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Rennberichte 2010/Teil 3

(ab Ende August)

 

Samstag, 14. August 2010 - Samstag, 21. August 2010: Welt-Radsportwoche in Deutschlandsberg, Foto-Nachlese

Habe euch hier ein paar Fotos aus der Deutschlandsberger Woche zusammengestellt, um den Ablauf der einzelnen Rennen zu dokumentieren. Ich beginne mit dem Sprintbewerb vom Mittwoch, die Rennen davor sind ja schon auf der Seite "Rennberichte 2010/2" dokumentiert.

Gerhard Mosler gewinnt seinen Vorlauf mit der viertschnellsten Zeit, kommt ins kleine Finale und schlägt dort Dimitri Buben im Kampf um den dritten Rang.

Bergrennen zur Burg Deutschlandsberg, hier John Platero (USA) vor Oleksandr Momot (Ukraine)

Gerald Leutgeb vor Vjatscheslav Goryachev (Rußland)

Vitali Brychak (Ukraine)

Siegerehrung des "Van-Impe-Bergpreises" beim Ghf. Stöcklpeter neben der Burg Deutschlandsberg, Kategorie Master 4 (von links): Dimitri Buben (Weißrußland), Andrej Mozzhukhin (Ukraine) und Anthony Chandler (Australien)

Straßenrennen "Giro Gianni Motta", Zielsprint in Bad Gams (von links): Dimitri Buben, Vladimir Beliauski, der Sieger (beide Weißrußland), dahinter der Dritte, Andrej Mozzhukhin (Ukraine)

Zieleinlauf in Bad Gams, von vorne: Rudolf Hansl (14.), Oleksandr Momot (15.), Anatoli Beliauski (Master 5), Robert Bartonek (16.), Juan Santos (Master 5)

Siegerehrung Kategorie Master 4 am Badeteich in Bad Gams (von links): Dimitri Buben, Vladimir Beliauski (beide Weißrußland), Andrej Mozzhukhin (Ukraine)

Einzelzeitfahren in Stainz, Milos Brecelj (Slowenien), Zweiter in der Masterklasse 4

Marco Grossegger (BRD, 14.)

Die ersten drei des Zeitfahrens (von links): Raymond Dunstan (Neuseeland), Dimitri Buben (Weißrußland), Milos Brecelj (Slowenien)

Gesamtwwertung der Welt-Radsportwoche, Klasse Master 4 (von links): Organisator Gerhard Krois, Dimitri Buben (Weißrußland, Gesamtsieger), Andrej Mozzhukhin (Ukraine, Gesamtzweiter)

 

Sonntag, 22. August 2010: Ölspur-Nationen-Radmarathon in Deutschlandsberg, 93,5 km

Rennstrecke: Deutschlandsberg - Hollenegg - Hohlbach - St.Martin - Gleinstätten - Pistorf - St. Andrä - Preding - Wieselsdorf - Mettersdorf - Stallhof - Graschuh - Lasselsdorf - Groß St. Florian - Lebing - Frauental - Furth - Niedergams - Bad Gams - Vochera - Stainz - Stallhof - Graschuh - Lasselsdorf - Groß St. Florian - Lebing - Frauental - Deutschlandsberg, 93,5 km, 490 Höhenmeter, Start 8.15 Uhr

Wetter: sonnig, leicht bewölkt, starker N- bis NO-Wind, anfangs 25°, bis zum Zieleinlauf 29°

Rennverlauf: Irgendwie fiebere ich dem Start entgegen, ich fühle mich deutlich stärker als in den Tagen zuvor, auch ist die Besetzung heuer nicht so stark wie in den letzten Jahren. Ein paar Ausländer, klar, aber längst nicht so viele und vor allem nicht so starke wie zuletzt. Zahlenmäßig aber ein sehr großes Teilnehmerfeld, ich stehe am Start ganz vorne in der ersten Reihe.

Startaufstellung in der Siemensstraße in Deutschlandsberg, ich ganz rechts, in der Mitte Organisator Gerhard Krois inmitten der russischen Mannschaft

 

Von links: Russen, Manfred Herbsthofer und ich

Gerhard Krois übt den Startschuß, ich ganz rechts

Die Ruhe vor dem Sturm, die letzten Sekunden vor dem Start (ich rechts)

Gleich nach dem Startschuß wird - wie immer - verhalten rausgefahren auf die Bundesstraße, erst beim Anstieg beim Spital vorbei hinauf nach Hollenegg kommt etwas Leben ins Feld, die letzten 200 m hinauf zur Kuppe werden gesprintet, ich muß da gehörig hinbhalten, reiße letztlich aber doch ab. Oben muß ich ein kleines Loch zufahren, aber kein Problem, am Kreisverkehr bin ich wieder dran. Und da sehe ich auch, daß wir eine kleine Gruppe sind, höchstens 30 Mann, die sich da schon ganz schön abgesetzt haben. Aber keine 2 km später ist ein ganz großes Feld wieder herangefahren, wir sind jetzt so an die 80 Mann.

So geht es die ganz lange flache Abfahrt runter, wir fahren hohes Tempo, aber nicht sauschnell, dennoch gleichmäßig, ein Tempo halt, bei dem niemand abreißt. Keiner tut sich weh. In Gleinstätten fahren wir wegen einer Baustelle eine Umleitung, deshalb ist die Distanz heuer auch geringfügig länger. Danach geht es leicht bergauf nach Pistorf zur ersten Verpflegungsstelle, wir fahren aber alle vorbei. Danach runter in eine Senke nach St. Andrä. Dort die Schrecksekunde: mein Hinterrad schwimmt herum, ich spüre ohne hinzusehen, daß die Luft draußen ist. Reifenschaden, ich spüre nur Frust und Enttäuschung.

Ich rolle hinten langsam aus dem Feld raus, und als die alle an mir vorüberfahren, sehe ich erst, wie viele wir noch sind, daß da auch noch einige Frauen dabei sind. Zu meiner großen Freude bremst sich sofort neben mir quietschend ein Auto ein, das sich als ein Mechanikerwagen herausstellt. Sie legen mir keinen neuen Schlauch ein, das würde auch viel zu lange dauern, nein, sie schieben mir ein neues Hinterrad unter den Hintern rein. Da bin ich aber immer skeptisch, ich weiß ja nicht, was die für eine Übersetzung montiert haben und ich weiß auch nicht, ob die Schaltung funktioniert und, und, und...

Ich hatte einen 9fach-Kranz montiert von Marchisio, jetzt habe ich eine 10fach-Kassette von Shimano. Ob das gutgeht? Ich nehme mir nicht die Zeit, alle Kränze durchzuschalten und auszuprobieren, ich hau den 13er rein und mache mich ganz klein und aerodynamisch. Anfangs bin ich noch schnell, ich hab noch Kraft, durch St. Andrä geht die wilde Jagd, dann folgt der zweite Anstieg des Tages, ein ganz kurzer und ganz, ganz flacher. Da brettert man mit dem großen Blatt drüber, den merkt man auch kaum. Ich aber merke jetzt jeden einzelnen Höhenmeter, hole auch schon ein paar Abgerissene ein, wuchte mich über die Kuppe, rein in die Abfahrt, hohes Tempo, und als ich dann unten aus dem Wald rauskomme, sehe ich die Gruppe vor mir. Deutlich kleiner geworden, aber ich bin ja inzwischen auch schon an sehr vielen vorbeigefahren, die abgerissen sind. Vorbei am Waldschacher See komme ich näher und näher, und unmittelbar vor dem Kreisverkehr in Preding schließe ich auf. Geschafft, ich bin wieder im Feld drin!

Bis zum nächsten Berg dauert es noch etwas, ich nutze die Zeit, um mich zu erholen, zu essen und vor allem zu trinken. Dann ist es soweit, der Anstieg ist da, eine lange Gerade, oben noch einmal ein kurzes, aber giftiges Steilstück im Wald über die Kuppe. An sich nichtsAufregendes. Aber diesmal wird auf Teufel komm raus da raufgesprintet, ich muß schnell klein beigeben, da kann ich nicht mit. Eine kleine Gruppe setzt sich ab, im kurzen Flachstück etwa 150 Meter vor der Kuppe fährt eine zweite Gruppe ran, und über die Kuppe sind sie weg. An die 100 Meter Vorsprung!

Da gibt´s kein Überlegen, da muß ich hin, und zwar so schnell wie möglich, ehe der Abstanduneinholbar groß wird. In der Abfahrt fahre ich mit 50/12 mit dem letzten Dreck wieder ran. Wir sind etwas über 20 Mann vorne, lauter deutlich Jüngere als ich es bin. Das kann ja heiter werden!

Ich raste mich aus, trinke und esse wieder. Mit dem Trinken muß ich aufpassen, die Flasche ist bereits zu zwei Dritteln leer, und ich hab nur die eine Flasche mit! Wir fahren das lange Flachstück, kommen nach Frauental, dann geht´s rauf nach Bad Gams, dort wartet dann die nächste Steigung. Wieder wird unmittelbar vor der Kuppe angegriffen, die ganze Meute sprintet hinterher, ich bleibe übrig, bin aber in weiser Voraussicht ganz vorne in den Berg reingefahren, rette mich als Letzter der Gruppe über die Kuppe! Keine Verschnaufpause in der Abfahrt, ich muß Löcher zufahren. Vollste Konzentration, hohes Tempo, voll hinhalten, mit der ganzen Kraft und Energie, ich bin dran, der nächste Berg wartet, der Vocheraberg, mit 50/19 kurble ich die Steigung hoch. Etwa 100 Meter vor der Kuppe habe ich dann ein Loch, das ich nicht mehr zukriege. Hinter mir noch ein paar Fahrer, die reagieren aber nicht mehr, bzw. können nicht mehr reagieren. Wenn ich nur ein paar Momente verschnaufen könnte! Aber nein, mit 50/13 rase ich die Kurven nach Stainz hinunter, lege wieder alle meine Kraft in diese Abfahrt, und unten beim Kreisverkehr bin ich wieder dran. 18 Mann sind wir jetzt, mit mir inklusive.

Der letzte Berg, in Graschuh. Hohes Tempo bei der Anfahrt, dann voll reinkrachen in die Steigung. Die Typen können das, ich kann´s nicht. Langsam falle ich wieder zurück. Einserreihe den Berg hoch. Vorne wird heftig attackiert, die Reihe platzt auseinander. Noch 200 Meter bis zur Kuppe, ich werde lang, bin wieder abgerissen!

7 Mann zähle ich, die sich über die Kuppe wuchten. Es war der letzte Berg. Hinten sind sie einzeln abgerissen, jetzt schließen sie sich zu einer Verfolgergruppe zusammen. Aber viel zu langsam geht das alles. Wir sind 6 Verfolger, der Rest ist abgehängt. Etwa 100 Meter fehlen uns, aber der letzte Drücker fehlt. Ich seh´s auch gleich ein, daß wir da nie mehr hinkommen. Also muß ich´s wieder alleine probieren! Mehr als schiefgehen kann´s ja nicht. Vorne sind sie sich einig, der Vorsprung wächst ständig. Jetzt gilt es, keine Sekunde zu verlieren. 50/13, tief Luft holen, hohe Frequenz, jede Kurve schneiden, ich mache mich ganz, ganz klein und aerodynamisch. Nach eineinhalb Kilometern habe ich aufgeschlossen. 8 Mann Spitze in Groß St. Florian, 12 km vor dem Ziel, die Verfolgergruppe liegt nur mehr etwa eine halbe Minute zurück. Sollten die etwa auch noch aufschließen? Dann wäre mein ganzer Aufwand ja umsonst gewesen.

Ich kann nicht führen, muß mich erst mal verschnaufen. Dann sehe ich mir die Leute der Spitzengruppe mal genauer an. Die machen alle einen starken Eindruck. Und der kurzen Anstieg am Ortsende in Groß St. Florian hätte mich beinahe abermals den Anschluß gekostet, daraus folgere ich, daß ich der schwächste Fahrer dieser Gruppe bin. Na toll.

Es ist nicht mehr weit, die Verfolger sind nur knapp hinter uns, scheinen auch näher zu kommen. Es gibt kein Verschnaufen. Wir erreichen Frauental, dann die Unterführung, die Abzweigung links, gleich darauf rechts, die Verfolger liegen keine 20 Sekunden mehr zurück. Ich spekuliere einfach, mehr kann ich nicht tun, alle Kräfte schonen, keinen Meter führen, sicherheitshalber spiele ich den toten Mann, das kann ja nicht schaden. Die schmale Verbindungsstraße raus zur Hauptstraße fahren wir auch quälend langsam, die Verfolger rücken näher. Es wird ein nervenaufreibendes Sekundenspiel. Noch eineinhalb Kilometer bis zum Zielstrich.

Wir fahren die Hauptstraße rauf, von hinten scheint keine Gefahr mehr zu kommen, es geht sich - ganz knapp - aus. Noch 500 Meter, dann kommt der letzte Kreisverkehr, und ich entschließe mich im Bruchteil einer Sekunde zu einer verrückten Attacke - links in den Kreisverkehr rein, voller Antritt, ich fliege ganz links an der ganzen Reihe vorbei, die schauen verdutzt, es ist ein Gewaltsprint, diesmal mit 50/12, die letzten hundert Meter kommt keiner mehr vorbei, denn der Zieleinlauf ist mit Absperrbändern am rechten Straßenrand markiert, wird immer enger, man kann da nur mehr einzeln fahren - geschafft! Die verblüfften Gesichter waren ganz lustig anzuschauen, aber ich konnte nicht mal schmunzeln. Ein Weißrusse und ein Slowene haben dagegengehalten, es war ein Sprint auf Biegen und Brechen, keiner wollte nachgeben, keiner den kürzeren ziehen. Ihr Pech: einer war rechts, der andere links, ich in der Mitte, und ich hab genau in den schmalen Tunnel reingezielt! Mir ist aufgefallen, daß man in solchen Momenten allergrößter Anstrengung nicht mehr denken kann, ha, mir geht´s jedenfalls so! Wahrscheinlich ist mein Hirn zu klein, um unter solchen erschwerten Bedingungen noch zu arbeiten.

Das Gesetz der Serie: aller guten Dinge sind drei. Der dritte Sieg hintereinander war das jetzt, der erste mit dreieinhalb Minuten Vorsprung, im Vorjahr waren es 23 Sekunden, heuer ein paar Zentimeter - es wird also immer knapper! Bei dem Gedanken an einen vierten Sieg muß ich schmunzeln, das ist wirklich so weit weg, da verschwende ich jetzt keinen Gedanken daran!

Ergebnise: 1. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) 2:16:42 (Siegerschnitt 41,5 km/h), - 2. Max Röhsler (RC Maroitalia Racing Team), - 3. Wladislaw Srebniak (Weißrußland), - 4. Dusan Haydinjak (Slowenien), - 5. Rene Motz (BRD), - 6. Richard Bartuszevic (Lettland), - 7. Deins Kluga (Lettland), - 8. Kenneth Mercken (Belgien), alle gleiche Zeit, - 9. Vaclav Swoboda (Tschechien) -0:21, - 10. Mario Matthes (BRD), gleiche Zeit

 

Montag, 23. August 2010: Bergrennen Kirchdorf/Tirol - Griesner Alm um den Wilden-Kaiser-Bergpokal, 11,5 km

Rennstrecke: Kirchdorf/Tirol - Gasteig - Griesenau - Fischbachalm - Griesner Alm, 11,5 km, 421 Höhenmeter, Steigung max. 16 %, Start 9.20 Uhr

Wetter: sonnig, kühl und frisch, leichter S- bis SW-Wind, 18°

Rennverlauf: Mit dem gestrigen Sieg im Marathon ist viel Druck abgefallen, viel Unsicherheit, viele Zweifel. Ich weiß, es geht aufwärts, jetzt ist wieder ein Tag vergangen, ich fühle mich immer besser. Mal sehen.

Gleich nach dem Start fahren vier Mann davon, Plattner Michi ist dabei, ich setze in einem Anflug von Größenwahn nach, erreiche die vier aber nicht. Dann ist das anfängliche Flachstück zu Ende, die Steigung hinauf nach Gasteig, zum Stausee beginnt, das Feld ist auch da. Mit hohem Tempo knallen sie alle in die Steigung rein, ich schieße hinten raus. Bin doch noch nicht gesund, die hohen Pulswerte sind Gift für mich. Aber so oft ich mich auch umdrehe, immer sind noch einige hinter mir. Die lange steile Gerade im Wald bringt mich den vorderen Rängen wieder etwas näher, aber als es dann aus dem Wald rausgeht, rechts über die langgezogene Kuppe, da wird der Abstand wieder größer. Ich komme nicht mehr ran.

Vorne schließen sie sich alle zu einer Gruppe zusammen, 7 Mann liegen ganz vorne, der Rest bildet das Hauptfeld. Und ich mit zwei weiteren Fahrern die Nachzügler. In der 5 km langen Abfahrt nach Griesenau fahre ich hohes Tempo und hziehe die beiden Säcke hinter mir her, anfangs habe ich noch weggeschwenkt, um die auch mal führen zu lassen, das hat aber nichts gebracht, die sind förmlich gestanden. Als wir die Gruppe zum ersten Mal vor uns sehen, haben sie noch eine halbe Minute Vorsprung, in Griesenau sind wir nur mehr 12 Sekunden dahinter.

Eineinhalb Kilometer später haben wir aufgeschlossen.

Fischbach-Alm, 1000-m-Marke

Das Rennen beginnt von neuem. Sieben Mann sind weg, der Rest kämpft um noch drei offene Preisränge. Ich halte auffallend leicht mit, muß mich zwar plagen, laufe aber nicht Gefahr, abzureißen. Das Gelände ist unrhythmisch, immer wieder sind kurze Steilstücke zu bewältigen. Wir erreichen unmittelbar vor der 1000-m-Marke die Fischbachalm auf 840 m Seehöhe. Jetzt nimmt die Steigung etwas zu.

Kaiserbachtal, unten in der Bildmitte in die Griesner Alm mit dem großen Parkplatz zu erkennen.

Ein paar zaghafte Antritte, aber die Gruppe bleibt zusammen, ich kämpfe jetzt schon um jeden Meter. Dann endlich die 1000-m-Marke, wenig später die 500-m-Marke. Aber das Schlimmste kommt erst noch!

Die letzten 300 Meter führen scheinbar senkrecht in den Himmel rauf. 16 %, schnurgerade, hier entscheidet brutale Rohkraft. Ich habe sie alle sozusagen in Griffweite, bin aber dennoch hinten. So langsam ich auch bin, hier fahre ich etwa 7 bis 8 km/h!!, ich kann meinen Platz halten, fahre über die Ziellinie oben am Parkplatz, mein Vordermann liegt zu weit vor mir, als daß ich ihn noch gefährden könnte. Hinter mir kommt mit einigem Rückstand Rass Werner ins Ziel herauf, der Sprecher kündigt ihn an. Wenn ich richtig mitgezählt habe, bin ich an der 16. Stelle gelandet.

Umso erstaunter bin ich dann, als ich die Ergebnisliste sehe (natürlich wird sie erst nach Ablauf der Protestfrist ausgehängt!), da werde ich nämlich als 18. geführt, Rass etwa als 16. Auch bei ein paar anderen Fahrern gibt es Unstimmigkeiten, anscheinend ist nur der erste Platz richtig, alles andere mehr oder weniger hingeschätzt. Und dafür hab ich 15.- € Nenngeld bezahlt???

Aber augfregen? Das bringt wirklich nichts. Rass ist ein Einheimischer, aus St. Johann, da hab ich wirklichschlechte Karten. Wenn es um den Sieg ginge, ja, aber so...

Ergebnisse Kategorie 3: 1. Javier Meoquin (Spanien) 24:45, - 2. Jean-Claude Bougouin (Frankreich) -0:03, - 3. Robert Glassl (BRD) -0:12, - 4. Anthony Chandler (Australien) -0:21, - 5. Michael Plattner (RC Toni´s Pro-Shop Kirchberg/Tirol) -0:23, - 6. Rudolf Moser (Schweiz) -0:44, - 7. Bernhard Empl (ARBÖ KTM.mountainbiker.at) -1:03, - 8. Radoslav Krummer (Tschechien) -2:48, - 9. Anton Kozjek (Slowenien) -2:55, - 10. Rudolf Kern (BRD) -3:02, - weiters: 18. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) -3:40

 

Mittwoch, 25. August 2010: Weltmeisterschaft im Einzelzeitfahren in Erpfendorf, 20,2 km

Rennstrecke: Erpfendorf - Wohlmuting - Loferberg, Wende - Wohlmuting - Erpfendorf, 20,2 km, 45 Höhenmeter, Start 13.46 Uhr, 30-Sekunden-Startintervall

Wetter: leichter S-Wind, sonnig, sehr warm, 29°

Rennverlauf: Unruhe am Start, ich stehe mit meiner Nummer 507 bereits in der Warteposition, oben auf der Rampe die Nummer 506, hinter mir taucht Klaus Moosbrugger auf, die Startnummer 503, er hat seinen Start verschlafen, springt auf die Rampe, wirft sich vorne samt Rad wieder runter, etwa 3 Sekunden hinter der Nummer 506, die er auch sofort überholt. Als ich dann starte, sehe ich die beiden nur mehr auf den ganz langen ersten Geraden, später nicht mehr.

Wie schon zuvor bei der Tiroler Landesmeisterschaft versuche ich auch diesmal, optimal aufgewärmt, ein möglichst gleichmäßiges Rennen zu fahren. Wieder haben wir auf der ersten Hälfte Rückenwind, wenn auch nicht so stark wie damals. Ich tue mir schwer mit der aerodynamischen Liegeposition, also fahre ich etwas aufrechter. Ich bin sowieso kein Zeitfahrer, die paar Sekunden, die ich da verliere, die tun mir nicht weh. Hinter mir ist Josef Ottino gestartet, der tut mir nicht weh, ist langsamer. Die 509 ist nicht gestartet, 510 ist Leutgeb, der auch langsamer bleibt, 511 hat Polak, den ich bei der Landesmeisterschaft um 1 Sekunde geschlagen habe, heute ist er um 29 Sekunden schneller als ich, aber zu weit hinter mir gestartet, als daß er mich eingeholt hätte. Aber dann geht es Schlag auf Schlag: die 512 hat der Österreichische Meister, Jens Mateyka, dahinter mit 513 der starke Spanier Txomin Oronoz und mit 514 der Titelverteidiger und Favorit Dimitri Buben aus Weißrußland.

Mein Plan ist es, daß mich Mateyka irgendwann kurz vor oder nach der Wende einholt (er startet 2 Minuten hinter mir) und ich dann ihn als Zugpferd benutzte. Berechtigte Hoffnung, denn er hat im Vorjahr ja immerhin eine Medaille geholt. Ich teile mir meine Kräfte sehr gut ein, kann die Steigung auf den Loferberg und vor allem den folgenden Kilometer bis zur Wende sehr schnell fahren, bis dahin holt mich niemand ein. Auch Mateyka nicht!

Dann beginnt mein Fehler: ich blicke mich nicht nach ihm um, ich rechne aber dauernd damit, daß er an mir vorbeifährt. Aber er kommt nicht! Ich fahre in dieser Phase nicht voll, halte Kräfte zurück, anstatt voll draufzudrücken und es einfach zu akzeptieren, daß er nicht kommt. So vergebe ich hier doch einige Sekunden, die vermeidbar gewesen wären. Kilometer um Kilometer geht vorbei, er kommt nicht. Endlich, viereinhalb Kilometer vor dem Ziel! Ich weiß nicht, soll ich froh darüber sein, daß er mir so "wenig" Zeit abnimmt? Nein, ich merke schon, daß ich nicht so schnell bin, sondern er so langsam.

Kaum ist er vorbei und hat den normalen Abstand von etwa 30, 40 Metern vor mir, fliegt auch schon der nächste vorüber, der Spanier. Und ich sehe, wie er ihn einholt und an ihm vorbeifährt. Spätestens da ist mir klar, daß es mit einer Medaille für den Jens heuer nichts wird! Und praktisch im Handumdrehen jagt dann auch noch Buben heran und fährt an allen vorbei!

Ich fahre ein gleichmäßiges Rennen bis ins Ziel, gleichmäßig schnell, aber verliere durch eine etwas zu verhaltene Fahrweise auf den Kilometern 10 bis 15 doch gut 20 bis 30 Sekunden, die nicht wirklich nötig gewesen wäre. Nur weil ich auf den Jens gewartet habe!

Der Schlußkilometer kommt mir auch ungewöhnlich lange vor, ich fahre ihn gleich schnell wie die anderen Kilometer zuvor, benötige aber doch 1:40 Minuten, während ich die anderen Kilometer davor in 1:20 oder knapp darunter gefahrne bin. Des Rätsels Lösung: die Distanz ist tatsächlich um 200 Meter länger als angegeben, 20,2 km statt 20 km!

Naja, die Zeit ist doch sehr gut (für meine Verhältnisse jedenfalls), ich bin eine knappe halbe Minute schneller als im Vorjahr, verliere aber 8 Plätze im Klassement! Da sieht man wieder, wie sehr das Niveau von Jahr zu Jahr steigt! Ich bin dennoch heilfroh über meine Fahrtzeit von 29:26, ich wollte unter 30 Minuten bleiben, und das ist nicht so einfach, wenn man nicht über Puls 180 fahren darf, weil ich sonst hyperventiliere!

Ein paar Details und Zeitvergleiche: Jens Mateyka ist als 12. bester Österreicher, er fährt 26:12, ist aber von einer Medaille Lichtjahre entfernt. Günther Iby wird in 26:45 18. und zweitbester Österreicher, dann folgt schon Klaus Moosbrugger in 27:53 auf Platz 31, Mosler Gerhard wird in 28:46 an der 44. Stelle klassiert, enttäuschend Pfisterer in 28:49 an der 47. Stelle, dahinter folgt Rupert Polak (in 28:57 an der 50. Stelle) und dann komme schon ich - als siebenter Österreicher! Was noch auffällt: die Medaillenplätze sind nur durch 1,7 Sekunden getrennt, Wahnsinn!

Ergebnisse Kategorie 3: Eugene Palumbo (USA) 25:22 (Schnitt 47 km/h), - 2. Dimitri
Buben (Weißrußland) -1,2 Sek.!!, - 3. Werner Hügel (BRD) -1,7 Sek.!!!, - 4. Michael Barfoed (Dänemark) -0:11, - 5. Txomin Oronoz (Spanien) -0:20, - 6. Axel Sinske (BRD) -0:30, - 7. Jakob Morasch (BRD) -0:35, - 8. Milos Brecelj (Slowenien) -0:42, - 9. Neville Ackerman (Südafrika) -0:43, - 10. Bill Gordin (Australien) -0:44, - weiters: 54. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) -4:04

 

Samstag, 28. August 2010: STRASSENWELTMEISTERSCHAFT IN ST. JOHANN/TIROL UM DEN GROSSEN PREIS DER KITZBÜHLER ALPEN, 76 km

Rennstrecke: St. Johann/Tirol - Huberhöhe - Gasteig - Griesenau - Schwendt - Kössen - Loferberg - Wohlmuting - Erpfendorf - Kirchdorf/Tirol - Litzlfelden - St. Johann/Tirol, 2 Runden á 37 km = 76 km, 190 Höhenmeter pro Runde = 380 Höhenmeter, Start 13.40 Uhr

Wetter: strömender Regen, am Start 18°, im Ziel 13°, starker N-Wind

Die WM-Strecke in St. Johann/Tirol

Das Streckenprofil der WM-Runde in St.Johann

Der erste und schwerste Anstieg, 2,3 km lang, 95 Höhenmeter

Der zweite Anstieg in Schwendt, 1,1 km lang, 52 Höhenmeter

Rennverlauf: Scheißregenrennen! Jeder Flair dieser Veranstaltung ist bei einem solchen Wetter hin und weg. Ich stehe am Start, 139 Fahrer sind in meiner Altersklasse 5 gemeldet, aber einige ziehen bei einem solchen Wetter dann doch den Schwanz ein - wortwörtlich, denn bei Kälte und Nässe zieht sich ja alles zusammen. 98 wetterfeste Verrückte finden den Weg in den Startbereich, einer der letzten davon bin ich. 2 Minuten vor dem Start stehe auch ich im Startblock.

Start. Der erste Kilometer raus auf die Bundesstraße. Hier drängt alles nach vorne, schließlich ist nach 2 km bereits die Huberhöhe angesagt. Eine entscheidende Steigung, denn wer hier zurückfällt, kann das Rennen eigentlich schon abhaken. Ein großes Feld, und die, die hinten sind, möchten vor dem Anstieg unbedingt noch nach vorne. Das Chaos und die Hektik sind vorprogrammiert. Erste Chance zum Nach-vorne-fahren: als es auf die Bundesstraße raufgeht, in einer Rechtskurve, links in der Mitte befindet sich eine Verkehrsinsel. Und genau da wollen sich nach vorne! Einer schneidet noch im allerletzten Moment nach innen rein, direkt vor mir, als sich vor ihm das Verkehrshindernis aufbaut. Er touchiert innen mit ein, zwei Fahrer,  wütende Schreie sind die Folge, als es dann auch schon kracht. Ich hab´s kommen sehen! Aber sein nachfolgender Mann, der kann nicht mehr rechtzeitig ausweichen, knallt voll gegen den Randstein, dann stürzt er nach rechts, direkt vor mein Vorderrad. Hier liegen sie übrigens jedes Jahr!

Ich hab keine Chance mehr, irgendwohin auszuweichen, fliege über den Knäuel drüber. Das hat mir gerade noch gefehlt! So schnell war ich noch nie auf den Beinen, rauf aufs Rad und weiter geht´s! Ich kann mich sogar hinten wieder einreihen, bin nicht mal abgerissen, aber es hat mich halt gut 50 Positionen gekostet! Also rein in die Steigung, und sofort arbeite ich mich nach vor, das kostet gewaltig Luft und Kraft, denn wir fahren ohnehin schon sauschnell.

Erste Steilstufe wird erfolgreich absolviert, dann die zweite. Geht auch noch. Dann aber werde ich länger, verliere ein paar Positionen, der Puls geht stetig nach oben, liegt dann schon bei 184. Dritte Steilstufe, irgendwie komm ich da auch noch drüber, dann die Linkskurve rein in die letzte und längste Steigung, rauf zur Kuppe. In dieser Linkskurve kriegt der Fahrer, der direkt vor mir ganz rechts außen fährt, vom starken Wind einen Schlag, sein Vorderrad wird nach links rein versetzt, er fährt mich förmlich nieder. Ich rechne ja nicht damit, es trifft mich völlig unvermutet, und sofort liege ich da. Er auf mir. Und hinten kracht auch noch einer rein. Scheißrennen! Ich kann nicht auf, weil die zwei Idioten auf mir draufliegen. Ich fluche und schiebe sie beiseite. Sofort wieder aufs Rad, aber das Loch ist da, das Feld ist eigentlich schon vorbeigefahren. Also nachfahren. Geht nicht, bin zu langsam, vorne sehe ich sie, wie über die Kuppe attackiert wird.

Einzige Chance: mit einem Gewaltsprint noch ranzuspringen, es muß halt unbedingt noch vor der Kuppe sein, denn danach sind sie im wahrsten Sinn des Wortes über alle Berge. Ohne lange zu überlegen, sprinte ich den Berg rauf, 53/17, ich glaube, ich sterbe. Aber es muß sein, der Wille ist stärker als das schwache Fleisch, mit dem Willen prügle ich mich den Berg rauf. Oben bin ich wieder dran. Wie hab ich das nur geschafft???

Ábfahrt nach Griesenau. Im Gegenwind, alleine wäre ich hier nie und nimmer rangekommen. Der Puls liegt jetzt schon bei 202, es sind nicht mal 5 km absolviert. Ich sehe nur die Hinterräder vor mir, sonst gar nichts. Als ich unten in Griesenau bin, bei der Abzweigung ins Kaiserbachtal, wo am Montag das Bergrennen war, stehe ich plötzlich vorne auf der Felge. Reifenschaden! Auch das noch! Wird wohl eine Folge eines der beiden Stürze gewesen sein, aber egal, das Rennen scheint vorbei, was soll ich jetzt tun? Eine Sekunde nur bin ich traurig, daß das alles so endet, dann gewinnt die Wut die Oberhand. Sofort bin ich abgerissen, ich rolle aus. Das bremst sich vor mir ein Auto ein, Kitzbüheler Kennzeichen, ein Junge ruft schreiend, was denn los sei, ich deute nur auf mein Vorderrad, mir fehlen die Worte vor Schwäche. Er springt raus, in der Hand ein Vorderrad, läuft her, reißt meines raus, schiebt seines rein, drückt den Schnellspanner zu, schneller hätt´s ich selber auch nicht machen können! Dann schiebt er mich an, ruft mir was zu, was ich nicht verstanden habe, und weiter gehts! Schließlich warten noch 67 Kilometer!

Ein paar Kilometer fahre ich mutlos und resigniert dahin. Die Gruppe ist weg, die hole ich sowieso nie mehr ein, was soll ich also bei diesem Sauwetter? Dann kommen von hinten hwei Mann daher, der Rupert Polak von der RC UNION St.Johann/Tirol, ein Lokalmatador, sowie der Mexikaner mit der Nummer 98, José Lopez Gaiza. Zu dritt fahren wir den Anstieg nach Schwendt, runter nach Kössen, dann über den Loferberg zur Strecke der Zeitfahr-WM. Der Wind, der jetzt von hinten schieben sollte, kommt erst wieder schräg von vorne. Der Regen peitscht ins Gesicht, das Hinterrad vor meiner Nase hat mir den Straßendreck samt Wasser in  die Augen, die Nase und den Mund. Nach einer Weile wechseln wir einander ab, der Mexikaner hat keine Ahnung von Technik, er fährt prinzipiell immer im Wind.

Meist führe ich, die anderen beiden verkriechen sich an meinem Hinterrad. Dann die zweite Runde, wieder geht´s die Huberhöhe rauf, rein paar Zuschauer feuern uns an. Der Mexikaner reißt ab, Polak erst oben auf der Kuppe, beide brauchen bis Griesenau!, ehe sie wieder da sind. In Schwendt das gleiche Bild. Ich fahre schneller, weil mir schon kalt wird, sofort werden die beiden lang. In Kirchdorf ist dann der Mexikaner plötzlich abgerissen, wenig später auch Polak. Alleine fahre ich weiter, es sind ja nur mehr ein paar Kilometer bis ins Ziel. Alleine die lange Zielgerade, alleine über den Zielstrich. Die Gefühle bei dieser Kulisse? Eigentlich wollte ich heute ganz vorne mitfahren, das hier ist nicht mal ein Abklatsch davon, es ist eine Tragödie, eine Katastrophe. Ich will gar nicht daran denken. Schwamm drüber, einfach wegwischen, als hätt´s das Rennen nie gegeben, morgen kommt eh schon ein neues.

Bester Österreicher wird Klaus Moosbrucker an 63. Stelle mit 9:30 Rückstand. Also wirklich kein Rennen, an das man sich gerne erinnert.

Ergebnisse Kategorie 5: 1. Alfred Keller (NL) 1:48:30 (Siegerschnitt 42,3 km/h), - 2. Rob van Leeuwen (NL), - 3. Dimitri Buben (Weißrußland), - 4. Mikhail Nowikov (Rußland), - 5. Jean-Claude Bougouin (F), - 6. Stefano Costantini (I), - 7. Werner Hügel (BRD), - 8. Txomin Oronoz (E), alle gleiche Zeit, - 9. Aleksandrs Aleksandrovs (Lettland) -2:17, - 10. Matthias Grünig (BRD), gleiche Zeit, weiters: 70. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) -21:27

 

Sonntag, 9. August: Bergrennen San Pietro Mussolino - Altissimo Campanella um das Memorial Albano Negro, zugleich Regionalmeisterschaft Veneto, 8,3 km

Rennstrecke: San Pietro Mussolino - San Pietro Vecchio - Crespadoro (neutralisiert 4,7 km) - Altissimo Campanella, 8,3 km, Start 361 m, Ziel 832 m, 471 Höhenmeter, Start 9 Uhr

Wetter: leicht bewölkt, sonnig, sehr warm, windstill, 26°

Rennverlauf: Leider starten alle Altersklassen auf einmal, 122 Fahrer, und leider wird auf einer sehr schmalen und engen Bergstraße gefahren, da ist am Anfang kein Platz, da wird gedrückt, gezogen, gesperrt, gehalten und geschoben. Das ist natürlich alles andere als erfreulich, aber eben typisch italienisch, aber schon nach kurzer Zeit hat sich das Feld derart in die Länge gezogen, daß das kein Problem mehr macht. Weiters ist es ein Problem, daß da mit den Startnumnmern die Klassenzugehörigkeit nicht erkennbar ist, das macht es schwer, seine direkten Konkurrenten zu erkennen.

Anfangs bin ich eingezwickt, werde auch abgedrängt, aber schon bald kann ich ungehindert fahren, und beginne mit meiner Aufholjagd. Platz um Platz mache ich gut, die Steigung ist nicht sehr steil, und immer wieder sind dazwischen längere Flachstücke. Man muß die Strecke halt wirklich genau und sehr gut kennen, sonst läßt man da einfach zu viel Zeit liegen. Wo immer in Oberitalien ein Bergrennen am Kalender steht, ist Silvano Tittoto nicht weit. So auch diesmal.

Schmale Bergstraße, rauher Asphalt, Steigung bis max. 8 %

Ich fühle mich recht wohl, denn das ist genau meine Steigung. Laufend mache ich Plätze gut, 2 km vor dem Ziel erreiche ich noch eine größere Verfolgergruppe,  die ich dann zwar noch abhängen kann, aber leider war da niemand aus meiner Klasse drin.

Die Sieger und Regionalbergmeister des Veneto, vorne Mitte Silvano Tittoto

Ergebnisse Kategorie Gentlemen: 1. Silvano Tittoto (GS Frenocar Cicli Bilato) 24:41, - 2. Pietro Tengattini (ASD Giuliano Barcella) -1:28, - 3. Enzo Bargamasco (ASD Cicli Benato Padova) -1:33, - 4. Gabriele Webber (CC Rotaliano) -2:03, - 5. Robert Bartonek (GS Tecnoimpianti Padova) -3:15, - 6. Maurizio Negroponte (ASD Carving Vicenza) -3:39, - 7. Fabiano dalla Vecchia (San Vito di Leguzzano) -3:49, - 8. Riccardo Cavazzeni (ASD Giuliano Barcella) -4:22, - 9. Alberto Corsini (ASD Aurora ´98) 4:32 - 10. Andrea Zanini (GS Penelli Cinghiale) -4:47

 

Freitag, 3. September 2010: Kriterium "Rund um den TABOR-Sportpark" in Maribor (SLO), 31,5 km

Rennstrecke: Einfahrt Sportpark Tabor, Engelsova, Rundkurs rund um das Sportzentrum, 1,5 km, 21 Runden = 31,5 km, Start 17.50 Uhr

Wetter: stark bewölkt, windstill, saukalt, 10°

Rennverlauf: 14 Fahrer standen inklusive mir am Start beim Eingang des Sportzentrums Tabor, das alle Stücke spielt. Die Masterklasse 2 hatte 21 Runden zurückzulegen, jede 7. Runde gab es die Punktedwertung mit 5-3-2-1 Punkte, wie in Österreich auch. Nicht üblich jedoch war die Tatsache, daß auf dieser "langen" Distanz von über 30 km nur drei Wertungen zur Austragung gelangten. Dadurch war zwischen den einzelnen Wertungen viel mehr Zeit, die genutzt wurde, um zu attackieren, Überrundungen zu versuchen und die Gruppe auseinanderzubrechen. In Österreich, wo zwischen den einzelnen Wertungen maximal 2-3 km liegen (hier waren es 10 km!), kann sich ein derartiger Rennverlauf gar nicht entwickeln.

Die Entscheidung des Rennens fiel bereits in der 6. Runde, als die Fahrer die Glocke zur Wertungsrunde bekamen. Der Marburger Lokalmatador Ljubo Car trat an und kam weg, konnte seinen geringen Vorsprung von 10 bis 15 Metern tatsächlich bis zur Wertung halten, die er ungefährdet gewann. Ich hatte keine Chance auf Punkte, so sehr ich mich auch bemühte. Ganz vorne in die letzte Kurve, ich kam als Zweiter auf die Zielgerade, voll mitsprinten, aber es hat nichts genützt, ich wurde nur Achter. Die Zielgerade war viel zu lang für mich! Da waren die reinen Sprinter gefragt, und das bin ich nun mal nicht. Aber ich habe aus dieser ersten Wertung meine Lektion gelernt.

Car hat gleich verlängert und ist voll weitergefahren, und innerhalb einer halben Runde war er auf gut 300 Metern vor der Gruppe. Die Zuschauer, sehr viel mehr übrigens als bei einem vergleichbaren Kriterium in Österreich, gingen voll mit und haben ihn lautstark angefeuert. Ich habe es andauernd versucht, alleine wegzufahren, bzw. einzelnen Angreifern nachzufahren. Aber es war nichts zu machen, die Typen haben aufgepaßt wie die Haftelmacher und waren sofort an meinem Hinterrad. Ich habe übrigens sehr schnell den Eindruck gewonnen, als wären die alle nur in diesem Rennen mit dabei, um Car den Sieg zu ermöglichen. Die haben alles getan, damit er vorne bleibt! Jeder Zuschauer mußte den Eindruck gewinnen, daß ich der einzige war, der sich mit seinem Sieg nicht abfinden wollte.

Zweite Wertung in der 14. Runde: Car hat vorne schon gut 500 Meter Vorsprung, meist haben wir ihn gar nicht mehr gesehen. Ich bin die letzte Runde vor der Wertung keinen Meter in Führung gelegen, habe mich auf das Hinterrad von Dusan Vidmar konzentriert, der ein starker Sprinter ist und ein paarmal versucht hat, auch alleine wegzufahren. Leider ging der Versuch tüchtig in die Hose, denn er kam zwar als Erster aus der Zielkurve, ich an seinem Hinterrad, aber dann ist er regelrecht auf der langen Zielgeraden verhungert. An der linken Seite ist eine ganze Staffel vorbeigefahren! Nachdem Car auch die zweite Wertung gewonnen hatte, ist Eugen Plesko Zweiter geworden und hat sich damit auch in der Gesamtwertung an die zweite Stelle gesetzt. Ich habe noch im allerletzten Moment reagiert und bin rübergesprungen in den Zug, der da vorbeigesprungen ist, und konnte so noch mit dem allerletzten Rest Energie Vierter werden und einen Punkt erkämpfen. Dieser Punkt sollte sich noch als der wichtigste des gesamten Rennens erweisen!

Im letzten Drittel war dann totaler Kampf angesagt. Da hat jeder scheinbar planlos attackiert, ich mußte verdammt aufpassen, daß ich da nicht die Übersicht verliere, durch das andauernde Nachfahren hatte ich auch keine Kraft mehr, selber aktiv zu werden. In der Schlußrunde habe ich dann mein Herz in meine Hände genommen (eigentlich in die Beine!) und bin zwei Kurven vor Schluß angetreten, unmittelbar vor der Kurve, mit vollem Tempo rein und noch schneller wieder raus. Es hat geklappt, ich bin weggekommen, anscheinend hat da niemand damit gerechnet, die waren alle völlig überrumpelt und haben sich gegenseitig angeschaut.

Das sollte man in dieser Situation aber niemals machen, denn jede Sekunde, die man auf diese Art verstreichen läßt, arbeitet doppelt für den Angreifer. Mit jedem Kurbeltritt bin ich weiter von den Verfolgern weggekommen. Letzte Kurve, riskant mit 45 km/h aus der Zielkurve, dann die letzte lange Gerade, ich bin ganz rüber nach links, hinten hat sich die Gruppe in die Länge gezogen, aber mein Vorsprung hat gereicht, sie sind nicht mehr herangekommen. Rang zwei hinter Car also in der Schlußwertung!

Daß ich gesamt den zweiten Rang erreichen konnte, habe ich meinem einen Punkt aus der zweiten Wertung zu verdanken. Dadurch hatte ich 4 Punkte erreicht, so viel wie niemand sonst außer Car und Vidmar, der mit 15 Punkten das Maximum erkämpfte. Gut, der hat aus dem Kriterium auch ein Einzelzeitfahren gemacht, der hat sicher verdient gewonnen. Aber dahinter war keiner so aktiv wie ich gewesen, also sehe ich mich als verdienten Zweiten.

Ergebnis Kategorie Master 2 (50+): 1. Ljubo Car (NK Maribor) 15 Punkte (Siegerschnitt 39,1 km/h), - 2. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) 4, - 3. Dusan Vidmar (Slowenien) 4, - 4. Eugen Plesko (Slowenien) 3, - 5. Milan Koic (Kroatien) 3, - 6. Robi Pintaric (Slowenien) 3, - 7. Ales Tajmajster (Slowenien) 1, - 8. Janez Pirnar (Slowenien), - 9. Stefan Zlebic (Slowenien), - 10. Bojan Cvajnar (Slowenien), alle 0 Punkte

 

Samstag, 4. September 2010: Straßenrennen um den Großen Preis des Naturparks Goricko in Grad, 76,5 km

Rennstrecke: Grad - Glazarjev Breg - Kuzma - Samidras - Sotina - Dolnji Slaveci - Beli Kriz - Grad, 5 Runden á 15 km, dann Zielankunft beim Schloß Grad, 1,5 km Zielsteigung mit 60 Höhenmetern, 106 Höhenmeter pro Runde + Zielsteigung = 590 Höhenmeter, Start 9.05 Uhr

Wetter: bedeckt, starker Regen bis unmittelbar vor dem Start, dann aufgetrocknet, starker, böiger NW-Wind, 15° (saukalt)

Rennverlauf: Ungewöhnlich der Start am Samstag vormittag, aber egal, ist nun mal so. Gleich nach dem Start, nach 3 km, wartete der erste Anstieg am Glazarjev-Berg, etwa einen knappen Kilometer lang, maximal 6 %, ohne Kehren und Serpentinen im Wald, leicht zu fahren. Dann die kurze aber steile Abfahrt nach Kuzma, links ums Eck und runter Richtung Süden, flach, ehe die Strecke links übers Beli Kriz (zweiter Anstieg, steiler, 800 m lang, max. 10 %) dann leicht fallend auf den letzten 3 km nach Grad zurückführt. Nach der 5. Runde führte dann der Zielanstieg rechts hinauf zum Schloß, eineinhalb Kilometer lang, die letzten 500 Meter auf schmaler, kurviger Straße direkt vors Schloß. Der traditionelle Zieleinlauf dieses Rennens, das nun schon zum dritten Mal am Programm steht - jedes mal übigens mit völlig anderer Streckenführung!

Und auch der Ablauf ist jedes Jahr anders, vor zwei Jahren bei der Premiere, als ich gewonnen habe, sind wir eine einzige lange, sehr bergige 123-km-Runde gefahren, im Vorjahr (da war ich nicht dabei) wurde eine 100-km-Runde absolviert, und heuer sind sie gar auf eine 15-km-Rundstrecke ausgewichen. Auffallend: die Distanz wird immer kürzer! So sind heute schon 50 km weniger als vor zwei Jahren zu fahren! Es gibt auch keinen Bergpreis mehr.

Am ersten Anstieg zieht sich das Feld, das aus allen drei Masterklassen bestand (40+/50+/60+), gehörig in die Länge, ich bin leicht abgerissen, war aber in der Abfahrt sofort wieder dran. Der Grund: ich war im Feld zu weit hinten gewesen, vorne sind wir abgekuppelt worden, aber in der Abfahrt schiebt sich wieder alles zusammen. Generell fahren wir hier auf schmalen Nebenstraßen, und die sind für den neuen Teilnehmerrekord von 158 Startern (!) einfach viel zu klein. Allein in meiner, der mittleren, Altersklasse sind 85 Fahrer gewertet worden!

Am zweiten Anstieg, dem Beli Kriz, dem sehr viel schwereren Berg, ist es dann richtig zur Sache gegangen, und 25 Fahrer kommen danach bei der Zieldurchfahrt in der ersten Gruppe vorbei. In der Abfahrt bin ich unmittelbar vor dem Ziel wieder an diese Gruppe herangefahren, nachdem ich am Anstieg kleine Probleme und ein kleines Loch hatte.

Zweite Runde: der erste Anstieg wird überraschend ziemlich moderat gefahren, ich halte gut mit, im Mittelfeld der Gruppe, dennoch kann sich oben auf der Kuppe eine 3-Mann-Gruppe absetzen, aber das wird nichts, die fahren immer ein paar Meter vor uns herum und werden unmittelbar vor dem zweiten Anstieg wieder gestellt. Dadurch aber wird dieser Anstieg voll gefahren, ganz oben auf der Kuppe muß ich reißen lassen, weil ich durch die Tempojagd auf die drei Ausreißer auch relativ weit hinten war und als einer der letzten in den Berg reingefahren bin - Anfängerfehler!!!

Mein Glück, daß sie in der Abfahrt wieder alle zusammenkommen und dann die Beine hochnehmen - da komme ich wieder ran, bei der Zieldurchfahrt in die dritte Runde zähle ich nur mehr 21 Mann.

Die dritte Runde ist die leichteste von allen, da wird überhaupt nicht gefahren, und ich drehe mich andauernd um, weil ich es gar nicht glauben kann, daß da von hinten niemand mehr kommt. Bergauf wird langsam gefahren (ist selbst mir zu langsam!), bergab zügig und gleichmäßig. Ich habe keine Probleme. Trotzdem: von hinten droht anscheinend wirklich keine Gefahr mehr, wir 21 bleiben vorne zusammen. Auf den letzten 3 km, bergab nach Grad, sehe ich mir die Gruppe mal genauer an, und sehe, daß mit mir acht Mann aus der 50+-Klasse dabei sind, aus der ältesten Klasse ist keiner mitgekommen. Die sieben anderen fahren aber ziemlich am Zahnfleisch, leider ist Bojan Ropret auch dabei, der ist der ganz große Favorit, an den werde ich mich halten. Das ist immer ein gutes Hinterrad.

Vierte und vorletzte Runde: das Kriegsbeil ist ausgegraben, Ropret geht als erster in die Offensive. Doch keiner gibt nach, alle halten dagegen. Das macht es doppelt schwer, denn in der Einserreihe hat der starke Seitenwind leichtes Spiel. Wer da zu weit hinten ist, fällt der Selektion des Windes um Opfer. Und kaum wird es richtig schwer, wird vorne attackiert. Die legen es darauf an, die Gruppe auseinanderzunehmen! Die ersten paar Male kann ich mich ganz vorne halten, dadurch entgehe ich auch dem Abreißen, aber die Gruppe wird immer kleiner und daher wird es für mich immer gefährlicher. Anstieg Beli Kriz: ich gebe alles, was ich noch habe, sprinte förmlich den ganzen Anstieg hoch, klebe am Hinterrad von Ropret, und das macht sich bezahlt: der Typ hat einen unglaublichen Tritt, der zermahlt förmlich alles. So hoch seine Frequenz in der Ebene, im Zeitfahren und vor allem im Sprint auch ist, so wuchtig und bullig fährt er am Berg. Unglaublich anzusehen, aber der schafft es tatsächlich, mit 3 Zähnen härter als alle anderen denen zum die Ohren zu fahren!

Völlig zersplittert kommt die Gruppe über die Kuppe, bergab drückt Ropret weiter aufs Tempo. Wie ein glühendes Messer fährt er ins weiche Fleisch und schneidet. Ich komme nur mit, weit ich relativ weit vorne über die Kuppe gekommen bin. Die Abfahrt nach Grad wird so schnell gefahren wie noch nie zuvor heute. 13 Mann sind wir in Grad, und außer mir und Ropret ist nur mehr Janez Pirnar dabei. Ich bin sozusagen in einer 3-Mann-Spitze der 50+-Klasse! 

Schlußrunde, die Entscheidung naht, die meisten in dieser Spitzengruppe sind schon am Anschlag. Beim ersten Anstieg, der so harmlos begonnen hat, wird auf der Kuppe auf Teufel komm raus gefightet, in einer wilden und überaus riskanten Abfahrt setzen sich drei Mann ab, sind aber alle aus der jüngeren Klasse. Völlig unerwartet bekommt Ropret Probleme, fällt etwas zurück. Wie beliebt der ist, sieht man daran, daß sofort alle, auch die jüngeren, aufs Tempo drücken und ihn abhängen wollen. Das Tempo wird so hoch, weit über 50 km/h, daß ich alles tun muß, um da überhaupt das Hinterrad zu halten. Ich weiß, wenn ich jetzt nur einen halben Meter preisgebe, komme ich nie mehr ran. An den letzten Anstieg denke ich erst, als wir ihn erreicht haben.

Gefahren wird, als ob oben das Ziel wäre. Ropret ist noch nicht heran, vorne die drei Spitzenreiter, deren Vorsprung schmilzt, ganz langsam kommen wir näher. Ropret alleine etwa 100 bis 150 Meter hinter uns, schafft es nicht, das Loch zuzufahren. Kilometer um Kilometer wogt der Kampf hin und her, dann ist der Anstieg erreicht und alle knallen sie rein, als ob er gerade mal 100 Meter lang wäre. Ich alleine hätte die Jagd auf die
Spitzenreiter längst aufgegeben, die gehen mich ja sowieso nichts an, aber dann wäre Ropret sofort wieder da. Das ist wohl der Hauptgrund, weshalb sich alle die Lunge rausgfahren, damit er nicht mehr aufschließen kann!

Ich weiß ehrlich nicht, wie ich diesen Scheißberg raufgekommen bin. Die drei Ausreißer verteidigen ihren Vorsprung, aber sie haben nur mehr ein paar Meter oben auf der Kuppe, dahinter auseinandergerissen die Verfolger, ich komme als Achter, als Fünfter der Gruppe also, habe gut 100 Meter auf den Vierten, den ersten meiner Gruppe, verloren. Ropret ist noch nicht vorbeigekommen, fährt irgendwo hinter mir. Dann geht´s bergab. Die Jagd jedoch geht weiter. Ich komme wieder heran, 5 Mann schließen sich zusammen in der Verfolgung der drei Spitzenreiter. Und Ropret ist nicht mehr dabei! Probleme mit der Rennmaschine, ein Schwächeanfall? Hat er sich übernommen? Ich weiß es nicht, aber das Tempo ist jetzt zu hoch, als daß ein einzelner, noch dazu angeschlagener Mann, da noch einmal herankommen könnte.

Grad ist wieder erreicht, jetzt geht es 1,5 km hinauf zum Schloß. Weite, auslandende Kurven durch den Wald, die Steigung ist ganz, ganz flach, etwa 1 bis 2 %, wir fahren alle mit dem großen Blatt. Dann zweigen wir nach links von der Hauptstraße ab, es geht hinauf zum Schloß, die Straße wird ganz schmal, die Steigung nimmt bis zu 5 % zu. Jetzt wird es ganz, ganz schwer, da weiterhin mit dem großen Blatt zu fahren. Jetzt brauche ich auch nicht mehr mitzuhalten, ich habe gewonnen, wenn Ropret mich nicht mehr erreicht. Da ich aber nicht weiß, wie weit er hinter mir ist, muß ich annehmen, daß er ganz knapp draufsitzt. Die letzten 200 Meter, die letzte Anstrengung, ein letzter Sprint, ich sehe die jüngeren Konkurrenten alle knapp vor mir, bin nicht weit hinten, ein paar Sekunden gerade, komme als Siebenter, Ropret ist hinter mir! Das ist der Sieg, der vierte in dieser Saison, und hier beim Schloß Grad nach 2008 schon der zweite!

Ergebnisse Master absolut: 1. Robert Vojt (Slowenien) 1:52:12 (Siegerschnitt 41,6 km/h), - 2. Janez Debeljak (Slowenien) -0:02, - 3. Borut Vovk (Slowenien) -0:05, - 4. Marjan Jauk (Slowenien) -0:12, - 5. Miha Vircic (Slowenien) -0:19, - 6. Marko Subic (Slowenien) -0:29, - 7. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) -0:36, - 8. Sandi Jugovic (Slowenien) -0:47, - 9. Bojan Ropret (Slowenien) -1:32, - 10. Ecio Bencic (Slowenien) -1:50

Ergebnisse Master 2 (50+): 1. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) 1:52:48 (Siegerschnitt 41,5 km/h), - 2. Bojan Ropret (Slowenien, Bizikel Bam:bi) -0:56, - 3. Janez Pirnar (Slowenien, Bizikel Bam:bi) -2:45, - 4. Tine Zupan (Slowenien, Scott-Team) -3:39, - 5. Milos Bozovic (Slowenien, Gor. Glas) -5:25, - 6. Marjan Cuden (Slowenien, BVG Gulc), - 7. Zoran Sorli (Slowenien, SD Elektro Primorska), alle gleiche Zeit, - 8. Bojan Cvajnar (Slowenien, Duplje) -8:12, - 9. Anton Kozjek (Slowenien, Bizikel Bam:bi) -8:39, - 10. Maks Pogacar (Slowenien, KD Brda) -8:42

 

Sonntag, 5. September 2010: Ausscheidungsrennen am Wachau-Ring bei Melk, Abschlußrennen im Ginner-Cup, 16,8 km

Rennstrecke: ÖAMTC-Fahrsicherheitszentrum Wachau-Ring bei Melk, insgesamt 14 Runden á 1,2 km = 16,8 km, 5 Höhenmeter pro Runde = 70 Höhenmeter, Start 17.20 Uhr

Wetter: starker O-Sturm, bewölkt, 15°

Rennverlauf: Wir sind wieder einmal ein ganz bestürzend kleines Häufchen von gerade mal 11 Startern, dabei sind wir zwei Altersklassen, in meiner, Master 2, sind mit mir gerade 4 Mann am Start - einfach unglaublich!

Wir fahren 5 Runden, sozusagen zum Aufwärmen, danach wird ab der 6. Runde der jeweils Letzte bei Start und Ziel aus dem Rennen genommen. In der ersten Phase fahren wir gleichmäßig langsam, erst gegen Ende wird das Tempo auf ca. 30 km/h erhöht. Dann die erste Wertungsrunde, der Letzte scheidet aus, aber niemand tut sich da was an, jeder weiß, wer ausscheiden wird - Michael Köbe vom Kollar Cycling-Team aus Stattersdorf wird aus dem Rennen genommen.

Von rechts: Hansl, Iby, Santos, ich (verdeckt), Sattler, Tomitz

Kurz darauf die obligatorische Attacke von Juan Santos, der sich absetzt und ein paar Hundert Meter Vorsprung rausfährt - 2 Runden lang hält er sich an der Spitze, ehe er wieder eingeholt wird. Ich denke, daß er dann gleich durchgereicht wird und ausscheidet, aber nein, er hält sich abermals ein paar Runden lang - ein toller 3. Rang in der Klasse 3 ist der Lohn für seine Leistung. Er hat sich heuer um ein paar hundert Prozent gesteigert!

Zielkurve: vorne Schäbinger vor Iby, ich links außen

Meine ganz große Befürchtung ist, daß ich irgendwo eingezwickt werde, nicht freikomme, während rechts und links alle von hinten an mir vorbeifahren. Damit das nicht passiert (ist ja bisher eigentlich jedes Mal so geschehen!) fahre ich generell ganz vorne und vor allem immer an der Seite, niemals in der Mitte. Ganz wichtig: Ausfahrt Zielkurve immer ganz rechts außen, da hat man den meisten Windschatten (an der Zielgeraden dann auch im Schutz der Mauer!) Ich halte mich da in jeder Runde an Günther Iby, der ungefähr meine Taktik fährt: er kann nicht sprinten und darf deshalb auch nicht allzu weit zurückfallen. Meine Taktik hat Erfolg, ich rette mich von Runde zu Runde, bin immer noch dabei, während nach und nach alle Master-3-Fahrer ausscheiden.

Rudi Hansl

Hansl vor Iby

Und da bin ich groß im Bild

Schäbinger vor Sattler

Wir Master-2-Fahrer sind ja nur zu viert, also muß ich einen von denen schlagen, dann stehe ich am Stockerl. Aber von Runde zu Runde sehe ich, daß sie alle noch dabei sind! Damit wird es immer schwerer für mich, weil die prozentuelle Chance steigt, daß ich als nächster ausscheide.

Günther Nutz, Gesamtfünfter und Sieger der Klasse 3

Sprint: Iby vor Nutz, Schäbinger und mir

Von links: Tomitz, ich, Iby, Nutz, Schäbinger, Santos, Hansl

Im Finale geht´s drunter und drüber: Iby greift an, fährt einen langen Sprint, ich sofort hinterher, an meinem Hinterrad, wie im gesamten Rennen bisher auch schon, Christian Sattler. Hansl, Schäbinger, Nutz hinterher, ich seh sie aber nicht, die haben ein kleines Loch, kommen nicht mehr heran, Schäbinger scheidet aus, das Loch wird größer, wir sind zu dritt vorne. Es scheint eine Vorentscheidung zu sein. Hinten setzt sich Hansl gegen Nutz durch, der Verlierer gewinnt die Klasse 3, der Sieger dieses Duells ist der Verlierer der Klasse 2, Hansl wird nämlich hier Vierter und geht leer aus. Paradox.

Dann die Entscheidung: in der Schlußrunde fahren wir drei um den Sieg und die Stockerlplätze: Iby, Sattler und ich. Sattler schätze ich als den stärksten Sprinter ein, Iby als den stärksten Zeitfahrer und größten Fuchs, und ich, naja, eigentlich bin ich der schwächste aus diesem Trio! Während ich noch überlege, nutzt Iby den Schwung in die Abfahrt, tritt an, ganz vehement, reißt sofort ein kleines Loch, instinktiv stehe ich auf und will hinterher, aber dann besinne ich mich eines Besseren. Ich wäre noch einmal an ihn herangekommen, aber ich habe Sattler am Hinterrad, den stärksten Sprinter, und der nimmt sicherlich keinen Meter. Das Ergebnis wäre klar, Iby und ich leer, er holt sich den Sieg am Präsentierteller, mir bleibt der dritte Rang. Also taktiere ich, lasse Iby weg, setze ihm nicht nach. Sehe eine größere Chance auf den 2. Rang, wenn ich mich auf einen Gegner konzentriere, nämlich auf Sattler. Der Vorsprung von Iby wächst, und 500 m vor dem Ziel ist klar, daß er der Sieger ist.

Günther Iby ist ein ausgezeichneter Zeitfahrer, also macht er in der Schlußrunde aus dem Rennen ein Zeitfahren und gewinnt!

Die Zielkurve. Unendlich lang, und genauso langsam drehen wir uns in den Wind hinein. Ich vorne, Christian an meinem Hinterrad. Als ich sehe, daß er - wahrscheinlich durch eine Unachtsamkeit  - ein klitzekleines Loch hat, trete ich sofort an. Aber es nutzt nichts, er kämpft sich wieder ran, es hat nichts gebracht. Raus aus der Zielkurve, rein in die lange leicht ansteigende Gerade, der starke Wind kommt direkt von vorne und bremst gewaltig. Ich fahre ganz rechts, Christian schräg rechts hinter mir, er gerät zwischen mir und die Bande, das ist ein Fehler, denn jetzt mache ich den Raum ganz langsam immer enger, bis er nicht mehr rechts von mir vorbeikann. Dadurch muß er jetzt abbremsen, außen rum, um links an mir vorbeifahren zu können. Der sehr viel längere Weg, das dauert, und ich ich hoffe, daß ich inzwischen den Zielstrich erreiche.

Die Taktik geht auf, er muß bremsen, außen vorbei, kommt dann links, als der stärkere Sprinter ist er natürlich schneller, ich seh´s am Schatten links von mir, als er kommt, ich sprinte auch, noch ein paar Meter, dann bin ich über den Strich hinweg. Er ist ein paar Handbreit hinter mir, dennoch höre ich unmittelbar danach den Sprecher durchsagen, daß er Zweiter ist und ich Dritter. Er selbst ist sich nicht sicher, ein paar Zuschauer, die direkt an der Ziellinie gestanden sind, sagen auch alle, daß ich vorne gewesen sei. Aber was soll ich mich aufregen? Irgendwie ist´s seltsam, daß es mir in meiner jahrzehntelangen Karriere noch nie passiert ist, daß ich bevorteilt wurde vom Zielgericht, immer nur benachteiligt.

Ich bin als Zweiter am Zielstrich, von Sattler ist hier nichts zu sehen.

Wie man am Foto klar sieht, bin ich am Strich ganz klar vor Sattler, der gar nicht zu sehen ist. Weil´s für die Ginnercup-Gesamtwertung aber ohne Bedeutung ist, sage ich auch nichts. Habe ich es nötig, bei einem so kleinen Rennen, bei dem eh nur 4 Mann gefahren sind, herumzustreiten? Eben. Frust? Warum? Ich hab nichts falsch gemacht, hab mir nichts vorzuwerfen. Auf den Christian bin ich auch nicht angefressen, der kann ja auch nichts dafür.

Ergebnisse Master 2 und 3: 1. Günther Iby (ARBÖ Ginner Amstetten), - 2. Christian Sattler (ASVÖ RC RIH Die Erste-Sparkasse Tulln), - 3. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl), - 4. Rudolf Hansl (ARBÖ imcom.24 Vredestein Wien), - 5. Günther Nutz (RC Trumau), - 6. Gerhart Schäbinger (ARBÖ Kollar Cycling-Team Stattersdorf), - 7. Juan Santos (PSV Giga-Sport Wien), - 8. Karl Tomitz (RC Wiener Allianz Schnecke)

Das Ausscheidungsrennen ist auch gleichzeitig das Abschlußrennen des Ginner-Cups, also gibt es auch in diesem Klassement eine Preisverteilung.

Alle Ginner-Cup-Gesamtsieger 2010, von links: Herbert Ebermann, der schnellste Polizist Österreichs (Kategorie 3), Wolfgang Lackner (Kategorie 1), Günther Iby (Kategorie 2, Jens Mateyka war nicht anwesend), Josef Schalk (Kategorie 4, mit beiden gebrochenen Händen als Sturzfolgen von Deutschlandsberg), Herbert Hain, der Organisator, Siegfried Rothauer (Kategorie 6) und Rudolf Horak (Kategorie 5), der knappste aller Sieger, er hat gerade mal einen Punkt Vorsprung! Und alle in diesem geilen rosa Schwuchtel-Trikot!!!

 

Freitag, 10. September 2010: Nachtkriterium "Rund ums Hotel Claudius" in Szombathely (Ungarn), 28,5 km

Rennstrecke: viereckiger Rundkurs rund ums 4-Stern-Hotel "Claudius" in Szombathely, 30 Runden á 950 m = 28,5 km, Start 20.45 Uhr

Wetter: windstill, kühl, 14°

Rennverlauf: In der Masterklasse 2 (50-60 Jahre) standen bei diesem Nachrkriterium gerade mal 14 Fahrer am Start. Naja, von Österreich her bin ich solch winzige Starter"felder" ja gewohnt. Aber hier kann ich die Fahrer nicht einordnen, kenne sie ja nicht. Drei Wertungen, jede zehnte Runde, wobei die letzte Wertung doppelt zählt, das ist bei uns daheim etwas anders. Gewertet wird - wie bei uns auch - mit 5,3,2,1 Punkten. Der Rundkurs ist schön zu fahren, relativ breite Straße, der Zielstrich - Gottseidank! - knapp hinter der Zielkurve, etwa 100 Meter sind es von der Kurve bis zum Strich. Das kommt mir doch sehr gelegen. Durch die breite Straße können aber alle vier Kurven voll genommen werden, mit hohem Tempo also, und das liegt mir wieder weniger.

Der Kurs ist schön ausgeleuchtet, als wir um 20.45 Uhr starten, da ist es ja schon dunkel. Vor uns sind die Alten gefahren, die hatten 25 Runden (= 23,750 km), nach uns werden die Jungen fahren, über 50 Runden (47,5 km), die Preisverteilungen gibt´s unmittelbar nach den jeweiligen Rennen.

Wir starten also und fahren zehn Runden (= 9,5 km) bis zur ersten Wertung. Zeit genug, sich die Typen mal genauer anzusehen. Attila Horvath heißt der Typ, und der zeigt sich von der ersten Runde an bärenstark, nimmt andauernd, schnell, sprintet, attackiert, führt, mit einem Wort, der präsentiert sich hier vom Start weg als der große Zampano. Die erste Wertung kommt dann relativ schnell, ich reihe mich vorne ein, natürlich führt Horvath, unmittelbar vor der Zielkurve drücke ich mich noch schnell an die dritte Stelle nach vorne, verliere im Sprint eine, werde aber Vierter - 1 Punkt! Natürlich hat Horvath gewonnen.

Die Zeit bis zur nächsten Wertung vergeht schnell, ohne nennenswerte Ereignisse, Horvath attackiert ein paarmal, kommt aber nicht weg. Ich halte mich bedeckt, spare Kräfte, bin aber immer bereit, falls sich wer wirklich absetzen sollte. Ganz blicke ich bei diesem Rennverlauf nicht durch, alle Fahrer scheinen auf sich alleine gestellt, keiner hat da einen Teamkollegen als Helfer dabei. Zweite Wertung: ich hab´s in der Runde davor zweimal versucht, wegzukommen, ohne Ergebnis, also fahre ich diesmal am Hinterrad von Horvath als Zweiter in die Zielkurve, komme raus auf die Zielgerade, er tritt an und zieht weg, mit einer Mörderübersetzung (sieht aus wie 60/4!), die beiden Attacken in der letzten Runde aber haben mich viel gekostet, ich hab überhaupt keine Luft, bin eigentlich blau und hab alle Hände voll zu tun, um wenigsens Vierter zu werden. Wieder ein Punkt!

Während ich noch herumrechne, wie jetzt wohl der Gesamtstand aussieht, überschlagen sich die Ereignisse: Horvath ist ein Schlitzohr, er hat sofort verlängert und setzt sich unmittelbar nach der Wertung ab, der Zweite springt nach, ich fahre am Dritten vorbei und versuche ebenfalls, das Loch zuzufahren, was mir nach einer halben Runde dann mit dem allerletzten Dreck gelingt. Drei-Mann-Spitze 9 Runden vor dem Finale!

Wieso Horvath angegriffen hat, wo er doch die beiden ersten Sprints nach Belieben dominiert hat, ist mir ein Rätsel. Vielleicht will er auf Nummer sicher gehen, weil ja der letzte Sprint doppelt zählt - das heißt aber, daß er Schwächen hat. Leider kann ich die nicht nutzen, denn ich fahre alle restlichen Runden am Anschlag, kann dann beim Zielsprint auch nichts tun, als nur als Dritter über die Linie zu fahren. Das ist dann im Endeffekt der klare dritte Platz, ich hab auch in allen drie Wertungen gepunktet.

Ergebnis Kategorie Master 2: 1. Attila Horvath (Cube-Csömör) 38:44/20 Punkte (Siegerschnitt 43,6 km/h), - 2. Bela Grosz (Bringavilag SK Bornsport) 9, - 3. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) 6, - 4. Zolt Bur (Bringabanda SC) 3, - 5. Csaba Tordai  (Trek SE) 2, - 6. Janos Vizdak (Bringabanda SC) 2, - 7. Denes Papp (Meditech SC Adverticum) 2, - 8. Gabor Bogar (Euro One Pro-Cube MTB-Team), - 9. Andras Melts (Bringavilag SK Bornsport), - 10. Szilard Buruczki (Magellan Köbanya TC), alle 0 Punkte

 

Samstag, 11. September 2010: Straßenrennen "Tour de Schrick" in Schrick, 47 km

Rennstrecke: Schrick - Blumenthal - Loidesthal - Sulz/Weinviertel - Niedersulz - Hohenruppersdorf - Martinsdorf - Schrick - Obersulz - Niedersulz - Hohenruppersdorf - Martinsdorf - Schrick, 47 km, 440 Höhenmeter, Start 15 Uhr

Wetter: bedeckt, tiefe, dunkle Regenwolken, sehr starker O-Sturm, 19°

Rennverlauf: An die 90 Rennfahrer, Hobbyfahrer und Amateure, stehen in Schrick beim Sportzentrum am Start zu diesem traditionellen Rennen, das heuer bereits zum achten Mal durchgeführt wird. Zwei Runden werden gefahren, zwei selektive, eine längere und dann eine kürzere, wobei die kürzere ein Teil der längeren ist und beide mit dem 2,5 km langen Anstieg zum Schricker Berg abschließen. Der wird also 3 km vor dem Ziel zum zweiten Mal überquert - und damit ist die Taktik auch schon klar: da heißt´s, volles Rohr drüberzuhobeln. Wie im Vorjahr bläst wieder ein sehr starker Wind aus derselben Richtung, direkt aus dem Osten. Scheint hier also ein Dauerzustand zu sein.

Das Streckenprofil zeigt, wie selektiv die Strecke ist - dennoch, wirklich sauschwere Anstiege sind nicht dabei, die werden hier alle mit dem großen Blatt gefahren, sind also weder lang noch wirklich steil. Mehr als 5 % gibt´s hier nirgends.

 

Startaufstellung, vorne das Maroitalia-Racing-Team, die ihren Mannschaftssieg aus dem Vorjahr zu verteidigen haben.

Vom Start weg geht es bergauf, ich kämpfe gegen den starken Seitenwind, der aber nach 2 km in Gegenwind übergeht. In dieser Phase setzt sich bereits ein einzelner Fahrer ab, keine Ahnung, wer es ist, ich sehe ihn erst, als er etwa eine halbe Minute Vorsprung hat. Keine Ahnung auch, wie der zu diesem Vorsprung gegen den Wind gekommen ist, denn wir sind ziemlich schnell gefahren. Ein weißer Punkt weit voraus, das ist alles, was ich erkennen kann, wahrscheinlich ein Fahrer vom Sport-Nora-Team (?). Komisch, daß gerade bergab nach Loidesthal, wo wir 70 bis 75 km/h fahren, der Bursche seinen Vorsprung sogar noch ausbaut. Dann kommt ein wellig bis hügeliges Stück mit starkem Rückenwind, bis Hohenruppersdorf.

Über alle Kuppen wird selbstverständlich mit dem großen Blatt gesprintet, ein paarmal muß ich da ganz schön hinhalten. Viel länger hätten diese Anstiege allesamt nicht sein dürfen, denn ich war jedesmal auf der Kuppe ziemlich blau. Dann kommt gleich hinter Martinsthal der zweieinhalb Kilometer lange Anstieg auf den Schricker Berg, die Schlüsselstelle des Rennens, vor allem auch durch die Nähe zum Ziel - es geht danach nur mehr 3 km bergab zum Zielstrich. Sofort wird mit hohem Tempo reingeknallt in die Steigung. Ich habe mich ganz vorne eingereiht, kann ganz gut mithalten, fahre hier mit 50/19, erst im letzten Teil gehe ich dann auf 50/21. Ein paar zaghafte Attacken, sonst wird eigentlich mit konstant hohem Tempo gefahren. Wieder bin ich oben ziemlich blau, aber heilfroh, mich vorne an der Spitze des Feldes mit drübergerettet zu haben. Die erste Runde, die längere, ist geschafft! Der einsame Spitzenreiter liegt immer noch in Führung, wenngleich jetzt sein Vorsprung etwas geschmolzen ist.

Das Maroitalia-Team zeigt sich sehr, sehr aktiv, attackiert andauernd, aber leider völlig ohne Hirn, sie kommen auch immer wieder weg, aber die Fahrer vom Nora-Sport-Team stellen sie immer wieder. Und teilweise fahren sie halt auch den eigenen Leuten nach - aus Übereifer, weil sie schon angeschlagen sind, aber egal, ich lasse sie sich mal austoben. Das Maroitalia-Team ist das zahlenmäßig stärkste Team, aber mit ihren unzähligen Angriffen erreichen sie genaugenommen gar nichts.

Zweite Runde, den ersten Anstieg gleich nach Schrick fahre ich ganz vorne in der Gruppe, danach geht es jetzt in der zweiten, kürzeren Runde, gleich runter Richtung Sulz, wieder mit hohem Tempo an die 80 km/h - der Spitzenreiter bleibt vorne! Danach auf dem welligen Gelände wird wieder mit dem allerletzten Einsatz über jede Kuppe gesprintet, mit vollem Rohr, mit dem Kopf durch die Wand. Durch das hohe Tempo wird die Gruppe immer kleiner, aber da ich ganz vorne fahre, kriege ich das gar nicht mit. Kurz vor Hohenruppersdorf haben wir dann jedoch den Spitzenreiter endlich gestellt - und damit beginnt das Rennen vor dem letzten, schweren Anstieg von neuem. Sofort wird attackiert, ein Maroitalia-Fahrer nach dem anderen greift an

 


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