rob1958's Webseite

 

Sonntag, 14. März 2010: Straßenrennen in Murska Sobota (SLO), 65 km

Rennstrecke: Murska Sobota, Bahnhof - Norsinci - Mlajtinci - Ivanci - Gancani - Renkovci - Turnisce - Nedelica - Radmozanci - Genterovci - Mostje - Dolga vas - Lendava, Prämiensprint - Lakos - Gaberje - Kapca - Hotiza - Bistrica - Melinci - Izakovci - Doklezovje - Bakovci - Murska Sobota, 65 km, 40 Höhenmeter, Start 11.15 Uhr

Wetter: starker SO-Wind, saukalt, leicht bewölkt, 6°

Rennverlauf: Weil da jetzt ja jeder eine "Lizenz" kriegt, stehen sage und schreibe 172 Fahrer am Start! Die meisten davon natürlich Hobbyfahrer, aber es ist verdammt gefährlich in diesem riesigen Feld, weil die meisten keine fünf Meter geradeaus fahren können. Es geht auch gleich sehr vehement zur Sache, sofort zieht sich das Feld in die Länge, reißt an ein paar Stellen und die ersten sind schon abgerissen. Wir sind kaum noch aus Murska Sobota draußen, ist schon gut die Hälfte aus dem Rennen! Wir fahren die erste Hälfte der Distanz gegen den Wind, und dieser Wind zerzaust das Fahrerfeld gehörig. Alle schnaufen und spucken, verbeißen sich an die Vordermänner, es gibt Stürze, das unvermeidliche Gebremse und Gequietsche, nervöses lautes Rufen, hektische Wortwechsel, dazwischen Geröchel und Geschnaufe.

Wegen mehrerer Baustellen auf der Originalstrecke fahren wir die ersten 30 km etwas anders als in den letzten Jahren, der Charakter der Rennstrecke bleibt dadurch aber unberührt: flach und windig! Auf den schmalen Straßen gibt es viele Richtungsänderungen, dementsprechend oft ändert sich die Windrichtung, die Staffeln müssen ständig neu ausgerichtet werden, viele sind da überfordert, stehen im Wind, reißen ab. Da spielen sich oft haarsträubende Situationen ab, denn solche Steuerkünstler nehmnen meist ein paar andere mit, die solcherart zum Handkuß kommen. Da hilft nur eines: so weit vorne fahren wie möglich!

Kurz vor Lendava ist es dann aber soweit: wir sind noch nicht mal eine Dreiviertelstunde unterwegs, da werde ich samt einer größeren Gruppen abgekuppelt und falle zurück. Mit der Nummer 1 am Rücken (das ist die des Vorjahrssiegers) ist man immer weithin sichtbar und ein Turm in der Schlacht, denn viele Augenpaare schenken mir Beachtung, beobachten mir sogar ganz genau. Es war eine Unachtsamkeit, zum anderen war ich einfach viel zu weit hinten positioniert. Spätestens jetzt wird die Ahnung zur Gewißheit: den Vorjahrssieg kann ich NICHT verteidigen!

Auf der Hauptstraße durch Lendava und auf den folgenden 15 km fährt der Seitenwind wie ein Tornado durch den aufgeschreckten Haufen, und sofort bilden sich mindestens acht bis zehn kleinere Gruppen, die quer über die ganze Straßenbreite, eng aneinandergedrückt, Schutz vor dem Sturm suchen. Ich bin irgendwo weit hinten eingereiht, abgehängt, ohne jede Chance, nach vorne zu fahren. Die Beine sind wie aus Gummi, die Muskeln aus Butter. Wir biegen nach Bistrica auf die Nebenstraße ein, wieder ändert sich die Richtung, und der Wind bläst dann von hinten und schiebt uns ganz gehörig an. Das Tempo geht rauf bis auf ca. 60 km/h, und innerhalb von wenigen Minuten ist der Haufen wieder komplett und geschlossen.

Ich bin völlig außer Atem, brauche lange, bis ich mich halbwegs erfange, und inzwischen sind wir schon in Zielnähe angelangt. In Bakovci biegen wir 4 km vor dem Ziel wieder rechts weg, der Wind kommt jetzt wieder von der Seite und bremst. An dieser Stelle, genau an der gleichen wie im Vorjahr, nehme ich ohne zu zögern die erste Gelegenheit wahr, als sich das Tempo etwas nach unten drücken läßt, um vorne rauszufahren. Erst als ich alleine vorne bin, merke ich, daß ich das nie und nimmer durchhalte. Die Beinen brennen, die Lungen stechen, die Augen tränen, mit einem Wort, ich bin kurz vor dem völligen Zerfall. Aber die Verfolgen haben mich entweder unterschätzt oder sie kämpfen mit denselben Problemen, jedenfalls bleiben sie auf Distanz (wenn man ca. 50 Meter überhaupt Distanz nennen kann!) - oder wollen sie mich vorne nur verhungern lassen? Egal, ich drücke und gebe alles. Ich habe keine Chance, also nutze ich sie! Aber ich habe wirklich keine Chance, denn kurz nach der 1000-m-Marke, als wir den Ortsanfang von Murska Sobota passieren, fliegen die Verfolger rechts und links an mir vorbei! Ich bin so leer, ich schwenke zur Mitte, aber da bin ich schon wieder alleine. Und genauso, mutterseelenalleine, rolle ich hinter dem jagenden Feld ins Ziel - ein komisches Gefühl als Vorjahrssieger!

Der Schlußkilometer

Durch den langen Winter, die tiefen Temperaturen, größtenteils Minusgrade, war das letzte Monat natürlich weit weg von optimal, und der daraus resultierende Trainingsrückstand ist nicht wegzuleugnen. Im Vorjahr, auch damals nicht in Hochform, habe ich aber wenigstens die Verfolger auf Distanz halten können! So wird´s eine typische Saisoneröffnung, kalt, windig, hinhalten und letztlich doch abreißen!

Ergebnisse: 1. Bojan Ropret (SLO) 1:41:25 (38,7 km/h), - 2. Marko Cuderman (SLO), - 3. Milan Koic (SRB), - 4. Brane Ugrenovic (HR), - 5. Ljubo Csar (SLO), - 6. Dan Gorisek (YU), - 7. Bostjan Slak (SLO), - 8. Primoz Cerin (SLO), - 9. Marjan Srnel (SLO), - 10. Eugen Plesko (SLO), - weiters: 18. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl), alle gleiche Zeit

 

Samstag, 20. März 2010: Straßenrennen in Lenart, 56,2 km

Rennstrecke: Lenart, Hauptplatz - Benedikt - Ihova - Plitvicki vrh - Lomanose - Gornja Radgona - Lutverci - Apace - Zepovci - Ziberci - Drobtinci - Podgorje - Vratja vas - Gradisce - Zamarkova - Lenart, Hauptplatz, 56,2 km,725 Höhenmeter, Start 10.15 Uhr

Wetter: heiter, sehr warm, 21°, leichter SO-Wind

Rennverlauf: Zweites Saisonrennen, aber die Strecke ist schwer, daher stehe ich mit gemischten Gefühlen am Start, und heute sind bei weitem nicht mehr so viele Starter wie noch in der Vorwoche.

Auf der Hauptstraße geht es mal ins 18 km entfernte Gornja Radgona, auf dem Weg dorthin sind bereits einige bissige Anstiege zu bewältigen, die ziemlich steil sind und viel Kraft brauchen. Der erste Anstieg wartet schon nach 6 km, und weil da sauschnell gefahren wird und ich ziemlich weit hinten am Start gestanden bin, komme ich auch nicht mehr rechtzeitig nach vor und werde prompt sofort abgehängt. In einer kleinen Gruppe kann ich etwa 15 km später den Anschluß wieder finden. Aber um welchen Preis! Ich bin völlig außer Atem und fühle mich so schwach wie ein Säugling.

Einige wenige Kilometer habe ich jetzt, in denen ich mich erholen kann. Doch als es dann den zweiten Berg hinaufgeht, nach 32 km, bin ich nicht lange dabei. Das Feld zieht sich in die Länge, ich bin hinten, dann reißt die lange Reihe gleich an ein paar Stellen, und auch ich bin gleich weg. An eine Verfolgung ist nicht zu denken, dazu sind die Jungs in meiner
Gruppe viel zu schwach. Ich kenne den Anstieg und auch den nächsten vom Wildon-Marathon, da sind wir einmal vor ein paar Jahren von Radkersburg aus hier zurück nach Spielfeld gefahren, jetzt wählen wir vom zweiten Berg eine andere Abfahrt, die nach Süden runterführt.

Nach 38 km der dritte Anstieg, gut zweieinhalb Kilometer lang, aber sehr gleichmäßig und höchstens 4 bis 5 % steil. In meiner Gruppe halte ich gut mit, aber wir sind halt abgerissen. In der Abfahrt wird dann wild attackiert, ich fahre zurückhaltend, kenne die Abfahrt nicht, schmale Straße, kurvig, ist nicht ungefährlich. Unten im Tal angekommen, ist meine Gruppe völlig auseinandergefahren, ich fahre jetzt mit 50/14 hohes Tempo, kann etwas aufholen, es bildet sich eine kleinere Gruppe und es gelingt mir, das Tempo hochzuhalten. Auch die Spitzengruppe ist an diesem Anstieg auseinandergefallen, wir bekommen ein paar Abgerissene auf Sichtkontakt. Aber dann ist schon der nächste Anstieg da. Kurz und steil, er bricht halt jeden Rhythmus.

Danach habe ich schwere Beine. Ich nehme mir mal eine Auszeit, bleibe an den Hinterrädern und lasse die anderen arbeiten. Aber da geht halt absolut nichts weiter. Wir werden immer langsamer, und dann kommt von hinten eine ganze Gruppe heran. Wir sind auf der Hauptstraße draußen, es sind jetzt nur mehr ein paar Kilometer - und noch ein Anstieg trennt uns vom Ziel.

Dirka na Nanos(

Tomi Curk (SLO)

Ich habe nichts mehr zu verlieren, also greife ich am Anstieg an. Ein Himmelfahrtskommando. Die anderen sie so perplex, daß sie gar nicht reagieren. Ich habe auf der Kuppe oben knappe 10 Sekunden Vorsprung, viel zu wenig, um das ins Ziel zu bringen. In der Abfahrt bin ich wieder eingeholt, ich komme mit einer kleinen Gruppe ins Ziel, wir sind vier Mann, im Sprint werde ich Zweiter dieser Gruppe. Unser Rückstand auf den Sieger ist gewaltig, beinahe 4 Minuten groß!

Ergebnisse: 1. Primoz Cerin (SLO) 1:32:24 (Schnitt 37,9 km/h), - 2. Bojan Ropret (SLO) -0:11, - 3. Marco Cuderman (SLO), gleiche Zeit, - 4. Bostjan Slak (SLO) -0:27, - 5. Marjan Srnel (SLO) -0:50, - 6. Ljubo Csar (SLO), gleiche Zeitm, - 7. Dan Gorisek (YU) -1:14, - 8. Milan Koic (SRB) -1:19, - 9. Eugen Plesko (SLO) -3:45, - 10. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl), gleiche Zeit

 

Freitag, 26. März 2010: Giro di Gorenjska, 1. Etappe: Nacht-Rundstreckenrennen um den Großen Lavi-Preis in Kokrica bei Kranj, 59,5 km

Rennstrecke: Kokrica - Zlato Polje - Rupa - Kokrica, zweimal über die Autobahn, 17 Runden á 3,5 km = 59,5 km, 10 Höhenmeter pro Runde = 170 Höhenmeter, Start 20 Uhr

Wetter: bedeckt, windstill, mild, 16° (!)

Rennverlauf: Mein liebstes Frühjahrsrennen, aber leider habe ich heuer noch nicht die Form vom Vorjahr. Diesmal ist auch noch dazu saukalt, das behagt mir gar nicht. Und heuer fahren wir 17 Runden, drei mehr als im Vorjahr. Am Start ist auch die italienische Mannschaft GS Idea UNO Arreda, angeführt von den beiden "Kanonen" Roberto Pagnin und Fabrizio Verza, den Ex-Profis. Die beiden alleine sind schon ganz klar die Favoriten, diesmal aber haben sie noch eine ganze Mannschaft dabei, das kann ja heiter werden!

Die Slowenen scheinen die beiden gar nicht zu kennen, denn sie gehen recht forsch und ungeniert zu Werke, attackieren gleich, aber schon in der zweiten Runde ist urplötzlich Pagnin alleine weg, läßt sich dann wieder einfangen und lacht. Postwendend springt Verza weg, und ab dem Zeitpunkt haben sie alle einen Heidenrespekt vor den beiden. Nichtsdestotrotz wird fleißig und munter weiter attackiert.

Es ist ein sehr abwechslungsreiches Rennen, hektisch auch, aber dennoch läßt sich eine gewisse Linie erkennen. Ich kann es kaum glauben, aber ich habe bei den beiden Autobahnüberfahrten gewisse Probleme, muß da ganz gehörig hinhalten. Das sehr große Starterfeld von mehr als 150 Fahrern ist sehr schnell kleiner geworden, da wird gnadenlos ausgesiebt. Und die meisten müssen reißen lassen, weil das Feld einfach auseinanderbricht, viel zu groß ist. Und vorne machen die Italiener das Tempo, die Slowenen lauern dahinter auf ihre Chance. Aber die kommt nicht. So wie der agiert, weiß ich, daß er die Form hat, um zu gewinnen, und das will er auch. In der vorletzten Runde fährt er vorne alleine raus, aber wie! Es passiert mit der für ihn so typischen Vorbereitung: unmittelbar davor fährt er direkt neben mir, so etwa an der 30. bis 40. Position, trinkt ein paar Schluck, steckt die Flasche wieder zurück, greift den Lenker unten, schaltet und fährt sitzend mit 54/12 oder 13 am ganzen Feld vorbei nach vorne, dann kurbelt er immer schneller, bis er mit ca. 60 bis 65 km/h vorne alleine rausfährt. Eine wirklich unglaubliche Demonstration, so was muß man gesehen haben. Der ist jetzt in der Tat nicht viel schwächer als in seiner Profizeit! Er läßt nicht nach, vergrößert seinen Vorsprung. Gegen Ende der Runde setzen fünf Mann nach, darunter sind aber wieder zwei Italiener! Zu sechst fahren sie die Schlußrunde, und dann am Zielstrich eine weitere Demonstration des Könnens, Pagnin sprintet ohne Gegenwehr, hängt seine Fluchtgefährten auf den letzten 200 Metern um satte 2 Sekunden ab! Die Spitzengruppe hat im Ziel 39 Sekunden Vorsprung, aber dahinter ist das völlige Chaos ausgebrochen.

Als die Spitzengruppe vorne weg war, wird aus dem Feld attackiert, heftig, kompromißlos, und da platzt auch dieses Feld noch ein paarmal auseinander. Aber immer wieder finden die einzelnen Gruppen zusammen, und das ist mein Glück, obwohl im Handumdrehen wieder eine kleine Gruppe weg ist. Die meisten sind schon ziemlich angeschlagen, die haben einen ganz komischen Blick. Das Feld zieht sich in die Länge, reißt an mehreren Stellen immer wieder, und in der Schlußrunde wird es dann leider völlig unübersichtlich.

Ich habe leere Beine und kann nichts mehr dagegensetzen, als die Schlußoffensive einsetzt. Naja, was solls, mehr ist eben nicht drinnen. Vom Vorjahrsergebnis kann ich nur träumen (damals war ich zeitgleich mit dem Sieger), diesmal verliere ich 1:15 Minuten und belege nur den 59. Rang.

Ergebnis: 1. Roberto Pagnin (Italien, GS Idea UNO Arreda) 1:16:11 (Schnitt 44,6 km/h), - 2. Bostjan Slak (SLO) -0:02, - 3. Fabrizio Verza (Italien), - 4. Gianmarco Agostini (Italien), - 5. Bojan Ropret (SLO), alle gleiche Zeit, - 6. Marko Cuderman (SLO) -0:11, - 7. Ales Hren (SLO) -0:14, - 8. Primoz Cerin (SLO), gleiche Zeit, - 9. Brane Ugrenovic (CRO) -0:22, - 10. Dan Gorisek (SRB) -0:29, - weiters: 59. Robert Bartonek (Österreich, RC UNION Unterguggenberger Wörgl) -1:15

 

Samstag, 27. März 2010: Giro di Gorenjska, 2. Etappe: Kranj - Jesenice, 69 km

Rennstrecke: Kranj - Visoko - Tupalice - Preddvor - Baselj - Trstenik - Golnik - Krice - Trzic - Bistrica - Begunje - Zirovnica - Lesce - Bled - Spodnje Gorje - Blejska Dobrava - Jesenice, 69 km, 455 Höhenmeter, Start 9.30 Uhr 

Wetter: bedeckt, regnerisch, aber trocken, leichter NW-Wind (meist Gegenwind), 15°

Rennverlauf: Das große Starterfeld wird heute auf schmalen Nebenstraßen unterwegs sein, unmittelbar vor dem Ziel wartet der schwere Anstieg, 4 km lang, im Vorjahr ist hier das Feld auseinandergerissen worden. Also volle Konzentration auf diesen Anstieg. Leider wird das Rennen schon vorher entschieden. Vom Start weg wird angegriffen und das Tempo hoch gehalten, auf den schmalen Straßen mit dem großen Starterfeld ist das eine Roulettespiel. Das ist schon mal die erste Selektion. Nach etwa 25 km hat sich an der Spitze eine 3-Mann-Spitze gebildet, mit den beiden italienischen Spitzenreitern, Pagnin und Verza, mit Slak ist der stärkste Slowene auch mit dabei. Die drei kurbeln, was das Zeug hält. Ihr Vorsprung vergrößert sich ständig, im Feld findet man kein Rezept, um den Rückstand zu verkürzen. Die Italiener bremsen, die Slowenen sind uneinig und verzetteln sich in Einzelaktionen und begnügen sich damit, in sinnlosen und kräfteraubenden Aktionen das Feld immer wieder zu spalten. Der Pulk wird zwar stetig kleiner, findet aber immer wieder zusammen. Eine seltsame Taktik.

Ich halte mich unauffällig im Feld auf, fahre relativ weit vorne, und sobald ich ein paar Positionen eingebüßt habe, fahre ich gleich wieder nach vorne. Irgendwann ist Bled erreicht, die Spitzenreiter haben hier 3:40 Minuten Vorsprung. Ich denke, das Rennen ist gelaufen. Die Stärksten sind vorne.

Und dann knallen sie rein in die Steigung. Mit vollem Geschäft, mit dem großen Blatt und viel Todesmut. Ich reiße sofort ab und falle zurück, das Tempo ist mir viel zu hoch. Erst nach gut 2 km finde ich den Rhythmus, kann dann auch den Abstand in etwa halten. Und in der zweiten Hälfte des Anstieges hole ich sogar noch auf (naja, nicht vom Rückstand her, aber Plätze mache ich gut!).

Mit dem letzten Dreck wuchte ich mich über die Kuppe, dann geht´s in die Abfahrt. 6 km sind es runter bis Jesenice, dann noch zweieinhalb Kilometer flach bis ganz leicht steigend auf der Hauptstraße bis ins Ziel. Was soll ich da noch gutmachen? Vorne holt sich Pagnin die Etappe, und der zweite Platz von Verza ist eine weitere Demonstration der Stärke der Italiener. Und mit der Tagesreihung ist auch die Gesamtwertung gegeben. Ich verliere 7:45 Minuten und komme als 39. ins Ziel. Desillusionierend.

Ergebnisse Tageswertung: 1. Roberto Pagnin (Italien, GS Idea UNO Arreda) 1:42:25 (Schnitt 40,2 km/h), - 2. Fabrizio Verza (Italien, GS Idea UNO Arreda) -0:02, - 3. Bostjan Slak (Slowenien) -0:04, - 4. Ales Hren (Slowenien) -0:15, - 5. Primoz Cerin (Slowenien), gleiche Zeit, - 6. Marko Cuderman (Slowenien) -0:22, - 7. Janez Zakotnik (Kroatien) -0:56, - 8. Ljubo Csar (Slowenien) -1:17, - 9. Gianmarco Agostini (Italien, GS Idea UNO Arredo) -1:39, - 10. Eugen Plesko (Slowenien), gleiche Zeit, - weiters: 39. Robert Bartonek (Österreich, RC UNION Unterguggenberger Wörgl) -7:45

Gesamtwertung nach 2 Etappen: 1. Roberto Pagnin (Italien) 2:58:36, - 2. Fabrizio Verza (Italien) -0:04, - 3. Bostjan Slak (Slowenien) -0:06, - 4. Ales Hren (Slowenien) -0:29, - 5. Primoz Cerin (Slowenien), gleiche Zeit, - 6. Marco Cuderman (Slowenien) -0:33, - 7. Gianmarco Agostini (Italien) -1:41, - 8. Janez Zakotnik (Kroatien) -1:45, - 9. Brane Ugrenovic (Kroatien) -2:01, - 10. Dan Gorisek (Serbien) -2:08, weiters: 20. Robert Bartonek (Österreich, RC UNION Unterguggenberger Wörgl) -9:55 

 

Samstag, 27. März: Giro di Gorenjska, 3. Etappe: Bled - Kranj, 56 km

Rennstrecke: Bled - Lesce - Zirovnica - Lesce - Radovljica - Kamna gorica - Podnart - Spodnje Duplje - Nakjlo - Kokrica - Kranj - Podreca - Smlnedjac - Trboje - Kranj, 56 km, 115 Höhenmeter, Start 16.20 Uhr

Wetter: bedeckt, regnerisch, starker NW-Wind, 17°

Rennverlauf: Im Gegensatz zum Vorjahr sind jetzt 5 Stunden Differenz zwischen dem Zieleinlauf am Vormittag und dem Start am späten Nachmittag. Da kann man wenigstens essen und etwas regenerieren. Aber all das hilft mir nichts, die Beine sind schwer und sauer, ich habe am Vormittag viel zu viel investiert. Die Situation ist jetzt aber auch eine völlig andere als im Vorjahr, damals war ich zeitgleich mit dem Gesamtführenden, heuer habe ich keine Chance mehr auf einen Top-10-Platz. Also nehme ich die Rundfahrt ab jetzt als das, was sie ist, nämlich ein tolles, hartes Training unter Rennbedingungen.

Vom Start weg muß ich hinhalten, fahre am Anschlag. Das Tempo ist hoch, und durch die ständigen Richtungsänderungen - es geht in dem Tal kreuz und quer und hin und her - bläst der starke Wind alle paar Minuten aus einer anderen Richtung. Ich habe mich am Start ganz vorne eingereiht, bin aber sehr schnell hinten am Ende des Feldes. Und dann geht es nur mehr ums Überleben. Kuppe um Kuppe, Kilometer um Kilometer kämpfe ich mich, verzweifelt gegen das Ab reißen ankämpfend, dem Ziel entgegen. Auch nicht gerade motivierend ist es, die eigene schwache Form zu sehen und zu spüren, und dabei zu sehen, daß kein einziger anderer abreißt.

Die Italiener, die die beiden ersten Plätze der Gesamtwertung innehaben, geben sich damit nicht zufrieden. Sie forcieren, greifen an, wollen das Feld unbedingt zerreißen. Und wenn sie sich das vorgenommen haben, dann können sie es auch. Hohes Tempo, vor allem in den Seitenwindpassagen wird das ganze Feld auf die Kante geschaufelt, der ganze Haufen zieht sich in die Länge. Und wer da jetzt hinten ist, kommt bis ins Ziel garantiert nicht mehr nach vorne.

Und dann reißt das Feld auch schon, ich bin in der zweiten Gruppe, aber als das Loch noch ganz klein ist, vielleicht gerade mal 20 Meter, fahren ein paar Slowenen sofort wieder zu und ziehen mich mit. Danke, Leute, das war super, alleine hätte ich es nicht mehr geschafft! Ich überlebe diesen Großangriff dank meiner Routine und weil ich mich nicht mehr von den Hinterrädern wegblasen lasse. Wir sind bis kurz vor dem Ziel kaum mehr 20 Mann, und das baut mich schon gewaltig auf, aber während ich wegen des schon nahen Ziels übermütig werde, reiße ich auch schon ab - diesmal ist es endgültig!

Zu allem Überdruß werde ich knappe 3 km vor dem Ziel noch von einer hinteren Gruppe aufgefahren und rolle mit denen ins Ziel, total kaputt, entmutigt, ich habe wieder nicht mithalten können, habe wieder Zeit eingebüßt! Das drückt auf die Moral. Naja, immerhin waren heute 125 Rennkilometer zu fahren, das ist ja - vor allem um diese Jahreszeit - auch kein Pappenstiel.

Ergebnisse: 1. Roberto Pagnin (Italien, GS Idea UNO Arreda) 1:21:25 (Schnitt 40,9 km/h), - 2. Fabrizio Verza (Italien), - 3. Primoz Cerin (Slowenien), - 4. Gianmarco Agostini (Italien), - 5. Ales Hren (Slowenien), alle gleiche Zeit, - 6. Marco Osonkar (Slowenien) -0:29, - 7. Milan Koic (Serbien), gleiche Zeit, - 8. Dusan Vidmar (Slowenien) -0:34, - 9. Eugen Plesko (Slowenien) -0:37, - 10. Marco Cuderman (Slowenien) -0:45, - weiters: 22. Robert Bartonek (Österreich, RC UNION Unterguggenberger Wörgl) -0:55

Zwischenstand in der Gesamtwertung nach 3 Etappen, vor der Schlußetappe: 1. Roberto Pagnin (Italien) 5:00:01, - 2. Fabrizio Verza (Italien) -0:04, - 3. Primoz Cerin (Slowenien) -0:29, - 4. Ales Hren (Slowenien), gleiche Zeit, - 5. Bostjan Slak (Slowenien) -1:01, - 6. Marco Cuderman (Slowenien) -1:28, - 7. Gianmarco Agostini (Italien) -1:41, - 8. Eugen Plesko (Slowenien) -2:47, - 9. Dan Gorisek (Serbien) -3:03, - 10. Milan Koic (Serbien) -3:45, - weiters: 20. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) -9:55

.

Sonntag, 28. März 2010: Giro di Gorenjska, 4. Etappe: Straßenrennen "Rund um Kranj" mit Start und Ziel in Kranj, 126,5 km  

Rennstrecke: Kranj - Trboje - Podreca - Kranj - Zabnica - Skofja Loka - Sora - Goricane - Medno - Medvode - Smledvik - Sentvio - Tarcen - Smartno - Crnuce - Podgorica - Polje - Zalog - Dol - Krumperk - Lukovica - Radomlje - Volcji potok - Mekinje - Stahovica - Zgornje Stranje - Kamnik - Duplica - Menges - Utik - Vodice - Moste - Spodnji Brnik - Sencur - Kranj, 126,5 km, 115 Höhenmeter, Start 10 Uhr

Wetter: bedeckt, regnerisch, starker NW-Wind, 14°

Rennverlauf: Mit Grauen denke ich an das Vorjahr zurück, als wir mit nicht mal zehn Grad und strömendem Regen da herumgefahren sind, heute ist es wenigstens etwas "wärmer" und vor allem trocken. Und obwohl die beiden Italiener klar führen (Pagnin hat alle Etappen gewonnen), sind noch gut 10 Mann für den Toursieg gut, liegen nur ein paar Sekunden zurück. Und die Slowenen starten auch gleich eine große Offensive und greifen mit mehreren Mann an. Bei mir geht es - leider - um nichts mehr, mein Rückstand ist viel zu groß. Im Vorjahr lag ich ja zeitgleich mit dem Führenden, heute kann ich das Rennen als das nehmen, wofür es eigentlich gedacht ist: als Training unter Rennbedingungen!

Durch die vielen Attacken gleich zu Beginn wird hohes Tempo gefahren, und sehr schnell bin ich am Limit und muß richtig hinhalten. Ich habe da eine wirklich echte Schwäche, und das schon nach wenigen Kilometern, da sind noch weit mehr als 100 km zu fahren. Das drückt auch auf die Moral, wenn man spürt, in welchem Zustand man ist, und sieht, daß noch kein einziger abgerissen ist. Die Italiener sind im Verteidigen Weltspitze, in jeder Gruppe fährt einer von ihnen mit oder sonst sind sie an der Spitze der Verfolger eingereiht, wenn es ans Aufholen und Nachfahren geht. Und das wird ziemlich kompromißlos gemacht, da wird mit vollem Tempo hingefahren. Das schlaucht ganz schön.

Unmerklich kommt plötzlich der Moment, in dem die Italiener beginnen, diese intervallartigen Tempojagden zu ihrem Vorteil zu nutzen. Und Pagnin selbst fährt nicht wie ein Führender, am Hinterrad seiner Mannschaft, sondern wie einer, der angreifen will und einen Rückstand aufholen muß. Er stellt sich in den Wind, attackiert selber, und wenn der an die Spitze geht, dann rasselt es ganz gehörig im Peloton. Man glaubt es kaum, aber wenn der mit 54/14 an der Spitze fährt, dann fährt er eine Frequenz, die ein Tempo von knapp 60 km/h ergibt! Das Ergebnis ist wohl das gewünschte: das Feld zieht sich in die Länge, ein paar Kilometer lang dehnt und dehnt sich diese "Schnur", bis sie dann erwartungsgemäß an mehreren Stellen reißt. Und dann bleibt er vorne noch ein paar Minuten in der Führung und sorgt damit dafür, daß diese Teilung des Feldes endgültig ist!

Die Arbeitsteilung ist klar: Pagnin ist der Mann fürs Grobe, er attackiert, er sprengt das Feld, er arbeitet, er siegt. Wofür braucht der eine Mannschaft? Diese Frage ist berechtigt, denn die anderen tun eigentlich nicht viel. Wahrscheinlich sind sie nur deshalb dabei, damit irgendwer zur Stelle ist, wenn er stürzt oder Defekt hat.

 

Der Gesamtzweite Fabrizio Verza

Ich habe mich inzwischen etwas erholt und gefangen, kann aber nicht aktiv fahren. Das Tempo ist mir zu hoch und das erfordert zu viel Kraft, meine Substanz ist begrenzt. Ich begnüge mich damit, die Hinterräder vor mir zu halten. Die Strecke ist topfeben, die einzigen Höhenmeter resultieren aus Bahn- und Autobahnüberfahrten. Ich fahre immer wieder in der Gruppe ganz nach vorne, wenn es mir gerade möglich ist, also wenn es mir etwas besser geht und das Tempo kurzfristig mal etwas absinkt. Als ich dann nach ca. 100 km merke, daß wir nur mehr knappe 20 Mann an der Spitze sind, stärkt das das Selbstvertrauen. Doch dann mache ich einen leider nur allzu üblichen Fehler, ich werde übermütig, verabsäume es, bei jeder sich bietenden Gelegenheit meine Position in der Gruppe zu verbessern, bleibe hinten und werde in der nächsten Kurve abgehängt, als es in den Wind hineingeht. Und dann zeigt es sich, daß es mit der verspürten "Hochform" auch nicht weit her ist, denn alleine bringe ich keinen anständigen Tritt zustande, geschweige denn eine richtige Verfolgung.

Vorne haben sich Bostjan Slak und Janez Zakotnik abgesetzt, die beiden Slowenen, die noch Chancen auf den Rundfahrtsieg haben. Die Italiener bewahren die Ruhe und organisieren die Verfolgung. Ich habe ein immer größer werdendes Loch vor mir. SCHEISSE!

Und damit ist für mich 12 km vor dem Ziel das Rennen leider wieder gelaufen, ich fahre kurze Zeit alleine, dann werde ich von einer nachkommenden kleinen Gruppe - so wie gestern nachmittag - kurz vor dem Ziel noch eingeholt. Egal, ein tolles Training war´s auf alle Fälle!  Doch noch einmal kommt die Rettung, diesmal in Form des Italieners Gianmarco Agostini, eines Helfers von Pagnin. Und der will sich auch einmal in Szene setzen, ist ja verständlich bei einem solchen Chef, der so dominant fährt! Aus irgendeinem Grund war er vor mir schon abgerissen (oder er hatte Defekt, und ich hab´s nicht gemerkt, was ich annehme) und ist jetzt nachgefahren. Und wie! Er hat genommen, als wäre er der Pagnin höchstpersönlich, hinten dran sind vier Mann auf Leben und Tod gehängt, da hab ich mich halt dazugehängt. Und was soll ich sagen? Ganze 4 Kilometer später waren wir wieder in der Gruppe drin!

Die siegreichen Italiener

Diesmal habe ich mich nicht mehr abschütteln lassen, habe mich in die Hinterräder verbissen und die paar Minuten bis ins Ziel noch durchgehalten. Erfolg auf der ganzen Linie, bin in der längsten Etappe der Rundfahrt mit dem Rundfahrtsieger in derselben Gruppe angekommen!!!

Ales Hren (links), der Gesamtdritte und beste Slowene

Ergebnisse: 1. Roberto Pagnin (Italien, GS Idea UNO Arredo) 2:55:12 (Schnitt 42,6 km/h), - 2. Gianmarco Agostini (Italien) -0:03, - 3. Marjan Srnel (Slowenien), - 4. Ales Hren (Slowenien), - 5. Eugen Plesko (Slowenien), - 6. Fabrizio Verza (Italien), - 7. Ales Tajmajster (Slowenien), - 8.Milan Koic (Serbien), - 9. Dusan Vidmar (Kroatien), - 10. Primoz Cerin (Slowenien), - weiters: 31. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl), alle gleiche Zeit

Gesamtwertung-Endstand: 1. Roberto Pagnin (Italien) 7:55:13 (Gesamtschnitt 42 km/h), - 2. Fabrizio Verza (Italien) -0:07, - 3. Ales Hren (Slowenien) -0:32, - 4. Primoz Cerin (Slowenien) -0:33, - 5. Bostjan Slak (Slowenien) -1:04, - 6. Gianmarco Agostini (Italien) -1:45, - 7. Eugen Plesko (Slowenien) -2:50, - 8. Milan Koic (Serbien) -3:48, - 9. Ljubo Csar (Slowenien) -4:04, - 10. Marco Cuderman (Slowenien) -4:09, - weiters: 20. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) -9:58 

. 

Samstag, 3. April 2010: FESTINA-Roadbike-Trophy: 3-Stunden-Straßenrennen in Aurach am Hongar, 126 km  

Rennstrecke: Pranzing, Ghs. Pfarl - Jetzing - Neujetzing - Pranzing, Ghs. Pfarl, 20 Runden á 6,3 km = 126 km, 44 Höhenmeter pro Runde = 880 Hm, Start 11.45 Uhr

Wetter: sonnig, mild, aber sehr starker O-Wind, 14°

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Start

Rennverlauf: Es ist ein in Österreich sehr selten gefahrenes Rennen, es wird nämlich nicht nach Distanz gemessen, sondern nach Zeit. Wer noch bis 1 Sekunde vor Ablauf der 3-Stunden-Frist die Ziellinie überquert, fährt eine letzte Runde, alle anderen werden mit entsprechendem Rundenrückstand geführt.

Insgesamt stellen sich 90 Fahrer an den Start, darunter auch einige Amateure und Elitefahrer, wie etwa Traxl Andy. Mit dabei auch der EPO-Dopingsünder vom Vorjahr, Ferry Bruckner, diesmal nicht mehr als A-Fahrer, sondern als "Funracer", EPO macht also nicht nur stark, sondern auch "Fun".

Leider liegt der gesamte Rundkurs ziemlich exponiert, der Wind pfeift über die Straße. Ungefähr einen Kilometer vor dem Ziel ist eine etwa 500 m lange, relativ flache, ca. 5 % steile Steigung zu bewältigen. Mit hohem Tempo (weil aus einer Abfahrt kommend) jagt das ganze Feld dort rein und knallt mit dem großen Blatt rauf. Ich natürlich auch. Trotzdem reiße ich dort gleich in der 1. Runde ab. Hätte ich mir vorher nicht vorgestellt. Sicher, ich habe Trainingsrückstand, aber daß es gleich so arg ist? Wegen des starken Windes komme ich nicht mehr als Feld ran. Aus, vorbei. Nach ca. 5 km!

Von hinten kommen dann aber noch eine ganze Menge Fahrer heran, und im Laufe der nächsten Runden bildet sich eine ganz schöne große Gruppe, zunächst sind wir 9 Mann, dann 10, dann sogar 12. Und von vorne fallen auch ein paar zurück, die wir aufsammeln. Der starke Wind kostet natürlich sehr viel Kraft, ich behaupte mich in der Gruppe, wurschtle und wuchte mich über die Steigung, bleibe in der Gruppe, wenn auch mit dem letzten Dreck.

In der 3. Runde bildet sich vorne eine Spitzengruppe mit vier Mann, das Feld dahinter besteht dann "nur" mehr aus 35 Mann. Runde um Runde fahren wir so durch den starken Wind, in der 9. Runde werden wir dann überrundet. Zunächst jagt eine 4-Mann-Spitze mit Traxl Andy vorbei, direkt zu Beginn des Anstiegs ist dann das große Feld da und fährt einfach vorbei, sehr schnell sind wir hinten wieder rausgefallen. Peinlich und vor allem frustrierend. Dann kommen noch ein paar abgerissene Gruppen vorbei, in einer ist auch der Schuler Ernst drin, der damit in meiner Altersklasse führt.

Vorne mit dabei auch der Versehrtenweltmeister Wolfgang Eibeck, der Welser Patrick Hauser und der spätere Gesamtsieger Ferry Bruckner. Traxl fällt dann zurück.

alt

Bruckner vor Eibeck (verdeckt) im Anstieg

Nach 14 Runden merke ich plötzlich, daß ich einen fatalen Fehler begangen habe, ich habe aufs Essen und Trinken vergessen, eine Schwächephase kündigt sich an, ich werde immer langsamer. Die erste Runde sind wir noch in neuneinhalb Runden gefahren, in der abgeschlagenen Gruppe dann sind wir zehn bis zehneinhalb Minuten gefahren, ich brauche dann schon elf und 12 Minuten, reiße ab. Die Beine sind völlig leer, ich stehe absolut. Ehe ich mich wie ein waidwund geschossenes Reh herumschleppe, entscheide ich mich, nach 16 Runden und lange vor Ende der 3-Stunden-Frist abzusteigen. Da die Spitze aber weiterfährt und 20 Runden zurücklegt, werde ich im Ergebnis dann mit 4 Runden Rückstand geführt.

Ergebnisse absolut: 1. Ferry Bruckner (Wien) 3:07:41 (Schnitt 40,3 km/h), - 2. Patrick Hauser (RC CFK Ovilava Wels) -0:02, - 3. Wolfgang Eibeck (RC RIH Die Erste Tulln) -0:04, - 4. Markus Willinger (ARBÖ Sparkasse Neunkirchen) -1:55, - 5. Ulrich Öhlböck (RC CFK Ovilava Wels), gleiche Zeit, - 6. Thomas Schörghofer (UNION Radwerk Eugendorf) -1:56, - 7. Josef Stadlbauer (Union Simplon Schlägl), gleiche Zeit, - 8. Günter Baringer (RC Team Sport-Nora Wien) -1:57, - 9. Alois Pimmingstorfer (ceATec Neukirchen/Vöckla) -1:58, - 10. Peter Baumgartner (ÖAMTC NOWA Schwanenstadt), gleiche Zeit, - weiters: 66. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) -4 Runden

Ergebnisse Altersklasse 60-: 1. Ernst Schuler (RC Grafenbach NÖ-Süd) -2 Runden, - 2. Peter Hel (ÖAMTC Nowa Schwanenstadt), - 3. Engelbert Gaubitzer (RSC Amplatz), alle gleiche Zeit, - 4. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) -4 Runden

 

Ostersonntag, 4. April 2010: Flachgauer Radsporttage, Kriterium in Schalkham bei Neumarkt am Wallersee, zugleich Salzburger Landesmeisterschaft, 22,5 km

Rennstrecke: Wallerseestraße - Salzburger Straße - Matzing - Wallerseestraße, Rundkurs 1,5 km, 15 Runden = 22,5 km, 35 Höhenmeter pro Runde = 525 Höhenmeter, Start 17.15 Uhr

Wetter: bedeckt, starker Regen, starker N-Wind, 11°

Die Rennstrecke

Rennverlauf: ist eher ein Bergrennen als ein Kriterium, 525 Höhenmeter auf 22 km! Ein 600 m langer Anstieg auf der Hauptstraße, eine kurze, steile Abfahrt und ein etwas längeres Gegenwindstück zum Zielstrich, das ist die kurze Charakteristik dieser Strecke. Die Master sind als letztes Rennen vorgesehen, und anscheinend haben die Veranstalter bei allen Rennen davor einen Schnitt von 50 km/h oder mehr angenommen, gefahren wird aber höchstens 35 km/h. Daher dauern alle Rennen sehr viel länger als vorgesehen, das Masterrennen startet daher erst kurz nach 17 Uhr. Um mehr als eine Stunde später als vorgesehen!

Und pünktlich zum Startschuß öffnet der Himmel auch seine Schleusen. Es beginnt leicht zu regnen, innerhalb von wenigen Minuten ist der Regen dann ganz schön stark und wir sind naß bis auf die Haut. Und es kühlt auch ab, hat nur mehr 11° C, also wirklich angenehme Temperaturen! Und weil es eigentlich auch schon finster wird, hat die Rennleitung das Rennen von 21 auf 15 Runden verkürzt. Vorgesehen sind die ersten 4 Masterklassen in diesem Bewerb, klingt nach viel, aber nur 12 Mann nehmen die Konkurrenz in Angriff.

Es geht auch gleich ganz forsch zur Sache, sie sprinten alle den Berg rauf, und ich reiße ab! Wie gehabt, ich bemühe mich, quäle und schinde mich über die Kuppe, aber ich bin abgerissen. Vorne findet sich die Gruppe mit ein paar Abgerissenen zusammen, sechs Mann, dann komme ich, von hinten kommen dann noch Gaubitzer und Piterka heran, zusammen fahren wir eine Runde, dann reiße ich auch von denen ab. Nach 5 Runden etwa habe ich mich an den Rhythmus gewöhnt und halte den Abstand.

Kurz nach Halbzeit, nach etwa 10 Runden, kommen die beiden Führenden von hinten, der Bayer Glassl Robert und der Österreichische Meister in dieser Disziplin, der Iby Günther. Daß ich der Vizemeister bin, davon sieht man in diesem Rennen absolut gar nichts. Etwas abgehängt von den Spitzenreitern ist der Raimund Wulz, mit dem fahre ich bis zur vorletzten Runde, dann muß ich auch ihn ziehen lassen. Das einzig Positive an der Sache: nach 15 Runden ist die Quälerei vorbei.

Ergebnisse absolut Master 1-4: 1. Robert Glassl (BRD, RV Traunstein 1948 e.V.) 15 Punkte (Schnitt 32,0 km/h), - 2. Günther Iby (ARBÖ Ginner Amstetten) 7, - 3. Wolfgang Ortner (RC UNION Raiffeisen Radteam Tirol) 5, - 4. Roland Hirscher (RC Wals-Siezenheim) 4, - 5. Fritz Gaubitzer (RSC Amplatz) 0, - 6. Josef Schrattenecker (ARBÖ Sparkasse Grassinger Lambach) 0, - 7. Raimund Wulz (RLM ASVÖ Kostels Radshop) 0, - 8. Kurt Pitterka (ARBÖ Kappacher Bischofshofen), - 9. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl), alle 1 Runde zurück, - 10. Ronald Wallner (ARBÖ Kollar-Cycling Team Stattersdorf), 2 Runden zurück

Ergebnis Kategorie Master 2: 1. Robert Glassl (BRD, RV Traunstein 1948 e.V.) 15 (Schnitt 32,0 km/h), - 2. Günther Iby (ARBÖ Ginner Amstetten) 7, - 3. Josef Schrattenecker (ARBÖ Sparkasse Grassinger Lambach) 0, - 4. Raimund Wulz (RLM ASVÖ Kostels Radshop) 0, - 5. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) 1 Runde zurück

 

Ostermontag, 5. April 2010: Straßenrennen um den Großen Preis von Beltinci (SLO), 64 km

Rennstrecke: Beltinci - Melinci - Izakovci - Beltinci, 8 Runden á 8 km = 64 km, pro Runde 5 Höhenmeer = 40 Höhenmeter, Start 10.15 Uhr

Wetter: bedeckt, regnerisch, tiefe, dunkle Wolken, kalt, starker NW-Wind, 12°

Startphase

Rennverlauf: 55 Fahrer der Masterklasse 50+ nehmen das Rennen auf dem völlig flachen 8-km-Kurs in Angriffm, 8 Runden sind zu absolvieren. Das Wetter färbt auf den Rennverlauf ab. Ein fades, langweiliges Rennen, nicht nur für die Zuschauer, auch für die Rennfahrer selbst, wir rollen mit 36 bis 38 km/h dahin, einträchtig in einem schönen kompakten Haufen, niemand kommt auf die Idee, da auszubrechen oder anzugreifen. Alle Attacken, die sowieso nur halbherzig kommen, werden sofort gekontert, das Feld bleibt geschlossen und zusammen.

Spitzengruppe, die aber eingeholt wird.

Ich tue mir nicht sehr schwer, es ist nicht schnell, es ist gleichmäßig, es sind nahezu alle Fahrer anscheinend an einem Massensprint interessiert. Bei den großen Mannschaften sehe ich es ein, denn die halten das Feld ja zusammen, fahren den einzelnen Ausreißern sofort nach. Und tatsächlich, der Massensprint ist unausweichlich, er kommt, nur hat er ein völlig anderes Ende als erwartet. Denn es gewinnt keiner aus einer größeren Mannschaft, sondern der völlige Individualist Ljubos Csar, der völlig auf sich alleine gestellt in diesen Sprint geht.

Ich habe eine gute Position, schon bei der 1000-m-Marke, und bei etwa 200 m geht direkt vor mir plötzlich ein Loch auf, ich fahre durch und bin ganz vorne, naja, beinahe ganz vorne, ich werde Neunter und bin ganz happy. Endlich mal ein Erfolgserlebnis!

Ergebnis Kategorie Master 50+: 1. Ljubos Csar (Slowenien) 1:39:15 (Schnitt 39,0 km/h), - 2. Ales Hren (Slowenien), - 3. Bostjan Ogrizek (Slowenien), - 4. Tomaz Rotovnik (Slowenien), - 5. Bojan Pitino (Slowenien), - 6. Matej Maher (Slowenien), - 7. Leon Gajser (Slowenien), - 8. Igor Stabul (Slowenien), - 9. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl), - 10. Primoz Sket (Slowenien), alle gleiche Zeit

 

Freitag, 9. April 2010: Körmender Radsporttage (Ungarn), Rundstreckenrennen in Körmend, 42 km

Rennsttrecke: lokaler Rundkurs rund um Körmend, 2,1 km, 20 Runden = 42 km, völlig flach, Start 16.35 Uhr

Wetter: windstill, leicht bewölkt, mild, 17°

Rennverlauf: Diese 3-Tage-Veranstaltung ist schon sehr seltsam, es gibt nämlich nur dieses eine Rundstreckenrennen, da wiurd drei Tage lang auf demselben Rundkurs rund um Körmend gefahren. Heute die Masterklassen, morgen dann die Nachwuchs- und die Frauenklassen, zum Abschluß folgen dann am Sonntag die U-23- und Elite-Fahrer. Die Masterfahrer werden in 4 Klassen unterteilt (40+, 50+, 60+, 70+), die aber alle zusammen starten, nur extra gewertet werden. Dadurch stehen auch 62 Fahrer am Start.

Es wird von Anfang an ein hohes Tempo gefahren, vor allem ein unrhythmisch hohes Tempo. Das Feld wird schnell kleiner, ist ja auch klar, die älteren Fahrer können mit dem Niveau der jüngeren da nicht ganz mithalten. Ich bin da irgendwo mittendrin, hauptsächlich meiner Routine verdanke ich es, daß ich mit den Jüngeren mithalten kann, ohne mich da auf allzu kräfteraubende Jagden einzulassen.

Etwa bei Halbzeit können sich sechs Fahrer absetzen, die sehr schnell an Vorsprung gewinnen. Aus dem Feld kommt dann keine Aktion mehr, das Tempo wird auch etwas rausgenommen. Dennoch ist das Rennen schnell genug, um das Feld weiter zu dezimieren. Ich kann mich zwar in diesem Feld halten, aber ich halte pausenlos hin, und zwar ganz gewaltig. Die Spitzenreiter gelangen ungefährdet ins Finale und sprinten dann um den Sieg. In den letzten 5 Runden wacht dann das Feld auf, und wie irrwitzig wird Angriff auf Angriff gefahren. Da geht es jetzt anscheinend nicht mehr darum, die Spitze einzuholen, denn die ist uneinholbar vorne, jetzt geht es um die Positionen bzw. um die Plätze, die man schon vor dem Zielsprint gewinnen will. Es ist ein heilloses Durcheinander, ein unüberblickbares Chaos, man wird da aus den diversen Mannschaftstaktiken nicht schlau, aber wahrscheinlich gibt es die auch gar nicht. Sieht alles nach improvisierten Einzelaktionen aus.

 

Vorne sprinten die sechs Spitzenreiter um den Sieg, sie sind alle aus der jüngsten Klasse, 40+. Wahrscheinlich auch mit ein Grund, weshalb die Älteren da gar nicht mehr versucht haben, nachzufahren. Tibor Valter (Cube-Csömör) gewinnt Rennen und seine Klasse, ich komme in der Gruppe dahinter, die weit auseinandergezogen ist. Im Großen und Ganzen sind in den letzten beiden Runden alle Ausreißer wieder geschnappt worden, aber das Feld ist halt sehr weit auseinandergerissen. Obwohl da nur mehr ca. 25 Mann mitfahren. Ich plaziere mich am Ende der Gruppe, an der 22. Stelle der Gesamtwertung. Ich war außerstande, im Zieleinlauf auch nurn an einem einzigen Fahrer vorbeizukommen. Die sind alle, auch die zurückliegenden, wie um eine Weltmeisterschaft gesprintet. Ich werde damit Neunter in meiner Altersklasse 50+, ist ja auch nicht schlecht. Im Sprint war nichts mehr drinnen, aber wegen meines Trainingsrückstandes bin ich auch so zufrieden. Ein weiterer Schritt in Richtung Form.

Ergebnisse Master 50+: 1. Krisztian Molnar (Ungarn) 1:00:25 (Schnitt 41,8 km/h), - 2. Juraj Teplan (Ungarn), - 3. Gergely Tarcsai (Ungarn) -0:02, - 4. Victor Zakar (Ungarn), gleiche Zeit, - 5. Peter Mester (Ungarn) -0:05, - 6. Gabor Veres (Ungarn) -0:09, - 7. Andras Bank (Ungarn), - 8. Zoltan Erhardt (Ungarn), - 9. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl), - 10. Ferenc Palinkas (Ungarn), alle gleiche Zeit 

.

Sonntag, 18. April 2010: 49. internationales Kirschblüten-Straßenrennen in Wels, 70,4 km

Rennstrecke: Wels-Nord - Aichberg - Haiding - Uttenthal - Buchkirchen - Schartner Berg - Scharten - Mistelbacher Berg - Mistelbach - Oberhochrenz - Merkheimer Berg - Mitterlaab - Wels-Nord, 2 Runden á 35,4 km = 70,8 km, 410 Höhenmeter pro Runde = 820 Höhenmeter, Start 9.09 Uhr

Wetter: trocken, stark bewölkt, ziemlich kalt, eisiger, stürmischer SW-Wind, 10°

 

Rennverlauf: Irgendwie wird mir dieses Kirschblütenrennen von Jahr zu Jahr unsympathischer. Warum? Einerseits das schlimme Wetter, imnmer saukalt und windig, das ist nicht meins. Diesmal zählt das Rennen erstmals zum Ginner-Cup, da darf ich keine Punkte herschenken. Dazu kommt dann noch der frühe Termin, meine zu diesem Zeitpunkt immer schwache Form und heuer - bedingt durch den Ginnercup - eine stärkere, vor allem qualitativ, Besetzung.

 

 

 Am Start

Der Rennverlauf ist auch immer derselbe: bei der ersten Gelegenheit reiße ich ab, diesmal beinache schon am Aichberg, einen halben Kilometer nach dem Start. In der langen Abfahrt auf der Bundesstraße komme ich nur dank einer Gruppe wieder ran, die mich in ihrem Sog mitzieht. Danach biegen wir rechts ab Richtung Buchkirchen, und auf diesem Streckenabschnitt fahren wir dann die ersten Steigungen. Ziemlich steil, ruppig, unrhythmisch, zu meinem Glück aber im bestialisch starken Gegenwind. Das Tempo ist niedrig, ich halte im Hauptfeld mit. Während ich das noch realisiere, bin ich aber schon abgerissen. Am letzten Anstieg vor Buchkirchen ist es passiert, ich fahre alleine hinten nach. Vor mir sehe ich den Kees herumtaumeln, aber dann erfängt er sich schnell und das Loch zwischen uns wird zusehends größer. Im Vorjahr war ich mit 5 Minuten Rückstand Neunter, und in dem Moment muß ich daran denken, daß das in diesem Jahr wohl kaum mehr möglich sein wird.

Wenig später kommt von hinten Günther Nutz (RC Trumau) heran, und zu zweit fahren wir die Runde ab dem Merkheimer Berg zu Ende. Dann kommt auch von hinten der Schalk Pepi daher, der mit den älteren Masterklassen 3 Minuten nach mir gestartet ist. An seinem Hinterrad fahren wir die Runde zu Ende (führen dürfen wir ja nicht, haha, eine gute Ausrede, eigentlich können wir ja gar nicht!)

Zweite Runde, und es braucht von Anfang an eine gehörige Portion Überwindung, diese zweite Runde überhaupt in Angriff zu nehmen. Plötzlich sehen wir auf den langen Geraden wieder die beiden vor uns, den Kees und den Pöltl. Wir kämpfen uns die ganzen Hügel bis Buchkirchen, dann auf den Schartner Berg, wir kommen den beiden vor uns ganz langsam näher, quälend langsam, und ich befürchte schon, daß wir noch eine Woche lang um diesen Rundkurs fahren müssen, bis wir sie endlich eingeholt haben. Doch dann geht alles sehr schnell. Zu Beginn der Steigung auf den Mistelbacher Berg haben wir sie gestellt, und danach fahre ich vorne und fahre etwas zügiger den Berg hoch, so nebenbei wundere ich mich, daß ich das überhaupt schaffe.

Naja, in der Folge muß ich teilweise ganz schön hinhalten, um an denen überhaupt dranzubleiben. Ich schaffe es auch über den Merkheimer Berg, danach fahre ich keinen Meter mehr im Wind, halte mich nur mehr an den Hinterrädern auf, werde dennoch im Sprint dann ganz klar abgehängt. Von allen dreien. Na servus, Krawuzikapuzi! Es gibt so Tage, an denen ist es am besten, wenn man sich die Decke über die Ohren zieht und irgendwas Schönes träumt.

Zielsprint, Reimund Wulz gewinnt, Jens Mateyka (links außen) wird Zweiter in der Masterklasse II

Ergebnisse Kategorie Master II: 1. Raimund Wulz (RLM ASVÖ ÖAMTC Kostels Radshop Grafenstein) 1:55:36 (Schnitt 36,5 km/h), - 2. Jens Mateyka (RC Schnecke Ginner Wien), - 3. Gerhard Poschner (BRD, RSV Freilassing), alle gleiche Zeit, - 4. Josef Handler (TSV Sparkasse Zweirad-Kappler Hartberg) -4:02, - 5. Ulrich Gössler (ARBÖ Drahteisel Volksbank Köflach) -4:40, - 6. Hannes Krivetz (RC Raiffeisen Kosmopiloten Zwettl) -5:30, - 7. Peter Goluszka (ARBÖ Tretwerk Wienstrom Lamster Wien) -5:41,- 8. Sebastian Pfisterer (ARBÖ Radsport Grassinger Lambach), - 9. Manfred Gruber (ARBÖ Erd Hauer St.Pölten), - 10. Günter Gugler (ARBÖ Ginner Opel-Öllinger Amstetten), alle gleiche Zeit, - weiters: 17. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wäörgl) -13:00

 

Freitag, 23. April 2010: Tiroler Bergsprint-Cup, Achensee-Classic, Bergrennen Jenbach - Maurach/Kasbach, 4,5 km

Rennstrecke: Jenbach, Gemeindekindergarten - Maurach/Kasbach, 4,5 km, 396 Höhenmeter, Steigung durchschnittl. 8,8 %, max. 18 %, Start 17.30 Uhr

Wetter: bedeckt, schwül, sehr warm, windstill, 19°

Rennverlauf: Eine neue Rennserie ist geschaffen, drei Bergrennen mit Gesamtwertung, bin neugierig, wie das von den Fahrern aufgenommen wird. Am Start muß ich dann leider erkennen, daß es nicht besonders positiv aufgenbommen wurde. Denn kaum jemand hat den Weg hierher nach Jenbach gefunden. Woran es liegt? Freitagtermin? Keine Werbung für das Rennen? Chaotische Zustände in der Organisation? Oder langanhaltender Winterschlaf? Egal, ich konzentrier mich lieber auf mein Rennen, ändern kann ich das alles sowieso nicht.

Vom Start wweg fahre nich ganz vorne, der Schwung der ersten Meter treibt mich an die Spitze, mit voller Geschwindigkeit knalle ich um die erste Kurve, und rein in die Steigung. Ich führe, hinter mir ein kleines Loch. Ha, das wär doch was, wenn ich hier das Feld gleich zerreißen könnt´! Nein, es kommt anders, ich wußte es ja sowieso, sofort schiebt ein Deutscher sein Vorderrad an mir vorbei, dahinter folgt schon Bernhard Empl, das Tiroler Urgestein, der große Favorit aus österreichischer Sicht. Und Hye ist auch dabei, der Wörgler Bergfahrer, der im Vorjahr noch bei den Hobbyfahrern gestartet ist.

Innerhalb eines Kilometers ist die kleine Gruppe völlig auseinandergeflogen, vorne Hye und Empl, dahinter aufgesplittert der Rest. Ich falle zurück, immedr weiter, dann kommt von hinten der Deutsche Bernhard Luffer, mit dem fahre ich mit. Der kurbelt, was das Zeug hält, fährt einen ganz guten Rhythmus (gut für mich!), ich halte sein Hinterrad und fahre ein direkt angenehmes Tempo. Dann erreichen wir den steilen Schlußanstieg, etwa 800 m lang ist das 18 % steile Stück, das nach Maurach raufführt.

Kampf im Steilstück, dahinter Luffer

Mit einem Schlag ist es nicht mehr so leicht, das Steile ist mir viel zu steil, ich habe Mühe, Luffer zu halten. Ich beginne schon zu befürchten, daß ich jeden Moment reißen lassen muß, aber dann ist er es plötzlich, der klein beigibt, fürchterlich zu schnaufen und röcheln beginnt. Da schalte ich sofort vom 25er aufs 23er runter, beschleunige etwas, alles sticht und btrennt, die Schmerzen sind fürchterlich. Aber jetzt kann ich nicht mehr zurückstecken, ich vertue mich leider noch um eine Kurve, statt oben in der Ortschaft bin ich noch in der Steigung- und bei 18 % ist es bitter, wenn man da ein paar Meter länger hinhalten muß! Dann ist es endlich geschafft, oben über die Kuppe, das große Blatt rein, durch die Ortschaft, die letzten 150 Meter gehen dann wieder rechts weg, ein schmaler, etwa gerade mal 1 Meter breiter Korridor ist da mit Transparenten abgetrennt und für den Zieleinlauf vorgesehen. Es ist wie eine Erlösung, als ich über den Zielstrich fahre.

Ergebnisse Master absolut: 1. Dieter Hye (ARBÖ Devine Tom-Tailor Wörgl) 16:34, - 2. Bernhard Empl (KTM-Mountainbiker.at) -0:19, - 3. Lucas Dittmar (BRD, TSV Fellbach-
Schmiden) -1:26, - 4. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) -3:47, - 5. Bernhard Luffer (BRD, RC Concordia ´86 München) -4:04, - 6. Otto Kreuzer (BRD, E-Racers Top-Level Augsburg) -4:40

Ergebnisse Master II: 1. Dieter Hye (ARBÖ Devine Tom-Tailor Wörgl) 16:34, - 2. Bernhard Empl (KTM-Mountainbiker.at) -0:19, - 3. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) -3:47

 

Samstag, 24. April 2010: Tiroler Bergsprint-Cup, Markus-Lintner-Gedenkrennen, Bergrennen Brixlegg - Alpbach, 10 km

Rennstrecke: Brixlegg, Gemeindeamt - Reith - Alpbach, Ortsmitte, 10 km, 441 Höhenmeter, Steigung durchschnittl. 4,4 %, max. 14 %, Start 16.30 Uhr

Wetter: warm, heiter, starker W- bis SW-Wind, 21°

Rennverlauf: Ähnlich wie gestern, bin anfangs einen guten Kilometer mitgefahren, gleich mit der ersten Gruppe, mußte die aber dann nach etwa 1 km ziehen lassen. Da hatte ich aber schon einen ganz gehörigen Abstand zu den abgerissenen Fahrern, hinter mir habe ich da den Hans und den Luffer Bernhard gesehen.

Völlig überraschend kamn es für mich, daß wir nach Reith hinein rechts abgebogen sind. Und in Reith war dann eine große Kreuzung, ich komme alleine dorthin, der Streckenposten zeigt mit unbewegtem Gesicht (war´s vielleicht eine Vogelscheuche??) nach rechts, ich also rechts raus, die Ortschaft war gleich zu Ende, da höre ich hinter mir jemand schreien, ich blicke mich um, muß wohl irgendwer von den Zuschauern gewesen sein, sie gestikulieren wild, ich verstehe, ich bin fálsch gefahren. Super, das hat mir gerade noch gefehlt! Ich drehe um, fahre zurück und dann in die andere Richtung. Als ich bei dem Streckenposten vorbeifahre, der übrigens immer noch genauso dortsteht, versehe ich ihn mit einem hier nicht druckreifen und vor allem nicht jugendfreien Fluch, er zuckt zusammen (also doch keine Vogelscheuche!). Auf der langen Geraden sehe ich einen Fahrer weit vor mir, der fährt etwa 45 bis 50 Sekunden vor mir.

Im Steilstück auf den letzten 1,3 km in Alpbach

Ich rechne mühsam und langwierig herum, was mich dieser Zwischenfall gekostet hat, und komme auf ca. 45 bis 60 Sekunden. Realistisch, daß ich an dem Typen jetzt dran wäre. Als ich mich umdrehe, sehe ich auch, daß Luffer und Hans  nähergekommen sind. Jetzt nicht die Nerven verlieren!  Ich fahre konstant und gleichmäßig weiter, bei jeder Kuppe, bei jeder Steigung, wird mein Vorsprung leicht größer.

Dann ist nach ca. gut acht Kilometern Alpbach erreicht. Aber jetzt beginnt die Tortur erst, denn es warten Steigungen bis rauf zur Ortsmitte von gut und gerne 14 %, und das 1,3 km lang. Die Leute entlang der Straße feuern mich an, aber plötzlich höre ich, daß sie hinter mir mit geringem Abstand wieder klatschen und rufen, ich drehe mich um und mich trifft fast der Schlag. Da fährt doch glatt jemand zu mir auf! Ich kann nicht erkennen, wer es ist, aber weit ist er nicht mehr hinten! Ausgerechnet jetzt, so knapp vor dem Ziel, das darf doch nicht wahr sein! Ich nehme alle Kraft zusammen, alle Energie, die ich noch habe, fahre gleichmäßig weiter, die engen Kurven in der Ortschaft, steil ansteigend, engen das Blickfeld dementsprechend ein und ich sehe ihn nicht mehr. Näher und näher komme ich dem Ziel, dann die lange flache Zielgerade, ich schalte runter und beschleunige. Sicherheitshalber fahre ich schräg über die
Straße nach links rüber, um einem eventuellen Fahrer, der links an mir vorbeifährt, den Weg abzuschneiden. Aber es passiert nichts, ich habe es geschafft, ich bin vorne geblieben!

Hier bin ich bei der 200-m-Marke

Also so leicht war dieses Rennen bei Gott nicht, es war vielmehr eine sauschwere Bergstrecke, und ich bin völlig geschafft! Aber es hat sich ausgezahlt, ich bin hinter Empl Zweiter geworden!

Ergebnisse Master absolut: 1. Christian Strebl (RC Reutte) 24:46, - 2. Bernhard Empl (KTM-Mountainbiker.at) -2:07, - 3. Lucas Dittmar (BRD, TSV Fellbach-Schmiden) -3:08, - 4. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) -6:25, - 5. Bernhard Luffer (BRD, RC Concordia ´86 München) -7:00, - 6. Otto Kreuzer (BRD, E-Racers Top-Level Augsburg) -7:55, - 7. Hans Unterguggenberger (RC UNION Unterguggenbergert Wörgl) -8:20

Ergebnisse Master II: 1. Bernhard Empl (KTM-Mountainbiker.at) 26:53, - 2. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) -4:18

 

Sonntag, 25. April 2010: Tiroler Bergsprint-Cup, 58. internationales Hungerburg-Bergrennen in Innsbruck, 3,5 km

Rennstrecke: Innsbruck, Höttinger Kirche - Höhenstraße - Hungerburg, 3,5 km, 250 Höhenmeter, Steigung durchschnittl. 7 %, max. 8 %, Start 14.30 Uhr

Wetter: heiter, sehr heiß, windstill, 25°

Rennverlauf: Heute ist dr Sommer ins Heilige Land Tirol eingekehrt, ich fühle mich dabei überhaupt nicht gut. Kopfweh, alles schmerzt, die Beine, die Schultern, der Kiefer, die Knie, einfach alles. Zum Aufwärmen bin ich mal die ganze Steigung zur Hungerburg raufgefahren. Furchtbar, wie soll denn das im Rennen gehen? Werde ich krank?

Blick auf Innsbruck runter

Startschuß, und sofort reihen sich die heute doch deutlich mehr Starter als in den beiden Tagen zuvor bei hohem Tempo ein, ich setze nach, dumm eigentlich, denn bedreits nach wenigen Sekunden explodiere ich, naja, wäre ich wahrscheinlich sowieso, also ist es auch schon egal. In meiner Elitezeit bin ich da mal in gut 10 Minuten raufgeknattert, das kann ich mir heute beim besten Willen nicht mehr vorstellen!

Ich fahre alleine, dann sehe ich, daß vorne Plattner und Luffer abreißen (nicht der Michi, sondern der Richi!), aber der Schweiß, der in meinen Augen fürchterlich brennt, bringt mich auch nicht näher an die beiden ran. Das Rennen kommt mir vor wie eine Ewigkeit, nach genau 9 Minuten passiere ich die 1000-m-Marke (bin also 2,5 km in 9 Minuten gefahren!), und dann beginnt die 500 m lange Zielgerade, das steilste Stück des gesamten Anstiegs. Unmittelbar vor der 500-m-Marke bin ich an Luffer dran, der Richi ist außer Reichweite inzwischen. Aber mich interessiert das alles gar nicht mehr, ich will nur ins Ziel kommen, und das so schnell wie möglich!

Auf den letzten Metern gegen Bernhard Luffer, den ich schließlich knapp um 5 Sekunden distanzieren kann

Kaum bin ich am Hinterrad, beginnt er verstärkt zu röcheln, forciert und verschärft das Tempo. Angesichts der vielen Zuschauer rechts und links der Straße gebe ich natürlich auch nicht klein bei, das geht doch bei der Kulisse gar nicht!  Also verbeiße ich mich in sein Hinterrad, bleibe dran. Er fährt ja auch so herrlich toll gleichmäßig! Noch 200 Meter, er gibt nicht nach, ich auch nicht, aber ich bin am Limit. Bei knapp 100 Metern etwa stehe ich einfach auf und mache ein paar schnelle Tritte, in der Hoffnung, ihn damit derart zu beeindrucken, daß er sofotrt die Beine hängen läßt, und siehe da, es funktioniert! Ich fahre ihm davon und durchs Ziel.

Ergebnisse Master absolut: 1. Christian Strebl (RC Reutte) 8:48, - 2. Dieter Hye (ARBÖ Devine Tom-Tailor Wörgl) -0:33, - 3. Michael Plattner (Toni´s Pro-Shop Kirchberg/Tirol) -0:43, - 4. Andreas Mager (BRD, RC Concordia ´86 München) -1:01, - 5. Bernhard Empl (KTM-Mountainbiker.at) -1:02, - 6. Harald Faude (BRD, RC Concordia ´86 München) -1:28, - 7. Richard Plattner (UNION Raiffeisen Radteam Tirol) -2:14, - 8. Kurt Pitterka (ARBÖ Kappacher Bischofshofen) -2:43, - 9. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) -3:30, - 10. Bernhard Luffer (BRD, RC Concordia ´86 München) -3:35, - weiters: 11. Hans Unterguggenberger (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) -4:09

Ergebnisse Master II: 1. Dieter Hye (ARBÖ Devine Tom-Tailor Wörgl) 9:21, - 2. Michael Plattner (Toni´s Pro-Shop Kirchberg/Tirol) -0:10, - 3. Bernhard Empl (KTM-Moungtainbiker.at) -0:29, - 4. Harald Faude (BRD, RC Concordia ´86 München) -0:55, - 5. Richard Plattner (UNION Raiffeisen Radteam Tirol) -1:41, - 6. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) -2:57

Tiroler Bergsprint-Cup, Gesamtwertung-Endstand, Master-absolut: 1. Bernhard Empl (KTM-Mountainbiker.at) 54:30, - 2. Lucas Dittmar (BRD, TSV Fellbach-Schmiden) -2:01, - 3. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) -9:21, - 4. Bernhard Luffer (BRD, RC Concordia ´86 München) -10:18, - 5. Otto Kreuzer (BRD, E-Racer Top-Level Augsburg) -12:32

Tiroler Bergsprint-Cup, Gesamtwertung-Endstand, Master II: 1. Bernhard Empl (KTM-Mountainbiker.at) 54:30, - 2. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) -9:21

 

Samstag, 1. Mai 2010: Straßenrennen um den Großen Air-Balaton-Preis in Sarmellek (Ungarn), 127 km

Rennstrecke: Sarmellek, Parkplatz Flughafen - Balatonmagyarod - Zalakomar - Galambok - Zalakaros - Garabonc - Nagyrada - Zalaszabar - Zalaapati - Bokahaza - Zalacsany - Kehidakustany - Zalakkopany - Zalaszentgrot - Kustany - Szentgyörgyvar - Sarmellek, Parkplatz Flughafen, 127 km, 25 Höhenmeter, Start 16.30 Uhr

Wetter: stark bewölkt, sehr mild, leichter NW-Wind, 21°

Start

Rennverlauf: 68 Starter waren wir in der Masterklasse 50+, das sind nicht wenige. Die Rennstrecke war flach, topfeben und vor allem eines: lang! Der Hauptgrund, weshalb ich mir dieses Rennen ausgesucht habe. Mein Trainingsrückstand, Formrückstand und die nahende Straßenmeisterschaft haben mich bewogen, hier an den Start zu gehen. Meine Erwartungen? Mit dem Feld mitrollen, im Finale präsent zu sein, die Distanz bewältigen, schnelle Kilometer sammeln.

Am Start war ich wirklich erstaunt, daß so viele Masterfahrer diese Distanz absolvieren, aber ich habe dann gleich gemerkt, daß sie da von der Belastung her gleich mal die Notbremse gezogen haben: die erste Stunde sind wir nur gleichmäßig durch die Landschaft gerollt. Gleichmäßig langsam. Immer so mit 37 bis 40 km/h, kaum jemals über 40 km/h, dabei hatten wir auf den ersten 20 Kilometern Rückenwind. Das Feld war immer geschlossen, kompakt, es ist auch niemand abgerissen, so weit ich sehen konnte. Ich hab mir auch nicht schwergetan, bin halt mitgerollt. Im Prinzip waren zwei Schleifen zu absolvieren, eine nach Süden, die zweite dann nach Norden. Ab km 26 dann Gegenwind, da ist es schwer geworden, sauschwer, die Straßen waren schmal, alles hat sich am Bankett gedrängt, ich hab mich sofort ganz vorne eingereiht, und das um keine Sekunde zu früh.

Das Feld ist laufend kleiner geworden, obwohl es keine einzige Attacke gab, ich hab mich gehalten, weil ich ganz vorne gefahren bin. Jetzt war ich heilfroh, daß es am Anfang so schonend und gleichmäßig war. Die Fahrer kannte ich auch nicht, da hatte ich keinen Anhaltspunkt, an wem ich mich orientieren sollte. Nach 50 km war die erste Schleife absolviert, wir sind 6 km von Sarmellek vorbeigefahren, und da gab es die erste Attacke in diesem Rennen, drei Mann haben sich abgesetzt, sind aber sehr bald wieder eingefangen worden. Damit war alles wieder beim alten, wir sind gegen den Wind mit 35 bis 38 km/h dahingefahren, ich vorne unter den ersten zehn Positionen.

Nach 98 km dann eine Horuck-Aktion, als sich eine Gruppe von 12 Mann absetzen kann. Niemand reagiert. Ich war hautnah dabei, war aber auch so überrascht, konnte und wollte auch gar nicht reagieren. Die Ausreißer vergrößern langsam ihren Vorsprung. Richtig kommen sie nicht weg, sie fahren kilometerlang unmittelbar vor uns herum. Trotzdem kommt aus dem kleinen Hauptfeld keine Aktion. Seltsam.

112 Kilometer sind absolviert, und seit einiger Zeit schon braut sich da was zusammen. Ich spüre förmlich, daß die Entscheidung in der Luft liegt. Ich fühle mich noch gut, eine Folge des gleichmäßigen Fahrens, also bleibe ich vorne und nehme mir vor, bei einer der kommenden Attacken mitzuspringen. Die Chance bietet sich mir sofort, als sich eine kleine Gruppe verzögert vorne zusammenfindet. Einer greift an, ein zweiter fährt nach, dann ein dritter, im Feld schauen sich wieder alle an, ich fahre in Position, fahre links außen am Feld entlang ganz nach vorne, als auf der rechten Seite ein Duo antritt und ebenfalls nachfahren will. Diese Chance lasse ich nicht aus, setze mich sofort ohne viel Aufwand ans Hinterrad und lasse mich mitziehen. Die beiden beachten mich gar nicht, und sehr schnell kommen wir den drei anderen Ausreßern näher, innerhalb eines knappen Kilometers hat sich eine 6-Mann-Gruppe gebildet, mit mir, und mit sehr hohem Tempo jagen wir der Spitze hinterher. Jetzt haben wir wieder Rückenwind und wir merken auch und sehen auch, wie schnell wir der Spitze auf den Pelz rücken. Das Feld bleibt zurück, da kommt niemand mehr nach. Wie es aussieht, habe ich die richtige Gruppe erwischt.

Wir wechseln uns schnell ab, jeder führt nur ein paar Kurbeltritte lang, dadurch können wir ein sehr hohes Tempo fahren, so zwischen 52 und 55 km/h. Ich fahre vorne nur durch, schone mich, bin sehr schnell am Limit und merke jetzt, daß ich keinerlei Reserven mehr habe. Also um jeden Preis dranbleiben. Vorne wehren sie sich nicht sehr, wir kommen schnell näher und 3 km vor dem Ziel haben wir die Gruppe eingeholt. 18 Mann Spitze.

Eigentlich sind das zu viele, als daß ich in meinem leeren Zustand da noch auf einen Top-10-Platz hoffen darf. Aber man sollte die Hoffnung nie aufgeben. Ich bleibe im Hintergrund, fahre keinen Meter im Wind, verstecke mich an den Hinterrädern, so gut ich kann. Noch 2 km, wir fahren durch Sarmellek, raus zum Flughafen, noch 1 km, vorne sortieren sie sich schon für den Sprint. Ich warte das noch ab, dann fahre ich außen entlang nach vorne, in einer Kurvenkombination, da geht es ganz leicht (naja, ich muß trotzdem ziemlich schnaufen und röcheln!), ich presse mich genau bei der 1000-m-Marke an die 4. Stelle rein. Und dann ist es nur mehr ein Kampf um jeden Zentimeter, um jede Sekunde, um jeden Atemzug. Es ist kein Sprint im klassischen Sinn, vielmehr ein richtiger Gewaltsprint, ein Kraftsprint, da setzt sich durch, wer noch den längeren Atem hat, wer die größeren Kraftreserven hat. Ich bin das sicher nicht, ich lasse mich mitziehen, bis sie rundherum aus dem Sattel gehen und den Sprint anziehen. Tumult und Hektik rundherum, ich mittendrin, bin eingezwickt und festgefahren, aber das sollte sich noch als mein Glück herausstellen. Die Fahrer, die da rechts und links an mir vorbeigefahren sind, bleiben auch irgendwie stecken, jedenfalls ist vor mir eine dichte Mauer, aber weil ich eingesperrt bin, bleibe ich notgedrungen an dieser Position, erst bei ca. 250 Meter geht direkt vor mir, unmittelbar vor meinem Vorderrad, eine kleine, schmale Lücke auf, und es kostet mich absolut nichts, da durchzufahren. Und mit einem Schlag bin ich in der allerersten Reihe. Ha, so leicht geht das bei uns in Österreich nicht!

Für einen Sprint bin ich schon viel zu leer, ich fahre mit 50/14 halt wie bei einem Zeitfahren durchs Ziel, es reicht für den unglaublichen 8. Rang.

Ergebnisse Master 50+: 1. Andrasz Bank (Szerpentin) 3:12:35 (39,8 km/h), - 2. Zoltan Balog (SKSC), - 3. Attila Veisz (Canidi Charta Conrad), - 4. Tibor Babos (Conrad Papirkutyak), - 5. Gabor Molnar (SKSC), - 6. Karoly Ekes (Veszprem), - 7. Tamas Madocsai (Szerpentin), - 8. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl), - 9. Istvan Karsai (Szerpentin), - 10. Ambrus Laczi (SKSC), alle gleiche Zeit

 

Sonntag, 2. Mai 2010: 20. internationaler Karawanken-Radmarathon in Kirschentheuer, 143,5 km

Rennstrecke: Kirschentheuer - Weizelsdorf - Hundsdorf - Feistritz/Rosental - Suetschach - Maria Elend - St.Jakob/Rosental - Srajach - Mühlbach - Dolinschach - Rosegg - Selpritsch - St.Stefan - St.Egyden - Rupertiberg - Franzendorf - Ludmannsdorf - Fellersdorf - Tschachoritsch - Köttmannsdorf - St.Gandolf - Hollenburg - Ferlacher Stausee - Kirschentheuer - Ferlach - Unterferlach - Glainach - Seidolach - Dobrowa - Gotschuchen - Dullach - Linsendorf - Moos - Goritschach - Möchling - Saager - Stein/Jauntal - St.Veit/Jauntal - St.Primus - Lauchenholz - Gösselsdorf - Sittersdorf - Miklauzhof - Jerischach - Wildenstein - Abriach - Abtei - Niederdörfl - St.Margarethen/Rosental - Gotschuchen - Dobrowa - Seidolach - Glainach - Unterferlach - Ferlach - Kirschentheuer, 143,5 km, 1525 Höhenmeter, Start 10 Uhr

Wetter: bedeckt, starker NW-Wind, 21°

Start in Kirschentheuer

Rennverlauf: Ich war leider im Kopf nicht ganz bei der Sache, war nicht konzentriert genug. Sio hat es auch auf den ersten 30 km bis St.Egyden hin, zum Beginn des Anstiegs auf den Rupertiberg, viele Leerläufe gegeben. Es waren heute sehr viel weniger Starter als in den letzten Jahren, und als wir durch die Hügel rund um Velden gefahren sind, mußte ich ganz schön hinhalten. Einige Male bin ich da ganz hinten am Ende des Feldes gerade noch mit drüber gerutscht.

Dann haben wir den Rupertiberg in Angriff genommen. Ich bin sofort hinten aus dem Feld geflogen, die ersten beiden Kilometer bergauf waren fürchterlich. Kein Rhythmus, keine Luft, einfach ein Debakel. Als dann alles vorbei war, ich abgerissen, klar und deutlich hinten, da ist es dann besser gegangen. Ich habe meinen Rhythmus gefunden, bin zunächst mal zum Fladerer Peter hingefahren, der da knapp vor mir herumgetaumelt ist, an ihm vorbei, vor mir ist eine kleinere Gruppe mit der Krebs Gitti und dem Pfeifer Gerhard gefahren, doch leider war der Berg dann zu Ende, und ich bin nicht mehr hingekommen. Abfahrt.

Habe zunächst mal getrunken, etwas gegessen, hinter mir war gähnende Leere, vor mir ist ein einzelner Fahrer ziemlich schnell runtergefahren, vor dem mit Abstand ein weiterer einzelner. Die Gruppe mit dem Pfeifer habe ich nicht mehr gesehen.

Über die Hügel bis Köttmannsdorf bin ich zu dem einzelnen Fahrer vor mir hingefahren, zusammen dann zum dritten, den wir kurz danach eingeholt haben. Zu dritt sind wir dann nach Kirschentheuer zurückgekommen, hinter uns nichts zu sehen.

Meine beiden Fluchtgefährten

Und da bin ich nach der ersten Runde, bei km 54, wieder in Kirschentheuer

Nach Seidolach ist von hinten eine Gruppe gekommen, die sind ziemlich zügig gefahren, da war auch der Fladerer Peter drin, und damit waren wir 10 Mann. Von da an habe ich mich zurückgehalten, bin meist am Ende der Gruppe mitgefahren und habe nur das Nötigste getan, um die Gruppe zu halten. So sind wir über Linsendorf bis rüber ins Jauntal gefahren, und bei dem Anstieg dort habe ich wieder etwas hinhalten müssen, war aber nicht in Gefahr. Ich hab mich noch gewundert, daß ich da jetzt vor allem wegen der Distanz nicht ärgere Probleme bekommen hab. Dann waren wir in Sittersdorf draußen auf der Hauptstraße, unterwegs in Richtung Abtei.

Gleich zu Beginn des Anstiegs ist der Schebath Christian weggefahren, ich hab sofort nachgesetzt, hinter mir der Sallinger Christian, dann der Rest der Gruppe. Beim halben Aufstieg hab ich den Schebath eingeholt gehabt, gleich darauf war auch der Sallinger da, und sofort bin ich wieder etwas zurückgefallen, die beiden haben sich leicht abgesetzt. Ein Blick zurück, da war niemand zu sehen. Also hab ich gewußt, daß ich unbedingt an den beiden dranbleiben muß. Über die Kuppe hab ich mich wieder rangekämpft, dann das Flachstück, der letzte Anstieg, und dann ist es in die Abfahrt gegangen. Der Sallinger ist abgerissen, der Schebath hat gewartet, ich bin alleine weitergefahren. Da warte ich doch nicht, daß die wieder alle herankommen!

Und das war´s dann auch im großen und ganzen, kurz vor Ferlach waren die beiden wieder an meinem Hinterrad, so sind wir bis Kirschentheuer gefahren, der Sallinger hat dann ordentlich Tempo gemacht, doch beim letzten Kreisverkehr hat er scharf abgebremst, ich bin innen voll durchgefahren, war vorne, und bin die letzten 400 m alleine ins Ziel gefahren, die beiden sind nicht mehr gekommen.

Ich bin im Ziel

Ich hab gewußt, daß das der dritte Platz war, denn ganz vorne war nur der Muntean Peter, in der Gruppe vor mir der Pfeifer Gerhard, hinter mir der Fladerer. Am letzten Teilstück von der Abtei weg hab ich mir den Kopf zermartert, wer da noch vor mir sein könnte, aber niemanden gefunden. Und bei der Siegerehrung war es dann auch klar, daß ich tatsächlich der Klassendritte war. Hat mich einerseits gefreut, andererseits aber war mich auch klar, daß ich da von der geringen Starterzahl doch sehr profitiert habe.

Der Veranstalter, der Karl "Charly" Struger

Die Preise, die berühmt-berüchtigten Pflastersteine vom Charly

Siegerehrung der Männerklasse 4, hinten von rechts: Pfeifer (2.), Muntean (1.), Bartonek (3.), vorne kniend von links: Klammer (4.), Fladerer (5.), Meixner (6.)

Ergebnisse Marathon absolut: 1. Alfred Koschat (RC Ferlach) 3:39:40 (Schnitt 39,4 km/h), - 2. Alexander Fritz -1:00, - 3. Luka Pustoslemsek -1:10, - 4. Uwe Rascher -2:50, - 5. Robert Hotter -8:35, - 6. Robert Rassinger -8:55, - 7. Jürgen Pansy -9:50, - 8. Heimo Fetter (Radsport Sampl/Lungau) -11:00, - 9. Dieter Jenull -11:35, - 10. Hans Markun (Karawanken Murmalan) -12:30, - weiters: 29. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) -29:05

Ergebnisse Altersklasse 4: 1. Dr. Peter Muntean (RC Raaba Steiner-TV) 3:54:35 (Schnitt 36,1 km/h), - 2. Gerhard Pfeifer (RC ARBÖ Elektro-Merl Bruck/Mur) -4:45, - 3. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) -14:05, - 4. Johannes Klammer (SC MTB Stevens Mirnock) -16:40, - 5. Peter Fladerer (RC Raiffeisen Feld/See) -16:50, - 6. Günther Meixner (RC ARBÖ Elektro-Merl Bruck/Mur) -31:15

Podestplätze (von  links): Bartonek (3.), Muntean (1.), Pfeifer (2.)

.

Samstag, 8. Mai 2010: Straßenrennen in Casella di Isola della Casa, 14. Trofeo Asparagi e fergola, 5. und Abschlußrennen des 14. Giro di Verona (Italien), 49 km

Rennstrecke: Casella di Isola della Casa - Casalborgo - Casella di Isaola della Casa, 8 Runden á 6 km+ 1 km Zielanfahrt = 49 km, Start 15 Uhr

Wetter: sonnig, leicht bewölkt, sehr starker SO-Wind, 25°

 Erdbeeren 'Salsa' 

Es ist Spargel- und Erdb eerzeit, und das hat di8esem Rennen den Namen gegeben.

Rennverlauf: Über die Vorgeschichte dieses hektischen Rennens könnt ihr unter "Tagebuch 2010" lesen. Es war die Abschlußveranstaltung des Giro di Verona, nur mehr die Punktebesten sind zu diesem letzten Rennen angetreten. Ich war nicht aufgewärmt, verspannt und nicht in der Stimmung, auf einen Befehl hin mit einer optimalen Leistung aufzuwarten. So gesehen konnte es ja nur schiefgehen. Genau 30 Starter nahmen das Rennen auf, nicht viele. Dazu kam der Rundkurs auf schmalen, engen und vor allemsehr schlechten Straßen. Dessen ungeachtet wind wir da mit vollem Tempo drübergerumpelt, teilweise mit über 50 km/h. Ganz kurz nur ist das Feld geschlossen geblieben, dann kam der Antritt, der zur Folge hatte, daß sich drei Mann absetzehn konnten. Ich bin ziemlich weit hinten gefahren, hatte gar keine Luft, da weiter nach vor zu kommen. Es war teuflisch und fatal, die ganze Zeit über bin ich am Limit gefahren, habe ein Loch nach dem anderen zugefahren, bin permanent im Wind gestanden, und vorne sind die Attacken laufend gekommen.

.

Irgendwann war dann Ruhe, die drei waren weg, aber nach nur ein paar Sekunden ist es wieder munter weitergegangen. In der zweiten Runde war dann das Feld plötzlich wieder geschlossen, wenn man mal von den drei oder vier Fahrern absieht, die hinten rausgeschossen sind. Doch in demMoment, in dem ich das mitgekriegt habe, sind auch schon sechs Fahrer vorne wieder weggefahren, haben gut 100 Meter rausgeholt und sich dann nicht mehr einfangen lassen. Von Runde zu Runde ist der Vorsprung größer geworden.

Aber das war die Zeit, ín der sich auch das "große" Hauptfeld dauernd geteilt hat und dadurch immer kleiner geworden ist. Ich war immer in der letzten Gruppe, ab und zu haben wir vorne wieder eine Gruppe eingeholt. Einfach nur frustrierend. Da fährst du dir die Seele aus dem Leib und merkst doch, daß du nicht den Funken einer Chance hast, nicht einmal am Feld dranbleiben kannst. Der starke Wind hat auf allen vier Geraden voll angegriffen, und fatalerweise gab es nirgends einen eindeutigen Rücken- oder Gegenwind, sondern der ist immer von der Seite gekommen.

Im Finale ist dann auch die Spitzengruppe auseinandergebrochen, während ich dahinter heilfroh war, endlich im Ziel zu sein. Keine Runde mehr hätte ich geschafft! Mit der letzten Gruppe bin ich ins Ziel gefahren. Hauptsache, ich hab´s überlebt! Da hab ich also wieder mal gesehen, was so ein verdammter Wind alles anrichten kann! Mein Trainingsrückstand ist einfach noch viel zu groß, als daß ich sowas ausnutzen könnte. Umnd durch die ganze Vorgeschichte hat es mich auch auf dem linken Fuß erwischt. Schwamm drüber, morgen neues Rennen, neues Glück!

.

Marchiori war auch einer der Favoriten

Ergebnisse Kategorie Gentleman: 1. Spartaco Marchini (GS Pennelli Cinghiale) 1:13:02 (Siegerschnitt 40,274 km/h), - 2. Fabrizio Verza (GS Avesano) -0:55, - 3. Michele Rosa (GS Pennelli Cinghiale) -1:18, - 4. Mauro Meggiolaro (GS Avesani), gleiche Zeit, - 5. Alessandro Marchiori (VC Due Torri Rovigo) -1:50, - 6. Enzo Serpellini (GS Pennelli Cinghiale), gleiche Zeit, - 7. Mauro Faggion (New Line Sossano Cicli Pozza) -2:19, - 8. Primo Chiggio (Mobil-Tre Arredamenti) -2:54, -  9. Alfio Maracani (VC Dalla Torre Duo Rovigo), - 10. Pietro Maria Picotti (Team Girelli-Ciclomania), weiters: 18. Robert Bartonek (GS Tecnoimpianti Padova) -8:55

 

Sonntag, 9. Mai 2010: Straßenrennen "Memorial Giuseppe Favero" in Medea, 66,3 km

Rennstrecke: Medea - Fratta - Romans d´Isonzo - Versa - Medea, 7 Runden á 9,2 km = 64,2 km, in der letzten Runde Zielankunft am Monte di Medea, Zielanstieg 1,7 km lang * Pro Runde 15 Höhenmeter = 105 Höhenmeter, Zielanstieg 116 Höhenmeter, gesamt also 221 Höhenmeter, Zielanstieg durchschnittl. 6,5 %, max. 13% Steigung, Start 9.45 Uhr

Wetter: stark bewölkt, sonnig, starker SO-Wind, anfangs 22°, in den letzten beiden Runden leichter Nieselregen, dann starker Platzregen, 18°

Rennverlauf: Wer geglaubt hat, daß gestern das Rennen schwer war, bekommt die Dinge heute ins richtige Licht gerückt! Der superschnelle Rundkurs, ganz leicht wellig nur, auf breiter Straße mit perfektem Asphalt, hat ein Hochgeschwindigkeitsrennen ermöglicht. Mit 88 Startern in den vier Kategorien Gentlemen, Supergentlemen A und B sowie Donne war die Besetzung quantitativ besser als gestern, mit Tarlao, Pangos, Mininel, Della Pietra und Borin war auch für ausreichende Qualität gesorgt.

Vom Start weg habe ich mnich im Gegensatz zu gestern richtig wohl gefühlt, ich war ja auch ausgeschlafen und frisch und munter. Das hohe Tempo hat mir überhaupt nichts ausgemacht, die erste Runde war ja noch die langsamste von allen. Ab der zweiten Runde ging´s dann richtig zur Sache. Mit Geschwindigkeiten bis zu 55 km/h wurde richtig Tempo gebolzt, der Schnitt stieg auf bis zu 43 km/h. Ab und zu gab´s auch ein paar Attacken, richtig weggekommen ist niemand. In der 3. Runde lagen zwei Mann vorne, aber mehr als 15 Sekunden hab en sie auch nicht rausfahren können, und als Tarlao dann Ernst gemacht hat, war der Vorsprung binnen zweier Minuten aufgefahren. Dann hat er sogar selbst attackiert, ist alleine weggefahren, aber das war anscheinend nur zu seiner eigenen persönlichen Genugtuung, rennentscheidenden Sinn hatte das nicht.

Aber da hat man auch gesehen, daß Pangos lange nicht das Niveau der letzten Jahre hat, ein paarmal hat er versucht, nachzusetzen, ist aber kläglich gescheitert. Früher hätte er selbst dasLoch in ediner Art und Weise zugefahren, die eindeutig gewesen wäre, die die anderen beeindruckt und auch abgeschreckt hätte. Davon war diesmal gar nichts zu ahnen. Im Gegenteil, einmal hat er sich sogar an mein Hinterrad geklemmt und sich wieder ans Feld ziehen lassen. Auch das hätte es vor ein paar Jahren niemals gegeben.

Claudio PANGOS, hier noch in seinem alten Vereinstrikot von Alfa-Lum vor einigen Jahren.

Ich bin also immer in ausgezeichneter Position gefahren, immer unter den ersten 20, aber die entscheidende bzw. vorentscheidende Attacke ist nicht gekommen. Dazu war wohl das Tempo zu hoch.

In der 6.Runde dann gleich nach dem Start eine ganz wilde Fetzerei, da ist mit 60 Sachen energisch attackiert worden, im Seitenwind ist die lange Einserreihe völlig auseinandergeplatzt. Da war höchste Eile geboten, vorne hat sich eine kleine Gruppe zzusammengefunden, ich bin mit dem letzten Dreck auch noch hingesprungen, und habe dann gesehen, daß das schon eine ganz elitäre Gruppe gewesen ist. Ganz erstaunt, daß mir diese eindrucksvolle Demonstration überhaupt gelungen ist, hatte ich aber keine Zeit, mich über das Zustandekommen dieser Gruppe zu freuen, denn wenig später, als wir die Beine hochgenommen haben, sind die Abgerissenen wieder herangefahren. Überraschend schnell habe ich mich von dieser Anstrengung erholt, denn nur 3 km später, wieder im Seitenwind, wollte vorne irgendwer das Feld auseinandernehmen, hat das auch ganz konsequent probiert. Das Tempo ist auf 55 bis 58 km/h emporgeschnellt, und wieder mußte ich ganz gehörig hinhalten, diese Passage hat gar ganze 3 Minuten gedauert, dann waren wir wieder ca. max. 25 Fahrer an der Spitze vereint. Leider hat wiederum niemand aus dieser Konstellation Kapital geschlagen.

Antonio della Pietra

Als wir in die letzte Runde gingen, lag der Gesamtschnitt des Rennens bei 42,8 km/h. Und etwa 2 km vor Ende dieser letzten Runde hat´s dann wieder ganz gehörig geklingelt, vorne ist attackiert worden, das Feld war ohnehin schon in einer Einserreihe langgezogen, und ist dann prompt gerissen. Ich war diesmal unvorsichtig und zu weit hinten, bin abermals mit dem letzten Dreck und alleine an die Spitze rangefahren, das hat mich wirklich sehr viel Substanz gekostet. Überraschend aber, daß es mir überhaupt gelungen ist, aber fatalerweise sind wir etwa 1 km später links abgebogen zur Zielankunft auf den Monte di Medea.

Überraschen konntemich dieser Zieleinlauf nicht, denn ich habe ihn mir vor dem Rennen aufmerksam angesehen, bin ihn auch ein paar raufgefahren, hatte also genau die Schaltpunkte und die Übersetzungen im Kopf. Das steilste Stück kam gleich am Anfang, 300 Meter mit gut 13 % Steigung, dann ist es flacher geworden, bis ins Ziel kamen noch drei solcher Steilstücke, aber nur mehr mit max. 10 %. Dieser 1700 m lange Zielanstieg war zwar unrhythmisch und daher schwer zu fahren, aber meine Beine waren sehr gut, ich hatte kaum Probleme. Insgesamt gesehen bin ich zwar am Anschlag gefahren, hatte aber gar nicht ein entsprechendes Gefühl. Sicher hat auch mitgespielt, daß ich durch die wilde Jagd unmittelbar davor einen Substanzverlust hatte, der sich dann im zweiten Teil des Anstiegs negativ ausgewirkt hat. Ich bin an einer kleinen Gruppe vorbeigefahren, das waren ca 6-8 Mann, dann an ein paar Einzelfahrern, ich bin da wirklich einen hervorragenden Rhythmus gekurbelt. Im ersten Steilstück mit 34/19, dann den Rest mit 17 und 18, immer mit hoher Frequenz und ziemlich Druck am Pedal.

Dann habe ich auf den letzten 600 Metern vor mir die Gruppe mit Pangos gesehen, bin auch näher herangekommen, aber zu langsam. Einen Kilometer hätte der Anstieg länger sein müssen, dann wäre ich in den Preisrängen gewesen. So aber haben mich oben am Zielstrich sogar noch zwei Mann abgesprintet, die ich am letzten Kilometer im Schlepptau mitgezogen hatte. Aber das hat mich auch nicht frustriert, nein, ich war insgesamt nur froh, daß ich einen derartigen Formanstieg zu verzeichnen hatte. Den Zielanstieg bin ich mit einem Minimalpuls von 184 Schlägen gefahren, das war doch ganz ordentlich. Und klar über 450 Watt habe ich aufs Pedal gebracht, und das alles nach den anstrengenden, schnellen 64 km in der Ebene und bei strömendem Regen. Auf der Erebnisliste hat sich die gute Form auch niedergeschlagen, ich habe auf den Sieger Riccardo Tarlao nicht mal eine Minute verloren. Sicher, der ist kein Bergfahrer, ab er so kurze Anstiege, nicht extrem steil, die drückt der mit purer Rohkraft drüber.

Ergebnisse Kategorie Gentlemen: 1. Riccardo Tarlao (GS De Luca Renault Portotenica Portogruaro) 1:37:56 (Schnitt 40,4 km/h), - 2. Marino Bon (GS Chiarcosso - Help for Haiti), gleiche Zeit, - 3. Mauro Braidot (GS Carinese) -0:03, - 4. Luciano Livon (Ciclisti Buttrio) -0:11, - 5. Mario Mininel (GS Chiarcosso - Help for Haiti) -0:17, - 6. Andrea d´Arpago (VC Due Torri Rovigo) -0:22, - 7. Antonio della Pietra (Amici della Bicicletta) -0:23, - 8. Claudio Pangos (GS Chiarcosso - Help for Haiti) -0:24, - 9. Loris Borin (GS Chiarcosso - Help for Haiti), gleiche Zeit, - 10. Fabio Recchia (CBR) -0:29, - weiters: 14. Robert Bartonek (GS Tecnoimpianti Padova) -0:55

.

Sonntag, 13. Mai 2010: Radmarathon in Schwechat, 123 km 

Rennstrecke: Schwechat - Rannersdorf - Zwölfaxing - Pellendorf - Gramatneusiedl - Reisenberg - Seibersdorf - Hof - Mannersdorf - Sommerein - Kaisersteinbruch - Breitenbrunn - Purbach - Donnerskirchen - Hof - Au - Stotzing - Loretto - Leithaprodersdorf - Deutsch-Brodersdorf - Wimpassing - Wampersdorf - Unterwaltersdof - Moosbrunn - Pellendorf - Zwölfaxing - Rannersdorf - Schwechat, 123 km, 670 Höhenmeter, Start 10 Uhr

Wetter: stark bewölkt, leichter W-Wind, 15°.

 Rennverlauf: Der Start ist immer das Problem bei diesen Marathons. Da steht man irgendwo hinten und kommt NIE mehr nach vorne. Aber ich Idiot zahle 40.- € Nenngeld und stelle mich dann im Niemandsland hin, jenseits der 300, in der völligt verblödeten Hoffnung, daß heute ausnahmsweise nicht so schnell weggefahren wird und ich dadurch die Chance habe, schnell ganz nach vorne zu kommen. Jeder Schülerfahrer würde in seinem allerersten Rennen gescheiter fahren!!! 

 

 

Start im Schwechater Brauereigelände

Und es hat dann gezählte 36 Sekunden gedauert, bis ich nüber den Startstrich gefahren bin, dann ist die Hetzjagd losgegangen. Ich mit 50/14 und 48 bis 50 km/h mitten in diesem riesigen Feld auf der Verfolgungsjagd - man glaubt es gar nicht, wenn man sowas nicht mit eigenen Augen sieht, aber da fahren Leute rum, also wirklich, die sind dick, fett, mit Schwabbelbauch, schauen in der Landschaft rum, als ob sie überhaupt nicht dazugehören, stehen im Weg, aber nicht einer, nein, das sind Hunderte!! Das Feld zieht sich in die Länge, ganz vorne sind diejenigen gestanden, die gleich mit 50 km/h wegfahren, aber weil das mehrere sind, können die das Tempo auch ein paar Kilometer lang durchfahren, im Gegensatz zu mir, der ich - verrückt! -  im Feld fahre, aber trotzdem im Wind stehe! Die lange Einserreihe reißt dann an mehreren Stellen gleichzeitig, ich fahre von der 25. Gruppe unter Aufbietung aller meiner Kräfte in die 24. Gruppe vor, während dieses Vorgangs hat sich weiter vorne wieder eine Gruppe geteilt, und meine 24. Gruppe ist schon wieder eigentlich die 27., dann soll ich Luft holen, verschnaufen, und ich bin in die 32. Gruppe zurückgefallen, obwohl ich die Gruppe gehalten habe! Das ist die hohe Marathon-Philosophie...

Die Zeit vergeht, die Gruppen vor mir werden immer mehr, während ich Gruppe um Gruppe von hinten aufhole. Aber auf einen grünen Zweig komme ich dennoch nicht, der Abstand ist jetzt schon viel zu groß. Ich fahre in einer 4-Mann-Gruppe, wir sind ganz schön schnell, fahren so um 42-45 km/h, fallen aber immer weiter zurück, vor uns sehe ich dann die zweite Gruppe, ein großes ca. 60 Mann starkes Feld, und noch weiter davor die erste Gruppe, etwa 45 Mann. Aber das ist auch das letzte, was ich von diesen beiden Gruppen sehe, ehe wir nach Seibersdorf kommen. Die ersten 28 km sind geschafft, ich bin es auch, denn die ersten 100 Plätze in diesem Marathon kann ich definitiv vergessen! Frust macht sich breit, aber dann konzentriere ich mich doch wieder auf das Rennen. Ich bin ja hier, um die nötige Form zu kriegen, da ist der Rennverlauf wichtig, nicht das Ergebnis. Und jetzt kann ich sowieso nichts mehr daran ändern. Zwischen Hof und Mannersdorf ist dann plötzlich eine Riesengruppe hinter uns und schließt auf, es sind gut 60 Mann. Ich bleibe ganz vorne in der Gruppe, denn jetzt beginnen die Steigungen zwischen Hof, Mannersdorf und Kaisersteinbruch, ehe dort der eigentliche Anstieg beginnt.

Mit hohem Tempo stechen die Typen rein in den Anstieg, großes Blatt, ich ganz vorne mit dabei. Die erste lange Gerade aus der Ortschaft raus halte ich die Position, mit 50/21, dann setzt sich vorne eine kleine Gruppe ab, es sind 6 Mann, ich setze nach, das Feld zieht sich in die Länge, reißt hinter mir. Ich fahre nach, kann das Tempo noch etwas steigern, ich fahre mit dem großen Blatt über den ganzen Anstieg, bin oben dann beinahe wieder dran an der ersten Gruppe, lasse es aber, denn das soll dann das Feld hinter mir erledigen. Und richtig, das Feld ist gleich hinter der Kuppe wieder da und setzt nach, und unten in Breitenbrunn ist wieder alles geschlossen. Aber die Gruppe ist jetzt kleiner geworden, wir sind etwa 30 bis 35 Mann. Jetzt folgen 16 km flach bis Donnerskirchen, dann der zweite, schwerere Anstieg.

 

 

Anstieg in Donnerskirchen aufs Leithagebirge

 Anstieg Donnerskirchen

Sofort reißt das Feld auseinander, ich fahre ganz vorne mit den ersten fünf, sechs Fahrern in den Anstieg rein, dann forciere ich, es geht anstandslos, alles mit dem großen Blatt, fahre zu den Fahrern vor mir hin, im letzten Drittel des Anstieges, als es steiler wird, fahre ich mit 34/19 und 21, hohe Frequenz, Puls 182 bis 186, also nicht mal am Limit. Oben bin ich in einer 3-Mann-Gruppe, unten nach der Abfahrt ist es zunächst etwas wellig und hügelig, und da kommt von hinten wieder eine größere Gruppe heran, wir sind dann an die 20 bis 25 Mann. Ich habe keine Probleme, diese Gruppe zu halten. Bis Schwechat zurück kommen von hinten noch ein paar Fahrer dazu, wir fahren zügig, aber nicht am Limit. Erst auf den letzten 3 km wird aufs Tempo gedrückt, dennoch gelingt es mir ganz leicht, mich an die Spitze zu setzen und am letzten Kilometer mit zwei anderen Fahrern sogar etwas abzusetzen. Dann ist schon die Einfahrt ins Schwechater Brauereigelände erreicht, und ich bin im Ziel. Den dritten Vorjahrsrang kann ich nicht erreichen, das ist mir klar, und so bin ich über meinen 9. Platz doch etwasd enttäuscht. Aber ich habe das Beste aus der Situation gemacht, und für jeden weiteren Platz vorne hätte ich in der vorderen Gruppe sein müssen.

Siegerehrung, von links: Bohunovsky, Gruber, Eibeck, Bruckner, Mikulasek

Ergebnisse absolut: 1. Harald Gruber (www.diehonorarberatung.at) 2:47:42 (Schnitt 42,2 km/h), - 2. Georg Bohunovsky (spezialiced-roadbiker.at), - 3.Wolfgang Eibeck (RC RIH ASVÖ Tulln), - 4. Ferry Bruckner (Wien), alle gleit, - 5. Jiri Mikulasek (Tschechien, roadbiker.at) -0:55, - 6. Stefan Broschek (ARBÖ Sparkasse Neunkirchen), - 7. Jiri Krivanek (Tschechien, RIF Electro), - 8. Ewald Robeischl (KTM.mountainbiker.at), - 9.Maximilian Röhsler (RC Maroitlia-Racingteam), - 10. Martin Vojtech (Tschechien, CKK Cnojmo), alle gleiche Zeit, - weiters: 109. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) -19:45

Ergebnisse Altersklasse: 1. Gerhart Schäbinger (ARBÖ Kollar Cycling-Team Stattersdorf) 2:48:46 (Siegerschnitt 41,9 km/h), - 2. Gabor Fekete (Ungarn, Margareta Györ) -3:18, - 3. Engelbert Dienstbier (ARBÖ Wienstrom Tretwerk) -8:48, - 4. Manfred Reiter (RC ARBÖ Bikepoint-Innsbruck) -8:51, - 5. Hannes Krivetz (RC Raiffeisen Kosmopiloten Zwettl), - 6. Gerhard Pfeifer (ARBÖ Bruck/Mur), - 7. Karl Loidl (RC ARBÖ Hallein), alle gleiche Zeit, - 8. Karl Broschgek (Babby´s Sport) -13:51, - 9. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) -18:42, - 10. Vladimir Kosi (Tschechien, CK Vikanova Witzenmann), gleiche Zeit 

 

Freitag, 14. Mai 2010: Straßenrennen um die Trofeo Sagra delle Rane, 2. Rennen zum Criterium Cittá del Vino in Comugne di Pramaggiore (Italien), 51,1 km

Rennstrecke: Comugne di Pramaggiore - Pramaggiore - Salvarolo - Comugne di Pramaggiore, 7 Runden á 7,3 km = 51,1 km, 5 Höhenmeter pro Runde = 35 Höhenmeter, Start 18.03 Uhr

Wetter: bedeckt, anfangs leichter Nieselregen, kalt, kräftiger W-Wind, 17°

Rennverlauf: Ich dachte, das Rennen würde mir den letzten Schliff geben, um mit der bestmöglichen Form übermorgen bei der Straßenmeisterschaft am Start zu stehen. Leider wurde es wegen des Regens um 2 Runden verkürzt, wir wären sonst eigentlich ja 66 km gefahren. Der flache Rundkurs auf schmalen Nebenstraßen bei starkem Wind war aber auch so ziemlich selektiv, insgesamt 88 Fahrer der Kategorien Gentlemen, Supergentlemen A und B sowie Frauen sorgten allein schon für eine ziemliche Selektion, denn die ersten beiden Runden war ich ausschließlich damit beschäftigt, immer weiter nach vorne zu fahren, um mir auf den schmalen Straßen eine halbwegs sichere Position zu erkämpfen. Diese ersten beiden Runden waren ziemlich schwer, denn es wurde hohes Tempo gefahren. Ich habe mich aber ziemlich schnell an den Rhythmus gewöhnt, habe mich vorne im ersten Viertel des weit auseinandergezogenen Feldes festgesetzt, und nach 4 Runden (29 km) war bereits mehr als die Hälfte abgerissen. Der Wind hatte sein übriges getan, und diesem Gemetzel war ich durch meine vordere Postion entgangen. Und hatte überdies noch Substanz gespart.

[Agostini%20con%20amico%20Lorenzin.jpg]

UDACE-Weltmeister Gianmarco Agostini, der die Spitzengruppe verpaßt hat, mit Ruggero Lorenzin (rechts)

In der 5. Runde begann schon der Endkampf, und da fiel auch bereits eine Vorentscheidung, als sich eine 6köpfige Gruppe absetzte. Als aber 8 Mann die Verfolgung aufnahmen, konnte ich noch an die Hinterräder springen und mitfahren. Das war ein Gefühl! Zum erstenmal heuer war ich offensiv gefahren, aktiv, binnen einer Runde waren wir an der Spitze dran, 14 Mann gingen wir in die vorletzte Runde, in der dann aber - leider - weitere 7 Mann den Anschluß fanden. So waren wir wieder 21 Mann, die mit relativ sicherem Vorsprung in die Schlußrunde gingen. Leider deshalb, weil ich einfach nicht stark genug war, um nochmals aktiv zu werden. Ich hatte alle Hände voll zu tun, um die vielen Attacken in der Schlußrunde zu beantworten, konnte aber nicht verhindern, daß sich drei Mann etwas absetzten. Und dann war ich viel zu entkräftet, um da noch voll mitsprinten zu können. Egal, das Rennen war ein Erfolg, vom Rennverlauf her mein bisher stärkstes Rennen in diesem Jahr, das Ergebnis selbst war mir da nicht mehr so wichtig. Rang 19 war´s dann.

Luciano Guidolin als Dritter im Ziel, dahinter die Verfolger

Ergebnis Kategorie Gentlemen: 1. Riccardo Tarlao (GS De Luca Portotecnica Portogruaro) 1:10:25 (Schnitt 42,7 km/h), - 2. Giorgio Baggio (GS Boosny Team), - 3. Luciano Guidolin  (Tre-Bi Elisa), beide gleiche Zeit, - 4. Alfio Maracani (VC Due Torri Rovigo) -0:11, - 5. Ruggero Lorenzin (GS Fiordifrutta), - 6. Cristiano Cassetta (MAS-Arredamenti), - 7. Alberto Parise (GS Pennelli Cinghiale), - 8. Micherle Zaccaria (GS Cicli Pengo), - 9. Sandro Tosello (VC Due Torri Rovigo), - 10. Marco Cavana (GS Cicloparma), - weiters: 19. Robert Bartonek (GS Tecnoimpianti Padova), alle gleiche Zeit

 

Sonntag, 16. Mai 2010: Österreichische Straßenstaatsmeisterschaft um den Mostland-Straßenpreis in Allersdorf bei Amstetten/Ostarrichi-Kaserne, 70,8km

Rennstrecke: Ostarrichi-Kaserne - Waidahammer - Schindau - Hömbach - Holzing - Hinterberg - Schaffenfeld - Ostarrichi-Kaserne, 6 Runden á 11,8 km = 70,8 km, pro Runde 107 Höhenmeter = 642 Höhenmeter, Start 9.35 Uhr

Wetter: bedeckt, tiefe Regenwolken, sehr starker W-Sturm, anfangs regennaße Straße, 7°

Rennverlauf: Ziemlich nervös war ich am Start, schließlich hatte ich im Vorjahr hier ganz gewaltig hingehalten, diesmal war das Rennen um eine Runde länger und gut einen Monat früher. Keine guten Vorzeichen also. Und meine sehr gute Form, die sich in den letzten zehn Tagen aufgebaut hat, die war mir auch irgendwie suspekt, der habe ich nicht ganz getraut. Viel zu schnell ist sie gekommen. Naja, tief Luft geholt, Augen zu und mitten rein ins Getümmel.

DSC_6162 von klausexner.

Startphase

Erste Runde, der Anstieg am Hinterberg war schon ein Problem, ich hab ordentlich hingehalten, mich extra ganz vorne reingedrängt in die Staffel, hab oben dann trotzdem ein paar Meter Abstand gehabt, war aber gleich wieder dran. Hohes Tempo, ich hab geschnauft wie eine Lokomotive aus dem vorigen Jahrhundert. Dann der gefürchtete Zielanstieg zur Kaserne rauf. Ich im ersten Drittel, gehe aus dem  Sattel, dann falle ich langsam zurück, Position um Position, nur nicht die Nerven verlieren, oben auf der Kuppe dann bin ich abgerissen, ein paar Meter nur, und im Flachen war ich gleich wieder dran, aber ich war ganz klar am Limit.zum Zielstrich war ich wieder sicher im Windschatten der Gruppe, aber dieser erste Anstieg hier herauf war mir eine Warnung. Da mußt du wirklich ganz, ganz weit vorne kin die Steigung reinfahren, sonst bist du sowas von geliefert!

DSC_6179 von klausexner.

Da bin ich in der Mitte (verdeckt) zu erkennen

Zweite Runde, ich tue mir leicht, der Wind, in der langen Flachpassage nach der ersten Abfahrt bläst er direkt von vorne und drückt das Tempo auf sage und schreibe 20 bis 24 km/h (!), macht das Rennen langsam, den flachen Anstieg auf den Hinterberg passe ich genau auf, dennoch habe ich oben auf der Kuppe diesmal ein kleines Loch, aber ich kämpfe mich unter Gekeuche und Gerotze gleich wieder ran. Aber das kostet Substanz! Keine Sekunde zu früh, denn die Abfahrt wird diesmal deutlich schneller gefahren, da wäre ich nie mehr rangekommen! Dann der Zielanstieg, ich fahre ganz vorne rein, kämpfe mich gleich so schnell wie möglich rauf und komme am Ende der Gruppe ins Flache, verliere keinen Meter, bleibe optimal dran und kann erstmals am Zielstrich dann etwas aufatmen. Die Form ist ja doch nicht so schlecht!

Dritte Runde, Attacke am Hinterberg, zwei Mann kommen weg, Mayr und Schäbinger, und oben auf der Kuppe setzt Bruchmann nach und sprintet wirklich sehr schnell an die Spitze ran. Drei Mann also vorne weg, die Favoriten aber noch im Feld. Iby, Groß, Taucher, Mateyka. Abfahrt, die Spitze vergrößert ihren Vorsprung. Dann wieder der Zielanstieg. Diesmal wird schneller gefahren, die Gruppe hzieht sich in die Länge. Ich reiße ab, kämpfe verzweifelt um den Anschluß, Krivetz, Mosler, Gruber, Gössler und Rettenegger sind hinter mir, aber ich habe ein kleines Loch, mit dem Mut der Verzweiflung sprinte ich oben auf der Kuppe an Pfisterer und Co. wieder ran, aber das geht über mein Leistungsvermögen. Erst am Zielstrich bin ich wieder so halbwegs dran, aber die Aktion hat mich so viel gekostet, daß ich völlig passiv den Hügel runterrolle und zu Beginn der vierten Runde unten nach der Kreuzung gleich den Anschluß verliere.

Verdammt, das sieht gar nicht gut aus! Wieder muß ich bis an meine äußerste Grenze gehen, um da wieder ranzufahren, und ich schaffe es einen dreiviertel Kilometer später nur deshalb, weil im starken Gegenwind vorne alle steckengeblieben sind. Als ich dran bin, bin ich sowas von leer, daß ich mir sicher bin, im folgenden Anstieg endgültig abzureißen. Ich überlege und rechne, daß ich dann gut zwei Runden alleine hintennach fahren muß. Ein grauslicher Gedanke bei dem Sturm!

Johann Taucher (ARBÖ Kindberg) gewinnt solo
 
Spitzengruppe: Mayr vor Bruchmann und Schäbinger
Günther Iby, der Vorjahrsdritte, verpaßt diesmal als Vierter eine Medaille nur knapp

Vierte Runde am Hintrerberg dann eine wilde Attacke, die Favoriten, die in meiner Gruppe hängengeblieben sind, setzen jetzt nach, Groß, Taucher, Iby, Mateyka, jetzt kommt Leben in die Gruppe, für meinen Geschmack zuviel Leben! Ich reiße oben auf der Kuppe abermals ab, fahre die fast gesamte Abfahrt runter nach, bin dann etwa einen halben Kilometer vor der Kreuzung unten im Flachen dran, vorne greifen Gössler und Krivetz an, und weil ich mit meinen Kräften völlig am Ende bin und sowieso nichts mehr zu verlieren habe, setze ich sofort alleine nach. Und das ist die entscheidende Aktion dieses gesamten Rennens, für mich jedenfalls, denn ich sehe, daß ich es schaffe, und ich sehe, daß Krivetz ziemlich am Ende ist und Gössler sowieso, die beiden schimpfen auch lautstark über den jeweils anderen, weil der vermeintlich zu wenig führt. Egal, der Vorsprung von vielleicht 3 Sekunden ist sowieso lächerlich, aber hier geht es vielmehr um die Motivation, um die Moral.

Und diese Moral brauche ich in der vierten Runde im Zielnstieg, denn durch meine verblödete Attacke bin ich völllig außer Atem, als wir eingeholt werden (etwa 10 Sekunden später!) ich hänge wirklich mit dem allerletzten Saft hinten als Letzter an der Gruppe dran, als es in die Zielsteigung reingeht. Der sichere Tod ist diese Position! Ich weiß es, aber mir fehlt die Kraft, da wegzukommen. Und so kommt, was kommen muß: ich reiße gewaltig ab, schaffe es gerade noch über die Kuppe, dann ist der Ofen aus. Das Loch vor mir wird größer, wird unüberbrückbar groß. Nein, da komme ich nie mehr ran, das war´s dann, Puls 191, ich bin am Anschlag.

Doch der Himmelvater schaut auf seinen Sohnemann und schickt mir Hilfe in Form vom Rettenegger Franz, der noch viel ärger abgerissen ist als ich, aber als der deutlich stärkere Zeitfahrer kämpft er weiter um den Anschluß, ich hänge mich an, führe keinen Meter (allein beim bloßen Gedanken daran stellen sich mir alle Rückenhaare auf!), die ganze Abfahrt runter, dann sind wir unten im Flachen im Gegenwind, uns fehlen noch gut 300 Meter auf die Gruppe, langsam kämpft sich der Franz ran, Meter um Meter, ich hänge nur hinten dran, unfähig, tief zu atmen, unfähig, ein Wort zu sagen. Ein paar Minuten später sind wir dran. Gerettet! Fürs Erste wenigstens.

Fünfte Runde Hinterberg, ich kann klar denken, ich spüre Kräfte, ich spüre Luft in der Lunge, und ich spüre Motivation. Die anderen fahren ja auch, wieso sollte ausgerechnet ich die Flinte ins Korn werfen? In Form ist, wer sich überwinden kann - und nach dieser Definition bin ich ganz gewaltig in Form! In dieser vorletzten Runde fahre ich ganz vorne über den Anstieg, als Dritter oder Vierter. Das gibt Auftrieb, das macht Moral. Die lange flache Abfahrt, das kurze Flachstück, dann der Zielanstieg. Zum fünften und vorletzten Mal. Das letzte Hindernis vor dem Ziel, wenn ich da dranbleibe jetzt, dann ist alles geritzt. Und es gelingt ganz leicht, ich fahre ganz vorne rein, an dritter Position und wenn ich dann rechts und links schaue und mir die Gesichter der Konkurrenten ansehe, dann sehe ich ein paar Tote! Krivetz, Gössler, Vogt, Gruber, Ganser, der Pfisterer hat auch schon besser ausgesehen, warum sollte ich mich da verstecken? Gut, ich sehe selbst wahrscheinlich auch nicht viel besser aus als die alle, aber zum erstenmal habe ich das Gefühl, noch gut zwei oder drei Runden fahren zu können! Zum erstenmal spüre ich, daß ich einigen in dieser Gruppe überlegen bin. Die letzte Runde.

Zum letzten Mal die Abfahrt runter, zum letzten Mal das lange Gegenwindstück, zum letzten Mal über den Hinterberg, auf Teufel komm raus sprinte ich rauf, einen Zahn härter als all die übrigen Male zuvor, ich drücke über die Kuppe, und ich muß beinahe lächeln - was doch Motivation alles auslösen kann!

Der Zielanstieg, ich hab´s geschafft, ich komme mit der Gruppe ins Ziel dieser Meisterschaft! Was ich bis vor ein paar Tagen noch für völlig utopisch gehalten habe, was ich mir nach meiner Vorstellung beim Kirschblütenrennen etwa niemals gedacht hätte, jetzt ist es Wirklichkeit. Als wir in die Steigung reinknallen, geht mir buchstäblich der allerletzte Saft aus, die Motivation läßt nach, ich darf nicht übermütig werden und zuviel verlangen. Nein, ich bin nicht größenwahnsinnig, und oben auf der Kuppe muß ich reißen lassen. Der Druck fällt ab, ich rolle ins Ziel - auf Platz 13 dieser Meisterschaft!

Ergebnisse Master 2: 1. Johann Taucher (ARBÖ Sparkasse Kindberg) 2:02:32 (Siegerschnitt 34,66 km/h), - 2. Jens Mateyka (RC Wiener Allianz Schnecke) -1:00, - 3. Helmut Mayr (ARBÖ Wels Gourmetfein) -1:13, - 4. Günther Iby (RC ARBÖ Ginner Amstetten) -1:20, - 5. Josef Handler (TSV Sparkasse Zweirad-Kappler Hartberg) -3:13, - 6. Ulrich Gössler (ARBÖ Volksbank Drahteisel Köflach), - 7. Robert Fleck (BRD,RG Uni Hamburg) alle gleiche Zeit, - 8. Heimo Vogt (RC ASVÖ Raiffeisen Althofen) -3:20, - 9. Hannes Krivetz (RC Raiffeisen Kosmopiloten Zwettl), - 10. Manfred Gruber (ARBÖ Hauer St.Pölten), alle gleiche Zeit, - weiters: 13. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) -3:52

 

Zielsprint von vorne: Ebermann (Master 3), Handler, Gössler, Fleck
 
Podestplätze von links: Mateyka, Taucher, Mayr
 
 
Samstag, 22. Mai 2010: Straßenrennen um den 36. Gran Premio Antica "Trattoria Moretto" in Campobernardo di Salgareda (I), 64,5 km
 
Rennstrecke: Campobernardo di Salgareda - Romanziol - Salgareda- Talpenada - Candole - San Nicolo - Arzeri - Campo di Pietra - Campobernardo di Salgareda, 3 Runden á 21,5 km = 64,5 km, pro Runde 10 Höhenmeter = 30 Höhenmeter, Start 16.15 Uhr
 
Wetter: bedeckt, regnerisch, schwül, starker NW-Wind, 19°
 
Rennverlauf: 88 Rennfahrer der Kategorien Gentlemen (da war ich dabei), Supergentlemen A und B sowie Frauen nahmen diesen Traditionsklassiker in Angriff, der heuer schon zum 36. Mal duchgeführt wird, trotzdem bin ich zum ersten Mal hier dabei. Eine flache Strecke, kurvig, Nebenstraßen, unübersichtlich, schmnale Gassen und Wege, ziemlich verwinkelt, wegen der vielen Kurven und des sehr starken Windes dreht dauernd die Windrichtung und das macht das Rennen technisch sehr anspruchsvoll. Ich kenne die Strecke auch nicht, wir fahren sowieso drei Runden, da lernt man sie schon kennen. Und ich habe definitiv nicht die Form, hier um den Sieg mitzufahren. Im Gegenteil, es geht darum, einen weiteren Schritt in Richtung Form zu machen, schnelle Rennkilometer zu sammeln, harte Kilometer. Ich komme mit dem Hochgefühl des letzten Rennens, der Straßenmeisterschaft in Amstetten, hierher, auch neugierig, ob die Form weiterhin so ansteigt wie in den letzten zwei Wochen.
 
Schnell zieht sich das Feld in die Länge, ich reihe mich weit vorne ein, und sofort geht es zur Sache, die ersten Attacken, die ersten Ausreißversuche, ciclismo italiano eben. Nach und nach beruhigt sich das Rennen, aber sofort flammen die aggressiven Aktionen wieder auf. Neuerliche Ausrei0ersuche, Vorstöße, Attacken, immer wieder werden die Ausreißer zurückgeholt, immer wieder versucht es wer aufs Neue. Es dauert beinahe die gesamte erste Runde, bis dann anscheinend die "richtige" Mischung gefunden ist, Maracani ist vorne dabei, Baggio, Sergio Camon, Durante, Pegoraro, die Creme der Creme also, ich muß annehmen, daß das die entscheidende Gruppe ist, auch wenn die erste Runde noch nicht rum ist. Ohne zu überlegen, rutsche ich hinterher, komme gerade noch zum letzten der 7-Mann-Gruppe hin, dann geht die wilde Jagd richtig los. Als wir zum erstenmal durchs Ziel fahren, haben wir schon - geschätzte - gute 15 Sekunden Vorsprung!
UDACE-Weltmeister Gianmarco Agostini führt die Spitzengruppe nach der ersten Runde an.
 
Sergio Camon
 
Ich verhalte mich ruhig, wir wechseln schön, keiner drückt sich vor der Fü+hrungsarbeit, aber kaum ist der Vorsprung auf etwa eine halbe Minute angewachsen, mist der Ofen plötzlich aus. Sie belauern sich gegenseitig, das Tempo sackt ab. Die Verfolger rücken näher. Fallweise flammt dann immer wieder mal die Jagd auf, aber gleich darauf ist der Dampf wieder draußen. Wir kommen auch nicht richtig weg, der Maximalvorsprung beträgt höchstens eine halbe Minute. Den stärksten Eindruck machen Maracani und Agostini, der UDACE-Weltmeister, auf mich. Aber auch diese beiden lassen sich anstecken und spielen das nervige Spielchen mit. Keiner scheint mehr daran zu denken, daß die Verfolger immer näher kommen.
 
Der UDACE-Straßenweltmeister
 
 
Luigi Pegoraro ist der UCI-Straßenweltmeister von St.Johann, und auch Peruzzi ist ein alter, langjähriger Bekannter von mir, ein Erzrivale aus vergangenen Jahren. Ehemaliger Streckenrekordhalter am Stilfsaer Joch, am Penser Joch und am Bondone, mehrfacher Berg-Weltcupsieger, ist sein Metier eher in den Dolomiten zu finden, aber er ist auch ein hervorragender Straßenfahrer, und das beweist er heute einmal mehr.
 
Giancarlo Peruzzi
 
Ich sitze wie auf Nadeln, ich merke ja, wie wir immer langsamer werden, und ich sehe schon unsere Felle davonschwimmen. Ich habe nicht die Substanz für einen zweiten Ausreißversuch, wenn der also schiefgehen sollte, dann war´s das auch schon von meiner Seite. Ich kann meine Ungeduld nicht mehr zügeln, immer öfter drehe ich mich um, sehe, wie die Verfolger immer näher rücken. Gegen Ende der zweiten Runde dann die vorentscheidende Situation: für einen Moment nur ist völlige Ruhe in die Spitzengruppe eingekehrt.
 
Der Sieger, Alfio Maracani
 
Ich spüre diesen Moment förmlich, als alle verschnaufen und Luft schöpfen, innehalten und sich sammeln. Und wieder, ohne zzu hzögern, setze ich mich an die Spitze, sitzend, schleiche mich förmlich weg, drücke dabei aber schon aufs Tempo, die Tachonadel steigt von 38 km/h über 40, 42, rauf bis 45 km/h! Ich komme tatsächlich weg, und als ich wenig später alleine durchs Ziel fahre und in die Schlußrunde gehe, wird mir erst bewußt, daß dieser Angriff möglichereweise ein Fehler gewesen ist. Noch eine Runde bis ins Ziel, noch quälende 21,5 km bei diesem starken Wind, das wird kein Honiglecken, und mehr als nur einmal bereue ich meinen Angriff.
 
[Ago1.jpg]
Ein etwas nachdenklicher Agostini
 
Ich kämpfe vorne alleine an der Spitze, das Ziel kommt näher, aber auch die Verfolger. Ich habe das Gefühl, daß ich keine Chance habe, daß sie Katz und Maus mit mir spielen. Der Puls liegt schon sehr, sehr hoch, permanent an die 170, dann plagen mich Rückenschmerzen, die Schulter ist wie eingeschlafen, die Finger der rechten Hand auch. Ganz genau registriere ich alle diese Beschwerden, dann denke ich mir wieder, daß es keinen Sieg ohne Risiko gibt, ich versuche, mich abzulenken, es gelingt mir nicht. Und als ich mich dann wieder umdrehe, scheint es, als seien die Verfolger wieder ein Stück nähergerückt.
 
Aber auch das Ziel rückt näher und näher. Noch 10 km, noch 6 km, noch 5 km. Ich zähle beinahe schon jeden Meter, den ich geschafft habe. Es wird ganz, ganz knapp werden. Aber noch zögere ich, meine allerletzten Reserven in die Waagschale zu werfen. Bis ich merke,daß ich diese Reserven gar nicht mehr habe. Alles im Gegenwind vergeudet und verschleudert. Noch 4 km.
 
Ich spüre den Atem der Verfolger im Nacken, Eine Phrase? Nein, ich spüre ihn beinahe körperlich. Mein Vorsprung reicht niemals. Dennoch höre ich nicht auf zu treten. Die Beine sind längst leer, es sticht und brennt in der Lunge, die Augen tränen vor Anstrengung. Aber ich schaffe die allerletzte Überwindung nicht. Nein, ich bin am Ende, muß lockerlassen. Der Verstand wehrt sich, der Geist weigert sich, aber der Körper ist zu schwach und bestimmt daher. Ich kann das Ziel schon riechen, der Atem geht stoßweise, ich höre mich an wie eine uralte Dampflokomotive auf ihrer allerletzten Fahrt.
 
Giorgio Baggio wird Sechster.
 
Doch diesmal trifft mich die Erlösung nicht mit dem Zielstrich, nein, diesmal erwischt sie mich 2,5 km davor. Die sieben Mann Verfolger schließen auf, wir sind wieder zu acht. Meine Motivation ist im Keller, praktisch nicht mehr vorhanden. Alles umsonst. Der ganze Aufwand hat nichts gebracht. Im Gegenteil, ich fühle mich jetzt ganz schwach, will gar nicht daran denken, daß mich jetzt alle abhängen werden. So knapp vor dem Ziel noch eingeholt zu werden, das ist der Alptraum jeden Rennfahrers. Warum schon wieder ich?
 
Eine plötzlich und überraschende Attacke, ich reiße gleich ab, kämpfe mich unter Aufbietung meiner allerletzten Kräfte wieder ans Hinterrad. Dann ist auch schon die Zielgerade erreicht, ich kann nicht mehr. Wehrlos und reaktionslos rolle ich als Achter über den Zielstrich.
 
Schade, daß ich diese Chance nicht nutzen konnte. Und dazwischen immer wieder die Frage: war es richtig, 22 km vor dem Ziel anzugreifen? Ich bin Achter geworden, Letzter der Spitzengruppe, das hätte ich auch mit sehr viel weniger Aufwand geschafft. Egal, es war ein gut besetztes Rennen, ich bin ein sehr aktives und offensives Rennen gefahren, bin als Achter ins Ziel gekommen. Glaubt mir, es gibt Schlimmeres!
 
Ergebnis Kategorie Gentlemen: 1. Alfio Maracani (VC Due Torri Rovigo) 1:31:45 (Schnitt 40,9 km/h), - 2. Sergio Camon (Cicli de Franceschi), - 3. Luigi Pegoraro (Fly Avesani Bike), - 4. Agostino Durante (Pioggia in Facciua), - 5. Giancarlo Peruzzi (GS Mugnaio), - 6. Giorgio Baggio (Boosny), - 7. Gianmarco Agostini (Fly Avesani Bike), - 8. Robert Bartonek (GS Tecnoimpianti Padova), alle gleiche Zeit, - 9. Ezio Balzi (Cicli Priori) -1:12, - 10. Roberto Avanzi (GS Team Perinbi), gleiche Zeit
 
 
Sonntag, 23. Mai 2010: Einzelzeitfahren um die Preise der Gemeinde Wolfsberg, Wolfsberg - St. Andrä - Wolfsberg, erstes Rennen zum Assetline-Zeitfahrcup, 11,4 km
 
Rennstrecke: Wolfsberg, Autobahnabfahrt Wolfsberg-Süd - Fischering - St. Andrä - Fischering - Wolfsberg, 11,4 km, 40 Höhenmeter, Start 10.25 Uhr
 
 
Wetter: sonnig, leicht bewölkt, starker SW-Wind, 21°
 
Rennverlauf: Was soll ich sagen? Ich wäre besser zuhause geblieben, denn nach dem gestrigen Husarenritt, nach meiner gestrigen 21 km langen Solofahrt, habe ich heute die Beine ganz entsetzlich gespürt, die waren nämlich leer, verspannt, voller Milchsäure. Hab mich deshalb beinahe eine Stunde lang aufgewärmt, hat aber nichts genützt.
 
Hinter mir (Startintervall 30 Sekunden!) ist der Prießnig gestartet, vor mir der Kootz Ferdl, also war ich guter Dinge. Doch sehr schnell bin ich eines Besseren belehrt worden. Ich hab schnell begonnen, mit 53/16 und sehr hoher Frequenz, bin da 44 bis 48 km/h gefahren. Doch gerade, also ich mein Tempo gefunden habe (die verrückte Position hat mich séhr viel gekostet!!), ist von hinten der Prießnig vorbeigefahren. Und vorne bin ich an den Kootz nicht rangekommen, keine Sekunde habe ich aufgeholt, im Gegenteil, mein Rückstand ist immer größer geworden! Und nach ca. 4 km waren meine Kräfte auch am Ende, ich bin langsamer geworden, konnte die Frequenz nicht halten, das Tempo sowieso nicht.
 
Mühsam quäle ich mich mit 53/17 die Steigung in St.Andrä hoch, direkt an der Wende überhole ich zwei Nachwuchsfahrer, gleich nach der Abfahrt aus St.Andrä raus einen weiteren. Bei der Wende bin ich gute 15 Sekunden hinter Kootz gelegen, in der Folge hat sich dieser Abstand auf gut 45 Sekunden ausgedehnt. Ich hab mich mit aller Kraft, zu der ich noch fähig war, ins Ziel gekämpft, konnte gegenüber Kootz im Finale noch deutlich aufholen, war am Ende nur mehr 7 Sekunden hinter ihm!
 
Im großen und ganzen ist es genauso gelaufen, wie ich es befürchtet hatte. Das gestrige Rennen hat viel zu viel Substanz gekostet, das hat sich heute bitter gerächt. Hätte ich ja irgendwie gerne in Kauf genommen, wenn ich gestern wenigstens aufs Stockerl gefahren wäre. Aber dann nur Achter zu werden, das war ja wie ein Schlag ins Gesicht. Das schlechtestmögliche Ergebnis zu diesem Zeitpunkt! Und dafür habe ich heute auch noch einen so teuren Preis bezahlt!
Die ersten drei (von links): Salcher, Stenitzer, Mosler
 
Ergebnis Kategorie Männer 6: 1. Bernhard Stenitzer (RC Raaba TV-Steiner) 16:06 (Schnitt 42,5 km/h), - 2. Reinhardt Salcher (ARBÖ Raiffeisen Feld/See) -0:04, - 3. Gerhard Mosler (RC Raaba TV-Steiner) -0:11, - 4. Wolfgang Forobosko (ÖAMTC ASVÖ Raiffeisen Althofen), gleiche Zeit, - 5. Wilhelm Rath (RC Tobelbad) -0:15, - 6. Gerhard Pöltl (RC Polizei SV Graz) -0:22, - 7. Gilbert Rass (Tagespaß) -0:25, - 8. Bernhard Pommer (RC Union Volksbank Deutschlandsberg) -0:40, - 9. Johann Hauk (RC Union Volksbank Deutschlandsberg) -0:44, - 10. Franz Gottmann (RC Polizei SV Graz), gleiche Zeit, - weiters: 12. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) -0:58
 
 
Pfingstmontag, 24. Mai 2010: Großer Straßenpreis von Tisina (Slowenien), 93 km
 
Rennstrecke: Tisina - Petdanjci - Murski Petrovci - Sodisinci - Skakovci - Strukovci - Puzevci - Lemerje - Brezovci - Gorica - Cernelavci - Tropovci - Tisina, 3 Runden á 31 km = 93 km, 15 Höhenmeter pro Runde = 45 Höhenmeter, Start 9.30 Uhr
 
Wetter: sonnig, leicht bewölkt, heiß, starker NW-Wind, 26°
 
Rennverlauf: Diesmal sind alle drei Masterklasse zusammen gestartet, also Master 40+, 50+ und 60+. Das war für mich ein Vorteil, denn immer, wenn es gegen Jüngere und Stärkere geht, blühe ich auf, habe ich Vorteile. So auch diesmal. Die Jüngeren haben das Rennen bestimmt, sind die Angriffe gefahren, waren tonangebend und haben den Rennverlauf bestimmt. Ich war natürlich nicht so dumm, mich auf einen offenen Schlagabtausch einzulassen, bei dem ich sowieso den kürzeren gezogen hätte. Nein, ich habe mich zurückgehalten und darauf beschränkt, in der ersten Gruppe dabeizubleiben. Es hat sich ein ziemlich schnelles Rennen entwickelt, es war genau in meinem Sinne. Meine direkten Konkurrenten, die ebenfalls aus der mittleren Masterklasse 50+ waren, die haben die Herausforderung angenommen und sind aktiv und offensiv mitgefahren.
Bereits nach einer Runde war das Feld langgezogen und nur mehr halb so groß wie am Start. Abgehängt, zurückgefallen, vom hohen Tempo überfordert, waren nur mehr wenige aus meiner Altersklasse vorne dabei. Macht nur weiter so, habe ich mir gedacht, das läuft ja alles ganz gut.
Ich fahre dieses Rennen jetzt schon seit einigen Jahren - mit einigen kurzen Unterbrechungenk, wie im Vorjahr etwa - aber jedesmal fahren wir hier auf einer anderen Strecke. Waren die Rundkurse bisher alle eher kurz gehalten, so war diesmal erstmals ein längerer Kurs vorgesehen, wir sind eine Runde nach Norden gefahren, dann rüber nach Osten bis Murska Sobota und wieder zurück nach Tisina. Das ist ein winziges Bauernkaff, besteht nur aus einigen hölzernen Bruchbuden entlang der Straße und zwei Ortstafeln.
In der zweiten Runde dann sind einige Fahrer weggekommen, aber gleich wieder eingeholt worden, dann sind andere weggefahren, auch wieder gestellt worden. Ich hab mich da völlig rausgehalten, bin hinten am Ende des Feldes mitgefahren und hab nur registriert, wann wieder einer abgehängt worden ist, weil er zuvor zu offensiv gefahren ist. Die können sich wohl alle selbst nicht einschätzen, weil sie sich so übernehmen! Aber das soll mir nur recht sein.
Ich bin sehr konzentriert gefahren, es war ja auch nicht sehr einfach, da immer im Windschatten zu bleiben, bei all den vielen Attacken und Nachführmanövern. Zwischendurch war es einige Male verdammt schnell, da sind wir schon an die 60 km/h gefahren, ein paar Kilometer lang, das hat mich sehr viel Kraft gekostet. Und wenn ich nicht so gut an den Hinterrädern mitgefahren wäre, hätte ich diese Momente sicherlich nicht überstanden. Am Ende ist immer alles zusammengekommen, man hat ein paar Momente lang verschnauft und durchgeatmet, dann hat wieder irgendwer angegriffen. Und das ganze Spiel ist wieder von vorne losgegangen.
Die dritte Runde war die schwerste. Ich hab die Distanz auch schon etwas gespürt, die beiden letzten Tage mit den Rennen sind ja auch nicht spurlos vorübergegangen, und ich hab heute wegen des heißen Wetters zwei Trinkflaschen geleert. Gottseidank hatte ich zwei mitgenommen, ich war noch am Überlegen, ob nicht auch eine ausreichen würde!
Diese Entscheidung hat mich gerettet, und ca. 8 km vor dem Ziel war das Rennen für mich gelaufen, da haben sich alle eine kleine Auszeit genommen und auf den Sprint vorbereitet, die Positionen gesucht, etc. Ich habe diese Zeit genutzt und die anderen Master-50+-Fahrer gesucht, die noch dabeiwaren, und mich an denen orientiert. Ich habe 12 Mann gezählt, die in dieser großen Gruppe noch dabei waren, wir waren etwa 55 Mann, ein paar Master-60+ waren auch noch dabei, aber nicht viele.
Ich arbeite mich also in dieser langsamen Phase nach vorne, habe mich ganz vorne unter den ersten zehn Positionen eingereiht und aufs Finale gewartet, das dann auch sehr schnell eröffnet worden ist. Ich hab hingehalten, meine Position verteidigt und gehalten, hab mich nicht abdrängen lassen, habe das Klassement meiner Kategorie in dieser Phase noch angeführt. Wer da wie knapp an mir dran war, habe ich nicht gesehen, weil ich mich nicht umgedreht hab und die Typen auch gar nicht gekannt hätte. Also hinhalten, Platz halten, so lange wie möglich.
Wir kommen auf die Hauptstraße raus, die von Murska Sobota rausführt nach Slatina Radenci, noch 5 km. Das Tempo liegt weit über 50 km/h.
Wilde Positionskämpfe auf den letzten 3 Kilometern, die Ausreißer waren alle eingeholt, es ist im Massensprint um den Sieg gegangen, und zwar in allen drei Kategorien, denn von allen dreien waren zumindest die Podestplätze hier in dieser ersten Gruppe vertreten.
Noch 1000 Meter. Ich bin noch ganz vornbe, halte fürchterlich hin, liege so zwischen Platz 12 und 15, alle anderen Master 50+-Fahrer hinter mir. Wer genau wo liegt, weiß ich nicht, ich blicke mich nicht um, halte nur hin und sehe die geradeste, kürzeste Linie zum Zielstrich. Ein wildes Gerangel vor mir, Ellenbogen drücken aneinander, wilde Schreie, Fluchen, aber es geht noch einmal alles gut, obwohl ich die Typen schon auf der Straße liegen sehe. Ich bin etwas abgelenkt, unkonzentriert, verliere ein paar Positionen, obwohl ich nicht bremse.
Etwa 500 Meter später geht es nicht mehr so gut aus. Wieder wilde Schreie, es kracht, ich höre Metall über den Asphalt schleifen, splittern, Rahmen brechen, oder sind es Knochen? Wild purzeln sie vor mir durcheinander, ich ziehe nach links raus, instinktiv, ich bin etwa in der Straßenmitte,Gottseidank ist die Straße hier so breit! Irgendwie schaffe ich es im allerletzten Moment, an den Gestürzten vorbeizukurven, dann kracht es auch hinter mir, das ist ja ein ganz wildes Gemetzel! Ich stehe fast, muß nochmals antreten, mit steifen Beinen und überharter Übersetzung, es sind noch knapp 300 Meter bis ins Ziel.
Keine Ahnung, was ich geworden bin, die Ergebnisliste zeigt mich dann als Fünften. Bin frustriert, denn dieser Massensturz hat mich definitiv einen Stockerlplatz gekostet! Was sind das bloß für Idioten, die nicht mal geradeaus fahren können! Ein paar meinen zwar zu mir, daß wir froh sein sollten, daß alles so glimpflich ausgegangen ist,denn wir hätten auch schlimmer dransein können. Aber ich kann doch wohl erwarten, heil ins Ziel zu fahren, auf einer Zielgeraden, gut 12 Meter breit. Ich war ja nicht schuld an diesem Sturz!
Okay, für die Zuschauer war es spektakulär, wenn das halbe Feld auf dem Asphalt liegt, wenn Blut spritzt und Material zu Bruch geht. Aber ich kann auf ein so zweifelhaftes Vergnügen ruhigen Gewissens verzichten. Ich weiß ja, weshalb ich diese Massensprints nicht mag und meide, wo es nur geht! Noch auf der Heimfahrt trauere ich einem Spitzenplatz nach!
 
Speichensalat beim Zielsprint
 
Ergebnisse Kategorie Master 50+: 1. David Budmir (SLO) 2:10:15 (Schnitt 44,1 km/h)  - 2. Metod Keber (SLO), - 3. Mitja Kotnik (SLO), - 4. Marko Plazovnik (SLO), - 5. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl), - 6. Ecio Bencic (SLO), alle gleiche Zeit, - 7. Primoz
Sket (SLO) -0:05, - 8. Dominik Anlaznik (SLO) -0:15, - 9. Matej Korat (SLO), - 10. Ozvald Golob (SLO), alle gleiche Zeit
 
 
Samstag, 29. Mai 2010: Bergzeitfahren auf den Blassenstein in Scheibbs, 4,7 km
 
Rennstrecke: Scheibbs, Kirchenplatz - Bergkuppe Blassenstein, 4,7 km, 450 Höhenmeter, Steigung bis 16 %, durchschnittl., 10 %, Start 13.06 Uhr
Wetter: stark bewölkt, mäßiger NW-Wind, 23°
Die Urlinger-Warte am Blassenstein
 
Das Profil des hochprozentigen Anstiegs
 
Rennverlauf: Ich hab mir die Strecke relativ genau angesehen, um 13.06 Uhr gehe ich ins Rennen, alle starken Fahrer hinter mir. Manfred Pirz, Vorjahrssieger aus Trieben, trägt die Nummer 8, d.h. er fährt 2 Minuten hinter mir. Ich beginne zügig, der erste halbe Kilometer ist noch der flachste der ganzen Strecke. Hohe Frequenz, 34/19, gleich darauf 21, so kurble ich dem Gipfel entgegen., Es dauert nicht lange, dann habe ich den vor mir Gestarteten in meinem Blickfeld, und es sind nicht mal 2 km verstrichen, da fahre ich schon an ihm vorbei.
P1000827.JPG
Start in Scheibbs am Kirchenplatz
 
P1000835.JPG
Manfred Pirz ist gestartet
 
Der Großteil der Strecke verläuft im Wald, da sieht man nicht weit voraus, man sieht nur Bäume. Die Steigung ist hochprozentig, eigentlich so gut wie nie unter 10 %. Ich kurble zügig, bin bei 34/21, röchle ganz furchtbar, halte aber den Rhythmus. Am Ende der längeren Geraden, immer wenn ich mich umblicke, sehe ich niemanden hinter mir. Der Blickabstand ist in etwa eine Minute, und das heißt also rein gar nichts.
Ohne es zu wissen, führe ich das Rennen vom Start weg an. Doch es sollte diesmal wieder alles anders kommen. Anscheinend ist mir ein Sieg nicht und nicht vergönnt. Knappe 2 km vor dem Ziel liegt eine ca. 400 m lange Strecke, die relativ flach ist, die Steigung beträgt dort nur 5-8 %. Und weil ich einer bin, der leicht fährt, also mit hoher Frequenz, muß diese Frequenz haargenau meinem aktuellen Formstand entsprechen, sonst ist es einfach unökonomisch, ich bin zu langsam.
 
Die Verlockung ist einfach zu groß, hier etwas zu leicht zu fahren, ich möche verschnaufen, mich etwas lockern, Luft holen sozusagen für die letzten eineinhalb Kilometer, die die steilsten des ganzen Anstiegs sind. Die Steigung liegt hier bei 6 bis 8 %, die Frequenz fällt hier leider etwas ab. Ich habe halt doch noch nicht die richtige Hochform. Aber weil die Frequenz hier nicht ganz paßt, paßt dann auch der Übergang ins Steile nicht und das Steile selber natürlich auch nicht. Überall bin ich um einen Hauch zu leicht dran, ich müßte um einen Zahn härter fahren, ich weiß es ja, bloß: ich tu´s nicht! Die Bereitschaft, mich zu quälen und zu überwinden, ist ausgereizt. Ich verliere hier stetig Zeit, mindestens eine halbe Minute, wenn nicht mehr. Etwa 300 Meter vor dem Zielstrich komme ich aus dem Wald, fahre auf die lange Kuppe zu, gebe noch einmal alles, beschleunige, so gut ich kann, der Puls geht hier schon auf die 190 zu.
 
Nach 22:10 Minuten bleibt die Uhr stehen, ich bin doch langsamer als erhofft. Aber jetzt entscheidet bloß eines: ist Pirz langsamer oder schneller als ich? Der einzige, der mir gefährlich werden kann! Ich warte genau 2 Minuten, also deutlich schneller ist er schon mal nicht, der Unterschied ist äußerst klein, geradezu minimal: 15 Sekunden ist der Hundling SCHNELLER! 21:55 Minuten fährt er, und damit kann er seinen Vorjahrssieg wiederholen, mir bleibt "nur" der 2. Rang - so knapp bin ich heuer noch nie am Sieg vorbeigeschrammt! Im ersten Moment finde ich es natürlich wahnsinnig ungerecht, daß ausgerechnet ich so knapp dran glauben soll - wenig später aber freue ich mich schon über mein Ergebnis, der zweite Platz ist ja auch nicht schlecht, und es kommen noch viele Rennen heuer!
P1000921.JPG
Siegerehrung in Scheibbs (von links): Cerny, Bartonek, Pirz, Plötzl, Woller
 
Ergebnis Kategorie Männer 4: 1. Manfred Pirz (ARBÖ Selzthal) 21:55, - 2. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) -0:15, - 3. Ferdinand Plötzl (ARBÖ Selzthal) -4:19, - 4. Wolfgang Cerny (Scheibbs) -5:27, - 5. Adolf Woller (ÖTK Scheibbs) -11:58
 
 
Sonntag, 30. Mai 2010: Straßenrennen in Prottes um den Mai-Cup der RC Schnecke, 96 km
 
Rennstrecke: Prottes, Barbarakreuz - Ebenthal - Ollersdorf - Prottes, 5 Runden á 19,2 km = 96 km, 175 Höhenmeter pro Runde = 885 Höhenmeter, Start 10 Uhr
Wetter: bedeckt, regnerisch, naße Straße, starker SW-Wind, 17°
 
Start beim Barbarakreuz in Prottes
 
Rennverlauf: Scheißwetter! 82 Fahrer nehmen das Rennen auf. Sofort vom Start weg wird aufs Tempo gedrückt, vehement, konsequent, es geht bergab nach Ebenthal, dort unten angekommen, bin ich schon abgerissen! Nach 7 km ist das Rennen eigentlich schon vorbei, es ist frustrierend und extrem demotivierend! Auf meinem Computer habe ich nach 7 km eine Durchschnittsgeschwindigkeit vonh 58,5 km/h! Ich biege rechts weg und es geht einen längeren, ganz flachen Anstieg hoch, der erst auf den letzten 300 m etwas steiler wird.
 
Abzweigung in Ebenthal
 
Das große Feld mit hohem Tempo unterwegs
 
Nach und nach holen wir von vorne ein paar zurückfallende Amateure ein. Und so wächst meine Gruppe wieder auf bis zu 10 Mann an. Obwohl wir ziemlich zügig fahren, alle Gelegenheiten wahrnehmen, auf dem trockenen zu sitzen, dauert es. Die Gruppe läuft, und wir fahren so konsequent, daß  sofort in den Anstiegen wieder eninige Fahrer angreifern. In den Steigungen verlieren wir wieder ein paar Mann, die Gruppe wird kleiner. Ich halte jedoch problemlos mit, bin bergauf sogar einer der stärksten.
Hier bin ich an vierter Stelle in meiner Gruppe
In Ollersdorf
Ich bin da rechts mit der Nummer 38 zu sehen
 
Dann fahren wir so konsequent, daß ich auf den Anstiegen eigentlich zu den stärksten zähle. Immer wieder verlieren wir ein paar Fahrer, die Gruppe wird wieder kleiner. Dann der Zieleinlauf. Von Prottes herauf steigt die Straße gut einen Kilometer bis zur Höhe beim Barbarakreuz an, wo sich der Zielstrich befindet. Ich hab e die Luft und auch die IKraft, um da mit hoher Frequenz ganz vorne mitzufahren. Den Zieleinlauf fahre ich mit 50/21, die Runden davor bin ich mit 34/19 und 21 gefahren. 
Die Erstplazierten des Rennens (von links): Hannes Lederer (Kuota-Zweiradchaoten.com), Harald Gruber (Rapso Knittelfeld), Werner Pinczker (VÖEST-Linz), Georg Bohunovsky (KTM-Mountainbiker.at), Johann Fuchs (ARBÖ Kindberg)
 
Ergebnisse Master 2: 1.Jens Mateyka (RC Wiener Allianz Schnecke), - 2. Karl Ganser (RC Grafenbach NÖ-Süd), - 3. Klaus Teigl (RC Grafenbach NÖ-Süd), - 4. Ullrich Gössler (RC ARBÖ Drahteisel Voitsberg), - 5. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl), - 6. Christian Sattler (ARBÖ ASKÖ RC Sparkasse RIH Tulln)
 
 
Mittwoch, 2. Juni 2006: Straßenrennen um den Gran Premio Cicli Spezzotto in San Martino del Carso (Italien), zugleich erstes Rennen um die Provinzialstraßenmeisterschaft Gorizia, 75,6 km
 
Rennstrecke: San Martino del Carso - Nagoltini - Doberdo del Lago - San Martino del Carso, 7 Runden á 10,8 km = 75,6 km, pro Runde 85 Höhenmeter = 595 Höhenmeter
 
Wetter: leicht bewölkt, sonnig, kühl, starker NW-Wind, 16°
 
Rennverlauf: 85 Rennfahrer haben das Rennen aufgenommen, erster Bewerb zur Provinzialmeisterschaft, schwerer Kurs, sehr gute Besetzung, vor allem viele starke Slowenen sind über die Grenze herübergekommen. Insgesamt drei Steigungen pro Runde, sanfte, wellige Anstiege, kaum flaches Terrain, schweres Gelände halt. Und dementsprechend ist es auch sofort zur Sache gegangen, hohes Tempo, viele Attacken, und es hat sich auch gleich eine größere Gruppe absetzen können, die meisten Favoriten waren dabei, daher hat sich auch gleich eine vierköpfige Verfolgergruppe gebildet, und sofort dahinter die nächste Gruppe. So schnell hab ich gar nicht schauen können, und ich war auch etwas verunsichert, weil es ja unmittelbar nach dem Start war. Aber da hat nichts geholfen, da mußte ich mit. In Doberdo del Lago dann, etwa 6 km nach dem Start, plötzlich ein Sturz, ein paar Mann sind auf dem Asphalt gelegen, ich bin mit einer ganzen Gruppe regelrecht abgekuppelt worden. Hektik, Chaos, nachfahren. Bin am Limit, mehr geht nicht, das Loch vor mir wird größer, auch vorne drücken sie aufs Tempo. Eine echte Scheiß-Situation ist das, aber da hilft nichts, und als auf einmal drei Mann wie ein Moped links an mir vorbeifahren, hab ich meine letzte Chance gesehen.
Also bin ich ohne viel zu zögern, in die letzte Gruppe mitgesprungen, und die sind auch wirklich ganz konzentriert gefahren, hohes Tempo, schnelle Wechsel, Doppelreihe, da mußte ich sofort ans Limit gehen und hinhalten. Schnell habe ich eingesehen, daß ich so dieses Rennen niemals durchhalten werde, also hab ich mich schnell etwas zurückgezogen, nur ganz kurz geführt, ganz drücken konnte ich mich nicht, da wirst sofort rausgeworfen aus der Staffel.
Zweite Runde, wir sind langsam an das große Feld wieder herangekommen. Als wir dann endlich dranwaren, mußte ich erkennen, daß vorne eine Gruppe weggefahren war, die bereits über eine Minute Vorsprung hatte. Pangos und Tarlao waren nicht im Feld, die mußten also vorne sein. Schöne Bescherung. Heute ist wohl alles gegen mich verschworen.
Eine Verfolgergruppe setzt sich ab, genau an einer Stelle und in einem Moment, als es mir nicht besonders gut geht, und ich bin haarscharf drauf und dran, die Nerven wegzuwerfen, die Motivation sinkt. Ich muß mich richtig am Riemen reißen, beruhigen, sonst wird das nichts mehr. Im Hauptfeld sind es nicht mehr viele, um nicht zu sagen, kaum mehr wer, der da Interesse hat, nachzufahren.
Doch der Glücksgott hat mich wenigstens nicht vollständig verlassen, wenig später bildet sich eine weitere Gruppe, die die Verfolgung aufnimmt. Mario Mininel ist dabei, der Lokalmatador, der auch ziemlich geschlafen hat bisher. Aber der darf ja eigentlich gar nicht nachfahren, weil Pangos vorne ist, sein Klubkollege. Aber er tut es dennoch. Soviel zur Mannschaftstaktik der Italiener.
Ich hänge mich an und kann nur mehr hoffen, daß die Jungs stark und vor allem willens genug sind, vorne ranzufahren. Es fängt nicht schlecht an, das Tempo liegt bei 42 bis 45 km/h, auf diesem hügeligen Gelände bin ich damit absolut am Limit.
Eine Runde später haben wir die Verfolgergruppe aufgefahren, und das ist jetzt ein ganz entscheidender Moment. Fahren sie weiter oder belassen sie es dabei? Zielanstieg in der 4. Runde, Mininel greift an, ich zögere nicht lange, ich setze nach, hinter mir noch einer und noch einer, ich drehe mich nicht um. Mininel zieht voll durch -  Gottseidank gibt es noch solche Fahrer, die wenigstens manchmal ihr Hirn in den Beinen haben. Er schwenkt weg, ich übernehme, schwenke dann aber auch gleich weg, der nächste geht in die Führung. Pfuh, das Tempo bleibt. Es ist ja immer die Gefahr, daß einer dabei ist, der das Tempo nicht halten kann und langsamer wird, dann steht die ganze Partie gleich. Aber nein, hier drücken sie voll drauf, eingangs der 5. Runde ist es soweit. Wir haben die Spitze vor uns, und in der Abfahrt von San Martino ist die Spitze auf 18 Mann angewachsen. Zeit zum Verschnaufen.
Als ich mich umdrehe, kann ich es kaum glauben: soeben schließt das ganze Feld wieder auf! Frust macht sich breit, die ganze Arbeit, der ganze Aufwand umsonst! Alles wieder geschlossen, alles beisammen, das Rennen beginnt von neuem - sowas Verrücktes!
Während ich mich noch in meinem Frust wälze, bricht das Feld auseinander.  Hohes Tempo, Einserreihe, Seitenwind, Steigung - da will jemand unbedingt jetzt die Entscheidung herbeiführen. Vorne wird jetzt andauernd attackiert, ich krieg das gar nicht genau mit. Alle Augenblicke reißt das Feld irgendwo, man muß nachfahren, ich habe genug damit zu tun, kann mich nicht um die Situation an der Spitze kümmern.
Ich fahre mir die Seele aus dem Leib, halte hin, mit über 100 Prozent, aber kaum habe ich ein Loch zugefahren, geht vor mir ein neues auf. Es ist zum Haareausraufen, ich bin ziemlich kaputt, aber jetzt ist es sowieso schon egal, ich fahre immer wieder nach, irgendwann ist dann Schluß. Vorne lassen sie die Beine hängen, eine Gruppe sammelt sich. Das Gemetzel hat ein Ende, oder ist es nur ein Aufschub?? Übriggeblieben ist nicht viel, vorne sind Tarlao und Ropret, die führen mit ca. 15 Sekunden Vorsprung auf eine vierköpfige Verfolgergruppe, mit ca. 45 Sekunden Rückstand dann eine 11köpfige weitere Gruppe, in der ich drinnen bin.
Angriff!
 
In der vorletzten Runde raffen sich die Typen in meiner Gruppe noch einmal auf und fahren an die 4 Mann Verfolger ran. Aber damit ist das Rennen gelaufen, inzwischen haben die beiden Spitzenreiter einen unheilholbaren Vorsprung. Hinten nehmen sie - wie ich befürchtet habe - die Beine hoch, das Rennen ist vorbei, es geht jetzt nur mehr um den dritten Platz.
Wir müßten schon alle am Anschlag fahren, um die beiden noch zu stellen. Das ist unrealistisch, und mit jeder Sekunde wird unser Rückstand bereits größer. Okay, konzentriere ich mich auf den Sprint um den dritten Rang, viel ändert sich für mich dadurch ja nicht. Ich tue halt, was ich in meiner Situation noch tun kann, ich schone mich auf den restlichen Kilometern, so gut ich kann, bleibe an den Hinterrädern, führe nicht, suche mir dann das Hinterrad von Mininel, der ist sichtlich motiviert. So gehen wir ins Finale, passieren die 1000-m-Marke. Die Steigung zum Ziel. Flach, aber lästig, etwa 2 % nur, aber nach der Distanz und  vor allem diesem Rennverlauf ist das nicht ohne. Bei 500 m geht ganz links plötzlich der Slowene Ales Hren weg, und der Endkampf ist damit eröffnet - übrigens läuft der genauso spektakulär und verrückt ab wie das ganze Rennen! Mininel reagiert sofort, zieht nach, ich an seinem Hinterrad - aber der Weg ist noch verdammt lang, das geht sich niemals aus! Hren bleibt stecken, Mininel ebenfalls, ich natürlich auch. Da bin ich solidarisch!
Srnel geht aus dem Sattel, zieht vorbei, an seinem Hinterrad Bon, Recchia und Csar, sofort ist das Loch da, ich blicke mich um, hinter mir auch ein Loch, da nehme ich noch einmal alle Kraft zusammen, sprinte, was ich kann, rolle als Achter über den Zielstrich!
Stolzer Siegespreis: ein Mathitech-Carbonrahmen! Eigentlich eigenartig, bei einem von Spezzotto gesponserten Rennen!
Riccardo Tarlao gewinnt
 
Ergebnis Kategorie Gentlemen: 1. Riccardo Tarlao (GS De Luca Portogruaro) 1:56:12 (Siegerschnitt 39,87 km/h), - 2. Bojan Ropret (GS Barbariga) -0:08, - 3. Marcello Tedesco (GS Chiarcosso Help-for-Haiti) -1:12, - 4. Marjan Srnel (GS Barbariga), - 5. Marino Bon (GS Chiarcosso Help-for-Haiti), - 6. Milos Brecelj (Izvir Vipava), - 7. Ljubo Csar (Bicikel), - 8. Robert Bartonek (GS Tecnoimpianti Padova), - 9. Claudio Pangos (GS Chiarcosso Help-for-Haiti), - 10. Franco Novelli (Gorizia Bike), alle gleiche Zeit
 
 
Freitag, 4.Juni 2010: Langenloiser REMAX-Radsporttage, Bergrennen Langenlois - Schiltern, 8,6 km
 
Rennstrecke: Langenlois - Zöbing - Unterreith - Reith - Schilterner Höhe, Rotes Kreuz, 8,6 km, 232 Höhenmeter, Steigung durchschnittl. 2,6 %, max. 14 %, Start 18.12 Uhr
 
Wetter: sonnig, warm, leichter N-Wind, 23°
 
Rennverlauf: Ein seltsamer Berg ist das, der Anstieg ist eigentlich genaugenommen ja nur max. einen Kilometer lang, alles davor ist ja kein Berg, da beträgt die Steigung bestenfalls 1 %. Und genauso wird auch gefahren, auf schmaler Straße, das ist die sehr viel größere Selektion als die Steigung selbst. Das Feld fährt geschlossen in die Steigung rein, nachdem wir die Kopfsteinpassage in Langenlois bewältigt haben, zieht sich in die Länge, aber auch nicht übermäßig, denn so viele Starter sind wir ja gar nicht. Wir starten zusammen mit der Klasse 3, es entwickelt sich ein zügiges Tempo. Nach ca. 3,5 km wird es ernst, die erste Attacke, die kommt vom Iby Günther. Er ist mit einmal Male vorne, macht sich klein, drückt aufs Tempo und hat ein paar Meter Vorsprung. Er sieht sich um, und immer dann ist er gefährlich. Er ist mir ja sooooo ähnlich, kann auch nicht spritzig attackieren, im Sattel stehend wegspringen, nein, er macht´s wie ich, sitzend, Oberlenker, er zieht und drückt dann halt mehr - so wie jetzt auch. Sein Vorsprung wird größer. Ja, das ist ein richtiger Angriff, auch wenn´s gar nicht danach aussieht. Genau das ist ja das gefährliche daran.
Mateyka zeigt das Gegenteil, fährt nach vorne, steht auf, tritt an und springt einfach weg. Schnell ist er am Günther dran. Hinten wird das Tempo minimal höher. Ich weiß, was ich mir zutrauen kann, ich bleibe ruhig und warte ab. Die beiden haben gut 150 Meter Vorsprung, als hinten die nächsten die Nerven wegschmeissen. Wieder ein spritziger Antritt, diesmal von Handler, und sofort gehen Schuler und Sattler nach. Interessante Konstellation. Es dauert nicht lange, und sie sind dran. Langsam setzt die große Gruppe nach.
Nach etwa 5 km haben wir die Gruppe wieder gestellt, aber das Feld ist ziemlich langgezogen. Jetzt wird´s richtig ernst, denn es ist nicht mehr weit bis ins Ziel, vorne sind die starken beisammen, ich hänge hinten dran, der Krivetz Hannes fährt vor mir seinen typischen Stil, immer wieder aus dem Sattel, harte Übersetzung, der Junge nimmt unheimlich viel, und wenn´s dann in die Entscheidung geht, kann er meist wenig bis gar nichts mehr zusetzen. Er ist zwar gut darin, Löcher zuzufahren, aber weniger gut, sich im entscheidenden Moment ganz vorne zu plazieren. So wie jetzt. Das Tempo ist hoch, darum bleibe ich auch hinten, anstatt nach vorne zu gehen. Und nur einen Moment später ist die Chance auch schon vorbei, denn das Finale ist eröffnet, ein wilder Sprint, die Steigung nimmt leicht zu, das Feld reißt jetzt an einigen Stellen, und ohne es richtig zu merken, sind wir an der 1000-m-Marke vorbeigeflogen.
Keine Spur von einer 3 km langen "ordentlichen" Steigung, wie es mir am Start erzäühlt worden ist. Ich fahre eine Kuppe rauf, wir sind hier im Wald, und rechts am Straßenrand steht eine kleine Tafel "500 m". Das Rennen ist gelaufen, das war´s, ich halte meine Position, komme sogar noch etwas näher an die paar Fahrer vor mir heran, aber eben nicht mehr vorbei.
Jedenfalls verdient dieses Rennen den Titel "Bergsprint" sehr viel eher als die "alte" Strecke am Manhartsberg. Bin nicht mal eine Minute hinten, Rang 14, okay, das erste Rennen dieses Wochenendes ist geschafft.
DSC_6586 von klausexner.
Die ersten drei NÖ-Fahrer (von links): Ganser, Iby, Gruber
 
Ergebnisse Kategorie Master 2: 1. Jens Mateyka (RC Schnecke) 17:30 (Schnitt 29,50 km/h), - 2. Günther Iby (RC ARBÖ Ginner Amstetten) -0:10, - 3. Karl Ganser (RC Grafenbach) -0:11, - 4. Josef Handler (TSV Hartberg) -0:13, - 5. Manfred Gruber (RC ARBÖ St. Pölten) -0:23, - 6. Sebastian Pfisterer (RC ARBÖ Sparkasse Radsport Grassinger Lambach) -0:25, - 7. Christian Sattler (ASVÖ Die Erste Sparkasse Tulln), gleiche Zeit, - 8. Peter Goluszka (RC Tretwerk Wienstrom Lamster) -0:28, - 9. Hannes Krivetz (RC Raiffeisen Kosmopiloten Zwettl) -0:29, - 10. Gerhard Mosler (RC ARBÖ Raaba) -0:36, - weiters: 14. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) -0:58
 
 
Samstag, 5. Juni 2010: Langenloiser REMAX-Radsporttage, Einzelzeitfahren Langenlois - Lengenfeld - Langenlois, 16,2 km
 
Rennstrecke: Langenlois, Sporthalle - Lengenfeld, Umfahrungsstraße, Wende Anhöhe Pfennigstein - Langenlois, Holzplatz, 16,2 km, 208 Höhenmeter, Steigung durchschnittl. auf der ersten Rennhälfte 1,5%, max. 8 %
 
Wetter: sonnig, heiter, sehr warm, leichter N-Wind, 25°
 
Rennverlauf: Sehr lange bin ich am Überlegen, ob ich mt der Zeitfahrmaschine fahren soll oder mit der Straßenmaschine. Der Grund: die erste Hälfte, bis zur Wende, steigt ständig an, der letzte Kilometer vor der Wende ist überhaupt der Hamnmer, da ist die Steigung so stark, daß man bei Gegenwind (die Steigung liegt noch dazu völlig frei) gar nicht mehr vom Fleck kommt. Die Zeitfahrmaschine ist gut 3  bis 4 kg schwerer, und das Gewicht muß ich da raufschleppen. Im Gegenzug dann bei der Rückfahrt ist die so sauschnell (das bewahrheitet sich, denn im Rennen werden dann hier Geschwindigkeiten bis 90 km/h gemessen!), daß ich mir da nicht vorstellen kann, aerodynamisch am Zeitfahraufleger draufzuliegen, denn in der Position kann man kaum steuern. Dazu die Geschwindigkeiut und der eventuelle Wind, da kann das ganze Rad leicht zu flattern beginnen. Spätestens dann muß man "aufrecht" fahren, den Lenker an den Hörnern außen packen, und vorbei ist´s mit der aerodynamischen Haltung. Und damit ist´s auch vorbei mit dem Vorteil der Zeitfahrmaschine. Das heißt, bergauf habe ich mit der Zeitfahrmaschine einen Nachteil, und bergab kann ich den Vorteil nicht voll ausnutzen. Was also ist unterm Strich besser?
Viele andere Fahrer überlegen auch, diskutieren und debattieren herum, ohne zu einem eindeutigen Ergebnis zu kommen. Also schaue ich mir mal an, mit welchem Rad sie dann tatsächlich starten: die meisten mit der Zeitfahrmaschine, diejenigen, die am Straßenrad sitzen, haben keine Zeitfahrmaschine dabei. Einen weiteren Nachteil sehe ich aber noch für mich, und der gilt nur für mich alleine: ich fühle mich am Zeitfahrrad nicht sonderlich wohl, das heißt, ich kann die Vorteile noch weniger wahrnehmen als die anderen Fahrer. Und ich habe vorne nur ein einziges Kettenblatt, das große nämlich, das heißt aber, ich kann nicht auf das kleine Blatt schalten, weil ich gar keines habe!
 
Naja, ich starte dann doch mit dem Zeitfahrrad, aber ich liege keinen einzigen Moment am Aufleger drauf, ich halte den Lenker außen, fahre ziemlich aufrecht dadurch, aber das ist durch die Steigung bedingt. Ich fühle mich eigentlich relativ schnell, fahre die ersten beiden noch ziemlich flachen Kilometer zügig, nicht am Anschlag, knapp unter 40 km/h, so zwischen 38 und 40, als dann die erste Steigung da ist, eine kleine Kuppe, fahre ich mit 36 drüber, das Tempo fällt kaum ab, ich habe einen guten Rhythmus, eine hohe Frequenz, und so langsam kommt fast Freude auf. Kilometer um Kilometer schraube ich mich so die sanfte Steigung höher hinauf, bis ich dann am letzten Kilometer angelangt bin, an dieser langen Geraden, wo die höchste Steigung erreicht wird.
Direkt vor mir hätte der Stocker Hans starten sollen, aber der war gar nicht gekommen, so habe ich ein 2-Minuten-Loch vor mir. Unangenehm, aber ich kann´s halt auch nicht ändern. Und eben an dieser Steigung hab ich den Muckenhuber eingeholt, der 2 Minuten vor mir gestartet ist. Hinter mir niemand zu sehen, von hinten kommt also niemand. Das Tempo fällt an der Steigung klarerweise ab, aber nicht unter 20 km/h.
Dann wird´s wieder flacher, ich bin an der Wende, und dann, endlich, geht es zurück in Richtung Ziel. Und bergab. Als ich das "Steilstück" erreiche, bin ich bereits mit gut 50 Sachen unterwegs. Ich mache mich klein, so gut ich kann, den Aufleger packe ich trotzdem nicht an, das erscheint mit angesichts der hohen Geschwindigkeit viel zu gefährlich. Als ich auf meinen Computer sehe, erkenne ich zwischen ein paar Tränen, die mir der Fahrtwind aus den Augen preßt, das Tempo: 69 km/h! Naja, extra schnell ist das nicht, aber mir reicht´s.
Den Rest der Strecke lege ich zwischen 50 und 58 km/h zurück, am Ende sind da ein paar "Bodenwellen" die man durchdrücken muß. Der Mosler Gerhard, der 3 Minuten hinter mir kommt, war an der Steigung etwa 12 bis 15 Sekunden langsamer, aber ich nehme mal an, daß er bergab deutlich schneller ist als ich.
In Langenlois ist dann noch ein ziemliches Winkelwerk zu fahren, einige wirklich scharfe Kurven, vor allem unübersichtliche, und die Streckenposten sind alles andere als vertrauenerweckend (sorry, aber was ihr getan habt, nämlich wie Ölgötzen herumzustehen, das ist ZU WENIG!). Als ich gut einen Kilometer vor dem Zielstrich von der Hauptstraße rechts wegbiege, kommt mir in der Kurve ein Kastenwagen entgegen, in voller Fahrt, der Typ bremst nicht mal! Und mich tragt´s ziemlich aus der Kurve, auf die linke Seite rüber, und während ich das sehe und fassungslos registriere, daß dieses Arschgesicht nicht mal mit der Wimper zuckt, ist es auch schon passiert, mit der linken Schulter touchiere ich den Wagen, aber weil ich mich sowieso schon mit dem ganzen Oberkörper rechts rübergebeugt habe, kann ich das einigermaßen aussteuern und so einen Sturz vermeiden - und das alles unmittelbar vor dem Streckenposten, keine 2 Meter entfernt, und auch der zuckt mit keiner Wimper! Die restlichen Meter bis ins Ziel weiß ich dann, wie es sich mit Wut im Bauch fährt.
Unmittelbar danach fahre ich auch noch am Pöltl Gerhard vorbei, der 3 Minuten vor mir ins Rennen gegangen war. Keinen unmittelbaren Konkurrenten vor mir und dennoch zwei Mann eingeholt, das ist nicht schlecht, mein Computer zeigt 25:55 an.
Bei der Zieldurchfahrt dann das nächste Problem, schreiend rennt mir das halbe Renngericht nach - was wollen die eigentlich von mir? Freuen sie sich so, daß ich es wieder bis zurück geschafft habe? Wohl kaum. Was also dann? Ich erinnere mich noch, daß ich mit genau 53km/h durchs Ziel fahre und so ausgepumpt bin, daß ich erst ein paar Meter dahinter zu bremsen beginne. Nicht mal der Usain Bolt kann so schnell laufen, nicht mal, wenn er mit EPO bis unter die Ohren vollgepumpt ist! Als mich dann der erste der Jury endlich eingeholt hat, ist der arme, arme Junge so blau (bzw. knallrot im Gesicht), daß er nichts rausbringt außer einem ungesunden Pfeifen und eigenartigen Sausen. Und ich weiß immer noch nicht, was er eigentlich sagen will. Also tue ich so, als würde ich ihn nicht sehen. Dann kommt der zweite, dem geht´s genauso, und erst der dritte bringt das erste halbwegs verständliche Wort raus: "Nummer???" Mein Gott, was sind das nur für Typen, will der jetzt in diesem Zustand eine Nummer schieben? Etwa gar mit mir?
 
Des Rätsels Lösung kommt erst ein paar Minuten später, die eigenartigen Jungs zeigen mir mit den Händen, daß ich zum Wagen der Rennleitung kommen soll. Als ob sie das nicht viel einfacher über Lautsprecher hätten durchsagen können? Naja, ans Naheliegendste denkt anscheinend niemand zuerst. Egal, das Problem nimmt langsam Gestalt an. Gestern sind wir alle ja mit den Startnumnmer ausgestattet worden, einer Rückennummer, sowie einer Rahmennummer, die unterm Sattel befestigt wird, und einem elektronischen Chip, der an der rechten Gabel befestigt wird und die Zeitnehmung elektronisch auslöst. Dazu fährt man am Start und am Ziel über eine entsprechend präparierte Matte und braucht so die Zeitnehmung nicht händisch auszulösen. Ist halt so ein neumodisches Ding, das eigentlich im Marathonsport daheim ist, wo es immer ein paar Hundert Starter gibt, aber bei einem Zeitfahren, wo alle einzeln ins Ziel kommen, íst die Verwendung eines Chips etwas übertrieben. Ha, und ich Idiot habe den Chip noch immer auf der Straßenmaschine montiert! Soll heißen, ich bin das ganze Zeitfahren ohne Chip gefahren, und jetzt haben sie keine Fahrtzeit von mir! Wenn ich mir so vorstelle, hätte mich da irgendeiner der mir so zahlreich entgegengekommenen Autofahrer zu Tode gefahren, wäre ich FÜR NICHTS gestorben, und das Renngericht hätte womöglich den Medien gesagt: DEN TYP KENNEN WIR GAR NICHT, DER IST DAS RENNEN GAR NICHT GEFAHREN!!!
Irgendwie ist mir zu Lachen zumute, aber Kabarett ist das leider keines. Chip und Rahmennummer sind also am Straßenrad, ich bin nur mit der Rückennummer gestartet und dachte mir, das reicht doch wohl, nur haben sie die Nummer nicht gesehen, weil sie alle auf das elektronische Signal vom Chip gewartet habenb, das er aber nicht geben konnte, weil ich ihn ja nicht dabeihatte! Auf meinem Computer sehe ich nochmal die Fahrtzeit, 25:55.
Als die ersten Ergebnislisten ausgehängt werden, ist es schon viel zu spät, die einstündige Protestfrist ist ja auch nicht eingehalten worden (wir sind halt in Österreich!), und so bemerke ich viel zu spät, daß ich auf der offiziellen Ergebnisliste mit einer Zeit von 26:52 aufscheine, die Typen haben mir also eine ganze Minute gestohlen!
Ich fahre zum Auto, ziehe mich um, und dann fahre ich eine Runde auf dem Straßenkurs fürs morgige Rennen, um mir diese Strecke noch ganz genau anzusehen. Als ich dann nach eineinhalb Stunden zurückkomme, gehe ich natürlich sofort zum Renngericht und versuche zu retten, was noch zu retten ist. Und ich versuche ihnen zu erklären, daß die Zeit von 26:52 gar nicht stimmen kann, denn dann hätte ich ja Pöltl vor dem Ziel nicht überholen können, und am Einlaufprotokoll (welch geiler Name!) stehe ich aber deutlich vor ihm drauf, also kann das alles ja gar nicht zusammenpassen! Aber versucht mal, einem Chinesen etwas auf Kisuaheli zu erklären, der kann auch nicht verständnisloser aus der Wäsche glotzen!
Also Schwamm drüber, hier das offizielle Ergebnis:
 
Kategorie Master 2: 1. Jens Mateyka (RC Schnecke Wien) 23:20 (Schnitt 41,66 km/h), - 2. Günther Iby (RC ARBÖ Ginner Amstetten) -0:56, - 3. Manfred Gruber (RC ARBÖ St. Pölten) -1:29, - 4. Sebastian Pfisterer (RC ARBÖ Sparkasse Radsport Grassinger Lambach) -1:32, - 5. Karl Ganser (RC Grafenbach) -2:24, - 6. Josef Schrattenecker (RC ARBÖ Sparkasse Radsport Grassinger Lambach) -2:36, - 7. Gerhard Mosler (RC ARBÖ Raaba) -3:05, - 8. Christian Sattler (RC ASVÖ Die Erste Sparkasse Tulln) -3:25, - 9. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörg) -3:31, - 10. Peter Goluszka (RC ARBÖ Tretwerk Wienstrom Lamster) -3:40
 
Also, genaugenommen wäre ich ja mit 2:31 Minuten Rückstand an der 6. Stelle gelandet, aber meine Nerven sind mir diese ganze Streiterei mit den Typen vom Renngericht gar nicht wert. Also akzeptiere ich dieses wunderbare Ergebnis, was anderes bleibt mir sowieso nicht übrig!
 
 
Sonntag, 6. Juni 2010: Langenloiser REMAX-Radsporttage, Kamptaler Straßenrennen in Langenlois, 68,6 km
 
Rennstrecke: Langenlois - Schilterner Berg - Schiltern - Rotzes Kreuz - Oberreith - Reisert, Straußenfarm  - Mollands - See - Zöbing - Langenlois, 3 Runden á 22 km, in der 3. Runde dann rauf zum Ziel auf den Schilterner Berg (= +2,6 km) = 68,6 km, 340 Höhenmeter pro Runde = 1.020 Höhenmeter + Zielanstieg 160 Hm = 1180 Höhenmeter, max. Steigung 14 %, Start Masgter 1/2/3 um 9.40 Uhr
 
Wetter: sonnig, heiß, leichter W bis NW-Wind, 29°
 
Rennverlauf: Heute also der Abschluß dieser dreitägigen Rennserie, und ich fühle mich von Tag zu Tag besser.Der Frust nach dem gestrigen Rennen ist auch wieder weg, steht sich ja nicht dafür, sich wegen solch einem Scheiß derart aufzuregen, das kostet nur Nerven, und das ist es mir nicht wert. Heute sind die ersten drei Masterklassen zusammen im Rennen, leider bin ich etwas zu wenig aufgewärmt, das Tempo bei der ersten Zielauffahrt gleich nach dem Start ist mir etwas zu hoch. Auf den letzten 200 Metern muß ich abreißen lassen, denke mir aber nichts dabei, denn ich rechne damit, danach gleich wieder ranzufahren. So wie jedes Jahr.
Die Spitze zum ersten Mal bei der Zieldurchfahrt am Schiltener Berg, vorne (von links): Schwarzäugl, Mateyka, Lackner, Ganser
 
Wie schwer dieser Anstieg ist, sieht man an den Gesichtern (von vorne): Harter, Gruber, Gössler, Iby, dahinter Huber
 
Die nächste Gruppe, hier eigentlich schon abgerissen (von vorne): Gugler, Bartonek, Sattler, Del Pozo, Lechner, Goluszek
 
Aber diesmal wird es nichts damit, denn direkt am Zielstrich reißt eine kleine Gruppe noch ab, mit dabei der Huber Franz (Master 1), und kurz vor Schiltern komme ich (von hinten sind nach der Zieldurchfahrt noch ein paar Fahrer herangefahren) mit ihm zusammen, und so bildet sich im Laufe der ersten Runde eine ganz illustre Gruppe. Der Gugler Günter ist dabei, Del Pozo, Habermayer, Lechner, Goluszka, Sattler, Schrattenecker, Dienstbier, Pfisterer und Wijnen.
In Schiltern wartet dann der zweite Anstieg, der steile rauf zum Ziel des freitägigen Bergrennens (von der anderen Seite!), das ist das steilste Stück des ganzen Rennens, an die 14 %, dazu die Hitze. Ich lasse mich mit Schwung ganz nach links raustragen, fahre dann mit 50/19 mit vollem Tempo rechts die steile Straße hoch, im Abbiegen schalte ich runter auf 34/19 und sprinte die ersten 100 Meter hoch. Sofort habe ich einen Vorsprung, eine flache Kurve nach links, ich schalte trotzdem auf 34/21 rauf, dann gleich das nächste Steilstück, wie eine Wand türmt es sich vor mir auf, ich bin auf 34/23, der Vorsprung hält, dann geht es in den Wald rein, und jetzt erst kommen die ersten zwei, drei Fahrer keuchend an mich ran. Bis oben zur Kuppe raiuf bin ich ganz vorne dabei und nehme mir vor, das in den beiden nächsten Runden genauso zu fahren. Damit keiner auf dumme Ideen kommt. Ich will nicht, daß da irgendwer angreift und ich deshalb abgehängt werde.
DSC_6702 von klausexner.
Das Feld im Anstieg zum Schiltener Berg
 
Steile Abfahrt runter nach Oberreith, scharf nach links geht es weg, und schon sind wir im dritten Anstieg, der ist gut zweieinhalb Kilometer lang und gleichmäßig flach, d.h. tödlich, wenn man angeschlagen ist, locker und leicht, wenn man noch gehörig Energie in den Beinen hat. Bei mir ist zweiteres der Fall, ich kann mich hier sogar etwas erholen.
DSC_6719 von klausexner.
Hohes Tempo am Schiltener Berg, von vorne: Lackner, Ganser, Fuchs, Mateyka, Ebermann, Pfisterer
 
Die lange Abfahrt beginnt oben in Reisert, kilometerlang führt die Straße hier an einem Kamm entlang, soll heißen, daß von allen Seiten der Wind hier voll angreifen kann (und es auch tut, naürlich nicht von allen Seiten, aber von schräg vorne!). Unten auf der Hauptstraße, fahren wir jetzt die ersten zwei Kilometer des Bergrennens vom Freitag in umgekehrter Richtunhg, dann übers Stöckelpflaster nach Langenlois rein, rauf auf den Zielberg, die 2. Runde beginnt.
Am Ende der Abfahrt haben wir noch einen Fahrer eingeholt, der von vorne zurückgefallen war, den Iby Günther. Den Schiltener Berg fahre ich gleich ganz vorne, neben Iby und Pfisterer, es tut moralisch unheimlich gut und wohl, wenn ich daneben fahre und merke, daß die mich nicht abhängen können. 34/19 kurble ich mit hoher Frequenz, ein ganz, ganz deutlicher Formanstieg zu der letzten Woche noch. Hier verlieren wir auch den Wijnen Kees wieder, der immer noch mit einem eklatanten Formrückstand (wegen seiner zweijährigen Pause) kämpft. Ich schaffe den Anstieg problemlos, die paar Abgerissenen fahren in der Folge im welligen Gelände wieder an die Gruppe ran. Dann der zweite Berg, der steile, gleiche Taktik wie eine Runde zuvor, gleicher Verlauf, ich rette mich, an der Spitze fahrend, über den Berg (eigenartige Formulierung!).
Zweite Runde am Schiltener Berg (von vorne): Mateyka, Pöltl (verdeckt), Pinczker (verdeckt), Schwarzäugl, Treitler
 
1. RE/MAX Rennradtage Langenlois von Sportevents4all.
Ich führe am Schilterner Berg hier vor Sattler und Gugler
 
1. RE/MAX Rennradtage Langenlois von Sportevents4all.
Dieselbe Gruppe von hinten
 
Zu Beginn des dritten Berges ergibt es sich, daß ich an dritter Stelle fahre, die ersten beiden haben ein kleines Loch von etwa 5 Metern, und ohne zu überlegen stehe ich auf, schalte nicht, sondern sprinte mit 50/19 und ganz hoher Frtequenz an den beiden einfach vorbei. Als ich mich niedersetze und zurückblicke, habe ich ein schönes Loch von gut 80 Metern. Iby, Pfisterer und Huber versuchen das Loch wieder zuzufahren, aber ich lasse nicht locker. Nein, es ist kein Angriff, ich will nur meine Schaltung ausprobieren! Ha, dummer Witz, die Wahrheit ist ganz einfach: es tut gut für die Psyche, wenn man die Säcke mal nach Belieben abhängen kann, auch wenn es noch so unsinnig ist in diesem Moment! Die ganze Steigung fahre ich alleine an der Spitze, oben in Reisert nahme ich dann die Beine hoch und lasse mich einholen. Als sie vorbeifahren und ich mich hinten wieder einreihe, merke ich, daß mich die Aktion nicht das geringste gekostet hat.
 
1. RE/MAX Rennradtage Langenlois von Sportevents4all.
In der Abfahrt in Zöbing führe ich vor Gugler, Iby (außen), Wijnen und Sattler
 
Und auch im letzten Stück der Abfahrt, am letzten Kilometer vor Zöbing, als ich an Pfisterer vorbeifahre, die irgendwie ängstlich seinen Weg nach unten sucht, habe ich sofort einen schönen Vorsprung. Im Flachen lasse ich mich wieder einholen. Hey, das macht ja richtig Spaß!
 
Am Kopfsteinpflaster in Langenlois, als es in die 3. und letzte Runde geht, verlieren wir Huber durch Defekt, vorher schon ist Gugler abgerissen, Lechner sowieso, auch Del Pozo und Dienstbier haben klein beigeben müssen. Letzte Runde, ein vorletztes Mal kämpfe ich mich den Berg hoch, zum Ziel muß ich dann hier noch ein viertes Mal hochfahren! Dann der steile Berg in Schiltern, wieder die gleiche Taktik, wieder steche ich in die Steigung rein, knalle rauf, mit vollem Tempo, dann mit hoher Frequenz und sitzend über die Kuppe, an der Spitze dann runter in die Abfahrt, an der Spitze den dritten, flachen Berg hoch, ich fahre vorne, gleichmäßig, ich merke jetzt die Hitze schon, auch die Distanz. Irgendwie fürchte ich, daß ich am Zielanstieg vielleicht abgehängt werden könnte, dem möchte ich zuvorkommen, indem ich vorher angreife und mich absetze, vielleicht zu zweit oder zu dritt.Kurz vor Reisert greife ich an, komme auch weg, aber  nur einen halben Kilometer später sind sie wieder alle da.
 
In der Abfahrt probiere ich es abermals, ganz unten wieder in Zöbing, aber als ich draußen auf der Hauptstraße bin, sind die Verfolger abermals da. Ich überlege noch, ob ich es jetzt, unmittelbar vor dem Zielanstieg, ein drittes Mal versuchen soll, oder mir die Kraft lieber sparen soll, und trete noch einmal an, auf der letzten Kuppe, am Pflaster in Langenlois. Aber das war wirklich nur halbherzig, bringt gar nichts. Also in der Gruppe rein in den letzten Anstieg, 2,6 km lang, davon 2 km bergauf. Und gleich ganz unten der typische Angriff von Iby, sitzend, ein paarmal zurückschauend. Eigentlich merkt man bei ihm nur, daß er angreift, wenn er sich umdreht und zurückschaut. Er hat einen kleinen Vorsprung, der langsam größer wird. Also fahre ich genauso langsam und unscheinbar nach, bin gleich eindeutig an der zweiten Stelle, hinter mir klafft das Loch. Kurve um Kurve fahren wir höher, aber ich merke gleich, daß ich ihn nicht mehr einfangen kann. Dazu müßte ich jetzt einen richtigen Sprint fahren, und vor allem ihn auch durchstehen. Da ich mir das nicht zutraue, kommt es genau anders, der Abstand bleibt, aber nach dem Steilstück etwa 500 m vor der Ziellinie kommzt zuerst Goluszka vorbei, etwa 100 m vor dem Ziel auch noch Sattler. Innerlich doch etwas verärgert rolle ich dahinter reaktionslos ins Ziel. Aber insgesamt überwiegt doch die Freude über die gute Form, über die tadellose Leistung. Endlich, endlich merkt man, daß die Form nach oben geht. Und nächste Woche wartet die Kriteriums-Meisterschaft in Stattersdorf, wo ich meinen Vizetitel verteidigen muß.
Taucher und Fuchs, die beiden Sieger (ARBÖ Kindberg) der Klassen 2 und 1
 
Günther Iby im Ziel
 
Ergebnisse Kategorie Master 2: 1. Johann Taucher (ARBÖ Sparkasse Kindberg) 2:00:04 (Siegerschnitt 34,28 km/h), - 2. Jens Mateyka (RC Schnecke Wien) -0:23, - 3. Karl Ganser (RC Grafenbach) -3:27, - 4. Josef Handler (TSV Hartberg) -4:05, - 5. Manfred Gruber (RC ARBÖ St. Pölten) -4:25, - 6. Ulrich Gössler (RC Volksbank Drahteisel Voitsberg) -9:35, - 7. Günther Iby (RC ARBÖ Ginner Amstetten) -11:09, - 8. Peter Goluszka (RC Tretwerk Wienstrom Lamster) -11:17, - 9. Christian Sattler (RC ASVÖ Die Erste Sparkasse Tulln) -11:19, - 10. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) -11:22
 
Von links: Mateyka, Taucher, Ganser
 
Ergebnisse Gesamtwertung Langenloiser REMAX-Radsporttage, Kategorie Master 2: 1. Jens Mateyka (RC Schnecke Wien) 2:41:10 (Schnitt 34,77 km/h), - 2. Karl Ganser (RC Grafenbach) -5:45, - 3. Manfred Gruber (RC ARBÖ St. Pölten) -6:03, - 4. Günther Iby (RC ARBÖ Ginner Amstetten) -11:57, - 5. Josef Schrattenecker (RC ARBÖ Sparkasse Radsport Grassinger Lambach) -14:30, - 6. Christian Sattler (RC ASVÖ Die Erste Sparkasse Tulln) -14:55, - 7. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) -15:37, - 8. Gerhard Mosler (RC ARBÖ Raaba) -22:42
Wer kennt diese beiden Galgenvögel? Hinweise erbeten!!!
 
Und weil die drei Rennen alle zum Ginner-Cup zählen, hat sich auch hier nach nunmehr 5 Rennen ein gewisser Stand eingependelt:
1. Jens Mateyka (RC Schnecke Wien) 139 Punkte, - 2. Manfred Gruber (RC ARBÖ St. Pölten) 93, - 3. Karl Ganser (RC Grafenbach) 90, - 4. Günther Iby (RC ARBÖ Ginner Amstetten) 88, - 5. Josef Handler (TSV Hartberg) 84, - 6. Sebastian Pfisterer (RC ARBÖ Sparkasse Radsport Grassinger Lambach) 68, - 7. Peter Goluszka (RC ARBÖ Tretwerk Wienstrom Lamster) 68, - 8. Johann Taucher (ARBÖ Sparkasse Kindberg) 62, - 9. Christian Sattler (RC ASVÖ Die Erste Sparkasse Tulln) 62, - 10. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) 61
 
 
Samstag, 12. Juni 2010: Mountain-Spektakel am Hansberg, Bergzeitfahren Niederwaldkirchen - Hansberg, 9,4 km
 
Rennstrecke: Niederwaldkirchen, Sportplatz - St. Johann am Wimberg - Hansberg, 9,4 km, Start 525 m, Ziel 848 m, 420 Höhenmeter, max. Steigung bis 17 %, durchschnittl. Steigung 5 %, Start 13.07 Uhr, 30-Sekunden-Intervalle
 
 
Wetter: sonnig, heiter, heiß, windstill, 36°
 
Rennverlauf: Die Rennstrecke (Streckenprofil) ist ja äußerst selektiv, da kann man gar nichts dagegen sagen - Zufallssieger gibt´s hier keinen. Und durch die vielen, unzähligen Geländeübergänge muß man permanent schalten, daher auch die Rennstrecke ganz genau kennen. Das ist auch mein großer Nachteil, den Zielanstieg, den Schlußkilometer, den kenne ich gar nicht. Der Streckenposten hat mich nicht rauffahren lassen.
Mit der Nummer 15 gehe ich ins Rennen, durch das 30-Sekunden-Startintervall geht das auch sehr schnell. Vor mir, die Nummern 13 und 14, sind zwei Junge, ich hoffe, daß ich die bald einholen kann. Hoffentlich kommt vorher von hinten keiner, das wäre schlecht für die Moral. Mit einer etwa 1100 m langen Flachpassage beginnt das Rennen. Ich fahre zügig, so um die 42 km/h, auf schmaler Asphaltstraße, eigentlich auf einem Forstweg. Vor mir sehe ich niemanden. Dann raus aus dem Wald, rein in die Gluthitze, die da am Hang steht und wabert, daß man keine Luft mehr kriegt. Rechtskurve, kleines Blatt, Steigung 8 bis 9 %. Und da sehe ich beide vor mir, die fahren zusammen, der Typ vor mir hat seinen Vordermann eingeholt. Ich stoppe mal die Zeit, die beiden fahren 35 Sekunden vor mir. Naja, das Rennen ist ja noch lang.
Start beim Sportzentrum
 
Da bin ich noch in der Flachpassage unterwegs
 
Das erste Steilstück ist ziemlich selektiv, geht in einigen Geraden und einer Kehre durch den Wald steil nach oben, dann kommt man aus dem Wald raus, auf eine offene kilometerlange Bergkuppe, die sich unendlich hinzieht, alles frei im Wind. Ich vergleiche wieder mal die Zeiten, ich fahre ständig etwa eine halbe Minute hinter den beiden, die dann beginnen, sich gegenseitig zu attackieren.
Soll mir nur recht sein, ich kämpfe mich rauf auf die Kuppe, ich schwitze fürchterlich, der Schweiß rinnt in Sturzbächen an mir runter, brennt unbarmherzig in den Augen, mischt sich mit den Tränen. Aber ich komme nicht und nicht näher an die beiden ran! Kurz vor der Kuppe ist plötzlich die Nummer 17 hinter mir, der hat jetzt eine Minute gutgemacht, fährt vorbei, ich hänge mich an. Zusammen kommen wir den beiden da vorne schnell näher, aber dann muß ich reißen lassen. Ich kann nur zusehen, wie der Typ  auf die beiden auffährt und die dann beide von mir weg zieht.
Die Kuppe, dahinter geht es den Berg runter. Steil, etwa einen guten halben Kilometer lang, durch den dunklen, finsteren Wald, unten sehe ich direkt vor mir einen ganz dicken Baum, der mit Schaumgummi und Strohballen gepolstert ist. Wie fürsorglich! Um Zentimeter schramme ich an ihm vorbei, dahinter beginnt gleich wieder die Steigung. Gut ein halber Kilometer mit 11 bis 12 %, lange Gerade. Das ist gut, denn jetzt sehe ich meinen Vordermann. Der steht förmlich. Das alte Lied: er ist zu hart gefahren, hat sich jetzt übernommen, ist wahrscheinlich explodiert. Er ist ja nicht meine Altersklasse, aber trotzdem. Es baut doch auf, wenn man jemanden einholt, egal, wer das ist. Langsam komme ich näher. Dann wird es flacher, wir sind oben in St.Johann angelangt. Es wird ganz flach, dann geht es raus auf die Hauptstraße und rechts weg Richtung Hansberg. Ich schalte auf das groß0e Blagtt und sprinte mit aller Gewalt zu demFahrer vor mir hin. Das ist eine ziemlich große Anstrengung, er fährt ja immer noch mit ca. 15 bis 20 Sekunden Vorsprung vor mir.
Aus der Ortschaft raus geht es völlig flach etwa eineinhalb Kilometer, bis wir links auf den Hansberg wegbiegen. Das ist jener Streckenteil, den ich nicht mehr kenne. Und wie das steil ist!  Gut 17 % ständige Steigung bis ins Ziel, exakt 700 Meter lang! Ganze Schulklassen von Kleinkindern säumen die Straße auf der rechten und linken Seite, feuern die Fahrer lautstark an, es ist wie eine Tour-de-France-Stimmung, die machen Lärm mit Trompeten und Ratschen, schreien und toben. Ich fahre mit 34/21, dann mit 23. Sitzend, hohe Frequenz, der Eingeholte, der an meinem Hinterrad hängt, ist sofort weg. Nur hundert Meter später hole ich den nächsten ein, eine Kurve später noch einen. Die stehen da im Weg herum wie explodierte Handgranaten. Noch 500 Meter, dann noch 200 Meter, noch 100 Meter, eine stark steigende Rechtskurve, ich fahre unter dem aufgeblasenen "einDRUCK"-Plastikbogen durch, schalte runter auf 21 und sprinte die letzten Meter ins Festzelt rein, über den Zielstrich. Der Puls blinkt bei 192, ich bin am Limit.
Der bis zu 17 % steile Zielanstieg
Siegerehrung (von links): Beneder, Schoissengeier, Seiwald
 
 
Mit einer besseren Streckenkenntnis hätte ich - vielleicht? - den dritten Platz geschafft, dazu hätte ich 50 Sekunden schneller sein müssen. Vielleicht im nächsten Jahr.
 
Ergebnisse Kategorie Altersklasse 3: 1. Josef Schoissengeier (RLC Elmer) 22:53, - 2. Norbert Beneder (RLC Elmer) -1:31, - 3. Kurt Seiwald (RC Hrinkow Bikes) -1:59, - 4. Anton Rieger (RC Linz) -2:40, - 5. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) -2:49, - 6. Karl Lindorfer (RC UNION einDRUCK Sarleinsbach) -3:34, - 7. Josef Graßböck (RSC UNION Bad Leonfelden) -3:56, - 8. Alois Fink (RC UNION Zweirad Grassinger Sparkasse Lambach) -4:04, - 9. Siegfried Hager (RC Bad Wimsbach-Neydharting) -4:06, - 10. Gerold Ritter (RSC UNION Bad Leonfelden) -4:22
 
 
Sonntag, 13. Juni 2010: David-Gaupmann-Gedenkrennen, Kriterium in Stattersdorf, zugleich Österreichische Kriteriums-Meisterschaft und NÖ-Landesmeisterschaft, 19,9 km
 
Rennstrecke: Schiffmannstraße - Fialastraße - Weinhoferstraße - Alter Schulweg - Schiffmannstraße, Start und Ziel beim Ghf. Lindtner, 21 Runden á 950 m = 19,950 km, Start 11.25 Uhr
 
Wetter: bedeckt, sehr schwül, starker NO-Wind, 28°
Am Start, vorne links Günther Iby, rechts Hannes Krivetz, ich dazwischen dahinter
 
Mateyka (links) und Taucher am Start, ich dahinter
 
Start, vorne rechts Schäbinger, ich links dahintetr
 
Startaufstellung
 
Rennverlauf: Jetzt stehe ich also hier am Start, bereit zur Verteidigung meines Vizemeistertitels aus dem Vorjahr. Viel mehr Starter in meiner Klasse als damals, dazu auch noch viel mehr Starter in der Master-3-Klasse, mit denen wir zusammen starten. Da sind der Mateyka, Gössler, Taucher, Gruber, Ganser, Gugler, Kemethoferm, Goluszka, Teigl, die alle waren im Vorjahr nicht dabei. Dafür fehlt der Vorjahrsdritte, Gerhard Mosler.
Sofort wird hohes Tempo gebolzt, das Feld zieht sich in die Länge, ich muß sofort voll reinhalten. Gleich in der ersten Runde. Aber das ist keine Anfangsoffensive, nein, das Tempo wird beinhart durchgezogen. In der ersten Wertung reiße ich auch gleich prompt ab, kämpfe mich in der Runde danach wieder an die Gruppe heran. Das fängt ja gut an!
Ich habe das ganze Rennen über nicht den Hauch einer Chance. Ich bin ja darauf angewiesen, alleine zu entwischen, sonst kriege ich keine Punkte. Aber wegen des horrend hohen Tempos ist genau das überhaupt nicht möglich. Zweite Wertung läuft ohne mich, ich verpasse knapp die Punkteränge, werde Sechster.
Aus der Zielkurve: Hrinkow vor Mateyka, Kemethofer, Taucher und Schäbinger
 
Ich hänge ganz hinten dran
Bauer vor Nutz, mir, Schuler und Hansl
 
In der Zielkurve vor Ebermann, Teigl (innen) und Schuler
 
Bauer vor Ganser, mir und Ebermann aus der Zielkurve
 
Ebermann vor mir und Sattler
 
Mateyka vor mir und Ebermann (innen) in der Zielkurve
 
Wertung um Wertung läuft, kein einziges Mal komme ich für die Punkte in Frage. Da wird gepsprintet, die lange Zielgerade ist Gift für mich. In jeder Wertungsrunde fahre ich hier um die 55 km/h, bin aber zu langsam und reiße jedes Mal ein kleines Loch auf. Und das muß ich ausgerechnet in der Kurve zufahren! Gugler und Ganser steigen im Verlaufe des Rennens ab. Ich komme immer besser ins Rennen.
Vorne Mateyka, links Gösslre, Mitte Gruber, rechts Taucher, dahinter ich
 
Iby vor Mateyka, Ebermann, Mateyka
 
Wertungsrunde, langgezogenes Feld, vorne Ganser vor Mateyka und Krivetz, ich bin in der Mitte zu sehen, an der 9. Position.
 
Ein Blick auf die Pokale, die auf die Erstplazierten warten
 
Fünfte Wertung. Im nachhinein gesehen die einzige, in der ich was hätte machen können. Wenn ich etwas mehr Luft gehabt hätte! Aber genau in dem Moment, in dem ich antreten wollte, ein paar Sekundenbruchteile davor, ist Krivetz weggefahren - und weggekommen! Natürlich ist keiner nachgefahren, sie haben ihn reaktionslos weggelassen, dann war der Vorsprung natürlich viel zu groß, er hat die Beine hochgenommen ist eine halbe Runde spazierengefahren und hat die Wertung mit einem Bein gewonnen! Danach ist er nur mehr gerollt, aber wir sind auch kaum nähergekommen. Dann erst hat er gemerkt, daß er eine reelle Chance auf die nächste Wertung auch gleich hat und hat wieder probiert, Tempo aufzunehmen. In der Wertungsrunde haben wir ihn gestellt! Wenn er da konsequent weitergefahren wäre, hätte er auch die vorletzte Wertung gewonnen, somit 10 Punkte gehabt, der Iby hätte keine 11 gemacht, und Krivetz wäre Zweiter, zumindest aber Dritter gewesen!
Im Vorjahr hat mir eine einzige gewonnene Wertung die Silbermedaille beschert, heuer hätte das für gar keine Medaille mehr gereicht!
 
Der neue Kiteriums-Meister Jens Mateyka
 
Die beiden Erstplazierten, Günther Iby (links) und Jens Mateyka
 
Die Medaillenränge (von links): Iby, Mateyka, Kemethofer
 
 
Die Medaillenträger der NÖ-Landesmeisterschaft (von links): Krivetz, Iby, Teigl
 
Ergebnisse Kategorie Master II: 1. Jens Mateyka (RC Schnecke Wiener Allianz) 20 Punkte/ 30:10 (Siegerschnitt 39,77 km/h), - 2. Günther Iby (RC ARBÖ Ginner Amstetten) 11, - 3. Reinhard Kemethofer (RC  SK ARBÖ VÖEST Linz) 8, - 4. Hannes Krivetz (RC Raiffeisen Kosmnopiloten Zwettl) 5, - 5. Peter Goluszka (RC ARBÖ Tretwerk Wienstrom Lamster Wien) 3, - 6. Ulrich Gössler (RC ARBÖ Volksbank Drahteisel Voitsberg) 2, - 7. Klaus Teigl (RC Grafenbach NÖ-Süd) 2, - 8. Johann Taucher (ARBÖ Sparkasse Kindberg) 2, - 9. Christian Sattler (RC ASVÖ Die Erste Sparkasse Tulln) 0 Punkte, - 10. Manfred Gruber (RC ARBÖ St. Pölten), - 11. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl), beide ebenfalls 0 Punkte
 
Medaillenhamsterer Jens Mateyka
 
Zwischenstand im Ginner-Cup nach 6 Rennen: 1. Jens Mateyka (RC Schnecke) 169 Punkte, - 2. Günther Iby (RC ARBÖ Ginner Amstatten) 113, - 3. Manfred Gruber (RC ARBÖ St. Pölten) 107, - 4. Karl Ganser (RC Grafenbach NÖ-Süd) 90, - 5. Peter Goluszka (RC ARBÖ Tretwerk Wienstrom Lamster) 87, - 6. Josef Handler (TSV Sparkasse Zeirad-Kappler Hartberg) 84, - 7. Johann Taucher (ARBÖ Sparkasse Kindberg) 78, - 8. Ulrich Gössler (RC ARBÖ Volksbank Drahteisel Köflach) 78, - 9. Christian Sattler (RC ASVÖ Die Erste Tulln) 77, - 10. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) 74
 
Mit dem Hans zusammen ein aufmerksamer Beobachter des anschießenden Amateurrennens
 
Das Renngericht bei der Arbeit - ein seltenes Bilddokument
 
Und so endet´s dann immer!
 
Speis´und Trank, Suff und Gezank, open end...
 
 
Donnerstag, 17. Juni 2010: Nacht-Rundstreckenrennen um die 18. Trofeo Formaggi Qualitá Leone in Villafranca di Verona, 40,8 km
 
Rennstrecke: Stadtrundkurs, flach, 17 Runden á 2,4 km = 40,8 km, Start 21.00 Uhr
 
Wetter: sehr heiß, auch am Abend, am Start 26° (!), windstill
 
Nachtrennen sind immer spektakulär!
 
 
Rennverlauf: Glückliches Italien, wo es beinahe jeden Tag irgendwo ein Rennen gibt! Aber man darf nicht glauben, daß es wochentags deshalb weniger Starter gibt, oh nein, Radsport ist hier Kultur und Lebenseinstellung, da riskiert niemand, dieses Rennen zu versäumen, die ganze Elite ist vollzählig versammelt!
Der technisch nicht sehr schwere Rundkurs mit seinen 6 Kurven pro Runde stellt eigentlich keine großen Herausforderungen an Technik und Steuerkünste der Fahrer, daher darf man sich auch nicht wundern, als es gleich nach dem Start ordentlich zur Sache geht. Hohes Tempo, langgezogenes Feld. Wir sind zusammen mit den Veteranen gestartet, also mit der jüngeren Klasse, und immer dann, wenn ich mit einer jüngeren Klasse zusammen das Rennen bestreite, kommt mnir das deutlich entgegen. Ich tue mir da anscheinend leichter, mit denen mitzuhalten. So auch diesmal. Zwar bin ich anfangs etwas im Hintertreffen, ich schwimme irgendwo am Ende des Feldes mit, und komme auch kaum nach vorne, aber, wie es so schön heißt, mühsam und langsam ernährt sich das Eichhörnchen! Pro Runde mache ich ein paar Positionen gut, aber das geht ganz schön an die Substanz. Nach 10 Runden (= 24 km) haben wir gerade mal 30 Minuten Fahrtzeit, das entspricht einem Schnitt von 47,2 km/h! Wohl auch deshalb, weil alle Kurven voll durchgepfiffen werden.
Das jähe Ende kommt dann aber in der 12. Runde in der Zielkurve. Ich bin etwa in der Mitte des Feldes, als ein paar Positionen vor mir urplötzlich einem Fahrer in der Kurve der Reifen von der Vorderfelge gezogen wird. Es kracht metallisch, ich höre Schreien, Rufen, das Knirschen von Material auf Asphalt und Fahrer und sehe sie vor mir wie in Zeitlupe hinfallen. Einer nach dem anderen! Keine Chance, da auszuweichen, wie denn auch, in der Kurve?!
Ich habe Glück im Unglück, ich komme irgendwie vorbei, mogle mich zwischen den Gestürzten hindurch. Und ich habe Unglück im Glück, denn ich bin abgerissen. Alle, die hinter dem Sturz waren, sind abgerissen. Vorne haben sie das Chaos gar nicht so richtig mitbekommen, wir müssen nachfahren. Aber wie soll das gehen, wenn sie vorne schon fast 50 Sachen fahren???
Wir jagen gut eineinhalb Kilometer der Gruppe hinterher, dann kommen von hinten noch ein paar, mit vereinten Kräften kommen wir langsam näher. Wichtig ist nur, daß die Tempomacher nicht aufstecken, weiter draufdrücken, bis wir wieder dran sind. Eine Runde später ist erst wieder alles anders. Die Rennleitung stoppt uns, wenigstens können wir so wieder aufschließen! 
Vor uns liegen immer noch ein paar Fahrer auf der Straße, der Rettungswagen ist auch schon da, ein zweiter rollt heran, ein paar Sanitäter kümmern sich um die Gestürzten. Nach ein paar Minuten ist der Letzte versorgt, auf der Bahre in den Rettungswagen geschoben, und ab gehts mit Blaulicht und nervtötendem Sirenengeheul.
Nach 6 Minuten quälendem Warten gibt die Rennleitung das Rennen wieder frei. Die restlichen vier Runden werden absolviert. Aber irgendwie ist jetzt der Dampf draußen, die Konzentration weg. Da geht es nicht nur mir so. Dann reiße ich mich zusammen, denn ich denke mir, daß das eine ganz große Chance ist! Das Tempo ist weg, ich komme ganz leicht bis in die erste Reihe vor, und richtig, ein paar sind dabei, die rüsten sich zur Attacke! In der 15. Runde der erste Antritt, und sofort bin ich am Hinterrad, aber aus der Tiefe des Feldes heraus kommt ein neuerlicher Antritt, der Typ jagt ganz knapp an uns vorbei, ich brauche nur rüberzuschwenken, und dahin geht die Jagd! Das liebe ich so an den Italiener, die können noch "RICHTIG" attackieren, die hziehen eine Attacke nämlich voll durch! Nicht so wie bei uns in Österreich, wo das nur angedeutet wird, wo sich fünfzigmal umgedreht wird, nach ein paar Sekunden die Beine hochgenommen werden, etc.! Hier hält der Angreifer voll drauf, schwenkt erst weg, als wir wirklich schon einen schönen Vorsprung haben, erwartet dann aber auch, daß ich in der Tonart weitermache - also da darf man sich kein Mogeln erlauben! Da können die ganz schön ungut werden!
Es geht in die 16. und vorletzte Runde, wir sind jetzt 7 Mann, lauter verbissene, voll aufs Tempo drückende Fahrer, die sich keine Sekunde Verschnaufen gönnen. Ich schaffe es ein einziges Mal in dieser Runde, einen kurzen Blick nach hinten zu werfen, auf einer langen Geraden, und ich sehe das Feld etwa 200 Meter hinter uns. Ob sich das ausgehen kann? Ich zweifle noch.
Gegen Ende dieser vorletzten Runde scheinen ein paar von uns resigniert zu haben. Der Zug ist weg, der Druck auch. Es wird nicht mehr mit letztem Einsatz gefahren. Meine Chance ist gekommen! Aber ich bin mir gar nicht sicher, ob ich auch die Beine dazu habe!
Normalerweise würde ich voll antreten, sobald ich in die Führung gehe, aber ich zögere innerlich, bin mir nicht ganz sicher, und so attackiere ich erst, als ich wegschwenke. Ist ja auch ein guter Moment, mit dem keiner rechnet! Und richtig, ich bin sofort weg, hinter mir reagiert keiner - die sind anscheinend alle völig überrumpelt. Das Loch hinter mir geht auf, ich mache mich klein, fahre, was ich kann, gehe in die letzte Runde, noch 2,4 km also! Diese Kilometer werden verdammt lang, meine Beine schwer, die Zeit scheint immer schneller zu ticken, und die Verfolger scheinen plötzlich Flügel zu bekommen. Etwa 15 Sekunden war mein Vorsprung zu Beginn der Schlußrunde, bei der 1000-m-Marke sind es noch etwa 8 Sekunden, aber ich wehre mich bis zuletzt, noch 500 Meter, ich bin immer noch vorne, jetzt heißt es nicht mehr denken, nur mehr treten, treten, treten! Kopf runter, aerodynamisch, ich sehe auf meinen Computer, der zeigt 44,2 km/h und 189 Puls an.
Ich hätte es wissen müssen, es geht sich natürlich nicht aus!  Die Italiener sind Weltmeister im rechtzeitigen Einholen von Ausreißern, bei 250 Metern etwa schießt der erste an mir vorbei, gleich darauf die nächsten, ein paar rechts, ein paar links. Ich kann nicht mehr, kriege die Beine nicht mehr rum, rolle inmitten der Sprintenden über den Zielstrich - Rang 9!
Ich bin frustriert, wieder einmal so knapp vor dem Zielstreifen eingeholt, es ist zum Verzweifeln! Ich könnte heuer schon fünf oder sechs Siege haben, aber nein, es hat bisher zu keinem einzigen gereicht!
 
Was habe ich falsch gemacht? Ich zermartere mir das Hirn, komme zum Schluß, daß es nur eine Kleinigkeit gewesen ist: 5 Sekunden mehr an Vorsprung hätten wohl ausgereicht!! Daß eine solche Kleinigkeit so schwer sein kann, so unmöglich!
 
Ergebnisse Kategorie Gentlemen: 1. Giovanni Cardillo (Mondo Bici San Severo) 55:28 (Schnitt 42,9 km/h), - 2. Giovanni Alfano (Team Bike Nughes), - 3. Francesco Troilo (Mondo Bici San Severo), - 4. Cesare Pesciaroli (Gianluca Faenza Hymer-Team), - 5. Andrea Ciavatti (Viner Factory Team), - 6. Davide Graziani (Bevarine Doctor Bike Thiene), - 7. Massimo Ciaponi (Club Lombardia), - 8. Stefano Berlasso (ASD Team Hogeberg H.R. Bike), - 9. Robert Bartonek (GS Tecnoimpianti Padova), - 10. Cristian Valsecci (Tream Extreme), alle zeitgleich
 
 
Freitag, 18. Juni 2010: Straßenrennen um die Trofeo Iperlando in Cadóneghe di Padova, 63 km
 
Rennstrecke: Cadóneghe di Padova - Bagnoli - Codiverno - Pionca - Peraga - Cadóneghe di Padova, 6 Runden á 10,5 km = 63 km, 5 Höhenmeter pro Runde = 30 Höhenmeter, Start 13.35 Uhr
 
Wetter: bedeckt, schwül, mäßiger NW-Wind, 24°
 
Rennverlauf: Starke Besetzung heute hier, obwohl es sich um einen Wochentag handelt! Namhafte Ex-Profis (Ennio Salvador, Fabrizio Verza, Roberto Pagnin, etc.) treffen auf motivierte und gierige "No Names"! Wer sich da wohl durchsetzen wird?
Im Gegensatz zu gestern beginnt das Rennen heute gemächlicher, die erste Runde wird schnell, aber gleichmäßig runtergespult. Aber wie immer, wenn es zu "leicht" ist, findet sich einer, der angreift. So auch diesmal. In der 2. Runde gibt es die erste Spitzengruppe, so um die 10 Mann sind es, angeführt vom Ex-Profi Ennio Salvador.
Das war er in seiner Profizeit.
 
Das Rennen wird schneller, vorne kurbeln sie hohes Tempo, vergrößern ihren Vorsprung, hinten im Feld wird phasenweise verfolgt, dann wieder Tempo rausgenommen. Eigentlich müßte ich es wissen, daß jetzt so lange herumgemurkst wird, bis entweder die Spitze eingeholt oder eine Verfolgergruppe weggekommen ist, ich müßte eigentlich aufmerksam an der Spitze des Feldes sein, statt dessen treibe ich mich irgendwo im letzten Drittel herum. Natürlich bildet sich eine Verfolgergruppe, natürlich ohne mich. Es ist eine größere Gruppe, die sich Ende der 3. Runde absetzt und in der 4. Runde die Spitze stellen kann. Mit Fabrizio Verza ist jetzt der zweite Ex-Profi in der Spitze dabei.
Aber es sind zu viele, die sich da vorne tummeln. Zu viele Interessen, keiner will für den anderen die Kastanien aus dem Feuer holen, das Tempo schläft ein. Wir holen auf und kommen näher.
 
Als wir die Glocke kriegen und in die letzte Runde fahren, haben wir Spitzen doch noch eingeholt. 10 km vor dem Ziel, aus dem geschlossenen Feld, beginnen dann die Attacken auf den Tagessieg. Wir sind gut 30 Mann, und ich muß jetzt doppelt aufmerksam sein. Die letzte Runde, ich bin dabei, aber ich muß mich mental dazu aufraffen, mich damit nicht zufriedenzugeben. Alle schauen sich an, alle warten auf irgendwas, atmen durch, es ist die Ruhe vor dem Sturm. Und diesen Sturm entfacht Ennio Salvador. Ich bin ja der Meinung, die Ex-Profis erkennt man an der seltenen Fähigkeit, das Gespür für den richtigen Moment zu haben. Und dieses Feeling hat er zweifellos. Der Beweis: als er antritt, kriegt das kaum wer mit! Ich bin ziemlich weit vorne, ohne mit der Wimper zu zucken, springe ich an sein Hinterrad. Als ich dran bin, weiß ich wieder, wie wichtig das ist, ehe der Vorsprung zu groß wird und die Chance weg ist.
 
Ich muß mit aller Kraft hinhalten, ich komme gar nicht zum atmen, meine Substanz verbraucht sich sehr schnell, und als er endlich etwas lockerläßt, bin ich beinahe leer. Ohne mich umzudrehen, spüre ich, daß zwei Mann dazugekommen sind, die übernehmen auch gleich die Führung, alles funktioniert wie abgesprochen oder jahrelang einstudiert. Das ist Italien.
Wir sind zu viert, und die anderen drei sind voll motiviert. Die nehmen und drücken aufs Tempo, daß mir ganz schlecht wird. Ich verweigere alles, bin klinisch tot, damit ist meine Taktik auch klar: den Toten spielen, dazu brauche ich mich diesmal nämlich ausnahmsweise gar nicht verstellen! Der Vorsprung ist schon längst klar, der Sieg wird uns nicht mehr streitig gemacht werden können, aber die drei bolzen unaufhörlich! Die 1000-m-Marke ist da, fliegt vorüber, ein gut einer Minute ist der Schmerz vorüber!
Meine Gedanken sind wieder ganz klar. Okay, das war gespielt, ich fühle mich gut und stark, habe gute Beine - seht ihr, jetzt seid ihr mir auch reingefallen! Bei 500 m fällt mir zum ersten Mal auf, daß keiner der drei auf mich achtet, die haben mich anscheinend als tot klassifiziert und ignorieren mich völlig - selber schuld!
Etwa 300 m vor der Linie, Zielgerade, breite Straße, tolle Kulisse, jetzt darf ich keinen Fehler machen. Del Bianco tritt den Sprint an, soll er ruhig, interessiert mich nicht, ich vertraue auf den reichen Erfahrungsschatz und das Können des Ex-Profis. Salvador ist meine Wahl, auf den spitze ich, sein Hinterrad habe ich vor mir im Visier, und sonst gar nichts. Del Bianco kann den Spurt natürlich nicht durchziehen, Volpato kommt stark auf, und als Del Bianco einbricht, zieht er unwiderstehlich vorbei. Ich spüre förmlich seine Freude, aber er ahnt anscheinend nicht, daß er mit Salvador das Verderben an seinem Hinterrad herzieht. Er läßt um einen Hauch nach, gut 150 Meter vor der Linie, ich spüre, wie Salvador Luft holt, tief Luft holt, alle Muskeln anspannt und dann zum Sprung ansetzt. Und während er ausschert und sich neben Volpato setzt, habe ich die Gelegenheit beim Schopf ergriffen, um einen Sekundenbruchteil früher meinen Sprint angezogen. Auf einer Linie jagen wir alle drei dem Ziel entgegen, Volpato aber wird langsamer, Salvador zieht voll durch, aber da bin ich schon an ihm vorbei, quälend langsam kommt die Linie näher, ich kann die Spannung nicht länger halten, aber der Italiener hat seinen Sprint auch nicht hundertprozentig hingekriegt, er beschleunigt hzwar noch, kommt mir natürlich näher, aber der Zielstrich macht ihm einen sprichwörtlichen Strich durch seine Rechnung.
Ich bin leer, jetzt wirklich tot. Unglaublich, wie sehr ein solcher Sprint Substanz und Energie raubt. Und wie das Rennen geendet hat, weiß ich noch eine halbe Stunde später nicht!
 
Als ich mich umgezogen habe und darauf warte, daß endlich irgendwo eine Ergebnisliste ausgehängt wird, kriege ich erst mit, wie das ganze Renngericht immer und immer wieder die Sequenz des Zieleinlaufs am Bildschirm ablaufen läßt. Sie können sich einfach nicht einig werden! Die einen sehen auf die Schultern von Salvador und mir, die anderen auf den Kopf, andere auf den vordersten Punkt des Laufrades, aber das Reglement ist klar: Sieger ist, wer als Erster den Zielstreifen überfährt, nicht überragt! Spitzfindigkeiten, mögen manche meinen, aber nur so ist der Terminus klar und eindeutig. Ich gebe mich schon mit dem zweiten Platz zufrieden, denn wenn es so schwer abzuklären ist, dann tendieren die italienischen Funktionäre sicherlich dazu, den Italiener in Italien zum Sieger zu erklären! Umso erstaunter bin ich dann, als ich erfahre, daß ich das Rennen gewonnen habe, der Sprecher erklärt danach, daß ganze 2 cm den Ausschlag gegeben haben!
 
Ergebnis Kategorie Gentlemen: 1. Robert Bartonek (GS Tecnoimpianti Padova) 1:26:02 (Siegerschnitt 42,9 km/h), - 2. Ennio Salvador (Team RDZ Cicli Salvador), - 3. Stefano Volpato (GS Vigorbike Gammafrutta), - 4. Michele dal Bianco (Cima SIAI), alle gleiche Zeit, - 5. Silvano Tittoto (ASD Frenocar Cicli Bilato) -0:32, - 6. Maurizio Negroponte (ASD Carving Vicenza), - 7. Alfio Maracani (ASD Frenocar Cicli Bilato), - 8. Alberto Corsini (ASD Aurora ´98), - 9. Giovanni Bino (Team Boario Terme), - 10. Fausto Ronchetti (La Famiglia), alle gleiche Zeit
 
 
Samstag, 19. Juni 2010: Österreichische Zeitfahr-Staatsmeisterschaft in Oberwart, 22,3 km
 
Rennstrecke: Oberwart, Möbelix - Güterweg nach Riedlingsdorf - Buchschachen, Wende - Riedlingsdorf - Oberwart, Möbelix, 22,3 km, 202 Höhenmeter, Start 14.05 Uhr
 
Wetter: bedeckt, regnerisch, kühl, starker NO-Wind, zwischen Riedlingsdorf und Buchschachen kräftiger Regenschauer, 18°
 
Die Rennstrecke
Der ominöse Abstecher zum Kreisverkehr
 
 
Rennverlauf: Von der Rennstrecke bin ich entsetzt. Der Anstieg ist ein Wahnsinn. Lang, steil und vor allem kurvig in der Abfahrt, runter nach Buchschachen ist unten sogar ein richtiges Eck eingebaut, gleich danach die Wende, alles auf schmaler Straße, teilweise auch richtig schlechte Asphaltdecke. Ich hab ja nichts gegen Anstiege im Zeitfahren, aber das ist ein wenig zu heftig. Es soll ja noch nirgendwo einen Unterschied geben zu einem Bergrennen bzw. Bergzeitfahren. Die Anforderungen an ein Zeitfahren: möglichst glatte Asphaltdecke, gerade Straßen, keine Kurven, keine Ecken, keine Kreisverkehre, keine wilden Anstiege und Abfahrten. Also irgendwie das totale Gegenteil von dem, was wir hier vorfinden. Wer hat denn so was genehmigt? Unglaublich ist ja die Lösung in Riedlingsdorf bei der Linksabzweigung in die Steigung nach Buchschachen hinein: da biegen wir nach RECHTS ab, machen 100 m später eine Wende und fahren dann geradeaus den Berg hinauf. Die Fahrbahn wird durch Verkehrshüte abgeteilt, um nicht mit dem Gegenverkehr zu kollidieren. Dadurch wird die Fahrbahn aber so schmal, daß die Kurve ja kaum mehr zu nehmen ist. Und das alles bei Regen! Also ehrlich: in Italien würde man auf dem Kurs bestenfalls ein lokales Querfeldeinrennen fahren!
 
Die Veranstaltung beginnt um 13 Uhr, ich selbst starte um 14.05 Uhr, die Starts ziehen sich bis halb sieben Uhr abends hin! Die bange Frage ist nur, ob das Wetter hält, bei der Streckenbesichtigung regnet es ausnahmsweise nicht, im Gegenteil, die Straße trocknet sogar auf. Als der Hans, der eine knappe Stunde vor mir gestartet ist, zurückkommt, sagt er mir, daß es auf der Passage über den Berg bereits leicht nieselt. Das kann ja heiter werden! Ich muß dazu anmerken, daß ich an meiner Zeitfahrmaschine nur ein großes Kettenblatt (52er) montiert habe, kein kleines. Das ist hier natürlich ein Problem, denn mit dem großen Blatt komme ich über den Berg gar nicht drüber. Also entscheide ich mich, die Kränze am Hinterrad zu wechseln. Dann montiere ich die Startnummer und den Chip am Rahmen, der für die elektronische Zeitnehmung verantwortlich ist.
 
Als ich dann endlich starte, ist es ziemlich regnerisch. Ein unangenehmer Wind von rechts vorne, ich hab zwar eine knappe Stunde aufgewärmt, bin aber plötzlich irgendwie hilflos und leer, mehr als 40 oder 41 km/h kriege ich einfach nicht hin, und nach der Bachüberfahrt (das sind alleine 10 Hölhenmeter!) fällt das Tempo auf 38 bis 39 km/h. Vor mir ist der Handler Josef gestartet, davor der Ganser, beide sehe ich kein einziges Mal. Direkt hinter mir fahren Rupert Polak (Union St. Johann/Tirol), Gugler und Mayr Helmut (Wels), einzig Polak traue ich mir zu, die beiden anderen sind viel zuu stark für mich.
 
Nach 5,5 km ist eine elektronische Matte ausgelegt, hier haben die Mädchen ihre Wende, bei uns wird hier eine Zwischenzeit genommen. Diese Zeiten kann ich natürlich nicht vergleichen, so wie ich es hier tue, denn ich kannte sie zu dem Zeitpunkt noch nicht. Hier führt der Favorit Jens Mateyka mit 7:45 Minuten, 8 Sekunden vor Helmut Mayr und 14 Sekunden vor Günther Iby. Daß ich mir auf der ersten Länge so schwer tue, ist nicht nur ein subjektives Empfinden, sondern beweist auch die Zwischenzeit. Von den 20 Startern liege ich hier an der 19. Stelle, ganze 1:11 Minuten hinter Mateyka! Da liegt etwa Schebath Otto 12 Sekunden vor mir, Hauk 19 Sekunden, Handler hat mir hier schon 20 Sekunden abgenommen.
Dann bin ich in Riedlingsdorf bei der dummen Kreuzung mit der Wende, hier beginnt es wirklich zu regnen, aber nicht zu nieseln, nein, hier regnet es kräftig, es prasselt auf meinen Zeitfahrhelm runter. Mit Vollgas also rein nin die Steigung. Ich sehe hinter mir Polak näherkommen, dahinter Gugler, die beiden sind etwa eine halbe Minute hinter mir. So sehr ich vorher auch über den Anstieg geschimpft habe, jetzt rettet er mich. Ich knalle voll rein, mit 53/21 drücke ich voll drüber, die Steigung hat hier knappe 10 %. Ich schaue mich nicht um, aber von hinten kommt niemand. Dann geht´s runter, die gefährlich kurvige Abfahrt nach Buchschachen. Ich rolle einfach runter, die letzte Gerade zur scharfen Kurve beim Ortsanfang hin bremse ich dann einfach von 50 km/h runter, irgendwie rutsche ich um die Kurve, rolle dann zur Wende hin. Viel kann ich hier nicht verlieren, denn da müssen sie alle bremsen und vorsichtig fahren. Und ich kann mich etwas verschnaufen und erholen. Wende und Rückfahrt, rein in den Berg. Von der Seite aus ist er sehr viel steiler. Bei der Wende sind sie beinahe an meinem Hinterrad, Gugler, Polak, Mayr. Ich fahre jetzt mit 53/23 rauf, das ist die gerade goldrichtige Übersetzung. Ich kurble mit hoher Frequenz, langsam höre ich hinter mir ein Keuchen näherkommen. Es ist der Mayr Helmut. Er fährt vorbei, ich fixiere ihn förmlich vor mir, kann das Hinterrad einigermaßen halten, obwohl der Abstand gleich 10 Meter beträgt, dann 15 Meter, 20 Meter. Aber die anderen beiden kommen nicht!
 
Abfahrt, die Abzweigung unten, mit Verkehrshüten abgeteilt, schaffe ich nicht, ich gerate auf die andere Fahrbahn rüber, aber zum Glück kommt da niemand. Purer Schwachsinn diese Strecke! Die letzten 7 km, jetzt ist leichter Rückenwind, und da fährt jetzt gleich nach der Kreuzung auch der Gugler Günter vorbei, aber den halte ich jetzt, mit ca. 40 bis 50 Metern Abstand fahre ich hinter ihm her. Das Tempo liegt bei 43 bis 45 km/h, also deutlich schneller als bei der Herfahrt. Und 5,5 km vor dem Ziel dann die letzte Zwischenzeit. Wieder führt hier Mateyka mit 26:01 und 35 Sekunden vor Mayr und 1:03 vor Iby, an die 4. Stelle ist hier Ganser mit 1:41 vorgerückt. Ich selbst habe durch die Passage über die beiden Anstiege ziemlich an Boden gutgemacht, habe mich an die 17. Stelle vorgearbeitet, 7 Sekunden vor Hauk und 43 vor Schebath. Und nur 7 Sekunden vor mir liegt der Pfisterer Sebastian, ein überdurchschnittlicher Zeitfahrer eigentlich. Jetzt gehts ins Finale, Gugler ist für mich ein guter Fixpunkt, an dem ich mich orientiere.
Am Schlußkilometer verliere ich etwas den Faden, wurschtle mich dann irgendwie ins Ziel rein, mache auf diesen fünf Kilometern aber noch einen Platz gut.
 
Was die Pulswerte angeht, hatte ich am ersten Berg 188 Maximum, danach bei der Rückfahrt 192, im flachen Finale dann nur mehr 172, also da war noch gewaltig viel an Reserve da, was ich gar nicht anknabbern konnte. Meine Zeit von 36:59 war ja auch nicht das Gelbe vom Ei, bei optimaler Fahrt hätte ich ca. 30 bis 45 Sekunden schneller sein müssen. Sattler und Polak hätte ich schlagen können, aber mehr auch nicht.
Überraschender Zweiter: Helmut Mayr
 
Die ersten drei (von links): Mayr, Mateyka, Iby
 
Ergebnisse Kategorie Master II: 1. Jens Mateyka (RC Schnecke Wiener Allianz) 33:06 (Siegerschnitt 42,0 km/h), - 2. Helmut Mayr (RC ARBÖ Wels Gourmetfein) -0:52, - 3. Günther Iby (RC ARBÖ Ginner Amstetten) -1:18, - 4. Karl Ganser (RC Grafenbach NÖ-Süd) -2:13, - 5. Günther Gugler (RC ARBÖ Ginner Amstetten) -2:20, - 6. Manfred Gruber (RC ARBÖ St. Pölten) -2:20, - 7. Johann Stocker (RC UNION Haus/Ennstal) -2:44, - 8. Klaus Teigl (RC Grafenbach NÖ-Süd) -2:49, - 9. Ulrich Gössler (RC ARBÖ Volksbank Drahteisel Köflach) -2:55, - 10. Stephan Haider (Polizei SV Graz) -3:01, - weiters: 16. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) -4:53
 
Zwischenstand im Ginner-Cup nach 7 Bewerben: 1. Jens Mateyka (RC Schnecke Wiener Allianz) 205 Punkte, - 2., Günther Iby (RC ARBÖ Ginner Amstetten) 141, - 3. Manfred Gruber (RC ARBÖ St.Pölten) 132, - 4. Karl Ganser (RC Grafenbach NÖ-Süd) 116, - 5. Josef Handler (TSV Sparkasse Zweirad Kappler Hartberg) 102, - 6. Ulrich Gösslert (RC ARBÖ Volksbank Drahteisel Köflach) 100, - 7. Christian Sattler (RC ASVÖ Die Erste Sparkasse Tulln) 93, - 8. Hannes Krivetz (RC Raiffeisen Kosmopiloten Zwettl) 90, - 9. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) 88, - 10. Peter Goluszka (RC Tretwerk Wienstrom Lamster) 87
 
 
Sonntag, 20. Juni 2010. Straßenrennen um den Grand Prix SloHOST in Slovenska Bistrica (SLO), 79 km
 
Rennstrecke: Slovenska Bistrica - Cresnjevec - Ptujska gora - Trzec - Videm - Sela - Lovrenc - Cirkovce - Strazgonjca - Pragersko - Slovenska Bistrica, 79 km, 225 Höhenmeter, Start 10.20 Uhr
 
Wetter: strömender Regen, leichter NW-Wind, 16°
 
Rennverlauf: Scheißwetter! Es regnet den ganzen Tag, vom Start weg, schon beim Aufwärmen, das ich nur halbherzig absolviert habe, dann kriecht die Nässe und auch die Kälte überall hin, macht vor gar nichts halt, der Dreck im Gesicht, der feine Sand zwischen den Zähnen, in den Augen, brennt, man sieht nichts mehr, die Bremsen ziehen nicht, die Unsicherheit ist überall präsent. Man sucht das Hinterrad, den Windschatten, und genau da haut´s einem den ganzen Dreck ins Gesicht, daß man gar nichts mehr sieht. Und wenn man mit den Fingern die Brillen säubern will, verschmiert man den ganzen Dreck nur. Die Brillen laufen an, die Sicht wird gleich Null. Manchmal nehme ich dann die Brillen ab, aber dann sind die Augen ganz ungeschützt. Aber wem sage ich das? Wir alle, die wir den Radsport betreiben, kennen die Probleme von 
Regenrennen ja zur Genüge.
 
Was für ein Bild! Das herrliche Wetter in Slowenien ist zum Herzerwäürmen!
 
Die Strecke ist nicht sonderlich schwer, größtenteils flach. Mit leichtem Rückenwind fahren wir die erste Hälfte des Rennens, anfangs gleichmäßig, da bleibt auch alles beisammen. Die großen Namen fehlen heute alle (bei dem Wetter wundert es nicht wirklich), einzig Ales Hren fährt sein Meistertrikot spazieren. Auch Ljubo Csar ist dabei, den kennen die Steirer ganz gut, weil er da öfter an den Start geht. Auch ein starker Mann, der nicht zu unterschätzen ist.
Ich habe mit dem Wetter genug zu tun, da fällt es kaum auf, daß wir die ganze Zeit einträchtig kiurbeln. Kein einziger Angriff, Kilometer um Kilometer - das ist schon einigermaßen ungewöhnlich.
Wir fahren raus bis in die Ebene von Ptuj, dort befindet sich die Wende, wir fahren dann zurück nach Slovenska Bistrica, jetzt haben wir leichten Gegenwind. Kurz vor Cirkovce kommt Leben ins Feld. Ich achte das ganze Rennen über nur auf Hren und Csar, und letzterer greift hier an. Da ich beinahe an seinem Hinterrad fahre, reagiere ich sofort, setze nach, wir sind zu zweit, aber aus dem Feld springen unverzüglich nach und nach einer nach dem anderen zu uns her, wir kommen weg. Danach Bestandsaufnahme: wir sind acht Mann, Csar der einzige, den ich kenne. Hren ist nicht dabei.
Ich verhalte mich ruhig, fahre ein paarmal durch die Führung durch, damit sie nichts sagen können, sonst verhalte ich mich ruhig und unauffällig. Fahre nur am Hinterrad mit, bergauf mache ich ein leidendes Gesicht, halte etwas Abstand und keuche ziemlich. Eigentlich kann ich nicht begreifen, wieso da von hinten nichts und niemand mehr herankommt. Auf den langen Geraden sieht man hinter uns nichts mehr.
Mit einem Mal ist Hren da, fährt an mir vorbei nach vorne. Ich erkenne ihn am Meistertrikot. Vorher war er nicht da. Ich zähle die Gruppe mal durch, wir sind jetzt neun Mann. Kein Zweifel, vorher war er nicht da. Das geht doch nicht mir rechten Dingen zu, ist er hinter einem Auto herangekommen? Egal, ich muß die Tatsache akzeptieren, daß er jetzt eben da ist, egal wie und woher.
 
Kurz vor dem Ziel wartet ein kleiner Anstieg, an sich harmlos, nicht steil, etwa 6 %, ungefähr eineinhalb Kilometer lang. Ich fühle mich gut, möchte auch nicht bis zum Zielsprint warten. Also greife ich an, kurz vor der Kuppe. Einer aus unserer Gruppe liegt etwa 20 m vor uns, ich stehe auf und sprinte zu ihm hin, es sieht so aus, als wolle ich das Loch zufahren. Aber als ich ihn erreicht habe, sprinte ich gleich an ihm vorbei, schalte runter, setze mich hin, 53/19, 34 km/h bergauf. Das Loch geht rasend schnell hinter mir auf. Stehend sprinte ich ein paar Meter, setze mich wieder. Es ist eigentlich ein langgezogener Sprint bis zur Kuppe rauf. Oben angekommen, sehe ich, daß es nicht runter geht, jetzt es leicht wellig dahin. Laut meinem Computer sind es noch 9 km bis ins Ziel. Wollen wir mal hoffen, daß die Distanz stimmt.
Ich mache mich ganz klein. Das Zeitfahren hatten wir gestern, doch heute holt es mich wieder ein. Und es regnet abermals. 50/14, ist zu hart, ich gehe wieder rauf aufs 15er. Umdrehen, zurückschauen, nichts zu sehen. Allerdings sehe ich hier maximal 15 Fahrtsekunden zurück. Jeder Meter, den ich zurücklege, ist ein Meter näher zum Ziel. Und den Rückstand müssen sie erst mal zufahren.
Noch 8 km, noch 7 km, keine Abfahrt in Sicht. Nur Regen. Hinter mir auch nichts zu sehen. Ich mache alles, was ich nur machen kann. Mache mich klein, nehme eine aerodynamische Haltung ein, fahre in der Straßenmitte, schneide jede Kurve ganz extrem, so gut ich kann, drehe mich nicht um, versuche, jede Bodenwelle optimal auszunutzen. Wozu jetzt noch Kräfte sparen? Noch 6 km, dann nur mehr 5 km. Raus auf eine Hauptstraße, biege links ab, Richtung Slovenska Bistrica, steht da ein Wegweise, sind es noch 5 km. Laut meinem Computer nur mehr 4 km. Die Straße fällt jetzt ganz leicht ab.
Angriff am letzten Anstieg, Kordez vor Pitino und Tertinek
 
Dann ist er da! Ich höre ihn an meinem Hinterrad, tue so, als ob ich nichts gehört hätte. Er bleibt hinten, kommt nicht nach vorne. Ich fahre unbeirrt weiter. Es ist Hren im Meistertrikot. Wieder ist er aus dem Nichts scheinbar aufgetaucht. Wieder hinter einem Auto oder einem Motorrad? Ich weiß es nicht. Wenn nicht, dann ist er so stark, daß ich gar nichts versuchen brauche. Habe ich jetzt noch eine Chance? Ich glaube nicht. Also kann ich genausogut weiter draufhalten, einfach nur schauen, daß nicht noch wer herankommt. Etwa einen halben Kilometer lang füllt die Straße ziemlich ab, ca. 8 % Gefälle, aber es geht schnurgeradeaus. Noch 3 km, noch 2 km, wir sind unten in Slovenska Bistrica, bis jetzt hat Hren noch keinen einzigen Meter geführt. Der muß ja mächtig Angst vor mir haben!
Noch 1000 Meter, breite Straße, wir beide alleine. Der Sieg ist nahe und doch unerreichbar weit entfernt. Ich habe mich längst mit dem zweiten Platz abgefunden, und damit habe ich ja eigentlich auch gar kein Recht mehr auf den Sieg. Soll er doch machen. Noch 500 m, die letzte Kurve, eine lange Sprintergerade. Ich führe noch immer, er zögert immer noch. Traut dem Frieden nicht. Noch 200 m, endlich steigt er aus dem Sattel, geht vorbei, ich reagiere gar nicht mehr, rolle hinter ihm ins Ziel.
Später sagt er mir, er hätte immer auf eine Aktion von mir gewartet, hätte nicht glauben können, daß ich ihm den Sieg derart serviere. Der Junge hat Nerven, ich war doch schon tot. Ja, wenn es trocken gewesen wäre... Wenn, hätte, würde, könnte, sollte... eh schon wissen.
Vielleicht kommt heuer noch einmal ein Wochenende, an dem es NICHT regnet???
 
Ergebnisse Master 50+: 1. Ales Hren (Adria Mobili) 2:02:45 (Siegerschnitt 38,9 km/h), - 2. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl), gleiche Zeit, - 3. Ljubos Csar (NK Maribor) -0:37, - 4. Robert Kordez (NK Maribor), - 5. Joze Tertinek (BP Lenart), - 6. Bojan Pitino (Radle ob Dravi), - 7. Matej Maher (Sava Kranj), - 8. Leon Gajser (Novo Mesto), - 9. Miha Tertinek (BP Lenart), alle gleiche Zeit, - 10. Igor Stabul (NK Maribor) -2:22
Eine trostlose Gegend
 
 
Samstag, 26. Juni 2010: "RE GIAU", 1. Rennen, Bergrennen Alleghe - Passo Giau, 20,5 km
 
Rennstrecke: Alleghe (966 m) - Caprile (1023 m) - Selva di Cadore (1317 m) - Passo Giau (2236 m), 17,5 km, 1270 Höhenmeter, auf den letzten 8 km 900 Höhenmeter (!), durchschnittl. Steigung 7,3 %, auf den letzten 8 km 11,3 %, max. Steigung 14 %, Start 14.30 Uhr
 
Wetter: Kaiserwetter, heiter, windstill, Start 24°, Ziel 17°
Startort Alleghe am gleichnamigen See
 
Rennverlauf: 69 Fahrer der Kategorien Gentlemen, Supergentlemen A und B sowie Frauen nehmen das Rennen in Angriff. Ich fahre ganz vorne in der ersten Reihe mit, es wird gleich aufs Tempo gedrückt. Am Lago di Alleghe sind wir gestartet, in Alleghe, ein malerisches kleines Örtchen im Agordo-Tal. Auf den ersten 4 km bis Caprile, auf der Hauptstraße, haben wir gerade mal 60 Höhenmeter zu überwinden, das ist eine Durchschnittssteigung von gerade mal 1,5 %. Gottseidank bin ich optimal aufgewärmt, denn es geht sofort zur Sache. Ein paar wilde Attacken ziehen das Feld in die Länge, und dann passiert es auch schon, wir sind nicht mal einen Kilometer gefahren: drei Mann setzen sich ab, und ohne zu überlegen sprinte ich hinterher, denn ich bin ganz knapp dran. Keuchend komme ich ran, und dann geht die wilde Jagd los.
 
 
Enrico Pasini, Gianluca Lamberti und Massimo Bosso haben die Initiative ergriffen, Lamberti zählt heute zu den ganz großen Favoriten, deshalb habe ich da auch sofort reagiert. Ich komme gar nicht dazu, auch nur ein einziges Mal in Führung zu gehen, ich habe alle Hände voll zu tun, um wenigstens das Hinterrad zu halten. Nein, ich darf nicht abreißen, sage ich mir immer wieder vor, dann wäre ja alles umsonst gewesen. Also bleibe ich dran, die Augen tränen, die Beine, die Lungen, die Schultern, die Oberarme, alles schmerzt, alles in mir schreit danach, langsamer zu fahren. Und das alles bei einem so schweren Bergrennen, das ist ja verrückt! Ich drehe mich kein einziges Mal um, als wir nach 4 km in Caprile rechts in den Berg reinbiegen Richtung Selva di Cadore rauf, ruft einer aus einem Begleitauto uns zu: "Vantaggio quarantacinque secondi!" Ich verfluche mich innerlich, auf was habe ich mich da eingelassen! Ich bin tot, wir haben 45 Sekunden rausgefahren, aber was ist das denn schon auf einem solchen Dolomitenpaß!
Die nächsten 4 km rauf bis Selva di Cadore haben 300 Höhenmeter, das ist eine Durchschnittssteigung von 7,5 %. Natürlich muß ich sofort reißen lassen, die ganze vierköpfige Gruppe platzt auseinander, der Schweiß rinnt mir in die Augen, tropft vom Kinn und von der Nasenspitze, ich scheine richtiggehend auszulaufen. Mit einem Mal trifft mich die glühende Hitze, die hier wie in einem Kessel steht.
Ich muß mich ziemlich überwinden, um die Trittfrequenz zu halten, die Steigung paßt mir genau, aber ich bin beinahe tot. Es ist nicht leicht, hier die Spannung einerseits zu halten, andererseits mich nicht zu überfordern. Viel zu schnell hat man sich hier eine Schwäche eingehandelt, und dann stecke ich völlig fest. Zwischendurch schimpfe ich immer wieder auf meinen Leichtsinn, mich auf diese offensive Fahrweise eingelassen zu haben. Aberr habe ich das nicht auch im Vorjahr bei der Österreichischen Bergmeisterschaft in Hartberg so gemacht? Damals hat es sich ausgezahlt!
Selva di Cadore in Richtung Passo Giau
 
Ich kann hinhalten, kann mich quälen, und das tut gut. Nicht, daß ich ein Masochist bin, aber es zeigt mir, daß ich in Form bin. Und das wiederum gibt Selbstvertrauen. Nach und nach holen mich Fahrer aus dem Feld ein, fahren vorbei. Ich falle zurück. Ganz langsam, aber immerhin. Und dann sind wir in Selva di Cadore oben, biegen links ab auf den Passo Giau hinauf. Ich bin schon etwas angeschlagen, jetzt beginnen die letzten 8 km, jetzt beginnt das Rennen erst richtig. Durchschnttlich 11 % sind es jetzt bins ins Ziel rauf, unterbrochen nur von einem Steilstück mit gut 14 % etwa 2 km vor der Paßhöhe.
Unwahrscheinlich viele Zuschauer säumen die Straße, ich komme mir vor wie beim Giro. Volksfeststimmung, die Typen machen mit allerlei Geräten Stimmung und in den Ortsdurchfahrten ohrenbetäubenden Lärm.
 
Habe ich richtig mitgezählt, liege ich hier jetzt an der 16. Stelle. Die Steigung nimmt zu, und sie trifft mich wie ein Keulenschlag. Ich schalte und schalte, nichts paßt, alles scheint mir viel zu hart, schließlich entschließe ich mich zu 34/23. Plötzlich fahre ich an einem Fahrer vorbei, der aber nicht steckengeblieben ist, nein, er ist zwar angeschlagen, aber auch nicht mehr als ich. Nein, ich habe ich überholt! Das gibt Auftrieb, Hoffnung und Selbstvertrauen. Gerade im richtigen Moment. Ich beiße mich ans Hinterrad vor mir, halte es mit aller Kraft und Gewalt. Ich fahre in einer kleinen Gruppe, wir sind zu dritt, aber sehr bald schon fahre ich ihnen davon. Fahre vor in eine Gruppe, da sind wir jetzt zu sechst. Aber auch diese Fahrer sind mir zuu langsam, und so lasse ich sie bald schon hinter mir zurück. Noch 5 km.
 
Dann sind auf einmal Fahrer da, die ich heute noch gar nicht gesehen habe, die müssen auch von hinten gekommen sein. Sofort sind wieder Zweifel da: bin ich langsamer geworden, bin ich überhaupt zu langsam? Breche ich jetzt ein? Kümmere dich nicht darum, fahre dein Tempo, deinen Zug, damit hast du genug zu tun, und wenn der Rhythmus paßt, dann bist du ohnehin schnell, sage ich mir wieder vor. Aber interessaant, wie schnell man die Moral verliert, wie schnell negative Gedanken ins Bewußtsein kriechen. Wenig später habe ich die Typen hinter mir gelassen. Noch 2 km.
 
 
Ich bin im Steilstück. 14 %. Verdammt steil ist das hier. Aber es ist nicht mehr weit, nur jetzt nicht nachlassen. Ich fahre hier weit über meine Verhältnisse, aber ich halte gerade in der Gruppe mit. Ich kannn niemanden abhängen. Sofort fällt die Moral wieder. Ich versuche mich aufzubauen, dann ist die 1000-m-Marke da. Ich bleibe bei 34/23, kann aber die Frequenz erhöhen. Das ist ein gutes Zeichen, ich kriege - mental gesehen - gleich wieder Oberwasser. Ja, es geht noch was, ich erhöhe die Frequenz, schüttle zwei Fahrer ab. Nur jetzt keinen Blödsinn, jetzt kann ich es mir nicht mehr leisten, so knapp vor dem Ziel noch steckenzubleiben!
 
Gut, von hinten kommt niemand mehr, noch 500 Meter, die Kuppe ist erreicht, die Paßhöhe da, die Straße wird flacher, noch 200 m, ich schalte runter, sprinte, mache noch einen Platz gut. Das war ein herrliches Finale, fast wie in alten Zeiten, ich bin einen ganz, ganz schnellen Schlußkilometer gefahren! Und das macht in der Endabrechnung den 7. Platz, und weil da noch zwei Alte vorne drinnen waren, bin ich Fünfter!
Zielbereich
Und so sieht´s aus, wenn Italiener ein Radrennen veranstalten!
 
 
Ergebnisse Kategorie Gentlemen: 1. Gianluca Lamberti (GS Bicisport Malini) 51:16, - 2. Alberto Saccetti (ASD Free Bike Trivero) -2:15, - 3. Marco Farina (Pedale Canavese) -2:49, - 4. Stefano Milanese (Polisportiva Pettenasco) -3:31, - 5. Robert Bartonek (GS Tecnoimpianti Padova) -4:36, - 6. Dario Contessi (Team Boario 2005) -4:39, - 7. Ferdinando Consonni (Bici Time Team FCI) -4:46, - 8. Marco della Vedova (Polisportiva Pettenasco) -4:47, - 9. Enrico Pasini (GS Bicisport Malini) -4:50, - 10. Roberto Caccia (Polisportiva Pettenasco) -5:12
 
 
Sonntag, 27. Juni 2010: RE GIAU, 2. Rennen, Bergrennen - Cortina d´Ampezzo - Passo Giau, 17,5 km
 
 
Rennstrecke: Cortina d´Ampezzo - Pecol - Hotel Belvedere - Albergo Gino Rava - Passo Giau, 20,5 km, 1.012 Höhenmeter, durchschnittl. Steigung 5 %, max. Steigung 17 %, Start 10.01 Uhr
 
Wetter: warm, bewölkt, leichter N-Wind, Start 21°, Ziel 14°
 
 
Der Anstieg ab Pocol
  
 Rennverlauf: Wider Erwarten habe ich gute Beine heute, wir starten diesmal jede Kategorie extra, aber mit so geringem Zeitabstand, nämlich 1 Minute (!), daß wir nach ein paar Kilometern so durcheinandergewirbelt sind, daß sich keine Sau mehr auskennt, wer jetzt zu welcher Klasse gehört. Egal, ich fahre ganz vorne, habe mir die vier Männer, die gestern vor mir waren, genau eingeprägt, dazu die nächsten drei hinter mir, und derart ausgerüstet, möchte ich mich heute wenn möglich in der Gesamtwertung verbessern.
 
Start in Cortina
 
Doch zunächst greift ein Fahrer an, es ist Attilio Romani aus dem Valtellino, vom US Bormiese, der am Stilfser Joch den Streckenrekord hält. Er war gestern nicht dabei, er kommt also für die Gesamtwertung nicht in Frage. Und der legt los, als ob er was gestohlen hätte!
 
Noch im unteren Streckenabschnitt
 
Romani fährt einfach um eine Klasse stärker als alle anderen, er setzt sich langsam ab, dreht sich nicht um, es ist ihm anscheinend egal, was wir hinter ihm alles aufführen. Gut, wenn ich seine Form hätte, wäre es mir auch egal, was sich hinter mir tut. Sie reißen alle von seinem Hinterrad ab, er attackiert nicht mal. Okay, er ist der Stärkste, er soll gewinnen. Alle sind froh, als er weg ist.
 
 
Dahinter bildet sich im selben Moment eine Verfolgergruppe, die eigentlich keine ist, denn wir verfolgen niemanden. Ich bin auch dabei, und ich wundere mich, wie leicht mir das fällt. Aber das Rennen ist ja noch lang, also da kann noch ziemlich viel passieren.
Es entwickelt sich ein Ausscheidungsrennen. Alle paar Kilometer verlieren wir einen oder zwei Fahrer, die Gruppe wird kleiner und übersichtlicher. Ich muß gestehen, einer der Gründe, weshalb mir der Anstieg heute leichter fällt, ist, daß wir einerseits langsamer fahren als gestern, andererseits die Steigung viel gleichmäßiger ist.
Die Fahrer kämpfen sich nach oben, der Paßhöhe entgegen.
 
Ich halte erstaunlich mit, führe zwar nie, halte mich am Ende der Gruppe auf, aber ich reiße einfach nicht ab. Wir fahren auch ziemlich gleichmäßig, aber zurückfallen tun immer andere. Ich will´s ja nicht verschreien, aber das fühlt sich verdammt gut an. Da ich mich sehr gut fühle, werde ich etwa bei Halbzeit des Anstiegs aktiv. Das muß ich jetzt, denn soeben saind Farina und Saccetti zurückgefallen, der Zweite und Dritte von gestern. Ich muß jetzt mithelfen, das Tempo hochzuhalten, damit die beiden nicht mehr herankommen. Die Gruppe platzt auseinander, vorbei ist´s mit der "Gemütlichkeit". Und ich muß verdammt aufpassen, daß ich mich nicht übernehme und ich den roten Bereich reinfahre.
 
 
 
Die Paßhöhe, Blick Richtung Civetta
 
Es dauert eine Weile, aber dann finden wir wieder zusammen. Und wenig später ist leider auch Farina wieder da. Lamberti ist auch in meiner Gruppe. Langsam aber sicher muß ich mir Gedanken um die Gesamtwertung machen. Wer ist hier noch dabei, wer kann mir gefährlich werden? Lamberti macht einen verdammt sicheren und starken Eindruck, den kann ich  nie und nimmer packen. Aber die anderen vielleicht.
 
Panorama auf der Paßhöhe
 
Das Steilstück, heute haben wir danach noch 5,5 km bis zur Paßhöhe, die Steigung beträgt hier knüppelharte 17 %. Längst habe ich mich wieder beruhigt, darauf bedacht, so lange wie nur irgend möglich in dieser Gruppe mitzufahren. Romani ist vorne längst nicht mehr zu sehen, Lamberti zündelt bei jeder Gelegenheit, provoziert, setzt sich ein paar Meter ab, läßt sich wieder einfangen, aber damit macht er das Rennen unrhythmisch und schwer. Soll er doch endlich wegfahren, worauf wartet er denn noch??
 
 
Das Ziel
 
Gedränge im Zielbereich
 
Im Steilstück reißt die Gruppe wie erwartet auseinander. Noch 5,5 km. Ich kämpfe mi8t dem Berg, mit der Steigung, mit der Hitze, mit mir selber, mit der Konkurrenz, mit allen und jedem. Der Puls liegt jetzt seit geraumer Zeit schon konstant über 180. Ich kann die Frequenz halten, fahre hier 34/25, es ist mir eigentlich zu hart, aber mehr habe ich nicht, ich MUSS damit auskommen, also rede ich mir ein, daß das die ideale Übersetzung ist.
 
Panoramablick von der Paßhöhe
 
Das Steilstück ist Geschichte. Ich fühle mich mit einem Male frisch und sehr gut, ich drücke etwas aufs Tempo. Warum auch nicht, jetzt werde ich übermäütig, ich merke, daß die anderen in Bedrängnis sind, daß sie angeschlagen sind, und ich will jetzt erzwingen, daß die Schwächeren zurückfallen. Alle Vorsicht ist vergessen, ich lasse meiner Euphorie freien Lauf. Doch die Strafe folgt auf dem Fuß. Noch 4 km, und ich spüre einen Krampf im linken Unterschenkel nahen, ich spüre, daß ich mit der Atemluft gleich ein Problem kriegen werde, den Rhythmus kann ich auch nicht mehr halten, der Schweiß brennt in den Augen.
 
 
 Oben auf der Paßhöhe
  
Jetzt wird es hart, unglaublich hart. Ich quäle mich förmlich dem Ziel entgegen, Kehre um Kehre weiter nach oben. Die Atemluft wird knapp, ich kriege einfach keine Luft mehr. Noch 3 km. Ich drehe mich nicht um, interessiert mich  nicht, was sich da tut. Wenn einer stärker ist als ich, fährt er ohnehin vorbei. Die anderen kümmern mich nicht mehr, ich bin mit mir selbst genug beschäftigt. Ich fahre einen Wechsel aus sitzen und stehen, immer zehn Umdrehungen, wie vor 20 Jahren der Franzose Robert Alban bei der Tour de France, als ich im TV die Übertragung der Alpe-d´Huez-Etappe gesehen habe. Der hat einen Rythmus auf die Straße geknallt, daß keiner mithalten konnte. Das hat mich beeindruckt, und ich weiß, dieser Rythmus auch nicht zu halten ist, wenn man wirklich in Form ist. Aber ich bin nicht in Form. Definitiv nicht. Jedenfalls nicht so wie Alban damals.
 
Im Ziel staut es sich.
 
Ich liege ein paar Meter zwischen mich und die Verfolger. Ich denke und überlege nicht mehr, ich will nur so schnell wie möglich oben ankommen. Und wenn ich mir jetzt einen kleinen Vorsprung erkämpfe, warum nicht? Die anderen müssen den erst mal aufholen, und wenn mir alles wehtut, dann ihnen auch.
Die 1000-m-Marke ist erreicht, jetzt konzentriere ich mich ein letztes Mal, noch 3 Minuten, ich drehe mich um, sehe Lamberti hinter mir, der verzweifelt mit weit aufgerissenem Mund versucht, das Loch noch einmal zuzufahren. Soll er sich doch plagen! Ich verschärfe das Tempo, stehe auf, ein paar schnelle Tritte, blicke zurück, sehe ihm provozierend ins Antlitz. Er ist geschafft, er ist am Ende. Und ich bin Zweiter. Aber kann ich diesen Platz auch ins Ziel bringen?
 
bild
Attilio Romani gewinnt!
 
Lange schon vor dem Zielstrich höre ich den Platzsprecher, dessen Stimme sich förmlich überschlägt. Ich glaube es selbst ja kaum, aber ich schaffe es, ich sprinte hier heroben um den zweiten Platz! Es brent ganz fürchterlich in beiden Lungenflügeln, aber jetzt darf ichg nicht nachlassen, denn sonst falle ich um. Diese letzten paar Meter sind die Hölle. Die Atemluft scheint zu brennen und mich in Flammen zu setzen. Es fühlt sich an, als ob der Herzschlag aussetzt. Zielsprint in 2236 m Seehöhe gegen den Vortagssieger Lamberti! Ich gebe nicht nach, und wenn ich sterben muß!  Mit dieser Todesbereitschaft setze ich mich gegen ihn durch, etwa 100 m vor dem Zielstrich ist er plötzlich weg. Rang zwei!!!!
 
Der Tod ist schmerzhaft. Erst viel später sehe ich am Pulsmesser, als ich die Werte durchlaufen lasse, den Zielsprint: Puls 196!
Ich kanns nicht glauben, aber es ist wahr: ich bin hinter Romani Zweiter, habe alle geschlagen, die gestern noch vor mir waren! Damit ist es sicher, daß ich mich in der Gesamtwertung auch verbessert habe, aber wie weit bin ich nach vorne gekommen? Lamberti war gestern viereinhalb Minuten vor mir, heute habe ich ihn um 11 Sekunden geschlagen, das hat nicht gereicht, damit hat er die Gesamtwertung klar gewonnen.
 
Im Ziel werden die Fahrer u.a. mit Enervit-Produkten versorgt.
 
Kaum zu glauben, aber der Typ ist auch irgendwie den Berg hochgekommen! Mario Cipollini betreibt Imagepflege
 
Ergebnis, Kategorie Gentlemen: 1. Attilio Romani (US Bormiese) 53:22, - 2. Robert Bartonek (GS Tecnoimpianti Padova) -5:35, - 3. Gianluca Lamberti (GS Bicisport Malini) -5:46, - 4. Andrea Mangani (US Bormiese) -6:12, - 5. Eugenio Rizzi (ASD Vigorbike Gammafrutta) -6:14, - 6. Tiziano Poloní (GS Pedale Bianconero) -6:29, - 7. Marco Farina (Pedale Canavese) -7:56, - 8. Franco Azzola (GS  Gran Fondo Pinarello) -8:28, - 9. Marcello Innocenzi (GS Capobianchi Cicli Moto Sport) -9:57, - 10. Massimo Cadoni (ASD Freebikers Fossano)
 
Ergebnis Gesamtwertung, Kategorie Gentlemen: 1. Gianluca Lamberti (GS Bicisport Malini) 1:44:38, - 2. Robert Bartonek (GS Tecnoimpianti Padova) -4:25, - 3. Marco Farina (Pedale Canavese) -4:59, - 4. Eugenio Rizzi (ASD Vigorbike Gammafrutta) -5:40, - 5. Alberto Saccetti (ASD Free Bike Travero) -5:52, - 6. Stefano Milanese (Polisportiva Pettenasco) -6:57, - 7. Tiziano Poloni (GS Pedale Bianconero) -8:12, - 8. Ferdinando Consonni (Bici Time Team FCI) -8:36, - 9. Dario Clontessi (Team Boario 2005) -8:41, - 10. Enrico Pasini (GS Bicisport Malini) -8:55
 
 
Samstag, 3. Juli 2010: Grafenbacher Radsporttag, Rundstreckenrennen in Grafenbach, 61 km
 
Rennstrecke: Unterdanegg - Oberdanegg - Unterdanegg, 10 Runden á 6,1 km = 61 km, 140 Höhenmeter pro Runde = 1.400 Höhenmeter, Start 11 Uhr
 
Wetter: sonnig, sehr heiß, leichter NO-Wind, 32°
 
Jens Mateyka im Ginner-Führungstrikot mit dem Sprecher Andy Blümel vor dem Start
 
Rennverlauf: Vor zwei Jahren wurde hier auf diesem Kurs die Österr. Straßenmeisterschaft ausgetragen, im Vorjahr bin ich zu spät zum Start gekommen, ich habe also mit diesem Rennen noch eine Rechnung offen. Zusammen mit den Fahrern der Klasse III nehmen wir 27 Mann das Rennen in Angriff, es geht gleich mit dem 2 km langen Anstieg nach Oberdanegg los. Der Rundkurs ist sauschwer, keine Zeit zum Ausrasten, immer nur rauf und runter. Dazu die Hitze, die uns allen ziemlich zusetzt. Ich schaffe die erste Runde so halbwegs, in der zweiten dann habe ich mich so ziemlich an den Rhythmus gewöhnt, von Anfang an war es halt etwas ungewohnt, daß ich in den beiden Anstiegen, zuerst rauf nach Oberdanegg und dann rüber nach Unterdanegg, jeweils mindestens einen Zahn leichter fahren mußte als vor zwei Jahren bei der Meisterschaft, aber das war wegen der Hitze. Den ersten, langen Anstieg bin ich mit 50/21 und dann 19 gefahren, den zweiten, viel kürzeren mit 50/21, da war die Kuppe das Problem, denn raus aus dem Wald ist man voll in den Wind reingefahren.
 
Am Ende der Gruppe geht es in den ersten langen Anstieg rauf nach Oberdanegg
 
 
 
Das Feld hat sich sofort in die Länge gezogen, gleich zu Beginn der zweiten Runde, im ersten Anstieg, hat sich Karl Ganser oben in Oberdanegg etwas abgesetzt, und sofort ist Mateyka nachgefahren. Erst in dem Moment habe ich gemerkt, daß das ein goldrichtiger Moment gewesen ist, denn niemand sonst hat reagiert, alle haben sie zugesehen, wie die beiden ihren Vorsprung vergrößert haben. In der Abfahrt dann sind die ersten - mehr zögerlich - nachgefahren, halbherzig nur, das Loch ist zwar kleiner geworden, aber dann haben sie auch gleich wieder die Beine hochgenommen. Ich bin irgendwo in der Mitte des Feldes dringehängt, habe hingehalten, geschnauft und geröchelt.
 
Das war die Situation, als wir den Waldrand erreicht haben. Hohes Tempo, so knapp an die 55 km/h. Und da, von einem Bruchteil einer Sekunde zur anderen, hat sich alles geändert. Ganz vorne ist der Teigl Klaus gefahren (RC Grafenbach), der hat sich plötzlich aufgerichtet und umgedreht. Hat er irgendwas gesagt, irgendwohin geschaut? Keine Ahnung mehr, das habe ich nicht mitbekommen, denn im selben Moment hat er seinen Lenker verrissen und die ganze Staffel hinter mir, die wegen des leichten Seitenwindes leicht versetzt gefahren ist, abgeräumt. Wie ein Neuner beim Kegeln! Und von dieser Sekunde an habe ich alles wie in Zeitlupe miterlebt. Ein Massensturz bei so hohem Tempo ist immer sehr gefährlich, an mich selber darf ich in einem solchen Moment gar nicht denken: wenn ich mit meiner Knieverletzung noch mal aufs Knie draufknalle, ist meine Karriere vorbei! Rund um mich herum sind sie gepurzelt, ich hab das Krachen und Knirschen tief im Kopf drinnen gehört, auch in Zeitlupe, die Warnrufe und die Schmerzensschreie, ich bin wild herumgekurvt, vor mir Gestürzte, links von mir, rechts von mir, hinter mir, und immer wieder ist mir einer direkt vors Vorderrad gerutscht. Was unterscheidet einen Bahnfahrer oder Kriteriums-Spezialisten von anderen? Ich denke, das ist die Fähigkeit, in der Sekunde eines Massensturzes nicht instinktiv zu bremsen und mit der Unmöglichkeit, rechtzeitig stehenzubleiben, alle Zeit zu verlieren, sondern sofort zu versuchen, AUSZUSTEUERN! Heute war ich um ca. 11.16 Uhr der wohl beste Kriteriumfahrer Österreichs, nein, Europas, nein, der Welt! Unendlich lange Sekunden, dann war der Sturz hinter mir, ich war doch glatt vorbeigekommen! Das Herz war mir stehengeblieben, ich kanns gar nicht fassen, wieviele Fahrer da herumgelegen sind, und ich hab auch sofort gewußt, daß es da einige ganz, ganz schlimm erwischt haben muß!
Vor mir ein riesiges Loch, ganz vorne die beiden Spitzenreiter, dann Gaubitzer und Schäbinger, dahinter findet sich eine Gruppe zusammen, in der ich mit Gössler, Gugler, Hansl, Nutz und Gruber fahre. Also vier Mann vor uns, dann unsere 6-Mann-Gruppe. Von hinten kommt nichts mehr, die Sanitäter sind im vollen Einsatz. Und ohne mich umzudrehen, weiß ich, daß die Trümmer der Räder und die Körper der Fahrer über die gesamte Fahrbahn verstreut herumliegen, wie nach einem Bombenangriff sieht´s aus! Teigl, du Arschloch, dieser Fehler war unverzeihlich, das kann man nicht mehr mit einem Achselzucken abtun, nicht, wenn solche Folgen daraus entstehen! Da gibt es einfach keine Entschuldigung mehr, ein solcher Typ hat am Start nichts mehr verloren! Das halbe Rennen lang, Runde um Runde, sind wir danach an dieser Unfallstelle vorbeigefahren, die Verletzten sind am Straßenrand gelegen, die Rotkreuzwägen, die Sanitäter, alle waren sie auf der Fahrbahn, wir sind immer ganz langsam vorbeigeschlichen, mit einem mulmigen Gefühl im Herzen, da kann keiner ganz kalt bleiben! Und so habe ich auch mitgekriegt, wie sie dann nach ein paar Runden den Gaubitzer Fritz auf der Tragbare festgeschnallt haben, in den Wagen reingeschoben haben. Von der Stirn ist ihm Blut geronnen, er hat einen ziemlich bleichren Eindruck gemacht, nachher habe ich dann erfahren, was ihm passiert war: ein offener Oberarmbruch, der eineinhalb Stunden lang operiert wurde! Teigl, du bist wirklich ein Arschloch! Dein eigener Klubkollege, der Schuler Ernst, hat sich ein paar Rippen gebrochen, ein Bruchstück hat sich in den Lungenflügel gebohrt, sodaß Blut eingesickert ist. Ein Schlüsselbeinbruch war auch dabei, das ist ja noch relativ harmlos im Vergleich dazu! Jedesmal, wenn ich diese Stelle passiert habe, dort auch die großflächigen Blutlachen gesehen habe, durch die wir jedesmal gefahren sind, ist es mir ganz kalt den Rücken runtergelaufen. Das sind so Momente, die niemand erleben möchte, die aber leider doch nicht ausbleiben. Manchmal kommen eben viele Fehler zusammen, heben sich nicht auf, sondern multiplizieren sich, und aus einer einzigen, unüberlegten Bewegung, nämlich den Kopf nach hinten drehen, wird so ein blutiges Gemetzel!
 
Klaus Teigl, der Verursacher des Massensturzes
 
Okay, ich möchte das jetzt abhaken, also weiter im Rennbericht: In der vierten Runde haben wir Gaubitzer Engelbert und Schäbinger eingeholt, die beiden Spitzenreiter, Mateyka und Ganser, fahren immer noch relativ knapp vor uns, Vorsprung nicht mal eine halbe Minute. Zeitweise versuchen wir, mit vorbildlicher Ablöse und hohem Tempo das Loch zuzufahren, aber es ist zu groß, und nach zwei oder drei schnellen Führungen ist gleich immer wieder der Dampf draußen. Spätestens da ist mir klar, daß wir nie mehr an die beiden ranfahren werden! Ich muß derart hinhalten, mit aller Kraft und Gewalt, daß ich nach 5 Runden, nach Halbzeit also, mit meinen Kräften schon ziemlich am Ende bin. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie ich da noch 5 Runden überleben soll!
 
DSC_7351 von klausexner.
Die beiden Führenden, vorne Ganser, dahinter Mateyka
 
Nach 6 Runden sind die beiden Spitzenreiter außer Sicht, gut, das Problem wäre jetzt damit also auch gelöst. Ich quäle mich über den langen Anstieg, den kurzen im Wald schaffe ich meist relativ gut, da fahre ich ganz vorne und werde langsam durchgereicht, inzwischen haben wir auch noch zwei Fahrer ein geholt, die aus der 3 Runden vor uns gestarteten Gruppe der Master-1-Fahrer zurückgefallen sind, nämlich Langegger und Wiedner. Nutz und Hansl waren gleich am nächsten Anstieg wieder abgerissen, wir waren also acht Mann, die Hälfte davon war für mich nicht wichtig, Gaubitzer und Schäbinger waren Master 3, Langegger und Wiedner Master 1, den Rest habe ich im Auge behalten.
 
DSC_7353 von klausexner.
Da führe ich vor Wiedner, Gugler und Langegger im Anstieg
 
Runden 7 und 8 waren die Hölle, die Hitze, die Luft hat vor den Augen geflimmert, im Kopf unterm Helm hats gedröhnt, und in den Beinen habe ich einen nahenden Krampf verspürt, von da an habe ich pro Runde jeweils zwei ganze tiefe Schlucke aus der Trinkflasche genommen, dennoch war sie nach 8 Runden leer. Eine blöde G´schicht war das, denn Trinken war so ungefähr lebenswichtig an diesem Tag. Es ist mir auch gleich besser gegangen, als ich mehr getrunken habe, aber die Anstiege habe ich jeden einzelnen nur mehr mit dem allerletzten Dreck geschafft. Kilometer um Kilometer habe ich mich so dem Ziel entgegengekämpft.
Neunte und vorletzte Runde: in der langen Abfahrt greift plötzlich Gugler an, der bis dahin nur unauffällig mitgerollt ist, ich hatte eigentlich den Eindruck, daß der von Anfang an am Zahnfleisch gekrochen ist. Niemand ist nachgefahren, niemand hat reagiert, das hat mir gezeigt, daß die anderen auch alle schon ziemlich angeschlagen waren. Also bin ich alleine nachgefahren, dann hat er die Beine hochgenommen. Noch mal gutgegangen. Die letzte Steigung rüber nach Unterdanegg habe ich gerade noch irgendwie geschafft, dann die Glocke zur letzten Runde.
Den langen Anstieg habe ich geschafft, Puls 188, ich habe schon rote flimmernde Kreise vor meinen Augen gesehen, irgendwie bin ich dann noch über die allerletzte Kuppe drübergesprintet, rein iun die lange Abfahrt. Die Gruppe ist beisammengeblieben, mit hohem Tempo unten nach der Abfahrt die letzte Kurve, weg nach rechts, rein in die letzte Steigung. Gössler hat plötzlich angetreten, die anderen haben mit leichter Verzögerung nachgezogen, ich war am Ende, habe ein Loch aufgerissen, bin aber weitergefahren, habe nicht nachgelassen, quälend langsam ist die Kuppe nähergekommen, die langgezogene, die so verdammt weh in den Beinen getan hat. Dann waren die anderen an Gössler dran, die Luft war damit wieder für einen Moment draußen. Mit aller Kraft bin ich wieder an die Gruppe rangefahren und habe dann leider einen Fehler gemacht, denn ich bin mit dem Schwung gleich an allen vorbeigeknallt, habe runtergeschaltet bis auf 50/12 und bin alleine runter nach Unterdanegg. Ich hatte wohl instinktiv Angst, daß ich im Ziel dann abgesprintet werden würde, ich habe nur die Chance auf den dritten Platz gesehen, da habe ich alle Vorsicht außer acht gelassen und hab mich zu dieser Harakiri-Aktion hinreißen lassen.
Ja, ich weiß auch, jemand mit meiner Erfahrung sollte es besser wissen, zumal ja dieser Zieleinlauf für einen Nichtsprinter wie mich wie geschaffen war: mit hohem Tempo als Erster die Abfahrt runter zur technisch schweren, engen Zielkurve, ganz nach links raustragen lassen, Schwung mitnehmen, voll sprinten. Einfaches Rezept, aber da kommt keiner mehr vorbei. Und genauso war es auch, leider war ich nicht vorne, sondern bin ein paar Meter vor dieser Zielkurve von der Gruppe gestellt worden, durchgereicht und habe mich am Ende der Gruppe wiedergefunden. Ja, so kommt´s halt, wenn man mit dem Kopf durch die Wand will!!
Auf den allerletzten zwei oder drei Metern bin ich am Gruber noch vorbeigefahren, das war ein ganz wichtiger Punkt für den Ginner-Cup, den ich ihm da weggenommen habe! Damit war ich also als Siebenter im Ziel, weil Gaubitzer und Schäbinger als Master-3-Fahrer rausfallen, war ich in meiner Kategorie Fünfter.
Das Rennen ist vorne an der Spitze durch einen Defekt von Mateyka entschieden worden. Durch den Laufradwechsel ist er zurückgefallen, konnte nicht mehr aufschließen und ist somit hinter dem Lokalmatador Ganser Zweiter geworden.
 
DSC_7382 von klausexner.
Ganser gewinnt in Grafenbach - ein Heimsieg
 
Noch ein Wort zur Distanz: die Masterklassen 2 bis 6 waren ja laut Ausschreibung für ein einziges Rennen über 10 Runden (= 61 km) vorgesehen gewesen, am Start sind dann aber die Klassen 2 und 3 extra gestartet worden, die Kategorien 4 bis 6 sind 3 oder 5 Minuten nach uns ins Rennen gegangen. Als wir ins Ziel gefahren sind, waren die älteren Fahrer aber auch schon alle im Ziel, die sind also aus irgendeinem Grund (Mißverständnis?) nur 9 Runden gefahren.
Im Ginner-Cup sind jetzt noch 3 Rennen ausständig, ich bin an die 7. Stelle vorgerückt, die Plätze 6 und 5 sind in Reichweite, der Iby Günther, der heute auch nicht am Start war, hat sich in der Vorwoche verletzt, wie ich gehört habe, fällt auch ein paar Wochen aus. An dieser Stelle: Gute Besserung, Günther!
 
DSC_7424 von klausexner.
 
Die Podiumsplätze in der Klasse 2 (von links): Mateyka, Ganser, Gössler
 
Ergebnisse Kategorie Master 2: 1. Karl Ganser (RC Grafenbach NÖ-Süd) 1:34:51 (Siegerschnitt 38,3 km/h), - 2. Jens Mateyka (RC Wiener Allianz Schnecke Wien) -46 Sekunden, - 3. Ulrich Gössler (RC Volksbank Drahteisel Köflach) -4:21 Minuten, - 4. Günter Gugler (RC ARBÖ Ginner Amstetten), - 5. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl), - 6. Manfred Gruber (RC ARBÖ Erd St. Pölten), beide gleiche Zeit, - 7. Gerhard Mosler (RC ARBÖ TV-Steiner Raaba), - 8. Bernhard Stenitzer (RC ARBÖ TV-Steiner Raaba), - 9. Christian Sattler (RC ASVÖ Die Erste Sparkasse Tulln), - 10. Rudolf Hansl (ARBÖ imcom.24 Vredestein Wien), alle eine Runde zurück
 
Zwischenstand Ginner-Cup (nach 8 von 11 Rennen): 1. Jens Mateyka (RC Wiener Allianz Schnecke Wien) 226 Punkte, - 2. Manfred Gruber (RC ARBÖL Erd St.Pölten) 146, - 3. Karl Ganser (RC Grafenbach NÖ-Süd) 142, - 4. Günther Iby (RC ARBÖ Ginner Amstetten) 141, - 5. Ulrich Gössler (RC ARBÖ Volksbank Drahteisel Köflach) 118, - 6. Christian Sattler (RC ASVÖ Die Erste Sparkasse Tulln) 104, - 7. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) 103, - 8. Josef Handler (TSV Zweirad-Kappler Hartberg) 102, - 9. Hannes Krivetz (RC Raiffeisen Kosmopiloten Zwettl) 90, - 10. Peter Goluszka (RC ARBÖ Tretwerk Wienstrom Lamster Wien) 87
 
 
Sonntag, 4. Juli 2010: Österreichische Berg-Staatsmeisterschaft, zugleich Steirische Landesmeisterschaft: Bergrennen Wildbach - Freiland, 12 km
 
Rennstrecke: UNIMARKT an der Bundesstraße - Wildbach - Freiland, 12 km, auf den letzten 5 km 460 Höhenmeter, Steigung max. 12 %
 
Wetter: sonnig, heiß, ganz leichter NW-Wind, 30°
 
Rennverlauf: Heute war ich ganz schwer angeschlagen noch vom Vortag, von Grafenbach, so schwer hat es mich heuer noch gar nie erwischt. Starke Rückenschmerzen, leere Beine, leerer Kopf, keine Motivation, kaum Konzentration, durchs Aufwärmen ist es auch nicht entscheidend besser geworden: ich war eben leer.
Die übliche, bekannte Strecke, die ersten 7 km flach bis zum Berg hin, dann 5 km relativ steil und gleichmäßig rauf nach Freiland.  Ich komme mit dem Feld bis zum Anstieg hin, gut, das war sowieso klar, aber dann hat das Desaster begonnen. Wieder mußte ich mich etwas umgewöhnen, wie gestern schon, ich mußte auch heute wieder um mindestens einen Zahn leichter fahren als in den Jahren zuvor. Bin auch gleich abgerissen, nach ein paar hundert Metern schon, bin dann mein eigenes Tempo raufgefahren, habe mich bemüht, mit hoher Frequenz zu fahren, aber das war bei dieser Hitze sehr schwer.
Der Abstand nach vorne ist gleichmäßig größer geworden, ich hab mich mit ein paar Fahrern herumgeschlagen, die ich normalerweise abhänge.
Meine Vorjahrszeit von 32:59 habe ich nicht erreicht, ich war in 33:26 eine halbe Minute langsamer - Auswirkungen von gestern! Etwa 1,5 km vor demn Ziel bin ich am Kärntner Schabus vorbeigefahren, aber das war dann auch schon das einzige Erfolgserlebnis an diesem Tag.
 
Bernhard Empl (rechts) ist der neue Österreichische Bergmeister
 
Bernhard Empl, das Tiroler Urgestein im Rennrad- und Mountainbike-Sport, hat jetzt endlich einen Österreichischen Meistertitel, Gratulation! Überraschend aber vor allem der zweite Platz von Ewald ebner dahinter, gerade mal um 10 Sekunden geschlagen!
 
Ergebnisse Kategorie Master 2: 1. Bernhard Empl (KTM-Mountainbiker.at) 29:28, - 2. Ewald Ebner (RC ASVÖ Die Erste Sparkasse Tulln) -0:10, - 3. Michael Plattner (Toni´s Pro-Shop Kirchberg/Tirol) -0:18, - 4. Johann Taucher (RC ARBÖ Kindberg) -0:56, - 5. Heimo Vogt (RC ÖAMTC Raiffeisen Althofen) -1:03, - 6. Sebastian Pfisterer (RC ARBÖ Radsport Grassinger Lambach) -1:12, - 7. Ulrich Gössler (RC ARBÖ Volksbank Drahteisel Köflach) -1:17, - 8. Karl Ganser (RC Grafenbach NÖ-Süd) -1:46, - 9. Josef Handler (TSV Zweirad-Kappler Hartberg) -2:14, - 10. Stephan Haider (Polizei SV Graz) -2:38, - 11. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) -4:00
 
 
 
Sonntag, 11.Juli 2010: Österreichische Marathon-Staatsmeisterschaft, Radmarathon Tannheimer Tal in Tannheim/Außerfern, 230 km
 
Rennstrecke: Tannheim - Grän - Pfronten - Steinach - Schönbichl - Vils - Musau - Pflach - Reutte - Lechaschau - Höfen - Weißenbach/Lech - Forchach - Stanzach - Elmen - Häfernach - Häselgehr - Schönau - Graßau - Elbigenalp - Bach - Stockach - Holzgau - Hägerau - Steeg - Hochtannberg - Warth - Lech - Zürs/Arlberg - Flexen-Paß - Alpe Rauz - Arlberg-Paßhöhe - St.Christophen/Arlberg - St. Anton/Arlberg - St. Jakob/Arlberg - Pettneu/Arlberg - Schnann - Flirsach - Strengen - Tobadill - Pians - Landeck - Zams - Schönwies - Mils/Imst - Gunglgrün - Karrerhöhe - Imst - Hahntennjoch - Pfafflar - Boden - Bschlabs - Elmen - Stanzach - Forchach - Weißenbach/Lech - Gaichtpaß - Nesselwängle - Haldensee - Tannheim, 230 km, 2940 Höhenmeter, Start 6 Uhr
 
Wetter: heiter, wolkenlos, sehr heiß, starker NO-Wind, 36-39° (!)
 
Rennverlauf: Weil gleich nach 2 km ein etwa 1000 m langer Anstieg wartet und danach eine 8 km lange Abfahrt nach Deutschland runter bis Pfronten, muß ich am Start ganz vorne stehen. Das heißt schon eine gute halbe Stunde vor dem Start anstellen. Es geht dann ganzn leicht, ich fahre mit der allerersten Gruppe über den Berg in Grän, überstehe die Abfahrt problemlos. Das Tempo ist schon sehr hoch, unten in Pfronten liegt der Schnitt bei hohen 54 km/h, und als wir 10 km später wieder auf österreichischen Boden zurückkehren, beträgt der Schnitt immer noch 51 km/h! Ich halte mich immer ganz vorne auf, habe eigentlich keine Probleme. Bereits nach 45 Minuten beginne ich zu essen und zu trinken, ich will nicht, daß meine Energien schwinden, auch auf die Gefahr hin, mit meiner Nahrung nicht ganz auszukommen. Ich darf keinen Meter im Wind stehen, immer nur an den Hinterrädern, und ich will ohne eine Sekunde zu verlieren bis zum Berg hinkommen, d.h., die ersten 85 km problemlos überstehen. aber so leicht wird es nicht, ein paar langgezogene Steigungen sind drin, wie z.B. in Elbigenalp, in Häselgehr und Holzgau, da muß ich ganz schön hinhalten. Ob das richtig war? Ich hoffe schon, denn wenn ich jetzt abreiße, dann verliere ich unverhältnismäßig viel Zeit.
Am Start, hier etwa 5.45 Uhr
 
Startaufstellung, ganz vorne Helmut Wechselberger (rechts) und Peter Schlickenrieder (links)
 
Blick ins Startgelände
 
Ich habe mir einen Zeitrahmen gesetzt, 2 Stunden bis Steeg (Beginn Hochtannberg), dreieinhalb Stunden bis Arlberg, viereinhalb Stunden bis Landeck, 5 Stunden bis Imst, sechseinhalb Stunden bis Hahntennjoch, 8 Stunden bis ins Ziel. Ab Imst bin ich für schnellere Zwischenzeiten durchaus offen. Den ersten Checkpoint passieren wir in Steeg, der Rahmen paßt haargenau: knappe 2 Stunden unterwegs, Schnitt 41 km/h!
 
Rasende Talfahrt nach Pfronten
 
Übergangslos sind wir in der Steigung drin. Eine Tafel zeigt zwar nur 7 % an, aber es sind sicher mehr, 8 bis 9 % sind realistischz. Lange, breite Gerade, das Feld zieht sich kurz in die Länge, dann platzt es auseinander. Mein Puls steigt. 160, 170, 175, 177, dabei bleibt es, ich reiße ein paarmal aus der jeweiligen Gruppe ab, reagiere aber nicht. Nur ja nicht in den roten Bereich reingeraten. Noch ist es viel zu früh dazu. Ich würde viel zu viel Zeit verlieren. Es ist viel klüger, kalkuliert den Rückstand zu akzeptieren. Wenn ich voll fahre, bin ich vielleicht 5 Minuten hinten, so sind es 7 bis 8 Minuten, aber ich habe noch genügend Substanz! So leicht es anfangs auch geht, sehr schnell wird es schwer, dieses Tempo zu halten, aber ich bemühe mich, und nach einer Weile fahre ich doch wieder mit 100 %. Ich fahre nicht zu einer vorderen Gruppe auf, ich halte die meinige, wir sind anfangs zu sechst, dann zu viert, später nur mehr zu dritt. Die 11 km lange Auffahrt auf den Hochtannberg, rauf bis zur Abzweigung in Warth, wird zum Vorgeschmack auf das, was danach kommt. Die Sonne ist längst durch den Nebel gedrungen, hat die Luft und auch den Asphalt aufgeheizt, da hilft auch die Seehöhe von gut 1500 m nicht viel.
Warth am Hochtannberg
 
Unter der glühenden Sonne unterwegs im Lechtal in Richtung Hochtannberg
 
Endlich oben. Es geht flach rüber nach Lech, dann beginnt der Anstieg auf den Flexen-Paß, der ist unangenehme. Relativ steil, aber man merkt die Steigung nicht wegen der breiten, schön ausgebauten Straße. Teilweise bergab, wird gleich wieder enorm Tempo gebolzt. Wie überhaupt bei diesem Marathon auffällt, daß sich niemand um die Distanz schert. Da wird Tempo gefahren, als ob das Rennen 20 km lang wäre. Ob ich will oder nicht, ich muß mithalten. Meine kleine Gruppe zieht sich in die Länge, und sofort muß ich hinhalten. Genau das, was ich überhaupt nicht will. Ein paar kurze Schlucke gehen sich aus, dann ist die Steigung da.
Abfahrt zur Alpe Rauz
 
Hier bin ich am Hochtannberg an der dritten Stelle dieser Gruppe
 
Die Gruppe splittert auf, ich fahre konstant mit höchstens 90 %, bei Puls 170 ist Schluß. Aber auch das schlaucht ganz schön. In der langen Galerie reisse ich dann ab. Scheiße. Als ich wieder draußen bin, erhöhen sie vorne das Tempo. Keine Chance mehr, da ranzukommen. Zähneknirschend verschiebe ich eine Entscheidung, ob ich da voll reinhalten soll, auf die Abfahrt, die gleich beginnt. 1778 m sind erreicht, es geht über die Kuppe, rein in die 5 km lange Abfahrt runter zur Alpe Rauz.
Wildromantische Flexenpaß-Straße
 
Blick runter in Richtung Alpe Rauz, in Richtung Arlberg
 
 
Ha, das tut gut, mal so richtig schnell runterzufahren! Die vielen und langen Galerien sind ein wenig störend, die schnellen Licht-Schatten-Wechsel machen einen beinahe blind. Dazu der normale Straßenverkehr, und in der Galerie ist die Straße relativ schmal... Irgendwann, viel zu schnell eigentlich, bin ich unten an der Alpe Rauz. Mit 50/13 knalle ich mit Tempo 50 rein in die Steigung auf den Arlberg. So schnell bin ich diesen Alpenpaß noch nie angegangen!
 
Hier sind jetzt nur mehr 3 km Steigung bis zur Paßhöhe zu fahren, relativ gleichmäßig, 7 bis 9 % sind es. Aber es ist schon ein schöner Abstand zu den drei Fahrern vor mir, zwei sind beisammen, einer hängt etwas zurück. Ich warte mal einen Kilometer ab, ich suche und finde meinen Rhythmus, hole aber gar nichts auf. Ich blicke mich um, hinter mir ist niemand zu sehen. Langsam wird es ungemütlich, denn nach der Paßhöhe folgt die gut 40 km lange Abfahrt, und die kann ich nicht alleine fahren, noch dazu im starken Gegenwind. Da brauche ich unbedingt eine Gruppe. Halbzeit am Arlberg, ich mußmich schnell entscheiden, was ich mache. Die Entscheidung fällt mnir schwer, aber sie ist logisch: volles Tempo bis zur Paßhöhe, ich muß so schnell als möglich an die drei vor mir ranfahren, ehe der Abstand immer größer wird!
Also 34/17 rein und hohe Frequenz. Mann, tut das weh! Ich beiße die Zähne zusammen, fahre hier mit 18,5 bis 19 km/h, komme auch sichtlich näher.
 
Bei etwa 400 m habe ich den ersten, fahre sofort vorbei, und 100 m vor der Paßhöhe (hier gab es für die Ersten eine Bar-Prämie!) sind die restlichen beiden gestellt, ich fahre sofort vorbei und mit unverminderter Geschwindigkeit über die Kuppe, rein in die Abfahrt. Gleich hinter der Kuppe ist rechts eine Verpflegungsstelle aufgebaut, die ich aber ignoriere. Nur nicht unnötig Zeit verlieren! Runter nach St. Christophen, gleich hinter der Ortschaft beginnt die richtige Abfahrt runter nach St.Anton, in der Galerie, die ihr am Bild unten seht, beträgt das Gefälle gut 16 bis 17 %, ich bin sofort auf 80 bis 90 km/h. Auf der Kuppe ha e ich noch gesehen, daß die drei Typen alle zur Labestation gefahren sind. Auch gut, sollen sie halt nachkommen!
 
Abfahrt von St.Christophen nach St.Anton
 
Auffahrt zum Arlberg
 
090712tan0041.jpg image by CSCFan_2008
Abfahrt vom Arlberg
 
Nach St. Anton wird es flacher, ich beginne zu essen und zu trinken. In kurzen Abständen, immer wieder. Hier muß ich meine Vorräte leermachen, ab Landeck sind es noch 20 km bis Imst, dann nloch 14 km aufs Hahntennjoch, und dort werde ich bei der Labestation meine Vorräte auffüllen. Ich fresse Bananen, Äpfel, dazwischen spüle ich das alles mit Elektrolyt hinunter, schütte Magnesium hinterher. Im Flachen kommen die drei von hinten wieder heran, wir holen dann einzelne Fahrer nach und nach ein, meine Gruppe wird immer größer. Der Zeitplan paßt genau: für die Abfahrt brauche ich nur 55 Minuten!  Als es von Landeck nach Imst raufgeht, ist meine Gruppe schon 14 Mann stark. In der Gesamtwertung liege ich damit etwa an der 80. bis 90. Stelle, weit besser als erhofft. Nur jetzt nichts riskieren, es läuft alles prächtig!
Leider ist auch die Sonne jetzt zu voller Pracht "erhitzt", sie knallt ganz schönn brutal auf den Asphalt! Der starke Gegenwind ist auch sehr hinderlich, ich führe immer nur ganz kurz, halte mich im übrigen bedeckt und ganz hinten in der Gruppe auf. Mit diesem Wetter wird der Marathon natürliuch noch sehr viel schwerer - leider!
 
Die 20 km bis Imst laufen anfangs auch ganz nach Plan, wir fahren hohes Tempo, trotz der Hitze und des starken Gegenwindes 40 bis 44 km/h, und das noch dazu gleichmäßig, mehr kann ich mir wirklich nicht wünschen - wenn dieses Wetter nicht wäre! Kurz vor Imst ist die 3 km lange Karrerhöhe zu fahren, die Steigung geht dann nahtlos in die des Hahntennjochs über. Und auf eben dieser Karrerhöhe wird von ein paar Idioten die bis dahin so wunderschön funktionierende Gruppe auseinandergefahren!
Wieder muß ich aktiv werden, muß mich entscheiden, ich fahre nach vorne hin zu den drei Spitzenreitern dieser Gruppe, als wir gerade Imst erreicht haben. Die Labestation lasse ich links liegen, fahre sofort weiter zum Hahntennjoch. Dort oben erst werde ich absteigen. Aber die Distanz ist doch schon zu viel, schließlich habe ich bis hierhin schon 175 km in den Beinen. Das Hahntennjoch ist der mit Sicherheit schwerste und brutalste Anstieg des Tages.
Streckenprofil des Hahntennjochs von Imst aus, 14 km lang, 1060 Höhenmeter, 2000 m Seehöhe absolut, Steigung bis 18 %
 
Ausblicke während der Auffahrt
 
Wilde Berglandschaft der Lechtaler Alpen
 
Gleich nach der Verpflegungsstelle, noch in Imst, am Ortsende, ist die höchste Steigung zu bewältigen: 18 % auf gut 400 Metern Länge! Ich mühe mich mit 34/23 drüber, die Hitze knallt mir ganz brutal furchtbar auf die Birne, daß mir schwarz vor Augen wird. Ich schwitze, es ist kalter Schweiß, ich habe am ganzen Körper Gänsehaut. Die Haare stellen sich auf, der Mund ist trocken. Richtig, ich bin drauf und dran, ganz schön einzubrechen! Das Steilstück ist irgendwann geschafft, jetzt wird es ziemlich flach. Es ist der flachste Teil des Anstieges, geht bis Kilometer 4,5, bis zum Gasthof Linserhof. Ich fahre dennoch ganz langsam mit 34/21, mit gerade mal 8 bis 10 km/h, mehr geht gar nicht.
 
 Ich fahre ganz langsam, Kurbeltritt um Kurbeltritt
 
Die Steigung nimmt zu, 13 bis 15 % ist die Regel, ich werde immer langsamer, ich bin tot. Eigentlich schon mausetot. Die ersten Fahrer kommen vorbei, von hinten fliegen sie förmlich an mir vorbei. Aber auch darunter sind tote Gesichter, bleich, weiß wie die Wand, aber die bewegen sich noch, sitzen am Rad, treten, kurbeln an mir vorbei. Wie gibt es das? Leerer kann ein Mensch gar nicht sein, ich blicke nach oben, in den Himmel rauf. Ich sehe keine Chance mehr, da überhaupt raufzukommen. Noch 10 km. Kann man das überhaupt schaffen?
 
Hahntennjoch, oben am Maldonboden
 
Fahrer um Fahrer klettern vorbei, ich falle aus den ersten hundert, dann geht das Sterben munter weiter. Immer mehr kommen von hinten, und wie kraftvoll die vorbeiwuchten! Die fahren teilweise um 3 bis 4 Zähne härter als ich! Und sie sind mindestens viermal so schnell! Die Hitze wird immer ärger, und ich erinnere mich jetzt, daß ich unten in Imst eine Digitalanzeige am Straßenrand gesehen habe, dort hatte es vor einer guten halben Stunde schon 39 Grad! Diese eine Berg ist zuviel in dieser Strecke, warum haben sie nicht unten in Imst das Ziel machen können? Ich kann es drehen und wenden, wie ich will, aber eigentlich habe ich es ja schon vorher gewußt: es gibt keine Wunder im Radsport, und ich kann mit meiner Vorbereitung nicht glauben, daß ich da ganz vorne mitfahre!
 
Die Felspassage ist ein ganz berühmtes Fotomotiv. Am Asphalt habe ich hier 15 % zu überwinden.
 
Etwa 9 km vor der Paßhöhe kommt ein Motorradfahrer vom Veranstalter von hinten an mir vorbeigefahren, und anscheinend erbarmt er sich wegen meines mitleiderweckenden Anblickes, er bietet mir nämlich eine kleine Mineralwasserflasche an. Ich kann nur nicken, die trockene Zunge klebt wie ein dickes, hartes Stück Etwas am Gaumen, jeder Atemzug schmerzt. Er reicht mir die Flasche, ich ergreife sie, fahre sofort zum Straßenrand, bleibe im Schatten der letzten Bäume stehen, richte mich mühsam auf, verschnaufe, drehe den Verschluß auf und setze die Flasche an die Lippen. Da war doch was? Ja, richtig, "sparkling" lese ich auf der Etikette, das heißt, es ist KEIN  stilles Wasser! Und die Kohlensäure fängt im Magen zu rumoren an, man muß rülpsen und aufstoßen, und das ist bei einer Bergauffahrt dieser Schwierigkeit nicht zu empfehlen. Ich kann mich nicht beherrsachen, ich schütte das Zeug in mich rein, das tut vielleicht gut!  Von kalt oder kühl keine Spur, aber egal, es ist flüssig, und es belebt die Sinne! Nach einem tiefen, hallenden Rülps steige ich wieder auf. Nach 20 Metern stecke ich schon wieder - es ist zum Verzweifeln!
Wegen der großen Hitze hat der Veranstalter beim halben Anstieg, also etwa 7 km vor der Paßhöhe, in einer kleinen Ausweiche eine provisorische Labestation eingerichtet. Es gibt kaltes Wasser, Schwämme, mit denen man sich abwaschen kann, heißes Mineralwasser. Das erscheint mir wie die Rettung. Ich lehne das Rad an das hölzerne Straßengeländer, setze mich hin, bzw. falle hin, bleibe liegen, nach insgesamt 5 bis 8 Flaschen Mineralwasser kann ich wieder halbwegs klar denken. Dennoch bin ich unfähig, aufzustehen. Unzählige Fahrer kommen und fahren wieder weiter. Ich sitze da und schaue nur zu.
Da ich hier nicht ewig sitzenbleiben kann, stehe ich nach etwa einer halben Stunde auf und fahre wieder weiter. Noch 6,8 km. Erstaunlicherweise geht es jetzt besser, ich fahre konstant 12 bis 13 km/h! Ich nehme Zuflucht zu einem Trick: um mich abzulenken und gar nicht zuzulassen, wieder zu explodieren, zähle ich laut die Kurbelumdrehungen mit: "Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, usw!" Bis 230 rauf. Schließlich sind es ja 230 Kilometer heute. Das mache ich insgesamt viermal. Erstaunlich, wie das funktioniert. Ich hole Plätze auf. Dann bin ich oben. Nicht auf der Paßhöhe, sondern auf einer etwa 200 Meter langen flachen Passage, die Steigung liegt hier bei 1 bis 2 %.
 
Mit der allerletzten Kraft - eigentlich schon mausetot - am Hahntennjoch
 
Das Schlimmste liegt jetzt schon hinter mir. Das Ende ist abzusehen. Das setzt noch einmal Kräfte frei, Endorphine werden ausgeschüttet, und die treiben mich nach oben. Nur nicht nachlassen, keinen einzigen Tritt auslassen! Ich stehe auf, probiere eine leicht höhere Trittfrequenz. Es tut sofort wahnsinnig weh, aber egal, es sieht gut aus, und es hebt die Moral. Wie oft bin ich das Hahntennjoch hier herauf schon gefahren? Sicher gut zehnmal. Und jedesmal hatte ich eine Fahrtzeit zwischen 49 und 52 Minuten. Jetzt war ich schon gut eineinhalb Stunden unterwegs!
Die Straße steigt wieder an, es geht rauf zum Maldonboden. Als ich den erreicht habe, ist es wie ein Sieg. Es geht bergab! Ich quere Schmelzwasserrinnsale, hohes Tempo, 41 km/h, das ist für mich wie Lichtgeschwindigkeit, läßt auch die große Hitze vergessen! Leider hat alles Glück ein Ende, auch der Maldonboden geht über in den letzten, den flachen Zielanstieg, etwa 10 bis 11 Prozent wird es hier schon haben. Ein paar ganz weite Kurven, dazwischen immer unangenehm lange Gerade, dann bin ich oben, diesmal wirklich oben - das Hahntennjoch ist bezwungen!
Ich fahre im Zickzack, wie ein Angesoffener, zur Labestation auf der rechten Straßenseite hin, greife mir wie ein Verdurstender hintereinander ein paar Becher Elektrolytgetränk und kippe das Zeug runter. Gut,ich kann wieder atmen. Ich leere die halbleere Isostar-Flasche in meine Trinkflasche rein, fülle die andere mit Elektrolyt auf. Ich würge ein paar Bananen runter, spüle mit Flüssigkeit nach. Ein klein wenig nur verschnaufen!  Ich fühle mich gleich um Lichtjahre besser, hier stehen viele Fahrer am Gipfel. Da kann ich viele Plätze gutmachen, wenn ich gleich weiterfahre! 15 km den Berg runter, dann noch 32 km bis ins Ziel. Es wird jetzt überschaubar.
Zu guter Letzt entdecke ich noch eine Schachtel mit Gel´s, gierig greife ich rein und erwische gleich vier oder fünf Stück, die ich mir gierig in die rechte hintere Trikottasche stopfe. Viel zu spät merke ich, daß der Veranstalter - sicher gutgemeint - die Packungen alle aufgeschnitten hatte! Alle zehn meiner Finger sind voll von dem klebrigen Zeug, die Trikottasche auch, die ist unbrauchbar geworden! Das gibt´s doch nicht! Mit Mineralwasser spüle ich meine Finger halbwegs sauber, aber das Mißgeschick ärgert mich. Etwas überstürzt gehe ich die Abfahrt an. Wieder viel zu spät merke ich, daß ich vorher mit den angepatzten Fingern den Lenker und beide Bremsgriffe angegriffen hatte, und sofort sind meine Finger wieder verklebt. Das pickige Zeug ist überall, am Lenker, an den Griffen, an den Bremsen, den Schalthebeln, die Finger kleben zusammen, ein höchst unangenehmes Gefühl! Egal, jetzt geht es mal den Berg runter. Und wie!
 
Die Reflexe sind gut, ich jage erstaunlich frisch den Paß zu Tale. Viele enge Kurven, der Asphalt ist schön griffig, die Fahrbahn zwar schmal, aber viele Autos sind unterwegs. Rauf wie runter. Ich muß verdammt aufpassen. Es macht Spaß, an den Autos vorbeizufliegen. Ein paar Fahrer hole ich ein, viel zu schnell bin ich unten. Jetzt bin ich in einer 4-Mann-Gruppe. Es geht wieder Richtung Nordosten, direkt in den starken Wind hinein. Noch 32 km. Ich wundere mich, wie leicht ich das Tempo mitgehen kann, ich fahre anstandslos 42 bis 44 km/h, fahre sogar ein paar Führungen, ein paar schnelle Tritte? Kein Problem!
 
Dann ist der letzte Akt de Tragödie erreicht. Weißenbach. Hier beginnt der Ansteig auf den Gaichtpaß. Der ist 4 km lang, der Anstieg aber 8 km. Soll heißen, daß es nach dem Gaichtpaß noch weitere 4 km den Berg hoch geht.
 

 

Der Anstieg auf den Gaichtpaß ist ungewöhnlich flach und gleichmäßig.

Die Gruppe zerfällt sofort, ich fahre vorne als Erster weg. Gar nicht beabsichtigt, aber sofort habe ich ein paar Meter Vorsprung. Als ich mich umdrehe, sind die Verfolger schon weit hinten. Vorsichtig beschleunige ich, die sollen sich mal gehörig ins Zeug legen, wenn sie mich noch einholen wollen. Ich fahre voll, mache mich klein, schneide die Kurven, drücke aufs Tempo, so gut ich kann. Bis km 2 des Anstiegs fahre ich ganz gut, dann ist der Elan aufgebraucht. Eine Weile noch kann ich die Typen auf Distanz halten, dann kommen sie näher. Km 3. Ich ziehe die Kuppe förmlich mit den Augen herbei, aber es hilft nichts, unmittelbar davor fährt einer an mir vorbei, gleich darauf ein zweiter. Ich kann ihnen nicht folgen. Der Gaichtpaß ist geschafft. Aber jetzt geht es nicht runter, sondern weiter rauf! Bis Nesselwängle dauert die Steigung an, gute weitere 4 km. Ein paar kommen noch von hinten, ich kann sie alle nicht halten. Ich bin alleine. Und ich fühle mich scon wieder so wie am Hahntennjoch!

Die Gemstobelbrücke am Gaichtpaß

Alleine fahre ich die letzten Kilometer des Marathons bis ins Ziel, vorbei am Haldesee. Es ist heiß, aber ich spüre es nicht mehr. Das Ziel ist nahe, die letzten Kilometer, die letzten Höhenmeter. Dann isat Tannheim erreicht, ich biege links in die Zielgerade rein, unterm Zieltransparant durch.

Der Haldesee, dahinter Tannheim

Hier beim Zieleinlauf in Tannheim nach guten 8 Stunden an diesem glühendheißen Tag.

Dieter Hye (ARBÖ Wörgl) gewinnt meine Altersklasse, hier ist er am Hahntennjoch

Helmut Wechselberger, der heuer einige Marathons bestreitet, wird Dritter in meiner Altersklasse, hier im grün-weißen Bikepalast-Trikot, ebenfalls am Hahntennjoch

Der Bundesdeutsche Lothar Schmeiser vom Heizomat-Team gewinnt den Marathon in Tannheim

Der Wiener Ewald Robeischl (KTM-Mountainbiker.at) wsird Gesamtzweiter, gewinnt die Klasse 1, ist damit bester Österreicher und neuer Österreichischer Marathon-Staatsmeister

Resümee: ganz so schlimm wie befürchtet war´s nicht, im Gegenteil, ich glaube, ich hab mich ganz gut verkauft. Im Ziel hat dann mein Computer eine reine Fahrtzeit von 7:19 Stunden angezeigt, die Pausen werden da ja nicht mitgerechnet. Offiziell war ich mit einer Fahrtzeit von 8:02 Stunden gewertet worden. Ohne Pausen wäre ich an der 94. oder 95.Stelle gelandet. Man kann also durchaus realistisch sagen, daß mich das Hahntennjoch knappe 120 Plätze oder 43 Minuten gekostet hat! In meiner Klasse Master II wäre ich statt an der 30. schon an der 8. Stelle gelandet!

Das ganze Drumherum des Marathons: insgesamt eine rundum gelungene Veranstaltung, das fängt schon mit dem Starterpaket an, das wertvolle Kleinigkeit enthalten hat, geht weiter zur Organisation, die beim ersten zweiten Mal schon eine Routine erkennen lassen hat und keine Pannen zugelassen hat. Und die Landschaft, darüber brauchen wir sowieso nicht sprechen. Einmalig! Einzige Kritik: die Altersklassen! Bei der bisherigen Marathon-Staatsmeisterschaft beim Wachau-Marathon in Mautern gab es Meistertrikots für die jeweiligen Altersklassen, hier gibt es nur eine einzige Meisterschaftswertung, nämnlich die absolute, die Altersklassen sind nur virtuelle Wertungen! Meine Silbermedaille habe ich nur auf dem Papier, nicht aber in der Wirklichkeit!

Ergebnisse, Tageswertung absolut: 1. Jonas Schmeiser (BRD,  KT-Team Heizomat) 6:18:07 (Schnitt 36,5 km/h), - 2. Ewald Robeischl (KTM-Mountainbiker.at) -6:58, - 3. Peter Brommler (BRD, Dauchingen) -8:53, - 4. Andreas Schmid (BRD, RC ´72 Peiting) -8:55, - 5. Markus Knabl (RC Raiffeisen Radteam Zillertal), gleiche Zeit, - 6. Stephan Broschek (ARBÖ Sparkasse Neunkirchen) -11:25, - 7. Stephan Schwarz (BRD, VCS Köln) -11:53, - 8. Achim Heinze (BRD, RC Schmolke Carbon-Titan) -11:54, - 9. Thomas Blattner (BRD, SG Eurocopter) -11:55, - 10. Christian Strebl (RC Reutte) -12:30, weiters: 212. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) -1:44:49

Ergebnisse Altersklasse Master II (50+): 1. Dieter Hye (RC ARBÖ Devine Tom Tailor Wörgl) 6:46:24, - 2. Josef Omminger (RC Radteam Stubai Schlickeralm) -2:52, - 3. Helmut Wechselberger (Cycleclub Tirol) -8:52, - 4. Gunther Zimbelmann (BRD, RSV Concordia Forchheim) -11:13, - 5. Bernhard Krause (BRD, DJK Leitershofen) -13:45, - 6. Hermann Jeremies (BRD, Overath) -19:25, - 7. Hans Petermüller (BRD, Kochel/See) -32:02, - 8. Frank-Michael Schmidt (BRD, RSC Niddatal) -34:22, - 9. Felix Widmer (BRD, RV Ehrendingen) -38:52, - 10. Franz Wegscheider (Cycleclub Tirol) -39:32, - weiters: 30. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) -1:16:32

Ergebnisse Österreichische Marathon-Staatsmeisterschaft: 1. Ewald Robeischl (KTM-Mountainbiker.at) 6:25:05, - 2. Stephan Broschek (ARBÖ Sparkasse Neunkirchen) -4:27, - 3. Christian Strebl (RC Reutte) -5:32, - 4. Marian Staller (Team Sudden Death) -8:26, - 5. Gerhard Omminger (RC Resch) -9:14, - 6. Andreas Kleber (DJ Bikeshop) -11:28, - 7. Manfred Engensteiner (Mountainbiker Wattens) -11:35, - 8. Florian Presslauer (s´Radhaus) -11:44, - 9. Tobias Heis (RC ÖAMTC Tirol) -15:42, - 10. Andreas Pircher (Bankhaus Jungholz)  -16:05, - weiters: 28. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) -1:37:51

Ergebnisse Österreichische Marathon-Staatsmeisterschaft, Kategorie Master 2 (50+): 1. Josef Omminger (RC Radteam Stubai Schlickeralm) 6:49:16, - 2. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) -1:13:40, - 3. Peter Winkler (RC Reutte) -1:15:38

 

 

Samstag, 17. Juli 2010: Kriterium in Loretto, 21 km

Rennstrecke: Loretto, Am Anger, 1 Runde = 750 Meter, pro Runde 5 Höhenmeter, 28 Runden = 21 km, Start 13.47 Uhr, 140 Höhenmeter

Wetter: sonnig, heiß, starker W-Wind, 36° C

Rennverlauf: Durch die tropische Hiutze waren wir alle kaum optimal aufgewärmt, das wollte imache!ch ausnutzen und versuchen, gleich bei der ersten Wertung zu punkten... was ich normalerweise ja nie tue. Am Anger hier ist ja ein an sich toller Kriteriumskurs, wenn man bloß etwas größere Starterfelder hätte! Nachdem dieses Kriterium anfangs überhaupt schon abgesagt und dann lange fraglich gewesen ist, war man froh, es letztlich überhaupt über die Bühne bringen zu können. Und es war das drittletzte Rennen zum diesjährigen Ginner-Cup.

Ich habe diesen Kurs hier immer gemocht, daher ist auch schon bei der Startaufstellung eine gewisse Motivation erkennbar. Endorphine mit eingeschlossen. Alle 4 Runden gibt es eine Punktewertung. Viele Fahrer glauben ja, daß man bei großer Hitze nicht so aufwendig aufzuwärmen brauche. Das Gegenteil ist der Fall. Je mehr sich der Körper auf die bestehenden Verhältnisse umstellen muß, desto wichtiger ist das Aufwärmen, und da gehört natürlich die "Gewöhnung" an Belastung in großer Hitze dazu. Ganz, ganz wichtig: ein guter Kriteriums-Fahjrer ist immer auch ein sehr guter Kopfrechner! Da das Kriterium ja in den Punktewertungen entschieden wird, ist es unerläßlich, seine eigenen und die Punkte der Konkurrenz immer im Kopf zu haben. Zurufe von außen haben einen großen Nachteil: die werden auch von der Konkurrenz gehört! Wenn es zu Überraschungen im Ergebnis kommt, hört man dann immer wieder: "Den hatte ich gar nicht auf meiner Rechnung!" Junge, hättest nur mitzurechnen gebraucht!

Startaufstellung der kümmerlichen Master-2-und-3-Fahrer, von links: Sattler, Köbe, Tomitz, Santos, Ebermann, Iby, Bartonekj, Gruber, Krivetz, Schäbinger und Nutz.

Gleich in den ersten Runden spüre ich, daß ich mich an die Hitze nicht gewöhnt habe, nach ein paar schnellen Metern schnellt der Puls immer ungemein in die Höhe. Ich muß gleich zu Beginn ein kleines Loch zufahren, und das warnt mich: ich gehe nur knapp am Hyperventilieren vorbei!

Vor der ersten Wertung, rechts Santos vor Iby und Schäbinger, Mitte Ebermann vor Gruber und Hansl, links ich vor Nutz und Krivetz

Hohes, aber gleichmäßiges Tempo bis zur ersten Wertung: ich habe eine ganhz gute Position, obwohl ich gar nicht vorhabe, gleich bei der ersten Wertung mitzufahren, doch dann ist die chance da, und ich ergreife sie, werde aber auf den allerletzten Metern noch an die fünfte Stelle gereicht, da gibt´s keine Punkte mehr! Scheiße! So knapp vorbei, ich brauche eine ganze Runde, um mich halbwegs zu verschnaufen. Die erste Wwertung geht an Iby vor Schäbinger, Sattler (als direkter Konkurrent im Ginner-Cup tut das ganz, ganz weh!) und Ebermann, um Zentimeter dahinter bin ich Fünfter - aber das ist nur für die Statistik!

Erste Wertung: Iby vor Schäbinger, Sattler, Ebermann und mir aus der Zielkurve
 

Beim nächsten Mal muß ich die Wertung besser planen, jetzt muß ich schon zwei Punkte gegen Sattler aufholen.Ich habe die Geduld, diesmal viel länger abzuwarten, fahre als Zweiter in die Steigung rein, Iby ist hinten, ich beschleunige bereits voll in die Zielkurve, schalte in der Kurve, stehe auf und sprinte über die Kuppe. Für einen Nichtsprinter wie mich kein leichtes Unterfangen. Schäbinger gewinnt die Wertung ganz klar vor Nutz, dahinter habe ich ein kleines Loch, doch auf den allerletzten Metern kommt noch Krivetz in seinem unorthodoxen Stil an mir vorbei. WIEDER SCHEISSE! Aber wenigstens Vierter, wenigstens einen Punkt gerettet! Zwischenstand nach zwei Wertungen: Schäbinger 8, Iby 5, Nutz 3, Krivetz und Sattler je 2, Ebermann und ich je 1 Punkt. In meiner Kategorie II heißt das: Iby vor Krivetz und Sattler, ich Vierter. Aber noch ist nicht aller Tage Abend.

Positionskampf in der Steigung in der Wertungsrunde: Krivetz führt vor Nutz, Schäbinger, mir, Sattler, außen Iby, dann Ebermann und Gruber
 

Anfahrt zur dritten Wertung: ich bin gut einsortiert, aber im Anstieg wird noch einmal verzögert, dadurch kommt die zweite Reihe innen noch vorbei, ich müßte jetzt ein toller Sprinter sein, der ich aber nicht bin, ich nehme sofort die Beine hoch und rolle mit Rückstand über die Linie: Iby vor Nutz, Ebermann und Schäbinger, Sattler sprintet vor mir, bleibt aber zu kurz und kriegt auch keine Punkte! Eine Runde lang rechne ich dann im Kopf den Zwischenstand zusammen: Iby 10, Schäbinger 9, Nutz 6, Ebermann 3, Krivetz und Sattler 2, ich 1 Punkt. Ich bleibe damit an der vierten Stelle in der Klasse 2.

Wilde Jagd bergab: Krivetz vor Iby, Nutz, Ebermann, Gruber, mir, Sattler, ganz hinten Hansl

Vierte Wertung, in der Abfahrt führe ich, keiner kommt vorbei, mit hohem Tempo rein in die Steigung, innen zieht Iby vorbei, mit mächtigem Antritt, in seinem Schlepptau Ebermann und Schäbinger, ich gehe im Schwung der Zielkurve sofort an deren Hinterrad und verteidigte diese Position bis zum Zielstrich - geschafft! Vierter, das bedeutet wieder einen Punkt! Hochgefühl, Sattler ist nicht an mr vorbeigekommen, er ist gut zwei Meter hinter mir geblieben. Aber daß er auch auf die Punkte gespitzt hat, hzeigt doch, daß er seine Chance nach wie vor nutzen will. Das Kopfrechnen wird jetzt immer schwieriger: Iby 15, Schäbinger 11, Ebermann und Nutz je 6, dahinter ich vor Krivetz und Sattler, alle mit je 2 Punkten. Mit einem Schlag bin ich an die 2. Stelle gerückt, aber punktegleich mit dem Dritten und Vierten. Wird ein knappes Rennen werden, da darf man sich jetzt keinen Fehler mehr leisten.

Zielkurve: ich vor Ebermann

Die fünfte Wertung lasse ich aus, bin zu weit hinten. Keine Luft mehr, nichts in den Beinen. Ich raste mich aus. Muß aber dennoch die Wertung genau mitverfolgen, wer wieviele Punkte holt. Die Punkte gehen wieder an Iby vor Ebermann, Schäbinger und abermals Krivetz, das tut mir auch wieder weh. Gesamtstand damit nach 5 Wertungen Iby 20, Schäbinger 13, Ebermann 9, Nutz 6, Krivetz 3, Sattler und ich je 2 Punkte, in meiner Kategorie damit Iby vor Krivetz, Sattler und mir. Naja.

Zielkurve: Santos vor mir

Sechste und vorletzte Wertung: ich muß unbedingt nochmal punkten, diesmal versuche ich es am Hinterrad von Iby. Der fährt die Wertungsrunde schon voll, zieht das Feld in die Länge, ich habe mich an der zweiten Stelle direkt an seinem Hinterrad positioniert, fahre die Steigung, schalte, komme oben aus der Zielkurve, immer noch Zweiter, hinter mir ein Loch, ich sprinte, gegen Iby komme ich nicht an, aber ich kann meinen Platz halten, bin Zweiter! Vorletzte Wertung: Iby vor mir, Ebermann und Krivetz, Sattler abgehängt, das war ganz, ganz wichtig! Jetzt Punkte zusammenzählen: Iby 25, Schäbinger 13, Ebermann 11, Nutz 6, ich 5, Krivetz 4, Sattler 2. Mit einem Schlag schaut die Welt wieder schöner aus, denn das heißt für die Klasse 2: Iby vor mir und Krivetz sowie Sattler. Ich bin Zweiter, muß jetzt nur Krivetz im Zaum halten.

Zieldurchfahrt: Gruber vor mir, Hansl, Nutz, Santos und Tomitz
 
Ruhe vor dem Sturm (von links): Köbe, Gruber, Hansl, Santos, Bartonek, Ebermann, Schäbinger, Sattler und Iby
 
Meine wichtigste Wertungsrunde: vorne Iby, dahinter ich, Ebermann (rechts) und Krivetz (ganz links), das sind 3 Punkte für mich, die letztlich den 3. Rang bedeuten!
 

Im Übereifer passiert mir dann der einzige Fehler in diesem Rennen, aber das ist ein ganz schwerer: ich verzähle mich mit den Runden, jede vierte Runde ist Wertung, ich wähne mich schon in der Schlußrunde, greife in der Abfahrt an, ziehe von vorne, als Erster rein in die Steigung, aus Erster raus aus der Zielkurve, als Erster über die Ziellinie, da ertönt erst die Glocke für die Schlußrunde! Wie kann ich nur so BLÖDE sein!!! Ich bin fassungslos über meine eigene Blödheit, und um diesen Fehler so gut wie möglich auszubessern, begehe ich gleich den zweiten Fehler: ich verlängere und fahre auch die richtige Wertungsrunde von vorne, mit dem Ergebnis, daß ich in der Steigung mausetot bin. Ich lasse die Beine hängen, ich explodiere förmnlich, rolle nur mehr über die Ziellinie, als Letzter des Feldes. Und bekomme gerade noch mit, wie vorne Iby auch noch die Schlußwertung gewinnt, wie dahinter Ebermann, Krivetz und Schäbinger auf einer Linie kommen, ich kann die Reihenfolge nicht erkennen, zu knapp sind sie beisammen, aber meine Befürchtung wird Gewißheit: Krivetz holt 2 Punkte und geht damit an mir vor bei an die zweite Stelle, wenigstens macht Sattler keine Punkte.

Iby gedwinnt die Schlußwertung vor Ebermann, ganz links außen Krivetz, der 2 Punkte holt und dadurch noch Zweiter wird

Ein kleiner Trost: mein Rennen war das schnellste, die Master-1-Fahrer hatten "nur" 37 km/h Schnitt, die Master-4-bis-6-Fahrer 37,2 km/h.

Ein Blick auf die mehr als dürftigen Preise, okay, 3 Preise pro Kategorie sind ja auch regelkonform!
 
Siegerehrung der Klasse 2 (von links): Krivetz (2.), Iby (1.) und Bartonek (3.)

Endergebnis also: Iby 30 Punkte, Ebermann und Schäbinger je 14, Krivetz und Nutz je 6, ich 5 und Sattler 2 Punkte. Alle anderen beenden das Rennen mit Null Punkten.

Ergebnisse Kategorie Master 2: 1. Günther Iby (RC ARBÖ Ginner Amstetten) 30 Punkte, 31:55 (Siegerschnitt 39,5 km/h), - 2. Hannes Krivetz (RC Raiffeisen Kosmopiloten Zwettl) 6, - 3. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) 5, - 4. Christian Sattler (RC ASVÖ Die Erste Sparkasse Tulln) 2, - 5. Manfred Gruber (ARBÖ St. Pölten), - 6. Rudolf Hansl (ARBÖ imcom.24 Vredestein Wien), beide 0 Punkte 

 

Sonntag, 18. Juli 2010: Kriterium in Wiener Neustadt um die Preise der Österreichischen Lotterien-GesmbH, 20,9 km

Rennstrecke: Gangelbergergasse im Musikantenviertel - Mozartgasse - Radelgasse - Hauergbasse - Gangelbergergasse, 24 Runden á 870 Meter = 20,88 km

Wetter: stürmischer N- bis NW-Wind, kühler als zuletzt, stark bewölkt, 18°

Rennverlauf: Diesmal sind in der Klasse 2 gar nur 2 Fahrer am Start!!! Außer mir nur der Sattler Christian, dazu 6 Master-3-Fahrer!  Insgesamt also nur 8 Mann, und das an einem Sonntag, an dem kein anderes Rennen in Österreich stattfindet! Wo sind all die Wiener und Niederösterreicher geblieben, die gestern in Loretto gestartet sind? Egal, ich kann mich um die alle nicht kümmern, geht mich auch nichts an.

Von der ersten Runde weg spüre ich, daß ich diesmal gar nichts erwarten kann, ich fühle mich schlecht, meine Beine sind auch nicht sonderlich gut, einfach kein guter Tag. Die Motivation ist auch etwas gegen Null gesunken, gleich in der ersten Wertungsrunde ziehe ich gegen Sattler klar den kürzeren. Mit dem Kurs kann ich mich auch lange nicht anfreunden, in der zweiten Kurve liegt viel Laub, der Straßenbelag ist größtenteils schlecht und holprig. Die Zielgerade ist relativ lang, für mich als Nichtsprinter ist das äußerst negativ. Da fahren ja alle wieder an mir vorbei. Ich bräuchte eine enge Zielanfahrt und den Zielstrich unmittelbar hinter der Zielkurve. Aber ich weiß, Radrennen sind kein Wunschkonzert.

Schäbinger und Ebermann aus der Klasse 3 sind die großen Favoriten, die machen das Rennen in den Wertungsrunden unter sich aus, wir restlichen können nur versuchen, da mitzunaschen. Diese Konstellation ist für mich aus einem weiteren Grund fatal: denn es einfach niemand da, der das Tempo hochhält, der das Feld mal so richtig auseinanderreißt. Kaum ist ein Loch entstanden, wird sofort wieder gewartet. Da wird jede Wertung tatsächlich im Sprint entschieden, keine Chance für mich, zu Punkten zu kommen.

Erste Wertung: Santos fährt in der 3. Runde mit mächtigem Antritt weg, alle schauen sich an, das Loch wird immer größer, und ungefährdet gewinnt er vor Schäbinger, Nutz, Sattler und mir. Nur: Sattler kriegt noch 1 Punkt, ich nichts.

In der zweiten Wertungsrunde versuche ich mit aller Gewalt und in allerhöchster Not mit dem Mute der Verzweiflung mein Glück, ich reihe mich hinter Schäbinger ein, komme gut durch die beiden letzten Kurven, die das Feld etwas in die Länge ziehen, komme sehr schnell aus der Zielkurve und sprinte dann um mein Leben. Ebermann gewinnt vor Schäbinger, Sattler und mir. Gesamtstand nach zwei Wertungen damit also Schäbinger mit 6 Punkten vor Ebermann und Santos mit je 5, Sattler 3, Nutz 2 und ich mit einem Punkt. Noch ist nichts verloren. Rein theoretisch.

Praktisch ist alles verloren. In der dritten Wertung habe ich überhaupt keine Chance, viel zu schnell ist der Sprint, aber hinter mir klafft ein groß0es Loch. Ebermann, Schäbinger, Nutz, Sattler und ich - so lautet die Reihenfolge, und wir fünf fahren aber leider nicht weiter, sondern rollen aus, lassen die anderen wieder herankommen. Nach 3 Wertungen lautet also der Zwischenstand Ebermann 10, Schäbinger 9, Santos 5, Nutz und Sattler je 4 und ich 1 Punkt.

Die vierte Wertung muß die Entscheidung bringen, kann ich wieder nicht punkten, muß ich mich wohl mit dem zweiten Rang zufriedengeben. Es wird eine Gewaltrunde, ich fahre am Hinterrad von Schäbinger bis durch die Zielkurve, er zieht mich förmlich mit, aber im reinen Sprint Mann gegen Mann bin ich hoffnungslos unterlegen. Aus der idealen Ausgangsposition wird gerade mal, mit dem letzten Dreck, ein dritter Rang. Schäbinger vor Ebermann, mir und Sattler. Aktuellker Zwischenstand also Schäbinger 14, Ebermann 13, Sattler und Santos je 5, Nutz 4 und ich 3 Punkte. Schade, zwei Punkte fehlen mir noch, aber auf dem Kurs sind die einfach nicht drin.

Fünfte und vorletzte Wertung, und wieder versucht es Santos mit demselben Schmäh wie in der ersten Wertung, aber jetzt sind alle auf der Hut, holen ihn wieder zurück, reichen ihn durch, die Kurven kann er halt nicht sauber fahren. Ebermann gewinnt vor Sattler, Schäbinger und Nutz, und das ist dann wohl die Entscheidung. Vor der Schlußrunde führt jetzt Ebermann mit 18 Punkten vor Schäbinger 17, Sattler 8, Santos und Nutz je 5, ich 3 Punkte.

Die Schlußrunde bringt die Entscheidung, so oder so. Ich kann zwar wieder punkten, aber leider wieder nur HINTER Sattler und das ist halt zu wenig. Schäbinger gewinnt vor Ebermann die letzte Wertung und damit noch das Rennen, dahinter kommen Sattler und ich. Also wieder ein Punkt für mich, aber 2 für Sattler. Damit also je 21 Punkte für Schäbinger und Ebermann, je 5 für Santos und Nutz, Tomitz und Köbe bleiben 0 Punkten. 

Ergebnisse Kategorie Master 2: 1. Christian Sattler (RC ARBÖ ASVÖ Die Erste Sparkasse Tulln) 10 Punkte, 34:02 Minuten (Siegerschnitt 36,84 km/h), - 2. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl), 4 Punkte

Zwischenstand im Ginner-Cup vor der letzten Wertung: 1. Jens Mateyka (RC Wiener Allianz Schnecke Wien) 226 Punkte, - 2. Günther Iby (RC ARBÖ Ginner Amstetten) 163, - 3. Manfred Gruber (RC ARBÖ Erd St. Pölten) 157, - 4. Karl Ganser (RC Grafenbach NÖ-Süd) 142, - 5. Christian Sattler (RC ASVÖ Die Erste Sparkasse Tulln) 131, - 6. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) 127, - 7. Ulrich Gössler (RC Drahteisel Volksbank Köflach) 118 Punkte

 


Kostenlose Homepage von Beepworld
 
Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist ausschließlich der
Autor dieser Homepage, kontaktierbar über dieses Formular!