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TAGEBUCH 2009

Montag, 8. Dezember 2008

Ich bin wieder zuhause. Heute angekommen.Müde von den Strapazen der Rundfahrt und des Fluges, bin aber dennoch eine kleine Runde gefahren. Etwas Training muß sein, um die Beine auszulockern. Alles verspannt und verkrampft. Und dann dieses  Wetter! Ein Kälteschock. Danach erst  kann ich mich auf das Gefühl einlassen, daß die Saison jetzt endgültig zu Ende ist. Aus und vorbei.

   Aeropuerto de Gando - Gran Canarias Flughafen

Anflug auf die Kanarischen Inseln  

Abflugtag in Gran Canaria, die Flughafenhalle ist ziemlich voll, dann ein letzter Blick zurück: Sommer, Sonne, Felsen, Wehmut

Okay, ich muß mich endlich losreißen von diesen Eindrücken. Die neue Saison hat jetzt nämlich schon begonnen! Jetzt bin ich wieder in Österreich, die Heimat hat mich wieder. In Gedanken bin ich aber doch noch beim Sieg in dieser verrückten Rundfahrt, schließlich muß man sowas doch gehörig feiern! Das ist dann am Abend mit Freunden geschehen. Dabei ist es ganz hoch hergegangen. Mehr weiß ich leider nicht mehr, der Rest liegt im Dunkeln...

      

Dienstag, 9. Dezember 2008

So, ab jetzt bin ich wieder ganz seriös. Ein Problem wird der diesjährige Winter werden, denn ich muß die ausgetretenen und bewährten Pfade diesmal verlassen. Bisher habe ich ja das Wintertraining immer Anfang November gestartet und war dann Anfang März rennbereit. Jetzt aber verschiebt sich das alles um eineinhalb Monate. Wenn ich da genau nach demselben Plan trainiere wie bisher, dann verzögert sich der Saisonstart auch um eineinhalb Monate. Die Kunst ist es, dasselbe Programm um eineinhalb Monate zu komprimieren. Vor dieser Aufgabe bin ich bisher erst dreimal gestanden, dreimal ist es schiefgegangen, hat überhaupt nicht geklappt. Jetzt hoffe ich, aus den bisherigen Fehlern gelernt zu haben und das alles besser hinzukriegen. Ich werde mal versuchen, das Ausdauertraining zu intensivieren und ohne jede Pause über den gesamten Winter durchzuziehen. Ab Mitte Jänner möchte ich dann langsam die Intensität steigern. Ob es klappt, erfährt ihr jedenfalls als erste.

In dieser Woche steht mal die Online-Aufarbeitung der Gran-Canaria-Rundfahrt im Vordergrund, auf der Vereinsseite sowie auf meiner eigenen.

Mittwoch, 10. Dezember 2008

So, nach dem heutigen zweistündigen Training habe ich in den letzten drei Tagen knapp 160 km gefahren, jetzt mache ich mal eine Woche Pause. Eine Woche Pause heißt, daß ich eine Woche wirklich nicht im Sattel sitze.

Freitag, 12. Dezember 2008: AUSZEICHNUNG DR. DELI CHEN IM GRAZER RATHAUS

Heute gab es wieder einen offiziellen Termin, ab 16 Uhr im Grazer Rathaus stand die offizielle Ehrung von Dr. Deli Chen an, angeregt von der Initiative dankbarer Akupunktur-Patienten. Eine ganze Menge Leute waren da gekommen, nur der angekündigte Grazer Bürgermeister, Dr. Siegfried Nagl, ließ sich wie erwartet entschuldigen. Hatte wohl Besseres zu tun als einem Chinesen die Hand zu schütteln! Nachdem ich auch eingeladen war, habe ich die Gelegenheit wahrgenommen, beim anschließenden Büffet mal ordentlich zu essen. Frei nach dem Motto: Man gönnt sich ja sonst nichts! Leider mußte ich feststellen, daß die meisten anderen Besucher aus demselben Grund gekommen waren, und so artete die Drängelei am Büffet zu einer wahren Schlacht aus! Wenn´s ums Fressen geht, verstehen die Grazer keinen Spaß!

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Übrigens: die Akupunkturkünste dieses "Wunder"arztes aus China kann ich allen nur empfehlen: Geidorfgürtel 20 in 8010 Graz!

Freitag, 19. Dezember 2008

Die Pause ist mir gerade rechtzeitig gekommen, denn es hat vor einer Woche geschneit, dann ist es saukalt geworden. Also vom Wetter her habe ich da wirklich nichts versäumt. Gottseidank ist der Schnee schon wieder weg, der kann mir auch für den Rest des Winters gestohlen bleiben. Heute also beginne ich mit dem richtigen Training, bin mal zum Auftakt knappe 2 Stunden gefahren (53,5 km), flach, aber es war schon saukalt mit gerade mal 3°. Der Wiederanfang war schwer, alles ist irgendwie schwerfällig gegangen, eingerostet halt. Waren  das die 9 Tage Pause oder ist es das Alter? Wohin ist die gute Form entschwunden? Geht das wirklich so schnell??? Da fällt mmir gerade Lance Armstrong ein, der mal gesagt hat, daß er im Winter höchstens 10 % seiner Form einbüßt.

Sonntag, 21. Dezember 2008

Das war ein Wochenende! Gestern 65 km, heute 67,5 km trainiert, jeweils schönes Wetter, ganz knappe Plusgrade. Also das Wetter ist ein Hammer! Schon interessant, wie schnell die Form weg ist, wie langsam man sich an das kalte Wetter gewöhnt, wie langsam man wieder auf Touren kommt und wie schnell auch Moral und Selbstvertrauen verschwinden.

Mittwoch, 24. Dezember 2008: WEIHNACHTEN!

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Heute schon 3 Stunden trainiert, 86 km, habe niemanden getroffen. Bis mir eingefallen ist, daß ja heute Weihnachten ist, einer jener Tage, wo man absolut NIEMANDEN auf der Straße trifft. Wo sind diese Kerle alle? Hocken die wirklich alle daheim unterm Baum und fressen Kekse? Apropos Kekse: ich hatte meinen weihnachtlichen Schock vor ein paar Tagen, als ich auf die Waage gestiegen bin - und als ich mich eingehend vergewissert hatte, daß die Waage wirklich in Ordnung ist. Ich bin FETT geworden!!!  Ich habs ja geahnt, so eine Pause hat einfach ihre Tücken! Sofort trat Notfallplan A in Kraft, der da lautet: Weihnachten ersatzlos gestrichen! Soll heißen: Kekse gestrichen! Statt dessen muß ich abnehmen.

Samstag, 27. Dezember 2008

Bin heute flache 72 km bis Frohnleiten und retour gefahren, also diese zweieinhalb Stunden Training packe ich im Moment schon ganz gut, da habe ich keine Probleme. Das Abnehmen klappt im Moment nicht wirklich, denn obwohl ich kaum was esse, bewegt sich die Gewichtsabnahme im Gramm-Bereich - da heißt es jetzt eisern durchhalten!

Sonntag, 28. Dezember 2008

Bin heute 75,5 km gefahren, es hat im Moment immer so zwischen 1° und 3°, ist zwar trocken, aber ich bin jedesmal voller Dreck, von oben bis unten, wie ein Querfeldeinfahrer. Ich esse kaum mehr was, ernähre mich nur von kaltem Wasser, warmem Wasser, grauslichem Wasser und Mineralwasser. Irgendwann schmecke ich da gar keinen Unterschied mehr, dann kommt der Heißhunger, eine Freßattacke, und ich weiß, wenn ich mich da beherrsche, habe ich gut ein Kilo wieder unten.

Mittwoch, 31. Dezember 2008: SILVESTER!

 

Wieder so ein Tag, an dem man niemanden trifft. Aber ich muß überhaupt sagen, daß ich im ganzen Monat noch niemanden auf der Straße getroffen habe! Trainieren die alle nichts mehr? Ausgewandert? Urlaub? Keine Lust? Gut, das kann ich verstehen, heute hatte es mittags gerade mal -7°! Da gefriert einem die Spucke im Mund! Am Abend haben die Kinder ein paar Raketen in den Himmel geschossen, das msacht man, wenn das Jahr zu Ende ist und das neue vor der Tür steht.

Donnerstag, 1. Jänner 2009: NEUJAHR

Jetzt ist es also so weit, das neue Jahr ist endgültig da! Wir müssen uns jetzt alle daran gewöhnen, 2009 zu schreiben. Draußen klirrender Frost, wärmer als -5° wird es in diesen Tagen nie.

Samstag, 3. Jänner 2009

Bin heute bei -3° ganze 71 km gefahren, zweieinhalb Stunden, mehr ist beim besten Willen nicht gegangen.

Sonntag, 4. Jänner 2009

Mehr als 53 km und knappe zwei Stunden waren mir heute nicht möglich, bei -4° waren die Finger der rechten Hand von Anfang an ziemlich kalt, nach einer Stunde habe ich sie nicht mehr gespürt, dann sind die Schmerzen gekommen. Mein Gott, was muß man da im Winter leiden! Und das alles wegen der SCHEISSKÄLTE!!! Wieso kann es bei uns nicht warm sein wie anderswo? Ich denke da an Florida, Kalifornien, Marokko oder die Karibik, an Australien, Neuseeland, Tasmanien oder Neuguinea, oder gleich an Hawaii, Tahiti oder Samoa, aber auch an Isarael, Zypern, Tunesien, Venezuela, Mexiko und hunderte andere Länder. DORT GEHT ES JA AUCH!!! Langsam nehme ich das Wetter persönlich - tja, so wird man halt im Alter! Viele Jahre mit eiskalten Wintern, manchmal sogar mit dem verhaßten SCHNEE, haben ihre Spuren hinterlassen! Aber warum rege ich mich so auf? Es gibt auch durchaus was Positives zu vermelden: ich habe 7 kg abgenommen! Ja, ja, ihr habt richtig gelesen, SIEBEN KILO! Und damit all der bisherige Aufwand nicht umsonst war, geht es in dieser Tonart gleich weiter.

Ich habe keinerlei Weihnachtskekse inhaliert, keines der typischen fetten Weihnachtsessen wie Gans, Karpfen oder sonstige Fettpolster, im Gegenteil, ich habe gelebt wie ein Mönch -  bei Wasser und Brot! Und habe mich schon daran gewöhnt!

Montag, 5. Jänner 2009

Eine ziemliche Kältewelle sucht uns derzeit heim, da bleibt allein das Träumen von Sommer, Sonne und Meer, von Strand und Bikini...

Naja, und irgendwann wacht man dann wieder auf, zieht Eiskristalle am Fenster, der eingefrorene Thermometer ist irgendwo weit unter Null Grad steckengeblieben... Aber das ist das Los des Radrennfahrers... das Wintertraining ist halt nun mal verdammt wichtig und entscheidend für die Form im Sommer, also schön warm eingepackt und raus aufs Rad!

66 km in 2:18´ Stunden (Schnitt 28,6) mit 120 Höhenmetern, dasmuß einfach sein >> von nichts kommt ja auch nichts. Draußen hat es klirrende -2°!

Dienstag, 6.Jänner 2009

Bin wieder 66,5 km gefahren, 2:27´, Schnitt 27,2, das alles bei -2°! Die Finger sind ganz rot und steifgefroren, die Zehen ebenso, obwohl ich zwei Paar Socken angezogen habe. Ich glaube, es ist ganz verständlich, weshalb ich das Training bei solchem Wetter überhaupt nicht mag. Es ist - man kann nsich das vorstellen - eine ungeheure Überwindung, bei solchem Wetter aufs Rad zu steigen. bzw. sich eine halbe Stunde lang in was weiß ich wie viele Schichten Wintergewand zu zwängen. Diese ganze Prozedur ist mir schon ungeheuer verhaßt, aber Gottseidank sind wir schon mitten im Jänner, da ist das Ende des Wintertunnels in Sicht: in zwei Monaten hat die Rennsaison bereits wieder begonnen - endlich!

Mittwoch, 7. Jänner 2009: INTERNATIONALE  MEISTERSCHAFT VON  WLADIWOSTOK IM EISSCHWIMMEN

Heute fand im russischen Wladiwostok die offene internationale Meisterschaft im Eisschwimmen statt. Auch ein paar Fotos gibt es davon schon, und ich denke, die sind allemal interessanter als das Ergebnis.

Offene Meisterschaft von Wladiwostok im Eisschwimmen. © RIA Novosti, Vitaly Ankov. 

Offene Meisterschaft von Wladiwostok im Eisschwimmen. © RIA Novosti, Vitaly Ankov.

Offene Meisterschaft von Wladiwostok im Eisschwimmen. © RIA Novosti, Vitaly Ankov.  Offene Meisterschaft von Wladiwostok im Eisschwimmen. © RIA Novosti, Vitaly Ankov.Offene Meisterschaft von Wladiwostok im Eisschwimmen. © RIA Novosti, Vitaly Ankov. 

Offene Meisterschaft von Wladiwostok im Eisschwimmen. © RIA Novosti, Vitaly Ankov.

 Offene Meisterschaft von Wladiwostok im Eisschwimmen. © RIA Novosti, Vitaly Ankov. 

Offene Meisterschaft von Wladiwostok im Eisschwimmen. © RIA Novosti, Vitaly Ankov.

Freitag, 9. Jänner 2009

Nach zwei Tagen Ruhepause (bin da im Keller am Ergometer Intervalle gefahren, vorgestern 3 Stunden, gestern zweieinhalb Stunden) bin ich heute wieder draußen auf der Landstraße unterwegs gewesen, aber mehr als ein Alibitraining war das auch nicht: 22 km bei -5°! Wann ist diese  beschissene Kältewelle endlich vorbei???

Samstag, 10. Jänner 2009

Bin heute - endlich wieder einmal - eine längere Runde gefahren, 90,5 km über den Kehlsberg runter bis Leibnitz und zurück, in 3:13´ (Schnitt 28,0) - heute wieder bei -2°! Das ganze Training ist ja nichts wert, wenn die längeren Distanzen fehlen. Erstaunlich auch, wie schnell die Ausdauerfähigkeiten wieder verschwinden - ich mußte mich im Finale ziemlich plagen, habe da an Schwung und Tempo deutlich verloren. Aber um da wieder zuzulegen, ist es jetzt zwar an der Zeit, aber andererseits durch das Wetter sehr, sehr schlimm unfd hier bei uns kaum möglich - wohl der Hauptgrund, weshalb die Profis und Eliteamateure in den Süden ausweichen. Im Vorjahr war ich ja über Weihnachten und Neujahr in Mali Losinj, habe das aber für heuer wieder ausfallen lassen, weil ich mir gedacht habe, es mal wieder zuhause zu probieren. Nicht immer dasselbe, Abwechslung, Abwechslung, das ist das Zauberwort. Naja, wenn es nicht hinhaut, dann bin ich halt ein Idiot, sonst aber der Kaiser. Aber egal, wie man mich nennt, die Konseuqnezen muß so oder so ich alleine tragen.

Sonntag, 11. Jänner 2009: ANITA LASKER-WALLFISCH: ÜBERLEBEN DURCH MUSIK

Anita Lasker-Wallfisch hat den Holocaust überlebt. Als Cellistin im Frauenorchester von Auschwitz. Beim Brucknerfest schilderte sie ihre Erlebnisse.

 

 

Nicht einmal mußte sich das Opfer rechtfertigen. "Wie haben Sie für die SS-Schergen im Konzentrationslager Musik machen können?", wurde sie des öfteren gefragt. Ihre Antwort: "Stellen Sie sich vor, Sie kommen ins KZ und jemand drückt Ihnen ein Cello in die Hand. Da möchte ich denjenigen sehen, der sagt: Nein, danke, tut mir leid, ich spiele nur in der Carnegie-Hall. Es war eine Möglichkeit, morgen noch am Leben zu sein."

Im April 1945 ist auf BBC die Stimme einer Überlebenden zu hören: "Hier spricht Anita Lasker - eine deutsche Jüdin aus Breslau." Und weiter: "Ich befinde mich mit meiner Schwester seit 3 Jahren in Haft. Nach anderthalb Jahren brachte man uns in das furchtbarste Konzentrationslager: Auschwitz. Die Häftlinge, die am Leben geblieben sind, fürchten alle, daß die Welt nicht glauben wird, was dort geschehen ist. Ich habe alles mit eigenen Augen mitangesehen."

Mitte der zwanziger Jahre wurde Anita in eine gutsituierte assimilierte jüdische Familie hineingeboren: der Vater Rechtsanwalt, die Mutter Cellistin. 1942 wurden die Eltern deportiert und schließlich umgebracht. Anita und ihre Schwester wurden mit gefälschten Pässen verhaftet. Anita kam wegen der Dokumentenfälschung als Kriminelle nach Auschwitz, was sie vor der sofortigen Selektion ins Gas rettete. Sie wurde als Cellistin in das Frauenorchester von Auschwitz aufgenommen, das die Wienerin Alma Rose leitete (Tochter des Konzentmeisters Arnold Rose und Nichte von Gustav Mahler).

"Jeden Morgen und jeden Abend mußten wir am Tor stehen und spielen, wenn die Häftlinge zur Arbeit marschierten oder zurückkamen." Später hatten die Musikantinnen fröhliche Weisen zu intonieren, wenn neue Züge kamen, "Wir wußten, daß viele Menschen, die aus den Waggons strömten, in den Gaskammern enden würden. Sicher haben viele von ihnen gedacht, wo Musik gemacht wird, kann es nicht so schlimm sein."

  Anita und ihre Schwester Renate früher und heute

Anita Lasker-Wallfisch wurde 1925 in Breslau geboren, 1942 wurden ihre Eltern in Lublin ermordet. 1943 kam Anita ins KZ Auswchwitz und wurde Mitglied des Frauenorchesters.

Dienstag, 13. Jänner 2009

Es hat geschneit, der Schnee ist liegengeblieben, Kunststück, es ist ja auch saukalt, hat immer Minusgrade. Damit ist fürs erste das Straßentraining gestorben, ich versuche jetzt halt, mich einigermaßen mit Ergometertraining fit zu halten. Aber das ist mühsam, nicht sehr motivierend. Bin heute eineinhalb  Stunden am Ergometer gesessen, gestern auch eineinhalb Stunden.

Donnerstag, 15. Jänner 2009: ERGOMETER!!!

Wieder zwei Tage am Ergometer verbracht! Gestern zwei Stunden, heute eineinhalb Stunden. Ich wärme mich meist so ungefähr 15 bis 20 Minuten auf, fahre dann ein paar Intervalle, meist mit lockeren Passagen von 5-7 Minuten dazwischen. Die Intervalle selbst dauern meist zwischen 15 und 60 Sekunden. Draußen saukalt und eisig, Straßentraining ist so gar nicht möglich.

Freitag, 16. Jänner 2009: WÜSTENRAUSCH UNTER DER SONNE

Afrika, der Orient, Australien, die Wüsten dieser Erde bedecken fast ein Viertel der Landmasse unserer Erde. Der Franzose Philippe Frey hat sie alle bezwungen. Zu Fuß, zu Pferd oder auf dem Kamel.

 

Der Wüstenvirus muß wohl einer der unheilbarsten sein. Und kein Kraut ist dagegen gewachsen. Philippe Frey wurde früh davon befallen. Mit 15 Jahremn riß der junge Wilde von zu Hause aus und reiste per Autostopp und ohne Geld in der Tasche nach Kurdistan. Im Jahr darauf verschlug es ihn in die Sahara. Er "erkaufte" sich seinen Führerschein und schlug sich mit dem Handel von Gebrauchtwägen durch. Ein Abenteurer, wie er im Buche steht. Nicht viel dachte er darüber nach, was er da tat. Begeistert von den Nomaden, schloß er sich ihnen an und folgte ihren Herden. Mit 33 nahm er schließlich wieder seine Schulausbildung auf, machte in Rekordzeit seine Matura, studierte Völkerkunde und wurde Doktor. Doch die Sucht nach Wüste wollte weiter befriedigt werden.

Jeden Winter machte er sich auf, um wieder eine Wüste dieser Erde zu durchqueren. Er begann wieder mit der Sahara und schlug sich diretissima von Westen nach Osten durch. Die Herausforderung sollte maximal sein, denn auf diesem Wege gab es keine Straße, ja nicht einmal einen Pfad, dem er folgen konnte. Es folgten die Kalahari, die australischen Wüsten, der Iran, Indien und Amerika.

Sein Gesicht ist sonnengebräunt, seine Silhouette schlank und sehnig. Er hat diese Ausstrahlung ewiger Jugend der Menschen, die ihr Leben mit Wind, Luft und Sonne verbringen. Bald behgeht er seinen 50. Geburtstag. In der Wüste, so Frey, funktioniert der Stoffwechsel mit einem Minimum. Er vergißt zu altern. Im Zuge des Sammelns der Wüsten dieser Welt hat er natürlich auch die diversen typischen Krankheiten der Abenteurer hinter sich gebracht: Malaria, Hepatitis B, er kennt sie alle. Motorradunfäülle und Gefängnis runden sein Katastrophenspektrum ab. Was treibt diesen Abenteurer immer wieder auf diese einsamen Reisen? Das Bedürfnis, alleine zu sein? Die Abenteuerlust? Es ist der Hunger nach dem Unbekannten, der ihn antreibt, so Frey. Dabei begleiten ihn Grenzerfahrungen auf seinen Reisen in extremste Situationen. Wenn er etwa vollkommen verirrt war oder knapp vor dem Verdursten, da setzten die Halluzinationen, Visionen und Wahnvorstellunhgen ein. Das Gehirn arbeitet in der Wüste auf Hochtouren. Im Delirium oder Fieber ist man zu unglaublichen mentalen Vorstellungen fähig.

Das Unterbewußtsein flüstert einem die rettenden Lösungen ein. In Freys Fall ist es ein alter Nomade, der ihm in solchen Situationen immer wieder erscheint. Er kennt alle gefährlichen und auch rettenden Geheimnisse der Wüste und teilt sie ihm mit.

Naturerscheinungen, bis hin zu den größten Katastrophen, er kennt sie alle. Wanderdünen, unüberwindbar erscheinende Canyons, alles ohne GPS, als einzige Hilfe mehr als vage Landkarten. Erscheinungen, die uns bereits Angst einflössen, sind für Frey ein Spaziergang. Doch was läßt auch den Atem eines solchen Helden stocken?

Die Wüste von Lut im Iran zum Beispiel hat seinen größten Respekt. Dort, wo Alexander der Groß0e mehr Männer verlor als in seinen grausamsten Schlachten. Im Sommer der heißeste Ort der Erde (bis zu 70° C) ist dieses Gebiet bis heute menschenleer. Dort weiß man wirklich nicht, ob man durchkommt und was in der nächsten Stunde auf einen zukommt. Man ist wie auf dem Planeten Mars. Menschenleer übrigens nur beinahe: denn ausgerechnet in dieser Gegend, in der man zu 100 % mit dem Überleben beschäftigt ist, geriet er immer wieder unter Beschuß von Heroindealern. Das waren die einzigren Momente, in denen sich der mutige Franzose dann doch dachte: warum setze ich mich diesem Wahnsinn überhaupt aus? Frey will anders funktionieren als die Menschen in ihrer gesättigten Zivilisation. Keine Lebensmüdigkeit, eher eine Lust am Leben.

Und wenn man an seine Grenzen geht, so Frey, dann fühlt man eine überwältigende Lebenslust. Das Atmen, der Herzschlag und auch alle Sinne arbeiten auf Hochtouren. Die Halluzinationen und Phantasien sind atemberaubend. In der Wüste spielt die Phantasie verrückt, so Frey, die Sinne täuschen ununterbrochen. Auch der Gehörsinn spielt verrückt. Man hört einen Lastwagen, wie wenn er ganz nahe wäre, in Wirklichkeit ist er 30 km entfernt. Von seinen besten Freunden, den Nomaden, hat Frey jahrzehntelang gelernt. Von Überlebensstrategien bis zu Lebensphilosophien. Zahlreiche Bücher hat er bereits dazu veröffentlicht.

Ér ist Präsident der Weltvereinigung der Nomaden, mit denen er auch Trekkingtouren durch die Wüsten veranstaltet.

Samstag, 17. Jänner 2009

Es ist nach wie vor saukalt draußen, aber langsam muß ich wieder mal auf der Straße fahren, also überwinde ich mich und versuche es.

Interessante Nachricht: DOPING - DIE WURZELN DES ÜBELS

Eine weltweite Razzia gegen den illegalen Handel mit Dopingmitteln wurde zu einem erfolgreichen Schlag gegen die Drahtzieher, denen es (endlich!) an den Kragen geht!

Wie nie zuvor wierd das Übel des weltweiten Dopingmißbrauchs an seinen Wurzeln gepackt. Denn in einer bislang einzigartigen, in den USA gesteuerten Razzia wurde nach 18 Monate dauernden Ermittlungen parallel in 9 Ländern ein gewaltiger Schlag gegen den illegalen Handel mit Dopingmitteln geführt. Damit geht es (endlich) konkret den Drahtziehern mehr und mehr an den Kragen. Jenen Händlern, die mit dem Verkauf der verbotenen Substanzen ihr dreckiges Geld verdienen, seit Jahrzehnten vor allem schon in der Grauzone des Bodybuildings.

Die Razzia, die den Namen "Operation Raw Deal" trug, brachte in den USA ein in diesen Ausmaßen nicht vermutetes, total schockierendes Resultat ans Tageslicht. Laut US-Behörden wurden 124 Personen in 27 Bundesstaaten verhaftet, 56 illegale Labors und Lagerstätten geschlossen, bei der Razzia wurden in den Vereinigten Staaten 6,5 Millionen Dollar Bargeld sichergestgellt, 25 Fahrzeuge, 3 Boote, 71 Waffen, 250 Kilo Steroidpulver und 1,4 Millionen Steroidpillen beschlagnahmt.

September 24, 2007 – Operation Raw Deal represented the largest steroid enforcement action in U.S. history and took place in nine countries. In the U.S. alone, 124 people were arrested and 56 clandestine steroid labs were uprooted. In total, 11.4 million steroid dosage units were seized, as well as 242 kilograms of raw steroid powder of Chinese origin. 

Derartig große Funde hatte es bei Razzien nie zuvor gegeben. Ein Schlag gegen das organisierte Verbrechen. Vor allem auch in Deutschland, wo selbst Profis vom Zoll von den Massen der beschlagnahmten Mittel überrascht waren. In Essen etwa stießen die Fahnder in einer Wohnung auf 260.000 Tabletten und Ampullen mit Anabolika. In ganz Deutschland wurden sie fündig, von Hamburg bis Konstanz.

 

Die Kunden der verbotenen, oft noch dazu verschmutzten Drogen sind zwar überwiegend bei den Bodybuildern, darüber aber hinaus natürlich bei jenen Hobby-Sportlern anzusiedeln, die sich etwa in Fitness-Studios dopen. Darunter bekannterweise immer mehr Jugendliche, die zu den höchst gefährlichen Substanzen greifen. Viele unterschätzen leider immer noch die großen Gefahren, die in diesen verbotenen Substanzen schlummern. Die regelmäßige Einnahme von Anabolika kann bei Frauen zu einer Vermännlichung und bei Männern zur Imnpotenz führen. Bei Hochleistungssportlern, die sich in ihrer Karriere gedopt haben, treten manchmal nach Jahren noch schwerste Erkrankungen (wie etwa Krebs) auf. Selbst Todesfälle sind auf die Einnahme von Dopingmitteln zurückzuführen.

Die große Razzia gegen die Dopinghändler hat erneut bewiesen, daß vor allem in China verbotene Mittel hergestellt und in die ganze Welt geliefert werden. Denn 99 Prozent (!) der Rohstoffe für die US-Labors, so die jüngsten Berichte, sind bei den beschlagnahmten Mitteln aus 37 chinesischen Produktionsstätten gekommen.

Das "ESPN Magazin" berichtet, daß in China auf dem pharmazeutischen Markt 67 Milliarden Dollar im Jahr umgesetzt werden.Deshalb haben jetzt, nach der "Operation Raw Deal", US-Behörden die chinesische Regierung um Hilfe gebeten, diese dunklen Kanäle aufzuspüren. Für den deutschen Antidoping-Experten Werner Franke ist dies aber ein schier aussichtsloses Unternehmen. Die Hersteller in China seien nicht bereit, ihre Produkte zu markieren. Auch wenn, so Franke, die Firmen geschlosen würden, sei dies keine Garantie für eine Besserung. Franke: "Sie ändern Namen und Telefonnummer, machen aber weiter wie zuvor."

Das Vorgehen gegen die Händler, so betont Günter Gmeiner, Leiter des Antidoping-Labors in Seibersdorf, sei nur eine der notwendigen Maßnahmen. Im Internet könne man längst ohne den Zwischenhandel direkt beim Hersteller die verbotenen Mitteln beziehen. Dagegen müsse vehement vorgegangen werden. Schnell findet man im weltweiten Netz Hinweise, wo und wie man die Präparate kaufen kann. Da könne man Wacchstumshormone mit "Geld-zurück-Garantie" und "ohne Versandkosten" bestellen...

Sonntag, 18. Jänner 2009

Kaum Wetterbesserung! Scheißwetter!

UNSTERBLICHE MATA HARI

Die mächtigsten und reichsten Männer lagen ihr zu Füßen, ruinierten sich für sie und ließen sie, trotz fehlender echter Beweise, letztlich gnadenlos hinrichten.

Am 15. Oktober 1917 in den frühen Morgenstunden sammelte sich ein französisches Exekutionskommando im Park des Schlosses von Vincennes bei Paris. Die Delinquentin, eine elegant gekleidete dunkelhaarige Frau mit einem breitkrempigen schwarzen Hut, stand aufrecht und eine Augenbinde verweigernd vor ihren Richtern: die berühmt-berüchtigte Spionin "Mata Hari" starb tapfer und bis zuletzt ihre Unschuld beteuernd im Kugelhagel.

  

Mata Hari, 1876 als Margaretha Geertruida Zelle in Leeuwarden in den Niederlanden als Tochter eines Hut- unbd Handschuhmachers geboren, heiratete sehr jung den um 20 Jahre älteren Kolonialsoldaten Rudolf "John" MacLeoud, mit dem sie nach Java ging, wo auch ihre Kinder Norman und Jeanne geboren wurden. Nach dem frühen Tod des Sohens und dem Scheitern ihrer Ehe zog Margaretha nach Paris und begann als Lady MacLeoud und später unter dem Pseudonym "Mata Hari" (malaiisch "Sonne") eine Karriere als Schönheitstänzerin. Mit ihren geschmeidigen Bewegungen und ihren durchsichtigen Gewändern riß sie ihr Publikum zu Begeisterungsstürmen hin und wurde mit ihren frivolen öffentlichen - und vor allem aber privaten - Auftritten (zum Beispiel in den Salons von Baron Rothschild), bei denen sie sich auch völlig nackt zeigte, zur Sensation. Die europäische Männerwelt lag ihr zu Füßen, sie wurde zur gefeierten Kokotte. "Mata Hari" fand bald Eingang in höchste Kreise, sogar der Sohn des deutschen Kaisers Wilhelm II. soll ihr Liebhaber gewesen sein, und nicht wenige ihrer großzügigen Kavaliere ruinierten sich für die äußerst anspruchsvolle, luxusverliebte Frau.

Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs im August 1914 begann die Geschichte um ihre Agententätigkeit. Es war für die verschiedensten Geheimdienste natürlich durchaus verlockend, sich dieser verführerischen Frau zu bedienen. Da sie Staatsbürgerin des neutralen Holland war, konnte sie ungehindert zwischen den Fronten hin und her reisen. Nicht nur die Deutschen, die ihr angeblich sogar eine Ausbildung zur Spionin finanzierten, auch der britische und der französische Geheimdienst nahmen Kontakt zu ihr auf. Umstritten ist jedoch bis heute, ob sie überhaupt Gelegenheit hatte, wichtige Informationen an die Deutschen weiterzugeben. Da durch den Krieg Engagements ausblieben, flüchtete sie wegen hoher Schulden nach Den Haag. Im Jahre 1915 kehrte sie nach Paris zurück, angeblich, um Erkundigungen über die französischen Vorbereitungen zu eienr neuerlichen Offensive einzuholen.

Der französische Spionageabwehrdienst war nun bereits auf sie aufmerksam geworden, und das britische Intelligence Service ließ sie in Southampton festnehmen, da sie mit einem falschen Paß reiste. Sie wurde nach London zumn Verhör gebracht. Angeblich gestand sie dabei, tatsächlich Spionin zu sein, allerdings nicht für Deutschland, sondern für Frankreich. Mata Hari wurde zwar freigelassen, wurde aber ab  diesem Zeitpunkt rund um dieUhr überwacht. In den Berichten der französischen Geheimpolizei wurde jeder ihrer Schritte penibel protokolliert, olhne daß jedoch verdächtige Handlungen nachgewiesen werden konnten. Auch das französische Kriegsministerium befaßte sich eingehend mit ihr. Am 13. Februar 1917 wurde sie in Paris festgenommen und dem Kriegsgericht vorgeführt.  Bei den Verhören beteuerte sie immer wieder ihre Unschuld, und tatsächlich konnte ein echter Beweis für ihre Spionagetätigkeit nicht erbracht werden.

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Trotz vieler Ungereimtheiten wurde Mata Hari wegen Doppelspionage und Hochverrat zum Tode durch Erschießen verurteilt und das Urteil am 16. Oktober um 6.15 Uhr morgens vollstreckt.

Montag, 19. Jänner 2009

Wieder einmal die Geistthaler Runde - diesmal aber von Großstübing aus, 1°, bedeckt, zeitweise auch leichter Nieselregen, 97 km, 3:32´  Stunden, reine Grundlagenausdauer.

Dienstag, 20. Jänner 2009

Trainingsalltag. Diesmal über Unterpremstätten, Wundschuh, Weitendorf, Jöss, Tillmitsch, Wildon und Kalsdorf 85 km gefahren, Schnitt 29,2. Es geht voran. Ich kann mich nicht beklagen, liege genau im Plan. Nachdem ich im Dezember mal versucht habe, wieder - nach langen Jahrern - ein paar Laufeinheiten zu absolvieren, mußte ich dieses Vorhaben aber sehr schnell wieder aufgeben. Seit meiner Knieverletzung 2003 bin ich nicht mehr gelaufen. Und auch diesmal hatte ich gröbste Probleme, sofort Schmerzen, in der Oberschenkelmuskulatur, die Kniesehne, lauter Beschwerden, die ich vorher nie hatte. Um mir nicht vorwerfen zu müssen, nicht wirklich alles versucht zu haben, bin ichj mehjrmals gelaufen. Ich habe mit 20 Minuten angefangen, war vielleicht zu viel. Aber alle Versuche haben nichts daran geändert, daß ich nach jeder Laufeinheit schlimme Schmerzen hatte! Gottseidank bin ich kein Läufer, also kann ich das Laufen auch sein lassen. Und genau das habe ich getan, bis ich dann noch eine Idee hatte - Berglaufen!

Also bin ich mit dem Auto auf den Schöckel raufgefahren, nach St.Radegund zur Seilbahn-Talstation, von dort aus in der Lifttrasse zum Gipfel gelaufen, mit dem Lift wieder runter. Und siehe da, ich vedrsppürte keinerlei Schmerzen! Also habe ich das beibehalten, war das erste Mal 42 Minuten unterwegs, das zweite Mal schon 41 Minuten, dann nochmals 42 Minuten und beim vierten Mal bin ich schon in 39 Minuten hinaufgelaufen! Dann hat mich der Ehrgeiz gepackt, ich konnte lángsam und stetig meine Laufzeit verbessern und bin im Moment bei 36 Minuten angelangt!

Mittwoch, 21. Jänner 2009: 1967 - DAS JAHR DAVOR

Als Benno Ohnesorg durch die Kugel eines Polizisten starb und die Hippiebewegung ihren Höhepunkt erreichte, als Rassenunruhen die USA erschütterten, Muhamnmad Ali den Wehrdienst in Vietnam verweigerte, als Ché erschossen wurde. Wer an die Jugendrevolte 1968 denkt, sollte das Jahr davor nicht vergessen.

Nach dem Deutsch-Unterricht lauerte das Grauen. Wir waren Kinder, Pubertät war ein Fremdwort und kein Zustand, die ländliche Enge drückte noch nicht aufs Gemüt. Doch in den Gesprächen auf dem Heimweg über die Felder ging es um Tod, um Lügen, Verdrängen, Verschweigen. Um die Ermordung von Millionen Menschen.

Die Erinnerung an das Massenmorden in den Gaskammern war dem Dorf aufgezwungen worden. Die Justiz griff nach einem Mann, dem Greueltaten als KZ-Wächter zur Last gelegt wurden. Jetzt galt der Zorn aber dem  Nazijäger Wiesenthal, der das Schweigen der Täter und Mitläufer nicht hinnehmen wollte. Und wir Kinder plapperten nach, was wir von den Erwachsenen in der Schule hörten. Daß endlich Schluß sein müsse mit dem Gerede über die Nazizeit. Daß man die alten Männer in Ruhe lassen sollte. Daß man alles nur ertragen müsse, weil man den Krieg verloren habe.

So war das damals, in den späten sechziger Jahren wurden hellhörige Kinder über Nacht erwachsen. Sie wachten auf in einer Schein-Idylle, in der sie die Kontinuität des Bösen an jeder Ecke erkennen konnten. Das Autoritäte, das Intolerante, Antisemitische, das Fremdenfeindliche, es war nicht an der Front gefallen. Es lebte weiter in Lehrern, Universitätsprofessoren, Ärzten, Richtern, Polizisten, Politikern. Und häufig auch in Vätern und Müttern.

Wer an die unruhige Jugend von damals denkt, muß die Umstände mitdenken, die ihr Aufwachsen begleiteten. Pädagogen, die Schüler auf Holzscheiten knieen ließen. Polizisten, deren Aussagen vor Gericht schwerer wogen als die des Normalbürgers. Eltern, denen zur Haarpracht des Sohnes nur einfiel: "Lange Haare, kurzer Verstand."

Der Mief von tausend Jahren, den deutsche Studenten 1967 unter den Talaren ihrer Hochschullehrer aufspürten, lag bleiern auch über den Wohnzimmern, in denen die Erwachsenen so ralos wie rüde ihr Wertesystem aufrechtzuerhalten suchten und erst recht in die Glaubwürdigkeitsfalle tappten. Im familiären Bürgerkrieg blieb ihnen die Rolle des Kaisers ohne Kleider - moralisch abgerüstet, ungeduldig, gereizt, wütend.

Wir waren Kinder, und verstanden haben wir damals wenig, schon gar nicht 1967. Aber es dauerte nicht lange, bis wir wenigstens wußten,gegen wen es ging: gierige Autoritäten, die sich für unantastbar hielten.Gegen etwas, das die Franzosen racisme antijeune nannten, die Arroganz gegenüber der Jugend.

1967, beim Schulanfang, war das Haupthaar eine Stoppelglatze. Bis zum Verlassen der ehrwürdigen Anstalt hatte es sich auf Schulterlänge vorgearbeitet. Millimeterweise gegen den erbitterten Widerstand des Erziehungspersonals. Langes Haar war das äußere Zeichen der 68er-Bewegung, für die ein Jahr zuvor der Grundstein gelegt wurde.

Wir entdeckten, wie man das Autoritäre entlarven konnte: mit langen Haaren, mit einer Musik, die die Erwachsenen verstörte, einer Kleidung, die sie schimpfen ließ: "Du Gammler!" Ein Ehrenmtitrel. Er schaffte Identität. Das funktionierte hierzulande für einen damals 14jährigen Anfang der siebziger Jahre noch prächtig. Obwohl eine linke Regierung bereits an Schulreformen bastelte und der Aufbruch der Jugend aus einer verstaubten Zeit schon eine Weile zurücklag. Um den rebellischen Geist immer wieder aufs Neue zu befeuern, reichte es, die im Untergrund gehandelten Enthüllungen um den Tod Benno Ohnesorgs zu lesen.

 Photo: Der Tod von Benno Ohnesorg, 1967

Das Drama um den jungen Deutschen, der bei einer Demonstration gegen den Schah von Persien in Berlin am 2. Juni 1967 durch die Kugel eines Polizisten starb, der dafür keinen einzigen Tagh im Gefängnis verbringen mußte, gilt heute als Initialzündung für die Studentenbewegung in Westdeutschland. Wer über "dire 68er" spricht, darf das Jahr davor nicht vergessen. Als Chiffre für eine sehr komplexe Entwicklungi ist das Schlagwort "68" heute unbesttritten. Als Bezeichnung des Beginns der Jugendrevolte ist es für Wolfgang Kraushaar vom Hamburger Institut für Zeitgeschichte eine Erfindung der Medien.

  

1968 war das Jahr, das alles veränderte.

1967 war das Jahr, in dem vieles begann. In Berlin gründeten Fritz Teufel und Dieter Kun zwelmann die erste Kommune, in den USA entstanden im Herbst dieses Jahres 200 davon - die meisten waren 1968 schon wieder Geschichte.

Wer heute über den Slogan "Make Love, not War" lächelt, sollte einen Blick in die Geschichsbücher werfen., Krieg und Gewalt prägten vor 40 Jahren das Bild, das sich Jugendliche von der Welt machten. In Griechenland putschten sich Militärs an die Macht, Spanien (Franco) und Portugal (Salazar) sind noch rechte Diktaturen. Der 6-Tage-Krieg zwischen Israel und seinen Nachbarn hält die Welt in Atem. In Biafra beginnt das große Schlachten, in Bolivien endet das Leben des Revolutionärs Che Guevara durch die Kugel eines betrunkenen Feldwebels. In den USA brechen die bislang schwersten Rassenunruhen aus. Martin Luther King geißelt die amerikanische Invasion in Fernost, der Boxer Muhammad Ali verweigert den Kriegsdienst: "Warum soll ich gegen den Vietcong kämpfen? Er hat mir nichts getan."

Gealterte Gesichter 

Der Vietnamkrieg wird für die unruhige Jugend im Westen - und speziell in den USA - zu jener vernichtenden Moralkeule, wie es der von Hitlerdeutschland verschulderte Weltenbrand für die jungen Leute in Deutschland und Österreich ist. Das ultimative Argument. Es beweist die Verkommenheit der Erwachsenenwelt und die eigene moralische Überlegenheit, es stärkt zugleich die Gewißheit, in der Abwendung von dieser Erwachsenenwelt auf dem richtigen Weg zu sein. Aber wohin sollte die Reise gehen?

 

Aus heutiger Sicht stechen vor allem Vielfalt und Gleichzeitigkeit ins Auge. In Westdeutschland und Frankreich hatte die Jugendbewegung vorwiegend politischen Charakter, sie mündete in die Pariser Straßenschlachten im Mai 1968 und - über die Radikalisieriung der Außerparlamentarischen Opposition und das Morden der RAF - zehn Jahre nach Ohnesorgs Tod 1967 in den "Deutschen Herbst". In England war es eine Kulturrevolte, viel weniger intellektuell und studentisch geprägt als auf dem Kontinent, und nur in den USA fanden sich beide Momente in der Hippie-Bewegung.

 

Auslöser der Proteste war fast überall die üble Lage an den Hochschulen - überfüllte Hörsäle, veraltete Lehrinhalte, autoritäre Professoren. Doch bald ging es um mehr, mit Kleinigkeiten hat sich die 68er-Bewegung nicht aufgehalten: ihre Agenda umfaßte auch Sexualität (Stichwort freie Liebe), Bewußtseinserweiterung durch Drogen (Haschisch und LSD), neue Formen von direkter Einflußnahme auf Politik (Protestaktionen), Kinder und Pädagogik, Reisen, Kleidung, Nahrung und vieles mehr. Es ging schlicht um eine Wiederaneignung der Welt. Junge Menschen beharrten auf ihrem Recht, anders zu leben. "Hair short, skirts long, daddy knows best" (kurze Haare, lange Röcke, und Vater hat das letzte Wort) - damit sollte Schluß sein.

 

Obwohl sich die Jugend in einem von Land zu Land unterschiedlichen Rhythmus bewegte, brach der "Sturm gegen das Establishment" in Westeuropa, Japan und Nordamerika fast gleichzeitig los und erreichte zwischen 1967 und 1969 simutan den Höhepunkt, In diesen drei Jahren überstürzten sich die Ereignisse. Eine Massenbewegung war das allerdings nicht. Schon in den 50er Jahren gab  es größere Demonstrationen, und die Aktionen von Globalisierungsgegnern stellen heute alles in den Schatten, was die 68er an Protest organisieren konnten.

In Österreich war vom revolutionären Geist wenig zu spüren. Zumindest hielt er sich nicht an den weltweiten Gleichklang. Ein ähnlich tragischer Fall wie der Tod Benno Ohnesorgs ereignete sich schon 1965. Am 31. März prügelten Rechtsradikale am Rande einer Demonstration gegen den Universitätsprofessor Tara Borodaijkewycs den Widerstandskämpfer und KZ-Häftling Ernst Kirchweger zu Tode - ohne einen Aufstand der Studenten auszulösen. Borodaijkewycs, bekennendes NSDAP-Mitglied, wurde in den Ruhestand versetzt. Bekämpft wurde er vor allem von einem Studenten, der es später noch weit bringen sollte: Heinz Fischer.

Mit dem Tod des jungen Deutschen Benno Ohnesorg bei einer Demonstration gegen den Schah von Persien am 2. Juni 1967 begann die Eskalation zwischen der radikalen Linken und dem Staat. Der Todesschütze Karl-Heinz Kurras, Kriminalbeamter der politischen Polizei, wurde vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung freigesprochen und blieb bis zum Pensionierung im Amt. Dem Tod Ohnesorgs wie auch dem Attentat auf den Studentenführer Rudi Dutschke am 11. April 1968 ging eine Kampagne der Springer-Presse gegen die "Aufrührer" voran.

Die Justiz schien es darauf angelegt zu haben, daß die Studenten das Vertrauen in sie verloren. Während Kurras unbehelligt blieb, wurde der Kommunarde Fritz Teufel, srelbst von der Polizei übel verprügert, zwire 'Monate in Untresuchungsacfrgthafdt gesteckt. "Ohne den 2. Juni 1667 keine RAF", glaub t der B erliner Publizist Uwe Soukup.

In den Debatten nach dem Tod Ohnesorgs tat sich eine Frau herv or. "Das ist die Generation Auschwitz. Mit denen kann man nicht argumentieren." Ihr Vorschlag, eine Polizeieskorte zu stürmen und sich zu bewaffnen wurde abgelehnt. Drei Jahre später gehörte Gudrun Ensslin zu den Gründern der Roten Armee Fraktion und erklärte dem  Staat den Krieg. Sie verübte am 18. Oktober 1977 mit anderen RAF-Mitgliedern in der Haft Selbstmord, nachdem der Plan gescheitert war, sie miut der Entführunbg dwes Arbeiutgeb ersporiunzenden Hanns-Martin Schleyer freizupressen.

Freitag, 23. Jänner 2009: DER SOMMER DER LIEBE

Im Sommer 1967, als alle Blumen im Haar trugen, schrieb einer die ironische Drohung auf seine akustische Gitarre: "This Machine kills." Gemeint war die Überzeugungskraft der "neuen Lieder", von Love, Peace & Drugs statt Krieg und Kommerz. Wenig später brannte beim Rock-Festival in Monterey eine E-Gitarre: "Purple Haze all in my Brain." Als das Establishment zurückschlug, wurde aus blauäugiger Naivität die geballte Faust.

Es war der Spätsommer 1967, "the summer of love". Flugzeuge kreisten über der amerikanischen Autometropole Detroit, der fünftgrößten Stadt der USA. Von oben sah es aus wie nach einem Bombenangriff: Häuserruinen in den Vorstädten, ausgebrannte Gebäude, Autowracks, verwüstete Straßen. Hier hatten vom 23. bis 27. Juli 4800 Fallschirmjäger, 6000 Nationalgardisten und 5000 Polizisten einen Aufstand niedergerungen, der von Rassenunruhen in den schwarzen Gettos ausgegangen war. Das bürgerkriegsähnliche Szenario forderte 41 Tote.

Zur selben Zeit kämpfte eine halbe Million US-Soldaten in den Dschungeln des südostasiatischen Vietnam für das, was ihre politischen Führer die "Verteidigung der Freiheit und Ideale des Westens" nannten. Zum ersten Mal hatte ein Krieg massenmediale Öffentlichkeit: das Fernsehen transportierte die Kämpfe nicht nur in die Wohnzimmer der USA, sondern auch in jene Europas - mit dramatischen Konsequenzen. Das also war der Summer of Love, der Sommer der Liebe, der über die Hitparade in der ganzen Welt transportiert wurde?

  

Hippies

"(If you are goin´ to San Francisco, be sure to wear some flowers in you hair", sang Scott McKenhzie, und weiter: "you are gonna meet some gentle People there." 1967 war ein Kochtopf, der im Jahr darauf explodieren sollte. "Make Love, not War", so konnte man überall lesen: auf Postern, Anstecknadeln, Häuserwänden. Der schöne Schein von Love & Peace wurde oft und gerne zur Realität verklärt. Rückblickend meint etwa der Rock-Soziologe Joe Selvin: "Don Sommer der Liebe hat es nie gegeben. Er wurde aus der fiebrigen Phantasie von Schreibern in Wochenmagazinen geboren und erreichte die Öffentlichkeit mit der Wucht eines Vorschlaghamnmers."

Vielmehr sei das, was man Summer of Love nannte und zum Mythos erklärte, ein zunächst höchst begrenztes soziales und kulturelles Phänomen in der Bay Area von San Francisco gewesen. Im heruntergekomnmenen ehemaligen Mittelklasseviertel Haight-Ashbury hatte sich hinter den Fassaden ramponierter viktorianischer Häuser eine lokale Kulturrevolution entwickelt, die die ganze Welt infizieren sollte. Das Wort von der "Love Generation" wurde geborenr: sie repräsentierte ein Sammelbecken von gesellschaftlichen Aussteigern, die entweder solche waren oder zu solchen erklärt wurden, weil sie der Konvention widersprachern. Man nannte sie Hippies.

In seinem Buch "Wir haben sie so geliebt, die Revolution" sucht Daniel Cohn-Bendit, ehemals eine Leitfigur der politisch-revolutionären deutschen 68er Bewegung, den Faden aufzunehmen, der vom Jahr 1967 in den USA ausging: "Sie haben ihr Amerika so geliebt, die jungen Amerikaner, die zu Beginn der 60er-Jahre entdecken mußten, daß die Gesellschaft, die als Modell für die ganze westliche Welt ausgegeben wurde, nicht so vollkommen war, wie man sie glauben machen wollte. Amerikas Werte waren Lügen,"

Der Vietnamkrieg, die autoritäre Durchsetzung der versteinerten Moral der 50er Jahre, die Technokratisierung der Gesellschaft ergaben einen gemeinsamemn Bezugsrahmen einer Generation, die diesseits und jenseits des Atlantik von einer radikalen Sehnsucht getragen war: nach Autonomie und Selbstbestimmung, nach Freiheit. Die Zeit hat es nicht gut gemeint mit dern Hippies, den "Blumenkindern": sie wurden meist nur an Aussehen und Gehabe gemessen, nicht an ihren zweifellos vorhandenen Idealen. Wenn diese Ideale, die aus dem Gegensatz zur repressiven Generation der Eltern entstanden, heute zum Mainstream gehören, dann sagt das etwas über denEinfluß der Hippie-Kultur bis heute aus. Umweltschutz und Antiglobalisierungsbewegung, Antiatom, Bionahrungsmittel, offene Einstellung zur Sexualität, Partnerschaft über Rasse und Hautfarbe hinweg, persönliche freie Entfaltung, Event-Kultur. Nicht zu vergessen: Drogen. Ob man es will oder nicht, sie wurden Teil unserer Gesellschaft.

 

Bob Dylan

Im Zeitalter der massenmedialen Explosion suchten nicht nur die Augen, sondern auch die Ohren und der Körper nach einer gemeinsamen, befreienden Kraft: die Rock-Musik lieferte diesen wichtigen Impuls. Bob Dylan´s "The Times are A-changin´" brachte den Zeitgeist auf den Punkt: "Come mothers and fathers all over this land, and do´t criticize what you can´t understand, your sons and your daughters are beyond your command. Your old role is rapidly aging, please, get out of the new one if you can´t lend a hand, for the Times they are a-changing."

1964 war Dylan schon musikalischer Bannerträger des "Youth Movement", im Schnittpunkt von drei Bewegungen, die in den USA die Gegenkultur bildeten: erstens die neue Linke an den Universitäten, begleitet von der Radikalität der Black-Power-Bewegung in Kreisen militanter Afroamerikaner, zweitens die Bürgerrechtsbewegung, die sich für gleiche Rechte aller Amerikaner, gegen Diskriminierung und gegen den Vietnam-Krieg einsetzte, und drittens die Hippies, die die Werte der Mittelklasse als überkommen, die Politik als korrupt und Drogen als ein Mittel betrachteten, über das erweiterte Bewußtsein zum "neuen Menschen" zu gelangen. Turn on, tune in,drop out, so lautete ihr Slogan.

Love-in im Golden Gate Park in San Francisco

Und genau diesem Rhythmus, in dem alle Farben des Lebens ineinanderflossen, folgte auch die Musik. Am 14. Jänner 1967 führten drei Dichter - Allen Ginsberg, Gary Snider und Michael McClure - 20.000 Hippies zum ersten "human be-in" in den Golden Gate Park von San Francisco. Nach dem gemeinsam gerufenen "ommm" zur Reinigung spielten die besten Bands der Bay Area: The Grateful Dead, die noch zu Schlüsselfiguren dieser Ära werden sollten, Jefferson Airplane, Country Joe & The Fish, Vertreter des radikal-politischen Rockflügels, und andere. Die Dichter hatten nicht von ungefähr auch den Antikriegsaktivisten Jerry Rubin und den psychedelischen  Guru Timothy Leary, einen Verfechter von LSD, zu diesem happening eingeladen.

Dann kam das Festival von Monterey (16.-18. Juni 1967). Die Beatles hatten zwar kurz zuvor "Sergeant Pepper´s Lonely Hearts Club Band" veröffentlicht, waren aber selbst ebenso wenig erschienen wie die Rolling Stones oder Bob Dylan. Dafür machten die anderen 32 acts das Spektakel zur "Mutter" aller Live-Festivals der Zukunft. Alles, was im Sound der Westküste Rang und Namen hatte, war angetreten, um seine "messages" herüberzubringen. Doch sie alle wurden von zwei der charismatischsten Künstler in den Schatten gestellt, die die Rock-Kultur je hervorgebracht hat: dem Gitarristen Jimi Hendrix und der Sängerin Janis Joplin.

 

Jimi Hendrix

 

Janis Joplin

Zum ersten Mal wurden Grenzen gesprengt, wie der Monterey-Film dokumentiert: bezeichnend die Fassungslosigkeit im Gesicht von Cass Elliott, Mitglied deer Hitparadenlieferanten "The Mamas & The Papas" angesichts der ekstatischen Janis Joplin. Und daß Jimi Hendrix am Ende seiner Show die Gitarre anzündete, bildete ein Finale. Vorher hatte die Militanz von Gitarren lediglich in aufgemalenen peace-Logos oder in Donovans aufgeklebtem Slogan bestanden, "this machine kills". Es waren wirklich neue Zeiten.

Schock für das Establishment: genau das war es, was die Rock-Bands auslösen wollten - sowohl durch ihr Aussehen als Freaks als auch durch eine drogenbeeinflußte, psychedelisch wirkende farbige Miusik, in der die Grenzen zwischen Folk und Rock, zwischen Blues und Jazz aufgehoben waren. Währenddessen strömten immer mehr junge Leute mit Schlafsäcken unter dem Arm und Blumen im Haar nach San Francisco. Im Sommer 1967 waren es zwischen 75.000 und 100.000, die dem großen Hippie-Traum gefolgt waren. Doch mittlerweile war "flower power" auch nach England und Europa vorgestoßen. Am 29. April hatte der 14stündige "Technicolor Dream" in Londons Alexandra Palace stattgefunden, bei dem erstmals Lightshows in großem Stil eingesetzt wurdren, um die Musik von Pink Floyd in ein entsprechendes Ambiente zu setzen.

Die "Gegenkultur" erfaßte und beeinflußte auch die "andere" Kultur: die experimentell-klassischen Werke von Karlheinz Stockhausen, Luigi Nono und Luciano Berio entstanden und fanden ein Publikum. Die Filme "Bonnie & Clyde", "In der Hitze der Nacht" und "Die Reifeprüfung" sorgten ebenso für Aufsehen wie die Streifen von Bunuel, Ingmar Bergman oder Roger Cormans Psychedelic-Orgie "The Trip". Doch während in San Francisco, der "Hauptstadt der Hippie-Kultur", noch "love-ins" und "be-ins" abgehalten wurden, während viele auf einen Trip gingen, von dem manche nicht zurückkehrten, hatten die echten Aussteiger schon genug: im Oktober wurde in einem heiter-symbolischern Akt in San Francisco der "letzte Hippie" zu Grabe getragen. Neue Zeichen wurden sichtbar.

Ernesto "Che" Guevara

Die Anti-Kriegs-Demonstrationen wurden von der Polizei immer brutaler bekämpft. Massen marschierten auf das Pentagon zu. In Berkeley radikalisierten sich die Studenten ebenso wie in Frankreich und Deutschland. Am 9. Oktober wurde der Tod der guerilleros Che Guevara im bolivianischen Dschungel bekannt. Man schwenkte von Dylan um zum "Märtyrer" Che. Blumen der Hoffnung wurden mit der Faust zermalmt.

So, dieser Exkurs mußte jetzt einfach mal sein. Für alle die jüngeren Semester unter euch war´s mal ein lehrreicher Ausflug in die Vergangenheit, für die älteren wie mich auch war das immerhin die Zeit, in der ich aufgewachsen bin, die Zeit, die mich geprägt hat, die mich zu dem gemacht hat, was ich heute bin. Und da haben wir jetzt den Salat.

Fast hätt´ ich´s vergessen: trainiert habe ich heute auch, ich war oben in Mixnitz, zusammen mit dem Gaßmayr Robert, der heuer vom ARBÖ Graz zum ARBVÖ KTM-Junkers gewechselt ist. Viel Glück dort, Robert, und ich drücke dir die Daumen für dein großes Saisonziel Österreich-Rundfahrt!

Samstag, 24. Jänner 2009: WÖRGL

Bin heute mittag nach Wörgl nach Tirol rausgefahren, wo morgen ein wichtiger Termin stattfindet: Sportlerehrung der Stadt Wörgl und Jahreshauptversammlung meines Vereins! Man glaubt immer, daß Radfahrer im Winter nichts oder nur sehr wenig zu tun haben, aber das genaue Gegenteil ist der Fall: so viele Termine, dazwischen das Training, das wahnsinnig umfangreich ist, da ist manchmal noch viel weniger Zeit als im Sommer! Bei der Sportlerehrung gibt es als Preise Einkaufsgutscheine für die Wörgler Shoppingwelt, und ich bin u.a. auch deswegen heute schon rausgefahren, weil ich bei der Gelegenheit meine Gutscheine aus dem Vorjahr einlösen will. Die gelten nämlich nur ein Jahr, und heute ist der letzte Tag! Bin gerade noch rechtzeitig vor dem Zusperren beim Intersport reingehuscht!

Wörgl, die Stadt hat's

Sonntag, 25. Jänner 2009: TRAINING IN TIROL

Heute vormittag also schönes Wetter, frisch zwar, aber sonnig, und so bin ich um 9 Uhr zu meiner Trainingsfahrt aufgebrochen. Über Kirchbichl habe ich mich im Gegenwind in Richtung Unterlangkampfen gekämpft (dort fand vor einigen Jahren immer das Zeitfahren der Tirol-Rundfahrt statt), dann weiter nach Kufstein, über Ebbs raufn nach Niederndorf (dort wohnt z.,B. die Andrea Graus), runter zum Grenzübergang Oberaudorf, rauf nach Ebbs und bei Schweigen über die deutsche Grenze. Wenig später hatte ich einen unglaublich steilen Anstieg (gut 12 %) vor Nußdorf überwinden, und über Neubeuern bin ich dann nach Raubling gekommen. In der Kufsteiner Straße bin ich noch bei IKO-Sport vomn Konrad Irlbacher vorbeigefahren und habe mir (allerdings nur in der Auslage) neue Corratec-Modelle angesehen. Über Brannenburg und Kiefersfelden bin ich wieder zurück nach Kufstein, Kirchbichl und Wörgl gefahren. Alles in allem 95 km, Fahrtzeit 3:15´ Stunden (bin ohne Frühstück losgefahren, hatte nur ein Power-Gel dabei!)

Kein Mittagessen, denn am Abend wartete ja noch das Büffet im Schulzentrum in Wörgl! Und ich will ja weiterhin abnehmen, nicht zunehmen! Am Nachmittag sind dann unsere Neuzugänge aus Niederösterreich eingetroffen, der Manfred Koch und seine Tochter, die Stephanie Strobl samt Mutter. In Wörgl ist auch der Winter eingekehrt, teilweise Schneefahrbahn auf den Nebenstraßen und -gassen, ist auch kälter als daheim in Graz. Ab 18 Uhr dann die feierliche alljährliche Sportlerehrung der Stadt Wörgl, geehrt wurden alle Mitglieder von Wörgler Sportvereinen oder Wörgler bei auswärtigen Vereinen, die folgende Norm erfüllen mußten: Medaillenrang bei Österreichischen Meistertschaften oder Tiroler Landesmeister oder ein internationaler Erfolg, was natürlich ein etwas dehnbarer Begriff ist. Für viele ist es ja schon ein Erfolg, ins Ziel zu kommen. Naja, jedenfalls waren alle unsere Fahrer bei der Ehrung aufgerufen, allen voran der Sigi Rothauer als Österr. Kriteriumsmeister, Welt- und Europameister. Leider haben bei der Gelegenheit auch zwei Fahrer gefehlt, nämlich der Johann Schweighofer und der Erich Exenberger, beide krankheitsbedingt. Gute Besserung nach Oberösterreich und nach Tirol!

Insgesamt 255 Sportler wurden aufgerufen, also könnt ihr euch vorstellen, daß das eine lange Nacht geworden ist! Danach dann das Büffet, und bei Speis´ und Trank haben wir geplaudert, das vergangene Jahr Revue passieren lassen und das neue besprochen, und die Reihen haben sich schon sehr, sehr gelichtet, als wir dann endlich aufgebrochen sind. Ich bin gleich nach Graz nach Hause gefahren, das war eine ganz, ganz harte und lange Tour, denn ich bin andauernd eingeschlafen und war erst um 3 Uhr früh daheim.

TOUR DOWN UNDER

Das Rennen hat heuer einen ganz besonderen Stellenwert erhalten, und das in mehrfacher Hinsicht: erstmals zählt das Etappenrennen zur ProTour, und es ist das Comeback-Rennen von Lance Armstrong. Heute ging die Rundfahrt zu Ende, und was soll ich sagen, Armstrong war in allen Etappen in der Spitzengruppe dabei, hat in der Gesamtwertung nach 6 Etappen und Prolog nur 49 Sekunden eingebüßt. Die resultieren aus den Zeitgutschriften. Der Australier Allen Davis gewinnt die Rundfahrt, Armstrong belegt Rang 29, zeitgleich mit Jesus Hernandez (Spanien), seinem Teamkollegen, der bestplazierter Astana-Fahrer ist. Österreich-Rundfahrtsieger Thomas Rohregger (Team Milram) belegt zeitgleich Rang 19. Aber die genauen Ergebnisse könnt ihr woanders nachlesen, dafür bin ich wirklich nicht zuständig.

 

Lance Armstrong im Trainingscampm des Astana-Teams auf den Kanarischen Inseln in Teneriffa. Interessant: er fährt nicht in Teamkleidung, sondern in seinem eigenen Livestrong-Outfit.

  

Lance Armstrong mit Levi Leipheimer (links) und Alberto Contador (rechts) und ganz rechts sieht man, daß der alte Mann ganz schön hinhalten muß.

Montag, 26. Jänner 2009

Ich merke immer mehr, welch umfangreiche Arbeit doch das Führen und Betreuen einer website ist! Hatte ich mir vor zwei Jahren auch ganz anders vorgestellt, jetzt bin ich gescheiter - richtig, manchmal habe ich einfach keine Zeit, also verzeiht es mir, wenn ich nicht IMMER aktuell und up to date bin. Aber ich bemühe mich, die Gegenwart nicht allzu weit davonlaufen zu lassen!

Für diejenigen unter euch, die vielleicht mal wieder verzweifelt nach der Unterseite der Salli-Rennen suchen und sie jetzt nicht mehr finden: die könnt ihr gar nicht mehr finden, weil ich sie beide (2007 und 2008) gelöscht habe. Ich mußte das leider tun, weil man die online-Präsenz nicht wollte, weil es sich dabei ja um nicht über den ÖRV angemeldete Rennen handelt. Also Schwamm drüber, diese Rennen gibt es somit offiziell nicht. Mit ein Grund war auch, daß heuer, also 2009, vom ÖRV ganz verstärkt kontrolliert werden soll (???), daß ja keine Lizenzfahrer an solchen "wilden" und "schwarzen" Rennen teilnehmen - die werden dann nämlich - wieder einmal! zumindest lebenslänglich gesperrt, exekutiert und hingerichtet. Anscheinend gilt da sowas wie das Kriegsrecht (ÖRV-Recht?). Ihr merkt schon, ich nehme das alles nicht sehr ernst - kann ich auch gar nicht. Und ich werder auch weiterhin solche Rennen bestreiten, wenn es mir in den Sinn kommt. Wenn alle teilnehmenden Lizenzfahrer vom ÖRV gesperrt werden, dann ändert sich nicht viel - bei den ÖRV-Rennen gibt es ja jetzt schon kaum mehr Starter, dann sind die paar halt auch noch weg. Ob jetzt 8 oder 5 oder 9 Fahrer starten, ist doch wirklich sch...egal! Anscheinend gibt es immer noch zu viele davon! Und was mich selbst angeht: einen Verband, der die Masterklasse kontinuierlich und absichtlich am ausgestreckten Arm vertrocknen lassen will, beachte ich doch gar nicht! Von der ÖRV-Lizenz bin ich nicht wirklich abhängig, es gibt auch noch andere - und dazwischen auch meinen Stolz, der es nicht zuläßt, daß ich mir von solchen Leuten die Ausübung meines Sportes verbieten lasse! Meine Loyalität dem heimischen Verband gegenüber hält sich in Grenzen - was hat der jemals für mich getan? Außer für die paar Einsätze im Nationaltrikot LEIHGEBÜHR zu verlangen? Außer mich vor Jahren wegen einer verpaßten Dopingkontrolle zu sperren? Außer mir nur Probleme zu machen, als ich mit italienischer Lizenz gefahren bin? Außer mich wegen meiner Mitgliedschaft in einem Union-Verein überall zu benachteiligen? Ein Verband, der mir bei einem Vereinswechsel Probleme machen wollte wegen der Ablösesumme, die er selbst aber in der Masterklasse ABGESCHAFFT hat? Ein Verband, der mich NICHT gerne bei Eliterennen sieht, weil ich dort vielleicht ein paar Profis abhängen könnte? Ein Verband, der mir den Start bei einem UCI-Rennen in der Eliteklasse VERBIETET (aus demselben Grund)? Ein Verband, der es nicht zustande bringt, Betrüger und Doper aus dem Verkehr zu ziehen und mich somit ZWINGT, mich mit solchen ILLEGALEN Typen zu messen? Ein V erband, der nirgends Dopingkontrollen durchführt und mich dadurch selbst zum Doping ZWINGEN will? Diese Zwänge haben eigentlich den Charakter einer Nötigung. Gut ich will mich jetzt hier nicht allzusehr auslassen, ich meine nur, mein Respekt ist miniklein, mit freiem Auge nicht wahrnehmbar. Meine Reaktion auf beinahe alles, was von diesem Verband kommt: ich mache den Buckel krumm, bilde dadurch eine ideale Rutschbahn...

Dienstag, 27. Jänner 2009

Scheiße, ich bin krank! Der Rücken schmerzt entsetzlich, als hätte ich ihn mir verrissen und stark verkühlt zugleich. Ich kann mich kaum bewegen, jede noch so geringe Bewegung schmerzt entsetzlich. Ich gehe wie auf rohen Eiern (sieht so aus, als hätte ich mir die Hose vollgeschissen!) Und das bei idealem Trainingswetter!

Naja, ich benutze somit die Zeit und möchte euch von Dingen berichten, die niemand gerne hören will:

MYTHOS DATENSCHUTZ

Handys, Kreditkarten, Internet: jeder Schritt wird dokumentiert: zuerst schockierte Ende 2007 der sonst so vorsichtige Verfassungsgerichtshof-Präsident Karl Korinek die Republik mit seiner Aussage: "'Ich habe manchmal den Eindruck, wir werden ähnlich stark überwacht wie seinerzeit die DDR-Bürger von der Stasi." Am 18. Oktober 2007 einigten sich dann SPÖ-Justizministerin Maria Berger und ÖV P-Innenminister Günther Platter auf den Einsatz von Trojanern, um  private Computerdaten für Ermittlungen nutzen zu können. Damit war gut 6 Jahre nach den Anschlägen vom 13. September die weltweit beherrschende Frage, wieviel unserer Freiheit wir für unsere Sicherheit opfern wollen, endgültig auch in Österreich angekommen.

Auch wenn die Bundesregierung laut Recherchen die EU-Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung moderater umsetzen dürfte als geplant (die Herausgabe von Computerdaten soll nur für Delikte möglich sein, die mit mehr als drei Jahren Haft bedroht sind), gibt es zahlreiche Mißbrauchsmöglichkeiten. In den USA und Großbritannien stehen die Bürger bereits jetzt unter genauer Beobachtung. Staatliche Behörden sehen, hören und lesen alles mit.

DER GEMÜTLICHE ÜBERWACHUNGSSTAAT

Wer hat wann mit wem telefoniert? Und an wen wurden e-Mails versandt? All diese Informationen werden künftig im Rahmen der sogenannten Vorratsdatenspeicherung archiviert. Eine EU-Richtlinire verpflichtet Österreich dazu. Doch nun ist endgültig klar, daß der heimische Gesetzesentwurf - er war nach seiner Präsentation ja scharf kritisiert worden - nicht in der ursprünglich geplanten Form kommt.

Das neue Gesetz des fachlich zuständigen Verkehrsministeriums ist zwar noch nicht verabschiedet, aber es gilt als fix, daß die Herausgabe der Daten strenger gehandhabt wird als zunächst geplant. Nur wenn die Daten zur Aufklärung von mit mehr als 3'Jahren Haft bedrohten Delikten nötig sind, können sie vom Gericht angefordert werden. Möglicherweise wird dies sogar noch auf eine Strafdrohung von 10 Jahren hinaufgesetzt werden. Zum Vergleich: im Entwurf war noch von mehr als einem Jahr die Rede - dadurch wären sogar schwere Verstöße gegen das Fischereigesetz oder Bigamie in die Bestimmung hineingefallen. Die neue Fassung käme aber wohl dem Wunsch der EU-Richtlinie näher: denn sie sieht nur vor, daß die Vorratsdaten bei schweren Straftaten erfaßt werden müssen.

Im Gegenzug dürfte der Zeitraum, in dem man die Daten archivieren muß, steigen. Im ursprünglichen Entwurf waren 6 Monate als Speicherfrist vorgesehen. Laut Insidern wird diese Frist vermutlich auf ein Jahr angehoben werden (die EU verlangt die Speicherung zwischen 6 Monaten und zwei Jahren).

Auch ein Entgegenkommen gegenüber den Telekommunikationsunternehmen ist in Planung: die Betreiber hatten moniert, daß sie für den Staat Daten speichern müssen - die Kosten dafür aber selbst tragen sollen. Nun ist eine "Prämie" für jede vom Gericht abgefragte Person im Gespräch: sie soll um die 500.-. € betragen. Bisher speicherten Handy-Betreiber die Verbindungsdaten nur für kurze Zeit als Nachweis für die Rechnung. Auf diese Daten könnte die Justiz aber bereits jetzt unter bestimmten Voraussetzungen zugreifen. Internet-Provider hingegen durfen bisher die Daten gar nicht aufzeichnen.

Nichts ändern wird sich gegenüber dem ersten Entwurf freilich an den Grundregeln der Vorratsadatenspeicherung: so dürfen die Daten nur nach vorheriger richterlicher Genehmigung herausgegeben werden. Und Inhaltsdaten (also das Telefonat selbst oder der Inhalt einer e-Mail) bleiben ohnedies tabu.

Allerdings wandern bei der Vorratsdatenspeicherung wesentlich mehr Informatiolnen in die Dagtenbank als nur Telefonnumemrn und IP-Adressen. Bei Festnetz-Telefonaten müssen Name und Anschrift beider Teilnehmner, die Länge des Gesprächs und der Ort, von dem aus telefoniert wird, erfaßt werden. Bei Mobiltelefonen müssen außerdem die Seriennummer des Geräts und die SIM-Karte ausgelesen werden  - und dazu die Cell-ID der Funkzelle. Sie erlaubt es, Bewegungsprofile während des Telefonats zu erstellen. Bei Internet-Verbindungen unterliegen IP-Adressen, die zugewiesene Benutzerkennung sowie Name und Anschrift des Benutzers der Speicherpflicht. Wie es bei Internetkommunikationsdiensten wie Skype (Internet-Telefonie) aussieht, ist unklar. Momentan gibt es weder rechtliche noch technische Möglichkeiten, Skype-Anrufe zu verfolgen - denn der Server steht in den USA.

Die Vorratsdatenspeicherung dürfte jedenfalls in der Praxis effizienter sein als die momentan heiß diskutierten Polizei-Trojaner (diese werden auf die Festplatte eines Verdächtigten eingeschleust und sollen ihn ausspionieren). Denn der Polizei-Trojaner wird nach Ansicht von Experten auf massive technische Probleme stoßen. Durch die Vielzahl an Betriebs- und Sicherheitssystemen ist es äußerst unwahrscheinlich, daß standardisierte Software ausreicht, um Zugriff auf jeden beliebigen Computer zu erlangen. Viel wahrscheinlicher ist, daß jeder Einsatz des Trrojaners ein maßgeschneidertes und sehr zeitaufwendiges Vorgehen erfordert.

Kritik im Zusammmenhang mit den Polizei-Trojanern kam auch vom grünen Sicherheitssprecher Peter Pilz: Beamte würden bei der geplanten online-Fahndung zahlreiche strafrechtliche Verstöße begehen. Um an aktuelle Sicherheitslücken zu gelangen, durch die der Trojaner in den Rechner eindringen kann, müßte Österreich am Schwarzmarkt aktiv werden, wo derartige Produkte versteigert werden. Bevor man diesen technischern und rechtlichen Graubereich betrete, müsse man sich die Frage stellen, ob die Polizei kriminell werden soll, so Pilz. Bei der Vorratsdatenspeicherung könnte es technisch etwas einfacher abgehen: so ist denkbar, daß man sich bei der österreichischen Umsetzung der EU-Richtlinie num ein einheitliches System bemühen witrd. "Terabyte-große, umstrukturierte Datenberge wären einfach nicht verwertbar", beschreibt ein mit dem Thema vertrauter Datenbank-Experte das Problem. Am effizientesten - und für die Provider am billigsten - wäre es, wenn der Staat genau vorgibt, wie die Daten zu speichern sind. Dies würde die Analyse der gesammelten Daten erleichtern und beschleunigen.So könnte etwa via Social-Networking-Analysis problemlos das Kommunikationsverhalten größerer Gruppen untersucht werden. Wie groß die Datenmenge ist, auf die zugegriffen werden darf, wird aber vomn richterlichen Beschluß abhängen. Daß in Ausnahmefällen die Aufzeichnungen von mehreren tausend Personen ausgehoben werden könnten, sei aber nicht völlig unrealistisch, erklärte IT-Retsexperte Rainer Knyrim.

Er ortet einen juristischen Paradigmenwechsel durch die Vorratsdatenspeicherung. "Hat man früher erst bei begründetem Verdacht ermttelt, so will man nun das Kommunikationsverhalten der gesamten Bevölkerung flächendeckend auf Vorrat erfassen."

Mittwoch, 28. Jänner 2009

Scheißwetter draußen, es schneit wieder mal, ich sitze in derr warmen Stube drin und schaue beim Fenster raus. Heute trainiere ich wieder mal eineinhalb Stunden im Keller am Ergometer - ein paar Intervalle, unzählige Tropfen Schweiß, die von der Nasenspritze tropfen, in die Augen rinnen, auf den Boden, auf das Oberrohr des Rahmens. Das ist Überwindung pur, genauso wie einTraining draußen bei Minusgraden. Ist der Trainingseffekt bei solchem Wettewr wirklich so groß, daß sich die Mühe und der Aufwand lohnt? Eine gute Frage. Ich bin überzeugt, weit mehr als der phgysische Effekt ist der mentale wichtig für die Rennfahrerpsyche. Disziplin, Ehrgeiz, Durchhaltevermögen, Konsequenz, das sind die Schlagworte, um die in da wirklich geht. Nicht die 40 oder 60 km sind entscheidend, die man unter solchen Bedingungen runterklopft, sondern die Überwindung, die Konsequenz, mit der man sich schon mal umziehen geht, das Rad herrichtet, die Reifen aufpumpt und dann losfährt. Gegen den, der an diesem Tag nicht trainiert, gewinnt man nicht wegen der 60 km, die man selber mehr gefahren ist, sondern wegen der zwei Stunden, in denen man sich permanent überwinden mußte. Und mit zunehmendem Alter braucht man immer mehr solcher Stunden, um mit dern Jungen mithalten zu können. Gefährlich wird es erst dann, wenn man gesundheitliche Schäden riskiert. Ich halte es da mit Sean Kelly, der einmal meinte: Es gibt kein zu kaltes Wetter, sondern nur zu kalte Kleidung. Ups, ich glaube, der Spruch stammt von jemanden anderem. Kelly war zwar auch ein eisenharter Knochen, aber von dem ist eine andere Anekdote überliefert: als ihn einmal im Winter bei eisigem Wetter und etlichen Minusgraden ein Trainingskollege wie verabredet zur Ausfahrt trifft und ihn fragt: Sean, ist es heute nicht zu kalt fürs Training?, da sieht er kurz aus dem Fenster und knurrt: ich fahre jetzt mal 120 km, dann kann ich dir sagen, ob es zu kalt war!

Donnerstag, 29. Jänner 2009: STRASSENMEISTERSCHAFT 1978 IN MAUTHAUSEN

Es wird wieder mal Zeit für die Serie über meine Meisterschaftsrennen. Zuletzt habe ich euch über meine beiden ersten Österreichischen Meisterschaften berichtet, 1977 bei den Junioren im Paarzeit- und Straßenfahren. Jetzt ist das darauffolgende Jahr an der Reihe. 1978 bin ich in die Amateurklasse aufgestiegen und fahre jetzt meine erste Meisterschaft bei der Elite. Der ARBÖ Kneuer Linz veranstaltet auf einem 80 km langen Rundkurs mit Start und Ziel in Mauthausen am Sonntag, den 6. August 1978, die Österreichische Straßenstaatsmeisterschaft. Das Rennen ist durchaus schwer, der Kurs nicht leicht und mit Steigungen gespickt, zwei Runden sind zurückzulegen (= 160 km). Wenn ich die vor mir liegende Starterliste von damals durchgehe, finde ich einige bekannte Namen, die auch heute noch aktiv sind: Startnummer 14 Walter Gratzl (ARBÖ Cycles Peugeot Salzburg), 50 August Muhr (ARBÖ Pfleger-Reisen St.Pölten), 68 Manfred Lang (RC RIH Gänserndorf), 77 mein heutiger Klubkollege Johann Schweighofer (Union Renault Kahlhofer Schwanenstadt) und mit 94 und 95 die Ziering-Brüder Horst und Raimund (RC Union Mäser-Kreissl Wilhelmsburg). Ja, richtig, die sind damals alle in der Eliteklasse gestartet.

Nach der ersten flachen Hälfte des Rundkursers über Naarn, Mitterkirchen, Baumgartenberg und Perg ging es dann in der zweiten Hälfte in die Hügel und Berge, vor allem die Steigungen in Baumberg, Tragwein und Prägarten hatten es in sich. Dort bin ich dann auch abgerissen, hinter das Feld zurückgefallen und voller Frust nach der ersten Runde abgestiegen. Weiß auch nicht, was ich mir damals vorgestellt habe, aber ich war ja doch ganz hart an meinem Optimum drangewesen. Damals war eben nicht mehr für mich möglich.

Hans Traxler (ARBÖ Kneuer Linz) führt hier vor Herbert Spindler (ARBÖ Peugeot Salzburg) und Reinhold Traussnig (RC ASKÖ Puch Knittelfeld), dahinter Dabernig, Huber, Menhart

Dieses Rennen liegt jetzt 30 Jahre zurück, das meiste habe ich vergessen, aber ich erinnere mich noch daran, daß ich den ersten Anstieg, diese lange, lange Steigung hinauf nach Baumberg, mit dem Feld gefahren bin, mich dabei so übernommen habe, daß ich beim nächsten kleinen Stich sofort abgerissen bin. Die Berge waren mein Verhängnis, ich bin dann ich einer kleinen Gruppe die Runde zuu Ende gefahren (da war auch der Meier Oskar aus Tirol dabei), und da die anderen alle abgestiegen sind, habe ich es ihnen gleichgetan (im Grunde war ich heilfroh darüber!). Gewonnen hat das Rennen übrigens Herbert Spindler im Sprint vor Leo Karner und Peter Miuckenhuber, ein erwartetes Ergebnis also.

Muckenhuber, Karner und Summer waren unmittelbar vor dem Rennen erst von der Rheinland-Pfalz-Rundfahrt heimgekehrt (5. Muckenhuber, 24. Karner, 25. Summer, 27. Mitteregger, 45. Ritter). In der zweiten Runde fiel dann die Entscheidung, als sich kurz nach der Zieldurchfahrt eine 15-Mann-Gruppe davonmachte und beim steilen Anstieg in Pregarten dann daraus 6 Mann absetzten, und der 24jährige Salzburger Herbert Spindler sprintete daraus dann zu seinem bereits zweiten Meistertitel.

 

Peter Muckenhubrer, der Dritte

1. Herbert Spindler (ARBÖ Cycles Peugeot Salzburg) 3:56:47 (Schnitt 40,49 km/h), - 2. Leo Karner (ARBÖ Vöslauer Heilquelle), - 3. Peter Muckenhuber (ARBÖ Cycles Peugeot Salzburg), - 4. Hans Summer (Titelverteidiger, RC ASKÖ Puch Knittelfeld), - 5. Leopold König (RC Union Sparkasse Wolkersdorf), - 6. Roman Humenberger (ARBÖ Vöslauer Heilquelle), alle gleiche Zeit, - 7. Siegfried Seitinger (RC ASKÖ Puch Knittelfeld) -1:16, - 8. Willi Lauscha (RC ARBÖ Jessernigg Stockerau), - 9. Rudolf Mitteregger (RC ASKÖ Puch Knittelfeld), - 10. Hans Traxler (RC ARBÖ Kneuer Linz), alle gleiche Zeit, ich habe nach 80 km (Halbzeit) aufgegeben

Das war also meine dritte Staatsmeisterschaft, die zweite auf der Straße, meine allererste in der Eliteklasse und die einzige in diesem Jahr. Nichtsdestotrotz endete sie wie erwartet, nämlich mit meiner Aufgabe. Ich war in jeder Hinsicht überfordert gewesen, Sowohl physisch als auch mental.

Samstag, 31. Jänner 2009: TRAINING IN ITALIEN

Sauwetter daheim, kalt und feucht, und jetzt, Ende Jänner, Anfang Februar, kann ich es mir nicht leisten, ein Wochenende ausfallen zu lassen. Da aber ein Rollen- oder Walzentraining auch nicht das Wahre sind, bin ich kurzerhand übers Wlochenende nach Italien runtergefahren, nach Carnia ausgangs des Kanaltales in Friaul.

  

Links Blick auf Carnia, rechts die Fella-Brücke bei Carnia Piani

Dort bin ich bei trockenem Wetter und angenehmen 11°, aber bedecktem Himmel, eine größere Runde gefahren, von Carnia die Staatsstraße nach Süden runter, durch Gemona bis Tavagnacco vor Udine, dann links raus und über Salt und Povoletto nach Cividale, dann an den Berghängen entlang wieder zurück nach Norden, durch Faedis, Attimis und über den Paso di Monte Croce nach Nimis, weiter nach Tarcento und Gemona, und auf der Staatsstraße wieder rauf nach Carnia. Das waren 103,3 km, die ich in 3:25´ Stunden gefahren bin (Schnitt 30,0 km/h). Ich war überaus motiviert und hatte keine Schwächen oder andere Probleme. Ja, es hat sich bereits voll ausgezahlt, hierher zu fahren.

Ich habe nicht lange nach einem Zimmer gesucht, bin nur quer über die Straße gegangen und hatte schon eines, und ein billiges obendrein.

Sonntag, 1. Februar 2009: TRAINING IN ITALIEN

Heute also der zweite Tag in Friaul, das Wetter war schon ein schönes Stück besser als gestern, die Sonne hat anfangs gescheint, es war sehr mild, 10° in aller Frühe. Ich habe das am Vorabend hergerichtete Müesli runtergewürhgt, mit einem Liter Orangensaft nachgespült und bin losgefahren. Von Carnia wieder auf der Staatsstraße nach Süden, an Gemona vorbei, dann rechts rein nach Osoppo, weiter runter über San Daniele nach Dignano und dann über die lange Tagliamento-Brücke nach Casarsa della Delizia. Jetzt bin ich wieder zurück nach Norden gefahren, das war ziemlich schwer, weil inzwischen der Wind immer stärker geworden ist, der Nordwind, also hatte ich jetzt Gegenwind. Rauf nach Spilimbergo, dann ist es hügelig geworcden, über Pinzano und Flagogna war es so hügelig und kurvig, daß der Wind Gottseidank nicht voll angreifen konnte., Über Peonis und Trasaghis b in ich dann nach Bordano und über den Sella di Interneppo runter ins Schmetterlingstal zum Lago di Cavazzo. Der Sella di Somplago, ein kurzer, aber heftiger Anstieg, war das letzte Hindernis, ehe ich dann über Cavazzo unhd Amaro zurück nach Carnia gefahren bin. Heute waren das 132 km und 4:35´ Stunden Fahrtzeit (28,9 km/h). Heute habe ich auch den gestrigen Tag ziemlich gespürt, hatte dicke und saure Beine.

Der Lago di Cavazzo, links sieht man die autostrada.

Aber dieses Wochenende hat sich unterm Strich total ausgezahlt. Tja, was tut man nicht alles für eine tolle Form gleich zum Saisonstart (Hoffentlich nehme ich da den Mund nicht allzu voll!!!)?

Dienstag, 3. Februar 2009:  ÖSTERREICHISCHE ZEITFAHRMEISTERSCHAFT 19. MAI 1979 KLOPEINER SEE

Fortsetzung meiner Serie über die Österr. Meisterschaften: jetzt ist das Jahr 1979 dran. Und die erste Meisterschaft war gleich auch eine Premiere: die erste Österreichische Staatsmeisterschaft im Einzelzeitfahren, ausgetragen auf einer großen 40-km-Runde um den Klopeiner See. Eine Woche nach Wien-Gresten-Wien wurde das Rennen bei ungewöhnlich großer Hitze ausgetragen. Mittendrin statt nur dabei - ich, und ich war, naja, es war das erste von zwei Rennen, bei denen ich ganz absichtlich gedopt gestartet bin. "Aufgeblasen" mit 8 Stück Captagon-Dragees, die ich mir eine halbe Stunde vor dem Start eingeworfen habe, bin ich ins Rennen gegangen, eine Minute hinter dem Nationalfahrer Herbert Spindler.

Zunächst ist auch alles gutgegangen, ich bin sogar etwas näher an ihn rangekommen auf den ersten 10 km, dann konnte ich etwa 10 bis 12 km lang den Abstand konstant halten, ehe ich in der zweiten Hälfte der Strecke dann komplett eingebrochen bin. Schaum vor dem Mund, beinahe kollabiert, sicher aber hyperventiliert, bin ich herumgetaumelt, kann mich nur mehr daran erinnern, daß ich mit wirklich allerletzten Kräften das Ziel erreicht habe. Keine Ahnung, wie ich den genau 1,2 km langen Anstieg kurz vor dem Ziel geschafft habe. Aber ich war im Ziel, lebendig - naja, mehr tot als lebendig eigentlich, aber doch am Leben.

Hier Leo Karner vor Herbert Spindler

1. Leo Karner (RC Union Schartner Bombe) 58:04 (Schnitt 44,1 km/h), - 2. Herbert Spindler (RC ARBÖ Raleigh Salzburg) -0:33, - 3. Rudolf Mitteregger (RC ASKÖ Puch Knittelfeld) -1:05, - 4. Hans Summer (RC ASKÖ Puch Knittelfeld) -1:15, - 5. Wolfgang Priglhofer (RRC Lockenhaus) -1:29, - 6. Reinhard Popp (ÖAMTC RCA Tyrolia Wien) -1:55, - 7. Peter Muckenhuber (RC ARBÖ Raleigh Salzburg) -1:56, - weiters: 72. Robert Bartonek (RC Union Raiffeisenverband-Burgenland Eisenstadt) -9:37

Mittwoch, 4. Februar 2009: IMMER NOCH KRANK

Ganz langsam  bessert sich mein Gesundheitszustand. Ich trinke jeden Tag gut einen Liter Nonisaft. Jeden Tag bin ich etwa eine Stunde am Ergometer gesessen. Gut, ich bin nicht das volle Programm gefahren, nur formerhaltend. Aber auch das ist schon sehr wichtig, ist es doch sehr viel mehr als wenn ich gar nichts täte, nur im Bett liegen und darauf warten, daß die Zeit vergeht. Seit einigen Jahren erwischt mich jeder Infekt voll am Rücken. Das scheint jetzt meine Schwachstelle geworden zu sein, und jedesmal ist es deutlich schlimmer als das vorige Mal. Langsam nehme ich das persönlich. Eigentlich geht das genaugenommen seit meinem Unfall mit der Knieverletzung so. Ich weiß natürlich, was die Ärzte mir seit damals prophezeien, schließlich erfahre ich die Schmerzen jedesmal am eigenen Leib.

 

Grausliche Bilder, links von der Operation, rechts ein Röntgenbild danach

Gleich nach der Operation habe ich damals mit der Physiotherapie begonnen. Ganz leichte Übungen, anfangs habe ich im verletzten Fuß nur die Muskeln angespannt, die Sohle bewegt und damit eine gewisse Muskelspannung aufgebaut, die oben beim Knie ganz schön wehgetan hat! Es ist ja ein offenes Geheimnis, daß man mit allen Übungen, die man mit einzelnen Gliedmaßen macht, auch zu einem gewissen Prozentsatz den anderen Teil des Paares  mitttrainiert. Ob Hand, ob Fuß, die Übungen, die man z.B, nur links macht, haben auch rechts eine Wirkung. Zu einem geringen Prozentsatz, aber immerhin. Anfangs habe ich sehr viuel und umfangreich das linke, also das gesunde Bein, trainiert, eben aus zwei Gründen, nämlich daß der Muskel nicht zu schnell zu sehr abbaut und dann auch, damit das rechte, verletzte Bein mittrainiert wird.  Anfangs konnte ich ja mit dem rechten Bein so gut wie gar nichts machen, später dann habe ich auch nur mit dem rechten Bein die Übungen gemacht. Dazwischen aber auch immer wieder mit beiden Beinen gleichzeitig und gemeinsam, damit die Koordination nicht verlorengeht.

Spätestens als ich dann am Ergometer gesessen bin, habe ich den gewaltigen Unterschied zwischen dem gesunden und dem verletzten Bein bemerkt. Einen Unterschied, den ich vorher immer ausgeblendet habe und als gottgegeben hingenommen habe. Wie beseitigt man ein Handikap z.B, am rechten Fuß? Richtig, mit gezieltem Training nur mit dem rechten Bein. Und automatisch wird der Unterschied zum linken immer größer. Diesen Unterschied, den ich meine, darf man sich NICHT als Unterschied in der Belastungskapazität vorstellen, sowas kann man relativ leicht mit Training ausgleichen. Nein, ich meine die Koordination, die man spätestens dann merkt, wenn man beidbeinig kurbelt. Das ist ein Problkem, das den NORMALEN Patienten gar nicht betrifft. Der kennt das aus dem einen Grund gar nicht, weil der die Rehabilitation so langsam vorantreibt, daß automatisch das gesunde Bein rasend schnell an Niveau verliert, und bald ist der Muskelschwund an beiden Beinen gigantisch groß. Erst wenn man diese Rehabilitation energisch betreibt, mit großem Aufwand und Tempo, baut das gesunde Bein nicht so schnell ab und genau dadurch entstehen dann diese Dysbalancen. Oh ja, ich war schnell, ich war unglaublich schnell. Und dennoch viel zu langsam. Vom Idealfall, daß die Verletzung keinen Muskelschwund bewirkt, darf man natürlich nie und nimmer ausgehen.

Zonen

Am Rad gesessen, schlägt dann die mangelnde Belastungsfähigkeit des verletzten Kniegelenks voll durch. Der Quadrizeps ist völlig verkümmert, verspannt sich sofort. Schmerzt. Auf dem Bild oben seht ihr alle neuralgischen Punkte, die da für Schmerzbildung in Frage kommen. Sehr wichtig: weil die Rehabilitation eben so lange dauert, können diese Beschwerden chronisch werden. Und sind dann nur sehr schwer loszuwerden. Beim Pedalieren passiert jetzt folgendes: automatisch versucht man, mit dem gesunden Bein mehr Arbeit zu verrichten, um das verletzte zu entlasten. Funktioniert auch bis zu einem gewissen Grad. Aber was passiert daneben? Richtig, die Dysbalancen verstärken sich gewaltig. Um all diese Problematik wußte ich Bescheid und absolvierte unzählige Übungen, stundenlang, um all diese Folgen zu vermeiden. Ich war sehr erfolgreich, ich war unglaublich erfolgreich: keine Probleme mit den Sehnen, auch mit der Patellasehne nicht, kaum Gelenkschmerzen, nur örtlich und zeitlich zu verharmlosen, nur geringe Sitzbeschwerden, keine Nackenschmerzen. Wenn man mit dem gesunden Bein allein nicht mehr ausgleichen kann, verändert man eben die Haltung ein wenig, um da nachzuhelfen. Das heißt, man sitzt wie hingeschissen am Rad.

Was hat sich bei mir bis heute dauerhaft verändert? In erster Linie die Übersetzung, ich fahre jetzt noch mal um ein bis zwei Zähne leichter als vor dem Unfall. Nicht beabsichtigt, sondern gezwungenermaßen. Anfangs war der Schmerz einfach viel zu groß, da MUSSTE  ich leicht kurbeln, mit Rohkraft war da gar nichts möglich. Und auch jetzt noch merke ich manchmal, in gewissen Situationen mit Extrembelastung, daß das Gefühl im verletzten Knie mit einem Schlag völlig weg ist, ich knicke sozusagen ein, denn das kommt immer ganz, ganz plötzlich und unerwartet. Das kann man nur mit der anderen Seite ausgleichen, d.h. mit dem anderen Bein, dem anderen Oberschenkel, der anderen Schulter, der anderen Körperhälfte. Womit wir wieder bei der hingeschissenen Haltung wären.

Es gibt aber nur eine optimale Haltung, jede andere ist eben NICHT optimal. Blöd natürlich, wenn die optimale Haltung sehr schmerzhaft ist, die nicht optimale dagegen schmerzfrei. Und ehe man sich´s versieht, hat man ein chronisches Leiden. Und das sind bei  mir eben die Rückenschmerzen, die von der veränderten Haltung herrühren. Das ist natürlich ein langsamer, schleichender Vorgang. Ab wann werden Beschwerden chronisch?? Es stimmt, daß die Rückenschmerzen 2003 und 2004 im Vergleich zu heute, 2009, kaum spürbar waren. Seit damals wurden sie unregelmäßig, in Schüben sozusagen, schlimmer und schlimmer. Mit dem Rücken gleiche ich die Knieschmerzen und alle Unzulänglichkeiten und Handikaps durch die Knieverletzung aus. Die Auswirkungen dieser Rückenschmerzen werden schlimmer und ärger. Anscheinend muß ich damit leben.

Dazu kommt, daß man als Spitzensportler sowieso ein ganz anderes Schmerzempfinden hat. Wer Sport treibt, der weiß, daß da dauend irgendwo was wehtut. Vor allem im roten Bereich, in diesem Meer aus Schmerzen, muß man als Wettkampfsportler einfach hinein. Wenn ich da sofort beim erstbesten Empfinden abbreche, dann bin ich, Entschuldigung, ein Weichei, eine Memme. Und weil das natürlich auch im Training so ist, entsteht da eine ganz andere Schmerzschwelle. Schmerzen sind da, um ausgehalten und überwunden zu werden. Da kämpft man sich durch diese Schmerzen, um dann festzustellen, daß sie chronisch geworden sind. Sport ist gesund. Dieser Satz scheint mir ein Märchen zu sein.

Donnerstag, 5. Februar 2009: ARMSTRONGS TREK-BIKE

Da habe ich doch glatt ein paar Fotos von Armstrongs 19.000.-.Euro-Trek-Madone gesehen, das jetzt in seinem Bike-Shop in Austin steht.

 

An der Rennmaschine von Lance Armstrong, die er bei seinem Comeback bei der Tour Down Under gefahren ist, scheint auf den Bontrager-Felgen der Livestrong-Schriftzug seiner Krebsstifung auf, sowie am Rahmen die Zahlen 27,5 (Hinterstrebe) und 1274 (Sattelrohr). Das sind die Millionen Krebstoten seit seinem Rücktritt, die 1274 sind die Anzahl der Tage zwischen seinem Rücktritt und seinem Comeback.

     Symbolisch: 27,5 Mio. Menschen sind seit Armstrongs Profi-Abstinenz an Krebs gestorben

Und das ist das neue Zeitfahrrad von Lance für die Kalifornien-Rundfahrt

 Freitag, 6. Februar 2009

Es geht wieder, ich kann endlich wieder trainieren. An dieser Stelle muß ich mal etwas Grundsätzliches über meinen Trainingsplan sagen. Für mein Training bin ich selber verantwortlich. Niemand kennt mich so gut wie ich mich selber. Ich trainiere täglich, auch an jenen Tagen, an denen es hier im Tagebuch keinen Eintrag gibt. Bereits zu Beginn meiner radsportlichen Tätigkeit mußte ich eine entsetzliche Entdeckung machen, die sich im Laufe der Jahre und Jahrzehnte auf schreckliche Weise hundertfach bestätigt hat: kaum jemand, auch die sogenannten Spezialisten nicht, trainieren nach einem seriösen Plan, sie alle fahren einfach mehr oder weniger drauflos, nach Lust und Laune und Form und Wetter. Dabei ist so etwas alles andere als seriös.

Und immer, wenn sich einer oder mehrere Hobbyfahrer an mein Hinterrad klemmen, passiert dasselbe: Bei jeder Ortstafel, bei jeder Autobahnüberfahrt, kurzum, bei jeder sich bietendenden Gelegenheit, wird um Leben und Tod gesprintet. Anfangs habe ich ihnen dann immer gesagt: Hey, was soll das, wir fahren hier kein Rennen! Später habe ich es aufgegeben, es nützt ja doch nichts. Der Laie bekommt sogar noch den Eindruck, als wären das überaus kompetente Jungs. Tatsächlich aber können einige weder lesen noch schreiben, andere wieder glauben, google sei die Homepageadresse vom DJ Ötzi. Naja, ich habe meine Zeit nicht gestohlen, deshalb habe ich kein Interesse daran, in meinem Trainingsablauf haupstächlich Leerläufe und Wiederholungen zu produzieren.

Wie sieht also das ideale Training aus? Das ist individuell so unterschiedlich, daß ich da wirklich nur für mich alleine sprechen kann. Schließlich hängt das vom Ausgangszustand ab, vom Saisonziel, von der Jahreszeit, von der Spezialdisizplin, von den Fähigkeiten, Schwächen unhd Stärken des einzelnen Fahrers. Nach einer kurzen, 10- bis 14tägigen Pause nach Saisonende beginne ich wieder mit dem Training. Flache Strecken, höchstens eineinhalb bis zwei Stunden, täglich, nur am Wochenende länger, da fahre ich jeweils mindestens 4 Stunden. Wegen der Vuelta di Gran Canaria habe ich heuer meine Winterpause erst Mitte Dezember begonnen. Einre 12tägige Pause bildet dann den Auftakt zur neuen Saison. Bis Ende Jänner habe ich auf diese Weise an die 3000 km abgespult. Alles nur Grundlagenausdauer, keine Berge, keine nennenswerten Anstiege. Stur und stupide Grundlage. Leichte Übersetzung, ich beginne mit 53/20, steigere dann nach höchstens 1000 km auf 53/19.

Durch die vielen Grundlagenkilometer geht mir der Bewegungsablauf in Fleisch und Blut über. Ich muß ihn so verinnerlicht haben, daß die Trittfrequenz von mindestens 90 bis 100 Kurbelumdrehungen pro Minute kein Problem darstellt. Habe ich diesen Punkt erreicht, ist es an der Zeit, wieder einen Zahn zuzuschalten. Jetzt schalte ich vorne wieder einen Zug runter, fahre mit 53/18. Trotz der schwereren Übersetzung schaffe ich dieselbe Trittfrequenz wie vorher, und daher bin ich automatisch schneller, Jetzt geht es mit 32 bis 35 km/h dahin, der Puls steigt etwas an, sowohl der aktuelle Puls als auch der Durchschnittspuls. Und wie von Geisterhand geschoben, fahre ich plötzlich mit 32 bis 34 km/h, also deutlich schneller. Das lob´ ich mir, da geht´s gleich in einem Aufwaschen. Und genau an dem Punkt bin ich jetzt angelangt. So stelle ich mir Training vor, das sind meine liebsten Momente, wenn ich quasi wieder eine Klasse höher steige. So soll Training sein: zunächst mehrere tausend Kilometer Grundlage, und auch da kann man schon variieren (mit der Trittfrequenz) und die nächste Stufe vorbereiten. Die Qualität dieses Trainings hängt sozusagen davon ab, wie sehr ich mich an die Vorgabe halte.

Ich behalte die Trittfrequenz bei, ich ändere also nur die Übersetzung, und auch die nur um einen Zahn. Wichtig ist dabei, daß die Trittfrequenz ich mir schon so sehr verinnerlicht habe, daß ich sie auch mit der härteren Übersetzung fahre. Das höhere Tempo kommt quasi von selbst. Natürlich ändert sich auch der Puls. Die meisten müssen ja Einbussen an der Trittfrequenz hinnehmen, wenn sie härter übersetzt fahren. Das Tüpfelchen auf dem i ist dann die umgekehrte Variante: wenn ich im Rennen Tempowechsel nicht mit der Übersetzung ausgleiche, sondern mit der Trittfrequenz! Aber das ist dann schon die höhere Schule des Trainings.

Heute habe ich das relativ schöne und milde Wetter ausgenutzt und bin eine flache Runde gefahren, über Kalsdorf, Flughafen, Unterpremstätten, Dobl, Lannach, Muttendorf, Petzendorf, Zwaring, Wildon und über Kalsdorf und Hausmannstätten nach Raaba zurück nach Graz. 84 km, Schnitt 27,5, es hatte heute ganz unglaubliche 14° C!

Samstag, 7. Februar 2009

"hdgdl schatzi" (hab dich ganz doll lieb) - Vor 16 Jahren wurde das erste SMS versendet

Das "Short Message Service", also das Versenden von Kurznachrichten (SMS), feierte kürzliuch sein 16jähriges Jubiläum: am 3. Dezember 1992 hatte ein Techniker in Großbritannien die erste Kurznachricht zu Testzwecken von einem Computer an das Moibltelefon eines Kollegen übertragen. Seine Botschaft lautete damals: "Merry Christmas." "Seither hat SMS einen unglaublichen, in keiner Weise vorhersehbaren Siegeszug erlebt", sagt der Erfurter Handy-Forscher Joachim Höflich.

Dabei war bei der Premiere im Dezember 1992 der Short Message Service gar nicht für die Kommunikation zwischen den Handy-Nutzern gedacht. Vielmehr wollte der Betreiber damit die Nutzer unter anderem über Netzstörungen informieren. Deshalb wurde dieses Nebenprodukt auch zunächst kostenlos angeboten.

Der Erfolg des Mediums sei angesichts der meist wenig benutzerfreundlichen Funktion erstaunlich, erklärt Handy-Forscher Fröhlich. Die Tastatur sei klein, das Schreiben oft schwierig., "Daß es trotzdem so eingeschlagen hat, ist auf die Jugend zurückzuführen. Sie hat es schnell als ihr eigenes Medium angenommen. Sie können damit weitgehend unkontrolliert von den Eltern kommunizieren, quasi unter der Bettdecke SMS verschicken."

Junge Leute hätten auch eine unglaubliche Virtuosität beim Schreiben von SMS und eine eigene Sprache entwickelt. "Gut, die Texte sind oft profan: hab dich ganz doll lieb oder abgekürzt hdgdl schatzi wird da dem Empfänger mitgeteilt. Aber unser Alltag ist ja auch überwiegend profan", meint der Experte.

Seit 1994 unterstützen alle Mobiltelefone Versand und Empfang der Kurznachrichten. Unter Schülern seien SMS mt den Zettelchen vergleichbar, die sich Mädchen und Buben unter der Schulbank zusteckten. Oft würden sie auch gemeinsam geschrieben und gelesen. Beim Verfassen der SMS gebe es große geschlechtsspezifische Unterschiede. "Frauen schreiben mehr, längere und schönere SMS", weiß Höflich. "Die Antworten der Männer fallen meist kurz aus, etwa: ich dich auch, dein Otto." Die SMS im bisherigen Format ist laut Höflich aber ein Auslaufmodell: "Wenn von jedem Handy Mails in beliebiger Länge versendet werden können, braucht es die Reduktion auf die 160 Zeichen nicht mehr."

Okay, trainiert habe ich heute auch. Die Rennsaison rückt jetzt mit Riesenschritten näher. Nur mehr ein Monat trennt mich vom Saisonauftakt in Slowenien. Das Straßenrennen in Murska Sobota wird mein erster Renneinsatz 2009 werden. Und bereits am 15. März steht dann der erste große Klassiker am Programm, der Giro di Lago di Garda, die Umrundung des Gardasees. Das Rennen ist 155 km lang, und ich überlege da, in der Eliteklasse zu starten. Für den Rennverlauf ist es einerlei, denn die Master starten sowieso gemeinsam mit der Elite, daher ändert sich also für mich gar nichts, die Frage ist wirklich nur, in welcher Klasse ich gewertet werde.

Damit war meine diesjährige Winterpause extrem kurz, nämlich zweieinhalb Monate. Egal, wie lange sie wirklich ist, mir kommt diese Zeit immer wie eine Ewigkeit vor.

Heute bin ich eine hügelige Runde gefahren, über Kalsdorf, Flughafen, Unterpremstätten, Dobl, Dietersdorf, Weitendorf, Kehlsberg, Lebring, Wildon, Kalsdorf und Raaba zurück nach Graz, 88 km, Schnitt 28,9, 225 Höhenmeter, 12° C!

Sonntag, 8. Februar 2009: SAUWETTER!

Schade um diesen Tag, ich hätte auf den Wetterbericht hören und nach Friaul runterfahren sollen! Aber faul und bequem, wie ich nun mal bin, habe ich mich ausgeschlafen und dann blöde aus den verschlafenen und verpickten Augen geguckt: es hat geregnet! Also bin ich erst am späten Nachmittag gefahren, auf feuchter und naßer Straße, es war saukalt, nur 6° C, und ich bin auch nur eine kleine Runde über 33,5 km gefahren, gerade eine gute Stunde lang. Danach habe ich mich noch für eineinhalb Stunden auf den Ergometer gesetzt, damit der Tag wenigstens nicht ganz verloren war.

Montag, 9. Februar 2009

Heute war ein ganz wichtiger Tag in meinem Trainingsalltag: erstmals bin ich heute mit 53/18 gefahren! Ich war mir voriges Wochende noch nicht ganz sicher, habe eine Woche mit 53/19 noch draufgesetzt und erst heute auf das 18er gewechselt. Es war kühl, wieder nur 6° C, ich bin eine kleine, flache Runde gefahren, nur 125 Höhenmeter, über Kalsdorf, Thalerhof, Unterpremstätten, Dobl, Weitendorf, Wildon, Kalsdorf zurück über Raaba nach Graz. Die 63 km bin ich mit 29,3 km/h Schnitt gefahren, der Durchschnittspuls war 139 hoch! Es tut vor allem mental gut, wenn man merkt, daß man wieder einenSchritt in Richtung Form gemacht hat.

Dienstag, 10. Februar 2009: Schon mal was von ELLY BEINHORN gehört? Die Flugpionierin ist 100 Jahre alt geworden!

Sie war eine Abenteurerin und Deutschlands berühmteste Fliegerin. Die Luftpionierin Elly Beinhorn ist Ende 2007 im Alter von 100 Jahren in einem Seniorenheim in Ottobrunn bei München gestorben. Sie ist ganz friedlich eingeschlafen, hat es geheißen. Die Trauerfeier für die Rekordfliegerin fand im engsten Familienkreis statt. Beinhorn war die erste Frau, die Anfang der 1930er Jahre die Welt in einem Flugzeug umrundete. Zuvor hatte sie bereits einen Alleinflug nach Afrika gemeistert.

 

Zum Liebling einer ganzen Nation wurde Beinhorn, als sie 1936 den erfolgreichen Autorennfahrer Bernd Rosemeyer heiratete. Die blendend aussehende Beinhorn und der junge Rennstar galten als deutsches Traumpaar der 1930er Jahre. Doch es war nur ein kurzes Glück. Bernd Rosemeyer verunglückte 1938 bei Weltrekordversuchen auf der Autobahn bei Frankfurt tödlich, als ihn bei Tempo 450 eine Windböe traf. Elly Beinhorn sagte später einmal über die gemeinsame Zeit: "Es waren die schönsten und tiefsten Jahre meines Lebens."

Themenwechsel: nachdem ich vorhabe, mit ein paar Klubkollegen heuer Ende Oktober an der Mexiko-Rundfahrt teilzunehmen, hat mich folgende Geschichte höchst interessiert. Aber liest selbst:

 

DIE SENSENFRAU VON TEPITO - "SANTA MUERTE"

In Tepito, einem Stadtviertel von Mexico City, grassiert ein Kult um die seltsame Heilige "Santa Muerte" - eine Suche nach der Königin der verbrecherischen Herzen. Von Thom9mas Mißgang

 

Man hatte uns gewarnt: auf keinen Fall aus dem Auto aussteigen! Keine Gespräche führen mit Leuten, die einem Zauberkräuter verkaufen wollen oder Crystal Meth oder eventuell eine Waffe mit ausgeritzter Seriennummer. Nicht mit Prostituierten verhandeln und schon gar nicht mitgehen in eine jener dreckigen Buden, wo die Messer tief fliegen und die Scherze so spitz sind wie Heroinnadeln und sich genauso tief in die Eingeweide der Seele bohren.

 

Man hatte uns gewarnt.Doch wir wollten trotzdem hin. Nach Tepito, einem Viertel von Mexico-City, in dem Drogendealer, Waffenschieber und Zuhälter sich Gute Nacht sagen. Eine Art Mexikoplatz in Zehnerpotenz: endlose Reihen von Marktständen unter lecken Dächern. Rolex-Imitationen, gefälschte Hilfiger-Klamotten, Adidas, Nike, Armani, Hugo Boss, Chanel, aber auch illegal kopierte DVDs und MP3-Discs, geklaute Fernseher und Computer. Konterbande aller Art, die hier den schönen Namen "fayuca" trägt. Unterhalb des halblegalen Treibens hat sich ein grauer Markt eingerichtet, in dem die wirklich großen Deals stattfinden: hier werden die AK-47 und die Uzis unter dem Ladentisch durchgeschoben, und auf den dreckigen Toiletten bringen die Pusher ihre Ware an die willige Kundschaft: traurige Kinderhuren, die aus den Elendsvierteln ins Zentrum der Stadt gespülkt wurden, abgewrackte Mariachis mit Gallonenhüten und Goldzähnen von der Plaza Garibaldi, die sich den Stoff mit dem Lied "La Llorona" auf den Lippen reinziehen.

Eine halbe Tonne Marihuana wird täglich in Tepito verklopft, so der Polizeichef von Mexico-City, Joel Ortega Cuevas, und dazu 8 Kilo Kokain. "Im trotzigen Barrio Tepito inskribieren jeden Tag neue Studenten von Verbrechen aller Art", schreibt der Chronist Alfonso Hernandez. "Wenn Mexiko das Tepito der Welt ist, dann ist Tepito die Synthese alles Mexikanischen."

Man hatte uns gewarnt, man hatte die Hände gerungen, man hatte uns das Kreeuzzeichen auf die Stirn gemalt, doch es war alles umsonst. Denn wir wollten SIE sehen: das schöne Mädchen, la flaca - die Dünne -, die Braut des Grauens, la Santisíma Muerte. Herrin über Leben und Tod, dämonische Schattenfigur der Jungfrau von Guadalupe, sensenschwingende Heavy-Metal-Priesterin eines Todeskultes, der wie eine toxische Substanz in die Feinstruktur der menschlichen  Beziehungen in Tepito eingesickert ist.

Wir waren nicht allein. Wir hatten Pedro, den Fahrer, den sie wegen seiner 120 Kilo el ratoncito - das Mäuschen - nennen. Zwar runzelte er sorgenvoll die Stirn, doch dann streifte er die Arbeitshandschuhe über, um den Griff auf das Lenkrad zu verbessern, und pflügte er mit seinem Lada wie auf einem Traktor durch den Asphaltdschungel, wo einem Fetzen eines derben Argots um die Ohren fliegen und die Leute so dreckig lächeln wie sonst  nur noch in den Filmen von Sam Peckinpah.

"Donde es la Santa Muerte?" - Immer wieder die gleiche Frage: wo ist sie, die Königin der verbrecherischen Herzen? Schulterzucken, verständnislose Blicke, brüskes Abwenden. Niemand hier ist daran interessiert, daß ein paar Gringos ins innerste Heiligtum eines spirituellen Mysteriums eindringen, das man nur mit Eingeweihten teilen möchte.

Doch Pedro gibt nicht auf: das Territorium wird geistig gerastert und dann, Straße für Straße, mit mathematischer Präzisión abgefahren. Schon bricht die Dämmerung herein, die Hunde machen sich zum Kampf bereit, die Ringer der lucha libre (Freistilringer) setzen ihre Masken auf, die mariachis bürsten ihre Schnurrbärte.


Der Totenkult als Lebenskult: in der rechten Hand hält La Santiusima eine Sense und eine Waage, in der Linken ruht eine Weltkugel.

Und da ist plötzlich SIE: in einem überdimensionalen Glassturz am Straßenrand, der in die Vertikale gekippt wurde, angestrahlt von Scheinwerfern. Ein Skelett, eingehüllt in eine rosafarbene Abendrobe. In der rechten Hand hält La Santisima eine Sense und eine Waage, in der Linken ruht eine Weltkugel. Elemente der aztekischen Kulte, im besonderen das Erscheinungsbild des Totengottes Mictlantekutli, verbinden sich mit der Ikonografie von Heavy-Rock-Plattencovers und der Bildsprache von Slasher-Filmen zu einer synkretistischen Götterfigur, die weniger an das barocke Vanitas-Motiv denken läßt als an eine säkulare Welt von ebenso brutaler wie trivialer Gerwaltausübung.

 Santa Muerte - die Verehrung der "Heiligen Frau Tod" ist in Mexiko populär und greift bis in vorchristliche Religionen zurück. Einerseits im katholischen Gewand, von der offiziellen Kirche aber auch kritisch beäugt und teilweise abgelehnt, ist sie längst zu einer eigenständigen, regionalen Tradition des Umgangs mit dem Tod für die Armen und Gefährdeten geworden, die sich auch auf vorchristliche Religionen zurück führen lässt. 

"Die Betrachtung des Schrecklichen, das Vertrautsein und das Gefallen am Umgang mit ihm bilden paradoxerweise einen der bemerkenswertesten Züge des mexikanischen Charakters", hat der Essayist und Nobelpreisträger Octavio Paz geschrieben. "Die blutbefleckten Christusfiguren in den Dorfkirchen, der makabre Humor mancher Zeitungstitel, die Totenwache - auch die Sitte, am 2. November Brötchen und Süßigkeiten zu essen, die Knochen und Totenschädel darstellen - sind Verhaltensweisen, die von Indios und Spaniern herrühren und mit unserem Wesen untrennbar verbunden sind. Unser Totenkult ist ein Lebenskult, wie die lebenshungrige Liebe Sehnsucht nach dem Tod ist. Die Neigung zur Selbstauslöschung leitet sich keineswegs von masochistischen Tendenzen, sondern von einer bestimmten Religiosität ab."

 

Heute ist nicht viel los beim Sanktuarium der Santisima: ein paar Blumensträuße liegen herum, kräuseln ihre welken Blätter. Jemand hat eine Bierdose auf dem Treppchen vor dem Glassarg deponiert, darauf eine angerauchte Zigarette. In einer Ecke zümngeln ein paar heruntergebrannte Kerzen und auch eine Tequila-Flasche bettelt um die Aufmerksamkeit der fleischlos grinsenden Göttin. Opfergaben, um die Wankelmütige günstig zu stimmen.

Aus dem Schatten der Alleebäume robbt ein Mann auf den Knien auf die Santa Muerte zu und schlägt verzweifelt die Hände über dem Kopf zusammen. Wir sprechen ihn an. Wie er heiße? Enrique, kommt die Antwort. Und weiter? Nur Enrique, das müsse genügen. Auch gut. Ob er oft hierherkomme? Ja, mindestens zwei-, dreimal die Woche. "Es por mi hermano!" Sein Bruder sei verhaftet wordenm, wegen eines bewaffneten Überfalles und nun ist la flaca die einzige Hoffnung, ihn vor lebenslangem Gefängnis zu bewahren. "Hier in Tepito kann man in jeder Sekunde umgebracht werden. Die Santa Muerte hilft dir zu überleben. Oder zumindest sorgt sie dafür, daß das Sterben nicht so schmerzhaft ist."

 

Der Ursprung des Kultes, der seit den 1980er Jahren ständig größere Kreise zieht und im spirituellen Leben von Tepito die katholische Kirche längst verdrängt hat, liegt einigermaßen im Dunkeln. Lokalhistoriker vermuten, daß Bilder der Santa Muerte zuerst im Stadtviertel von  Merced auftauchten und dann über das Zentrum in Tepito einsickerten. In gewisser Weise ist sie das dämonische Gegenbild zur Jungfrau von Gudadalupe, die als Schutzheilige Mexikos gilt und in Villa de Guadalupe inmitten eines Gestrüpps von Devotionalienkitsch in einer der größten Kirchen der Welt angebetet wird. "Die Leute hier bitten La Santa Muerte um Dinge, um die sie die Jungfrau von Guadalape niemals bitten würden", meint der Historiker Homero Ariudjis, "etwa um den Schutz bei einem Banküberfall oder einer Schießerei. Kinder flehen die Heilige an, ihre im Gefängnis sitzenden Väter zurückzubringen."

Im religionsversessenen und todessüchtigen Mexiko, wo am 2. November, dem Dia de los Muertos, die Skelette tanzen, die Seelen brennen zund die orangefarbene Blume Cempasuchitl den Weg zum Friedhof koloriert, ist es kein Wunder, daß eine neue synkretistische Heiligenfigur problemlos Aufnahme in den Pantheon der Götter und Götzen findet. Die katholische Kirche hat längst erkannt, daß sie Gefahr läuft, die Definitionsmacht über die transzendentale Sphäre in Mexiko zu verlieren und bekämpft die Santa Muerte deshalb erbittert. Ihre Bischöfe sprechen von "Scharlatanerie" und "Teufelskult" und erwirkten im Jahr 2005 sogar, daß der Religionsgemeinschaft "Iglesia Catolica Tradicional Mex-USA", die unter dem Deckmantel des Katholizismus die Santa Muerte verehrte, der Status einer Religionsgruppe entzogen wurde.

Doch für jeden Teilerfolg der Reconquista wachsen an anderer Stelle fünf neue Kulte nach: im Norden, an der amerikanischen Grenze, herrscht Jesus Malverde, der Heilige der Drogendealer, über die Seelen der Narcotraficantes, und im Bundesstaat Sinaloa wurde sogar eine Grillbude zur nationalen Pilgerstätte, weil nach dem Tod von Johannes Paul II. ein halbrohes Stück Fleisch unverkennbar die Gesichtszüge des vielgeliebten Papstes angenommen hatte.

Die Santa Muerte jedoch ist längst kein Objekt kurzfristiger religiöser Hysterie mehr, sondern eine Schattenkirche mit ausgefeilten rituellen und zeremoniellen Praktiken. Hunderte von Altären, die ihr zu Ehren errichtet wurden, gibt es allein in Tepito: in Wohnungen, Garagen und am Straßenrand. Manchmal ist die Santisima sogar auf Rädern unterwegs: eine Art Muertomobil.

An den Zeitungskiosken werden farbige Heftchen angeboten, in denen die Skelettgöttin in Dutzenden von Abbildungen zu sehen ist und der Leser Informationen über neueste Wundertaten der Santisima erhält. Und die Devotionalienshops bersten vor Statuetten der flaca in unterschiedlichen Farben, Formen und Größen. Der österreichische Künstler Stefan Lugbauer hat in Mexiko einen ehemaligen Gefängnisinsaassen namens Ramon - der Nachname bleibt natürlich im Dunkeln - interviewt, der über die Bedeutungen der Farbcodes spricht: weiß stehe für Reinheit und Liebe, Grün für Ruhe und Frieden, Gelb für Geld und Reichtum. "Am beliebtesten hier iun Tepito ist aber die schwarze Santa Muerte, weil man sie im Zusammenhang mit Wünschen gegen die Gesellschaft braucht. Ich meine damit für Verbrechen wie: Hilf mir und lass meine Kugeln das Ziel treffen, laß mich nicht gefangengenommen werden, töte den Typen, der hinter meinem Mädchen her ist."

 

Es ist Nacht geworden in Tepito. Enriqueta Romero, die Wächterin des Sanktuariums der Santa Muerte, schließt ihren kleinen Laden, in dem von Heilkräutern bis zu Postkarten mit dem Konterfei der Braut des Todes die ganze Palette an Kultgegenständen und Souvenirs rund um die Santa Muerte angeboten wird und dreht das Licht auf.

Mittlerweile haben sich noch ein paar Pilger eingefunden, die kleine Statuetten hoch über den Kopf halten und Gebete murmeln, darunter auch ein Polizist. Wenn das Verbrechen unter dem Schutz des Übernatürlichen steht, dann muß das Gesetz mit einem Gegenzauber antworten, um Waffengleichheit zu erzielen. Denn am dunklen Ende der Straße ist der Tod ständiger Begleiter: bleckende Visage des Nichts, unermüdlicher Saufkumpan, der beim letzten Tequila seine knochige Hand auf die Schulter des traurigen Säufers legt. Aus der Ferne weht eine Ranchera von Chavela Vargas herüber: "Tomate esta botella conmigo, en el ultimo trago me dejas" - "Trink diese Flasche mit mir, und nach dem letzten Schluck laß mich allein". Blitze der Ekstase in einer Fiesta am Rande des Nervenzusammenbruchs. Die Sense pfeift durch die Luft, ein Windhauch löscht die letzte Kerze aus. "Wenn wir vor der Explosion den Punkt höchster Spannung erreichen", schreibt Octavio Paz, "dann streifen wir den bebenden Scheitel unseres Daseins. Auf dem Höhepunkt unseres Wahnsinns erfaßt uns ein Schwindel: der Tod zieht uns in seinen Bann."

Mittwoch, 11. Februar 2009

Wieder ein Training mit 53/18 und hoher Frequenz, ich hab´s zweieinhalb Stunden lang durchgehalten, es geht aufwärts. Die Form kommt, aber ich muß aufpassen, darf mich nicht überanstrengen. Wenn der Körper ständig überbeansprucht wird, schlägt sich das auch auf die Psyche, die Motivation sinkt dramatisch. Und das soll´s ja nun auch nicht sein.

Donnerstag, 12.  Februar 2009: IN JEDEM WINKEL EIN TOTENKOPF (von Sabine Vogel)

Seit fast zwei Jahren feiert er einen unergründlichen Siegeszug in unserem Alltag. Von der Mode bis zur den Accessoires bis zur Kunst: allerorten grinst uns der Schädel entgegen.

Draußen wehen zwei Piratenflaggen vor dem Fenster. Im Kleiderschrank tummeln sich weitere Totenköpfe auf Socken und Hemden, als Tattoo auf den Armen der Kleinen und als Pickerl im ganzen Haus verteilt. Seit fast zwei Jahren feiert dieses Inbild von Tod und Vergänglichkeit einen unergründlichen Siegeszug in unserem Alltag. In der Welt der Mode und Accessoires von Lagerfeld bis Dior losgetreten, rollen uns die nackten Schädel mittlerweile bis in jeden Winkel unseres Hauses entgegen. Und nicht nur hier. Denn eine der vielen Niederlagen dieses Kunstsommers war die Erkenntnis, daß die zeitgenössische Kunst der Mode hinterherhinkt: überall Totenköpfe. Zwar hatten wenige Künstler/innen wie Georg Baselitz oder Sylvie Fleury bereits vor Jahren mit dem Motiv geflirtet, aber dieses Jahr grinst uns jetzt der Schädel dutzendfach entgegen.

Schon auf dem Weg vom Bahnhof zur Biennale Venedig empfängt uns ein riesiges Exemplar vor dem Palazzo Grassi, zusammengesetzt aus Aluminium-Schüsseln und -Töpfen und -Pfannen. Very hungry God nennt der indische Künstler Subodh Gupta seine Skulptur. Dann im Arsenale, ob bei Angelo Filomeno, Cheri Samba oder Jan Christiaan Braun, überall steckt ein Totenkopf drin. Paolo Canevari läßt ein Kind mit einem Schädel Fußball spielen, und selbst die Länderpavillons bleiben nicht verschont: Isa Genzken dekoriert einen Totenkopf mit Karnevalsmaske, und Lee Hyungkoo imn koreanischen Haus läßt ein Skelett als schwebenden Darsteller des Bühnenstücks "Pseudo-Wissenschaft und Realität" auftreten. In der Nachsaison dann toppt Damien Hirst das Totenkopf-Einerlei mit seiner gigantomanischen Version "For the Love of God".

Wieso ist dieses klassische Vanitas-Motiv, dieses Sinnbild für die Vergänglichkeit alles Irdischen, plötzlich so allgegenwärtig? Hat Hou Hanru recht, wenn er die diesjährige Istanbul-Biennale unter das Motto eines "globalen Krieges" stellt, dem wir mit Optimismus begegnen sollen? Sind Tod und die Nichtigkeit des Irdischen zum bestimmenden, globalen Lebensgefühl geworden? Ist der Totenkopf Ausdruck eines daraus erwachenden, neuen Interesses án Religionen, als ein in allen Kulturen verständliches Einheitssymbol? Oder beobachten wir nur eine endzeitliche Einfallslosigkeigt im Gleichschritt von Kunst und Mode in einem Jahrzehnt, das nach 8 Jahren noch immer keinen Namen, keinen Stil, keinerlei Kennzeichen aufweist und in seiner stilistischen Belanglosigkeit nur noch zu leeren Gesten fähig ist?

"Es ist alles eitel", titulierte Andreas Gryphius sein Gedicht, das als Motto über dem barocken Pathos zwischen Lebenslust und Todesnähe stehen kann, "Eitel", das heißt im Jahr 1643 noch "vergänglich" und "nichtig". Es ist die Zeit des Barock, geprägt durch den Dreißigjährigen Krieg, durch Seuchen und Katastrophen. "Carpe diem" (Nutze den Tag) und "Memento mori" (Gedenke des Todes) lauten die Leitsätze, und die Künste spiegeln dieses Leben zwischen Lust und Verderben wider. Den Vanitas-Symbolen, wie flackernde Kerzen und Sanduhren für die Flüchtigkeit der Zeit, leere Gläser und zerbrochenes Geschirr, Totenköpfe und Verderber wie Spinnen, Skorpione, Schnecken für Tod und Vergänglichkeit, stehen in den zahlreichen Stilleben. Spiegel, Schmuck, Dosen nund Uhren  als Symbole für Luxus und Leben zur Seite. Ende des 20. Jahrhunderts dann feiern einige dieser Motive ihre Wiederkehr im Jugendkult von Punk bis Grunge, von Horrorfilmen bis Hollywood und triumphieren nach der Jahrtausendwende im Kinderzimmer.

Zwar haben wir Heutigen das Leben immer noch so wenig in der Hand wie im Barock, dafür aber glauben wir an einen Sieg über die Vergänglichkeit. Schönheitschirurgie und irgendwann Neuro-Medizin oder Genmanipulation machen es möglich. Darum muß der ehemalige Mahner an die Schattenseiten des lustigen Lebens nicht nur auf Kindersocken verharmlost, sondern konsequent mit neuen Assoziationen besetzt werden.

8601 Diamanten zieren Damien Hirsts lebensgroßen Platin-Totenkopf. Dicht nebeneinander bis in die Nasenhöhlen funkeln die Edelsteine. Produktionskosten mehr als 16 Millionen Euro, Verkaufspreis: 74 Millionen Euro, die allerdings niemand aufbringen wollte, und so erwarb der britische Künstler als einzig bekannter Teilnehmer eines stillen Konsortiums sein eigenes Werk. Das ist weitaus trauriger als skandalös und paßt perfekt in die Neudeutung, die den Schein über das Sein dominieren läüßt. Die Erinnerung an Vergänglichkeit wird ersetzt durch das Versprechen auf ein Leben voller Lust und Luxus. Diese zeitgenössische Wahrnehmung verkauft uns den Sieg über den Tod - durch Schönheit. Und wer sonst als Kunst und Mode sollten dafür zuständig sein? Eine käufliche Schönheit natürlich, erwerbbar wie Diamanten oder Silikon und Botox. Und begleitet von gewinnbringenden Marketing-Streichen. Hirsts Skulptur ist nur der Aufmacher, das Bild für die Medien. Verkauft werden die Poster, T-Shirts mit fotografiertem, gezeichnetem, großem und vielen kleinen Schädeln, Drucke mit aufgeklebtem Diamantenstaub und Motivvariationen, von rund 1.300.- Euro aufwärts, in einer Auflage von 1700 Exemplaren. Von der Kunst zurück in die Mode wandert das Motiv jetzt wieder, seit Hirst für eine Jeansfirma eine Variation mit Swarovski-Steinen für 4.000.- Euro die Hose entwarf, präsentiert in seiner New Yorker Galerie. Eine interessante Zuschreibung für Lifestyle-Galerien: ein Laufsteg für Eitelkeiten. Welches Motiv könnte da besser passen als eben der Totenkopf?

 

Die Fahne vor dem Fenster stammt übrigens von einem höchstpreisigen Gasthaus auf Sylt. Freibeuter brauchen heute längst keine Schiffe mehr, die Interessen bleiben dieselben, auch wenn dafür niemand sterben muß. Jedenfalls nicht sofort.

Freitag, 13. Februar 2009

Scheiße! Seit zwei Tagen plagen mich solche Rückenschmerzen, daß ich mich nicht rühren kann. An ein ein Training ist nicht zu denken. Bisher habe ich aber so gut trainiert, daß ich zwei, drei Tage Pause wahrscheinlich verschmerzen kann. Hoffentlich dauert das nicht länger.

Samstag, 14. Februar 2009

Heute konnte ich endlich wieder trainieren, das Wetter war auch okay, 2° C, aber leider ein Sturm aus N bis NW, ich bin rauf nach Mixnitz gefahren, auch wieder eine meiner Standardstrecken. Die erste Hälfte war bei extrem starkem Gegenwind, ich bin wieder 53/18 gefahren, aber keine Spur von hoher Frequenz, ich mußte zeitweise sogar aufstehen, um mit 19 bis 21 km/h gegen den Wind anzukämpfen. Nicht am Berg wohlgemerkt, sondern in der Ebene! Nach 49 km hatte ich den Wendepunkt erreicht, den Kreisverkehr bei der Abzweigung Richtung Breitenau, dafür hatte ich 1:58´ Stunden gebraucht, das war ein Schnitt von gerade mal 24,8! In der Rückfahrt konnte ich dann endlich hohes Tempo fahren, immer über 30, mit Rückenwind, das Problem war nur die Distanz. Ist erfreulich gut gelaufen. Nach 98,3 km und 3:34´ Stunden war ich wieder daheim, Schnitt 27,5. Mal abwarten, wie morgen das Wetter wird, wenn wieder so einigermaßen trocken wie heute, dann ist endlich mal ein Hunderter fällig. Die Rückenschmerzen waren heute im Training wie weggeblasen, davor und danach ganz leicht spürbar.

Sonntag, 15. Februar 2009

Zwar schönes und trockenes Wetter heute, aber ein arktisch kalter  Sturm bläst aus N und NW - es hat gerade mal 1° C! Ich fahre trotzdem heute, allerdings erst am Nachmittag. Wieder kämpfe ich mich nach Norden, zunächst nach Eisbach/Schirning bis zum Weizberg, dann zurück und rein nach Großstübing und zu guter letzt noch ráuf nach Frohnleiten. Richtung Norden muß ich meist aus dem Sattel gehen, werfe mich mit voller Kraft gegen den Sturm - doch wenn ich aufstehe, biete ich dem Wind nur noch mehr Angriffsfläche! Auf den letzten 20 km spüre ich dann die Anstrengung von gestern, ich rette mich aber gerade noch mal zurück nach Graz. 104 km, Schnitt 26,5, mehr war da nicht drin. 3:54´ Stunden war ich unterwegs, ich fühle mich dann danach doch viel besser. Es war schon richtig, heute 4 Stunden  hinzuhalten. Ich habe schwere Beine, die paar Stufen aus dem Keller rauf tun richtig weh. Danach für hzwei Stunden in die Badewanne, im heißen Wasser richtig entspannen, das tut gut.

FIT DURCH KÄLTE

Es ist relativ neu, daß Kälte den Sportlern hilft, fit zu werden. Zwei Minuten bei minus 120 Grad, das bringt sie in eine optimale Ausgangsverfassung für den Wettkampf. Die Sauerstoffversorgung und die Blutumverteilung wird deutlich verbessert. Durch die Kälte wird nicht nur Energie gespart, sondern auch die Leistung wird verbessert - meinen die Ärzte.

Eisschwimmen   

Sind das die neuen Trainingskurse und Trainingslager? Ich weiß nicht, gerade heute ist mir nach solchen Scherzen gar nicht zumute.

BOOM BEI SPIONAGE-KAMERAS

Und damit wären wir wieder bei meinem derzeitigen Lieblingsthema, der digitalen Überwachung. In Öszterreich gibt es 500 registrierte Anlagen. Und rund 199.500 illegale.

Die Österreicher sind leidenschaftliche Filmer. Einrichtungen zur Videoüberwachung boomen. So stieg die Zahl der im Datenverarbeitungsregiser (DVR) gemeldeten Anlagen seit 2006 von 100 auf knapp 500, Tendenz weiter steigend. Zum Vergleich: die Polizei betreibt in ganz Österreich gerade einmal an 14 Standorten fixe Überwachungskameras. Die Systeme von Wiener Linien und ÖBB, die in Zügen und Stationen aufzeichnen, sind auf einige hundert Kameras beschränkt. Zudem wurden diese Anlagen von den Behörden mit strengen Sicherheitsauflagen bedacht.

 

Die Zahl der gemeldeten Privatanlagen stellt jedoch nicht einmal die Spitze eines gigantischen Eisberges dar. Experten schätzen die Zahl aller Systeme auf 200.000. Weil aber jede einzelne Kamera, die zum Zwecke der Personenidentifizierung Bilder auf Band oder Festplatte speichert, laut Datenschutzgesetz genehmigungspflichtig ist, spähen 199.500 elektronische Augen nicht legal. Wirklich interessieren tut das kaum jemanden: die Sensibilität für Eingriffe in die Grundrechte ist gering. Dabei kann sich theoretisch jeder Bürger an der Jagd auf "Schwarz"-Filmer beteiligen. Sobald eine Überwachungsanlage nicht im DVR aufscheint, kann sie bei der zuständigen Bezirksbehörde angezeigt werden. Die Strafen betragen bis zu 9.445.-. €. Allerdings: selbst Datenschützern sind nur sehr wenige ausjudizierte Verfahren bekannt.

Videoüberwachung wird erst seit wenigen Jahren in großem Stil betrieben. Entsprechend sorglos ausgeprägt sind sowohl das Unrechtsbewußtsein bei den Filmern, als auch das Problembewußtsein bei den Gefilmten. Die Ressourcen der DFSK reichten einfach nicht aus - beispielsweise in den Villenvierteln der Vorstadt -, um sich auf die Suche nach illegalen Kameras zu machen.

Das Argument der Gefilmten, "ich habe nichts verbrochen, ergo habe ich nichts zu verbergen", wird in der Regel erst überdacht, wenn man durch die Überwachung in Bedrängnis gerät. Beispielsweise dann, wenn die eigene Frau ein anonymes e-Mail bekommt, das auf ein Video der Internet-Plattform youtube.com verlinkt, welches den Ehegatten beim Flirten im Eissalon mit einer unbekannten Schönen zeigt. Die Möglichkeiten solcher Systeme reichen von harmlosen Beleidigungen bis hin zur handfesten Erpressung. Um die Rechtsunsicherheit privater Videoüberwachung einigermaßen in den Griff zu bekommen, haben sich SPÖ und ÖVP deren Regelung sogar ins Regierungsprogramm geschrieben, ein Gesetzesentwurf ist in Ausarbeitung. Man wünscht sich für die Zukunft Systeme, bei denen die Überwacher nur dann Zugriff auf die Videos haben, wenn dies eine übergeordnete Stelle erlaubt und stichhaltige Gründe (etwa die Aufklärung eines Diebstahls) vorliegen. Entsprechend versiegelte Anlagen gibt es bereits am Markt. Das würde das Mißbrauchspotential senken und gleichzeitig eine Genehmigungspflicht für private Überwacher unnötig machen. Ebenfalls diffus geregelt ist, wie das Videomaterial weiterverwendet werden darf. So kann beispielsweise ein Geschäftsbesitzer zur Aufklärung eines Diebstahls der Polizei von sich aus das Material übergeben, umgekehrt ist er jedoch nicht dazu verpflichtet, wenn die Polizei ihn dazu auffordert. Weiters müssen Betreiber von Überwachungsanlagen Kunden und Passanten ausdrücklich darüber informieren, daß sie gefilmt werden. Allerdings: geschieht dies nicht, hat das vor Gericht kaum Konsequenzen. So wurde Saliera-Dieb Robert Mang durch eine nicht korrekt kundgemachte und registrierte Videokamera überführt, die ihn beim Handy-Kauf filmte.

Das steigende Sicherheitsbedürfnis beschert der Wirtschaft gute Umsätze. Nachfrage und Umsätze im Bereich Videoüberwachung steigen rasant. Nachsatz: allerdings wissen die meisten Kunden nicht, daß sie sich in einem rechtlichen Graubereich bewegen. Vergleichsweise klare Regeln gibt es für die Videoüberwachung durch die Polizei. Jede Aktion muß von einem Richter genehmigt und von einem unabhängigen Rechtsschutzberauftragten begleitet werden. Man achtet sehr genau darauf, daß die Datenschutzrechte unschuldiger Dritter bei Überwachungsaktionen nicht verletzt werden. Sehr selten, aber doch, kommt es vor, daß vom Einspruchsrecht Gebrauch gemacht und eine Aktion völlig verhindert wird.

Montag, 16. Februar 2009

Das Training geht weiter, bin heute wieder mit 53/18 gefahren, 54 km allerdings nur, 1:52´, Schnitt 29,1. Es war kalt, nur 2°, aber ein eisiger S-Wind (irgendwie komisch, normalerweise müßte der doch aus dem Norden kommen?) hat das alles noch viel kälter erscheinen lassen. Da ist dann die Motivation gefragt, man muß sich halt noch mehr überwinden.

Dienstag, 17. Februar 2009

Heute war es noch kälter, nur mehr 1°, bin wieder 54 km gefahren, 1:54´, Schnitt 28,2 km/h, im Moment fahre ich mit der härteren Übersetzung von 53/18 (vorher bin ich ja mit 53/19 gefahren) mehrere hochfrequente Intervalle über 20 Sekunden, 1 Minute und 3 Minuten, dazwischen rolle ich locker dahin. Das Ganze spielt sich im Flachen ab.

Donnerstag, 19. Februar 2009

Der Wind hört einfach nicht auf, heute wieder sehr starker N-Wind, ich bin 63 km gefahren, 2:10´, Schnitt 29,3 km/h, bin auch ein paar Intervalle gegen den Wind gefahren, aber nur kurze über max. 1 Minute, dafür ein paar maximale Sprints über 20 Sekunden, da bin ich schon auf über 60 km/h gekommen, sogar gegen den Wind. Ich war am Ende völlig geschlaucht und fix und fertig. Die gut 2 Stunden Fahrtzeit waren gut ausgefüllt, ich hätte nicht viel länger fahren können.

Samstag, 21. Februar 2009

Heute war es ungewöhnlich warm, anfangs gar 12°, das war so ungewohnt, daß ich es gar nicht glauben konnte. Bin sogar ohne Handschuhe losgefahren, mußte sie mir dann aber doch bald überziehen. Als ich dann nach gut zwei Stunden wieder daheim war, hatte es doch schon auf 4° abgekühlt. Gut, es war ja auch Abend geworden inzwischen. Die Form ist schon ganz gut, das kann ich ohne Übertreibung sagen. Ich fahre meine Intervalle, und obwohl ich da voll in den roten Bereich reinfahre, bin ich sehr schnell wieder draußen. Das untrügliche Zeichen einer sehr guten Form. Die Übersetzung von 53/18 ist auch nicht mehr wirklich ein Problem. Bin heute ein paar Bergauf-Intervalle gefahren. Klingt vielleicht ein wenig übertrieben, weil ich insgesamt gerade gute 280 Höhenmeter gefahren bin, aber das waren allesamt nur so sanfte Überfahrten, das erste bin ich beim Kreisverkehr in Kalsdorf Richtung Unterpremstätten gefahren, das nächste dann beim Schwarzl-Zentrum Richtung Unterpremstätten, und auch am Kehlsberg bin ich in den roten Bereich reingefahren, und zwar hatte ich dort oben 194 Puls. Unten von Kaindorf rausn auf die Hauptstraße Richtung Tillmitsch noch ein Bergauf-Intervall, danach noch der Murberg von Lebring nach Wildon, die anderen Intervalle waren alle auf flachem Gelände. Gefahren bin ich alle mit 53/18. Insgesamt 84,5 km, 2:58´, Schnitt 29,3 km/h. Bin sehr gut motiviert, fühle mich gut und stark und frisch.

Abends hat es dann leider leicht zu regnen und zu schneien begonnen, und der Wetterbericht für morgen war nicht so, wie ich mir das vorgestellt habe. Sofort habe ich noch am Abend meine Sachen zusammengepackt, morgen werde ich nach Friaul runterfahren.

Sonntag, 22. Februar 2009: TRAINING IN FRIAUL

Bin heute bis Venzone runtergefahren, kurz vor Gemona, und habe dort meine Trainingsrunde gestartet. Bin runter bis Magnano, dann rein nach Tarcento, weiter über Nimis, Qualso und Primulacco nach Povoletto und runter bis Cividale, dann weiter über Buttrio und Manzano nach Medeuzza und Palmanova, von dort dann wieder Richtung Norden zurück, links an Udine vorbei, durch Mortegliano, Lestizza, Basiliano und Fagagna rauf nach San Daniele, dort habe ich mich an eine Gruppe Hobbyfahrer angehängt, die sind runter zum Tagliamento gefahren und rüber nach Peonis, ich natürlich mit, bin da aber nur am Hinterrad mitgefahren. Weiter ging´s nach Norden über Trasaghis und Bordano, dann sind sie über den Interneppo ins Schmetterlingstal rüber, ich bin dort weggeschwenkt und die letzten 5 km flach nach Venzone rübergefahren. Insgesamt also waren das heute 151 km, Fahrtzeit 4:52´, Schnitt 30,9 km/h. Es war natürlich auch kein Sommerwetter, es war bedeckt, aber immerhin 11°, das war doch sehr vierl besser als daheim, gleich nach der Grenze, noch vor Arnoldstein, war ich wieder im Winter. Es hat geschneit die ganze Heimfahrt über bis Graz.

Blick auf Venzone

Viele werden sich fragen, ob sich das überhaupt dafürsteht, für ein einziges Training 50.- € auszugeben. Da bin ich natürlich der völlig Falsche, denn ich antworte mit einem ganz klaren Ja. Den Unterschied werden wir ja dann in der Saison sehen. Aber wahrscheinlich ist gerade diese Konsequenz der Unterschied zwischen einem Lizenz- und einem Hobbyfahrer. Und mit dieser Bezeichnung meine ich jetzt nicht das, was auf der Lizenz draufsteht, sondern die Einstellung. Die MUSS einfach professionell sein, sonst steht sich ja der ganze Aufwand nicht dafür. Und heuer fühle ich mich wieder ein ganzes Stück gesünder, damit meine ich das Knie, insgesamt gesehen raufe ich mit meinen Rückenschmerzen herum. Im Moment aber geht´s wieder so halbwegs, da bin ich dann ganz optimistisch. Naja, insgesamt fünf Stunden am Rad und fünfeinhalb Stunden im Auto gesessen, mit Umziehen war ich 11 Stunden unterwegs heute. Ist sicherlich ein Aufwand, den man nicht alle Tage machen kann.

Montag, 23.  Februar 2009

Heute bin ich hochmotiviert gleich den nächsten Hunderter gefahren. Über Kalsdorf, Unterpremstätten, Dobl, Lannach, Mooskirchen und Stallhofen nach Geistthal - richtig, wieder mal die "Geistthaler Runde!" - über den 3 km langen Anstieg rüber ins Stübinger Tal, und über Gratkorn zurück nach Graz. 108 km, Fahrtzeit 3:40´, Schnitt 29,4, gefahren bin ich wieder mit 53/18. Interessant war dabei der 3 km lange Anstieg ab Geistthal. Zu dieser Jahreszeit bin ich dort ganz selten erst unter 9 Minuten gefahren, und das nur mit Windunterstützung. Da ich auch den Anmstieg aber mit 53/18 hochgefahren bin, war ich natürlich nicht optimal übersetzt, ich hab´s als willkommenes Krafttraining gesehen und bin dennoch in 8:48 raufgefahren, bei optimaler Übersetzung wäre ich wohl eine gute halbe Minute schneller gewesen. Dort oben hatte ich einen Gesamtschnitt von 27,9, daheim in Graz waren es dann wieder 29,4, das Finale war also auch ganz schön schnell, ich bin da nicht eingebrochen, habe die gestrige Einheit nicht nachteilig gespürt. Es war allerdings windstill, 4°, bedeckt, aber eben vom Wetter her war´s okay.

Dienstag, 24. Februar 2009

Sauwetter heute, aber ich bin dennoch gefahren. Allerdings nicht die geplanten 4 Stunden, sondern nur knappe 2 Stunden, denn es hat geschneit und geregnet, die Straße war naß, und jetzt eine Infektion zu riskieren, wäre wirklich saudumm. Das steht nicht dafür, daher habe ich das Training abgebrochen, bin nach 56 km wieder daheimgewesen und hab´ mich dann am späten Nachmittag im Keller noch eineinhalb Stunden auf den Ergometer gesetzt und bin dort einige Intervalle gefahren. Heute ist es etwas zäh vorangegangen, aber das ist vielleicht auch auf das naßkalte Wetter zurückzuführen.

Noch zwei Wochen bis zum Saisonstart. Rein gefühlsmäßig bin ich mit dem Training etwas spät dran, ich darf halt jetzt keinen Fehler mehr machen, darf mir auch keine V erkühlung leisten, dann wird´s schon hinhauen. Zumindest das erste Rennen, das dürfte wirklich kein Problem sein. Da ist das zweite, die Gardasee-Rundfahrt am 15. März, mit den 155 km schon eine ungleich größere Herausforderung.

Mittwoch, 25. Februar 2009

Also, wahrscheinlich habt ihr das ja schon gemerkt, daß es sich hier um eine ganz intensive Woche handelt. Ich habe heuer kein Trainingslager absolviert, also muß ich das Pensum wohl oder übel daheim machen. Seit vergangenen Freitag fahre ich täglich, habe in den letzten fünf Tagen achtzehneinhalb Stunden am Rad gesessen und habe dabei 603 km zurückgelegt. Heute war ich - bei sehr mildem Wetter, aber leichtem SO-Wind und angenehmen 6° C - über Kalsdorf, Wildon, Weitendorf, Dietersdorf und Dobl nach Lannach gefahren, weiter nach Fluttendorf, Bubendorf, zurück nach Mooskirchen, eine kleine Schleife über Söding, Pichling und Berndorf zurück nach Söding, dann über Lannach und Unterpremstätten nach Kalsdorf, Hausmannstätten und über Raaba zurück nach Hause. Das waren 93 km, die ich in 3:15´ Stunden gefahren bin (Schnitt 28,6). War ein komischer Tag heute, denn die erstenn zweieinhalb Stunden bin ich wie in Trance gefahren, wahrscheinlich hab ich da geschlafen, denn ich kann mich an absolut gar nichts mehr erinnern, war völlig weggetreten. Im Finale war ich aber dann frisch und munter, habe mich danach dann auch gar nicht müde und abgekämpft gefühlt. Die Pulswerte waren auch nicht sonderlich hoch, der Schnitt lag bei 132, das Maximum bei 166, das bin ich bei der Lannacher Umfahrungsstraße auf der Steigung gefahren.

Donnerstag, 26. Februar 2009

Brauche mal eine kleine Pause, daher bin ich heute keine so lange Runde gefahren, dafür aber zwei kurze, intensive. Mittags eine 45-km-Runde in 1:27´ (31 km/h), und abends dann eine 53-km-Runde in 1:49´ (29,0 km/h). Bin am Vormittag mit 53/20 gefahren, am Abend dann mit 53/18, beide Strecken waren flach. Das Wetter war nicht schlecht, trocken, leicht windig, 5° und abends dann 2°. Noch eineinhalb Wochen bis zum ersten Rennen. Die Fragen sind in einem solchen Moment jedes Jahr dieselben: habe ich genug trainiert? Wird es ausreichen? Werde ich abgehängt?  Bin ich stark genug? Will ja eh nicht gewinnen, nur mithalten im Feld, in einer hinteren Gruppe, nur nicht Letzter werden! Ich hab mittlerweile relativ klare Erwartungen an diesen Saisonauftakt: das werden eineinhalb Stunden flache Strecke sein, starker Wind, viele technisch schwache Fahrer, aber auch ein paar ganz starke, das heißt, es wird sich wohl sehr bald eine kleinere Gruppe absetzen. Die Frage heißt: bin ich in der Position und in der Lage, da mitzufahren? Wenn ja, dann werde ich wohl ganz vorne landen, wenn nein, wird es eine Trainingspartie im Hauptfeld werden. Wobei das Hauptfeld die Minimalvorgabe ist. Die Form fühgle ich langsam kommen, hoffentlich geht es sich in den verbleiubenden ein einhalb Wochen noch aus, sie zu festigen.

Das Ungewisse ist ja in meinem Fall, wie kann ich ein jahrelang erprobtes und bewährtes Wintertraining, das im Normalfall eben 4 Monate lang ist (November bis Februar), diesmal auf zweieinhalb Monate reinpressen? Ich muß was weglassen, ich muß kürzen, das ist logisch, aber was lasse ich weg? Grundlage? Ausdauer? Intervalle? Berg? Oder kürze ich überall? Oder trainiere ich normal wie immer und schaue einfach, wie weit ich komme? Da ich mich sowieso nicht auf das Wetter ausreden kann, hat es auch etwas Gutes: ich kann nämlich ganz exakt planen. Das dann durchzuziehen, wird schon schwieriger. So eine intensive Woche wie jetzt will auch vorbereitet sein, denn ich kann ja nicht einfach drauflosfahren, dann liege ich nach zwei oder drei Tagen flach. Die Anforderung genau zu timen, das ist wie der Ritt auf einer Rasierklinge. Ob es geklappt hat, werde ich frühestens am 8. März sehen. Bis dahin muß ich mich mit Gefühlen, Empfindungen und Einschätzungen begnügen.

Die Bergintervalle lasse ich mal links liegen, die sind im Moment noch nicht so wichtig. Und ich halte auch gar nichts davon, hektisch und nervös einen Salat und Topfen zusammenzufahren, Kraut und Rüben in einen Eintopf zu werfen. Da halte ich es eher mit einer - individuell auf mich modifizierten - Art des Blocktrainings von Chris Carmichael. Gut, der fährt sieben Wochen Sprints, sieben Wochen Berg, sieben Wochen Zeitfahren, da hätte ich ja gleich im November beginnen müssen. Da muß ich halt das für mich richtige Intervall rausfinden. Aber heute Ausdauer, morgen Sprint, übermorgen vormittag Berg, am Nachmittag Zeitgfahren, das ist eindeutig zu viel. Im Endeffekt läßt da eine Formsteigerung sehr auf sich warten.

Freitag, 27. Februar 2009

Und weiter geht´s mit dem Ausdauer-Block. Das Wetter hat heute wieder gepaßt, ich habe in dieser Woche jetzt wirklich großes Glück mit dem Wetter. Heute bin ich noch mal eine flache Einheit gefahren, rauf zum Mixnitzer Kreisverkehr und wieder zurück, 109 km in 3:47´ bei sehr starkem N-Wind, aber milden 8 Grad.

Samstag, 28. Februar 2009

Habe heute gerade noch im allerletzten Abdruck um 10.05 Uhr vormittags die Vychodil-Partie erwischt, wir sind dann nach Süden gefahren. Anfangs waren wir etwa 15 Mann, ein stolzer Haufen, aber nur zu elft sind wir die Führungen gefahren. Ich habe mich da nicht gedrückt, wir sind dann mit 37 bis 40 km/h nach Süden gebraust, über den Kehlsberg, über Jöss und Kainach runter bis Mureck, dort hat man dann schon Unterschiede gemerkt, wir haben uns nur mehr zu acht die Führung geteilt, einige waren schon abgerissen oder irgendwo zur Seite abgebogen. Über Ratschendorf und Wieden sind wir dann rauf nach Straden, dort hat Robert I (Pollitsch) vor Robert II (das bin ich) das Tempo gemacht, ich bin ihm nachgefahren, und habe mich gewundert, wie locker und leicht mir dieser Anstieg gefallen ist. Dafür, daß ich den ganzen Winter über nichts am Berg trainiert habe, war ich wirklich erstaunt über meine Form. Ich hatte eigentlich mit einer Distanz von 100 bis 120 km heute gerechnet, aber da wir dort schon an die 100 km unterwegs waren, war mir auch klar, daß es heute sehr viel länger wird. Und so habe ich ab Straden nichts mehr geführt, bin hinten am Ende der Gruppe mitgefahren, mit dem Wünscher Hans, der auch dort hinten herumgeritten ist. Ám Gleichenberger Kogel wieder dasselbe Bild, Robert I vor Robert II, und wieder ist es mir so überraschend leicht gefallen, da mit ihm mitzufahren. Gut, die anderen sind nicht voll gefahren, das weiß icih wohl, aber ich auch nicht, und für mich war es ein allererster Vergleich heuer am Berg. Zum Frühstück habe ich nur ganz schnell - weil ich viel zu spät dran war - 10 Minuten vor dem Start zwei kleine Dinkelweckerl runtergedrückt, das war natürlich zu wenig, ich hatte nicht mal eine Trinkflasche mit.

Nach 120 km haben wir bei einer Tankstelle einen Getränkestop eingelegt, ich habe eine Flasche Gatorade runtergeleert, daraufhin hat es im Wanst verdächtig geblubbert. Weiter ist es dann nach Norden gegangen, rauf bis Gleisdorf, ich immer hinten dran, das Tempo unvermindert hoch. Vor Eggersdorf hat sich die Gruppe dann geteilt, der Krebs Peter ist mit einem Teil über Eggersdorf gefahren, ich mit dem anderen Teil über die Ries. Und dort hat man dann abermals dasselbe Bild gesehen, Pollitsch vorne, ich dahinter, der Rest abgeschlagen, aber ich war dann danach wirklich etwas angeschlagen, und so war ich heilfroh, daß es ab der Schemerlhöhe nur mehr bergab gegangen ist. Heute bin ich stolze 161 km gefahren, die 4:52´ Stunden Fahrtzeit waren ein Schnitt von 33,2 km/h.

Sonntag, 1. März 2009

Heute war der letzte Tag dieses Ausdauerblocks, heute habe ich - wieder mal - verschlafen und dadurch die Vychodil-Partie ganz klar verpaßt. Scheiße! Deshalb mußte ich diesmal alleine fahren, und weil ich die gestrigen Kilometer anfangs ganz stark gespürt habe, war das ein ziemlich mühsames Unterfangen. Es war zwar wieder sehr warm, 12° beim Start um 10.20 Uhr, danach hat es bis 16° aufgewärmt. Ich bin rauf b is Peggau, bin dort zwei Runden über das Deutsch-Fesitritzer Umspannwerk gefahren, dann zurück bis Friesach und rein ins Stübinger Tal. Dort war ich richtig aufgedonnert, bin mit 28 bis 32 km/h raufgefahren, erst díe Geistthaler Höhe hat mich etwas gebremst. Mit 27,0 km/h Schnitt bin ich dort oben drübergefahren, dann ging´s runter nach Geistthal und weiter bis Stallhofen. Rechts rum und rauf auf die Ruppbauern Höhe, dort war ich in 7:17 Minuten oben, dann runter nach Krems und auf der Bundesstraße raus bis Söding. Ganz langsam ist diese bleierne Müdigkeit aus den Beinen verschwunden, ich bin rüber nach Mooskirchen und dann rauf nach Lannach. Über Dobl, Dietersdorf, Unterpremstätten und Gradenfeld ging es weiter bis Kalsdorf, rüber nach Hausmannstätten und über Raaba zurück nach Graz. Diesmal waren es "nur" 137 km, die 4:54´ Stunden waren ein Schnitt von 28,0.

Die lange Ausdauerwoche ist damit heute zu Ende gegangen, und die statt eines Trainingslagers eingelegte Woche hier noch mal kurz im Überblick: 

DATUM DISTANZ FAHRTZEIT SCHNITT HÖHENMETER
Sa, 21. Febr.      87,1 km   2:58´ 29,3    280 Hm
So, 22. Febr.    151,3 km   4:52´ 30,9    395 Hm
Mo, 23. Febr.    107,9 km   3:40´ 29,4    570 Hm
Di, 24. Febr.

     56,2 km

     54,0 km

  1:58´

  1:39´

28,7

33,1

     85 Hm

 

Mi, 25. Febr.      93,2 km   3:15´ 28,6    240 Hm
Do, 26. Febr.

     45,2 km

     53,5 km

  1:27´

  1:49´

31,0

29,2

   115 Hm

   135 Hm

Fr, 27. Febr.    108,9 km   3:47´ 28,7    260 Hm
Sa, 28. Febr.    161,5 km   4:52´ 33,2    655 Hm
So, 1. März    137,2 km   4:54´ 28,0    700 Hm
GESAMT 1.056,0 km 35:11´ 28,8 3.435 Hm

STRASSENMEISTERSCHAFT 4. AUGUST 1979 IN MÖDLING

Die Straßenmeisterschaft 1979, das war ein Rennen! Unwetter, Hagel, Regen, Sturm, Kälte, die ganze Wetterpalette rauf und runter! Ich erinnere mich noch, daß in den Zeitungen keine Fotos waren, weil es zu DUNKEL war zum Fotografieren! Und erst das Ergebnis! Herbert Spindler war der große Favorit, Karner und Summer die Ko-Favoriten. Von Mödling ging es nach Sittendorf, wo ein 16,4 km-Rundkurs 9mal zu fahren war (Dornbach-Grub-Duchelbach-Schusternazl-Wöglerin-Sulz. Bundestrainer Karol Madaj hatte schon im März den selektiven Kurs besichtigt und von den Organisatoren verlangt, daß die Distanz von 160 auf 176 km verlängert wird. Und gewonnen hat dann der 19jährige Manfred Horvath aus Sollenau, der noch B-Fahrer war. Während sich die Puch- und die Salzburger Raleigh-Fahrer nicht aus den Augen ließen, wurde auf den "Hasenstall" vergessen. Horvath, Lienhart, Zellhofer, Krenauer und Traxler waren dann vorne. Das Spitzentrio Lienhart (der die meiste Arbeit verrichtete und für den großen Vorsprung von über 4 Minuten verantwortlich war), Zellhofer und Horvath kam ungefährdet ins Ziel nach Mödling, die beiden starken Sprinter Lienhart und Zellhofer belauerten sich, als Horvath überraschend antrat und sich den Sieg sicherte.

Vorne im roten ARBÖ-Trikot von links: Paul Popp, Karl Krenauer, Franz Spielauer

Von den 97 Startern kamen nur 21 ins Ziel. Und unter den 76 Ausgeschiedenen war natürlich auch ich. Dabei hatte ich mich gar nicht mal so schlecht gefühlt, aber ein Laufraddefekt hatte mich zur Aufgabe gezwungen, an einem der zahlreichen Schlaglöcher war meine Hinterradfelge gebrochen. Gut, ich hätte ganz sicherlich in diesem Rennen nichts ausrichten können, aber es ist immer dumm, wenn man auf eine solche Art ausscheidet. Aber wenigstens war es bis dahin noch trocken gwewesen.

Straßenmeisterschaft 1977, von links: Meister Hans Summer, Zweiter Leopold König, Dritter Peter Muckenhuber

Ergebnisse: 1. Manfred Horvath (ARBÖ UHL-Theresienfeld) 176 km in 4':40:17 (Schnitt 37,68 km/h), - 2. Hans Lienhart (RC Union Raiffeisen BLV-Steiermark), - 3. Kurt Zellhofer (ÖAMTC Hasko-Colnago), alle gleiche Zeit, - 4. Hermann Mandler (ÖAMTC Hasko Colnago) -0:58, - 5. Franz Spielauer (RC Union Schartner Bombe), - 6. Karl Krenauer (ARBÖ Sparkasse Neunkirchen), - 7. Johann Traxler (RC ARBÖ Kneuer Linz), alle gleiche Zeit, - 8. Helmut Wechselberger (RC Union Kaufhaus Tyrol) -3:19, - 9. Hans Summer (RC ASKÖ Puch Knittelfeld) -4:11, - 10. Herbert Spindler (RC ARBÖ Raleigh Salzburg), gleiche Zeit

Leider ist der Sieger, Manfred Horvath, bald darauf an einem Herzinfarkt verstorben und konnte sein Talent eigentlich nie so richtig unter Beweis stellen.

BERG-STAATSMEISTERSCHAFT AM 22. SEPTEMBER 1979 MURAU - FRAUENALPE

Und weil´s so gut paßt, nehme ich auch gleich die dritte Staatsmeisterschaft jenes Jahres mit, die Bergmeisterschaft am Samstag, 22. September, ein Tag nach meinem 22. Geburtstag. Es war ein durchaus schöner, angenehmer Herbsttag, obwohl bedeckt, aber mit milden Temperaturen. Erst im Laufe des Rennens begann es leicht zu nieseln. Der große Favorit war Rudi Mitteregger, der am Wochenende davor das Bergrennen am Schöckel um die Steirische Landesmeisterschaft ganz überlegen gewonnen hatte. Und in Murau holte sich der 35jährige Mitteregger den dritten Bergmeistertitel seiner Laufbahn, dabei nahm er dem Zweitplazierten, seinem Teamkollegen Harry Maier, gleich 1:09 Minuten ab. Ich habe mich irgendwo im letzten Drittel herumgequält, kann mich aber erinnern, daß ich einige abgehängt habe, die mich das ganze Jahr über geschlagen haben.

Rudi Mitteregger (links) mit Betreuer Kurt Schneider

Fenster schließen: Rudi Mitteregger am Gaberl, 1973

Rudi Mitteregger bei der Österreich-Rundfahrt 1973 am Gaberl

Der Anstieg war ziemlich steil, ich bin durchgehend mit 43/24 gefahren. Das war damals meine Standardübersetzung für steile Anstiege. Auffallend waren die großen Zeitabstände auf der mit einer halben Stunde Fahrtzeit nicht sonderlich langen Strecke. Das Juniorenrennen gewann der Innsbrucker Hermann Egger (RC Union Hagebank), der mit seiner Zeit in der Hauptklasse den 10. Rang belegt hätte.

Österreichische Bergmeisterschaft, Murau - Frauenalpe, 10,5 km: 1. Rudolf Mitteregger (RC ASKÖ Puch Knittelfeld) 29:43, - 2. Harald Maier (RC ASKÖ Puch Knittelfeld) -1:09, - 3. Josef Eigentler (RC Union Hagebank Innsbruck) -1:59, - 4. Herbert Seidl (RC ARBÖ Kneuer Linz) -2:20, - 5. Andreas Reitmayr (RC Union Tapeten-Mayr Innsbruck) -2:35, - 6. Hans Summer (RC ASKÖ Puch Knittelfeld) -2:37, - 7. Anton Schöllberger (RC ASKÖ Puch Knittelfeld) , gleiche Zeit, - 8. Oswald Kircher (ARBÖ Innsbruck) -2:43, - 9. Manfred Menhart (RC ASKÖ Puch Knittelfeld) -2:44, - 10. Reinhard Waltenberger (RC Union Bürger-Transporte Pucking) -3:14, - weiters: 32. Robert Bartonek (RC Union Raiffeisenverband Burgenland - Eisenstadt) -10:47

Mittwoch, 4. März 2009

Die Woche danach. Ich bin wirklich ziemlich angeschlagen. Die Beine sind schwer und sauer, das Wetter ist auch nicht mehr so schön wie noch in der Vorwoche. Seit Samstag bin ich ja wieder mit 53/19 gefahren, allerdings nicht mehr so fix, ich bin auch härter gefahren (im Rückenwind) und leichter in den Anstiegen. In dieser Woche jetzt fahre ich nur mehr ca. zwei Stunden täglich und ertappe mich immer öfter dabei, wie ich mir auf der Straßenkarte den Kurs des ersten Straßenrennens in Murska Sobota am Wochenende ansehe und einpräge.

Langsam erhole ich mich (Kompensation), und langsam werde ich spritziger und fitter (Superkompensation). Naja, ich denke, ich habe alles gemacht, um zum Saisonauftakt in Wettkampfform zu sein. Dieses erste Rennen ist immer so eine Art Standortbestimmung, dazu kommt auch, daß ich ja im Winter meist alleine trainiere und dadurch viel vom Tempogefühl verlorengeht. Ein, zwei Rennen brauche ich immer, um den Rhythmus aufzunehmen. Da darf ich mir gar nicht viel mehr erwarten. Im Feld mitfahren, Kilometer sammeln, Rhythmus angleichen, darum geht es in diesen ersten Rennen. An ein Ergebnis darf ich da nicht denken. Natürlich ist das auch eine Art Tiefstapelei, um die Unsicherheit, die aus der Ungewißheit kommt, abzubauen. Und die Ungewißheit entsteht einfach dadurch, daß das letzte Rennen schon so lange her ist, ich weiß nicht genau, wo ich stehe, wie ich im Vergleich zur Konkurrenz aussehe. Ich weiß nur, ich habe viel ins Training investiert. Ab er ob das ausreicht? Dieser Druck, diese Ungewißheit ist spätestens am Sonntagabend dann weg.

Donnerstag, 5. März 2009

Sauwetter, den ganzen Tag lang Regen. Natürlich bin ich gefahrern, zweimal sogar, am Vormittag eine Stunde, am Nachmittag eineinhalb Stunden. Aber nicht auf der Straße, son drn am Ergometer im Keller. Am Vormittag auf der Walze, bin nur eine Stunde mit hoher Frequenz gefahren, insgesamt 42 km, da hat man ja keinen Widerstand, da rollt es ja so unglaublich leicht. Ich habe geschwitzt wie eine Sau, die aus dem Wasser gezogen wird. Am Nachmittag dann am Ergometer, erst aufwärmen, dann Intervalle, längere, kürzere, immer wieder. Ich war ganz schön geschafft.

ÖSTERREICHISCHE ZEITFAHR-STAATSMEISTERSCHAFT AM 19.10. 1980 IN WOLKERSDORF

Zeit wieder für eine weitere Folge meiner Serie über meine Österreichischen Meisterschaften. Das Jahr 1980 war ein ganz besonderes, es war jenes, in dem ich meinen Grundwehrdienst geleistet hatte, zunächst in der Berger-Kaserne in Neusiedl/See (heute geschlossen), dann in der Dependance der HSNS in der Blattgasse in Wien. Dennoch, ich bin völlig aus dem Tritt geraten, bin im Sommer kaum Rennen gefahqren und ha be mich erst im Winter wieder leicht gefangen. Die Form war dahin, es ist alles drunter und drüber gegangen. Bis dann irgendwann mal jemand im ÖRV draufgekommen ist, daß die Österreichische Zeitfahrmeisterschaft in diesem Jahr völlig vergessen worden war. Also haben sie schnell eine ausgeschrieben, aber es war halt leider schon Ende Oktober. Naja, macht nichts, im Rahmen des Kurt-Schein-Gedenkrennens in Wolkersdorf ist sie dann zur Austragung gekommen. 44 km waren zu bewältigen, ich kann mich heute gar nicht mehr daran erinnern.

Bild unten: Stockerlplätze bei der Österreichischen Bahnmeisterschaft im Tandem-Sprint (von links): Günter Kriz/Kurt Schein, Walter Malicek/Peter Deimböck und Walter Garber/Rudolf Thuri

Kurt Schein war übrigens einer der erfolgreichsten Bahnfahrer Österreichs in den sechziger und siebziger Jahren. In den achtziger Jahren gab es einige Male in Wolkersdorf ein Kurt-Schein-Gedenkrennen, das jedesmal in Form eines Einzelzeitfahrens zu Saisonende ausgetragen wurde.

Ich weiß nur noch, daß ich nur deshalb gestartet bin, weil ich nicht abreißen kann und weil der Zuschauer gar nicht mitkriegt, wie langsam ich unterwegs bin. Es war dann auch tatsächlich fürchterlich. Von mehreren Fahrern bin ich eingeholt worden und war dann auch heilfroh, als ich - endlich! - ins Ziel gekrochen bin. Man muß auch wissen, daß die Gegend dort beileibe nbicht flach ist, sondern ziemlich wellig und hügelig. Dementsprechend groß war auch mein Rückstand, mehr als 10 Minuten! Ich bin gerade mal einen Schnitt von nicht mal 37 km/h gefahren!!!

Natürlich hat eine Meisterschaft an einem solchen Termin einen ganz eigenen Stellenwert, nämnlich so gut wie gar keinen. Und so haben auch viele Spitzenfahrer gefehlt. Das Wetter war auch nicht gerade einladend, es war bedeckt, ein fürchterlicher Wind hat gepfiffen, und kalt war es obendrein. Es war meine einzige Meisterschaft in diesem Jahr. Es gab durchaus ungewöhnliche Ergebnisse, es war doch nicht normal, daß der Zehnte bereits 5 Minuten verloren hat! Wie res ndamals halt noch üblich war, ist auch in allen Nachwuchsklassen gefahren worden.  Und einzig der Juniorensieger, Fritz Breitfellner (ARBÖ UHL Theresienfeld) schaffte einen 40er-Schnitt! Daran kann man wohl am besten ablesen, was es damals für ein Wetter gehabt hat.

Kurt-Schein-Gedenkrennen, Einzelzeitfahren in Wolkersdorf, 44 km: 1. Hans Lienhart (RC Union Raiffeisen Repro-Fuchs Salzburg) 55:59, -. 2. Karl Krenauer (ARBÖ Sparkasse Neunkirchen) -1:24, - 3. Hans Traxler (RC ARBÖ Kneuer Linz) -1:29, - 4. Wolfgang Priglhofer (ÖAMTC Hasko-Colnago) -1:50, - 5. Rudolf Mitteregger (RC ASKÖ Puch Knittelfeld) -1:52, - 6. Reinhard Popp (ÖAMTC RCA Tyrolia Wien) -2:58, - 7. Reinhold Traussnig (RC ASKÖ Puch Knittelfeld) -3:16, - 8. Hermann Mandler (ÖAMTC Hasko-Colnago) -3:44, - 9. Kurt Zellhofer (ÖAMTC Hasko-Colnago) -3:58, - 10. Hans Summer (RC ASKÖ Puch Knittelfeld) -4:58, weiters: 61. Robert Bartonek (RC Union Raiffeisen-Landesverband Burgenland-Eisenstadt) -14:46

1956 gewannen Schein/Maresch, eines der stärksten Teams der damaligen Zeit,  bei der Bahn-Saisoneröffnung das 1-Stunden-Americaine Rennen (heute: Madison)

Ein Foto aus dem Jahr 1980 (von links): Hans Traxler, Hans Lienhart, Reinhard Popp

Freitag, 6. März 2009

Wieder Regen, wieder im Keller gefahren, diesmal auf der Walze. Hohe Frequenz, habe geschwitzt wie ein Schwein und einen halben Kilo in einer Stunde verloren.

Samstag, 7. März 2009

Bin heute, am Tag vor dem ersten Saisonrennen, mit der Vychodil-Partie mitgefahren. Aber nicht die gesamte Strecke, nein, wir sind nach Süden gefahren, und der starke Sturm aus Norden hat uns vor sich hergeblasen wie ein paar Kümmerlinge. Nach 66 Minuten bin ich weggeschwenkt, habe umgedreht und bin wieder zurückgefahren. Bis dahin hatte ich einen Schnitt von 36 km/h. Und gegen den Wind ist es auch gleich kalt geworden. Und zu allem Überdruß hatte ich gleich nach der Wende einen Reifenschaden. Heute ist wieder mal alles zusammengekommen.

Daheim dann habe ich das Rad geputzt, die Übersetzung für morgen zusammengestellt, die Schaltung genau überprüft, meine Sachen zusammengepackt, und habe noch ausgiebig gegessen.

Sonntag, 8. März 2009: SAISONAUFTAKT GROSSER STRASSENPREIS VON MURSKA SOBOTA (SLOWENIEN)

Heute also ist es soweit, das erste Rennen der noch ganz jungen Saison 2009 steht an. Wie im Vorjahr macht auch diesmal das Straßenrennen in Murska Sobota den Auftakt, allerdings diesmal eine Woche früher als im Vorjahr. Ist mir nur recht. Dieses Rennen hat einen ganz besonderen Charakter. Es ist das allererste der Saison, eine Standortbestimmung, eine Bestätigung der Trainingsarbeit im Winter, da wird einfach so vieles reingelegt und reingedeutet, das dieses Rennen ja an sich gar nicht hat. Es ist eines von sehr vielen dieser Saison, eine topfebene Strecke und somit ohne jegliche Anforderung, mit 65 km auch keine Marathondistanz, es zählt eigentlich zu den leichtesten des Jahres. Den besonderen Status hat es nur, weil es das erste ist.

Ich möchte hier mal die ganz besondere und spezielle Vorbereitung erwähnen, die jedem Start vorausgeht. Das ist die spezielle Vorbereitung vor dem eigentlichen Startschuß. Diesmal möchte ich ein Wort über das Essen sagen. Es heißt ja immer, vor  jedem Training und besonders vor jedem Rennen sollst du essen, damit du keinen Hungerast erleidest. Schön. Aber wann? Wer die Qualen schon mal erlebt hat, die ein voller Wanst verursacht, wenn man sich dann womöglich noch einen Berg raufquälen oder mit dem allerletzten Dreck hinhalten soll, der weiß genau, was ich meine. Bei einem Straßenrennen esse ich meist 3 Stunden vor dem Start. Es sei denn, es handelt sich um ein derart kurzes Rennen wie dieses hier. 65 km, das sind etwa eineinhalb Stunden. Da esse ich am Vortag ordentlich, fülle die Kohlehydratspeicher auf (Achtung: Nicht zu spät abends essen!). Am Renntag selbst esse ich vor dem Start GAR NICHTS mehr, also genauso wie vor einem Zeitfahren, Kriterium oder Bergrennen. Gut eineinhalb Stunden dauert die Anfahrt, der Start ist auf 11.45 Uhr festgesetzt. Ich fahre also um 7.30 Uhrt daheim weg, es geht schließlich ins Ausland, da weiß man ja nie, was auf der Anfahrt alles passiert. Um 9.15 Uhr bin ich in Murska Sobota angelangt, das Startgelände befindet sich am nördlichen Stadtrand.

Panoramablick über Murska Sobota

Ich ziehe mich um, richte die Rennmaschine her und beginne mit dem Aufwärmen. Dazu fahre ich mal ins knapp 2 km entfernte Zielgelände und fahre dann die letzten 10 km des Rennens ab, präge mir die Strecke genau ein, die Kurven, Abzweigungen, Kreisverkehre, die Zielanfahrt, die Zielgerade, die Zielkurve. Bei einem so leichten Rennen müßte man eigentlich mit einem Massensprint rechnen, wäre da nicht diese besondere Wettersituation, eigentlich genauso wie im Vorjahr, es pfeift ein orkanartiger Sturm aus Nord bis Nordwest. Da ist eine ganz genaue Streckenkenntnis der halbe Erfolg. Das einzige Essen heugte vor dem Start besteht aus zwei Bananen, die ich mir etwa eine Stunde vor dem Start reinstopfe. Dazu trinke ich etwa einen halben Liter, natürlich nicht auf einmal. Eine halbvolle Trinkflasche stecke ich mir in den Flaschenhalter, dazu die Geldbörse, die Autopapiere, den Reisepaß (diese Dinge lasse ich im Ausland NIE im Auto), sicherheitshalber ein Kohlehydrat-Gel, den Autoschlüssel. Dann geht es ins Rennbüro zur Nummernausgabe, dort hole ich mir meine Startnummer ab. Es ist mittlerweile 10.40 Uhr, das Startgelände füllt sich nach und nach, aber außer Slowenen und Kroaten und einem einzigen ungarischen Bus entdecke ich keine Ausländer. Es gibt keine Nachnennungen, also ist die Starterliste bereits endgültig. Ich sehe sie durch, überfliege die Nennungen in meiner Kategorie, es gibt nur eine einzige Massterklasse (40 Jahre und älter). Ich entdecke keine bekannten Namen, die Besetzung ist also (zumindest in meiner Klasse) sicher nicht erstklassig. Auch gut, damit kann ich leben.

 

Es gibt hier in Murska sogar ein gut sortiertes Fachgeschäft, das Bike Center, das mit diversen Models für seiune Produkte wirbt.

Ich sehe mir die Vereine durch, der NK Maribor ist der Veranstalterverein und mit 6 Mann vertreten, der KK Adria Mobili ist der stärkste slowenische Verein und gleich mit 14 Mann am Start. Das "KK" schmückt dabei beinahe jeden Verein und heißt "Kolesarski Klub", das bedeutet nichts anderes als "Radrennklub", ist also nichts anderes als unser altbekanntes "RC". Die Taktik? Ich möchte zumindest im Feld mitfahren, weiß aber, wie schwer mir das zu Saisonbeginn fällt. Durch das Wintertraining, das ich größtenteils alleine absolviert habe, ist viel vom Tempogefühl verlorengegangen, ich muß mich erst langsam wieder an das Gefühl des Fahrens in einer großen Gruppe gewöhnen. Hier sind immerhin um die 80 Fahrer am Start. Meist brauchen ich so ein bis zwei Rennen, bis ich diesen Rhythmus aufgenommen habe. Also viel rechne ich mir in keinem Saisonauftakt aus. Es geht eigentlich nur darum, KEIN Misserfolgserlebnis zu haben (also im Feld mitzufahren) und ein paar schnelle Rennkilometer in die Beine zu kriegen. Über den Rennverlauf selbst könnt ihr unter "Rennberichte 2009" nachlesen. Wird allerdings noch ein paar Tage dauern, muß erst eine neue Unterseite anlegen.

Montag, 9. März 2009

War das ein Sonntag gestern! Seit 1977 fahre ich Rennen, aber den Auftakt konnte ich wirklich noch NIE gewinnen! Das war sozusagen eine Premiere gestern! Aber postwendend kam die Rechnung: gestern habe ich das Rennen auf einmal ganz stark in den sauren Beinen gespürt, ich habe das Training ausfallen lassen müssen. Die Anforderung war doch viel zu hoch gewesen,  vor allem die Kilometer der Alleinfahrt, obwohl zusammengezählt nur einstellig, aber die Anstrengung auf jedem einzelnen dieser Kilometer hat mir den Garaus gemacht.

Dienstag, 10. März 2009

Und weil´s so lustig ist, gleich die nächste Hiobsbotschaft: in der Nacht auf Dienstag bin ich krank geworden - müde, Gelenksschmerzen, hohes Fieber (über 40°), Kopfschmerzen, starker Schnupfen, Husten. Es stimmt also doch: kaum hjaqt man eine gute Form, ist der nächste Infekt da! Scheint ein zwingender Zusammenhang zu bestehen. Ist man da so geschwächt, daß schon zwei mickrige Bakterien genügen, um den Organismus aus dem Gleichgewicht zu werfen?? Kann mich kaum bewegen, liege stundenlang im Bett, an ein Training kann ich nicht mal denken. Zeit habe ich jedenfalls genug, mir nochmals das sonntägige Rennen durch den Kopf gehen zu lassen. Eine durchaus interessante Frage: war ich so stark oder die Konkurrenz so schwach? Für die Antwort brauche ich unbedingt noch ein Rennen, aber bitte nicht jetzt! Im Radsport gibt es keine Wunder, daher neige ich eher zu zweiterer Möglichkeit. Bin heute nicht gut drauf, will nicht denken, das ist mir viel zu anstrengend. Nur im Bett liegen, die Decke über die Ohren ziehen und zuhören, wie die Zeit vergeht!

Bereits um 9 Uhr vormittags habe ich 42° Fieber! Ich trinke über den ganzen Tag verteilt etwa eineinhalb Liter Nonisaft, die Nase rinnt wie verrückt, die Nebenhöhlen sind verstopft und wie zubetoniert. Dazu Gliederschmerzen, Kopfweh, Schwindel und einre lähmende Müdigkeit. Ich glaube, das kennen wir ja alle, vor allem Radsportler trifft es in der kalten Jahreszeit ja immer wieder, manche andauernd, die vielen Wetterwechsel nehmen den Organismus ganz schön her, und wenn er dann von Training und Renneinsätzen sowieso noch geschwächt ist, haben die Bakterien leichtes Spiel - das alte Lied. Das vollgerotzte Taschentuch ist noch nicht mal im Müll, ist die Nase schon wieder zu. Was also dagegen tun? Zunächst habe ich mir mit Salzwasser (grauslich!) die Nase gespült - das ist eine unglaubliche Tortur, davor schrecken sicherlich alle zurück.Sowas tut sich keiner freiwillig an. Dabei kommt nicht nur das aufgezogene Wasser wieder raus, sondern der ganze gelbe Schleim auch gleich dazu, Unmengen davon. Sieht alles andere als ästhetisch aus, erfüllt aber seinen Zweck. Die Atemwege werden frei. Und am Abend, wenn dann das Fieber steigt, da habe ich jetzt um 21 Uhr nur mehr 27,2° - ich denke, das sind schon mal ganz positive Vorboten!

Mittwoch, 11. März 2009

Das Fieber ist beinahe vollständig weg, heute früh nur mehr 27,1° - aber dafür Halsweh, Schnupfen, Kopfweh, Schwindel, das ganze Programm halt! Ein schlimmer Tag, a ber ich rette mich drüber - irgendwie halt.

Donnerstag, 12. März 2009

Endgültig kein Fieber mehr, aber dafür sind die Bronchien ziemlich verschleimt und entzündet. Schon Donnerstag, aber noch bin ich in dieser Wochge KEINEN Kilometer gefahren! Nach wie vor Kopfweh, Schwindel, Gliederschmerzen - was kann ich denn noch alles tun?

Freitag, 13. März 2009

So, noch immer kein Training in dieser Woche, und jetzt habe ich vorsorglich mal die Gardasee-Rundfahrt am Sonntag gecancelt - gestern habe ich noch statt dessen mit einem Start beim Straßenrennen in Tricesimo in Friaul geliebäugelt, aber auch das ist jetzt schon ad acta gelegt. Wird wohl ein freies Wochenende werden. Schade, die ganze gute Form iust wohl wieder weg, jetzt heißt es wieder von vorne anfangen. Der Schnupfen wird stärker, scheußlich! Ich schlafe beinahe den ganzen Tag, und bin trotzdem furchtbar müde, wenn ich mal aufwache.

Samstag, 14. März 2009

Mit dem Mut der Verzweiflung bin ich heute eine Trainingsrunde gefahren, und nicht mal so schlecht! Ich war in Peggau und dann weiter in Übelbach und bin bis Neuhof gefahren. Es war erstaunlich warm, 14°, leichter NW-Wind. Ohne den befürchteten Einbruch bin ich nach 82 km wieder daheim gewesen. 2:57´ Stunden war ich unterwegs, und weil es gar so gut gelaufen ist, habe ich mich sofort an den PC gesetzt und gesucht, ob denn nicht irgendwo in Slowenien oder Ungarn im grenznahen Bereich ein Rennen stattfindet. Man wird ja gleich übermütig.Nach langem Suchen bin ich auch fündig geworden, und zwar in Sentilj (Spielfeld) in Slowenien. Ich kotze zur Zeit nur mehr Eiterbatzen, das Kopfweh und Fieber sind passé.

Sonntag, 15. März 2009: STRASSENRENNEN IN SENTILJ (SLOWENIEN)

Trotz des gestrigen sehr guten Tests stehe ich heute mit etwas wackeligen Knien am Start in Sentilj. Das Wetter paßt ja so halbwegs, aber das Rennen...! Hätte nie gedacht, daß man aus einem solchen Nicht-Angebot von Rennstrecken überhaupt etwas machen kann. Man nehme eine Hauptstraße mit schlechter Asphaltdecke, fahre 9 km in eine Richtung, dann wendet man und fährt wieder zurück. Dazu Wochenende, Hauptverkehr, Urlauberverkehr, Einheimische, Bauern mit Traktoren vor allem. Bei Start und Ziel beim Casino Mond in Sentilj war eine Wendeschleife durch die Ortschaft verhanden, wir sind rechts nach Sentilj reingebogen und nach ein paar Metern wieder raus auf die Hauptstraße. Am anderen Ende der Straße, beim zweiten Wendepunkt vor Maribor, war ebenfalls so eine klitzekleine Schleife vorhanden. Da ist es rechts auf ganz schlechter unfd schmaler Straße (bzw. Fahrweg!) in die (Ortschaft Pesnica rübergegangen, mit gelben Verkehrshüten war eine schmale Passage abgesteckt. Auf der zweiten Hälfte der Strecke, also zurück nach Sentilj, waren 25 Höhenmeter gleichmäßig auf 9 km Distanz verteilt, so daß sie gar nicht wahrnehmbar waren. Wirklich sagenhaft!

 Sentilj, ein idyllisches, verschlafenes Bauerndörfchen

 

Aber das Allerbeste kommt erst noch: Ich habe diesen Bewerb anfangs deshalb lange nicht gefunden, weil er nicht über den slowenischen Verband ausgeschrieben war. Es war auch keine Distanzangabe dabei, nur der vielsagende Vermerk "Rundkurs 18 km" mit der Startzeit von 9 Uhr. Vor Ort nach einer 45minütigen Autofahrt angekommen, habe ich ein Plakat gesehen, auf dem eine Distanz von "2 Runden = 36 km" ausgewiesen war. Auch habe ich schon ein paar Fahrer herumkurven sehen, die alle mit überdimensionalen Startnummern bestraft waren, wie die Skifahrer, doppelte, hinten und vorne, und die haben die gesamte Brust bzw. den ganzen Rücken bedeckt und sind noch vielsagend im Wind geflattert. Lizenz oder irgendein Ausweis wurde gar nicht verlangt, man hat sich selbst einfach in eine provisorische Starterliste eingetragen. Hätte ich da reingeschrieben "Gustav Gans", wäre ich auch als solcher gestartet. Als die vier fetten Wichtigmacher bei der Nummernausgabe gemerkt haben, daß ich Ausländer bin, haben sie die Köpfe zusammengesteckt, getuschelt und postwendend die Distanz auf sagenhafte 3 Runden = 54 km verlängert! Ich muß gestehen, für einen Moment war ich so weit, postwendend nach Graz zurückzufahren, meine Krankheit auszukurieren,  bestenfalls eine zweistündige lockere Trainingsfahrt zu absolvieren.

Mit der Streckenverlängerung haben sie mir was angetan, viel mehr aber den eigenen Fahrern und am allermeisten sich selbst, denn durch die Verlängerung der Fahrtzeit um eine gute halbe Stunde mußten die Veranstalter den Pulk länger durch den Verkehr lotsen. Haben sie vielleicht nicht bedacht, wer weiß das schon. Gestartet ist alles zwischen 15 und 60 Jahren auf Rädern, die diesen Namen teilweise gar nicht verdienen. Jetzt habe ich so alt werden müssen, um so was auch mal mitzuerleben!

Dienstag, 17. März 2009

Bin wieder daheim im Alltag. Die Verkühlung ist hartnäckig, ich bin noch immer voller Eiterschleim. Das Kopfweh, der Schwindel, das Fieber, das ist alles weg, aber die verschleimte Nase, die verschleimten Bronchien, die belegten Stimmbänder, das alles ist geblieben. ICH BIN VOLLER EITERSCHLEIM!

Naja, dazu fällt mir ein Zitat von Konrad Adenauer ein: "Ich bin wie ich bin, die einen kennen mich, die anderen können mich!"

Donnerstag, 19. März 2009

Habe heute 80 km trainiert, es hat in der Nacht einen ziemlichen Temperatursturz um gut 8° gegeben, jetzt ist es wieder saukalt, es hat aktuell 5°. Und auf den letzten 20 km hat es auch noch zu schneien begonnen, immer kräftiger, und am Abend hatten wir gute 8 cm Neuschnee! Verdammtes Sauwetter! Am Sonntag gibt es zwei Rundstreckenrennen, eines in Körmend, eines in Zalaegerszeg (beides Ungarn). Werde mich wohl nach Gefühl und vor allem nach Wetter entscheiden. So wie es heute aussieht, ist ja der Winter zurückgekehrt. Und da ich sowieso nicht ganz gesund bin, möchte ich mich natürlich nicht neuerlich verkühlen. Nicht für irgendsoein unbedeutendes Frühjahrsrennen.

Wie Frauen die Welt sehen...

Sonntag, 22. März 2009: RUNDSTRECKENRENNEN IN ZALAEGERSZEG

Umständliche Anfahrt, in Ungarn geht auf den dortigen Straßen nichts weiter. Keine Autobahn, viel Fuhrwqerke und lauter solches Zeugs auf den Straßen unterwegs. Nur Hindernisse, steht alles im Weg herum. Ich hab´s eilig, muß dauernd überholen, das ist riskant. Schlechte Straßen. Und das Rennen selbst? Achter Platz, mehr gibt´s dazu nicht zu sagen.

Montag, 23. März 2009

Bin heute eine anspruchsvolle Runde gefahren, ünber den Fasslberg, Weiz, durch die Weizklamm, über Passail auf den Rechberg, dann runter nach Frohnleiten und heim nach Graz. Das waren 105,5 km im starken NW-Wind, Fahrtzeit 3:51 Stunden, Schnitt 27,3. Oben am Rechberg hatte ich noch einen Schnitt von 23,7! Natürlich habe ich auch das gestrige Rennen noch in den Beinen gespürt.

Dienstag, 24. März 2009

Bin heute bei bedecktem Himmel und teilweise leichtem Nieseln nach Semriach raufgefahren. Kurz vor dem eigentlich Anstieg ab Ghf. Pabstwirt ist von hinten ein Hobbyfahrer gekommen, gut 20 Jahre jünger als ich und mindestens einen Kopf größer. Der ist herunten imFlachen wie ein Weltmeister gefahren, ich habe mich hinten reingehängt und bin bis zum Anstieg mitgefahren. Auch am Berg ist er eiun ganz schön zügiges Tempo gefahren, ich mußte mich da ziemlich anstrengen, der Puls ist bis auf 177 raufgegangen. Erst am letzten Kilometer ist er etwas eingebrochen, da ist nicht mehr viel weitergegangen, ich bin aber in seinem Windschatten geblieben, obwohl ich da jederzeit hätte vorbeifahren können, weil wir starken Gegenwind hatten. Den Anstieg bin ich auf diese Weise in 12:33 Minuten hochgefahren.

Freitag, 27. März 2009: GIRO DI GORENJSKA, 1. ETAPPE IN KRANJ

Das erste Etappenrennen heuer. Um vor dem Start noch ein paar Kilometer in die Beine zu bekommen, bin ich mit dem Rad von Graz nach Spielfeld runtergefahren, und erst bei der Grenze ins Auto umgestiegen. Irgendwie hatte ich das Gefühl, daß ich diese 55 km unbedingt noch brauche. Danach war Tempobolzen angesagt: um 18.15 Uhr Abfahrt in Spielfeld, um 19.50 in Kranj angekommen (nach einer 190 km langen Autobahn-Bolzerei!), den Rundkurs kannte ich noch von den Elitefahrern her, da bin ich vor Jahren schon mal gefahren. 3,5 km völlig flach, auf breiter autobahnähnlicher Straße. Insgesamt 4 Kreisverkehre werden dabei passiert.

In Kranj wird viel gebaut

Bin mit einem Bekannten runtergefahren. Start um 20.45 Uhr, wegen des riesigen Starterfeldes mußte das Rennen der Master 40+ in zwei Rennen unterteilt werden, natürlich sind beide auch verkürzt worden, statt 17 Runden sind wir also "nur" 14 gefahren (49 km statt 59,5 km), und um 22 Uhr sind dann noch die Master 60+ über 5 Runden (17,5 km) gestartet.

Wo haben´s ´n den ausgelassen? Der Rennleiter?

Während meines Rennens ist mein Kollege über die nahe Grenze am Loibl-Paß nach Kärnten rübergefahren und hat ein Quartier gesucht, das er dann auch in einer äußerst billigen Pension in Unterloibl gefunden hat. Nach dem Rennen war dann noch eine Streckenbesichtigung angesagt, denn morgen werden zwei Etappen gefahren, die erste von Kranj nach Jesenice rauf, da gibt es unmittelbar vor dem Ziel einen Anstieg zu fahren, den nicht kenne und den ich mir dann noch angesehen habe. Naja, viel hat man ja mitten in der Nacht nicht gesehen. Nur soviel: mit 4 km ist er ganz schön lang, und mitten drin ist auch ein mit 12 % ganz schön steiles Stück. Der Rest hat so um die 3 bis 5 %, auf alle Fälle ist das ein ganz entscheidender Anstieg, denn es folgt nur mehr eine 7 km lange Abfahrt ins Ziel.

Um 23 Uhr jedenfalls war ich im Zimmer, habe noch etwas gegessen, mir die Ergebnisliste angesehen und bin dann um Mitternacht schlafen gegangen. Viel Schlaf wird´s ja leider nicht werden, denn schon um 9.30 Uhr startet die zweite Etappe in Kranj.

Samstag, 28. März 2009: TOUR DE GORENJSKA IN KRANJ

Zwei Etappen an einem Tag sind immer sauschwer. Wenn dann noch eine derartige exzellente Besetzung dazukommt wie hier, dann habe ich das Himmelfahrtskomnmando perfekt, Um 9.30 Uhr ist der Start in Kranj zur Etappe nach Jesenide, ich fahre von Unterloibl über den Loibl-Paß runter nach Kranj, es sind immerhinn auch 39 km. Die eineinhalb Stunden Pause zwischen den beiden Etappen reichen nicht mal fürs Essen. Das muß ich alles in der Frühe noch besorgen. Wieviel soll ich da in mich reinstopfen? Kein Hungerast, aber ein Schwabbelbauch darf es auch nicht werden! Ich einige mich auf etwas Müesli und ein paar Bananen, zu Mittag sollte es dasselbe dann nochmal sein.

Nach dem Zieleinlauf in Jesenice dann eine Kleinigkeit essen und trinken, umziehen, alles einpacken und ab ins 17 km entfernte Bled zum Start der nächsten Etappe. Noch schnell ein konzentrierter Blick auf die Streckenführung, auf die Ergebnisliste, schließlich muß ich ja wissen, wie dien Chancen jetzt verteilt sind. 19 Mann liegen nach der Vormittagsetpape zeitgleich an der Spitze der Gesamtwertung, getrennt nur durch die Summe der Platzziffern der ersten beiden Etappen. Wenigstens paßt das Wetter.

Nach der Etappe geht es wieder zurück nach Unterloibl, dann ist ausgiebige Körperpflege angesagt, waschen, duschen, umziehen, Massage (schließlich habe ich ja meinen Masseur mitgenommen!)´FDann Rad putzen, Ergebnisliste und Streckenplan für den morgigen Schlußtag studieren, Taktik festlegen. Noch 12 Mann stehen zeitgleich an der Spitze des Gesamtklassements, ich bin einer von ihnen!

Von einem Gratis-Internetanschlußm, international längst in den Herbergsbetrieben Standard, kann man hier nur träumen - davon haben sie nämlich noch nie was gehört! Österreich ist halt wirklich anders!

Sonntag, 29. März 2009: TOUR DE GORENJSKA IN KRANJ

Scheußliches Sauwetter am heutigen Schlußtag! Bin schon um 6.25 Uhr munter geworden, weil der Regen auf die Fensterscheibe geprasselt hat. Dieses Geräusch hat sich im Laufe der Jahrzehnte in mein Gedächtnis eingegraben, das wird zeit meines Lebens nicht mehr verschwinden! Da setzt der Herzschlag für einen Moment aus, das Blut gerinnt, die Haut wird weiß, danach rot, die Finger beginnen zu zittern und mir kommt alles andere in den Sinn als Radfahren! Am längsten Tag der Tour - heute geht es über 126 km kreuz und quer rund um Kranj - ist über Nacht ein Temperatursturz über das Land hereingebrochen, um 6° ist es heute kälter als gestern noch, aber noch schlimmer, es regnet in Strömen!

 

Ehrlich, auf sowas kann ich getrost verzichten! Aber dann beiße ich doch wieder in den sauren Apfel, aufwendig werden die Vorbereitungen getroffen, man muß ja gleich doppelt so viel anziehen, die Verpflegung will hergerichtet sein, allein der Gedanke an ein Rennen im Regen führt zu Herzaussetzern! Das ist wahrscheinlich ein Tribut des Alters, denn früher war ich nicht so wasserscheu, wie ich mich dunkel erinnern kann! IST JA BLOSS WASSER! Heute geht sehr viel Kleidung drauf, zunächst mal ist die Garnitur patschnaß, mit der ich zumn Start nach Kranj runterfahre. Einmal aus dem Auto aussteigen, und ich bin naß bis auf die Haut! Dann die Rennkleidung sowieso, danach soll ich aber wieder was Trockenes anziehen. Am Ende ist das Auto VOLL MIT NASSER DRECKWÄSCHE!!!

Dennoch: ich bin Gesamtneunter geworden, soviele waren wir nämlich am Ende der vier Etappen noch zeitgleich. Eine seltsame Rundfahrt, ohne eigentlich aktiv zu sein, ohne irgendwas Entscheidendes gemacht zu haben, bin ich an die Spitze geschwemmt worden - im wahrsten Sinn des Wortes! So, das war heute also im vierten Rennen der Saison der vierte Top-10-Platz! Genaugenommen waren es bisher also 7 Renntage, zweimal davon habe ich gewonnen - und das im März! 2009, das wird vielleicht DAS Jahr schlechthin! Naja, abwarten...

Montag, 30. März 2009

Das Training hat mich wieder. Daheim ist es ja noch viel kälter als beim gestrigen Regenrennen, aber es ist halt trocken! Bin eine lange 92-km-Runde gefahren, über Söding, den Gießenberg, dann über Lannach runter nach Wildon, Schnitt 30,3 - ich bin gekurbelt wie aufgezogen! Die Form ist jetzt da, kurios zwar, aber sie ist da, das Selbstvertrauen nach dem Saisonauftakt sowieso, oder habe ich vielleicht versehentlich 5.000 Einheiten EPO irgendwo verschluckt?

Habe wieder einen interessanten Artikel ausgegraben:

Maud Fontenoy - eine Frau ohnegleichen!

Sie ist Frankreichs Heldin - die schärfste Antwort auf Superwoman. Jeweils als erste Frau überquerte sie rudernd den Atlantischen Ozean und umrundete segelnd die Antarktis. Jetzt bereitet sie sich auf ihr größtes Abenteuer vor - als Mutter.

  

Sie ist wie die modene, emanzipierte Umkehrversion von "Der alte Mann und das Meer" und eine Lektion in Sachen Selbstüberwindung. Die schöne junge Französin Maud Fontenoy lehrt die Welt, was es heißt, sich selbst zu besiegen, und die Liste ihrer Triumphe über das Schicksal ist nach 31 Lebensjahren bereits endlos. So ungewöhnlich, wie ihr Leben unter der Regie ihrer Eltern begann, setzte sie es später aus eigenem Willen fort.

Sechs Tage nach Mauds Geburt verfrachteten die Eltern ihre beiden Kinder auf ein Schiff und reisten bis in die Karibik zu den Antillen, wo sie ganze 15 Jahre verbrachten. Ihr Vater hatte die Idee, seinen Kindern eine Welt ohne Zwänge,Regeln, Verkehrsstatus und Umweltverschmutzung zu bieten. In einem paradiesischen Umfeld folgte man trotzdem einem klar strukturierten Programm: morgens Fernunterricht in der Kajüte, nachmittags Schwimmen, Entdecken der Inseln und Pflücken von tropischen Früchten. Es war ein paradiesisches Leben ohne Zwänge.Umso größer war der Schock, als die Familie nach 15 Jahren nach Paris zurückkehrte.

 

Busengrapscher Nicolas Sarkozy

Es folgten harte Jahre, die Maud auf den Boden der Realität brachten. Nach Beendigung ihrer Ausbildung stieg sie in das familieneigene Immobiliengeschäft ein, doch ihr Herz war auf dem Wasser hängengeblieben. Sie kaufte sich Bootszeitschriften, sah in jedem Vogel eine Möwe und fuhr, wann immer sie konnte, an die Küste.

  

Bald lernte sie Gerard D´Aboville kennen, einen robusten Seebären, der als Erster den Atlantik und Pazifik mit dem Ruderboot überquert hatte. Ihjm vertraute sie ihren Wunschtraum an. Sie wollte als erste Frau den Atlantik über die Nordroute, also von Nordamerika in Richtung europäischer Küste, überqueren. Viele hatten es schon probiert, keiner hatte es jemals geschafft. D´Aboville bestärkte sie in ihrem Vorhaben, hilft ihr bei der Konstruktion des Bootes und der Suche nach Sponsoren. Doch kaum jemand glaubte daran, daß diese zarte und feminine Frau auch nur wenige Tage durchhalten würde.

  

Aus dern wenigen wurden 177 Tage, viel länger als geplant, und sie hatte dem Tod mehrmals ins Auge geblickt.Damit wurde sie nicht nur die erste Frau, sondern auch überhaupt der erste Mensch, der den Atlantik auf der Nordroute rudernd bezwungen hat.

 

Im Jahr 2007 sorgte sie im französischern Fernsehen für Quotenrekorde, als man von ihrer Antarktisumrundung im Segelboot berichtete. Von Reunion aus war sie als Einhandseglerin aufgebrochen und umrundete die Antarktis, indem sie die schwierigere Richtung gegen die vorherrschenden Winde wählte. Dabei legte sie eine Strecke von rund 16.700 km zurück.

Die Welt hielt den Atem an, als sie nach 119 Tagen auf See am 9. Februar 2007 im Indischen Ozean einen Mastbruch erlitt - nur wenige hundert Seemeilen vor dem Ziel. Ganz alleine stand sie die lebensgefährliche Situation durch und  baute sich mit letzter Kraft ein sogenanntes Notrigg, um ihre Reise vollenden zu können. Die Segelstrecke wurde nicht als offizielle Weltumsegelung anerkannt, da eine solche eine Streckendistanz von mindestens 21.600 Seemeilen erfordert. Doch wer Maud Fontenoy kennt, weiß, daß es ihr nicht darum ging, den Rekord anderer Abenteurer und Spitzensportler zu brechen. Für sie gibt es nur einen Sieg, und das ist der gegen sich selbst.

 

Ein Sieg, den sie bisher nicht nur im Kampf gegen Wind und Wetter unzählige Male davongetragen hat. Was damals an der Öffentlichkeit vorbeiging, war wohl ein weitaus größerer Triumph: nur drei Tage vor Antritt ihrer spektakulären Segelfahrt hatte sie sich einer Krebsoperation unterzogen - und gesiegt. Und das ist heute ihre Botschaft an alle Kinder dieser Welt, die mit derselben Krankheit konfrontiert sind. Maud kann von solch guten Projekten nicht genug kriegen.Im französischen Fernsehen präsentiert sie in pädagogisches Projekt zum Umweltschutz, moderiert verschiedene Sendungen und hat vier Bücher geschrieben. Aber ihr größtes Anliegen sind und bleiben die Kinder. Sie sind die Zukunft. Mehr als 20.000 von ihnen hatten 2007 ihre Segeltour verfolgt. Und auf ihrem Boot "Tahia" will sie in Zukunft Kinder in Krebstherapie für einen Tag zum Segeln mitnehmen und ihnen Mut machen. Dieses Boot ist für sie das Symbol des Niemals-Aufgebens, für den Sieg über sich selbst.

Und sie will alle Kinder, nicht nur die kranken, für das Meer und die Umwelt sensibilisieren. Sie sollen zu den Botschaftern dieses Planeten werden. Sie sollen verstehen: der einzige interessante Wettkampf ist der, den man gegen sich selbst führt. Er führt zu dem einzigen Sieg, der die Anstrengung wert ist. Der schönste Preis erwartet die Französin bald: er heißt "Pepito" - doch das ist nur der Arbeitstitel für ihr Wunschkind, auf das sie sich mit ihrem Lebensgefährten über alle Maßen freut. Der gewählte Name für den erwarteten Sohn bleibt topsecret.

Dienstag, 31. März 2009

So, heute habe ich die Strapazen des Wochendes - verspätet - in voller Härte gespürt! Dicke, schwere Beine, die Gelenke schwerfällig, Unlust, müde, geschlaucht. Bin heute 61 km gefahren, rauf bis Peggau, 2:06´ Stunden, Schnitt 29,0. Wieder ziemlich schnell, aber der Puls war heute etwas erhöht, ein paar Schläge nur, aber ich habe es auch gefühlt.

Mittwoch, 1. April 2009

Heute wieder 61 km gefahren, bis Lannach, in 2:05´, Schnitt 29,2, und heute habe ich mich sehr viel frischer und spritziger gefühlt als gestern noch. Das ist jetzt wieder mal so eine Phase, wo ich beinahe täglich körperlich spürem, wie sich die Form aufbaut, wie sie wächst und gedeiht, sorgsam umhegt und gepflegt. Österreich ist anders: erst in ZWEI WOCHEN wird bei uns die Saison eröffnet, mit dem Zeitfahren in Ybbs. Doch bereits am kommenden Wochenende steht am Samstag das Salli-Eröffnungsrennen in St.Johann bei Herberstein auf dem Programm.

Habe heute einen Artikel ünber Aditya Dev gefunden, einen Bodybuilder, samt Fotos. Aber seht selbst...

Er ist der kleinste Bodybuilder der Welt. Aditya Dev aus Indien trainiert täglich mit seinen extra für ihn angefertigten Hanteln. Und er ist mächtig stolz auf seine Muskeln. Mit ihm seine ganze Heimatstadt.

  

Täglich strömen Besucher in ein Fitneßcenter in der Stadt Phagwara in Indien. Aber nicht nur uim ihre Muskeln zu trainieren, sondern vor allem, um einen Blick auf den athletisch gestählten Körper von Aditya Dev zu erhaschen. Er ist mittlerweile eine Berühmtheit in Indien. Und zwar keine kleine. Auch wenn er körperlich mit Sicherheit zu den kleineren Menschen dieser Erde zählt, imFitneßraum aber können ihm die Großen nichts vormachen. 84 Zentimeter mißt er und reicht seinem Trainingspartner und Studiobesitzer Ranjeet Pal gerade mal bis zum Hosenbund. Den Eintrag im "Guiness World Records Buch" hat er sich als kleinster Bodybuilder der Welt schon längst gesichert. Mit seinen 9,25 Kilo ist es für seinen Freund wahrlich ein Leichtes, ihn hochzuheben. Wiegt er doch gerade mal so viel wie eine Hantelscheibe. Daher vielleicht auch der Spitzname "laufende Hantel"...

   

Diesen hört Aditya, der an einer speziellen Form der Kleinwüchsigkeit leidet, aber gar nicht gern. Lieber läßt er sich "Romeo" rufen und ist überzeugt davon, der stärkste Zwerg der Welt zu sein. Das Bild des muskelanspannenden kleinen Inders ging um die Welt. Gut für ihn, will er doch als "Mini-Bodybuilder" richtig berühmt werden. Für seine Familie ist der 20jährige schon lange ein kleiner großer Star. Und so stemmt er weiter täglich fast ein Sechstel seines Körpergewichts.

Fleißig und ehrgeizig sei er, sagen seine Kollegen, und daß er genauso hart trainiert wie jeder andere auch. Was aber auch nicht gerade ungefährlich sein könnte. Denn Menschen mit Kleinwüchsigkeit sind übermäßige Anstrengungen nicht unbedingt anzuraten. Aber Aditya kann nichts vom Training abhalten. Er wird weiter seine extra für ihn angefertigten Hanteln stemmen und ür Fotografen und diverse Schaulustige mit seinem Trainingspartner posieren...

Donnerstag, 2. April 2009

Bin heute die Strecke vom samstägigen Salli-Rennen abgefahren. Das Eröffnungsrennen findet ja alljährlich auf derselben Strecke statt, von St.Johann/Herberstein runter bis Großwilfersdorf und zurück rauf bis Kaibing.Naja, ich bin über den Fasslberg und Pischelsdorf sowohl hin- als auch zurückgefahren. Das waren  bei herrlichem Frühjahrswetter (sonnig, 16° und starkem NW-Wind) 128 km, die ich in 4:31´ Stunden gefahrne bin (Schnitt 28,4), und da waren immerhin etwas über 1200 Höhenmeter dabei. Bin heute erstmals in diesem Jahr mit kurzer Hose gefahren! Wenn ich am Sonntag nur so fahre, wie ich mich jetzt fühle, dann bin ich schon vorne dabei. Mal abwarten, kommt ja meistens anders, als man denkt...

Freitag, 3. April 2009

Zum Abschluß dieser Trainingswoche bin ich heute 55 flache Kilometerr gefahren, in 1:59´ (Schnitt 29,8), nicht mit Kraft, sondern mit Luft, also mit leichter Übersetzung und hoher Frequenz. Es ist weiterhin ziemlich warm, und ich fühle mich ganz gut,

Am Sonntag findet bei der Therme Loipersdorf das steirische Saisoneröffnungsrennen statt, der Thermenland-Straßenpreis über 160 km. Ein Eliterennen über 5 Runden á 32 km, dieser Bewerb zählt NICHT zur Radliga-Jahreswertung. Daher habe ich mir gedacht, daß ich als Master-Fahrer da doch teilnehmen könnte. Sicherheitshalber habe ich mal beim Veranstalter angefragt, und wider Erwarten mir einen Korb geholt. Das Rennen ist nur für Elite- und U-23-Fahrer ausgeschrieben, nicht aber für Amateure. Und das müßte es, damit ich starten könnte. Ich hatte schon recht, als ich im Winter gemeint habe, daß diese Neueinteilung der Kategorien für uns Fahrer kaum Verbesserungen, aber gravierende Verschlechterungen bringt. Jetzt kann ich so gut wie bei KEINEM Eliterennen mehr starten! Dafür werden jetzt die C-Fahrer mit den Hobbyfahrern zusammengelegt... da soll einer die Radsportwelt (in Österreich) verstehen!

Sonntag, 5. April 2009

Mit einem Start beim Loipersdorfer Thermenland-Preis ist es ja nichts geworden, leider, dafür bin ich heute eine längere Trainingsrunde gefahren, über den Fasslberg und Gleisdorf, über den Sommerberg nach Hartmannsdorf und weiter nach Söchau und bis Übersbach, dann auf schmalen Nebenstraßen über Ebersdorf, Tautendorf und Ruppersdorf bis St.Kind zurück, wieder auf den Sommerberg, weiter über Gleisdorf und Labuch auf die Schemerlhöhe und über Autal und Raaba zurück nach Graz. 119 km in 4:07´ Stunden (Schnitt 28,9), insgesamt 930 Höhenmeter, und das alles bei 25° und heiterem Himmel, also bestem Sommerwetter! Die Loipersdorfer Runde wäre sauschwer gewesen und ein tolles Training. Aber leider, es hat halt nicht sollen sein. Wie kann auch ein Masterfahrer bei den Elitefahrern mitfahren wollen! Das darf doch gar nicht sein! Ehrlich: ich hätte es auch lieber gesehen, wenn da ein Masterrennen über 2 oder 3 Runden stattgefunden hätte. Aber das liegt ja nicht an mir.

Montag, 6. April 2009

Wieder herrlichstes Wetter heute, ich war bei der Therme Loipersdorf unten (Felix hat sich mit Schulkollegen einen Badetag gegönnt) und habe dort eine lange Trainingsrunde absolviert, war wieder einmal - wie ganz selten eigentlich - auf meinem ehemaligen jahrzehntelangen Trainingsgebiet unterwegs. Von der Therme runter nach Dietersdorf, über Gillersdorf und Königsdorf nach Heiligenkreuz, dann weiter nach Wallendorf, über Heiligenkreuz weiter nach Mogersdorf und Jennersdorf, dann rein nach Tauka, rauf zum Grenzübergang und zurück nach Jennersdorf, über Grieselstein zur Therme rauf und dann eine Runde vom Vortagsrennen über 32 km. War nicht ohne, drei Anstiege knapp hintereinander. Insgesamt waren das heute 115 km in 3:57´ (Schnitt 28,9), 760 Höhenmeter.

Dienstag, 7. April 2009

Heute habe ich es etwas gemütlicher angehen lassen, bin zweieinhalb Stunden auf flachem Terrain gefahren, rund um den Flughafen und Kalsdorf. 68 km in 2:20´ Stunden (Schnitt 28,9)

Mittwoch, 8. April 2009

Bergtraining.War heute am Rechberg. Bin von Frohnleiten aus (Kreisverkehr) in 35 Minuten raufgefahren. War nicht besonders schnell, aber dafür gleichmäßig, konstantes Tempo. 92 km insgesamt in 3:14´ (Schnitt 28.2) mit 625 Höhenmetern. Wieder heißes, wolkenloses Wetter (Sommerwetter!). Habe jetzt doch noch ein Rennen für den Samstag gefunden, beim Rundstreckenrennen in Schwanenstadt (Festina-Trophy) gibt es jetzt doch ein Rennen für mich (Master 2-6), ich hab mich gleich angemeldet.

Donnerstag, 9. April 2009

Flacher Trainingsrunde über Oisnitz und Teipl, 79 km in 2:51´ (Schnitt 28,1). Muß direkt aufpassen, daß ich keinen Sonnenbrand kriege!

ANNE FRANKS KASTANIE - "SO LANGE, WIE DIES EXISTIERT..."

Rettung in letzter Minute: der berühmte Kastanienbaum aus dem Tagebuch der Anne Frank wird nun doch nicht gefällt. Es ist eine ganz gewöhnliche alte Weiße Roßkastanie - und hätte sie nicht eine besondere Geschichte, wäre sie längst gefällt. Seit Jahren macht sich ein aggressiver Pilz an ihr zu schaffen, der Stamm ist so weit verrottet, daß er umzustürzen droht. Fällen? Niemals!, empören sich Amsterdamer Bürger. Denn die Kastanie gehört zu den wenigen Stückchen Natur, die Anne Frank vom Hinterhäuschen aus sehen konnte, in dem sie sich während der NS-Okkupation der Niederlande versteckt hielt. Sie erwähnte den Kastanienbaum auch mehrmals in ihrem Tagebuch - als einen der wenigen trostspendenden Bezugspunkte zur Natur und zum normalen Leben, die ihr geblieben waren.

Seit Jahren wird nun um den Kasstanienbaum gestritten - schon 1993 gab die Stadt nach einem Tankleckausfluß 160.000.- € für ein Bodensanierungsprogramm aus, um ihn zu retten -, doch Ende November hätte er endgültig zersägt werden sollen, der Stadtrat hatte es dem Eigner genehmigt.Siehe da - im letzten Moment hat ein  Richter nach Bürgerklagen den Plan gestoppt. Und nun soll ein stützendes Gerüst dafür sorgen, daß die Kastanie noch bis zu 15 Jahre lang aufrecht stehen kann. Zu Ehren Anne Franks, die so gern "in den blauen Himmel und in den kahlen Kastanienbaum, an dessen Zweigen kleine Tropfen wie Silber glitzern", sah - und dabei dachte: "So lange, wie dies existiert, werde ich leben mögen, um dies zu sehen, diesen Sonnenschein, diesen wolkenlosen Himmel. Solange dies andauert, kann ich nicht unglücklich sein."

Die ca.150 bis 170 Jahre alte Roßkastanie hat ein Gewicht von 30 Tonnen.

 

Freitag, 10. April 2009

Flache Trainingsrunde, 63 km, 2:11´ (Schnitt 28,9), bin relativ locker gefahren, leichte Übersetzung (53/19) mit hoher Frequenz, nur 125 Höhenmeter.

Samstag, 11. April 2009: RUNDSTRECKENRENNEN FESTINA-RADTROPHY IN SCHWANENSTADT

So eine verdammte Scheiße! Ich Idiot zahle noch das Nenngeld für Schwanenstadt ein, sehe nochmal in der Ausschreibung nach, notiere mir die Startzeit (16.45 Uhr!), nach dem Eliterennen. Um 15.30 Uhr bin ich dann dort, möchte mir die Startnummer abholen, auf dem Weg zum Rennbüro sehe ich dann plötzlich das Ergebnis meines Rennens angeschlagen, darunter die Bemerkung, daß ich nicht gestartet sei. Es ist schon interessant, da sind doch glatt fünf Mann schon um 9.15 Uhr vormittags gestartet, ich war natürlich nicht dabei - logisch, da bin ich ja noch im Bett gelegen! Ich mache meinem Ärger Luft, veranstalte einen ziemlichen Radau und fahre wieder nach Hause. SCHEISSE! Umsonst hingefahren, umsonst getankt, umsonst den ganzen Tag verschissen! Hatte ziemlichen Ärger, habe dann bei der Heimfahrt in Kirchdorf/Krems gestoppt und bin dort eineinhalb Stunden mit dem Rad rumgefahren. FRUSTABBAU!

Ostersonntag, 12. April 2009: RUNDSTRECKENRENNEN IN GROSUPLJE (SLO)

Bin heute früh nach Grosuplje runtergefahren, das liegt etwa 20 km südöstlich hinter Lubljana, in den Bergen, dennoch sind beide Rennen, sowohl das heutige Rundstreckenrennen als auch das morgige Straßenrennen, völlig flach. Das paßt mir ganz gut, was mir aber weit weniger gefällt, ist die Tatsache, daß ich hier mit den ELITEFAHRERN starten muß! Getrennt nur durch Zeitgutschriften (1 Sekunde pro Kilometer) fahren Elitefahrer, Amateure, Master 40+ und Master 50+ in EINEM EINZIGEN Rennen! Bei der Anfahrt war ich noch ziemlich voller Frust wegen gestern, erst als ich mir dann sage, daß ich durch das verpaßte Rennen auch etwas mehr Substanz heute habe, werde ich ruhiger. Habe wieder in Unterloibl übernachtet, wie schon vor zwei Wochen.

Blick auf Grosuplje

 

Ostermontag, 13. April 2009: STRASSENRENNEN IN GROSUPLJE (SLO)

Zweiter Tag hier in Grosuplje, zweite Chance. Tolles Wetter, alles paßt, die Form ist auch okay. Bin irgendwie stolz darauf, im Feld der Elitefahrer mitgehalten zu haben. Hoher Schnitt, schnelles Rennen, lange Distanz, was will ich mehr???

Dienstag, 14. April 2009

Fahre jetzt am Tag nach dem Rennen - wenn möglich - eine lange und schwere Trainingseinheit, heute war ich unten an der slowenischen Grenze, bin über  Leibnitz und Heimschuh nach St.Johann und Arnfels runtergefahren, dann über den Karnerberg nach Ehrenhausern. Den Karnerberg bin ich mit 39/19 raufgefahren, hatte da einen ganz guten Rhythnus, habe die Trittfrequenz bis ganz oben halten können und war in 9:23 Minuten oben, hatte dort einen Gesamtschnitt von noch 28,3 km/h. Rückfahrt über Spielfeld, Gersdorf, Straß, Wildon und Raaba, war nach 139 km wieder daheim, Fahrtzeit 4:47´, Schnitt 28,9

Mittwoch, 15. April 2009

Wollte heute auf den Rechberg fahren, aber dann habe ich in Schrems einen Reifenschaden gehabt, mußte umdrehen, daher waren es heute "nur" 77 km, Schnitt 28,3

Donnerstag, 16. April 2009

Heute endlich Bergtraining. Bin nach Semriach raufgefahren. Der Wind war nicht sehr günstig, ich hatte Gegenwind bzw. schräg von vorne beim Anstieg. Die Zeit von 12:25 ist doch um einiges besser als beim letzten Mal, damals bin ich im Windschatten eines Hobbyfahrers hochgefahren, diesmal alleine bei Gegenwind und war heute um 8 Sekunden schneller. Insgesamt 64 km in 2:14´ mit 28,6 Schnitt. Für diejenigen, die die Steigung vergleichsweise auch auf Zeit rauffahren wollen: ich nehme die Zeit unten zu Beginn der Steigung beim Gasthaus und oben auf der Kuppe etwa 1 km vor der Ortschaft.

Freitag, 17. April 2009

Zum erstenmal in dieser Saison bin ich am Zeitfahrrad gesessen! Morgen ist ja das Zeitfahren in Ybbs am Programm, da bin ich heute nach einer kurzen Überprüfung der Maschine eine 40-km-Runde gefahren. War furchtbar, beim ersten Schaltvorgang hat es gleich mnal Schaltseil ganz rausgezogen, die Pedale mußte ich auch erst montieren, dann bin ich losgefahren und schon nach kurzer Zeit in den Regen gekommen. Der Rücken hat nach 40 km geschmerzt, war verspannt und verkrampft. Ich mag weder die Maschine noch das Zeitfahren!

Samstag, 18. April 2009: EINZELZEITFAHREN IN YBBS

Das Zeitfahren war eine Katastrophe, ich mag weder diese Disziplin noch dieses verdammte Zeitfahrrad! Damit ist auch schon mehr als genug über dieses Rennen gesagt. Bin danach weitergefahren nach Wels, wo morgen das Kirschblütenrennen stattfindet. Habe wieder - wie schon die letzten Male auch - in Bad Schallerbach übernachtet, ist ganz billig - 20.- € für Zimmer mit Satellitenfernsehen!

Sonntag, 19. April 2009: KIRSCHBLÜTENRENNEN IN WELS

Herrliches Wetter, leider ein ungewöhnlich starker Wind, aber ich habe dann im Zielbereich Kees wieder mal getroffen, der mir seine Geschichte der letzten Jahre erzählt hat. Tut ganz gut, wieder einen alten Kämpfer von früher zu treffen, noch dazu, wo er ganz fest bekräftigt hat, wieder ins Renngeschehen einsteigen zu wollen. Er wohnt jetzt in Scharten, direkt an der Rennstrecke.

Dienstag, 21. April 2009

Kurzes flaches Training, 67 km, Fahrtzeit 2:17´, Schnitt 29,5, starker SO-Wind.

Mittwoch, 22. April 2009: LUIS OCANA

Wer kennt heute noch Luis Ocana? Obwohl er alle großen Rennen einschließlich Tour de France gewonnen hat, obwohl er als einziger Eddy Merckx eine empfindliche Niederlage in der Tour zugefügt hat, ist er heute weitgehend unbekannt. Ich erinnere mich noch, als er nach einem seiner unrühmlichen Ausstiege aus der Tour nach hoffnungsvollem Beginn zu den Journalisten sagte, die in seinem Hotelzimmer rings um sein Bett standen, während er demoralisiert mit den Tränen kämpfte: "Bitte keine Fotos, es gibt viel zu viele vom geschlagenen und zerstörten Luis Ocana und viel zu wenige von seinen Triumphen." Das hat mich neugierig gemacht, und als ich nachgeforscht habe, mußte ich erfahren, daß er 1994 Selbstmord verübt hatte! Was für ein Ende! Jedenfalls war das mein Schlüsselerlebnis, unbedingt mehr über das Schicksal von Radprofis zu erfahren, die gegen Ende ihrer Karriere Selbstmord verübten. Denn davon gibt es gar nicht mal so wenige. Eigentlich unglaublich.

Ich war fasziniert von dem, was ich da erfahren habe. Ich habe all das auf der Seite "Bitteres Ende" zusammengefaßt, wo ihr es nachlesen könnt. Naja, wird noch ein paar Tage oder Wochen dauern, bis diese Seite komplett ist. Bin ja auch kein Zauberer. Und die Recherche war aufwendig und schwierig genug. Habe mir die Schicksale von Thierry Claveyrolat (Bergtrikot Tour de France), Luis Ocana (Sieger Tour de France), José-Luis Jimenez (Etappensieger Vuelta und Tour) und als österreichischem Beitrag Sigi Denk rausgesucht. Kaum zu glauben, aber über das Ende dieser prominenten Fahrer gibt es nirgends was zu lesen, erfährt man so gut wie gar nichts. Ich bin überall auf Mauern gestoßen, was mich aber erst recht neugierig gemacht hat.

Donnerstag, 23. April 2009: FOTOS

Habe heute wieder ein paar Fotos auf meine Seite "Fotos" reingescannt, das ist eine ziemlich aufwendige Arbeit. Nicht der Vorgang des Scannens, sondern vielmehr das Aussuchen. Ich habe jetzt das Jahr 1977 endlich geschafft, mein erstes offizielles Rennjahr. Da habe ich - glaube ich - 26 Fotos ausgewählt, und zwar aus etwa 600. Dieses entscheiden und aussuchen, das ist so nervenzerfetzend. Schließlich neigt man ja dazu - und da bin ich wahrlich keine Ausnahme - eher zuviele Fotos zu zeigen.

Freitag, 24. April 2009

Heute bin ich in Tirol gewesen, bei meinem Vereinsobmann. Am Vormittag Training im Unterland. Bin von Wörgl über Kundl rübergefahren nach Breitenbach, rauf nach Kleinsöll und den Angerberg, runter über Mariastein, und über Langkampfen raus nach Kufstein, eine Schleife über Morsbach, und über Niederbreitenbach und den Angerberg wieder zurück nach Wörgl. 56,5 km, Schnitt 28,3. Es war saukalt, aber heiterer Himmel. Bin mit Beinlingen und Langarmtrikot hgefahren.  In aller Herrgottsfrühe. Ein herrliches Gefühl, wenn der kalte Wind um die Nase weht, wenn man das eigene Schnaufen und den eigenen weißen Atem in der kalten Luft sieht.

Samstag, 25. April 2009: LAVANTTALER RUNDFAHRT IN WOLFSBERG

Nicht mein Tag heute! Auf meine alten Tage kann ich einen Start am frühen Moregen so gar nicht mehr ausstehen! Und heute ist es schon um 10 Uhr losgegangen! Und das an einem Samstag! Zu einer solchen unchristlichen Zeit bin ich eigentlich gar nicht zurechnungsfähig, Und so war ich mir auf der Anfahrt plötzlich gar nicht mehr sicher, ob ich dennn meinen Helm überhaupt mithabe. Ich also sofort auf den Pannenstreifen (ich war gerade auf der Pack unterwegs, zwischen den Ausfahrten Steinberg und Modriach), springe raus und durchstöbere den Kofferraum. Richtig! Ich Hornochse habe den Helm daheimgelassen! Was tun jetzt? Umdrehen und Helm holen? Nein, das geht sich nicht mehr aus, dazu bin ich schon viel zu weit. Weiterfahren? Umdrehen? Ich bin genannt, muß aber noch Nenngeld zahlen. Im Rennbüro fragen, ob wer einen überzähligen Helm für mich hat? Aussichtslos. Das passiert, wenn überhaupt, nur bei den anderen. Ich kenne niemanden, der einen zweiten Helm dabei hat. Und wenn ich gezahlt habe und dann nicht starten kann, ärgere ich mich doppelt.

Um 9.15 Uhr bin ich in Wolfsberg, ohnehin schon ziemlich knapp. Zwischen Autobahnabfahrt Wolfsberg-Süd und dem Startgelände beimn Stadionbad fahre ich plötzlich bei einem Baumarkt vorbei. Eine Sekundenentscheidung, dort nach einem Helm zu suchen! Die Zeit drängtm, ich laufe durch das Geschäft. Und wie das halt so ist, wenn man was sucht, dann findet man bestimmt nichts. Es dauert gut 10 Minuten, bis ich diese kleine Nische ganz unten am Boden entdeckt habe. Und dort liegen zwei Helme, die sehen doch glatt ganz echt aus! Doch bei der hastigen Anprobe kommt das nächste Problem: der eine viel zu groß, der rutscht mir sofort runter bis auf die Nase (das heißt, es wird ziemlich finster!), der andere ist viel zu klein. Ich entscheide mich für den kleinen, bezahle die 17,90 € (occasione!) und fahre zum Start. Als ich endlich meine Startnummer am Rücken habe, mich umgezogen und das Rad zusammengebaut habe, ist es 9.48 Uhr. Dabei vergesse ich dann noch auf die Trinkflasche, habe nichts zu essen in der Trikottasche (alles egal, es sind ja nur 3 Runden = 52 km) zu fahren. Aufwärmen geht sich auch nicht mehr aus. Und gleich nach dem Start wartet nach nur 2 km der erste Anstieg!

Wie gesagt, es ist einfach nicht mein Tag. Am zweiten Berg muß ich reißen lassen, unten im Flachen fahre ich mit einer Gruppe wieder ans kleine Feld ran, bin bei der 1000-m-Marke dran, dann fliegt mir die Kette durch ein Schlagloch (warum bin ich da überhaupt hineingedonnert, ich Idiot???) runter, wickelt sich um die Kurbel - aus, vorbei, ich muß absteigen. Hat auch was Gutes: ich kann das Desaster beenden, bevor es apokalyptische Ausmaße annimmt!

Sonntag, 26. April 2009: NEUSIEDLER-SEE-RUNDFAHRT IN MÖRBISCH

Und in dieser Tonart geht es weiter: Es ist nicht mein Wochenende! Aus irgendeinem Grund will ich nicht die 10.- € zusätzlich für einen Startplatz ganz vorne zahlen, kann mich dann aber doch nicht vorne reinschwindeln, muß mich hinten anstellen und damit ist bereits am Start der ganze Bewerb vorbei. Ich habe gut 700 Leute vor mir, größtenteils sind das so 100-Kilo-Brocken, die mir die Sicht rauben und die Sonne verdunkeln. Als ich endlich über die Startlknie krieche, sind die ersten Fahrer bereits den Anstieg raufgefahren. Was für
Aussichten! Ein physikalisches Phänomen: noch sind erst 10 Minuten gefahren, aber ich habe schon gut 10 Minuten Rückstand! Das ist ein Paradebeispiel dafür, wie man es ja NICHT machen darf! Also Leute, lernt die Lektion: bei Marathons IMMER GANZ VORNE STARTEN, egal, was das kostet, und wenn ihr 100.- € zahlt! Wenn euch das zuviel ist, dann müßt ihr daheim bleiben. Ein Frust-Wochenende ist am Abend vorüber, ich freue mich schon auf das nä
chste.

Mittwoch, 29. April 2009

Bin eine Trainingsrunde über den Gießenberg bei Lannach gefahren (Auffahrt in 6:25), die ganze Runde 67 km, in 2:21´ gefahren (Schnitt 28,5)

Donnerstag, 30. April 2009

Flache Runde, hohe Frequenz, über Thalerhof, Unterprermstätten,Dobl und Muttendorf nach Zwaring und weiter nach Wildon (bis dorthin Schnitt 30,2), dann über Kalsdorf und Raaba nach Hause.Distanz 67,5 km, Fahrtzeit 2:19,Schnitt 29,0

Freitag, 1. Mai 2009: KRITERIUM IN EBREICHSDORF

Ein langes Wochenende beginnt.3 Rennen in 3 Tagen, dazwischen eine Hetzjagd durch ganz Österreich. Der Alltag eines Radrennfahrers. Gut, das ist die ungeliebte Seite. Anfahrt nach Ebreichsdorf, ich habe anderthalb Stunden gerechnet, meine Startzeit mit 10 Uhr angenommen (vor mir fährt eine Kategorie ab 9.30 ca.20 km). Also bin ich um 7.30 Uhr daheim losgefahren. Ist´ne ganz humane Abfahrtrszeit. Eigentlich. Aber genauso eigentlich habe ich da überhaupt keinen Spielraum mehr. Aber man liegt halt so verdammt gerne im warmen Bett unter der Decke und streckt sich in alle Richtungen. Also bin ich schon etwas später losgefahren, nämlich um 7.45 Uhr. Kein Problem, fahre ich halt um 3 bis 5 km/h schneller, dann hole ich das leicht auf. Aber ich habe ja vorher noch tanken müssen (der Tank war NATÜRLICH leer!), daher in die Stadt reinfahren (Gegenrichtung), effektiv bin ich daher eigentlich erst um 8 Uhr losgefahren, habe also schon mal eine halbe Stunde verloren.

Wäre alles nicht weiter schlimm gewesen, ich habe sogar tatsächlich etwas davon auf der Südautobahn wieder aufgeholt. Also: um 9.30 Uhr startet das erste Rennen, und um 9.10 Uhr habe ich gerade die Raststation Föhrenhof nach Wiener Neustadt passiert. Plötzlich steht vor mir alles. Auf allen drei Spuren. So weit das Auge reicht. STAU heißt das geliebte Wort des Autofahrers. Und Stau auf der Autobahn heißt: du bist auf selbiger gefangen, kannst weder rechts noch links runter, kannst nicht umdrehen, kannst nur eines: WARTEN!!! Es wird 9.30, und ich bin etwa einen halben Meter weitergekommen. Das darf man natürlich NICHT auf die gesamte noch fehlende Distanz hochrechnen, aber schweißgebadet und voller Frust tut man es JA DOCH! Die Optionen: gottergeben dieses Schicksal annehmen, das Rennen streichen, bei der nächsten Gelegenheit wieder umdrehen und heimfahren, das alles als netten Wochenendausflug abbuchen. Oder das Auto im nächsten Graben parken, umziehen, rauf aufs Rad und damit quer durch die Botanik Richtung Ebreichsdorf entkommen. Übrigens: von der Stelle aus waren es ca. 15 km Luftlinie noch bis Ebreichsdorf! Richtig fies! Und das alles nur, weil irgendsoein Scheiß-Idiot in seiner Blechkiste mangels Fahrkünste irgendwo rumgepurzelt ist! Oder irgendwie (?) zur Raststation Föhrenhof zurückfahren und von dort auf eine Landstraße runter entkommen. Als Spitzenfahrer des UGB-Rennteams verfüge ich ja über das neueste GPS-Gerät von TomTom, innerhalb von Österreich brauche ich es aber eigentlich nicht, daher habe ich da auch nie ein Ziel eingegeben, manchmal schalte ich es ein, dann läuft es halt wie eine Straßenkarte so nebenbei mit. Ich bin genau 3,5 km hinter der Raststation. Ich überlege nicht lange, fahre auf den Pannenstreifen raus und im Retourgang der Glückseligkeit entgegen.

Ein herrlicher Anblick! Funkelndes Chrom, glänzendes Blech und poliertes Stahl leuchten im Glanz der brennenden Sonne. Da schlagen Männerherzen höher! (= schneller)

Wenn ich doch mein Blaulicht hätte! Aber nein, das liegt, unter Spinnweben versteckt, im heimatlichen Keller, weil ich es ja nicht mißbräulich verwenden darf! Was bitte ist daran MISSBRÄUCHLICH? Ist doch ein NOTFALL, oder??? Innerhalb von knapp 2 Minuten sind wir schon gut 10 Autos, die am Pannenstreifen zurückschieben. Plötzlich steht wieder alles. Neben mir, auf der ersten Fahrspur, stehen mehrere Laster mit Anhänger, da ist dazwischen viel Platz, ich stelle mich, einer inneren Eingebung folgend, da rein. Keine 20 Sekunden spätzer kommt eine Funkstreife mikt Blaulicht, scheucht alle am Pannenstreifen weg, schreibt auf, stellt Strafmandate aus. Nach einer kurzen Zeit ist dieserSpkuk vorüber, alle stehen voller Frust jetzt am ersten Streifen, ich schiebe wieder auf den Pannenstreifen raus und zurück, jetzt bin ich alleine, da habe ich ungehindert freie Fahrt - geht ja auch viel schneller, als wenn diese ganzen Hosenscheißer den Weg verstellen! Nach insgesamt 2,6 km kommt eine schmale asphaltierte Abfahrt auf die Bundesstraße unter der Autobahn, keine 100 Meter lang. Sofort fahre ich da runter und lasse den Ort des Grauens hinter mir, Mit 90 km/h auf der Bundesstraße durch Sollenau, dann rechts weg Richtung Ebreichsdorf. Es gibt deann noch einen kleinen Zwischenfall mit einer Gruppe rotgekleideter dicker, fetter Radfahrer, mit Polizeieskorte (richtig, heute ist ja der 1. Mai, dann schwirrt alles mögliche Geschmeiß herum!), ich weiche diesmal auf einen Feldweg aus, kürze sogar etwas ab und bin - beinahe pünktlich - um 9.41 Uhr in Ebreichsdorf. Aber fragt mich nicht nach meinen Nerven! Das alles hat mich wahrscheinlich wieder ein paar Tage meines Lebens gekostet.

Habe nach dem Rennen noch eine gute halbe Stunde lang mit Stephanie geredet. Sie bringt einfach kein ordentliches, annehmbares Ergebnis zustande. Das ist doch nicht normal, nach all den guten Ergebnissen der letzten beiden Jahre. Sie trainiert seriös, versichert sie. Gut, ich glaube ihr. Beim Zeitfahren in Ybbs im letzten Drittel, beim Kirschblütenrennen gleich nach demStart durch Sturz ausgeschieden, in Langkampfen überrundet und bei den Letzten, und jetzt in
Ebreichsdorf abgerissen, überrundet und aufgegeben. Was soll ich davon halten? Wenn ich nicht genau wüßte, daß sie´s sehr viel besser kann, würde ich nicht so viel Mühe investieren. Heute ist sie abgerissen, hinten nachgefahren,  viel zu langsam, und sie hat nicht mal geschwitzt. Sie sagt, jedesmal (!) kommt ihr das ganze Essen hoch, und das Getrunkene sowieso. Das ist doch nicht normal! Physisch ist sie kerngesund! Ich tippe auf ein psychisches Problem. Und sie selbst hat dann auch zugegeben, daß sie sich viel zu sehr unter Druck setzt. Im Training passiert gar nichts, da haut alles hin. Da ißtund trinkt sie aber auch ganz was anderes. Also habe ich ihr geraten, im Training dasselbe zu essen wie vor und während dem Rennen. Und wenn dann gar nichts passiert, hat sie selbst den besten  Beweis, daß das nicht der Grund sein kann. Ich habe ihr auch gesagt, sie solle nicht mit dem Kopf durch die Wand, sondern sich ganz kleine Ziele setzen. Die nächsten Rennen braucht sie nicht zu gewinnen, nein, sie soll NUR INS ZIEL KOMMEN! Mal sehen, ob das was hilft. Wäre doch gelacht, wenn man das nicht hinkriegen könnte!

Von Ebreichsdorf aus geht es nach Norden, Richtung Znaim, und kurz vor der Grenze suche ich mnir ein Quartier. Morgen früh habe ich nicht mehr weit bis Znaim, keine 20 km sind es noch.

Samstag, 2. Mai 2009: STRASSENRENNEN IN ZNAIM

Bin zum ersten Mal in Znaim. Eine durchaus schöne Stadt (landschaftlich), aber etwas dreckig. Auffallend, daß eigentlich alle Ortschaften, egal ob Dörfer oder Städte, im Osten dreckig und schmutzig sind (Slowenien, Ungarn, Tschechien, usw). Aber schön grün ist es hier, das macht ein schönes Stadtbild.

Ein langes, schweres Rennen, viele, viele Steigungen, kleine, kleinere, größere Anstiege, es war ein andauernde Auf und Ab. Ich glaube, mit meinem dritten Rang habe ich das Maximum rausgeholt, sogar noch weit mehr als das. Vor mir nur Lipovsky und Krummer, beide tschechische Meister. Ein dritter Rang bei dieser Besetzung ist sicher mehr, als wenn ich gestern in Ebreichsdorf gewonnen hätte.

Sonntag, 3. Mai 2009: KARAWANKEN-RUNDFAHRT IN KIRSCHENTHEUER

Hetzjagd durch halb Österreich, von Znaim gestern abend noch heim nach Graz, heute früh um 7.30 Uhr wieder Abfahrt Richtung Klagenfurt. Eine kurze Nacht, ich habe nicht viel geschlafen, spüre dicke Beine, saure und verspannte Beine, obwohl ich gestern noch 40 km auslockern gefahren bin. Aber in der Tat, es waren halt gestern insgesamt 180 km, die ich gefahren bin, heute folgen weitere 140 im Rennen, dazu 20 beim Aufwärmen, mindestens genauso viele beim Ausfahren, macht also wieder 200 km. Auf den ersten Kilometern habe ich mich sehr quälen müssen, Gottseidank ist da ganz langsam gefahren worden. Naja, im Finale war ich jedenfalls wieder da, das war schon mal positiv. Eine klitzekleine Enttäuschung war der 5. Rang irgendwie schon, denn im Vorjahr war ich Dritter, und diesmal war Vorjahrssieger Groß Rudi nicht dabei. Mal kann halt nicht immer alles haben.

Bin heimgefahren, habe mich in die Badewanne geschleppt, meine müden Gebeine aufgeweicht. Danach habe ich die Ergebnisse auf der ÖRV-Seite durchgesehen, Stephanie ist ja die beiden Nachwuchsrennen in Oberwart gefahren. Ich war sehr gespannt. Gut, im Zeitfahren war sie klar abgeschlagen, aber es waren auch sturmähnliche Windböen. Und heute imStraßenrennen ist sie ausgefahren, ist ins Ziel gekommen! Zwar wieder weit abgeschlagen (auf 35 km hat sie gleich 10 Minuten verloren!), aber sie war im Ziel! Und bei den nächsten Rennen soll sie sich gefälligst dasselbe Ziel stecken: AUSFAHREN!

Montag, 4. Mai 2009

Heute geht es mir noch ziemlich schlecht, ich habe verdammt dicke Beine. Und heute früh einen Ruhepuls von 59! Dazu war ich den ganzen Tag immens müde, bin gar nicht trainieren gefahren, nicht mal locker rollen, statt dessen war ich wieder in der Badewanne und habe weiter entschlackt. Bin danach sehr bald schlafen gegangen.

Dienstag, 5. Mai 2009

Bin eine kurze 51-km-Runde gefahren, über Fernitz, Mellach, Wildon und Kalsdorf zurück nach Graz. Das Ganze in 1:49´ Stunden. Den Anstieg nach Mellach rauf bin ich in 5:38 gefahren, nicht schlecht, aber auch nicht weiß ich wie toll. Aber was mich bedenklich gestimmt hat: die ganze Zeit über viel zu hoher Puls, und nach ein paar schnellen Tritten war ich jeweils schon am Anschlag. Soll heißen: ich bin noch NICHT erholt, sondern im Gegenteil, ich bin ziemlich angeschlagen! Naja, muß wohl eine ruhigere Woche einschieben.

Mittwoch, 6. Mai 2009

Heute habe ich mir 81 km gegeben, bin über Großstübing rauf nach St.Pankrazen gefahren (leider in unglaublichen 27:27, ganze 10 Minuten langsamer als im Rennen!!!), dann über Stiwoll und St.Oswald (Anstieg in 8:19) und über Gratkorn zurück nach Graz. Schnitt 26,0. Und noch was: ich bin zwischen Stiwoll und Neudorf EINGESCHLAFEN!!! Tretend weggetreten - was für ein Wortspiel! Die Beine sind nach wie vor voller Milchsäüure, ich bin unglaublich müde, der Kopf fällt mir runter und die Augen zu. Was habe ich bloß? Habe ich mich wirklich so übernommen? Oder habe ich Aids? Bin wieder sehr früh schlafen gegangen.

Habe heute einen guten Bekannten getroffen, mit dem habe ich viel über meine heurige Saison und die bisherigen Ergebnisse geredet. Er hat dann gemeint, ich kann wohl noch nicht so gut in Form sein, wenn ich nach drei Rennen iun drei Tagen so angeknackst bin. Was mache ich denn zum Beispiel in einer dreitägigen Rundfahrt? Ich mußte ihm dann erklären: in einer Rundfahrt ist es nicht so arg, denn da fahre ich ja immer gegen dieselben Konkurrenten, die auch dieselbe Strecke fahren wie ich. Am letzten Wochenende aber bin ich drei einzelne Rennen gefahren, und ich bin jedesmal auf eine anderem, ausgeruhte Konkurrenz getroffen, während ich selbst immer mehr unter den Nachwirkungen der Tage zuvor gelitten habe. Dazu kommen natürlich auch noch die langen Autofahrten. Wer mal 4 Stunden am Stück imAuto gesessen ist, weiß, wie sehr sowas schlaucht. Und ich hatte insgesamt 12 Stunden Autofahrt hinter mich gebracht!

Freitag, 8. Mai 2009

Nicht zu glauben, heute bin ich ausgeruht und spritzig wie noch nie in dieser Woche! ICH BIN WIEDER DA!!! Und einmal mehr wird mir schmerzhaft bewußt, welch schmaler Grat es doch ist, den man da tagtäglich im Training und all den Rennen entlangfährt - das ist wie ein Ritt auf der Rasierklinge! Heute war es ein waschechtes Bergtraining. Ich habe lange überlegt, ob ich diese Runde fahren soll, und habe es dann letztlich doch gemacht - und nicht bereut! Bin den Anstieg nach Hiening (5 km lang und sehr steil in der ersten Hälfte) und in 21:05 hochgefahren. Es war das erste Mal heuer, daß ich da raufgefahren bin. Und am Ende hat mir nur eine gute´Minute auf meine persönliche Bestzeit gefehlt - nicht schlecht für einen 20minütigen Anstieg! Dann runter nach Semriach und links rauf nach Freßnitz. Den Anstieg bin ich gar in 13:18 Minuten raufgefahren, der ist auch sehr steil anfangs,  bei beiden Anstiegen bin ich mit 39/23 gefahren. Die 13:18 sind persönliche Bestzeit. DieForm hat in diesen Tagen wieder einen Sprung nach vorne gemacht. Das zeigt mir, daß ich alles richtig gemacht habe. Naja, das ist gar nicht selbstverständlich, besonders in so schweren Zeiten, wenn man noch unter den Nachwirkungen einer Überforderung leidet.

Samstag, 9. Mai 2009: STRASSENRENNEN IN DOBROWA (Slowenien)

Der Beginn eines unglaublichen Wochenendes, das beinahe einzigartig in meinem bisherigen Leben ist.Das Verhängnis nahm seinen Lauf, als ich nach dem Rennen duschen wollte. Da die Duschen am amnderen Ende des Ortes waren, bin ich mit dem Auto eines Bekannten mitgefahren, der ebenfalls dieses Rennen bestritten hat. Weil ich dann aber nach Italien weiterfahre zum nächsten Rennen, ist er mit seinem eigenen Auto nach Lubljana runtergefahren und fährt dann nach dem Rennen wieder nach Hause. In seinemAuto fahren wir also die 2 km ins funkelnagelneue Sportzentrum, das keine Wünsche offen läßt. Duschen mit Heißwasser! Das ist so ungewöhnlich, daß ich es hier wirklich erwähnen muß! Danach wieder zurüpck ins Zielgelände, ich bin wieder in mein Auto umgestiegen und sehr bald darauf losgefahren. Rauf zur Grenze, über den Loibl-Paß nach Österreich und auf der Autobahn Richtung Tarvis. Kurz vor dem Grenzübergang erreicht mich ein Telefonat, mein Freund ruft mich an, daß er in seinem Auto meine Sporttasche gefunden hat, die ich nach dem Duschen NICHT mehr rausgenommen habe! Mit drin auch meine Geldtasche und alle Papiere! Na servus!

Ab er noch ist nichts verloren, ich hatte ja vollgetankt, d.h. tanken kann gar kein Problem werden, das brauche ich bis nach Hause nicht mehr. Ist auch einer der Vorteile, wenn man ZWEI volle Tanks hat! (Benzin und Gas). Und in Medigliano bei Padua treffe ich mich um 20 Uhr abends mit Hans Unterguggenberger, meinem Teamchef, von dem sollte ich auch 100.-. € kriegen. Ich habe mein Geld meist aufgheteilt, also schaue ich in den beiden Taschen nach, die ich noch mitführe, und finde prompt 25.- € - das reicht, um die Maut zu bezahlen. Die rasante Fahrt geht über Tarvis, Gemona, Udine, Venedig und Padua runter bis Monselice (Richtung Bologna), wo ich dann die Autobahn verlasse und 12.- € berappen muß. Doch das wirkliche Unheil hat längst schon seinen Lauf genommen.

Nach der Mautstelle in Monselice komme ich  nicht mehr weg, der Wagen fährt kaum, ich trete aufs Gas, keine Reaktion, und nach ein paar Metern rollt er aus, alle Lichtlein gehen an. Dann ist es finster. Nachdem ich durch die lange Fahrt schon etwas müde war, bin ich mit einem Schlag hellwach. Ich probiere noch mal, anzustarten, und wie zum Hohn springt die verrückte Kiste an. Ich fahre weiter. Aber es geht sehr schwer, überhaupt nicht geschmeidig.Und nach einem halben Kilometer stehe ich wieder.  Als ich diesmal den Zündschlüssel rumdrehe, gibt es keine Reaktion, nicht mal den Funken eines Geräusches. So, als ob gar keine Batterie da wäre. Schöne Bescherung! Nach 20 Minuten springt er wiederr an und fährt normal, aber ich fahre diesmal nur etwa 150 Meter, bis ich einen sicheren Parkplatz finde und bleibe dort stehen. Muß wohl die Lichtmaschine sein. SCHEISS-LICHTMASCHINE!!!!!

Blick auf Monselice

Da es kurz vor 20 Uhr ist, wird wohl Hans gleich anrufen, weil er merken muß, daß ich nicht beim vereinbarten Treffpunkt bin. Statt dessen kommt sein Anruf, daß er noch bis 21 Uhr braucht. Ich sage ihm gleich, wo er mich findet und daß ich eine Panne habe, er soll sich gefälligst beeilen. Ich versuche dann noch ein paarmal, ihn anzurufen, aber mein Guthaben ist aufgebraucht. Der Tag wird immer besser, obwohl er zur Neige geht, Es wird langsam dunkel. Zu dieser Zeit kurvt Hans schon die längste Zeit in Monselice herum, findet mich aber nicht. Endlich, gegen 22 Uhr, erster Sichtkontakt!

Er bestätigt mir nach kurzer Inspektion, daß es sich wohl nur um die Lichtmaschine handeln kann, mit seinem Handy rufe ich dann den ÖAMTC-Superschutzbrief-Pannenservice an (in Wien!), komme wegen starken Andranges in eine Warteschleife. Ein Horror mit einem Handy mit begrenztem Guthaben! Endlich ist es soweit, ich deponiere den Wunsch nach einer Lichtmaschine, meinen Standort Monselice unterhalb von Padua mit Straßennamen, Kreuzung usw. also einer eindeutigen Beschreibung. Um 23 Uhr rufe ich nochmal an, weil sich außer einer paradiesischen Stille nichts ereignet hat. Kurz danach erste Kontaktaufnahme durch den ACI, den italienischen Pannendienst. Dort will jetzt ein englischsprachiger Typ wissen, woher ich meinen Standort weiß, woher ich so gut Italienisch kann, daß ich doch bitte mein GPS-System einschalten möge, damit man mich schneller findet und daß ich demnächst um 123.- € ab geschleppt werde. Ich muß dann noch einmal anrufen, um 23.45 Uhr, und tatsächlich, um 0,04 Uhr, rast ein ACI-Abschleppwagen vorbei. Der prüft dann noch einmal die Lichtmaschine, mißt den Ladestrom der Batterie, nickt zweimal anerkennend und schüttelt am Ende aber den Kopf. Mein geliebter BMW wird auf die Ladefläche gehievt. Auf das Schlimmste gefaßt, frage ich, wohin ich jetzt abgeschleppt werde, nach Padua, oder gar nach Rom? Nein, nach Monselice, meint er, nur 2 km entfernt.

Hans hat mir inzwischen erzählt, daß Mario Magri nicht daheim in Medigliano anzutreffen war. Der Typ ist der Obmann unseres italienischen Vereins GS Tecnoimpianti Padova, wir wollten dort unsere italienischen Lizenzen abholen. Wenn es dick kommt, dann kommt es meist knüppeldick. In wilder, rasender Fahrt geht es durch Monselice zurück, Richtung Autobahn, ins Industriezentrum am Ostrand der Stadt. Dort erreichen wir das riesige Firmengelände einer noch riesigeren Autowerkstätte. Mein Wagen wird in die Halle gerollt, diese wird abgesperrt. Ich hole mir noch eine Tasche raus, Papiere und Geld habe ich ja keines mehr. Der Pannenfahrer versichert uns, daß er gleich morgen, Sonntag, sich an die Reparatur  der Lichtmaschine machen werde, eine gebrauchte sei vorrätig und das alles gehe sehr schnell, unkompliziert und so gar nicht teuer. Ich solle morgen nicht vor Mittag auftauchen. Auf die Frage nach einer Herberge fährt er sogar noch voran, wir durchqueren Monselice in allen möglichen Richtungen ein weiteres Mal. Beim dritten Lokal gelingt es ihm, einen Wirt wachzukriegen. Wer sagt´s denn, es geht ja doch, und ich habe ja doch nicht nur Pech.

Sonntag,10. Mai 2009: ZWANGSAUFENTHALT IN MONSELICE

Kurz vor 21 Uhr früh krieche ich in edin Bett und sacke sofort bis auf den Boden durch. Egal, das ist jetzt auch nicht mehr wichtig. Hans sucht sich einen ruhigen Schlafplatz, er nächtigt ja in seinem Bus. Am nächsten Morgen werde ich gerädert wach, um 10 Uhr bezahle ich das Zimmer und warte draußen vor dem Haus am Parkplatz auf Hans. Die nächste böse Überraschung: das kleine Kämmerchen kostet mich 45.- €! Hans hat mir gestern abend noch meine 100.-. € gegeben und seine letzte Reserve noch dazu, weitere 110.-. Gegen 11 Uhr taucht er dann endlich auf, wir fahren zur Werkstätte, sind um ca 11.30 Uhr dort. Keine Sau zu sehen, natürlich alles abgesperrt, schließlich ist es ja auch Sonntag! Ich sehe auf der Visitenkarte nach, die mir der Pannenfahrer letzte Nacht noch überreicht hat. Da steht eine Telefonnummer drauf, ich rufe mit dem Handy an, eine süße Frauenstimme teilt mir mit, daß es unter dieser Nummer keinen Anschluß gibt. Ich probiere dann noch eine zweite Nummer, ganz klein geschrieben, eine Handynummer. Scheint der Werkstättenmeister zu sein, der weiß schon von dem Fall, macht mir aber sehr schnell klar, daß "domenica chiuso" sei und erst domani, also morgen, repariert werde. Das wiederholt er leierartig, daß ich schon den Eindruck kriege, es handle sich um ein Tonband, das steckengeblieben sei.

Wie die belämmerten Vögel sitzen wir da und beschließen dann, nochmal nach Medigliano raufzufahren und es bei Mister Magri zu versuchen. Das ist 24 km in Richtung Westen. Auf der Fahrt dorthin will mir Hans einreden, ich solle doch bei Magri übernachten, der führt mich dann schon nach Monselice zurück, am Montag vormittag. Ist mir nicht ganz recht, aber welche Wahl habe ich schon?

Wir bekommen wenigstens mal unsere Lizenzen. Jetzt kann ich hier in Italien Rennen fahren - wenn ich ein Auto hätte! Wir erzählen ihm die ganze Geschichte, er schüttelt nur andauernd den Kopf. Weil er aber doch ein ziemlich prominenter und hochangesehener Mensch in dieser Gegend ist, habe ich die Idee, er solle doch mal bei dem Werkstättenheini anrufen und ihm den Marsch blasen! Tut er auch, er redet ganz lange, gute 10 Minuten, aber das Ergebnis ist dasselbe: oggi chiuso! Doch nur 4 Minuten später klingelt Magris Telefon, und eine vielversprechende Nachricht kommt: wir sollten doch sofort zurück nach Monselice fahren, in einer halben Stunde kommt jemand! Wir knattern also wieder nach Monselice, sind gegen 14 Uhr dort, warten ein paar Minuten, und richtig, unser Pannenfahrer taucht auf. Aber der ist heute gar nicht mehr so freundlich wie gestern noch. Ziemlich barsch und unwirsch sperrt er auf und meint, ich solle gefälligst mein Rad aus dem Auto holen. Ich kann ihn dazu überreden, daß ich wenigstens das ganze Auto rausstellen kann, damit ich drin schlafen kann (eine weitere Nacht in der Pension kann ich mir nicht mehr leisten), es geht klar, ich fahre raus, muß aber dann gleich die Abschleppgebühr zahlen, die jetzt auf einmal 130.- € beträgt. Selbstverständlich ohne Quittung. Hat er wohl schwarz kassiert.

Was macht ein Radrennfahrer in jeder nur erdenklichen Lage? Richtig, er sitzt am Rad. Das habe ich schon länger nicht mehr gemacht, daher richten wir jetzt die Räder zu einer Trainingsfahrt her. Ich vorne weg, der Hans an meinem Hinterrad. Nach Süden, dann nach Westen, und über Este geht es wieder zurück nach Monselice. 32 km in der ungewohnten Sommerhitze, es hat hier 29° bei azurblauem Himmel. Badewetter pur. Hans fährt nachher nach Hause, überläßt mir noch sein Handy (das einzige, das noch Saft und ein wenig Guthaben hat). Ich bleibe zurück. Mit kaputtem Wagen im Industriegelände unter glühender Sonne im tiefsten Italien. Ich lasse meine ganze Wut und meinen Frust raus, fahre noch eine 100 km lange Runde, über San Bortolo und Tribano Richtung Osten, dann Wende und wieder zurück. Schnitt 30,4.

Ich habe noch 50.- €, richte mir den Wagen wohnlich für die Nachtruhe her. Im Industriegelände gibt es keinen Verkehrslärmn, ich schlafe gut bei offenen Scheiben (21° in der Nacht!) bis 6 Uhr morgens.

Montag, 11. Mai 2009: WAS EINE LICHTMASCHINE ALLES BEWIRKEN KANN...

Der Verkehrslärm weckt mich, der Morgen dämmert bereits herauf.Rechts und links rasen riesige Fernlaster an mir vorbei, an einSchlafen ist da nicht mehr zu denken. Ich parke den Wagen etwas weiter abseits und richte mich für eine frühmorgendliche Trainingsfahrt her. Laut Visitenkarte öffnet die Werkstätte um 9 Uhr, bis dahin möchte ich bereits meine heutige Trainingseinheit absolviert haben. Das Geld für dieAutobahnmaut habe ich nicht mehr, ich muß also alles auf den normalenStraßen zurückfahren. Damit ich die Umfahrung Padua auch wirklich richtig erwische, sehe ich mir das alles jetzt mal an, ich fahre also die 24 km nach Padua rauf. Der Frühverkehr ist beachtlich. Gut, es ist eine Hauptstraße, aber ich werde von so vielen Autos überholt, die so schnell fahren, daß ich kaum zum Luftholen komme. Dann habe ich Padua erre8icht, finde auch sofort einen Wegweiser nach Treviso und Pordenone, also genau die Straße, die ich nachher brauche. Ich also mit demRad rechts rein, und schon nnach 200 Metern bin ich auf einer breiten Straße mit drei Fahrstreifen, die verdammt an eine Autobahn erinnert.Sicherheitshalber nehme ich gleich wieder die nächste Ausfahrt, die in etwa 400 Metern rechts wieder rausführt. Oder doch nicht? Nein, es geht in einer ansteigenden Kurve nach links über die "Autobahn" drüber und rauf zur nächsten Autobahn.Ich bleiube stehen, m,öchte nicht mehjr weiterfahtren, komme aber auch von der Straße hier nicht runter. Es führt ein etwa 2 Meter hoher Gitterzaun am Bankett entlang, da ist kein Entkommen möglich. Also bleibt nur der Rückzug, ich drehe halt um und fahre dieselbe Strecke wieder zurück. Ist mir schon klar, daß ich zum Geisterfahrer werde, aber was soll ich denn sonst machen? Ein lebensgefährlicher Slalom zwischen entgegenkommenden Autos, die alle so um die 100 bis 120 km/h fahren, das alles auf der einspurigen, schmalen Auffahrt, die ich jetzt wieder - natürlich auch mit Höchsttempo um die 45 km/h - zurückfahre! Selten war ich so froh, eine Straße hinter mich gebracht zu haben! Es war dieTangenziale und die Auffahrt zur Autobahn gewesen, dieTangenziale war eine Autostraße, das habe ich nicht gewußt. Und angeschrieben war es eben - typisch italienisch - auch nicht gewesen.

Nach 52 km war ich wieder in Monselice beim Auto, die Werkstätte hat auch schon - um 8.14 Uhr - geöffnet. Die Dinge kommen in Bewegung! Jedenfalls eine seltsame Werkstätte - ein riesiges Gelände, so groß wie mehrere Fußballfelder, die Werkstättenhalle auch riesig, aber nur ein paar wenige Autos drin, keine Mechaniker zu sehen, eben kein Betrieb. Heraußen aber stehen weit über 20 Autos der Belegschaft. Stattdessen stolzieren ein paar ganz heiße Hasen rum, ihr seht sie auf dem Foto unten. Ich probiere es mit einem alten, saudummen Schmäh: "Heh, habt ihr Wasserfüße? Meine Wünschelrute schlägt wie verrückt aus!" Naja, sie verstehen´s nicht, und es ist wohl auch besser so.

 

Ich fahre den Wagen in die große Halle rein, dann muß ich es wohl sagen, daß ich nur mehr 50.- € für die Reparatur habe. Meine Ehrlichkeit wird mit einem Rapport beim großen, alten Paten bestraft. Erschüttelt den Kopf, will die ganze Reparatur wieder abblasen. Ich frage ihn, ob ich den Rest denn nicht mit Erlagschein bezahlen könne. Er lächelt mich wie einen Vollidioten an und sagt dann süffisant: Natürlich kann ich bezahlen, aber ausnahmslos VORHER, nicht nachher! Also lasse ich mir seine Bankverbindung geben und versuche, ob mein Handy noch genug Saft und Guthaben hat, um ein paar Worte zu sprechen. Ich rufe in derBank anund veranlasse eine Übverweisung von 200.- €, denn soviel wollte der patrone haben. Und veranlasse auch noch eine Faxnachricht an seine Werkstätte, damit er eine Bestätigung der erfolgten Überweisung hat. Ich möchte nämlich nicht noch ein paar weitere Tage hier versauern.

Mit dem Fax gibt´s Probleme,denn die Spezialisten in der Bank schaffen es nicht, eines abzuschicken.Die wissen nämlich nicht, daß man nach Monselice die LÄNDERVORWAHL eintippen muß! Als ich es ihnen sage, schaffen sie es noch immer nicht, denn natürlich muß man dann die darauffolgende Null WEGLASSEN! Mein Gott, ich muß wohl demnächst die Bank wechseln! Trotz der  zahlreichen Telefonate habe ich immer noch Guthaben! Alle Achtung, hätte ich nicht gedacht, denn es waren anfangs ja nur 40.-. € draufgewesen!

Um12 Uhr sperrt die Werkstätte bis 15 Uhr, und um 12.05 Uhr ist der Wagen fertig - GRANDE  MIRACOLO! Es ist wieder ein wunderschöner, heißer Sommertag, und ich sitze endlich im Auto und fahre nach Hause. Rechnung über die Reparatur habe ich keine erhalten, der Lump hat die vollen 200.- € kassiert! Gottseidank habe ich ihm meine 50.- nicht vorher auch noch bezahlt, sonst wären die jetzt auch weggewesen!

Aber der Tag ist noch nicht zu Ende, das GRANDE  MISFORTUNA geht noch weiter! Um 18 Uhr bin ich mit dem Hund auf der Wiese hinterm Haus und spiele Fangen, das hätte ich besser nicht tun sollen. Ich verdrehe mir, als ich in ein kleines Loch reintrete, das rechte, verletzte Knie völlig.Anfangs spüre ich gar keinen Schmerz, nach ein paar Sekunden kann ich schon wieder auftreten.Bis zum Abend aber ist das Knie ganz dick geschwollen.

Dienstag, 12. Mai 2009: KNIEVERLETZUNG

In der Frühe wird das ganze Ausmaß der Verletzung sichtbar: dick geschwollenes Knie, dick geschwollener Unterschenkel, jede noch so kleine Bewegung, vor allem seitliche, schmerzt ganz fürchterlich. Und ich kann auch kaum auftreten. Ich versuche es mit Salben, creme mich beinahe stündlich ein. Anfangs hilft es so gut wie nichts, ich mache mir auch je zweimal vor- und nachmittags eine Lymphdrainage, um mal das aufgedunsene Gewebe wegzukriegen. Ein Training ist undenkbar.

Mittwoch, 13. Mai 2009

Unveränderter Zustand. Genau wie gestern. Ich creme und massiere, sitze auch wie gestern zwei Stunden in der heißen Badewanne. Gegen Abend leichte Besserung.Der Unterschenkel ist so dick geschwollen, daß ich das Knie kaum abbiegen kann, die Haut spannt zu sehr.

Habe heute wieder ein paar Fotos auf der Seite "Fotos" eingescannt.

Donnerstag, 14. Mai 2009

Heute wage ich eine erste Ausfahrt, es geht eigentlich ganz gut, ich fahre 82 km (natürlich nicht flach, ich fahre 600 Höhenmeter!) Durch die Belastung wird der Schmerz NICHT ärger, das wundert mich doch. Die Steigung am Aframberg fahre ich in genau 7 Minuten rauf, das ist doch deutlich langsamer als sonst, auf den eineinhalb Kilomnetern verliere ich eine gute dreiviertel Minute. Das Problem: ich kann das Bein nicht strecken, dann ist der Schmerz nicht auszuhalten, also muß ich alles SITZEND rauffahren! Am Sonntag soll ich mit Hans beim Straßenrennen in Schrobenhausen (Deutschland) starten.Gottseidank ist das nur 48 km lang!

Freitag, 15. Mai 2009

Es geht etwas besser, ich trainiere heute 52 km flach, ich fühle mich etwas besser, das Knie heilt jetzt relativ schnell, nur der Unterschenkel bleibt immer gleich geschwollen.

Samstag, 16. Mai 2009

Kein Training, ich regeneriere, pflege mein rechtes Bein und frage mich Hunderte Male, ob es vernünftig ist, in einem solchen Zustand ein Rennen zu fahren, noch dazu eines in Deutschland! Ein Radrennfahrer aber dreht durch, wenn er nicht amRad sitzen kann. Da bin ich nicht viel anders. Also nehme ich mir fest vor, am Sonntag zu starten.

Sonntag, 17. Mai 2009: STRASSENRENNEN IN SCHROBENHAUSEN

Ich bin tatsächlich in Schrobenhausen am Start! Rechts oben seht ihr auf der Karte den kleinen Ort Königslachen, wo sich Start und Ziel des Straßenrennens befinden. Es war aufwendig, aber eine sehr schöne Strecke (leider zu kurz!), trotz meines Handikaps mit dem rechten Bein ist alles gutgegangen.

Nach dem Rennen habe ich auch meinen alten Freund getroffen, Kreuzer Otto, dem geht´s auch nicht besonders, er hat sich im letzten Dezember den Oberschenkel gebrochen, hat jetzt einen langen Nagel drin und erst jetzt die Lizenz erhalten, ist deshalb nicht gestartet, sondern war nur zusehen an der Rennstrecke. Es scheint also wirklich ein verteufeltes Jahr zu sein, dieses 2009 - alle, die ich kenne, haben außergewöhnliches Pech! Er möchte in zwei Wochen beim Glocknerrennen starten, vielleicht sehe ich ihn dann ja auch beim Bergrennen in Erl, der Tiroler Bergmeisterschaft!

Dienstag, 19. Mai 2009

Der rechte Unterschenkel entwickelt sich zu einem wahren Problem: er bleibt geschwollen, es wird überhaupt nicht besser. Dann komme ich jetzt endlich auf einen grünen Zweig: Schüssler Salze Nr.10! Und das hilft jetzt - wenigstens ein wenig. Ich fresse aber auch Unmengen davon.

Mittwoch, 20. Mai 2009

In dieser kurzen Woche habe ich kaum trainiert, nur jeweils kurze Distanzen, gerade maximal zweieinhalb Stunden, und ich bin alles mit dem neuenCorratec-Rad gefahren.

Donnerstag, 21. Mai 2009: SCHWECHATER MARATHON

Ich mag dieses Rennen einfach nicht, aber was soll ich machen? Es ist der einzige Bewerb, der heute am Terminkalender steht. Und irgendwie bin ich heilfroh, endlich wieder mal eine längere Distanz fahren zu können.

Freitag, 22. Mai 2009

Bin heute "nur" eine 58-km-Runde gefahren, die letzten 15 km aber im Regen.Eigentlich war das kein Regen, sondern so etwas wie ein Höllenbote: es ist mit einemSchlag ganz finster geworden, wie in stockdunkler Nacht, dann hat es zu nieseln begonnen, dicke, schwere Tropfen, dann immer heftiger, dann hat der Sturm aufgefrischt, es hat mit ganz kleinen Körnern zu hageln begonnen. Da ich mein Handy eingesteckt hatte, habe ich panisch nach einemSchutz hgesucht,und da ich nichts gefunden habe, durfte ich mir mit einer Zeitung behelfen, in die ich das Handy eingewickelt habe. Zuhause angekommen (ca 15 Minuten später), war das Handy der einzige Gegenstand, der staubtrocken war.

Samstag, 23.Mai 2009: KRITERIUM IN LORETTO

Das Kriterium war Gift für mein verletztes Knie: immer die Zielsteigung rauf antreten, dann über die Kuppe antreten, ich war permanent im Schmerzbereich.  Und so war ich froh, als der Spuk vorüber war, leider habe ich mit einer solchen Einstellung keine Chance gehabt, auch nur einen einzigen Punkt zu ergattern. Bin aber wenigstens Sechster geworden.

Sonntag, 24. Mai 2009: KRITERIUM IN OBERWALTERSDORF - OFFENER BRIEF, BESCHWERDE AN DEN ÖRV

Also so geht´s wirklich nicht, alles kann man sich und darf man sich einfach nicht gefallen lassen! Was war passiert? Hier eine Chronologie dieser Schweinerei:

Um ca.9.15 Uhr hole ich mir die Startnummer ab, da sagt mir kein Mensch irgendwas von einer Änderung des Ablaufs. Um10 Uhr starten die Master-1-Fahrer zu ihrem Rennen über 24 km, danach folgt mein Rennen, ich nehme also eine Startzeit ab 10.35 Uhr an und nehme mir vor, um 10.30 Uhr im Startbereich zu sein. Ich fahre zurück zum Auto, das zugegeben etwas weiter entfernt geparkt ist (etwa 800 m weit), dort ziehe ich mich um, richte meinRad her und beginne ab ca.9.40 Uhr mit dem Aufwärmen. Dazu fahre ich noch auf der Rennstrecke zwei oder drei Runden (á 750 m), dann fahre ich durch Oberwaltersdorf rauf nach Trumau und weiter nach Ebreichsdorf. Schließlich kehre ich um,fahre nach Oberwaltersdorf zurück und bin um ca.10.20 Uhr an der Rennstrecke, voll adjustiert (mit Helm, Rückennummer, Handschuhe, bin eigentlich bereit zum Start), muß aber zu meinem Entsetzen feststellen, daß meine Kategorie bereits das Rennen fährt, und zwar zusammen mit den Master-1-Fahrern! Nachdem ich mich ein paarmal über die Richtigkeit der Uhrzeit vergewissert habe, fahre ich zurück zur Nummernausgabe, gebe meine Startnummer wieder ab, nicht aber, ohne meinem  Zorn und Ärger Luft zu machen. Die nette, freundliche Dame, die natürlich nichts dafür kann, verweist mch an Herrn Langhammer, dem ich postwendend die Meinung sage. Auch Hansl Rudolf hat auf ähnliche Art und Weise wie ich den Start versäumt und ist dadurch ebenfalls zum Zuschauen verurteilt gewesen.

Die Rechtfertigung des Rennleiters: er habe so entschieden, weil seiner Meinung nach in der Kategorie 1 zu wenige Starter anwesend waren, also habe er die Klasse mit der Kategorie 2 zusammengelegt. KULANTERWEISE habe er mit dem Start sowieso bis 10.10 Uhr gewartet (!!!), habe die Änderung der Startzeit auch über Lautsprecher durchsagen lassen (das hört man natürlich nur im Start-Zielbereich und nicht bis in die nächste oder übernächste Ortschaft!) und alle Nichtanwesenden (dabei handelte es sich mit mir und Hansl um genau 2 Fahrer!) von allen möglichen anderen suchen lassen, als wir nicht gefunden wurden, hat er dann das Rennen eben ohne uns gestartet! Auf meinen Einwand, daß man so ein Kasperltheater doch nicht veranstalten könne, ernte ich nur ein kurzes Schulterzucken, soll wahrscheinlich heißen LECK MICH!

Ich frage dann noch, ob uns denn (Hansl und mir) eventuell ein Start in der Amateurklasse erlaubt sei, um den Tag nicht vollends zu verlieren, bekomme aber nur ein ganz klares und entschiedenes NEIN zu hören! Man kann sich meine Wut über diesen verschissenen Tag vorstellen! Nicht nur der Tag ist versaut, alle aufgewendeten Kosten (Benzingeld, Übernachten, Essen) sind zum Fenster rausgeworfen, und weil zu allem Überdruß dieses Rennen auch zur Jahreswertung des Ginner-Cups zählt, ist mir da jetzt auch noch ganz vehement reingepfuscht worden! Es handelt sich jetzt nämlich um mein Streichresultat, allerdings um ein erzwungenes! Soll heißen, daß ich ab jetzt jedes Rennen dieser Wertung fahren MUSS, KEINEN STURZ UND KEINEN DEFEKT HABEN DARF!!!

Ihr könnt euch sicherlich alle lebhaft vorstellen, daß ich mich über den warmen, sonnigen Sommertag in keiner Weise freuen konnte! Um dem ganzen noch ein Sahnehäubchen aufzusetzen, höre ich den Sprecher bei einem späteren Rennen, ich glaube, es war das Amateurrennen, folgenden Satz sagen (an den Zusammenhang kann ich mich zugegeben nicht mehr erinnern, den habe ich, glaube ich, gar nicht mitbekommen): WIR LEGEN DIE REGELN ETWAS LIBERALER AUS!!!

Da ist mir dann endgültig der Kragen geplatzt, und ich habe beschlossen, das nicht einfach hinzunehmen, sondern einen Beschwerdebrief, einen Offenen Brief, an den ÖRV  zu schicken. Muß mir erst noch die Statuten genau ansehen und mich kundig machen, was genau das ÖRV-Regelwerk zu diesem Fall sagt!

Dienstag, 26. Mai 2009: OFFENER BESCHWERDEBRIEF AN DEN ÖRV

So, heute ist es soweit, ich habe mir die ÖRV-Regeln genau reingezogen (viel habe ich dazu nicht gefunden!) Im folgenden also eine Kopie dieses Offenen Briefes:

An den ÖRV-Sportausschuß, zu Handen Christian Glaner, glaner@aon.at 

Werter Sportsfreund!

Ich muß meinem Ärger heute Luft machen und schreibe dir in deiner Funktion als Stellvertretender Vorsitzender des Sportausschußes, und zwar geht es um die Vorkommnisse beim Kriterium in Oberwaltersdorf am Sonntag, 24. Mai diesen Jahres. Zum Sachverhalt, wie er sich aus meiner Sicht darstellt:

Als ich um ca.9.15 Uhr meine Startnummer abgeholt habe, hat mich niemand über geänderte Startzeiten informiert, es war auch nichts diesbezüglich ausgehängt oder irgendwo angeschlagen, also bin ich von der offiziellen Ausschreibung ausgegangen, wo es heißt, daß um 10 Uhr die Kategorie Master 1 mit einer Distanz von 24 km eröffnet, und meine Klasse Master 2 zusammen mit Master 3 anschließend starten. Anschließend soll wohl irgendwann ab ca. 10.35 Uhr heißen. Ich hatte mein Auto ca. 800 m vom Start-Ziel-Bereich entfernt geparkt und habe dann begonnen, mich umzuziehen und das Rad herzurichten, bin dann um ca. 9.40 Uhr sogar noch 2 oder 3 Runden auf dem Rundkurs á 750 m gefahren, dabei natürlich auch bei der Sprechertribüne vorbei, auch da hat niemand etwas über geänderte Startzeiten verlautet. Danach habe ich mich aufgewärmt, und zwar außerhalb des Ortes, nämlich auf der Runde Oberwaltersdorf-Trumau-Ebreichsdorf-Oberwaltersdorf (ca. 20 km). Um ca.10.20 Uhr war ich wieder in Oberwaltersdorf und bin zur Rennstrecke zurückgefahren, wo ich entsetzt feststellen mußte, daß meine Kategorie Master 2 bereits das Rennen fährt, nämlich zusammen mit der Klasse Master 1.

Nachdem ich den Rennleiter gefragt habe, was es mit diesem Chaos auf sich habe, mußte ich folgende Antwort akzeptieren: er habe das Starterfeld der Kategorie Master 1 für zu klein befunden, um ein eigenes Rennen zu fahren, deshalb die Klassen 1 und 2 kurzerhand zusammengelegt, diese Änderung über Lautsprecher  verkünden lassen und hat sogar noch anderen Rennfahrern aufgetragen, alle betreffenden Fahrer darüber zu informieren. Danach habe er mit dem Start auch noch kulanterweise bis ca.10.10 Uhr gewartet, ehe das Rennen gestartet wurde. Ich habe eben Pech gehabt und müsse das akzeptieren.

Natürlich sehe ich das nicht so, habe mich stattdessen im ÖRV-Regelwerk kundig gemacht und glaube, daß die Entscheidung des Rennleiters nicht ganz richtig war.

Meine Argumentation: Es stimmt schon, daß der Rennleiter bzw. das Renngericht Änderungen beschließen darf. Am Vortag in Loretto sind in der Klasse 1 doch 9 Fahrer gestartet (zu einem eigenen Rennen), in Oberwaltersdorf waren es mit 6 Mann zugegebenermaßen schon recht wenig. Aber wenn die Kat.1 zur Kat.2 gelegt wird, dann heißt das doch, daß das Rennen der Klasse 1 verschoben wird, nämlich zum geplanten Startzeitpunkt der Klasse 2. Ein Rennen nach hinten verschieben ist kein Problem, eines vorziehen, macht IMMER Probleme. Unter Punkt 2.2.03 heißt es im ÖRV-Regelwerk: "Mit Ausnahme von kleineren Änderungen im Streckenzeitplan sind Änderungen im Rennprogramm bzw.der technischen Ausschreibung NICHT gestattet, es sei denn, ALLE  betroffenen Parteien geben ihre Zustimmung oder das Reglement gebietet es." Ich glaube nicht, daß eine Vorziehung der Startzeit um gut 20 Minuten eine KLEINE Änderung ist, zumal ich nicht davon verständigt wurde. Die ganze Veranstaltung wurde sowieso künstlich hinausgezögert, indem nach jedem Rennen eine Pause von 10 bis 20 Minuten eingelegt wurde. Und da ist die Frage sehr wohl gestattet, wem es nicht zuzumuten gewesen wäre, auf diese Pausen zu verzichten und so einen Start um 10.30 Uhr oder 10.35 Uhr problemlos im Ablauf unterzubringen?

Unter 2.4.39.b heißt es dann noch: "Gemeinsame Startmöglichkeiten verschiedener Kategorien bei nationalen Rennen werden, wenn erforderlich,  laut Beschluß des ÖRV-Sportausschusses bekanntgegeben."

Einen Hinweis auf irgendeine Aussendung des Sport-Ausschusses habe ich nicht erkennen können. Ist es nicht vielmehr so, daß eine Kategorie, die aufgrund fehlender Starter mit einer anderen zusammengelegt wird, immer der NÄCHSTHÖHEREN zugeordnet wird? Hätten dann nicht die Master-1-Fahrer  im Rennen der Amateure starten müssen? Der Effekt der Zusammenlegung der Klassen 1 und 2 war nämlich u.a. der, daß die Klassen 3 bis 6 ein gemeinsames Rennen fahren mußten, was auch bei vielen Startern auf Unmut gestoßen ist.

Tatsache ist, daß um 9.40 Uhr (bei einer geplanten Startzeit von 10 Uhr) noch keine Änderung bekanntgegeben war, diese also äußerst kurzfristig erfolgt sein muß, was natürlich noch größere Probleme geradezu provoziert.

Die Rechtfertigung des Rennleiters, die Änderung über Lautsprecher verkündet zu haben, kann ich nur als verspäteten und daher völlig unpassenden Faschingsscherz abtun. Dieser Lautsprecher war nur im Start/Ziel-Bereich hörbar, dort waren KEINE Autos von Rennfahrern geparkt. Und bis in die Nachbarorte, wo ich mich aufgewärmt habe, war der Lautsprecher natürlich NICHT zu hören, genauso wenig wie etwa 800 m weit weg, wo mein Auto und auch jenes von Hansl Rudolf geparkt waren.Und auch die Aussage, daß andere Rennfahrer alle zu benachrichtigen haben, kann ich nur als Ausrede gelten lassen, denn das ist NICHT Aufgabe der Rennfahrer, sondern des RENNGERICHTES. Und wenn ich die RECHTZEITIGE Benachrichtigung ALLER Teilnehmer nicht gewährleisten kann, dann darf ich eine solche Änderung eben NICHT beschließen, zumal eine dringende Notwendigkeit meiner Ansicht sowieso nicht bestanden hat, da ja auch bei den Rennen der Unlizenzierten ähnlich geringe Starterzahlen zu bemerken waren. Geringe Starterzahlen sollten sich vielmehr auf die PREISGESTALTUNG auswirken, nicht auf die STARTZEIT.

Um dem Ganzen noch einSahnehäubchen aufzusetzen, habe ich bei einem der späteren Rennen (ich glaube, es war das Amateurrennen) den Sprecher folgenden Satz über Lautsprecher sagen hören: "WIR LEGEN HIER DIE REGELN ETWAS LIBERALER AUS!" Der Zusammenhang dieses kryptischen Satzes blieb mir verschlossen, wohl aber macht es mich nachdenklich, wenn sich der Sprecher selbst zum Renngericht addiert oder aber auch nur den Manjestätsplural anwendet - wer genau ist mit "wir" gemeint? Und was meint er mit "liberaler"?

Ich habe den Rennleiter noch gefragt, ob nicht HANSL RUDOLF und ICH, um nicht einen gänzlich verlorenen Tag zu haben, wenigstens im Rennen der Amateure mitfahren dürften, aber nur ein striktes Kopfschütteln und ein ganz klares, dezidiertes NEIN gehört.

Was das ganze Tohuwabohu noch prekärer macht, ist die Tatsache, daß das Kriterium in Oberwaltersdorf in den Masterklassen zum Ginner-Cup zählt, da gibt es eine eigene Ausschreibung (Jahreswertung!). Im Laufe dieses Cups ist im Kalenderjahr 2009 ein Streichresultat vorgesehen. Dieses wurde mir jetzt sozusagen zwangsweise verordnet, soll heißen, daß ich in allen restlichen Rennen dieses Jahres starten MUSS, KEINEN STURZ UND KEINEN DEFEKT HABEN DARF! Da würde ich es nur als recht und billig ansehen, wenigstens in der Masterklasse 2 dieses Rennen aus dem laufenden Cup zu streichen! Ich finde das eine ganz eindeutige Benachteiligung.

Mal ganz abgesehen von den Benzinkosten (die sowieso schon wieder steigen), den Übernachtungskosten, den Diäten usw.und, um es mal ganz hart auszudrücken, abgesehen vom ganzen Tag, der meinem Leben gestohlen wurde, möchte ich mit meinem Protest erreichen, daß ein solcher Fall nicht so bald WIEDER passiert bzw. daß die ganze Situation mit dem Ginner-Cup zu einer halbwegs sportlich zufriedenstellenden Lösung kommt.

Auf solche Art und Weise wird jedenfalls weder Werbung für den Radsport betrieben noch wird das Vertrauensverhältnis zwischen Rennfahrer und Funktionär und Verband gestärkt, im Gegenteil, damit wird so unglaublich viel zerstört, daß ich mich nur wundern kann, daß dieser (Image-)schaden so schnell und unüberlegt in Kauf genommen wird. Vor allem im vorliegenden Fall, den man auf mehrere Arten hätte zur Zufriedenheit aller lösen können. Stattdessen wurde eine Variante gewählt, die nur Verlierer zurückläßt.

In dem Vermutung, wahrscheinlich nichts mehr mit diesem offenen Brief verändern zu können, hoffe ich, wenigstens für zukünftige solche Ereignisse ein etwas sensibleres Bewußtsein zu schaffen.

Mit sportlichen Grüßen, die beiden Master-2-Fahrer

ROBERT BARTONEK & RUDOLF HANSL

Donnerstag, 28. Mai 2009: ANTWORT VOM ÖRV

Ha, das rechteBein ist nicht mehr so geschwollen! Bin heute eine 52-km-Runde gefahren, den Anstieg auf den Murberg nach  Mellach bin ich dabei in 5:08 gefahren - so schnell wie noch nie!

Und heute habe ich auch eine Antwort vom Glaner Christian vom ÖRV auf meinen Offenen Beschwerdebrief vom Dienstag erhalten, lest selbst:

 Lieber Sportfreund!
Wir hatten am Donnerstag, 28.05., Sportausschusssitzung, und ich habe von
deiner Beschwerde erzählt. Natürlich war es von der Rennleitung sehr
ungeschickt, den Start für eine Kategorie vor zu verlegen. Wir werden in
Zukunft darauf achten und die Veranstalter darauf hinweisen, dass man zwar
durchaus später als geplant starten kann, dass aber Vorverlegungen von
Startzeiten zu vermeiden sind. Leider ist speziell bei der Kategorie Masters
die Problematik gegeben, dass manchmal genügend, dann aber wieder zu wenig
Starter vor Ort sind.
Ich hoffe, eine zufrieden stellende Antwort gegeben zu haben und wünsche Dir
und Rudolf Hansl eine erfolgreiche und vor allem unfallfreie Radsportsaison.
                         Mit sportlichen Grüßen
                         Christian Glaner
 

Eine ziemlich verwaschene und nichtssagende Antwort! Wenigstens aber kann ich hoffen, in Zukunft nicht mehr mit solchen "Willkürakten" heimgesucht zu werden - ist ja auch schon was! Die Wertung des Ginner-Cups ist damit selbstverständlich nicht gelöst, bzw. schon gelöst, denn wie es scheint, interessiert das überhaupt niemanden. Muß mich da noch schlau machen, an welcher Stelle ich da weiterbohren kann. Jetzt ist´s eh schon egal, jetzt war ich schon mal auf der Tagesordnung der Sportausschußsitzung, damit habe ich wahrscheinlich schon einen ganz dicken schwarzen Fleck in Form eines Minus. Vielleicht werde ich jetzt bei Rennen, bei denen der Ch. L. Rennleiter ist, wegen anderer Paragraphen disqualifiziert? Ein paar zur Auswahl:

* Aufwärmen auf der Rennstrecke

* Aufwärmen ohne Sturzhelm

* Blöd grinsen beim Vorbeifahren an der Rennleitung

* Schauen gegen die Fahrtrichtung

* Aufmüpfig sein (dehnbarer Begriff, daher sehr gefährlich!)

* Nennen ohne Nenngeld

Wie ihr seht, sind der Phantasie wirklich keine Grenzen gesetzt! Der ÖRV lebe dreimal hoch!!! Wenn man glaubt, blöder geht´s nicht mehr, kommt von irgendwo der ÖRV daher!

Ein ganz anderes Thema möchte ich noch ganz kurz behandeln: das Starten von Lizenzfahrern bei sogenannten "schwarzen" Rennen. Es wird ja heuer amngeblich vom ÖRV besonderes Augenmerk darauf gelegt, daß diese Fälle alle erfaßt und sanktioniert werden. Vorgesehene Sanktionen: beim ersten Mal Aufnahme in eine sogenannte "schwarze Liste", da hat man dann sozusagen die Arschkarte, im Wiederholungsfall Sperre bis Saisonende. Ich habe jetzt ja die Statuten besonders genau durchgeackert, daher weiß ich da jetzt Bescheid. Achtung: diese Regelung betrifft die Masterlizenzen NICHT! D.h., Masterfahrer dürfen an diesen "schwarzen" Rennen also teilnehmen, an Marathons und anderen Rennveranstaltungen, die nicht über den ÖRV laufen. In Gefahr sind da also nur die Elitefahrer, die U-23, die Amateure und die Nachwuchsklassen.

Ein weiteres Problem: Ende Mai läuft die Überziehungsfrist meines Kfz-Pickerkls aus, daher habe ich noch bis Sonntag Zeit, um ein neues zu bekommen. Natürlich habe ich in den letzten Wochen alles mögliche saniert und gerichtet, u.a. den Auspuff geschweißt, am Hinterrad den Bremskraftverstärker erneuert, dazu gleich ein Lager, Ölwechsel, die Flüssigkeiten ergänzt und erneuert, u.ä. Heute wart dann der großeTag. Der Wagen war in der Werkstätte. Hier in Graz, aber ich sag lieber nicht, in welcher. Jedenfalls hab ich das Pickerl wegen fadenscheiniger Gründe NICHT gekriegt, und zwar: wegen einer Sonnenschutzfolie an der Heckscheibe,  weil das Gebläse kaputt ist, weil ein Scheinwerfer rechts hinten nicht funktioniert, weil der Fahrersitz kaputt ist, weil die Stoßdämpfer sowas von hin sind, und weil überhaupt der falsche Motor drin ist!! Jetzt muß ich mal überlegen, was ich als nächstes mach, bis Sonntag jedenfalls kann ich ja noch fahren. Der Kärntner Marathon in Bad Kleinkirchheim ist also gesichert.

Freitag, 29. Mai 2009: RADSPORTKALENDER

Heute möchte ich euch mal was ganz anderes zeigen, vielleicht habt ihr schon davon gehört, ihn gesehen oder ihr habt ihn gar schon zuhause: den neuen Radsportkalender miut Frauen-Motiven! Der Cyclepassion-Kalender zeigt insgesamt 7 Radsportlerinnen, die sich beinahe hüllenlos präsentieren.

 

SabineSpitz (BRD) ziert das Titelcover.

Die Schweizerin Jennifer Hohl

Die amerikanische Bikerin Willow Koerber

Die australische Bikerin Nikki Gudex

Das Neueste von der "Pickerl"-Front: neuer Termin - natürlich bei anderer Werkstätte - nächste Woche Donnerstag! Bis dahin muß ich den Wagen pickerlreif haben. Also ran ans Werk!

Samstag, 30. Mai 2009

Mir ist schlecht, ich fühle mich nicht gut. Im Magen ist mir ganz flau, als müßte ich jeden Moment kotzen. Heute wäre ja auch das Hocheck-Bergrnenen in Furth gewesen, aber ich bin nicht hingefahren. Eben, weil icbh mich nicht so 100%ig fühle und mich für morgen schonen möchte. Der Start war ja auch schon um 10 Uhr vormittags - furchtbar! Und geregnet hat es auch ganz stark!

Sonntag, 31. Mai 2009: KÄRNTNER NOCKALM-MARATHON IN BAD KLEINKIRCHHEIM

War ein verhauter Tag heute, da hat nichts gepaßt, und alles ist danebengegangen. Beim Aufstehen war mir schon ganz schlecht, ich hatte Ruhjepuls 77, da hätte ich ja ins Spital gehört! Aber nein, ich muß nach Kärnten runterfahren. Angesichts der 106 km langen Strecke über die Nockalm-Straße habe ich noch ausgiebig gefrühstückt, obwohl ich das Zeug gar nicht runtergebracht habe, ich hab´s halt - schauerlich - einfach runtergewürgt.

Schneebedeckt präsentieren sich in der Frühe die Nockberge

Und was muß ich dann sehen, als ich in Kleinkirchheim angekommen bin? In den Nockbergen hat es geschneit, 10 cm Neuschnee, Schneefahrbahn und eisige Straße, da ist an Radsport nicht zu denken. Also hat der Veranstalter die B-Strecke gewählt, die ist aber nur 62 km lang und führt nach Süden nach Arriach. Wirklich kein Ersatz. Eine schlechte Kopie vielleicht. Als Vorbereitung auf die Straßenmeisterschaft wäre die Originalstrecke über die Nockalm-Panoramastraße nciht schlecht gewesen, aber so? Natürlich habe ich nicht verdaut, ein Riesenklotz steckt mir im Bauch, im prall gefüllten, der mir bei jedem Schritt im Weg ist. Und bei 6° C - aber Sonnenschein - richte ich mich fürs Rennen her. Gut, es scheint die Sonne, aber es ist ja doch irgendwie Winter, tiefster Winter sogar. Das Rennen geht daneben, mir ist einfach nur sauschlecht. Wahrscheinlich bin ich grün und gelb und weiß und blau im Gesicht. Jedenfalls fühle ich mich so.

Der größte Erfolg heute: ich vermeide es, vor den Leuten auf die Straße zu kotzen.

Montag, 1. Juni 2009

Habe zwar trainiert, aber die letzte Stunde war ganz komisch.Mir war wieder schlecht, ganz flau im Magen, ein undefinierbares Gefühl, wenn sich ein pelziger Magen umstülpt. Aber es war mir doch schon ein klein wenig besser als gestern.

Dienstag, 2. Juni 2009

Wieder knappe drei Stunden trainiert, aber ich bin immer noch nicht gesund. Mir geht´s gar nicht gut, dazu muß ich auch noch schauen, mein Auto fürs Pickerl rechtzeitig fertigzubekommen.

Donnerstag, 4. Juni 2009

Zwei Tage lang hat es geregnet, wie im April, ein furchtbares Wetter! Habe heute wieder zweieinhalb Stunden am Berg trainiert, aber ich fühle mich alles andere als gesund. Muß jetzt auch meine Terminplanung imJuni nüberdenken, die beiden Langdistanzen kann ich sowieso schon vergessen, nämlich Mailand-San Remo (13.Juni) und die Plattensee-Rundfahrt (14.Juni). Abgesehen davon, daß nicht mal ein Ochse am Samstag 298 km und dann am Sonntag 210 km verkraftet, liegt ja auch noch halb Europa dazwischen. Und am 14. Juni die Österreichische Straßenmeisterschaft in Amstetten. Scheiß-Termine - da kommt wieder einmal alles zusammen!

Hab das Auto heute in der Werkstätte gehabt, ist mal durchgesehen worden, bis morgen muß ich dann die Mängel behoben haben, die da sind: dunkle Folie auf der Heckscheibe muß weg, die habe ich weggekletzelt - eine Scheißarbeit, die zwei Stunden gedauert hat! Bremsflüssigkeit muß erneuert werden, die Temperatur ist zu niedrig. Scheinwerfer rechts hinten brennt nicht, beim Sitz war die Lehne locker, mußte zwei Schrauben anziehen, auch beim Beifahrersitz. Dann noch Handbremse nachgestellt, Ölwechsel, alle Flüssigkeiten aufgefüllt und erneuert. Das Lüftungsgebläse ist in Ordnung, genauso wie die Stoßdämpfer. Und der Motor? Statt dem 316er ist halt der 318er drinnen, und jetzt regen sich alle auf, weil der größer und stärker ist. Schon mal was von einem Tauschmotor gehört???? Aber selbstverständlich ist das alles typisiert, genauso wie der Gastank. Habe halt vergessen, den Typenschein zum Pickerl mitzunehmen, aber wer macht denn das schon???

Freitag, 5. Juni 2009: HURRA, DAS PICKERL IST DA!

Es hat geklappt, ich hab das Pickerl, die Überprüfung hat 20 Minuten gedauert und gezahlt habe ich 42.- €!

Am letzten Samstag wäre doch das Hocheck-Bergrennen gewesen, ich war auch angemeldet, bin dann aber nicht hingefahren, weil es mir so schlecht gegangen ist und weil ich mich da für den sonntägigen Marathon schonen wollte. Jetzt muß ich erfahren, daß das Rennen VERSCHOBEN wurde, weil es GEREGNET hat!!! Ja, richtig verstanden, es hat geregnet, und wegen ein paar Wassertropfen wurde das Rennen um eine Woche verschoben! Nicht auszudenken, wenn ich da letzten Samstag hingefahren wäre! Was sind das bloß für Leute??? Jetzt habe ich morgen eine neue Chance. Aber ich glaube, ich fahre nicht hin, mir ist das alles jetzt suspekt. Vielleicht nächstes Jahr. Wenn überhaupt.

Samstag, 6. Juni 2009

Morgen also die erste österreichische Meisterschaft in diesem Jahr. Viel später als im vorigen Jahr, gut für mich. Wie im Vorjahr also auch heuer wieder auf dem 950 m langen traditionellen Stattersdorfer Rundkurs findet das alljährliche Kriterium statt, heuer also zum zweiten Mal um die Meisterschaft.

Sonntag, 7. Juni 2009: SILBERMEDAILLE  BEI  DEN  ÖSTERREICHISCHEN  KRITERIUMSMEISTERSCHAFTEN  IN  STATTERSDORF

Vizemeister! Silbermedaille bei der Österr. Meisterschaft! Wie klingt das denn? Ausgerechnet im Kriterium, ich als absoluter Nichtsprinter! Das ist doch die sprichwörtliche Faust aufs Auge! Irgendwie sensationell und völlig unerhofft und unvermutet. Gut, es war knapp, und vom Sieg war ich meilenweit entfernt, der ist sowieso nie in Frage gekommen.

Als Nichtsprinter habe ich beim Kriterium nur eine einzige Möglichkeit, nämlich alleine wegzufahren und so zu Punkten zu kommen. In diesem Rennen war die Masterklasse 3, mit der zusammen wir Master-2-Fahrer gestartet sind, die klar stärkere. Es waren mehr und stärkere Fahrer vorne dabei als aus meiner Klasse 2. Dadurch - logisch - reichen doch in meiner Kategorie weniger Punkte zu einem vorderen Platz. Genau das war mein Glück. Ich muß wegfahren, um zu Punkten zu kommen. Und das kann ich auch gegen stärkere Gegner, gegen eine stärkere Kategorie. Aber die anderen machen dann weniger Punkte. Deshalb habe ich - wenn ich zusammen mit stärkeren Fahrern das Rennen absolviere - bessere Chancen, als wenn z.B. meine Klasse alleine oder zusammen mit einer schwächeren Kategorie fahren würde.

Es ist auch eine Tatsache, daß in diesem Rennen meine Klasse 2 stark geschwächt angetreten ist. Im Vorjahr noch waren etwa  Habacher, Del Pozo, Groß, Wulz dabei, die heute nicht gestartet sind, auch Gössler (Drahteisel) hat gefehlt, und die alle wären starke Fahrer gewesen. Mit denen wäre ich SICHER NICHT Zweiter geworden. Nicht, daß ich mich aufrege, nein, ich bin ja irgendwie dankbar, daß die alle nicht dabei waren. Es ist nur eine Erklärung für meinen zweiten Platz, der bei dieser Konstellation und Besetzung nämlich überhaupt NICHT überraschend war. In dem Moment, in dem ich weggefahren bin und die fünfte Wertung gewonnen habe, war mir klar, daß ich ein potentieller Kandidat fürs Podest bin.

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An den beiden Bildern kann ich mich gar nicht genug sattsehen.

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Warten auf die Siegerehrung, Zeit totschlagen, von vorne: Erich Lebersorger, Herbert Kovarik, Siegfried Rothauer, RobertBartonek, Hans Unterguggenberger

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Der neue österreichische Kriteriumsmeister der Klasse 2, Günther Iby mit Freundin

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Der Alte hat gut lachen: Josef Schalk hat seinen Kriteriumstitel in der Klasse 4 erfolgreich verteidigt.

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Für das leibliche Wohl ist gesorgt, doch die Zubereitung der Speisen ist derart ungustiös, daß mir auch gloeich wieder das große Kotzen kommt. Schwamm drüber.

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Zeit totschlagen. Von links: Siegfried Rothauer mit Frau, vorne Fahrafellner, in der Mitte M. und E. Gaubitzer, rechts Schuler und Haider, dahinter Unterguggenberger und ich

Montag, 8. Juni 2009

Heute habe ich mein Handy abschalten müssen. Seit gestern nachmittags sind insgesamt 87 Glückwunsch-SMS zum Vizemeistertitel eingegangen. Das zeigt mir dreierlei:1. durch das Handy bin ich immer erreichbar. 2. immer erreichbar zu sein ist Scheiße, 3. es gibt eine Menge Leute, die sich mit mir freuen, mindestens 87 an der Zahl. Okay, Leute, es tut mir leid, ich wußte nicht, daß es so viele sind.

Das Training für die Staatsmeisterschaft am Sonntag geht weiter. Bin heute über den Pfannberg in Semriach gefahren, war in 31 Minuten oben. Leider nicht die schnellste Zeit, da war ich schon mal 2 Minuten schneller. Aber es war immerhin das erste Mal heuer. Sehr starker störender Wind, und das war schon sehr interessant, denn der ist IMMER von vorne gekommen. Ein meteorologisches Phänomen. Eigentlich nicht erklärbar. Daher lasse ich es einfach so unkommentiert stehen.

Mittwoch, 10. Juni 2009: AUSSCHEIDUNGSRENNEN AM WACHAU-RING BEI MELK

Die Aufholjagd im Ginner-Cup geht weiter: es ist die wohl wichtigste Woche in diesem Cup, es stehen vier Rennen auf dem Programm: am letzten Sonntag Kriteriumsmeisterschaft, heute Ausscheidungsrennen, morgen Bergrennen, am Sonntag Straßenmeisterschaft. Begonnen hat der Tag wieder mit unglaublicher Hektik. Einen Rennbericht zu lesen ist eine Sache, aber wie es dazu überhaupt kommt, daß ich am Start stehe, das ist was ganz anderes. Gut, den Rennbericht könnt ihr sowieso an anderer Stelle nachlesen, hier geht es um den Hintergrund. Nämlich um die Anfahrt. Um die Strecke Graz - Melk.

Ich weiß auch nicht wie, aber ich war fest der Meinung, für diese Anfahrt reichen 3 Stunden aus. Um 16 Uhr starten die Masterklassen 4 bis 6, danach folge ich, also etwa um  16.30 Uhr. Also muß ich spätestens um 15 Uhr dort sein, das heißt, um 12 Uhr daheim wegfahren. So weit so gut. Aus irgendwelchen saudummen Gründen, auf die ich hier gar nicht näher eingehen will, war ich - wieder mal - viel zu spät dran. So bin ich erst um 13.50 Uhr weggefahren. Eigentlich aussichtslos. Der erste Teil war schon lähmend langsam. Durch Graz brauche ich fast eine halbe Stunde, und da war ich schon sehr schnell unterwegs. Endlich Autonbahnauffahrt Gratkorn erreichzt, jetzt geht´s so richtig los. Tempo 150, dann 180, dann 200. Dazwischen bei der Autobahnraststätte Gleichalmtunnel Gas volltanken. Dann geht die Raserei wieder weiter. In Kapfenberg runter von der Autobahn, rauf nach Aflenz, Kurvenorgie. Und immer ein paar langsame Sonntagsfahrer vor mir, die unnötig im Weg herumstehen. Dabei ist heute gar nicht Sonntag. Weiter über den Seeberg. Wußte gar nicht, daß man den mit 100 km/h rauffahren kann.Das war schon eine ganz seltsame Erfahrung. Dann weiter nach Mariazell. Endlose Berge, Josefsberg, Annaberg, eine Qual für Reifen und Bremsen. Dann endlich unten. Das Telefon läutet. Es ist 15.10 Uhr. Hans ist dran, der am, Wachau-Ring schon ungeduldig wartet. Ich müßte ja schon längst dort sein. Ich rase derart schnell dahin, daß ich das Handy erst beim dritten Versuch zu fassen kriege. Als ich ihm sage, daß ich kurz vor Freiland bin, meint er, es ist sowieso zu spät, ich solle normal weiterfahren, den Start könne ich sowieso vergessen.

Aber im Ginnercup hab ich schon mein Streichresultat. Wenige Augenblicke später bin ich durch Lilienfeld durch, durch Türnitz auch gleich, dann ist Wilhelmsburg an der Reihe. Es ist 15.54, als ich St.Georgen passiere, unmittelbar vor der Autobahnauffahrt. Dann endlich in St.Pölten-Süd auf die Autobahn, und sofort wieder rauf auf 200. Aber das geht nicht so recht, weil einfach viel zu viel Verkehr ist. Und Verkehr heißt, daß die meisten mit 110 km/h auf der zweiten und dritten Spur fahren. Falls man das überhaupt fahren nennen kann. Die 27 km Autobahn fahre ich in sage und schreibe 9 Minuten. Dann noch 3 km, ich rase quietschend bei der Einfahrt zum Parkplatz am Wachau-Ring vorbei, parke mich danach am Waldrand ein und beginne in Windeseile, das Rad zusammenzubauen, mich umzuziehen. Schnell noch die Geldtasche einstecken und runter gehts zum Rennbüro. Um 16.14 habe ich die Rückennummer am Trikot, die alte Masterklasse ist noch nicht mal gestartet, ich kann sogar noch 4 oder 5 Runden am Ring fahren, ehe die sich zum Start aufstellen. Noch mal gutgegangen!

Am 6. und 7. Juni war ein Lauf zur Rallyecross-EM hier am Wachau-Ring, wenn es seither geregnet hätte (was Gottseidank nicht der Fall war), dann wäre die Strecke durch den Gummiabrieb zu einer seifig-schmierigen Oberfläche geworden. Ohne Aufwärmen, mit einem Kaltstart sozusagen, werde ich Dritter in meiner Klasse, ich kann Hansl und sogar Iby schlagen, auch Nutz. Das sind alle drei sehr wichtige Leute, liegen sie doch in der Gesamtwertung vor mir. Nutz und Iby aber noch OHNE Streichresultat. Über diesen 3. Platz bin ich sehr erstaunt, den hätte ich mir gar nicht zugetraut.

Der Wachau-Ring in seiner ganzen Pracht, im Hintergrund sieht man die Autobahn, im Vordergrund befindet sich der Eingang samt Parkplatz, von rechts unten fühjrt die Straße von der Autobahn herauf, und am linken Bildrand habe ich mich eingeparkt.

So ein Rennen auf einer Autorennstrecke ist was ganz Besonderes. Finde ich halt. Breite Straße, keine Ecken, aber dauernd Kurven. Breite, riesige Sturzräume, keine Zuschauer, das alles vermittelt ein ganz eigenes Fahrgefühl.

Nach dem Rennen bin ich dann noch mit dem Auto Richtung Wilhelmsburg gefahren, wo morgen das Bergrennen stattfindet. Weit gekommen aber bin ich nicht. Autobahnauffahrt Melk, ich war kaum auf der Autobahn oben, habe das Navi eingeschaltet und schon die Staumeldung gesehen.Sofort stehengeblieben, raus auf den Pannenstreifen, und verkehrt zurückschieben. Wie zuletzt schon in Ebreichsdorf am 1.Mai. Hinter mir der Hans mit seinem Bus, auch er hat sofort zurückgeschoben, wir sind etwa einen knappen Kilometer zurück bis zur Auffahrt, dort runter, da hat´s einige dumme Situationen gegeben, weil natürlich immer noch viele Autofahrer raufgefahren sind und einfach nicht verstanden haben, weshalb da zwei Volltrotteln verkehrt runterschieben. Auf der Abfahrt kommt dann zu guter Letzt noch der Sigi mit seiner Frau daher, der hat auch gleich wieder umgedreht, und zum Schluß sind wir eine ganze Kolonne gewesen, die da von der Autobahn wieder runtergefahren sind. Unmittelbar an der Einmündung der Auffahrt in die Autobahn ist noch eine Funkstreife dahergekommen, die haben aber gar nicht angehalten, sind gleich weiter nach vor zur Ursache des Staus gefahren. 

Wir waren heilfroh, daß wir wieder drunten waren, sind dann rausgefahren zur Bundesstraße´1, nach Loosdorf, von dort über Obergrafendorf nach Wilhelmsburg. Dabei haben wir ein paarmal die Autobahn überquert, jedesmal haben wir den kilometerlangen Stau gesehen. Laut Verkehrsfunk sind die Idioten dort noch knapp 2 Stunden herumgestanden, bis zum Einbruch der Dunkelheit. Und warum das ganze Theater? Wie üblich, irgendsoein Steuerkünstler hat den Weg in die Botanik gefunden, ein paar haben´s ihm nachgemacht, ein paar andere haben zuschauen müssen, sind dabei wieder anderen im Weg herumgestanden, es gab einen Auffahrunfall, dann mehrere und schließlich war der Blechsalat komplett. Typisch österreichisch halt.

In den Stunden, in denen die anderen die Autobahn zum Campingplatz mißbraucht haben, sind wir die Rennstrecke mit den Rädern abgefahren. Vom Teichstüberl nach Wilhelmsburg und rein ins Kreisbachtal bis zur Steigung, dort die letzten zweieinhalb Kilometer hinauf. Fazit: ein sehr schwerer, weil steiler Anstieg, aber weil er relativ kurz ist, ist es so wichtig, ihn genau zu kennen, um durch Streckenunkenntnis nicht ein paar Sekunden zu verlieren.

Donnerstag, 11. Juni 2009: BERGRENNEN WILHELMSBURG - KREISBACHTAL

Auf den ersten Blick wieder eins dieser unnötigen Bergrennen, viel zu kurz, zu flach, zu leicht, aber als ich die Strecke abgefahren bin, habe ich meine Meinung sehr schnell revidieren müssen. Rennbüro und Staqrtbei Florian´s Teichstüberol, eine kleine, nette Imbissstube neben einem Fischteich, der absolut keine Wünsche offen läßt. Sogar selbst angeln kann man da. Und was für Riesenwelse da drin sind!

Sogar erotische Torten gibt´s hier in mehrfacher Ausführung:

Die Küche ist erlesen und fein, kann ich wirklich nur empfehlen.

 

Nach dem Rennen ist dann der Regen gekommen.So heiß und schwül es während des Wettbewerbes auch war, danach hat es etwas abgekühlt, es hat dann stuindenlang immer wieder leicht geregnet, dazwischen durch den starken Wind fast aufgetrocknet. Der HJans hat nach der Siegerehrung darauf gedrängt, daß wir uns unbedingt noch auslockern fahren sollten, angesichts des Wetters (rundherum tiefe, schwarze
Wolken) habe ich ihn innerlich verflucht, aber schließlich bin ich dann doch mitgefahren. Er hat ja recht. Mit schweren, steifen Beinen heimzufahren ist nicht gut. Wieder stundenlang im Auto sitzen. Wir sind knappe 25 km zuerst nach Süden, dann nach Norden gerollt, schließlich sind wir dann wieder zurück zum Teichstüberl.Erst dann hat es zu regnen aufgehört und endgültig aufgetrocknet. So was nennt man wohl Schicksal.

Freitag, 12. Juni 2009

Die letzte Möglichkeit vor dem Wochenende für eine anspruchsvolle Trainingsrunde. Bin über den Dexenberg gefahren (7:57), dann noch über den Aframberg (6:30), insgesamt waren es 93 km mit knapp 800 Höhenmeter. Ich fühle mioch gut, spritzig, frisch, ich glaube, ich bin bereit für den Sonntag, für die Straßenmeisterschaft.

Samstag, 13. Juni 2009: TRAINING AM MEISTERSCHAFTSKURS IN AMSTETTEN

Bin am Nachmittag (um 15 Uhr ca.) nach Amstetten gefahren, um mir den Meisterschaftskurs für morgen anzusehen. Wir fahren ja nicht auf der selben Strecke wie im Vorjahr, heuer soll der Kurs etwas schwerer sein. 13 km lang, mit zwei Anstiegen pro Runde. Wir fahren 5 Runden, also 65 km. Um 19.15 Uhr bin ich bei der Ostarrichi-Kaserne im Süden von Amstetten, ich ziehe mich um, richte mein Rad her. Die Sonne scheint noch ziemlich heiß vom Himmel, blauer Himmel über mir, beste Bedingungen also. Und auch starker Wind bläst.

Die erste Runde fahre ich etwas zögerlich, weil ich die Runde nicht kenne, erst mal finden muß, ich orientiere mich dabei an der Ausschreibung, weiß aber nie, ob ich auch richtig unterwecgs bin, denn die Strecke ist noch nicht markiert. So brauche ich auch über 27 Minuten für diese erste Runde, das ist ein Schnitt von gut 25 km/h. Aber dabei merke ich schon, daß ich weit weg bin von einer Rundenlänge von 13 km, ich bin ja nicht mal 12 km gefahren. Wieder Unsicherheit, war das die richtige Strecke? Ich fahre noch zwei Runden, bin mir dann ziemnlich sicherrm, daß ich richtihg gefahren bin, die Rundenlänbge iust halt eine deutlich andedre als angegeben. Sowas bin ich ja schon gewohnt mittlerweile. Die Strecke ist nicht leicht, es geht dauernd rauf und runter, zwei Anstiege, nicht schwer, aber fünfmal hintereinander durchaus geeignet, um abzureißen oder sich vorne abzusetzen. Und der Rest ist auch nicht leicht, weil sehr windanfällig, Ich fahre die 3 Runden mit einem Schnitt von 28,4 km/h. Besonders der Zielanstieg ist wichtig und entscheidend, denn danach sind es keine 1000 Meter mehr bis ins Ziel und es gibt keine Abfahrt.

Als es dämmert, suche ich mir ein Zimmer, finde in Schaffenfeld unmittelbar zu Beginn des Zielanstieges eines, esse noch und lege mich dann nieder.

Gasthof Ortmayr in Schaffenfeld

Sonntag, 14. Juni 2009: ÖSTERREICHISCHE STRASSENMEISTERSCHAFT IN AMSTETTEN, MOSTLAND-STRASSENRENNEN

Leider, mit einer weiteren Meisterschaftsmedaille ist es nichts geworden, aber so weit weg war ich auch wieder nicht. Erst als Iby 3 km vor dem Ziel weggefahren ist, waren die Medaillen vergeben, aber vorher schon, als die bereits abgeschlagene Gruppe mit Hansl, Mosler & Co. wieder aufgeschlossen hat, da war es mit meiner Motivation vorbei. Da war nur mehr Enttäuschung, davon habe ich mich nicht mehr erholt. Der Doppelsieg durch Sigi und Hans in der Klasse 6 hat da nur sehr wenig getröstet. Ich finde, mit meinem 12. Rang bin ich unter meinem Wert geschlagen worden. Und zwar weit darunter. Aber ich muß natürlich auch zugeben, daß es nicht gerade meisterlich war, andauernd von einer Medaille zuu träumen und dann die Konkurrenten nach und nach wegfahren zu lassen, zuerst Groß und Mateyka, dann Iby. Zumal das ja genau die großen Favoriten waren, also alle wußten, daß die mal angreifen würden. Und als sie es dann tatsächlich taten, haben wir alle nur blöde durch die Gegend geschaut. So kann man halt auch keine Medaille gewinnen. Eine Straßenmeisterschaft im September, das wär ein gefundenes Fressen für mich!

Nach dem Rennen hat es sehr gut getan,  noch 30 km auszurollen. Auf den flachen Nebenstraßen des Mostlandes.

Dienstag, 16. Juni 2009

Habt ihr euch schon mal ´nen Frauen-Triathlon angesehen? Nein? Damit ihr wißt, was ich meine, zeige ich euch mal ein paar Fotos von einigen Teilnehmerinnen. Die Fotos stammen alle von der Triathlon-WM 2007 in Hamburg.

Ramirez, Mexiko

Moniz, Portugal

Lisk, BRD

Fällt euch auch auf, daß die Triathletinnen weitaus hübscher sind als Radrennfahrerinnen???

Donnerstag, 18. Juni 2009

Bin heute eine längere Runde gefahren, 104,5 km bei großer Hitze, über die Ruppbauern Höhe bei Stallhofen, über den Gießenberg, insgesamt 565 Höhenmeter, Schnitt 29,2 km/h. War ziemlich anstrengend, vor allem wegen der großen Hitze. Am Wochenende steht schon die nächste Meisterschaft am Programm, diesmal geht´s zum Einzelzeitfahren nach Althofen nach Kärnten. Und weil der Schweighofer Hans von seinem schweren Unfall (Beckenbruch) noch nicht so richtig genesen ist, kann ich das Paarzeitfahren nicht fahren, werde deshalb nach Italien ausweichen, in Basaldella, quasi einem Vorort von Udine, gibt´s am Sonntag ein Straßenrennen, das mich am Start sehen wird.

Am Abend war ich dann 3 Stunden lang auf der Hundewiese und hab´ den Spike so richtig herumgehetzt. Danach habe ich mich noch vor den PC gesetzt und etwa 2 Sunden lang Fotos eingescannt, die Sektion "Fotos" ist damit wieder um ein umfangreiches Stück erweitert worden. Gut 25 Fotos gibt es jetzt dort mehr zu bestaunen, ich hab´ die Jahre 1984/85 abgearbeitet. Eigentlich unglaublich, wie lange so was dauert, aus den unzähligen Fotos muß ich ein paar auswählen, die ich hier auf meiner HP zeigen möchte. Dann einscannen, einen Text dazu überlegen, das Ganze abspeichern. Nimmt sehr viel mehr Zeit in Anspruch, als ich vorher gedacht habe. Und zwischendurch komme ich immer wieder ins Nachdenken, ins Erinnern, wenn ich die Fotos vor mir sehe, mich an die Situationen damals erinnere und die Schemen der Vergangenheit in der Erinnerung auftauchen. Matrix reloaded.

Samstag, 20. Juni 2009: EINZELZEITFAHRMEISTERSCHAFT IN ALTHOFEN

Sauwetter überall.Es regnet Schusterbuben, wie man so sagt. Im letzten Moment ist mein Start bei der Paarzeitmeisterschaft am Sonntag noch geplatzt, weil ich keinen Partner habe. Also habe ich mich mal unten in Italien umgesehen, was da für Rennen anstehen, und eines am Sonntagnachmittag bei Udine gefunden. Aber leider keines am Vormittag, die sind alle viel zu weit weg, das geht sich wahrscheinlich mit der Anfahrt gar nicht aus (Verona, Vicenza und Padua). Also werde ich mir wohl das Paarzeitfahren in  Althofen am Vormittag als Zuschauer geben und dann bis spätestens Mittag nach Udine runterfahren.

Die Anfahrt nach Althofen war - wie immer zuetzt eigentlich - stressig. Viel zu spät weggefahren, dann ein schauerlicher Wolkenbruch nach dem anderen, aber schon auf den ersten Autobahnkilometern die Pack rauf höre ich plötzlich ein metallenes Geräusch, so, als ob etwas unter der Bodenplatte wegbricht, und danach verwandelt sich mein BMW in einen Panzer. Ohrenbetäubendes Getöse, natürlich denkt man da sofort an den Auspuff, ich nehme an, ich habe ihn samt Topf und allem drum und dran verloren, so wie sich das anhört. Als ob ein Überschalljet durch den Garten pflügt. Im Rückspiegel sehe ich nichts auf der Straße liegen, seltsam. Der Wagen fährt auch normal, nur daß er irrsinnig laut ist. Natürlich gibt es in solchen Situationen weit und breit keinen Parkplatz, ich muß ein paar Kilometer fahren, bis ich zu einem Pannenplatz komme. Ist ein etwas breiterer Pannenstreifen, nicht mehr.

Ihr könnt euch mneine Überraschung vorstellen, als ich den Auspuff erblicke. Der ist noch dran! Ich sehe unter die Bodenplatte, wirklich, da hängt noch alles dran. Komplett. Warum dann so laut? Vorne, an der vorderen Achse, hängt ein Kabel runter, mit so was wie ´nem Stecker dran.

So sieht das Ding beim BMW aus, ist die Lambdasonde, ein Sensor, der im Verbrennungsabgas das Verhältnis zwischen Luft und Kraftstoff bestimmt. Das Ding hat´s einfach rausgeschossen. Gut, ich kann da jetzt nichts machen, ich fahre also weiter, auf die Pack rauf, runter nach St.Leonhard, aufs Klippitzthörl rauf, runter nach Althofen. Ist so was wie ´ne Zitterpartie.In Althofen, erinnere ich mich, gibt´s einen ÖAMTC Stützpunkt, dort kann ich das Ding ja reinschrauben lassen. Denke ich mir. Aber der Motor ist nicht nur ohrenbetäubend laut, der Kraftstoffverbrauch steigt auch ziemlich an.

Gut, ich komme also in Althofen an, fahre das Zeitfahren. Was da alles schiefgegangen ist (wirklich alles, was nur schiefgehen kann!), könnt ihr an anderer Stelle nachlesen. War so was wie ein Kabarett. Danach dann fahre ich mit dem Rad nach Althofen rein und frage dort nach dem ÖAMTC-Stützpunkt. Als Antwort bekomme ich zu hören, daß es in Althofen keinen gibt, erst in St. Veit/Glan, das ist 14 km weg. Die Sache wird immer komplizierter, denn als ich dort ankomme, ist natürlich zugesperrt und schon geschlossen. Ach ja, wir haben ja Wochenende. Aber wozu hat der moderne Radrennfahrer denn stets mindestens ein Handy bei sich? Rasch die Notrufnummer 120 gewählt und angerufen, ich werde auf später vertröstet, denn jetzt muß ein Pannenfahrer aus Klagenfurt kommen, noch dazu einer, der den Schlüssél hat und in St.Veit aufsperren kann. Denn zur Montage der Lambdasonde brauchen wir unbedingt die Hebebühne.

Langer Rede kurzer Sinn: irgendwann ist er da, sperrt auf, ich fahre rein, rauf auf die Hebebühne, er sieht sich die Bescherung an, die Sonde ist natürlich kaputt, er steckt sie aber wieder zurück insGewinde, weil das aber jetzt ausgeleiert ist und die Sonde natürlich sofort wieder rausfällt, muß er sie etwas anschweissen. Gut, das ist schnell geschehen, als Mitglied zahle ich wenigstens nichts. Als ich wieder zurückfahre, ist es bereits stockdunkel.

Sonntag, 21. Juni: PAARZEITFAHREN IN ALTHOFEN & STRASSENRENNEN IN BASALDELLE DI CAMPOFORMIDO

Ein neuer Tag, neue Scherereien, neues Chaos: am Vortag beim Einzelzeitfahren hat´s ne richtige Schweinerei gegeben, die - ausgerechnet ich - jetzt beheben soll. Es betrifft wieder mal unsere beiden Master-6-Fahrer Unterguggenberger und Rothauer. Sie können nichts dafür, sind nur die Leidtragenden. Es gibt nämlich die Regel, daß mindestens 6 Starter ins Rennen gehen müssen, damit dieses als Österreichische Meisterschaft gewertet werden kann.Starten weniger, ist es zwar ein reguläres Rennen, aber es gibt KEINE Meistermedaillen. So weit das Regelwerk. Beim Zeitfahren in Althofen war jede Masterklasse extra ausgeschrieben. Und wie das halt in Öterreich so ist, bis zum Start ist es eine Zitterpartie, ob die sechs Starter überhaupt zusammenkommen. Wackelig wird das Ganze in den Kategorien 5 und 6, in der Klasse 5 sind 6 Starter angemeldet, in der Klasse 6 aber nur 5, also einer zu wenig. Im allerletzten Moment kommen dort jedoch ein paar Kärntner dazu, Nachmeldungen, obwohl es die laut Ausschreibung nicht gibt. Und das ist nicht nur eine Sonderregel dieser Ausschreibung, das ist im ÖRV-Regelwerk verankert, daß es bei Landes- und Österreichischen Meisterschaften im Zeitfahren KEINE Nachmeldungen gibt. Gut, jetzt ist man aber dankbar, daß durch die Nachmeldungen wenigstens der Status der Meisterschaft gesichert, also wird man da nichts dagegen sagen und den Mund halten. Dieses Rennen ist nämlich nicht nur als Österreichische Meisterschaft ausgeschrieben, sondern auch als Kärntner Landesmeisterschaft. So weit der Rahmen zur Geschichte, die jetzt kommt, da geht es nämlich um den Franz Tarmann.

Laut Lizenz ist er am 26. Juli 1943 geboren, sein UCI-Code lautet daher AUT19430726, er fährt in der Masterklasse 5, ist laut Starterliste auch einer der 6 Starter dieser Kategorie. Nach dem Rennen werden die Ergebnisse ausgehängt, und siehe da, es ist das "Wunder von Althofen" passiert. Der wundersame Alterungsprozeß des Franz Tarmann. Ich bin nicht so gemein und behaupte daher nicht, daß er im Rennen so stark gealtert ist, aber auf der Ergebnisliste der Kategorie 5 ist er nämlich verschwunden, statt dessen taucht er in der Klasse 6 auf. Gut, man mag vielleicht denken, daß das alles mit einem Irrtum des Veranstalters zu erklären ist. Doch eine etwas schiefe Optik hat das alles schon, wenn man weiß, daß der Franz beim Veranstalterverein fährt. Und noch schiefer wird die Optik, wenn man sieht, daß er in der Klasse 5 die viertschnellste Zeit gefahren ist, in der Klasse 6 seine Zeit aber zur Silbermedaille reicht. Doch immer noch ein Schelm, der Böses denkt. Der Alterungsprozeß schlägt jedoch weiter Wellen: weil jetzt in der Klasse 5 dadurch nur mehr 5 Starter aufscheinen, gibt es dort auch keine Meistermedaillen. Die Leidtragenden: die drei Erstplazierten, die um die Medaillen umfallen.

Wirklich interessant aber finde ich etwas ganz anderes, nämlich KEINER der Betroffenen sagt ein Wort darüber. Weder die drei Geleimten der Klasse 5 verlieren auch nur ein Wort darüber, und schon gar nicht der Franz selbst, der anscheinend durch das Rennen noch so angepeckt ist, daß ihm gar nicht auffällt, daß er jetzt Zweiter in der Klasse 6 geworden ist. Freudestrahlend nimmt er die Silbermedaille in Empfang. Da müßte man doch glatt den Begriff "Diebstahl" neu definieren. Die beiden anderen Gelackmeierten siknd unsere Fahrer, Unterguggenberger und Rothauer, die die Ränge 2 und 3 belegt haben und durch ihn jetzt auf die Plätze 3 und 4 zurückfallen. Der Hans erhält Bronze statt Silber, derSigi fällt überhaupt um eine Medaille um. Erst nach der Siegerehrung fällt es dem Hans auf, und er sagt mir den ganzen Sachverhalt, aber ich habe wegen der Lambdasonde beim Auto nicht den Kopf für eine solche Streiterei, also wird das ganze Theater auf heute vertagt.

Ich sag´s dem Sigi, der würde den Tarmann am liebsten sofort fressen, er macht den Korpitsch Karl ganz narrisch, der ist ja der Master-Vertreter, der wiederum wendet sich an den Veranstalter, der natürlich von nichts weiß. Ende der Geschichte: es wird alles berichtigt und bereinigt, aber es hat halt wieder eine Stredterei gegeben, m,an muß urgieren, herumraunzen und endet dann irgendwann als notorischer Nörgler, den keiner mehr ausstehen kann. Und für Unbeteiligte hat der Radsport dann das Image einer Kabaretteinlage, wenn nicht mal die Fahrer selbst wissen, wie alt sie sind und in welcher Klasse sie fahren. Und da muß ich denen auch recht geben, das ist nichts anderes als ein Kasperltheater, und im Endeffekt kann man dann nicht mehr ernst genommen werden. Leider. Mittag ist dann sowieso Schluß, denn ich muß runter nach Italien.

Gemütlich fahre ich nach Udine runter, der Hans mit seinem Bus hinterher. Er will auch das Straßenrennen fahren, ist ein gutes Training für nächste Woche Grafenbach.

Dienstag, 23. Juni 2009

Furchtbares Sauwetter, es regnet und schüttet und regnet und regnet und regnet.... An ein Training im Freien wage ich gar nicht zu denken. Bin gestern eine Stunde und heute zwei Stunden im Keller am Ergometer gesessen, danach habe ich dann noch insgesamt 12 neue Fotos auf die Seite "Fotos" reingescannt, aus den Jahren 1985 und ´86. Ich komme da immer ins Träumen, wenn ich die alten Dinger sehe, ich erinnere mich, Geschichten und Begebenheiten fallen mir ein. Dennoch, auch wenn ich nur scanne und scanne, das Zeug dauert einfach verdammt lange.

Wenn ich aus dem Fenster sehe...

Danach habe ich mich auch noch auf die beiden nächsten Wochen eingestimmt, folgende Rennen stehen an: am Samstag in Unterdanegg der vorjährige Meisterschaftskurs, zeitgleich auch das Paarzeitfahren in Mariazell, am Sonntag die Keutschacher Seen-Rundfahrt, wo ich meinen Vorjahrssieg verteidigen muß. Zeitgleich gibt´s auch ein Straßenrennen in Zuglio in Friaul, aber als ich da gesehen habe, daß ich - entgegen den jüngeren Klassen, die 92 km fahren - nur 69 km zu absolvieren habe, tendiere ich doch wieder zu Keutschach. Naja, und am ersten Juli-Wochenende gibt´s dann Berg- und Straßenrennen in Langenlois, der Ginner-Cup geht dort in die entscheidende Phase.

Donnerstag, 25. Juni 2009: EUROPAMEISTERSCHAFTEN IM ZEITFAHREN IN TSCHECHIEN

Heute fanden in Saar an der Sauser in Tschechien die Einzelzeitfahr-Bewerbe im Rahmen der Europameisterschaften statt. Von unserer Mannschaft war einzig Sigi Rothauer dabei, er ist heuer erstmals mit einer Zeitfahrmaschine unterwegs und ist mit dem Selbstvertrauen eines 3. Ranges bei den Meisterschaften hingefahren.

Die Ergebnisse waren nicht überraschend, die Beteiligung war sehr, sehr zurückhaltend, wie in den letzten Jahren eigentlich auch. Ist zwar als Europameisterschaft ausgeschrieben, aber außer Tschechen, Deutschen und ein paar Österreichern waren nur sehr, sehr vereinzelt andere Nationen vertreten. Wie auch immer, das sind die neuen Titelträger und die Ergebnisse der Österreicher:

Master 1/2 (30-39 Jahre): 1. Michel Chocol (ITA), - 2. Kamil Mraz (CZE) -0:01, - 3.Andrzej Gucek (SLO) -0:06, weiters: 5. Thomas Mairhofer (VÖEST Linz) -0:27, - 13.Martin Ganglberger (Zweiradchaoten) -1:17, - 14.Johannes Harlander (Maroitalia Racing) -1:46, - 15.Herbert Hortschitz-2:02, - 19. Christian Bernhard -3:56

Master 3 (40-44 Jahre): 1. Kled Fjord (DMK), - 2. Andrea Paulan (I) -0:28, - 3. Joachim Weber (BRD) -0:13, - weiters: 8. Günter Adler (Union Laßnitzhöhe) -1:00

Master 4 (45-49 Jahre): 1. Werner Hügel (BRD), - 2. Jakob Morasch (BRD)-0:37, - 3.Juri Demanov (RUS) -0:51, - weiters: 5. Gerhard Hawlik (RC Schnecke) -1:03, - 6. Ewald Schön (RSC Krems) -1:05, - 9. Hermann Harter (Union Deutschlandsberg) -1:31

Master 5 (50-54 Jahre): 1. Jens Mateyka (ÖST, RC Schnecke), - 2. Michael Barfoed (DMK) -0:05, - 3. Radek Krummer (CZE) -0:18

Master 6 (55-59 Jahre): 1. Wladimir Gottfried (BRD), - 2. Alfred Lechnitz (ÖST, RC Schnecke) -1:04, - 3.Gerhard Steinermayr (ARBÖ Wels) -1:04, - weiters: 4. Erich del Pozo (ARBÖL Kollar Cycling-Team) -1:22, - 5. Fritz Gaubitzer (ARBÖ Krems) -1:58, - 8. Engelbert Gaubitzer (ARBGÖ Krems) -2:23, - 11. Othmar Peer (RC UNION Sporthaus Okay Innsbruck) -2:41, - 19. Hermann Macher (Union Laßnitzhöhe) -4:24

Master 7 (60-64 Jahre): 1. Gerhard Hrinkow (ÖST,RC Hrinkow Bikes Steyr), - 2. Vinzenz Hörtnagl (ÖST, RC Union Sporthaus Okay Innsbruck) -0:11, - 3.Lubomir Novak (CZE) -0:39,- weriters: 17. Walter Gratzl (ARBÖ Bischofshofen) -4:27

Master 8 (65-69 Jahre): 1. Reinhard Scheer (BRD), - 2. Friedrich Fleischer (BRD) -1:13, - 3. John Larsen (DMK) -1:18

Master 9 (70+ Jahre): 1. Otto Altweck (BRD), -2. Ludiwg Olefs (BRD) -0:01, -3. Anton Gierer (ÖST,RC Ybbs) -0:11, - weiters: 8. Siegfried Rothauer (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) -4:16

Wer waren jetzt aber die schnellsten Österreicher? Bzw. die schnellsten überhaupt?

Werner Hügel (BRD) 25:33,- Michel Chocol (I) 25:50, - Kamil Mraz (CZE) 25:52, - Kled Fjord (DMK) 25:54, - Andrzej Gucek (SLO) 25:57, - Andrea Paulan (I) 26:03, - Joachim Weber (BRD() 26:08, - Pavol Krizan (SVK) 26:10, - Jakob Morasch (BRD) 26:10, - Wladimir Gottfried (BRD) 26:17

Thomas Mairhofer 26:17, - Jens Mateyka 26:29, - Gerhard Hawlik 26:37, - Ewald Schön 26:38, - Günter Adler 26:55, - Hermann Harter 27:04, - Martin Ganglberger 27:07, - Alfred Lechnitz 27:21, - Gerhard Steinermayr 27:21, - Gerhard Hrinkow 27:32, - Johannes Harlander 27:36, - Erich del Pozo 27:39, - Vinzenz Hörtnagl 27:44, - Herbert Hortschitz 27:52, - Friedrich Gaubitzer 28:15, - Engelbert Gaubitzer 28:40, - Othmar Peer 28:58, - Anton Gierer 29:10, - Christian Bernhard 29:46, - Hermann Macher 30:41, - Walter Gratzl 32:00, - Siegfried  Rothauer 33:15

Was mich am 22köpfigen österreichischen Aufgebot am meisten freut? Es gibt zwei Fahrer, die nach langwieriger Verletzung bzw. Krankheit wieder erstmals am Start waren, und das gleich bei einer EM: Walter Gratzl und Erich del Pozo.

Trainiert habe ich heute auch, und zwar 105 km, die ich ziemlich schnell gefahren bin (Schnitt 29,3 km/h). Ich fühle mich sehr gut, nur etwas müde.

Samstag, 27. Juni 2009: STRASSENRENNEN IN UNTERDANEGG

Ein Kurs, der mir liegen sollte, schön abwechslungsreich, viele Anstiege, nichts zum Ausrasten, ständiges Auf und Ab. Aber was dann passiert ist, hat mir nur Frust und Frust und nochmals Frust beschert. Eine saudumme Serie, die sich jetzt durch diese Saison zieht. Begonnen hat es damit, daß mich der Hans angerufen hat und gesagt hat, daß er bei Wiener Neustadt im Stau steckt. Er ist von Wien runter Richtung Gloggnitz gefahren. Also habe ich mir gedacht, ich fahre über Bruck/Mur und den Semmering rauf. Bin leider nicht mal bis Frohnleiten gekommen. Unfall, Stau, alles steht. Nach einer Viertelstunde geht es weiter, aber wenig später der nächste Stau. Ich stehe endlos lange. Die Zeit vergeht und mit ihr die Hoffnung, noch rechtzeitig zum Start zu kommen. Dabei habe ich kein Streihresultat mehr, und hier steht somit der Ginner-Cup auf dem Spiel! Der Hans hat es dann irgendwann mal geschafft und ruft mich wieder an, aber als er hört, daß jetzt ich im Stau stecke und es nur mehr eineinhalb Stunden bis zum Start sind, höre ich ihn nur mehr fluchen und jammern.

Der Ausweg aus dem Desaster: Flucht querfeldein über einen Acker und einen Forstweg auf eine Gemeindestraße, bei Gratwein auf die Bundesstraße und zurück nach Graz. Um 11.25 Uhr bin ich wieder in Graz, um 12.30 erfolgt der Start in Unterdanegg. Na bravo! Endlich habe ich mich bi St. Peter durchgekämpft, und dort geht´s dann rauf auf die A 2 Richtung Wien, und endlich kann ich mal Vollgas geben. Mit 185 Sachen geht es Richtung Laßnitzhöhe, doch sofort werde ich durch eine kilometerlange Baustelle gebremst, 60 km/h, eine Fahrbahn nur, wieder schleppend! Als es dann endlich wieder geht, beschleunige ich auf 205 km/h und rechne mir insgeheim aus, daß ich einen SCHNITT von knapp 180 km/h fahren müßte! Was tut man nicht alles für diesen Scheiß-Ginner-Cup!

Tatsächlich ist es nicht möglich, diesen Schnitt zu fahren. Einfach zu viel Verkehr. Immer wieder schert irgendsoein Idiot unmittelbar vor mir auf meine Fahrbahn raus, mit 105 km/h, und versucht einen Laster zu überholen, der 102 fährt! Vor allem ist diese Raserei absolut nichts für schwache Nerven. Sollte ich es wider Erwarten doch noch rechtzeitig zum Start schaffen, bin ich wenigstens optimal aufgewärmt! Mit schweißnassen Händen knüpple ich den Wagen über den Wechsel, dann weiter bis Seebenstein, dort geht es Richtung Gloggnitz wieder 7 km zurück, dann runter von der Autobahn und über schmale Landstraßen und einige Hügel zum Start. Noch auf der Autobahn habe ich mich umgezogen, während des Fahrens natürlich, nicht ungefährlich war es, die Rennschuhe überzustreifen, auf dem letzten Kilometer setze ich mir dann schließlich noch den Helm auf. Gleich am Ortsanfang einparken, raus aus dem Auto, das Rad rausreißen, die beiden Laufräder rein, rauf in den Sattel und ab zum Rennbüro.

Dort fuchtle ich mit meiner Lizenz rum, und in dem Moment starten sie etwa 20 Meter hinter mir. Aus und vorbei. Die Enttäuschung könnt ihr euch vorstellen, und schon wenige Sekunden später schlägt sie in Wut und Zorn um. Es ist nicht zu beschreiben. Ein paar Minuten lang rolle ich voller Frust irgendwie herum, dann zurück zum Auto, dort sitze ich fassungslos einige Minuten im Gras und starre vor mich hin. Darf denn so eine Scheiße wahr sein??? Ich kann zusehen, wie Krivetz solo gewinnt, wie Mateyka vorne mitfährt, wie Iby gar nicht am Start ist. So eine Chance kommt doch nie mehr wieder! Mir ist zum Heulen zumute, einfach ein beschissener Tag, ein sinnlos vergeudeter Tag! Der Hans gewinnt wenigstens seine Klasse, aber richtiger Trost ist mir das auch nicht. Er übernimmt wieder die Führung im Ginner-Cup.

Der Manfred fährt in der Amateurklasse hinten nach, reißt ab, fährt dann zusammen mit Schwarzäugl einsam ein paar Runden,und als der absteigt, gibt er selber auch das Rennen auf. Ich glaube, das war 5 oder 6 Runden vor dem Schluß.

Ich fahre dann noch mit dem Rad ein wenig in der Gegend rum, aber seriöses Training ist das nicht, dazu kann ich mich jetzt einfach viel zu wenig konzentrieren. Irgendwann fahre ich wieder heim, das ist besonders bitter, von einem solch sinnlosen Tag nach Hause zu kommen. In der heißen Badewanne versuche ich, meinen Frust zu ertränken - aber es gelingt nicht. Was rege ich mich über diesen Scheiß-Cup auch so auf? Der hat ja sowieso überhaupt keinen Wert! Also nicht mal einen Gedanken daran verschwenden!

Ich liege im Bett und schlafe. Ein Alptraum, was ich da alles zusammenträume. Eine Detonation, ein Sprengsatz, noch eine Detonation, Hupgeheul, das ist wie im Krieg. Dauerhupe, noch eine Detonation, Menschengeschrei. Dann steht Dominic vor meinem Bett, ganz aufgeregt und schreit mich an: "Draußen brennt ein Auto!" Mühsam und schlaftrunken wälze ich mich aus dem Bett, reibe die Augen, denen ich kaum traue: da draußen lodert ein Flammenmeer gegen den Himmel! Dazu weißer oder grauer Rauch, ich blicke auf die Uhr, es ist 23.25 Uhr. Das ist jetzt gar nicht mehr lustig: es ist mein Auto, das da brennt!!! Wie der Blitz fahre ich in meine Hose, im selben Moment flitze ich auch schon über die Terrasse und die Wiese auf den Parkplatz raus. Erst dann sehe ich, daß es doch nicht mein Wagen ist, der da in hellen Flammen steht, sondern der davor, der meinen Nachbarn gehört. Meiner steht dahinter, mit einem knappen Meter Abstand. Ich muß schleunigst da weg. Also wieder zurück in die Wohnung, ich brauche den Autoschlüssel, ich ziehe mir im Laufen ein T-Shirt über. Herrgott, das ist ja wirklich Krieg! Ich frage mich nur, welcher Idiot diese Luxuskarosse angezündet hat! Mit demSAchlüssel in der Hand flitze ich wieder raus, die Flammen schlagen schon gut einen Meter über das Autodach, vorne und links und rechts züngeln die Flammen aus dem Motor, beide Vorderreifen stehen in Flammen. Gespenstisch taghell ist die ganze Szenerie erleuchtet.

Hinter mir schreien ein paar Leute, ich solle nicht so dumm sein, da hinzurennen, das sei furchtbar gefährlich, der Wagen könne jeden Moment explodieren! Was glaubt ihr Dummköpfe, warum ich meinen Wagen retten will? Die Fahrertüre ist knappe 80 cm neben dem brennenden Lexus, ich traue mich da nicht hin, klettere über die Beifahrertüre rein. Hoffentlich springt die Kiste an, sonst kriege ich sehr schnell ein Problem! Irgendwie spüre ich, daß es da um jede Sekunde geht. Schlüssel rumgedreht, und sofort schnurrt der Motor, Retourgang rein, nichts wie weg. Raus auf die Straße, einfach nur weg, gut 150 Meter weit, ich muß ja die Straße, diese verdammt schmale Straße, die ich jetzt nicht mit Namen nennen will, für die Feuerwehr freihalten. Als ich zu Fuß zurückkomme, steht ein anderer Nachbar vor dem brennenenden Wagen, mit einem Feuerlöscher in der Hand, aber er spritzt den ganzen Inhalt auf die Motorhaube. Das ist sinnlos. Für einen Moment verschwinden die Flammen im Pulverschaum, aber dann schlagen sie wieder hervor, höher als zuvor.

Naja, jetzt ermittelt die Kripo, daher möchte ich hier keine Namen nennen. Ich renne wieder in die Wohnung, will auch einen Feuerlöscher holen, und mir ist aufgefallen, daß alle Hausbewohner schon auf dem Parkplatz sind, nur die beiden Besitzer des Wagens nicht. Wo sind die Säckje nur? Die beiden sind sehr gute Freunde von mir, sind auch eine meiner Sponsoren. Zwei Tage vorher haben wir noch gemeinsam an meinem Auto rumgeschraubt. Das Handy ist irgendwo im Schlafzimmer. Verflucht, was für ein verdammter Saustall! Nie ist was zur Hand, wenn man was braucht!

Also das war er zu Lebzeiten, als er noch in voller Blüte stand.

Ich rufe den Markus an, ich höre nur Herumgeschreie, wahrscheinlich hat er´s auch schon bemerkt. Ich renne wieder raus, die Enna ist auch  schon da, schreit, weint, einen Feuerlöscher in der Hand, in der Eile kommt sie nicht damit zurande.Ich nehme ihn ihr aus der Hand, renne hin und spritze das ganze Ding in den linken vorderen Radkasten. Hilft nicht wirklich. Die Flammen sind zu stark. Wenige Sekunden später brennt er wieder lichterloh. Inzwischen haben ein paar Leute schon die Feuerwehr verständigt, die dann auch nach ein paar Minuten eintrifft. Die kommen vom Lendplatz nach St. Peter raus! Für eine so große Stadt wie Graz ein unhaltbarer Zustand! Eigentlich eine Schweinerei! Wir können jetzt nichts mehr machen, müssen zusehen, wie er ausbrennt. Die Feuerwehr löscht dann den Brand, danach brechen sie noch die Motorhaube auf, die Polizei ist mittlerweile auch da, zwei Typen stehen irgendwie verloren in der Gegend herum. Alle warten auf den Sachverständigen, einen Gutachter, der auch nach etwa einer Viertelstunde eintrifft. Er wirft einen Blick in den Motorraum und meint, daß es wahrscheinlich ein Kabelbrand gewesen ist. Danach geht er wieder.

Wir stehen dann noch zu dritt ein paar Stunden herum, sehen uns die Brandruine an, fotografieren alle Details genau, mit Zoom, mit Taschenlampe. So ein Wagen fängt doch nicht im geparkten Zustand auf einmal zu brennen an! Je länger wir uns das Wrack ansehen, desto mehr Ungereimtheiten fallen auf. Da paßt rein gar nichts zusammen. Ein Kabelbrand? Hätte man doch beim Fahren merken müssen. Ein Kurzschluß? Im Stehen?  Die Sicherungen waren noch intakt, die Leitung zur Hauptsicherung beinahe unversehrt! Wie paßt das zusammen? Ich will mich hier an dieser Stelle nicht weiter über das alles äußern, denn jetzt sind mal andere am Zug. Ein Wagen, der weltweit noch niemals gebrannt hat, einfach so ausgebrannt???

Es heißt ja immer, der Täter kehrt an den Tatort zurück. Es war dann schon 3 Uhr morgens, wir sind immer noch um das Auto herumgestanden, haben fotografiert, alle Details, als der Markus plötzlich sagt: "Er kommt!" Tatsächlich, ich höre ein Auto. Er hat es am Geräusch erkannt, ein Mercedes Diesel, der ganz langsam draußen auf der Hauptstraße wendet, in unsere Gasse ein kleines Stück reinfährt, stehenbleibt, die Fahrertüre geht auf. Doch dann siehjt er uns, die Türe knallt wieder zu, und fort ist er. Wir gehen raus zur Kreuzung, etwa 150 Meter, eshat vor einigen Stunden schon zu regnen aufgehöprt, die ersten trockenen Flecken haben sich am Asphalt gebildet. Wäre doch ideal, wenn er bei seiner Wendeschleife über einen solchen trockenen Fleck gefahren wäre und wir dann das Reifenmuster fotografieren könnten. Aber leider, das Schicksal macht es uns wirklich nicht einfach.

Schade, einigen wir uns auf folgende Aussage: es war ein langer, harter Tag. Um halb vier Uhr früh gehe ich wieder zu Bett, um halb sechs stehe ich auf, frühstücke.

Sonntag, 28. Juni: KÄRNTNER FESTINA-SEEN-RUNDFAHRT IN KEUTSCHACH

Schon beim Aufstehen bin ich gerädert, ich frühstücke ausgiebig, kriege aber kaum was runter. Ich mag solche Straßenrennen grundsätzlich nicht, die am frühen Vormittag starten. Da muß man immer schon nachts aufstehen, das Essen wird ein Problem. Oder ist das einfach nur das Alter? Ich kann mich nicht erinnern, früher solche Probleme damit gehabt zu haben.

Sauwetter, es regnet.

Als ich am Nachmittag zurückkomme, scheint die Sonne. Markus und Enna stehen bei ihrer Ruine. Sie fotografieren noch ein paar Details, wir sehen uns den Wagen jetzt bei Tageslicht an. Die Beifahrertüre ist unten beim Einstieg völlig durchgebrannt. Da müssen solche Flammen rausgeschlagen sein, daß sogar der einen knappen Meter darüber liegende Außenspiegel  zerschmolzen ist. Das muß ein ganz großes Feuergewesen sein. Seltsam nur, daß ich dort keine Flammen gesehen habe. Und wie ich mich erinnere, hat auch sonst niemand dort Flammen gesehen.Der linke Vorderreifen ist oben verbrannt, auf halber Höhe und unten aber unversehrt, genau dort also, wo unmittelbar daneben das Feuer gewütet haben muß. Seltsam. Wo ist dort also das Feuer hergekommen? Vom Motor kann es nicht sein, denn der ist viel zu hoch, und ein Feuer geht nur nach oben, niemals nach unten. Der unversehrte Reifen. Und ganz unten, an der Bodenplatte, ist auch die Staubmanschette. Und die ist völlig unversehrt. Der Außenspiegel in der Hitze zerschmolzen, eine Gummimanschette aber unversehrt? Seltsam. Es muß wohl ein zweiter Brandherd sein. Der Zufälle werden immer mehr, naja, alles passiert ja irgendwann mal zum ersten Mal. Und um sich gewisse Fragen nicht stellen zu müssen, nehmen wir mal an, es hat sich tatsächlich um einen völlig unwahrscheinlichen Kabelbrand gehandelt. Ausgegangen von der Batterie. Dort ist nämlich Batteriesäure ausgeflossen. Das ist die offizielle Version des Brandermittlers.

Dienstag, 30. Juni 2009

Ich werde krank. Husten, Kopfschmerzen, die Nase rinnt. Ich fühle mich schwach, und kalter Schweiß bricht mir andauernd aus. Zudem bin ich müde. Am Abend habe ich ungefähr 4 Stunden lang mit Markus telefoniert. Wir sind beide weltfremde Idioten. Ich bräuchte nur in den ersten Stock raufgehen, statt dessen telefonieren wir stundenlang. Er hat jetzt von seiner Versicherung einen Leihwagen bekommen, mit dem er rumfährt, aber er ist mit dem Modell nicht glücklich. Toyota Österreich ist verständigt, die werden den Wagen bis auf das letzte Schräubchen zerlegen. Endlich geht was weiter.

Mittwoch, 1. Juli 2009

Hohes Fieber, bin saukrank. Jede Bewegung schmerzt, dazu kommt ein unglaublich schmerzhafter Husten, alle 5 Minuten ein unausstehlicher Hustenreiz, ich muß einfach losbrüllen. Der ganze Schlund ist offen und entzündet.

Donnerstag, 2. Juli 2009

Heute war ein "echter" Sachverständiger da, und siehe da, die Diagnose war auch gleich eine andere: zu 99 % Brandstiftung! Damit kann man endlich einen Schritt weiter gehen.

Training war heute unmöglich, ich fühle mich schwach, scheine überhaupt nur aus  Schmerz zu bestehen. Warum muß es immer MICH erwischen? Das ist eine hundsgemeine Schweinerei! Habe doch niemandem was getan! Am Wochenende stehen wieder zwei Ginner-Cup-Rennen auf dem Programm, aber da ist der Zug wohl schon abgefahren. Im Moment fehlt mir da auch wirklich die Motivation. Mir ist der Scheiß-Cup so was von egal, das kann man sich gar nicht vorstellen. Der letzte Ausweg: ich habe heute gleich zweimal eine Nasenspülung gemacht, das Unangenehmste vom Allergrauslichsten, das man sich nur vorstellen kann, wenn man sich selbst sozusagen den Schleim aus dem Hirn zieht. Ist noch viel grauslicher als es hier klingt.Und wenn man das Ganze mit Salzwasser macht, ist die Wirkung nachhaltiger. Das Gefühl dabei aber unvorstellbar. Aber es hat auch was Gutes: der Tod kann nicht schlimmer sein und verliert dadurch seinen Schrecken. Bin die ganze Woche nicht trainieren gewesen,  da sind zwei Rennen am Wochenende, noch dazu zwei schwere, sicherlich SEHR SINNVOLL!

Schon mal was von einem Brandbeschleuniger gehört, den man nicht nachweisen kann?? Wie wärs´s mit Nitroglyzerin? Ist auch im Autolack enthalten, verdunstet rasend schnell und ist daher so gut wie gar nicht nachweisbar. Wir haben auch die ganze Ermittlungsarbeit der Kripo gemacht. Waren bei allen Parteien im ganzen Haus und haben sie ganz genau ausgefragt: wann zum ersten Mal was gehört? Wann gesehen? Was gesehen? Und so unterschiedlich da die Uhrzeiten auch waren, die genannt wurden, so interessant waren die Ergebnisse. Von den Uhrzeiten her gab es Unterschiede bis zu einer halben Stunde, aber das ist normal, schließlich hat jeder ein anderes Zeitempfinden, und obwohl alle eine Armbanduhr haben, schaut niemand drauf. Aber was anderes war interessant: es gab ein Zeitfenster von ca. 20 Minuten zwischen dem Letzten, der noch nichts bemerkt hat, und dem Ersten, der die Flammen gesehen hat. Zwanzig Minuten! In der Zeit muß der Brand gelegt worden sein und muß die Beifahrertür völlig ausgebrannt sein! Wie soll so was ohne Brandbeschleuniger gehen? Ist wohl unmöglich! Interessant auch: die Täter sind gesehen worden! Als das Auto schon gebrannt hat, ist ein fremder Wagen in der Einfahrt gestanden, Tür offen (die Innenbeleuchtung war an), drinnen ist jemand gesessen, der mit den Händen wild gestikuliert hat - war da vielleicht noch ein zweiter irgendwo unterwegs? Mir scheint das Vorgehen ziemlich dilettantisch. Was, wenn da jemand vom Haus nachträglich nach Hause gekommen wäre? Der wäre hinter den Tätern gestanden, hätte nicht vorbeikönnen, aber die hätten auch nicht wegkönnen. Was da wohl passiert wäre?

Freitag, 3. Juli 2009

Bin heute erstmals in dieser Woche am Rad gesessen! 42 Kilometer flach, ist nicht mal so schlecht gegangen. Aber genau das ist ja das Traurige: ich habe eine sehr gute Form und müßte eigentlich was ganz anderes machen als im Bett liegen und husten! Kaum muß ich hinhalten, bricht mir der eiskalte Schweiß aus. Ein unmöglicher Zustand. Kann man so Rennen fahren? Oder muß ich zuschauen, wie die allerletzte Chance - wenn auch nur eine theoretische - schwindet? Heute die dritte Nasenspülung, am Nachmittag geht es eine Spur besser.

Heute ist das Brandwrack abtransportiert worden. Es hat wieder ein paarmal geregnet, war permanent naß und es herrscht eine unglaubliche Luftfeuchtigkeit. Es ist so schwül, daß man schon alleine vom Blöde schauen zum Schwitzen anfängt. Danacxh haben wir den ganzen Brandschutt, der unter dem Auto war, in Plastiksäcke gefüllt und beschriftet. Wer weiß, was da noch alles zum Vorschein kommt!

Samstag, 4. Juli 2009: BERGZEITFAHREN SCHÖNBERG/KAMP - MANHARTSBERG

Wieder ein Ginner-Cup-Rennen ohne mich! Bin heute nur im Bett gelegen und habe versucht, mich zu erholen. Das Problem ist der Hustenreiz, manchmal glaube ich, den ganzen Lungenflügel raushusten zu müssen. Das ist so schmerzhaft, und die Bronchien sind auch schon so entzündet, daß ich kaum mehr was essen oder trinken kann. Ein Start heute beim Bergzeitfahren hätte keinen Sinn gemacht, ich wäre den Berg wahrscheinlich gar nicht raufgekommen. Der Hustenreiz ist so groß, wenn ich mich anstrenge, daß ich minutenlang gar nicht mehr aufhören kann mit dem Husten.

Natürlich ist das alles nicht in meinem Sinne, aber morgen versuche ich es. Leider ist halt das morgige Straßenrennen eines der schwersten des ganzen Jahres. Pech halt...

Sonntag, 5. Juli 2009: STRASSENRENNEN IN LANGENLOIS

Ich bin wirklich hingefahren! Obwohl mir alle abgeraten haben, aber was ein richtiger Rennfahrer ist, der hält es nicht daheim aus, im Bett zu liegen oder am Sofa zu sitzen und Däumchen zu drehen! Ob es vernünftig war? Was ist schon vernünftig? Ich weiß es nicht. Aber so schlimm war es nicht mal. Gut, ich bin am Start gleich abgerissen, aber ich darf doch nicht enttäuscht sein, denn in meinem Zustand hätte ich sowieso nicht starten dürfen, völlig verschleimt, Bronchien entzündet, Hustenreiz, Kopfweh, leichtes Fieber, Gelenkschmerzen, usw...

Das Wetter ist ein Graus: vormittags heiß und unglaublich schwül, am Nachmittag ein tropischer Platzregen.

Montag, 6. Juli 2009

Bin den gnazen Taqg nur herumgelegen, war so müde, daß mir andauernd die Augen zugefallen sind, war viel zu schwach, um auf das WC zu gehen (!), ein ganz eigenartiges Wurschtigkeitsgefühl hat mich erfaßt. Sind wohl alles noch die Nachwirkungen von gestern - ich hätte natürlich NICHT starten sollen, das Rennen war viel zu schwer. Aber als Rennfahrer schaut man halt nicht zu, sondern geht an den Start. Die Form ist ja auch so gut, daß ich das Rennen jederzeit ausfahren  kann. Die Beanspruchung merke ich dann halt am nächsten Tag.

Dienstag, 7. Juli 2009

 

Erstes Training, 69 km, über Eisbach, Weizberg,Stiwoll, Neudorf, St.Oswald zurück nach Gratwein und Graz. Schnitt 28,0, bin auf den letzten 20 km aber wieder einmal in den obligatorischen Monsunregen geraten. So ein Regen, an sich was Alltägliches (im wahrsten Sinn des Wortes), ist schon ein Erlebnis. Innerhalb kürzester Zeit fällt soviel Wasser vom Himmel, daß die Straße zum reißenden Fluß wird. Alles steht unter Wasser, das Wasser rinnt nirgend wo hin. Als ich daheimwar, ist alles wie ein Spuk vorbeigewesen. Und dabei ist es so unvorstellbar schwül, daß schon bloßes Atmen Schweißausbrüche verursacht. Wenn ich mir nicht ganz sicher wäre, in Österreich zu sein, würde ich mit der Gewiß0heit jeden Morgen aufwachen, irgendwo in den Tropen zu leben.

Überall Wasser

Markus & Enna haben ein Kopfgeld ausgesetzt, 2000.- € für zweckdienliche Hinweise zur Ergreifung des Brandstifters. Wie im Wilden Westen.

Mittwoch, 8. Juli 2009

Trainingsrunde durch die Berge, bin über den Weizberg gefahren, zurück dann über Stiwoll, Neudorf und St. Oswald. Am Berg merke ich noch die Verkühlung, die Bronchien sind verschleimt, vor allem in den hohen Pulsbereichen komme ich schnell ins Röcheln, muß husten, und das wiederum löst eine Kettenreaktion aus. Husten, Schmerz in den Bronchien, Röcheln, Luftknappheit, Pfeifen in der Lunge, Tempoverlust. Naja, spätestens da sehe ich wie ein Todkranker aus.

Donnerstag, 9. Juli 2009

Ich gebe keine Ruhe, bin wieder in die Berge gefahren: Anstieg nach Hiening, 5 km lang, Richtung Semriach rauf, in 20:59 (naja, schneller als beim letzten Mal, aber noch weit weg von meinen persönlichen Bestzeiten), wenn es steil wird, bin ich einfach viel zu schwach. Ich bringe keine schnellen Tritte zusammen, bzw. nach ein paar schon ist es wieder vorbei mit all der Herrlichkeit. Nach Semriach dann runter Richtunhg Friesach, kurz vorher links weg nach Freßnitz rauf (ist auch sausteil, aber nur dreieinhalb Kilometer lang), in 13:44, das ist schon eine ganz gute Zeit. Die Bronchien waren auch vom ersten Anstieg schon ganz schön sauber durchgeputzt, der zweite ist da gleich sehr viel leichter gefallen!

Jetzt habe ich ein paar grundsätzliche Gedanken zum Thema Radsport. Gerade jetzt, wo ich - wieder einmal - einen kleinen Rückschlag in Form meiner Verkühlung hinnehmen muß, wo nicht alles nach Wunsch läuft, stellt sich die Frage nach der Motivation. Was treibt einen denn an? Was gibt den Ausschlag, diesen Sport überhaupt auszuüben, mit all seinen Konsequenzen? Ich glaube, ganz entscheidend ist der Stellenwert, den der Radsport mit allem Drum und Dran im ganz großen persönlichgen, individuell gestalteten Dreieck Beruf - Familie - Freizeit einnimmt. Trainiere ich regelmäßig? Trainiere ich täglich? Trainiere ich vielleicht gar mehrmals täglich? Solange alles im grünen Bereich ist, gibt es ja auch keine Probleme. Heute ist ein toller Sommertag, ich habe Zeit, keine Frage, da fällt eine 100-km-Runde nicht sonderlich schwer. Aber wie schaut es nach drei Tagen Regenwetter aus? Wie sieht es aus, wenn man gar nicht mehr weiß, wo einem der Kopf steht, weil der Terminkalender so voll ist?  Alles eine Frage der Prioritäten. Die gestalte ich selber, die Verantwortung trage ich auch selber, denn die Auswirkungen muß ich auch selber akzeptieren. Kein Training, keine Form, kein Ergebnis, im Rennen abgehängt. So einfach ist das.

Zu Beginn meiner Homepage war das eigentlich der Grundgedanke: all die vielen kleinen Probleme aufzuzeigen, mit denen man im Trainingsalltag kämpfen muß, die man bewältigen muß, ehe man am Start eines Rennens steht. Die Ergebnisse und Rennberichte waren da nur zweitrangig, die kann man auch an offiziellen Stellen nachlesen. Aber wie ich die vielen Probleme bekämpfe, mich mit ihnen auseinandersetze, Probleme, die jeder mehr oder weniger selbst auch hat, das ist doch das viel Interessantere. Wenn der strahlende Sieger am Podest steht, den Pokal oder Blumenstrauß in der Hand, ist das eine Seite. Das harte Training, Tausende von Trainingskilometern, bei Wind und Wetter, bei Regen und Kälte, bei glühender Hitze und bei Hagel, vielleicht sogar in der Dämmerung, all das sieht man in dem Moment nicht. Und man denkt auch gar nicht daran. Dabein sind das die allergeringsten Probleme. Denn noch ehe ich trainieren kann, muß ich mal arbeiten gehen. Wie sieht die Arbeitswelt aus? Welche Probleme und Schwierigkeiten wirken da ins Training hinein? Dann ist da noch die Familie. Frau und Kinder verlangen Zeit. Dumm, wenn es sich dabei um Trainingszeit handelt. Spätestens dann verwünscht man, daß der Tag nur 24 Stunden hat. Und spätestens jetzt wird es eine Frage der Einteilung. Wie muß ich die Prioritäten verlagern, um das alles unter einen Hut zu kriegen? Beruf, Familie, Freizeit und Training? Heute muß ich länger arbeiten, heute muß ich Erledigungen machen, heute muß ich mit den Kindern lernen, muß sie imSpital besuchen, muß das Auto aus der Werkstätte abholen, Elternsprechtag in der Schule und zu guter Letzt ist noch der Installateur daheim. Für sich genommen sind das alles ja keine wirklichen Probleme, abner wenn dadurch ANDAUERND das Training zu kurz kommt? Über kurz oder lang endet es halt so, daß man den Radsport wieder aufgibt und zum Gelegenheitsradler wird. Sprich Hobbyklasse oder sich überhaupt auf gelegentliche Ausfahrten im gemütlichen Rentnertempo am Wochenende beschränkt.

Daher: Hut ab vor allen, die Rennen bestreiten und sich diese Tretmühle überhaupt antun. Wenn dann gar eine ganze Saison bestritten wird, ein regelmäßiges, vielleicht sogar mehrmals tägliches Training absolviert wird, dann setzt das eine ganz seriöse Planung voraus. Viel Wissen und Knowhow, noch viel mehr Fingerspitzengefühl und eine ganz gehörige Portion Phantasie und Intuition, gewürzt mit einem Schuß Rücksichtslosigkeit und Egoismus. Und all das ist aber auch keine Garantie...

Freitag, 10. Juli: STRASSENRENNEN IN BELFIORE DI PRAMAGGIORE

Ein ganz hartes, schweres Wochenende steht bevor. Vier Rennen in drei Tagen. Und enorm lange Anfahrtswege. Mittags packe ich zusammen und fahre los. Das Zusammenpacken sieht so aus: am Tag zuvor Rad putzen und instandbringen, die Übersetzung fürs erste Rennen herrichten, die Reservegarnitur mit derselben Übersetzung versehen, Reifen kontrollieren. Dazu die Rennkleidung. In drei Tagen verbrauche ich entsprechend viel. Was, wenn es täglich regnet? Reservekleidung muß eingepackt werden. Dann das Essen. Das ist ja ein Kapitel für sich. Getränke müssen eingekauft werden, eingekühlt, eingepackt, Kühltasche hergerichtet, ein paar Kleinigkeiten für zwischendurch. Und warum auch die Hauptmahlzeiten mitgenommen werden müssen, will ich anhand des dieswöchigen Programms genauer erklären. In diesem Fall also das gesamte Essen mitnehmen! In meinem Fall heißt das: ZWEI Kühltaschen, eine fürs Essen, eine für die Getränke. Wo fahre ich hin? Straßenkarten mitnehmen, mir vorher noch die Reiseroute genau ansehen, notfalls das Navi programmieren. Ist der Akku des Handys aufgeladen? Ich habe meist zwei Handys mit, ein privates und eines, das ich nur bei den Rennen verwende, mit denen ich mit den Teamkollegen kommuniziere und anderen Radlerkollegen.

Eine mehr als eintausendjährige Weinbautradition in Pramaggiore und Umgebung sorgt für viele entsprechende Veranstaltungen im Laufe eines Kalenderjahres.

Heute beginnt die Ferienzeit, das heißt Stauzeit. Dazu kommt noch der G-8-Gipfel in L´Aquila, ich kenne die Italiener, in solchen Fällen bedeutet das umfangreiche Grenzkontrollen, das heißt, noch längerer Stau. Ich muß früher wegfahren als geplant, ich werde auf der Bundesstraße über die Grenze fahren, also in Arnoldstein runter von der Autobahn, dann rüber nach Tarvis, runter durchs Kanaltal bis Carnia, dann entscheide ich, ob ich auf die Autobahn fahre oder auf der Bundesstraße gleich direkt nach Pramaggiore runter. Kommt drauf an, wie spät es dann schon ist. Durchs Kanaltal ist man auf der Bundesstraße beinahe gleich schnell wie auf der Autobahn, dort bin ich max. 5 bis 10 Minuten schneller, wenn überhaupt. Und dafür soll ich 6.- bis 8.- € zahlen? Radfahrer haben immer einen Rechenstift eingebaut, da wird ständig nachgerechnet: lohnt sich das, zahlt sich das aus, was bleibt unterm Strich?

Gut, den Rennbericht könnt ihr an entsprechender Stelle nachlesen, hier springe ich gleich zum Zieleinlauf und das, was danach noch alles ansteht. Das Rennen ist - relativ - pünktlich gestartet worden, um 17.35 Uhr genau, Zieleinlauf gegen 19 Uhr, danach habe ich eine Kleinigkeit getrunken, mich gewaschen, umgezogen, Preisverteilung war dann um 20.15 Uhr, um 20.45 Uhr war ich bereit, habe alles eingepackt und bin losgefahren. Morgen früh wird bereits um 9 Uhr in Cavaion gestartet, am südöstlichen Ufer des Gardasees, das heißt, es liegen jetzt 180  Autobahnkilometer vor mir. Sind auch wieder eineinhalb Stunden, dann Zimmer suchen. Um 22.45 Uhr ist es soweit, ich bin in der klitzekleinen Ortschaft Sega Demogliara fündig geworden, gerade mal 5 km vom morgigen Startort entfernt. Ideal.

Aber was Warmes gibt es jetzt nicht mehr zu essen. Irgendwo herumfahren, an den Gardasee, wo in den Touristenorten bis Mitternacht warm serviert wird, das dauert mir zu lange. Da geht zu viel Zeit verloren, die für die Regeneration gedacht ist. Bin heute ohnehin schon 540 km im Auto gesessen. Also aufs Zimmer und das mitgebrachte Essen ausgepackt. Zu voll darf der Magen aber in der Nacht auch nicht sein, das geht auf Kosten des Schlafes. Es werden halt drei Schinken-Käse-Semmeln und ein Liter Mango-Saft.

Samstag, 11. Juli 2009: STRASSENRENNEN IN CAVAION VERONESE UND STRASSENRENNEN IN CAMINE DI ODERZO

Gleich zwei Rennen gibt es heute, zwei Straßenrennen. Das erste startet um 9 Uhr in Cavaion, ist aber nur 48 km lang. Kann ich zur Not auch ohne Essen durchstehen, aber dann müßte ich vor dem zweiten Rennen zu viel essen und habe dann einen gräßlich vollen Bauch. Also muß ich wohl oder übel auch vor dem ersten Rennen frühstücken, das heißt, aufstehen um 6 Uhr, d.h. ich habe gerade mal gute 6 Stunden geschlafen. Also gemütlich essen, wenn man das um diese Uhrzeit überhaupt kann. Dann zusammenpacken, abfahren nach Cavaion.

 

Es ist ein herrlich schöner, heißer Sommertag. Und wieder eine Hetzjagd. Start um 9 Uhr, Ziel um 10.06 Uhr, danach duschen, umziehen, zusammenpacken, Warten auf die Preisverteilung, die um 11.15 Uhr dann - endlich beginnt. Ich sitze dann schon etwas auf Nadeln, aber endlich kann ich losfahren, es ist 11.38 Uhr. Jetzt ist wieder Rasen angesagt. Rauf auf die Autobahn, und zurück über Verona, Vicenza, Padua und Mestre Richtung Oderzo nach Camine, ca. 6 km nördlich von Oderzo. Beim Warten auf die Preisverteilung habe ich mir bereits ein paar Kleinigkeiten zum Essen hergerichtet, das schlinge ich jetzt auf der Autobahn hinunter. Ein paar Schinken-Käse-Semmeln, dazu ein paar Energieriegel, alles runtergespült mit einem guten Liter Guave-Saft. Wieder 160 km Autobahn, Start ist um 14.30 Uhr, das müßte sich ausgehen. Rennfahrer-Alltag. Viele Kilometer und viele Stunden auf den Autobahnen unterwegs.

Das übliche Prozedere. Startgelände suchen, einen Parkplatz im Schatten, der vom Rennbüro nicht allzuweit entfernt ist. Dann anmelden, Startnummer holen, Rennrad herrichten, umziehen, Verpflegung richten, Strecke anschauen, aufwärmen, starten. Und nach dem Rennen geht die Checkliste wieder weiter: Startnummer zurü+ckbringern, umziehen (trockenes Unterhemd und Trikot), dann eine gute Stunde ausrollen, Muskeln auslockern (ganz wichtig bei zwei Rennen am Tag so wie heute!), dann umziehen, Rad im Auto verstauen, Ergebnisliste durchsehen, Preisverteilung, danach rein ins Auto, rauf auf die Autobahn und ab nach Hause (sind nochmals 350 km). Wann bleibt da Zeit fürs Essen? Der Hunger meldet sich erstmals bei´der Heimfahrt. Gelegenheit, die Freßtasche endlich zu leeren, die Kühltasche ebenso. Schlemmerei auf der Autobahn bei Tempo 120. Gemütlich.

Impression aus Camino di Oderzo

Sonntag, 12. Juli 2009: BÉRGRENNEN WILDBACH - FREILAND

Wieder 110 km im Auto. Naja, aber diesmal ist es fast ein Heimrennen. Fast. Die Orte wechseln schnell, die Eindrücke ebenso. Heute aktuell, morgen schon wieder Vergangenheit. Der Blick geht nach vorne. Selten habe ich das so eindringlich gemerkt wie heute. Preisverteilung oben in Freiland, ein heißer Sommertag. In Gedanken aber bin ich ganz woanders. Nach dem vierten Rennen in drei Tagen fällt die Konzentration aber auch schon etwas schwerer als gewöhnlich.

Am Nachmittag bin ich endlich wieder daheim, und was mache ich da? Kaum zu glauben, aber ich packe mein Rad aus dem Auto, ziehe mich um und fahre zum Abschluß dieses Wochenendes gemütliche und lockere 61,5 km in etwas über 2 Stunden. Zeit, die Gedanken zu sammeln, da kommen Zusammenhänge und Schlüsse zutage, die sonst vielleicht verborgen bleiben. Ist halt so: am Rad kann ich klarer denken.

Zum Abschluß: NEIN, ich bin nicht der Autoraser, für den mich einige jetzt vielleicht halten. NEIN, ich bin auch nicht der notorische Zu-spät-zum-Start-Kommer. Im Gegenteil, ich halte mich - wie übrigens alle anderen Österreicher auch - für den allerbesten Autofahrer. Diese Annahme kann ich aber - im Gegegensatz zu allen anderen Österreichern - durch eine jahrzehntelange negative Unfallbilanz belegen. Und was das Zu-spät-kommen angeht: Bei so vielen Rennen im Jahr, wie ich sie bestreite, passiert halt mal was. Wenn ich nur ein einziges Rennen im Jahr habe, dann habe ich eine sehr große Chance, zeitgerecht am Start zu stehen. Ist ja auch egal. Viel wichtiger ist ohnedies das Ergebnis.

Montag, 13. Juli 2009

Der bisher wahrscheinlich heißeste Tag dieses Jahres. 31 Grad, Sonnenschein. Ich bin 85 km gefahren, Schnitt 28. Kennt irgendjemand den Flamberg bei Tillmitsch? Nein? Ich kannte ihn bisher auch nicht. Bis heute. Jetzt kenne ich ihn.5,1 km Steigung, 230 Höhenmeter, schöne Straße. Ganz nette Aussichten zwischendurch. Das hügelige Weinbaugebiet in der Südsteiermark.

 

Südsteirische Weingegend

Dienstag, 14. Juli 2009

Der heißeste Tag des Jahres bisher. Hitze ist gar kein Ausdruck. Man schmort wie in der Hölle. Bin heute ganz bewußt um die Mittagszeit und am frühen Nachmittag gefahren, in der größten Hitze. Hatte einmal 48° am Computer stehen. In der Sonne natürlich.

Bin über Gleisdorf und den Sommerberg (7:25) nach Walkersdorf gefahren, über Ilz und den Gomesberg (10:25) zurück nach Gleisdorf. Dann über Laßnitzthal rauf nach Laßnitzhöhe (9:55) und über Autal runter nach Raaqba., Insgesamt 96,2km in 3:33 Stunden,Schnitt 27,0 und 980 Höhenmeter. Aber ich habe doch ziemlich gelitten unter der Hitze. Unterwegs habe ich eine volle Trinkflasche konsumiert und ein Power-Gel. Als ich wieder daheim war, konnte ich mich nicht halten. Wie ein Löschpoapier habe ich Flüssigkeit aufgesaugt, 2,5 Liter am Stück.Das ist nicht gut, das ist zuviel auf einmal. Aber wer kann sich da schon zurückhalten?

Mittwoch, 15. Juli 2009

Wieder heiß, bin diesmal 98 km gefahren, es war eine Tortur. Niedriger Schnitt, völlig ausgetrocknet, pitschnaß geschwitzt. Danach ein paar Fotos wieder eingescannt.

Freitag, 17. Juli 2009

57 km trainiert, 630 Höhenmeter, eine Runde über Fasslberg, Ries, Hönigtal und Lustbühel. Danach beide Räder geputzt, noch ein paar Kilometer mit der Zeitfahrmaschine gefahren, Sitzposition verändert, Sattel etwas höher gestellt. Ich glaube, ich kann da noch Jahrzehnte herumschrauben, die Position wird niemals ideal sein. Ich mag das Zeitfahren einfach nicht.

Samstag, 18. Juli 2009: BERGRENNEN IN KÖNIGSTETTEN

Schon die Anfahrt war eine Zumutung. Ständiger starker Regen, Temperatursturz. Am frühen Vormittag habe ich noch ein paar Kilometer mit der Zeitfahrmaschine gemacht, da hatte es 23°, ein paar Stunden später, zu Mittag, nur mehr 13°! Mußte noch einkaufen, was zu essen, viel zu trinken, Kühltasche einpacken. Dabei war es dann draußen kälter als in der Kühlbox! Über den Seeberg hat es geschneit, es hatte 6°!

Nach dem Rennen Quartier gesucht, in einer Seitengasse in Königstätten gefunden. Etwas gegessen (hatte keinen Hunger), vorher sind wir noch die Zeitfahrstrecke für morgen abgefahren, es war aufgetrocknet, aber nach wie vor saukalt. Angezogen war ich wie im Winter. Lange Hose, Kurzarmtrikot, darüber Langarmtrikot, Winterhaube, Winterhandschuhe. Dieses Ausrollen über 23 km war wichtig, denn die Muskulatur war völlig verspannt. Gut geschlafen.

Sonntag, 19. Juli 2009: EINZELZEITFAHREN IN TULBING

Ich mag das Zeitfahren einfach nicht! Schade, der Ginner-Cup ist jetzt wohl endgültig verloren. Das Zeitfahren war eine Tortur, ich war so unvorstellbar langsam, es war ein Graus. Im Gegenwind gerademal mit 32 km/h unterwegs, und auch im Rückenwind bin ich über 52 km,/h nicht hinausgekommen - untermStrich war das viel zu langsam.

Das Wahrzeichen von Langenlebarn

Nach dem Rennen sind wir noch eine Runde gefahren, der Hans, der Manfred und ich, es war heiß, der Wind hat gepfiffen, wie beim Zeitfahren auch. Beim Tunnelbau in Chorherrn haben wir vorbeigeschaut, und der Hans hatte die Idee, daß wir uns in den Tunnel reinstellen und er ein paar Fotos schießt. Radfahrer sind eben für jeden Blödsinn zu haben. Bei der Heimfahrt habe ich mich dann gleich vor Judenau noch verfahren, danach bin ich im Auto eingeschlafen.

 

Was kreucht da aus dem finst´ren Loch? - s´ ist der Bartonek mit seinem Koch!

Dienstag, 21. Juli 2009

Wollte heute mit den Vychodil-Jungs eine lange Partie fahren, einen Zweihunderter. Die sind um 8 Uhr früh beim GAK-Platz losgefahren. Sorry, hab verschlafen. Dabei hab ich mir alles schon hergerichtet! Ein paar Gels bereitgelegt, zwei Trinkflaschen gerichtet, das Frühstück usw... Naja, ein alter Mann muß halt etwas länger schlafen... Bin dann alleine später losgefahren, es waren nicht ganz 200 km..

Über Hitzendorf nach Voitsberg, weiter nach Köflach, rauf auf die Pack, weiter zur Hebalm, runter nach Deutschlandsberg, dann weiter nach St. Martin, Preding, Lebring, Allerheiligen, Hühnerberg, Hausmannstätten und Raaba zurück nach Graz, 188 km und 1600 Höhenmeter. Ich war fix und foxy, das alles bei der Hitze. Ich habe jedenfals den Ausdauerblock begonnen, habe heute mal die Kohlehydratspeicher leergefahren. Jetzt darf ich sie nur nicht vollständig auffüllen, morgen noch mal ganz leeren, dann bin ich bereit für die Trennkost, die bei mir so super anschlägt. Nach dem Ttraining konnte ich mich nicht halten, habe 3,5 Liter runtergespült. Wo ist das nur alles hingekommen? Ich hätte noch ein paar Liter dazuleeren können.

Mittwoch, 22. Juli 2009

Ausdauertraining geht weiter, heute bin ich über den Fasslberg nach Gleisdorf, weiter über Kirchberg nach Kirchbach, runter nach St.Stefan, raus nach Leibnitz und über Gleinstätten und Preding zurück nach Kalsdorf und Graz. 165 km in fünfeinhalb Stunden. Und wieder diese unmenschliche Hitze, 33°, ich habe natürlich das gestrige Training gespürt, alles war irgendwie verkrampft, ich hatte dicke und schwere Beine, ich brauchte auch sehr lange, beinahe drei Stunden, bis die Beine halbwegs frei geworden sind. Egal, ist ja nur ein Training. Am Abend habe ich Kohlehydrate nachgefüllt in Form von Spaghetti, danach eineinhalb Stunden in der Badewanne gelegen. Das waren die schönsten eineinhalb Stunden des Tages.

Donnerstag, 23. Juli 2009

Heute Abschluß des Ausdauerblocks, bin über den Fasslberg nach Gleisdorf gefahren, über den Göllesberg nach Ilz, dann über die Hügel und die Berge nach Walkersdorf, nach Riegersburg und weiter nach Feldbach, von dort zurück nach Studenzen, St. Marein und rauf auf die Laßnitzhöhe. Dort war ich schon ziemlich angeschlagen, kein Wunder bei 37° (!), und keinem Schatten! Heute habe ich zwei große Trinkflaschen geleert, bin extra schon um 7 Uhr früh gestartet, um der großen Hitze wenigstens teilweise zu entgehen. Hat alles nichts genützt, ich war so angepeckt, daß ich zeitweise gar nicht mehr gewußt habe, wer ich bin. Erst die letzten Kilometer sind wieder halbwegs gerollt (vielleicht, weil´s bergab gegangen ist??).135 km in viereinhalb Stunden.

Das Rennprogramm am Wochenende ist auch schon fixiert, ich werde die Rundfahrt in Rovigo bestreiten. Zwei Tage, zwei Etappen, zunächst 75 km, am Sonntag dann 105 km. Kalt wird´s da unten wohl kaum werden, also wieder eine Hitzeschlacht. Am Abend Eiweiße und Fette konsumiert, bin wieder wie eine Wasserleiche in der Badewanne herumgeplanscht. Herrliches Gefühl. Ist halt doch viel zu klein. Sollte ein paar Quadratkilometer groß sein. Aber alles kann man halt nicht haben

Samstag, 25. Juli 2009: GIRO DEL POLESINE IN ROVIGO

Heute früh hab ich noch aufgetankt, den Benzintank (70 Liter) und auch den Gastank (48 Liter), immerhin sind es bis Rovigo und retour gut 1100 km. Dann noch schnell eingepackt, das Rad mit den Laufradgarnituren, die Verpflegung, Trinken, die Kühltasche, Reservegewand, Rennkleidung, die Handys sind aufgeladen. Ich fahre los. Über die Pack und durch Kärnten kein Verkehr. Die Fahrtzeit ist so bemessen, daß ich zwei bis eineinhalb Stunden vor dem Start (14.40 Uhr) in Rovigo bin. Aber dann passieren wieder ein paar Dinge, die mal alles wieder in ein ganz anderes Licht rücken. Zunächst muß ich feststellen, daß ich keine Straßenkarte mit habe. Und daß ich - wieder einmal - vergessen habe, Norditalien auf mein Navi zu laden. Das heißt also: Orientierung nach Erfahrung und Routine. Gut, ich getrauemich, auf Anhieb nach Rovigo zu finden. Das dürfte kein Problem sein, also mache ich mir darüber auch keinen Kopf.

Daß auch das ein Fehler war, merke ich einige Stunden später, als ich nämlich in Friaul auf der Autobahn unterwegs bin und runterfahren muß. Durchs Kanaltal runter ist die normale Straße sehr gut ausgebaut, da fahre ich sicher nicht Autobahn und zahle dafür auch noch Maut. Also erst in Gemona auf die Autobahn. Weniger später lese ich auf den Über-Kopf-Anzeigetafeln, daß zwischen Udine-Süd und Latisana umfangreiche Staus sind, daß dort praktisch alles stillsteht. Richtung, Urlaubszeit = Ferienzeit = Reisezeit! Also runter von der Autobahn. Anfangs geht es noch so halbwegs, aber dann, als ich mich wegen einiger gesperrten Straßen und Umleitungen hoffnungslos verfranst habe, hätte ich unbedingt eine Straßenkarte gebraucht. Ich fahre nach Glück und vertraue auf die Himmelsrichtungen.

In Richtung Latisana nimmt der Verkehr zu. Und schließlich stehe ich wieder einmal im Stau. Nichts geht mehr, ich drehe um und schlage mich seitwärts in die Büsche, pardon, auf eine Nebenstraße. Die Zeit läuft, bis Venedig sind es noch 80 km. Und ich habe nur mehr zwei Stunden Zeit! Dann endlich die Autobahnauffahrt Latisana, auf der 2 km langen Auffahrt brauche ich gezählte 55 Minuten! Aber dann: zweite Spur bzw., dritte Spur, Vollgas, fünfter Gang. Nicht unter 160 km/h. Und ich fahre auch nicht in Monselice runter, sondern  erst in Rovigo. Sind ca. knappe 20 km mehr Autobahn, da bin ich einfach schneller. Ich finde auch sofort zum Start hin, bei der Universität und dem alten Bahnhof von Rovigo. Und ich habe sogar noch 20 Minuten Zeit!

Nach dem Rennen bin ich erst mal unansprechbar. Danach leere ich insgesamt vier 1-Liter-Flaschen Saft (in einer Minute!), danach beginne ich, alles einzuräumen und mich umzuziehen. Ich bin fix und fertig, trinke einen Liter nach dem anderen. Essen aber bringe ich nichts hinunter. Ich vertröste mich auf später. Ich sehe mir das Ergebnis an, lasse mich von den Sanitätern noch einmal verarzten, aber ich habe praktisch keine Schürfwunden, nur Prellungen und ein Peitschenschlagsyndrom, sie sprechen auch von einer möglichen leichten Gehirnerschütterung. Tatsächlich können sie nicht verstehen, daß für einen Österreicher das Klima hier nur sehr schwer zu packen ist: heiter, 38 Grad im Schatten, stürmischer Wind! Ich kann tatsächlich Liter um Liter Flüssigkeit in meinen Schlund runterschütten, der Körper saugt alles auf!

In Stanghella finde ich ein billiges Zimmer, gerade mal 8 km vom Startort entfernt. Praktisch. Ich dusche mich relativ kalt, liege dann naß am Bett, träume vor mich hin, während ich langsam trockne. Dazwischen trinke und trinke und trinke ich. Zwei große Flaschen habe ich im Rennen auf den 76 km konsumiert, das war so viel wie gar nichts. Wähhrend es draußen finster wird, trinke ich mich langsam bis zur Besinnung! Alles tut weh, die Prellungen fange ich jetzt auch langsam an zu spüren. Und ich bin viel zu faul, um mich zu bewegen. Also liege ich da am Bett und schlafe irgendwann ein. Es ist 10 Uhr abends, als ich wieder munter werde, und ich bin von Gelsen völlig zerstochen. Ich möchte mich zum Essen zwingen, aber es geht nicht. Ich will nur trinken und trinken. Die Getränke gehen mir aus, und weil ich morgen auch noch was brauche und jetzt schon alles konsumiert habe, raffe ich mich auf, ziehe mich an und gehe einkaufen. Das ist ja das Tolle an Italien, daß man irgendwo immer zu jeder Zeit einen Supermarkt findet, der geöffnet hat. Ich brauche auch nicht lange suchen, ich kaufe eine Sechserpackung Mineralwasser (= 9 Liter) und 10-Liter-Packeln Saft. Der morgige Tag kann kommen!

Sonntag, 26. Juli 2009: GIRO DEL POLESINE IN ROVIGO

Die Nacht war kurz, ich konnte nicht richtig schlafen, bin dauernd aufgewacht, mir war viel zu heiß, ich habe geschwitzt und Unmengen getrunken. Zum Frühstück mußte ich mich zwingen, drei Kornspitze runterzuwürgen, mit Käse und Schinken. Ob das wohl für 108 km reicht, war mehr als fraglich. Dafür habe ich gleich wieder zwei Liter getrunken. Ich war immer noch wie ein Löschpapier, das sofort begierig jeden Tropfen Flüssigkeit aufsaugt. Bereits beim Einfahren habe ich gemerkt, daß heute rein gar nichts geht. Die Beine schwer und voller Milchsäure, ganz sauer und träge, zu keiner schnellen Bewegung fähig. Schon die 100 Meter zur Nummernausgabe waren eine Qual, die fürs Rennen das erste befürchten ließ.

Die Rückfahrt aus Rovigo nach Graz war ebenfalls eine Tortur. Nichts mehr zu trinken, ich bin bei der erstbesten Autobahnraststätte reingefahren und habe mich dort mit Flüssigkeit eingedeckt und mir sogar ein Eis genehmigt. Normalerweise lasse ich bei einer so langen Heimfahrt ein paar entscheidende Situationen aus dem Rennen Revue passieren, aber diesmal war ich viel zu müde dazu. Und zu durstig.

Dienstag, 28. Juli 2009

Zweite Ausdauerwoche. Die Rennen vom Wochenende habe ich hoffentlich verdaut. Diesmal beginne ich progressiv, ich fahre heute die kürzeste Distanz, runter bis Spielfeld, dann wieter nach Mureck und über Ragnitz, Wildon und Kalsdorf wieder zurück nach Graz. 138 km in 4:41 Stunden, Schnitt 29,2 km/h. Es war - wieder einmal! - ein scheußlich heißer Tag, ich habe zwei große Trinkflaschen geleert.

Mittwoch, 29. Juli 2009

Zweiter Tag, heute ist die Runde schon etwas größer, ich bin runter nach Feldbach und Fehring gefahren, dann nach Kapfenstein und Gleichenberg, weiter nach Halbenrain und Radkersburg. Entlang der slowenischen Grenze über Mureck zurück nach Spielfeld, dann rauf über Obervogau,Ragnitz, den Kehlsberg, weiter nach Weitendorf, Ponigl und Wundschuh, und über Kalsdorf und Raaba zurück nach Graz. War eine sauschwere Tour, nicht wegen des Streckenprofils, das war eher harmlos, sondern wegen der Distanz und vor allem wegen der Hitze. Diesmal hatte ich drei große Trinkflaschen mit, zwei am Rahmen, eine hinten im Trikot und das war noch zu wenig. Diese Scheißhitze. Habe zuhause dann mal 4 Liter gekippt, ehe ich zu den ersten Worten fähig war. Morgen folgt dann der Höhepunkt dieser Trainingswoche, unter der Voraussetzung, wenn ich dann noch lebe. Das waren heute 167 km in 5:47 Stunden, Schnitt 29,0

Donnerstag, 30. Juli 2009

Heute bin ich schon um 6.30 Uhr losgefahren, um der Hitze wenigstens teilweise zu entgehen. Eine ganz lange und schwere Tour habe ich mir da vorgenommen. Von Graz über Frohnleiten auf den Rechberg, weiter über Arzberg auf den Gollersattel, dann weiter auf den Fasslberg, raus nach Gleisdorf und Ilz, runter nach Feldbach, die Hügel haben da schon ziemlich wehgetan! Naja, ich habe dann noch eine Schleife nach Süden angehängt, runter nach Paldau, Kirchbach, bin dann noch über ein paar Hügel nach Leibnitz runtergefahren und von dort via Kalsdorf und Raaba zurück nach Graz. Das waren heute 216 km und 2.675 Höhenmeter, gebraucht habe ich dafür 7:39 Stunden, bin nach 14 Uhr daheim gewesen, in der allerärgsten Hitze! Habe heute eineinhalb Kilo verloren, das ist doch schon bedenklich, wenn soviel Gewicht an einem einzigen Tag verschwindet. Klar, den Rest des Tages habe ich damit zugebracht, soviel Flüssigkeit in mich reinzuschütten wie nur nirgend möglich. Nach 10 Litern habe ich aufgehört mitzuzählen.

Das Rennprogramm fürs Wochenende steht auch: ich spüre, daß mir noch einiges fehlt zu einer guten Form, und ich habe mich entschieden, das so schnell wie möglich zu beheben, also einerseits mit Trainjing, andererseits aber auch mit entsprechenden Rennen. Und am Wochenende habe ich mir am Samstag und am Sonntag gleich drei Straßenrennen in Venetien rausgesucht.

Samstag, 1. August 2009: STRASSENRENNEN IN FAÉ DI ODERZO

Die Kühltasche ist angefüllt, schließlich habe ich aus dem Wetter der letzten Tage und Wochen gelernt. Es geht ins Veneto runter, rein in die große Hitze. Oderzo heißt das Ziel diesmal.  Bin aber nicht auf der Autobahn gefahren, sondern habe mch via Landsteraßen beinahe in Luftlinie nach Oderzo durchgeschlagen. Dieses verdammte kleine Scheißnest Faé (so klein, daß es kaum auf einer Karte verzeichnet ist!) habe ich in allen vier Himmelsrichtungen ein paarmal durchsucht, aber keinen Start gefunden, nicht mal einen einzigen Rennfahrer gesichtet. Wie konnte ich auch wissen, daß sich der Start ca. 5 km außerhalb des Ortes befand! Im allerletzten Moment habe ich dann doch noch hingefunden, 25 Min. vor dem Start. Ich also flugs aus dem Auto, in Windeseile umgezogen, das Rad zusammengesteckt, die Startnummer ans Trikot geheftet und mich an den Start gestellt. So einfach geht´s, wenn man unter Zeitdruck steht. Von der Strecke hatte ich keine Ahnung.

Nach dem Rennen war ich tot. Mausetot. Völlig ausgetrocknet, dehydriert, wie ein schrumpeliger Hodensack. Liter um Liter habe ich in mich reingeschüttet, viel hätte nicht gefehlt, und in meiner Gier hätte ich mich auch am Kühlwasser meines Autos vergriffen. Es hat einige Stunden gedauert, bis ich wieder halbwegs ansprechbar war, danach habe ich gleich große Mengen Flüssigkeit eingekauft. Mineralwasser, Saft, Elektrolytgetränke. In der Nacht habe ich schlecht geschlafen, immer habe ich schluckweise getrunken, gegessen habe ich gar nichts, ich habe nicht einen Bissen runtergebracht. Auf diese Weise waren bis zum nächsten Tag in der Frühe 12 Liter verschwunden!

Sonntag, 2. August 2009: STRASSENRENNEN IN BRISCHE DI MEDUNA DI LIVENZA UND STRASSENRENNEN IN GRUMOLO DELLA ABBADESSA

Ich unglaublicher Idiot habe heute gleich zwei Rennen am Programm stehen, als ob eines nicht reichen würde! Das erste Rennen war direkt eine Wohltat, ich war gut erholt von gestern, habe zum Frühstück noch zwei Bananen gegessen, und um diese Tageszeit, ab 8.30 Uhr, war es auch noch nicht so heiß.

Dann aber hat wieder die Hetzjagd begonnen, bei mittägiger Hitze (41° !) bin ich nach Grumolo gefahren, ich war abgekämpft, etwas erschöpft, konnte mich durch die knapp zweistündige Autofahrt alles andere als erholen. Dementsprechend ist dieses zweite Rennen auch gelaufen. Aber wenigstens bin ich jetzt etwas hitzeresistenter!

Montag, 3. August 2009

Bin wieder daheim, bin aber wie ein naßer Fetzen herumgelegen, war unfähig zu irgendeiner Tätigkeit. Am späten Abend bin ich dann noch ca. 25 km locker gerollt, dann habe ich zusammengepackt, denn morgen folgt das Tüpfelchen auf dem i: ein dreitägiges Training in den Dolomiten!

Dienstag, 4. August 2009: TRAINING IN PICCOLIN/SELLARUNDE

Eindeutig ein Höhepunkt im Trainingsalltag: drei Tage bin ich in den Dolomiten unterwegs, 109,5 km stehen heute am Programm. Start und Ziel in Piccolin am Eingang zum Badia-Tal, gestartet bin ich in Richtung Sellagruppe. Herrliches Wetter, Sonnenschein, warme Temperaturen, 11,5 km bis Pedraces und weiter nach La Villa, dann rein nach Corvara und dort begann dann auch schon der erste Anstieg, das Grödner Joch. Von 1125 m Seehöhe auf 2121 m. Erster Paß also gleich mit 1000 Höhenmetern. Mit 36/19 bin ich zügig und mit hoher Frequenz raufgekurbelt, es war direkt ein Spaß. Auf dem 12 km langen Weg nach oben habe ich einige Hobbyfahrer eingeholt, ein paar davon haben sich an mein Hinerrad geheftet, oben aber bin ich alleine angekommen, hatte sogar noch Kraft für einen Sprint, mit dem ich den letzten von ihnen abgehängt habe. Dann schnell eine Pelerine drübergezogen und runter ins Tal.

La Villa

Pedraces

Der Passo di Gardena von Corvara aus

Passo di Gardena 

Es geht den Berg runter, der kühle Fahrtwind tut mir gut. Ich bin ziemlich naßgeschwitzt. Es geht 6 km runter bis zum Plan di Gralba, dann rauf aufs Sellajoch. Dieser Anstieg ist ziemlich steil, ich fahre da mit 30/21. Und dazu die Hitze, die ist mir ziemlich unangenehm. Der Tritt wird schwerer, auf 5,5 km geht es von 1900 m Seehöhe hinauf auf 2244 m aufs Sellajoch.

Wieder 320 Höhenmeter, dann geht es runter Richtung Canazei. Ich bin schon etwas angeschlagen, die Abfahrt ist goldrichtig und ich brauche sie, um mich wieder etwas zu erfangen. Auf 1680 m Seehöhe angekommen, geht es links wieder rauf, diesmal auf den Passo di Pordoi. Der Asphalt ist voller Aufschriften vom Giro d´Italia, das gibt Auftrieb, ist gut für die Moral. Ich fahre zügig mit 30/19, kurble schnell, aber ich merke auch, daß ich keine großenSprünge mir mehr leisten darf.

 

Passo di Pordoi

Auf den 7 km hinauf aufs Pordoi-Joch auf 2239 m Seehöhe (das sind wieder 340 Höhenmeter, damit sind es insgesamt schon 1680 Höhenmeter!) falle ich unmerklich in den Bereich der Quälerei. Ich schnaufe, ich muß richtig hinhalten, ich quäle mich den Berg hinauf. Die Aussicht entschädigt für alles, und ich weiß auch, wieviel mir dieses Training hier bringt. Also die Zähne zusammenbeißen und weiter, Kehre um Kehre, Höhenmeter um Höhenmeter. Endlich bin ich oben. Schnell die Pelerine drübergezogen, und runter geht´s in rasender Fahrt ins Tal nach Arabba. Ich kenne diese Anstiege hier genauso wie die Abfahrten wie meine Westentasche, von unzähligen Trainingsfahrten und vielen Rennen her. Hier habe ich in meiner Elitezeit trainiert, hier habe ich mir immer die Kilometer geholt, die mich am Berg viele Konkurrenten abhängen haben ´lassen. Und es tut der Seele auch gut, endlich wieder einmal diese vertrauten Anblicke genießen zu dürfen. 

Die letzten Kilometer der Abfahrt nach Arabba runter.

Die Beine sind jetzt etwas schwer, mit harter Übersetzung fahre ich aus Arabba raus, die Straße fällt weiter leicht ab. Das tut einerseits gut, andererseits dauert es nicht mehr lange, und der nächste Anstieg wartet. Nach Buchenstein geht es nach Livinallongo rauf, etwa eineinhalb Kilometer lang, wieder 90 Höhenmeter (damit insgesamt 1770 Höhenmeter), und diese Höhenmeter schmerzen ungemein. Die Beine sind steif und hart, die Distanz und die bisherigen Höhenmeter fordern ihren Tribut. Aber das Schwierigste steht erst noch bevor.

Weiter geht es Richtung Cortina, immer bergab, der Fahrtwind spielt um meine Nase, aber viel zu schnell ist dieses herrliche Gefühl wieder vorbei. Es geht den Passo di Falzarego hinauf. Und der ist schon um einiges schwerer zu fahren als die bisherigen Anstiege, weil er steil und dazu unrhythmisch ist. Und verdammt lang. 11,5 km ist dieser Anstieg lang, es geht auf 2105 m hinauf, das sind auch wieder 790 Höhenmeter. Ganz unten holt mich eine Amateurmannschaft ein, die kommen aus dem Belluno hierher, ich kann nicht mal einen Kilometer lang mithalten, dann bin ich wieder alleine. Die fahren dann wieder runter nach Belluno, ich biege links ab auf den Falzarego rauf. Eigentlich Unsinn, in meinem körperlichen Zustand sollte ich den Berg runter fahren, nicht rauf. Es wird ein quälender Kampf gegen die Steigung.

 

Die wilde Landschaft am Falzarego  

Eine ganz wilde Gegend ist das hier

Mit dem letzten Rest von Kraft und Energie kämpfe ich mich den Paß hinauf, bin heilfroh, als ich endlich oben bin. Am Lagazuoi-Turm vorbei biege ich oben auf der Paßhöhe links ab, es geht jetzt noch den Passo di Valparola hinauf. 2 km mit 90 Höhenmetern, ich fahre beinahe Zickzack. Es ist eine schmerzhafte Qual.

Passo di Valparola 

Endlich oben am Valparola!  Jetzt geht es nur mehr bergab, ich lasse es rollen, rasend schnell jage ich die Kehren hinunter, die Höhenmeter schwinden wieder, wie langsam und schwerfällig habe ich sie bergauf erobert, und wie schnell verschwinden sie jetzt wieder unter meinen Schlaufreifen! Ich passiere San Cassiano und bin dann wieder unten im Val Badia. Mit flachem Gefälle geht es raus bis Piccolein, wo ich gestartet bin. Viereinhalb Stunden war ich unterwegs. 2650 Höhenmeter habe ich überwunden. Ich falle todmüde und völlig geschafft ins Bett.

Mittwoch, 5. August: TRAINING IN PICCOLIN/SELLARUNDE 

Heute spüre ich noch den gestrigen Tag, keine Frage. Daher steht auch nur die "kleine" Sellrarunde am Programm, ich starte wieder in Piccolin, fahre das Val Badia hinauf bis Corvara, wie gestern auch schon. Dann jedohc nicht rechts, sondern links auf den Passo di Campolongo, den kleinsten der vier Pässe der Sellarunde. Ich bin bereits um 6 Uhr früh losgefahren, um der Hitze des Tages etwas zu entgehen, und ich habe heute auch noch viel vor. In Corvara fahre ich die ersten weit ausladenden Kehren den Campolongo hinauf, das erste Tageslicht begleitet mich. Langsam, aber zügig, klettere ich höher und höher. Ich fühle mich besser als gestern, das verwundert mich etwas. Dann habe ich das Schwerste schnell geschafft, der lange flache Mittelteil des Anstieges ist auch schnell geschafft. Ich fahre hier mit 21 bis 24 km/h!

Auf den knapp sechseinhalb Kilometern habe ich 353 Höhenmeter zu überwinden. Das zeigt, weshalb dieser Paß als der leichteste der Sellarunde gilt. Hinten geht es schnell und etwas steiler nach Arabba runter, dann von Arabba die 9,5 km rauf auf das Pordoi-Joch. 755 Höhenmeter habe ich in Arabba bereits wieder in den Beinen. 

Die Strecke aufs Pordoijoch kenne ich von einem internationalen Zeitfahren her, das ich schön öfters gefahren bin. Doch diesmal fahre ich zwar auch gleichmäßig, aber um einiges langsamer. Ich bleibe gerade noch unter 40 Minuten Auffahrtszeit. Und dennoch, viel schneller hätte ich nicht fahren können. Hinten wieder runter nach Plan di Gralba, dann den steilen Anstieg auf den Passo di Sella hinauf. Auf 6,5 km Anstieg warten 500 Höhenmeter, das ist schon ein ganz anderes Kaliber! Ich fahre hier mit 39/23, kurble gleichmäßig, bin in keiner Phase aber so angeschlagen wie ich es gestern war. Das ist aufbauend, das tut gut. Endlich oben am Sellajoch. 1885 Höhenmeter bisher!

Die steile Abfahrt auf der anderen Seite runter, und da treffe ich auf dem Weg ins Grödnertal auf einen alten Bekannten, auf den Trentiner Gabriele Webber, der sich in den letzten Jahren zu einem phantastischen Bergspezialisten gemausert hat. Wir grüßen uns, da ist noch viel Respekt von den früheren vergangenen Jahren. So manchen Strauß haben wir in den Steigungen der Dolomiten ausgefochten!

Der Anstieg auf das Grödner Joch ist auch leichter als vielleicht erwartet, denn hier fahre ich den 3 km langen Mittelteil, der sogar leicht bergab führt. 220 Höhenmeter kommen auf den 6 km zur Paßhöhe hinauf dazu, ich kämpfe mich mit einem schnellen Sprint auf den letzten 100 Metern auf die Paßhöhe hinauf, auch hier ist der Asphalt voller Aufschriften vom Giro. 2105 Höhenmeter, und von hier geht es nur mehr bergab bis Corvara und dann weiter nach Piccolin. 91 km mit mehr als 2100 Höhenmetern, ich bin die Strecke heute in 3:45 Stunden gefahren.

Danach packe ich zusammen und übersiedle für den letzten Tag meines kurzen Trainingslagers ins Valle di Cembra ins Trentino. Das ist die ultimative Trainingsgegend für mich, die Heimat von Francesco Moser!  

Donnerstag, 6. August 2009: TRAINING IM VALLE DI CEMBRA   

Ein neuer Tag, der dritte jetzt schon hier in den Dolomiten, und ich bin jetzt wieder im Cembra-Tal unterwegs, meiner heimlichen Liebe in den Dolomiten.  

Palu di Giovo

Seit vielen Jahren war ich nicht mehr hier gewesen, hier, wo ich mich in den achtziger und neunziger Jahren vor allen Großéreignissen die nötige Form geholt habe, wo ich Tausende und Tausende Trainingskilometer abgespult hatte. Die Gegend ist mir nach wie vor vertraut, ich habe wieder mein "altes" Quartier gefunden, in Lavis, hinter der Ortschaft, eine nette, kleine, ruhige Pension, mit Frühstück bezahle ich da gerade mal 16.- Euro. Kaum zu glauben, aber tatsächlich wahr. Am nächsten Tag starte ich bereits um 7 Uhr früh meine letzte Trainingsfahrt hier in Italien, ich fahre rauf nach Giovo, den ersten Anstieg rein ins Cembra-Tal. Dort oben biege ich dann links ab, rauf nach Palu di Giovo, dem Wohn- und Heimatort von Francesco Moser, bis rauf zu seiner Villa. Auch seine Brüder Enzo und Aldo wohnen hier in dieser abgeschiedenen Ortschaft zwischen den Weinbergen.  

Der Anstieg nach Palu hinauf ist gerade mal eineinhalb Kilometer lang, schmal, steil. Von gerade mal 200 Metern Seehöhe geht es hinauf auf 550 m. Es ist mucksmäuschenstill, die Sonne sticht herunter, die Schweißtropfen rinnen über miene Nase, mein Kinn, tropfen auf den Rahmen. Der Atem ist nicht nur zu spüren, auch zu hören, ich hechle wie ein abgekämpfter Hund. Die Blechlawine der Touristen und Urlauber aus dem Etschtal ist mit einem Schlag vorbei, obwohl gerade mal ein paar Kilometer weiter unten. Hier herrscht totale Abgeschiedenheit. Man fühlt sich gleich um gut hundert Jahre zurückversetzt. Uralte Häuser, alles sieht alt und steinalt aus. Grillen zirpen, Vögel zwitschern. Weiter geht die Fahrt nach Lisignago und Cembra, nach Faver, Walda und Grumes und bis Grauno. Dort bin ich dann schon auf gut 1000 m Seehöhe. Grauno, Valle di Cembra 

Blick auf Grauno

Vor Cipriana habe ich dann das Ende des Tals erreicht, es geht mit einer unscheinbaren Kreuzung hinüber auf die andere Talseite, ich fahre wieder zurück ins Trentino runter. Ich fahre durch Piscine und Sover, viele Höhenmeter geht es immer wieder hinauf, die Straße ist unverändert wie vor 15 Jahren. Durch Segonzano fahre ich runter bis zu den weltberühmten Erdpyramiden.

 

Segonzano

 

Die Erdpyramiden von Segonzano 

Über Lases und Albiano erreiche ich dann endlich wieder die lange Abfahrt runter ins Etschtal, ich komme zurück in die Zivilisation. In Lavis ist die Runde beendet, 96,5 km in 3:31 Stunden, und so nebenbei habe ich auch 1075 Höhenmeter hinter mich gebracht.

Ich packe zusammen und fahre nach Hause, in den drei Tagen hier in den Dolomiten habe ich 297 Kilometer abgespult und dabei 5830 Höhenmeter zurückgelegt! Völlig geschafft komme ich am späten Nachmittag in Graz an. 

Samstag, 8. August 2009: BERGRENNEN WEGSCHEID-CLASSIC, HOPFGARTEN  - BERGGASTHOF WEGSCHEID

Alpengasthof Wegscheid

Natürlich habe ich das harte Training der letzten drei Wochen heute noch gespürt, vielleicht bin ich deshalb "nur" Zweiter geworden, ich war jedenfalls ziemlich enttäuscht. Der Rückstand war ja doch eindeutig gewesen. Aber das war ja alles nichts gegen das Donnerwetter, das der Hans veranstaltet hat, weil der Koch Manfred mit der Strobl Steffi nicht gekommen ist. Lichtmaschine kaputt, hat er im allerletzten Moment noch angerufen. Damit ist natürlich die Mannschaftswertung ausgefallen, mit der wir ganz fest gerechnet hatten. Das geht einfach nicht mehr, daß die beiden ständig ihr eigenes Süppchen kochen.

Sonntag, 9. August 2009: STRASSENRENNEN IN EGELSDORF

Trotz der vielstündigen gestrigen Autofahrt (bin insgesamt mehr als 9 Stunden im Auto gesessen und erst spätnachts heimgekommen) war ich in erstaunlich guter Form, war spritzig, hatte keine Probleme mit dem Tempo, bin sogar ziemlich aktiv gefahren, wäre um ein Haar sogar Fünfter geworden (erst auf den letzten 100 Metern bin ich etwas verhungert) - naja, ich bin ja kein Sprinter!

Dienstag, 11. August 2009

In dieser Woche werde ich nur mehr leicht und locker trainieren, um für den Saisonhöhepunkt Deutschlandsberg und St.Johann/Tirol bestmöglich gerüstet zu sein.

Donnerstag, 13. August 2009

Bin heute nach Bad Gams runtergefahren, ein sehr hügeliges Training, es waren über 800 Höhenmeter, ich habe für die Familie Koch/Strobl, die Klubkollegen aus Etsdorf an der Kamp, ein Quartier für die kommende Woche gesucht. Nach wirklich sehr langem und aufwendigem Suchen bin ich doch noch fündig geworden: ein ganz tolles Quartier war noch frei, und zwar am Vocheraberg bei Bad Gams, gerade mal 12 km von Deutschlandsberg entfernt. Mit Frühstück für unglaubliche 12.- € am Tag, toll mitten im Wald gelegen, völlige Ruhe, kein Verkehrslärm, nur Vogelzwitschern und Grillengezirpe ist dort zu hören.Ich war richtig stolz auf mich. Und ein 105-km-Training war es auch!

Samstag, 15. August 2009: KRITERIUM IN DEUTSCHLANDSBERG

Erstes Rennen zur Radsportwoche, ein ganz guter  Einstieg mit dem 7. Rang, wenngleich auch ein wenig Frust dabei war, denn ich habe einen Preis ganz knapp verpaßt (6 Preise!). Mit dabei waren auch Dominic und Felix, und der Spike hat natürlich auch nicht fehlen dürfen. Allen dreien hat es sehr gefallen, wenngleich die beiden Jungs hauptsächlich in der Koralmhalle am PC gesessen sind!

Preise? Diesmal leider Nein!

Habe mir danach noch ein paar andere Rennen angesehen, bei allen hat es in der Zielkurve Stürze gegeben! Das Kopfsteinpflaster war dort auch sehr unruhig und wellig, und mit Null technischem Können gab es da schon gewaltige Probleme.

Sonntag, 16. August 2009: PAARZEITFAHREN IN FRAUENTAL

Der Hans ist schon wieder explodiert. Die Familie Koch/Strobl ist natürlich nicht gekommen. Die Stefanie hätte hier gute Chancen auf das Podest gehabt, stattdessen hat es geheißen, daß der Manfred arbeiten muß, die Alexandra auch, gut, das hat er schon seit Tagen gemeint, da hätte die Steffie halt die Woche alleine in Deutschlandsberg bleiben müssen. So ganz alleine wäre sie ja sowieso nicht gewesen, und mit 15 Jahren kann man das wohl verlangen. Aber nein, sie hat verlauten lassen, sie will nicht alleine sein! Der Hans war richtig aufgeladen. Und wie stehe ich jetzt da bei den Wirtsleuten, wo ich das Quartier bestellt habe? Hoch und heilig habe ich geschworen, daß die drei kommen werden. Dort kann ich mich jetzt nie mehr blicken lassen! Wie peinlich! Naja, angefressen war ich schon auch.

Dazu kam dann noch, daß ich mit dem Sigi ein Paar hätte bilden sollen, der hat aber nichts gewußt davon, und der Nennungsschluß fürs Zeitfahren war auch schon vorbei. Ist irgendwie nicht gegangen, der Hans aber war voller Zorn und Frust. Mit dem hat man heute gar nicht reden können. Irgendwie bin ich froh gewesen, daß ich durch mein Rennen etwas abgelenkt war. Der 21. Platz hat dann aber auch bei mir etwas Frust freiwerden lassen.

Stargast Gianni Motta (im Rosa T-Shirt), hier bei der Preisverteilung des Paarzeitfahrens

Dienstag, 18. August 2009: STRASSENRENNEN GROSS ST. FLORIAN - EIBISWALD

Das Gute an diesen Rennen in dieser Woche ist, daß ich kaum zu trainieren brauche. Aber mit Aufwärmen, zum Start nach Groß St. Florian hinfahren und dann von Eibiswald zurück nach Deutschlandsberg waren es heute auch wieder 108 km. Danach habe ich viel und lange mit allen möglichen Bekannten aus aller Welt geplaudert. Das ist ja das Schöne an diesen Rennen, daß man mimmer wieder viele Freunde und Bekannte trifft, die man das ganze Jahr über sonst nie sieht.

Mittwoch, 19. August 2009: SPRINT IN DEUTSCHLANDSBERG

Ein Scheißrennen, viel zu schade für jede Minute Aufwand und jeden ausgegebenen Euro. Warum ich so gehässig bin? Ich halte von diesem 300-m-Sprint nicht viel, das ist nur eine lästige Pflichtübung. Bin natürlich Letzter geworden, und so etwas freut halt nicht. Wenigstens ist der Sigi Zweiter geworden.

Was hat der Hans wieder geschimpft, er ist nämlich gegen den Sigi ausgelost worden und hat prompt verloren. Die beiden haben eine ganz schöne Rivalität in diese Rennen mitgebracht.

Donnerstag, 20. August 2009: BERGRENNEN HOLLENEGG - BURG DEUTSCHLANDSBERG

Auch wieder so ein unnötiger Bewerb, mit dem ich mich einfach nicht anfreunden kann. Viel zu kurz für ein Bergrennen, zunächst flach, dann bergab, dann 1200 Meter den Berg hoch zu Burg rauf. Dabei gäbe es so viele wunderschöne und selektive Bergstrecken in dieser Gegend hier, ich weiß gar nicht, wo ich da aufzuzählen anfangen soll: Weinebene, Trahütten, Glashütten, Hebalpe, Garanas-Hochmoor, Soboth, Reinischkogel, sowie alle möglichen kleine Forstwege und Nebenstraßen. Aber nein, ausgerechnet der einzige Anstieg, der für ein Rennen so überhaupt nicht taugt, ist da ausgewählt worden!

Freitag, 21. August 2009: STRASSENRENNEN IN BAD GAMS

Das zweite Straßenrennen im Rahmen der Radsportwoche, meine letzte Chance auf Punkte - wieder nichts. Sturz in der Zielanfahrt, ich bin zurückgeworfen worden. Bin mit dem Hans danach in Bad Gams an der Hauptstraße gesessen und habe ein Eis gelöffelt, der Hans hat eine blutjunge 16jährige Kellnerin angeflirtet, wollte Fotos von ihr schießen, die war nicht mal abgeneigt! Und daneben ist der Dimitri Buben mit der Zeitfahrmaschine vorbeigefahren, und das mit gut 50 km/h - zwei Welten!

Und natürlich gab es wieder jede Menge Stunk zwischen Hans und Sigi, weil ihn der Hans beschuldigte, das Feld wieder an ihn herangeführt zu haben, nachdem er 5 km vor dem Ziel solo in Führung lag. Das haben sie dann in einer lautstarken Auseinandersetzung aber irgendwie ausgeredet, Tatsache ist aber, daß auch der Sigi auf der Zielgeraden einen Scheiß gebaut hat, als er als klarer Zweiter die Beine hochgenommen und sich umgeblickt hat. SO WAS TUT MAN NICHT!  Prompt ist ihm der Nesselhauf Zentimeter vor dem Zielstrich noch sozusagen unterm Ärmel durchgeschlüpft hat ihn auf den 3. Rang verwiesen! Und der Hans ist demonstrativ angefressen dahinter abgeschlagen ins Ziel gerollt.

Blick auf Stainz

Samstag, 22. August 2009: EINZELZEITFAHREN IN STAINZ

Die Wettbewerbe gehen heute mit dem abschließenden Zeitfahren zu Ende. Und wieder nichts mit den Punkten! Im Gegenteil, ich hatte Defekt, bin dann schnell nach Hause gefahren, habe daheim in Graz noch drei STunden trainiert, habe da noch 86 km runtergespult. Und auch den Frust aus der Seele gefahren. Volle Aufmerksamkeit und Konzentration gilt jetzt dem morgigen Marathon, da gilt es, den Vorjahrssieg zu verteidigen.

Sonntag, 23. August 2009: NATIONEN-ÖLSPUR-RADMARATHON IN DEUTSCHLANDSBERG

Dieser Sieg hat verdammt gut getan! Endlich!! Mit so einem Ergebnis fahre ich wirklich getrost und voller Selbstbewußtsein nach St.Johann/Tirol. Die Kinder waren wieder mit, Dominic und Felix, beide sind in der Koralmhalle am PC gesessen und haben von meinem Sieg so gut wie rein gar nichts mitbekommen! Tja, das ist eine wirklich wunderbare Familie!

So klingt die Radsportwoche aus, mit Fressen und Saufen bei herrlichem Sommerwetter!

Vielleicht fragen sich einige von euch, weshalb ich diesen Bewerb überhaupt fahre, wo es doch nicht mal eine Ergebnisliste hier gibt. Stimmt teilweise. Als Antwort auf die Frage, weshalb es denn keine Ergebnisliste gäbe, erhält man hier immer wieder, daß die Behörde keine Genehmigung erteile, wenn der Bewerb einen "Renncharakter" habe, daher gibt es keine Ergebnisliste, um so einen "Radwandertag" zu erzwingen. Ist natürlich völliger Nonsens. Einerseits wird gefahren wie bei einem "richtigen"  Rennen, nur daß halt alle angefressen sind, weil´s keine Ergebnisliste gibt. Darüber hinaus sind alle anderen namhaften steirischen Marathons, wie der Selzthaler, der Zweiländer-Marathon, seit ein paar Jahren auch der Wildon-Marathon, ganz "normale" Marathons, natürlich mit Ergebnisliste. Das Argument, daß das in der Steiermark nicht gestattet ist, ist also schlichtweg Unsinn. Zum anderen gibt es auch in Deutschlandsberg eine "inoffizielle" Ergebnisliste, also eine nicht öffentliche. Darüber hinaus passen mir sowohl Distanz als auch Streckenverlauf und vor allem Teilnehmerliste, ich kann diesen Bewerb als Training hernehmen, kann ihn auf Sieg fahren, wie es mir gefällt. Und nach den Straßenrennen in Deutschlandsberg kennt man auch die Strecke dieses Marathons. Und ich fahre gegen die Teilnehmer der Radsportwoche, gegen Jüngere vor allem, auf die ich bei den "normalen" Rennen nicht treffe. Kann mich so auf St.Johann vorbereiten, einen letzten Schliff holen, ein Erfolgserlebnis, kann meine dortigen Konkurrenten besser beobachten und kennenlernen. Das sind die Gründe, weshalb ich hier fahre.

Montag, 24. August 2009: STRASSEN-WELTPOKAL IN ST. JOHANN/TIROL

Der August ist ein sehr rennintensiver Monat. Nach dem gestrigen Sieg bin ich heute bereits um 7.30 Uhr früh nach Tirol aufgebrochen, dort das Rennen gefahren, danach am späten Nachmittag wieder heimgefahren. Pure Hetzerei. Radsportleben.

Dienstag, 25. August 2009

Ob sich das Heimfahren ausgezahlt hat? Ich weiß nicht. Heute bin ich daheim, morgen in aller Herrgottsfrühe geht es wieder raus nach Tirol. Bin heute lockere 65 km gefahren, habe den Frust von gestern (Aufgabe) schon großteils verdaut.

Mittwoch, 26. August 2009: ZEITFAHR-WELTMEISTERSCHAFT IN ERPFENDORF

Wieder so ein stressiger Tag: in aller Frühe bin ich nach St.Johann rausgehetzt, am frühen Nachmittag war dann mein Start. Aber diesmal bin ich in Tirol geblieben, morgen ist ja die Straßen-WM am Programm. Am Abend habe ich mich mit dem Hans noch im Zentrum von St.Johann/Tirol herumgetrieben, in der Fußgängerzone, da war High Life angesagt, es wimmelt in dieser Woche nur so in St.Johann von Hunderten Ausländern, lauter Radsportlern samt Anhang, hier gibt es bis Mitternacht sogar täglich Livemusik auf einer Bühne. Heute habe ich leider eine grottenschlechte Band erwischt, irgendeine "Coverband" aus St.Johann, die sind es wirklich nicht wert, daß man sich ihren Namen merkt. Haben nicht mal was Eigenes in ihrem Repertoire. Außer Laut ist nichts gewesen.

Donnerstag, 27. August 2009: STRASSENWELTMEISTERSCHAFT IN ST. JOHANN/TIROL

Der Saisonhöhepunkt. Meine Leistung war sehr gut, ich habe eine Hochform ziemlich genau und richtig hingekriegt, trotzdem war es permanentes Hinhalten und Fahren im roten Bereich, ein Ritt auf der Rasierklinge. Wie ist das möglich? Ich stelle mir vor allem eine Frage: wie kann es sein, daß Fahrer, die ich bisher (z.B. in der Vorwoche in Deutschlandsberg) abgehängt habe, mir heute um die Ohren fahren? Nicht einer, sondern nahezu alle! Antwort: die haben nachgeholfen! Ich scheue mich nicht, hier ein paar Namen zu nennen: Vladimir Zyryanov, Radoslav Krummer, Aleksandr Kandratsenja, Sergej Fadeev, Bojan Ropret, Marjan Srnel, Petr Drahos, Ihor Hayda, uvm. Das andere Extrem: Dimitri Buben. Der hat gestern das Zeitfahren gewonnen und war heute praktisch nicht zu sehen. Dazu kommen noch eine ganze Menge anderer sogenannter "Ostblockfahrer" sowie die ganze italienische Armada, gegen die ich leider keinen unmittelbaren Vergleich habe, aber deren Leistung kommt mir auch höchst verdächtig vor.

Eine Chancengleichheit ist jedenfalls definitiv NICHT gegeben! Leider mußte ich das ausgerechnet beim wichtigsten und größten Rennen der Welt erkennen, bei der Weltmeisterschaft. Ist ja auch logisch, daß da am meisten und ehesten manipuliert wird, schließlich sind wir in Österreich, einem Land, wo überhaupt NIE kontrolliert wird, sowas spricht sich rum. Und jetzt dürften eben auch in der Masterklasse die teuren Präparate Einzug gehalten haben, sprich CERA, ARANESP und ein paar andere, die ich hier gar nicht erwähnen möchte, weil sie NICHT nachweisbar sind und ich nicht möchte, daß meine site hier zu einer EINKAUFSLISTE verkommt. Womit wir wieder einmal beim leidigen Thema DOPING wären. Als ob es dazu nicht schon genug Meldungen in der letzten Zeit gegeben hätte.

Freitag, 28. August 2009: AUF DER SUCHE NACH CHANCENGLEICHHEIT

Bin wieder daheim, rolle locker zwei Stunden durch die Gegend, aber ich bin von gestern noch immer angeschlagen. Kaum zu glauben, daß ein gerade mal 76 km langes Rennen solche Anforderungen stellen kann! Irgendwie will ich es auch gar nicht wahrhaben, daß ich ausgerechnet im wichtigsten Rennen auf lauter gedopte Säche treffen muß. Und ich muß gestehen, in einem solchen Moment ist die Versuchung riesengroß, selbst zur Ampulle zu greifen. Aber genau da muß man sich die Frage stellen, um welchen Preis man den Radsport betreiben will. Der Radsport ist mein Leben. Und ich will gewinnen. Vor allem dann, wenn ich mich am höchstmöglichen Aufwand bewege, wenn da eine weitere Steigerung nicht mehr möglich ist.

Ich habe in den Wochen vorher keinen Fehler gemacht. Das Training war richtig, die Belastung ebenfalls. Die Formkurve ist nach oben gegangen, die Kurve der anderen aber ist über Nacht um ein Vielfaches angewachsen. Da soll mir noch einer sagen, daß das im Bereich des natürlichen Formaufbaus ist!!! Ich sehe doch bald nicht mehr ein, daß ich meinen Aufwand umsonst betreibe, weil ich erst wieder hinten nachfahre.

Jetzt will ich es schwarz auf weiß haben, daß meine Form supertoll ist, genau jetzt brauche ich die Rückmeldung: du bist gut, du bist super, du bist der Größte! Natürlich reicht das nicht, wenn mir das irgendwer sagt, da braucht es schon entsprechende Ergebnisse in entsprechenden Rennen. Von einer Sekunde zur anderen entschließe ich mich, ab Samstag eine viertägige "Tournee" in Italien zu fahren und darauf auf den frischgebackenen Vizeweltmeister der Klasse 6 zu treffen. Die normale Gentlemen-Klasse, wie die Einteilung in Italien lautet, ist ja bei der WM in St.Johann auf die Klassen 5 und 6 aufgeteilt gewesen.

Samstag, 29. August 2009: STRASSENRENNEN IN PORDENONE/Localita LA TORRE

Erstes Rennen nach nur einem Tag Pause. Vor zwei Tagen erst war die Weltmeisterschaft, heute stehe ich in Pordenone am Start. Ich bin bis über die Haarspitzen motiviert, muß mich aber dauernd einbremsen, schließlich kann ich nichts erzwingen. Die Strecke hier ist nicht sehr leicht, eine lange Steigung sorgt für Selektion. Ich bin auf der Hut, lasse mich nicht überrumpeln. Ich lande in den Preisrängen. Ist zwar gut, aber eine Steigerung ist noch möglich.

Blick auf Pordenone

Nach dem Rennen gehe ich mich noch ausfahren, dabei bin ich gleich 2 Stunden unterwegs, fahre 56 km, damit bin ich heute alles inklusive gut 130 km gefahren!

Nach dem Rennen gehe ich noch einkaufen, decke mich mit Trinken und Verpflegung ein, fahre dann wieder zurück in Richtung Tricesimo, wo sich morgen der Start befindet. Als es finster wird, suche ich mir ein Quartier.

Sonntag, 30. August 2009: STRASSENRENNEN IN ADORGNANO DI TRICESIMO

Zweiter Tag meiner "Italien-Rundfahrt", zweites Rennen, ein schweres Streckenprofil, dauerndes Auf und Ab, viele Höhenmeter. Es läuft gleich besser, ich bin mit dem Rennverlauf im großen und ganzen zufrieden.

Nach dem Rennen wird es hektisch und stressig. Morgen geht es weiter in das italienische Tessin in den Großraum Varese, so weit bin ich noch nie gefahren. Aber egal, es geht auf die Autobahn und 250 km nach Westen, an Mailand vorbei, dann wird es finster und ich suche mir ein Quartier.

Montag, 31. August 2009: STRASSENRENNEN IN TAINO

Am frühen Morgen bin ich weitergefahren, Taino liegt zwischen Varese und der Südspitze des Lago Maggiore. In den Hügeln im Hinterland des Lago Maggiore malerisch gelegen. Eine sehr schwere Strecke, wie ich mich nach der Streckenbesichtigung überzeugen kann. 22,5 km lang ist die Runde, gleich vier Anstiege warten da - und wir fahren 4 Runden, das sind 90 km! Eine Strecke ganz nach meinem Geschmack. Die Anstiege sind nicht zu schwer, aber schwer genug, um für eine Selektion zu sorgen.

Und das Rennen wird ein Hit: ich hole mir hier einen weiteren Sieg, den ersten heuer in Italien, ich gewinne gegen den Vizeweltmeister Valter Ssnteroni. Das allein entschädigt mich für allen Frust aus St.Johann! Der Hans hat noch gemeint, hier sind die stärksten italienischen Rennfahrer daheim, hier in der Mailänder Gegend, ich bin hier etwa 75 km nördlich von Mailand.

Dienstag, 1. September: RUNDSTRECKENRENNEN IN GALLARATE

Das vierte Rennen in vier Tagen, ich bin geschafft. Nach dem Rennen geht es nach Hause. Und da merke ich erst, wie weit ich von daheim entfernt bin. Ich fahre Stunde um Stunde, und komme nicht näher. Ich bin müde, unkonzentriert und verfluche die vielen Kilometer.

Typischer Panoramablick über Gallarate gen Norden, im Hintergrund beschließen die Schneegipfel der Alpen das Panorama

Es wird nach Mitternacht, als ich endlich daheim bin. Komisch, dabei bin ich alles auf der Autobahn gefahren, und trotzdem war ich langsamer als auf der Landstraße. Naja, die vielen Pausen, ich habe zu schlafen versucht, aber kaum stehe ich am Parkplatz, bin ich hellwach. Scheiße, ich bin wohl zu alt für solche Gewalttouren! Aber ausgezahlt hat es sich trotzdem!

Donnerstag, 3. September 2009

Eine kurze Trainingswoche wird das, eigentlich besteht sie nur aus dem heutigen Tag. Daheim bin ich am Wäschewaschen, das nächste Wochenende steht ja unmittelbar bevor. Bergmeisterschaft am Masenberg. Bin heute in meiner Trainingsrunde auf der Bundesstraße nach Hartberg rauf, über all die vielen Hügel, dann auf den Masenberg, hab versucht, da so zügig als möglich hochzufahren, hab trotzdem 58 Minuten gebraucht. Danach bin ich die Anfahrtsrunde auch noch abgefahren, 17 km, im Rennen am Samstag geht es eigentlich umgekehrt.

Und zurückgefahren bin ich dann auch noch. Alles in allem waren das heute 2500 Höhenmeter und 165 km. Von nichts kommt nichts. Als ich mir die Anfahrt angesehen habe, ist ein wagemutiger, tollkühner Plan in mir gereift: warum nicht auf der Anfahrt angreifen? Was habe ich zu verlieren? Früher, in meiner Elitezeit, da habe ich immer gemault über die Bergrennen mit der Anfahrt, daß das keine Bergrennen mehr sind, sondern Straßenrennen mit Bergankunft. Aber eigentlich muß ich diese Form des Rennens ja akzeptieren, denn ändern kann ich es nicht. Und warum also nicht das Beste daraus machen? Warum nicht die Gelegenheit am Schopfe packen? Aber nicht alleine, nein, niemals alleine. Das wäre Selbstmord. Da glaubt sowieso keiner, daß mehr als 30 Sekunden rausschauen, aber wenn mehrere an einem Strang ziehen, sich einig sind, da kann schon über eine Minute rausschauen.

Samstag, 5. September: RETTUNG  IN LETZTER SEKUNDE

Ich könnte wahnsinnig werden! Heute früh war beim Auto die Kupplung im Eimer. Das Kupplungspedal fällt durch, die Kupplung greift nicht mehr. Und das 3 Stunden vor der Abfahrt zur Österreichischen Bergmeisterschaft! Der Markus hat mir geholfen, er war - Gottseidank - daheim, ich hab ihn aufgeweckt und ohne zu zögern hat er mir ein neues Teil eingebaut. Ich bin gerade noch rechtzeitig zum Start nach Hartberg gekommen. Knapp, aber doch! Danke, Markus, hast mir wirklich sehr geholfen, ich stehe in deiner Schuld!

Oben beim "Olmstoll" in 1250 mSeehöhe ist das Ziel der Bergmeisterschaft

Sonntag, 6. September: KRITERIUM IN TRUMAU, ABSCHLUSSRENNEN IM GINNER-CUP

Heute ist es offiziell geworden: ich bin im diesjährigen Ginner-Cup leider nicht am Stockerl! Zu dumm auch, aber drei Streichresultate kann ich nicht wegstecken. Ein einziger letzter Platz hätte mir zum dritten Gesamtrang gereicht. Aber nein, der fünfte Rang ist es geworden! Und zu allem Überdruß ist mir im Kriterium das Kunststück gelungen, punktegleich ZWEITER zu werden!

Was soll ich sagen? Es ist immer ein gutes Gefühl, bei einer Preisverteilung dabeizusein, aber diesmal hat der Frust überwogen. SO VERDAMMT UNNÖTIG WAR DIESER FÜNFTE PLATZ! Aber ich darf mich nicht aufregen, ich habe die Regeln ja schon vorher gekannt, und ich wußte seit Wochen, daß ich das Stockerl heuer nicht schaffen würde! Im Gegenteil, ich solle mich damit trösten, so knapp wie noch nie am Sieg im Kriterium vorbeigefahren zu sein!

Dienstag, 8. September 2009 

Am Wochenende steht ein wichtiger Termin auf dem Programm: der Tirol-Marathon am Sonntag in Schwaz, für unseren Verein sehr wichtig, und wir werden diesmal auch erstmals mit einer Mannschaft an den Start gehen. Außer mir werden nämlich noch Hans Unterguggenberger und Manfred Koch starten, der Hans wird auch in den nächsten Tagen die Graus Andrea fragen, denn er will unbedingt, daß wir mit einer gemischten Mannschaft antreten, und die Andrea hat er jetzt in den letzten Tagen einmal gesehen, die ist daheim.

Weil ich wegen dem Samstag nicht nach Italien runterfahren will und bei uns nichts auf dem Terminkalender steht, habe ich gesucht, ob es denn nicht vielleicht irgendwo in Österreich ein Rennen gibt, und bin prompt fündig geworden: am Samstag findet die "Tour de Schrick" statt, ein kurzes Straßenrennen in Schrick, einem klitzekleinen Örtchen im Weinviertel, irgendwo im Niemandsland zwischen Gänserndorf und Mistelbach. 

Donnerstag, 10. September 2009 

Der Hans hat mich heute ganz aqufgeregt angerufen, die Andrea kann nicht am Wochenende, sie ist verletzt, operiert worden und rekonvaleszent. Und dann hat er noch ganz furchtbar geschimpft, daß die immer nur herumkugelt, aber sie wird am Sonntag in Schwaz sein. Als Zuschauerin. Ihre Schweizer Sportgruppe wird mit Saisonende aufgelöst, dann steht sie auf der Straße, hat keinen Vertrag, und mit der Saisonbilanz mit weiß ich wievielen Stürzen wird sie auch nirgendwo unterkommen. 

Hab´ natürlich gleich gewußt, was er damit sagen will: ich soll mit ihr reden und sie davon überzeugen, daß sie wieder zu uns zurückkommen soll! Der Hans hat sie ja vor vielen Jahren entdeckt, wie sie mit einem Kaufhausrenner irgendwo auf einer Tiroler Alm herumgegurkt ist, hat sie zum Verein gebracht, sie trainiert und groß rausgebracht, ehe sie ihre Gastspiele beim Team Nürnberger, Elk-Haus und jetzt eben beim Schweizer Bigla-Cyclingteam gegeben hat.

Und sonst? Ich habe in dieser Woche dreimal (!) eine lange Distanz über 100 km trainiert, wegen dem Tirol-Marathon, der führt ja heuer über eine neue Strecke, und zwar soll da eine 32-km-Runde dreimal gefahren werden. An sich keine schlechte Idee, aber die Strecke wird dadurch doch sehr viel leichter. Ich hätt´sie gerne etwas schwerer und selektiver, aber ich habe in dieser Hinsicht ja nichts zu melden. 

Samstag, 12. September 2009: STRASSENRENNEN IN SCHRICK 

Alleine die Anfahrt war schon abenteuerlich: Von Wien aus über Wolkersdorf Richtung Norden, aber da war schon ab dem Wiener Stadtgebiet ein furchtbarer Stau, da ist alles gestanden, und ich hatte nur mehr eine Stunde Zeit, um danach mit einer halben Stunde Vorbereitungszeit ins Rennen zu gehen. Da habe ich NICHT EINE MINUTE verschenken können! Also habe ich diesmal dem Navi vertraut - was ich sonst in Österreich niemals mache! und eine Nebenstraße über Großebersdorf gesucht, habe Wolkersdorf dadurch umfahren, das war das Zentrum des Staus. Und zwar gerade deshalb, weil sie dort eine große Umfahrung bauen.

Voller Hektik komme ich endlich in dieses putzige Nest mit dem sinnigen Namen und stehe gestreßt dann endlich am Start, nur um zu hören, daß der Sprecher groß ankündigt, der Start werde um 20 Minuten verschoben, weil etliche Teilnehmer noch im großen Stau bei Wolkersdorf festsitzen. So was soll mal bei einem richtigen Rennen passieren! Ach ja: bei der "Tour de Schrick" handelt es sich um ein sogenanntes "schwarzes" Rennen. 

Sonntag, 13. September 2009: TIROL-MARATHON IN SCHWAZ

Sauwetter! Es regnet und schüttet, genauso wie im Vorjahr, es ist gerade mal um ein paar Grad wärmer bzw. nicht ganz so kalt wie vor Jahresfrist. Die alte Silberstadt Schwaz. Ich kann mich bei so einem Wetter nicht damit anfreunden. Und dann gewinne ich auch noch! Und zwar ziemlich klar und deutlich, mit zweieinhalb Minuten Vorsprung! Heissa, heissa, hoppsassa!

Und die Andrea hab ich auch getroffen, hab auch mit ihr gesprochen, aber gar nichts erreicht. Erstens war das eine äußerst unpassende Umgebung, denn andauernd ist sie von irgendeinem Typen angequatscht worden, man konnte ja nicht mal zwei zusammenhängende Worte mit ihr sprechen. Und sie verkennt anscheinend total den Ernst ihrer Lage. Ihre Sportgruppe (Bigla Cyclingteam) macht mit Saisonende zu, dann stehen alle Fahrerinnen auf der Straße. Und zu allem Überdruß machen auch noch ein paar andere Sportgruppen dicht, es fehlt halt überall am Geld, und im Frauenradsport wird als erstes eingespart. Sie hat unzählige Bewerbungen verschickt, mit dem Ergebnis, ein paarmal hingehalten und vertröstet worden zu sein, meist aber ist gar keine Antwort gekommen. Na, was hat sie denn geglaubt? Daß sie überall mit offenen Armen empfangen wird? Ist heuer zwei Rennen gefahren, äußerst diskret, sonst nur gestürzt, operiert, andauernd verletzt, dann fährt sie wieder, stürzt wieder. Ich hab ihr angeboten, im nächsten Jahr bei uns zu fahren, hat sie sofort abgelehnt. Ich weiß natürlich auch, warum, denn für sie ist das sowas wie ein Rückschritt. Ist es ja irgendwie auch, aber Tatsachen kann man nur AKZEPTIEREN.

  

Sie hat mit treuherzigem Augenaufschlag gemeint, sie habe einen guten Namen, den kennt man überall und davon werde sie profitieren. Ich würde es ihr wirklich wünschen, aber ich weiß auch, daß es das nicht spielen wird. Das letzte nennenswerte Ergebnis waren der 10. Rang bei der Straßen-WM in Salzburg (2006) und der Sieg beim Grand Prix Cornaredo in Italien (2008). Ein bißchen wenig für vier Jahre Profiradsport auf höchstem Niveau! Bei uns will sie nicht fahren, weil sie eine Mannschaft braucht, ohne die sie nicht in die ganz großen Rennen reinkommt, ohne die sie keine Weltcuprennen fahren kann. Was soll ich darauf sagen? Der Hans hat so viele Verbindungen und kennt so viele Leute, der würde sie sowohl beim Giro del Trentino (einem der höchstrangigen Frauen-Etappenrennen weltweit) untedrbrinhgen und bei JEDEM Bundesligarennen in Deutschland, sogar bei der Thüringen-Rundfahrt, ebenfalls eine der weltweit größten Frauen-Rundfahrten. Aber nein, die gute Andrea will Besseres und Größeres. Naja, sei´s drum, vielleicht kommt sie im Frühjahr, wenn sie merkt, daß sie nirgendwo sonst unterkommt. 

Dienstag, 15. September 2009

Das Wetter ist nach wie vor viel zu warm für die Jahreszeit, meine Form nach wie vor ausgezeichnet. So macht Radsport Spaß. Habe jetzt ein Rennen am Samstag aufgetrieben, ein Einzelzeitfahren in Gmunden über 28 km. Am Sonntag dann das traditionelle Zeitfahren in Stadl. Der Hans wollte unbedingt nach Italien runterfahren, da gibt es ein 2-Etappenrennen in Cuneo im Piemont, aber das ist mir wirklich zu weit. Da müßte man ja mit dem Flugzeug anreisen!

Mittwoch, 16. September 2009

Zweimal wieder eine lange Distanz trainiert in den beiden letzten Tagen, dazu auch viele Höhenmeter gefahren, die Form ist sehr gut, vor allem in meiner Lieblingssteigung (6 bis 7 %) geht es schon sehr, sehr flüssig, bin am Gießenberg bei Lannach eine sehr gute Zeit raufgefahren, war ganz erstaunt über diese Form. Viel Luft, viel Dampf in den Beinen, große Lunge und ich kann beißen. Gute Tagesform, Nachwehen vom Marathon-Sieg am Sonntag? Warum nicht einfach eine WIRKLICH TOLLE FORM??? 

Samstag, 19. September 2009: EINZELZEITFAHREN IN GRÜNAU/ALMTAL 

Eine tolle Landschaft im Almtal, das Wasser, sowohl im Bach als auch im Almsee, glasklar bis zum Grund hinunter! So was sieht man ja nirgendwo sonst heutzutage mehr. Das Rennen hat auch gepaßt, bin Dritter geworden. Leider hat der Hans in meiner Altersklasse starten müssen, denn sie haben ab 51 Jahren nur mehr eine einzige Klasse gehabt, da war ich der Jüngste und er der Älteste - ich Dritter, er Vierter, und das bei 3 Preisen! Wäre an seiner Stelle auch angefressen gewesen! Aber was bleibt: er ist ein verdammt guter Zeitfahrer und nicht umsonst Neunter bei der WM gewesen!

Nach dem Rennen haben wir noch mit dem Bürgermeister geredet, der befindet sich in der letztne Woche seines Wahlkampfes und hat sich natürlich den Mund fusselig geredet und seine Gemeinde Grünau in den allerhöchsten Tönen gelobt und angepriesen.

  

Oben Blick auf Grünau, darunter der Almsee 

Sonntag, 20. September 2009: BERGZEITFAHREN IN STADL/MUR 

Wieder ein windiges, schweres Zeitfahren hinauf auf die Flattnitz, hab den Otto getroffen, mit seiner neuen Flamme, der ist ja wirklich völlig verliebt, verschlingt sie mit seinen Augen förmlich. Und sie motiviert ihn auch, denn obwohl der Mitteregger Rudi nur eine halbe Minute hinter ihm gestartet ist, hat er klar gewonnen, und der Rudi ist nur Dritter geworden. Hab nach dem Rennen viel mit allen möglichen Bekannten herumgetratscht, war ein ganz netter Tag - und so obendrein bin ich noch Fünfter geworden!

Dienstag, 22. September 2009 

Gestern hatte ich Geburtstag, meinen 51.!  Hätte besser nicht daran gedacht, denn dann fühle ich mich gleich uralt - so, am Wochenende geht es wieder in den sonnigen Süden runter, ins Veneto, da stehen eine ganze Menge Rennen auf dem Programm, am Samstag, zwei am Sonntag, eines am Montag, also gleich vier Stück! Naja, hoffentlich hält meine Form an, bin heute wieder mal 125 km gefahren, hat ausgezeichnet geklappt, habe sowohl Kraft als auch Luft genug gehabt, um zügig die Distanz durchzufahren. 

Donnerstag, 24. September 2009

Hab wieder mit dem Hans telefoniert, er geht nicht runter von seinem Vorhaben, alle vier Rennen zu fahren. Jetzt, wo die Saison zu Ende geht, wird er noch so richtig gierig. Aber er hat natürlich auch Recht: denn wenn die Form gut ist, so supergut wie sie zur Zeit bei uns beiden ist, dann muß man das ausnutzen!  Wenn nicht jetzt, wann denn dann? 

Freitag, 25. September 2009: SIGI ROTHAUER BEI DEN OLYMPISCHEN SPIELEN!!! 

Das ist der Hammer: der Sigi, unser Sigi Rothauer, wird bei den Olympischen Spielen starten! Schon mal was von den World Master Games gehört? Nein? Naja, ich bis jetzt auch nicht. Sind aber so was wie Olympische Spiele für Master-Athleten, also Sportler ab 30 Jahren, die finden auch - wie die echten Olympischen Spiele - nur alle vier Jahre statt, heuer in Sydney in Australien! Hahaha, weiter weg geht´s wohl nimmer, das ist ja wortwörtlich genau am anderen Ende der Welt! Der Sigi wird mit einem klitzekleinen österreichischen Team dort antreten, zusammen mit Toni Gierer, dem zweifachen Zeitfahr-Weltmeister und Herbert Hain fliegt er via Dubai nach Australien und hat dort drei Starts geplant: Kriterium, Zeitfahren und Straßenrennen! Diue Bewerbe finden vom 14. bis 18. Oktober statt. Wenn ihr mehr darüber wissen wollt, dann könnt ihrn auf unserer Vereins-Homepage Genaueres nachlesen, inklusive aller Ergebnisse: www.unionugbwoergl.at.tt

Samstag, 26. September 2009: Was ist los mit mir? - STRASSENRENNEN IN SAN ALBERTO DI ZERO BRANCO

Am Wochenende bin ich wieder mal in Italien bei zwei Straßenrennen, beim ersten davon heute ist es mir gar nicht gut gegangen. Keine Spritzigkeit, keine Kraft, nur Schwäche - wasw war passiert? Keine Ahnung, daß der Ruhepuls heute früh bei 84 Schlägen lag, habe ich noch auf die Aufregung und die kurze Nacht geschoben.

Sonntag, 27. September 2009: STRASSENRENNEN IN FOSSALTA DI TREBASELEGHE

Ein durch und durch beschissenes Wochenende! Was gestern schlecht angefangen hat, das hat sich heute noch schlechter fortgesetzt. Bin heute früh mit ziemlichen Halsschmerzen aufgewacht, Ruhepuls wieder bei 86 Schlägen. Das ist doch nicht normal!

Dazu kam, daß mir bei der Auswahl der Rennen ein riesiger Fehler unterlaufen ist: ich habe mir heute ein Rennen der Serie II ausgesucht! Das darf doch wohl nicht wahr sein! Dazu muß man wissen: die Altersklassen in Italien werden jeweils in Fahrer der Serie 1 und solche der Serie 2 unterteilt. Wer ein Rennen gewinnt, bekommt vom Veranstalter in das dafür vorgesehene Kästchen auf der Lizenz einen Vermerk mit Datum und Stempel und ist damit ein Fahrer der Serie 1. Dieser Sieg "hängt einem ein Jahr lang nach", erst bei einer mehr als einjährigen Sieglosigkeit fällt man wieder in die Serie 2 zurück. Nun sind 90 Prozent aller Rennen für die Serien 1 UND 2 ausgeschrieben, nur ganz wenige sind nur für die Serie 1 oder nur die Serie 2 vorgesehen. Und ich habe heute halt eines der Serie 2 erwischt. Ich dachte, es reicht, wenn ich mich saublöde stelle. Hat aber leider nicht gereicht. Ich habe ja dort unten schon einen gewissen Namen, und so ist auch noch 10 Minuten vor dem Start der Rennleiter zu mir gekommen und hat mich gefragt, ob ich Serie 2 sei, ich habe natürlich  bejaht und genickt. "Nein", sagt er, "du bist ein schneller Mann und Serie 1". Trotz heftiger Reklamation hat er nicht nachgegeben, dann ist er rausgerückt: er hat ja, um sicherzugehen, bei meinem Vereinspräsidenten angerufen, beim Mario Magri, dem "patrone" des Tecnoimpianti-Teams aus Padua, dem ich in Italien ja angehöre. Und der hatte natürlich nichts anderes zu tun, als freudestrahlend aufzuzählen, was ich heuer und im Vorjahr alles gewonnen habe! Ende der Fahnenstange!

Ich habe noch versucht, die gewonnen Rennen ganz klein zu machen, das waren ja unbedeutende lokale Rennen, und außerdem in einer ganz anderen Provinz, aber alles hat nichts genutzt, ich wurde als Serie-1-Fahrer angeschaut. Sie haben mich zwar mitfahren lassen, sie hab en ja nicht anders können, weil auf meiner Lizenz nichts vermerkt war (dazu muß man sagen, daß fast auf KEINER Lizenz weas vermerkt ist, weil sich diese Arbeit niemand antun will), diese Einteilung basiert mehr auf Hörensagen und Empfehlung.

Naja, geworden ist es dann doch nichts, denn auf der Heimfahrt habe ich dann schon Fieber bekommen, womit das Rätsel der schlechten Form gelöst war: ich HABE GRIPPE!

Montag, 28. September 2009

Krank! Ich habe Fieber, liege aber nicht im Bett, ich treibe mich halt daheim herum. Kein Training heute, statt dessen habe ich einen Liter Nonisaft gekippt.

Dienstag, 29. September 2009

Das Fieber ist weg, die Grippe aber nicht. Ich habe Kopfschmnerzen, Gliederschmerzen, Halsweh, Reizhusten, einen trockenen Mund und - KEINE KRAFT IN DEN BEINEN!

Mittwoch, 30. September 2009

Noch immer krank, obwohl ich jeden Tag einen Liter Nonisaft trinke. Meist geht es mir besser, aber irgendwann am Tag kommt dann ein Rückfall, ist so eine Art Schüttelfrost, für ein paar Minuten erwischt es mich da ganz arg, und den Rest des Tages bin ich nicht mehr brauchbar. So ist natürlich an ein Training nicht zu denken. Soll ich am Wochenende überhaupt starten?

Donnerstag, 1. Oktober 2009

So, jetzt ist es im Handumdrehen auf einmal Oktober geworden! Das Saisonende steht vor der Tür, rückt unaufhaltsam immer näher! Eine schöne Bescherung ist das! Habe heute erstmals in dieser Woche trainiert, bin eine Stunde locker gefahren, fühle mich aber ziemlich schwach.

Freitag, 2. Oktober 2009

Heute das totale Gegenteil!  Bin 60 km gefahren, fühle mich spritzig, stark, voller Tatendrang - was soll ich davon halten? Natürlich fahre ich morgen und auch am Sonntag!

Samstag, 3. Oktober 2009: STRASSENRENNEN IN GRAD (SLO)

Irgendwie verrückt, da bin ich die ganze Woche krank, und dann stelle ich mich in Grad in Slowenien an den Start eines schweren 98-km-Rennens! Und da soll noch einer sagen, daß die Radrennfahrer nicht alle verrückt sind! 

Der rührige Veranstalter aus dem kleinen Örtchen Grad, das mehr durch sein Schloß als durch seine 5 Bauernhöfe bekannt ist, hat sich sofort mit mir an einen Tisch gesetzt, als er gesehen hat, daß ich mich angemeldet habe, und hat meine Meinung als Vorjahrssieger eingeholt. Im Vorjahr haben sie dieses Rennen ja erstmals veranstaltet, damals war es eine große 130-km-Schleife mit unzähligen Anstiegen und Bergwertungen sowie - außergewöhnlich für ein Masterrennen - mit Bomben-BARPREISEN!!! Natürlich ist dann sofort die slowenische Elite darauf aufmerksam gewordne, und heute stehen sie schon alle am Start, alles was in Slowenien Rang und Namen hat.

Schlosspark Grad, Slowenien

Durch den Schloßpark führt die schmale, schlecht asphaltierte Straße hinauf zur Bergankunft beim Schloß Grad.

Blick auf Grad

Der Fremdenverkehr soll in diesem Naturpark Goricko stark intensiviert werden, Betonung liegt dabei auf Naturbeobachtungen, Familienurlaube, Aktivurlaube, z.B. geführte Radtouren und dierse Veranstaltungen, wie dieses Straßenrennen. Jetzt haben sie im Vorjahr eine Unmenge Geld in diese Veranstaltung reingepulvert, haben damit einen Bewerbg auf die Beine gestellt, der seinesgleichen gesucht hat. Aber jetzt kommt´s dick: dieses Niveau können sie NICHT halten! Soviel Geld wie im Vorjahr ist bei weitem NICHT mehr vorhanden, jetzt wird halt gekürzt. Ich hab´s ihnen schon im Vorjahr gesagt, eine solche Veranstaltung zu einem Traditionsrennen aufzubauen, erfordert Kontinuität und Erfahrung, beides haben sie hier nicht. Als erstes wurden die Preise gekürzt, die Strecke gekürzt, die Fahrer sind jetzt wegen des Aufsehens aus dem Vorjahr da, werden aber dann natürlich durch die zweite Veranstaltung heuer wieder abgeschreckt. Aber immerhin muß man es dem Veranstalter sehr hoch anrechnen, daß sie den Charakter des Rennens unbedingt erhalten wollten: eine lange Strecke und viele Bergwertungen. Abzusperren und abzusichern gilt es heuer damit "nur" mehr 98 km, um 32 km also weniger als im Vorjahr.

Blick auf Schloß Grad hoch überhalb der Ortschaft, die unten im Tal zu sehen ist.

Auffahrt zum Schloß

Ich habe ihnen noch den Rat gegeben, UNBEDINGT die nächsten Jahre die Veranstaltung durchzuziehen, auch wenn kleinere Brötchen gebacken werden müssen. Es sind ja sowohl im Vorjahr als auch heuer alle Kategorien gefahren worden, Nachwuchsklassen, Elite und die Masterklassen.

Ich war heute heilfroh, daß die Strecke nur 98 km lang war, ich bin Sechster geworden, habe also meinen Vorjahrssieg nicht verteidgen können. Aber das war nach dieser Woche wohl auch klar.

Weil das Rennen am Vormittag war (???), bin ich nachmittags gleich weitergefahren nach Wörgl, hatte dann aber verspannte Beine, viel Milchsäure im Körper und unbedingt das Gefühl, mich noch auslockern zu müssen. Also bin ich in Gröbming stehengeblieben und hab dort eine 47-km-Runde über Prüggern, Stein und Neuhaus und zurück auf der Bundesstraße nach Gröbming gedreht. Dann war mir wohgler, und ich bin weitergefahren nach Tirol.

Sonntag, 4. Oktober 2009: BERGRENNEN IN KOLSASS

Wieder ein ganz wichtiger Termin für unseren Verein, es handelt sich hier um das Tiroler Saisonabschlußrennen, das seit Jahren mein Freund, der Ex-Profi Thomas Kreidl, auf die Beine stellt. Und wenn der was anfaßt, dann wird auch was draus. Unglaubliche Zuschauerkulisse, zwei Prämienwertungen, insgesamt vier Sprecher (!), tolle Preise, ein Fotoservice, Ergebnislisten unmittelbar nach Zieleinlauf, Buffet am Ziel oben am Berg, man kommt sich ja direkt vor wie im Schlaraffenland! Fürm8ich war´s etwas stressig, die Anreise gestern noch bis Wörgl.

Hab bei dem Rennen eine ganz tolle Frau kennengelernt, die Andrea. Sie ist eine Bombenzeit hinaufgefahren (33 Minuten), aber das wirklich Tolle: es war ihr allererstes Rennen, denn sie sitzt erst seit 2 Monaten auf dem Rad! Vor einer Woche ist sie schon einmal da raufgefahren, um zu sehen, ob sie überhaupt raufkommt, damals hat sie 44 Minuten gebraucht. Und dann sagt sie noch mnit einem unschuldigen Augenaufschlag, sie sucht jemanden, der ihr einen Trainingsplan schreibt! So eine Chance DARF man einfach nicht vorübergehen lassen, das ist ja ein wahrer Rohdiamant! Jetzt ist die Zukunft auch geklärt, sie wird nächstes Jahr in der UGB-Renngemeinschaft starten!

_DSC5915 by Fotos-andre.

_dsc5917 by Fotos-andre.

_dsc5918 by Fotos-andre.

Andrea Knapp fährt auf Rang 5 in der Frauenklasse!

Nach dem Rennen sind wir noch lange Zeit zusammengesessen, haben geredet und Pläne geschmiedet, Adressen ausgetauscht, der Hans hat ihr noch am selben Tag ein neues Bike besorgt, ein "Look", bei ihrem Rennrad (viel zu schwer) hat sie einen um 3 cm zu breiten Lenker, und auch mit den Shimano-Bremsgriffen kommt sie gar nicht zurecht, hätte viel lieber Campagnolo montiert. Naja, die Wünsche werden wir berücksichtigen!

Dienstag, 6. Oktober 2009

Hurra! Ich kann endlich wieder normal trainieren! Heute 89 km runtergestrampelt mit 600 Höhenmetern, es geht mir wieder gut, ich fühle mich spritzig und stark, der Alptraum der Vorwoche sollte damit endgültig vom Tisch sein!

Donnerstag, 8. Oktober 2009

Herrliches Sommerwetter, obwohl wir schon auf Mitte Oktober zugehen! Warm, mild, sonnig, ich fahre täglich mit kurzer Hose und kurzärmelig! So macht das Training auch Spaß, und die Renneinsätze im Oktober, die ja meist unter dem zu kurz geratenen Training aufgrund der naßkalten Witterung leiden, sind damit auch wohl gesichert. Heuer ist ja das Kriterium beim Burger King in Graz-Seiersberg eine Woche später als sonst, erst am 11. Oktober! Das ist ja für österreichische Verhältnisse schon tiefster Winter!

Freitag, 9. Oktober 2009

Habe lange herumgesucht, bis ich doch noch ein Rennen am Samstag aufgetrieben habe: die Welser Bezirksmeisterschaften mit dem ganzen Gourmetfein-Eliteteam, angeführt von Riska und Riebenbauer, am Sonntag dann ja der österreichische Saisonabschluß in Seiersberg in Graz.

Und gleich die nächste Hiobsbotschaft: unterm Auto habe ich eine Lacke entdeckt, da rinnt das Wasser wie aus einem Brunnen! Es ist nicht der Kühler, der ist wasserdicht, nein, es ist die Wasserpumpe, die leckt! Der Markus kümmert sich drum, eine aufzutreiben, aber das kann noch dauern. Bis dahin muß ich halt immer Wasser nachschütten, wenn der Motor zu heiß wird, am besten bei laufendem Motor, ich fahre jetzt immer mit ein paar Kanistern Wasser im Auto - Scheiße!

Samstag, 10. Oktober 2009: WELSER BEZIRKSMEISTERSCHAFTEN IN OBERLAAB

War ein Husarenritt mit der lecken Wasserpumnpe! Aber ich habe es geschafft! Ich hatte ein paar 1,5-Liter-Mineralwasserflaschen mit, aus denen ich alle 45 Minuten den Kühler aufgefüllt habe. Das Rennen selbst war toll, ich bin noch ganz stolz auf diese Leistung, war ich doch der einzige Nicht-Elitefahrer, der so weit vorne gelandet ist!

Sonntag, 11. Oktober 2009: KRITERIUM IN GRAZ-SEIERSBERG

Bei herrlich schönem Herbstwetter und vielen internationalen Teilnehmern (in den Nachwuchsklassen zählte das Rennen zum Alpe-Adria-Cup) ist mit diesem Rennen die österreichische Radsportsaison 2009 Geschichte. Mir liegt der Kurs, schade nur, ich habe zu viel gewollt, erzwungen, und ich hatte auch etwas Pech mit meiner linken Schuhplatte, bin dreimal (!) in wichtigen Situationen aus dem Pedal geflutscht, nämlich bei Wertungssprint, bei denen ich aussichtsreich in den Punkterängen gelegen bin. So kann man natürlich nichts gewinnen, ich bin Sechster geworden - und das bei 5 Preisen! Dann halt im nächsten Jahr.

Montag, 12. Oktober 2009

Das war aber knapp! Heute Winterbeginn, saukalt, bedeckt, eisiger Nordwind, daß einem der Rotz in der Nase gefriert! Das Training läuft ab sofort mit langer Thermnohose, Langarmtrikot, Winterhaube, Winterhandschuhen, ganz ungewohnt halt - aber so geht es ja immer, über Nacht ist es dann irgendwann Winter, man will es nciht wahrhaben, trainiert weiter bei 10° mit kurzer Hose, verkühlt sich - ist ja alles bekannt!

Dienstag, 13. Oktober 2009

Langsam wird mir die Saison zu lange. Die Form kann ich jetzt auch nicht mehr halten, seit der Grippe ist die Form nicht mehr so gut, zu viele schädliche Einflüsse waren das wohl auf einmal, und um diese Jahreszeit und nach dieser langen Saison und dieser langen Zeit, in der ich jetzt schon mit dieser guten Form fahre, kann man nicht mehr neu aufbauen, man kann nur versuchen, entweder mit Fingerspitzengefühl oder einfach mit Hauruck-Aktionen diese Phase so lange wie mögliuch rauszudehnen. Und wenn es klappt, dann meist nicht, weil ich so gut bin, sondern weil die meisten anderen schon in der Winterpause sind!

Donnerstag, 15. Oktober 2009

Habe jetzt jeden Tag in dieser Woche zweieinhalb bis drei Studnen trainiert, heute waren es 120 km, die ich zügig runtergespult habe. Am Wochenende stehen ein Straßenrennen und ein Bergzeitfahren auf dem Programm, dieselben Rennen, die ich an diesem Wochenende auch im Vorjahr schon gefahren bin, mit dem Bergzeitfahren in Montecchio, einem traditionellen Klassiker aus der Gegend um Vicenza.

Samstag, 17. Oktober 2009: STRASSENRENNEN IN BUSCO DI PONTE DI PIAVE

Ein ereignisloses Rennen, obwohol es sauschnell war. Aber ich war gut dabei. Am Montag will mir der Markus den Wagen richten, bin heute noch mit der kaputten Wasserpumpe gefahren. Ob das nur gutgeht! Die Hinfahrt war ja problemlos, es ist jetzt schon sehr kalt in den Nächten (Gefrierpunkt), tagsüber streifen wir auch gerade kaum die Grad. Dort unten im Veneto war es deutlich wärmer, heute beim Straßenrennen 16°, aber bei kaltem Nordwind.

Bin dann Richtung Vicenza weitergefahren, habe gar nicht mehr auf die Temperaturanzeige geachtet, und als ich nach San Urbano den steilen Anstieg rauffahren wollte, hat der Kühler plötzlich gekocht! Habe ihn die Steigung wieder runterrollen lassen, den Deckel aufgemacht, den Kühler geöffnet, und zwei Liter nachgefüllt, aber die Temperatur ist unveränderrt ÜBER dem roten Bereich geblieben! Habe den Wagen also in Montecchio abgestellt, bin spazierengegangen und habe mir den Ort etwas angesehen.

Blick auf Montecchio Maggiore, einen Vorort von Vicenza

Hab mir dann in Montecchio ein Zimmer gesucht, den Wagen stehengelassen und gewartet, bis er auskühlt. Das Wasser, das ich nachgeleert habe, hat er sofort wieder verloren. In der Nacht hat es auch hier abgekühlt, und zwar bis auf 5 Grad.

Sonntag, 18. Oktober: BERGZEITFAHREN MONTECCHIO MAGGIORE - SAN URBANO

Jedes Jahr dasselbe Bild, eine rührende Veranstaltung mit abschließendem Oktoberfest für die Bevölkerung aus nah und fern. Diesmnal war ich leider etwas abgelenkt durch die defekte Wasserpumpe meines Autos, denn auch am Vormittag gab es da keine Änderung.

Bin dann nach dem Rennen wieder nach San Urbano zur Preisverteilung raufgefahren, und da ist der Kühler auch gleich wieder übergekocht - und das nach 230 Höhenmetern auf viereinhalb Kilometern! Oben bin ich dann gleich zum Friedhof gefahren, hab dort mit Kanistern, die herumgestanden sind (tut mir nachträglich noch leid, aber es ist nicht anders  gegangen) mir im Auto einen Vorrat von 6 Kanistern (ca. 30 Liter Wasser!) zugelegt, ehe ich losgefahren bin. Ist dann auch ganz gut gegangen, aber nach ca. 25 km war der Zeiger wieder im roten Bereich. Dabei bin ich um Vicenza herum extra auf der Autobahn gefahren, damit ich nicht durch die Stadt fahren mußte, bei den vielen Ampeln und Staus wäre da der ganze Motor sicherlich explodiert!

Alle paar Kilometer bin ich also rechts rangefahren, stehengeblieben, hab den Kühler schnell wieder aufgefüllt und weiter ging´s. Daher war ich auch nicht auf der Autobahn unterwegs, dort kann man ja nicht dauernd stehenbleiben, Parkplätze und Raststätten sind in Italien ja eher selten, sondern bin die normale Bundesstraße gefahren. Hat halt gedauert. Bin um 16.30 Uhr in Vicenza losgefahren und war um 23.30 Uhr daheim. Dabei waren das gerade mal 500 Kilometer!

Wieder ein Wochenende abgehakt, die Saison ist eigentlich schon so gut wie vorbei. Viel kommt da nicht mehr. Aber in der nächsten Woche soll das Wetter wieder milder werden!

Montag, 19. Oktober 2009

Der Markus hat den Wagen mal angesehen, eine neue Wasserpumpe muß her, ich war heute locker trainieren.

Dienstag, 20. Oktober 2009

Die neue Wasserpumpe ist eingebaut, endlich! Am Wochenende stehen zwei lange und schwere Rennen auf dem Programm, da muß ich auch dementsprechend trainieren. War heute beim Arzt und hab mir die erforderlichen Impfungen machen lassen, ab jetzt kann ich theoretisch sowohl nach Mexiko fliegen (der Termin ist aber schon vorbei), nach Kuba (Mitte November) oder nach Ägypten. Irgendwie schade, daß der Sigi so schnell entschlossen nach Australien abgedampft ist, am Sonntag hat er übrigens im Kriterium Silber gewonnen! Daher ist es mit dem ursprünglichen Plan, mit der ganzen Mannschaft (Hans, Sigi und ich) nach Mexiko zu fliegen, nichts geworden. Aber ehe ich alleine zwei Wochen nach Ägypten fliege, überlege ich es mir noch mal und mache lieb er Winterpause. Oder soll ich doch?

Die Saison ist schon verdammt langem, und trotz meiner ausgezeichneten Form zieht es sich jetzt schon ziemlich. Lange geht das nicht mehr gut. Die Motivation fürs Training ist auch schon entsprechend niedrig, jetzt muß ich mich ja schon anziehen wie im Winter, und schlagartig ist dann auch die Motivation weg.

Donnerstag, 22. Oktober 2009

Habe jetzt zwei Tage hintereinander über 100 km gefahren, jeweils 4 Stunden, bin ziemlich geschafft. Habe heute abends den Hofer Roman getroffen, in Graz. Seine Tochter Natascha fährt ja im nächsten Jahr bei uns, sie hat jetzt die Schule gewechselt, geht jetzt in Wiener Neustadt in die Militärakademie.

Samstag, 24. Oktober 2009: STRASSENRENNEN IN CAORLE

Blick auf Caorle

Bin in dreieinhalb Stunden nach Caorle runtergerast, Wetter anfangs sehr gut, am Ende sind wir die letzten 20 km im Regen gefgahren. Danach gleich wieder nach Hause, in die Badewanne und ins Bett gegangen. Schlaf ist die beste Regeneration, morgen steht das nächste schwere Rennen am Programm.

Sonntag, 25. Oktober 2009: STRASSENRENNEN IN LENTI

Dieses kleine Nest ist ein wahres Radsportzentrum Ungarns. Im äußersten Eck im Dreiländereck Slowenien/Kroatien/Ungarn gelegen, veranstaltet man dort an diesem Wochenende das ungarische Abschlußrennen, gestern fand hier bereits das erste Querfeldeinrennen der Saison statt. In Italien war heute nur das Rennen in Lovertino, und das ging nur über etwa eine Stunde. Dorthin war es mir wirklich zu weit, hierher nach Lenti sind es von Heiligenkreuz aus nur gerade mal 55 km, also so was wie ein Katzensprung.

Wirklich unverständlich, gestern Zweiter, heute Sieger. Bin ich wirklich so stark? Ich fühle mich schwach und ausgelaugt, müde und ausgebrannt. Doch nach dem Startschuß ist das alles vergessen und ich raffe mich körperlich und mental zur Höchstleistung auf. Ich bin immer am Überlegen, ob ich die Saison beenden soll oder noch weiterfahren soll. Das Training wird immer schwieriger, jetzt ist noch dazu die Winterzeit. Ich fühle mich schlecht, fahre aber ausgezeichnet. Wie paßt das zusammen?

Noch ein oder zwei Wochenenden, dann ist die Saison zu Ende.

Montag, 26. Oktober 2009: NATIONALFEIERTAG

Eine gute Gelegenheit, daheim zu trainieren: Feiertag! Aber auch eine gute Gelegenheit, angesichts des bevorstehenden Saisonendes dieses Jahr mal Revue passieren zu lassen! Viele Rennen, einige sind danebengegangen, andere geglückt, einige gewonnen, meist viele Fehler gemacht, aber was steht am Ende des Jahres unterm Strich als Ergebnis? Ich denke, ich kann ein positives Resümee ziehen, die wohl wichtigste Erkenntnis ist die, daß ich nach meiner schweren Knieverletzung Mitte 2003 jetzt zum ersten Mal wieder halbwegs normal trainieren konnte, immerhin sind 6 Jahre seither vergangen. Das war ja immer so ein Teufelskreis: kein optimales Training, keine Form, keine Ergebnisse, weniger Rennen, weniger Training, keine Form, keine Ergebnisse, noch weniger Rennen, noch weniger Training... usw. Ich weiß, wie dieser Teufelskreis aussieht, daher war es meine allererste Absicht, so schnell wie möglich nach der Verletzung, nach der Operation wieder am Rad zu sitzen. So schnell als möglich wieder Kilometer abstrampeln, Form aufbauen, in Wettkampfform kommen, Rennen bestreiten, Ergebnisse machen... War das - nachträglich gesehen - falsch?

Es hat jetzt 6 Jahre gedauert, bis auch die letzten Wehwehchen verschwunden sind, aber eine starke Wetterfühligkeit wird mir wohl zeit meines Lebens bleiben, eine starke Sensibilität meines verletzten Knies ebenso, es gibt da immer noch auf der rechten Seite eine beinahe handtellergroße Stelle, auf der ich völllig taub bin, völlig unempfindlich, keine Berührung verspüren kann, wo die Nerven wahrscheinlich irreparabel zerstört sind. Das wiederum wirkt sich auf den Bewegungsablauf aus, wo natürlich auch die bisherige verstärkte Schmerzempfindlichkeit mitspielt, seit 2003 sitze ich ganz anders am Rad als vorher, mußte die Abmessungen auch verändern, das ging so weit, daß ich jetzt einen völllig anderen Rahmen fahre als vorher! Eine völlig andere Rahmengeometrie brauche als vorher, die andere Haltung bewirkt natürlich jetzt auch gewisse Haltungsprobleme, chronische, statische Schmerzen, die nach einer gewissen Zeit einfach da sind, wenn ich mehr Druck aufs Pedal mache als üblich, wenn ich schneller kurble als üblich, usw.

Naja, ich will jetzt nicht herumjammern, aber ich mußte das Rennfahren neu lernen, nicht das Radfahren, aber das Rennfahren. Ein Problem ist und bleibt auch das Zeitfahren. Ich kriege keine aerodynamische Haltung mehr hin, bzw. kann in dieser keinen Druck aufs Pedal bringen. Das Bergfahren war bisher ein ganz großes Problem, seit heuer geht es wieder einigermaßen.

Aber jetzt, wo diese wichtigsten und vordergründigsten und grundsätzlichen Probleme so halbwegs im Griff scheinen, ist auf einmal wieder ein ganz altes Problem da: KÖRPERGEWICHT! Als ich damals nach der Operation 10 Tage in der Klinik gelegen bin, habe ich, das traue ich mich kaum zu sagen, mehr als 20 KILO ZUGENOMMEN!!! Dabei habe ich da kaum was gegessen, das ist nur durch die Medikamente gekommen, ich war bis zur Unkenntlichkeit aufgeschwemmt, habe mich aber von Anfang an damit zufriedengegeben, so viel als möglich zu trinken, um die Medikamente so schnell als möglich wieder aus dem Körper zu schwemmen. Und als ich dann mit dem Training wieder begonnen habe, dachte ich mir, geht das Gewicht sowieso von selbst wieder zurück, doch dem war nicht so. In den Wintern habe ich dann immer wieder versucht, konsequent abzunehmen, ich bin jetzt ca. 12 kg leichter als damals, aber mehr geht einfach nicht, denn das Hauptaugenmerk ist ja am Training gelegen.

Jetzt werde ich in diesem Winter, 2009/10, mal versuchen, konsequenter abzuspecken, es müssen einfach noch 10 bis 12 kg runter, wenns gar nicht anders geht, dann mit einer Radikalkur, wqenn weniger essen nicht hilft, dann darf ich eben gar nichts mehr essen! Jetzt im Winter ist die Zeit dazu, und um das alles auch so optimal wie möglich vorzubereiten, fahre ich so lange in den Herbst hinein Rennen, um so lange als möglich eine gute Form zu haben, sodaß ich durch eine Diät nicht allzu viel Substanz verliere. Es ist kein Kunststück, bei einer Diät an Gewicht zu verlieren, aber dann geht ja auch immer Substanz verloren. Mal sehen, ob ich diesen Spagat schaffe. 3 bis 4 Monate habe ich dazu Zeit, als drückt mir bitte die Daumen, denn wenn das gelingt, dann bin ich im nächsten Jahr wirklich wieder der Alte!

Dienstag, 27. Oktober 2009

Habe heute 102 km trainiert, es rollt zur Zeit ganz gut, nur die Überwindung ist halt schon sehr groß, die warme Trainingskleidung, es ist halt so gar nicht mehr sommerlich, viel zu kalt. Früher, vor 15 und 20 Jahren, da ist ja auch in Österreich die Rennsaison bis Ende Oktober gegangen, ich kann mich noch an ein Straßenrennen in Hochrotherd (NÖ) erinnern, am Nationalfeiertag, ein Kriterium in Knittelfeld, ein Zeitfahren in Wolkersdorf, ein Bergrennen in Hohenems, damals gab´s im Oktober noch die Marathonklassiker Amstetten-Wien-Amstetten (240 km), Innsbruck - Salzburg (220 km), Budapest - Wien (260 km) - und heute? Fahren wir ein Kriterium in Seiersberg über 18 km!

Mittwoch, 28. Oktober 2009

Am Wochenende gibt es diesmal "nur" mehr ein Rennen, ein einziges, und das findet in Buso bei Rovigo statt, das bin ich im Vorjahr auch gefahren, auf einem flachen 4,6-km-Rundkurs. Bin heute 56 km flach gefahren, mit hoher Frequenz, relativ zügig.

Donnerstag, 29. Oktober 2009

Heute war wieder eine längere Runde dran, war unten in Spielfeld, bin 110 km gefahren, ziemlich schnell, hab´s auch ganz gut überstanden. Auf der Rückfahrt bin ich dann auf der Hauptstraße ein paar Intrervalle gefahren, hab beschleunigt auf 40 km/h, langsam und gleichmäßig, dann wieder genauso langsam mit dem Tempo runtergegangen, dann gleich wieder rauf auf 42 km/h, runter, rauf auf 44, und so weiter.  Bin bis 52 km/h gekommen. Ein Nebeneffekt: auf diese Weise steigt die Durchschnittsgeschwindigkeit ziemlich stark an! Die Form ist nach wie vor sehr, sehr gut, ich denke, ich kann sicherlich auch am Wochenende in Buso di Rovigo ganz vorne mitfahren.

Freitag, 30. Oktober 2009

Wieder eine lange Distanz, heute 98 km, hab aber die intensive gestrige Trainingsfahrt etwas gespürt. Anfangs hatte ich etwa eine halbe Stunde lang schwere Beine.

Sonntag, 1. November 2009: RUNDSTRECKENRENNEN IN BUSO DI ROVIGO

Es war eine ziemlich weite Anfahrt, und der Start auch schon um 12.30 Uhr, da mußte ich ziemlich früh losfahren. Daheim saukalt, ist mir jede Motivation sofort gründlich vergangen. Bei Temperaturen um den Nullpunkt kann ich mich einfach nicht motivieren! In Tarvis (gut, das liegt auch etwa 1000 m hoch) hatte es dann -1 Grad, und das bei leichtem Sonnenschein! Durchs Kanaltal runter ist es dann aber immer wärmer geworden, in Gemona waren wir schon bei 6 Grad, in Udine dann 9 Grad. Und so ging es weiter, bei Venedig waren wir dann schon auf 13 Grad, in Padua bei 15 und in Rovigo - endlich - bei 16°! Wahnsinn! Eine Fahrt vom Winter in den Sommer!

Vor der Preisverteilung hab ich noch lange und ausführlich mit Maracani gesprochen, der hat jetzt schon ein richtiges Trauma wegen mir! Wollte alles mögliche wissen, woher ich komme, warum ich in Italien fahre, wie ich zum Verein gekommen bin, welche Rennen ich heuer noch fahre (der Junge fährt durch bis Weihnachten, nämlich Cross und MTB!). Der ist ein ganz bescheidener Typ, der gerne tiefstapelt.

Nach dem Rennen dann wieder die Heimfahrt, ich war zuhause dann ziemlich geschlaucht. Schließlich bin ich alles an einem Tag gefahren: Graz - Rovigo, ca. 500 km, dann das Rennen, und wieder zurück, Rovigo - Graz, wieder 500 km. Warum ich mir das alles antue? WEIL ICH VERRÜCKT BIN!!!

Montag, 2. November 20909: WINTEREINBRUCH

Bin heute 65 km trainieren gefahren, und schon nach ca. 15 km hat es zu nieseln begonnen, ist dann übergegangen in einen Graupelschauer und am Ende war es ein ganz wässriger Schneefall. Und das Anfang November! Bin patschnaß nachhause gekommen, war tiefgefroren wie ein Fischstäbchen und hab mich dann in die heiße Badewanne gesetzt.

Dienstag, 3. November 2009

In der Nacht hat es doch tatsächlich geschneit, in der Früh war alles weiß - nicht lange, aber immerhin... Da ist es also schon, dieses Scheiß-Wintergefühl! Bin dreieinhalb Stunden am Ergometer gefahren, hab geschwitzt wie eine Sau.

In der Zeit hat man auch viel Gedanken im kleinen Hirnkastel, während ringsherum die Schweißtropfen runterkullern. Hab mal über die österreichische Saison 2009 nachgedacht, und hab insgeheim die "Oscars" der abgelaufenen Saison verteilt. Wer war der beste Straßenfahrer? Sobald es hügelig oder bergig wird, war das eindeutig der Groß Rudi, ihm am nächsten kam noch Jens Mateyka, so gesehen war die heurige Straßenmeisterschaft erwartungsgemäß: Groß vor Mateyka und Iby. Der stärkste Zeitfahrer? Da ist die Wahl leicht, WM-Bronzemedaillengewinner Jens Mateyka macht das Rennen, ihm am nächsten kam wohl der Iby Günther. Der stärkste Bergfahrer? Wieder eine ganz klare Sache, der Groß Rudi, dann lange nichts, ehe die beiden Tiroler Plattner und kamen. Der stärkste Kriteriumfahrer? Na, ich sicher nicht, das war wohl der Gössler Ulli, der Iby Günther wohl nicht, denn der hat ja aus beinahe jedem Kriterium ein Zeitfahren gemacht.

Der stärkste Rookie, der beste Newcomer? Da kann ich mich nicht entscheiden, drei Mann habe ich da in der engeren Wahl, Günther Iby, Gerhard Mosler und Hannes Krivetz, wirklich nur rein  zufällig die ersten drei im Ginner-Cup. Obwohl, der Günther ist ja im Vorjahr in der Masterklasse 1 gefahren, der Gerhard  bei den Hobblern (habe mich schon jahrelang gefragt, was der dort eigentlich verloren hat!) und der Hannes ist hauptsächlich Marathons gefahren. So gesehen war der Gerhard wohl der eigentliche Rookie, obwohl, der Günther mit Meistermedaillen im Kriterium, auf der Straße, im Zeitfahren, im Paarzeitfahren...

Und selber? Im Straßenfahren, dem Bergfahren und im Kriterium rechne ich mich bei durchschnittlicher Form zu den stärksten zehn Österreichern, nicht zu vergessen der Marathon, denn da gibt´s ja neuerdings auch Meistermedaillen.

Mittwoch, 4. November 2009

Hey, was is´n das für ein Scheißwetter???? Saukalt, Schnee und Regen, gerade noch Plusgrade, wie soll ich denn da trainieren können??? Nachdem ich gestern meine persönlichen Highlights des Jahres gewählt habe, gibt´s heute gleich wieder Neuigkeiten: der Hans hat gemeint, ich solle 24 bis 30 Fotos von der ganzen Mannschaft raussuchen, er läßt für 2010 einen Kalender machen, den wir dann über diese meinige und die Vereins-HP vertreiben. Naja, jetzt beginnt also das große Suchen.

Bei dem Wetter fällt das Trainbing nicht leicht. Und wie bitte soll ich am Wochenende ein Rennen fahren? Soll ich überhaupt oder soll ich mich in die Winterpause begeben? Es wäre sowieso nur mehr eines am Programm. Bei einem solchen Wetter bin ich so unendlich müde und faul.

Donnerstag, 5. November 2009

Heute scheint wieder die Sonne. Ist es jetzt schon April und ich hab den Winter verschlafen??? Eineinhalb Stunden lockeres Herumrollen, das war auch schon alles. Wenn ich mich aufraffe und mich konzentriere, dann spür ich auch die Form, sie ist nach wie vor da, eigentlich wär es eine Sünde, jetzt den Winter kommen zu lassen. Andererseits geht die Saison jetzt schon so lange, daß ich mich an den letzten Winter gar nicht mehr erinnern kann. Und ich verstehe auch, weshalb manche Tiedre Winterschlaf halten.

Samstag, 7. November 2009: STRASSENRENNEN IN PRAMAGGIORE, SAISONABSCHLUSSRENNEN

Wehmütig, mit einem weinenden Auge blicke ich auf das Rennen in Pramaggiore, es ist nämlich das letzte heuer. Die Form ist nach wie vor ganz toll, obwohl ich das so nicht spüre. Aber jetzt geht es mal darum, hier so gut wie möglich abzuschneiden. In den letzten Wochen bin ich hier in Oberitalien, im Veneto, viel zu gut und zu stark gefahren, als daß mich die einheimischen Favoriten da noch auch nur eine Sekunde aus den Augen liessen. Das macht es jetzt natürlich doppelt schwer, da noch irgendwie unauffällig agieren zu können.

Das Gefühl ist seltsam: ich fühle mich nicht stark, nicht supertoll in Form. Nein, im Training spüre ich alle möglichen Wehwehchen, habe Probleme, an die Leistungsgrenze zu gehen. Im Rennen dagegen ist alles völlig anders, da bin ich wie ausgewechselt. Als ob da irgendwo ein Schalter umgelegt wurede, ich bin in diesem Herbst zu einer wahren Rennsau mutiert.

Einfach nicht zu glauben: schon wieder ein Sieg! Ich werd verrückt, ich habe mit allem gerechnet, aber nicht damit, auf einem so ANSPRUCHSLOSEN Rundkurs!  Und so ein eindrucksvolles Finale, da ist Maracani weggefahren, Tarlaio war auch dabei, die beiden absolut stärksten Fahrer dieser gesamten Region, zufällig die beiden stärksten Sprinter in dieser Altersklasse, und die beiden haue ich in die Pfanne, ich, der schwache Sprinter, als ob es das Selbstverständlichste der Welt wäre! Gut, ich habe keinen Fehler gemacht, bin ein wirklich fehlerloses Rennen gefahren, aber das ist ja nicht immer ein Garant, nicht mal für einen Stockerlplatz. Und schon fang ich wieder zu träumen an, ob ich nicht vielleicht doch im Dezember... in Ägypten...? Die Impfungen habe ich schon, ich bräuchte nur mehr das Flugticket. Aber andererseits ist da diese permanente Müdigkeit, die sich wie ein bleierner Ballast seit einigen Wochen auf mich gelegt hat. DIE SAISON IST ZU LANGE!!!

Nehmen wir mal an, ich beschließe jetzt die Saison: es waren heuer 10 Siege, zuletzt drei in Serie, mit zweien habe ich die Saison begonnen. Es scheint, ich habe die schwere Knieverletzung jetzt endgültig überwunden, es war ja wohl das stärkste Jahr seit dieser Verletzung 2003.

Das Resümee aus dem - vorerst - letzten Rennen der Saison: ich bin wirklich saumäßig stolz darauf, ein FEHLERFREIES Rennen gefahren zu sein. Das war nicht leicht, denn sehr viele haben ein Auge auf mich geworfen. Und das zweite: ZUM RENNSPORT GEHÖRT UNBEDINGT EINE ENTSPRECHENDE GEHIRNMASSE!!! Einfach nur runtertreten ist da definitiv viel zu wenig!

Sonntag, 8. November 2009: SAISONSCHLUSS

Wieder daheim, das ist wie in einer anderen Welt: habe mich heute selbst sozusagen für den tollen Herbst belohnt, bin heute ein 100-km-Training gefahren, auf der Hauptstraße rauf Richtung Bruck/Mur bis zur Abzweigung Breitenau, habe beim Kreisverkehr gewendet und bin wieder nach Graz zurück. 98 km, Schnitt 29,4. Aber so kalt, zeitweise hat es sogar genieselt, mir fehlt jetzt einfach die Motivation zum Weitermachen. Bei einem solchen Wetter kann ich nicht einen Monat lang ein Wettkampftraining auf höchstem Niveau weiterführen, ich brauche jetzt einfach eine Pause. Fpür den Körper, für den Geist, lockerlassen, Pause machen, mich erholen, neue Kraft tanken. Das ist so ähnlich wie beim Ölwechsel beim Auto. Irgendwann ist das Öl alt, schwarz, pechschwarz, verliert an Qualität und muß gewechselt werden. Genauso fühle ich mich jetzt. In den kommenden Tagen und Wochen werde ich in erster Linie meine Homepage vervollständigen, die Seite mit den Fotos weitermachen (dort bin ich ja schon sehr weit, habe gut 200 Fotos drauf, da müßt ihr unbedingt mal reinsehen)

Beim Verein tut sich auch einiges, die UGB-Renngemeinschaft verändert sich in diesem Winter ziemlich, die Strobl Stephanie hat sich abgemeldet, will wechseln, dafür sind ein paar Neue dazugekommen, die Knapp Andrea ist ein unglaubliches Talent, ich schreibe jetzt die Trainingspläne für sie, eine neue Look-Rennmaschine kriegt sie auch, ihr Rad muß ich beizeiten (noch vor dem Winter) umbauen, sie hat einen zu breiten Lenker und kommt mit den Shimano-Bremshebeln überhaupt nicht zurecht, jetzt kriegt sie halt welche von Campagnolo. Der Hans will - noch im November - einen großen Radsport-Kalender für 2010 machen lassen, da muß ich jetzt noch 25 Fotos raussuchen, die besten halt, mit den Highlights von uns allen. Ja, auf den Kalender freue ich mich schon, der wird wohl ziemlich eindrucksvoll werden. Der Schweighofer fliegt im Dezember für einen Monat nach Kalifornien, will dort sein Comeback in die Rennszene feiern, nachdem er jetzt verletzungsbedingt ein Jahr aussetzen mußte. Und der Sigi fliegt nach Mexiko, die UGB-Renngemeinschaft breitet sich also über die ganze Welt aus! Dann wartet da noch mein Diätprogramm, ich möchte ja mindestens 10 Kilo in diesem Winter abspecken - ihr seht also, fad und langweilig wird mir sicherlich in den nächsten Wochen nicht werden!

Und beruflich steht mir in diesem Winter auch ganz Entscheidendes bevor, aber darüber möchte ich erst was berichten, wenn sich was ganz Konkretes ergeben hat. Über ungelegte Eier spricht man nicht! Und ich möchte auch nicht, daß mir da irgendwer zuvorkommt und was vor der Nase wegschnappt.


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