuche, ein guter Vater zu sein. In der Bibel steht, wie das geht: "Wer seine Kinder liebt, der züchtigt sie." In einem anderen Roman läßt Ferdinand Bordewijk den Gerichtsvollzieher Dreverhaven über seinen Sohn Katadreuffe sinnieren: "Ich werde ihn erwürgen, ich erwürge ihn zu neun Zehnteln, und das eine Zehntelm, das ich ihm lasse, dieses kleine bißchen Atem wird ihn groß machen."

Ich halte mich bei der Erziehung nicht an Romane. Ich tue irgendwas, aber ich meine es gut. Als Erzieher hat man nicht alles selbst in der Hand, denn die Sprösslinge gucken Fernsehen.

Mein jüngster Sohn sah zufällig jüngst alte Archivbilder über seinen Vater, die in einer Vorschau auf die Etappe nach Alpe d´Huez ausgegraben wurden. Sein Vater gewann dort 1981 und 1983.

1981 war mein jüngster Sohn minus 7 Jahre alt. Er hat mich nie in meinen turbulenten Jahren erlebt. Die Vorschau ließ ihn aufhorchen. Er ist gerade erst 13.

Er sah auch die letzte Live-Reportage von der Alpe-d´Huez-Etappe, die Armstrong überlegen gewann. Er sagte: "Verdammt schwer!... daß du das mal früher auch geschafft hast!"

Er sah mich plötzlich in einem anderen Licht. Es ist sonderbar, plötzlich ein Sportheld für ihn zu sein. Ich lächle ihn an, doch ich schweige.

14. Juli 1981, Quatorze julliet. Ich war Tour-Debütant, 23 Jahre alt, hatte keine Ahnung von der Frankreich-Rundfahrt und wußte noch nicht mal, ob ich ein dreiwöchiges Hochamt für den Radsport durchstehen würde.

Wie auch immer, am Ende eines langen, heißen Tages in den Alpen mühte ich mich im Anstieg zu eben jenem Alpe d´Huez. Ich befand mich allein an der Spitze. Das französische Ungeheuer Bernard Hinault folgte mir mit etwas weniger als einer halben Minute Abstand.

Das Allerschlimmste war das sichtbare Dahinsiechen der Beinmuskulatur. Zwischen meinen Armen hindurch sah ich, wie es unten geschah. Nicht ganz so schlimm war das Aussetzen des Verstandes. Seinen Verstand benötigt man nicht unbedingt in den Alpen. Ein Mangel an Verstand ist sogar von Vorteil. Instinkt, darauf kommt es an.

Von meinem Vorsprung zu dem Ungeheuer lieben lediglich schmale 8 Sekunden übrig.

Eine Stunde später lag ich auf dem Massagetisch. Mein sonst so kaltblütiger Pfleger schlug Alarm. Mit meinen Beinen war nichts mehr anzufangen. Der Mannschaftsarzt wurde gerufen. Kurz darauf steckte eine Infusionsnadel in meinem Arm.

Tour de France.

Söhne eifern ihren Vätern nach. Er ist gerade erst 13, wie ich bereits schrieb. Im Winter perfektioniert er auf der Kunsteisbahn seine Technik im Eisschnellauf, und im Sommer schwingt er den Tennisschläger.

Das genügt.

Aus pädagogischer Sicht halte ich es für geboten, über das Rennrad und seine göttlichen Möglichkeiten zu schweigen.

Wie schon in "Post aus Alpe d´Huez" erweist sich Peter Winnen auch über die Kurzdistanz als sorgfältiger Stilist mit dem Blick für die vielsagenden Details, die er in Großaufnahme zeigt. So entwirft er seinen ganz eigenen Rennradkosmos, der wenig mit der üblichen Sportberichterstattung gemein hat. Er entführt seine Leser in eine Welt der Endorphine und blutigen Stürze, der egozentrischen Hirngespinste und streikenden Oberschenkel, die jeder nachvollziehen kann, der selbst mit Leidenschaft in die Pedale tritt - auch wenn es nicht für die Weihen einer Profikarriere gereicht hat.

Freitag, 9. Juli 2010

Ich hab´s also doch getan!  Ich hab mich für den Tannheimer Radmarathon angemeldet, für die lange Distanz! Die 230 km, die Österreichische Meisterschaft. Ein Himmelfahrtskommando. Eigentlich verrückt, fehlen mir doch die Voraussetzungen für einen solch langen und schweren Bewerb. Aber der Hans hat gemeint, ich müsse unbedingt starten, ich hätte ganz tolle Chancen, weil da sicher nicht viele Österreicher teilnehmen. Wer fährt schon so weit raus ins Außerfern? Von der Papierform her hat er natürlich recht, und tatsächlich, mehr als 15 Österreicher sind gar nicht gemeldet. Allein in meiner Altersklasse (50+) ein paar hundert Deutsche, kaum Österreicher. Aber leider ist auch der Dieter Hye aus Wörgl dabei. Im Vorjahr war er Zweiter, bester Österreicher, ist damit heuer automatisch der große Favorit auf den Titel. Und am Berg ist er um so vieles stärker als ich, daß ich gar nicht damit spekulieren darf, den zu schlagen.

Die ganze Woche schon habe ich mir eine genaue Straßenkarte der Gegend dort aufs WC gelegt, "Freytag & Berndt, Österreich Nr. 8, Tirol & Vorarlberg". Und jedesmal, wenn ich am WC sitze, schaue ich mir die Rennstrecke ganz genau an, präge mir alle Details ein. Orte, Seehöhe, Streckenprofile, Distanzen, Kreuzungen, Abzweigungen. Die einzige Chance, die ich habe, liegt in den Details. Körperlich kann ich in einer Woche kaum mehr was verbessern, ich muß mich auf das Drumherum konzentrieren. Ich brauche eine ganz genaue Taktik, eine Detailplanung, die Erfolg verspricht.

In groben Zügen: Gleich nach dem Start, den ersten Anstieg, 3 km lang ganz flach, den muß ich einfach überstehen, dann geht´s bergab nach Deutschland runter, rüber nach Pfronten, die ersten 80 km flach bis zu den Bergen an der Vorarlberger Grenze. Ich rechne dafür mal 2 Stunden im großen Feld, ich nehme mal an, daß ich da noch ganz vorne mitdabei sein müßte. Dann geht´s auf den Hochtannberg rauf, kurz vor der Paßhöhe links weg nach Lech, längeres Flachstück, dann rauf auf den Flexenpaß, kurz runter zur Alpe Rauz, 3 km rauf auf den Arlberg. Bis dorthin dürfte ich kein Problem haben, müßte in der zweiten oder dritten Gruppe sein, jedenfalls in meiner Altersklasse schon ganz weit vorne. Das ist aber auch die Distanz, die noch überschaubar ist, die machbar ist. Bis auf den Arlberg rechne ich je nach Wetter drei bis dreieinhalb Stunden. Dann die lange Abfahrt runter nach Landeck, die 25 km am Ende leicht ansteigend bis Imst, bis dorthin ca. 5 Stunden. Dann der härteste Brocken, das Hahntennjoch. Lang und durchgehend sausteil. Ich rechne mindestens eine Stunde, vielleicht sogar an die anderthalb Stunden. Nach 6 bis sechseinhalb Stunden sollte ich oben sein. Abfahrt eine halbe Stunde, dann fehlen noch 32 km inklusive Gaichtpaß, also noch eine Stunde. Macht in Summe 8 Stunden, vielleicht sogar - wer weiß? - etwas schneller. Hye war im Vorjahr gute 7 Stunden unterwegs.

Mein Training in dieser Woche war gar nicht marathonwürdig. Bin täglich ca. 100 bis 110 km gefahren, hügelig, bin jedesmal anfangs ziemlich schnell und zügig gefahren, ohne trinken, sodaß ich nach gut 2 bis zweieinhalb Stunden schon ziemlich am Limit war. Ich habe in dieser Woche mit den verschiedensten Elektrolyt-Getränken herumexperimentiert, mit den verschiedensten Mischungen, und bin dann beim Perform-Pulver gelandet. Damit bin ich jedesmal aus einem angeschlagenen Zustand wieder rausgekommen, habe allerdings dafür in kürzester Zeit (ca 30 bis 45 Minuten) eine kleine Trinkflasche leeren müssen. Mein Plan also für den Marathon: viel essen und noch mehr trinken! Meine ganz große Chance liegt in der langen Abfahrt vom Arlberg: da muß ich soviel trinken, daß ich mich so gut als möglich erfange und den Rest ziemlich frisch angehe. Der Arlberg markiert genau die Halbzeit des Rennens. Ziemlich Schiß habe ich eigentlich nur vor dem Hahntennjoch. Wenn ich dort oben bin und noch geradeaus schauen kann, dann paßt es, dann ist einiges möglich. Ich darf nur ja keine Schwächephase riskieren! Darf mich in keine Tempojagd reintheatern lassen, darf aber auch nicht leichtfertig Zeit und Positionen verschenken. Eine Gratwanderung also.

Ein Problem: es ist bei diesem SCHEISSMARATHON KEINE BETREUUNG gestattet! Ich muß also ganz alleine zurechtkommen. Zwei Trinkflaschen reichen mir aber nicht. Woher kriege ich die restlichen also? Bei den Labestationen darf ich mich nicht aufhalten, das kostet zuviel Zeit. Folgender Plan: ich starte mit zwei großen Flaschen, habe dadurch 2 Liter Perform zur Verfügung. Davon brauche ich bis Landeck ziemlich auf, mache zumindest eine Flasche leer. In einer Rückentasche führe ich 2 Flaschen Isostar mit, die ich zwischen Landeck und Imst in die eine große leere Flasche gieße. Geht ganz einfach, Flaschenverschluß runter, Isostarflasche kippen und reinleeren, Verschluß wieder draufschrauben, Flasche voll. Mit dieser Isostarflasche wurschtle ich mich bis ins Ziel durch, den Rest Perform konsumiere ich in der Abfahrt vom Hahntennjoch. Zum Essen nehme ich mir 2 Äpfel und 4 Bananen mit. Aber auch die restliche Ausrüstung ist nicht ohne: Autoschlüssel, Reserveschlauch, Reifenheber, Handy, kleine Handluftpumpe. Und ich habe ja nur drei Rückentaschen!

Also drückt mir bitte die Daumen, daß der Irrsinn halbwegs geplant über die Bühne geht. Ich rechne mit euch!

Samstag, 10. Juli 2010

Außerfern

Das Himmelfahrtskommando hat begonnen. Um 9 Uhr früh bin ich losgefahren. Ins Außerfern. Ins letzte, hinterste Tal Tirols. Es ist drückend heiß, ich schwitze fürchterlich. Die Seitenscheiben sind offen, doch das hilft nichts. Zu allem Überdruß geht auch gar nichts weiter. Ein Stau nach dem anderen, starker, zäher Verkehr. Einfach überall. In Liezen gehe ich zum ersten Mal einkaufen. Fürs Wochenende, doch es wird nur ein Imbiss für sofort. Ich esse und trinke was, dann geht´s mir besser. Ich fahre weiter. In Taxenbach stehe ich wieder, in Zell/See, in Mittersill, und dann ruft der Hans auch noch an.

Tannheimer Tal im Außerfern

Alles, was ich kaufe, esse und trinke ich gleich weg. Der Bedarf ist enorm. Es wird immer heißer,  wir sind jetzt schon bei weit über 30°. Durch die ständigen Aufenthalte bin ich erschreckend langsam. Endlich in Wörgl, auf die Autobahn, in Mötz runter und rauf auf den Holzleithen-Sattel. Runter und rauf auf den Fernpaß. Ganz zäher Verkehr. Die Stunden verrinnen. 6 Stunden hatte ich eingeplant gehabt, nach 9 bin ich dann endlich am Ziel. Furchtbar! Ich bin tot.

Also noch mal einkaufen, für die Tiefkühltruhe, Vorräte auffrischen. Ich trinke und trinke. Allein während der 9stündigen Anfahrt viereinhalb Liter. Ein paar Minuten vor Ladenschluß husche ich noch in einen M-Preis-Markt rein und mache meine Kühltruhe voll.

Im Vordergrund der Haldesee, dahinter Tannheim

Dann umziehen, endlich aufs Rad. Ich drehe eine Runde. Tannheim liegt 1100 m hoch, der Tag neigt sich jetzt schon dem Ende zu. Ich fahre runter nach Pfronten, sehe mir die Abfahrt an, mit der das Rennen morgen beginnt. Über Reutte und Weißenbach komme ich dann auf den Gaichtpaß, sehe mir den auch an. Er ist ja eigentlich doppelt so lang, offiziell 4 km, aber die Steigung ist nahtlos 8 km lang!

Als ich nach 62 km wieder beim Auto bin, ist inzwischen auch der Hans eingetroffen, zusammen holen wir unsere Staretnummern und die Starterpakete ab. Jetzt geht es mir besser, bis jetzt hatte ich - theoretisch - Zeit gehabt, mich zwischen 230 km und 130 km zu entscheiden. Es sind doch die 230 km geworden. Logisch, das ist die Meisterschaftsdistanz, wegen der 130 km wäre ich doch niemals so weit hergefahren. Das hätte ich irgendwo näher auch gehabt.

In Tannheim regiert an diesem Wochenende der Radsport

Das ganze Tannheimer Tal wimmelt von Radrennfahrern. Laut Starterliste sind es weit über 1500. Mit den Betreuern, Freunden und Familienmitgliedern sind es wohl gut 4500, die hier im Tal irgendwo unterkommen sollen. Bei einem Sägewerk direkt an der Bundesstraße 2 km vor Tannheim sehe ich einen Porsche mit deutschem Kennzeichen stehen, daneben eine Rennmaschine und einen Schlafsack. Sachen gibt´s! Das ist wahrscheinlich das typische Marathonleben.

In Tannheim leben noch Mammuts!

Obwohl mir mit jedem Schritt gut drei Rennfahrer über den Weg laufen, kenne ich keinen einzigen. Mehr als drei Viertel sind Deutsche, Österreicher sind kaum hier. Der Hans hatte doch glatt recht. Österreichische Meisterschaft und keine Starter! Doch das beruhigt mich nicht wirklich, denn meine Konkurrenz sind nicht die fehlenden Österreicher, sondern das Streckenprofil. Ich esse, dann gehen wir schlafen. Es wird eine kurze Nacht.

Blick auf Tannheim

Sonntag, 11. Juli 2010: ÖSTERREICHISCHE MARATHON-STAATSMEISTERSCHAFT IM TANNHEIMER TAL/AUSSERFERN

Es ist soweit. Tagwache um 3 Uhr früh! 3 Stunden vor dem Start das Frühstück. Nicht viel, nur um etwas im Magen zu haben. Die richtige Kalorienbombe habe ich noch gestern abend zugeführt. Ich esse vier kleine Schinken-Käse-Brote, dazu trinke ich einen halben Liter Saft. Dann alles ins Auto packen, Abfahrt zum Startgelände nach Tannheim. Zweieinhalb Kilometer, es ist noch finster. Der Hans läßt sich Zeit, er startet ja erst eine Stunde später, also um 7 Uhr. Und hat auch nur 130 km vor sich. Die übliche Geschäftigkeit vor einem wirklich "richtigen" Marathon. Jetzt wird es Ernst. Startnummern befestigen, am Rad, am Trikot. Es wird ein heißer Tag werden, es is jetzt schon ziemlich heiß, hat 23°, und das hier um 5.15 Uhr auf 1100 m Seehöhe! Schaltung probieren, alles irgendwie in Trance. Ich kann´s einfach noch gar nicht glauben, daß ich in ein paar Minuten einen solchen  Schwachsinn mitmache!

Ein Werbefoto aus einem Fremdenverkehrsprospekt - haha, so gemütlich wird´s wohl kaum werden!

Meine Strategie ist klar, ich hab sie auch eine Woche lang ausgetüftelt. Das Wichtigste vorweg: ich muß Essen und Trinken mitführen, es gibt keine Begleitautos, keine Betreuung, ich muß mich also auf die Labestationen verlassen, kann dort aber nicht stehenbleiben, weil ich sonst entscheidend Zeit verlieren! Zumindest nicht, solange das Feld noch geschlossen ist. Ich richte mir also zwei große Trinkflaschen her, jeweils 0,7 km, macht insgesamt auch nur eineinhalb Liter. Nicht viel für diese Distanz und schon gar nicht viel für 7 bis 8 Stunden bei diesen Temperaturen! Ich rechne, daß ich damit bis zur Halbdistanz kommen werde. Eine Trinkflasche voll mit isotonischem Getränk (Isostar), eine halbvolle Isostar-Flasche stecke ich mir hinten ins Trikot rein. In der Mitte, zusammen mit dem Handy und dem Autoschlüssel. Einen 50.-€-Schein stecke ich mir in den linken Socken rein, für alle Fälle. In der linken Trikottasche habe ich zwei Bananen und eineinhalb geviertelte Äpfel, in der rechten nochmal zwei Bananen, einen Apfel und 5 Power-Kohlehydrat-Gels. Allein dieses Gewicht!

Solcherart ausgerüstet und präpariert, wage ich mich ins Startgelände. Der Startplatz ist schon mit Absperrbändern hergerichtet, ein paar Unentwegte stehen auch schon bereit. Es ist 5.25 Uhr. Leider ist es heute ganz wichtig, rechtzeitig da zu sein, weil das Rennen gleich mit einer langen Abfahrt beginnt. Und bei 800 Startern ist man verloren, wenn man da nicht unter den ersten 200 ist. Also heißt das, sich rechtzeitig anstellen. Und rechtzeitig heißt halt eine halbe Stunde vor dem Start! Der Transponder, am rechten Fußgelenk unter dem Socken versteckt, ist zu fest zugezogen, ich muß ihn etwas locker machen. Dann heißt es warten. Man kühlt aus, dier Muskeln werden hart und zäh. Schade, aber es geht halt nicht anders. Die Sonne geht auf. Lauter harte Knochen, die da rund um mich herum stehen. Es wird kaum geredet, nichts gescherzt, keine Witze, wie sonst üblich. Marathon-Flair.

Die letzten Minuten. Das Startgelände füllt sich, die Promis tauchen auf. Die Deutschen, dann Wechselberger, Schlickenrieder, usw. Die ersten Sätze des Sprechers, ein paar Aufmunterungen, Anfeuerungen. Die letzten 5 Minuten. Die Spannung steigt, ist förmlich zu spüren. Es knistert in der Luft. Die letzten Gedanken an die eigene Vorbereitung. Wohlwissend, daß die viel zu ungenügend war. Aber jetzt ist es zu spät. Der Startschuß.

Übers Rennen, das wißt ihr mittlerweile ja, bitte unter "Rennberichte" nachschauen, hier geht´s jetzt mit den ersten Minuten nach dem Zieleinlauf weiter.

14 Uhr, 39°, richtig, 39° C hat es hier im Tannheimer Tal zu mittag. Der Asphalt ist weichgekocht, ich bin ganz bleich, ausgetrocknet, völlig kaputt und tot. Und doch sehr viel lebendiger als befürchtet. Ich rolle zum Auto. Ja, der Parkplatz hier direkt neben dem Friedhof hat gepaßt, der Wagen steht im Schatten (!!!), direkt neben dem Springbrunnen, also neben fließendem Wasser! Tote Seele, was willst du mehr! Ich ziehe mir die Schuhe aus, die Socken hinterher, steige über den Rand und stehe im Springbrunnen. Das Wasser ist kalt, ich tauche langsam unter. Eine alte Frau wackelt vorbei, sieht mir interessiert zu: "Heute ist es heiß, gell?" Ich unterlasse eine Antwort, tauche statt dessen völlig unter. Das tut so unendlich gut, leider habe ich in diesem Springbrunnen kaum Platz. Und ein Schuldgefühl, weil der im Friedhof steht. Es ist schwer, sich von diesem wohltuenden Gefühl loszureißen, aber es muß sein. Rausklettern, abtrocknen, umziehen. Dann ist der Hans auch schon da.

Er treibt mich an, will essen gehen. Der hat Nerven! Ich ziehe mich um, verstaue das Rad im Auto, ich will heute keinen Zentimeter mehr darauf fahren! Dann gehe ich zu Fuß den halben Kilometer ins Zielgelände zum Festzelt, wo es zu essen gibt. Aber es ist noch zu früh, ich leide noch unter den Nachwirkungen des Rennens. Muß erst mal verschnaufen. Ich lasse mir Kaiserschmarren auf den Pappteller schaufeln. Schaut unappetitlich aus. Dazu zwei Schöppfer Apfelmus, jetzt erst recht. Als ob ich Erbrochenes am Teller hätte. Wortlos kippe ich das Ganze hinter dem Festzelt in einen Abfalleimer. Seit dem Zieleinlauf habe ich aus meiner Kühltasche zweieinhalb Liter geleert, Mangosaft, Mineralwasser, Elektrolytgetränk. Es rinnt die Kehle runter, die nachher genauso vertrocknet und spröde ist wie vorher.

Wir warten die Preisverteilungen ab, danach wird eine Straßenrennmaschine verlost. Der Hans will vorher nicht abfahren, weil er überzeugt ist, diese zu gewinnen. Ich sitze schon wie auf Nadeln. Um 18 Uhr endlich Abfahrt. Natürlich hat er nichts gewonnen. Zurück über den Gaichtpaß, nach Reutte, über den Fernpaß, den Holzleithensattel, und ich stecke mitten drinnen in einem fürchterlichen Unwetter. Es regnet, nein, ein Wolkenbruch, Hagelschauer, Blitz und Donner, es kracht fürchterlich, wie Dante´s Inferno. Als ich in Mötz auf die Autobahn fahre, hat es aber schon nachgelassen, und kurz vor Wörgl ist der Spuk vorbei. Am Paß Thurn übermannt mich wieder der Durst, ich kippe einen weiteren Liter hinunter. Ich schaffe es gerade noch bis Zell am See, erwische dort die letzte offene Tankstelle. Der Tank ist nämlich schon leer. Danach wird es mühsam, eine einzige Quälerei. Ich bin müde, schlafe immer wieder ein. Zu allem Überdruß verfahre ich mich auch noch ständig. In Bruck zum Beispiel fahre ich Richtung Wien rauf, muß in Kapfenberg umdrehen. Das alles kostet Zeit, Benzin und vor allem Nerven. Um 1.45 Uhr nachts bin ich dann endlich daheim. Ich sperre das Auto ab und falle ins Bett.

Montag, 12. Juli 2010: DER TAG DANACH

Nein, ich will auch heute noch kein Rad sehen. Ich kann´s nicht. Der Rücken schmerzt, die Beine auch, jetzt erst spüre ich die Nachwirkungen dieses Martyriums. Aber irgendwie stolz bin ich auch, habe ich mich doch einigermaßen aus der Affäre gezogen - oder nicht?

Freitag, 16. Juli 2010

War das eine Woche! Anfangs habe ich noch unter den Nachwirkungen des Marathons gelitten schwere Beine, Unlust, müde, usw. Und täglich diese Hitze! Nie unter 35°, schwül, das war ja kaum auszuhalten! Zu allemn Überdruß litt ich die gesamte Woche unter starken Rückenschmerzen, die sich erst gegen Wochenende hin leicht besserten. Wie hat das Training da ausgesehen? Ja, dementsprechend. Montag und Dienstag habe ich gar nichts gemacht, bin nur herumgelegen. Die Beine waren schwer und sauer, ich hätte natürlich locker rollen müssen. Statt dessen habe ich nichts getan! Und Mittwoch, Donnerstag und Freitag bn ich gerade mal 2 bis zweieinhalb Stunden gefahren, Strecke flach bis wellig, Intensität gering. War mehr Bewegungstherapie als Training. Und habe doch täglich eine Trinkflasche verbraucht! Resümee: keine ideale Trainingswoche!

Samstag, 17. Juli 2010: KRITERIUM IN LORETTO

Ich war heilfroh, daß an desem Wochenende diese beiden kurzen Kriterien am Programm waren, für mehr hätten Form und Motivation kaum gereicht. Die Hitze war nur schwer auszuhalten, nach eineinhalb Wochen bin ich beinahe schon allergisch auf Temperaturen über 30°... 

Übernachtung in Ebreichsdorf. Konnte kaum einschlafen, obwohl ich furchtbar müde war, weil es so unglaubklich schwül und heiß war, ich hab geschwitzt wie ein Schwein, und das ist nicht nur so dahergesagt: schon nach wenigen Minuten hab ich es im Bett nicht mehr ausgehalten, aber das Fenster war sperrangelweit offen. Obwohl ich  nichts anhatte und nicht zugedeckt war, habe ich nach wenigen Minuten schon gespürt, wie der Kopfpolster unter mir klitschnaß war...

Sonntag, 18. Juli 2010: KRITERIUM IN WIENER NEUSTADT

In der Nacht hat es ziemlich geregnet, eigentlich war´s ein Unwetter. Regen, teilweise auch Hagelschauer, stürmischer Wind, Temperatursturz... Und am Morgen dann gut 15° kühler! Aber schon am Nachmittag bei der Heimfahrt war es sonnig und die Temperatur Richtung 30° unterwegs...


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