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Do 2. Nov. 2006:

Nach der Saison ist vor der Saison. Jetzt ist mal Ausspannen angesagt, lockeres Training, erholen. Die Form für den Sommer wird im Winter gemacht, und im nächsten Jahr möchte ich doch versuchen, endlich wieder an das Niveau vor meiner schweren Verletzung von 2003 anzuknüpfen. Mal sehen, vielleicht gelingts.

In dieser Rubrik geht es hauptsächlich um den Trainingsalltag, um Trainingsmethoden, Trainingserfolge, Trainingspläne, um Systematik, um den Tagesablauf, um Details, um Interessantes und Lustiges rund um das Rad.

Do 9. Nov. 2006:

Die vierte Trainingseinheit im November, diesmal bin ich rauf nach Semriach gefahren. Die größeren Anstiege fahre ich meist auf Zeit, in diesem Fall den 3-km-Anstieg nach Semriach mit 215 Höhenmetern, beginnend beim Papstwirt, Ziel oben auf der Anhöhe vor der Ortschaft. Es war ungewöhnlich warm, sehr mild, aber auch sehr windig, und meine Auffahrtszeit von 12:24 Min. war nur sehr mäßig.

Mi 15. Nov. 2006:

Diesmal war es nur eine kurze Runde über Kalsdorf, Thalerhof, Unterpremstätten, Wundschuh, Großsulz und Raaba (49 km). Bei starkem Wind bin ich 1:36´ Stunden gefahren, Schnitt 30,3. Nichts Besonderes, Trainingsalltag eben.

So 19. Nov. 2006:

Ein erstes anspruchsvolles Wochenende, gestern hügelige 72 km, heute 102 km, bin dabei den Gießenberg bei Lannach (1,9 km) in 6:18 Minuten hochgefahren. Durch das ständige Solotraining verliere ich etwas an Tempogefühl. Noch fühle ich mich aber ganz gut, der November ist bisher ungewöhnlich warm. Das Training macht spaß, aber es tut auch gut, noch ohne großen Druck zu trainieren. Habe im November bis jetzt 660 km in den Beinen.

So 26. Nov. 2006:

Der Alltag wird ernster und gewissenhafter. Ich versuche jetzt, schon den Rhythmus mit den Rennen am Wochenende zu simulieren, da lege ich den Schwerpunkt auf Ausdauer. Die langen Einheiten fahre ich am Wochenende. Gestern waren es 84 km, heute 96 km. An beiden Tagen ist mir ein starkes Finale gelungen, kraftvoll, mit 53/17 und hoher Trittfrequenz. Heute mit 700 Höhenmetern ziemlich hügeliges Profil. Ich halte jetzt bei 1000 Trainingskilometern im November.

Do 30. Nov. 2006:

Der erste Trainingsmonat ist zu Ende gegangen, 1108 km stehen zu Buche. Aller Anfang ist schwer. Aber ich fühle mich gut, vor allem auch gut erholt und sehe jetzt zuversichtlich dem Dezember entgegen. Das Wetter war erstklassig, hoffentlich geht es in der Tonart weiter.

Fr 1. Dez. 2006:

Habe heute sehr lange (gut 2 Stunden) mit insgesamt fünf Teams verhandelt (2 Kärntner, drei steirischen), habe mir dabei vier Absagen und eine Vertröstung (also auch eine Absage) eingehandelt. Es ist zum Verzweifeln, lauter sture Böcke. Dabei stelle ich doch kaum Ansprüche. Wollte nur Spesenersatz, Prämien und die Mannschaft hinter mir wissen sowie eine freie Terminwahl. Ist das denn zuviel verlangt? Man höre und staune: gescheitert ist es nicht am finanziellen Rahmen, sondern daran, daß ich mir meine Renntermine selbst aussuchen möchte. Verrückt!

So 3. Dez. 2006:

Wie üblich war heute wieder eine längere Ausdauereinheit dran. Von Kleinstübing über Geistthal, Stallhofen, die Ruppbauern Höhe und den Gießenberg bin ich nach Lannach, Unterpremstätten und über Kalsdorf und Raaba zurück nach Graz gefahren. Bei windstillen 6° bin ich die 113 km in 3:49´ Stunden runtergespult, habe mich dabei gut und stark gefühlt. Durchschnittspuls 138, gut 700 Höhenmeter. Zwei Auffahrtszeiten: Ruppbauernhöhe 6:11 Min., Gießenberg 6:29 Min.

Mi 6. Dez. 2006:

Weiter zähes Verhandeln, mühsames Ringen um eine Masterlizenz für 2007. Die Meinungen sind festgefahren, aber ich gebe auch nicht nach. Klingt stur, aber ich prostituiere mich doch nicht. Dabei bin ich ja sogar zu weiteren Zugeständnissen bereit, beim Spesenersatz lasse ich mit mir reden, und wenn die Mannschaft nicht für mich fährt, dann will ich wenigstens, daß sie nicht gegen mich fährt. Mein Gott, wie das schon wieder klingt ==> ich will, daß meine eigene Mannschaft nicht gegen mich fährt! Beim SC Tiroler Radler Bozen geht alles drunter und drüber, dort sehe ich für mich keine Zukunft mehr. Es gibt kaum mehr Fahrer, eigentlich keine, die Biker haben das Sagen und die bestimmen auch. Und sonst paßt auch nichts mehr. Wieder stundenlang telefoniert, ergebnislos.

So 10. Dez. 2006:

Wieder die lange Ausdauereinheit, Über Unterpremstätten, Kehlsberg, Leibnitz und Tillmitsch bin ich zurück nach Lebring und weiter nach Kalsdorf, Hausmannstätten und Raaba zurück nach Graz. Flach, 7°, 112 km, 3:45´ Stunden, 330 Höhenmeter, Schnitt 29,9 km/h. Halte jetzt bei 400 km im Dezember.

Am Abend Anruf von einem steirischen Klub erhalten, Absage. So fügt sich eines zum anderen.

Mi 13. Dez. 2006:

Wieder stundenlang telefoniert, zwei Tiroler und ein Wiener Verein, alle drei negativ. Jetzt wird langsam die Zeit knapp. Glücklicherweise habe ich die (mündlichen) Zusagen von meinen Sponsoren, mich auch im Extremfall eine Saison lang in der Hobbyklasse zu unterstützen. Als Helfer oder Solist wäre ich überall untergekommen, aber mit Ansprüchen, Erwartungen und Forderungen ist anscheinend nichts zu machen.Soll ich mich unter Wert verkaufen? Sicher nicht! Ich bleibe konsequent bei meinen Forderungen, Mannschaft auf meiner Seite, Prämien (über die Höhe bin ich durchaus verhandlungsbereit), Spesen (auch darüber kann man diskutieren). Auf kategorisch ablehnen, das ist so was von unvernünftig, das kann ich gar nicht nachvollziehen. Diese Verhandlungen nehmen viel Zeit in Anspruch, ich habe viele Stunden vor dem Telefon gesessen, viel Geld vertelefoniert, dabei ist das Training zu kurz gekommen.

Fr 15. Dez. 2006:

Die letzten beiden Tage waren der Horror. Ich war krank, Kopfweh, starker Husten, verkühlt, Halsweh, schwindlig, Gelenkschmerzen. An ein Training ist da bei diesen niedrigen Temperaturen nicht zu denken. Also habe ich mein Adressenmaterial gesichtet, ein paar E-Mails geschrieben, Termine ausgemacht, die Aussichten sind aber eher gering.

So 17. Dez. 2006:

Gestern schon bin ich wieder am Rad gesessen, heute habe ich bei regnerischem Wetter und nur 2° 104 km bis zum Hoaterwirt am Fuße des Rechbergs absolviert. Fahrtzeit 3:40 Stunden, Schnitt 28,3 km/h. Ich hatte nie einen Trainer, Trainingspläne habe ich nur gesehen, meine eigenen existieren eigentlich nur in meinem Kopf. Ich selbst weiß am besten, was ich brauche, was mir guttut und was nicht. Daher hat ein Trainer ja gar keine Ahnung, wie es in mír aussieht. Mit dieser Methode bin ich in all den Jahren ganz gut gefahren. Natürlich trainiere ich seriös und diszipliniert, natürlich habe ich einen Plan (wenn auch "nur" im Kopf), an den ich mich konsequent halte.Wichtig ist mir, ausgefallene Trainingseinheiten (wegen schlechten Wetters oder Krankheit) nicht mit Gewalt nachzuholen, sondern auf den Körper zu hören und dessen Signale zu beachten. Das heißt, daß ich nicht unbedingt 150 km flach fahre, wenn mir gar nicht danach ist. Daß ich aber sehr wohl 100 km mit 1000 Höhenmetern fahre, wenn ich meine, daß ich das brauche. Kontinuität ist wichtig, längere Pausen schaden nur. Die Form soll steigen, nicht fallen.

Do 21. Dez. 2006:

Keine E-Mails, keine Telefonate. Die Leitungen bleiben stumm. In den letzten drei Tagen habe ich mich vehement und intensiv dahintergeklemmt, aber keine neuen Connections mehr aufbauen können. Mit weit über zehn Vereinen war ich jetzt in Kontakt, ohne nennenswertes Ergebnis. Vielleicht ergibt sich mit der Zeit etwas. Heute war ich wieder oben in Semriach, Auffahrtszeit 13:16, war nicht berühmt. Aber die ganze Trainingseinheit bei Nieselregen. Auch nicht angenehm.

So 24. Dez. 2006, Weihnachten:

Heute "nur" eine 78-km-Einheit, aber 330 Hm. Hochnebel, 1°, windstill. Nicht freundlich, das Wetter, aber es gibt Schlimmeres. Ich muß mich mehr ums Training kümmern, da hinke ich etwas nach. Jetzt folgt aber sowieso eine Woche Ausdauertraining, in einem Block.  Gestern war ich beim sportmedizinischen Test auf der Uni, hatte einen Sondertermin, eigentlich war ja schon gesperrt. Werte ganz okay, bin aber etwas zu schwer.

Mo 25. Dez 2006, Heiligabend:

Lockere 48-km-Runde mit 28,5 km/h Schnitt, nichts Aufregendes, mehr Alibitraining. Ich fühle mich etwas krank, habe ein ungutes Körpergefühl. Vielleicht kommt da bald was nach.

Fr 29. Dez. 2006:

Habe jetzt seit letzten Sonntag jeden Tag trainiert, das trockene Wetter muß ich ausnutzen. Heute bergiges Gelände, St.Pankrazen schwache Auffahrtszeit in 25:16, aber ich hatte schwer gegen starken Wind zu kämpfen. Später dann in St.Oswald hatte ich in 7:37 raufgefahren, auch nicht berühmt.

So 31.Dez. 2006: Silvester:

Die Ausdauerwoche beschließe ich mit einer 101,5-km-Fahrt nach Leibnitz, Altenberg, Wagna, Schnitt 29,6 km/h. Der erste Ausdauerblock liegt damit hinter mir, in dieser Woche habe ich 22einhalb Stunden absolviert, der Dezember steht mit 1345 km zu Buche. 

Mo 1. Jän. 2007, Neujahr:

Jetzt ist auch das neue Kalenderjahr da, eine ÖRV-Masterlizenz für diese Saison ist aber noch nicht in Sicht. Ich habe viel überlegt, noch mehr telefoniert, aber auf einen grünen Zweig bin ich nicht gekommen. Aber jetzt bleibe ich hart, von meinen Mindestforderungen gehe ich keinen Zentimeter runter.

Do 4. Jän. 2007:

Bin heute nach Wutschdorf raufgefahren, in 6:18 Min und mit 161 Puls, in Gnaning war ich dann schon etwas müder (10:42 Min.), Pulsmaximum hatte ich mit 175 auf der Holzerhofhöhe. 75 km, 3°, bedeckt.

Habe heute wieder mein verletztes rechtes Knie gespürt. Nachwirkung der Ausdauerwoche. In den letzten Jahren mußte ich da sehr viel mehr und größere Schmerzen erdulden. Nach 3 Stunden Training mußte ich meist einen Ruhetag einlegen, weil ich kaum mehr treten konnte. Bei den geringsten Belastungen ist das Knie sofort angeschwollen und der Schmerz war da. Jetzt, dreieinhalb Jahre nach der Verletzung, ist der Knieumfang rechts um 1 cm größer als links, der Oberschenkel rechts um 1 cm kleiner als links. Bisher konnte ich mir maximal eine eintägige Pause leisten, bei längerer Trainingspause ist das Knie sofort dicker geworden und hat zu schmerzen begonnen. Daher ist sehr viel Fingerspitzengefühl angesagt, was das Berg- und Ausdauertraining angeht, aber auch das Fahren mit harten Übersetzungen muß wohldosiert sein. Wie kann man unter solchen Voraussetzungen überhaupt seriös trainieren, wenn nach der geringsten Belastung sofort eine mehr oder weniger lange Pause folgen MUSS??

So 7. Jän. 2007:

Bergtraining. Graz-Hühnerberg-Schelchental-Vasoldsberg-Schemmerl-Gleisdorf-Studenzen-St.Marein-Laßnitzhöhe-Ries-Eggersdorf-Fasslberg-Graz, 109 km, 800 Höhenmeter, 3:48´ Stunden, 14°, Föhn.

Die Form paßt so einigermaßen, aber die Suche nach einem Verein macht mir schön langsam Sorgen. Da geht überhaupt nichts weiter. Die Nachrichten aus Bozen sind auch nicht beruhigend. Dort geht so langsam alles den Bach runter. Viele gemeinsame Jahre, viele Erinnerungen, vieles verbindet und schmerzt jetzt.

Do 11. Jän. 2007:

Zwei steirische Vereine (wieder), zwei Kärntner (wieder), ein Tiroler (neu) und ein Südtiroler (neu) kontaktiert, Gespräche nicht sehr aufbauend und befruchtend. Habe den Eindruck, daß alle nur nach Ausreden suchen. Dann halt nicht. Bin doch kein Bittsteller!

So 14. Jän. 2007:

Das Training wird härter und umfangreicher, die Saison rückt näher. Die Zeit drängt. Keine Lizenz in Aussicht, aber ich darf deshalb das Training nicht vernachlässigen. Gestern 98 bergige Kilometer, heute 106 flachere Kilometer. Wetter okay, bewölkt, 10°, kann mich nicht beklagen. Wie überhaupt der Winter bisher vom Wetter her für jeden Radsportler ein Traum war.

Mi 17. Jän. 2007:

Ich habe Vorstellungen, die anscheinend nicht umzusetzen sind. Ich möchte eine ÖRV-Lizenz, aber das dürfte ein Problem werden. Ich möchte aber auch eine italienische Lizenz, erste Option sind daher Kärntner Vereine, und da gibt es nicht so viele, die das entsprechende Umfeld haben. Ich möchte hier keine Namen nennen, aber die beiden, die vor allem in Frage kommen, sträuben sich - warum??? Will gar nicht wissen, wieviel Zeit und Energie ich in diesem Winter schon in solche Kontaktgespräche investiert habe - Ergebnis gleich null!

So 21. Jän. 2007:

Wieder ist eine Woche um, am Wochenende habe ich hart trainiert, habe mich dadurch etwas abgelenkt von den Lizenzproblemen. Gestern 81 km zum Hoaterwirt und zurück mit 29,8 km/h Schnitt, heute 112 km hügelig mit 28,5 km/h Schnitt.Das Knie hat bisher kaum Probleme gemacht in diesem Winter, kein Vergleich zu den letzten Jahren. Ist die Verletzung jetzt endlich abgeheilt und überstanden oder ist es Auswirkung des milden Winters, oder eines optimaleren Trainingsverlaufes? Keine Ahnung, Hauptsache, der Schmerz und damit die Behinderung sind weg.

Sa 27. Jän. 2007:

Eine schlimme Woche liegt hinter mir, zunächst hat das Wetter nicht gepaßt, Schnee, Schnee und nochmals Schnee. Er ist zwar nicht liegengeblieben, aber am folgenden Tag hat es jeweils wieder geschneit. Dann war ich verkühlt, mit leichtem Fieber und Kopfschmerzen, dann war die Straße wieder frei, dann ist nochmals Schnee gekommen, jetzt bin ich endlich wieder halbwegs fit, aber eine Woche ist schnell verloren. Schade drum, denn auch bei der Vereinssuche ist nichts weitergegangen. Ein paar Telefonate in dieser Woche haben nichts eingebracht. Immer mehr Posten auf meiner Liste kann ich mit einem dicken Minus versehen abhaken. Das einzig Positive: durch die Krankheit habe ich in dieser Woche trotz null Training ein Kilo abgenommen - wenn das kein gutes Vorzeichen ist!!

Mi 31. Jän. 2007:

Erste Gehversuche nach der einwöchigen Pause sind durchwachsen. Ganz gesund fühle ich mich leider noch immer nicht, die Kraft ist weg, die Form ist weg, die Spritzigkeit ist weg, die Ausdauer ist weg. Ich fühle mich wie ein ganz kleines Nackerpatzerl im Vergleich zu vorher. Heute 64 km mit 30,7 km/h Schnitt bei 6° und starkem NW-Wind. Im Jänner bin ich jetzt 1173 km gefahren, da fehlen mir gut 500 km auf das Plansoll. Jetzt gilt es mal, den Rückstand wieder langsam aufzuholen und die letzten Nachwirkungen der Krankheit aus dem Körper rauszufahren. Manchmal bin ich ganz zuversichtlich und optimistisch, was das neue Jahr angeht, dann wieder pessimistisch und beinahe deprimiert. So starke Stimmungsschwankungen sind nicht gut, eine so breite Gefühlspalette behindert eher, als daß sie hilft.

Do 1. Feb. 2007:

62 km bei orkanartigem Föhnsturm, 11°  Grad, Fahrtzeit 2:12´ Stunden, flach.

Fr 2. Feb. 2007:

Thalerhof-Runde, wieder flach, starker Wind, Föhnsturm. Es ist warm, aber ich habe seit einigen Tagen starke Kopfschmerzen. Scheiße! Wieder einige Telefonate heute geführt, aber wieder - wie üblich - ohne Ergebnis. Bei den Tiroler Radlern in Bozen ist Klammer auf Tauchstation gegangen, da hört man nichts mehr, er läßt sich vor allen Besuchern verleugnen und verbarrikadiert sich in seinem Haus. Schöne Aussichten!

So, 4. Febr. 2007:

Heute wieder eine Ausdauereinheit, anspruchsvolle Strecke über Fasslberg, Weiz, Weizklamm, Rechberg, Frohnleiten, Peggau zurück nach Graz, 108 km, 3:51´ Stunden. Ich fühle mich etwas durchwachsen, manchmal gut, dann wieder weniger. Form ist instabil, nach guten Leistungen folgen schwache, die Moral ist auch nicht die allerbeste. Alles wird überschattet von den Vereinsgesprächen und -verhandlungen. Langsam muß ich mir ein Alternativprogramm überlegen. Die Zeit schreitet voran, und nichts passiert.

Mi, 7. Feb. 2007:

Der "Point of no return" scheint überschritten. Aus Bozen kommt keine Reaktion, ich versuche per E-Mail, Telefon oder Brief eine Reaktion zu erzeugen, aber Totstellen ist angesagt. Das sind doch Kindereien. Ich denke, meine Zeit dort ist abgelaufen. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dort wieder zu fahren und dabei so zu tun, als sei nichts passiert.

Sa, 10. Feb. 2007:

Habe heute bei 14° und leichtem Ostwind 100 bergige Kilometer in der Gegend um Weiz und Gleisdorf trainiert. Am Abend ein paar Telefonate und E-Mails mit Sponsoren: Krisengipfel wird vereinbart! Ich habe nämlich die Befürchtung, daß ein paar Sponsoren ihre fixen Zusagen wieder zurücknehmen, wenn ich keine Masterlizenz vorweisen kann und damit womöglich Vorreiter für die anderen werden. Und wenn dann alle nachziehen, stehe ich ohne Sponsoren da. Worst case! Es muß da einmal ein Ausweg gefunden werden. Gespräche aber leider wenig befruchtend.

So, 11. Feb. 2007:

Heute wieder längere Trainingseinheit, 700 Höhenmeter, 120 km über Preding, Waldschach, Gleinstätten, Heimschuh, Aframberg, Mellach und Hausmannstätten bei wieder föhnigen und warmen 14°.

Mo, 12. Feb. 2007:

Endlich ein erstes Erfolgserlebnis! Ich habe mit den vier wichtigsten Sponsoren gesprochen, überall auch gleich die maßgeblichen Leute am Hörer gehabt und einen Notfallplan zur Sprache gebracht, der - Gottseidank!!! - auch angenommen worden ist! Sollte ich ohne Lizenz in die Saison gehen müssen, werde ich dennoch unterstützt, wenngleich nur dieses eine Jahr 2007 - und ohne Lizenz sicherlich kein weiteres -, wenn ich in der Hobbyklasse antreten muß. Allerdings wurde mir nahegelegt, in einem solchen Horrorszenario tunlichst auf Starts in dieser weniggeliebten Klasse zu verzichten und statt dessen an Marathons teilzunehmen. Dort treffe ich sogar auf Elitefahrer, diese Bewerbe sind also sehr viel stärker besetzt als reine Masterrennen. Natürlich sind Podiumsplätze dort dementsprechend unwahrscheinlich. Naja, ein Anfang ist jedenfalls gemacht, jetzt gilt es nur mehr, auch die anderen Sponsoren noch auf eine einheitliche Linie einzuschwören. Das sollte aber nicht allzuschwer sein, wenn die wichtigsten schon mal auf meiner Seite sind.

So, 18. Febr. 2007:

Es ist geschafft! Ich habe jetzt alle meine Sponsoren hinter mir, auch für den Fall, daß sich eine Masterlizenz für heuer nicht mehr ausgeht. Keiner wäre mit einem solchen worst case glücklich, alle machten sie ein dementsprechend saures Gesicht, willigten aber letztlich ALLE ein, mich dennoch zu unterstützen. Vielen Dank! Ausdauertraining über Weiz, Eggersdorf-St. Ruprecht-Gleisdorf-St.Marein-Raaba-Graz, 116 km mit 1000 Höhenmetern, gefahren in 4:13 Stunden, Schnitt 27,3 km/h. Ich fühle mich gut und bin jetzt auch endlich wieder motiviert.

Do, 22. Feb. 2007:

Wieder eine bergige und hügelige Einheit, und schön langsam bekomme ich auch am Berg einen sicheren Tritt. 88 km bei windstillen 18° in 2:58 Stunden bedeuten einen Schnitt von 29,7 km/h.Wieder einmal wird mir vor Augen geführt, daß Motivation im Radsport die halbe Miete ist. Da werden Kräfte freigesetzt, an die man sonst gar nicht rankommt.

Fr, 23. Feb. 2007:

Der zweite Ausdauerblock ist im Gang. Heute bin ich über den Steinberg gefahren, weiter nach Hitzendorf, Söding, Lannach, Dobl und Kalsdorf nach Hausmannstätten und über Raaba zurück nach Graz. 76 km in 2:40 Stunden, ich habe Tritt gefaßt, rolle jetzt - noch - mit ungebrochenem Ehrgeiz durch diese Woche.

Sa, 24. Feb. 2007:

Die Ausdauerwoche geht weiter, heute waren es 118 km über Peesen, Stubenberg, Tiefenbach, Fieberbründl, Wolfgruben, Gleisdorf und den Anstieg in Labuch zurück nach Graz, 4:15 Stunden, Wetter: Hochnebel, 8°. Da kann man nichts sagen, das Wetter war im bisherigen Winter einfach perfekt.

So, 25. Feb. 2007:

Etwas leichtere Strecke heute, runter bis Wildon, Neutillmitsch, Ragnitz, Haslach, Stocking auf den Aframberg (Auffahrtszeit schwache 6:46 Minuten)  und über Allerheiligen nach Wildon, Kalsdorf zurück nach Graz. 110 km, 3:45 Stunden. Meine Motivation steigt wieder stärker, im Moment bin ich selbst der wohl allergrößte Radsportfan.

Mi, 28. Feb. 2007:

Nach dem zweiten Ausdauerblock habe ich zwei Ruhetage eingelegt, heute lockere 62 flache Kilometer gefahren. Das vorgesehene Trainingsprogramm habe ich in groben Umrissen durchziehen können, das Wetter war ja ideal. Ein paar Kilometer fehlen mir allerdings, aber das passiert immer, wenn gerade bei vorgesehenen Ausdauereinheiten, die ja relativ lange sind, das Wetter schlecht ist oder ich krank bin, dann fallen halt gleich viele Kilometer aus. Im Februar habe ich jetzt 1.435 km zurückgelegt. Wie gesagt, etwa 300 km zu wenig.

Zeit für ein erstes Resümee: das Training konnte ich auffallend gut durchziehen, das verletzte rechte Knie hat kaum Probleme gemacht, es war deutlich besser als in den letzten Jahren. Warum? Ist die Verletzung im nun schon vierten Winter doch noch besser ausgeheilt? Oder war es das milde und trockene Wetter? Ich weiß es nicht, wahrscheinlich war es beides. Früher hatte ich nach nur einem einzigen trainingsfreien Tag bereits eine Verdickung des Knies feststellen müssen, daher auch Schmerzen, und ich brauchte dann immer zwei bis drei Tage Training, um das Knie wieder freizubekommen. Der Schmerz war in dieser Zeit permanent da. Ich bin jetzt noch skeptisch, möchte die nächsten Monate abwarten. Aber vielleicht geht es in diesem Jahr wirklich deutlich besser.

So, 4. Mär 2007:

Drei Tage Pause haben mir einerseits gutgetan, andererseits habe ich ein schlechtes Gewissen bei einer so langen Pause. Aber jetzt geht es mit frischem Elan wieder ins Trainings-Alltagsleben. Habe heute eine 86-km-Schleife über Schemerl und St.Marein gefahren, Fahrtzeit 3:04´ Minuten, Schnitt 28,3. Mit 13° war es sehr milde und warm, ideales Wetter halt. Ich habe mich jetzt schon mit dem Hobbystatus abgefunden, und es hat mich auch etwas die Hoffnung verlassen, jetzt noch im letzten Abdruck einen Verein zu finden. Die Kernaussage war bei allen insgesamt 12 kontaktierten Vereinen dieselbe: einen so guten Mann können wir uns nicht leisten, oder genauer gesagt: der ist verdammt stark, der muß teuer sein, das ist bei unserem Budget nicht drin. Habe einmal eine ganz einfache Rechnung gemacht: ich koste dem Verein Spesen (Treibstoff) und Prämien, bei beiden Punkten war ich aber durchaus zu Abstrichen bereit. Ich kann mir da also wirklich gar nichts vorwerfen. Die Kosten für den Verein würde ich mit etwa 2.000.- bis 3.000.- Euro beziffern. Dem gegenüberstellen kann man die Werbung (Trikotwerbung im Rennen und vor allem im Training, positive Werbung bei Spitzenplazierungen). Wenn man in den Printmedien (Radwelt, Steirerkrone, Kleine Zeitung, Grazer Woche, Der Neue Grazer) die Ergebnisse und die Frequenz der letzten Jahre zugrundelegt, kann man von einem Werbewert von mind. 8.000.- Euro ausgehen. Dazu kommt dann noch die Werbung am Auto (Aufkleber), deren Effektivität bei den vielen Kilometern Anfahrt (etwa 40.000m km im Jahr) man nur schätzen kann. Einen Wert, den man getrost nochmal so hoch ansetzen kann. Ohne der zusätzlichen Werbung bei Spitzenplazierungen kann man also getrost von einem Gewinn von gut 13.000.- Euro für den Verein ausgehen. Mir völlig unverständlich, weshalb dann alle sagen, sie hätten kein Geld.

Mi, 7. Mär 2007:

War heute wieder mal in Semriach oben, Auffahrtszeit 13:13, ist für die Jahreszeit durchschnittlich. 64 km in 2:10 Stunden.

So, 11. Mär 2007:

Heute wieder eine längere Distanz am Trainingsplan, die ganze Woche bin ich nur kurze und flache Einheiten gefahren. Über Wundschuh, Lannach, Muttendorf, Weitendorf, Kehlsberg, Jöss, Lebring, Halsach, Wurzing, Stocking, Kalsdorf und Hausmannstätten nach Graz zurück gefahren, 121 km in 3:56´ Stunden, 30,6 km/h. Wetter: heiter, 15°, Traumwetter. Fühlte mich danach so richtig gut, geschafft, erschöpft, aber gut.

Mo, 12. Mär 2007:

Hatte heute ein längeres Telefonat mit Baumann, dem Tiroler LRV-Präsidenten und ÖRV-Master-Referenten. Ist ein guter, alter Bekannter von mir, dem ich mein Leid geklagt habe. Eigentlich wollte ich nur wissen, ob ich mit einer Tageslizenz (Hobbypaß) auch am UCI-WM-Straßenrennen teilenehmen könnte. Übermorgen gibt es wieder eine Besprechung mit den Sponsoren, da weiß ich dann mehr, was die Saisonplanung angeht.

Mi, 14. Mär 2007:

Heute war ein Sponsorentreffen. Es ist im Grunde darum gegangen, daß die Masterklasse ja eine wenig attraktive Kategorie für Promotion und Werbung ist. Alles dreht sich um die Eliteklasse, die anderen Kategorien sind nur lästiges Beiwerk. Um überhaupt einen lukrativen Sponsorvertrag zu erhalten, muß ich schon mit einigen Starts in Eliterennen und Marathons argumentieren oder aber bei großen Events Spitzenplazierungen (glaubhaft) versprechen. Die Hobbyklasse ist die einzige, die ein klar negatives Vorzeichen hat. Das interessiert wirklich keine Sau, was sich da tut. Kein einziger Sponsor ist erfreut, was ich da bei mir getan hat oder vielmehr nicht getan hat, und zähneknirschend haben sie die Verträge dennoch aufrechterhalten. Ich weiß, daß ich an ihrer absoluten Schmerzgrenze angelangt bin. Marathons sind da ein mehr als gleichwertiger Ersatz für Hobbyrennen, denn die erfreuen sich in der Bevölkerung großer Beliebtheit, man hat immer Elitefahrer am Start, die Strecke ist lang und schwer. Die sportliche Wertigkeit ist somit klar höher als bei Hobbyrennen, die Publicity ist auch ungleich größer. Ich muß mich jetzt damit abfinden, mehr Marathons als je zuvor bestreiten zu müssen, um wenigstens eine kleine Plattform für die Sponsoren zu garantieren. Die Terminplanung ist damit ganz anders, die Anforderungen aber auch. Ständig große Distanzen verlangen ein anderes Training, die Form muß eigentlich sehr viel höher sein, wenn ich mich ständig mit Elitefahrern herumschlagen muß. Ob diese neue Saisonplanung für mich gut oder schlecht ist, weiß ich noch nicht, nehm´s aber mit Humor. Wollte immer schon mal eine Marathonsaison absolvieren.

Sa, 17. Mär 2007:

Wochenende. Diesmal aber ein besonderes. Spätestens jetzt hätte mein Saisonstart erfolgen sollen. Statt dessen trainiere ich daheim bei tollem Wetter: bedeckt, warme 18° - könnte besser nicht sein. Bin über Stallhofen, Krems und Voitsberg gefahren, 102 km, 3:22´ Stunden, Schnitt 30,2. Bin schnell gefahren, mit hoher Frequenz, mit 53/17. Etwas Trauer und Wehmut war dabei, denn ich mußte dauernd an die Rennen in Friaul denken, bei denen ich jetzt starten sollte. Die Form paßt auch, die Trainingsarbeit im Winter war nicht so schlecht, das Knie hat auch wider Erwarten ausgezeichnet mitgespielt.

So, 18. Mär 2007:

Bin nach Frohnleiten rauf, weiter nach Laufnitzdorf, dort links in einen Graben rein und gleich darauf rechts weg auf einen Berg rauf. Ist so ´ne Art Forststraße, schmal, kurvig, aber toller Asphaltbelag, geht steil den Berg hoch, fünfeinhalb Kilometer lang. Tolles Panorama, Stille, kein Verkehrslärm, Natur pur. Der Geruch von Holz und Wiese ist mir in die Nase gestiegen. Einen so steilen und langen Berg hatte ich gar nicht vermutet, daher war ich mit meiner Übersetzung von 39/23 etwas überfordert. Damit würde ich im Sommer fahren, wenn ich ein paar tausend Kilometer mehr in den Beinen habe. Es war wieder sehr warm, 19°, stürmischer SO-Wind, 93 km, Schnitt 26,8. Obwohl ich froh war, als die Straße zu Ende war, ist auch etwas Enttäuschung dabeigewesen, denn ich wäre gerne noch weiter raufgefahren, noch weiter in dieser Natur unterwegs gewesen.

So, 25. Mär 2007:

Wieder einmal eine schlimme Woche hinter mich gebracht, ich war verkühlt, krank, hatte Fieber, Husten, starke Kopfschmerzen, Gelenkschmerzen, manchmal Schwindel, Brechreiz, Appetitlosigkeit, dann wieder Heißhunger. Habe dadurch die gesamte Woche verloren. Und einen Gutteil meiner Form. Nächsten Samstag ist bereits das erste Salli-Rennen, da wollte ich dabeisein. Aber jetzt? Bin heute über Kalsdorf und Thondorf nach Wildon runtergefahren, 77 km, es war bewölkt, leichter Nieselregen, 13°, starker NW-Wind. Nach dem Training mußte ich mich gleich wieder hinlegen. Bin relativ zügig gefahren, 2:40´ Stunden, Schnitt 28,9. Ich hatte ein paar Stunden lang kalte Schweißausbrüche. Mein Humor: was mich nicht umbringt, macht mich härter. (zugegeben, ist ein saublöder Spruch)!

Di, 27. Mär 2007:

Kurze Einheit am Berg, nachdem ich gestern wieder pausiert habe. Die Kilometer sollten nur so purzeln, stattdessen gibt es im März eine Rekordzahl an Ruhetagen! Es ist zum Haareraufen! Den steilen Anstieg nach Wutschdorf bin ich in 6:36 hochgefahren, war am Anschlag und anschließend ein paar Kilometer lang tot.

Mi, 28. Mär 2007:

Zum direkten Vergleich: heute bin ich abermals nach Wutschdorf hochgeklettert, diesmal aber in 6:16 Minuten. Gestern NO-Wind, heute starker N-Wind. Beide Male machte der sich aber im Wald kaum bemerkbar. Bleibt unterm Strich eine Steigerung um 20 Sekunden. Das baut mich auf und ist gut für die Moral. Werde am Samstag doch starten, ich muß jede Gelegenheit auf einen Start wahrnehmen.

Fr, 30. Mär 2007:

Letzter Tag vor dem Saisonstart. Habe mich in dieser Woche auf kurzen Einheiten verlegt und an meiner Spritzigkeit und Maximalkraft gearbeitet. Die Ausdauer ist zur Genüge da, aber ich habe die Erfahrung gemacht, daß ich frischer und spritziger am Start bin, wenn ich in den Tagen vorher keine schweren Berge fahre. Oder war das bisher nur das verletzte Knie? Dazu kann ich nichts sagen, mir fehlen die Vergleichswerte. Etwas mulmig ist mir zumute, Lampenfieber sozusagen. Reicht die Form, habe ich genug trainiert? Wie weit bin ich, wo stehe ich?

Sa, 31. Mär 2007:

Erstes Rennen in dieser Saison. Mein Gott, wie war ich nervös! Keine Spur von Routine oder Abgebrühtheit, im Gegenteil, wie ein 12jähriger habe ich mich aufgeführt. Völlig grundlos, denn ich bin dann tadellos gefahren. Habe die Startphase anstandslos überstanden, dann sogar dreimal attackiert und bin dem Feld um die Ohren gefahren. Es war genau das Erfolgserlebnis, das ich gebraucht habe. Jetzt ist viel von der Spannung und dem Druck abgefallen, jetzt weiß ich, wie ich unterwegs bin und daß ich mich überhaupt nicht zu verstecken brauche. Im März bin ich jetzt "nur" 1.218 km gefahren, das sind deutlich zu wenig. Aber bitte, bei eineinhalb Wochen krankheitsbedingtem Trainingsrückstand??

So, 1. Apr 2007:

Der Tag danach. Je länger ich darüber nachdenke, deso zufriedener bin ich mit meinem Saisonauftakt. Sicher, Ergebnis hat keines rausgeschaut, aber der Rennverlauf hat doch gezeigt, daß ich bei den Stärksten war. Drei Attacken, dreimal vom Feld weggefahren, einmal mit Kleinhappl, einmal mit Pöltl, einmal alleine. Bin heute bergige 85 km gefahren, bin 7:40 am Weizberg gefahren und 7:30 in St.Oswald - Gesamtschnitt heute 28,7.

Fr., 6. Apr 2007:

Jedermann versucht sich, im besten Lichte darzustellen. Promotion ist alles, Vermarktung das Um und Auf. Wie präsentiere ich mich? Wie kann ich meine Schwächen verbergen? Mit entsprechender Vermarktung kann sich selbst der langweiligste Mensch spannend darstellen. Das Internet ist eine Plattform, die ideal dazu geeignet ist. Eine Möglichkeit, die man heutzutage gar nicht mehr außer acht lassen darf, wenn man präsent sein will. Ich überlege deshalb ein paar spektakuläre Bewerbe, wie etwa die Tour de Mur oder die Kainachtal-Trophy, zu bestreiten. Mit solchen Events kann man sich ins Gespräch bringen, und - seien wir doch ehrlich - es geht ja nur darum, die eigene Bekanntheit in bare Münze umzuwandeln. Hat man keine Bekanntheit, muß man sie eben steigern - und da ist das Internet eine willkommene Möglichkeit dazu.

Sa, 7. Apr 2007:

Osterwochenende, und ich sitze daheim herum. Irgendwie deprimierend. Aber ich nutze die Gelegenheit zum Training. Bin über die Ligister Hochstraße gefahren, Puls 160, Auffahrtszeit in 15:45, 118 km, 4:07´ Stunden, Schnitt 28,6. Es hat mir gutgetan, mal wieder eine längere Einheit zu fahren, die Quälerei am Berg, das Hinhalten, die hohen Pulsbereiche, das Hämmern in den Schläfen und Pochen in der Brust, das Ziehen in den Beinen und Brennen in der Lunge, all das hat mir viel zu lange gefehlt. Und da sagen sie immer, Radsportler seien Masochisten. Wie kommen die nur darauf? Wir sind doch nicht süchtig nach der Qual und dem Leiden, sondern nach dem tollen Gefühl, das danach kommt, wenn die Schmerzen nachlassen. Ich glaube, Spitzensportler sind in ihrer Lebensweise, in ihrem Lebensgefühl und in ihrem "Alltag" so extrem, daß sie sowieso nur von anderen Sportlern wirklich verstanden werden können.

So, 8. Apr 2007:

Tag vor dem Rennen, eine kurze, flache Einheit, mit hoher Frequenz gefahren, 54 km, Schnitt 30,4, leicht bewölkt, 19°, sehr warm, also ideales Wetter. So weit paßt alles, mal sehen, wie es morgen läuft.

Mo 9. Apr 2007, Ostermontag:

Wieder ein Salli-Rennen, der kurze Rundkurs in Egelsdorf war diesmal dran. Nicht ganz leicht, der kurze Anstieg im Wald, die vielen Bodenwellen, das hohe Tempo. Ich starte mit den A-Fahrern, da müssen wir die Vorgabe der B- und C-Fahrer aufholen und fahren vom Start weg hohes Tempo. So habe ich wenigstens einen kleinen Trainingseffekt. Bei der Aufholjagd wird auch konsequent gefahren, gleichmäßig schnell, da haben wir immer einen Schnitt von 42 bis 43 km/h, danach, wenn das Feld komplett ist, sinkt das Tempo schlagartig. Dann gibt es ein paar Attacken, also viele Tempowechsel, gesamt gesehen aber fällt der Schnitt dann natürlich. Und genauso war es diesmal auch. Wieder habe ich tadellos mitgehalten, ohne Probleme, klassiere mich im großen Spitzenfeld. Viel mehr war nicht drin, weil ich ja nicht sprinten kann. Also war ich im großen Rahmen meiner Möglichkeiten.

Do, 12. Apr 2007:

Bin einige Anstiege gefahren, etwa den Hühnerberg (1,4 km in 5:16), dann den Guggitzberg (3,3 km in 9:24), den Labillberg (2,6 km in 7:45), dann noch den Aframberg (1,8 km in 6:25) und den Anstieg nach Gnaning (2,4 km in 10:02). Das waren insgesamt über 1000 Höhenmeter, 75 km, 2:38´, Schnitt 28,5. Langsam steigt die Form, wird besser, und wenn ich das merke, stellt sich auch gleich das zufriedene Hochgefühl ein, das man automatisch hat, wenn man in Form ist.

Fr, 13. Apr 2007:

Wieder Bergtraining, diesmal war der Rechberg dran (10,7 km in 33:39), 85 km, 2:58´, Schnitt 28,7. SO-Wind, 26 Grad, heiter.

Sa, 14. Apr 2007:

Wieder ein Tag vor einem Rennen, ich rolle locker durch die Gegend, 50 km, 1:41´Stunden, Schnitt 29,8 Jetzt habe ich, glaube ich, den Rhythmus schon gefunden, mit dem ich mitfahren kann.

So 15. Apr 2007:

Einer meiner Lieblingskurse im Rahmen der Salli-Rennen, die lange Runde in Hofing, 11 km. Wir fahren 5 Runden, und da ich zu knapp an den Start komme, bin ich erstens nicht aufgewärmt und zweitens habe ich es dadurch doppelt schwer, auch nur im Feld zu bleiben. Der Rundkurs gefällt mir. Nach Zusammenschluß fahre ich immer wieder ein paar Angriffe, einmal im Finale schließe ich zu Wabnegg auf, aber auch er kann das Tempo nicht merklich steigern.

Di 17. Apr 2007:

Trainingsrunde über Lebring, den Dexenberg,Grötsch, Preding, Dobl und Kalsdorf über 84 km, 2:50´, Schnitt 29,4.

Heute abend wieder ein Telefonat mit einem Vertreter eines Kärntner Klubs, aber auch die winken ab. Budget für 2007 steht schon, fadenscheinige Ausreden folgten. Naja, eignetlich habe ich sowieso nicht mehr damit gerechnet. Viel Möglichkeiten habe ich nicht mehr, genaugenommen eigentlich keine. Ich denke immer öfter daran, selbst einen Verein aufzumachen, dann bin ich diese bescheuerten Sorgen los. Immer wieder muß ich dazwischen die Sponsoren beruhigen, mich um neue umschauen, Terminkalender sichten, Startmöglichkeiten festlegen, Nennungen abschicken, Kontakt mit dem Veranstalter aufnehmen, mich um Quartiere kümmern. Dieser ganze verdammte Kram kostet unwahrscheinlich viel Zeit. Zeit, die mir nachher beim Training fehlt. Business as usual, fällt mir dazu ein.

Do 19. Apr 2007:

Lange, sehr lange, habe ich überlegt, und jetzt doch einen Entschluß gefaßt. Aber irgendwie schäme ich mich dabei: eine italienische Lizenz doch wieder beim SC Tiroler Radler Bozen zu beantragen! Wie tief muß man sinken, um einen so festen Entschluß doch noch einmal umzustoßen! Nie mehr die Gruppe Sportivo Ciclisti Tirolese Bolzano, habe ich mir geschworen! Aber wenn doch? Nur die italienische Lizenz! Ich kann mir im Moment selber nicht mehr in den Spiegel schauen, ich habe meine Prinzipien über den Haufen geworfen, abe wir haben ja auch schon Mitte April und ich stehe immer noch ohne Lizenz da! Nach dem Motto "Frechheit siegt" habe ich ganz einfach den Lizenzantrag weggeschickt, wortlos, ohne Kommentar, so als ob nie etwas gewesen wäre. Mal sehen, was da für eine Reaktion kommt. Ich sitze wie auf Nadeln und kann die Antwort kaum erwarten.

Das heutige Training fand in den Bergen statt, ich bin zum erstenmal heuer den Anstieg nach Hiening gefahren (steile 5 km in 21:11, Puls 171), dann runter nach Semriach, rauf nach Ullrichsbrunn, runter nach Wölling, rauf den steilen Anstieg nach Anger (5 km in 22:24, Puls 164) und dann über Semriach nach Graz zurück. 100 km, 3:43´ Stunden, mehr als 1000 Höhenmeter, 3:43´ Stunden Fahrtzeit, Schnitt 26,8. Teilweise bin ich mir da auch einen gewissen Frust von der Leber gefahren.

Sa 21 Apr 2007:

Jetzt steht der "richtige" Saisonstart unmittelbar bevor, so spät wie selten zuvor, Ende April - der Wienerwald-Marathon. Gleichzeitig mein Einstieg in die Marathon-Szene und das Marathon-Wettkampfjahr. Dieser Marathon ist sauschwer, knappe 100 km lang, aber beinahe 2000 Höhenmeter.

Heute hatte ich wieder Gespräche mit drei Sponsoren. Es wird zusehends schwerer, sie zu beruhigen und auf Linie zu bringen. Ich bin natürlich nicht daran interessiert, daß sie abspringen, aber da ich "nur" in der Marathonszene regulär starten kann, die Rennen der Hobbyfahrer und Unlizenzierten zählen da so viel wie ein Fliegenschiß, habe ich auch richtiggehend "vergessen", mich in der Straßenszene zu verabschieden. Goodbye, corsa su strada, bienvenuti corsa maratonisti!!!

So 22. Apr 2007:

Über das Rennen (Wienerwald-Marathon) könnt ihr an anderer Stelle (Rennen und Ergebnisse) ev. mehr nachlesen, hier möchte ich euch was anderes schreiben.

Die Menschen haben verschiedene Veranlagungen, die einen sind Morgenmenschen oder Frühaufsteher, die anderen Nachmittagsmenschen, Abendmenschen oder gar Nachtmenschen. Ich bin immer anstandslos aufgestanden, daß ich ein Rennen verschlafen hätte, das gab  es einfach nicht. Heute dagegen ist es gang und gäbe, sich zu spezialisieren. Immer stärker und deutlicher merke ich - wie schon in den vergangenen Jahren - daß ich nicht mehr der Frühaufsteher bin, der ich einmal in jungen Jahren war. Es fällt mir immer schwerer, mich zu motivieren und aufzuraffen. Ich mag die Vormittagsrennen nicht mehr, da muß man auch in Österreich schon sehr früh aufstehen, essen, sich dann wieder niederlegen und Beine hochlagern. Ist es das Alter? Oder Abnützung? Mag ich vielleicht nicht mehr? Nein, man wird einfach ruhiger und abgeklärter und merkt, daß der Radsport nicht alles im Leben ist. Es gibt auch ein Leben außerhalb des Radsports. Und da fällt es immer schwerer, um 4 Uhr früh aufzustehen, zu essen, irgendwas, das man sowieso kaum runterwürgen kann. Und dann sage ich mir: nein, nicht mit mir, dieser Aufwand, ich bin doch nicht blöde. Vor etlichen Jahren habe ich anstandslos zur Not auch mal im Auto geschlafen, wenn kein Zimmer zu bekommen war, habe mich mit wenigem und miesem Essen zufriedengegeben und es ist auch gegangen. Mein Gott, was konnte ich mir damals alles leisten - kaum Schlaf in der Nacht, lange im Auto gesessen, kein bis ungenügendes Essen, und dann bin ich ein tolles Rennen gefahren. Heute müssen alle Faktoren hundertprozentig stimmen, damit ich eine durchschnittliche Leistung hinbringe. Die Schere des Alters. Immer mehr Aufwand für immer geringere Leistung. Schöne Aussichten!

Mi 25. Apr 2007:

Heute war wieder die klassische 67-km-Runde über Weizberg und St.Oswald dran. Zwei Berge, den Weizberg bin ich in 7:31 hochgefahren, St.Oswald auch in 7:31. Diese beiden Anstiege fahre ich meist beinahe zeitgleich hoch. 24°, warm, ideale Bedingungen.

Noch keine Reaktion aus Bozen. Ich bin gespannt, die Zeit läuft mir davon. Daß das alles aber auch so kompliziert sein muß! Das darf doch nicht wahr sein! Hier an dieser Stelle mal ein allgemeines Wort zu Sponsoren: die glauben immer, daß sie das Recht haben, mitzureden und mitzubestimmen, weil sie zahlen. Ganz so ist es aber nicht. Das "Geschäft" ist vielmehr ein ganz anderes: nämlich Geld im Austausch für Werbung. Sicher, manchmal ist es im Sinne eines Sponsors, wenn man dieses oder jenes Rennen dort oder da fährt oder eben nicht fährt. Aber generell den Terminkalender zu bestimmen, ist nicht korrekt. Es ist eine Unart, da immer Einfluß nehmen zu wollen. Der Sponsor zahlt, entweder in bar oder in verschiedensten Leistungen und bekommt dafür einen gewissen Werbewert, den man vorher nur rob schätzen kann. Ist der Sponsor damit nicht zufrieden, braucht er den Vertrag ja nicht zu erneuern oder zu verlängern, dann steigt er eben aus.

Fr 27. Apr 2007:

Ausdauertraining über Thalerhof, Dobl, Lannach, Muttendorf, Oisnitz, Tobis, Preding, Jöss, Kaindorf, Gralla, Wildon,Haslach, Stocking, Wildon, Hausmannstätten nach Graz zurück, 118 km, 4:02´ Fahrtzeit, Schnitt 29,2. Gute Form, fühle mich auch gut. Aus Bozen noch immer keine Antwort, kein Lebenszeichen. Befürchte, daß da auch gar nichts kommen wird.

So 29. Apr 2007:

Der nächste Marathon steht an, am Neusiedler See. Ist sehr schwer, weil die Entscheidung gleich auf den ersten 10 km fällt, bei den Anstiegen zum Grenzübergang nach Klingenbach. Diesmal bei kühlem, windstillem Wetter fällt es mir leichter, ich fahre das Steilstück in Mörbisch mit 39/23 hoch und habe dadurch noch so viel Luft, daß ich danach auf 21 und gar auf 19 runterschalten kann, Tempo machen kann. Ich bin in einer kleinen Gruppe, wir sammeln von vorne Fahrer um Fahrer auf, kommen aber doch nicht so recht an die erste Gruppe ran. Hinhalten. Danach, nach Sopron, kommen Wabnegg und Karin mit einer kleinen Gruppe von hinten ran. Mir kommen immer ganz komische Gedanken, die mit dem Rennen gar nichts zu tun haben. Gedankensprünge. Von einem Extrem ins andere. Doch der rote Faden fehlt. In Neusiedl denke ich an meine Bundesheerzeit zurück, erkenne aber nichts. Die Kaserne ist längst aufgelassen und verfallen, von Unkraut überwuchert. Auch sonst erkenne ich nicht viel, denn alles schaut anders aus. Die Straßen habe ich teilweise noch ganz gut in Erinnerung, die Steigung nach Jois rauf, die breiten, sanften Wellen auf dem Weg nach Südwesten.

Mo 30. Apr 2007:

Locker ausgerollt, 53/19, 36 km, bedeckt, schwül. Im April gute 1.938 km gefahren (inklusive Rennkilometer).

Di 1. Mai 2007:

Das erste Zeitfahren dieser Saison, in Hofing, steht an. Diesmal aber 16 km lang, anstatt der üblichen 11 km.Die Strecke führt von Hofing nach Großhartmannsdorf und zurück nach Blaindorf. Windig, schwer. Mit der Leistung bin ich nicht ganz zufrieden, ich war zu langsam.

Do 3. Mai 2007:

Bergtraining. Auffahrtszeiten: Fasslberg 10:05, Eidexberg 7:42, Ries 15:22, 60 km, 2:09´ und 28 km/h Schnitt, 725 Höhenmeter, heiter, 22°

Fr 4. Mai 2007: Beruf oder Berufung???

Ich erinnere mich an mein erstes Rennjahr, damals, 1977, es war das zweite Jahr des Harry Maier, wir sind viele Rennen zusammen gefahren, waren im selben Klub, und eines Tages war ich Ohrenzeuge, als er bei einem Rennen einmal gefragt wurde, ob er den Radsport als Job oder als Berufung ansieht. Und ehe er noch antworten konnte, hoffte ich insgeheim, daß er von der Berufung sprechen wird, von der Leidenschaft, dem Herzblut, dem Gefühl, der Liebe, der Phantasie und der Besessenheit. Und so fiel ich aus allen Wolken, als er antwortete: "Natürlich als Job." Und während ich noch wie vor den Kopf gestoßen war, weil ich der Meinung war, er hätte den gesamten Radsport damit "verraten", erklärte er: "Wenn man das als Job auffaßt, dann tut man auch all das, was dafür nötig ist. Gefühle sind da nur hinderlich. Wenn es kalt ist und draußen regnet, drehe ich mich im Bett herum, wenn ich den Radsport als Berufung auffasse, und denke mir, heute lasse ich das Training ausfallen. Wenn das aber mein Job ist, dann fahre ich auch im Regen mein Pensum, ganz selbstverständlich. Den Unterschied zwischen Beruf und Berufung sieht man dann spätestens am Wochenende beim Rennen." Heute weiß ich nur zu gut, wie recht er damals damit hatte.

Sa 5. Mai 2007:

Kein Lebenszeichen bisher aus Bozen. Hier eine ganz kurze Vereinsgeschichte in groben Zügen:

Als deutschsprachiger, kleiner, lokaler Klub von ein paar Radsportfans gegründet, waren bald ausnehmend starke Bergfahrer in den Reihen des Klubs. Und man machte sich einen gewissen Namen, zumindest in Südtirol, bei den zahlreichen Bergrennen, und sehr bald auch als Veranstalter, der Große Preis der Tiroler Radler, alljährlich als großes internationales Bergrennen ausgetragen, trug viel zum Ruf des Vereins bei. Der ganz große Aufschwung kam dann aber ab 1990 und 1991, als ich dazugestoßen war und ein echtes Team gebildet habe, wo die Fahrer füreinander durchs Feuer gingen. Viele internationale Rennen waren damals der Beweis dafür, als Höhepunkt ist da wohl mein Gesamtsieg beim Giro di Sardegna 1991 zu nennen, wodurch wir über Nacht in aller Munde waren. Wir hatten starke Straßenfahrer, phantastische Bergfahrer, überdurchschnittliche Zeitfahrer, sehr starken Nachwuchs, kurzum, die ganze Infrastruktur hat gepaßt. Und im gleichen Moment begann der Niedergang, der Abstieg. Einige Fahrer wechselten zu anderen Vereinen, allen voran Nachwuchshoffnung Oswald Lanz, die anderen Nachwuchsfahrer haben sich dann im Laufe der Zeit ebenfalls anderweitig orientiert, und so waren dann nur mehr ein paar Fahrer übrig. Einen guten Teil der Schuld muß man auch dem Klubpräsidenten anlasten, Josef Klammer, der die meisten Sponsoren verärgert hat. Mit einem Radsportgeschäft alleine kann man eben eine solche Manschaft nicht unterhalten, da braucht es einige weitere Sponsoren, er wollte aber selbst immer den allergrößten Schriftzug von allen haben. Als er das Geschäft dann an seine Söhne weitergegeben hat, da haben die die Sponsortätigkeit gleich eingestellt, es gab da viel Unstimmigkeiten und böses Blut, er hat mehrmals interveniert, dann ist halt doch wieder ein (kleiner) Betrag gekommen, aber im Laufe der Jahre hat sich dann alles so im Sande verlaufen. Es gab dann drei Sektionen, nämlich BMX, Mountainbike und die Tourenfahrer, von denen sich die Biker als die stärksten herausgestellt haben. Die wurden immer mehr, die haben den Verein dann an sich gerissen, und vor allem die Finanz, und so einen mehr oder weniger reinen Bike-Verein daraus gemacht. Wir wurden dann mit dem Argument ausgebootet, daß wir ja gar nicht mehr viele sind, daß die anderen in der Überzahl sind und daher auch stärker gefördert gehörten, usw. Diese Streitigkeiten haben dann wieder ein paar Fahrer veranlaßt, anderweitig unterzukommen. Die Sponsoren wurden immer weniger, und so kam eines zum anderen.

So 6. Mai 2007:

Bin jetzt zwei Rennen in Slowenien gefahren, in Murska Sobota und in Slatina Radenci, das war sauschwer. Ich habe jetzt eine ganz gute Form, mit der läßt sich schon was anfangen, wenn die Moral und die Konzentration passen, dann kann ich jetzt schon ganz vorne mitfahren. Die Form ist jedenfalls deutlich besser als in den letzten Jahren, kein Vergleich. Vielleicht wird dieses Jahr doch wieder ein ganz gutes. Und ich merke auch, wie das Knie lange nicht mehr solche Probleme bereitet wie in den letzten Jahren.

Wer´s noch immer nicht weiß: am 30. Juni 2003 bin ich aus dem Auto ausgestiegen, mit dem rechten Fuß bei der Fußmatte oder der Sitzauflage hängengeblieben, rausgepurzelt und mit dem rechten Knie auf die Gehsteigkante aufgeschlagen. Fazit: rechte Kniescheibe 18mal (!) gebrochen. Damals habe ich dann doch glatt noch geglaubt, daß ich nach zwei Wochen wieder am Rad sitzen kann. Und im Spital haben sie überlegt, mir das Bein oberhalb des Knies zu amputieren! Als dann doch noch ein Chirurg aufzutreiben war, der sich über dieses Puzzlespiel drübergetraut hat, habe ich dann unmittelbar nach der Operation gleich mit der Therapie begonnen, in der Folge absolvierte ich täglich 8 bis 10 Stunden Therapie! Und wie ich jetzt merke, scheint sich das damals ausgezahlt zu haben.

Mo 7. Mai 2007:

Wieder Bergtraining. Mellach 5:15, Wutschdorf 6:42, Gnaning 10:45, 600 Höhenmeter, 54,5 km, 2:02´ Fahrtzeit, Schnitt 26,6 km/h, 24°, heiter, leichter NW-Wind. Der Anstieg von Enzelsdorf nach Wutschdorf ist ziemlich steil (der letzte halbe Kilometer), da habe ich ziemlich gelitten.

Di 8. Mai 2007:

Zum Ausgleich heute was flaches, ich bin runter nach Spielfeld gefahren, 205 Höhenmeter, 102 km, 3:12´ Stunden Fahrtzeit, Schnitt 31,6, bewölkt, 21°, leichter NW-Wind.

Fr 11. Mai 2007:

Fortschritte am Berg, ich bin da eindeutig stärker geworden in den letzten Tagen. Heute Fasslberg 9:12 und Entschendorfberg 13:22, 72 km, 2:28´, Schnitt 28,9, 700 Höhenmeter. Ich fühle mich auch rundum gut, bin motiviert, das Training macht Spaß.

So 13. Mai 2007:

Bin heute wieder in Slowenien gefahren, ein Rundstreckenrennen in Tisina bei Murska Sobota. Kleines Nest, besteht nur aus ein paar windschiefen Häusern, aber einer breiten und ausgezeichneten Hauptstraße. Es war ein Jedermann-Rennen, bei dem auch viele Lizenzfahrer mitgemacht haben. Ein kleines - oder eigentlich großes - Volksfest war der Rahmen dazu, da gab es Würstelbuden, Grillstände, Souvenirs, Pommes und die Nationalspeise, Cevapcici. Der ganz eigene Bratenduft, der das Zielgelände erfüllt hat, war bei jeder Zieldurchfahrt intensiv zu spüren. Dazu gab es mehrere Volksgruppen, die mit Tanzeinlagen die Zuschauer unterhalten haben. Vom Radsport hatten alle Zuschauer absolut keine Ahnung, sie haben halt geklatscht, wenn wir vorbeigefahren sind.

Di 15. Mai 2007:

Semriach 12:14, Pulsmaximum 168, eine ganz gute Zeit für die 3 km. Bedeckt, Regen, starker SO-Wind, 19°. Bei dem Wetter macht das Training keinen Spaß, ist aber dennoch absolut notwendig. Da bin ich Profi genug, um mich danach zu richten.

Do 17. Mai 2007:

Heute bin ich den Schwechater Marathon gefahren, aber leider nicht ganz. Der ganze Tag war beschissen. Hat schon damit angefangen, daß ich meine Trinkflasche daheim vergessen habe. Dann hat es die ganze Zeit geregnet. Sauwetter, schlimm. Motivation im Keller. Ich weiß, daß ohne Motivation ein Start wenig Sinn hat, also habe ich krampfhaft versucht, mir etwas Überlegenheit einzureden. Geholfen hat´s nicht viel. Vom Start weg einige Massenstürze, die sind auch gefahren wie die ersten Menschen. Haben keine Technik, keine Routine, und wenn´s mal rutschig und glitschig wird, liegen sie alle auf der Pfeife. Als ich Reifenschaden habe, wird die Quälerei gnädigerweise vorzeitig beendet. Ich drehe um, fahre zurück. Schwamm drüber.

Fr 18. Mai 2007:

Eine 84,5-km-Trainingsrunde über den Gießenberg (5:42). Form zufriedenstellend, ich bin motiviert.

Sa 19. Mai 2007:

Marathon mit Elitefahrern in San Daniele. Schwerer Kurs, harte Konkurrenz, schnelles Rennen, lange Distanz, Italien. Was noch? Hinhalten, quälen, überwinden, und das jeden Kilometer. Zu gewinnen? Ein paar harte Rennkilometer.

So 20. Mai 2007:

Waidhofener Marathon, die Form steigt, ich bin schneller als im Vorjahr, trotz des schweren Rennens vom Vortag. Sehr gute Allgemeinverfassung, der erste Anstieg im Zögelgraben ist die Schlüsselstelle. Wenn ich da etwas mehr hingehalten hätte (ich weiß, das sagt sich im nachhinein sehr leicht), wäre ich ganz vorne dabeigewesen. Am Grubberg waren wieder Erinnerungen an Wien-Gresten-Wien da, als ich damals ganz vorne rübergeklettert bin und beinahe das gesamte Nationalteam abgehängt habe. Diesmal aber mußte ich mich ungleich mehr schinden.

Mo 21. Mai 2007:

Der Trainingsalltag hat mich wieder. 77 km, 370 Höhenmeter, 2:45´ Stunden, 28 km/h Schnitt, heiß, 31°, leichter SO-Wind.

Do 24. Mai 2007:

Bergiges Gelände, Graz-Lannach-Mooskirchen-Söding-Stallhofen-Geistthal-Großstübing-Friesach-Graz, 108 km, 3:38´ Stunden, Schnitt 29,7. Jetzt träume ich schon von der Plattensee-Rundfahrt am Samstag.

Sa 26. Mai 2007:

Erst seit einer Woche weiß ich, daß ich hier doch starten kann. War anfangs wegen der Finanzierung nicht ganz klar. Aber jetzt bin ich doch dabei, 204 km, leicht hügelig, tolle Atmosphäre, großes Starterfeld. Radsport, der in jeder Hinsicht Spaß macht und ungeheuer motiviert. Und die Form hat auch gestimmt. Habe mich nicht abhängen lassen, hatte im Finale noch viel Kraft und Energie und habe meine Altersklasse gewonnen. Erster Saisonsieg!!! Und das gleich bei einem ganz großen Event.

Das war ein ganz, ganz großer und wichtiger Tag für mich. Erster Saisonsieg! Aber nicht nur die Tatsache des ersten Sieges, sondern es war vor allem der erste Sieg seit meiner Knieverletzung 2003 - und damit hat diese lange, lange Durststrecke jetzt endlich ein Ende gefunden! Es geht ja doch noch! Ich sehe das als verdienten Lohn einer jahrelangen, konsequenten, aufwendigen Therapie, die ich bis heute nicht eingestellt habe. Niemand kann sich vorstellen, was das bedeutet, jahrelang täglich die Übungen zu machen, mit schmerzendem Knie, bei jeder Überlastung, bei jeder höheren Belastung den Schmerz auszuhalten, bei jedem Wetterwechsel, bei allen Drehbewegungen, nach der kleinsten und geringsten Pause die Verdickung des Knies zu spüren, und immer die Angst vor einem neuerlichen Sturz auf das rechte Knie. Immer diese Angst bei allen Drängereien im Feld, bei Massenankünften, bei hektischen und chaotischen Situationen, bei den vielen ungeübten und technisch minderbegabten Fahrern im großen Feld zu spüren, die Angst davor, daß bei einem neuerlichen Sturz alles vorbei ist.

So 27. Mai 2007:

Heute habe ich für den gestrigen ersten Sieg in dieser Saison bitter bezahlt. Es wäre doch gescheiter gewesen, gestern nach Hause zu fahren. Leere Beine, Kopf leer, von Anfang an nur negative Gedanken, bin ich gleich nach 8 km abgerissen. Danach unglaubliche Quälerei, jeder Kurbeltritt eine Qual. Wenn man so ganz leer ist und dennoch Berg um Berg fahren soll, wenn das Herz bis in die Haarspitzen laut dröhnend schlägt, wenn man mental am Boden ist, dann startet man besser gar nicht. Ich bin nur über die Distanz gekommen, weil ich mich immer wieder am gestrigen Sieg aufgerichtet habe. Weil ich die Siegesfahrt auf den letzten Kilometern immer wieder und wieder in allen Einzelheiten und Details durchgespielt habe. Dabei bin ich hier sowieso nur die 81 km lange Distanz gefahren, das war die kürzeste (zur Auswahl standen noch 121 und 162 km).

Do 30. Mai 2007:

Bin heute nach Übelbach gefahren und dann weiter ins Kleintal, aber dort haben sie die Straße gefräst, ich mußte vorzeitig umkehren, bin dann dafür nach Neutal ans Ende des Haupttales gefahren. 97 km, 3:23´ Stunden, Schnitt 28,4, 24!, starker NO-Wind.

Im Mai habe ich "nur" 1.591 km geschafft, ein paarmal ließ ich wegen Regens das Training ausfallen. Und schon fehlen ein paar Kilometer im Plan!

Sa 2. Jun 2007:

Giro del Feltrino in Feltre, einer der wenigen FCI-Marathons in Norditalien. Sauschwer, lang, starke Konkurrenz. Ich nehme das Trainingsrennen, will die Form einerseits testen, kenne die Strecke schon, und weiß, daß der Anstieg unmittelbar vor dem Ziel schwer und selektiv genug ist, um dort einen Formtest zu wagen. Und genauso kommt es auch. Ich fühle mich während des gesamten Rennens, vom Start weg, ganz toll und super in Form, ich fühle die Form in allen Zellen des Körpers, bis in die Haarspitzen. Einer jener Momente, von denen man weiß, daß man von niemand zu schlagen ist. Ich fühle Optimismus, gute Moral, starke Beine, viel Luft und große Kraft. Die Routine ist auch da, und vor allem die Fähigkeit, bis an die Grenzen zu gehen. Und vielleicht sogar darüber hinaus. Das Ergebnis: Rang 2, im Sprint nur von einem ganz Großen geschlagen, vom Lokalmatador Enrico Dagai. Die konsequent jagenden Verfolger haben wir zu zweit über den letzten Berg und die Abfahrt ins Ziel nach Feltre auf Distanz gehalten. Nach dem Sieg in der Vorwoche also neuerlich ein Podestplatz! Die Form ist ausgezeichnet, jetzt muß ich sie konsolidieren, halten, und dann langsam versuchen, sie weiter zu steigern. Da ist vor allem sehr viel Fingerspitzengefühl und Routine gefragt.

So 3. Jun 2007:

Das ist ein ganz besonderer Tag, das Charity-Rennen in Egna (Neumarkt) im Südtiroler Unterland. 100 km sind zu fahren, die Strecke führt rauf nach Bozen und Meran, über Lana und Eppan und die Hügeln der Weinstraße, Kaltern, Tramin, rund um den Kalterer See, die Steigung rauf nach Kaltern und dann von Eppan der Zielanstieg zum Montiggler See. Hierbei wird für die Organtransplantierten gesammelt, am Start sind beinahe lauter Prominente, allen voran Francesco Moser, Maurizio und Francesco Fondriest, Luciano Loro, Claudio Chiappucci, Rolf Gölz, Moreno Argentin, Alessandro Bertolini ein paar lokale Junioren und Amateure und Profis. Wir alle fahren mit ca 35 bis 38 km/h hinter dem Vorausauto wie beim Aufwärmen vor einem großen Rennen, die Zuschauer jubeln und beim Vorausauto und dem Besenwagen kann gespendet werden. Diese Gelegenheit lassen sich viele nicht entgehen, ganz Firmenbelegschaften, Schulklassen und andere Gruppen spenden eifrig, und am Ende kommt ein ganz erklecklicher Betrag zusammen. Mehrere Zehntausend Euro. Ich glaube, bei uns daheim in Österreich wäre eine solche Aktion völlig absurd und unvorstellbar, vor allem aber auch undurchführbar. Ach ja, und damit die Zuschauer was zum Schauen und zum Erzählen haben, gibt es auch ein Rennen, der Zielanstieg nach Montiggl rauf wird freigegeben und da kann jeder raufbolzen, was das Zeug hergibt. Ich schaffe einen Top-10-Platz, und danach ist im großen Festzelt am See noch Highlife angesagt. Und da gibt es dann auch vor allem die Möglichkeit, mit den Prominenten für Fotos fürs Familienalbum zu posieren, Autogramme zu ergattern und das eine oder andere Wort mit ihnen zu wechseln. Ich habe leider nicht viel Zeit, denn ich muß dann ja schon wieder nachhause fahren.

Mo 4. Jun 2007:

Wieder ein ganz bemerkenswertes Datum für mich: es scheint überhaupt meine Woche zu sein, die Form ist so gut wie schon lange nicht. Ich bin heute in Frohnleiten den Pfannberg raufgefahren (9 km)  und mit einer Zeit von 28:29 Minuten war ich zum erstenmal bei einem Anstieg im Training schneller als vor der Verletzung 2003. Insgesamt 102 km, 3:43´ Stunden Fahrtzeit, Schnitt 27,5! Und wieder hat das Knie keine Probleme bereitet, ich bin anfangs mit 39/23 und hoher Frequenz im Steilen gefahren, war da schon deutlich schneller und habe diesen Vorsprung bis auf den Gipfel gerettet. Meine alte Bestzeit habe ich um knapp eineinhalb Minuten unterboten!

Mi 6. Jun 2007:

Habe weiterhin sehr gute Form, heute wieder ein paar Anstiege gefahren, am Weizberg 6:50 und in St.Oswald 6:47, 67 km, 2:11´ Stunden, Schnitt 30, 4 km/h, schwül, 26°, leichter NO-Wind. Spontan habe ich mich noch zur Ausdauerfahrt der Tour de Mur angemeldet, dem ehemaligen "Tourminator", neuerdings "Race across Styria".

Do 7. Jun 2007:

Wieder Bergtraining heute. Rechberg 33:18 Min. weiter über Anger nach Ullrichsbrunn, Jägerwirt, Angerkreuz über den Schöckelsattel runter nach Kumberg, Fasslberg 6:24 und dann runter nach Graz. 1300 Höhenmeter, 97,5 km, 3:28´ , Schnitt 28,2, Bewölkt, schwül, 28°. Form nach wie vor sehr gut, ich fühle mich gut, bin motiviert und engagiert. Das Race across Styria, kurz RAS, verursacht mir doch einiges Kopfzerbrechen. Enorme Distanz, neue Austragungsformel, ungenügende Vorbereitung - wie werde ich wohl abschneiden? Bis dahin muß ich aber noch einen Betreuer auftreiben, der mir das Auto von Altaussee nach Bad Radkersburg fährt.

Fr 8. Jun 2007:

Viel logistische Arbeit, ehe ich mich in das neue Abenteuer stürzen kann. Betreuer ist aufgetrieben, ein Bekannter, der zwar sehr wenig Erfahrung, aber genug guten Willen mitbringt, spielt den Chauffeur für mich, ich packe das Equipment ein, und am Abend geht es ab in Richtung Altaussee. Morgen erfolgt der Start bereits um 6.30 Uhr, es sind 275 km bis Bad Radkersburg zu bewältigen. Diese Distanz ist zwar um knappe 70 km kürzer als der bisherige "Tourminator" von Muhr beim Mur-Ursprung nach Bad Radkersburg, aber die Distanz wird überdies noch auf 4 Etappen aufgeteilt, die in drei verschiedenen Geschwindigkeitsgruppen gefahren werden. Ich habe mich für die schnellste Gruppe angemeldet, hier wird mit einem Schnitt von 35 km/h gefahren. Die vier Etappen werden alle an einem Tag absolviert, mit einer bis zu 90minütigen Zwangspause dazwischen. Bei den ersten drei wird das Vorausauto das Tempo vorgeben, erst im letzten Teilstück wird dann am Ende das "Rennen" freigegeben. Ein Scheißmodus, die "alte" Formel wäre mir hundertmal lieber gewesen. Naja, ich probier´s halt einmal, danach kann mir das Ding wahrscheinlich gestohlen bleiben. Ob das aber die richtige Einstellung und eine motivierende Vorbereitung sind???

Sa 9. Jun 2007:

In aller Herrgottsfrühe beginnt der Affentanz. Um 6.30 starten wir in Altaussee, die erste Etappe wird zur Gänze geführt, wir fahren anfangs in einem Pulk, dann gemächlich in Zweierreihen. Wie im Wintertraining. Das Tempo ist auch gemächlich. Das Vorausauto dürfen wir ja nicht überholen. Schwachsinn. Und das soll ein Rennen sein? Im Ziel dann Zwangsrast, dann folgt das nächste Teilstück. Mit der Zeit wird die Anforderung aber doch größer. Ein kurzer, aber kräftiger Regenguß vor Graz fordert ebenfalls wieder Substanz. Es ist eigentlich heiß und schwül, auf naßer Fahrbahn aber braucht mehr halt doch mehr Konzentration, und bis dahin haben wir auch schon knapp 200 km in den Beinen. Nach diesem Tag weiß ich, daß ich mir dieses "Abenteuer" sicherlich nie mehr antun werde. Jedenfalls nicht in dieser Form. Rang 5 springt am Ende raus, das viel wichtigere Ergebnis aber: ich bin für den morgigen Marathon in Eggenburg völlig tot.

So 10. Jun 2007:

Wie erwartet wird der Eggenburger Marathon auf sehr schwerer und bergiger Strecke zum Himmelfahrtskommando. Ich bin sofort völlig leer, schleppe mich über die Distanz und bin heilfroh, als die Quälerei vorbei ist. Keine Spritzigkeit, keine Kraft. Dennoch werde ich 19. in der Altersklasse, nur 14 Minuten hinter dem Sieger. Was mich nicht umbringt, macht mich nur noch härter.

Do 14. Jun 2007:

Wieder mal Bergtraining, Fasslberg 9:53, Entschendorfberg 13:10, 840 Höhenmeter, 71 km, 2:30´ Schnitt 28,4, schwül, 31°, Durchschnittspuls 129. Weiterhin gute Form, ich fühle mich aber jetzt wieder frischer und spritziger als noch am Wochenende.

Fr 15. Jun 2007:

Auffahrtszeit Semriach 12:00, Puls 169, leicht bewölkt, 64 km, 2:07´, Durchschnittspuls 132

Sa 16. Jun 2007:

Das große Franja-Barcaffe-Rennen in Lubljana (SLO) über 148 km mit weit über 3000 Startern. In einem solchen Monsterfeld ist es sehr gefährlich, die vielen Stürze, ungeübten Fahrer, Kreisverkehre, Kreuzungen, ja schon Kurven reichen aus, um einen ganzen Haufen zu Fall zu bringen. Man kann da am Start noch so weit vorne stehen, man ist generell immer zu weit hinten. Also heißt es nach dem Startschuß nach vorne fahren. Das heißt es aber auch für 2950 andere Fahrer. Und die Handvoll, die ganz vorne steht, die will sich diesen Vorteil natürlich auch nicht mehr nehmen lassen. Da liegt es auf der Hand, daß es vom Start weg ein immens schnelles Rennen ist, das durch die vielen Stürze gefährlich obendrein ist.

So 17. Jun 2007:

Zeitfahren in Bruck/Mur, die erste Hälfte führt leicht bergauf, die zweite Hälfte bergab. Ist sehr selektiv, ich spüre aber noch die gestrige Marathondistanz und werde "nur" Elfter.

Mo 18. Jun 2007:

Bin bei der Auffahrt nach Wutschdorf in 5:53 unter 6 Minuten geblieben! Dabei hatte ich genug Luft, um sogar noch schneller fahren zu können.

Sa 23. Jun 2007:

Habe eine kurze Trainingspause eingelegt, weil die letzten Renn- und Trainingskilometer einfach schon zu viel fahren, ich mich müde und ausgelaugt gefühlt habe. Pausen sind sehr wichtig, sie machen erst die Würze aus, sind sozusagen das Salz in der Suppe.

So 24. Jun 2007:

Salli-Rennen in Egelsdorf. Anfangs fahre ich mit den A-Fahrern sehr schnell zu den B- und C-Fahrern hin, bereits anch 35 km haben wir die 9:20-Minuten-Vorgabe aufgeholt, dann aber übersehe ich die entscheidende Attacke und bleibe im Feld hängen. Mental war ich nicht auf der Höhe, sonst hätte mir so etwas niemals passieren dürfen. Entsprechend hoch war danach auch mein Frust. Mit solchen Aktionen mache ich mir ja selbst meine eigene gute Leistung wieder zunichte.

Mi 27. Jun 2007:

Auffahrtszeit am Dexenberg in Stögersdorf mit 7:57 erstmals unter 8 Minuten, Puls 163, 420 Höhenmeter, 83 km, Durchschnittspuls 124, Schnitt 29,6

Sa 30. Jun 2007:

Paarzeitfahren in Mariazell, ich fahre mit Gerald, hätte aber mit Karl fahren sollen, den ich aufs nächste Jahr vertrösten muß. Ungute Situation, weil ich ihm schon zugesagt hatte, mache ich deshalb keinen verläßlichen Eindruck. Das Rennen läuft auch nicht so zufriedenstellend, als 8. von 10 Paaren haben wir keinen Grund zum Jubel. Es ist wieder einmal das alte Lied: wir bringen einfach keine einheitliche Leistung zusammen. Einer von uns beiden fällt immer deutlich ab und bremst den anderen. Diesmal war ich in der ersten Hälfte klar der Schwächere, in der zweiten Hälfte war es dann genau umgekehrt.

Im Juni habe ich es auf 1.962 Trainings- und Renn-Kilometer gebracht.

So 1. Jul 2007:

Seenrundfahrt in Keutschach, ein schon traditionelles Rennen für mich, das ich fast jedes Jahr bestreite. Zweimal geht es dabei über den Wernberg und das Kernstück der Strecke ist der gut 10 km lange Anstieg von Radenthein nach Bad Kleinkirchheim. Schwer, landschaftlich schön, tolles Wetter, gute Konkurrenz, lange Distanz, da wird was geboten. Und die Konkurrenz ist auch nicht zu verachten. Ich hatte keine Probleme mit der 160 km langen Distanz. Sehr gut.

Di 3. Jul 2007:

Bergtraining. Anstieg von Thoneben nach Hiening bei Maximalpuls 172 in 21:19, danach in 14:19 auf die Freßnitz, 1050 Höhenmeter, 64 km, 2:26`, Schnitt 26,1, heiter, 30°, SO-Wind. Bei der Abfahrt nach Gratkorn traf ich einen ganz seltsamen Hobbyfahrer, der mit mir runtergefahren ist und mir die Ohren vollgeschwatzt hat mit irgendwelchen Geschichten, die mich gar nicht interessiert haben. Immer wieder bremste er und bremste er und begründete das damit, daß hier schon sehr viele Hobbyfahrer bergab verunglückt seien, weil die Strecke ja soooo gefährlich sei. Da müsse man unbedingt langsam und vorsichtig fahren. Das war für mich das Stichwort, noch schneller zu fahren und ihn abzuhängen. Seltsame Vögel treiben sich dort herum!!!

Do 5. Jul 2007:

Ich forciere das Bergtraining jetzt noch mehr. Heute Wutschdorf 6:03, Gnaning 9:48, 41 km, SO-Wind, 21°

So 8. Jul 2007:

Bin mit Neuhold Karl nach Eibiswald runtergefahren zum Bergrennen nach St.Lorenzen. War deutlich schneller als im Vorjahr, aber wieder "nur" Dritter.

Mo 9. Jul 2007:

Flache Runde zum Regenerieren und auslockern, 65 km, 2:12´, Schnitt 29,6, heiß, 32°, NW-Wind

Mi 11. Jul 2007:

Leicht hügelige Trainingsrunde, 60 km, leichter Nieselregen auf den letzten 11 km, 250 Höhenmeter, 20°

Do 12. Jul 2007:

Trainingsfahrt nach Großstübing und retour, 74 km, 2:27´, Schnitt 30,1, bewölkt, 26°

Fr 13. Jul 2007:

Nachtrennen in Pordenone. Großes Spektakel, superschneller Stadtkurs, viele Zuschauer, Highlife, gute Stimmung. Gewonnen hat ein Italiener, ich hab´ mir schwergetan im Dunkeln, ist nicht mein Fall. War aber ein tolles Intervalltraining. Ich liebe Italien.

Sa 14. Jul 2007:

Heute der Marathon, das war schon eher mein´s. Die erste große Schleife mit den Steigungen zwischen Maniago und Aviano war da ziemlich selektiv, wenn auch nicht viele abgerissen sind, aber es sind sehr viele mürbe gemacht worden. Und abgerissen sind sie dann im starken Gegen- und Seitenwind zwischen Casut und Azzano Decimo. Ich bin bis zuletzt drangeblieben, da waren wir keine 20 Mann mehr. Wieder ein Erfolgserlebnis, die Form ist sehr gut.

So 15. Jul 2007:

Training daheim zusammen mit Karl, 128 km, 1200 Höhenmeter, 4:25´ Fahrtzeit, Schnitt 28,8 über Fasslberg 9´:11, Kropfberg 6:04, Fröhlichberg 4:05 und Entschendorfberg 14:05, Maximalpuls 179, heiß, heiter, 36° windstill. Heute sind die Master-Straßenmeisterschaften in Althofen, ich bin gestern mit dem Rennen in Pordenone total ausgepowert. Und ohne Master-Lizenz ist sowieso kein Start möglich. Dennoch bin ich etwas wehmütig, denn hier war ich bereits einmal Dritter. Der Kurs wäre mir gelegen.

Mi 18. Jul 2007:

Ich trainiere in dieser Woche viel am Berg, lege viele Höhenmeter zurück. Habe mich jetzt für einen Start am Sonntag in Wildbach beim Bergrennen entschieden.

Do 19. Jul 2007:

Wieder Bergtraining: Mellach 4:40 (!), Wutschdorf 5:35 (!), Gnaning 9:42 (!), dazu die Steigungen Turningberg, Steinberg, Schemerl, Laßnitzhöhe und Holzerhofhöhe. 1000 Höhenmeter, 77 km, 2:53´, Schnitt 26,6, heiß, heiter, 35° drückende Hitze und Schwüle. Am Abend ist es dann ab 20 Uhr richtig angenehm gewesen, das hat die Lebensgeister wieder geweckt, nachdem ich vorher schon beinahe verbrutzelt war. Bin wieder mit Karl gefahren.

So 22. Jul 2007:

Bergrennen in Wildbach, machte dabei keine gute Figur. Es war einfach nicht mein Tag. Spritzigkeit war furchtbar, Kampfgeist intakt. Dennoch, unterm Strich: Leermeldung.

Mi 25. Jul 2007:

Wieder Bergtraining, Weizberg 7:11, St.Oswald 7:09, 67 km, 2:19´, Schnitt 28,9, heiter, 26°

Do 26. Jul 2007:

Und wieder viele Höhenmeter: Graz-Vasoldsberg-Birkengreith-Schemerl-Laßnitzthal-Gleisdorf-Göllesberg-Arnwiesenberg-Fünfing-Arnwiesenberg, 2 Runden, dann Kaltenbrunn-Gleisdorf-Ries 16:43-Autal-Raaba-Graz, 1150 Höhenmeter, 96 km, 3:30´, Schnitt 27,4, heiter, heiß, 31°, leichter NO-Wind.

So 28. Jul 2007:

Trattberger Stier. Seltsamer Name für ein Bergrennen. Start in Salzburg, führt die Strecke über 82 km (außergewöhnlich lange für ein Bergrennen) über die Schwaitlalm und über Krispl nach Golling, wo der ca. 35 km lange Schlußanstieg auf die Trattberger Alm beginnt. Sauschweres Rennen, 2000 Höhenmeter, aber Gottseidank herrliches Wetter, heiß, Sonne pur. Das Außergewöhnliche an diesem Rennen sind nicht das Profil und die Distanz, sondern alles andere. Es gibt keine Preise, nur der Sieger bekommt einen Anerkennungspreis, nämlich eben den "Trattberger Stier". Man braucht aber auch kein Nenngeld zu bezahlen, es dürfen nur 200 Fahrer starten, am Renntag werden gar nur mehr höchstens 20 Nachnennungen angenommen. Die Strecke selbst ist herrlich, sauschwer, selektiv, mit riesigen Zeitabständen. Bin heute zum ersten Mal hier mitgefahren, hat mir aber ausnehmend gut gefallen, möchte nächstes Jahr wiederkommen.

Ergebnis: ich habe gewonnen, die Altersklasse, es war mein zweiter Saisonsieg. Die Konkurrenz war zwar nicht besonders, aber immerhin, Sieg ist Sieg. Über den freut man sich immer. Und ich möchte hier niemanden schlechtmachen, alle Starter haben ihr Bestes gegeben. Und auch ich bin an die Grenze meiner Leistungsfähigkeit gekommen.

Mi 1. Aug 2007:

Flache Trainingseinheit, 75 km in 2:27´, Schnitt 30,5 km/h. Jetzt habe ich schon 2 Saisonsiege, eine solche Bilanz hatte ich seit 5 Jahren nicht mehr. Das harte Training hat sich ausgezahlt, die unzähligen Therapiestunden, das Knie hat sich hervorragend gemacht. Sicher, eine starke Wetterfühligkeit ist geblieben, ein beinahe ständiger, wenn auch meist nur leichter, Schmerz auch. Aber was soll´s, ist eh schon ein Wunder, alles andere wäre ja ein noch größeres Wunder, und damit darf man eben nicht rechnen. Jeder Arzt hat bisher noch gesagt, ich muß Gott auf den Knien danken, daß ich überhaupt ohne Krücken gehen kann. Sicher, der kennt nur den "normalen, durchschnittlichen" Menschen, und das bin ich sicher nicht. Für mich war es von der ersten Sekunde nach dem Unfall an klar, daß ich wieder Rennen fahren will. Und mir war klar, daß ich das wieder am höchsten Niveau möchte. Also nicht in der Hobbyklasse steckenbleiben. Jetzt schlage ich mich halt als Marathonfahrer durch, im nächsten Jahr aber möchte ich unbedingt wieder eine Masterlizenz haben.Um jeden Preis. Das Niveau dazu habe ich, das weiß ich jetzt.

Do 2. Aug 2007:

Bin heute zweimal gefahren, am Vormittag und am Abend nach der Arbeit. Vormittags 42 km, am Abend 29 km. Sehr heiß, 31°, windstill. Und ich bin unglaublich müde, schlafe beinahe am Rad ein.

Sa 4. Aug 2007:

Salli-Rennen in Hof bei Kirchberg, Rundstreckenrennen. Ist aber das schwerste Rennen dieser Serie, wegen einer Baustelle muß die Strecke kurzfristig etwas umgeändert werden, wird dadurch um einen Kilometer und ein paar Höhenmeter länger. Dennoch, sauschwer, 240 Höhenmeter pro Runde, und das ganze fünfmal, macht 1200 Höhenmeter, und das auf 47 km. Eigentlich ein reines Bergrennen. Ich starte mit den A-Fahrern, überlebe die erste Runde, auch die zweite noch, doch oben am Gipfel reiße ich dann ab, fahre den Rest alleine (etwa 37 km), kann aber die 4-Minuten-Vorgabe auf die C-Fahrer alleine natürlich nicht aufholen. Platz 15 und eine Menge Frust sind das Ergebnis.

So 5. Aug 2007:

Selzthaler Marathon, kurze Distanz, Dachstein-Tauern-Runde über 87 km. Ich fühle mich gut, ausgeruht, spritzig, und dennoch reiße ich gleich am ersten Anstieg ab, als es rauf nach Lassing geht. Gleich zu Beginn der Steigung wilde Attacke, die ich nicht mitgehen kann. Und das war auch schon die entscheidende Situation. 6 bis 8 Mann fahren da mit, aber bis auf 3 holen wir alle wieder ein. Das Spitzentrio aber bleibt vorne und rettet sich mit großem Vorsprung ins Ziel. Am zweiten Berg, dem Mitterberg, 3 km lang und steil, bin ich einer der Stärksten, bin als Zweiter oben, da bin ich wirklich sehr gut gefahren. Leistung also sehr gut, das beruhigt, das Erfolgserlebnis macht auch stolz.

Di 7. Aug 2007:

Bin heute beim Training am Rad eingeschlafen!!! Ja, wirklich, das gibt´s! Unglaublich, aber wahr! Ich bin aufgewacht, als ich mit dem Rad über eine Wiese gerumpelt und dann anschließend umgefallen bin. Die "Wiese" hat sich als große Grünfläche eines Kreisverkehrs herausgestellt, ich bin nämlich als Schlafender geradeaus in die Grünfläche reingedonnert. Und das trotz starken Verkehrs. Wirklich außergewöhnlich! Hätte nie gedacht, daß man schlafend radfahren kann! Wie steht´s da eigentlich um den Trainingseffekt???

Do 9. Aug 2007:

Ausdauereinheit, Graz-Unterpremstätten-Dietersdorf-Dobl-Waldhof-Lannach-Pöls-Zwaring-Kehlsberg-Lebring-Wildon-Stocking-Aframberg 6:31-Allerheiligen-Mellach-Fernitz-Raaba-Graz, 100 km, 650 Höhenmeter, 3:22´, Durchschnittspuls 125, 32°, schwül.

Gegen Ende des Trainings wird mir ganz wunderlich, ich führe das auf die große Hitze und die Anstrengung zurück, ich fühle mich schwach, wie bei einem Sonnenstich oder Hitzeschlag, bekomme Kopfschmerzen, im Magen wird mir speiübel, dennoch fahre ich danach noch mit dem Auto in die Arbeit. Dort sitze ich herum, der Kopf wird immer schwerer, kalter Schweiß bricht mir aus, ich bekomme alle Zustände, zittrige Finger, bleiches Gesicht, im Magen bildet sich ein immer größer werdender Knödel Ungemütlichkeit. Plötzlich muß ich aufstehen, zum Waschbecken wanken und erbreche ungefähr 20 Liter grauslichen Inhalts. Danach ist mir kurzfristig etwas besser, dann beginnt das Spiel von neuem. Mit letztem Dreck schaffe ich es dann noch, nach Hause zu fahren, lege mich sofort ins Bett, nachdem ich abermals Magensaft erbrochen habe.

Fr 10. Aug 2007:

Bin unansprechbar, kein Training, liege nur im Bett, wanke manchmal aufs WC, wo ich mich übergebe. Esse nichts, trinke wenig. Natürlich kein Training. Ich fühle mich so schwach wie ein Grashalm im Tsunami.

Sa 11. Aug 2007:

Ich steige erstmals wieder aufs Rad. Ich muß es einfach versuchen, sonst brauche ich morgen gar nicht zu starten. Es geht ganz gut, ich fahre flache 52 km, 1:43´, Schnitt 30,8, Durchschnittspuls 118, Maximum 148, bewölkt, starker NW-Wind, 24°. Ob das ein ernstzunehmender Test war? Egal, ich werde morgen in Fohnsdorf starten. Ich brauche einfach die Rennkilometer.

So 12. Aug. 2007:

In aller Frühe montiere ich mir noch eine andere Übersetzung auf die Renngarnitur, ich wähle 22er und 21er-Kränze für den Anstieg ins Lachtal. Den kenne ich nämlich, bin ihn vor zwei Jahren schon einmal gefahren. Was ich natürlich nicht bedacht habe: heuer gibt es bei diesem Marathon erstmals Barpreise, gleich fünf davon (vor zwei Jahren war ich zeitgleich mit dem Sieger Fünfter), und das lockt natürlich die Marathon-Spezialisten an. Am Start stehen dann Nudl, Ametsreiter und Kaspret, der neue Österreichische Marathon-Meister, der aus der Gegend um Judenburg kommt, für den das quasi ein Heimrennen ist. Am Start erfahre ich dann zufällig, daß gleich nach dem Lachtal ein zweiter Anstieg gefahren wird, der noch viel steiler und schwerer sein soll. Super! Daß ich das auch erfahre! Habe natürlich jetzt keine Wechselkränze mehr mit, muß mich also mit dem 22er raufquälen! Wird ein langer, schwerer, harter Arbeitstag. Den Rennverlauf könnt ihr an anderer Stelle nachlesen. Nur so viel: im Ziel war ich klinisch tot und brauchte mehr als einen Tag, um mich zu erholen.

Mo 13. Aug 2007:

Der "Tag danach" - ich bin unansprechbar, kann mich kaum bewegen, fühle mich zerschlagen und unendlich müde.

Di 14. Aug 2007:

Weltradsportwoche in Deutschlandsberg. Ich werde zwar bezahlt, um Marathons zu fahren, aber solche "normalen" Straßenrennen, noch dazu unter der Woche, wo ich sowieso keinen Marathon versäume, sind eigentlich das Salz in der Suppe. Heute steht das 69-km-Rennen von Groß St.Florian nach Eibiswald am Plan. Ich muß mich beeilen, um rechtzeitig um 14 Uhr im Geschäft zu stehen. Daher: Zieldurchfahrt in Eibiswald, sofort weiter zurück nach Deutschlandsberg, das ist kein ausrollen mehr, das ist ein Zeitfahren. Dort ins Auto und mit Vollgas zurück nach Graz, um 13.55 Uhr bin ich im Geschäft. Da stehen die meisten anderen in Eibiswald unter der Dusche.

Mi 15. Aug 2007:

Paarzeitfahren in Frauental mit Gerald. Anfangs wollte ich unbedingt gleich am ersten Tag in Deutschlandsberg, am letzten Freitag, ein Inserat an der Anzeigetafel in der Koralmhalle/Brunnenstüberl aufhängen mit folgendem Text: "Partner/in fürs Paarzeitfahren gesucht, Mann oder Frau, alt oder jung". Ich wollte nämlich unbedingt zwei- oder gar dreimal dieses kurze 14-km-Zeitfahren bestreiten, um den Tag auch wirklich auszunützen. Dann bin ich vor lauter Streß und meiner Krankheit nicht dazu gekommen, also fahre ich jetzt "nur" einmal. Mit Gerald belege ich den 24. Rang, weit weg von den letztjährigen Top-10. Gefühlsmäßig war die Leistung nicht mal so schlecht, aber der Blick auf die Ergebnisliste war reine Ernüchterung. Hat eben doch nicht gereicht, mehr als 2 Minuten haben uns die Sieger abgenommen - und das auf nur 14 km! Sind die einen Abschneider gefahren??? Sind wir einen Umweg gefahren???

Do 16. Aug 2007:

Handikap-Straßenrennen. Wir holen die ältere Klasse 4 gleich mal ein, danach ist es ein wirklich echtes Bummelrennen, von "Rennen" eigentlich keine Spur. Zeitweise fahren wir gar nur 30 km/h. Keine Attacke, nur Röcheln und Hecheln. Die Sonne knallt vom Himmel, Sahara-Feeling pur. Ich bin ganz wirr im Kopf, muß danach wieder in Windeseile nach Graz zurückhetzen, um im Geschäft zu stehen. Die anderen stellen sich unter die Dusche und lagern danach im Bett die Beine hoch. Ich habe den ganzen Tag nichts gegessen, nichts getrunken, hetze nur herum. Rennfahreralltag.

Die Radsportwoche in Deutschlandsberg wird wirklich von Jahr zu Jahr schlechter besucht. Heuer waren es auffallend wenig Starter. In den Kategorien Master Elite, 1 und 2 waren ja jeweils nicht mal 10 Mann am Start. Beschämend. Und kaum Österreicher. Aber auch Ausländer kommen längst nicht mehr so viele wie noch vor ein paar Jahren. Der Campingplatz ist gähnend leer, der Parkplatz vor der Koralmhalle war an keinem Tag wirklich richtig voll. Die Starterfelder so klein wie noch nie. Vor allem Master- und Frauenklassen sind ja praktisch nicht vorhanden.

Sa 18. Aug 2007:

In den letzten Tagen ist es mir nicht besonders gut gegangen, wie eine beginnende Verkühlung, an der ich litt. Husten, habe kaum Luft bekommen. Wollte heute das Kitzbüheler-Horn-Rennen fahren, morgen den Zweiländer-Marathon in Brezno (Slowenien), das ist jetzt alles über den Haufen geworfen. Habe heute kurz trainiert, flache 54 km, da ist es mir ganz gut gegangen, ich habe lange hin und her überlegt und werde wohl morgen den Marathon in Deutschlandsberg versuchen. Der ist vom Streckenprofil her sehr viel leichter als der in Brezno, 490 Höhenmeter zu 1710 Höhenmetern - und wenn ich es mit den Bronchien habe, fällt die Wahl leicht. Ich weiß eigentlich nicht genau, was ich mir im Moment zumuten kann und was nicht. Am liebsten wäre ich ja beide Marathons gefahren, so wie in den letzten Jahren auch, aber heuer haben sie aus unerfindlichen Gründen die beiden auf den gleichen Tag gelegt - ist ja verrückt, die liegen knappe 40 km auseinander, sind international ausgeschrieben, und dann am gleichen Tag! Da kann man wirklich nur den Kopf schütteln. Der Deutschlandsberger ist halt auch kürzer (um 27 km), da ist mir in meinem Zustand die Wahl leicht gefallen.

So 19. Aug 2007:

Tolles Rennen in Deutschlandsberg! Habe schon mit dem Sieg spekuliert, dann die Ernüchterung, als das Feld wieder da war, und dann noch mal ein Motivationsschub und der dritte Platz! Hätte nicht besser laufen können, bin vollauf zufrieden!

Mo 20. Aug 2007:

Es hat abgekühlt heute und den ganzen Tag teilweise sehr heftig geregnet. Bin am Vormittag im Regen zwei Stunden gefahren, war sowieso gleich pitschnaß, dann war´s eh schon egal, also bin ich drauflosgefahren. Deutschlandsberg ist mir im Kopf herumgegangen, die beiden Straßenrennen in der Hobbyklasse waren ja vom Niveau her, vor allem vom Niveau der österreichischen Fahrer, fürchterlich. Ein Blick in die entsprechenden Masterklassen: dort gab es weder Klasse noch Masse. Kaum Starter. Was soll man davon halten?

"Just remember that death ist not the end" - Warum es jetzt endlich Zeit wäre, daß Österreichs Masterfahrer Bob Dylan hören - Eine zynische, aber objektive Betrachtung des österreichischen Master-Radsports

When the storm clouds gather

´round you an heavy rains

descend

Just remember that death is

not the end.

Bob Dylan

"Zu Tode gefürchtet ist auch gestorben!" Dieser wuchtige Satz gilt komischerweise als Lebensweisheit. In Wahrheit ist es selbstverständlich eine Sterbensweisheit, die einen - wie das Tibetische oder Ägyptische Totenbuch - vor die Frage des gelungenen Hinübergehens stellt.

Die in diesem Satz getroffene Feststellung beinhaltet ja kein Werturteil. Man darf sich also auch ruhig Situationen vorstellen, in denen man vom Wunsch überwältigt wird, sich zu Todezu fürchten, bevor einen ein anderer, möglicherweise wirklich schrecklicher Tod ereilt.

Das ist nicht nur im Radsport so, aber im Radsport offenbar auch. Und das ist nicht nur in Deutschlandsberg so, aber in Deutschlandsberg offenbar auch. Insgesamt ist das keine Schande. Ganz im Gegenteil. Denn im Gegensatz zu vielen anderen Sterbeweisen ist das Zu-Tode-Fürchten ein beinahe bewußter Akt, fast ein Selbstmord.

In den kann man allerdings auch getrieben werden. Zum Beispiel durch irrlichterndes Herumdoktern an einer Krankheit, von der die Ärzte zwar wissen, daß man sie hat, über deren Behandlung sie aber nicht nur rätseln, sondern durch die sie sich mittels Versuch und Irrtum hindurchlavieren. Wie sie da von sogenannten Bundestrainern - ich denke da an Franc Hvasti oder den DDR-Müller gezwungen wurden, vor aller Augen und durch aller Hohngelächter hindurch zu cheerleadern - das war schon ein ganz guter Anlaß, sich zu entleiben. Aber vielleicht ist schon jetzt ohnehin alles ganz anders.

Denn vielleicht waren die Rennen im schönen Deutschlandsberg nicht der Tod des österreichischen Master-Radsports aus Angst. Sondern bereits die ersten Rennen nach dem Tod. Denn man darf eines nicht vergessen: Wir haben auch gewonnen! Die Indizien, daß sich Österreichs Spitzen-Masterfahrer (das Wort klingt mittlerweile erschreckend nach Spitzentanz) sich bereits im Jenseits befindet, häufen sich jedenfalls.

Bundestrainer für Master? Genauso könnte man Kardinal Schönborn oder gegebenenfalls Kurt Krenn dafür nehmen. Oder man sollte, wie der Vorschlag für die Fußballer mal war, die Athleten durch möglichst spartanische Quartiere zu motivieren versuchen. Oder, wie der Vorschlag im Zentrum der Dopingdiskussion aufgetaucht ist: die Rennen für eine gewisse Zeit durch das Nichts zu ersetzen, um so Zeit zu gewinnen (Zeit gewinnen? In der Ewigkeit?)

Ich will also hier noch einen Vorschlag wagen (sozusagen, weil´s eh schon wurscht ist): irgendein Master-Verein wird schon zeitgerecht in Konkurs gehen. Der sollte dann von einem neu zu formierenden Verein namens "Team" ersetzt werden, in dem mit Hilfe der "Industrie" alle "Spitzenfahrer" zusammengefaßt werden. So käme Praxis zusammen durch "Wettkampfbedingungen".

Im Jenseits sind eben die Relationen des Diesseits etwas verschoben, die Perspektiven anders. In anderen Bereichen hat Österreich sich längst schon darauf eingestellt. Warum sollte dem Land das nicht auch im Radsport gelingen? Man sollte sich nur vom Diesseits verabschieden. Wenn das nicht gelingt, bliebe einem nur noch das Herumgeistern.

Dann spitzentanzen die Fahrer zu Bob Dylan "Knock, knock, knockin´ on Heaven´s door".

Noch ein Tip: Bitte nicht den Wind aus dem Bauch mit der Brise der Vernunft verwechseln!

Di 21. Aug 2007:

Es ist soweit! Der Höhepunkt der Saison, das Weltpokalrennen in St.Johann/Tirol, steht an. Ich fühle mich in toller Form, strotze vor Selbstvertrauen und stehe wieder - wie jedesmal eigentlich - mit großen Hoffnungen und Träumen im Startbereich bei der Wieshofermühle in St.Johann. Diesmal soll es klappen! Ich habe die Routine von vielen, vielen Starts hier, kenne die Strecke im Schlaf, jede Kuppe, jede Kurve ist mir hier vertraut, ich kenne auf den entscheidenden Anstiegen Huberhöhe, Schwendt und Loferberg jeden Meter und jede Kuppe. In den letzten Jahren bin ich meist die ganze Woche hier gewesen, an den ersten drei Tagen immer täglich in jüngeren Kategorien (115,5 km) mitgefahren und einmal dann in meiner eigenen Altersklasse. Ich habe diese Rennen als Aufbau für die Master-Weltmeisterschaft (meist Samstag oder Sonntag) genommen, bin auch das Bergrennen am Dienstag und das Zeitfahren am Mittwoch oder Donnerstag gefahren. Heuer sieht alles anders aus. Zum erstenmal seit meiner Knieverletzung 2003 bin ich hier wieder am Start, aber nur an einem einzigen Tag - die Weltmeisterschaft am nächsten Wochenende kann ich mangels einer Master-Lizenz nicht bestreiten, bleibt also nur das Weltpokalrennen auf selber Strecke. Die letzten Rennen, allen voran die Leistung beim Deutschlandsberger Marathon am Sonntag, haben mein Selbstvertrauen gestärkt. Ich weiß, daß die Form so gut ist wie noch nie in den letzten Jahren, eigentlich so gut wie noch nie seit 2003, ich habe die Moral und das Selbstvertrauen, auch kleinere Rückschläge wegzustecken. Am Sonntag wurde ich 10 km vor dem Ziel eingeholt und bin dann im Sprint einer 26köpfigen Gruppe als totaler Nichtsprinter noch Dritter geworden - sowas beflügelt natürlich. Die Taktik hier ist dieselbe wie in all den Jahren zuvor - in der ersten Runde gut über die Huberhöhe kommen, in den ersten beiden Runden in Schwendt an vorderster Front drüberfahren und - ganz entscheidend - in der letzten Runde in den Top-10 über den Loferberg. Dann heißt es die Position halten und darauf vertrauen, daß eine Gruppe wegfährt, mit der ich mitspringen kann. Es gibt auf den letzten 5 km einige Stellen, wo ein Angriff erfolgversprechend ist. Vorausgesetzt, die Substanz reicht dazu aus.

Wie jedesmal nimmt mich auch heute wieder die Atmosphäre im Startbereich gefangen. Gut hundert Rennfahrer aus mehreren Kontinenten (Europa, Amerika, Australien, Afrika), absolute Spitzenkönner, darunter Tour-de-France-, Giro- und Vuelta-Teilnehmer, Ex-Weltmeister, Rundfahrtsieger, beinahe jeder ein Ex-Profi oder Ex-Spitzenamateur mit dementsprechender Routine, die verbreiten einfach ein Flair, eine Spannung, eine Aura, die mit nichts zu vergleichen ist. Ich spüre förmlich alle ihre Hoffnungen und Träume, ihre Motivation, ihre Moral, ihre Spannung, das alles ist greifbar. Und es motiviert mich natürlich zusätzlich. Kein anderes Rennen hat diese Atmosphäre.

Die Strecke? Viele sagen, sie sei leicht, sei sogar unverantwortlich leicht, aber ich glaube, das trifft nur den halben Nagel auf den Kopf. Drei Anstiege pro Runde (Huberhöhe, Schwendt und Loferberg), macht neun Anstiege im Rennen, die allesamt nicht steil sind, aber Substanz kosten, vor allem die Huberhöhe, sind nicht ungefährlich. Sicher, die Entscheidung fällt woanders, nicht am Anstieg, da halten sie alle mit. Aber die mentale und physische Kraft zu besitzen, auf den Flachstücken erfolgreich anzugreifen, das entscheidet sich am Anstieg. Je mehr dieser kostet, desto mehr fahre ich im Flachen nur im Feld hintennach. Das Tempo ist immer sehr hoch, da kommt man von ganz hinten kaum schnell nach vorne, man muß also immer im vordersten Drittel fahren. Und das kostet Körner. Ehrlich, leicht habe ich diese Strecke noch nie gefunden. Wahrscheinlich wird sie nur deshalb als leicht angesehen, weil das Rennen meist im Sprint des Feldes oder einer großen Gruppe entschieden wird. Aber das liegt nicht an der Strecke, sondern an der Klasse der Fahrer.

Do 23. Aug 2007:

Ich habe mich jetzt schon wieder etwas beruhigt, aber der Frust sitzt dennoch tief. Inzwischen tut es mir auch schon leid, daß ich in St.Johann aufgegeben habe. So ein großes Rennen gibt man nicht auf, noch dazu 700 Meter vor dem Ziel. Das ist ja verrückt! Eigentlich fast schon arrogant. Worüber ich mich in Deutschlandsberg über die Master-Szene in Österreich so aufgeregt habe, dieser Trend hat sich in St.Johann leider fortgesetzt. Ich habe mir die Mühe gemacht, einmal die einzelnen Altersklassen mit den Ergebnissen der Österreicher aufzulisten:

A (18-29 Jahre)        3. Eminger, - 4. Gaubitzer, - 79. Bachler

B (30-34 Jahre)        34. Pletzer, - 44. Bichler

C (35-39 Jahre)        1. Pichler, - 14. Westermayer, - 25. Harlander, - 36. Mair

D (40-44 Jahre)        1. Eminger, - 43. Mattle, - 56. Siraki

E (45-49 Jahre)        60. Eisenbraun

F (50-52 Jahre)        26. Schweighofer

G (53-55 Jahre)       37. Hell, - 45. F.Gaubitzer

H (56-58 Jahre)       38. Bachler

I  (59-61 Jahre)        18. Hrinkow, - 22. Gerersdorfer, - 44. Haselbacher

K (62-64 Jahre)        54. Rast

L (65-69 Jahre)        42. Unterguggenberger, - 56. Lackner, - 59. Steffe, - 67. Unteregger, - 92. Kühnel, - 93. Danler

70 (70-74 Jahre)      56. Engels

75 (75-79 Jahre)      11. Brotzge, - 25. Kraushofer, - 33. Fuchs

80 (ab 80 Jahre)      kein Starter

Also, mal abgesehen von den beiden Profis Pichler (Elk-Team) und Eminger, dem ehemaligen Eisschnelläufer, der heute als Profi in der Schweiz fährt, ist die Bilanz doch bitter enttäuschend. In der Klasse E lag ich bei der 1000-m-Marke noch klar auf Medaillenkurs! Österreich hat in diesen 14 Altersklassen insgesamt 31 Fahrer ins Ziel gebracht - zum Vergleich dazu brachte es Italien in denselben Klassen auf 367 (!) Fahrer. Und dabei ist Österreich das Veranstalterland! Naja, warten wir mal die Bilanz beim Zeitfahren und dann ab Donnerstag bei den Straßenweltmeisterschaften ab.

Gestern 125 km mit 2200 Hm trainiert, heute 175 km mit 1800 Hm. War hart und schwer, habe schwer geschuftet und hingehalten, aber es war toll. Motivation ist größer als je zuvor, Training macht Spaß, egal wie lange es dauert.

Habe ich erst vor ein paar Tagen in der Rubrik "Frage & Antwort" über Doping geschrieben, daß es von den meisten verbotenen Präparaten keine Langzeitstatistiken gibt, mußte ich jetzt vor ein paar Tagen in der "Presse" einen Artikel von Michael Köttritsch lesen, der unter der nichtssagenden Überschrift "Trostpflaster für Opfer des DDR-Systems" über Langzeitfolgen berichtet. Hier heißt es u.a.:

"Zu DDR-Zeiten hatte man ihnen Anabolika und Hormon-Pillen als Vitamintabletten vorgegaukelt, sie schon als Kinder, kaum 10 Jahre alt, mit Dopingmitteln vollgepumpt - und gesundheitlich nachhaltig geschädigt. Nun erhalten Ex-DDR-Sportler vom Deutschen Olympischen Sportbund DOSB eine Entschädigung für das "Zwangsdoping": 9.250.- €, ein finanzielles Trostpflaster mit "Symbolkraft".

Katalysator für die außergerichtliche Einigung nach langjährigen Verhandlungen war die erschütternde, vor wenigen Tagen präsentierte Studie "Wunden und Verwundungen" über Langzeitfolgen des systematischen Dopings. Anhand von 52 Interviews, von Ex-Kugelstoßerin Birgit Boese mit betroffenen Ex-Sportlern geführt, hatten zwei Professoren der Humboldt-Universität zu Berlin, Euk Franke und Giselher Spitzer, ein verheerendes Bild gezeichnet.

93 Prozent der Befragten erkrankten speziell wegen der eingesetzten Wachstums-Beschleuniger an Skelett-Schäden, ein Viertel an Krebs, ebenso viele haben Herzprobleme. Die Hälfte der Ex-Sportlerinnen leidet an gynäkologischen Erkrankungen oder sind unfruchtbar, 10 % der Männer wuchsen Brüste. All das führte zu Selbsthaß und Suizidrisiko. Daneben wiesen die Athleten ein über 30mal höheres Risiko auf, Fehlgeburten zu erleiden, die Hälfte ihrer Kinder leidet an Hautkrankheiten und mehrfachen Behinderungen.

Boese, selbst ein Doping-Opfer, hatte 60 Betroffene interviewen wollen: doch zwei Jahre lang gelang es ihr nicht, acht Gesprächspartner zu kontaktieren, weil diese wegen akuter Krankheiten ständig in Kliniken untergebracht waren."

Soviel zu den Langzeitschäden. Es gibt also doch Statistiken darüber.

Fr 24. Aug 2007:

WM-Bilanz aus St.Johann, Teil 2, diesmal geht´s um das Zeitfahren. Das is nicht meine Disziplin, also ich wäre hier sowieso nicht gestartet. Aber gehen wir mal die Plazierungen der Österreicher durch:

Klasse 1 (30-39 Jahre):   7. Thomas Mairhofer, 13. Martin Ganglberger, 23. Dieter Friedrich, 28. Richard Nudl, 32. Herbert Hortschitz, 33. Hannes Harlander, 39. Mar-tin Meindl, 43. Thomas Westermayer, 46. Peter Bartoska, 51. Michael Ertschweiger, 52. Christian Bernhard, 56. Alexander Knoll

Klasse 2 (40-44 Jahre): 16. Friedrich Pöltl, 24. Gerhard Hawlik, 28. Josef Stadlbauer, 29. Werner Pinczker, 35. Günther Adler, 40. Gerhard Mattle, 45. Manfred Lallitsch

Klasse 3 (45-49 Jahre): 8. Ewald Schön, 28. Günther Iby, 29. Hermann Harter, 41. Christian Mayer, 53. Rupert Polak, 63. Gerald Leutgeb

Klasse 4 (50-54 Jahre): 10. Erich del Pozo, 21. Hans Stocker, 29. Franz Winter, 64. Michael Köbe

Klasse 5 (55-59 Jahre): 2. Alfred Lechnitz, 6. Gerhard Hrinkow, 9. Werner Kaiserlehner, 19. Fritz Gaubitzer, 24. Vinzenz Hörtnagl, 27. Alfred Hain, 28. Engelbert Gaubitzer, 32. Johann Kern, 35. Michael Stankovic, 43. Hermann Macher, 46. Robert Alton, 61. Kurt Piterka, 66. Harald Fahrafellner

Klasse 6 (60-64 Jahre): 22. Karl Korpitsch, 28. Klaus Wochinger, 30. Rudolf Horak, 40. Walter Gratzl, 47. Erich Hofer, 55. Alois Freynschlag

Klasse 7 (65-69 Jahre): 5. Hans Unterguggenberger, 22. Manfred Lang, 38. Gert Soraruf, 41. Herbert Hrdlicka, 56. Walter Kovarik

Klasse 8 (ab 70 Jahren): 3. Anton Gierer, 25. Rudolf Fida

Durch Lechnitz und Gierer gab es zwei Medaillen, die sicher gerechtfertigt waren, denn das sind beide erstklassige Zeitfahrer. Auch die anderen Top-10-Plazierten waren ausnahmslos gerechtfertigt. Also ein durchwegs durchschnittliches Ergebnis, auf alle Fälle sehr viel stärker als noch beim Weltpokal ein paar Tage zuvor.

Sa 25. Aug 2007:

Wieder einmal in Slowenien, in Marburg gleich hinter der Grenze. Anläßlich des Mountain-Bike-Weltcup-Finales wird der Bike-Park am Pohorje, am Bachern-Gebirge, dem Hausberg von Marburg, eröffnet. Und im Rahmen dieser Eröffnungsfeier findet auch ein Jedermann-Bergrennen von Marburg auf den Pohorje statt, hinauf zum Hotel Bellevue, mitten ins Herz des Bike Parks. Das Ziel liegt auf 1044 Metern Seehöhe, der Start auf 260 m. Dazwischen liegen 52 km und vor allem 17 km Steigung am Ende des Rennens, teilweise sehr steil und ruppig, teilweise auf sehr schlechter, rauher Straße, dieser Belag schluckt viel Energie.

Auf vielfachen Wunsch lüfte ich jetzt mal ein (großes) Geheimnis. Woran denkt der Radrennfahrer während der harten Kilometer den Berg hoch? Na, woran wohl???

 

Unterwegs stechen ein paar scharfe Eindrücke ins Auge. Was ist das hier bloß für eine Gegend? Wie soll man sich da konzentrieren????

 Klicken fr Bild in voller Grsse

Jetzt werden es immer mehr!!!

 

 

Hier in Marburg ist zwar alles ziemlich dreckig und verschmutzt, aber ich habe dennoch etwas Sehenswertes erspäht: urteilt selbst!!

So, 26. Aug. 2007:

Straßenrennen in Trieben. Die Rundenlänge von 14 km erweist sich als falsch, es sind 16,5 km, 3 Runden daher gleich um 7,5 km länger als angegeben. Tempo unglaublich hoch, ich halte vom Start bis ins Ziel hin. Pausenlos. Dennoch: Dritter, nur knapp den zweiten Platz verpaßt. So wie ich es gesehen habe, war ich ja Zweiter, auch Gerhard Mosler hat mich als Zweiten und sich selbst als Dritten gesehen. Naja, so täuschen sich eben beide. Hatten wir Visionen? Fata Morganas? Sehstörungen? Nur geträumt?

Jetzt habe ich endlich auch wieder eine UDACE-Lizenz in Aussicht, und das gleich noch für heuer, für Oktober. Genaueres dazu aber erst später, wenn es dann wirklich so weit ist.

Hier eine Bilanz der Straßenweltmeisterschaften der Master-Klassen aus St.Johann/Tirol:

Klasse 1 (30-34 Jahre) : 4. Markus Willinger, 26. Robert Rothschedl, 39. Alfred Platzer, 52. Willi Vorderderfler, 60. Arthur Lux

Klasse 2 (35-39 Jahre): 14. Thomas Westermayer, 40. Hannes Harlander, 56. Peter Bartoska, 57. Herbert Hortschitz, 64. Clemens Gössler, 65. Dieter Friedrich, 68. Martin Meindl

Klasse 3 (40-44 Jahre): 1.Christian Eminger, 22. Manfred Lallitsch, 36. Gerhard Mattle, 45. Josef Stadlbauer, 50. Peter Krebs, 68. Werner Pinczker, 73. Fritz Pöltl, 74. Alois Sinzinger, 82. Helmut Siraki, 98. Christian Lechner

Klasse 4 (45-49 Jahre, das wäre meine Klasse gewesen!): 35. Karl Wolfsberger, 45. Peter Grasser, 72. Ewald Schön

Klasse 5 (50-52 Jahre, da starte ich im nächsten Jahr!): 23. Hans Schweighofer, 80. Rudolf Hansl

Klasse 6 (53-55 Jahre): 4. Alfred Lechnitz, 27. Erich del Pozo, 47. Hans Taucher

Klasse 7 (56-58 Jahre): 4. Fritz Gaubitzer, 28. Gerhard Schäbinger, 37. Gerhard Steinermayr, 59. Harald Fahrafellner

Klasse 8 (59-61 Jahre): 13. Gerhard Hrinkow, 22. Laurenz Gerersdorfer, 35. Karl Korpitsch, 39. Josef Schalk, 68. Karl Winter

Klasse 9 (62-64 Jahre): 64. Paul Kubik

Klasse 10 (65-69 Jahre): 31. Norbert Hager, 36. Hans Unterguggenberger, 40. Erich Lebersorger, 42. Manfred Lang, 73. Herbert Lackner, 102. Herbert Hain

Klasse 70-74 Jahre: 17. Anton Gierer, 40. Erwin Wolfinger, 63. Erich Matzner

Klasse ab 75 Jahren: 8. Alois Brotzge, 22. Leopold Kraushofer

Herausragend dabei sicherlich der Sieg von Eminger sowie die vierten Plätze von Lechnitz, Willinger und Gaubitzer. Und nur Eminger, Westermayer, Harlander, Gaubitzer, Mattle, Siraki, Schweighofer, Unterguggenberger, Hrinkow, Gerersdorfer, Lackner, Brotzge und Kraushofer haben die Möglichkeit wahrgenommen, sowohl Weltpokal als auch Weltmeisterschaft zu bestreiten. Warum nur so wenige? Interessant, daß das auch diejenigen waren, die bei der WM vorne waren. Was lernen wir daraus?

Di, 28. Aug 2007:

Heute habe ich 110 km trainiert, bin im leichten Regen über Gleisdorf, Großpesendorf, Maria Fieberbründl und Tiefenbach weiter nach Schielleiten, St.Johann, Mitterdorf und Gleisdorf wieder zurück über die Ries nach Graz gefahren. Hartes Training, 3:53´, Schnitt 28,8 km/h, 1400 Höhenmeter. In 15:49 Minuten bin ich die Ries (6,4 km) hochgefahren

Do 30. Aug 2007:

Furchtbares Wetter, Regen, Wind, Kälte, und ich mittendrin, 163 km und fünfeinhalb Stunden Ausdauertraining, in Wirklichkeit war das schon so etwas wie Überlebenstraining. Wenn ich das gewußt hätte! War ich denn da bei Trost, bei leichtem Regen überhaupt wegzufahren? Aber ich war so motiviert, so voller Tatendrang und Erwartung, und es war der letzte mögliche Tag in dieser Woche für eine längere Trainingspartie, da bin ich einfach losgefahren. Erstmals heuer am Pleschkogel unter einer halben Stunde, das hat trotz - oder vielmehr wegen des Sauwetters - mächtig Auftrieb gegeben. Stübinger Tal, Frohnleiten, Rechberg. Ich war schon naß bis auf die Haut, nur hat mir das überhaupt nichts ausgemacht. Auch am Rechberg bin ich mit Kraft und Luft hochgefahren - kein Problem. Kraftvoll bis zum letzten Meter, eine Zeit unter 34 Minuten. Und ab da war ich dann gar nicht mehr zu halten, da war´s dann ja sowieso schon egal. 3 Stunden oder 5 oder 6 - was macht das noch für einen Unterschied? Von Arzberg dann auf den Gollersattel rauf, vorne großes Blatt, hinten 21 und voll durchgezogen bis zum steilen Schlußstück, dort bin ich mit 39/19 hoch - 13:25 Minuten! Tolle Form, und der Regen und die Kälte und der Wind - was macht das denn??? Ist ja nur Wasser! Weiter St.Radegund, Fasslberg, der geht mit Kraft und dem großen Blatt im Vorbeifahren, runter zum Bachwirt, dann die Ries, da bin ich wie aufgezogen rauf, großes Blatt, 53/19 und in sehr guten 14:15 Minuten. Weiter geht´s, Laßnitzhöhe, Schemerlhöhe, Hausmannstätten, Fernitz, Gössendorf, Raaba und dann endlich daheim. Das waren schon 163 km??? Kaum zu glauben!

Sa 1. Sep 2007:

Bergrennen Hartberg - Masenberg, ein absolutes Feindbild!! Die vielen Tempowechsel und Geländestufen, das extrem steile erste und letzte Stück, das alles hat mich schon nervös gemacht. Dann die gute Besetzung: Schellnegger, Simon, ein paar andere muß man auch immer mit dazurechnen, und nur 3 Preise. Die Vorbereitung lief auch alles andere als perfekt. Da war vorgestern die fünfeinhalb Stunden lange Regenpartie, die doch viel Substanz gekostet hat, die viel zu späte Anreise, viel zu wenig aufgewärmt, gleich vom Start weg Höllentempo, abgerissen, wieder aufgeschlossen, im Steilstück gleich wieder abgerissen. Da habe ich wirklich keinen Pfifferling mehr auf mich gegeben, hätte ich Geld auf meinen Sieg gewettet, wäre wohl alles verloren gewesen, davon war ich mehr denn je überzeugt. Die Wende kam dann aber doch noch im Steilstück, da bin ich am Vierten vorbei, Gallaun, konnte zu den beiden Friedbergern aufschließen, und kurz nach der Steilpassage waren wir sogar schon an Schellnegger dran. Das erste Steilstück vorbei, und zu ich bin mit drei anderen zusammen an der Spitze! Meine Chancen steigen, und von da an mit jedem Kurbeltritt und jedem Kilometer! Die entscheidende Attacke kam dann 3 km vor dem Ziel - ich wuße, ich darf nicht auf den letzten Kilometer warten, denn der ist mir viel zu steil, und vorher sind sie noch etwas nachlässig. Gesagt, getan, und es hat funktioniert! Ich bin zu ein paar Master-Fahrern aufgefahren, die kurz vor uns gestartet waren, die haben mir dann etwas Windschatten gegeben. Mein Höchsttempo im Flachstück war immerhin 45 km/h! Ich bin um mein Leben gefahren, hundertprozentig, mit vollem Einsatz und aller Kraft und Energie, die ich noch hatte. Hinten habe ich niemanden mehr gesehen, und dann war da auch schon der letzte Kilometer. Verdammt steil, vom 23er bin ich sofort nach ein paar Umdrehungen aufs 24er gegangen. Und dann nur mehr ein Gedanke: hohe Frequenz, gleichmäßig, nicht nachlassen, Schmerz ignorieren! SCHMERZ IGNORIEREN! Ich habe mit 20 Sekunden Vorsprung auf Schellnegger gewonnen, aber nicht, weil ich der Stärkste gewesen bin, sondern der Routinierteste, weil ich MEHR LEIDEN konnte als alle anderen!! Radsport ist also doch Masochismus!! Aber ein Sieg schmeckt so süß, der hebt das alles wieder auf!

So 2. Sep 2007:

Marathon in Wildon, unzählige Starter, aber doch so wenig Klassefahrer wie selten zuvor. Vom Start weg fahre ich Spitze, den ganzen Lebringer Hügel rauf und dann wieder runter, durch Lebring, durch Haslach, durch Badendorf, bis zum kurzen, aber 17 % steilen Anstieg zum Schloß. Fühle mich sehr gut, frisch, stark, könnte Bäume ausreißen. Das ganze Rennen hindurch bin ich an der Spitze, erst nach gut 100 km versuche ich ein paarmal, mich wegzuschleichen. Es gelingt nicht, sofort habe ich jedes Mal den ganzen Pulk am Hinterrad hängen. Naja, dann halt nicht. Es eröffnet sich bis ins Ziel keine Chance mehr, ich muß auf den Spurt vertrauen oder gleich das Handtuch werfen und das Rennen abhaken. Im Sprint schaffe ich gerade noch ein Top-10-Ergebnis, in der Altersklasse ist es gar der 3. Rang! Wow!! Leider gibt es hier in Wildon jedes Jahr viele, viele solche Superschlaue, die glauben, sie können sich was ersparen, indem sie den Start spritzen, die ersten STeigungen ebenso, und irgendwo nach Wolfsberg im Gebüsch warten und dann in der Spitzengruppe mit einsteigen. War heuer auch wieder so, wenngleich sie schon gelernt haben, wenigstens eine Startnummer zu tragen. Das muß man sich mal vorstellen: diese Säcke zahlen 40.- € für die Startnummer, starten dann etwa eine Stunde vor dem offiziellen Start, legen sich nach den Anstiegen irgendwo auf die Lauer und fahren dann eiskalt im Spitzenfeld mit. Nach Wolfsberg gibt es ja keine nennenswerte STeigungen mehr. Wir waren in der Spitzengruppe 13 Mann, und kaum sind welche aufgeschlossen, aber in Bad Radkersburg war das Feld weit über 50 Mann stark. Und drei Mann haben dann sogar mit einer halben Stunde Vorsprung gewonnen, die haben sich wohl etwas in ihrer Planung vertan. Eine halbe Stunde Vorsprung, die sind etwa 47 km/h Schnitt gefahren - locker!! Und niemandem fällt das auf! Der Sprecher überschlägt sich fast in enthusiastischen orgiastischen überschwenglichen Superlativen, weil diese drei Arschgesichter, deren Namen ich jetzt hier nicht nennen will - sie wissen schon, wer gemeint ist - das gesamte Feld um eine halbe Stunde distanziert haben. Und wie ist so ein Chaos überhaupt möglich? Natürlich nur deshalb, weil hier - wahrscheinlich als einziger Marathon Österreichs - noch immer ohne Chip gefahren wird. Und die schimpfen sich hier "größter Marathon Österreichs"! Präpotenz pur! Ich soll 40.- € dafür zahlen, daß mich irgendwer, der womöglich nur die halbe Strecke fährt, um eine halbe Stunde abhängt und als Sieger gefeiert wird???? Wo sind wir denn??? Dann heißt es, der Marathon ist kein Rennen. Na, was ist es denn? Sackhüpfen?? Nasenbohren??? Wie hartnäckig weltfremd kann man denn noch sein??? Wenn man sieht, wie viele Fahrer welche Risiken und welchen Aufwand auf sich nehmen, um sich an die Spitze zu schwindeln, dann sprechen die von einem gemütlichen Beisammensein im Kreise der Touristik-Kollegen??? Dann heißt es immer, wenn man das Forum bei www.wildon-radmarathon.at durchsieht, in der Steiermark ist es nicht gestattert, quasi ein Rennen mit Chips und Zeitnehmung durchzuführen. Ich dachte immer, beim Selzthaler Marathon, beim Zweiländer-Marathon, beim Fohnsdorfer Marathon, beim Samson-Man und eigentlich allen anderen steirischen Marathons geht das problemlos, nur in Wildon ticken die Uhren anders??? Was ist´n das für eine Bananenrepublik??? Jedes Jahr überlege ich lange, ob ich da überhaupt starten soll, denn ich weiß ja, daß ich jedesmal durch solche Sch... um die Früchte meiner Arbeit gebracht werde.

Di 4. Sep 2007:

Heute noch einmal hart trainiert, ab morgen soll ein Temperatursturz mit einer Kaltfront und viel Regen kommen. Die Form ist sehr gut, wie immer bin ich im Herbst ganz dick da. Aber so gut und so stark wie diesmal war ich wirklich schon viele Jahre nicht mehr. Genaugenommen seit meinem Unfall 2003 nicht mehr. Und das gibt doch Hoffnung und vor allem Motivation für das nächste Jahr. Jetzt weiß ich, daß ich im Training voll reinhalten kann, viel fehlt ja nicht mehr zur Form vor dem Unfall.

Mi 5. Sep 2007:

Oft schon habe ich mir gedacht, daß es eigentlich gefährlich und auch unverantwortlich ist, gleich nach dem Rennen heimzufahren. Man hat schon eine mehr oder weniger lange oder weite Anfahrt zum Rennen, fährt dann den Bewerb, ist geschlaucht, geschwächt und erschöpft und setzt sich in diesem Zustand ins Auto, um die Heimfahrt anzutreten. Eigentlich verwunderlich, daß da nicht viel mehr passiert. In dem Zustand sollte man nicht autofahren. Es ist anzuraten, sich mal etwas zu erholen, eine Kleinigkeit zu essen und zu trinken, zu duschen, sich frischzumachen und erst dann ins Auto zu steigen. Ich glaube, Radrennfahrer sind allesamt sehr gute und geübte Autofahrer. Logisch, bei diesen Kilometerleistungen im Jahr, ich selbst fahre jedes Jahr mindestens 35.000 Kilometer. Das ergibt eine ganz ausgefeilte Routine, und allein damit retten sich die Radler dann im Auto über die kritischen Momente hinweg. Aber da spielt man mit der Gefahr, das sollte man unterlassen. Also Leute, rastet euch erst mal aus, bevor ihr euch wieder ins Auto setzt.

Sa 8. Sep 2007:

Die letzten beiden Tage hat es mehr oder weniger stark geregnet, stark abgekühlt und es war stark windig. Starkes Wetter also. Ich bin gar nicht am Rad gesessen, wollte keine Verkühlung riskieren. Wenn es wenigstens wärmer gewesen wäre, aber so... Heute also das Wechsel-Panoramastraßen-Bergrennen. Flach, aber... Die Besetzung so stark wie noch nie, immerhin sind Taucher, Schalk, Pöltl, Handler, Bruchmann u.a. dabei, andererseits bläst ein orkanartiger Nordwind den Paß herunter, und der bremst uns fast bis zum Stillstand. Trotz der guten Besetzung ist die Siegerzeit fast 3 Minuten langsamer als in den letzten Jahren. Dieses langsame Rennen ist nichts für mich. Ich kann zwar mit den starken Bergfahrern besser mithalten, aber das können viele andere auch. Und alle diejenigen, die ich nicht abhänge, die sprinten mich dann ab. So lautet halt nun mal meine Rechnung bei Bergrennen. Am Ende springt Rang 6 heraus, wobei mir auf den Zweiten nur ein paar Meter fehlen. Ich habe es schon gewußt, daher war auch die Motivation kaum vorhanden. Schade, ohne Motivation dürfte man gar kein Rennen fahren. Da schaut dann am Ende nur Frust heraus. Und genauso war es.

So 9. Sep 2007:

Neues Rennen, neues Glück. Aber gleiches Wetter, daher gleicher Frust. Birkfeld - Laurenziberg, wieder so was unnötig flaches, endlos lange geht es da flach und sogar manchmal bergab dahin. Wieder sehr starker Gegenwind, nahezu gleicher Rennverlauf. Ich reiße im ersten Steilstück ab, dort, wo sie die hirnrissige Sprintwertung eingebaut haben, die höher dotiert ist als das gesamte Rennen. Ausgangs des Steilstücks habe ich mich in eine Gruppe reingekämpft, in der fast nur Fahrer der Sportklasse sind, auch Schellnegger ist dabei. Ich schone mich im Flachstück, und als die Schlußsteigung etwa 1,1 km vor dem Ziel beginnt, fahre ich sofort vorne weg. Doch ich kann den Rhythmus und das Tempo leider nicht halten, muß klein beigeben, und als dann Schellnegger sehr rund und flüssig vorbeifährt, habe ich innerlich bereits resigniert. Um  0,9 Sekunden verpasse ich den Dritten und damit einen Stockerlplatz. Wirklich zum Haare ausraufen!!!!

Di 11. Sep. 2007:

Habe heute beim Trainieren eine wunderschöne Begegnung gehabt. Eine schlanke, zierliche Frau, mädchenhaft, zart, attraktiv, hübsch, braungebrannt, lange, schlanke Beine, rasant und schnell unterwegs, trainiert fast täglich und nicht mal so kurze Distanzen. Ich war fasziniert. Daß ich so was erleben durfte! Es war wie im Märchen. Und dann stellt sich heraus, daß sie an der HTBL Graz-Liebenau Englisch, Geographie und Sport unterrichtet. Unglaublich! Sie kommt aus Preding und ich weiß nicht mal, wie sie heißt. Schade, es war eine zauberhafte Begegnung, aber dieser Zauber war dann wieder sehr schnell verflogen. Sie ist abgebogen und war weg, und geblieben ist nur die Erinnerung.

Habt ihr gewußt, daß am 9. Juni 2007 der "World Naked Bike Ride" war? Da sind weltweit - vor allem in den Großstädten - Gruppen nackter Radler unterwegs gewesen. Habe ein paar Fotos dazu gefunden, die dürft ihr euch nicht entgehen lassen:

 Zaragoza03

 Nude biking

 z192

denmark06

denmark12

 rad1

Do, 13. Sep. 2007:

Nachdem es gestern geregnet hat, bin ich heue eine 100-km-Runde gefahren, über Weiz nach Schmied/Weiz und wieder zurück, 800 Höhenmeter, dreieinhalb Stunden, Schnitt 28,8 km/h. Fühle mich sehr gut in Form, hatte keine Probleme, bin schnell gefahren, sowohl bergauf als auch im Flachen. Ich kann Tempo machen, Druck geben, es rollt beinahe perfekt. Diese Form sollte ich wirklich ausnutzen, so gut und so oft es nur geht. Ich bin jetzt schon gierig auf das Wochenende, auf die beiden Bergrennen in Pinkafeld und am Eibisberg. Mal sehen.

Fr 14. Sep 2007:

Kann ein Sieg überhaupt "unverdient" sein??...oder ist selbst "purstes Glück" in Wahrheit nur die Ausnutzung einer gegebenen Situation? Nein, es geht vielmehr um eine sehr globale Betrachtung einer Phrase, die vor allem im Bereich Sport immer wieder zu hören ist, nämlich die vom "unverdienten Sieg" - ist das per se ein Paradoxon, weil jeder Sieg erarbeitet worden sein muß und dieser damit ganz nüchtern und einfach auf die optimale Ausnützung einer gegebenen Situation zurückzuführen ist? Oder läßt sich eine Konstellation ausmalen, in der der Zufall so ungerecht einer Seite zu Hilfe kommt, daß der "verdiente Sieger" als Verlierer zurückbleibt? Vielleicht gar als - um eine weitere Phrase zu verwenden, die sich in den letzten Jahren zunehmend breit macht - "Sieger der Herzen"....??? Zu dem Thema muß ich später noch mal was sagen. Wenn ich nicht vergesse.

Sa 15. Sep 2007:

Bergzeitfahren in Pinkafeld über knapp 5 km, ist ein eher leichtes Streckenprofil, das Schwierigste dabei ist noch der starke Gegenwind. Am Ende springt Rang 3 heraus, im Pulk der 5 Zeitschnellsten meiner Kategorie, die nur 36 Sekunden auseinanderliegen, habe ich mich wider Erwarten doch durchgesetzt. Ein knappes Ergebnis, aber nicht unverdient.

So 16. Sep 2007:

Ich bin viel stärker als ich angenommen habe, die Werte haben mich etwas verunsichert. Pulswert zu niedrig, geht einfach nicht hoch, stark verkürzte Regeneration, der Noni-Juice wirkt stärker als erwartet. Beim steilen Bergrennen auf den Eibisberg bin ich mit der Leistung wirklich zufrieden, nur zweieinhalb Minuten Rückstand auf den Sieger, im Finale auf Tuchfühlung an Pöltl, Taucher und Bruchmann herangekommen, Ertl, Handler auf Distanz gehalten. Und kaum Nachwirkungen von gestern! So lasse ich mir ein Rennen nach dem anderen gefallen, jetzt bin ich gierig geworden, kann gar nicht genug fahren, jetzt möchte ich die Form auskosten und sozusagen die Ernte einfahren. Seit Wochen in toller Form, ein Podestplatz nach dem anderen.

Um die Katze aus dem Sack zu lassen: die UDACE-Lizenz wird bald da sein, ich habe den gesamten Oktober in Friaul und im Veneto geplant. Und im nächsten Jahr sind die UDACE-Lizenz und die ÖRV-Master-Lizenz auch gesichert, und zwar beim Tecnoimpianti-Team in Padua bzw. beim RC Union Wörgl. Wer sagt, daß die naheliegendste und einfachste Lösung immer schlecht sein muß? Der Vereinswechsel hat gerade mal 10 Minuten gedauert, wurde abgehandelt beim Aufwärmen für das Straßenrennen in Trieben Ende August. Diese zusätzliche Motivation danach hat sicherlich bei den guten Ergebnissen auch eine gewisse Rolle gespielt. ENDLICH! Ich freue mich jetzt schon auf die Oktober-Rennen in meiner "zweiten Heimat", unserem südlichen Nachbarland. Bella Italia!

Mo 17. Sep 2007: Auf ewig in den Sonnenuntergang! Lucky Luke, der berühmteste Cowboy aller Zeiten, ist 60!

Seine 60 Lenze sieht man ihm kaum an, wie er da so cool und lässig auf seinem weißen Roß Richtung Sonnenuntergang reitet. Doch es stimmt, Lucky Luke, der Inbegriff des "lonesome Cowboys", hat in diesem Jahr schon fast das Pensionsalter erreicht und auch Pferd Jolly Jumper und Hund Rantanplan, "der Hund, der dümmer ist als sein Schatten", gibt es bereits seit 1946.

Seinem geistigen Vater, dem 2001 verstorbenen belgischen Comic-Zeichner Maurice de Bévère, hat es der steckerldünne Held zu verdanken, daß es ihn, so die Verkaufszahlen stimmen, auch weiterhin geben wird. Schon frühzeitig verfügte De Bévère testamentarisch, daß Lucky Luke auch nach seinem Ableben für Recht und Ordnung sorgen soll. 1956 hatte der unter dem Pseudonym Morris bekannte Zeichner das Schicksal des unfehlbaren Viehhirten bereits in die Hände des legendären Renè Goscinny ("Asterix") gelegt, seit dessen Tod 1977 sorgten verschiedene Zeichner erfolgreich für die bunten Abenteuer im Wilden Westen.

Noch immer (farb)frisch, zieht Lucky Luke den Colt nach wie vor schneller als sein Schatten, stiftet schwer verdiente Kopfgelder für wohltätige Zwecke und muß sich um die herrlich vertrottelten Dalton-Brüder keine Sorgen machen. Schließlich hat der wortkarge Mann mit der Schmalzlocke das Glück schon mit seinem Namen gepachtet.

Mit mehr als 30 Millionen verkauften Alben allein in Deutschland ist Lucky Luke die zweiterfolgreichste Comic-Serie, nur geschlagen von einem widerspenstigen Gallier. Für den EHAPA-Verlag ist der zeitlose Umsatz-Erfolg eine klare Sache: "Lucky Luke vereint die Coolness von Clark Gabe, die Lässigkeit von Cary Grant und die Ehrenhaftigkeit von James Stewart in sich", heißt es da ganz unbescheiden.

Den Lucky-Luke-Fans der nächsten Generation werden diese Namen wohl nicht mehr viel sagen. Macht aber nichts. Auch in seinen Zeichentrickfilmen wird er weiterhin mit Satire punkten und außerdem war der kühne Cowboy seiner Zeit immer schon voraus: in den 80ern stieg er vom Glimmstengel auf den Grashalm um und wurde dafür sogar von der Weltgesundheitsorganisation WHO belobigt. Das nennt man einen vorbildlichen Helden.

 

Di, 18. Sep 2007: Keine Ahnung von Wirtschaft! Maturanten ohne Unternehmergeist!

Herrlich, dieser Artikel in der "Presse" von Regina Pöll. Es geht darin um die nicht vorhandene Wirtschaftspädagogik an Schulen. Resüme: Techniken werden vermittelt, aber wie öffentliche Meinung gemacht wird, wird selten besprochen. Der kritische Umgang mit Medien kommt viel zu kurz. Ich selbst arbeite in der Dienstleistungsbranche, kann das nur bestätigen.

Oligopol, Gewinn- und Verlustrechnung, Cash-Flow, Bruttoinlandsprodukt: für die meisen Maturanten in Österreich ist das Fachchinesisch, das sie in 12 oder 13 Jahren Schule nie erlernt haben. Das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage auf dem Markt ist mehr as der Hälfte der Absolventen ebenso unbekannt wie die Erträge und Aufwendungen eines Unternehmens. Mit gewissen Begriffen und Spezialwissen, die über den Zusammenhang zwischen der Internationalisierung, der Globalisierung, dem Stellenwert der Exporte, den wirtschaftlichen Großräumen oder den reichsten Ländern hinausgehen, ist ein Maturant überbelastet. Sowohl beim Faktenwissen als auch bei den Zusammenhängen haben wir großen Nachholbedarf.

Die persönliche Gewinn- und Verlustrechnung der Maturanten über ihre Schulzeit dürfte deshalb zu Lasten ihrer Qualifikation für den Arbeitsmarkt gehen, warnten Experten. Wer heute nicht die Grundregeln der Wirtschaft kennengelernt hat, ist für hochwertige Jobs kaum vermittelbar, und das private "Cash" kann nur noch in Maßen fließen.

Dabei würden die Jugendlichen in der Schule gerne über Wirtschaft lernen, heißt es in der Studie. Die Maturanten wissen demnach um das Soll auf ihrem Wissenskonto, vom Haben trennt 85 % der Befragten die Tatsache, daß sie überhaupt "keinen solchen Unterricht" erhalten haben.

Was nützt es, wenn Produktion, Einkauf, Marketing und Rechnungswesen einzeln unterrichet werden? Vorschlag: die Jugendlichen sollten Business-Pläne darüber erstellen, wie eine Idee in ein Unternehmen umgewandelt werden kann - von der Analyse des Marktes bis zum Verkauf.

Das würde auch Schülern helfen, die nicht Unternehmer werden wollen. Sie würden aber Unternehmergeist entwickeln und sich später eher als Mit-Unternehmer ihres Arbeitgebers verstehen, was dessen Erfolg garantiere.

Der Unterricht soll das Bewußtsein dafür schaffen, daß "nur das Neue in die Welt zu bringen" die Konkurrenzfähigkeit sichert. Es geht um die Bewältigung von Unbekanntem, Lösungen muß man erst suchen. Das steht im Widerspruch zu den gültigen Lehrplänen und Schulbüchern. Man muß die Lust am Zusammenfügen von Puzzles wecken, dann wird Originelles entstehen."

Fazit einer Lehrerin (ist ja wirklich köstlich, ist eine tieftraurige Bestandsaufnahme):

"In meiner Klasse (14/15 Jahre) haben 95 % ein TV-Gerät, 100 % der Burschen eine Spielkonsole, 20 % der Schüler in den letzten 4 Jahren ein Buch gelesen, eine Schülerin hat sogar im letzten Jahr ein Buch gelesen! Kritischer Umgang mit Medien: damit verplempere ich nicht auch noch die Unterrichtszeit. Ich bin froh, wenn meine Kids nach der Pflichtschule der Lokalteil der "Kronen-Zeitung" lesen können!"

Amen, kann man da nur mehr sagen!

Zitat eines Auslandsstudenten: "Wer in der Oberstufe immer noch damit kämpft, die Buchstaben eines Wortes richtig zusammenzufügen, braucht Förderung der Lesekompetenz. Medienkompetenz ist da leider Perlen vor die Säue werfen."

Dem ist absolut nichts mehr hinzuzufügen.

Mi 19. Sep 2007: Muskelschwäche: Völlig neues Trainings-Schema!

Wieder ein interessanter Artikel, den ich gefunden habe und euch nicht vorenthalten möchte, diesmal stammt er von Christina Lechner und handelt von neuen Trainingsprogrammen nach Kniescheibenoperationen. Ein Thema, das mich selbst natürlich auch brennend interessiert, leide ich doch unter den Folgen derselben Operation.

Kreuzbandriss, Oberschenkelhals-Fraktur oder Kniegelenk-Ersatz:nach derartigen Verletzungen oder Eingriffen ist in der Rehabilitationsphase ein gezielter Muskelaufbau nötig. Ziel ist es vor allem, die asymmetrische Muskelleistung nach einer solchen Operation - die Muskulatur des operierten Beines kann schwerer aktiviert werden - wieder auszugleichen, zugleich aber das verletzte oder operierte Gelenk nicht zu stark zu belasten.

"Bislang war es allerdings nur schwer möglich, die Auswirkungen des Trainings auf den Muskel zu messen bzw. die für den Muskelaufbau erorderliche Muskelleistung exakt zu definieren", erklärt Prim. Univ.-Doz. Dr. Helmut Kern, Vorstand des Instituts für Physikalische Medizin am Wiener Wilhelminenspital.

Unter der Leitung von Kern haben Wiener Mediziner mit Technikern des Forschungsinstitutes für Orthopädietechnik und des Ludwig-Boltzmann-Institutes für Elektrostimulation und Physikalische Rehabilitation gemeinsam mit Sportwissenschaftlern der Universität Bratislava zwei neue, computergesteuerte Trainingsgeräte entwickelt, die nicht nur die aktuelle Muskelleistung messen, sondern auch ein gezielt auf die jeweilige Leistungsfähigkeit abgestimmtes Training ermöglichen.

"Die Muskelleistung setzt sich aus Kraft und Geschwindigkeit zusammen, allerdings wurde die Geschwindigkeits-Komponente bislang in der Rehabilitation kaum berücksichtigt", erklärt dazu auch Dr. Lukas Trimmel, der am Wiener Wilhelminenspital an dem - zu gleichen Teilen durch EU und Wissenschaftsministerium geförderten - Projekt mitarbeitet. Erstes REsultat der Kooperation Wien-Bratislava ist das sogenannte isokinetische Fahrrad, das seit einigen Monaten bei Patienten nach Kreuzband-Operationen eingesetzt wird.

"Das Prinzip des Fahrrades besteht darin, daß die Geschwindigkeit, mit der die Pedale bewegt werden, exakt vorgegeben wird", sagt Trimmel. In einer Eingangsuntersuchung wird zunächst die optimale Leistungsfähigkeit des Patienten errechnet. "Liegt diese etwa bei 80 Umdrehungen pro Minute, dann wird idealerweise knapp unter bzw. oberhalb dieses Wertes trainiert."

Der Patient tritt bei fix eingestellter Geschwindigkeit mit seiner maximal möglichen Kraft, wobei je nach Muskelkraft die Pedale entsprechenden Widerstand leisten. "Damit können auch Ungleichheiten der Seiten entsprechend berücksichtigt und im Zuge des Trainings ausgeglichen werden", erläutert Trimmel. Ein "Schummeln" in Form von Mitziehen der Pedale ist nicht möglich, somit MUSS das verletzte Bein trainiert werden.

"Ein wesentlicher Vorteil der Methode besteht darin, daß die Therapie zu jeder Zeit meßbar und objektivierbar ist - via PC kann die Muskelleistung für jedes Bein getrennt laufend gemessen  werden", sagt Stephan Löfler vom Ludwig-Boltzmann-Instututes für Elektrostimulation. Zudem handelt es sich um eine äußerst gelenkschonende Trainingsmethode, denn Muskel und elenk werden nur entsprechend der individuellen Muskelleistung belastet.

Völlig neu ist auch das Trainings-Schema: nach einer Aufwärmphase von 5 Minuten werden pro Trainingseineit vier bis sechs Durchgänge zu je 10 Sekunden durchgeführt. "Das ist völlig ausreichend und schon nach zehn Einheiten wird eine deutliche Verbesserung der Muskelleistung erzielt", erklärt Mag. Philipp Drewniak, der an der technischen Entwicklung des Trainingsgerätes mitarbeitet. "Sogar gut trainierte Probanden berichten, nach einem solchen Training einen Muskelkater zu haben. Damit wird ersichtlich, wie effektiv die kurze Belastung mit Maximalkraft ist."

Unterscheidet sich bei einem Patienten nach einer Kreuzband-Operation die Muskelleistung zwischen linkem und rechtem Bein normalerweise um 40 %, so konnte diese Differenz nach insgesamt 20 Einheien auf 10 % verringert werden. "Unterschiede von 5 % werden noch als normal angesehen, da auch bei Gesunden nie beide Beine über die exakt gleiche Kraft verfügen", sagt Trimmel.

In einer zweiten Projektphase haben die Wissenschaftler in Wien und Bratislava nun ein weiteres Trainingsgerät entwickelt, eine "Legpress": im Gegensatz zu ähnlichen, in Fitnessstudios verwendeten Geräten besteht das für die Rehabilitation bestimmte Gerät im wesentlichen aus zwei motorbetriebeen Beinplatten, mit denen ebenfalls unterschiedliche Widerstände und damit für jedes Bein unterschiedliche Trainingseffekte erzielt werden können.

"Hinzu kommt, daß wir durch schwingende Effekte die Muskulatur zusätzlich stimulieren können", führt Trimmel aus. In sitzender Position werden die Beinplatten dann vom Patienen mit Muskelkraft belastet und damit wird speziell die Oberschenkelmuskulatur trainiert.

Ab Frühjahr 2007 ist dieses Trainingsgerät bereits zunächst bei Patienten mit Knie-Endoprothese eingesetzt worden. "Gerade nach diesen Eingriffen kommt es häufig zu einer sogenannten funktionellen Muskellähmung", berichtet Projektleiter Kern. Die genauen Ursachen für diese auch als "Willkür-Aktivierungsschwäche" bezeichnete Störung sind noch unbekannt. Diese Schwäche führt dazu, daß der Oberschenkelmuskel nach der Operation schwerer aktiviert werden kann. Das Projekt-Team um Kern erhofft sich nun, durch die eigens konstruierte "Legpress" und den individuell angepaßten Trainingsformen den Rehabilitations-Prozeß zu verbessern.

Zur Kontrolle des Rehabilitations-Fortschrittes werden im Physikalischen Institut am Wiener Wilhelminenspital außerdem Messungen der Gehfähigkeit an einem Laufband mit Bodenreaktions-Platten durchgeführt. "Speziell für ältere Menschen ist es ein ganz wichtiges Rehabilitations-Ziel, wieder entsprechende Standfestigkeit und Gangsicherheit zu erreichen, um Stürze zu vermeiden", betont Trimmel. "Gerade beim Stiegensteigen oder bei Sturzgefahr müssen sie auch in der Lage sein, rasch hohe Muskelleistungen zu erziele - genau das können wir durch das Training am isokinetischen Fahrrad oder an der Legpress erreichen."

Do, 20. Sep 2007:

Es tut sich was! Ein Anruf spätabends ändert mein Rennprogramm radikal. Mein neuer Teamchef bei der RCU Wörgl, Hans Unterguggenberger, ruft mich an und macht mich darauf aufmerksam, daß am Freitag und Samstag in Obertrum im Salzburger Seenland die Weltmeisterschaft der Journalisten stattfindet. Na und? Was geht das mich an? Sehr viel! Er startet - ich habe gar nicht geuwßt, daß er Journalist ist! Naja, er hat von einem befreundeten Journalisten die Bestätigung erhalten, daß er bei einer Zeitung angestellt ist. Als freier Mitarbeiter oder so. Ich mache ein nachdenkliches Gesicht und lege die Stirn in Falten. Macht überhaupt nichts, das machen alle so! Wirklich? Wirklich! Zeitfahren und Straßenrennen, zwei Chancen auf einen Weltmeistertitel! Ganz legal! Überzeugt hat er mich nicht, aber er legt sofort los: es gibt auch eine Mannschaftswertung, drei Mann zählen dazu, er will unbedingt noch eine Frau im Team, eine sehr gute, die beide Rennen gewinnt. Es wird nach Platzziffer gewertet, zwei Siege ergeben die Platzziffer 2. Das wäre schon mal die halbe Miete, denn wir beide, er und ich, sind ja auch zwei ganz heiße Kandidaten für einenTop-5-Platz, in beiden Bewerben. Und bei meiner momentanen Form brauche ich gar niemanden zu fürchten. Das mag stimmen, aber ich bin noch immer nicht überzeugt. Aber er schafft es, er meint, er könne auch für mich so eine Bestätigung rausholen, das wäre kein Problem, ich sage noch im Scherz, ich möchte aber Chefredakteur sein, wir einigen uns dann aber auf Auslandskorrespondent. Lacht jetzt bitte nicht, so weit hergeholt ist das ja gar nicht. Er hat es geschafft, er hat mich überzeugt. Ich fange sofort zu packen an, muß zuvor noch mein Zeitfahrrad herrichten, den Lenker raufschrauben, erst mal suchen in all dem Gewirr im Keller. Rad putzen, Ersatzmaterial zusammenpacken, Kleidung, Gewand, Auto volltanken, und, und und... Start am Freitag um 12 Uhr, das heißt am frühen Vormittag Abfahrt daheim. Knapp vor Mitternacht habe ich alles fertig, aber aus einer inneren Eingebung packe ich nichts ins Auto, ich muß am Freitag in aller Frühe noch schnell einkaufen fahren, danach einpacken und Abfahrt. Ich bin todmüde, falle ins Bett.

Fr,  21. Sep 2007: GEBURTSTAG!!!!!

Arschgeigen! Fetzenschädeln! Lümmel! Drecksäcke! Warmduscher! Polsterzipfellutscher! Arschwimmerl! Entschuldigung, aber ich muß einfach meinem Zorn und meinem Ärger Luft machen. Als ich heute früh zum Auto gegangen bin, um schnell noch einzukaufen, habe ich gesehen, daß die Seitenscheibe der Beifahrerseite eingeschlagen war, die Tür auch noch ziemlich beschädigt war, weil irgendwelche Schneebrunzer mit einem Stemmeisen unbedingt die Türe aufbrechen wollten. Dabei war außer ein paar Papiertaschentüchern gar nichts im Auto. Gottseidank.  Aber so kann ich natürlich nicht wegfahren, ich muß in die Werkstätte, dort die nächste Hiobsbotschaft, heute kann ich das Auto vergessen. Keine Chance. Frühestens morgen mittag. Das heißt also, keine Weltmeisterschaft der Auslandskorrespondenten, auch kein Paarzeitfahren in Zwettl. Mit Glück ist das Auto zu Mittag fertig und ich kann am Sonntag in Stadl fahren. Dieses Wochenende steht unter keinem guten Stern. Ich fahre trainieren, bin aber so frustriert und so voller Wut im Bauch, daß es keinen Sinn hat. Ein paarmal provoziere ich beinahe einen Unfall, ich kann mich nicht beruhigen. Solche Dilettanten! Anfänger! Das Auto derart demolieren wegen ein paar Papiertaschentücher! Das war ein nettes Geburtstagsgeschenk!!! Danke!!!!!

Sa 22. Sep 2007:

Heute mit Wut im Bauch eine Trainingsrunde, bin gleichmäßig gefahren 53/19, locker gerollt, über den Gießenberg (aber ohne Zeit), gute 82 km.  Es ist sonnig, heiter, warm, aber ich bin ziemlich aufgebracht und muß mich zwingen, positiv zu denken. Alles für den Sonntag! Mit voller Kraft ins Bergzeitfahren! Positiv denken, die Energie bündeln und fokussieren! Naja, irgendwie so halt...

So 23. Sep 2007:

War wieder so ein Chaos-Tag. Wollte unbedingt mit Nachnennung starten, dann hätte ich bis ca. 13 Uhr Zeit gehabt, also keine online-Anmeldung vorher, einfach hinfahren und vor Ort nachmelden. Gesagt, getan. Aber dann starten wir nicht am Ende des Starterfeldes, sondern am Anfang!!! Start also in 25 Minuten!!!! Arschgeigen! Säcke! Fetzenschädel! Und wieder bricht der ganze Frust heraus. Naja, in 25 Minuten Startnummer montieren, Rad zusammenbauen, Laufräder aufpumpen, umziehen, dann 10 Minuten aufwärmen, was soll da schon schiefgehen? Es ist immerhin beinahe mein Geburtstag, ich bin ein Sonntagskind, und heute ist Sonntag. Also?

Super! Absolut super! In Anbetracht dieser Begleitumstände ist es wirklich absolut unglaublich, aber heute ist mir Saisonsieg Nummer 4 gelungen! Echt stark! In 32:03, der zweitbesten Zeit, die ich hier je gefahren bin, der Sieg war klar und deutlich, mit 33 Sekunden Vorsprung. Ich fühle mich irgendwie bestätigt, ich bin stolz, es war aber auch ein sehr hartes Stück Arbeit. Anscheinend ist ein gewisses Quantum Frust und Zorn gar nicht mal so schlecht. Ich habe genau 6,7 km aufgewärmt, davon die Hälfte bergab. Also alles andere als ideal. Aber was soll´s, wenn man gewinnt, war alles super, die Umstände, das Wetter, die Strecke, die Konkurrenz, einfach wirklich alles! Also, alles weitere könnt ihr unter "Rennberichte" nachlesen.

Mo, 24. Sep 2007:

Irgendetwas muß gestern passiert sein. Mein verletztes rechte Knie schmerzt, und das gar nicht mal so ohne. Es ist auch tatsächlich um 3 cm dicker (ich habe nachgemessen). Das behindert natürlich beim Kurbeln sehr. Soll aber keine Ausrede sein.

Di, 25. Sep 2007:

Das Knie ist nicht besser geworden, es schmerzt sogar, wenn ich schlafend im Bett liege. Im Moment bin ich auch sehr unbeweglich, beinahe schon steif, könnte man sagen.

Folgende Meldung aus dem internationalen Tohuwabohu der "Kronen-Zeitung" hat meine Aufmerksamkeit erregt:

Im Streit um einen gemeinsam genutzten Computer hat ein 56jähriger Deutscher bei Koblenz seinem Sohn mit einer Schrotflinte in den Kopf geschossen. Der 16jährige ist laut Ärzten mittlerweile außer Lebensgefahr.

Mi 26.Sep 2007:

Der Schmerz wird immer schlimmer statt besser, das Knie immer dicker und unbeweglicher. Der Beugungswinkel verringert sich täglich. Heute ist mir das Knie mindestens dreimal völlig taub geworden, das Bein ist dann kurzfristig eingeknickt. Ich fühle mich um 4 Jahre zurückversetzt. Die gleichen Probleme, die gleichen Schmerzen. Was ist das nur? Woher? Ich nehme nach wie vor fest an, daß es in den nächsten Tagen wieder vergeht und normalisiert.

Wieder einmal sorgt die "Kronen-Zeitung" für Aufsehen, folgenden Artikel habe ich heute gefunden:

US-Studie: Bargeld hilft beim Abnehmen! - Bei bezahlter Diät schmolzen die Kilos

Abnehmen ist nicht leicht. Laut einer US-Studie hilft es alleridngs, wenn man für jedes verlorene Kilo Bargeld erhält. Forscher der Universität von North Carolina teilten 200 übergewichtige Angestellte in drei Gruppen ein: eine erhielt kein Geld fürs Abnehmen, die zweite sieben und die dritte 14.- Dollar für jeden Prozentpunkt Gewichtsabnahme. Die Teilnehmer bekamen keine Beratung, wie sie am besten abnehmen könnten. Am Ende hatten die Mitarbeiter mit der höchsten finanziellen Belohnung den größten Erfolg: durchschnittlich nahmen sie in drei Monaten 2 Kilo ab. In der 7-Dollar-Gruppe waren es 1,4 und in der ohne Geldprämie nur 0,9 Kilo. Die Forscher wollten mit der Studie prüfen, wie Unternehmen Arbeitsausfälle durch ungesundes übergewicht von Mitarbeitern vermeiden können. Sie empfehlen den Firmen nun, das Abspecken zu bezahlen, weil ihre Angestellten dann seltener krank werden.

Interessant, nicht?? Da bleiben einige Schlußfolgerungen offen.

Do 27. Sep. 2007:

Dieser Schmerz ist kaum auszuhalten, das Bein ist zeitweise steif wie ein Brett. Wie soll ich da trainieren? Bergauf ist es kaum auszuhalten - und auch gar nicht vorstellbar! Mit einem solchen Handikap! Eine Entzündung? Was sonst? Verkühlung? Manchmal ist das Bein so steif, daß ich kaum über Stiegen gehen kann. Wie ich da das Bein am Rad sitzend rumkriegen soll, ist mir ein Rätsel. Bei Belastung nimmt der Schmerz rapide zu. Ein Bergrennen? Was Dümmeres gibt´s wohl kaum. Ausgerechnet jetzt!! Die Form ist gut, aber ich kann nicht mal trainieren, geschweige denn ein Rennen fahren.

Fr 28. Sep 2007:

Bin heute knapp zwei Stunden locker gerollt, damit war diese Trainingswoche eigentlich abzuhaken. Das Bein schmerzt  unvorstellbar, ein dumpfer, pochender, steter Schmerz, der kaum mehr vergeht. Am Ende des Trainings und auch danach war es aber doch deutlich besser. Also hängt es mit der Bewegung zusammen. Habe ich zuwenig trainiert? Muß wohl so sein. Soll ich morgen starten? Gleich ein doppeltes Bergrennen in Naas, zweimal steil bergauf. Soll ich das riskieren. Nach einer Woche ohne Training werde ich sowieso gnadenlos versenkt, dazu noch das Handikap der Schmerzen. Wozu tue ich mir das an? Es ist zum Verzweifeln. Wahrscheinlich reagieren alle eingefleischten Sportler so. Sie wollen es einfach nicht wahrhaben, wenn es einmal nicht geht. Sie wollen es erzwingen, wollen mit dem Kopf durch die Wand. Sind höchst unvernünftig, von Logik keine Spur mehr. Ich weiß, aber ich komme nicht dagegen an. Im Hinterkopf weiß ich ganz sicher, daß ich morgen starten werde. Es ist ja nur ein Schmerz, der ist nicht schlimm, denn einen Schmerz kann man ertragen. Wenn´s weiter nichts ist.

Wieder ein interessanter Artikel aus dem heutigen Mediendschungel, diesmal von der "Steirerkrone":

Einsamkeit shcwächt unser Immunsystem - Menschliche Nähe hält zufrieden und gesund

Einsame Menschen haben nicht nur öfter psychische, sondern auch mehr körperliche Probleme als andere: Forschern der Universität von Kalifornien in Los Angeles zufolge ist ihr Immunsystem geschwächt, produziert weniger Antikörper und ist anfälliger für Entzündungen. Das Team um Steven Cole hat für seine Studie die Aktivität der Gene bei probanden, die sich als sehr einsam einstuften, und bei einer Vergleichsgruppe mit vielen sozialen Bindungen verglichen. Es zeigten sich klare Unterschiede - und zwar unabhängig vom allgemeinen Gesundheitszustand, Alter, Gewicht oder Medikamentengebrauch der Versuchspersonen. "Was für die Aktivität des Immunsystems zählt, ist nicht, wie viele Menschen man kennt, sondern wie vielen man sich nahe fühlt", erklärte der Wissenschaftler nach Auswertung aller Daten. Er hoft auf die Entwicklung von Medikamenten, die zumindest die negativen Folgen von Einsamkeit blockieren können.

Alles klar jetzt, oder???

Sa 29. Sep 2007:

Natürlich bin ich heute gestartet, zunächst von Naas auf den Patschaberg, gut 4 km lang, die zweite Hälfte ganz steil bergauf. Himmelfahrtskommando. Das rechte Knie war so verdickt, der Schmerz so gewaltig, daß ich kaum vom Fleck gekommen bin. Schwamm drüber. Natürlich keine Chance, irgendwie vorne mitzufahren. Schade drum, bin hinten herumgekrebst. Mit nur kurzer Unterbrechung ist es dann weitergegangen, Bergzeitfahren nach Gschaid, eine Spur flacher, aber ich habe diese letzte trainingslose Woche nicht wegstecken können. Großer Schmerz, bei jedem Kurbeltritt. So hat Radfahren keinen Sinn, schon gar nicht ein Rennen. Völlig sinnlos. SCHEISSKNIE!!!

So, 30. Sep 2007:

Hurra, ich bin wieder da!!! Rundstreckenrennen in Seiersberg beim Burger King, ein Scheißkurs, kurz, nur 1250 m lang, eine Abfahrt mit Kurve, Auffahrt zum Ziel, so eng, daß man bremsen muß, aber es war nicht steil und vor allem nicht lang genug, damit der Knieschmerz wieder begonnen hat. Also habe ich relativ schmerzfrei fahren können. Gut so, aber ja doch! Es hat hingehauen, die Form war noch da, ich hab´ sie reingehauen, im Sprint leider zu schwach, habe da einen Kapitalfehler gemacht, den man nach so vielen Jahren Rennsporterfahrung einfach nicht machen darf - die Strafe folgte auf dem Fuß, statt Rang 2 war es "nur" Platz 3! Es war dann eine Pause bis zum späten Nachmittag (Siegerehrung), dazwischen habe ich eine knapp 60 km lange Trainingseinheit runtergespult, damit der Tag nicht ganz verschissen ist. In Österreich ist die Rennsaison zu Ende (es folgt nur mehr das Bergzeitfahren nächsten Sonntag in Oberaich), aber in Italien geht es jetzt noch einen Monat lang weiter - auf allerhöchstem Niveau!

Haben wir das nicht alle schon längst gewußt? Heute gelesen:

Studenten schreiben meist unverständlich - Drei Viertel aller deutschen Studenten können nicht verständlich schreiben: das bemängelten Sprachwissenshcaftler bei einer Tagung in Hildesheim. Sie forderten eigene Kurse, in den künftige Wissenschaftler und Manager lernen, sich schriftlich klar auszudrücken. "Jeder Inhalt muß anderen deutlich vermittelt werden", sagen die Experten. "Derzeit haben sogar Bedienungsanleitungen und Lehrbücher große Mängel!"

Und auch etwas anderes ist ans Tageslicht gekommen:

Sowjetische Atomkatastrophe blieb jahrzehntelang geheim - 1957 wurde mehr Radioaktivität frei als in Tschernobyl!

Vor genau 50 jahren explodierte in der geheimien sowjetischen Nuklearanlage "Majak" ein Stahltank mit 80 Tonnen hochradioaktiver Flüssigkeit. Mehr als 750 Gigabequerel strahlende Substanzen, mehr als 1986 bei der Katastrophe von Tschernobyl, gelangten in die Umwelt - doch keiner erfuhr davon! Jahrzehntelang blieb der Super-GAU, der unzählige Todesopfer forderte, Staatsgeheimnis. Wie viele Menschen durch ihn verstrahlt wurden, weiß bis heute niemand. Etwa 11.000 Personen wurden abgesiedelt, ganze Orte dem Erdboden gleichgemacht. Ein Kernbereich von 150 Quadratkilometer um den Explosionsort ist heute noch von Soldaten bewachtes Sperrgebiet - und die Gefahr, die von Majak ausgeht, ist noch nicht gebannt: Ökologen fürchten, daß die freigesetzte Radioaktivität über das Grundwasser noch in das Nordmeer gelangen könnte.

Mo, 1. Okt 2007:

Heute ist das Knie plötzlich schmerzfrei, völlig klar und exakt beweglich, nicht mehr geschwollen! Habe ich das alles nur geträumt??? Wie ist das nur möglich?? Ich verstehe die Welt nicht mehr - aber wenn es jetzt wieder geht, frage ich nicht lange nach, ich bin einfach nur froh. Mit dem gestrigen dritten Platz habe ich das Wochenende wenigstens noch etwas gerettet, und nach einem Stockerlplatz ist man doch nicht unzufrieden. Wenn man am Podest steht, kann man mit sich im Reinen sein - alles andere wäre ja so etwas wie Größenwahn!

Der neue Verein in Italien, Tecnoimpianti Padova, ist natürlich, wie alle italienischen UDACE-Vereine, ganz heiß auf die jeweiligen Mannschaftswertungen bei den diversen Rennen. Diese Wertung ist anscheinend wirklich der begehrteste Titel einer Veranstaltung. Dafür werden die ersten zehn jeder Kategorie mit Punkten (10, 9, 8, 7, .... 2,1) bedacht und zusammengezählt, der Verein mit den meisten Punkten gewinnt die Mannschaftswertung und einen Riesenpokal, meistens den größten der Veranstaltung. Und diese Wertung war für das Team bisher unerreichbar. Jetzt aber, mit mir, stehen die Chancen günstiger. Unterguggenberger bei den Supergentlemen, ich bei den Gentlemen, das sind schon mal zwei Kategorien, bei denen wir ganz vorne mitmischen können. Das um und auf aber ist die Frauenklasse. Da ist noch sehr viel zu holen, weil da natürlich die Dichte nicht so groß ist. Und Frau haben wir keine im Verein. Interessant wäre natürlich eine sehr gute Fahrerin, eine Siegfahrerin, um es mal so auszudrücken.   Ein Vereinswechsel sollte schon eine Verbesserung sein, keine Verschlechterung. Wenn sie zu uns wechselt, kann das für sie sogar die karriereentscheidende Verbesserung sein. Welche bessere Perspektive könnte man haben?

Di, 2. Okt. 2007:

Bin heute in 12:07 nach Semriach raufgefahren. Bei NW-Wind (also Gegenwind)  war das eine akzeptable Zeit, hätte schlechter sein können. War auch gesamt ziemlich schnell, 29 km/h Schnitt. Starke Leistung, hatte gutes Gefühl, habe Kraft und Energie in mir gespürt. So kann es ruhig weitergehen.

Mi 3. Okt. 2007:

Bergtraining, Bin in 7:32 den Dexenberg hochgefahren, in 6:08 den Aframberg, beide Anstiege waren absolute Spitzenzeiten, Gesamt 30 km/h Schnitt, knappe 800 Höhenmeter. 85,5 km. Noni sei Dank!

Sa, 6. Okt 2007:

Letzte Vorbereitungen für das morgige Bergzeitfahren in Oberaich, wo wir unserenTaHiro-Stand aufbauen werden. Erst vorgestern habe ich am Handy endlich den Nudl Richie erreicht und ihn gefragt, ob er überhaupt damit einverstanden, daß ich sein Rennen dazu benutze, um meinen TaHiro-Verkauf anzukurbeln. Ich habe ihm gesagt, daß ich jedem Starter eine Dose schenken will, und im Zielbereich dann einen Stand für Infos und weitere Käufe aufbauen möchte. Erst zögerlich hat er zugestimmt, naja, kann ich ja auch verstehen, er war zunächst etwas mißtrauisch, da ja alles, was da passiert, mit ihm assoziiert wird. Logisch. Dann hat er am Ende doch seinen Sanktus dazugegeben, und ich werde mich mit ein paar Extradosen für ihn bzw. seine Fahrer revanchieren.

So, 7. Okt 2007:

Heute ist der große Tag. Bergzeitfahren von Oberaich hinauf zur Jausenstation Bernhard Kohler, 3,6 km lang, 330 Höhenmeter, steil, schlechte Straße. Und vor allem das Projekt mit dem TaHiro-Stand. Wir fahren also (Karl, Didi und ich) schon sehr früh los, ab 9 Uhr ist die Nummern-Ausgabe geöffnet, da sollten wir ja schon dort sein mit unseren TaHiro-Dosen. Also das Auto vollgepackt und losgefahren. Knapp vor 9 Uhr früh (ein herrlicher Herbsttag kündigt sich da bereits an) waren wir vor Ort, haben an die 100 Dosen TaHiro beim Start deponiert und in einer etwas übereiligen Aktion noch mit kleinen Zetteln versehen, auf denen die Leute ihre Adresse, Telefon-Nummer und Mail-Adresse bekanntgeben können. Auf diese Art hoffen wir, ein umfangreiches Adressmaterial anhäufen zu können. Dann wieder ins Auto, rauf ins Ziel, dabei haben wir gleich die Strecke inspiziert, dort oben dann einen kleinen Stand aufgebaut. Alles improvisiert, das habe ich alles machen müssen, mit alten Brettern, Steinen, Stangen und Wäscheleinen haben wir da - wie weiland Robinson Crusoe - einen "Stand" hingebaut, der sich gewaschen hat. Ein Tischtuch darüber, das hat der Didi mitgebracht, Info-Blätter und Flyer aufgelegt, ein paar Dosen TaHiro dazu, die übriggeblieben sind, und fertig war der  "Verkaufsstand". Karl und ich sind dann wieder runter, um uns auf das Rennen vorzubereiten und aufzuwärmen. 

Das Rennen selbst gehe ich dann ziemlich motiviert an, schließlich war ich 40 km Aufwärmen, fühle mich optimal in Schuß. Karl startet eine Minute vor mir, aber ich kann ihn einfach nicht einholen. Ich mache zwar Boden gut, aber viel zu wenig und zu langsam. Auf der Zielgeraden habe ich ihn dann schon zum Greifen vor mir, aber am Ende fehlen mir dann doch 15 Sekunden. Die Zeit von 12:14 ist um 11 Sekunden schneller als im Vorjahr, die Steigerung ist also augenscheinlich. Trotzdem verfehle ich das Stockerl um gerade 3 Sekunden!! Totaler Frust!!! Nur 28 Sekunden auf den Sieger fehlen mir! Man kann sagen, daß die ersten vier innerhalb einer halben Minute beisammen sind, der Rest deutlich geschlagen dahinter. Vielleicht war auch die ganze Geschichte mit dem Verkaufsstand zuviel Ablenkung für mich, natürlich habe ich mich dadurch nicht optimal konzentrieren können. Naja, das Echo war jedenfalls eindeutig positiv. Didi hat wirklich sein Bestes gegeben und eine Menge Adressen gesammelt. Die müssen wir jetzt mal bearbeiten, kontaktieren, nachfragen, informieren.

Di, 9. Okt. 2007:

Bergtraining. Von Peggau über Hiening nach Semriach, steiler Anstieg, hier bin ich vor einigen Jahren bei einem Bergrennen Zweiter geworden. Damals war die Straße in katastrophalem Zustand gewesen, diesmal ist sie frisch asphaltiert und gibt was her. Schwerer Anstieg ist es trotzdem. Schnitt 27,4 km/h, starker Wind.

Do 11. Okt 2007:

Heute ist Ausdauertraining angesagt. Ich fahre über Leibnitz und Ehrenhausen runter nach Spielfeld, über Straß, das Laubegg, Haslach und Wildon wieder zurück. Die 126 km fahre ich zügig in 4:20 Stunden mit einem Schnitt von 29,1 km/h. Keine Probleme mit der Distanz, aber ich brauche wegem dem Straßenrennen am Wochenende einfach längere Trainingsstrecken. Ich wollte ja am Sonntag das Bergzeitfahren Triest-Opicina fahren, mußte dann aber erfahren, daß das gar nicht am Programm steht. Wurde schon im Vorjahr nicht mehr veranstaltet, ist wahrscheinlich, wie so viele andere Rennen auch, gestorben. Schade drum, es hat mir gefallen und ich bin dort immer aufs Stockerl gefahren. Statt dessen fahre ich jetzt am Sonntag in Stra, den 100 km langen Herbstklassiker. Ich bin schon etwas aufgeregt, es ist der erste Start seit Jahren wieder bei einem UDACE-Rennen. Hoffentlich haut mit der Lizenz alles hin. Beinahe täglich telefoniere ich mit Hans sehr viel, er ruft mich regelmäßig an, aber so richtig geht nichts weiter. Es scheint alles ein wenig festgefahren zu sein. Es gibt da mehrere Konzepte, die man verfolgen könnte. Dann gibt es da auch einen weiteren potentiellen Sponsor, das ist ein Thema, das ich sehr behutsam angehen muß, nichts überstürzen darf. Schritt für Schritt, Babyschritte sozusagen.

So 14. Okt 2007:

Rennen in Stra, ein Herbstklassiker im Veneto. Endlich wieder ein UDACE-Rennen, das erste seit drei Jahren. Leider aber fehlen mir alle spezifischen Fähigkeiten, denn ich bin jetzt knappe zwei Monate lang nur Bergrennen gefahren, kein einziges längeres Straßenrennen. Mit Training alleine kann man das nicht kaschieren, da habe ich einen ganz klaren Nachteil. Ob ich den wohl wettmachen kann? Ich fahre, als ob ich gewinnen möchte, vorne an der Spitze, gehe beinahe jede Attacke mit, fahre Löcher zu, ein Selbstmord auf Raten sozusagen. Mit knapp 100 km ist das Rennen auch ungewöhnlich lang, und als nahc der Hälfte der Distanz der Schnitt bei 40,5 liegt, bin ich schon am Limit - im Ziel ist der Schnitt dann aber auf 43,4 (!) angewachsen, man kann sich also vorstellen, wie da gebrettert wurde. Kaum jemals unter 50 Sachen, und mit meiner offensiven Fahrweise war es dann natürlich auch aus und vorbei. Aber ich habe mich im Feld gehalten, war nie in Gefahr, da rauszufliegen. Mit Routine kann man eben vieles ausgleichen. Und weil in der Zielkurve noch gut 10 Mann zu Boden gehen, und die allesamt vor mir gelegen waren, ist mit dem 16. Rang noch ein - relativ - starkes Ergebnis rausgesprungen. Ich bin wie in einem euphorischen Rausch, ich habe mitgehalten, bin nicht eingebrochen - aber leider ist meine stolze Serie - jede Woche Top-10 - damit zu Ende gegangen. Aber das ist die Crux bei jeder Serie.

Mo, 15. Okt. 2007:

Heute Fernsehabend. Karl und Daniel sind da, wir ziehen uns die "Geschichte der Österreich-Rundfahrt" rein, davor noch ein eineinhalbstündiges Porträt von "Armano Pafadhnam", einem Neger aus der Elfenbeinküste, der ins Baskenland zieht, um sich dort auf eine Karriere als Profi vorzubereiten. Wahnsinnig interessant und eigentlich tragisch, sein Scheitern mitzuerleben. Naja, wir beginnen um 20 Uhr und enden irgendwann - "open end" - gegen 2 Uhr früh, als die beiden total angeknockt vom vielen Fachsimpeln, nach Hause tingeln. Trotzdem war es interessant und lustig, spannend und informativ, hat Appetit auf mehr gemacht. Naja, ich kenne die Dinger zwar schon alle, aber es macht trotzdem Spaß, sie mit anderen zusammen anzusehen und darüber zu diskutieren. Das nächste Mal - wann wird das sein?? - sind dann wohl die Biographien von Fausto Coppi und Hugo Koblet dran. Am Material wird es in diesem Winter sicherlich nicht mangeln.

Ein weiterer Gedanke von mir nimmt langsam Form und Gestalt an. Ich möchte im Winter, also schon ab Anfang November, eine Trainingsgruppe hier in Graz installieren, einen mehr oder weniger losen Haufen von Radfahrern, von Profis, Amateuren, Master und Hobby-Fahrern, von Unlizenzierten und Sonntagsfahren und solchen, die einfach nur mit bekannten und mehr oder weniger prominenten Fahrern mal trainieren möchten. Natürlich nicht ohne Hintergedanken, denn selbstverständlich möchte ich selbst am meisten davon profitieren. Am Samstag, Sonntag und am Feiertag sollte das Ganze stattfinden, Treffpunkt beim Geschäft in der Glacisstraße. Das alles kann wohl über meine HP laufen, auf einer eigenen Unterseite, etwa "Trainingsgruppe" genannt, kann die Kommunikation laufen. Am Samstag eine kürzere, flachere und daher schnelle Strecke, etwa zwei bis zweieinhalb Stunden oder so, am Sonntag dann eine längere Ausdauereinheit mit mehr Höhenmetern, so 4 bis 5 Stunden etwa, eine Distanz halt, die man in der Gruppe leichter bewältigt als alleine. Bisher waren alle, die ich darauf angesprochen habe, begeistert davon. Scheint ein Renner zu werden, scheint aber auch einen gewissen Bedarf zu signalisieren. Ist noch nicht ganz spruchreif, muß noch allerhand darüber brüten.

Mi, 17. Okt. 2007:

Es ist kalt geworden, und der Winter steht vor der Türe. Das wird jetzt schön langsam ein Problem, denn der "normale" österreichische Rennfahrer hat sich längst die Decke über beide Ohren gezogen und sich in den Winterschlaf verabschiedet. Ich habe noch drei Wochenenden Renneinsatz vor mir, beinahe einen Monat lang also noch. Und das ist bei dieser Witterung und vor allem bei diesen Temperaturen ein Problem. Ich kann nur vormittags trainieren, und gerade da ist es noch kälter als kalt. Einstellige Temperaturen, gerade über dem Gefrierpunkt, sind nicht wirklich einladend. Und ich soll Ausdauer trainieren, Intervalle fahren, am Berg trainieren, auch die Abfahrten überstehen (naßgeschwitzt und mit hohen Geschwindigkeiten), das ist alles andere als lustig. Gerade diese  Übergangszeiten sind es, die die Probleme verursachen. Gesundheitlich ist man da am anfälligsten, ein Körper in einer Umbruchphase ist immer geschwächt. Die typischen Radlerkrankheiten, Verkühlungen, Infekte, Schnupfen, Husten, Kopfweh, bis hin zur Bronchitis, zu Stirn- und Nebenhöhleneiterungen, das sind wahre Klassiker im Leben eines Radfahrers. Ihc möchte natürlich meine nach wie vor tolle Form ausnutzen und in Ergebnisse umsetzen, so gut und vor allem so oft es nur geht. In einer solchen Phase bin ich gierig auf jedes Rennen. Das ganze Jahr über trainiere ich, investiere Länge mal Breite, viele Stunden Schweiß auf Tausenden von Kilometern auf den Landstraßen unterwegs, bei Tag, in der Dämmerung,  bei Hitze und Kälte, bei Regen und Sonne, bei Hagel und Wind, das ist ein Aufwand, den sich ein Nicht-Radler ja gar nicht vorstellen kann. Und wofür das Ganze? Um zu erleben, daß alle oder zumindest viele andere mehr Talent haben, besser und mehr trainieren, mehr Unterstützung haben, mehr Glück haben, oder einfach nur besser und stärker sind. Das ist frustrierend. Und wenn dann die Rechnung aufgeht, irgendwann in der Saison - bei mir immer im letzten Drittel ab August - so stark zu sein, daß ich ganz vorne mitfahren kann, sogar aufs Stockerl, dann will ich den Lohn für meine Arbeit kassieren. Das ist doch nur recht und billig. Solche Phasen, eine solche Form, muß man ausnutzen, so gut es geht. Vor allem zu dieser Jahreszeit, denn die Saison ist bald zu Ende. Das ist immer ein sehr wehmütiger Augenblick, denn ich muß - beinahe - jede Saison mit Hochform beenden. Jetzt könnte ich schwere, lange, gut besetzte Rennen fahren, aber nein, jetzt ist Winter, nichts geht mehr. Und beim nächsten Rennen - im Frühjahr dann - muß ich mich wieder hinten anstellen. Ist das nicht zum Verzweifeln und zum Haare ausraufen? Nein, ist es nicht, denn es kommt nicht nur das nächste Frühjahr, es kommt auch der nächste Herbst wieder, und dann gnade ihnen allen Gott, dann ist es wieder meine Zeit, die Erntezeit.

Do, 18. Okt. 2007:

Mein Gott, was für ein herrliches Geschöpf war heute bei mir im Geschäft!! Unbeschreiblich, ich habe nur sie gesehen, alle anderen gar nicht wahrgenommen, die auch da waren. So schüchtern, so zerbrechlich, so jung, so hübsch, so nahe und doch so fern! Zum Greifen nahe, aber um Lichtjahre entfernt!! Als sie wieder draußen war, da war ich beinahe traurig, sicherlich enttäuscht, größenwahnsinnig und ein wenig hoffnungsfroh auch, denn ich habe sie nicht ohne das Versprechen gehen lassen, morgen wiederzukommen. Dabei weiß ich nicht mal, wie sie heißt, wo sie wohnt, kenne auch ihre Handynummer nicht. Dennoch weiß ich ganz genau, daß sie morgen wiederkommen wird. Oder träume ich? Nein, sicherlich nicht. Ich mache mir Hoffnung, mache mir Mut.

Da paßt doch folgender Artikel dazu, den ich heute entdeckt habe:

Internet kann krank machen - 60.000 sind bereits süchtig

Nervosität, Reizbarkeit, Schlafstörungen, schwere Depressionen - nicht nur Alkohol und Zigaretten können krank machen, 60.000 Österreicher leiden bereits unter einer ausgeprägten Form der Internet-Sucht. In China sind daran bereits mehrere Jugendliche gestorben. Das Internet mit all den verlockenden virtuellen Welten als Flucht vor der Realität. Das Leben ist ohne Computer sinnlos - mit solchen Gedanken schlagen sich die Betroffenen Tag für Tag herum, bis sie nicht mehr loskommen vom Datennetz. Mit all den sozialen Auswirkungen wie bei schweren Alkoholikern. Heimische Mediziner warnen jetzt auch vor online-Spielen, in denen sich immer mehr Netzsüchtige regelrecht verirren. Mit fatalen Folgen - sogar bis zum Tod, wie ein Blick nach China zeigt, wo ja ekanntlich alles größer, bunter und gewaltiger ist.

In der Volksrepublik kam es nach Online-Exzessen bereits zu einigenTodesfällen durch Erschöpfung. Nach stundenlangem Sitzen vor dem Computer, wo ein 13jähriger in ein Fantasy-Rollenspiel vertieft war, wollte der Heranwachsende eine Szene nachspielen - und stürzte in den Tod. Ärzte apellieren an alle Eltern: "Kinder im Internet niemals alleine lassen!"

Fr 19. Okt. 2007:

Habe heute den ganzen lieben Tag lang auf den einen Moment gewartet, an dem die Tür aufgeht und SIE hereinschwebt. Stunde um Stunde verging, und um 17.30 Uhr war es dann - endlich - so weit. Naja, liebe Leute, ich möchte euch nicht mit Details langweilen, nur so viel: ich habe das Geschäft schon um 17.31 Uhr zugesperrt und bin dann erst um 19.49 Uhr weggegangen. In der Zwischenzeit sind wir drinnen gesessen, wie zwei alte Bekannte, die sich jahrelang kennen, haben geredet, gelacht, gescherzt, Probleme gewälzt und uns zusammen die Zeit vertrieben. Die ist auch wie im Fluge vergangen. Ich nehme mal an, wir sind beide Augenzeugen eines seltenen Zeitsprungs geworden. Eben auf die Uhr gesehen, da war es 17.31 Uhr, und wenige Sekunden später waren plötzlich 2 Stunden vergangen - das geht doch nicht mit rechten Dingen zu. Von diesem Mysterium mal abgesehen, haben mir diese sagenhaften Sekunden sehr gut getan. Und ich hege den Verdacht, daß das IMMER so ist: je schneller die Sekunden verfliegen, desto lieber würde man sie festhalten und auskosten wollen. Seufz, das Leben ist halt nicht einfach. Und da sag´mir noch mal irgendwer was von physikalischen Gesetzen!

Und schon wiedr bin ich fündig geworden, diesmal in der  "Presse", über den Titel mußte ich wirklich und wahrhaftig lachen:

"Sechs Tage lang Ausdauersport, wie geht das?! - In der Evolution hat sich der Körper an das Zurücklegen großer Distanzen angepaßt

Erst 125 km querfeldein marschieren, dann 250 km mit dem Rad, 131 mit dem Kajak, 27 in Schluchten abseilen, 13 im Wildwasser schwimmen, dazwischen reiten und klettern. Das alles in sechs Tagen in der Hitze Utahs, das heißt "Primal Quest Adventure Race". Und es gibt Menschen, die es sich antun, 90 Vier-Mann-Teams gingen im Sommer an den Start, 48 kamen ins Ziel.

Wie schaffen sie es, sind es die Gene, ist es das Gehirn? Zunächst muß der Körper an die Strapazen angepaßt sein: während gewöhnliche Langstrecken - 10.000 Meter etwa - meist von Läufern gegen Ende 20 gewonnen werden, steigen bei Ultra-Langstrecken Mittdreißiger aufs Podest, erst dann sind die Muskeln zäh genug und der Stoffwechsel hält durch. Wie? Das zeigte sich im Labor von Mikal Mattson (Stockholm), der 9 Dauersportler 24 Stunden nonstop ins Labor bat: dabei verbrannte jeder von ihnen 20.000 Kilokalieren - soviel kann man in der gleichen Zeit kaum zu sich nehmen - , sie nahmen sie vor allem aus dem Fett. Für gewöhnlich nutzen die Zell-Kraftwerke (Mitochondrien) bei großer Anstrengung Glukose, sie können dann kein Fett verbrennen. Aber bei den Dauersportlern können sie es.

Liegt das an den Genen? Malcolm Collins (Cape Town) hat bei südafrikanischen Dauersportlern eine verdächtige Gen-Variante gefunden - für ein Enzym, das Blutgefäße dünn hält -, aber außerhalb Südafrikas ließ sihc das nicht bestätigen. Deshalb erkundet man nun eine Kombination zweier Gene, die den Zell-Stoffwechsel beeinflussen.

Tim Noakes, auch Sportphysiologe in Cape Town, hält wenig davon, er sucht das Geheimnis im Gehirn: "Diese Leute sind geistige Freaks". Sie bringen es fertig, alle Warnsignale des Körpers zu unterdrücken, irgendwie, das Bewußtsein mag helfen: wer weiß, wie lange er noch laufen muß, geht mit Sauerstoff ökonomischer um als ein Mitläufer, der es nicht weiß. Und woher kommen die Freaks? Aus unserer früheren Geschichte, vermutet Daniel Lieberman (Anthropologe aus Harvard): in Afrikas Savannen haben sich die Körper an das Langstrecken-Laufen angepaßt.

Sa, 20. Okt. 2007:

Schon beeindruckend, wie sehr die Wetterlage aufs Gemüt drückt: Schlechtwetter kann das Verhalten des Menschen ganz rigoros beeinflussen, kann ihn aggressiv machen, zornig, jährzornig, aufbrausend, eigentlich lauter schlechte Eigenschaften. Kann man also sagen, daß schlechtes Wetter den Menschen schlecht macht? Also mich sicherlich, ich hatte einen ganz finsteren Gesichtsausdruck, mürrischen Blick, aggressives Lidzucken und Nervenflattern, habe mir schon stundenlang vorher ständig Gedanken darum gemacht, wie ich in diesem Sauwetter bei Kälte, Regen und Schnee mit kurzer Hose dem Wettergott trotzen werde. Und dann ist erst alles ganz anders gekommen, weil ganz schnell: Auto parken, Nummer holen, Rad zusammenbauen, umziehen, Das geht irgendwie schon automatisch, lauft nach einem jahrelang, tausendfach erprobten Muster ab, da ist gar kein Platz mehr für irgendwelche metaphysischen Überlegungen. Spätestens beim Aufwärmen war dann aber Endstation, da reißt das Mutter dann ab: kurz davor werden die Bewegungen immer langsamer, wie gelähmt ist man da, und dann erstarrt man förmlich, festgefahren. Instinktiv möchte man diese Aufwärmphase überspringen, denn da würde man ja naß werden. Interessant, diese Scheu des Menschen vor dem H2O. Es ist interessant, diesen Gedanken weiterzuverfolgen - Kinder etwa wollen sich nicht waschen, erwachsene tun es dann, meist widerwillig, weil es sich halt so gehört. Es ist, als wäre das Wasser ein ganz tief verwurzelter Gegner, ein anderer Zustand des Menschen, den er instinktiv meidet. Im Wasser fühlt er sich nicht wohl, die meisten haben auch eine angeborene Scheu, unter Wasser die Augen aufzumachen. Naja, ich will jetzt nicht weiter auf dieser Schiene reiten, es geht eigentlich um ganz was anderes: in Lenti im äußersten Südwesten Ungarns, wo das Saisonabschlußrennen über 87 km stattgefunden hat, herrschte - mit einem derben Wort - SCHEISSWETTER!!! Es war saukalt, es regnete in Strömen, es schneite zwischendurch, es hatte Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt, und das alles Mitte Oktober in Mitteleuropa. So weit so gut, aber jetzt kommt´s: mittendrin ein Häufchen Verrückter, die sich, halbnackt, nur in dünnen Lycrahosen gekleidet, mit angehaltenem Atem in dieses Inferno werfen, zwie Stunden lang kreuz und quer auf völlig verdreckten, verschlammten, überfluteten Straßen rund um Lenti herumirren, nur um danach zitternd wie Espenlaub und bebend ins vermeintlich warme, aber doch "nur" trockene Auto zu flüchten, und dort den Sinn dieses Tages zu hinterfragen. Wie war das noch gleich mit der Logik???

Nachher war ich heilfroh, daß cih Klimaanlage im Auto habe, daß es gerade mal eine zweistündige Autofahrt war bis zur heimatlichen Badewanne, in der eukalyptusdampfendes heißes Badewasser meiner harrte. Das Ganze klingt ziemlich abgehoben, nicht wahr? Ich habe ja auch das Wichtigste weggelassen, nämlich daß in Lenti ein Rennen gefahren wurde. Und da geht es ja immerhin um was. Das ist nicht einfach nur ein Herumfahren bei Sauwetter, indem man ein Rennen fährt, macht der ganze Blödsinn doch Sinn. Redet man sich halt ein. Jeder, der das Rennen nicht fährt, sieht das naturgemäß völlig anders. Der tippt sich auf die Stirn und geht kopfschüttelnd weiter.

So, 21. Okt. 2007:

Um das gestrige Thema weiter zu vertiefen: heute fast gleicher Ort, nur 60 km südlich, gleiche Aufgabe, gleiches Wetter - ein Rennen, diuesmal das kroatische Saisonabschlußrennen, Sauwetter, noch verheerender als gestern wird das Ganze durch die unchristliche Startzeit von 8.25 Uhr. Um diese Zeit liege ich normalerweise selig schlummernd in Morpheus´ Armen, in trockenes, wohlig warmes Bettzeug gehüllt. Heute dagegen stehe ich hier am Südrand von Varazdin, einer unglaublich dreckigen und schmutzigen Industriestadt, verfluche das Wetter, bin aggressiv, die haut ist noch von gestern und vom danach folgenden stundenlangen Bad ganz schrumpelig und aufgeweicht. Eigentlich könnte ich mir den weiteren Bericht sparen, du könntest beim gestrigen Tag weiterlesen und würdest auch nichts versäumen. Oder doch? Natürlich, denn das Wichtigste hätte ich beinahe vergessen: mit der wohl stärksten Saisonleistung bin ich - wie ich meine, hervorragender - Zweiter geworden, und das bei diesem Sauwetter! Ich habe die Lehren aus dem gestrigen Wetterchaos gezogen, mich besser, sprich professioneller, vorbereitet, und diesen Vorteil der Konkurrenz gegenüber hat - mit auch - den Ausschlag gegeben. Was mich gleich weiter zur Erkenntnis des Tages oder eigentlich dieses Wochenendes bringt: SIEGE ENTSTEHEN IM KOPF, NICHT IN DEN BEINEN. Ist aber eigentlich nichts Neues, das weiß ich schon seit Jahrzehnten. Aber es ist schön, wenn man ab und zu den Wahrheitsgehalt dieses Satzes vor Augen geführt bekommt. Den Sieg habe ich ganz knapp verpaßt - einerseits nur um ein paar Zentimeter, genaugenommen war der Rückstand noch viel kleiner. Wenn der Zielstrich zehn Meter früher gewesen wäre, hätte das Ergebnis anders ausgesehen. Habe ich jetzt den zweiten Platz gewonnen oder den Sieg verspielt? Schwere Frage, leichte Antwort: das geht natürlich von der Erwartung aus, die man hat. Und da muß ich zugeben, daß ich schon einen gewaltigen Siegeswillen in den letzten Minuten des Rennens hatte. Und der Moment, als Ex-Profi Primoz Cerin an mir vorbeigefahren ist, etwa 3 Meter vor dem Ziel, war für mich wie ein fester Schlag mitten ins Gesicht. Man sieht ungläubig diese Tatsache und weiß im gleichen Moment, daß man keine Chance mehr hat, zu reagieren, den vermeintlichen Fehler noch auszubügeln. Dabei habe ich gar keinen Fehler begangen, ich habe alles richtig gemacht. Und dennoch verloren, woraus folgt, daß ein fehlerfreies, perfektes Rennen nicht unbedingt mit dem Sieg enden muß. Eine zweite ganz wichtige, große Wahrheit im Radsport, im Sport überhaupt: ES GEWINNT MEIST NICHT DER STÄRKSTE, Hand in Hand damit geht der nächste Satz: ZUM SIEG BRAUCHT ES WEIT MEHR, ALS NUR DER STÄRKSTE ZU SEIN, und damit wären wir beim Begriff des Alpha-Tieres. Aber dazu möchte ich jetzt nicht weiterschreiben, das hebe ich mir für ein späteres Mal auf.

Mo, 22. Okt. 2007:

Langsam verdaue ich das vergangene Wochenende, ich bin unglaublich lange dem Wasser ausgesetzt gewesen: an den beiden Tagen jeweils gut 2 Stunden im Rennen, danach jeweils gut 3 Stunden in der Badewanne, macht unglaubliche 10 Stunden im Wasser! Das hat ja schon Dimensionen eines Badeurlaubes im Hochsommer! Oder ist dieser Vergleich zu weit hergeholt? Das Wetter ist nach wie vor schweineschlecht, es ist kalt, es regnet, es schneit. Es sind jetzt die schwersten Tage des Jahres angebrochen, wie jedes Jahr eigentlich: die Saison in Österreich ist schon lange beendet, abgeschlossen, aber ich fahre noch einige Wochen lang weiter, muß natürlich ein entsprechendes Training absolvieren. Und genau da liegt das Problem, das ist bei dem Wetter kaum mehr möglich. Ich brauche lange Einheiten, schwere Einheiten, Intervalle, Anstiege und Höhenmeter, dabei werden die Tage jetzt dramatisch kürzer, das Wetter dramatisch schlechter, eigentlich ist schon der Winter eingekehrt. Und immer dazu wird einem vor Augen geführt, daß alle anderen - Österreicher - schon in der Winterpause sind. Nur ich Idiot koffere noch im Schneetreiben herum, patschnaß im Winterregen, das hat natürlich auch eine gesundheitliche Gefahr, man verkühlt sich nämlich sehr viel leichter. Und da beginnt ein Teufelskreis: Training, Wetter, Infekte, Form, Rennen. Eine Spirale nach unten. Aber ich denke, das ist immer die Befürchtung eines Mannes, der in Hochform ist. Egal, zu welcher Jahreszeit.

Bei mir kommt jetzt noch dazu, daß wieder diese Wehmut dabei ist, wenn man in Hochform vor dem Saisonende steht. Ich fahre jetzt noch zwei Wochen, zwei harte Wochen, weil das Wetter halt so grauenhaft ist. Zwei Wochenende noch in Italien, zwei Chancen noch, die gute Form in Ergebnisse umzumünzen. Hoffentlich hat die Form jetzt in diesem naßkalten Wochenende nicht allzu sehr gelitten. Die Form ist eigentlich jetzt meine ganz große Motivation, und wenn die weg ist, wäre das ganz schlimm.

In der "Presse" bin ich diesmal wieder fündig geworden, habe einen ganz interessanten Artikel von Rosemarie Kappler entdeckt, den ich euch nicht vorenthalten möchte:

DER MEDIKAMENTEN-COCKTAIL IM WC - Mutierte Fische - Viele entsorgen abgelaufene Arzneimittel in der Toilette - das hat Folgen!

Das fängt ja gut an. Eine Erkältung. Gut, daß da noch eine Flasche Hustensaft vom Vorjahr im Arzneischrank steht. Mist, abgelaufen. Weg damit und ab ins Klo. Schnell noch die Flasche ausspülen, dann kann sie zum Altglas. Eine aktuelle und erste repräsentative  Untersuchung des Frankfurter Institutes für sozialökologische Forscung macht deutlich: jeder fünfte Bundesbürger entsorgt prinzipiell abgelaufene Flüssig-Arzneimittel via Ausguß oder Toilette - in Österreich dürfte die Situation leider nicht viel anders sein. Auch hierzulande landen Arzneien viel zu häufig im WC.

Aber auch nicht verbrauchte Tabletten werden ins Klo geworfen und so von den Abwasserströmen mitgerissen und ihre Wirkstoffe verdünnt. Ein Verhalten mit negativen Auswirkungen: mehr als 100 verschiedene Arzneimittelwirkstoffe und deren Abbauprodukte haben Wissenschaftler in den letzten 40 Jahren in Gewässern nachweisen können. Der "medikamentöse WC-Cocktail" besteht aus Schmerzmitteln, Antibiotika, Blutfettsenkern, Röntgenkontrastmitteln, Psychopharmaka, Hormonen und Chemotherapeutika. "Arzneimittel reichern sich über das Abwasser in nennenswerten Dosen in Flüssen und Seen an und gelangen so zum Teil auch ins Grund- und Trinkwasser", mahnte deshalb schon vor Jahren das Umweltbundesamt. Noch versichern Fachleute wie der Karlsruher Wasserchemiker Prof. Dr. Fritz Frimmel: "Die nachgewiesenen Überreste pharmazeutischer Wirkstoffe liegen nur im Bereich von milliardstel Gramm pro Liter". Nahc Auffassung des Toxikologen Prof. Dr. Daniel Dietrich von der Uni Konstanz heißt das: "Pharmaka im Wasserkreislauf bedeuten für den Menschen de´rzeit keine Gefahr". Daß sie trotzdem eine Wirkung haben, beweisen wachstumsgehemmte Wasserpfflanzen und mutierte Fische. Deshalb wollen die Experten trotz der scheinbar beruhigenden Jetzt-Situation keinesfalls Entwarnung geben und fordern im Sinne einer Vorsorge den Einsatz von Aktivkohle-Filtern in Kläranlagen. Auch die Pharmaindustrie wollen die Wasserexperten in die Pflicht nehmen. Die "Medikamenten-Zutaten" sollen beschränkt werden und umweltverträglich sein. Einem Bericht des Ärzteblattes zufolge sind Ärzte in Schweden bereits angehalten, das umweltverträglichste von mehreren möglichen Medikamenten zu verschreiben.

Daß Menschen Medikamente ins Abwasser geben, kann nicht vermieden werden. Denn rund 95 % einer Arnei werden mit dem Urin ausgeschieden. Aber auf die Entsorgung von Alt- und Rest-Arzneien hat der Einzelne schon Einfluß. Eine empfehlenswerte Möglichkeit: nicht mehr benötigte oder verfallene Medikamente sollten in die Apotheke zurückgebracht werden.

Klingt doch interessant, nicht? Ich warte nur noch, bis ich durhc das Trinken eines Glases Leitungswassers EPO-positiv bin. Ist vielleicht nach einem sportlichen Großereignis nicht so abwegig. EPO-verseuchtes Grundwasser und Trinkwasser, das wär doch mal eine Schlagzeile! Kommt dann eigentlich bald mal Leitungswasser auch auf die Dopingliste???

Do, 25. Okt. 2007:

Sauwetter, miserabliges! Training ist kaum möglich, dauernd regnet es, immer unter 10 Grad, naß und kalt, der Wind pfeift, daß es einem durch sämtliche Rippen geht. Warum auf einmal so arktische Temperaturen? Scheiß-Klimawandel! Wir haben Herbst, nicht Winter!! Ich bin angezogen wie im Jänner, Unterhemd, Kurzarmtrikot, Langarmtrikot, darüber langärmelige Trainingsjacke, Winterhaube, dicke Winterhandschuhe, lange Thermohose, zwei Paar Socken, das ganze Programm halt. Und das Ungewohnte dabei: ich trainiere für die letzten Rennen!! Die anderen sind alle schon im wohlverdienten Winterschlaf, ich Idiot stürme über die regennassen und manchmal auch schneenaßen Landstraßen, weil ich noch Rennen fahre!

Folgender Artikel ist mir in dre "Steirerkrone" aufgefallen:

STUDIE VON US-WISSENSC´HAFTLERN BEWEIST: POSITIV DENKEN MACHT SPORT DOPPELT EFFEKTIV

Wer die gesunden Effekte von Sport und Bewegung kennt, profitiert doppelt von der Anstrengung. Das beweist eine US-Studie an 84 Zimmermädchen, die von forschern der Universität Harvard in zwei Gruppen geteilt wurden. Nur der ersten Gruppe erzählte man, wie gesund ihr bewegungsintensiver Beruf wäre. Beide Gruppen verrichteten die gleiche Arbeit. Nach vier Wochen hatten die Mitglieder der ersten 1 Kilo abgenommen sowie bessere Blutdruck- und Körperfettwerte. Hingeen zeigten die Zimmermädchen, die nichts über die positiven Effekte ihres Jobs erfahren hatten, keine Veränderungen.

Ob das was ausmacht, daß es sich hier "nur" um Zimmermädchen handelt???

Sa, 27. Okt. 2007:

Nein, bitte nicht schon wieder!!! Ich bin - diesmal wieder alleine - ins Veneto gefahren. In Graz bedeckt, auf der Pack leichter Nieselregen, leichtes Schneetreiben, dann im Lavanttal wieder trocken, nach Klagenfurt wieder naße Straße, ab Tarvis im Kanaltal wieder Nieselregen, Gemona trocken, Palmanova naß, Portogruaro trocken, dann die Abfahrt San Stino, tiefe, dunkle Wolken, Nebelfetzen hängen direkt über der Autobahn, per Knopfdruck sehe ich mit entsetzten Augen die Außentemperatur: 6 Grad!!! Unglaublich, dieses Wetter, das ist tiefster Winter! Aber Gottseidank habe ich meinen gesamten Kleiderschrank diesmal mitgenommen, ich bin für alle Eventualitäten gerüstet!

Wie es im Rennen diesmal - wieder - nicht geklappt hat, könnt ihr unter "Rennberichte" nachlesen. Auf der Suche nach einem preisgünstigen Quartier bin ich in San Doná di Piave gelandet, bin erstmal am Bahnhof ins Internet-Café verschwunden, draußen regnet´s wieder, drinnen stinkt´s, und ich sitz´ in der Mitt´n: aber zum Aufwärmen ganz gut. Es sind hier 6 der insgesamt 18 Tische besetzt, und beim Herumgehen habe ich gesehen, daß die anderen fünf Männer alle Pornoseiten angeklickt haben - köstlich! Draußen an der Fensterscheibe drücken sich ein paar junge Mädels (so zwischen 14 und 16) lachend die Nasen platt, die sehen nämlich von dort bei dem martialisch aussehenden südländischen Typen auf den Bildschirm, und der merkt nichts, weil er so aufgegeilt ist. Die Augen kleben förmlich am Bildschirm.

Nicht weit von hier wohnt der Ehrenbürger der Stadt, Ex-Weltmeister Moreno Argentin, der zwei Gassen weiter seinen Laden hat. "Cicli Argentin", naja, ist halt auch ein Blender, er kauft Rahmen ein, die er dann mit seinem Logo überklebt. So, ich schreibe hier gleich meine Berichte, sehe meine Mails durch, antworte auf ein paar, und kann mich dabei etrwas aufwärmen. Zimmer habe ich noch keines, ich fahre jetzt halt weiter über  Musile nach Quarte d´Altino, dort habe ich vor Jahren ganz preisgünstig mal in einem Landgasthaus übernachtet. Klein, schmutzig, windig, aber billig. Sogar mit Fernseher. In meinem "Schlauen Buch" ist das alles vermerkt, in Marcon oder Mogliano Veneto etwas weiter hätte ich dann auch noch zwei weitere billige Möglichkeiten. Mal sehen.

So, 28. Okt. 2007:

So, ich bin wieder zuhause. Dieses Wochenende war vom Wetter her - vorsichtig ausgedrückt - absolut entbehrlich. Vom Ergebnis her - alle Achtung, die Form steigt ja immer noch!! Gestern abend schon hat es wieder zu regnen begonnen. Eigentlich nichts neues mehr für mich, regnet es nun doch schon seit gut eineinhalb Wochen bei arktischen Temperaturen. Ich habe gut gegessen, lange geschlafen (heute nacht war ja die Umstellung auf die Winterzeit) und absolut ausgeruht. Das erste, das mir nachteilig auffiel, als ich heute morgen aufwachte, waren die Schmerzen im rechten Knie. Und es fühlte sich verdammt dick an. Was war passiert? Dumm drauf gelegen? Ein paar gymnastische Übungen, Streck- und Dehnübungen, es wurde kaum besser.  So gut wie keine Kraft im rechten Bein, und zu allem Überdruß regnet es draußen auch noch - und das ganz stark. Um es mal so auszudrücken: ein Platzregen ging über dem kleinen Provinznest Cervarese Santa Croce nieder, wo ich ein billiges Landgasthaus entdeckt habe. Von hier aus sind es nur 15 km nach Süden bis zum Start. Nicht weit genug, um hoffen zu können, daß dort die Sonne scheint. Tiefe, dunkle Wolkendecke, absolut undurchdringlich. Ich humple raus zum Auto, an der Tür haut mich die Arktis beinahe um. Ich muß fast die Luft anhalten, um die 10 Meter bis zum Auto durchzuhalten. Dann ein Druck auf den Temperaturknopf, die Anzeige leuchtet auf: 1 Grad plus, wir haben 10.45 Uhr, und ich wundere mich, wieso es da eigentlich nicht schneit. Egal, ich muß mal versuchen, mein Knie in Ordnung zu bringen. Also wieder aufs Zimmer, fleißig langsame, dann etwas schnellere Übungen, um die Verdickung im Knie loszuwerden. Dazu Noni Juice, zwei Dosen TaHiro-Power, etwas Müesli, und zwischendurch immer ein paar Übungen. Dann gehe ich mich lange und ausgiebig heiß duschen, das ist eine wahre Wohltat. Vor allem, wenn ich daran denke, was mir am Nachmittag noch alles bevorsteht. Ich ordne meine Rennkleidung, ziehe mich dann ganz warm an, nämlich alles, was ich noch - trocken - habe, dann packe ich zusammen und setze mich um punkt 12 Uhr ins Auto. In eineinhalb Stunden ist der Start. Es regnet immer noch, und damit kann ich auch schon die Utopie aufgeben, auf trockener Straße zu fahren.

Doch es passieren noch Zeichen und Wunder. Nur 5 km weiter regnet es nicht mehr, und 3 km vor dem Startort ist die Straße trocken! Jubel!!! Ich suche mir einen geschützten Parkplatz (überdacht), baue das Rad zusammen, hole mir eine Startnummer und drehe mal eine Runde auf dem Rundkurs - der soll nämlich ziemlich schwer sein. Lovertino di Albettone liegt am Westrand der Colli Euganei, direkt unterhalb des 523 m hohen Monte della Madonna. Der Start liegt auf 143 m Seehöhe, der tiefste Punkt bei 19 m, die Rundenlänge bei 6,2 km - und damit sind schon alle Eckdaten gesagt, oder nicht? Nein, doch nicht, denn auf diesen 6 Kilometern gibt es sage und schreibe DREI ANSTIEGE (!!!) zu fahren, kein Meter flach, der Zielanstieg ist 1,7 km lang, danach folgt eine 500 m lange Abfahrt zum Zielstrich hin, der sich unmittelbar hinter einer Kurve befindet. Chaos pur! Wie es mir bei diesem vorletzten Saisonrennen ergangen ist, könnt ihr unter "Rennberichte" nachlesen. Die Knieschmerzen sind weitgehend verschwunden, die Bewegung ist aber noch ziemlich schwerfällig und alles andere als leicht. Keine Ahnung, wie das alles unter Belastung aussieht.

Mo, 29.Okt. 2007:

Manchmal gibt es Zeitungsartikel, die sind so lustig, daß man sich am Boden wie ein Ringelwurm windet vor lachen, Bauchweh kriegt und keine Luft mehr bekommt. Dabei ist der Inhalt derart tragisch, daß er eigentlich zum Weinen ist. Kennt ihr doch alle, oder? Sicher, wer kennt das nicht??? Einen solchen Artikel habe ich heute in der "Steirerkrone" entdeckt.

7000 Tote im Jahr durch unleserliche US-Rezepte

Weil ihre Ärzte unleserliche Rezepte ausstellen, sterben in den USA jedes Jahr 7000 Menschen. Rund 1,5 Millionen US-Bürger erleiden gesundheitlichen Schaden, weil Apotheker die Schrift des Arztes nicht richtig entziffern können und ein falsches Medikament herausgeben. Das verursacht allein in Spitälern Kosten von 3,5 Millionen dollar. Derzeit haben 90 % der US-Ärzte Zugang zum Internet, aber nur 10 % benutzen den Computer, um elektronische Rezepte auszustellen.

Und weil´s gar so lustig ist, gleich noch eine Draufgabe, diesmal aus dem "Land des Lächelns" selbst, den USA, aus der "New York Times".

Guyaner irrte 5 Tage lang durch New York

Nach nur 12 Stunden in New York hat sich ein legal eingereister Südamerikaner aus Guyana verlaufen. Aus Angst, man würde ihn wegen schlechter Sprachkenntnisse ausweisen, irrte er, ohne um Hilfe zu fragen, fünf Tage umher. Erst als ein Pastor den auf der Straße Schlafenden ansprach, bekam er den Weg zum Haus seines Bruders erklärt.

Für heute ist´s genug gelacht.

Di, 30. Okt. 2007:

Die letzte Fahrt nach Italien steht in dieser Saison unmittelbar bevor, ich träume vom fünften Saisonsieg. Ziemlich lange schon, er will und will einfach nicht gelingen. Naja. Schnell noch einen Artikel aus der "Tiroler Tageszeitung", es geht - wieder einmal - um Medizin. Aber lest selbst:

Studie ermahnt zu Vorsicht bei Ausdauersport - Kurzatmigkeit ist Indiz für Herzerkrankung

Schwimmen, Laufen und Radfahren sind gesund. "Ja, aber", sagt eine neue Studie der belgischen Universität in Leuwen. In seiner im "European Heart Journal" veröffentlichten Arbeit meint Kardiologe Heinz Heidbuchel, intensiver Ausdauersport könne bei Profisportlern das Herz nachhaltig schädigen. Und zwar unabhängig von einer vorhandenen erblichen Belastung, die im Schnitt bei 30 bis 50 Prozent der Menschen gegeben sei.

Heidbuchel hatte für seine Arbeit Männer zwischen 18 und 55 Jahren untersucht, darunter 22 Leistungssportler mit Herzproblemen, 15 gesunde Athleten und eine Kontrollgruppe mit Nicht-Sportlern. Dabei wurden bei 82 Prozent der über Herzprobleme klagenden Radler, Läufer oder Fußballer unregelmäßige Schläge in der rechten Kammer gemessen, da weniger Blut in das Herz gepumpt wird als bei Gesunden.

Schon früher war bekannt, daß etwa Tour-de-France-Starter häufig unter der Herzrhythmusstörung Kammerflimmern leiden. "Es scheint eine Grenze zu existieren, bis zu der das Herz körperliche Anstrengung verträgt", meinte Heidbuchel, der zum sofortigen Arztbesuch rät, sollte sich bei Sportlern Kurzatmigkeit einstellen. Einmal erlittene Herzschäden seien irreversibel und könnten für Leistungssportler das Karriereende bedeuten.

Do, 1. Nov. 2007:

Heute ist es soweit. Der letzte Renntag in dieser Saison, und da stehen gleich zwei Rennen auf dem Programm. Es ist schon verrückt, aber ich habe lange und ein paarmal nachgerechnet, es MÜSSTE sich ausgehen: Start um 9.10 Uhr in Mantua, nach 68 Rennkilometern und knapp drei Stunden später startet um 12 Uhr in Buso di Rovigo das zweite Rennen, ca. 90 km entfernt. Egal, ich will es einfach mal versuchen, mit meiner Form ist es immer dasselbe: jedes Jahr bin ich im Oktober in Hochform, und dann ist irgendwann das Saisonende da, es sind keine Rennen mehr, und ich stehe mit meiner Form da und kann sie nicht mehr umsetzen. Da nehme ich natürlich jede - und sei sie noch so eine haarsträubende - Gelegenheit wahr, um an den Start zu gehen.

Ich habe Glück, das Rennen in Mantua dauert knappe eineinhalb Stunden, und schon 10 Minuten später sitze ich umgezogen, das Rennrad verstaut, im Auto und fahre in Mantua auf die Autobahn. Ausgerechnet bei mir ist es so knapp, denn nur ich starte in Buso um 12 Uhr, alle anderen Kategorien haben dann mindestens eine Stunde länger Zeit. Eigentlich müßte ich diese Sauerei persönlich nehmen. Im letzten Moment habe ich noch jemanden gefunden, der mir eine Ergebnisliste und den Preis nach Buso nachbringt. Mein Puls ist noch ziemlich hoch oben, als ich beim Mauthäuschen der Autostrada meine Karte ziehe, und danach heißt es dann Vollgas mit Tempo 200 in Richtung Rovigo. Runter von der Autostrada, 6 km schmale Landstraße, Parkplatz suchen, rausspringen, Startnummer holen, umziehen, Rad zusammenbauen, keine Zeit zum Aufwärmen, es ist ja bereits 11.50 Uhr, während der Autofahrt habe ich eine Kleinigkeit getrunken und gegessen, jetzt schiebe ich das Rad zur Startlinie, wo schon gut 60 Mann warten.

In Mantua war ich Neunter geworden, im Sprint einer großen Spitzengruppe, ohne selbst jemals aktiv geworden zu sein. Ich hatte genug damit zu tun gehabt, mich in dieser Spitze zu behaupten. Dennoch zweifle ich nicht an meiner Form, denn schon auf den paar hundert Metern zum Start merke ich, wie perfekt die Beine arbeiten. Ich spüre absolut nichts vom Vormittag und bin wieder etwas zuversichtlich, nachdem ich dazwischen schon der Meinung gewesen war, es sei absoluter Wahnsinn, so knapp hintereinander zweimal zu starten. Diese Überlegungen werden dann durch den Startschuß sowieso ausgelöscht, und ich bin wieder ein Rennfahrer, der sich seinen Instinkten, seiner Routine und der Nase für den richtigen Moment überläßt.

Dieser richtige Moment scheint bereits in der 3. von 10 Runden gekommen zu sein, also nach nicht mal 10 km, ich greife an und bin alleine in Führung. Wie es dann doch noch danebengegangen ist, das könnt ihr - wie gehabt - unter "Rennbericht" nachlesen.

Ich hatte wegen der Strapazen und der großen Anstrengungen keine Zeit, ein Saisonresümee zu ziehen, aber es müßte eindeutig positiv ausfallen. 4 Siege, 13 Podestplätze, insgesamt 28 Top-10-Plätze, und das bei 55 Rennen - das heißt, jedes zweite Rennen habe ich unter den Top-10 beendet! Es ist damit mit Abstand mein bestes Jahr seit meiner schweren Knieverletzung, die ich damit wohl - hoffentlich - endgültig abgeschüttelt habe wie ein Straßenköter sich das naße Fell trockenschüttelt. Im nächsten Jahr dann soll es noch besser gehen - mit optimalem Wintertraining hoffe ich die Basis dafür zu legen. Und mit dem letzten Rennen geht natürlich auch diese Rubrik hier zu Ende, den nächsten Eintrag könnt ihr dann schon im "Tagebuch 2008" lesen.


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