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RENNBERICHTE 2009

 

Sonntag, 8. März 2009: Straßenrennen um den Großen Preis von Murska Sobota, 65 km

Strecke: Nemcavci bei Murska Sobota - Martjanc - Moravci - Tesanovci - Bogojina - Filovci - Dobrovnik - Kamovci - Genterovci - Mostje - Dolga-vas - Lendava - Lakos - Gaberje - Kapca - Hotiza - Bistrica - Melinci - Izakovci - Doklezovje - Bakovci - Murska Sobota, 65 km, 45 Höhenmeter, Start 11.45 Uhr

Wetter: heiter, sehr starker N- bis NO-Wind, 12°

Rennverlauf: Mit Spannung habe ich dieses erste Rennen der Saison 2009 erwartet, jetzt ist es endlich soweit. Hoffentlich paßt die Form, hoffentlich habe ich genug trainiert, hoffentlich werde ich nicht abgehängt. Die üblichen Befürchtungen und Gedanken, so wie jedes Jahr vor dem ersten Rennen. Für die Slowenen ist es bereits das zweite Rennwochenende, die Creme de la creme aber ist beim anderen Rennen am Start (Gottseidank), in Lubljana. Immerhin finden sich hier - mit mir - insgesamt 87 Fahrer in der Masterklasse ein (40 Jahre und älter). Dummerweise gibt es da nur diese einzige Altersklasse, ich muß daher gegen 10 Jahre jüngere Konkurrenz antreten. Der starke Sturm ist der Scharfrichter des Rennens. Ich weiß, daß ich mich da ganz vorne aufhalten muß, denn sofort zieht sich das Feld in die Länge und die ersten Löcher reißen unmittelbar nach dem Start. Grund ist auch das relativ hohe Tempo, trotz den starken Seitenwindes fahren wir über 40 km/h!

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Ständig wird die Spitzengruppe kleiner, es wird aber wenigstens gleichmäßig gefahren. Für mich ganz, ganz wichtig, denn ich brauche in dieser Phase jeden Kilometer, um mich an das Tempo zu gewöhnen. Durch das Wintertraining, das ich beinahe völlig alleine absolviert habe, ist auch ein Großteil des Tempogefühls verlorengegangen, das muß ich mir mühsam wieder aneignen, und das dauert eben - nach jahrelanger Erfahrung - ein bis zwei Rennen. So versuche ich jetzt, mich so unauffällig wie möglich so weit vorne wie möglich zu halten, ohne dabei zuviel Substanz zu verbrauchen - ich weiß, das sagt sich leichter, denn immer wieder muß ich kleine Löcher zufahren, werde in den Wind rausgedrängt, muß mich wieder reindrängen. Normalerweise kein Problem, aber beim ersten Rennen der Saison ist das alles ein wenig Neuland. So erreiche ich - mit viel Glück - ohne Zeitverlust den Wendepunkt Lendava, die ersten 30 km sind damit geschafft.

An der Spitze sind es die zahlenmäßig stark vertretenen Vereine, die für das Tempo sorgen - allen voran NK Maribor, Adria Mobile, Ptuj, Kranj und Novo Mesto. Die blau-weißen Trikots der Adria-Mobile-Fahrer leuchten immer ganz vorne, das ist auch die stärkste slowenische Mannschaft, die fährt immer um den Sieg mit. Obwohl ich dieses Rennen - auf identischer Strecke - schon im Vorjahr gefahren bin, habe ich mir daheim auf der Straßenkarte den Streckenverlauf gestern abend noch ganz genau eingeprägt, beim Aufwärmen bin ich heute die letzten 10 km abgefahren. Vor allem bei diesem starken Wind ist eine genaue Streckenkenntnis im Finale unerläßlich.

In Lendava sind wir noch immer etwa 50 Mann, aber schon der Schnitt von knapp 48 km/h zeugt von der Windunterstützung - die knapp 40 Mann, die schon abgerissen sind, belegen, daß der Wind meist nicht direkt von hinten, sondern von der Seite gekommen ist, was beim Staffelfahren eine gewisse Technik erfordert. Die Straße ist eben nicht so breit, daß da alle schräg hintereinander fahren können, die Gruppe ist also immer in Bewegung, man wird nach hinten gereicht, muß dann wieder nach vorne fahren. Normalerweise durch die Führungsarbeit sowieso geregelt, aber diejenigen, die sich davor drücken - wie ich - sammeln sich dann halt hinten. Trotzdem muße ich einige Male schon ganz schön hinhalten, wenn ich Löcher zufahren mußte. Jetzt, in der zweiten Hälfte, kommt der Wind von vorne und schräg von vorne.

In dieser ersten Streckenhälfte hatte ich ein Pulsmaximum von 164 (als ich ein knapp 20 Meter großes Loch zugefahren habe), der Durchschnittspuls liegt jetzt bei 142. Und ich bin auch so weit akklimatisiert, daß ich mich jetzt nach vorne orientieren kann. Die Form ist gut, diese erste Phase der Ungewißheit und daher Unsicherheit ist abgelegt und vorbei. Ich weiß, ich kann mithalten. Taktisch ist es natürlich ein völlig anderes Fahren als etwa daheim in Österreich, wo mich alle kennen. Hier kennt mich niemand, und so schnell will ich auch nicht auffallen. Also unscheinbar bleiben und mich ruhig verhalten. Meine Chancen in diesem Rennen? Die sind relativ gering. Aufgrund des schönen Wetters, der anspruchslosen Strecke und der Erfahrung aus dem Vorjahr muß ich mit einem Massensprint rechnen, zumindest mit dem Sprint einer größeren Gruppe. Und meine Sprintfähigkeiten sind halt so dürftig, daß es da allemal 10 Mann gibt, die schneller sprinten als ich, bei einem Massensprint dürften die ersten 20 Positionen für mich tabu sein. Die größten Chancen habe ich daher, wenn das Rennen selektiv wird. Und das kann nur durch den Wind geschehen. Ich fahre jetzt permanent unter den ersten zehn Positionen, und jetzt wiurd auch schon sehr viel mehr attackiert. Noch halte ich mich da raus, denn das sind alles Einzelaktionen, die haben keinen Sinn und auch keinen Erfolg. Im Gegenteil, die kosten nur Kraft.

Als wir dann von der Hauptstraße links abbiegen, nutze ich die Gelegenheit, um die Gruppe mal durchzuzählen. Die Idee war gut, der Zeitpunkt aber sehr schlecht. Ich zähle (mit mir) noch 24 Mann, übersehe aber vor lauter Zählen den Angriff einer größeren Gruppe. Ich fahre ein paar kleinere Löcher zu, reihe mich wieder weit vorne ein und muß dann zu meinem Entsetzen feststellen, daß sich eine Gruppe abgesetzt hat. Der Vorsprung ist noch nicht sehr groß, ich zähle 12 Mann, dabei erkenne ich ein paar Fahrer vom NK Maribor und dem KK Adria Mobile. Da darf ich nicht länger zögern, ich fahre ein paar Positionen weiter nach vorne, sehe jetzt auch, daß wir nicht schneller, sondern klar langsamer sind als die Gruppe vorne. Naja, wer sollte denn da auch nachfahren? Alle großen Vereine haben mindestens einen Fahrer vorne, damit ist das Rennen gelaufen.

Wenn ich jetzt nur noch eine halbe Minute warte, ist es auch für mich gelaufen. Also heißt es sofort handeln. Vorne an der Spitze des Feldes drosseln fünf Adria-Fahrer das Tempo. Das kann ja heiter werden. Den Schwung des Nach-vorne-Fahrens nütze ich gleich, um mich links an dere Staffel vorbei an die Spitze zu bringen, und sitzend, Oberlenker, unscheinbar in die Gegend schauend, fahre ich dem Feld davon - oder versuche es zumindest. Aber sofort hängen sich diese Zecken an mich und ziehen die ganze Gruppe wieder nach. Die Zeit läuft mir davon, ich habe keine Zeit für solche dummen Spielchen. In der Zwischenzeit vergrößert sich der Vorsprung der Spitze ständig. Und irgendwann sind sie zu weit weg, als daß ich sie alleine noch erreichen könnte. Vielleicht ist es schon längst so weit, aber ich muß es einfach probieren. Zu verlieren habe ich nichts.

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Ich falle ein paar Positionen zurück, die Adria-Fahrer jagen eingereiht an mir vorbei, nehmen dann sofort wieder Tempo raus, das Feld geht wieder in der Breite auseinander, auch ganz vorne. Ich versauche es sofort wieder. Nehme Fahrt auf, beschleunige, wieder sitzend, rechts an zwei Mann vorbei, am vordersten dann links, raus in den Wind, ich stehe diesmal auf, sprinte wie verrücikt etwa zweihundert Meter lang, dann setze ich mich wieder nieder und fahre wie in einem Zeitfahren. Aus den Augenwinkeln sehe ich, daß ich alleine bin. Ein Blick auf den Computer, ich fahre mit 44 km/h gegen den Wind, der Puls steigt, ist jetzt bei 176. Langsam schießt das Laktat in die Muskeln. Schier übermächtig wird der Wunsch, etwas Tempo rauszunehmen. Ich darf mich nicht umbringen! sagt irgendwer in meinem Kopf. Die Vernunft sagt was ganz anderes: ich muß so schnell wie möglich vorne rankommen, da zählt jeder Meter und jede Sekunde. Warten, langsamer werden, Kräfte sparen, das ist was für Weicheier, das ist der sichere und schnelle Weg in die Niederlage.

Sofort kommt auch der Schmerz. Mein wohlbekannter Begleiter. Welcher Sportler kennt den nicht? Zuerst kriecht er die Beine rauf, dann ist er auf einmal in den Oberarmen, in der Schulter, im Nacken, macht sich dann in der Lunge breit, ich spüre ihn aber in den Beinen, da zieht und schmerzt und sticht es gewaltig. Nur nicht nachlassen! Ich achte darauf, immer über 40 km/h zu bleiben, damit bin ich klar schneller als alle anderen, komme der Spitze schnell näher. Aber kann ich dieses Tempo noch lange genug halten? Ich beginne zu röcheln, die Atmung wird immer gepreßter und kürzer, es hat den Anschein, als würde der Sauerstoffgehalt der Luft rapide abnehmen. Natürlich kenne ich das alles und weiß, daß ich jetzt sehr bald vorne angelangt sein müßte, wenn ich meinen Kopf noch halbwegs aus der Schlinge ziehen will. Die letzten paar hundert Meter fallen mir dann relativ leicht, ich presse mich förmlich an den letzten Mann der Spitze ran, dann bin ich in Sicherheit, nämlich im schützenden Windschatten. Keine Sekunde zu früh! Ein Blick zurück, das Feld liegt etwa 300 Meter hinter uns, in breiter Front, das zeigt mir, daß die wahrscheinlich resigniert haben und jetzt gleichmäßig ins Ziel fahren, aber halt um ein paar km/h langsamer als wir vorne. Ganze 4 km habe ich gebraucht, um diese 20 Sekunden Rückstand zuzufahren!

Ich darf jetzt, so angeschlagen ich mich fühle, ja keine negativen Gedanken aufkommen lassen, wie etwa: ich bin kaputt, ich bin tot, ich kriege keine Luft mehr, ich habe für diese 20 Sekunden 4 km gebraucht! Nein, ich sage mir, ich war der einzige, der aus dem Feld noch herangekommen ist, und ich krieg trotzdem noch Luft, wenig zwar, aber immerhin reicht´s zum Atmen. Ich führe keinen Meter, hänge nur hinten drin, ich kann mich also erholen. Es sind noch 19 km, und wir sind jetzt 13 Mann an der Spitze.

Während ich mich langsam erhole, beobachte ich meinen Puls. Das Maximum hatte ich natürlich bei der Aufholjagd, da bin ich bis auf 189 raufgekommen, im Moment liegt er bei 168, fällt langsam weiter. Dann gilt meine ganze Aufmerksamkeit der Gruppe, und prompt beginnen dann schon die Einzelaktionen. Einzelne Fahrer versuchen es mit der Brechstange, das nahe Ziel weckt ihre Lebensgeister. Aber mit dem Kopf durch die Wand ist noch selten jemand zum Erfolg gekommen. Und interessanterweise ist kein einziger Adria-Fahrer dabei, im Gegenteil, die fahren die Löcher immer zu. Müssen also richtige Sprintgötter sein, die verlassen sich auf die letzten 200 Meter. Muß mir da beizeiten eines dieser Hinterräder aussuchen, um vielleicht noch ein paar Plätze weiter vorne zu landen. Vielleicht ist ein Platz unter den ersten zehn doch noch drinnen, wer weiß. Die vielen Antritte bringen nichts ein, zu hoch ist unser Tempo, da kommt niemand weg.

Mir geht es immer besser, und 9 km vor dem Ziel beschließe ich, daß es jetzt an der Zeit ist, aktiv mitzuspielen. Ich fahre langsam weiter nach vorne, ich bin sehr aufmerksam, aber so lange kein Adria-Mann vorne wegfährt, haben alle diese Antritte null Aussicht auf Erfolg. Wenn mir das klar ist, dann sollten es auch die anderen wissen, aber wie es aussieht, wollen sie sich damit nicht abfinden. Dann greift ein Marburger an, kraftvoll, der hat sich seine Körner sichtlich aufgespart, und sofort setzt ein Adria-Mann nach, und ehe ich noch einen Gedanken fassen kann, hängt auch schon ein zweiter hinten dran. Ich lasse meinen Instinkten freien Lauf, bin im gleichen Atemzug am Hinterrad und brauche es jetzt "nur" mehr zu halten. So, noch 8 km, 4-Mann-Spitze.

Und jetzt beginnt das, was man mit Taktik alleine nicht mehr bewältigen kann. Wie verhalte ich mich? Die drei fahren sich ihre Seele aus dem Leib, nehmen, arbeiten, rackern, daß sich die Kurbeln biegen. Wenn ich da mitmache, bin ich zwei Minuten später tot, diesmal aber garantiert. Also was habe ich zu verlieren? Richtig, nichts. Noch dazu im ersten Saisonrennen. Also pokere ich, setze mein leidendes Gesicht auf, schneide Grimassen, verdrehe die Augen, röchle, hechle, spucke, pfauche, als ob ich explodieren würde, sodaß ich selbst schon mit mir Mitleid bekomme. Ich fühzre nicht einen Meter, anfangs sehen sie mich mißbilligend an, doch nach dem ersten  abschätzig mitleidigen Blick lassen sie mich in Ruhe.

Ich sehe mir die drei Typen genau an. Viel Zeit habe ich nicht mehr, das Ziel kommt sehr schnell näher. Ein Marburger, kräftig, hat mächtig Energie in den Beinen, dazu zwei Adria-Fahrer, schlank, sehnig, ausdauernd. Ich gehe mal davon aus, daß der eine Adria-Fahrer dem anderen den Sprint anziehen wird, das wird vermutlich der sein, der jetzt auch führt. Richtig, der andere schwenkt immer gleich mit weg, nimmt wie ich keinen Meter. Da bleiben dem Marburger nicht viel Chancen. Der wird schon angreifen müssen, will er gewinnen. Mir bleibt da nur der sichere vierte Platz. Will ich mehr, muß ich aktiv werden. Der Marburger, es ist der auch in Österreich ganz gut bekannte Ljubo Csar, kennt die beiden Adria-Fahrer vermutlich besser als ich. Der wohl erfolgversprechendste Moment für einen Antritt ist dann, wenn der Adria-Mann vorne wegschwenkt. Dann schwenkt der andere gleich mit, und wenn der Marburger dann angreift, hat er gute Chancen. Der eine kann nicht nachfahren, der andere will nicht.

Das Finale der allerletzten Kilometer bricht an. Ein spannendes Finale, man spürt förmlich die Spannung knistern. Die Adria-Fahrer wirken unbeteiligt, routiniert, abgebrüht. Niemand will den Tanz eröffnen. Gut, ich lasse mir jedernfalls noch mehr Zeit als alle anderen. Wenn man Geduld zeigt, wird man oft belohnt. Noch 2 km. Es ist doch immer wieder eine schöne Bestätigung, wenn man sieht, daß man die anderen richtig eingeschätzt hat. Der Marburger führt was im Schilde, wird immer unruhiger, er rafft sich innerlich auf, muß wohl erst seinen inneren Schweinehund niedermachen, ehe er den Entschluß zum Angriff faßt. Dann dreht er sich plötzlich ohne Vorwarnung um, sieht mir in die Augen. Ich leide natürlich fürchterlich, spucke aus, drehe den Kopf weg. Nein, nein, ich bin für niemanden eine Gefahr! Ich scheine ihn überzeugt zu haben, denn er schaltet jetzt. Das ist natürlich ein riesengroßer Fehler. Mir zeigt das, daß sein Angriff unmittelbar bevorsteht, die anderen aber warnt er damit vielleicht. Die drei fahren mit 53/15, ich mit 16, Csar hat jetzt auch aufs 16er raufgeschaltet!

Als der Adria-Fahrer samt seinem Kapitän wegschwenkt, kommt der - zugegeben - unwiderstehliche Antritt von Csar. Wenn ich damit nicht gerechnet hätte, ich wäre wohl niemals mehr an sein Hinterrad gekommen. So aber bin ich hautnah an ihm dran, und sofort haben wir einen klaren Vorsprung. Das Timing hat perfekt gepaßt - der Adria-Helfer kann nicht reagieren, sein Kapitän hat den klar weiteren Weg. Und der Überraschungsmoment ist auf unserer Seite, vor allem,als die beiden dann auch erkennen müssen, daß der vermeintlich Tote anscheinend seine Wiedergeburt erlebt hat. Angesichts des nahen Ziels (es sind noch etwa 1,6 km) entwickelt Csar unglaubliche Kräfte und Energien, aber er macht schon wieder einen Fehler, er wirft alles in die Waagschale, was er hat. Dazu aber ist das Ziel viel zu weit entfernt. Vielleicht hat er aber auch noch gar nicht mitgekriegt, daß er nicht alleine ist. In Bakovci, 3,6 km vor dem Ziel, sind wir rechts abgebogen und fahren seither genau gegen den Wind. Csar ist mit 46 km/h weggefahren, hat sich dann bei 44  niedergesetzt und als er langsam auf 42 fällt und weiter auf 40, weiß ich, daß er sich übernommen hat. Sein Oberkörper verkrampft sich, wird unruhig, er drückt rhythmisch auf beide Seiten, er quält sich, ist am Limit oder eigentzlich schon darüber hinaus. Ich warte abermals ab. Jetzt MUSS ich warten, bis er reif ist. Das, was er an Spucke verliert, ist vielsagend. Längst sind wir unter dem 1000-m-Transparent durchgefahren.

Ich drehe mich nicht um, die beiden Adria-Fahrer haben noch nicht mehr aufschließen können, das spüre ich. Aber ich darf mich nicht verzetteln, darf nicht trödeln. Es muß Schlag auf Schlag gehen, ich darf ihnen keine Zeit lassen. Tief hole ich Luft, dann sprinte ich aus seinem Windschatten ganz links rüber, mit 48 km/h, damit breche ich seinen letzten Widerstand. Als ich mich niedersetze, bin ich schon auf 46 unten, dann nehme ich langsam und behutsam Tempo raus, bis 42 runter, die letzten Meter, ich drücke mich ganz links an die Absperrgitter, nutze jeden noch so kleinen Windvorteil aus (zumindest bilde ich mir das ein). Noch 200 Meterm, ich stehe auf, sprinte jetzt ins Ziel, und in diese 200 Meter lege ich alles rein, was ich noch an Kraft, Substanz und Energie in mir verspüre. Ich weiß, daß es knapp wird, ich habe kein Auge mehr, um genau auf den Zielstrich zu sehen. Rechts und links an mir fliegen sie dann vorbei, wütend, frustriert, aggressiv. Die beiden Adria-Fahrer. Ich verstehe ihren Frust, denn das war leider erst unmittelbar hinter der Ziellinie.

Der Pulsmesser zeigt 192 an, und ich brauche gut 5 Minuten, bis das fürchterliche Stechen in meiner Brust langsam nachläßt. Keine Kraft, die Arme hochzureißen, keine Kraft, um auch nur einen einzigen Gedanken an den Sieg zu verschwenden. Meine einzige Sorge ist, daß ich nicht umfalle, wenn ich beim Auto stehenbleibe.

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Ergebnis Kategorie Master: 1. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) 1:36:47 (Schnitt 40,0 km/h), - 2. Sandi Papez (KK Adria Mobile Novo Mesto), - 3. Robi Pintaric (KK Adria Mobile Novo Mesto), alle gleiche Zeit, - 4. Ljubo Csar (NK Maribor) -0:02, - 5. Milos Brecelj (Izvir Vipava) - 0:18, - 6. Rajko Bajt (Koncern Kolektor), - 7. Andrej Francelj (SC Turbo M), - 8. Marco Bokalic (KK Partizan Dolsko), - 9. Primoz Kalisnik (Poledt - NoviceExtreme), - 10. Anton Rupnik (Slovenska vojska), alle gleiche Zeit

 

Sonntag, 15. März 2009: Straßenrennen um die Preise des Casinos MOND in Sentilj, 54,3 km

Rennstrecke: Sentilj, Casino/Cabaret Mond - Cirknica - Pesnica - Cirknica - Sentilj, 3 Runden á 18,1 km = 54,3 km, 75 Höhenmeter, Start ab 9.05 Uhr

Wetter: stark bewölkt, sehr starker NW-Wind, mild, 14°

Das Casino/Kabaret "Mond" in Sentilj ("Alles dreht sich um den Mond")

Rennverlauf: 34 Fahrer nehmen das Rennen auf, darunter ganz junge, ganz alte, auf City- und Mountain-Bikes, auf Rennrädern, auf Sporträdern (Klapp- und Waffenräder habe ich nicht gesehen!). Um mal zu sehen, ob da auch wirklich echte Rennfahrer darunter sind, fahre ich gleich mal eine Startattacke, als wir auf die Hauptstraße rausgebogen sind (nach ca. 250 Meter). Und sofort liege ich alleine in Front. Das ist mir dann denn doch zu poeinlich, also lasse ich mich einholen und halte mich bedeckt. Aber in der Gruppe ist es wahnsinnig gefähgrlich, denn die Typen können allesamt nichzt radfahren. Anscheinend spüren die nicht, woher der Wind kommt, denn sie fahren meist auf der falschen Seite, wechseln prinzipiell immer nach links ab, egal, woher der Wind bläst, schreien und rufen viel, anstatt in die Pedale zu treten.

Im Straßenverkehr ist es auch sehr gefährlich, obwohl sich die Streckenposten wirklich Mühe geben, aber es ist halt eine Schnapsidee, am Wochenende bei schönem Wetter im Ausflugsverkehr auf einer der Haupt-Transitstraßen Europas ein Rennen zu veranstalten! Ich möchte da nicht als der gro0ße Macker auffallen, also fahre ich halt am Ende der Gruppe mit, und wenn Löcher aufreißen, dann fahre ich die zu. Im Rückenwind fahren wir die ersten 9 km mit einem Schnitt von 35 km/h. Ich glaube, damit ist auch schon alles gesagt, und jeder kann sich selbst ein Bild machen.

Nach der ersten Runde sind wir nur mehr acht Mann an der Spitze, der Rest ist weit auseinandergerissen. Die acht aber haben alle Rennräder (!!) und fahren meist mit dem großen Blatt. Lizenzfahrer? Höchstens vier, aber allerhöchstens. Ausnahmslos sind sie alle deutlich jünger als ich.

In der zweiten Runde versuche ich mal, behutsam das Tempo zu erhöhen, sofort beginnen sie alle zu röcheln und unkontrolliert hin- und herzuschwenken. Viel zu gefährlich. Da müßte ich sie schon abhängen. Damit möchte ich aber bis auf die letzten Kilometer warten. Sicher ist sicher. Ich versuche, ihnen klarzumachen, daß sie im Windschatten fahren müssen und der vordere dann immer IN DEN WIND REIN wegschwenken soll. Einen Versuch ist es wert. Und siehe da, es gelingt sogar. Sie reihen sich ein, ich gebe die Kommandos, wann sie wechseln sollen, feure sie an, und sie steigern sich tatsächlich richtig rein. Zu sechst beenden wir die zweite Runde, der Schnitt beträgt mittlerweile nur mehr 33,8 km/h. Und irgendwie komme ich mir auch blöde vor. Wäre ich doch daheimgeblieben!

Die riesigen Startnummern flattern und knattern im Wind, sie wechseln zwar brav, aber nicht in den Wind, sondern grundsätzlich nach links. Ich gebe es auf. Ich fühle mich so, wie sich der Bundestrainer von Neu-Guinea fühlen muß. Falls die überhaupt einen haben. Die letzten 9 km, im Gegenwind geht es zurück nach Sentilj. Wir bilden eine phantastische Staffel, alle sechs fahren wir leicht versetzt, alle sechs stehen wir VOLL im Wind!

Als ich die Führung übernehme, versuche ich sachte das Tempo zu erhöhen. Noch ca. 6 km. Ich fahre mit 38 km/h, beschleunige dann auf 39 und 40. Ich muß zugeben, gegen diese Kinder ist das wirklich gemein. Okay, hier entschuldige ich mich dafür. Das war nicht angemessen. Dann schwenke ich weg, werde aber nicht langsamer, sondern noch schneller. Natpürlich kommt keiner vorbei. Ich blicke mich umj, sehe in hochrote, dampfende und spuckende Gesichter, die konzentriert ihre Augen verdrehen. Eine hilflose Geste mit der Hand soll ihnen signalisieren, daß sie sich gefälligst anstrengen sollen. Nach einer Weile dann denke ich, daß es genug ist, stehe auf und sprinte von der Gruppe weg. Da erst merke ich, daß ich ohnehin schon alleine war. Egal, ich drücke aufs Tempo und fahre wenigstrens die letzten drei Kilometer voll. Ein Sieg, der mir wirklich PEINLICH ist!

Sieg ist Sieg, darüber sollte ich mich freuen, es ist ja schon der zweite Sieg im zweiten Rennen der Saison! Aber vielleicht fahre ich nächstes Wochenende zur Abwechslung mal wieder ein RICHTIGES Rennen!

Ergebnisse: 1. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) 1:27:38 (Schnitt 34,3 km/h), - 2. Maks Polic (TBP Lenart) -0:41, - 3. Boris Kersic (TBP Lenart) -0:50, - 4. Boris Vaupotic (NK Maribor) -0:53, - 5. Matjaz Pernat (Murska Sobota) -0:54, - 6. Oman Breda (Jambor) -1:15, - 7. Tim Tonejc (Adria Airways) -3:15, - 8. Janez Gosar (Karami 06) -4:22, - 9. Rafko Murovec (NK Maribor), gleiche Zeit, - 10. Tomaz Vodusek (SC A.SI) -4:25

 

Sonntag, 22. März 2009: Rundstreckenrennen um den Großen Feratel-Media-Technologies-Preis in Zalaegerszeg (Ungarn), 46,9 km

Rennstrecke: Stadtrundkurs am Stadtrand von Zalaegerszeg, 14 Runden á 3,350 km = 46,9 km, 25 Höhenmeter pro Runde = 350 Höhenmeter, Start 10.45 Uhr

Wetter: Sturmböen aus Nord, bewölkt, 14°

Rennverlauf: Ein furchtbarer Rundkurs, den sie da gefunden haben: eine beinahe einen Kilometer lange Gerade (genau 850 m), aber auf den restlichen zweieinhalb Kilometern drängten sich 24 Kurven (!), das sind im Schnitt alle 100 Meter eine 90-Grad-Kurve! Aber damit noch nicht genug, war etwa 800 m vor dem Ziel ein 250 m langer Anstieg zu fahren, zunächst eine Unterführung, dann eine Galerie und oben auf der Kuppe haben wir eine Hauptstraße überquert, ehe wir runter sind zur Zielkurve. Das Besopndere daran: es handelte sich um eine Fußgängerpassage, gerade mal knappe zwei Meter breit und der Wind ist genau von leicht schräg vorne gekommen! Die Zielgwerade war sowieso völlig frei im Wind, der ist auch da von leicht schräg vorne gekommen. Die vielen Kurven dann, wo Rückenwind gewesen wäre, waren aber im verbauten Gebiet, das den Wind ziemlich abgehalten hat. Und durch die vielen Kurven war da die Spitze des Feldes nie zu sehen, war immer ein paar Kurven schon voraus.

Blick auf Zalaegerszeg

Was habe ich da schon bei der Besichtigung geschimpft! Wenn ich das gewußt hätte, wäre ich doch niemals hergekommen! In der Masterklasse (40+) waren dann auch 48 Mann am Start, und das eineinhalbstündige Aufwärmen hat mir gar nichts genutzt: vom Startschuß weg horrendes Tempo, sofort ein wilder Positionskampf, wer denn als Erster in die Kurvenorgie einbiegt. Da hat man wieder mal gesehen, wie wichtig da eine optimale Position ist!

Sofort hat sich das Feld in die Länge gezogen, ich war irgendwo im letzten Drittel eingesperrt, habe hingehalten, um mein Leben geröchelt und innerlich den Tag verwünscht, an dem ich beschlossen habe, hier mitzufahren. Einserreihe, hohes Tempo, und es war klar, daß es nur mehjr eine Frage von wenigen Sekunden sein würde, bis die Reihe irgendwo reißt. Und genauso ist es gekommen, die Spöitze ist voll weitergefsahrenm, dahinter waren sie sich gegenseitig in den Kurven im Weg, es haben sich bereits in der ersten der 14 Runden viele kleine Gruppen gebildet, dazwischen auch immer wieder Einzelfahrer. Es war ein chaomtisches, hektisches, nervöses Rennen, aber so sehr es auch zerrissen war, ist immer wieder alles zusammengelaufen. Die Spitzengruppe hat andauernd gewechselt, war aber immer klein, höchstens vier Mann stark.

Irgendwann hat dann der Positionskamnpf um den Anstieg eingesetzt, auch da wollten alle unbedingt als Erste rüberfahren. Der war natürlich schon irgendwie entscheidend, denn nach einer kurzen Abfahrt wartete schon die Zielkurve. Und da hat der Wind so richtig alle durcheinandergefegt und ist im Eilzugstempo über die Fahrer hinweggebraust. Man ist halt sehr sehr viele Kilometer alleine im Wind gefahren, notgedrungen, denn immer wieder mußte ich Löcher zufahren, wieder in Position fahren. Obwohl mir das nie perfekt gelungen ist, ich war während des Rennens nie unter den ersten zehn.

Am Anstieg selber waren sie dann alle platt. Da haben sie gekeucht, geröchelt und gespuckt, sind aber im Prinzip gestanden. Es war halt schon ein brutaler Rhythmuswechsel, und das gleich 14mal! Immer wieder war eine kleine Gruppe weg, ist eingeholt worden, dann hat sich eine andere Gruppe abgesetzt. Keiner ist aber erfolgreich gewesen, keiner konnte einen entscheidenden Vorsprung rausfahren. So war es halt viel Krampf und noch viel mehr Kampf. Vieles an Kraft und Energie sind da sinnlos verpufft. Nach zehn Runden war ich heilfroh, überhaupt noch im Rennen zu sein.

Es war so schrecklich unübersichtlich, ich war eigentlich nie im Bilde über die aktuellen Spitzengruppen oder die Situation überhaupt an der Spitze. Erst als ich mich in Gedanken damit abgefunden habe, heute unter ferner liefen anzukommen, ist es etwas besser gegangen, war dann auch die Motivation wieder da, und die Konzentration hat auch wieder geklappt. Es stimmt schon, wenn man etwas erzwingen will, übers Knie brechen will, dann geht es meistens nicht.  Und wenn man dann etwas lockerläßt, funktioniert es auf einmal! Was lernern wir daraus? Locker bleiben? Ich denke, ein Fokus ist ganz gut, und ohne Konzentration geht gar nichts, aber wenn man sich verzettelt bzw. Wichtiges übersieht oder außer acht läßt, stimmt das "Gesamtpaket" nicht. Es ist mir aber auch klar, daß es unglaublich schwer ist (eigentlich unmöglich), alleine da den Weg "zurück" wiederzufinden. Das Rad der Zeit dreht sich nämlich nur in eine einzige Richtung.

Aber jetzt ist es Zeit, mit dem Rennfilm ins Finale zu springen: Vorne drei Mann, dahinter viele kleine Gruppen, alle auf Tuchfühlung, ich war in der vierten oder fünften oder sechsten Gruppe, so genau hat man das ja nie gewußt. Oft hat sich eine vordere Gruppe geteilt, dann hat es schon nicht mehr gestimmt. Die anfängliche Nervosität und vor allem der unglaubliche Frust waren weg, ich habe die Tatsachen akzeptiert und mich einfach an die Aktiveren in diesem Rennen drangehängt. Und vor allem habe ich auf den Anstieg gebaut, bin dort mit aller Kraft und 100 Prozent drübergefahren, das hat mich in die vordere Gruppe katapultiert.

Oben auf der Kuppe angetreten und weggefahren, war ich am Zielstrich an der vorderen Gruppe dran, zusammen haben wir dann Jagd auf die nächste Gruppe gemacht, aber die war zu weit vorne, die haben wir nicht so schnell erreicht. Eine ganze Runde hat es gedauert, am Anstieg habe ich es dann wieder probiert, bin auch weggekommen, in der Abfahrt ist nboch einer nachgefahren, und zu zweit haben wir dann die Verfolgergruppe gestellt, also die zweite im Rennen. Das waren drei Mann, mit uns waren wir dann zu fünft, drei haben geführt, die waren aber - wir sind schon in der Schlußrunde gefahren - für uns leider außer Reichweite.

Am letzten Anstieg, 800 m vor dem Ziel, habe ich ein letztes Mal angegriffen, es ist um den vierten Rang gegangen, bin auch weggekommen, aber auf der Zielgeraden haben sie mich dann doch wieder geschnappt. Inzwischen sind auch von hinten noch zwei Mann herangekommen, und auch der Schlußkilometer in diesem Rennen war genauso unübersichtlich und chaotisch wie das gesamte Rennen. Ich bin Achter geworden, auf den letzten paar hundert Metern war ich schon ziemlich lang geworden. Leider. War auch nicht mein Tag heute. Schwamm drüber.

Ergebnisse Master 40+: 1. David Balogh (Csepel) 1:24:32 (Schnitt 34,2 km/h), - 2. Tibor Baltavari (Szingo SE), - 3. Gabor Gyulai (Kecskemet), alle gleiche Zeit, - 4. Zoltan Kiss (Siofok) -1:02, - 5. Gergely Kiss (Atlantis Casino) -1:05, - 6. Zoltan Vigh (Postas SE), gleiche Zeit, - 7. Tamas Szabo (Atlantis Casino) -1:09, - 8. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) -1:14, - 9. Zolt Kutacs (Lelkes KE) -1:21, - 10. Maros Kohari (Atlantis Casino), gleiche Zeit

 

Freitag, 27. März 2009: Giro di Gorenjska, 1. Etappe: Nacht-Rundstreckenrennen in Kokrica bei Kranj (SLO) um den Großen Lavi-Preis, 49 km

Rennstreckje: lokaler Rundkurs in Kokrica nördl. von Kranj, Kokrica - Zlato Polje - Rupa - Kokrica, zweimal über die Autobahn, 14 Runden á 3,5 km = 49 km, 10 Höhenmeter pro Runde = 140 Höhenmeter, Start 20.45 Uhr

Wetter: windstill, leicht bewölkt, aber um diese Tageszeit doch schon ziemlich frisch, 10°

Rennverlauf: durch die Riesenstarterfelder mußte die Masterklasse 60+ ein eigenes Rennen fahren, und unseres wurde auch verkürzt. Vorgesehen waren ursprünglich ja 17 Runden für alle, so sind wir nur mehr 14 Runden gefahren und die Alten gar nur 5 Runden. Der Rundkurs war - Gottseidank - mit sehr breiter Straße ausgestattet, wie eine Autobahn, hier sind wir schon vor 20 Jahren Rennen gefahren, ich war sogar einmal in einem Eliterennen hier dabei, daher kannte ich den Rundkurs - und war erstaunt, wie sehr er sich doch seither verändert hat, zwei Kreisverkehre sind dazugekommen.

Über 200 Starter aus Slowenien, Kroatien, Italien, Serbien, Montenegro, Österreich und Deutschland sind ins Rennen gegangen, und sofort war durch das hohe Tempo eine Einserreihe perfekt. Gleich in den ersten Runden ist da ganz ordentlich selektiert und aussortiert worden, und nach einer halben Stunde schon war die Spitzengruppe keine 100 Mann mehr groß.

Um allen Unannehmlichkeiten wie Stürzen, Eingesperrtsein bei Attacken, schlechte Position, etc. aus dem Weg zu gehen, habe ich mich 4 Runden lang ganz nach vorne an die Spitze vorgearbeitet, bin dann ständig unter den ersten 20 Positionen gefahren. Das ist eine Weile gutgegangen, der Kurs war auch ganz gut ausgeleuchtet, da gab es eigentlich keine Probleme in dieser Hinsicht. Das Rennen war außergewöhnlich stark besetzt, aus allen genannten Nationen waren absolute Spitzenfahrer dabei, aus Slowenien die gesamte Spitzenklasse. Bojan Ropret der Favorit, er hatte in den vergangenen beiden Jahren gewonnen.

Ich war beinahe am Limit, das Tempo ständig über 45 km/h hoch, daher aber wenigstens relativ gleichmäßig. Am Ende der 10. Runde bin ich kurzfristig mal etwas weiter zurückgefallen, ich wollte mich auch etwas erholen, um im Finale dann frisch und spritzig zu sein. Und genau da ereilt mich das Pech in Form eines Massensturzes vor mir, ich kann noch aussteuern, komme irgendwie an den Fahrern vorbei, die sich auf der Fahrbahn breit gemacht haben. Aber das Loch war da, ich war abgekuppelt, klassischer Fall. Nur keine Panik. Es sind noch dreieinhalb Runden. 11 km bis ins Ziel.

Der Abstand bleibt, die ganze Gruppe kommt kaum näher. Vorne sind etwa 25 Mann, die sich jetzt natürlich wehren und ihrerseits aufs Tempo drücken. In der 13. und vorletzten Runde ist es aber dann doch so weit, wir können aufschließen und damit sind ca. 50 Mann an der Spitze versammelt. Aber: die Aufholjagd hat mich sehr viel Substanz und Energie gekostet, ich bin völlig außer Atem und ziemlich fix und fertig. Ich muß mich darauf beschränkern, in der Gruppe mitzufahren, das ist schon schwer genug. Keine Eskapaden, ich muß nicht aktiv fahren, nur keine Zeit verlieren. Ich halte mit, und ich fahre am Ende der Gruppe ins Ziel.

Beim Abendessen, als ich mir die Ergebnisliste aufmerksam und genau durchsehe, sehe ich, daß da drei Gruppen mit insgesamt 22 Fahrern vermutlich in der letzten Runde noch abgerissen sind, sie haben bis zu 35 Sekunden Rückstand.

Ergebnisse: 1. Ales Hren (KK Adria Mobile Kranj) 1:02:17 (Schnitt 47,5 km/h), - 2. Eugen Plesko (KK Postojna), - 3. Daniele Ferrari (New Moto Bike Team), - 4. Daniele Lepri (Frecce Rossi Rimini), - 5. Milan Koic (KK Bisport Nova Gorica), - 6. Dan Gorisek (KK Celje), - 7. Bojan Ropret (GS Barbariga), - 8. Fabrizio Bandini (Alvisi Emme), - 9. Marjan Srnel (GS Barbariga), - 10. Bostjan Slak (GS Barbariga), alle gleiche Zeit, - weiters: 42. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl), gleiche Zeit

 

Samstag, 28. März 2009: Giro di Gorenjska, 2. Etappe: Kranj - Jesenice (SLO), 69 km

Rennstrecke: Kranj - Visoko - Tupalice - Preddvor - Baselj - Trstenik - Golnik - Krize - Trzic - Bistrica - Begunje - Zirovnica - Lesce - Bled - Spodnje Gorje - Blejska Dobrava - Jesenice, 69 km, 455 Höhenmeter, Start 9.05 Uhr

Wetter: sonnig, mild, starker NO- bis O-Wind, 14°

Rennverlauf: Der heutige Tag wird sicherlich sehr viel schwerer werden als er am Papier aussieht. Auf den letzten Kilometern, zwischen Spodnje Gorje und Jesenice, wartet ein 4 km langer Anstieg auf uns, mit etwa 3 bis 5 % Steigung, nur in der Mitte drin ist eine etwa 300 m lange Passage mit gut 12 %. Dazu kommt dann noch  die Nachmnittagsetappe und die relativ kurze Pause dazwischen. Noch habe ich keine Sekunde verloren, und das möchte ich auch so lange wie möglich halten. Ob das allerdings heute gutgehen wird?

Die ersten Kilometer sind wieder - wie gestern auch - sehr nervös, das Riesenfeld von weit über 200 Fahrer zwängt sich durch die schmalen Nebenstraßen dieser Etappe. Es ist lebenswichtig, da so weit vorne wie möglich zu fahren. Ich kämpfe mich durch den Pulk, Kilometer um Kilometer, und komme trotzdem nie ganz vorne an. Ein paar Attacken gibt es, nichts Entscheidendes, die Ausreißer werden immer wieder zurückgeholt. Es scheint, als würden alle nur auf diesen letzten Anstieg warten.

Der entscheidende Anstieg, 7 km vor dem Ziel in Jesenice

Verantwortlich für die Selektion ist am heutigen Tag aber - zumindest vorerst noch - nicht dieser Anstieg, sondern der starke Wind, der meist von schräg vorne oder der Seite durchs Feld pfeift und sicherlich für viele Flüche verantwortlich ist, die da in den Himmel geschickt werden. Ich fürchte, daß derBerg für mich zu lang ist, obwohl ich anfangs sehr gut mithalte. Aber gut, er ist ja nicht steil, und es wird gleichmäßig zügig gefahren. Doch schnell ist es mit demSpaß vorbei. Im Steilstück greift der mehrfache slowenische Meister, Olympia- und WM-Teilnehmer Bojan Ropret an und setzt sich ab, dahinter bricht das Feld auseinander. Vorerst kann ihn niemand halten, niemand kann zu ihm aufschließen, wie es aussieht, fährt er alleine dieses internationale Feld in Grund und Boden.

Den Gipfel passiert er mit schönem Vorsprung. Jetzt ist es nicht mehr weit, nur mehr 7 km den Berg runter. Dahinter machen sie alle einen schweren Fehler: sie halten hin, bis es sie zerreißt. Ich fahre von Anfang an gleich mein Tempo, bin zwar anfangs etwas langsamer, kann aber dieses Tempo halten. Die anderen werden immer langsamer, bis sie schließlich irgendwann mal steckenbleiben. Ich dagegen kann sogar noch zulegen. Angesichts der Kuppe entschließe ich mich zu einem Sprint auf Leben und Tod, ich wuchte mich über die Kuppe und schnurstracks rein in die Verfolgergruppe. Keinje Sekunde zu früh! In der Abfahrt rollen die von hinten alles auf, was da noch vorne herumkriecht.

Ajdna

Blick runter ins Tal auf Jesenice

Ich habe alle Hände voll zu tun, bin mehr als nur einmal in der Gefahr, abzureißen. Unten im Tal aber bin ich immer noch dran, von hinten ist eine größere Gruppe herangekomnmen, und erst ganz unten, schon in Jesenice, hoilen wir die erste Gruppe dann doch noch ein. Ich kann nur mehr hinten dranhängen und mitfahren, zu mehr reicht es nicht mehr. Oben am Berg hatte ich Puls 194 über die Kuppe, und davon erhole ich mich bis runter zum Zielstrich nicht mehr.

Wir kommen immer näher an Ropret ran, erreichen ihn aber nicht mehr ganz. Eine wirklich ganz eindrucksvolle Leistung vom ehemaligen Nationalfahrer und Aushängeschild des slowenischen Radsports. Er kämpft mit einem Löwenmut um jeden Zentimeter und jede Sekunde und er hat Erfolg damit. Zwar wird er am Zielstrich doch noch eingeholt, rettet sich aber als Erster über den Strich - für den Zuschauer sieht es damit so aus, als hätte er den Sprint gewonnen!

35 Mann stark ist die Spitzengruppe in Jesenice, aber nur 19 davon waren auch gestern abend in der Spitze dabei. Die führen jetzt das Gesamtklassement an. Laut Ausschreibung entscheidet bei Zeitgleichheit die niedrigere Platzziffer.

Ergebnisse: 1. Bojan Ropret (GS Barbariga) 1:46:25 (Schnitt 39,2 km/h), - 2. Claudio Zorjin (CBR Biketeam), - 3. Dario Canesin (ASD Engine & Bikes Canesin Cervignano), - 4. Primoz Cerin (KK ASTRA Lubljana), - 5. Marjan Srnel (GS Barbariga), - 6. Bostjan Slak (GS Barbariga), - 7. Gianfranco Pauluzzi (GS Ciclo Club Trieste), - 8. Ljubo Csar (NK Maribor), - 9. Robi Pintaric (ASTRA Lubljana), - 10. Sandi Papez (KK Adria Mobile Novo Mesto), alle gleiche Zeit, - weiters: 32. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl), gleiche Zeit

Gesamtwertung nach zwei Etappen: 1. Bojan Ropret (GS Barbariga) 2:48:42/Platzziffer 8, - 2. Marjan Srnel (GS Barbariga) 14, - 3. Bostjan Slak (GS Barbariga) 16, - 4. Primoz Cerin (KK ASTRA Lubljana) 17, - 5. Dan Gorisek (KK Celje) 28, - 6. Ales Hren (KK Adria Mobile Novo Mesto) 29, - 7. Ljubo Csar (NK Maribor) 32, - 8. Eugen Plesko (KK Postojna) 33, - 9. Milan Koic (KK Bisport Nova Gorica) 35, - 10. Daniele Ferrári (New Moto Bike Team) 36, - weiters: 19. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) 74

 

Samstag, 28. März 2009: Giro di Gorenjska, 3. Etappe: Bled - Kranj (SLO), 56 km

Rennstrecke: Bled - Lesce - Zirovnica - Begunje - Lesce - Radovljica - Kamna gorica - Podnart - Spodnje Duplje - Nakjlo - Kokrica - Kranj -. Podreca - Smlnedjac - Trboje - Kranj, 56 km, 115 Höhenmeter, Start 12.45 Uhr

Wetter: leicht bewölkt, starker N- bis NO-Wind, 16°

Blick über den See auf Bled

Rennverlauf: Ein ganz gewaltiger Fehler ist den Organisatoren da unterlaufen mit der Planung der beiden Etappen am selben Tag: zwischen Zieleinlauf in Jesenice und dem Start in Bled liegen nur 1:45 Stundren sowie die 17 km von Jesenice nach Bled. Wie bitte soll man da zu Mittag essen? Das ist doch gar nicht möglich. Ich  habe doch auch nur schnell ein paar Bananen runtergewürgt.

Topfebene Strecke runter nach Kranj, einzig der Wind bleibt als Herausforderung, der aber kommt schräg von der Seite oder von hinten. Rückenwind aber ist immer gefährlich, da splittert das Feld sehr leicht auf. Ich habe die Mittagspause genutzt, so gut es eben ging, um mich zu erholen und für die dritte Etappe zu präparieren. Umziehen, Verpflegung und Trinkflasche herrichten, etwas Körperpflege, Streckenstudium anhand des Etappenprofils, Ergebnisliste studieren, die Startnummern der Spitzengruppe habe ich mir auf ein Papier geschrieben, das ich mir auf das Oberrohr geklebt habe, so war ich immer im Bild, was denn die 18 Mann der Spitzengruppe so treiben. Dann habe ich auch noch die Reifen kontrolliert, ich möchte ja nicht etwa einen Defekt riskieren. Es war über Mittag etwas wärmer geworden, und beim Start herrschte dann optimales Radlerwetter.

Hohes Tempo im Rückenwind

Die GS-Barbariga-Truppe kontrollierte das Geschehen, die führen ja gleich dreifach in der Gesamtwertung und Ropret, Srnel und Slak. Ropret hatte am Vormittag einen sehr starken Eindruck hinterlassen, deshalb habe ich mich an ihm orientiert. GS Barbariga ist ja eine italienische Mannschaft, in der die drei Slowenen fahren, ich kenne sie daher auch von vielen Rennen in Friaul und im Veneto. Man läuft sich eben immer und überall über den Weg. Ich habe zwar bisher ein wirklich phantastisches Frühjahr (was die Ergebnisse angeht), aber ich weiß auch genau, daß meine Form im Moment bestenfalls Durchschnitt ist. Das Ziel bei den Frühjahrsrennen ist daher, die Form zu steigern, Rennkilometer zu sammeln, Selbstvertrauen zu gewinnen. Die Ergebnisse interessieren da nicht. Natürlich, wenn die Chance auf eine Top-Plazierung da ist, dann versuche ich schon, sie wahrzunehmen. Und diese Chance bietet sich  mir hier bei dieser Rundfahrt wieder.

Das Feld mit hohem Tempo unterwegs in Richtung Kranj

Natürlich spüre ich auch die Vormittagsetappe in den Beinen, daher bin ich doppelt aufmerksam und konzentriert. Aber wieder, wie schon am Vormittag, geht es in dem weiten Tal kreuz und quer hin und her, unzählige Kurven und Richtungsänderungen, der Wind bläst dauernd aus einer anderen Richtung, man muß sich da ständig umstellen. So lange ich konzentriert fahre, passiert auch nichts, aber kaum lasse ich mich dann einmal weiter zurückfallen, geht vorne die Post ab. Und natürlich eine starke Gruppe, natürlich sind da ein paar Fahrer der 19köpfigen Spitzengruppe dabei, die momentan die Gesamtwertung anführt. Der Gelbe aber, Bojan Ropret, hat diese Gelegenheit versäumt und fährt - wie ich auch - hinten im Feld. Er kann jetzt zuschauen, wie sie vorne Jagd auf seine Gesamtführung machen.

Zu spät merke ich das, ich lasse mich davon täuschen, daß auch Ropret nicht reagiert. Aber der hat den Moment genauso übersehen wie ich. Beide sind wir überrumpelt worden. Das Tempo ist jetzt viel zu hoch, als daß ich da alleine etwas in dieser Gruppe ausrichten könnte. Ab er wer soll da nachfahren? Alle großen Teams haben Fahrer vorne. Ich lasse aber auch nicht locker, versuche immer und immer wieder, das Tempo anzutreiben. Vergeblich. Viele Kilometer lang halten wir den Abstand konstant.

Irgendwie schauen alle auf Ropret und warten auf seine Reaktion. Immer wieder das alte Lied: derGelbe soll doch fahren, der hat ja am meisten zu verlieren! Doch wer profitiert davon? Ein anderer Slowene. Und was, wenn das alles abgesprochen ist? Anstatt auf diese undurchsichtigen verfilzten Beziehungen und Verbindungen zu vertrauen, nehme ich doch lieber selber das Geschehen in die Hand und fahre das Loch zu, solange es noch geht! Doch der Zeitpunkt ist längst schon tatenlos verstrichen, jetzt kommt man nur mehr mit einer Gruppe an die Spitze ran.

Langsam, aber doch, formiert sich das Barbariga-Team. Das kommt halt davon, wenn man drei potentielle Siegfahrer und keine Helfer hat! Wer soll jetzt nachfahren? Diese Aufholjagd dauert die gesamte Etappe an. Und immer steht sie auf der Kippe, auf des Messers Schneide: kommen wir ran oder nicht? Immer ist die Spitze knapp vor uns auf Sichtweite, zum Greifen nahe, aber wir kommen und kommen einfach nicht näher. Gottseidank habe ich mich da in keiner Weise investiert, ich vertraue halt darauf, daß irgendjemandem möglichst bald die Geduld reißt und das Loch zugefahren wird. Was dann 12 km vor dem Ziel endlich doch passiert.

Was habe ich gesagt? Es zahlt sich halt doch aus, wenn man Geduld beweist. Jetzt ist das Barbariga-Team in der ca. 50 Mann starken Spitze wieder vollzählig vertreten. Mir egal, ich möchte nur zeitgleich ankommen, in Gedanken bin ich jetzt schon im Ziel. Und während ich mich auf das Finale  vorbereite, fällt mir plötzlich auf, daß der Gelbe fehlt. Wo ist Ropret? Vorne rausgefahren wie am Vormittag? Nein, da ist niemand. Ich suche nochmal die ganze Gruppe durch, aber er ist nicht dabei. Kein Zweifel, er muß abgerissen sein, er ist zurückgefallen! Auch Srnel fehlt, der stärkste Sprinter dieses Teams und der Gesamtzweite. Was ist da passiert? Hat da einer auf den anderen gewartet? So dumm kann doch wirklich niemand sein. Mit einem Schlag die beiden Führenden aus dem Rennen! Wieder zähle ich die Gruppe durch, und da sind es nur mehr 45 Mann, ein paar fehlen also.                        

Die Taktik ist jetzt klar. Nur mehr knappe 10 km bis ins Ziel. Wann hat man schon die Gelegenheit, sich der beiden Gesamtführenden zu entledigen? Sowas darf man einfach nicht übersehen, diese Chance MUSS man einfach beim Schopf packen. Ich fahre nach vorne und reihe mich in die kleine Gruppe derer ein, die sich die Führungsarbeit teilen. Jetzt helfe ich aktiv mit, bemühe mich, plage mich, schinde mich, damit wir noch ein paar Sekunden mehr auf Ropret und Srnel rausholen.

Wir haben Erfolg damit. Um 2:15 Minuten distanzieren wir bis ins Ziel die kleine Gruppe um Ropret, der fällt zusammen mit Srnel damit entscheidend zurück. Ich gebe alles, was noch in mir ist, fahre sozusagen um mein Leben. Marco Cuderman holt sich die Etappe im Sprint der großen Gruppe, Bostjan Slak vom Barbariga-Team springt für seine beiden Teamkollegen ein und übernimmt die Gesamtführung. Ich verbessere mich auf die 12. Stelle, liege nach wie vor zeitgleich mit dem Führenden. 12 Mann sind wir jetzt noch zeitgleich an der Spitze, Slak führt mit 4 Plätzen Vorsprung auf Cuderman und 9 Plätze vor Cerin, das wird noch ein heiß umkämpftes Finale morgen werden. Mein Rückstand ist schon viel zu groß, ich liege 72 Plätze hinter dem Führenden! Wenn ich mich also noch weiter verbessern will, bin ich darauf angewiesen, daß Fahrer aus dieser zeitgleichen Gruppe zurückfallen, denn aufgrund meiner Platzziffer ist keine Rangverbesserung mehr möglich!

 

Ergebnisse: 1. Marco Cuderman (KK Adria Mobile Novo Mesto) 1:12:17 (Schnitt 46,2 km/h), - 2. Radoslav Rogina (Loborika), - 3. Bruno Radotic (Puris Kamen), - 4.  Srecko Glivar (KK Adria Mobile Novo Mesto), - 5. Dusan Vidmar (ASTRA Lubljana), - 6. Attila Toth (Budapest), - 7. Bojan Udovic (KK Adria Mobile Novo Mesto), - 8. Mario Mininel (GS Chiarciosso Udine), - 9. Alessandro Turcotto (GS San Leonardo), - 10. Istvan Szücz (Budapest), - weiters: 42. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl), alle gleiche Zeit

Gesamtwertung Zwischenstand nach 3 Etappen: 1. Bostjan Slak (GS Barbariga) 4:00:59/Platzziffer 44, - 2. Marco Cuderman (KK Adria Mobile Novo Mesto) 48, - 3. Primoz Cerin (KK ASTRA Lubljana) 53, - 4. Sandi Papez (KK Adria Mobile Novo Mesto) 54, - 5. Dusan Vidmar (ASTRA Lubljana) 57,  - 6. Ljubo Csar (NK Maribor) 57, - 7. Daniele Ferrari (New Moto Bike Team) 60, - 8. Rajko Bajt (TBP Lenart) 64, - 9. Bojan Udovic (KK Adria Mobile Novo Mesto) 67, - 10. Eugen Plesko (KK Postojna) 69, - weiters: 12. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) 116

 

Sonntag, 29. März 2009: Giro di Gorenjska, 4. Etappe: Straßenrennen rund um Kranj (SLO), 126 km

Rennstrecke: Kranj - Trboje - Podreca - Kranj - Zabnica - Skofja Loka - Sora - Goricane - Medno - Medvode - Smlednik - Sentvio - Tacen - Smartno - Crnuce - Podgorica - Polje - Zalog - Dol - Krumperk - Lukovica - Radomlje - Volcji potok - Mekinje - Stahovica - Zgornje Stranje - Kamnik - Duplica - Menges - Utik - Vodice - Moste - Spodnji Brnik - Sencur - Kranj, 126 km, 115 Höhenmeter, Start 10.40 Uhr

Wetter: kalt, starker O-Wind, strömender Regen, 9°

Strömender Regen den ganzen Tag lang!

Rennverlauf: Der alles entscheidende letzte Tag, die längste Etappe, und es regnet in Strömen! Ich muß bei solchem Scheißwetter sehr viel mehr essen, mich wärmner anziehen, Essen und Trinken mitnehmen, muß mich richtig präparieren für diesen langenTag. Alleine das Anziehen ist schon eine Prozedur ohneglerichern: zwei Paar Socken, dazwischen jeweils ein kleines Plastiksackerl, die Rennschuhe, darüber Überschuhe, die ich oben mit Klebeband abklebe, damit es nur ja nicht naß reingeht. Hilft natürlich nichts, denn es kommt ja von unten die Nässe rein. Dann ein kurzes Unterhemd, darüber ein Langarmtrikot, darüber ein großes Plastiksackerl, in das ich zwei Öffnungen für die Arme schneide und eine Öffnung für den Kopf, darüber noch ein Langarmtrikot, die Winterhandschuhe, eine Kappe, darüber den Helm. Zwei Trinkflaschen, drei Powergel´s stecke ich mir in die drei Trikottaschen, in jede Tasche eines. Warum? Wenn ich alle drei in dieselbe Tasache stecke, könnte ich sie möglicherweise beim Rausnehmen verlieren, so verliere ich nur eines.

Solcherart präpariert, stehe ich am Start und nehme mit den anderen das Rennen auf. Zunächst fahren wir eine 20-km-Schleife nach Süden, dann geht es nach Südwesten nach Skofja Loka runter. Der Rennverlauf? Fad, langweilig und einschläfernd, wenn es trocken wäre. Keine Attacken, gleichmäßiges zügiges Tempo, der ganze Haufen rollt langgezogen, aber kompakt über die Straßen. Der Wind ist hinderlich, aber ich strenge mich nicht an. Es ist halt unangenehm, wenn alles naß ist, aber man gewöhnt sich daran. Die Situation an der Spitze: Slak kontrolliert mit seinem Barbariga-Team das Rennen, seine Führung beträgt aber nur 4 Plätze vor Cuderman. Ich kann mich voll und ganz darauf konzentrieren, dem Wind und Wetter zu trotzen. Ich bin gut ein gepackt, aber trotzdem kriecht irgendwann mal die Kälte rein bis auf die Knochen.

Obwohl in den ersten zwei Stunden keine einzige Attacke gefahren wird, verkleinert sich das Feld sehr schnell. Viele Fahrer geben auf. Gut 200 sind noch gestartet, aber das Sauwetter ist jetzt für viele zu viel. Ich verstehe auch, daß man sich sehr schnell verkühlt und so früh im Jahr das nicht riskieren möchte, wenn im Grunde diese Rundfahrt schon gelaufen ist. Ich nehme mir vor, bis ins Ziel durchzuhalten. Bei mir geht es ja noch um was, ich liege unmittelbar an der Schwelle zu den Top-10-Plätzen.

Kreuz und quer fahren wir durch das Tal der Sava, heute erstmals südlich von Kranj, rund um Lubljana, dann nach Norden rauf bis Stahovica, rein in ein Karawankental. Nahezu die gesamte Etappe wird auf kleinen, schmalen Nebenstraßen gefahren, da fpürchte ich besonders einen Defekt (es liegen viele Steine auf der Fahrbahn, dazu kommen noch die vielen Schlaglöcher) und auch, daß ich abreissen muß, weil einfach zu viele Fahrer auf der schmalen Straße unterwegs sind.

Es ist nicht einfach, sich einerseits auf die Fahrbahn zu konzentrieren, auf die anderen Fahrer (der weit längere Bremsweg bei Nässe ist besonders bei hohem Tempo zu bedenken!), die Rutschgefahr, die schmalen Straßen, und den Rennverlauf darf ich auch nicht außer acht lassen. Dabei darf ich nicht zu essen vergessen, bei dem Wetter hat man sich ganz schnell einen Schwächeanfall eingehandelt, da heißt es wirklich ständig brav Kalorien zuführen.

Die Kilometer vergehen, die Minuten verrinnen, wir spulen die Distanz ab, der Regen hört nicht auf, läßt nicht mal nach, alles grau in grau, man sieht auch nicht sehr weit, ein dichter Nebel hängt über der Landschaft. Mit einem Wort: alles andere als einladend, eigentlich schade nach den beiden letzten Tagen hätte sich diese Rundfahrt einen solchen Abschluß nicht verdient. Naja, es bringt halt auch nichts, wenn man sich über das Wetter aufregt.

Erst nachdem wir knapp hundert Kilometer heruntergekurbelt haben, kommt Bewegung in diesen lahmen Haufen von Kadavern. Es fällt mir sehr schwer, da plötzlich unrhythmisch zu fahren, bei Attacken mitzuspringen, Löcher zuzufahren. Aber ich sage mir, es geht jetzt nur mehr 25 km weit, und wsenn es die anderen können, dann muß ich es auch können. Wie mürbe die anderen schon geworden sind, zeigt sich sofort, als die Gruppe jetzt rasend schnell immer kleiner wird. Das Tempo wird auch schlagartig verschärft, und dann sind wir auch schon auf den letzten zehn Kilometern. Jetzt wird mit gewaltigem Druck versucht, der Gruppe zu entkommen, auf den letzten Kilometern noch wegzufahren. Ich zähle die Gruppe mal durch und komme auf 29 Fahrer. Keine Ahnung, wer aller von den 12 zeitgleichen hier noch mit dabei ist. Der Gelbe jedenfalls schon, Slak, auch Cuderman ist da, Ropret hat sich wieder erholt und drückt für Slak aufs Tempo.

Und dann ist es sehr schnell vorbei. Der letzte Kilometer ist angebrochen, die Gruppe ist noch kleiner geworden, ich reihe mich vorne ein. Jetzt ist es klar, daß keiner mehr wegkommt, daß der Toursieg im Sprint dieser Gruppe entschieden wird. Und diese Entscheidung wird zwischen Slak und Cuderman fallen, die anderen liegen schon zu viele Plätze zurück. Ich spüre die Distanz, die Beine sind sauer, verkrampfen, aber dieser letzte Kilometer geht noch, muß noch gehen. Ich hab e eine sehr gute Position, die versuche ich zu halten, vorne wird beinhart gesprintet, ich rolle ins Ziel. Geschafft. 

Ich klassiere mich in dieser Etappe an der 15. Stelle, das ist das mit Abstand beste Ergebnis dieser Rundfahrt. In derGesamtwertung mache ich weiter Boden gut, denn von den zwölf zeitgleichen Fahrern sind drei nicht in dieser Spitzengruppe dabei. Und im allerletzten Sprint dieserTour wechselt die Führung abermals, jetzt liegt Marco Cuderman vorne, der sich damit den Rundfahrtsieg sichert.  Über meinen neunten Gesamtrang bin ich hochzufrieden, ich bin zurückhaltend, defensiv und passiv gefahren und das hat sich ausgezahlt.

Ergebnisse: 1. Marjan Srnel (GS Barbariga) 3:01:15 (Schnitt 41,4 km/h), - 2. Ales Hren (KK Adria Mobile Novo Mesto), - 3. Milan Koic (KK Bisport Nova Gorica), - 4. Bojan Ropret (GS Barbariga), - 5. Marco Cuderman (KK Adria Mobile Novo Mesto), - 6. Ales Tajmajster (ASTRA Lubljana), - 7. Imre Gabor (Budapest), - 8. Daniele Ferrari (New Moto Bike Team), - 9. Ljubo Csar (NK Maribor), - 10. Gilberto Zonca (GS Amici di Adorgnan), - weiters: 15. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl), alle gleiche Zeit

Gesamtwertung-Endstand: 1. Marco Cuderman (KK Adria Mobile Novo Mesto) 7:02:14 (Schnitt 42,0 km/h)/Platzziffer 53, - 2. Bostjan Slak (GS Barbariga) 55, - 3. Ljubo Csar (NK Maribor) 66, - 4. Primoz Cerin (KK ASTRA Lubljana) 67, - 5. Daniele Ferrari (New Moto Bike Team) 68, - 6. Sandi Papez (KK Adria Mobile Novo Mesto) 76, - 7. Eugen Plesko (KK Postojna) 96, - 8. Brane Ugrenovic (KK Kranj) 97, - 9. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) 131, alle gleiche Zeit, - 10. Primoz Kuscar (MTB Klub Most na soci) -0:15

 

Samstag, 4. April 2009: Straßenrennen St. Johann/Herberstein - Großwilfersdorf - Kaibing, 40 km

Strecke: St. Johann/Herberstein - Kaibing - Illensdorf - Blaindorf - Kroisbach - Großsteinbach - Großhartmannsdorf - Obgrün - Hainersdorf - Riegersdorf - Großwilfersdof - Riegersdorf - Hainersdorf - Obgrün - Großhartmannsdorf - Großsteinbach - Kroisbach - Blaindorf - Illensdorf - Kaibing, 40 km, 90 Höhenmeter, Start 14.30 Uhr

Wetter: starker NO-Wind, heiter, sehr warm, 23°

Rennverlauf: insgesamt 15 A-Fahrer müssen die Vorgabe von 4 :40 bzw. 2:00 Minuten auf die C/D- und B-Fahrer leisten, eine Vorgabe, die wir bisher immer sehr schnell aufgeholt haben. Doch heuer ist alles anders. Knapp 2 km wird ein hohes Tempo gefahren, dann plötzlich ist der Faden gerissen. Der Wind von schräg vorne ist auch störend, und so pendelt das Tempo ganz extrem zwischen 55 km/h und gerade mal 32. Daß dann immer wieder Einzelaktionen das Tempo stören, ist nur mehr der Punkt auf dem i. Und so kommt es, wie es kommen muß. Zwei Mann setzen sich ab,  Peter Krebs als einer der Favoriten ist dabei, im nächsten Duo ist mit Fritz Pöltl ein weiterer Favorit.

Damit ist bei uns jeder Wille zur Verfolgung völlig gebrochen, es tut sich überhaupt nichts mehr. Abgesehen von eben diesen Einzelaktionen, die aber sowieso alle nichts einbringen. Mal versucht es Schwarzäugl, dann wieder Rothschedl, meist fährt Adler nach, aber binnen kürzester Zeit ist die Gruppe wieder beisammen. Als ich einmal alleine zu zwei Ausreißern nach vorne fahre, hängt sofort die Gruppe an mir dran, und als dann alle beisammen sind, werden wieder die Beine hochgenommen.

Ich sehe schon ein, daß die Vychodil-Fahrer da eine schöne Taktik fahren können, aber meine Auffassung von Radsport ist das nicht. Der Anstieg in Riegersdorf zieht die Gruppe etwas auseinander, aber nicht mehr. Bei der Wende sind sowohl Krebs als auch Pöltl bereits zu den B-Fahrern aufgeschlossen, wir liegen noch eine gute Minute dahinter. Eigentlich wirklich kurios, daß wir einen Großteil unserer Vorgabe wettmachen konnten, obwohl wir derart herumgestanden sind.

Alle A-Fahrer sind ja deutlich jünger als ich, daher kann ich denen auch nicht so einfach über den Latz fahren. Im Gegenteil, hier muß ich aufpassen, daß ich dranbleibe. Im Normalfall. Daher war für mich sehr schnell klar, daß das nur eine kurze Trainingspartie werden wird, nicht mehr.

Peter Krebs, der Sieger des ersten Salli-Rennens dieser Saison.

Die letzten 16 km bin ich dann mit Votter Hermann alleine gefahren, das heißt, er ist an meinem Hinterrad geröchelt, ich bin gleichmäßig und konstant zwischen 36 und 43 km/h gefahren. Vorne hat Krebs Peter vor Fritz Pöltl gewonnen. Und ich bin nicht mehr an die B-Fahrer herangekommen und habe so nur den 24. Rang belegt. Enttäuschend zwar, aber ich tröste mich damit, daß es wenigsens ein Training war.

Ergebnisse: 1. Peter Krebs (ARBÖ Radsport-Vychodil Vredestein Graz) 1:00:34, - 2. Friedrich Pöltl (RC ARBÖ Sparkasse Kindberg) -0:02, - 3. Robert Rothschedl (ARBÖ Radsport Vychodil Vredestein Graz) , - 4. Daniel Sorger (ARBÖ Radsport Vychodil Vredestein Graz), - 5. Daniel Auer (ARBÖ Hoval Birkfeld), , alle gleiche Zeit, - 6. Thomas Binder (ARBÖ Sparkasse Birkfeld) -2:50, - 7. Arthur Zippl, - 8. Thomas Gingl, - 9. Karin Pekovits (UNIQA Graz), - 10. Franz Podrahski (ÖAMTC Zweirad-Neffe FC Donald St.Ruprecht/Raab), alle gleiche Zeit, - weiters: 25. Robert Bartonek (RC UNION UNterguggenberger Wörgl) -6:48

 

Ostersonntag, 12. April 2009: Rundstreckenrennen in Grosuplje (SLO), 80,6 km

Rennstrecke: Grosuplje - Brvace - Cikava - Autobahn - Toc - Brinje - Grosuplje, 13 Runden á 6,2 km= 80,6 km, 10 Höhenmeter pro Runde = 130 Höhenmeter, Start 12.00 Uhr, Vorgaben: Master 50+ , Master 40+ 1:21 Minuten, Amateure 2:42 Minuten und Elite 4:03 Minuten

Wetter: leicht bewölkt, sonnig, sehr mild, 19°, leichter NO-Wind

Rennverlauf: Ideales Radsportwetter, ein sehr schöner flacher Rundkurs, breite Straße, total glatter, weil brandneuerAsphaltbelag, pro Runde 2 km über eine neue Autobahn - Radlerherz, was willst du mehr? Naja,ein Rennen zusammen mit der Elite ist kein Honiglecken, die Vorgabe ändert daran nicht viel. Und pro Kategorie nur einen einzigen Preis, das ist auch nicht gerade üppig zu nennen. Insgesamt 262 Fahrer gehen ins Rennen, 105 davon sind Elitefahrer! Eigentlich erstaunlich, daß so viele Fahrer anderer Kategorien da an den Start gefunden haben, da sie ja total chancenlos sind.

Vom Start weg wird sehr schnell gefahren, aber auch sehr gleichmäßig, ich habe keine Probleme, mithzuhalten, fahre aber auch ganz vorne. Das langgezogene Feld rollt geschlossen um den Kurs, und schon in der 4. Runde sind die jüngeren Masterfahrer da. Das Tempo wird nicht höher, aber es geht jetzt Schlag auf Schlag: in der 6. Runde schließen die Amateure auf und zu Beginn der 7. Runde bereits, also nach etwa 38 km, haben die Elitefahrer die 5-Minuten-Vorgabe egalisiert! Das kann ja heiter werden. Am Start sind alle großen Profiteams Slolweniens, Perutnina Ptuj, Sava Kranj, Adria Mobile usw. Und jetzt wird es sofort merklich schneller.

Da ist es noch wichtiger, eine gute Position im nunmehr großen Feld zu haben, zumal im letzten Drittel immer wieder Löcher entstehen und ganze Gruppen abreißen. Ein paar Runden lang geht alles gut, das Feld wird dennoch rasch kleiner, das zeigt mir, daß es ja doch ganz schön selektiv ist anscheinend. Die Auffahrt zur Autobahn führt bergauf, da sind etwa 10 Höhenmeter zu überwinden, und diese lächerliche Erhebung geht ganz gewaltig in die Beine, besonders, wenn man da immer mit 43/15 raufsprintet.

Sporadisch gibt es Attacken, aberdas Tempo ist viel zu hoch, als daß da jemand wegkommen könnte, egal, ob allein oder eine kleine Gruppe. Alle werden sie immer wieder eingeholt. Dennoch ist das Rennen eigentlich nicht unrhythmisch, im Gegenteil, kurz nach dem ersten Drittel des Feldes fährt es sich eigentlich ganz gleichmäßig. Dort ist es - genaugenommen - eigentlich fade und langweilig. Doch das soll jetzt nicht heißen, daß es leicht ist, im Gegenteil, ich bin ganz schön geschafft und geschlaucht, obwohl ich keine Löcher zufahren brauche. Mit einem Stoßgebet danke ich dem Herrgott, als ich endlich in der Schlußrunde angelangt bin. Schwere Beine, Rücken verspannt, Oberarme und Schultern verkrampft, und auch in den Oberschenkeln spüre ich beginnende Krämpfe, und das, obwohl ich zwei 1-Liter-Trinkflaschen geleert habe.

In der allerletzten Runde möchte ich natürlich nicht mehr abgehängt werden, und weil da das Tempo dann nochmals forciert wird, beuge ich dem vor, indem ich versuche, mich so weit vorne wie möglich einzureihen. Das gelungt unter großem Aufwand, aber ich kann diese Position (unterden ersten 20) leider nicht halten und beginne wieder zurückzufallen. Die Sprinter formieren sich, werden nach vorne gefahren und suchen die günstigsten Positionen, und in diesem allgemeinen Tohuwabohu verliere ich konstant wieder Platz um Platz.

Gazvoda

Der U-23-Fahrer Gregor Gazvoda, Sieger im Rundstreckenrennen

Ergebnisse absolut: 1. Gregor Gazvoda (Perutnina Ptuj) 1:45:22 (Schnitt 43,4 km/h), - 2. Ales Udovic (Fanclub Matej Mugerlj), - 3. Domen Hribar (Motomat ETC 1), - 4. Gregor Vida (SD Energija Domzale), - 5. Rok Jerse (Sava Kranj), - 6. Dejan Kolar (KK Celje), - 7. Matej Anzin (Spica International), - 8.  Izidor Skrbina (Sportno drustvo Smarjeske Toplice), - 9. Blaz Krstic (KK Olimp Krsko), - 10. Uros Svigelj (KK Bicikel), -weiters: 56. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl), alle gleiche Zeit

Ergebnisse Master 50+: 1. Sandi Papez (KK Adria Mobile Novo Mesto) 1:45:22 (Schnitt 43,4 km/h), - 2. Ales Hren (KK Adria Mobile Novo Mesto), - 3. Marko Pleterlek (KK ASTRA Lubljana), - 4. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl), - 5. Oliver Merhar (KK Postojna),- 6. Denis Inamo (KK Postojna), alle gleiche Zeit, - 7. Toni Grlina (KK Koper/Postojna) -2:45, - 8. Boltjan Krele (KK Celje) -4:55, - 9. Bojan Debenec (Peklenk-Spica) -5:26, - 10. Sandi Papez (KK Adria Mobile Novo Mesto), gleiche Zeit

 

Ostermontag, 13. April 2009: Straßenrennen in Grosuplje (SLO), 156 km

Rennstrecke: Grosuplje - Brvace - Smarje-Sap - Skofljica - Toc -Brinje - Grosuplje, 10 Runden á 15,6 km = 156 km, 35 Höhenmeter pro Runde = 350 Höhenmeter, Start 12.00 Uhr, Vorgaben Master 50+ , Master 40+ 2:36 Minuten, Amateure 5:12 Minuten und Elite 7:48 Minuten

Wetter: wieder sehr mild, leicht wolkig, windstill, 17°

Rennverlauf: Wieder ideales Radsportwetter, wieder mit Vorgabe, wieder gegen die Eliteklasse, wieder gemeinsame Wertung, nur der jeweile Klassensieger erhält einen Sonderpreis. Wir fahren raus Richtung Lubljana bis Skofljica und auf schmalen, aber durchaus schönen Nebenstraßen wieder zurück. Ein flacher 15,6 km langer Rundkurs, den wir zehnmal bewältigen müssen. Und in derEliteklasse sind wieder alle, die in Slowenien was darstellen, am Start, darunter natürlich die großen Profiteams Perutnina Ptuj, Adria Mobile und Sava Kranj.

Wir rollen raus Richtung Westen, langsam und bedächtig, so, als ob wir möglichst schnell eingeholt werden wollen. Zweieinhalb Minuten haben wir Vorgabe auf die jüngere Masterklasse, und schon zu Beginn der zweiten Runde, nach 19 km, sind sie da. Das Rennen wird jetzt aber nur unwesentlich schneller, denn die Jüngeren passen sich sehr schnell an das Touristiktempo an. Gemächlich rollen wir dahin, keine Sprints, keine Attacken, keine Ausreißversuche, rein gar nichts. Wandertag pur.

Ich lasse mich nicht provozieren und zu einem Angriff verleiten, der mir nur Kraft und Energie kostet. Die Distanz ist lang, da brauche ich alle Körner. In der dritten Runde sind dann die Amateure da, die haben ihre 5 Minuten Vorgabe nach 36 km aufgeholt. Jetzt wird das Tempo merklich höher, das Feld ist auch größer geworden, und sofort zieht es sich in die Länge, es wird aussortiert, und sofort sind einige am Limit. Es wird nicht mehr lange dauern, bis die Elite da ist, und dann folgt der erste Härtetest: kann ich das höhere Tempo mitgehen?

Auf den schmalen Straßen ist es nicht ungefährlich, denn wenn man da weiter hinten im Feld eingezwickt ist, sich nicht freifahren kann, ist man sehr schnell abgehängt. Daher versuche ich da immer, ganz vorne mitzufahren, aber es kostet halt Kraft, sich da immer wieder ganz vorne reinzufahren, auch wenn das Tempo nicht sehr hoch ist. In der 4. Runde ist es dann so weit: die 8 Minuten-Vorgabe auf die Elite hat gerade mal 55 km weit gereicht, dann ist der Wandertag vorbei. Aber noch fehlen 100 km bis ins Ziel!

Auf einen Schlag gut 5 km/h schneller fahren, kostet mehr Energie, als man glauben mag. Es ist eine gewaltige Anstrengung, und ich brauche eine gute Runde, um mich an dieses sehr viel höhere Tempo überhaupt mal zu gewöhnen. Dann orientiere ich mich nach vorne, suche eine gute Position zunächst mal im ersten Drittel des Feldes, dann noch weiter vorne. Natürlich verliere ich immer wieder mal ein paar Plätze, aber bei der nächstbesten Gelegenheit fahre ich gleich wieder nach vorne,so weit es eben geht. Jetzt wird auch unrhythmischergefahren, immer wieder wird attackiert, abersofort konsequent nachgesetzt. Auf diese Art kommt niemand weg, und da es immer wieder vereinzelte Fahrer probieren, ist das durch die Mannschaftsarbeit der großenTeams natürlich sofort wieder egalisiert. Das Feld ist heute viel kleiner als gestern, insgesamt sind wir gar nur 122 Fahrer, in meiner Klasse gar nur 14 Mann, die sich da an den Start getraut haben.

Ich merke sehr schnell, daß ich heute überhaupt nicht aktiv fahren kann, kein einziges Loch zufahren kann. DasTempo ist zu hoch. Also immer schön hübsch brav im Windschatten bleiben, im Feld bleiben, eine gute Position halten, nicht zu weit nach hinten durchfallen lassen. Aber in den Kurven ist der Ziehharmonika-Effekt ganz schön brutal. Da wird reingeknallt in die Kurve, abgebremst, danach wieder angetreten, und automatisch sind die Löcher da. Noch dazu alles in Einserreihe.

Haarscharf am Desaster vorbei fahre ich in der 9. und vorletzten Runde: vorne wird wild attackiert, Konter, Gegenangriffe am laufenden Band. Anscheinend will es jetzt wer erzwingen, aber niemand kommt weg. In der Situation falle ich auch immer weiter im Feld zurück, und irgendwann bin ich halt ziemlich weit hinten, und plötzlich ist auch vor mir ein Loch, das ich nicht sofort zufahren kann. Scheiße! Das Loch wird größer, und das war´s dann wohl. Mit mir reißt eine ganze Gruppe von gut 15 Mann ab. Aber ich mache nicht diesen verdammten Fehler, den sie bei uns in Österreich immer machen, da wird nämlich so getan, als würde man nachfahren, in Wirklichkeit ist man viel langsamer als die Gruppe davor, das Loch wird größer, und man steht den nachfolgenden eigentlich nur im Weg herum. Nein, da schwenke ich lieber weg und lasse die Leute hinter mir das versuchen.

Und tatsächlich, weil sich vorne eine 12-Mann-Spitze anscheinend in der richtigen Zusammensetzung (von den großen Teams wer dabei) abgesetzt hat, nimmt man im Feld die Beine hoch, und der kurze Moment genügt uns auch schon, um nach ca. 5 km doch wieder ans Feld aufzuschließen. In der Schlußrunde fahre ich dann wie in Trance im Feld, lasse nicht locker, habe mich ans Hinterrad des vor mir Fahrenden verbissen und gebe keinen Millimeter preis. Die Arme sind verkrampft, die Schulter schmerzt und ist verspannt, die Oberschenkel brennen,die Lunge pfeift und der Schweiß tropft von der Stirn in die Augen, was doppelt brennt. Richtiger, echter Schmerz macht sich im Körper breit. Wer das nicht kennt, der hat noch nie in seinem Leben so RICHTIG hingehalten!

Vorne kann sich ein Mann aus der Spitze absetzen, die Verfolger werden nicht mehr eingeholt, aber im Feld wird auf den letzten 5 km auch noch verdammt schnell gefahren, schließlich gibt es noch 18 Barpreise im Feld zu vergeben. Theoretisch habe ich auch noch eine Chance darauf, aber eben nur theoretisch. In der Praxis sieht das schon ganz anders aus. Ich schicke auf diesen letzten 5 km sicherlich Hunderttausende Stoßgebete gegen den Himmel, bitte und bettle beim Himmelvater um ein gnädiges Finale.

Ich kriege dann gar nicht richtig mit, daß ich unterm Zieltransparent durchgeschossen bin, so angeknackst bin ich schon. Und daß ich meine Kategorie Master 50+ gar gewonnen habe, sehe ich erst, als ich die Ergebnisliste durchsehe. Kein anderer Fahrer meiner Klasse war im Hauptfeld mehr dabei!

Stare

Tagessieger Matej Stare, U-23-Fahrer von Perutnina Ptuj

Ergebnisse absolut: 1. Matej Stare (GS Perutnina Ptuj) 3:52:19 (Schnitt 40,2 km/h), - 2. Matej Trek (SD Turbo) -0:23, - 3. Uros Svigelj (KK Bicikel.com), - 4. Goran Ikie (Etika Ziri), - 5. Anze Breneie (SD Energija Domzale), - 6. Grega Rihar (Peklenk-Spica), - 7. Jani Preseren (BVG Gule), alle gleiche Zeit, - 8. Mirko Doslil (KK Celje) -0:28, - 9. Toni Grlina (Koper-Postojna), - 10. Borut Petril (ASTRA Lubljana), alle gleiche Zeit, - weiters: 69. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) -1:55

Ergebnisse Kategorie Master 50+: 1. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) 3:54:14 (Schnitt 40,0 km/h), - 2. Srecko Glivar (KK Adria Mobile Novo Mesto) -2:14, - 3. Marko Pleterlek (ASTRA Lubljana), - 4. Matja Habjan (ASTRA Lubljana), alle gleiche Zeit, - 5. BojanDebenec(Peklenk-Spica) -3:49, - 6. Ales Hren  (KK Adria Mobile Novo Mesto) -6:25, - 7. Oliver Merhar (Postojna), - 8. Ljubo Csar (NK Maribor), alle gleiche Zeit, - 9. Tomal Setnilar (ASTRA Lubljana) -8:12, - 10. Danijel Inidar(IPA RK Nova Gorica), gleiche Zeit

 

Samstag, 18. April 2009: Franz-Ressl-Gedenkrennen: Einzelzeitfahren in Ybbs, 12,8 km

Rennstrecke: Ybbs, Waldschenke - Willersbach, Wende - Ybbs, 12,8 km, Start 14.24 Uhr, 30-Sekunden-Startintervall

Wetter: trocken, mild, abersehr starker W-Wind, 19°

Rennverlauf: Obwohl ich gut 20 km aufgewärmt habe, hat überhaupt nichts gepaßt. Das Einzelzeitfahren, vor allem flach, ist mir einfach zuwider, ich kann mich einfach nicht überwinden, das als mein Ding zu sehen. Willi Czenek, der vor mir starten soll, ist gar nicht gekommen (MEMME!!!) und Gugler, der eine Minute vor mir gestartet ist, den sehe ich sowieso nie, weil er ja auch der stärkere Zeitfahrer ist. Wen also soll ich da schlagen?

Kurz vor der Wende ist es dann soweit, der 30 Sekunden hinter mir gestarete Krivetz (Zwettl) holt mich ein und fährt vorbei, in seinem Fahrwasser Günther Iby, der so schnell fährt, daß er gleich wieder außer Sicht ist. Der gewinnt wenig später übrigens meine Kategorie.

Ich bin am Ende zwar 7 oder 8 Sekunden schneller als im Vorjahr, fahre auch nur einen Schnitt von 40,3, aber viel ist das nicht, und so werde ich unter den 15 Startern auch nur 13. Schwamm drüber, und ganz schnell weiter zum nächsten Rennen.

Sieger Günther Iby

Podest Master II (von links): Sebastian Pfisterer, Günther Iby, Franz Rettenegger

Ergebnisse Master II: 1. Günther Iby (RC Amstetten) 17:10 (Schnitt 43,8 km/h), - 2. Sebastian Pfisterer (ARBÖ Grassinger Lambach) -0:28, - 3. Franz Rettenegger (RC Union Haus/Ennstal) -0:29, - 4. Gerhard Mosler (ARBÖ Raaba) -0:56, - 5. Hannes Krivetz (RC Raiffeisen Kosmopiloten Zwettl) -0:59, - 6. Peter Hoffmann (zweiradchaoten.com) -1:00, - 7. Günter Gugler (RC Amstetten) -1:07, - 8. Engelbert Dienstbier (RC Wienstrom-Lamster) -1:10, - 9. Gerhard Poschner (BRD, RSV Freilassing) -1:21, - 10. Rudolf Hansl (RC imcom.24 Vredestein Wien) -1:30, - weiters: 13. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) -1:57

 

Sonntag, 19. April 2009: Kirschblütenrennen in Wels, 70,8 km

Rennstrecke: Wels-Nord - Aichberg - Haiding - Uttenthal - Buchkirchen - Schartener Berg - Scharten - Mistelbach - Mistelbacher Berg - Oberhochrenz - Merkheimer Berg - Mitterlaab - Wels-Nord, 2 Runden á 35,4 km = 70,8 km, pro Runde 410 Höhenmeter = 820 Höhenmeter, Start 9.10 Uhr

Wetter: sonnig, mild, sehr starker NO-Wind, anfangs noch kühl, 15°, im Ziel dann warm und 22°

Start der Masterklassen II bis VI

Rennverlauf: Auf dem klassischen Rundkurs, der ja einer der schwersten in Österreich ist, findet das Rennen statt, in den Masterklassen II bis VI starten aber nur sehr wenige Fahrer (Armutszeugnis!). Der starke Wind, der im Laufe des Rennens noch stärker wird, ist sehr störend und eine echte Hürde. Dabei kenne ich noch die alte Originalstrecke dieses Rennens, die von Wels rauf nach Eferding führte und über den Schartner Berg zurück nach Wels. Die steilen Anstiege vor Buchkirchen ziehen das Feld gehörig in die Länge, und gleich nach Buchkirchen beim langen Anstieg auf den Schartner Berg haben wir Rückenwind, da wird hohes Tempo raufgefahren, aber die Gruppe bleibt beisammen. Erst als nach der Abzweigung das Steilstück wartet, platzt die Gruppe auseinander. Ich lasse reißen und finde mich bald in einer 3-Mann-Gruppe. Am Mistelbacher Berg steht der Wind schräg von vorne, da ist vor allem die Kuppe extrem schwer zu fahren.

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Hier bin ich in den Steigungen vor Buchkirchen

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Da bin ich in der 1. Runde am Schartner Berg

Adamek ist dabei (ARBÖ Grassinger Lambach), fährt ganz stark über die Kuppe, daß ich nur so schaue. In der Abfahrt kommt die Gruppe wieder zusammen, und endlich gelingt es uns dann, Jagd auf das Duo vor uns zu machen, aber erst kurz vor dem Ziel kommen wir ran. Auf den letzten Kilometern haben wir jetzt Rückenwind bzw. schräg von hinten, für die erste Runde benötigen wir weit mehr als eine Stunde.

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Am Schartener Berg in der 2. Runde

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Am Schartener Berg vor Goluszka und Reiter

Zweite Runde, wir fahren jetzt natürlich sehr viel langsamer als in der ersten, am Schartener Berg fliegt die Gruppe auseinander, wir fahren einzeln den Berg hoch. Dann gleich im Anschluß der nächste Berg, der Mistelbacher Anstieg, und dort kommt von hinten das Feld der Juniorenfahrer. Vorne eine kleine Spitzengruppe, dahinter das stark geschrumpfte Verfolgerfeld. Und als die vorbeifahren, reißt unsere Gruppe endgültig auseinander. In der Folge haben wir dann einen Junior in unserer Gruppe, aber der kann auch nicht entscheidend mithelfen, irgendwie ist der Dampf draußen.

Wir kommen in dieser Zusammensetzung bis zum Ziel, dort wird der Sprint schon gut 400 Meter vor dem Zielstrich eröffnet, natürlich habe ich das Nachsehen. Auch schon wurscht. Ich werde Neunter. Auch nicht schlecht. Der Vergleich mit dem Vorjahr: da war ich mit 16 Minuten Rückstand Zehnter, heute habe ich kaum 5 Minuten verloren und bin Neunter.

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Siegerehrung in der Klasse Master 2 (von links): Harald Danek, Ulrich Gössler, Sebastian Pfisterer

Ergebnisse Master II: 1. Ulrich Gössler (ARBÖ Drahteisel Volksbank Voitsberg) 2:05:34 (Schnitt 33,6 km/h), - 2. Harald Danek (RC Schnecke Allianz Wien), 6 Sekunden zurück, - 3. Sebastian Pfisterer (ARBÖ Grassinger Lambach), 4. Günter Gugler(RC ARBÖ Amstetten), alle gleiche Zeit, - 5. Johann Hauk (ARBÖ Volksbank Deutschlandsberg) -2:35, - 6. Gerhard Mosler (RC ARBÖ TV-Steiner Raaba) -3:45, - 7. Heinz Reiter (ARBÖ Radteam Landleben Salzburg) -4:56, - 8. Peter Goluszka (ARBÖ KSV Wien-Strom Lamster), - 9. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl), alle gleiche Zeit, - 10. Wolfgang Adamek (ARBÖ Grassinger Lambach) -9:26

 

Samstag, 25. April 2009: Lavanttaler Radrundfahrt in Wolfsberg, 52,2 km

Rennstrecke: Wolfsberg, Stadionbad - St. Johann - Eitweg - Schafferhofkreuzung - Wolkersdorf - St.Stefan - Wolfsberg, Stadionbad, 3 Runden á 17,4 km = 52,2 km, Start 10.10  Uhr, 185 Hölhenmeter pro Runde = 555 Höhenmeter

Wetter: sonnig, mild, mäßiger NW-Wind, 23°

Rennverlauf: Endlich wieder mal das Rennen auf dem traditionellen Wolfsberger Rundkurs! Die beiden Steigungen hintereinander gleich nach dem Start sind wohl das Kernstück des 17-km-Rundkurses. Der erste Anstieg relativ flach und lang, der zweite kurz und steil. Da wir nur drei Runden fahren, kommt jeder einzelnen dieser Steiugngen besondere Bedeutung zu. Naja, die Geschichte mit dem Helm könnt ihr unter "Tagebuch" nachlesen, jedenfalls hat dieser verdammte Deckel brutal wehgetan, weil er so überhaupt nicht gepaßt hat. Anfangs habe ich gar nicht gewußt, worauf ich mich mehr konzentrieren soll, auf diese Kopfschmerzen oder den ersten Anstieg.

Feld geschlossen auf den ersten Metern, dann sortiert sich der Haufen, ich halte hin, mit 39/20 kurble ich den Berg hoch. Interessant, daß in solchen Momenten IMMER der Eindruck entsteht, der Anstieg hätte sich seit dem letzten Mal mindestens verdoppelt, wenn nicht gar verdreifacht! Die ersten reißen ab, Löcher in der Reihe der Rennfahrer, aber irgendwie rette ich mich über die Kuppe.

Keine Ahnung, welcher Teufel mich reitet, aber während ich noch nach Luft ringe und röchle wie ein Tuberkulosekranker, fahre ich in der kurzen Abfahrt vorne raus und steche mit vollem Elan (keine Ahnung, woher!) in die zweite Steigung rein. Gut 10 % ist der Anstieg steil, aber nicht sehr lange. Trotzdem bringe ich nur ein paar wenige Umdrehungen hin, dann explodiere ich. Oder nur mein Kopf? Keine Ahnung, ich quäle mich durch die langgezogene Linkskurve. Unten zu Beginn der Steigung hat Groß Rudi angetreten, Schalk und Taucher haben sofort mitgezogen, und im Handumdrehen war die wilde Jagd im Gange.

Dahinter die Abgerissenen, Krebs, Fladerer und ich, in der langen Abfahrt runter haben wir erst gesehen, wie weit das Feld schon vorne ist. Entmutigend. Nach der Abfgahrt war auch detr Rothauer Sigi wieder da,  der ebenfalls abgerissen war. Es hat sich eine größere Verfolgergruppe gebildet, und nach einigen Anfangsschwierigkeiten kommt sogar so etwas wie eine Verfolgung zustande. Es ist unser Glück, daß vorne nichts mehr gefahren wird, daß sie die Beine hochnehmen, so kommen wir dann relativ schnell wieder heran. Unmittelbar nach der 1000-m-Marke haben wir aufgeschlossen, das Feld ist wieder beisammen!

Etwa 300  bis 350 Meter vor der Ziellinie fahre ich über einen unscheinbaren Kanaldeckel, aber durch die Erschütterung springt mir die Kette vom Blatt. Nur keine Panik, denke ich mir, einfach mit dem Werfer wieder raufholen. Doch dann merke ich, daß sich die Kette mit aller Gewalt um die Kurbel gelegt hat und der Kettensalat einfach nicht mehr hinzurkriegen ist. Die Sache ist klar, ich muß absteigen. Das war´s dann, ich habe ganz schwarze Hände, als ich wieder aufsteige und langsam zum Auto rolle.

Sieger Rudi Groß

Erbgebnisse Kategorie Master II: 1. Rudolf Groß (ARBÖ Raiffeisen Feld/See) 1:22:58 (Schnitt 37,3 km/h), - 2. Wolfgang Forobosko (ÖAMTC Raiffeisen Althofen) -2:48, - 3. Ullrich Gössler (ARBÖ Volksbank Drahteisel Voitsberg), gleiche Zeit, - 4. Gerhard Mosler (RC Steiner-TV Raaba) -3:10, - 5. Johann Hauk (ARBÖ Volksbank Deuschlandsberg), gleiche Zeit, - 6. Franz Gottmann (Polizei SV Graz), -6:13, - 7. Horst Kurmann (ÖAMTC Raiffeisen Althofen) -12:39, - 8. Otto Schebath (RC ARBÖ Sparkasse Kindberg), - 9. Ferdinand Kootz (BSG Kärntner Landesregierung)

 

Sonntag, 26. April 2009: Radmarathon "Rund um den Neusiedler See" in Mörbisch

Rennstrecke: Mörbisch - Klingenbach - Grenzübergang - Sopron - Balf - Hegykö - Fertöd - Nyarliget - Pamhagen - Apetlon - Illmitz - Podersdorf - Gols - Weiden - Neusiedl/See - Jois - Breitenbrunn - Purbach - Donnerskirchen - Oggau - Rust - Mörbisch, 130 km, 335 Höhenmeter, Start 10 Uhr

Wetter: heiß, sehr starker SW-Wind, 23°

 

Gut 1200 Starter in Mörbisch! Man sieht auch schön ganz vorne das Feld der Austria-4-Cup-Fahrer, die 10.-. € zusätzlich Startgeld für den vorderen Startplatz zahlen müssen!

Rennverlauf: Der Bewerb ist auch schon ein Klassiker in meinem Terminkalender. Aber leider sind da immer so viele Starter! Jedes Jahr stellen sich da weit über 1000 Radfahrer hin, das ist natürlich auch für die Organisatoren ein ganz gewaltiger  Brocken. Und weil ein solch riesiges Feld unüberschaubare Gefahren birgt (ich denke da nur an die ohnehin vielen Stürze!), hat man lange gesucht, bis man den Scharfrichter des Rennens unmittelbar an den Anfang  stellen konnte: den anfangs sehr steilen Anstieg in die Mörbischer Weinberge hinter dem Dorf überleben nicht viele. Jedes Jahr sondert sich da bereits auf den ersten beiden Kilometern die Spreu vom Weizen. Wenn sich da ein paar hundert Rennfahrer die Steigung raufmühen, reißt dann naturgemäß irgendwo die Reihe und es bilden sich Gruppen. Eine alte Faustregel: pro 10 Meter, die man hinter der ersten Startreihe steht, faßt man bis zum Grenzübergang in Klingenbach (nach 12 km) gut eine Minute Rückstand aus. Das zeigt wohl am besten, wie lebenswichtig eine ganz vordere Startposition ist.

Das steilste Stück des Anstieges, Ortsausgang Mörbisch

Die Teilnehmer am Austria-4-Cup (eine Gesamtwertung von vier Marathons) dürfen von ganz vorne starten, müssen aber 10.- € extra Startgeld zahlen. Das habe ich in den letzten Jahren auch gemacht, heuer aber nicht. Wollte mich unmittelbar vor dem Start irgendwie vorne reinmogeln. Ich hab e es versucht, aber ein Ordner hat mich am Überklettern der Absperrung gehindert und ganz nach hinten geschickt. Statt dessen bin ich nur auf die andere Straßenseite rüber und habe es dort versucht. Auch dort hat mich einer dieser Ungustln erwischt und wieder nach hinten geschickt. Und weil es dann nur mehr 8 Minuten bis zum Start waren, sind auch schon alle gut 1200  Starter im Gelände versammelt gewesen. Ich stehe also ganz hinten und beginne, mich  innerhalb des Startgitters nach vorne zu arbeiten. Ganz schön aufwendig, das kann ich euch sagen, vor allem sind alle so unglaublich mürrisch. Dabei wäre es doch Aufgabe des Veranstalters, wenigstens für die Lizenzfahrer einen vorderen Startplatz einzurichten. Schließlich fahre ich hier nicht zum Spaß und Zeitvertreib mit! Und ich sehe schon gar nicht ein, weshalb ich dafür auch noch 70.- € zahlen soll!!!

Schon ein beeindruckendes Bild, dieser Anstieg in die Weinberge - wenn 1200 Männlein und Weiblein wie die Ameisen da raufkeuchen!

Dann ist irgendwann der Startschuß gefallen, ich habe mich fest entschlossen immer weiter nach vorne gedrängt, aber es hat gestoppte 6 Minuten gedauert, bis sich die Fahrer rund um mich in Bewegung gesetzt haben. Und weitere 2 Minuten hat es gedauert, bis ich im Schrittempo die Startlinie erreicht habe. Mir war auch klar, daß die Ersten bereits den Anstieg und damit die ersten beiden Kilometer hinter sich gebracht haben! Realisiert man erst mal diese Dimension, dann muß einem auch klar sein, daß das kein Rennen mehr ist, sondern bestenfalls ein Training unter Rennbedingungen. Und dafür sind 70.- € ganz entschieden zu viel!

Solch ein Bild bietet sich dann, wenn man mehrere Minuten Rückstand hat!

Auch ich quäle mich da rauf, inmitten eines dichtgedrängten Haufens, ich überhole, so viel und so schnell ich kann, fahre praktisch pausenlos an irgendwelchen Hobbyfahrern vorbei, die auf der Stelle zu treten scheinen. Und dennoch komme ich der Spitze keinen Zentimeter näher, sondern falle vielmehr immer weiter zurück! Mit 39/20 kurble ich die 2,2 km hinauf, dann auf den schmalen asphaltierten Feld- und Forstwegen geht es entlang der ungarischen Grenze rüber nach Klingenbach zum Grenzübergang. Dort bin ich dann schon (!) in der zehnten oder elften oder zwölften Gruppe. Am allerletzten Anstieg, direkt beim Grenzübergang, fahre ich noch schnell in eine Gruppe vor, jetzt geht es nämlich bergab, und da ist man alleine so gut wie erschossen. Noch dazu bläst ein heftiger Gegenwind, der das Tempo der Gruppe auf etwa 34 bis 36 km/h runterdrückt - und das bergab!

Oben am Berg hatte ich einen Schnitt von 18,3 km/h, beim Grenzübergang schon 30,2, in Sopron dann schon 32,3, und auf den ganz langen Geraden kann ich ganz weit vorne noch eine Gruppe erkennen - eine größere, das müssen gut 30 Mann sein. Ich fahre mehr oder weniger locker in dieser Gruppe mit, führe auch sporadisch paarmal, und mit der Zeit pendelt sich das Tempo auf zügigen 35 km/h ein. Wenn ich nur daran denke, daß die Führenden hier um gute 3  bis 5 km/h schneller unterwegs sind, kommt mir schon die Galle hoch. Das sind zu ungleiche Voraussetzungen.

Wir fahren gleichmäßig dahin, und als wir nach 52 km wieder bei Pamhagen auf österreichischen Boden gelangen, habe ich nach 1:28´ Stunden einen Schnitt von 35,3 km/h erreicht - das Tempo einer Touristikfahrt! Aber jetzt bläst der Wind direkt oder leicht schräg von hinten - und treibt uns voran, das Tempo steigt und steigt, auf 40 km/h, auf 50, und auch darüber. In Neusiedl/See habe ich bereits einen Gesamtschnitt von 38,3 km/h erreicht!

Immer wieder holen wir Fahrer ein, Gruppen oder auch einzelne, aber meine Gruppe wird dennoch kaum größer, denn immer wieder verlieren wir auch welche, reißen Fahrer im scharfen Wind ab, weil sie sich nicht in der Kante behaupten können. Wie überhaupt das technische Niveau dieser Fahrer erschreckend ist - niedrig nämlich! Manche glauben, die anderen in die Geheimnisse des Hinterradfahrens einweisen zu müssen - ich habe das schon länst aufgegeben, schließlich erkennen die Jungs ja nicht mal, woher der Wind kommt! Es ist nervenaufreibend und frustrierend, wenn man sich mit solchen Problemen herumschlagen muß. Doch das ganze Jammern hilft nichts.

Ab Jois geht es zunächst wieder nach Südwesten, der Wind kommt wieder von vorne bzw. von schräg vorne - das Tempo wird auf 22 bis 26 km/h gedrosselt - richtig, viel schneller sind wir nicht! Ab Neusiedl holen wir nur mehr Einzelfahrer ein, die wahrscheinlich im starken Wind vorne abgerissen sind. Auf den letzten 6 km reihe ich mich vorne ein, habe keine Prob leme, fahre ganz vorne in der Gruppe ins Ziel. Und da ich mich ganz frisch und munter fühle, kann ich mir durchaus vorstellen, wieviel mehr da drinnen gewesen wäre!

Am Ergebnis sieht man am besten, wie es gelaufen wäre, wenn ich nur eine oder zwei Gruppen weiter vorne gelandet wäre!  Dazu ein paar Zahlen: Durchschnittspuls 132, Maximalpuls 162 (gleich nach dem Start), das war wirklich nicht sehr viel mehr als erin Training. In den letzten Jahren war ich regelmäßig 10 bis 15 Minuten schneller gewesen.

Der Zielsprint geht an Stefan Pöll

Ergebnisse absolut: 1.Stefan Pöll (RC UNION Rosalia - Gitti´s Müesli) 3:02:38, - 2. Jiri Krivanek (CZ, Pedalus Znojmo), gleiche Zeit, - 3. Michael Knopf (RC UNION Rosalia - Gitti´s Müesli) -5:55, - 4. Christoph Tschellnig (Morethanbike) -5:59, - 5. Jiri Mikulasek (CZ, Pedalus Znojmo) -6:13, - 6. Günther Baringer (RC Team-Sport-Nora Wien) -6:14, - 7. Ulrich Schwaiger (RC Raiffeisen Cosmopiloten Zwettl) -6:16, - 8. Michael Singer (RC UNION Rosalia - Gitti´s Müesli) -8:43, - 9. Dean Vasiljev (Naturfreunde Raiffeisen Mondsee), gleiche Zeit, - 10. Mathias Lumplecker -8:59, - weiters: 166. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) -30:38

Ergebnisse Master 50+: 1. Engelbert Dienstbier (RC KSV Wienstrom-Lamster) 3:14:03, - 2. Hannes Krivetz (RC Raiffeisen Cosmopiloten Zwettl) -0:06, - 3. Rudolf Atzenhofer (RC Lietz-Sport), gleiche Zeit - 4. Rudolf Groß (RC ARBÖ Raiffeisen Feld /See) -0:15, - 5. Jörg Seewald (Spi-Katiowa) -2:12, - 6. Helmut Schürhagl (SIG Eisenwurzen) -7:32, - 7. Manfred Reiter (RC ARBÖ Bike-Point Innsbruck) -9:33, - 8. Manfred Liszt (Coca-Cola Wien) -9:34, - 9. Christian Rettenbacher (GRV Windischgarsten) -9:35, - 10. Karl Broschek -9:37, - weiters: 16. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) -19:13

 

Freitag, 1. Mai 2009: Kriterium in Ebreichsdorf, 21 km

Rennstrecke: Rundkurs Ebreichsdorf, 15 Runden á 1,4 km = 21 km, Start 10.10 Uhr

Wetter sonnig, sehr starker N- bis NO-Wind, 21°

Rennverlauf: Zusammen mit den Fahrern der Klasse III waren wir 16 Mann am Start. Nicht gerade viel, aber es waren auch schon mal weniger gewesen. Wie im Vorjahr herrschte auch diesmal auf der Gegengeraden sehr starker Gegenwind. Das war gut so, prädestiniert für Attacken. Langsamer Beginn. Bis zur ersten Wertung ist alles dicht beisammengeblieben. Dann eine schnelle Wertungsrunde, und der Sprint ist an die Älteren gegangen: Taucher vor Schäbinger lautet die erste Wertung, ich war viel zu weit hinten. Aber gleich nach der Werutung habe ich angetreten und bin weggefahren, allerdings Ende der Gegengeraden wieder eingeholt worden.

Jetzt war es schon spannenderm, mehrere Antritte, nicht nur von mir, dann die Wertungsrunde, hohes Tempo, ich fahre ganz vorne mit, gehe schon als Zweiter in die vorletzte Kurve, als Dritter in die Zielkurve und spurte dann mit voller Kraft - Ergebnis: Platz 5 und 1 Punkt, das Punktemaximum geht wieder an einen 3er, diesmal ist es Stephan Haider. Aber auch Günther Iby holt Punkte, der Sieger von Ybbs und Führende im Ginner-Cup. Zwischenstand nach zwei Wertungen: Haider (5) vor Taucher (5), Mosler (4), Iby (3) und Schäbinger (3), dahinter ich (1) und Nutz (1). Damit bin ich Sechster und Dritter in meiner Klasse. Ein Ergebnis, das ich aber nicht halten kann.

Mangels Sprintvermögens muß ich mich auf Attacken beschränken und hoffen, damit zum Erfolg zu kommen, sprich zu Punkten. Die dritte Wertung holt sich abermals Haider vor Schäbinger und Iby, Taucher schafft noch einen Punkt. Und wieder kommt unmittelbar danach mein Antritt, wieder komme ich weg, dann schließt Iby auf, aber dem fahren sie sofort nach. Wir werden eingeholt, und ich attackiere gleich wieder. Aber wieder nichts, wieder fahren sie mir nach. Zwischenstand nach 3 Wertungen: Haider (10) vor Schäbinger (6) und Taucher (6), ich liege nach wie vor an 6. Stelle.

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Günther Iby im Ginner-Trikot in Führung

Dann eine Attacke von einem anderen Fahrer (auch das gibt es!), das Feld zieht sich in die Länge, und überraschend reißt Iby ab. Als ich das merke, forciere ich natürlich sofort, aber nach ein paar Runden ist er wieder da. Vierte Wertung: in der Wertungsrunde attackiere ich gleich zu Beginn, komme auf der kurzen Geraden weg, in der Gegengeraden werde iuch wieder ein geholt, und Krivetz fährt in der Folghe alleine weg. Dem fährt niemand nach, alle schauen sich an, alle schauen auf mich, alle nehmen sie die Beine hoch. Ich kann nicht, ich mache es ihnen gleich. Solche Ärsche! Weil sie mir nichts vergönnen, räumt ein anderer ab. Krivetz holt sich die Punkte mit souveränem Vorsprung, dahinter Schäbinger, Ebermann, Hansl und ich, aber als Fünfter bleibt mir gar nichts.

Noch einmal probiere ich es, wieder eine Attacke, natürlich kommen sie wieder, und sofort attackiere ich ein weiteres Mal. Zwecklos. Irgendeiner paßt immer auf, und die anderen ziehen nach. Dann steht wieder der ganze Haufen, Krivetz gewinnt an Vorsprung. Der fährt jetzt vorne alleine weiter. Zwischenstand nach 4 Wertungen: Haider (10) vor Schäbinger (9), Taucher (6) und Iby (5), ich bin an die 9. Stelle zurückgefallen.

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Krivetz führt vor Taucher und Iby

Die letzten Rundern: ich habe nichts mehr zu verlieren, greife noch zwei-, dreimal an, aber jedesmal fährt einer das Loch zu. Schnelle letzte Runde, auf den letzten Metern der Zielgeraden wird Krivetz doch noch gestellt (das kommt vom hundertmaligen Umdrehen und Zurückschauen > vorne spielt die Musik!), Iby holt sich mit einem ganz langen Gewaltsprint die Punkte vor Krivetz, Taucher und Schäbinger. Dahinter Nutz vor Mosler und mir, und das kostet mich einen weiteren Platz, ich werde Zehnter und nur Sechster in meiner Klasse II.

Mit der Schlußwertung hat Haider dieses Kriterium noch an Schäbinger verloren, Iby gewinnt gesamt und meine Klasse, hat also nach Ybbs das zweite Rennen zum Ginner-Cup auch schon gewonnen. Ob der ein ernstzunehmender Kandidat auf den Gesamtsiweg ist? Noch ist es viel zu früh, aber mal sehen, wie es weitergeht in den nächsten Rennen zum Ginner-Cup.

Die Podiumsplazierten des Kriteriums (von links): Krivetz (2.), Iby (1.) und Mosler (3.)

Ergebnisse Kategorie Master II: 1. Günther Iby (RC Ginner Amstetten) 10 Punkte/32:45 (38,47 km/h), - 2. Hannes Krivetz (RC Raiffeisen Kosmopiloten Zwettl) 8, - 3. Gerhard Mosler (RC ARBÖ Steiner-TV Raaba) 4, - 4. Rudolf Hansl (ARBÖ imcom.24 Vredestein Wien) 1, - 5. Helmut Nutz (RC Trumau) 1, - 6. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) 1 Punkt, - 7. Willi Czenek (RC Schnecke Wiener Allianz), - 8. Erwin Zierler (ARBÖ Kollar Cycling-Team Stattersdorf), - 9. Rudolf Feitsch (RC Trumau), alle 0 Punkte

Gesamtstand im Ginner-Cup nach 2 Rennen: 1. Günther Iby (RC Ginner Amstetten) 62 Punkte, - 2. Hannes Krivetz (RC Raiffeisen Kosmopiloten Zwettl) 42, - 3. Gerhard Mosler (RC ARBÖ Steiner-TV Raaba) 39, - 4. Rudolf Hansl (RC ARBÖ imcom.24-Vredestein Wien) 30, - 5. Helmut Nutz (RC Trumau) 28, - 6. Sebastian Pfisterer (RC Grassinger Lambach) 28, - 7. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) 25, - 8. Erwin Zierler (ARBÖ Kollar Cycling Team Stattersdorf) 24, - 9. Franz Rettenegger (RC Union Haus/Ennstal) 24, - 10. Rudolf Feitsch (RC Trumaiu) 20

 

Samstag, 2. Mai 2009: Straßenrennen um den Großen Europa-Preis in Znaim (TCH), 122,6 km

Rennstrecke: Znaim/Ostry - Oblekovice - Saldorf - Havraniky - Hnanice - Grenzübergang - Retzbach - Retz - Hofern - Obermarkersdorf - Waitzendorf - Untermixnitz - Weitersfeld - Pleißing - Waschbach - Heufureth - Mallersbach - Riegersburg - Langau - Grenzübergang - Stalky - Uhercice - Korolupy - Vysocany - Desov - Zalesi - Stitary - Sumna - Lesna - Vracovice - Milicovice - Citonice - Bezkov - Masovice - Hradiste - Znaim, 122,6 km, 1305 Höhenmeter, Start 10.10 Uhr

Streckenskizze (Bildquelle: Veranstalter)

Wetter: stark bewölkt, starker NW-Wind, relativ kühl, 17°

Rennverlauf: Wie ihr am obigen Streckenprofil sehen könnt, war das eine sauschwere Strecke, ein ständiges Auf und Ab, teilweise sogar recht steile Anstiege. Wir waren am Start noch knapp 100 Fahrer, doch sehr schnell ist das Feld gesprengt worden.

Noch vor der Staatsgrenze war ein gut 4 km langer, zwar flacher, aber nichtsdestotrotz schwerer Anstieg zu fahren, weil da das Feld schon ziemlich durchgerüttelt wurde. Es war nicht leicht, da vorne zu sein, denn es war schnell, und alle drängten nach vorne. Erst in Retz dann der erste Scharfrichter, der erste echte Anstieg, 5 km lang, hinauf nach Hofern, da wurde gnadenlos gefightet auf Teufel komm raús, ich bin - toi, toi, toi - in der zweiten Gruppe oben angekommen. Vorne war ein etwa 20 Mann starkes Feld, ich dahinter in einer etwa ebenso großen Gruppe. Interessantes Detail: obwohl wir knapp 55 km dieses Rennens auf österreichischem Boden gefahren sind, war ich der einziger Österreicher am Start! Was für ein erbärmliches Bild für den österreichischen Radsport!

Spitzengruppe in voller Fahrt

Auf schmalen Nebenstraßen ging es dann wieder runter nach Obermarkersdorf, meine Gruppe ist etwas größer geworden, von vorne haben wir auch einige wenige Fahrer aufgesammelt. Auffallend war dabei, daß da unglaublich konsequent gefahren wurde, ich durfte keine Sekunde an etwas anderes denken, mußte wirklich voll konzentriert fahren und keinen Tritt auslassen. Diese Abfahrt hat viel Substanz gekostet, und die Gruppe ist da deutlich kleiner geworden. Es war eine sehr wilde, eine riskante Jagd den Berg runter, aber sie hat sich bezahlt gemacht, denn am Ende war meine Gruppe deutlich kleiner und wir waren sehr viel näher an die Spitze herangekommen.

Nächster Anstieg, etwa 3 km lang, mit ca 5 bis 8 % Steigung Richtung Untermixnitz hinauf, da ist meine Gruppe auseinandergeplatzt, aber die Spitze genauso. Mit dem Ergebnis, daß sich beide Gruppen völlig neu gebildet haben, und wieder war ich in der zweiten! Vorne waren jetzt 11 Mann, mit mir dahinter 8 Mann, der Rest abgeschlagen, und diese beiden Gruppen waren etwa eine halbe Minute auseinander. In dem stark kupierten Gelände aber, meist mit Gegenwind, ist der Abstand aber leider wieder größer geworden. Hohes Tempo in beiden Gruppen, in einem wahren Energieanfall haben sich dann vier Mann vorgespannt (ich war natürlich nicht dabei!) und so konnten wir zwischen Riegersdorf und Langau aufschließen. Postwendend sind gleich ein paar Mann zurückgefallen, sodaß wir 14 Fahrer waren, die zurück über die Grenze in die Tschechei gefahren sind.

Am Berg bildet sich eine neue Spitzengruppe

Plötzlich geht es steil runter ins Thaya-Tal und auf der anderen Seite genauso steil wieder hoch. Gut 2 km lang, sofort wird wild attackiert, ich muß da mitgehen, sonst falle ich zu weit zurück. In der Tat, oben angekommen, sind wir nur mehr 4 Mann und auch wieder nur mehr knapp hinter der Spitze. Von dort fallen auch ein paar Fahrer zurück, nur einer kann sich bei uns anhängen, und zu fünft fahren wir ganz vorne ran. Neue Situation: 8 Mann Spitze nach 69 km, und ich bin wieder dabei!

Doch zu früh gefreut, postwendend setzen sich durch eine Attacke drei Mann ab, wir werden von hinten von fünf Verfolgern aufgefahren, sind dadurch wieder acht Mann, aber sofort teilt sich die Gruppe, vier Mann vorne, vier mit mir knapp dahinter. Dieser Kampf steht auf des Messers Schneide, alle fahren ambitioniert, können aber nicht entscheidend Boden gutmachen. Wir sehen beide Gruppen vor uns, kommen aber einfach nicht näher.

Hinter Desov wird mit 535 Metern Seehöhe der höchste Punkt erreicht, und an diesem knapp 3 km langen Anstieg bildet sich die endgültige Spitze. Ich sehe, daß ich nicht mehr warten kann, denn die Abstände vergrößern sich, also werfe ich alle Kräfte in die Waagschale und fahre gleich zu Beginn des Anstiegs alleine in die zweite Gruppe vor, die auch schon ziemlich zerzaust ist, als ich sie erreiche. Einer klemmt sich an mein Hinterrad, zusammen erreichen wir die Spitze, direkt an der Kuppe, ich sprinte vorbei, forciere noch einmal, und nur ein einziger aus dieser dreiköpfigen Spitze kann mithalten.

Für weinen Momnent habe ich unglaubliche Beine, und das nutze ich auch aus. Etwa 4 km lang gebe ich die Führung nicht mehr her, drücke drauf, mit allem, was ich habe. Die beiden hinter mir müssen sich gehörig strecken, und als ich dann wegschwenke, ist unser Vorsprung beruhigend groß. Aber die beiden sind auch nicht schwach und halten das Tempo. Jetzt muß ich aufpassen, daß ich nicht abreiße, ich habe mich natürlich übernommen und kann mich aber nicht ordentlich erfangen. Noch 25 km bis ins Ziel. Und mit dem starken Wind im Rücken wird das eine schier unglaubliche Tempobolzerei. Kaum jemals fahren wir unter 50 km/h, und ich bin permanent am Anschlag. Keine Ahnung, wie ich diese Phase überstehe, ich nehme auch kaum, meist halte ich mich konsequent zurück, ein paar wenige Male fahre ich einfach nur so durch, schwenke jedes Mal sofort wieder weg und habe danach trotzdem allergrößte Schwierigkeiten, wieder ans rettende Hinterrad zu kommen. Wenn die beiden wüßten, wie es um mich bestellt ist, hättern sie mch längst schon abgehängt.

Dann haben wir wieder Znaim erreicht, die Silhouette taucht schnell am Horizont auf, die breite Hauptstraße geht es in die Stadt hinein, raus zur Industriezone, zu den Skoda-Werken, wo sich Start und Ziel befinden. Spannender Zieleinlauf: etwa 3 km vor dem Zielstrich setzt sich ein Mann ab, mit mächtig kraftvollem Antritt, wir beiden anderen reagieren gar nicht. Ich sowieso nicht, der andere aber auch nicht, erst nach einer Weile, als er merkt, daß der Spitzenreiter quasi steckenbleibt, forciert er etwas, dann immer mehr. Wir kommen bis zur 1000-m-Marke, dort ist dann der Spitzenreiter wieder gestellt. Sofort kommt meine Attacke, ich habe ja schließlich nichts zu verlieren.

Aber ich habe schon zuviel Laktat in den Oberschenkeln, ich kann nicht durchziehen, bei 500 m sind sie wieder da. Mit dem Mut der Verzweiflung versuche ich es sofort neuerlich, aber da nutzt mir nicht einmal der Überraschungsmoment. Nein, da ist nichts zu machen. Mit welcher Leichtigkeit die beiden mir um die Ohren f#ahren, zeigt mir ganz deutlich, wie es um mich bestellt ist. Fazit: Ich bin heilfroh, im Ziel zu sein. Und so, wie ich mich fühle, ist der dritte Rang ein Geschenk Gottes für mich.

Ergebnisse Kategorie Master 50+: 1. Karol Lipovsky (CK Master-Team Trnava) 2:42:36 (Siegerschnitt 43,5 km/h), - 2. Radoslav Krummer (Slavia Karlovy Vary), - 3. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl), beide gleiche Zeit, - 4. Stanislav Svarovsky (KC kooperativa) -6:44, - 5. Ludvik Killinger (Cyklo Team Killi) -6:55, - 6. Pavel Blazek (KC kooperativa) -7:51, - 7. Ctirad Sulc (CKKV  Praha) -7:54, - 8. Jaroslav Holik (SKC Pecky) -9:59, - 9. Stefan Lames (CK Master-Team Trnava) -11:54, - 10. Ldfislav Vosahlo (Jiskra Novy Bydzov) -11:56

   

Sonntag,  3. Mai 2009: Karawanken-Radmarathon in Kirschentheuer, 141 km  

Rennstrecke: Kirschentheuer - Weizelsdorf - St. Johann/Rosental - Hundsdorf - Feistritz/Rosental - Suetschach - Maria Elend - St. Jakob/Rosental - St. Peter - Srajach - Mühlbach - Rossegg - St. Lambrecht - Selpritsch - St. Stefan - St. Egyden - Rupertiberg - Oberdörfl - Franzendorf - Ludmannsdorf - Fellersdorf - Niederdörfl - Tschachoritsch - Göriach - Ferlacher Stausee - Kirschentheuer - Görtschach - Ferlach - Unterferlach - Glainach - Seidolach - Dobrowa - Gotschuchen - Dullach - Draubrücke - Linsendorf - Draubrücke - Moos - Goritschach - Möchling - Saager - Stein/Jauntal - St. Veit/Jauntal - St. Primus - Lauchenholz - Gösselsddorf - Sittersdorf - Miklauzhof - Jerischach - Wildenstein - Abtei - Niederdörfl - St. Margarethen/Rosental - Gotschuchen - Dobrowa - Seidolach - Glainach - Dörfl - Unterferlach - Ferlach - Görtschach - Kirschentheuer, 141 km, 1500 Höhenmeter, Start 10 Uhr 

Streckenskizze (Bildquelle: Veranstalter)

Wetter: bedeckt, regnerisch, dunkle Wolken, leichter NW-Wind, später bewölkt, aufgelockert, sonnig, anfangs 17°, im Ziel 24° 

Rennverlauf: Ganz, ganz langsam sind die ersten Kilometer abgespult worden, kaum jemals ist das Tempo auf über 30 km/h gestiegen. Das war wie eine Wanderfahrt. Erst kurz vor Selpritsch ist etwas Leben ins Feld gekommen, und in Erwartung des Anstieges auf den Rupertiberg sind da schon die Positionen bezogen worden. Das ist der entscheidende Anstieg, denn hier wird über die Gruppe entschieden, in der man den Großteil der Rennstrecke runterkurbelt. Mir ist es gar nicht gut gegangen, ich habe das gestrige schwere Rennen gespürt, hatte ziemlich tote Beine, war sauer und verspannt. Das hat sich kilometerlang nicht geändert. Daher war ich ganz froh über diesen langsamen Beginn.

Startaufstellung

Start beim Gasthaus Ratz in Kirschentheuer

Anstieg auf dren Rupertiberg: bereits nach ca. 300 m ist für mich Endstation, ich kriege die Beine nicht mehr rum, wenig spektakulär reiße ich einfach ab. Und zwar gleich ordentlich. Keine Rede davon, den Abstand in Grenzen zu halten, nein, ich bin ganz einfach weg. Der Anstieg ist auch ziemlich lang, sodaß bis oben ein gehöriger Rückstand zusammenkommt. Erst ganz oben, unmittelbar vor der Kuppe, kann ich mit einem Schlag wieder die Kurbeln richtig drehen, und ich bin wie ausgewechselt. Mit 39/17 und 18 fahre ich an ein paar abgerissenen Fahrern vorbei, erreiche auf der Kuppe gerade noch eine 2-Mann-Gruppe, mit der ich mich in die Abrfahrt stürze. Unten kommen dann von hinten noch zwei Fahrer dazu, vorne fahren wir auch auf eine kleine Gruppe auf.

Anstieg auf den Rupertiberg

Aber ach herrje, was sind das bloß für Fahrer! Weder können sie geradeaus fahren, noch wissen sie, aus welcher Richtung der Wind bläst, Hinterradfahren können sie sowieso nicht, sie zittern und ruckeln herum, daß man unweigerlich am Hinterrad radiert, wenn man zu nahe kommt. Dann schwenken sie völlig unmotiviert todsicher immer in die falsche Richtung weg. Wenn sie in Führung gehen, folgt einmal ein knüppelharter Sprint von gut 100 Metern, dadurch reißen sie ein genauso großes Loch, dann schwenken sie voller Genugtuung weg und warten, bis der Rest wieder aufschließt. Es dauert so unsagbar lange, bis da endlich etwas Linie reinkommt. Natürlich ist nicht einmal daran zu denken, vorne wieder Anschluß zu finden. Da sie nicht richtig hinhalten können, ist ein hohes Tempo reines Wunschdenken.

Nachdem wir nach 54 km wieder in Kirschentheuer sind und dann die östliche, längere Runde in Angriff nehmen, ist mir klar, daß wir bestenfalls ein paar abgerissene Fahrer noch einsammeln werden, aber nicht mehr. Und genauso kommt es auch. Aus der Führungsarbeit halte ich mich vollständig raus, und als wir auf das andere Drauufer Richtung Linsendorf rüberfahren, ist die Gruppe schon auf 14 Mann angewachsen. Schneller sind wir trotzdem nicht. Aber auch so vergeht die Zeit und werden die Kilometer immer weniger.

Erst im Jauntal, als wir zum Turnersee rauffahren, wird die Strecke wieder etwas schwieriger, aber es ist noch zu flach, trotzdem verlieren wir wieder ein paar Fahrer, sind dann nur mehr 12 Mann, am Ende gar nur mehr neun. Der Gesamtschnitt des Rennens schwankt zwischen 34 und 35 km/h. Zwischen Sittersdorf unbd Wildenstein ist dann auf einmnal von hinten eine größere Gruppe aufgefahren, und es kommt erstmals etwas Tempo in den Haufen rein. Auch steht der Wind jetzt etwas günstiger, er bläst schräg von hinten. Der schwierigste Teil steht noch bevor: der knapp 4 km lange Anstieg auf die Abtei mit 12 % Steigung. Von dort oben sind es dann nur mehr 23 km bis ins Ziel, bis auf ein paar äußerst unangenehme Gegensteigungen geht es dann bergab.

Da ich sehr lange nicht geführt habe, ist noch genug Substanz in mir, um mich an die Spitze der Gruppe zu setzen. Kaum beginnt die Steigung, ist der Dampf draußen. Und jetzt sieht man auch, daß wir schon gute 115 km unterwegs sind, um die Ausdauer ist es bei den meisten nämlich nicht mehr sehr gut bestellt. Sofort setzt sich einer an die Spitze, der mir schon in all den Steigungen zuvor aufgefallen ist, weil er da nämlich immer vorne weg gefahren ist. Diesmal aber kann ich nachfahren, komme näher, und im gleichen Maße bleiben alle anderen hinter mir zurück. Eigentlich wollte ich ja nur die Gruppe halten, aber so, wie das jetzt aussieht, ist es wohl am besten, wenn ich voll draufdrücke. Je mehr da entscheidend zurückfallen, desto besser. Der Anstieg ist steil und lang, die Gruppe zerfällt völlig. Je höher wir raufkommen, desto größer wird wieder mein Rückstand, ich muß mich immer mehr plagen und schinden, und plötzlich ist es völlig aus. Ich stecke fest. Das Tempo fällt. Vorher noch war ich zwischen 13 und 14 km/h, jetzt fällt es runter auf 10 km/h. Mein Glück, daß ich schon einen so großen Vorsprung habe. Aber oben auf der ersten Kuppe ist dann plötzliuch einer hinter mir, fährt vorbei. Anfangs kann ich ihn noch so halbwegs halten, aber dann fährt er mir auf und davon.

Alleine fahre ich über die Kuppe, möchte in der Abfahrt wieder aufschließen. Hohes Tempo, hohes Risiko. Doch gleich hinter der Kuppe ist eine nicht abgesicherte Baustelle, in die ich mizt vollemTempo reinbkrache. Schotterstraße, riesige Kiesel und kleinere Gesteinsbrocken liegen auf der gesamten Fahrbahn herum. Ich habe Riesenglück, daß ich da nicht zu Sturz komme, irgendwie noch aussteuern kann. In der Folge bin ich vorsichtiger, dadurch aber auch langsamer. Der Abstand wird wieder größer, schließlich ist der Mann vor mir außer Sicht. Und 15 km vor dem Ziel sind dann zwei  Fahrer hinter mir, ich lasse sie herankommen, zu dritt kämpft es sich besser gegen den Wind an, der größtenteils schräg von vorne kommt.

3 km vor dem Ziel haben wir es dann doch noch geschafft und den "Ausreißer" gestellt, ich setze mich 500 m vor dem Ziel an die Spitze meiner klitzekleinen Gruppe und führe bis ins Ziel. Nach dem dritten Vorjahrsrang reicht es diesmal nur zu Platz 5. Aber ich bin zufrieden, es war das dritte Rennen an diesem Wochenende, der dritte Top-10-Platz.

Achim Mörtl

Ergebnisse Tageswertung: 1. Achim Mörtl (Kelag Energy Running Team) 3:44:05 (Siegerschnitt 38,3 km/h), - 2. Bernd Hufnagl (Team Benefit Wien) -0:10, - 3. Andreas Klausner (RC Union Schwarzl-Freizeitzentrum Laßnitzhöhe) -0:15, - 4. Gebhard Pertl (RC Raiffeisen Feld/'See), - 5. Andreas Knapp (Graz), - 6. Reinhard Schmid (RC Radsport Sampl-Racing Lungau), alle gleiche Zeit, - 7. Christian Müller (KTM-Mountainbiker.at) -2:35, - 8. Bruno Martinez (RC Raiffeisen Feld/See), - 9. Wilfried Offner (Biketeam Köttmannsdorf), - 10. Luka Cmigo (SLO, Bambi), alle gleiche Zeit, - weiters: 32. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) -16:55

Ergebnisse Kategorie Senioren 1: 1. Raimund Wulz (RC RLM Kostel Grafenstein) 3:55:10 (Schnitt 37 km/h), - 2. Norbert Schneider (KTM-Mountainbiker.at) -0:10, - 3. Erwin Kozak (Kelag Energy Running Team) -2:30, - 4. Reinhold Garnitschnig -5:20, - 5. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) -5:50, - 6. Johannes Klammer (SC MTB Mirnock) -11:40, - 7.  Peter Fladerer (RC Raiffeisen Feld/See) -24:50, - 8. Anton Berger (ÖAMTC Zweirad-Salbrechter Feldkirchen) -1:01:10, - 9. Bertram Plessnig -1:12:40, - 10. Konstantin Preradovic (SLO, Klub Polet) -1:37:40

 

Samstag, 9. Mai: Straßenrennen um den Grand Prix Barjanski in Sujici/Dobrovi, 78 km

Rennstrecke: Sujici - Dobrovi - Barje - Borovnico - Vrhniko - Sujici, 78 km, 185 Höhenmeter, Start 15.10 Uhr

Wetter: sehr warm, mäßiger NW-Wind, 26°

Rennverlauf: Auf den ersten Kilometern wurde ein eher gemächlichesTempo angeschlagen, in meiner Klasse der Masterfahrer 50+ waren insgesamt 75 Mann am Start, gefahren wurde ausnahmslos auf Nebenstraßen, schmal, kurvig, schlechterAsphalt, viele Schlaglöcher, das Bankett eine einzige Katastrophe. Typisch Slowenien eben. Und gleich die erste Attacke, gefahren nach knapp 20 kmnm, hat das Feld unglaublich zerrissen, eine Vierergruppe setzt sich vorne ab, dahinter zwei achtköpfige Gruppen sowie der Rest. Ich war anfangs in der dritten Gruppe, weil ich schon unaufmerksam geworden bin durch das langsame Fahren. Bald aber haben wir in die zweite Gruppe aufgeschlossen, damit waren nach etwa 40 km und gut der Hälfte der Distanz vier Mann vorne und eine 16köpfige Verfolgergruppe mit etwa eineinhalb Minuten
Rückstand.

Interessant: jetzt, wo es darum geht, aufzuholen, fahren sie auf einmal technisch sauber und ambitioniert. Vor allem gleichmäßig, und dadurch kommen wir schnell näher, als sie das bemerken, werden sie aber gleich wieder übermütig, einzelne versuchen, mit einem Kraftakt heranzuspringen, das geht natürlich nicht und die Konstanz der Gruppe wird so zerstört. Ergebnis: die Spitze gewinnt wieder an Boden!

Es ist ein ewiges Hin und Her, wir kommen mal näher, dann wieder vergrößert die Spitze ihren Vorsprung. Ich muß schon zugeben, das zerrt an den Nerven und verleitet förmlich dazu, mit einem Schlag dem Treiben ein Ende zu bereiten und einfach aufzuschließen. Schließlich will man es gar nicht glauben, daß das nicht gehen soll.

Doch das geht so weiter bis Kilometer 70, da beginnt nämlich der letzte große Anstieg, etwa 4 km lang, konstant mit etwa 3 bis 4 % Steigung. Anfangs knallen sie wie die Verrückten rein, es dauert keinen Kilometer, und die Spitze ist gestellt. Und damit ist dann aber auch der Ofen aus. DasTempo fällt ab, wir stehen praktisch, und damit wird es unübersichtlich. Einzelne Attacken reißen die Gruppe wieder auseinander, und am Ende fahren alle wieder volles Rohr am Anschlag. SeltsameTaktik.

Oben auf der Kuppe habe ich ein kleines Loch von etwa 25 Metern, die ganze Gruppe ist weit auseinandergezogen. In der Abfahrt, die etwas steiler ist als derAnstieg, bilden sich gleich mal kleine Grüppchen, aber nach und nach finden auch die zusammen und als es auf den Schlußkilometer geht, ist die ursprüngliche Spitzengruppe wieder beisammen. 16 Mann gehen mehr oder weniger geschlossen in die Entscheidung.

Ich bin nicht weggekommen, also muß ich jetzt mein Heil im Sprint suchen. Viel Hoffnung habe ich aber nicht, die Abfahrt ins Ziel runter macht das Rennen sauschnell und ist einfach nicht mein Ding.

Es ist nichts mehr zu machen. Irgendwie bin ich auch enttäusacht, daß mir da gar nichts geglückt ist. Der Haufen bleibt geschlossen und sprintet um den Sieg, ich werde 12. Ich bin zwar vorne in der ersten Gruppe dabei, hatte mir aber doch etwas mehr erwartet.

Ergebnisse Kategorie 50+: 1. Mario Manzovo (ll pneumatico) 1:55:25 (Schnitt 40,7 km/h), - 2. Ljubo Csar (NK Maribor), - 3. Valentin Krizaj (Papirnica Goricane), - 4. Janez Bohinec(SD SEL), - 5. Viktor Polajnar (Hidrija), - 6. Rajko Pajnic (Klub Polet), - 7. Igor Rigic (IJS Cneu Pamitno Z Energijo), - 8. Bojan Care (RK Triest), - 9. Janez Zepic (Karami 06), - 10. Joze Carman (Klub Polet), - weiters: 12. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl), alle gleiche Zeit

 

Sonntag, 17. Mai 2009: Straßenrennen in Königslachen bei Schrobenhausen um den Großen Preis der Stadtsparkasse Schrobenhausen, 48,5 km

Rennstrecke: Königslachen - Brunnen - Gröbern - Sportheim Waidhofen - Königslachen, 3 Runden á 16,170 km = 48,5 km, 170 Höhenmeter pro Runde = 510 Höhenmeter, Start 11.45 Uhr, zugleich auch Schwäbische Straßenmeisterschaft

Wetter: mäßiger NW-Wind, heiter, sonnig, sehr warm, 28°

Rennverlauf: 46 Starter nehmen in meiner Klasse Senioren 3 das Rennen auf. Ich bin der einzige Ausländer. Vom Start weg steigt die Strecke etwa einen knappen Kilometer lang ganz flach an, mit etwa max. 2 %. Dann Kreuzung, Abzweigung rechts, und es geht mal flach mit Rückenwind dahin, bis der eigentliche Berg kommt. Bei Brunnen beginnt diese knapp 2 km lange Steigung, auch wieder sehr flach, max. 2%. DieStraße ist relativ breit und weist einen ausgzeichneten, glatten Belag auf. Die olange
Steigung ist durch zwei Flachstücke unterbrochen, dann wieder Abzweigung rechts, es folgt ein kurzes, 200 m langes Steilstück im Wald, danach Abfahrt und welliges Gelände bis kurz vor das Ziel, wo ein neuerlicher Anstieg (etwa 500 m lang mit ca. 5 %). Danach geht es bergab ins Ziel. Das Finale: kurz nach der Kuppe, in der Abfahrt im Wald die 1000-m-Marke, dann runter bis Königslachen, Kreuzung, Abzweigung rechts und 500-m-Marke, flach, dann ab der 200-m-Marke beginnt mit einer langgezogenen Rechtskurve die Steigung. Und leider fahren wiur nur 3 Runden, das ist mir viel zu wenig. 5 oder 6 Runden hätte ich schon erwartet. Auf 3 Runden aber muß ich mit andauernden Attacken der guten Besetzung rechnen. Immerhin geht es heute ja auch um den Schwäbischen Meistertitel.

Die Startsteigung wird noch gemächlich gefahren, im Flachstück mit dem Wind im Rücken aber geht die Tachonadel schon auf über 50 km/h rauf. Und da setzt sich auch gleich ein Fahrer ab, der wird erst imAnstieg eingeholt. Beim Aufwärmen bin ich da mit 53/18 raufgefahren, jetzt mit 53/17 und 36 km/h. Das Feld zieht sich nbichtz in die Länge, alle sprinten förmlich über diese relativ flachen Kuppen. Dann die nächste Abzweigung, und das Steilstück in den Wald hinein wird ebenfalls mit voller Konzentration enorm schnell gefahren. Ich falle etwas zurück, etwa an die 30. Stelle, habe dann auf der nächsten Kuppe sogar ein kleines Loch. Aber keine Gefahr, ich bin gleich wieder dran. Ist halt ungewohnt, weil ich alles sitzend fahren muß. Wenn ich aufstehe, ist der Schmerz so groß, daß ich kaum treten kann, da bin ich sitzend sehr viel schneller. Aber ungewohnt ist es halt. Zwei Mann setzen sich ab, aber auch die werden bald wieder geholt. Ich spekuliere damit, daß immer wieder irgend jemand die Löcher zufährt. Heute kann ich nicht aktiv oder offensiv fahren, muß mich darauf beschränken, in einer der ersten Gruppen anzukommen. Wir fahren die erste Runde mit genau 40,0 km/h.

Die zweite Runde wird schneller gefahren, es gibt praktisch keine Erholungspausen mehr, da wird pausenlos aufs Tempo gedrückt. Immer greift irgendjemand an, aber in dieser Runde kommt niemand weg, das Feld ist die ganze Runde über geschlossen. Dennoch sind schon einige Fahrer zurückgefallen, wir sind bei weitem nicht mehr so viele wie noch am Start. Wieder komme ich an denselben zwei Stellen ins Schwimmen wie in der Runde davor, nämlich die Abzweigung am Ende des langen Anstieges und die Zielkurve, die Abzweigung, wo es von der Abfahrt, wo man mit ca.70 km/h hinkommt, in die leicht steigende und nach rechts rausgebogene Zielgerade geht. Sind auch zwei wirklich ekelhafte Passagen. Daß das Rennen immer schneller wird, sieht man daran, daß derSchnitt jetzt nach der zweiten Runde schon bei 40,6 km/h liegt.

Bei der Zieldurchfahrt lösen sich zwei Mann und fahren dann etwa 5 Meter vor dem Feld. Natürlich denkt sich dabei niemnand was. Erst im Rückenwind, als sie bereits gut 250 bis 300 Meter Vorsprung haben, flammt zeitweise die Jagd auf. Aber irgendjemand unterbindet sie immer wieder geschickt. Am Anstieg dann macht sich eine gewisse Behäbigkeit breit, die mir signalisiert, daß die Verfolgung anscheinend fürs erste auf Eis gelegt ist. Tatsächlich, es tut sich nichts mehr. Die Medaillen in der schwäbischen Meisterschaft spielen jetzt auch eine Rolle in der Taktik. Wenn ich da noch einen Preisrang möchte, muß ich jetzt bald was tun. Und ich weiß auch wo. Dort, wo es allen am meisten wehtut. Am Ende des langen Anstieges. Abzweigung, rechts weg, ich bin schon ganz vorne, dann sprinten sie alle die Steigung zum Wald hinauf, und oben lassen sie die Beine hängen und rollen über die Kuppe. Das ist wie eine Einladung, und ich nehme sie dankbar an.

Sofort merke ich den Wind, der störend von schräg vorne kommt. Ich mache mich klein, beschleunige langsam. Alles, was gleichmäßig erfolgt, verursacht mir keine Schmerzen. Nur die plötzlichen Bewegungen und Anstrengungen (also Antritte) sind mir nicht möglich. In der Abfahrt im Wald vergrößere ich meinen Vorsprung. Es ist nicht viel, vielleicht knappe 150 Meter. Die beiden Spitzenreiter habe ich im Visier, auf die konzentriere ich mich. Langsam, quälend langsam komme ich ihnen näher. Was hinter mir sich abspielt, weiß ich nicht, ich sehe mich nicht um. Ich bin alleine, es ist niemand am Hinterrad.

Dann habe ich den Wald hinter mir, bin im Freien, jetzt greift der Wind ungehindert und ungebrermst an. Scheißwind! Ich kämpfe mit den letzten Reserven, fahre am Anschlag. Alles, um nur ja nicht langsamer zu werden. DerAbstand zur Spitze bleibt jetzt auch gleich. Egal, wenn nur das Ziel näher kommt. Mit jedem Meter, den ich vor dem Feld bleibe, werden meine Chancen größer. Der letzte Anstieg wartet. Vorne wird jetzt der Vorsprung wieder größer. Und hinten spüre ich den Atem der Verfolger im Nacken. Und so, wie ich mich fühle, ist der Moment vorbei, lange kann ich mich nicht mehr halten. Ich muß mich zwingen, nicht im Sattel aufzustehen, sitzenzubleiben. So bin ich schneller. Mit aller Kraft, mit hoher Frequenz, mit 53/19, kurble ich sitzend den Anstieg hoch.

Über die Kuppe, schalten, Luft holen, beschleunbigen, aerodynamische Haltung, und weiter mit vollem Rohr den Berg runter. Die 1000-m-Marke fliegt vorbei. Ich riskiere keinen Blick zurück. Abgesehen davon, daß es auf Kosten der Moral geht, wenn ich mich umdrehe und die Verfolger sehe, muß ich mich jetzt sowieso auf die Abfahrt konzentrieren. Die Kraft ist weg, die Luft auch, die Moral sinkt, genauso wie die Geschwindigkeit und das Selbstvertrauen. Dann ist endlich die Kreuzung da, ich hole weit aus, und ohne zu bremsen ziehe ich eine ideale Kurvenlinie durch die Zielkurve. Ich höre das Surren der Laufräder hinter mir, das Rufen, Schreien und Pfeifen, das Stöhnen und Keuchen. Schalten, beschleunigen, die letzten 500 Meter.

Bei 350´Meter ist der Traum ausgeträumt. Rechts und links jagen sie in atemberaubendem Tempo vorbei. Das Stockerl ist im Handumdrehen weg, jetzt wackeln aber auch die ersten zehn gehörig, Ich kann mich kaum mehr bewegen, bin völlig außer Atem, quäle mich ins Ziel. Und noch vor der 200-m-Marke steht es fest, daß ich hier auch die ersten zehn nicht mehr schaffe.

Wenn so viele starke Fahrer wie heute alle ihre Aktionen auf gerade mal 48 km und 70 Minuten reinpacken müssen,  dann gibt es da sehr wenig Leerlauf, eigentlich so gut wie gar keinen. Der Hauptgrund aber, weshalb ich nicht weiter vorne plaziert war, ist die kurze Distanz. Bei ein oder zwei Runden mehr würde die Welt gleich viel anders aussehen.

Ergebnisse Senioren 3: 1. Manfred Böhm (TSV Gaimersheim) 1:10:21 (Schnitt 41,2 km/h), - 2. Tomas Künast (RC Gera ´92), gleiche Zeit, - 3. Uwe Hecht (Eisleber RC Mansfelder Land) -0:19, - 4. Jörg Bucher (RKV Solidarität Dachau), - 5. Siegfried Schmidt (E-Racers Augsburg), - 6. Ottmar Längst (RSC Kempten), - 7. Otto Huggenberger (Team Laura Lauingen), - 8. Wolfgang Walser (TSV Gaimersheim), - 9. Aloys Riesenbeck (RC1977 Altenstadt), - 10. Peter Kostelezky (VfB Hallbergmoos), - weiters: 16. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl), alle gleiche Zeit

 

Donnerstag, 21. Mai 2009: Schwechater Radmarathon, 121,5 km

Rennstrecke: Schwechat - Zwölfaxing - Pellendorf - Gramatneusiedl - Reisenberg - Seibersdorf - Hof - Mannersdorf - Sommerein - Kaisersteinbruch - Breitenbrunn - Purbach - Donnerskirchen - Hof - Au - Stotzing - Loretto - Leithaprodersdorf - Wampersdorf - Unterwaltersdorf - Moosbrunn - Pellendorf - Zwölfaxing - Schwechat, 121,5 km

Wetter: heiß, sonnig, sehr starker S-Wind, 29°

Rennverlauf: Mit hohem Tempo geht es vom Start weg Richtung Süden, ich brauche ein paar Kilometer,  um mich ganz nach vorne zu arbeiten. Viele Starter drängen sich vorne an der Spitze, ein alljährliches Bild, leider auch die vielen Stürze. Der erste passiert schon nach etwa 1 km, ich habe schon einen Fuß auf dem Asphalt, kann dann aber doch weiterfahren, ohne umzufallen! Beim zweiten Mal geht es dann nicht mehr ganz so glimpflich ab, ich kurve in der Wiese herum, muß dann wieder den Anschluß finden. Aber ich kann noch einmal aufschließen, aber prompt kracht es sofort wieder. Eine ganze Galerie Fahrer fällt um vor mir, rechts und links neben mir kracht es und liegen Fahrer und Räder herum, ich finde keine Lücke, da knallt einer von der linken Seite auf mich und wirft mit um, plumpst auf mich drauf, und zu allem Überdruß noch drückt er mich die Böschung runter.

Ich muß raufkrabbeln, aufsteigen, und da merke ich, daß mir der Fettsack genau auf den vorderen Flaschenhalter gefallen ist und den samt Trinkflasche abgerissen hat. Ich stecke das Zeug in die Trikottasche, fluche natürlich entsprechend und fahre los, ich steige hinter der zweiten Gruppe ein. Doch schon nach etwa 100 Metern fällt mir die Trinkflasche (es ist leider eine große) samt Flaschenhalter aus der Trikottasche. Auch schon egal, die kann ich jetzt nicht mehr suchen gehen. Das ist ein verfluchtes Rennen! Wie selbstverständlich bin ich auf das verletzte rechte Knie gefallen, der Unterschenkel ist aufgeschürft, aus einigen Wunden sickert Blut. Ich kämpfe mich im Wind an die große zweite Gruppe heran, das ist schwer genug, ich fahre über 55 km/h, das kann ich natürlich nicht sehr lange. Endlich nehmen sie vorne die Beine hoch, und ich bin wieder in der rettenden Gruppe drin. Knapp 25 Minuten sind gefahren, und ich bin schon dreimal gestürzt!

Ich beginne dieses Rennen richtig zu hassen! Scheißrennen, Scheißfahrer, die allesamt keine fünf Meter geradeaus fahren können! Aus purer Geldgier nehmen die Veranstalter jede Nennung einfach an, wo gibt´s denn sowas!!! Überall im Ausland ist irgendwann die Starterliste voll, da gibt´s das gar nicht, daß da so viele Dilettanten auf einem Haufen herumwerkeln können! Aber hier in Österreich, da ist das alles möglich! Und natürlich muß ich ausgerechnet bei diesem Scheiß dabeisein! Im Vorjahr hat mich irgend so ein Arschloch das Ksyrium-Hinterrad ausgespeicht, und ich würde mich wirklich nicht wundern, wenn derselbe Arsch heute für einen oder gar mehrere der Stürze verantwortlich wäre!

Langsam kommen wir der Spitze näher, die besteht ca aus 100 Fahrern, wir sind auch ca 60 Mann, und in Seibersdorf haben wir es geschafft, 160 Mann Spitze! Verrückt, aber jetzt steigt die Sturzgefahr wieder ins Unermeßliche! Es wird etwas hügeliger, dann sind wir in Kaisersteinbruch, dem ersten Anstieg des Rennens. Nichts besonderes, nicht steil, nicht lang, aber immerhin schwer genug, um den Haufen einmal ordentlich durchzubeuteln! Das Feld zieht sich in die Länge, dann reißt es an einigen Stellen, ich bin auch einer der Leidtragenden. Über die Kuppe in der dritten Gruppe, aber nur mit geringem Abstand, so stürzen wir uns auf der anderen Seite runter Richtung Breitenbrunn. Die einzelnen Gruppen formieren sich, organisieren sich, und nähern sich wieder an, und in Purbach ist die erste Gruppe wieder geschlossen, und ich bin auch wieder dabei!

Das Rennen ist bis hierher sehr schnell, dabei haben wir alles mit Gegen- und Seitenwind gefahren! Langsam wird es ein Problem, daß ich nur mehr eine Trinkflasche dabeihabe, noch dazu eine kleine. Ich versuche halt, mich so weit vorne wie möglich zu plazieren, das ist kaum möglich, weil das Feld einfach viel zu groß ist, durch den starken Wind ist auch alles so kompakt, daß ich da kaum nach vorne komme. Nur eben mit relativ hohem Risiko. So bin ich denn auch in Donnerskirchen dann ziemlich weit hinten, als es den entscheidenden Anstieg ins Leithagebirge hinauf geht.

Leider falle ich da übermäßig weit zurück, jetzt wirkt sich all derScheiß aus, daß ich zu wenig zu trinken hatte, daß ich dreimal nachfahren mußte, das Handikap der Verletzung, und so bin ich oben auf der Kuppe entscheidend hinten. Der Rückstand ist jetzt viel zu groß, als daß ich den noch einmal aufholen könnte. Im starken Kantewind fahren wir von Hof bis Wampersdorf, im Laufe dieser Kilometer bildet sich wieder eine relativ große Gruppe, wir sind dann schon wieder gut 25 Mann. Der Lechner Christian ist auch dabei, Böhm, Schöpf u.a. Ich halte mich jetzt etwas zurück, schone mich, so gut es geht, wir fahren dann Richtung Norden, also mit Rückenwind. Ein paarmal ist es knapp, daß ich nicht abgehängt werde, ich fahre am Anschlag, zumindest zeitweise.

Dann sind wir wieder zurück in Schwechat, bei der Brauerei, der Zieleinlauf: ich fahre ganz nach vorne, und als sich Lechner und derSlowake Illik absetzen, fahre ich einfach nach, mit meinen allerletzten Kräften, ich bin eindeutig an der dritten Stelle, und diesen Platz halte ich auch den gesamten Zieleinlauf lang, die kurvige Einfahrt aufs Brauereigelände rein. Trotzdem, daß Illek vor mir im Ziel ist, bedeutet, daß ich keinen Platz am Stockerl mehr habe, das ist dummes Pech. Aber mit der Vorgeschichte ist das sowieso sehr viel mehr, als ich erwarten durfte.

Ergebnisse absolut: 1. Jan Fiala (CZE, Velo Servis-Team) 2:56:10 (Schnitt40,2 km/h), - 2. Jiri Mikulasek (CZE), gleiche Zeit, - 3. Georg Bohunovsky -0:19, - 4. Günther Baringer(RC Nora-Team Sport Wien) -0:44, - 5. Stefan Herr (RC KSV Wien-Strom Lamster), - 6. Andreas Schmid (Die Rad-Union NÖ), - 7. Paul Robl, - 8. Marcel Kachlir (CZE), - 9. Maximilian Röhsler (RC Maroitalia Racing), - 10. Heribert Arnhof, alle gleiche Zeit, -weiters: 74. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) -10:18

Ergebnisse Altersklasse 3: 1. Peter Goluszka (RC KSV Wienstrom- Lamster) 3:03:01, - 2. Hannes Krivetz (RC Zweirad-Chaoten Zwettl) -0:01, - 3. Vastimil Illik (SVK) -3:25, - 4. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl), gleiche Zeit, - 5. Vojtech Breska (SVK, Dukla Bratislava) -3:26, - 6. Jozef Tahotny (SVK, Lokomotive Bratislava)-3:29, - 7. Franz Mayer (RSC Krems), - 8. Karl Loidl -11:14, - 9. Franz Scherer (SC Austrian Airlines) -13:09, - 10. Vladimir Kosi (CK Vikanova Witzenmann) -15:10

 

Samstag, 23. Mai 2009: Kriterium in Loretto, 15 km

Rennstrecke: Loretto, Hauptplatz - Am Anger - Hauptplatz, 20 Runden á 750 Meter=15 km, Start 12.36 Uhr, 5 Höhenmeter pro Runde = 100 Höhenmeter

Wetter: heiß, sonnig, starker N-bis NO-Wind, 23°

Rennverlauf: Dieses Rennen zählt traditionell immer zum Ginner-Cup, so auch heuer. Günther Iby ist auch wieder da, ich habe schon einige Befürchtungen, mit meinem verletzten und geschwollenen rechten Bein da mitzufahren. Ich kann nämlich kaum im Sattel aufstehen und schon gar nicht sprinten. Die erste Wertung holt sich Gössler vor Haider, Schäbinger und Mosler, wobei Haider und Schäbinger ja zur Master-3-Klasse zählen.

Schöne Studie bei der ersten wertung. Von links: Lingl, Santos,  Schäbinger, Gössler, Bartonek, Iby, Mosler

Von links: Feitsch, Zierler, Schebath, Bartonek, Nutz

Mithalten ist kein Problem für mich, wohl aber der Zielsprint. Die Steigung zur Zielkurve rauf geht noch mit Schwung, dann aber muß ich fahren, sprinten, antreten, und das kann ich so gar nicht. Die zweite Wertung geht an Haider vor Iby, Gössler und Schäbinger. Damit hat auch Iby erstmals gepunktet und ich kann die Hoffnung vergessen, daß der heute hinten nachfährt. Nach zwei Wertungen führt damit Haider mit 8 Punkten punktegleich vor Gössler.

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Von links: Haider, Bartonek, Santos, Lingl, Tomitz

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Von links: Bartonek, Haider, Hansl, Santos, Schebath, Schäbinger

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Von vorne: Gössler, Haider, Schäbinger, Santos, Lingl, Bartonek, Tomitz, Zierler, Nutz

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Von vorne: Schäbinger, Santos, Hansl, Lingl, Bartonek, Zierler

Es wird kaum attackiert, sondern gleichmäßig gefahren, alle 4 Runden gibt es eine Wertung. Dazwischen sackt dasTempo nicht so ab wie noch etwa im Vorjahr. Die dritte Wertung naht, und ich habe mich in etwa auf Betriebstemperatur gefahren. Mit viel Schwung versuche ich, in de Runden vor der Wertung wegzufahren. Es mißlingt, denn die Gruppe schließt sofort wieder auf. In der Abfahrt versuche ich es sofort wieder, aber jetzt in der Wertungsrunde lassen sie niemanden mehr entkommen. Füpr den fünften Rang in der dritten Wertung kann ich mir auch nichts kaufen. Der Sieg geht an Iby vor Gössler, Nutz und Haider. Drei Wertungen sind absolviert, in der Gesamtwertung führt jetzt Gössler mit 11 Punkten vor Haider (9) und Schäbinger (3).

Wieder versuche ich eine Attacke, aber das ist alles viel zu halbherzig. Und so richtig antreten mit aller Konsequenz kann ich nicht. Mir bleibt einzig, darauf zu hoffen, daß irgendjemand anderer mit einer wuchtigen Attacke die Gruppe zerreißt, aber das passiert auch nicht. Die vierte Wertung holt sich wieder Gössler vor Iby, Haider und Schäbinger, in der Gesamtwertung baut Gössler damit seine Führung aus, er hält jetzt bei 16 Punkten, gefolgt von Haider(11) und Iby(10). Ich versuche es ein weiteres Mal, aber  wieder so erfolglos wie alle anderen Male zuvor. Auf den letzten Runden tut sich nichts mehr, das geschlossene Feld kommt zum Sprint, wieder werde ich nur Sechster, im letzten Moment schiebt sich Hansl an mir vorbei, vorne gibt es das exakt selbe Ergebnbis wie bei der vorletzten Wertung: Gössler vor Iby, Haider und Schäbinger.

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Von vorne: Gössler, Haider, Mosler, Lingl, Santos, Bartonek, Zierler

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Feld ist kompakt und geschlossen, von links: Santos, Lingl, Bartonek, Hansl, Iby, Schäbinger, Nutz

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Von vorne: Iby, Nutz, Gössler, Haider, Lingl, Bartonek

Ergebnisse Master II: 1. Ulrich Gössler (RCARBÖ Dratheisel Volksbank Voitsberg) 21 Punkte (Fahrtzeit 23:38,Schnitt 37,8 km/h), -.  2.Günther Iby (RC Ginner Amstetten) 13, - 3. Günther Nutz (RC Trumau) 2, - 4. Gerhard  Mosler (RC TV-Steiner Raaba) 1 Punkt, - 5. Rudolf Hansl (RC ARBÖ imcom.24.Vredestein Wien) 0 Punkte, - 6. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl), - 7. Erwin Zierler (ARBÖ Kollar Cycling Team Stattersdorf), - 8. Otto Schebath (RC ARBÖ Kindberg), - 9. Rudolf Feitsch (RCTrumau), alle 0 Punkte

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Von links: Santos, Schebath, Mosler, Tomitz, Bartonek

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Zielkurve, von vorne: Iby, Haider, Bartonek, Schäbinger, Hansl, Mosler

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Mit hohem Tempo in die Zielsteigung, von vorne: Iby, Gössler, Haider, Schäöbinger, Mosler, Baretonek, Nutz, Hansl, Zierler

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Zielkurve, von links: Gössler, Iby, Schäbinger, Haider, Bartonek, Nutz, Tomitz, Hansl, Zierler

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Zielsprint, von rechts: Gössler, Haider, Bartonek,Schäbinger, Nutz

 

Sonntag, 31. Mai 2009: Kärntner Nockalm-Radmarathon in Bad Kleinkirchheim, 62,5 km

Rennstrecke: Bad Kleinkirchheim - Patergassen - Gnesau - Himmelberg - Grilzgraben - Klösterle - Arriach - Innere Einöde - Afritz - Feld am See - Untertweng - Radenthein - Bad Kleinkirchheim, 62,5 km,1115 Höhenmeter, Start 10 Uhr

Wetter:  sonnig, starker NO-Wind, saukalt,  am Start 9°, im Ziel 14°

Am Start

Rennverlauf: Schon beim Aufstehen um 5 Uhr früh habe ich gemerkt, daß das heute nicht mein Tag wird: Ruhepuls 74! Ich habe mich auch tatsächlich ziemlich krank gefühlt. Dennoch habe ich ausgiebig gefrühstückt, dann bin ich um 6 Uhr früh losgefahren. Es war saukalt um dieseTageszeit, der angekündigte Kaltwettereinbruch hat also wirklich stattgefunden. Während der Fahrt hatte ich andauernd Schweißausbrüche, Gänsehaut, mir war zeitweise richtig schlecht. Aber ich war halt der Meinung gewesen, daß diese Konkurrenz über106 km und die Nockalmstraße mit den beiden Anstiegen Schiestelscharte und Eisentalhöhe eine ideale Vorbereitung für dieStraßenmeisterschaft sei. Deshalb war ich schon etwas enttäuscht, als ich im Rennbüro erfahren mußte, daß die Strecke abgesagt, stattdessen auf die B-Strecke (Ersatzstrecke) ausgewichen wird und der Start auch vonb 9 Uhr auf 10 Uhr verschoben wird, da ja die ganze Logistik entsprechend angepaßt werden muß, die Labestellen verlegt werden müssen, usw. Diese
Ersatzstrecke führt halt aber nur über 62 km. Stillschweigend wurde auch das Nenngeld von 40.- auf 50.- € angehoben. Auf der Nockalm hatte es geschneit und in den Abfahrten war durch die Schneefahrbahn keine Sicherheit mehr gegeben.

Ob es aufgetaut wäre, bis wir um ca 10 Uhr den ersten Anstieg geschafft gehabt hätten? Schwer zu sagen, der Veranstalter wollte sich jedenfalls darauf gar nicht erst einlassen und ist sofort auf die B-Strecke ausgewichen. Schließlich war es in Bad Kleinkirchheim beim Start noch sehr, sehr kalt, hatte um 10 Uhr gerade mal 9°. Unter all diesen Umständen war diese Entscheidung sicherlich logisch.

Der Start war furchtbar. Obwohl ich ganz vorne gestanden bin, hatte ich enorme Schwierigkeiten, auf diesen ersten Kilometern in die Gänge zu kommen. Vom  Start weg ging es ja zunächst mal ca. 2 km lang leicht bergauf, da hat sich sofort eine Gruppe mit ca. 100 Mann abgesetzt, also einem knappen Drittel des Teilnehmerfeldes. Ich bin hinten andauernd abgerissen, war nie so richtig in dieser Gruppe drin. Bis Himmelberg runter (km 21) war es für mich eine Überlebensfrage in jederSekunde.  Sowas kostet natürlich Substanz und vor allem auch Nerven, und als wir in Himmelberg rechts in den Grilzgraben Richtung  Arriach abgebogen sind, wart es für mich aus und vorbei. Diesen Teil der Strecke bis rüber in die Einöde habe ich ja nicht gekannt, der Anstieg war nicht wirklich steil, 11 km lang und ist in Stufen bis Klösterle (1038 m) rauf gegangen.

Natürlich bin ich sofort abgerissen und wie ein fauler Sack durchgereicht worden. In keiner Gruppe konnte ich mich länger als 15 Sekunden halten. Auch auf den flachen Passagen nicht. Ich konnte nichts zusetzen, war permanent am  Limit, obwohl ich genaugenommen gestanden bin. Das war vor allem mental schlimm. Platz um Platz bin ich zurückgefallen und war heilfroh, als ich endlich in Klösterle oben war. Doch auch in der 7 km langen Abfahrt runter in die Einöde ist mir eine ganze Gruppe davongefahren.

Dann der flache Anstieg von Afritz bis Feld/See rauf, ich war da in einer Gruppe, die ich mit allergrößter Mühe halten konnte. In den kurzen Anstiegen hat sie sich aber immer in die Länge gezogen und meist auch geteilt. Ganz langsam habe ich  mich etwas gefangen, habe mich dann auch nach knapp eineinhalb Stunden etwas bessergefühlt.

Schlußanstieg von Radenthein nach Bad Kleinkirchheim rauf. Und gleich in den ersten Metern der Steigung habe ich mich an die Spitze der Gruppe gesetzt und bin mit 34/19 und hoher Frequenz an der Spitze der Gruppe weggekurbelt. Einzig Stenitzer (ARBÖ  Raaba) und Ahamer (Mondsee) sind vor mir gefahren. Im Flachstück nach ca 2 km Anstieg habe ich die beiden eingeholt und von da an nicht mehr lockergelassen. Die letzten 5 km dieses Bewerbes waren meine besten. Es ist auch etwas wärmer geworden, aber ich war dennoch heilfroh, endlich oben im Ziel angekommen zu sein. Ein an sich schlimmer Tag war damit überstanden.

Zieleinlauf, hinter Stenitzer

Ich bin auch nur Achter in  meiner Altersklasse geworden, dank meiner Schwäche im Anstieg nach Klösterle. Doch der Dritte war nur so knapp vor mir, daß ich - objektiv gesehen -  unter "normalen" Umständen sicher Dritter hätte werden können. Fazit: diese Veranstaltung hat das Zeug, ein richtiger Hit zu werden - vor allem auf der Originalstrecke über die Nockalm.

Ergebnisse Tageswertung: 1. Hans-Jörg Leopold (RC Graf St. Andrä) 1:39:32 (Schnitt 37,68 km/h), - 2. Georg Bohunovsky (KTM-Mountainbiker.at) -0:01, - 3. Reinhard Schmid (Radsport Sampl Racing)  -0:02, - 4. Thomas Ramsauer (BSG Bosch Hallein) -0:08, -  5. Lukas Wallner (RLM Kostel Grafenstein), gleiche Zeit, - 6. Johannes Wallner (SC Hermagor) -0:15, - 7. Gebhard Pertl (ASKÖ Raiffeisen Feld/See) -0:20, - 8. Rudolf Groß (ASKÖ Raiffeisen Feld/See) -0:23, - 9. Markus Moser (RC Union Raiffeisen Radteam Tirol) -0:24, - 10. Andreas Ploner (Italien, Team St. Georgen) -1:03, - weiters: 83. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) -13:53

Ergebnisse Altersklasse Herren 3: 1.  Rudolf Groß (ASKÖ Raiffeisen Feld/See) 1:39:55 (Schnitt 37,53 km/h), - 2. Norbert Schneider (KTM-Mountainbiker.at) -7:16,-  3. Benny Furrer(Schweiz, Chris Top Park) -9:17, - 4. Gerhard Hoi (ARBÖ RLM Omya Villach) -9:31, - 5. Herbert Fussi (RC  UNION Sporthaus OKAY Innsbruck) -10:10, - 6. Bernhard Grässl (ASKÖ Raiffeisen Feld/See) -10:53, - 7. Dietmar Foditsch (ASKÖ Raiffeisen Feld/See() -12:51, - 8. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) -13:30,  - 9. Alfred Unterdorfer (SC Fresach) -13:54, - 10. Josef Sattler -15:59

 

Sonntag, 7. Juni 2009: Österreichische Kriteriums-Meisterschaft in Stattersdorf, zugleich auch niederösterreichische Landesmeisterschaft, 21 km

Rennstrecke: traditioneller Stattersdorfer Rundkurs, Schiffmannstraße - Fialastraße - Weinhoferstraße - Alter Schulweg - Schiffmannstraße, 21 Runden á 1 km = 21 km, jede dritte Runde Wertung mit 5-3-2-1 Punkten, Start 11.45 Uhr

Wetter: sonnig, warm, starker NO-´Wind, 23°

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Start zur Österr. Meisterschaft, von links: Hansl, der in einem Anflug von Galgenhumor Faxen macht, E.Gaubitzer, ich, Nutz, Mosler, Schuler, Schäbinger, Santos

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Von links: Taucher, Hansl, Schebath, E. Gaubitzer, ich, Ebermann, Nutz, Mosler, Schuler, Haider, Schäbinger, Zierler, Santos

Rennverlauf: Zum zweitenmal richtet der ARBÖ Kollar-Cycling Stattersdorf hier die Kriteriumsmeisterschaft aus, und wieder zählt das Rennen zum Ginner-Cup. Nach dem Skandalrennen in Oberwaltersdorf wärme ich mich jetzt hier am Rundkurs auf, dann fahre ich kurz raus aus der Ortschaft, als die Klassen 4-6 ihr Rennen gestartet haben, ich also sicher sein kann, daß da nicht mehr zusammengelegt wird. Optimal aufgewärmt stehe ich am Start, und gleich nach dem Startschuß, noch in der Startrunde, legen Taucher und Hansl ein atemberaubendes Tempo vor, das sofort die Gruppe gewaltig in die Länge zieht. Eine ganze Runde brauche ich, ehe ich wirklich wieder dran bin, und hinter mir kommen dann in der zweiten Runde noch ein paar weitere Fahrer völllig außer Atem wieder zusammen.

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Anfangsphase, von vorne: Taucher, E.Gaubitzer, Schäbinger,  Hansl, Iby, Schuler, Santos und ich, dahinter Mosler

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Von links: Santos, Hansl, Ebermann, Nutz, ich, Schuler, Haider, Mosler, Schäbinger

Was kann ich erwarten? Im Vorjahr war ich bei strömendem Regen Achter, heuer möchte ich natürlich mehr. Es ist heiß, es ist trocken, beste Bedingungen also. Mit Iby ist auch der Ginner-Gesamtführende und der Seriensieger der bisherigen Saison am Start. Meine Konkurrenten sind Mosler, Hansl, Nutz und Schebath, der Dritte von Oberwaltersdorf. Die anderen Favoriten kommen aus der Klasse III: Haider, Taucher, die Brüder Gaubitzer, Schuler, Schäbinger und Ebermann. Wir fahren 21 Runden, haben also jede dritte Runde eine Wertung, sieben insgesamt. So schnell das Rennen auch von derStartphase weg war, es wird einfach nicht mehr langsamer. Die erste Punktewertung ist etwas unübersichtlich, aber es setzt sich dann Iby vor Schäbinger, Taucher und Bertl Gaubitzer durch. Ich habe ein kleines Loch und brauche eine halbe Runde, um es wieder zuzufahren.

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Von links: Santos, ich, Ebermann, Haider, Hansl, E. Gaubitzer, Schuler, Schäbinger, Mosler, Taucher

Ich verlasse mich auf meine altbewährte Taktik, unmittelbatr nach der Wertung anzugreifen und sitzend mit Oberlenker fahrend, mich langsam davonzustehlen. Nur so unscheinbar kann ich wegkommen und damit meine Chance auf Punkte wahren. Aber das ist alles andere als leicht, denn bei jeder dritten Runde Wertung bleiben nur zwei Runden übrig, in denen ich wegfahren kann, die Runde vor der Wertungsrunde geht es nicht mehr, da ist das Tempo zu hoch und der Verlauf zu konzentriert, bleibt also nur die erste Runde nach der Wertung. Um da wegfahren zu können, muß ich aber ganz vorne dran sein, darf kein Loch haben, das ich erst zufahren muß.

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Action in der Wertungsrunde, von links: Santos, ich, Iby, Taucher

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Hohes Tempo, langgezogenes Feld, von vorne: Mosler, Iby, E. Gaubitzer, Haider, ich, Ebermann, Santos, Taucher

Ich kann mich nicht und nicht zu einer Attacke aufraffen, kurz nach dem Start bin ich schon völlig ausgelaugt. Die zweite Wertung holt sich wieder Iby vor Taucher, Gaubitzer und Haider. Damit halten wir nach 6 Runden bei folgendem Gesamtstand: 1. Iby (10) vor Taucher (5), E. Gaubitzer und Schäbinger mit je 3 Punkten. Diesmal war ich näher dran, habe auf der Zielgeraden gar kein Loch draufgekriegt. Wegen des hohen Tempos habe ich nicht den Hauch einer Chance, irgendwo wegzukommen. Im Gegenteil, ich muß hinhalten, um überhaupt dranzubleiben. 

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Von links: Tomitz, ich, Ebermann, Taucher, Haider, E. Gaubitzer, Schäbinger

Es gibt auch kaum Attacken, das Feld ist meist geschlossen, es ist also nicht sehr schwer, da mitzuhalten, aber ich kann nicht angreifen, dazu ist es mir zu schnell. Die dritte Wertung: Hansl greift plötzlich an, setzt sich ab und hält diesen Vorsprung beinahe zwei Runden lang, ehe er in der Wertungsrunde 200 m vor dem Ziel doch noch geschnappt wird.

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In der Kurve bin ich hinter Ebermann

Es kommt zum vierten Wertungssprint, und da möchte ich es probieren. Ich fahre vorne mit, reihe mich schon eine halbe Runde vor dem Zielstrich ganz vorne ein und kann tatsächlich die Position halten. Dann der Sprint, der sehr früh angezogen wird, nämlich unmittelbar aus der Zielkurve raus, dann irgendwie steckenbleibt, es schiebt sich an der Spitze wieder alles zusammen, ideal für mich, ich komme sogar der führenden Position näher. Hansl fährt vorne mit, wird NICHT durchgereicht.

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Schuler vor E. Gaubitzer, Schäbinger, mir und Ebermann

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Schäbinger vor mir, Iby, Ebermann und Santos

Er hält tapfer mit, sprintet sogar noch um die Punkte und wird Zweiter, es gewinnt Gaubitzer vor Hansl, Taucher und Iby, ich werde Fünfter. Leider, knapp an den Punkten vorbei! In der Gesamtwertung führt jetzt nach 4 von 7 Wertungen Iby (11) vor Gaubitzer (7) und Taucher (7), Hansl (3), Schäbinger (3) und Haider (1). Für meine Klasse 2 heißt das: Iby in Führung vor Hansl, der dritte Platz würde im Moment mit 0 Punkten durch den Schlußsprint entschieden.

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Taucher führt vor Schuler, E. Gaubitzer, Schäbinger und mir

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E. Gaubitzer vor Schäbinger und mir, dahinter Iby, Haider, Ebermann und Santos

Etwas verschnaufen muß ich, aber auf der Gegengeraden ist es dann so weit: es ist - toi, toi, toi - mit einem Mal eine geswisse Müdigkeit in der Gruppe drin, eine mentale Müdigkeit, ich spüre förmlich dieses schlaffe, übersättigte Gefühl, ich habe die Antennen dafür - und schon bin ich weg. Im starken Wind, Oberlenker, sitzend, unscheinbar, sofort habe ich ein Loch von 20 Metern, dann 30, dann 40, dann 50 - eine Runde nach der Wertung führe ich ganz klar, ich mache mich klein und aerodynamisch, drücke aufs Tempo, ich fahre 42 km/h, dann 43 - hinten fahren sie knapp 40. Noch zwei Runden. Es ist ein Zeitfahren um Leben und Tod. Wieder schaffe ich 45 km/h auf der langen Geraden, stehe nach der Kurve auf, sprinte, setze mich hin und drücke weiter. Wieder über den Zielstrich, jetzt kommt die Glocke, ich blicke mich um - noch ist der Vorsprung sicher und ungefährdet. Noch 1000 Meter.

Diese Wertungsrunde ist die leichteste von den drei, ehrlich, hinten tut sich nichts mehr, ich bin außer Gefahr. Einen Moment lang überlege ich, nach der Wertung gleich weiterzufahren, auch die nächste noch anzuvisieren, aber hinten sprinten sie um Platz 2, und dieser Sprint bringt die Gruppe wieder ganz nahe an mich heran. Diese5 Punkte hole ich mir ungefährdet, dahinter fährt Haider vor Taucher und Schäbinger über den Zielstrich. Das gibt jetzt nach 5 Wertungen folgenden Gesamtstand: Iby (14) führt vor Taucher (11), Gaubitzer (9), mir (5) und Schuler (5), aber nur Iby und ich sind aus der Klasse II - ich liege damit im Moment auf Silberkurs! Die weitere Reihung: Haider (4), Schäbinger (4) und Hansl (3), der damit auf Bronzekurs liegt!

Schade, daß das Rennen noch weiter geht, zwei Wertungen stehen noch aus. Ich werde leider eine halbe Runde nach demSprint eingeholt, bin nicht langsamer geworden, aber imFeld hat man aufs Tempo gedrückt und fährt das Loch zu. Ich versuche sofort einen zweiten Angriff, denke mir, vielleicht komme ich damit noch einmal weg, denn damit rechnet mit Sicherheit kein einziger. Aber diesmal bleibt es beim Versuch, Iby fährt das Loch abermals zu. Aus. vorbei. Ich reihe mich im Feld ein und verschnaufe mal eine Weile lang.

Jetzt wird es purer Nervenkitzel. In den letzten beiden Wertungen sollte eigentlich nach Möglichkeit kein Master-2-Fahrer mehr punkten. Es kommt zur sechsten und vorletzten Wertung, ich fahre ganz vorne mit, die letzte halbe Runde zur Wertung hin, lasse mich nicht abhängen, aber im reinen Sprint bin ich natürlich klar unterlegen. Haider vor Iby, Taucher und Schäbinger. Toll, als ob sie für mich gefahren wären, ich war Fünfter. Einzig Iby in den Punkterängen, und der liegt sowieso schon klar vor mir. Jetzt wird sich in der letzten Wertung alles entscheiden. Gesamtstand vor der Schlußwertung: Iby (17) vor Taucher (13) und Haider (9), Gaubitzer (9), mir (5), Schuler (5), Schäbinger (4) und Hansl (3), in der Klasse II bleibt daher die Reihung Iby vor mir und Hansl.

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Iby (ganz rechts) im Ginner-Führungstrikot greift an, in der Mitte Schäbinger vor E. Gaubitzer, links Taucher vor Haider, Ebermann und mir

Ich entscheide mich dafür, nicht mehr anzugreifen, jetzt komme ich sowieso nicht mehr weg, ich möchte jetzt halt in der Schlußwertung versuchen, meine direkten Konkurrenten auf Distanz zu haltewn. Hansl, Moser und Nutz, die beiden letztern haben noch keine Punkte, dürfen die Schlußwertung nicht gewinnen.

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Der entscheidende Zieleinlauf der Schlußwertung von links: Iby (ganz links) reißt die Hände hoch und gewinnt Schlußwertung, Rennen und Meistertitel, Nutz, Tomitz, Taucher, E. Gaubitzer, Schebath, Hansl, Mosler, ich (verdeckt), Schuler

Letzte Wertung, Nervenkitzel pur: Einserreihe, hohesTempo, auf der Zielgeraden schiebt sich dann wieder alles etwas zusammen, Iby  ist vorne, reißt ein paar Meter vor dem Zielstrich die Arme hoch und vergißt dabei aufs Treten. Mosler ist knapp dahinter, sprintet noch mit letzter Kraft, von hinten kann ich nicht sehen, wer vorne ist, mir bleibt jedenfalls fast das Herz stehen - wenn Mosler gewinnt, ist er Zweiter! Ergebnis: Iby vor Mosler, Schuler und Nutz, ich kann durchatmen, der zweite Platz ist gesichert, die Silbermedaille damit gerettet!

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Siegerehrung, von links: Bartonek, Iby, Mosler, im linken Bild mit den Meisterschaftsmedaillen, Mosler fehlt am Podest

Ergebnisse Master II: 1. Günther Iby (RC Ginner Amstetten) 22 Punkte/29:50 (Siegerschnitt 40,12 km/h), - 2. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) 5, - 3. Gerhard Mosler (ARBÖ TV-Steiner Raaba) 3, - 4. Rudolf Hansl (ARBÖ imcom.24 - Vredestein Wien) 3, - 5. Günther Nutz (RC Trumau) 1, - 6. Otto Schebath (ARBÖ Sparkasse Kindberg), - 7. Erwin Zierler (ARBÖ Kollar-Cycling Stattersdorf), alle 0 Punkte, - 8. Helmut Scharnreithner (ARBÖ Kiesl´s Radsport), 1 Runde Rückstand, - 9. Rudolf Veitsch (RCTrumau) -2 Runden

Zwischenstand im Ginner-Cup: 1. Günther Iby (RC Ginner Amstetten) 123, - 2. Gerhard Mosler (ARBÖ TV-Steiner Raaba) 87, - 3. Günther Nutz (RC Trumau) 71, - 4. Rudolf Hansl (ARBÖ imcom.24 Vredestein Wien) 59, - 5. Erwin Zierler (ARBÖ Kollar-Cycling Stattersdorf) 59, - 6. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) 58, - 7. Rudolf Feitsch (RC Trumau) 50, - 8. Otto Schebath (ARBÖ Sparkasse Kindberg) 49

 

 

Mittwoch, 10. Juni 2009:  Ausscheidungsrennen am Wachau-Ring

Rennstrecke: Wachau-Ring bei Melk, 1 Runde = 950 m, pro Runde 5 Höhenmeter

Wetter: sonnig, warm, mäßiger SO-Wind,  23°

Rennverlauf: Auf dem 2003 für insgesamt 8 Millionen Eiuro erbauten Wachau-Ring bei Melk findet das Ausscheidungsrennen statt, bei dem nach einer Startphase über 5 Runden in jeder Runde der jeweils Letzte aus dem Rennen genommen wird. Die Kategorien 1, 2 und 3 starten gemeinsam, für mich geht es nach dem vorjährigen ersten Auftritt in dieser Disziplin darum, so wenige Fehler wie nur möglich zu machen. Im vorangegangenen Rennen der Kategorien 4 bis 6 habe ich gesehen, daß jeweils diejenigen ausgeschieden sind, die die Zielkurve  außen gefahren sind. Also folgere ich daraus, daß ich die Zielkurve innen fahren muß, dadurch werde ich von all den rechts von mir Fahrenden vom Wind auch noch abgedeckt. Also suche ich mir schon mal in den ersten 5 Runden, in denen niemand herausgenommen wird, die richtige Position.

Streckenfoto des FSZ-Melk Wachauring in Niederösterreich

Am Start reißen gleich mal Krivetz und Santos aus und fahren beinahe einen Vorsprung von einer halben Runde heraus. Im Feld reagiert niemand, und als dann die Ausscheidungsphase beginnt, wird auch das Tempo höher, zuminderst auf den letzten 300 Metern. Meine Taktik funktioniert super, ich fahre innen die Zielkurve und sprinte dann einfach aus der Kurve raus, die sanft steigende Zielgerade zum Strich hinauf. Das geht mehrere Runden lang gut, und schon nach kurzer Zeit haben wir die beiden Ausreißer eingeholt.

Geschlossenes Feld, ich fahre an der 8. Stelle

Rechts außen, schräg hinter Lechner (verdeckt) bin ich positioniert

Eine schnelle Runde, das Feld zieht sich in die Länge, ich bleibe vorne, bin hier an der 6. Stelle

Am Zielstrich wird der Letzte herausgenommen, dieser Kelch ist hier knapp an mir vorbeigegangen!

Keine Gefahr für mich, von links: Iby (verdeckt), Langegger, Lackner, Habacher, Schäbinger, Bartonek, Tomitz, Mosler, Ebermann, Lechner

Je weniger Fahrer wir werden, desto schwerer wird es für mich, meine Taktik beizubehalten, denn das Tempo sackt nach der Zieldurchfahrt ganz extrem ab, erst auf der Zielgeraden wird es wieder angezogen, dann aber fahre ich jedesmal schon 52 bis 55 km/h. Und es wird immer knapper, ich muß verdammt aufpassen, darf keinen Meter vor der Ziellinie  nachlassen, denn auf den allerletzten Metern kommen sie rechts und links vorbei. Es wird immer knapper. Der Letzte ist nur mehr einige Zentimeter hinter mir.

Mit hohem Tempo geht es dem Zielstrich entgegen (von links): Pinczker, Langegger, Iby, Habacher, Schäbinger, Bartonek, Lackner, Hansl, Haider, Gaubitzer, Mosler, Krivetz

Schnell wird das Feld immer kleiner (von vorne): Krivetz, Lackner, Haider, Bartonek, Gaubitzer, Schäbinger, Mosler

Die entscheidende Phase: es wird immer schwerer, innen fahrend erfolgreich zu sprinten, weil das Anfangstempo viel zu niedrig ist. Der Erste steht beinahe, ich dahinter, dann die zweite Reihe rechts von mir, die fährt dann schon in der Zielkurve an mir vorbei, ich komme als Letzter raus. Dadurch wird der Sprint zum Ritt auf der Rasierklinge, das geht auch gerade zweimal gut, dann erwischt es mich.

Viele Fahrer sind nicht mehr im Rennen (von vorne): Haider, Habacher, Ebermann, Bartonek, Krivetz, Mosler, Lechner, Sattler

Die Anspannung steigt (von links): Lackner, Mosler, Lechner, Habacher, Krivetz, Bartonek, Haider

Der Sprint gegen Rudi Hansl geht ganz knapp verloren, ich scheide aus. Auf dem Ergebnis aber wird dann doch anders entschieden, ich werde als Dritter geführt, er als Vierter. Umso besser, habe ich nichts dagegen. Die Aufholjagd im Ginner-Cup geht also weiter. Daß ich mit Günther Iby den Gesamtführenden geschlagen habe, ist ein ganz kleiner Erfolgsmoment. Zu groß ist sein Vorsprung in derGesamtwertung, als daß dem irgendeine Bedeutung beikäme.

Siegerehrung Master2 (von links): Krivetz, Mosler, Bartonek

Ergebnis: 1. Gerhard Mosler (ARBÖ TV-Steiner Raaba), - 2. Hannes Krivetz (RC Zweirad-Kosmopiloten Zwettl), - 3. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl), - 4. Rudolf Hansl (ARBÖ imcom.24 Vredestein Wien), - 5. Günther Iby (RC Ginner Amstetten), - 6. Günther Nutz (RC Trumau), - 7. Erwin Zierler (ARBÖ Kollar Cycling-Team Stattersdorf), - 8. Rudolf Feitsch (RC Trumau)

 

Donnerstag, 11. Mai: Bergrennen Wilhelmsburg - Kreisbachtal im Rahmen des Jubiläums 50 Jahre Stadt Wilhelmsburg, 9,2 km

Rennstrecke: Start neutralisiert Florian´s Teichstüberl in Altenburg - Wilhelmsburg, offizieller fliegender Start dann eingangs Kreisbachtal - Kreisbachtal Nr.20, Familie Hollaus, 9,2 km, 360 Höhenmeter, Steigung auf den letzten 2,6 km bis 12 %, Start 11.20 Uhr

Wetter: warm, mild, NW-Wind, bedeckt, schwül, regnerisch, 24°

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Startaufstellung der Masterklassen 2 bis 6

Rennverlauf: anfangs hat es geheißen, alle Masterfahrer starten gemeinsam, dann werden die Master-1-Fahrer doch 5 Minuten vor uns gestartet, uns die Klassen 2 bis 6 starten dann gemeinsam. Anfangs fühle ich mich noch durchschnittlich, wir sind insgesamt 8 Master-2-Fahrer am Start, und ich denke doch, daß ich da um den 3. oder 4. Platz mitfahren kann. Bis Wilhelmsburg wird neutralisiert gefahren, dann wird einangs des Kreisbachtales der offizielle fliegende Start vorgenommen.

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Neutralisiert wird vom Teichstüberl in Altenberg bis zum Kreisbachtal gefahren. Von links: Mateyka, Santos, Habacher, ´Bartonek, Mosler, Hansl, Tomitz, Schalk, Pelz

Immens hohes Tempo auf den ersten leicht steigenden Kilometern im Kreisbachtal zieht das Feld in die Länge, und hier reißen dann auch gleich die ersten Fahrer ab. Wir fahren da bis zu 44 km/h die ca.1 bis 2 % Steigung hinauf! Vorne an der Spitze fahren Mateyka, Iby und Schalk, und obwohl ich mir denke, daß bei dem Tempo keiner wegfahren kann, passiert genau das. Zwei Mann setzen sich leicht ab, zunächst Mateyka, der aber fällt bald wieder zurück, der andere setzt sich dann ab und bleibt vorne. Und das ist - man höre und staune - Rudi Hansl.

Bereits in dieser ersten schnellen Phase bekomme ich furchtbares Seitenstechen, da wird jeder Kurbeltritt zur Höllenqual. Wenn ich das Auto nicht oben im Ziel stehen hätte, dann wäre ich wohl umgedreht. Mit Ach und Krach schaffe ich es bis zum Ende des Tales, als dann dort nach rechts weggeht, die letzten zweieinhalb Kilometer führen mit bis zu 12 % steil bergauf.

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Wilde Jagd im Kreisbachtal, Mateyka führt hier vor Krivetz und Schalk

Hansl vergrößert seinen Vorsprung. Ist er verrückt oder hat er besonders toll gefrühstückt? In derSteigung ist es dann aber doch sehr schnell um ihn geschehen. Leider aber um mich auch. Ich kann kaum mehr atmen, ich krieche förmlich den Berg hoch, keuche aber, als ob mir jemand ans Leben geht. Schade, daß ein solcher Dreck eine bessere Leistung und Plazíerung verhindert. Dabei liege ich anfangs gar nicht mal so schlecht im Rennen. Die Spitze mit Mateyka und Schalk fährt nur knapp vor mir, von der Gruppe reißen dann einzelne Fahrer ab, ich fahre ca.100 m dahinter, dann sind es 150 m, dann 200 m. Und dann dauert es auch nicht mehr lange, und ich fahre an Hansl vorbei.

Dann ist der Rothauer Sigi an meinem Hinterrad. Einerseits habe ich nichts dagegen, ist ja schließlich ein Vereinskollege, und wenn ich ihm irgendwie helfen kann, seine Klasse 6 zu gewinnen - warum nicht? Aber das ist irgendwie unnötig, denn sein Vorsprung ist haushoch. Er gewinnt mit einem Bein. Bleibt also unterm Strich nur die Tatsache, daß er 20 Jahre älter ist als ich, und ich ihn nicht abschütteln kann. Ich fahre zwar vor ihm, aber er hält mein Hinterrad.

Ich fahre da mit 30/23, am letzten Kilometer muß ich dann zum 25er-Kranz Zuflucht nehmen. Da geht absolut nichts mehr. Nachdem ich mir vorher die Steigung angesehen habe, war ich überzeugt, da mit dem 21er, maximal dem 23er hochzufahren.  Vor mir taumelt der Günther Nutz herum, ich bin an der 5. Stelle. Aber knapp nach der 1000-m-Marke ist dann auf einmal auch Mosler hinter mir, fährt vorbei. Keine Chance, dieses Tempo mitzuhalten. Dabei fährt er gerade mal 0,0001 km/h schneller als ich. Noch 500 Meter, es wird dann etwas flacher, noch 200 m, es wird ganz flach, aber im gleichen Maße werde ich immer langsamer. Ein letzter verzweifelterSprint bringt mich zwar an Nutz heran, an dem kurz vorher Mosler vorbeigefahren ist, aber eben nur heran und nicht vorbei. Schade, Scheiße! Es bleibt also nur der 6. Platz.

Ausgerechnet Mosler und Nutz, die in der Ginner-Cup-Wertung vor mir liegen. Jetzt wird es langsam Zeit, die beiden mal ordentlich abzuhängen. Die Tagesbestzeit fährt Wolfgang Eibeck mit 17:11 in der Amateurklasse.

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Die Podestplätze in der Klasse Master 2 (von links): Günther Iby, Jens Mateyka, Hannes Krivetz

Ergebnisse Master 2-6: 1. Jens Mateyka (RC Schnecke Wiener Allianz) 17:30 (Schnitt 23,99 km/h), - 2. Josef Schalk (RC ASVÖ Die Erste Tulln) -0:23, - 3. Stephan Haider (Polizei SV Graz) -0:28, - 4. Herbert Ebermann (RC Giga-Sport Millenium Wien) -0:39, - 5. Günther Iby (RC Ginner Amstetten) -0:41, - 6. Hannes Krivetz (RC Raiffeisen Kosmopiloten Zwettl) -0:45, - 7. Gerhart Schäbinger (ARBÖ Kollar Cycling-Team Stattersdorf) -0:55, - 8. Rudolf Techtmeister (RSC Krems) -0:59, - 9. Karl Korpitsch (ARBÖ Kollar Cycling-Team Stattersdorf) -1:24, - 10. Friedrich Pelz (RC KTM Donau-Fritzi Racing) -1:33, - weiters: 15. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) -1:56

Ergebnisse Master 2: 1. Jens Mateyka (RC Schnecke Wiener Allianz) 17:30 (Schnitt 23,99 km/h), - 2. Günther Iby (RC Ginner Amstetten) -0:41, - 3. Hannes Krivetz( RC Raiffeisen Kosmopiloten Zwettl) -0:45, - 4. Gerhard Mosler (RC ARBÖ TV-Steiner Raaba) -1:46, - 5.  Günther Nutz (RC Trumau) -1:53, - 6. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) -1:56, - 7. Rudolf Hansl (ARBÖ imcom.24 Vredestein Wien) -2:09, - 8. Erwin Zierler (ARBÖ Kollar Cycling-Team Stattersdorf) -5:28

Zwischenstand im Ginner-Cup nach 7 Bewerben: 1.Günther Iby (RC Ginner Amstetten) 155 Punkte, - 2. Gerhard Mosler (RC ARBÖ TV-Steiner Raaba) 125, - 3. Günther Nutz (RC Trumau) 96, - 4. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) 86, - 5. Rudolf Hansl (RC ARBÖ imcom.24 Vredestein Wien) 84, - 6. Erwin Zierler (RC ARBÖ Kollar Cycling-Team Stattersdorf) 80, - 7. Hannes Krivetz (RC Raiffeisen Kosmopiloten Zwettl) 75, - 8. Rudolf Feitsch (RC Trumau) 60, - 9. Otto Schebath (RC ARBÖ Sparkasse Kindberg) 49, - 10. Sebastian Pfisterer (ARBÖ Grassinger Lambach) 26

 

Sonntag, 14. Juni 2009: Großer Mostland-Straßenpreis in Amstetten, zugleich Österreichische Straßenmeisterschaft, 58,5 km

Rennstrecke: Ostarrichi-Kaserne - Waidahammer - Schindau - Unterhömbach - Holzing - Hinterberg - Schaffenfeld - Ostarrichi-Kaserne, 5 Runden á 11,7 km = 58,5 km, 107 Höhenmeter pro Runde = 535 Höhenmeter, Start 10.35 Uhr

Wetter: starker NW-Wind, heiter, heiß, 29°

Rennverlauf: Viele Starter bedeuten viele Punkte für den Ginner-Cup, also ist dieses Rennen in dieser Jahreswertung sehr wichtig. Und ich möchte endlich wieder einmal unter die ersten zehn einer Straßenmeisterschaft fahren, die Form dazu glaube ich zu haben, also ist dieses Ziel realistisch. Was mir ganz negativ aufstößt, ist der Umstand, daß die Veranstalter, die jetzt schon seit so vielen Jahren alle möglichen Radrennen veranstalten, anscheinend nicht in der Lage sind, die Rundenlänge richtig anzugeben. Die rechnen doch glatt 13 km für die Runde. Daraus folgt aber auch, daß unser Meisterschaftsrennen mit 58 km doch viel zu kurz ist. Da hätten doch noch gut 2 oder 3 Runden addiert werden sollen, genauso wie übrigens auch in den anderen Klassen.

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Start in der Ostarrichi-Kaserne, von links: Grasser, Dienstbier, Mateyka, Iby

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Start

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Von links: Grasser, Hansl, Dienstbier, Mateyka, Danek, Bartonek, Iby, Santos

Aber egal, das Rennen wird gestartet, und anfangs wird auch hohes Tempo gefahren, aber spätestens nach Schindau rollen wir nur mehr mißmutig dahin. Zu stark ist der Gegenwind, der erstickt jede Aktion. Den kurzen, aber knackigen Anstieg wenig später nehmen wir mit dem großen Blatt, dann ist auch schon Unterhömbach erreicht, der erste strategisch wichtige Punkt, es folgt hier nämlich der lange flache Anstieg. Den schaffe ich überraschend gut, mit 50/19 ist er kein Problem. Mateyka setzt sich etwas ab, ein paar Meter nur, aberer demonstriert seine Stärke, will wahrscheinlich die anderen einschüchtern. Rasende Abfahrt nach Hinterberg hinunter, dann kurze 1,5 km flache Kilometer, ehe in Schaffenfeld der Zielanstieg beginnt. Steil und selektiv. Kleines Blatt, 34/19, ich fahre amAnschlag, bleibe in der Gruppe. Am Ende zwar, aber ich bin dabei, brauche kein Loch zufahren. Hohes Tempo in der Mulde vor der Kaserne zum Zielstrich hin. Erste Runde ist absolviert, und sofort folgt die nächste.

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(von links): Grasser, Mateyka, Iby

Im Grunde verläuft diese zweite Runde genauso wie die erste. An den wichtigen Stellen, den beiden Anstiegen, fahre ich konzentriert und ganz vorne, und wieder gelingt es mir, im Feld zu bleiben. Auffallend: Krivetz und Iby zeigen Schwächen am Berg, fallen da jeweils etwas zurück, kommen aber gleich wieder. Mosler und Ebermann haben ihre Probleme beim Zielanstieg, aber die paar Meter, die sie verloren haben, fahren sie problemlos auf der Kuppe wieder zu. Mein Eindruck von der gestrigen Streckenbesichtigung bestätigt sich: man muß zu Beginn der Steigung eine vordere Position bereits haben, die Steigung selbst ist nicht das selektive Moment, sondern die jeweils langgezogene Kuppe.

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Der erste Zielanstieg (von rechts): Pfisterer, Hrinkow, Haider, Bartonek (alle drei verdeckt), Schäbinger, Iby, Hansl

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In Schaffenfeld, 1,6 km vor dem Zielstrich, beginnt die Schlußsteigung (von links): Ebermann,  Bartonek, Haider, Kaiserlehner, Gaubitzer, Pfisterer, Reiter, Taucher, Mateyka, Iby

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Der Zielanstieg ist hart umkämpft (von links): Schäbinger, Groß, Hauk, Taucher, Haider, Hansl, Bartonek, Dane, Gössler, Gaubitzer, Pfisterer, Mosler

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Von links: Haider, Hansl, Danek, Ebermann, Bartonek, Gössler, Pfisterer, Mosler, Iby, Krivetz

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Voller Einsatz (von links): Ebermamnn, Gössler, Bartonek, Iby, Pfisterer

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Da bin ich hinter Pfisterer (verdeckt)

Dritte Runde, jetzt wird es erstmals schwer: die ersten Attacken kommen, nach Schindau greift plötzlich Groß Rudi an, ich hänge mich sofort dran, in der Steigung stößt auch noch Mateyka nach vor, aber bei ihm geht es nur schwer, er keucht ziemlich. Kurz vor der Kuppe lasse ich reißen, ich bin am Limit, und das Feld setzt jetzt auch nach. Wenig später versuche ich es abermals, kurz vor Unterhömbach, nur um mir selbst zu zeigen, daß es geht. Beim Anstieg danach muß ich bis ans Limit gehen, und oben auf der Kuppe sogar noch eine kleine Kuppe zufahren. Doch Groß, Taucher, Pfisterer und Hansl sind diesmal auch ziemlich weit hinten. Dann der Zielanstieg, da wird jetzt heftig attackiert, aber es kann sich niemand absetzen. Ich bleibe abermals dran, ich wundere mich über mich selbst. Ich kurble diesmal mit 30/21 rauf, oben auf der Kuppe kommt dann wieder Iby von hinten und führt mich an die Gruppe ran. Ich hatte nur ein Loch von nicht mal 10 Metern.

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Wieder der Zielanstieg, von links: Schuler, Iby, Ebermann, Bartonek, Grasser, Schäbinger, Gössler (verdeckt)

Vierte und vorletzte Runde, erstmals denke ich an den Zieleinlauf. Es ist realistisch, daß ich dann noch dabei bin. Der Kurs ist nicht so schwer, wie er auf den ersten Blick aussieht. Und ich kann mich quälen, die Form kommt also schon. Ein paar zaghafte Antritte kommen nach Waidahammer, aber da ergibt sich nichts. Beim kurzen steilen Anstieg wird wieder heftig raufgesprintet, das Feld in die Länge gezogen, und danach verlängere ich sofort und bin im Handumdrehen alleine. Aber es komnmt niemand nach, im Gegenteil, das Feld schließt auf, angeführt von Mateyka, Groß und Taucher. Und wenig später schleicht eine Vierergruppe weg, ich merke das nicht mal. Die haben´s genauso gemacht, wie ich es meist mache. Unauffällig, unscheinbar, aber wirkungsvoll. Der Anstieg nach Holzing rauf ist hart umkämpft, das Feld sehr, sehr lang, aber wieder bin ich ganz vorne. Das Selbstvertrauen steigt, obwohl ich natürlich spüre, daß ich mich jedesmal bis ans Limit verausgaben muß. Aber ich erhole mich jedesmal innerhalb weniger Sekunden. DieSpitzenreiter sind Groß und Mateyka, Haider und Taucher. Also jeweils zwei Master-2- und Master-3-Fahrer. In der Abfahrt bildet sich eine kleine Verfolgergruppe mit Grasser, Mayr, Krivetz und einigen anderen, die sich sogar etwas absetzen kann, aber sie sind sich nicht einig, die Abstand zur Spitze bleibt. Im Feld regiert auch  die Uneinigkeit, niemand setzt nach, erst mit Verzögerung, und wir kommen so erst in Schaffenfeld an die Verfolger heran, zu Beginn der Zielsteigung. Und was jetzt folgt, ist ein wahres Gemetzel. Ich habe sowas erwartet, daher versuche ich erstmals in diesem Rennen diesen Anstieg mit dem großen Blatt. 50/23! Wilde Attacken, Iby reißt ab, Krivetz schon ganz unten, Ebermann, Hansl, Mosler, Hauk, oben fährt mich Iby wieder ran. DANKE!!! Wenn auch ungewollt. Das Ausmaß des Desasters: wir sind gerade noch 12 Mann, wenn ich die Master-3-Fahrer wegrechne, bin ich unter den ersten 6 mit guten Chancen auf die Bronzemedaille! Es war der bisher schwerste Anstieg, ich brauche ein paar Kilometer, um mich zu fangen. Die Konstellation könnte nicht besser sein für mich.

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Die Spitzengruppe geht in die letzte Runde (von links): Mateyka, Taucher, Groß, Haider

Umso schwerer trifft es mich, als kurz vor Unterhömbach die Gruppe wieder heranrollt. Wenn auch etwas dezimiert. Krivetz und Ebermann sind noch am Zielstrich von hinten gekommen, jetzt schließen Mosler und Hansl auf, und das trifft mich sehr, denn das sind meine härtesten Konkurrenten im Ginner-Cup. Mit einem Schlag sind alle Energien aus meinen Beinen weg, wie rausgesaugt. Ich rede mir ein, daß auf den verbleibenden zwei Anstiegen noch viel passieren kann, da können sie wieder zurückfallen, aber selbstverständlich tun sie es NICHT. Auf den letzten 3 km überschlagen sich die Ereignisse. Ich bin etwas abgemeldet, und hier verspiele ich auch alle Chancen. Im letzten Flachstück, auf dem letzten Kilometer vor Schaffenfeld, greift Iby an und setzt sich ab, gewinnt ein paar Meter. Wenn ich denke, daß ich unmittelbar davor noch an seinem Hinterrad war! Dann der Zielanstieg: ich halte anfangs in der Gruppe gut mit, aber etwa bei halbem  Anstieg platzt der Haufen auseinander, Krivetz fällt zurück, Mosler und Hansl siunbd weg, Ebermann kämpft, vor mir pfeift Gössler aus dem letzten Loch, kann sich aber halten. Mit einem Schlag, von einer Sekunde zur anderen, sind meine Beine aus Holz und brechen ab. Jedenfalls fühlt es sich so an.

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Groß Rudi greift in der Zielsteigung an.

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Mateyka setzt nach.

Iby rettet sich ins Ziel und gewinnt die Bronzemedaille. Der Junge war heute schwächer als ich! Kurz vor dem´Ziel fährt auch noch Mosler an mir vorbei, ich kann nicht mehr reagieren. Die Enttäuschung tut ihr übriges, ich rolle hinter der Gruppe ins Ziel hinein.

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Groß Rudi kommt als Erster rauf ins Flachstück vor dem Ziel, dahinter Mateyka

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Iby hat sich 3 km vor dem Ziel abgesetzt und kann die Verfolger in Schach halten

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Die Verfolger, angeführt von Hrinkow vor Grasser, ich quäle mich abgeschlagen dahinter gerade über die Kuppe

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Vorne die Verfolger, Grasser vor Gössler und Gaubitzer, dahinter versucht Mosler aufzuschließen, ich bin gerade über die Kuppe

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Podest der Österr. Straßenmeisterschaft 2009 (von links): Mateyka, Groß, Iby

Ergebnis Kategorie Master II: 1. Rudolf Groß (RC Raiffeisen Feld/See) 1:33:19 (Schnitt 35,85 km/h), - 2. Jens Mateyka (RC Schnecke Wiener Allianz) -0:08, - 3. Günther Iby (RC Ginner Amstetten) -0:52, - 4. Gerhard Hrinkow (ÖAMTC RC Hrinkow Bikes Steyr) -1:00, - 5. Ulrich Gössler (RC ARBÖ Drahteisel Voitsberg), - 6. Peter Grasser (RC ARBÖ H&N-Radcenter St. Lorenzen), - 7. Harald Danek (RC Schnecke Wiener Allianz), alle gleiche Zeit, - 8. Gerhard Mosler (RC ARBÖ TV-Steiner Raaba) -1:02, - 9. Helmut Mayr (RC ARBÖ Gourmetfein Wels), gleiche Zeit, - 10. Hánnes Krivetz (RC Raiffeisen Kosmopiloten Zwettl) -1:08, - weiters: 12. Robert Bartonek (RC UNION /Unterguggenberger Wörgl) -1:12

Zwischenstand im Ginner-Cup nach 8 Bewerben: 1. Günther Iby (RC Ginner Amstetten) 185 Punkte, - 2. Gerhard Mosler (RC ARBÖ TV-Steiner Raaba) 149, - 3. Günther Nutz (RC ARBÖ Trumau) 109, - 4. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) 106, - 5. Rudolf Hansl (RC ARBÖ imcom.24 Vredestein Wien) 103, - 6. Hannes Krivetz (RC Raiffeisen Kosmopiloten Zwettl) 97, - 7. Erwin Zierler (ARBÖ Kollar Cycling-Team Stattersdorf) 90

 

Samstag, 20. Juni 2009: Österreichischer Einzelzeitfahr-Meisterschaft in Althofen, 17 km

Rennstrecke: Althofen, Freizeitzentrum - Silberberg - Kappl, Wende - Silberberg - Guttaring, Wende - Silberberg - Althofen, Freizeitzentrum, 17 km, 60  Höhenmeter, Start 16.54 Uhr

Wetter: bewölkt, starker Südsüdost-Wind, 17°

Rennverlauf: Was soll man zu einem Zeitfahren großartig sagen? Hinhalten und hinhalten, damit hat man das gesamte Rennen eigentlich schon sehr treffend beschrieben. Warum dann welcher Zeitabstand zustande kommt, das bleibt dem Auge des Zuschauers natürlich verborgen, und der Athlet selbst leidet meist fürchterlich. Die gesamte Distanz am Limit zu fahren, verursacht Schmerzen, von denen man sich gar nicht träumen läßt, daß man sie ertragen kann. Glühendes Stechen in den Lungen, den Beinen, den Gelenken, demSchultergürtel, das ist noch das Harmloseste. Der Schweiß, der in den Augen brennt, die gedrungene aerodynamische Haltung, die kaum eine ausreichende Atmung zuläßt, und immer das Bestreben, noch tiefer zu fahren, noch aerodynamischer, noch schneller, noch mehr aufs Tempo zu drücken, noch gleichmäßiger zu kurbeln, noch härter. Das alles klingt nach großer psychischer Belastung, und tatsächlich, die Psyche ist im Zeitfahren entscheidend am Ergebnis mitbeteiligt. Zeitfahren ist ein technischer Bewerb, aber das trifft es nur zum Teil.

Nicht umsonst wird diese Disziplin auch "Rennen der Wahrheit" genannt, weil der Windschatten des Vordermannes wegfällt und man sozusagen die Karten auf den Tisch legen muß.  Man kann nur das fahren, was man auch drauf hat. Aber jetzt wird es kompliziert, denn das heißt noch lange nicht, daß ein schwacher Zeitfahrer ein schlechter Rennfahrer ist. Ich bin ein mittelmäßiger Zeitfahrer, ich besitze zwar die nötige Technik, aber die Psyche hat meist nicht das nötige Selbstvertrauen. Soll heißen, daß ich durch Kleinigkeiten schnell aus der Fassung zu bringen bin. Wenn ich in Form bin, oder gar in Hochform, ist das etwas besser, das Selbstvertrauen größer, dann kann ich Hindernisse und Probleme leichter überwinden und wegstecken.

ImZeitfahren entscheidetz die Überwindungsfähigkeit über Erfolg und Mißerfolg. Doch je mehr man sich überwinden kann, desto besser ist man in Form. Also ist der Mann, der in Form ist, auch automatisch ein guter Zeitfahrer. Die nötige Technik vorausgesetzt. Man sieht schon, es ist nicht so einfach, einfach nur runterzutreten. Wer den härtesten Gang treten kann, der ist am schnellsten, Wer die meiste Luft hat, kann am längsten hinhalten. Eine Kombination daraus müßte der Sieger sein.

Doch nichts dergleichen ist der Fall. Man braucht eine genaue Streckenkenntnis, eine ganz genaue Einteilung der eigenen Kräfte, eine Berücksichtigung der eigenen Anlagen, in Kombination mit den Wetter- und Windverhältnissen. Man sieht schon, ich könnte noch stundenlang versuchen, ein Zeitfahren zu beschreiben und würde doch nur einen geringen Teil davon treffen.

Die Strecke in Althofen ist klar: zweimal eine Wende, 17 km, leicht wellig, störender Wind (kommt fast immer von der Seite), eine lange, flache Steigung zur ersten Wende hin, der Zieleinlauf ist nicht viel leichter, da ist die Steigung etwas über einen Kilometer lang, aber ganz, ganz flach, vielleicht 1 bis 1,5 %. Gerade im Zeitfahren ist es wichtig, alle Details  genau zu beachten. Und das ist auch schon der Grund, warum bei mir dieses Rennen so völlig in die Hosen gegangen ist. Ein paar entscheidende Details: normalerweise beträgt der Startabstand zwischen den einzelnen Fahrern eine Minute, hier in Althofen aber nur 30 Sekunden, also eine halbe Minute. Bei meinem Zeitfahrhelm ist beimTransport irgendwie die Gummiklemme am Sichtschutz verlorengegangen, die scharfe Kante scheuert also an der Nasenwurzel. Die meiste Zeit habe ich damit zugebracht, diese Klemme zu suchen, habe sie aber in dem furchtbaren Saustall im Kofferraum natürlich nicht gefunden. Irgendetwas Störendes ist mir unter das Uhren-Armband geraten, hat fürchterlich gejuckt, ich habe die Armbanduhr kurzerhand runtergegeben und mich wohltuend gekratzt. Leider dann vergessen, die Uhr wieder anzulegen. So ging´s dann zum Aufwärmen. Irgendwann dann mal ein Blick auf die nicht vorhandene Uhr, ich werde leicht nervös, fahre zum Startgelände, sehe die Startnummern derjenigen, die gerade starten, denke mir noch, ich habe noch genügend Zeit für eine kleine Runde. Dabei habe ich nicht bedacht, daß wir hier ja  Halb-Minuten-Start haben, und die 10 Nummern bis zu meinem Start waren somit nicht 10 Minuten Zeit, sondern nur 5 Minuten.

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Der Sieger Jens Mateyka (RC Schnecke)

Es kam, wie es kommen mußte, ich habe meinen Start versäumt, komme ins Startgelände, als bereits die Nummer 175 ins Rennen gegangen ist (ich hatte 173). Dummerweise habe ich noch brav gewartet, bis der weg war, habe dann demStarter gesagt, daß ich meinen Start versäumt habe, ob ich irgendwann mal nachstarten könne, wenn mal einer fehlt. Der hat beinahe einen Lachkrampf gekriegt und gemeint, ich solle gleich fahren. Viermal habe ich nachfragen müssen, dann habe ich begriffen, daß meine Fahrtzeit seit Minuten bereits läuft. Jetzt sind halt 17 km nicht unbedingt eine lange Distanz, und bei der Kürze gibt es eigentlich nur eine Taktik: volles Rohr vom ersten bis zum letzten Meter. Wenn man da irgendwo Zeit verliert, kann man sie eigentlich nicht mehr gutmachen. Und ich habe bereits Minuten vergeben, bevor ich gestartet bin! Der Frust, die Wut, die Enttäuschung, der Zorn, ein Gemisch aus all diesen Gefühlen hat mich zunächst gebremst, und so ist gleich mal der Mosler Gerhard nach etwa 500 Metern an mir vorbeigerauscht. Vor mir dann der Kootz Ferdi, dem ich mühsam Millimeter um Millimeter nähergekommen bin. Dann wieder Seitenstechen. Ich konzentriere mich ganz auf ihn, aber zwischendurch fällt das Tempo mehrmals bis auf 36 oder 37 km/h runter, dann reiße ich mich zusammen und fahre wieder 42 oder gar 44 km/h, aber die Leistung ist viel zu schwankend,  als daß da was Brauchbares rauskommen würde. Und im Hinterkopf immer der Gedanke, daß eh alles sinnlos ist. Endlich, knapp vor der zweiten Wende, habe ich ihn eingeholt, fahre vorbei, dann die Wende, es geht jetzt zurück Richtung Ziel. Er hängt sich an, und bei der nächsten Geleghenheit, die nicht lange auf sich warten läßt, fährt er an mir vorbei. Bei der nächsten Bodenwelle fahre ich wieder an ihm vorbei, und dieses Spiel wiederholt sich noch zweimal. Erst bei der Steigung in Silberberg kann ich ihn abhängen, auf der langen leicht steigenden Zielgeraden kommt er nicht mehr heran. Der 15. Rang ist gleichzeitig auch der letzte Platz. Schwamm drüber, ich möchte KEIN WORT MEHR ÜBER DIESEN SCHEISS HÖREN!!!!!!!!!

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Die drei Erstplazierten (von links): Sebastian Pfisterer, Jens Mateyka, Günther Iby

Ergebnis Kategorie Master 2: 1. Jens Mateyka (RC ARBÖ Schnecke Wiener Allianz) 21:56 (Siegerschnitt 46,50 km/h), - 2. Günther Iby (RC ARBÖ Ginner Amstetten) -0:25, - 3. Sebastian Pfisterer (ARBÖ Radsport Grassinger Lambach) -0:35, - 4. Helmut Mayr (ARBÖ Gourmetfein Wels) -0:43, - 5. Gerhard Hrinkow (ARBÖ Hrinkow Bikes Steyr) -1:23, - 6. Günter Gugler (RC ARBÖ Ginner Amstetten) -1:43, - 7. Wolfgang Forobosko (ÖAMTC ASVÖ Raiffeisen Althofen) -1:58, - 8. Raimund Wulz (RLM Grafenstein Kostel) -2:04, - 9. Gerhard Mosler (RC ARBÖ TV-Steiner Raaba) -2:20, - 10. Rupert Polak (RC UNION St. Johann/Tirol) -2:51, - weiters: 15. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) -5:35

 

Sonntag, 21.Juni 2009: Straßenrennen um die Trofeo "Trattoria-Pizzeria Rispoli" in Basaldella di Campoformido (I), 59,7 km

Rennstrecke: Basaldella di Campoformido, Piazza IV Novembre - Zugliano - Terenzano - Santa Maria di Sclaunicco - Carpeneto - Campoformido - Basaldella di Campoformido, 3 Runden á 19,9 km = 59,7 km, pro Runde 5 Höhenmeter = 15 Höhenmeter, Start 16.05 Uhr

Wetter: bewölkt, trockene Hitze, mäßiger NO-Wind, 27°

Rennverlauf: Das alte Duell lebt wieder auf, Riccardo Tarlaio gegen Claudio Pangos, der in den letzten Jahren nur sehr diskret in Erscheinung getreten ist. Jetzt ist er wieder da, in alter Stärke, und nach wie vor ein Mann, mit dem man immer rechnen muß. Den Überblick, das Gespür für den richtigen Moment, das Positionfahren, das hat er immer noch. Das Streckenprofil war diesmal relativ anspruchslos, die Distanz durchschnittlich. Die Besetzung jedoch war schlichtweg erstklassig. Alles, was Rang und Namen hat, war am Start vertreten.

Die ersten Kilometer waren die Hölle. Ein atemberaubendes Tempo, wir sind in den ersten zehn Minuten kaum jemals unter 50 km/h gefahren, der Grund war mir nicht ersichtlich. Da ist attackiert worden, aufs Tempo gedrückt worden, das Feld hat sich in die Länge gezogen, permanente Einserreihe, gegen den Wind, die ersten Löcher, und bereits vom Start weg sind die ersten Fahrer zurückgefallen. Von dieser Startoffensive bin ich derart überrascht worden, ich war auch nicht ideal aufgewärmt, sodaß ich bis zum Ende des Rennens darunter gelitten habe. Die Zielanfahrt war technisch sehr schwer, eine Spitzkehre nach rechts, steil bergab, dann eine langgezogene Linkskurve, die Zielgerade vielleicht gerade 100 Meter lang. Spätestens da war klar, daß der eigentliche Zielsprint 500 Meter vor der Ziellinie stattfinden würde.

Den Grund diueser Tempojagd habe ich erst in der dritten und letzten Runde gemerkt, da wurde mir erst klar, daß da zu Beginn bereits eine Spitzengruppe weggefahren ist, die wir dann auf den letzten Kilometern des Rennens wieder eingeholt haben. Bis dahin waren einige Versuche erfolglos geblieben, von Solofahrern, von kleinen Gruppen, und ein paarmal hatte ich mich in der 2. und 3. Runde dann auch eingemischt, war einige Male zu einer Ausreißergruppe nach vorne gefahren, aber jedesmal wurden wir postwendend wieder gestellt. War auch irgendwie klar bei diesem Tempo, da mußte das Feld immer wieder herankommen.

Eingangs der dritten und letzten Runde ist der Hans abgerissen und nicht mehr herangekommen, und danach ist das Feld, angeführt von Tarlaio, in einen wahren Temporausch verfallen. Faszinierend, wie schnell wir da an die Spitzengruppe herangefahren sind. Mit Tempo 55 bis 58 auf der flachen Geraden. Etwa 8 km vor dem Ziel war die Spitze gestellt, zu früh für meinen Geschmack, denn dann sind erst wieder Attacken vorprogrammiert gewesen. Ich habe mich langsam nach vorne gearbeitet, war die letzten 10 Minuten des Rennens ganz vorne, aufmerksam, konzentriert, habe niemanden weggelassen, war immer dabei, wenn einem Ausreißer nachgesetzt wurde. Mehr konnte ich nicht tun, dazu war das Rennen einfach viel zu schnell.

Ich hatte mir vorgenommen, schon bei der Spitzkehre ganz vorne zu sein und dann mit aller Kraft diese Position zu verteidigen. In den beiden Kurven würden sowieso nicht mehr viele vorbeikommen. Aber das wollten natürlich alle. Anfahrt zur Spitzkehre: das Tempo wird wieder horrend hoch, 42, 45, 48, 54, ich hänge voll drin, am Anschlag, vorne Tarlaio, ich gehe an Pangos vorbei, der irgendwo hinter mir eingezwickt wird, in der Kurve bin ich auch an Tarlaio vorbei, ich bin voll motiviert, die beiden stärksten Fahrer des Rennens hinter mir, wenn das kein gutes Omen ist! Unmittelbar vor der Kurve kommt aber rechts plötzlich eine neue Staffel nach vor, rasend schnell, schneidet dann rechts rein und läßt sich nach links raustragen. Wir müssen alle bremsen, und das ist auch die entscheidende Situation. Ich war da etwa an 8. bis 10. Position, da waren aber auch ein paar Alte noch vor mir, ich wäre da etwa an der 5. bis 8. Stelle meiner Kategorie gelegen. Ein Preisrang war sehr realistisch. Statt dessen Vollbremsung, um einen Sturz zu vermeiden, und der Geschwindigkeitsunterschied war dann letztlich ausschlaggebend dafür, daß ich nicht mehr nach vorne gekommen bin. Schade, Es war halt ein typisch italienischer Zieleinlauf, das heißt, da wird mit Händen und Füßen gearbeitet, gezogen und gestoßen, gebremst und geschnitten. Trotzdem das alles so kriminell ausgesehen hat, gab es KEINEN Sturz. Italien halt.

Für mein erstes Rennen hier in Italien heuer war das Ergebnis sicher nicht schlecht, ich habe da auch sofort Lust auf sehr viel mehr bekommen. Und man merkt sofort auch den Unterschied zu den österreichischen Rennen, wo sich ein paar einzelne verlorene Fahrer am Start einfinden und dann herumzockeln. Selbst nach einem solchen Rennen weiß man, weshalb Italien die Radsportnation Nummer 1 ist.

Ergebnisse Kategorie Gentlemen: 1. Andrea d´Agaro (Amici delle Biciclette) 1:23:12 (Schnitt 42,8 km/h), - 2. Bojan Ropret (SLO, GS Barbariga), - 3. Renzo Marcon (Cima SIAI), - 4. Stefano Mometti (GS San Giovanni di Livenza), - 5. Paolo Roppa (GS De Luca Renault Portotecnica Portogruaro), - 6. Roldano Barbieri (GS San Giovanni di Livenza), - 7. Giorgio Petrolo (CBR Bike Team), - 8. Elio Moras (GC Meschio), - 9. Ennio Salvador (Team Salvador), - 10. Lucio Caldo (Amici delle Biciclette), - weiters: 14. Robert Bartonek (GS Tecnoimpianti Padova), alle gleiche Zeit

 

Sonntag, 28. Juni 2009: Kärntner FESTINA-Seen-Radrundfahrt in Keutschach, 104,4 km

Rennstrecke: Keutschach - Plescherken - Schiefling - Augsdorf - Selpritsch - Lind/Velden -  Rajach - Wernberg -St.Michael - Landskron - Gratschach - Annenheim - Sattendorf - Bodensdorf - Stiegl - Steindorf - Unterberg - Rapitsch - Ossiach - St. Andrä - Gratschach - Landskron - St.Michael - Villach - Wernberg - Rajach - Lind/Velden - Selpritsch - Velden - Auen - Dellach - Maria Wörth - Reifnitz - Sekirn - Maiernigg - Goritschitzen - Viktring - Pertitschach - Keutschach, 104,4 km, 445 Höhenmeter, Start 8.30 Uhr

Wetter: bedeckt, tiefe Wolken, regnerisch, ab Schiefling (km 8) Nieselregen, dann stärkerer Regen, rund um den Ossiacher See Platzregen, ab Viktring kein Regen mehr, leichter NW-Wind, sehr schwül, warm, 25°

RM09-050

Start, ich rechts hinten

Rennverlauf: Bin leider wieder einmal bei einem Marathon ziemlich weit hinten gestartet, und das ist tatsächlich ein großes Problem. Hier in Keutschach zwar nicht ein so großes, denn es geht wellig und hügelig auf den ersten Kilometern bis Wernberg. Dieser erste echte Anstieg bei km 21 ist auch meist der erste Scharfrichter. Dort muß ich unbedingt vorne sein. Das Problem sind die vielen Warmduscher, die sich ganz vorne reindrängen und dann im Schrittempo wegfahren. Dadurch stehen sie allen nur im Weg herum, die wirklich Ambitionen haben. Ganz vorne wird natürlich aufs Tempo gedrückt, und wenn die schon 50 km/h fahren, muß ich weit dahinter ja 60 fahren, damit ich wieder aufschließen kann. Daß das nicht einfach ist, kann man sich vorstellen.

In Schiefling habe ich es geschafft, bin vorne dran. Aber es hat mich ganz schön Luft gekostet, und das Tempo ist auch ungewöhnlich hoch. Wir fahren meist über 50 km/h, die kurzen Anstiege, die Bodenwellen, werden alle mit 30 bis 36 km/h durchgedrückt. Der Schnitt steigt schnell auf ca. 41 km/h, für einen Marathon ungewöhnlich schnell. Aber heute sind sehr viele starke Italiener dabei, die drücken unentwegt aufs Tempo. Dann ist der Wernberg erreicht. 39/17 bin ich da in den letzten Jahren immer hochgefahren, diesmal fahre ich 53/21 und unglaubliche 30 km/h. Noch nie bin ich da so schnell hochgeschossen. Ich fahre am Limit, hänge ganz verzweifelt drin, aber immer mehr fahren an mir vorbei, ich kann das Tempo einfach nicht halten. Dann ist das Loch vor mir, aber ich bin schon auf den letzten 100 Metern, und mit einem verzweifelten Sprint mit 53/19 fahre ich das Loch oben auf der Kuppe zu. Verdammt, das war so unglaublich knapp! Keine Sekunde Verschnaufpause, sofort volles Tempo in der Abfahrt. Mit 70 Sachen geht es runter in die Ortschaft Wernberg. Als ich mich umdrehe, sind wir nur mehr ca. 40 Mann. So klein war die Spitzengruppe nach dem Wernberg in den letzten Jahren nie.

Der Regen wird immer stärker, es ist unangenehm, obwohl es mir wohlig warm ist. Es ist ziemlich schwül, da muß man nicht frieren. Am Ossisacher See angelangt, fahren wir eine Umleitungsschleife über knapp 3 km wegen irgendeiner Baustelle, schmale Straße, ein asphaltierter Feldweg, nicht mehr. Und das bei 53 km/h. Ich sehe nichts, es ist viel Dreck auf der Fahrbahn und sofort in meinem Gesicht, ich hänge permanent bei den allerletzten Fahrern der Spitzengruppe rum.

Bei der Umrundung des Ossiacher Sees nimmt der Regen an Stärke zu, es wird ein wahrer Platzregen.  Ungeachtet dessen fahren wir ständig mit 42 bis 48 km/h, ich habe die Aujgen voller Sand und anderem Dreck, des brennt fürchterlich. Wenn es nicht so paradox wäre, müßte ich im Regen ganz fürchterlich weinen, denn der Schmerz treibt mir die Tränen in die Augen. Ein unglaubliches, unangenehmes, schmerzhaftes Brennen, aber ich kriege die vielen Fremdkörper nicht aus dem Auge raus. Ich sehe kaum was, alles verschwimmt vor mir, die Brillen sind verdreckt und angelaufen. Das macht natürlich unsicher, und so muß ich etwas mehr Abstand zum Vordermann halten als üblich, und diese Ossiacher-See-Umrundung bei hohemTempo kostet mich sehr viele Körner. Dann fahre ich mit Gewalt ganz knapp ans Hinterrad vor mir ran, denn ich spüre, daß ich bei diesem Tempo nicht mal die Distanz zum Ziel packe.

Dann kommen die vielen kurzen, giftigen Anstiege, am Südufer des Ossiacher Sees, von Villach bis Selpritsch. Auch die kosten gewaltig viel Körner, jedesmal raufsprinten, und oben dann erst noch ein Loch zusprinten. Nicht wenige Fahrer verlieren wir da, weil sie das übersehen oder einfach überfordert sind. Erst als es kurz bergab zum Wörthersee runter geht, kann ich kurz aufatmen. Der Regen läßt etwas nach, das Ziel ist in Griffweite, die Gruppe ist noch kleiner geworden.

Noch am Ossiachedr See fällt die Entscheidung. Zu dem Zeitpunkt aber ahnt das noch niemand. Eine 6-Mann-Gruppe fährt vorne weg, eine etwa 20 bis 25 Mann starke Gruppe macht sich an die Verfolgung, bleibt aber mit etwa 100 bis 150 Meter Rückstand irgendwie hängen. Miut dem gleichen Abstand folgt der Rest der Grjppe, mit mir am Ende dieses Haufens. So hoch das Tempo auch ist, wir kommen nicht entscheidend näher. Dann entspinnt sich zwischen Villach und Velden eine wahre Hetzjagd. Mit dem Ergebnis, daß sich die Spitze etwas weiter absetzen kann, die Verfolger werden von uns wieder eingeholt. Nächster Knackpunkt ist der Aufstieg auf den Wernberg. Zwar nicht so steil und bei weitem nicht so lang wie bei der Herfahrt, ist dieser Wernberg aber bei hohem Tempo (und wir fahren mit 34 bis 38 km/h rauf) mindestens genauso spektakulär und selektiv. Ich schaffe es und bleibe dran, weil ich ganz vorne fahre, unter den ersten 8 Positionen. Als es nach Velden runtergeht zum Wörther See, habe ich mich etwas erholt und schöpfe wieder Mut und Hoffnung. Bis dahin hat es nämlich mit einer möglichen Titelverteidigung nicht sehr positiv ausgesehen.

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Regenschlacht am Wörthersee

Ich muß aufpassen, konzentriert fahren, darf jetzt keine Attacke übersehen. Die Spitzengruppe ist außer Sicht, dazwischen immer wieder eine kleinere oder ganz kleine Verfolgergruppe, die aber immer wieder gleich gestellt wird. Die Wörthersee-Süduferstraße ist sehr kurvig, bei den Ortsdurchfahrten auch noch schmal, sehr unübersichtlich. Schnell ist da ein Loch gerissen, und dann ist es zu spät. Ich esse und trinke, tue alles, um so fit wie möglich in den Schlußanstieg zu gehen.

Dann geht es sehr schnell. Maiernigg, Viktring, das Tempo wird höher, die Fahrer nervöser, vorne drängt sich alles an der Spitze, ein wildes Gebremse, Geschiebe, lautes Rufen. Immer wieder werde ich zurückgedrängt, aus der Staffel rausgeboxt, muß wieder nach vorne fahren. Nervig einfach. Dann ist es soweit, es geht rauf nach Keutschach, einbiegen in die Steigung. Und sofort volle Attacke.  Ich habe es kommen sehen, aber ich werde dennoch überrumpelt. Kann nicht dagegenhalten. Ein Loch tut sich auf, aber dann springen andere nach vorne, ziehen den Rest damit wieder heran. Ich fahre 53/19 und 21,kurbled eine sehr hohe Frequenz, ich reihe mich ganz vorne ein, habe kein Problem mit dem Tempo. In Stufen geht es den Anstieg  hoch. Immer wieder springen vorne welche raus. Trotz des hohen Tempos, Auf den Flachstücken geht das Tempo sofort auf über 40 rauf.

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Hohes Tempo der Verfolger am Wörthersee-Südufer

Es läuft ausgezeichnet. Ich kann nahezu jedesTempo mitgehen, verteidige meine vordere Position. Steigung um Steigung schaffen wir, die Gruppe wird wieder kleiner. Dann die letzte Kuppe, dahinter geht es runterr nach Keutschach. Aber wir fahren nicht rechts in die Ortschaft rein, sondedrn auf der Umfahrungsstraße geradeaus und erst bei der westlichen Ortseinfahrt rein. Dort haben wir eine gut 10 %ige Steigung, etwa 200 Meter lang. Etwa ein halber Kilometer davor, unten in der Mulde, stellt sich plötzlich ein Fahrer vor mir quer, und sofort knallen ein paar drüber. Ich schwenke geistesgegenwärtig nach rechts zum Bankett hinaus, umrunde einen, der mir direkt vor das Vorderrad stürzt, fahre das Loch zu, das gerade mal 5 Meter beträgt. Ich bin der Letzte, der noch diesen Sturz umfahren konnte.

Als ich wenig später in die letzte Steigung einschwenke, denke ich ngar nicht mehr daran.Mit 53/19 kurble ich drüber, oben dann langsam runterschalten, aufs 17er, Schwung holen, beschleunigen, dann 16er, dann 15er, ich hab den Haufen wieder erreicht, an den ersten Fahrern vorbei, 14er, aufstehen, sprinten, langgezogene Linkskurve, unter den Bäumen durch, es ist hier ziemnlich dunkel, der Zielstrich. Wie sich nachher herausstellt, ist es nichts geworden mit der Titelverteidigung. In der sechsköpfigen Spitze waren gleich zwei Fahrer aus meiner Altersklasse dabei, zwei Italiener, und danach ist auch noch eine Gruppe gekommen, die ich sogar übersehen habe, nämlich auch 6 Mann. Also 6 Mann vorne, dann 6 Verfolger, dann meine Gruppe. Und mir ist da nur der 4. Rang geblieben, denn um ein Haar habe ich einen Rang vor mir verpaßt. Schade, vielleicht, wenn ich das gewußt hätte, aber an der Rückennummer konnte man keine Kategoriezugehörigkeit festmachen.

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Zielanstieg nach Keutschach, die Verfolgergruppe

Und der ständige Regen war auch ein Faktor, der mir einen Strich durch die Rehnung gemacht hat. Bei Regen bin ich nur die Hälfte wert, als Brillenträger bin ich da sowieso ziemlich gehandikapt. Über weite Strecken bin ich nur am Ende der Gruppe nachgefahren, bin da für alle Aktionen, die vorne sich abgespielt haben, natürlich ausgefallen. Bei trockenem Wetter hätte das sicherlich anders ausgesehen. Und heuer war der Bewerb brutal gut besetzt, derSchnitt so hoch wie nie, die Fahrzeit ein neuerStreckenrekord.

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Zieleinlauf (von links): Kanzian, Bartonek

Ergebnisse Gesamt: 1. Giuseppe Delfabro (I, GS Grigioneri 2000 Savorgnano al Torre) 2:30:04 (Schnitt 41,9 km/h), - 2. Uwe Rascher -0:24, - 3. Ermes Rupik (I, GS Grigioneri 2000 Savorgnano al Torre) -0:25, - 4. Heimo Fetter (Radsport Sampl Lungau), gleiche Zeit, - 5. Urso Smolej (SLO) -0:40, - 6. Mario Forgiarini (I, ASD Pedale Gemonese) -1:44, - 7. Christian Niederkofler (I, Skihütte Rienz Toblach) -3:30, - 8. Matthias Baumgartner (Anders biken) -3:31, - 9. Marco Brollo (I, ASD Pedale Gemonese) -3:39, - 10. Franz Hofer (I, Almbiker Südtirol) -3:40, -weiters: 29. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) -4:05

Ergebnisse Altersklasse Senioren II: 1. Giuseppe Delfabro (I, GS Grigioneri 2000 Savorgnano al Torre) 2:30:04 (Schnitt 41,9 km/h), - 2., Ermes Rupik (I, GS Grigioneri 2000 Savorgnano al Torre) -0:25, - 3. Erich Kanzian (ProBike Lienz) -4:04, - 4. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) -4:05, - 5. Wolfgang Schabus (RC ARBÖ Raiffeisen Feld/See) -4:06, - 6. Georg Kaschitz -6:36, - 7. Werner Klünsner (RC ARBÖ Geros Leeb-Balkone Klagenfurt) -7:14, - 8. Franco Novelli (I, GS Grigioneri 2000 Savorgnano al Torre) -17:29, - 9. Gerhard Siebenbrunner (LTC Hurtigflink) -17:37, - 10. Heinz Reiter (RC Radteam Rad-Radleben Salzburg) -17:47

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Siegerehrung Kategorie Senioren II (von links): Rupik, Delfabro, Kanzian

 

Sonntag, 5. Juli 2009: Kamptaler Straßenrennen in Langenlois, 71,6 km

Rennstrecke: Langenlois - Schilterner Berg - Schiltern - Reisert - Mollands - See - Zöbing - Langenlois, 3 Runden á 23 km, dann Zielanstieg Langenlois - Schilterner Berg 2,6 km = 71,6 km, insgesamt 1108 Höhenmeter, Start 10.07 Uhr

Wetter: bewölkt, später dann bedeckt, sehr heiß und sehr schwül, starker NW- bis N-Wind, 32°

URC_Langenlois_Rundrennen 2009 by Sportevents4all.

Startaufstellung in Langenlois, Master II/III, ich vorne links (2.)

URC_Langenlois_Rundrennen 2009 by Sportevents4all.

Start in Langenlois, vorne Karl Tomitz, ich dahinter

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Anstieg zumSchiltener Berg, ich bin an der 9. Stelle zu erkennen.

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Ein paar Meter weiter liege ich immer noch an der 9. Stelle

Rennverlauf: Der Start bei diesem Rennen, einem der schwersten der ganzen Saison, war eine pure Schnapsidee. Geboren aus der Verzweiflung, nur ja so wenig Ginner-Cup-Punkte wie möglich zu verlieren. Ich konnte nicht mal aufwärmen, denn das war mir schon zuviel. So bin ich dann gleich am Start abgerissen. Bin den ganzen ersten Anstieg zum Ziel am Schilterner Berg hinauf hinter der Gruppe gefahren. Gut, ich war da nicht ganz alleine, aber so bald so klar abgehängt zu sein ist auch nicht lustig. Das ist mir bisher bei diesem Rennen noch nie passiert. Sogar der Kaiserlehner ist an mir vorbeigefahren!

Oben dann hat sich sehr schnell eine kleine Gruppe zusammengefunden, der Mosler Gerhard war dabei, die Praschk Hemma, der Kees, der Tomitz Karl und der Gaubitzer Fritz. In der ersten Runde war auch noch die Eysinger Beate dabei,  aber die ist später abgestiegen. Eigenartig, aber in den Anstiegen war ich immer der mit Abstand Stärkste. Ab der 2. Runde habe ich bergauf immer solch hölllischen Hustenreiz bekommen, ich mußte andauernd husten. Und wenn kein Eiter mit hochkommt, tut das wirklich höllisch weh.

Da bin ich vor Eysinger und Mosler

Oben in Reisert, dem höchsten Punkt der Strecke, ist dann von hinten das Duo Schalk/Schwarzmüller herangekommen, die sind gefahren wie die Feuerwehr. Eigentlich keine Auszeichnung für uns, daß die uns da schon eingeholt haben. Egal, ich bin mitgefahren, im Windschatten, führen darf ich ja in einem solchen Fall nicht. Hätte ich auch gar nicht gekonnt.  Ich mußte andauernd so viel husten, der ganze Rachen samt Schlund hat so geschmerzt, daß ich heilfroh war, da wenigstens mitzuhalten. Naja, am Ende der ersten Runde sind wir ganz schön nahe wieder an die Hauptgruppe vor uns herangekommen.

[small]2009-07-05-10.54.02 URC_Langenlois by Sportevents4all.

Robert Bartonek amSchilterner Berg

Zweiter Anstieg auf den Schilterner Berhg, ich bin als einziger meiner Gruppe mit Schalk und Schwarzmüller mitgefahren, ein paar hundert Meter halt, dann mußte ich reißen lassen, weil der Hustenreiz wieder übermächtig geworden war. Aber eine Kehre über mir konnte ich die Gruppe sehen, aufgesplittert, und am Ende, schon abgerissen, ist der Hansl  Rudi gefahren. Das war schlimm, denn Schalk/Schwarzmüller würden ihn gerade am Ende der Steigung einholen, und dann kann er mit ihnen mitfahren und ist damit für mich endgültig außer Reichweite. So ist nun mal der Radsport, solche "Kleinigkeiten" entscheiden ein Rennen.

Und auch am zweiten Berg, am Ende von Schiltern, war ich ohne Konkurrenz. Auch dort bin ich ein paar Meter vor den Mitstreitern gefahren. In der zweiten Runde haben wir dann den Danek noch eingeholt, der war von vorne zurückgefallen.

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Beim Zielanstieg am Schiltener Berg vor Mosler und Gaubitzer

Die dritte und letzte Runde ist dann zur Höllenqual geworden. Einerseits die Schwüle, andererseits die Hitze, dazu meine Verkühlung, der immer größer und stärker werdende Hustenreiz, ich mußte doch glatt regelmäßig alle 10 bis 12 Sekunden husten. Eigentlich war es kein Husten, sondern eine ganze Serie von Hustern, der einer wie der andere bis in den Magen hinunter wie Feuer brannten. Der Zielanstieg war ganz hart an der Grenze, und aujf den letzten 300 Metern war Danek abgerissen, Mosler ist mit ultraleichter Übersetzung an mir vorbeigefahren. Wegen des schmerzenden Hustenreizes mußte ich härter fahren als üblich, und in dieser Runde war der letzte Dampf schon draußen.

Ich bin mit dem letzten Dreck ins Ziel gerollt, mehr als ein 9. Rang war nicht drin, schade, bei voller Leistungsfähigkeit wäre in diesen beiden Rennen einiges möglich gewesen. So aber sind mir gerade mal 11 Punkte geblieben. SCHEISSE!!!

[small]2009-07-05-12.13.40 URC_Langenlois by Sportevents4all.

Jens Mateyka gewinnt

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Die ersten drei (von links): Helmut Mayr, Jens Mateyka, Karl Ganser

Ergebnisse Master II: 1. Jens Mateyka (RC Schnecke Wiener Allianz Optik-Klika) 2:05:28, - 2. Helmut Mayr (RC ARBÖ Gourmetfein Wels) -1:10, - 3. Karl Ganser (RC Grafenbach NÖ-Süd Weinzettel) -4:45, - 4. Günther Iby (RC ARBÖ Ginner Amstetten) -6:58, - 5. Günter Gugler (RC ARBÖ Gourmetfein Wels) - 6:44, - 6. Peter Goluszka (ARBÖ Wien-Strom Lamster) -9:04, - 7. Rudolf Hansl (RC ARBÖ imcom.24 Vredestein-Wien) -9:29, - 8. Gerhard Mosler (RC ARBÖ TV-Steiner Raaba) -12:12, - 9. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl)´-12:19, - 10. Harald Danek (RC ARBÖ Schnecke Wiener Allianz Optik-Klika) -12:26

Zwischenstand im GINNER-Cup: 1. Günther Iby (RC ARBÖ Ginner Amstetten) 215 Punkte, - 2. Gerhard Mosler (RC ARBÖ TV-Steiner  Raaba) 187, - 3. Günther Nutz (RC Trumau) 134, - 4. Rudolf Hansl (RC ARBÖ imcom.24 Vredestein Wien) 134, - 5. Hannes Krivetz (RC Raiffeisen Zweiradchaoten Zwettl) 123, - 6. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) 117, - 7.  Erwin Zierler (RC ARBÖ Kollar Cyclingteam Stattersdorf Ergebnisse) 110, - 8. Jens Mateyka (RC GinnerSchnecker) 104, - 9. Ullrich Gössler (RC ARBÖ Drahteisel Voitsberg) 80, - 10. Rudolf Feitsch (RC Trumau) 70

 

Freitag, 10. Juli 2009: Straßenrennen um die "Trofeo Sagra della Sopressa" in Belfiore di Pramaggiore, Abschlußveranstaltung zum "Criterium Pramaggiore Cittá del Vino", 63 km

Rennstrecke: Belfiore di Pramaggiore - Pradipozzo - Belfiore di Pramaggiore, 9 Runden á 7 km = 63 km, pro Runde = 10 Höhenmeter = 90 Höhenmeter, Start 17.35 Uhr

Wetter: strahlend blauer Himmel, schönster Sommertag, ganz leichter NW-Wind, 28°

Rennbericht: 73 Fahrer versammeln sich in meiner Altersklasse am Start, alles ist am Start, was Rang und Namen hat. Die Abschlußveranstaltung des Pramaggiore-Kriteriums, eine Serie über 9 Rennen in traditionellen Weinbaugebieten rund um Pramaggiore, hat sie angelockt. Die 7-km-Runde hat es in sich: völlig flach, eine Straßenüberfahrt bringt 10 Höhenmeter, der Rest ist zwar auf glattem, einwandfreiem Asphalt, einzig eine schmale, enge Verbindungsstraße, ca. 300 m lang, dürfte sich als strategisch ganz wichtiger Punkt erweisen.

Vom Start weg ziehen gleich ein paar Attacken das Feld in die Länge, die ersten Fahrer reißen auch gleich ab. Und das nach 1 und 2 km! Da bekommt das Aufwärmen immer éine ganz besondere Bedeutung, aber wie die italienischen Rennen laufen, habe ich mittlerweile nach so vielen Jahren schon mitgekriegt. Nach einer Runde sackt das Tempo dann plötzlich wieder ab, sodaß die meisten Abgerissenen wieder Anschluß finden.

Andauernd wilde Attacken, viele kleine Gruppen setzen sich andauernd ab, auch einzelne Fahrer, aber sie alle können sich nicht vorne halten, werden wieder eingeholt. Ich bin heuer noch kein einziges Rennen dieser Serie gefahren, habe mir aber noch vor dem Start den aktuellen Stand der Gesamtwertung genau angeshehen, denn schließlich ist es ja wichtig zu wissen, wer da im Zugzwang ist, wer verteidigen und abwarten kann. Renzo Marcon führt vor Riccardo Tarlaio und Lucio Caldo, und dazu muß man wissen, daß alle drei herausragende Sprinter sind. Im Normalfall würde ich sagen, daß alle drei in einer Spitzengruppe ankommen, aber weil Tarlaio unbedingt VOR den anderen sein muß und im Sprint die anderen zu stark sind, muß er sie wohl abhängen. Also Tarlaio ist ein ganz heißer Tip, den darf ich nicht aus den Augen lassen.

Es ist nicht leicht, bei einem Schnitt von knapp 43 km/h die Übersicht und die Konzentration zu behalten. Die schmale Verbindungsstraße erweist sich als brandgefährlich, hier wird in Einserreihe drübergesprintet, da reißen in jeder Runde nicht gerade wenige ab. Nach sechs Runden geht es ans Eingemachte. Eine ganz schnelle Phase, wir sind knapp eineinhalb Kilometer einer kleinen Spitze mit gut 56 km/h nachgejagt, haben sie eingeholt, als im selben Moment Tarlaio attackiert. Das muß man ihm schon lassen, als ehemaliger Profi hat er das untrügliche Gespür für den richtigen Moment. Gerade mal zwei Mann können folgen, zu dritt gewinnen sie schnell an Boden.

Ich fahre selber natürlich nicht nach, ich warte drauf, daß der große ewige Rivale von Tarlaio, Claudio Pangos, aktiv wird. Ich muß schon schmunzeln, als ich merke, daß beinahe alle ihn jetzt anschauen. Irgendwie kann er einem ja direkt leid tun. Er fährt auch nach vorne, dann kommt die Beschleunigung, der Antritt,  das ganze Feld zieht mit, für einen Moment schleppt Pangos das Feld, wir jagen mit 58 km/h dahin, sind sicherlich schneller als die dreiköpfige Spitze. Dann schwenkt er weg, und die Lokomotive ist damit natürlich auch weg. Jetzt heißt es mal abwarten, bis sich die übriggebliebenen Spitzenfahrer organisiert und formiert haben, dann wird langsam die Verfolgung aufgenommen.

Ich ahne schon, was jetzt passieren wird, ich muß alle Sinne schärfen und ganz genau aufpassen, in der Konzentration keine Sekunde nachlassen. Wir fahren schnell, an die 50 km/h, aber die Spitze dürfte im Moment genauso schnell fahren, jedenfalls kommen wir nicht entscheidend näher. Die ologische Folge: die stärksten Fahrer werden sich absetzen und alleine die Verfolgung aufnehmen. Alles orientiert sich an Pangos, ich natürlich auch. Aber es ist ein anderer, der antritt, Pangos reagiert und zieht nach, ich sofort auch, es bildet sich eine kleine Verfolgergruppe. Wir wechseln schnell, wir fahren mit 54 km/h, das schlaucht ganz enorm. Lange kann ich das sicher nicht durchhalten. Es ist brutal schwer, nach dem Wegschwenken wieder hinten an die Gruppe ranzufahren. Ich komme ins Röcheln, der Pulsmesser piepst bei 186. Nur diese eine Führung noch, dann ist Schluß, rede ich mir immer wieder vor, aber ich bleibe dran, ich halte hin, ich bin eigentlich schon mausetot, aber langsam gewöhne ich mich an diese Form der Belastung. Dann sehe ich, daß wir schnell derSpitze näherkommen.Ich überlebe auch die schmale, schlechte Passage, ich darf keinen einzigen Tritt auslassen, und das ist schwer genug.

In der 7. Runde sind wir dran. Geschafft! Marcon ist dabei, Tarlaio und Pangos und Caldo sowieso, auch Boatto ist da, naja, und ich bin auch noch da. Irgendwie kommt es mir jetzt zugute, daß ich kein Rennen dieser Serie gefahren bin, denn dadurch bin ich für die anderen völlig uninteressant. Aber leider kann ich diesen Vorteil nicht nutzen, an eine eigene Attacke zu denken, darf ich nicht wagen. Im Gegenteil, ich fühle, daß ich der mit Abstand schwächste Fahrer der Spitzengruppe bin. Nach 7 Runden sind wir 14 Mann vorne, aber der Vorsprung auf das Feld ist auf unter eine Minute gefallen, denn bei uns ist irgendwie der Wurm drinnen, die Gruppe ist halt einfach zu groß, und hinten wird jetzt konsequent nachgesetzt.

Unser Glück: hinten setzt sich eine 5köpfige Verfolgergruppe ab, das Feld nimmt die Beine hoch, für die ist das Rennen gelaufen. Wenn die nachgefahren wären und uns alle eingeholt hätten, dann wäre alles von vorne losgegangen. So aber kommen diese 5 Mann eine Runde später zu uns nach vorne, wir sind damit 19 Mann. Und das sind jetzt eindeutig viel zu viele. Kurzes Formieren, dann beginnen die Attacken aufs Neue. Aber jetzt aus einer 19-Mann-Gruppe, da darf ich nichts und niemanden übersehen. 19 Mann gehen also in die Schlußrunde, das Feld liegt weit genug zurück, um nicht mehr in den Kampf um den Sieg eingreifen zu können. In einer solchen Sktuation sage ich mir immer: jetzt will ich um den Sieg mitreden, denn sonst wäre aller Aufwand umsonst gewesen.  Einen 18. oder 19. Rang interessiert niemand, den könnte ich mir auch im Feld hinten holen. Als ans Hinterrad von Tarlaio, ein Auge auf ihn, ein anderes auf Pangos.

Die Schlußrunde beginnt mit wilden attacken von Marcon und Barbieri, die aber erfolglos bleiben, dann mischt sich auch Tarlaio ein. Der ist brandgefährlich. Und obwohl ich ein paar Sekunden vorher noch an seinem Hinterrad war, ist er vorne und ich nicht unter den ersten zehn, als wir auf die schmale Rumpelpiste einbiegen, die gerade mal 300 Medter lang ist. Einserreihe, brutaler Antritt vorne von Tarlaio, der mit Marcon und Barbieri am Hinterrad absetzt. Also dem merkt man den Ex-Profi immer noch an. Ich fahre nach vorne, bin aber viel zu spät, kann gerade noch das Hinterrad von Lucio Caldo fangen, der am Ende der Verbindungsstraße antritt. Sofort sind wir weg, die drei an der Spitze führen mit 15 Sekunden vor uns beiden und 25 Sekunden vor der nächsten Gruppe, die von Pangos angeführt wird.

Jetzt lege ich alles in diese Gruppe, wechsle schnell und technisch ganz sauber mit Caldo ab, ich möchte so schnell wie möglich vorne ranfahren und dabei aber unbedingt verhindern, daß Pangos noch an uns herankommt. Weit ist es nicht mehr bis ins Ziel, ein paar Kurven noch, vielleicht drei oder vier Kilometer. Wir kommen langsam näher, ich kann es nciht glauben. Es ist nicht geplant, aber ich nehme immer weniger, ich kann nicht mehr. Caldo sieht mich an, merkt natürlich, daß ich am Ende bin, fährt eine längere Führung und bringt uns ganz entscheidend an die drei Führenden heran. Noch 2 km, und wir schließen auf. 5 Mann Spitze, die Verfolgergruppe mit Pangos, drei oder vier Mann, liegen nur knapp 15 Sekunden zurück.

Spannendes und spektakuläres Finale: ich bin völlig außer Atem, hänge an der 5. Stelle, vorne an der Spitze Tarlaio, der sich immer wieder umsieht, das  Tempo fällt auf 50 km/h, dann auf 48 und 46, auf 45 und 44 km/h runter, wir passieren die 1000-m-Marke. Caldo und Marcon rollen nur mehr, Tarlaio tritt urplötzlich an und sprintet auf die andere Straßenseite rüber. Das sehen und ans Hinterrad springen ist eins, erst dann fällt mir auf, daß wir zu zweit weg sind. Tarlaio sieht meinen Schatten hinter sich und tritt noch einmal an, und genau dieses eine Mal ist für mich zu viel. Jetzt brennen die Oberschenkel gewaltig, ich darf nicht lockerlassen, muß es aber dennoch tun. Und noch ein dritter Antritt von Tarlaio,  er fliegt förmlich dem Zielstrich entgegen. Ich mache mich klein, mache ein Zeitfahren gegen die Milchsäure in meinen Beinen. Irgendwie fühle ich, daß mit jeder Sekunde diese Milchsäure mehr und mehr wird, irgendwann muß ich die Beine hochnehmen, bis dahin möchte ich aber im Ziel sein. Die letzte Kurve, noch 200 Meter, ich sitze beinahe am Randstein auf, bin irritiert und angeschlagen, reagiere gar nicht darauf. Gestürzt bin ich ja nicht. Und kann es kaum glauben, daß die Verfolger nicht mehr vorbeikommen - das ist der 2. Platz!

Ergebnisse Kategorie Gentlemen: 1. Riccardo Tarlaio (GS De Luca Renault Portotecnica Portogruaro) 1:24:28 (Schnitt 43,2 km/h), - 2. Robert Bartonek (GS Tecnoimpianti Padova) -0:03, - 3. Lucio Caldo (GS Amici della Bicicletta) -0:04, - 4. Renzo Marcon (Cima SIAI), gleiche Zeit, - 5. Salvatore Verde (ASD Hinna S. Antimo) -0:06, - 6. Roldano Barbieri (GS San Giovanni di Livenza) -0:15, - 7. Gabriele Visconti (ATL. Rubis), - 8. Claudio Pangos (GS Bici per Haiti), - 9. Luciano Trevisan (GS Pedale Feltrino), - 10. Mauro Bassi (UC Valmarana), alle gleiche Zeit

 

Samstag, 11. Juli: Straßenrennen um die "Trofeo Vivai Banterla" in Cavaion Veronese (I), 48 km

Rennstrecke:  Cavaion Veronese - Affi - Incaffi - Bardolino - Cavaion Veronese, 5 Runden á 9,6 km = 48km, 55 Höhenmeter pro Runde = 275  Höhenmeter, Start 9.15 Uhr

Wetter: heiter, sonnig, heiß, leichter N-Wind, 33°

Rennverlauf: Alle Trentiner Stars waren diesmal am Start, dazu noch die Veneter und Lombarden und ein paar andere. Und mtten drinnen auch ich. Sehr ambitionert von Anfang an ist Dario Grisenti gefahren, der UDACE-Weltmeister des Vorjahrs, einer der stärksten Sprinter dieser Provinz. Immer wieder hat er für Unruhe gesorgt, für Tempoverschärfungen, er hat ein wirklich ausgezeichnetes Gespür dafür, anderen weh zu tun. Doch die anderen haben dagegengehalten, haben ihn ein ums andere Mal wieder zurückgeholt.  Doch er hat keine Ruhe gegeben, hat es andauernd probiert. Runde um Runde ist so heruntergespult worden, das Rennen war nervös, unruhig, unrhythmisch. Aber das war vielleicht auch deshalb, weil die Strecke ein andauerndes Auf und Ab war. Gleich nach demStart der lange, gut 1 km lage Anstieg nach Affi, nicht steiler als 2 %, und von Bardolino herein zum Ziel ist es auch noch einmal etwa 2 % steil nach oben gegangen, mit einem kurzen 6 %igen Stich dazwischen.

Die Spitzengruppe setzt sich ab

Die ersten drei Runden vergingen kampfbetont, aggressiv, spektakulär, aber ohne nennenswertes Ergebnis, und so ging das am Start noch 85 Mann starke Feld mehr oder weniger geschlossen in die vorletzte Runde. Und diesmal ging es im ersten Anstieg nach der Zieldurchfahrt rund. Irgendjemand hat angetreten, doch das war nur die Initialzündung für eine ganze Reihe von Attacken, in der Folge konnte sich eine etwa 25 Mann starke Gruppe mit Grisenti bilden. Der hatte jedoch noch immer nicht genug, versuchte ständig, alleine oder mit einer kleinen Gruppe noch einmal wegzukommen oder wenigstens diese große Gruppe noch einmal zu sprengen. Doch all seine Bemühungen blieben ergebnislos. Spitzengruppe geschlossen in der letzten Runde.

Dario Grisenti führt die Gruppe an

Irgendwie hatte ich auch nicht mehr den Eindruck, daß sich da was Entscheidendes täte, und so beschloß ich, Grisenti im  Auge zu behalten und mit dieser Gruppe ins Ziel zu fahren. Mir war klar, daß ich da keine Chance auf einen Top-10-Platz haben würde. Es gab zwar noch einige Versuche, mehr oder weniger halbherzig, doch die Gruppe blieb beisammen und trat dann nach der letzten langgezogenen Steigung zumSprint an. Die Gruppe war ziemlich langgezogen (durch die letzte Steigung), und so sprinteten auch nur eine Handvoll Fahrer um den Sieg, den sich dann - wie erwartet - Dario Grisenti sicherte. Ich kam am Ende der Gruppe ins Ziel.

Ergebnisse Kategorie Gentlemen: 1. Dario Grisenti (GS Promelit Grisenti Trento) 1:11:15 (Schnitt 40,2km/h), - 2. Agostin Durante (Team Zoldo), - 3. Silvano Titotto (GS Sanvido), - 4. Walter de Fanti (TeamZoldo), - 5. Francesco Fardin (GS Fossalunga), - 6. Umberto Fermi (Longano di Sedico), - 7. Davide Polli (VC Pedale Feltrino), - 8. Elvi Rech (VC Valbelluna), - 9. Luciano Trevisan (VC Pedale Feltrino), - 10. Luigi de Cesaro (GS Due Ruote Sport), - weiters: 19. Robert Bartonek (GS Tecnoimpianti Padova), alle gleiche Zeit

 

Samstag, 11. Juli 2009: Straßenrennen um die "Trofeo Lunardelli IVECO Oderzo" in Camino di Oderzo, 77,5 km

Rennstrecke: Camino di Oderzo - Oderzo - Colfrancui - Tempio - Fontanellette - Lutrano - Camino di Oderzo, 5 Runden á 15,5 km = 77,5 km, 15 Hm pro Runde = 75 Hm, Start 14.30 Uhr

Wetter: heiter, sonnig, sehr heiß, leichter N-Wind, 34°

Rennverlauf: Nächster Anlauf auf den ersten italienischen Saisonsieg. Obwohl, viel Hoffnung machte ich mir diesmal nicht, denn bereits beim Einfahren habe ich gespürt, daß die Beine schon relativ schwer sind. So leicht war das Vormittagsrennen auch nicht wegzustecken, obwohl es nur 48 km gewesen sind. Tarlaio, Marcon, Pangos und die üblichen Verdächctigen waren die Favoriten - wieder einmal. Der flache Rundkurs war auch nicht prädestiniert für kleinere Gruppen, eher schon die Distanz.

Es emntspann sich der übliche Rennverlauf, viele Attacken, Spannung, Unruhe, Nervosität. Das Feld kam nicht zur Ruhe, immer wurde angegriffen, durch das hohe Tempo zog sich das Feld sehr in die Länge, und da bestand immer die Gefahr, daß die Reihe irgendwo reißt. Doch alle Angreifer wurden immer wieder zurückgeholt, alle Versuche blieben ergebnislos.  Bei all diesen Tempowechseln machte das De-Luca-Portotecnica-Team rund um Tarlaio den stärksten Eindruck, auch die mannschaftliche Geschlossenheit ließ nur den einen Schluß zu, daß die unbedingt den Sieg wollten.

Bereits in der 2. der fünf Runden gelang es einer kleinen, fünfköpfigen Gruppe rund um Renzo Marcon (GS De Luca), einen respektablen Vorsprung herauszufahren. Und obwohl der Vorsprung immer weiter anwuchs, verhielt sich der im Feld verbliebene Riccardo Tarlaio auffallend ruhig. Einige Fahrer konnten ihre Nerven nicht mehr im Zaum halten und griffen in der Folge an, mit dem Ergebnis, daß sich eine vierköpfige Verfolgergruppe bildete, in der jetzt auch Tarlaio fuhr. Im Feld aber waren noch einige Fahrer, die sich mit dieser Entscheidung nicht abfinden wollten, und so bildete sich, angeführt von Claudio Pangos, eine zweite Verfolgergruppe, in der ich auch Unterschlupf fand. Diese neunköpfige Gruppe fuhr hohes Tempo und konnte bald das Feld weit hinter sich lassen. Vorne kamen wir an die erste Verfolgergruppe rasch näher ran.

Das Hauptfeld war bedeutungslos geworden, der Rückstand wuchs kontinuierlich an. Die Entscheidung mußte also zwischen den drei Spitzengruppen fallen. Vorne 4 Mann, dahinter 4 Mann und mit knappem Abstand weitere 9 Mann. Noch in dieser dritten Runde konnten wir zur ersten Verfolgergruppe aufschließen, wir waren also 13 Mann Verfolger und lagen nur mehr knapp, etwa 20 bis 25 Sekunden, hinter der vierköpfigen Spitze mit Marcon. DaderVorsprung dieserSpitze langsamaber sicher schmolz, nahmen die Spitzenreiter dann die Beine hoch und wurden zu Beginn der vierten Runde von uns eingeholt. Damit lagen jetzt 17 Mann an der Spitze, der Rest war viel zu weit zurück, um noch in den Kampf um denSieg eingreifen zu können. Und noch lagen 27 km vor uns.

Zunächst war der Wurm drin, es fand sich einfach niemand, der aufs Tempo drückte. Es dauerte einige Kilometer, bis wir langsam wieder Fahrt aufnahmen. Dann aber wurde mit einem Mal wieder ein horrendes Tempo gefahren, nur in den Kurven fuhren wir unter 50 km/h. Damit wurde aber auch gleich das Leistungsgefälle in dieser großen Gruppe offenbar, und einige Fahrer versammelten sich hinten am Ende und leisteten keine Führungsarbeit mehr. Sofort nahmen die Arbeiter in der Gruppe vorne auch die Beine hoch, und das Tempo brach wieder ein. Es war eine allgemeine Unsicherheit, die sich in der Gruppe breitmachte, damit war aber auch demZufall Tor und Tpür geöffnet.

Als einziger der Favoriten hatte Tarlaio gleich vier Helfer in dieser Spitze dabei, Pangos war alleine, Marcon ebenfalls. Zu Beginn der Schlußrunde hatte sich nichts entscheidendes ereignet, und so entschloß ich mich, auf Tarlaio zu konzentrieren und verbiß mich in dessen Hinterrad. Der merkte das natürlich und wollte mich unbedingt abschütteln. Den Gefallen tat ich ihm natürlich nicht, und so wurde das Rennen noch zerfahrener. Immer mehr Fahrer fielen zurück, und 5 km vor dem Ziel waren nur mehr 12 Fahrer vorne.

Wie schon am Vortag war es auch diesmal Tarlaio, der mit einem wuchtigen, überraschenden Antritt die Entscheidung herbeiführte. Spielend leicht kam er weg, da niemand reagierte. Jetzt war Pangos gefragt, und der spannte sich auch sofort vor und versuchte, das Loch zuzufahren. Da ich wußte, daß der erst aufgab, wenn er aufgeschlossen hatte, wußte ich auch, daß das meine letzte Chance war, noch an Tarlaio heranzukommen. Ich sprang an Pangos´ Hinterrad und ließ nicht mehr locker. Als er wegschwenkte, führte ich kurz, aber mit Tempo 55 konnte ich nicht sehr lange fahren. Gerade mal 100 Meter, dann schwenkte ich auch weg, und 2 km vor dem Ziel konnte eine Vierergruppe mit Pangos und mir zu Tarlaio aufschließen.

Noch 2000 Meter bis zum Ziel, und ich wollte unbedingt, daß sich diese Fünfergruppe noch einmal aufsplitterte. Ich reihte mich also hinter Tarlaio ein und ließ ihm ein kleines Loch. Die Idee war, daß ich damit Pangos oder irgendeinen anderen zwingen wollte, noch einmal an Tarlaio heranzufahren und so seine Kräfte zu verschleudern. Aber es kam ganz anders, denn das Loch wurde schnell größer, und NIEMAND fuhr nach. Im Bruchteil einer Sekunde entschloß ich mich, selbst nachzuspringen, ehe der Vorsprung zu groß geworden war. Es war ein Gefühl, als würde ich mit einem glühenden Messer auseinandergeschnitten werden. Keine Ahnung, wie, aber es gelang mir, unmittelbart vor der 1000-m-Marke an Tarlaios Hinterrad zu gelangen. Nach hinten vergeudete ich keinen Blick, ich hörte kein Keuchen und kein Röcheln, mußte also annehmen, daß wir ein kleines Loch hatten. An den Sieg dachte ich gar nicht, denn ich war mausetot, mir ging es nur darum, den zweiten Platz zu retten.

Doch da spielteTarlaio wiederumnicht mit. Er blickte sich kurz um, stieg aus dem Sattel, trat noch einmal an, ich dahinter auch, er schwenkte auf die andere Straßenseite, und dieser Schwenker, den ich auch mitfuhr, kostete mich so unglaublich viele Körner, daß ich dachte, ich würde umfallen. Sofort trat er abermals an, und da mußte ich klein beigeben. Interessant, daß der stärksteSprinter des Feldes es nicht auf einen Sprint mit mir, dem wohl schwächsten Sprinter, ankommen lassen wollte. Aber ich darf so etwas nicht persönlich nehmen, denn der fährt immer diese Taktik. Nach Möglichkeit jeden Sprint vermeiden. Und so was nennt sich SPRINTER!

Tarlaio fuhr einem ungefährdeten Sieg entgegen, mindestens genauso souverän wie am Vortag, und ich war wieder Zweiter, wie am Vortag auch, und hinter mir sicherte sich der Slowene Bojan Ropret den Sprint der wütenden Verfolger, die sich übertölpeln hatten lassen.

Bojan Ropret

Ergebnisse KATEGORIE GENTLEMEN: 1. Riccardo  Tarlaio (GS De Luca Portotecnica Portogruaro) 1:45:25 (Schnitt 42,6 km/h), - 2. Robert Bartonek (GS Tecnoimpianti Padova) -0:02, - 3. Bojan Ropret (GS Bambi) -0:04, - 4. Renzo Marcon (GS De Luca Portotecnica Portogruaro), gleiche Zeit - 5. Claudio Pangos (Bici per Haiti) -0:07, - 6. Luca Caldo (Amici della Biciletta) -0:15, -7. Alessandro Gon (GS DreamTeam), - 8. Andrea Mininel (CBR Bike Team), - 9. Dario Dean (Delizia Bike Team), alle gleiche Zeit, - 10. Alberto Driussi (Banco Populare Friuladria) -0:45

 

Sonntag, 12.Juli 2009: Bergrennen Wildbach - Freiland, 11,5 km

Rennstrecke: Wildbach, Parkplatz UNIMARKT - Freiland, Anhöhe vor dem Ort, 11,5 km, Start 342 m, Ziel  857 m, 515 Höhenmeter, Steigung bis 12 %, Start 11.55 Uhr

Wetter: sommerlich heiß, leicht bewölkt, mäßiger SO-Wind, 30°

Rennverlauf: Das vierte Rennen innerhalb von drei Tagen, und damit ist auch schon alles gesagt. Bereits am frühen Morgen habe ich gemerkt, daß die Beine nicht mehr so frisch sind wie gewohnt, also habe ich außergewöhnlich lange aufgewärmt. Goldrichtige Idee, immerhin an die 40 km. Jetzt kann man natürlich darüber streitzen, ob es nicht vielleicht besser gewesen wäre, in Italien unten zu bleiben und dort ein Rennen zu bestreiten. Aber ich war nun mal da und daher erübrigt sich solches Gerede sowieso.

6,5 km beinahe völlig flach (100 Höhenmeter), dann 5 km Anstieg (mit 415 Höhenmetern), das war die eigentlich zweigeteilte Strecke dieses Rennens.  Die flache Anfahrt wäre uns beinahe zum Verhängnis gedworden, denn durch die drückende Hitze ist da niemand sehr ambitioniert gefahren, Ausreißversuche mußte ich also befürchten, und tatsächlich ist der erste gleich am Start losgefahren, nämlich der Fladerer Peter aus Graz, der hat sich alleine abgesetzt und langsam seinen Vorsprung vergrößert. Als er etwa 20 Sekunden vorne war und hinten im Feld niemand Anstalten machte, nachzusetzen, ist plötzlich der Prießnig Josef aus der Gruppe rausgeschossen und binnen kürzester Zeit war er an der Spitze. Unser Rückstand ist immer größer geworden.Ich bin ganz vorne gefahren, bin auch viel imWind gestanden, dann habe ich mich entschlossen, das Loch zuzufahren, ehe der Vorsprung zu groß wird. Bin mit Gewalt einen guten Kilometer lang mit 43 bis 45 km/h gefahren, alle waren hinter mir eingereiht, aber als ich dann weggeschwenkt bin, sind sie alle mit mir mitgeschwenkt. Faule Säcke.

Wir waren nicht ganz an die beiden rangekommen, aber doch immerhin sehr viel näher. Was sie aber alle nicht gewußt haben, durch diesen Gewaltakt sind meine Beine plötzlich wieder ganz rund gekurbelt, für mich war das also alles andere als schlecht. Als wir die Steigung erreicht haben, war Prießnig bereits alleine in Führung, Fladerer ist schnell zurückgefallen und durchgereicht worden. Bereits auf den ersten Metern des Anstieges ist die Gruppe auseinandergeplatzt, Groß und Hauk sind an mir vorbeigesprintet, ich habe sofort reißen lassen und mich auf mein eigenes Tempo konzentriert. Nur nicht zu schnell angehen, das war meine ganze Sorge.

Das Feld ist sofort in mehrere kleinere Gruppen zerplatzt, ich bin alleine gefahren, vor mir eine Gruppe mit Forobosko, Gössler, Schabus und Vogt, ich habe den Abstand gehalten, war also gleich schnell unterwegs, dann, alsa sich diese Gruppe geteilt hat und Gössler und Vogt diue beiden anderen abgerschüttelt haben, bin ich ein Stück näher herangekommen. Erst relativ weit oben, kurz voir dem Flachstück, habe ich das Tempo etwas erhöht, weil ich gemerkt habe, daß die Beine eigentlich ganz rund gehen. Ich bin da meist mit 34/19 und einmal kurz 21 gefahren, mit hoher Frequenz, die ich aber halten habe können. ImFlachstück bin iuchdann - leider war das ein schwerer Fehler - mit Gewalt an die beiden rangesprintet, war dann genau bei der Abzweigung, bei der 1000-m-Marke, an ihnen dran und bin sofort vorbeigefahren. Ein Fehler war es deshalb, weil ich mich damit übernommen habe und als die nächste Steigung erreicht war, bin ich leer gewesen und habe die Beine nicht mehr rumgebracht. Es war halt doch zuviel gewesen. Anfangs dachte ich noch, ich könnte irgendwie mithalten und dann darauf hoffen, daß sie sich ihrerseits im Sprint übernehmen, aber das ist nicht passiert, und so bin ich hinter ihnen ins Ziel gerollt. Schabus war mir egal, der war nicht meine Altersklasse, und hinter mir habe ich Mosler und seine Gruppe sicher auf Distanz halten können, der Vorsprung auf diese Fahrer ist den gesamten Anstieg über stetig angewachsen. Die waren also keine Gefahr mür mich. Über Platz 7 war ich angenehm überrascht, ich hjätte mir das Ergebnis etwas schlechter vorgestellt. Naja, die Form ist besser geworden, ziemlich deutlich sogar. Auch der Rückstand auf den Sieger von nicht mal 3 Minuten hat mich angenehm überrascht, ich habe eigentlich mit 4 Minuten gerechnet.

Die gesamte Fahrtzeit war leider nicht sehr gut, im Gegenteil, die war ziemlich schwach, weil wir die flache erste Hälfte leider völlig verbummelt haben, da sind wir nur herumgekrochen und gestanden.

Ergebnisse Kategorie Master 2: 1. Rudolf Groß (RC ARBÖ Raiffeisen Feld/See) 30:03, - 2. Sebastian Pfisterer (ARBÖ Radsport Grassinger Lambach) -0:09, - 3. Johann Hauk (RC Union Volksbank Deutschlandsberg) -1:31, - 4. Heimo Vogt (ÖAMTC Raiffeisen Althofen) -1:42, - 5. Ulrich Gössler (RC ARBÖ Drahteisel Voitsberg) -2:13, - 6. Wolfgang Forobosko (ÖAMTC Raiffeisen Althofen) -2:36, - 7. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) -2:56, - 8. Gerhard Mosler (RC ARBÖ TV-Steiner Raaba) -3:37, - 9. Heinz Hösele (RC ARBÖ Drahteisel Voitsberg) -3:46, - 10. Horst Kurmann (ÖAMTC Raiffeisen Althofen) -3:54

 

Samstag, 18. Juli 2009: Bergrennen Königstetten - Steinriegel, 7,5 km

Rennstrecke: Königstetten - Dopplerhütte - Steinriegel, 7,5 km, Start 181 m, Ziel 488 m, 307 Höhenmeter, Steigung max. 8 %, durchschnittl. 4,5 %, Start 15.30 Uhr

Wetter: Sturmböen aus Westen, Regen, 9°

Rennverlauf: Naja, Wintereinbruch in Ostösterreich. Trotz alledem haben sich 7 Fahrer an den Start verirrt. Ich war nicht aufgewärmt, wir sind vom Start weg ein hohes, aber gleichmäßiges Tempo gefahren. Die Gruppe hat sich schon auf den ersten paar hundert Metern in die Länge gezogen, und gleich darauf sind die ersten abgerissen. Nach gut zwdeieinhalb Kilomeddgtern bei der Dopplerhütte war das Rennen eigentlich schon entschieden, da waren bereits vom ersten bis zum letzten Platz die Positionen bezogen, die dann auch im Ziel aktuell waren. Einzig die Abstände waren geringer.

Schon eigenartig, daß man immer glaubt, den Vordermann noch leicht einholen zu können. Vorne hatte sich Ganser (Grafenbach) etwas abgesetzt, knapp dahinter Krivetz, mit deutlichem Abstand Schrattenecker, dann mit ebenfalls deutlichem Abstand ich, und ich hatte auch einen sicheren Polster nach hinten. Aber der vierte Platz ist halt auch der undankbarste, zumal es nur drei Preise gab. Und daß der Krivetz vor mir war, das war für den Ginner-Cup das schlimmste, das mir passieren konnte.

Trotz aller Bemühungen ist der Abstand zum Schrattenecker immer größer geworden, anfangs waren es 15 Sekunden, dann 20, dann 25, und so weiter. Natürlich war es unwahrscheinlich, daß ich da das Rennen noch völlig umdrehen könnte, es ist mir auch trotz aller Bemühungen nicht gelungen. Zuletzt habe ich mich mit dem 4. Rang abgefunden. Schade. Ein komischer Straßenbelag war es auch, so rutschig, obwohl ein so griffiger Asphalt. Aber wenn ich im Sattel gestanden bin, ist das Hinterrad meist durchgerutscht, ich mußte also alles sitzend fahren.

Das Rennen ging dann ganz unspektakulär zu Ende, ich bin ins Ziel gefahren, ganz klar hinter dem Dritten und ganz klar vor dem Fünften. Die Abstände sind bis ins Ziel stetig größer geworden.

Ergebnisse Kategorie Master 2:  1. Karl Ganser (RC Grafenbach NÖ Süd) 17:11 (Schnitt 26,3 km/h), - 2. Hannes Krivetz (RC Raiffeisen Kosmopiloten Zwettl) -0:22, - 3. Josef Schrattenecker (RC ARBÖ Radsport Grassinger Lambach) -1:15, - 4. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) -2:07, - 5. Günter Nutz (RC ARBÖTrumau) -2:53, - 6. Erwin Zierler (RC ARBÖ Kollar Cycling-Team Stattersdorf) -4:40, - 7. Otto Schebath (RC ARBÖSparkasse Kindberg) -6:10

 

Sonntag, 19. Juli 2009: Einzelzeitfahren in Tulbing,  16 km

Rennstrecke: Tulbing - Chorherrn - Kleinstaasdorf - Staasdorf - Frauenhofen - Nitzing - LH 120 - Königstetten - Tulbing, 16 km, Start 10.48 Uhr

Wetter: leicht bewölkt, sonnig, warm, sturmartige, böiger Westwind, 19°

Rennverlauf: Ein Zeitfahren halt. Ein ungeliebtes. Im allerletzten Moment habe ich noch den Sattel etwa einen Zentimeter höher gestellt. Aufgewärmt war ich optimal, ich hatte 27 km  hinter mir. Leider bin ich als erster Starter der Master-2-Kategorie ins Rennen gegangen, vor mir ein 4-Minuten-Intervall. Einholen konnte ich also niemanden.

Vom Start weg bin ich gegen den Wind gefahren, bis zum Kreisverkehr in Kleinstaasdorf, bis dorthin (ca 4 km) hatte ich einen Schnitt von 32,8 km/h. Und das in einem flachen Zeitfahren! Mit 53/17 bin ich gefahren, erst auf der Geraden rauf nach Staasdorf bin ich dann mit  53/16 gefahren. Ab Kleinstaasdorf hatt eich dann Rückenwind, aber ich bin nur mit 45 und dann mit 48 km/h gefahren. Da habe ich eine ganze Menge Zeit verloren. In Nitzing ging´s wieder rauf nach Norden, ich bin auf 40 km/h runtergesackt. Draußen auf der dreieinhalb Kilometer langen Geraden, der LH 120, ging es leicht bergab nach Südosten, mit Tempo 48 bis 52. Leider war ich auch da nicht konsequent genug.

Gleich nach dem Kreisverkehr bei Langenlebarn ist Gottmann (PSV Graz) von hinten gekommen und vorbeigefahren, ich konnte ihn anfangs noch halten, aber sehr schnell habe ich ihn verloren. Die letzten zweieinhalb Kilometer waren wieder eine Quälerei gegen den Wind. Eine Erlösung, als ich endlich im Ziel war.

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Die Plazierten der Kategorie 2 (von links): Günter Gugler, Jens Mateyka, Günter Iby

Ergebnisse Kategorie Master 2: 1. Jens Mateyka (RC ARBÖ Wkiener Allianz Schnecke Wien) 21:05 (45,53 km/h), - 2. Günther Iby (RC ARBÖ Ginner Amstetten) -1:09, - 3. Günter Gugler (RC ARBÖ Ginner Amstetten) -1:54, - 4. Gerhard Mosler (RC ARBÖ TV-Steiner Raaba) -2:02, - 5. Josef Schrattenecker (RC ARBÖ Radsport Grassinger Lambach) -2:10, - 6. Franz Gottmann (Polizei SV Graz) -2:44, - 7. Hannes Krivetz (RC Raiffeisen Kosmopiloten Zwettl) -2:47, - 8. Erwin Zierler (RC ARBÖ Kollar Cycling-Team Stattersdorf) -3:12, - 9. Rudolf Hansl (ARBÖ imcom.24 Vredestein Wien) -3:19, - 10. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) -4:09

 

Samstag, 25. Juli 2009: Giro del Polesine, Memorial Sandro Cappellini, 1. Etappe, Straßenrennen in Rovigo (I), 76,5 km

Rennstrecke: Rovigo -  Sarzano - Villadose - Cicese - Adria - Curicchi - Papozze - Burchio - Isolella - Villanova Marchesana - Ponte - Crespino - Gavello - San Cassiano - Selva - Rena - Guarda Veneta - Pontecchio Polesine - Borsea - Umfahrungsstraße - Rovigo, 76,5 km, 50 Höhenmeter, Start 14.40 Uhr

Wetter: heiter, Sonnenschein, drückende Hitze, 38° im Schatten, sehr starker SO-Wind

Blick auf Rovigo

Rennverlauf: Rovigo ist die Hauptstadt des Polesine, das zwischen Po und Etsch liegt, sie zählt zu den fruchtbarsten Ebenen Italiens.  Diese schon traditionelle Rundfahrt über zwei Tage findet bei den Radsportlern in Norditalien sehr großen Anklang, das beweist ein Bloick in die Siegerlisten und ein Blick auf die diesjährige Starterliste. Alles, was Rang und Namen hat, gibt sich hier an diesem Wochenende ein Stelldichein. Und ich bin auch zum ersten Mal hier dabei. Über 100 Fahrer gehen in meiner Klasse an den Start!

Das Polesine

Durch Rovigo geht es etwa eineinhalb Kilometer neutralisiert, dann wird das Rennen freigegeben, und sofort ist das hohe Tempo da. Gegen den Wind, Richtung Osten, zum Meer hinaus, geht die Fahrt. Das riesige Starterfeld formiert und ordnet sich, dann kommen die ersten Attacken. Ein paar Verrückte finden sich immer, die auf sich aufmerksam machen wollen und angreifen, und wenn sie nur 10 Meter vor dem Haufen fahren und nach einer halben Minute wieder geschluckt werden. Im Hinblick auf Deutschlandsberg und St. Johann/Tirol ist es mir sehr wichtig, hier zwei Rennen vorzufinden, bei denen es auf etwas längerer Distanz gegen starke Konkurrenz geht. Nun, darüber kann ich mich nicht beklagen.

Wir fahren relativ langsam, so mit 36 bis 40 km/h, raus Richtung Adria, aber das liegt am sehr starken Gegenwind. Als ich einmal die Nase kurz in den Wind stecke, nehme ich sofort alles wieder zurück. Gegen diesen Wind fährt man wie gegen eine Mauer! So bleibt das Feld auch im großen und ganzen bis Adria geschlossen, dort aber überschlagen sich dann die Ereignisse. 25 km sind zurückgelegt, als wir nach Süden einbiegen und mit Seitenwind schnellt jetzt auch das Tempo in die Höhe, mit 45 bis 48 km/h versuchen ein paar Fahrer, das Feld auseinanderzunehmen. Lange, sehr lange Windkante, Einserreihe, alles fährt am rechten Bankett und zittert da auf dem sandigen Untergrund zwischen Asphalt und Böschung. Natürlich geht so was nicht lange gut, das Feld reißt auch sogleich an einigen Stellen, es bilden sich ein paar Gruppen, die einzeln gegen den Wind ankämpfen. Da wird hingehalten bis zur Erschöpfung, bis zum Anschlag und darüber hinaus! Einer dieser Typen fährt unmittelbar vor mir, der verausgabt sich, unwahrscheinlich. Eigentlich ist er schon seit ein paar Minuten tot, nämlich mausetot, aber er fährt noch immer und bewegt sich noch immer. In dem Zustand ist man natürlich sehr schnell überfordert, und so stellt er auf einmal sein Vorderrad quer und steigt über den Lenker ab. Ziemlich unmotiviert, ich kann jedenfalls keinen Grund erkennen, er fliegt von oben auf seinen Vordermann (wenn alles nicht so schnell gehen würde, müßte man als neutraler Beobachter direkt lachen!) Ich habe keinen Grund zum Lachen, denn vor mir liegen drei Mann, die mir den Weg versperren, und kurzerhand springe ich drüber (habe ich noch nie gemacht, aber die Premiere hat ganz toll geklappt!), doch die Landung ist der Anfang vom Ende. Da sich das Ganze mit Tempo 55 abspielt, sind einer kontrollierten Bewegung gewisse Grenzen gesetzt. Wie eine Rakete hebe ich ab und schieße über die Böschung runter, da geht es gut und gerne 4 Meter in den Abgrund!

Ich schreie ganz laut "SCHEISSE!!!", aber das ändert auch nichts mehr an dem, was nun kommt. Verzweifelt klammere ich mich an den Lenker, und in bester Wildwest-Manier reite ich wie auf einem wildgewordenen Bronco in tollkühner Schrägfahrt (wie man´s halt bei den Querfeldeinrennen lernt!) in diue Tiefe. Furchtbare Schläge schpütteln mich durch, ich kann die Beine nicht auf den Pedalen halten, mich schupft und wirft es von einer Seite auf die andere, aber irgendwie komme ich heil (?) unten an, überquere dort sogar noch einen ausgetrockneten Bachlauf und rase - immer noch mit gut und gerne 40 km/h - in ein mannshohes Kukuruzfeld. Ich komme nicht mal zum Luftholen, als rechts und links und von vorne und von oben die Kukuruzkolben wie riesigeSteine auf mich niederprasseln. Beachtlich, welche Schneise ich durch den Acker ziehe. Als ich beinahe stehe und mein Herz schon seit einigen Schlägen ausgesetzt hat, falle ich auch noch zu guter Letzt um - aber immerhin weich! Ich erwache wiue aus einem Rausch, mein Herz pocht und schlägt bis ins Hirn rauf, ich stehe langsam auf, überall hängen Kukurzkolben und Blätter an mir, ich suche meinen Helm, finde meine Brille nicht - wie kann ich das alles jetzt in der Eile hier finden? Es sieht da aus wie auf einem Schlachtfeld!  Ich entdecke keine nennenswerten Verletzungen, keine Abschüfungen, nicht mal einen Kratzer, aber es brennt ganz fürchterlich auf der Haut! Egal, wichtiger ist das Rad, es scheint nichts passiert zu sein, ich blicke in die Schneise zurück und sehe ein paar Meter hinter mir meinen Helm liegen, ergreife ihn und setze ihn auf und mit einem Mal habe ich auch meine Brillen wieder auf. Komisch, ich denke darüber nicht weiter nach, scheibe das Rad auf die Straße zurück hinauf.

Dort scheint die Sonne, drückende, brüllende Affenhitze, aber sonst Totenstille. Und kein Mensch weit und breit zu sehen. Paradiesische Stille und wohliger Frieden. Da soll vor wenigen Augenblicken ein Radrennen gewesen sein? Habe ich das nicht geträumt? Ich sitze auf und fahre los, ich hoffe, die Richtung stimmt. Quälend langsam bewege ich mich, aber durch eben diese Bewegung ist der Schmerz auch gleich wieder weg. Von hinten kommen zwei Fahrer heran, von vorne auch einer. Und schon sind wir zu viert. Wir wechseln uns ab, schwitzen alle vier, aber der Kampfgeist scheint ungebrochen. Vorne ist nichts mehr zu sehen, nach hinten will ich mich nicht umdrehen. Es geht weiter nach Süden und Südwesten und schließlich nach Westen, jetzt mit dem Wind im Rücken.

Inzwischen ist die Gruppe immer größer geworden. Vorne findet im Feld ein wahres Gemetzel statt, immer mehr Fahrer sammeln wir auf. Durch Crespina und Guarda Veneta geht die wilde Jagd, wir fahren, obwohl abgeschlagen, zwischen 45 und 55 km/h! Und dann kann ich mit einém  Male auf der 43 km langen Geraden hinauf nach Pontecchio Polesine die Autokolonne hinter dem Feld sehen.  Wir sind näher herangefahren! Ich rede meinen Kollegen gut zu, muntere sie auf, feuere sie an, lobe sie über den grünen Klee, und als sie selbst die Gruppe vor uns sehen, ist mit einem Male wieder eine Energie da, die vorher schon verloren geglaubt war. 61 km sind wir gefahren, also 15 km vor dem Ziel, als wir zum letzten Sturmlauf ansetzen, noch vor dem Ziel  ins Feld aufzuschließen! Ich hatte am Start zwei volle Trinkflaschen am Rad, zwei große, eine ín der Trikottasche eingesteckt, die hatte ich beim Sturz verloren, die beiden anderen waren bereits leergetrunken. Aber jetzt war eine fiebrige Spannung wieder da, und jetzt habe ich nicht mehr losgelassen. Wir fliegen förmlich heran, mit knapp 60 km/h,und an dieser Stelle muß ich mich wirklich bei den Jungs bedanken. Ohne sie hätte ich das nie und nimmer geschafft. Es waren auch insgesamt drei Mann von meinem Klub aus Padua dabei, die haben sich wirklich selbstlos eingesetzt und ihr Letztes gegeben.

Langsam kommen wir näher, wir sind bereits auf der Umfahrungsstraße von Rovigo, der SS 16, und am nördlichen Stadtrand biegen wir dann ein auf die 3 km lange Zielgerade. Im allerletzten Moment schließen wir auf, und sofort beginnt das Gerangel um die Positionen für den Zielsprint.

Was ich natürlich nicht weiß: Eine sechsköpfige Spitzengruppe liegt ungefährdet voran, dahinter ein einsamer Verfolger, der sich erst vor kurzem aus dem Hauptfeld abgesetzt hat, und somit geht es im großen Feld um den achten Tagesrang! Ich halte mich zurück - gut, ich kann auch kaum mehr offensiv fahren, bin mit meinen Kräften am Ende und kann eigentlich nur mehr durch die Euphorie fahren, es wieder zurück ins Feld geschafft zu haben - die lange Zielgerade verleitet geradezu zum Antreten, und der Sprint wird auch schon bei gut 500 m lanciert, dann wieder abgebrochen, verlängert, neu angetreten, es ist ein Hoffnungsloses Kraut-und-Rüben-Fahren, aber weil ich mich zuräückgehalten habe und erst auf den allerletzten Metern forciere, komme ich noch relativ weit nach vorne - Platz 21 ist der Lohn! Leider war diese vermeintlich leichtere der beiden Etappen die wohl schwierigste in dieser Saison bisher - für mich jedenfalls!

Ergebnisse Kategorie Gentlemen: 1. Adriano Mosca (GS Ciclo Estense Mesola) 1:48:12 (Siegerschnitt 41,9 km/h) - 2. Sandro Baracco (VC 2 Torre Rovigo), - 3. Alessandro Marchiori (VC 2 Torre Rovigo), - 4. Mauro Girardini (GS Cicli Tosetto), - 5. Alberto Busatto (GS De Luca Renault Portotecnica Portogruaro), - 6. Mauro Padovan (GS Bre Fer Team), alle gleiche Zeit, - 7. Paolo Mancin (Pro Bike Fiesso Veneto) -1:37, - 8. Massimo Poletti (Delfino 93 Uisp) -2:15, - 9. Alfio Marancani (VC 2 Torre Rovigo), - 10. Sandro Tortolato (GS Cicli Olimpia), - weiters: 21. Robert Bartonek (GS Tecnoimpianti Padova), alle gleiche Zeit

 

Sonntag, 26. Juli 2009: Giro del Polesine, Memorial Sandro Cappellini, 2. Etappe, Straßenrennen in Rovigo (I), 108,1 km

Rennstrecke:  Rovigo - Bornio - Lendinara - Saguedo - Villa Fora - Colombano - Badia Polesine - Il Capitello - Salvaterra - Crocetta - Panizza - Canda - Castelguglielmo - Bagnolo di Po - Runzi - Chiaviene - Zampine - Ospitaletto - Gambaro - Pincara - Fiesso Umbertiano - Case via Basa - Capitello - Rezzo - La Crosara - Canaro - Piacentina - Gurzone - Occhiobello - Santa Maria Maddalena - Sabbioni - Garololo - Polesella - Bosaro - Borsea - Umfahrungsstraße - Rovigo, 108,1 km, 55 Höhenmeter, Start 8.40 Uhr

Wetter: heiter, sehr heiß, sehr starker S-Wind, 39°

Rennverlauf: Diesmal führt die lange Runde in Richtung Westen aus  Rovigo raus, und sofort wird die Temposchlacht eröffnet. Meine Beine sind ziemlich verspannt und verkrampft, es tut richtig weh, die ersten schnellen Umdrehungen zu fahren. Sehr hohes Tempo (42 bis 45 km/h) bei starkem Seitenwind zieht das Feld sehr in die Länge, eine lange Einserreihe kämpft am Bankett gegen das Abreißen. Als ich zum ersten Mal an diesem Tag ein Loch zufahren muß (das ist relativ früh schon passiert), bricht mir gleich der Schweiß aus. Bei km 14 wird dann ganz bewußt das Feld auseinandergefahren.  Sehr früh eigentlich für eine so lange Distanz. Irgendwie scheint es jemand gemerkt zu haben, daß sowohl der Gesamtführende, Adriano Mosca, als auch der Gesamtvierte, Mauro Girardini, leicht zurückgefallen waren und sich offenbar bereits in Schwierigkeiten befanden. Eine solche Chance läßt niemand ungenutzt vorübergehen. Ganz brutal wurde da aufs Tempo gedrückt, und mit knapp 55 km/h sind wir dahingerast. Später gab es nur eine kurze Verschnaufpause, und danach ist es mit den hartnäckigen Angriffen weitergegangen. Bei km 19 hat sich dann auch endlich eine neunköpfige Spitzengruppe absetzen können, von den absoluten Top-Leuten hat eigentlich nur Alberto Busatto gefehlt (GS De Luca).

Bei km 22 waren sie wieder gestellt, um aber postwendend gleich wieder abzuhauen. Wieder Verfolgung, hohes Tempo bei der Verfolgergruppe, die aber keinen Bodengewinn einbringt. Im Gegenteil, der Abstand zwischen Spitze und Verfolger wächst leicht an. Immer wieder versucht es Busatto, aus der Verfolgergruppe wegzufahren, aber immer wieder wird er zurückgeholt. Aber es scheint nur mehr eine Frage der Zeit zu sein, bis eine zweite Gruppe wegkommt. Sehr schnell bin ich inzwischen aus meiner Position im ersten Drittel des Starterfeldes weit zurückgefallen, fahre jetzt am Ende der Gruppe. Die ständigen Angriffe und Verfolgungen gehen sowohl auf die Psyche als auch auf die körperlichen Reserven. Vorne sind die 7 Mann immer weiter weggefahren, dann ist es dahinter doch passiert, eine fünfköpfige Gruppe mit Busatto kommt auch weg. Und die machen ganz gehörig Tempo, wir sehen vom Feld aus, daß sie der Spitze schnell näher kommen.

Aber eigentlich sind beide Gruppen schnell aus der Sicht entschwunden, und das große Feld ist übriggeblieben. Im ersten Moment ist natürlich der Dampf draußen, da werden die Beine hochgenommen, und voller Frust und Enttäuschung rollen wir ein paar Kilometer mit Tempo 30 dahin. És ist schade, daß jetzt so gar nichts mehr gefahren wird, aber das Rennen ist damit eigentlich vorbei. Kilometer um Kilometer rollen wir dahin, vorne sehen wir nichts mehr. Es wird gleichmäßig gefahren, aber eben gleichmäßig langsam. Kaum jemand reißt aus der großen Gruppe ab.

Langsam nähern wir uns dem Ende der Etappe, die letzten 30 km werden auf der SS 16 nach Norden in Richtung Rovigo gefahren. Etwa 15 km vor dem Ziel kommt dann aus irgendeinemBetreuerauto plötzlich die Information, daß die beiden Gruppen an  der Spitze zusammengelaufen sind und die Spitze sich nur mehr knappe 2 Minuten vor uns befindet. Ich kann das gar nicht glauben, aber jetzt erwachen plötzlich wieder Kampf- und Lebensgeister bei den meisten. Sie reihen sich ein, das Tempo wird erhöht, wir fahren jetzt wieder 40 bis 43 km/h. Gar nicht einfach bei dem starken Wind und der großen Hitze. Ich bin ziemlich geschlaucht, aber nicht von der Distanz.

In der aktuellenSpitzengruppe sind jetzt nur mehr der gestrige Zweite vertreten, Sandro Baracco, sowie Paolo Mancin, dazu ist dann noch im letzten Moment Alberto Busatto gekommen.  Und Marchiori vom Veranstalterverein Velo-Club 2 Torre Rovigo, der ein sehr unauffälliges Rennen fährt, aber immer präsent ist und an der Spitze des Feldes. Mancin aber liegt schon eineinhalb Minuten hinter den beiden anderen zurück, weshalb auf den letzten Kilometern dieser zweiten Etappe Baracco und Busatto um den Rundfahrtsieg gegen Marchiori kämpfen. Am heutigen zweiten Tag hat von Anfang an ein großes Favoritensterben und Aufgeben eingesetzt, die Ausfallsquote ist ungewöhnlich hoch. Wer keine Chance mehr sieht, der steigt einfach ab. Man darf ja auch nicht vergessen, daß hier auch die 70jährigen heute diese 108 km absolvieren! Mit Alfio Marancani fährt einer der ursprünglichen ganz hohen Favoriten manchmal an meiner Seite, gestern war er zwar Neunter, aber doch auch zeitgleich mit mir.

Der Schweiß fließt in Strömen, die Augen brennen, man atmet mit jedem Atemzug glühend heiße Luft. Ich verhalte mich ruhig und unauffällig, ich spüre keinerlei Energien und schon gar keine Reserven mehr in mir, weiß aber, daß ich bis ins Ziel schon durchkomme, es sind ja nur mehr ein paar Kilometer. Knapp vor dem Ziel kommen dann auch erwartungsgemäß noch ein paar Attacken, einzelne Fahrer können sich absetzen, werden wieder geholt, andere attackieren sofort, es ist eine sehr unruhige Phase. Dann ist es endlich soweit, wir biegen auf die endlos lange Zielgerade ein.

Wie gestern schon wird der Sprint auch heute viel zu früh angezogen, wieder bei etwa 500 Meter schon, so weit kann doch niemand in einem Zug durchsprinten. Ich habe eine sehr gute Position, knapp hinter der Spitze, fahre dann sitzend an ein paar Steckengebliebenen vorbei. Ich weiß, daß es hier um jeden Platz geht, also lege ich alle Energie in diese letzten 200 Meter. Es wird der 23. Platz am Ende sein, in der Gesamtwertung springt damit sogar noch der 8. Rang heraus. Vorne in der Spitze ist auf den letzten Metern auch wie verrückt attackiert worden, dadurch ist die Gruppe auseinandergeplatzt, und die Toursieg wurde damit ganz eindeutig vergeben, denn Busatto hat seinen Konkurrenten Baracco um knappe 4 Sekunden distanzieren können, mußte aber gegen Marchiori klein beigeben, was letztlich den Ausschlag gegeben hat. Noch ein Wort zur Ausfallsquote: heute sind gar nur mehr 38 Fahrer ins Ziel gekommen!

Alberto Busatto (GS De Luca) scheitert letztlich nur um 3 Sekunden an Alessandro Marchiori (VC Rovigo)

Dritter zum Auftakt und Zweiter zum Abschluß: Alessandro Marchiori holt sich souverän den Rundfahrtsieg!

Ergebnisse Kategorie Gentlemen: 1. Vittorio Parpaiola (GS Mobiltre Arredamenti) 2:39:29 (Siegerschnitt 40,7 km/h), - 2. Alessandro Marchiori (VC 2 Torre Rovigo) -0:12, - 3. Paolo Mancin (Pro Bike Fiesse Veneto), gleiche Zeit, - 4. Mauro Paolini (BD Fast Cycling Team) -0:15, - 5. Frido Sangiorgio (GS Cicli Estense Mesola), - 6. Alberto Busatto (GS De Luca Renault Portotecnica Portogruaro), alle gleiche Zeit, - 7. Sandro Baracco (VC 2 Torre Rovigo) -0:19, - 8. Paolo Benetton (GS Mobiltre Arredamenti) -1:39, - 9. Alessandro Riggin (GS Bikes Benato Rovolon), - 10. Virginio Visentin (GC Gossaro) -1:45, - weiters: 23. Robert Bartonek (GS Tecnoimpianti Padova) -3:55

Carlo Maccapani, der Zehnte der Gesamtwertung

Gesamtwertung Endstand Giro del Polesine in Rovigo, 184,6 km: 1. Alessandro Marchiori (VC 2 Torre Rovigo) 4:17:52 (Siegerschnitt 42,5 km/h), - 2. Alberto Busatto (GS De Luca Renault Portotecnica Portogruaro) -0:03, - 3. Sandro Baracco (VC 2 Torre Rovigo) -0:07, - 4. Paolo Mancin (Pro Bike Fiesse Veneto) -1:37, - 5. Vittorio Parpaiola (GS Mobiltre Arredamenti) -1:48, - 6.  Mauro Paolini (BD Fast Cylcing Team) -2:03, - 7. Paolo Benetton (GS Mobiltre Estense Mere Arredamenti) -3:27, - 8. Robert Bartonek (GS Tecnoimpianti Padova) -5:58, - 9. Daniele Querzola (GS Cicli Estense Mersola), - 10. Carlo Maccapani (VC 2 Torre Rovigo), - 11. Piero Rizzello (Team Adige Vescovana), - 12. Fulvio Fortini (GS Gierre), - 13. Paolo Ferlani (GS Bre Fer Team), - 14. Alfio Marancani (VC 2 Torre Rovigo), - 15. Sandro Tortolato (GS Cicli Olimpia), alle gleiche Zeit

 

Samstag, 1. August 2009: Straßenrennen um den Gran Premio del Raboso in Faé di Oderzo, 65,5 km  

Rennstrecke: Faé di Oderzo - Ormelle - Roncadelle - Faé di Oderzo, 8 Runden á 8,2 km = 65,5 km, 5 Höhenmeter pro Runde = 40 Höhenmeter, Start 14.00 Uhr 

Wetter: heiter, sonnig, leichter NW-Wind, 41° (!) 

Rennverlauf: Leider habe ich nichts gefrühstückt, nichts gegessen, bin völlig unvorbereitet hier an den Start gegangen, weil sich die Anfahrt so hingezogen hat. Und ich muß zugeben, daß ich trotz all meiner Routine und Erfahrung das völlig unterschätzt habe. Natürlich hatte ich eine volle Trinkflasche dabei, daß die aber schon nach der halben Distanz leer sein würde, hätte ich nie gedacht! Also habe ich das Trinken rationiert, habe pro Runde zwei kleine Schlucke genommen. Naja, der Rennverlauf war nicht sonderlich anspruchsvoll, es war vielmehr das Wetter, das mich geschafft hat und auch die anderen.  Viele der Favoriten sind völlig eingetrocknet, ausgedörrt und verdurstet. 

Es gab zwar immer wieder Spitzengruppen und Ausreißer, aber sie wurden meist nach kurzer Zeit wieder gestellt. Erst nach der 5. Runde hat sich eine 6-Mann-Gruppe abgesetzt, die sehr vielversprechend ausgesehen hat. Trotz einer Tempoverschärfung haben wir nicht mehr aufgeholt, wir sind zwar einmal bis auf 25 Sekunden herangekommen, aber dann ist postwendend der Abstand gleich wieder angewachsen. Ich war zu diesem Zeitpunkt dann aber auch schon völlig abgemeldet, war nur mehr darauf bedacht, irgendwie ins Ziel zu kommen und die Distanz zu schaffen. Runde um Runde war es ein Überlebenskampf. Immer weiter bin ich zurückgewandert ans Ende des großen Feldes. Dort angekommen, hatte ich keine Chance mehr, mich nach vorne zu arbeiten, ich war viel zu schwach, der Mund war völlig ausgetrocknet, die Zunge trocken und bleischwer, der Rachen hat fürchterlich geschmerzt. Die zwei Schluck in jeder Runde waren im wahrsten Sinn des Wortes ein Tropfen auf die heiße Haut.

Irgendwie habe ich es dann doch geschafft, bis zuletzt im Feld zu bleiben. Tarlaio, Cecchinel, Pangos, sie alle waren auch noch da, waren zwar aktiv, aber haben die Niederlage auch nicht mehr abwenden können. Mit 45 Sekunden Vorsprung ist die Spitzengruppe ins Ziel gekommen, ich habe mich beim Zieleinlauf bemüht, so weit vorne wie möglich zu sein, aber mehr als der bescheidene 49. Rang war nicht drin. 

Ergebnisse Kategorie Gentlemen: 1. Alvise Farné (GS Spino e Idea Quick) 1:27:11 (Siegerschnitt 44,1 km/h), - 2. Francesco Lorenzon (GS De Luca Renault Portotecnica Portogruaro), - 3. Agostino Durante (ASD GS Pioggia in Face), - 4. Luciano Guidolin (Torre Bi Elisa), - 5. Maurizio Cavallin (Gran Fondo Pinarello), - 6. Giuseppe Paoletti (Miane Bike Team), alle gleiche Zeit, - 7. Roldano Barbiere (GS Giovanni di Livenza), 45 Sekunden zurück, - 8. Stefano Mometti (GS San Giovanni di Livenza), - 9. Valter Zaupa (Team Salvador), - 10. Renzo Marcon (GC Cima SIAI), - weiters: 49. Robert Bartonek (GS Tecnoimpianti Padova), alle gleiche Zeit  

 

Sonntag, 2. August 2009: Straßenrennen um die Trofeo Antonio Vasoni in Brische di Meduna di Livenza, 61,6 km   

Rennstrecke: Brische di Meduna di Livenza - Meduna di Livenza - Brische di Meduna di Livenza, 8 Runden á 7,7 km = 61,6 km, 10 Höhenmeter pro Runde = 80 Höhenmeter, Start 8.30 Uhr

Wetter: sonnig, heiter, leichter NW-Wind, heiß, 37° 

Rennverlauf: Heute war es etwas besser, so früh am Morgen war es noch nicht so heiß, und ich war nach vielen Litern Flüssigkeit auch nicht mehr so ausgetrocknet wie gestern im Ziel. Im Gegenteil, ich habe mich ganz frisch gefühlt, hervorragend regeneriert, und so bin ich auch mit neuen Hoffnungen ins Rennen gestartet. Das Starterfeld ist etwas erweitert gewesen, immerhin war heute auch der Südtiroler Karl-Heinz Malfertheiner dabei. Mehrfacher italienischer Meister, kenne ich ihn noch von meiner Zeit in Italien her sehr gut. Und sofort haben wir geplaudert.

Vom Startschuß weg ist voll aufs Tempo gedrückt worden. Die abwechslungsreiche Strecke, kurvig, unübersichtlich, leicht wellig, ist diesem Verlauf sehr entgegengekommen. Ich habe natürlich gewußt, daß die neu hinzugekommenen Fahrer das Rennen aufmischen würden, und ich habe auch gewußt, daß die gestern schwer Geschlagenen heute Revanche suchen würden. Und so war es auch.

Bereits in der zweiten Runde hat sich eine vierköpfige Gruppe auf und davon gemacht, Tarlaio und Malfertheiner waren dabei, daher war diese Gruppe brandgefährlich. Schnell haben wir diese Gruppe wieder eingeholt, doch sofort war eine neuerliche Ausreißergruppe dahin, wieder waren Tarlao und Malfertheiner dabei, diesmal waren es acht Mann. In der dritten Runde hat sich eine sechsköpfige Verfolgergruppe auf und davon gemacht.

Ich bin im Feld gefahren, war nie in Gefahr, abzureißen, habe mich aber auch nicht sehr aktiv hervorgetan. Ich habe einfach abgewartet. Gewartet, wie sich das Rennen entwickelt. Und tatsächlich, es ist noch einmal spannend geworden. Die De-Luca-Fahrer haben zwar für Tarlao abgestellt, doch andere, allen voran die lokalen Favoriten, haben Tempo gemacht und im Handumdrehen das Feld wieder herangefahren. In der 6. Runde kam es zum Zusammenschluß, danach ist in der 7. Runde unheimlich aufs Tempo gedrückt worden, ehe sich zu Beginn der Schlußrunde doch noch eine Gruppe davonstehlen konnte. Und die ist auch ins Ziel gekommen. Ich war im Feld, bin es bis zum Ziel auch geblieben. Schließlich wartete am Nachmittag ein weiteres Rennen auf mich.

Ergebnisse Kategorie Gentlemen: 1. Alberto Busato (GS De Luca Renault Portotecnica Portogruaro) 1:25:21 (Siegerschnitt 42,55 km/h), - 2. Andrea d´Agaro (GS Amici della Bicicletta), - 3. Silvio Cecchinel (ASD GS CMA SIAI), - 4. Fabrizio Verza (GS Avesana Bike), - 5. Riccardo Tarlao (GS De Luca Renault Portotecnica Portogruaro), - 6. Valter Zaupa (TeamSalvador), alle gleiche Zeit, - 7. Loris Bonin (GS Giovanni di Livenza), 28 Sekunden zurück, - 8. Roldano Barbieri (GS Giovanni di Livenza), - 9. Angelo Bettin (GS De Luca Renault Portotecnica Portogruaro), - 10. Aristide Amitide (Vigili de Fuoca), - weiters: 18. Robert Bartonek (GS Tecnoimpianti Padova), alle gleiche Zeit 

Sonntag, 2. August: Straßenrennen um die Trofeo di Trattoria "La Paesana", 2. Etappe zum Giro di Vicenza in Grumolo della Abbadesse, 66 km  

Rennstrecke: Grumolo della Abbadesse, lokaler Rundkurs rund um die Ortschaft, 12 Runden á 5,5 km = 66 km, 5 Höhenmeter pro Runde = 60 Höhenmeter, Start 14.45 Uhr 

Wetter: heiter, sonnig, heiß, leichter N-Wind, 41° 

Rennverlauf: Die schmalen Straßen, auf denen das Rennen stattfindet, ziehen das 88 Mann starke Feld sofort in die Länge, und ich weiß, daß ich da unbedingt ganz vorne fahren muß, will ich nicht schon in der ersten Runde abgehängt werden. Vom Start weg hohes Tempo, immer wieder Angriffe und Konterattacken, lange Einserreihe, hinhalten, hinhalten, hinhalten. Das ist das Motto dieses Rennens.

Ausgeruhter Favorit: UDACE-Straßenweltmeister Dario Grisenti aus Trient, dazu die lokalen Favoriten. In der 6. Runde fährt eine 15-Mann-Gruppe weg, zu diesem Zeitpunkt bin ich mit meinen Kräften bereits am Ende und verhalte mich ruhig und auffällig, bin im letzten Drittel des schnell kleiner werdenden Feldes, aber dadurch kann ich eben nicht mit dieser Gruppe mitspringen. Grisenti ist natürlich dabei. Als die Ausreißer weg sind, wird es aber nicht langsamer, nein, der Kampf wogt hin und her, und in der 9. Runde kann sich eine achtköpfige Verfolgergruppe aus dem Feld davonmachen, im letzten Moment springe ich da noch dazu.

Wir fahren hohes Tempo, aber Gottseidank gleichmäßig! Ich fahre am Zahnfleisch, drücke mich vor jeder Führungsarbeit, aber bei acht Mann ist das nicht immer möglich. In der 11. und vorletzten Runde ist es dann soweit, wir stellen die Spitzenreiter und ich gehe mit einer 23 Mann starken Spitze in die Schlußrunde. 4 km vor dem Ziel entwischt Grisenti dann doch noch, er nutzt einen klitzekleinen Moment der Ruhe und des niedrigen Tempos, ein wahrer Weltmeister! Der hat den nötigen Riecher für jede Situation. Doch weit gefehlt, daß das Rennen damit entschieden wäre - nein, wir reihen uns ein und stellen ihn kurz nach der 1000-m-Marke. Jetzt zeigt sich erst, was ein wahrer Weltmeister drauf hat - er zieht den Sprint von der Spitze her an, zieht voll durch und gewinnt das Rennen klar und überlegen! Mir bleibt der 18. Rang, ich bin zufrieden - und völlig kaputt. 

Ergebnisse Gentlemen: 1. Dario Grisenti (GS Promelit Grisenti Trento) 1:32:24 (Siegerschnitt 42,1 km/h), - 2. Patrizio Panzanera (Color Service Fano), - 3. Umberto Cevoli (Cicli Copparo Ancona), - 4. Egidio Vallati (Simoncini Ragamon Zeppa Bike), - 5. Michele Ridolfi (Mobili Rimini Appignano), - 6. Mario Ceccaroni (Pedale Santarcangiolese), - 7. Claudio Dovigo (Team Benato Bike), - 8. Maurizio Busato (Cicli De Franceschi Padova), - 9. Alfio Maracani (GS Frenocar - Cicli Bilati), - 10. Renzo Valentini (Team Bike Service), - weiters: 18. Robert Bartonek (GS Tecnoimpianti Padova), alle gleiche Zeit 

 

Samstag, 8. August 2009: Wegscheid-Classic, Bergrennen Hopfgarten - Berggasthof Wegscheid, 15,5 km 

Rennstrecke: Hopfgarten - Kelchsau - Berggasthof Wegscheid, 15,5 km, Start 615 m, Ziel 1155 m, 540 Höhenmeter, Steigung max. 10 %, durchschnittlich 3,5 %, Start 14 Uhr  

Wetter: sonnig, warm, leichter NW-Wind, 25° 

Alpengasthof Wegscheid - Bewertungen

Alpengasthof Wegscheid, 1144 m Seehöhe

Rennverlauf: Der Hans war ziemlich wütend, daß der Manfred und die Steffie nicht gekommen sind, dadurch ist unsere Mannschaft geplatzt. Und ich hatte kurz vorher noch extra die Mannschaft angemeldet! Naja, so kann es gehen. Mitten in diese Fruststimmung hinein sind wir gestartet, alle Klassen  zugleich. Wieder war es so ein Rennen, das ich im Vorjahr gewonnen habe, und ich heuer wieder einen Sieg versucht habe. Das erste ist ja schiefgegangen, Kärntner Seen-Rundfahrt, da bin ich "nur " Vierter geworden.

Diesmal gleich schnell gestartet, hohes Tempo, aber gleichmäßig. Dann die Prämienwertung an der Steigung in Kelchsau, dort bin ich erwartungsgemäß abgerissen, danach mit einer kleinen Gruppe an eine größere Gruppe vor uns wieder herangefahren. Es war die zweite Gruppe, knapp hinter der ersten. Dann sind wir auch schon links abgebogen auf die Mautstraße hinauf zur Wegscheid. Ich habe mich gut und stark gefühlt, bin schnell gefahren, mit hoher Frequenz, hatte keine Probleme. Schnell war meine Gruppe hinter mir, ich war alleine und bin vorne an ein paar einzelne Fahrer herangefahren, an ihnen vorbei.

Eigentlich bin ich immer an allen vorbeigefahren, naja, viele waren es ja nicht, denn relativ schnell hatte ich meine Position, die hat sich nicht mehr viel verändert. Kurz vor dem Ziel sind dann leider noch zwei Mann von hinten gekommen, die mir dann auf den letzten 400 Metern alle beide noch davongefahren sind. Ich hatte nichts mehr zuzusetzen. Da mir die aber nicht so alt ausgesehen haben, habe ich auch gar nicht reagiert. War ja nicht meine Altersklasse.

In der Meinung, gewonnen zu haben, bin ich über den Zielstrich. Habe auch keinen Alten vor mir gesehen. Umso größer die Enttäuschung, als ich feststellen mußte, daß da doch noch einer irgendwo weit vor mir herumgekrabbelt ist. Und der Hans ist auch "nur" Dritter geworden, angefressen waren wir beide. Und der Frust ist weitergegangen. Erst nach einer Weile habe ich mich beruhigt. Ein zweiter Platz ist ja auch nicht so schlecht.

Ergebnisse Tageswertung (61 Fahrer in der Wertung): 1. Christian Strebl 30:28, - 2. Manfred Kimmel -0:32, - 3. Christian Kitzbichler -0:41, - 4. Alois Kronthaler -0:48, - 5. Marian Staller -0:58, - 6. Martin Egger (Tirolerhof Hopfgarten) -0:59, - 7. Klaus Steiner (Radtreff Region 31 Tirol) -1:04, - 8. Gernot Strauss -1:07, - 9. Matthäus Fischbacher -1:09, - 10. Markus Luchner -1:15, - weiters: 24. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) -3:33

Kategorie Senioren 1: 1. Günter Kirchmair 32:42, - 2. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) -1:20, - 3. Josef Lutzmann -2:02, - 4. Heinz-Konrad Promegger -2:47, - 5. Josef Fuchs (RC Treppenfüchse Hopfgarten) -4:50, - 6. Alois Bachler (RC Union St. Johann/Tirol) -5:20

 

Sonntag, 9. August 2009: Straßenrennen in Egelsdorf bei Sinabelkirchen, 81 km

Rennstrecke: Egelsdorf - Egelsdorf Nord - Prebensdorf - Großpesendorf - Pischelsdorf - Gersdorf - Kroisbach - Großsteinbach - Großhartmannsdorf - Obgrün - Hainersdorf - Riegersdorf - Kalsdorf - Neudorf - Ilz - Nestelbach - Egelsdorf, 2 Runden á 40,5 km = 81 km, 150 Höhenmeter pro Runde = 300 Höhenmeter, Start 9 Uhr

Wetter: sonnig, heiß, starker NW-Wind, 25°

Rennverlauf: Etwas müde war ich am Start, kein Wunder bei den vielen Auto-Kilometern. Aber ich habe sehr schnell in das Rennen reingefunden, bin mit den A-Fahrern gestartet, wir haben den C- und D-Fahrern diesmal 9:20 Minuten Vorgabe geben  müssen, 3 Minuten den B-Fahrern. Wie immer war der Anstieg auf das Galgenried vor Pischelsdorf das erste Kriterium der Strecke, und dort ist es auch gleich zur Sache gegangen. Hohes Tempo, aber doch irgendwie gleichmäßig.  Keine Gefahr, ich bin problemlos über die Steigung mitgefahren. Und danach haben wir bereits die ersten Fahrer eingeholt, so nach und nach sind sie alle in dieser ersten Runde aufgefahren worden. Hohes Tempo bis zuletzt, dazwischen immer wieder ein paar Antritte, ein paar Attacken. Im Großen und Ganzen waren die Vychodil-Fahrer gegen die Hartberger um den Sieg in diesem Rennen, die paar Kindberger (Taucher, Pöltl) waren ja irgendwie auch Hartberger, die Weizer und ich (auf mich alleine gestellt, wie immer) waren die restlichen Interessensgruppen.

Als Schwarzäugl mit Kleinhappl vorne rausgefahren ist, da haben die Alarmglocken geschrillt. Hinten haben sie alle nur geschaut, sich gegenseitig angeschaut, also mußte ich fahren, bin ein paar lange Führungen mit hohem Tempo gefahren, als dann der Abstand kleiner geworden ist, sind auch die anderen mit eingestiegen, und bald waren die beiden gestellt.

Auf diese Art und Weise haben wir alle Attacken neutralisiert, in der zweiten Runde war zunächst wieder der Anstieg das Kriterium, nach kleinen Tempoverschärfungen bin ich schnell wieder drangewesen, während da ein paar andere abgerissen sind. Und danach war es vor allem Schwarzäugl, der es immer wieder probiert hat, einmal auch alleine weggekommen ist, aber da bin ich sofort mitgesprungen, und wieder war alles beisammen.

Auf den letzten Kilometern war auch bei den meisten schon der Dampf draußen, und viele waren mit einem Massensprint wohl zufrieden. Immerhin waren wir eine ganz große Gruppe von 19 Mann, so viele wie noch nie bei diesem Rennen. 19 Mann sind um den Sieg gesprintet!

Schwarzäugl und Kleinhappl waren vorne außer Reichweite, aber beim leicht steigenden Zieleinlauf war ich beim Sprintbeginn hervorragend postiert, bin bis ca. 100 m vor dem Ziel noch an der fünften Stelle gelegen, dann aber abgedrängt worden und noch von der nächsten "Welle" überrollt worden - Platz 11 am Ende!

Ergebnisse: 1. Michael Schwarzäugl (ASVÖ ARV Graz Radsport Vychodil Vredestein) 2:03:22, - 2. Günther Kleinhappl (ARBÖ Sparkasse Weiz), - 3. Daniel Auer (ARBÖ Hoval Birkfeld), - 4. Josef Handler (TSV Zweirad-Kappler Hartberg), - 5. Peter Schellnegger (ARBÖ Sparkasse Weiz), - 6. Johann Taucher (ARBÖ Sparkasse Kindberg), - 7. Manfred Herbsthofer (TSV Zweirad-Kappler Hartberg), - 8. Robert Ertl (TSV Zweirad-Kappler Hartberg), - 9. Friedrich Pöltl (RC ARBÖ Sparkasse Kindberg), - 10. Hermann Macher (RC Union Schwarzl Freizeitzentrum Laßnitzhöhe), - weiters: 11. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl), alle gleiche Zeit

 

 37. Weltradsportwoche 2009

Samstag, 15. August 2009: Deutschlandsberger Welt-Radsportwoche, Kriterium in Deutschlandsberg, 12 km

Rennstrecke: Rundkurs in Deutschlandsberg, 12 Runden á 1 km = 12 km, Links- und RECHTSkurven!, Start 10.50 Uhr

Wetter: sonnig, heiß, mäßiger NW-Wind, 27°

Rennverlauf: 15 Fahrer sind an den Start gegangen, nicht gerade sehr viele, davon sind gar nur 14 ins Ziel gekommen. Die vielen Ausländer haben das Rennen schnell gemacht, vor allem das Eck nach rechts war teuflisch schwer zu fahren, wie überhaupt der ganze Rundkurs technisch sehr, sehr anspruchsvoll war. Die vielen Kurven haben es auch sehr schwer gemacht, irgendwo an einem Fahrer vorbeizufahren, das ist praktisch nur auf der Geraden nach dem Ziel gegangen. Das Positionfahren war da gleich viel wichtiger als sonst. Und überhaupt war dieses Kriterium, das ja eigentlich gar keines war (es wurde nur auf Endwertung gefahren, es handelte sich also um ein Rundstreckenrennen) sehr wichtig als Einstieg in die Gesamtwertung.

Schöneburg vor Mosler, ich ganz links außen

Wie schon bei den Kriterien im Ginner-Cup, so waren auch diesmal Gössler, Mosler und Hansl die stärksten Konkurrenten von österreichischer Seite. Ich hatte das schwere dreitägige Trainingslager in den Dolomiten überraschend gut verdaut, hatte schnelle und vor allem sehr gute Beine. Dennoch konnte ich nichts dagegen tun, als sich kurz nach Halbzeit Dimitri Buben und Wladimir Zyryanov abgesetzt haben. Innerhalb von nur zwei Runden haben die eine halbe Minute Vorsprung herausgefahren, und trotz aller Bemühungen von uns sind wir kaum näühergekommen.

Als in den letzten beiden Runden das Tempo verschärft wurde, habe ich mich so weit vorne wie möglich plaziert, weil ich genau gewußt habe, daß da in den letzten Kurven kein Vorbeikommen mehr möglich war. In der Zielkurve hat sich Mosler, unmittelbar vor mir fahrend, fürchterlich versteuert, wäre beinahe in die Absperrung rechts gekracht, ich war noch dazu schräg rechts an seinem Hinterrad, mußte abrupt abbremsen, einen Haken nach links innen schlagen und wieder antreten, aber - Gottseidank, Gerhard! - war der so mit seiner Schrecksekunde beschäftigt, daß er nicht mehr dagegenhalten konnte, und so bin ich Siebenter geworden. Ganz gut für den Anfang, ich war eigentlich zufrieden.

Vorne Kandratsenja (Weißrußland), dahinter mein knapper Sprint gegen Mosler, Hansl dahinter

Ein paar Zentimeter war ich vorne!

Siegerehrung (von links): Gianni Motta (im roten T-Shirt), Zyryanov, Buben, Cowley

Ergebnis Master 4: 1. Dimitri Buben (Weißrußland) 19:50 (Siegerschnitt 36,3 km/h), - 2. Wladimir Zyryanov (Rußland), gleiche Zeit, - 3. Dirk Cowley (USA) -0:21, - 4. Roland Schöneburg (BRD), - 5. Ullrich Gössler (ARBÖ Drahteisel Voitsberg), - 6. Aleksandr Kandratsenja (Weißrußland), - 7. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl), - 8. Gerhard Mosler (ARBÖ ASKÖ TV-Steiner Raaba), - 9. Rudolf Hansl (ARBÖ imcom.24 Vredestein Wien), - alle gleiche Zeit, - 10. Ihor Hayda (Kanada) -0:32  

 

Sonntag, 16. August 2009: Deutschlandsberger Welt-Radsportwoche, Paarzeitfahren Frauental - Bad Gams - Deutschlandsberg, 14,5 km 

Rennstrecke: Frauental (Unterführung) - Niedergams - Furth - Bad Gams, Wende - Furth - Niedergams - Deutschlandsberg, 14,5 km, 85 Höhenmeter, Start 11.42 Uhr 

Wetter: sonnig, heiß, ganz leichter NW-Wind, 29° 

Vor dem Start vor der Koralmhalle (von links): Robert Bartonek, Sigi Rothauer, Bertl und Fritz Gaubitzer

Rennverlauf: Neben dem Marathon am Schlußtag ist dieses Rennen das zweite, das nicht zur Gesamtwertung zählt. Eigentlich als Juxbewerb gedacht, hat es sich in den drei Altersklassen der Kategorie "Großer Chef & Kleiner Chef" (eine typische Jux-Bezeichnung) zu einem beinharten Rennen entwickelt. Ich starte mit meinem langjährigen Ex-Teamkollegen beimSC Tiroler Radler Bozen, mit dem Kremser Gerald Leutgeb. In all den letzten Jahren hatten wir immer so eine seltsame Rivalität entwickelt, das Paarzeitfahren wurde somit zu einer internen Auseinandersetzung, bei der immer darauf geachtet wurde, daß man selbst nicht derjenige war, der Schwächen zeigt. Und einer von uns beiden hatte IMMER eine Schwäche, mal der eine, mal der andere. Nur ist es sehr, sehr nachteilig ausgefallen, weil wir immer so darauf gepocht haben und nicht, so wie alle anderen  Paare, diesen Unterschied AUSGEGLICHEN haben. Seit ich jetzt bei der UGB-Renngemeinschaft fahre, ist das etwas besser geworden. 

Heute hat es in dieser Hinsicht überhaut keine Probleme gegeben, wir sind gut vom Start weggekommen, auch die weitere Startphase (der erste Kilometer) ist reibungslos gelaufen. Im Gegensatz zu mir ist der Gerald ein Schnellstarter, d.h. bei kürzeren Zeitfahren ist er sowieso derStärkere, in der Anfangsphase auch.  Diesmal habe ich halt etwas später zum erstenmal die Führung übernommen, wir sind auch sehr ausgeglichen und gleichmäßig gefahren.

Die lange Steigung rauf nach Bad Gams hat zwar aufs Tempo gedrückt, aber da haben wir bereits das vor uns gestartete Paar eingeholt (die 1 Minute Startintervall haben wir schon nach knapp 3 km gutgemacht!), aber das war leider KEIN Maßstab, denn die waren wirklich grottenschlecht!!! Aber nichtsdestotrotz hat das Auftrieb gegeben, bei der Rückfahrt runter Richtung Frauental sind wir hohes Tempo gefahren, ich hatte als max. Tempo am Computer nachher 59 km/h gesehen.

Die einzige wirklich haarige Stelle danach, auf dem schmalen "Forstweg" im Wald etwa 2,5 km vor dem Ziel, bin ich von vorne gefahren, ich konnte daher mein eigenes Tempo fahren, er konnte nicht vorbeifahren (war zu schmal und zu kurvig!), mußte sich also mit meinem Tempo zufriedengeben.

Langer Rede kurzer Sinn: wir haben ein Paar eingeholt, sind selbst NICHT eingeholt worden, sind unter 20 Minuten geblieben, unterm Strich müssen wir mit dieser Leistung zufrieden sein, beide sind wir ein ausgeglichenes Zeitfahren gefahren.

Die Sieger (von links): Pitzl/Hrinkow, Demanov/Zyryanov, Morasch/Stadler

Ergebnisse Großer Chef & Kleiner Chef 2: 1. Yuri Demanov/Vladimir Zyryanov (Rußland) 17:49 (Siegerschnitt 47,5 km/h), - 2. Helmut Pitzl/Gerhard Hrinkow (ARBÖ Aflenz/ÖAMTC RC Hrinkow Steyr) -0:10, - 3. Jakob Morasch/Robert Stadler (BRD) -0:28, - 4. Dirk Cowley/Paul Hmiston (USA) -0:36, - 5. Richard Nudl/Valentin Haselbacher (RC Manner) -0:40, - 6. Oleksandr Nikolenko/Stanislav Nefodov (Ukraine) -0:49, - 7. Hermann Harter/Günther Adler (RC Union Volksbank Deutschlandsberg/RC Union Schwarzl-Freizeitzentrum Laßnitzhöhe) -0:49, - 8. Nikolai Baklanau/Vladimir Biallauski (Weißrußland) -0:54, - 9. Vinzenz Hörtnagl/Othmar Peer (RC Union Sporthaus OKAY Innsbruck) -1:08, - 10. Oleksandr Momot/Andrej Mozzhukkin (Ukraine) -1:21, - weiters: 21. Robert Bartonek/Gerald Leutgeb (RC  UNION Unterguggenberger Wörgl/SC Tiroler Radler Bozen) -2:01  

 

Dienstag, 18. August 2009: Deutschlandsberger Welt-Radsportwoche, Straßenrennen Groß St.Florian - Eibiswald, 67,5 km

Rennstrecke: Groß St.Florian - Frauental - Niedergams - Furth - Bad Gams - Vochera - Stainz - Stallhof - Herbersdorf - Mettersdorf - Kraubath - Gussendorf - Groß St. Florian - Frauental - Deutschlandsberg, Umfahrungsstraße - Fuchswirt - Hohlbach - St.Martin - Dietmannsdorf - Gasselsdorf - St. Ullrich/Greith - Bischofegg - Hörmsdorf - Eibiswald, 67,5 km, 575 Höhenmeter, Start 11.20 Uhr 

Wetter: sonnig, heiß, starker NO-Wind, 31°

Start in Groß St.Florian

Da bin ich in der Bildmitte beim Start in Groß St.Florian

Rennverlauf: Ein starkes Teilnehmerfeld, sowohl was die Qualität als auch die Quantität angeht, hat diesmal das Rennen aufgenommen. Schon die Anfahrt nach Bad Gams rauf, die lange, flache Steigung von Frauental weg, sind wir ungewöhnlich schnell gefahren. Der Gössler Ulli hat unwahrscheinlich viel und auch schnell geführt, den Sinn habe ich zwar nicht verstanden, aber soll so sein. Dann der erste echte Anstieg, am Ortsende von Bad Gams, und da hat bereits der Dimitri Buben (Weißrußland) unwahrscheinlich Tempo gemacht. Gottseidank war dieser Anstieg viel zu kurz, das Feld hat er aber in die Länge gezogen, und die ersten sind auch abgerissen.

Am nächsten Anstieg, dem Vocheraberg, wares dann aber soweit. Buben war wieder vorne, beinahe zwangsläufig sind da alle von seinem Hinterrad abgerissen, und in der kurivgen Abfahrt nach Stainz runter hat er weiter aufsTempo gedrückt, unten war er bereits außer Sicht. So einfach geht das also. Wirklich beeindruckend. Daß das kein Versuch und auch keine Übung war, sondern der Ernstfall, hatman dann gesehen, als die Russen gleich darauf die nächste Attacke gefahren sind, zwei Verfolger haben sich abgesetzt, und dann ist es Schlag auf Schlag gegangen. Die Russen haben immer wieder attackiert, immer wieder angegriffen, keine Ruhe gegeben.

Kurz vor Kraubath habe ich mich ganz vorne in Position gefahren, der Anstieg ist zwar nur kurz, aber steil und nicht zu unterschätzen. Bei der Abzweigung rein nach Kraubath ist das Verfolgerduo gestürzt (weshalb, wissen nicht mal sie selber!), wir haben dadurch aufgeschlossen. Doch Buben hat auch diesen Moment überstanden, nur ist er jetzt halt vorne alleine gewesen, keine Unterstützung durch seine Landsleute, die jetzt wieder ins Feld zurückgefallen waren.

Dann war vorerst mal Ruhe eingekehrt, bis Deutschlandsberg sind wir nur dahingerollt, aber in der Phase hat Buben einen unwahrscheinlichen Vorsprung rausgeholt, denn der ist vorne ein Zeitfahren gefahren, anscheinend um sein Leben. Zeitweise hatte er bereits 8 Minuten Vorsprung! Der Anstieg nach Deutschlandsberg, beim Spital vorbei, hat auch nicht wirklich was bewirkt, außer daß ein paar schwer angeschlagene Fahrer hinten rausgeschossen sind. Die lange Abfahrt danach war zwar schnell, aber gleichmäßig, daher auch hier keine Selektion.

Hier bin ich in der Verfolgergruppe

Alles hat nur auf die "Kamelbuckeln" gewartet, dei beiden selektiven, weil unwahrscheinlich steilen Anstieg vor St. Ullrich. Und dort ist dann auch wirklich rundgegangen, die Jungs sind reingestochen wie die aufgeblasenen Weltmeister, sofort war ich abgehängt. Jedes Jahr das gleiche Muster, sie pressen wie die Verrückten in die Steigung rein, obwohl sie sie schon gut kennen. Sofort platzt die Gruppe auseinander, zieht sich lang, und in der zweiten Hälfte, auf der langen, brutal langen Kuppe, spielen sich immer Dramen ab. Während ich mich noch wundere, wie der Mosler Gerhard mit hoher Frequenz VOR MIR fährt, explodiert er auch schon und ist gleich mal hundert Meter hinter mir, und vor mir quält sich mit schwerem Tritt der Dirk Cowley den Berg hinauf. Der ist einer der absoluten Sieganwärter, daher MUSS ich das ausnutzen, und über die Kuppe springe ich an sein Hinterrad, mit dem allerletzten Tropfen Energie, den ich noch irgendwie flüssigmachen kann.

Hohes Tempo, aber dennoch keine Chance, an den Führenden Buben heranzukommen

Dann die Abfahrt, vor mir sehe ich all die Fahrer aufgereiht, die die vordere Gruppe bilden. Die sind bei Gott nicht weit weg, da muß doch noch was zu machen sein! In der Abfahrt sind dann ein paar Fahrer an meinem Hinterrad, darunter zwei Russen und Cowley, der Typ schnauft und röchelt zum Herzerweichen! Über die Kuppe in die Ortschaft rein  kann ich sie alle abhängen, komme aber nicht ganz vorne an die Gruppe ran. Schade, ich falle dann in der Abfahrt wieder etwas zurück, von hinten schließen sie einzeln wieder auf, und draußen auf der Bundesstraße sind wir eine ganz starke Gruppe.

Jetzt beginnt die allerletzte Jagd, ein Deutscher nimmt gewaltig viel und vor allem schnell, und Meter um Meter kommen wir an die vor uns fahrende Gruppe ran. Ich mache nicht den Fehler und mische mich da in die Führungsarbeit ein, ich verhalte mich ruhig, bleibe hinten und spekuliere einfach, daß wir es noch ganz knapp schaffen. Tatsächlich, als wir nach Eibiswald reinbiegen, bei der 1000-m-Marke, haben wir den Anschluß geschafft!

Jetzt darf ich halt keinen Fehler machen, ich setze mich sofort an die Spitze, fahre als Erster um die Kurve nach der Brücke, als Erster in die Steigung zum Ziel am Hauptplatz rein. Dann ist es "nur" mehr ein purer Kraftakt, Kopf runter und Sprint bis zur Ziellinie. Die Beine schmerzen und stechen, die Arme, der Oberkörper, die Schulter, der Kiefer, einfach wirklich alles. 5 Meter vor der Ziellinie registriere ich noch, daß der Cowley mit seinem letzten Dreck noch an mir vorbeifährt. Scheiße!

Siegerehrung (von links): Biallauski, Buben, Pfisterer

Ergebnis Master 4: 1. Dimitri Buben (Weißrußland) 1:41:45 (Siegerschnitt 38,9 km/h), - 2. Vladimir Biallauski (Weißrußland) -3:50, - 3. Sebastian Pfisterer (ARBÖ Radsport Grassinger Lambach) -4:25, - 4. Walter Köbler (BRD) -4:29, - 5. Ihor Hayda (Kanada) -5:01, - 6. Ljubo Csar (Slowenien) -5:20, - 7. Vladimir Zyryanov (Rußland) -5:25, - 8. Karol Lipovsky (Slovakei), gleiche Zeit, - 9. Ulrich Gössler (ARBÖ Drahteisel Volksbank Köflach) -5:32, - 10. Dirk Cowley (USA), - weiters: 11. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl), alle gleiche Zeit

Gesamtwertung nach zwei Rennen: 1. Dimitri Buben (Weißrußland) 30 Punkte, - 2. Vladimir Zyryanov (Rußland) 18, - 3. Vladimir Biallauski (Weißrußland) 14, - 4. Dirk Cowley (USA) 13, - 5. Ullrich Gössler (ARBÖ Drahteisel Volksbank Köflach) 12, - 6. Ihor Hayda (Kanada) 11, - 7. Roland Schöneburg (BRD)9, - 8. Robert Bartonek (RC UNION UnterguggenbergerWörgl) 8, - 9. Aleksandr Kandratsenja (Weißrußland) 7, - 10 Gerhard Mosler (RC ARBÖ TV-Steiner Raaba) 5

 

Mittwoch, 19. August 2009: Deutschlandsberger Welt-Radsportwoche, Sprintbewerb in Deutschlandsberg, 0,3 km

Rennstrecke: abgesperrte und abgetrennte zwei Fahrstreifen in der Siemensstraße in Deutschlandsberg, 300 Meter, Start 10.54 Uhr

Wetter: heiß, sonnig, windstill, 28°

Rennverlauf: Was soll ich sagen? DEFINITIV NICHT MEIN BEWERB!!! Ich empfinde einen Start in diesem Rennen als SCHWERE NÖTIGUNG!!! Das Los entscheidet über den Gegner, zwei Fahrer treten gegeneinander an, aber nicht der Sieg entscheidet übers Weiterkommen, sondern einzig die gefahrene Zeit. Die vier Schnellsten der Qualifikation bestreiten dann das Finale.

Vierter im Sprint und weiterhin Gesamtführender: der Weißrusse Dimitri Buben

Ich bin gegen den Sowjetrussen Wjatscheslav Goryachev ausgelost, ich kenne ihn nicht, ist auch völlig egal, denn ich habe sowieso keine Chance gegen ihn. Ich starte mit der Übersetzung von 50/19, aber auch das ist egal, denn als ich endlich auf der Strecke bin, hat er nur mehr 150 Meter bis zum Zielstreifen. Langsam komme ich in Schwung, sehe ihn dabei vor mir, wie der Abstand immer GRÖSSER wird. Eine Erlösung, als ich über den Zielstrich fahre.

16 Mann sind angetreten in diesem Bewerb, und meine Zeit von 31,29 Sekunden ist - NATÜRLICH - die langsamste, ich werde damit also 16. Goryachev ist 28,18 gefahren und wird Elfter. Schwamm drüber, schnell zum Auto zurück und den Tag abhaken.

Leider für mich sind in diesem Rennen meine beiden direkten Konkurrenten, Hansl und Mosler, ziemlich stark, die fahren unter die ersten vier und kommen ins Finale. Und dort belegen sie auch noch ndie Ränge 2 und 3! Das kostet mich in der Gesamtwertung viel an Boden, das wirft mich ziemlich zurück.

Davon mal abgesehen, finde ich es eine absolute Frechheit, einen solchen Bewerb, den es auf der ganzen Welt in keiner einzigen Rundfahrt gibt, hier abzuhalten, und noch dazu ihn zur Gesamtwertung zu zählen. Für einen Sprint ist die Distanz zu lang, für ein Zeitfahren zu kurz. Und eigentlich ist es ja ein Bahnbewerb. Für solche Experimente fehlt mir einfach der Sinn. Ich bin auch nur gefahren, weil der SCHEISS zur Gesamtwertung zählt.

Die ersten drei imSprint (von links): Hansl, Cowley, Mosler

Ergebnis Master 4: 1. Dirk Cowley (USA) 25,15, - 2. Rudolf Hansl (ARBÖ imcom.24 Vredestein Wien) 25,45, - 3. Gerhard Mosler (ARBÖ ASKÖ TV-Steiner Raaba) 25,60, - 4. Dimitri Buben (Weißrußland) 25,78, - 5. Roland Schöneburg (BRD) 26,72, - 6. Vladimir Biallauski (Weißrußland) 27,21, - 7. Franz Gottmann (ARBÖ Drahteisel Volksbank Köflach) 27,24, - 8. Ihor Hayda (Kanada) 27,47, - 9. Aleksandr Kandratsenja (Weißrußland) 27,70, - 10. Vladimir Zyryanov (Rußland) 28,11, - weiters: 16. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) 31,29

Gesamtwertung nach 3 Bewerben: 1. Dimitri Buben (Weißrußland) 39 Punkte, - 2. Dirk Cowley (USA) 28, - 3. Vladimir Biallauski (Weißrußland) 21, - 4. Vladimir Zyryanov (Rußland) 21, - 5. Roland Schöpneburg (BRD) 17, - 6. Rudolf Hansl (ARBÖ imcom.24 Vredestein Wien) 16, - 7. Ihor Hayda (Kanada) 16, - 8. Gerhard Mosler (ARBÖ ASKÖ TV-Steiner Raaba) 15, - 9. Aleksandr Kandratsenja (Weißrußland) 11, - 10. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) 8

 

Donnerstag, 20. August 2009: Deutschlandsberger Welt-Radsportwoche, Bergrennen Hollenegg - Burg Deutschlandsberg, 3 km

Strecke: Hollenegg, Fuchswirt - Deutschlandsberg - Burg, 3 km, Steigung bis 15 %, durchschnittliche STeigung am letzten Kilometer 12 %, Anstieg zur Burg 1,2 km lang, Start 15.55 Uhr, 155 Höhenmeter

Wetter: bewölkt, heiß, schwül, windstill, 26°

Burg Deutschlandsberg

Rennverlauf: Auf diesen Bewerb setze ich so einiges, ich MUSS hier einfach punkten, um in der Gesamtwertung noch ein Wörtchen mitzureden. Das Problem ist halt das Streckenprofil, knapp eineinhalb Kilometer flach, dann ein halber Kilometer bergab, ein Kilometer bergauf. Das ist KEIN Bergrennen, sondern wieder nur ein SPRINT.

Im flachen Teil, gleich nach dem Start, attackiert Cowley, Buben setzt nach, Schöneburg zieht auch mit, Gössler folgt, und ich darf da nicht zusehen. Aber ich brauche ziemlich lange, bis ich das Loch zugefahren habe, das Tempo liegt bei 55 km/h. Als ich dann zu Beginn der Abfahrt dran bin, ist es auch das gesamte restliche Feld. Also habe ich keinen Vorteil, im Gegenteil, ich bin angeschlagen, sauber!

Dimitri Buben auf Rang 2

Cowley (links) und Hayda

Vladimir Biallauski

Den einzigen klitzekleinen Vorteil kann ich aber nicht wahrnehmen: ich komme als Fünfter in die Steigung rein, vorne fetzen und sprinten sie so richtig los, allen voran Buben und Groß Rudi. Ich habe sofort einen Rückstand, ich schalte langsam die Zahnkränze hoch, als ich aber beim 21er-Kranz angelangt bin, fällt der immer wieder auf den 19er runter. Wenn ich außer Puste bin, keine Luft mehr habe, ist mir 34/19 definitiv zu hart. Doch der Scheißdreck hält einfach nicht, sooft ich raufschalte, sooft springt die Kette postwendend wieder runter. Ich schalte drüber aufs 23er, dort auch das gleiche Ergebnis. Ich bin irritiert und abgelenkt, kann mich nicht hundertprozentig aufs Rennen konzentrieren. Einer nach dem anderen fährt an mir vorbei. Ich schalte wieder rauf, fixiere den Schalthebel mit dem Zeigefinger, aber das ist natürlich auch kein Zustand, einen Bergsprint zu fahren. Zu guter Letzt kämpfen sich dann schwer keuchend auch noch Mosler und Hansl an mir vorbei, ich bin froh, daß ich irgendwie raufkomme ins Ziel.

Platz 15 unter den 19 Gestarteten - wieder keine Punkte! 

Die ersten drei (von links): Buben, Groß, Hayda

Ergebnisse Master 4: 1. Rudolf Groß (ARBÖ Raiffeisen Feld/See) 6:24 (Siegerschnitt 28,1 km/h), - 2. Dimitri Buben (Weißrußland) -0:08, - 3. Ihor Hayda (Kanada) -0:25, - 4. Dirk Cowley (USA) -0:29, - 5. Vladimir Zyryanov (Rußland) -0:32, - 6. Karol Lipovsky (Slowakei) -0:36, - 7. Vladimir Biallauski (Weißrußland) -0:44, - 8. Ullrich Gössler (ARBÖ Drahteisel Volksbank Köflach) -0:50, - 9. Aleksandr Kandratsenja (Weißrußland) -0:56, - 10. Roland Schöneburg (BRD) -1:03, - weiters: 15. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) -1:31

Gesamtwertung nach 4 Bewerben: 1. Dimitri Buben (Weißrußland) 51 Punkte, - 2. Dirk Cowley (USA) 37, - 3. Vladimir Zyryanov (Rußland) 29, - 4. Vladimir Biallauski (Weißrußland) 27, - 5. Ihor Hayda (Kanada) 26, - 6. Roland Schöneburg (BRD) 20, - 7. Rudolf Hansl (ARBÖ imcom.24 Vredestein Wien) 18, - 8. Gerhard Mosler (ARBÖ ASKÖ TV-Steiner Raaba) 16, - 9. Aleksandr Kandratsenja (Weißrußland) 15, - 10. Robert Bartonek (RC UNION UNterguggenberger Wörgl) 8

 

21. August 2009: Deutschlandsberger Welt-Radsportwoche: Straßenrennen in Bad Gams, 62,8 km

Rennstrecke: Bad Gams - Vochera - Stainz - Herbersdorf - Mettersdorf - Kraubath - Gussendorf - Groß St. Florian - Lebing - Frauental - Niedergams - Furth - Bad Gams, 2 Runden á 31,4 km = 62,8 km, Start 13.10 Uhr, 275 Höhenmeter pro Runde = 550 Höhenmeter

Wetter: sonnig, heiß, starker NW-Wind, 28°

Rennverlauf: Wieder ein sehr schneller Start, und gleich geht´s den Hügel hinter Bad Gams hinauf. Hohes Tempo, ich muß voll reinhalten, um da nicht gleich abzureißen. Keine Zeit zum Verschnaufen, denn sofort geht´s den Vocheraberg hinauf. 50/19, hohe Frequenz, ich halte voll hin! Alle schauenh auf Buben, der sich ja hier im ersten Straßenrennen abgesetzt hat. Diesmal aber fährt er hinten am Ende des Feldes bei mir, macht keinerlei Anstalten, sieht sich alles genüßlich von hinten an. Richtig, im Vorjahr ist er in diesem Rennen auch nicht aktiv gewesen.

Das Rennen kommt kaum zur Ruhe, denn als es anfängt, etwas einzuschlafen, ist der Anstieg nach Kraubath erreicht. Steil und kurz, da wird mit voller Gewalt raufgespurtet, der Anstieg ist nicht ungefährlich. Ich bleibe dran, habe mir vorher schon eine vordere Position gesucht, lasse mich im Feld mitsaugen, rolle über die Kuppe, bin aber völlig außer Atem. Bergab lasse ich es rollen und verschnaufe, versuche mich zu erfangen.

Der Hansl Rudi hat doch vor dem Start glatt gemeint, er möchte heute attackieren, vorne natürlich. Und ich soll mit ihm mitfahren. Der Junge ist doch wirklich völlig verrückt. Will er sich umbringen, oder mich? oder uns beide? Aber tatsächlich, er fährt verflucht offensiv, ist dauernd vorne, fährt Ausreißern nach, versucht selbst, sein Heil in der Flucht zu suchen, ist natürlich vom Tempo überfordert, es ist unmöglich, er kommt doch nicht weg. Aber wenn ich ihm das sage, lächelt er nur vielsagend. Naja, soll er doch. Ich frage mich, wo er diese Kraft und dieses unerschütterliche Selbstvertrauen hernimmt. Nach der ersten Runde ist seine Aktivität vorbei, er hat sich beruhigt (d.h. er ist schwer angeschlagen) und verschwindet in den hinteren Regionen des Feldes, niemand sieht ihn mehr, er fällt nicht mehr auf und kommt mit Rückstand ins Ziel.

Nach Groß St.Florian ist der Offensivdrang des Feldes vorerst einmal gebremst, und genau da setzen sich vier Mann ab. Zyryanov, Lipovsky, Hayda und Csar, die vier arbeiten gut zusammen und vergrößeren ihren Vorsprung. Nur fallweise flammt die Verfolgung hinten im Feld auf, meist aber wird abgestellt und auf irgendetwas Unergründliches gewartet. Das passiert natürlich nie, und so wird der Vorsprung der Spitze immer größer. Buben kann es nur recht sein, die vier sind ihm nicht gefährlich. Ein paarmal tritt Cowley an, Schöneburg und Grasser versuchen es auch ein paarmal, aber nur halbherzig. Wenn Cowley in die Offensive geht (der Junge hat einen unwahrscheinlichen Antritt, da scheppern und klirren seine vielen Metallketten, die er an den Handgelenken trägt!), da klingelt´s hinten im Feld. Und sofort ist Buben an seinem Hinterrad. Naja, der Typ schläft ja auch nicht, der weiß ganz genau, wer ihm gefährlich werden kann. Was macht Cowley nur, wenn es gewittert? Sicher, da ist jetzt keine Gefahr, aber wenn es mal blitzt, dann sind seine Handgelenke ja wie Blitzableiter - vielleicht denkt er auch gar nicht daran.

Zweite Runde, wieder die Anstiege, da tut sich nichts, ich halte hin, fahre mit knapp 100 Prozent über all die Hügel drüber, keine Gefahr. Auch Kraubath meistere ich anstandslos, vor dem Ansstieg habe ich immer die meisten Bammel. Der ist ziemlich steil, da wuchten sich alle mit so viel Rohkraft drüber, da kann ich nicht mithalten, ich muß ganz vorne in den Anstieg reinfahren, dann komme ich auch gut drüber.

Ja, damit sind die Schwierigkeiten geschafft, jetzt geht es flach und dann auf den letzten 5 km leicht ansteigend ins Ziel. Die vier Spitzenreiter sind außer Sicht, sie werden mit knapp zweieinhalb Minuten ins Ziel kommen. Das Feld formiert sich, immer wieder nervöse und nervende Zwischensprints, wenn man sich da schon in Position gefahren hat, ist wieder alles hinfällig. Scheißrennen! Können die keine Ruhe geben? Ich habe dann endlich bei der 1000-m-Marke eine hervorragende Position, da scheppert es plötzlich, ein paar liegen am Asphalt, ich kurve irgendwie dank eines Reflexes um den Haufen Blech und Haut herum. SCHEISSE, GROSSE SCHEISSE!!! Bin zwar nicht gestürzt, aber meine Position ist dahin, ich kann noch etwas aufholen, ein paar Plätze gutmachen, aber letztlich wird es nur der 13. Rang - sauknapp an einem Punkt vorbeigefahren! Es ist zum Haareausraufen!!!

Dimitri Buben  gewinnt den Sprint des Feldes

Der Sprint des Feldes hinter Buben

Ergebnisse Master 4: 1. Vladimir Zyryanov (Rußland) 1:34:28 (Siegerschnitt 39,9 km/h), - 2. Karol Lipovsky (Slowakei) -0:09, - 3. Ihor Hayda (Kanada) -0:13, - 4. Ljubo Csar (Slowenien) -1:24, - 5. Vladimir Biallauski (Weißrußland) -1:32, - 6. Dimitri Buben (Weißrußland) -2:23, - 7. Roland Schöneburg (BRD), - 8. Ulrich Gössler (ARBÖ Volksbank Drahteisel Köflach), - 9. Sebastian Pfisterer (ARBÖ Radsport Grassinger Lambach), - 10. Peter Grasser (ARBÖ HN-Radcenter), - weiters: 13. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl), alle gleiche Zeit

Gesamtwertung nach 5 Rennen: 1. Dimitri Buben (Weißrußland) 58 Punkte, - 2. Vladimir Zyryanov (Rußland) 44, - 3. Dirk Cowley (USA) 39, - 4. Ihor Hayda (Kanada) 36, - 5. Vladimir Biallauski (Weißrußland) 35, - 6. Roland Schöneburg (BRD) 26, - 7. Rudolf Hansl (ARBÖ imcom.24 Vredestein Wien) 18, - 8. Gerhard Mosler (ARBÖ ASKÖ TV-Steiner Raaba) 16, - 9. Aleksandr Kandratsenja (Weißrußland) 15, - 10. Felix Gottmann (ARBÖ Volksbank Drahteisel Köflach) 8, - weiters: 11. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) 8 Punkte

 

22. August 2009: Deutschlandsberger Welt-Radsportwoche: Einzelzeitfahren in Stainz, 19,8 km

Rennstrecke: Stainz - Herbersdorf - Mettersdorf - Wieselsdorf, Wende - Mettersdorf - Herbersdorf - Stainz, 19,8 km, 50 Höhenmeter, Start 10.54 Uhr

Wetter: sonnig, leicht bewölkt, starker N-Wind, 25°

Rennverlauf: Mit dem heutigen Zeitfahren wird also die Gesamtwertung der Radsportwoche abgeschlossen. Der morgige Marathon zählt da nicht mehr dazu. Und heute habe ich so gut wie keine Chance auf Punkte, bei der starken Besetzung traue ich mir einen Platz unter den ersten 12 eigentlich nicht zu. Gestartet wird in 30-Sekunden-Intervallen, ich gehe hinter Schebath Otto ins Rennen.

Irgendwie habe ich da ein gutes Los gezogen, denn den möchte ich doch einholen. Er fährt mit einem normalen Straßenrad, hat nur einen Aufsatz raufgeschraubt, ich starte mit der Zeitfahrmaschine. Von Anfang an fährt er sehr schnell, mich komme kaum näher. Habe Probleme, die aerodynamische tiefe Position zu fahren, muß immer wieder aufmachen, so geht das natürlich nicht. Irgendwann muß ich einsehen, daß ich einfach nicht an ihn rankomme. Vladimir Zyryanov ist hinter mir gestartet, kurz vor der Wende hat er mich eingeholt, fährt an mir vorbei und macht Jagd auf Otto, den er auch noch vor der Wende schnappt.

Hier bin ich kurz vor dem Ziel

Dimitri Buben (rechts) gewinnt das Zeitfahren

Kurz nach der Wende hat mich Pfisterer eingeholt, kurz vor dem Ziel fährt auch noch der Amerikaner Paul Humiston an mir vorbei. Etwa 3 km vor dem Ziel, bei einem Bahnübergang, schlägt urplötzlich beim Vorderrad das Ventil auf der Felge durch. Mein Gott, nur jetzt kein Reifenschaden, denke ich mir, da sehe ich auch schon, wie breit der Vorderreifen ist, daß da kaum mehr Luft drin ist. Ein Sickerer, langsam entweicht die Luft.

Ich mache mich so leicht wie möglich, indem ich das Gewicht vom Vorderrad nach hinten verlagere, das gibt eine unmögliche Position. Ich bin eigentlich hauptsächlich damit beschäftigt, die Kurven durchzusteuern (ist ja nicht einfach, wenn man vorne beinahe auf der Felge fährt!).

Nicht mehr daran zu denken, den Otto einzuholen, ich will nur noch ins Ziel kommen, um nicht aus der Gesamtwertung zu fliegen. Dementsprechend ist dann auch das Ergebnis. Schwamm drüber. In der Gesamtwertung bin ich über Rang 11 doch einigermaßen enttäuscht.

Dimitri Buben (Mitte) gewinnt die Gesamtwertung der Welt-Radsportwoche, Zweiter wird der Sowjetrusse Vladimir Zyryanov (links), Dritter der Kanadier Ihor Hayda (rechts), der Dirk Cowley noch ganz knapp abfängt.

Ergebnisse Master 4: 1. Dimitri Buben (Weißrußland) 23:15 (Siegerschnitt 49,0 km/h), - 2. Milos Brecelj (Slowenien) -0:47, - 3. Paul Humiston (USA) -0:56, - 4. Walter Köbler (BRD) -1:29, - 5. Sebastian Pfisterer (ARBÖ Radsport Grassinger Lambach) -1:31, - 6. Ihor Hayda (Kanada) -1:51, - 7. Vladimir Zyryanov (Rußland) -1:52, - 8. Günther Iby (RC ARBÖ Ginner Amstetten) -2:04, - 9. Günther Gugler (RC ARBÖ Ginner Amstetten) -2:32, - 10. Dirk Cowley (USA) -2:40, - weiters: 23. Robert Bartonek (RC UNION UNterguggenberger Wörgl) -4:58

Gesamtwertung Endstand: 1. Dimitri Buben (Weißrußland) 73 Punkte, - 2. Vladimir Zyryanov (Rußland) 50, - 3. Ihor Hayda (Kanada) 43, - 4. Dirk Cowley (USA) 42, - 5. Vladimir Biallauski (Weißrußland) 35, - 6. Roland Schöneburg (BRD) 26, - 7. Rudolf Hansl (ARBÖ imcom.24 Vredestein Wien) 18, - 8. Gerhard Mosler (ARBÖ TV-Steiner Raaba) 16, - 9. Aleksandr Kandratsenja (Weißrußland) 15, - 10. Franz Gottmann (ARBÖ  Volksbank Drahteisel Köflach) 8, - weiters: 11. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) 8

 

Sonntag, 23. August: Deutschlandsberger Welt-Radsportwoche: Nationen-Ölspur-Radmarathon in Deutschlandsberg, 90 km

Rennstrecke: Deutschlandsberg - Hollenegg - Hohlbach - St. Martin/Sulmtal - Gleinstätten - St. Andrä/Sausal - Waldschacher See - Preding - Wieselsdorf - Mettersdorf - Herbersdorf - Graschuh - Lasselsdorf - Groß St. Florian - Lebing - Frauental - Niedergams - Furth - Bad Gams - Vochera - Stainz - Graschuh - Lasselsdorf - Groß St. Florian - Lebing - Frauental - Deutschlandsberg, 90 km, 490 Höhenmeter, Start 8.15 Uhr

Wetter: sonnig, warm, am Start 15°, im Ziel 26°, leichter NW-Wind

Rennverlauf: Wieder so ein Rennen, wo ich einen Vorjahrssieg zu verteidigen habe. Gleich nach dem Start setze ich mich an die Spitze, heute, bei schönem Wetter, starten mehr als 200 Fahrer, also deutlich mehr als im Vorjahr. Gleich bei der ersten STeigung beim Spital, Ortsausgang Deutschlandsberg, wird Tempo gemacht, vor allem Manfred Herbsthofer (Hartberg) tut sich als Tempomacher hervor, kann sich sogar ein klein wenig absetzen. Aber oben ist dann wieder alles beisammen.

Start in Deutschlandsberg, in der Mitte bin ich ganz hinten zu erkennen (roter Sturzhelm)

In der Folge entwickelt sich ein sauschnelles Rennen. Bis Gleinstätten ist der Schnitt auf 42,5 km/h angewachsen! Kein Vergleich zum Vorjahr, als ich einen Siegerschnitt von gerade mal 37 km/h schaffte. Und weil es um so vieles schneller ist, bleibt die Spitzengruppe auch geschlossen und vor allem sehr groß. Bis Preding sind wir noch immer mehr als 100 Mann an der Spitze.

Ich habe keine Probleme, da mitzuhalten, aber ich muß mich wohl vom Gedanken verabschieden, auch heuer wieder zu gewinnen. Das ist wohl bei einem solchen Rennverlauf nicht drin. Dann folgt der erste Anstieg, von Graschuh rüber nach Lasselsdorf. Wieder wird brutal schnell raufgespurtet, ich verliere viele Positionen, kann mich aber über die Kuppe retten. Ausgeschlossen, daß bei dem Tempo jemand wegfahren kann. Naja, im Vorjahr war ich hier schon alleine unterwegs!

Diesmal bin ich im Feld mit dabei, mehr kann ich nicht erwarten. Dann geht es rauf Richtung Bad Gams, die Straße steigt leicht an, aber es wird um nichts leichter. Kurz vor Bad Gams greift ein Sowjetrusse an, ein anderer zieht mit, sofort springe ich dazu, zu dritt fahren wir eine Weile, dann reißt einer ab, wir bleiben zu zweit vorne. Aber der Russe will anscheinend nicht mehr, oder er kann nicht mehr (?), am Anstieg nach Bad Gams werden wir vom weit auseinandergezogenen Feld wieder gestellt, vorne wird sofort weiter attackiert, das Feld reißt. Ich habe alle Hände voll zu tun, um da dranzubleiben, erst der nächste Anstieg am Vocheraberg bringt mich wieder ganz nach vorne. Mit 50/17 und 19 fahre ich diesen Anstieg, mit hoher Frequenz, ich bin wieder ganz vorne dabei. Dann geht es in rasendem Tempo die kurvige Abfahrt runter nach Stainz. Dort unten sind wir noch 63 Mann.

Sofort geht es den nächsten Anstieg hoch, den letzten, zum zweitenmal in Graschuh. Wieder wilde Attacken, die Steigung wird hochgesprintet, das Feld platzt wieder auseinander. Unten in Lasselsdorf sind wir noch 22 Mann. Es wird ja, aber jetzt ist nicht viel mehr drinnen. Es geht flach bis ins Ziel. Ich muß wohl endgültig alle Hoffnungen abschreiben. Jetzt kommen auch alle jene Fahrer nach vorne, die sihc bisher irgendwo versteckt haben.

Nach Groß St.Florian schleicht sich plötzlich eine unerwartete Müdigkeit ins Feld, eine mentale Müdigkeit. Es wird nicht mehr attackiert, das Tempo sackt ab. Niemand reagiert. Seltsam. Ich beschließe, es doch noch einmal zu versuchen, in Frauental. Die Ortsdurchfahrt ist prädestiniert für einen Ausreißversuch. Ich setze mich an die Spitze, und bei der Abzweigung rein nach Frauental führe ich das Feld bereits an, sitzend, Oberlenker, typisch für mich, beschleunige ich sanft, dann immer mehr. Richtig, ich komme leicht weg, ein kleines Loch klafft hinter mir.

Dann um die Hecke links rum, aus dem Sattel, ein Sprint, hohes Tempo, ich fahre jetzt bereits knapp 50 km/h, die kurze Gerade, rechts auf die Hauptstraße und hin zur Unterführung. Dort erst blicke ich mich um, ich habe gut 200 Meter Vorsprung. Nur jetzt keine Panik, keine überhasteten Aktionen. Ich setze mich wieder hin, fahre konstant mit 43 bis 45 km/h, raus die Strecke des Paarzeitfahrens, die Abzweigung links, dann rechts auf die Bundesstraße, gleich beim nächsten Kreisverkehr wieder rechts rein, dann links auf die schmale Verbindungsstraße durch den Wald.

Hier kann ich Zeit machen, hinten im Feld sind sie sich auf der schmalen Straße sicherlich gegenseitig im Weg, ich drücke aufs Tempo, werfe mich um die Kurve, rein nach Deutschlandsberg. Auf der holprigen Straße sprint das Rennrad wie ein wildgewordener Bock herum, ich jage um die Kurve raus auf die Zielgerade.  Noch 1 km und zwei Kreisverkehre. Ich beschleunige, drehe mich nicht um. Noch nicht.

Die letzten 200 Meter, ich richte mich auf, ziehe mir das Trikot gerade, dann blicke ich mich um, sehe nichts und niemanden. Ja, das ist wohl wieder der Sieg. Endlich. Einen Vorjahrssieg verteidigt. Das tut gut. Genau 23 Sekunden beträgt mein Vorsprung. Hinter mir sprinten sie dann wütend ins Ziel. Kann ich verstehen, ich wäre auch wütend, auf diese Weise so knapp vor dem Ziel noch überrascht zu werden. Hat mich wirklich gewundert, wie leicht das eigentlich gegangen ist.

Ergebnisse: 1. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) 2:13:05 (Schnitt 41,0 km/h), - 2. Vladimir Zyryanov (Rußland) -0:23, - 3. Ljubo Csar (Slowenien), - 4. Karol Lipovsky (Slowakei), - 5. Volodymyr Vassylkovsky (Ukraine), - 6. Viktor Labaty (Weißrußland), - 7. Wassili Markulshak (Ukraine), - 8. Mitja Hernaus (Slowenien), - 9. Manfred Herbsthofer (TSV  Zweirad-Kappler Hartberg), - 10. Sergej Tropin (Rußland), alle gleiche Zeit

 

Montag, 24. August: Weltpokal-Straßenrennen um den Großen Preis der Generali-Gruppe in St.Johann/Tirol, 76 km

Rennstrecke: St.Johann/Tirol - Huberhöhe - Griesenau - Schwendt - Kössen - Loferberg - Erpfendorf - Kirchdorf/Tirol - Litzlfelden - St.Johann/Tirol, 2 Runden = 76 km, 190 Höhenmeter pro Runde = 380 Höhenmeter, Start 13.20 Uhr

MAP St. Johann

Wetter: sonnig, warm, mäßiger NO-Wind, 27°

Profil

Rennverlauf: Voller Erwartung bin ich ins Rennen gegangen, im Wissen, daß ich in ausgezeichneter Form bin. Der absolute Saisonhöhepunkt.  Ich spüre die Nervosität, die Spannung und all die Hoffnung, die in der Luft liegt, die über den 81 Startern förmlich vibriert. Da sind alle übermotiviert, erwartungsvoll und mit Spannung geladen.

Vor dem Start des Weltpokalstraßenrennens in St. Johann/Tirol kommt noch ein etwas skeptischer Blick

Start bei der Wieshofermühle in St. Johann/Tirol

Wir sprinten wie von der Tarantel gestochen los. Bereits auf den ersten paar hundert Metern gibt es ein dichtes Gedränge, alle wollen eine vordere Position für den ersten Anstieg auf die Huberhöhe ergattern, wir jagen unter der Unterführung durch, rauf auf die Bundesstraße, dort ist eine kleine Verkehrsinsel, und genau dort krachen die ersten mit vollem Tempo rein. Metall splittert, Körper schlittern über den Asphalt, das war ja zu erwarten. Ganz knapp kann ich aussteuern und schramme an einem Sturz vorbei, aber das Feld ist jetzt langgezogen. Genau 150 Meter weiter ist die Abzweigung nach rechts in Richtung Huberhöhe, wieder mit Verkehrsinsel, und dort kracht es zum zweiten Mal. Wieder drücke ich mich irgendwie an den Gestürzten vorbei, wir jagen in Einserreihe, die aber schon an ein paar Stellen gerissen ist, mit über 50 km/h auf die Huberhöhe zu. Dort Wind fährt jetzt von schräg rechts vorne in das Feld rein und dückt alle auf die linke Seite rüber. Der Schweiß sticht und brennt in den Augen, alle fahren am linken Bankettrand, und natürlich - unausweichlich - kracht es abermals. Dritter Massensturz nach knapp einem Kilometer! Ist das denn noch normal?

Ich bin abgerissen, vorne sprinten sie in die erste der vier Steilstufen auf der Huberhöhe rein. Ich fahre am absoluten Anschlag, die Lunge brennt, die Arme schmerzen, ich halte hin, kann aber nicht mehr beschleunigen, suche ein Hinterrad. Von hinten kommen jetzt noch ein paar Fahrer, die Gruppe findet sich zusammen. Wir sind drüber, jetzt wird es flacher, wir fahren unglaubliche 43 km/h! Ich ahne, daß es hier um Leben und Tod geht, wenn ich jetzt einen einzigen Tritt nur auslasse, ist das Rennen für mich vorbei! Langsam schließen wir auf, die nächste Steilstufe, ich hole ganz tief Luft, irgendwie bleibe ich dran, eigentlich bin ich am Ende und kann nicht mehr.

Mit 196 Puls schlüpfe ich über die Kuppe oben auf der Huberhöhe, die Zuschauer, die hier versammelt sind, toben, schlagen die Rasseln und Trommeln, Trompeten und Hupen ertönen, es ist ein Höllenlärm. Geschafft! Ich rolle hinten runter in die Griesenau, kann mich nicht mehr bewegen, ich muß höllisch aufpassen, daß cih hier nicht abgehängt werde. Noch kann ich es kaum fassen, daß ich wieder dabei bin. Ich verschnaufe und versuche mich zu regenerieren.

Anstieg nach Schwendt. Ich beginne ihn mit Puls 127, scheine mich also erfangen zu haben. Die altbewährten Schaltpunkte, den langen flachen ersten Anstieg, die Anfahrt zum eigentlich Ansieg sozusagen, fahre ich mit 50/17, es ist dennoch hart, dann die Rechtskurve, 100 m flach, dann Linkskurve und ich hänge in der Wand drin, kleine Scheibe, 34/17, um die Kurve, ich schalte aufs 19er, sprinte über die Kuppe, dann beginnt aber erst die eigentliche Kuppe, gut einen Kilometer lang durch die Ortschaft, brutal schwer, wenn man da knapp 40 km/h fährt.

Lange und steile Abfahrt runter nach Kössen, im Kreisverkehr rechts raus und sofort beginnt ein langgezogener Sprint, um die besten Positionen für den kurzen flachen Anstieg auf den Loferberg zu ergattern. Auf diesem Kurs gibt es eigentlich keinen Moment zum Erholen und Verschnaufen! Mit 50/19 fahre ich über den Loferberg, hohe Frequenz, ich keuche und röchle wie einer, der gerade erdrosselt wird. Wieder geschafft, die erste Runde ist also im Sack.

Zweiter Anstieg Huberhöhe. Ich fahre ganz vorne, komme gut rüber, aber am letzten Anstieg zur Kuppe rauf wird vorne attackiert, ich kann nicht reagieren, bin aber Gottseidank weit genug vorne im Feld plaziert, erst in der Abfahrt bin ich soweit, daß ich ein kleines Loch zufahre, und alos ich mich wenig später mal umsehe, ist hinter mir nichts mehr. Gähnende Leere.

Anstieg nach Schwendt, wieder wird vorne aufs Tempo gedrückt, hinten wird gnadenlos ausgemistet. Wieder verliert ein ganzer Haufen den Anschluß. Ich komme nicht zum Schnaufen, nicht zum Nachdenken. Fahre permanent am Anschlag. Sowas kann nicht gesund sein.

Letzter Anstieg, der Loferberg. Wenn ich den geschafft habe, dann habe ich berechtigte Chancen, ganz vorne anzukommen. Denn mittlerweile sind wir nur mehr knapp 25 Fahrer. Ich habe nur einen einzigen Gedanken: nur jetzt nicht abreißen, mit aller Gewalt dranbleiben, und wenn es mich zerreißt. Nun es zerreißt mich nicht - Gottseidank! - dafür aber zerreißt ein Italiener ein paar Positionen vor mir das Stanniolpapier seiner Rennverpflegung und wirft das Papier lose einfach über seine Schulter nach hinten. Wie es scheint, meint es das Schicksal heute wirklich nicht gut mit mir, denn das Papier verfängt sich in den Schaltungsrädchen des hinteren Werfers, wird sofort reingezogen, frißt sich fest und die Schaltung ist damit blockiert. In dem Moment geht es in die Abfahrt vom Loferberg runter, wir fahren schon knapp 60 km/h, ich schalte, aber nichts rührt sich. Nach weiteren verzweifelten Schaltversuchen, die alle fruchtlos bleiben, merke ich erst, was sich da hinten abgespielt hat. ES IST ZUM WEINEN. Ich habe keine Wahl, ich muß stehenbleiben, mit zittrigen Fingern ziehe ich Stück um Stück des ölschwarzen Papiers von den Rädchen runter. Und das ausgerechnet an der schnellsten Passage des gesamten Rundkurses. Ich stehe am Straßenrand, während die Gruppe mit 80 bis 90 km/h davonrast!

Soviel weiß ich auch, daß für das Rennen vorbei ist. Während ich aufspringe, fliegt die nächste Gruppe vorüber, ich kann nicht einsteigen, denke nicht mal daran. Bin fix und fertig, vor allem die Moral und der Kampfgeist sind wie weggeblasen. Mit dem kleinen Blatt rolle ich Richtung St.Johann. Und zwar nicht auf der schmalen Straße durch Litzlfelden, sondern draußen auf der Bundesstraße. Ich fahre auch nicht durchs Ziel, sondern gleich zum Auto. Scheißtag, Scheißrennen, Scheißpapier, Scheißitaliener, Scheißleben. Unwahrscheinlich, welcher Frust sich in den paar Minuten aufgestaut hat. Ich könnte der ganzen Welt in die Fresse hauen.

Was für eine einmalige Chance, sich da ganz vorne zu plazieren! Der Italiener Lischi setzt sich kurz nach Kirchdorf ab, fährt die letzten 7 km an der Spitze und gewinnt mit 18 Sekunden Vorsprung, dahinter folgt eine 21köpfige Verfolgergruppe, in der ich auch dabeigewesen wäre. Zum Haareausraufen!

Ergebnis Kategorie F (Jahrgang 1957-59): 1. Rossano Lischi (Italien) 1:49:16 (Siegerschnitt 41,73 km/h), - 2. Enrico Busch (BRD) -0:18, - 3. Hans Jörgen Hellerup (Dänemark), - 4. Gerard Aviegne (Frankreich), - 5. Alfio Maracani (Italien), - 6. Dario Grisenti (Italien), - 7. Maas van Beek (Niederlande), - 8. Marjan Srnel (Slowenien), - 9. Claudio Bichi (Italien), - 10. Giuseppe dello Marino (Italien), alle gleiche Zeit

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Mittwoch, 26. August 2009: Einzelzeitfahr-Weltmeisterschaft in Erpfendorf, 20,2 km

Rennstrecke: Erpfendorf - Loferberg, Wende - Erpfendorf, 20,2 km, 40 Höhenmeter, Start 13.37, 30 Sekunden Startintervalle

Wetter: sonnig, heiß, anfangs neblig, später starker NO-Wind, 28°

Organisationschef Harald Baumann (links) mit dem Schirmherr der UCI-Master-Zeitfahr-WM, Ex-Profiweltmeister Francesco Moser, der es sich nicht nehmen ließ, seine italienischen Landsleute auf Italienisch zu begrüßen.

Profil Zeitfahren

MAP St. Johann

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die letzten Sekunden vor dem Start

 

Ich starte um 13.37.30 Uhr

Rennverlauf: Gemischte Gefühle beim Start, eine halbe Minute vor mir der Australier Mark Bowden, eine Minute vor mir Gerhard Mosler. Beide sehe ich nicht, den Australier kann ich anfangs auf Distanz halten, die 30 Sekunden Startabstand halte ich ziemlich lange konstant (etwa 3 km lang!), kurz vor der Wende ist er aber weg. Ich wende nach ziemlich genau 17 Minuten. Eine schwache Zeit. Aber es läuft einfach nicht.

 

Gestartet!

Der Schweizer Brand holt mich ein, der Deutsche Rippstein ebenfalls. Auf der Rückfahrt dann flitzt Jens Mateyka wie ein gedrungener Kugelblitz an mir vorbei, wenig später auch noch Sebastian Pfisterer. Und kurz vor dem Ziel auch noch ein rasend schneller Paul Humiston. Ich bin heilfroh, als ich im Ziel bin und das Debakel ein Ende hat. Das wart wohl nichts heute.

 

 

Der Kampf gegen die Uhr beginnt

Auf den letzten Kilometern

Kurz vor dem Ziel

Auf den letzten Metern

Ergebnisse Kategorie 4: 1. Dimitri Buben (Weißrußland) 25:01 (Siegerschnitt 47,96 km/h), - 2. Txomin Oronoz Gonzalez (Spanien) -0:35, - 3. Jens Mateyka (ARBÖ Wiener Allianz RC Schnecke Wien) -0:39, - 4. Michael Bornak (Dänemark) -0:53, - 5. Milos Brecelj (Slowenhien) -0:54, - 6. Paul Humiston (USA) -1:06, - 7. Mark Bowden (Australien), gleiche Zeit, - 8. Michael Pfeil (BRD) -1:07, - 9. Theo Joosten (Niederlande) -1:11, - 10. John Novitsky (USA) -1:16, weiters: 47. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) -4:51

 

Donnerstag, 27. August 2009: Straßenweltmeisterschaft um den Großen Preis der Tiroler Wasserkraft in St.Johann/Tirol, 76 km

Rennstrecke: St.Johann/Tirol - Huberhöhe - Griesenau - Schwendt - Kössen - Loferberg - Erpfendorf - Kirchdorf/Tirol - Litzlfelden - St.Johann/Tirol, 2 Runden = 76 km, 190 Höhenmeter pro Runde = 380 Höhenmeter, Start 13.10 Uhr

Wetter: heiß, sonnig, leichter N-Wind, 29°

Rennverlauf: Nach dem gestrigen Zeitfahren folgt heute gleich das Straßenrennen. Ich habe es mir ganz fest vorgenommen, heute bis zum Umfallen hinzuhalten. Naja, das werde ich auch müssen, wenn ich bis zum Schluß dabeisein will. 92 Fahrer kämpfen diesmal auf das begehrte dunkelblaue WM-Trikot mit dem UCI-Logo auf der Brust.

Nach der Aufgabe beim Weltpokal und der doch enttäuschenden Leistung beim Zeitfahren ist das heute der letzte Auftritt bei der diesjährigen WM.

Der Anstieg zur Huberhöhe beginnt, ich bin in der Mitte zu erkennen, wurde auf den ersten 2 km schon bis ans Ende des Feldes durchgereicht

Brutales Tempo über die Huberhöhe, ich bin am rechten oberen Rand zu sehen

Wieder dasselbe Szenario wie schon am Montag, nur daß diesmal die Stürze zu Beginn ausbleiben. Aber ich muß gewaltig hinhalten, ich wurschtle mich irgendwie über die Huberhöhe, habe oben auf der Kuppe eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 36 km/h!

UCI Masters WM St. Johann in Tirol

Anstieg auf die Huberhöhe

MAP St. Johann

Wieder muß ich auch in der Abfahrt hinhalten, im nächsten Anstieg nach Schwendt, in der langen Abfahrt nach Kössen runter, wir haben dort einen Schnitt von 42 km/h!, dann aus Kössen raus die nächste Tempoverschärfung, denn es geht jetzt um die Positonskämpfe für den Anstieg auf den Loferberg. Als wir auf diesen Anstieg rechts einbiegen, kommt es ganz vorne bei den ersten Positionen zu einem Sturz. Ein Fahrer rutscht weg, ein paar andere kugeln drüber. Sofort ist ein kleines Loch da, und das muß ich jetzt im Anstieg zufahren. Wie ich das liebe! Puls 196 oben auf der Kuppe!

Der Rest der Runde ist hohes, gleichmäßiges Tempo, aber das ist auch brutal genug. Als ich das erste Mal endlich tief durchatmen kann, geht es gerade zum zweiten Mal in die Huberhöhe rein. Wieder heißt es hinhalten, die letzten Kräfte mobilisieren. Der Rest dieses Rennens verschwimmt in einem Meer aus Qualen, Schmerzen, Hinhalten, Überwinden, Schweiß und Herzpochen. Ich weiß nicht, wie ich es geschafft habe, mich im Feld bis ins Ziel mitzuschummeln. Von dieser Anstrengung habe ich mich auch Stunden nach dem Zieleinlauf noch nicht erholt.

Ergebnisse Kategorie 5: 1. Gerard Aviegne (Frankreich) 1:47:14 (Siegerschnitt 42,52 km/h), - 2. Mathias Grünig (BRD), gleiche Zeit, - 3. Michael Barfoed (Dänemark) -0:05, - 4. Jean-Claude Bougouin (Frankreich) -0:17, - 5. Radoslav Krummer (Tschechien), - 6. Petr Drahos (Tschechien), - 7. Bostjan Slak (Slowenien), - 8. Hans Jörgen Hellerup (Dänemark), - 9. Enrico Busch (BRD), - 10. Freddy Keller (Niederlande), - weiters: 45. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl), alle gleiche Zeit

 

Samstag, 29. August 2009: Straßenrennen in Pordenone/Localita La Torre, 59,2 km

Rennstrecke: Pordenone/Localita La Torre - La Comina - Cordenons - Sclavons - Pordenone/Localita La Torre, 8 Runden á 7,4 km = 59,2 km, 15 Höhenmeter pro Runde = 120 Höhenmeter, Start 15.30 Uhr

Wetter: sonnig, heiß, starker NW-Wind, 29°

Rennverlauf: Dieses Rennen bin ich schon im Vorjahr gefahren, heuer allerdings müssen wir eine Runde mehr absolvieren. Ist mir nur recht. Der Kurs ist relativ schwer, liegt frei im Wind, und nach dem Start wartet eine 1200 m lange Steigung auf uns, die zwar nur 15 Höhenmeter aufweist, aber im starken Gegenwind sehr schwer ist.

81 Fahrer nehmen das Rennen auf, alle Favoriten der Provinz sind dabei. Und wie üblich, wird gleich vom Start weg hohes Tempo gefahren und hemmungslos angegriffen. Viele Fahrer probieren es, alleine oder in kleinen Gruppen. Meine Taktik, mich auf Pangos und Tarlaio zu konzentrieren, erweist sich als Flop, denn die beiden fahren eine völlig unterschiedliche Taktik: Tarlaio fährt auf Sieg, offensiv und angriffslustig wie eh und je, Pangos hat keine gute Form, kompensiert das mit Abwarten und Zuschauen, und wenn eine erfolgversprechende Gruppe weg ist, dann versucht er nachzufahren, natürlich alleine. Ideale Taktik für mich: auf Tarlaio aufpassen, und wenn ich den übersehe, mit Pangos nachfahren. Naja, das ist halt die Theorie.

Wie schnell die über den Haufen geworfen wird, sehe ich schon in der 2. Runde, als Tarlaio in einer Spitzengruppe weggefahren ist, ich nicht reagieren konnte (der Hundesohn ist verdammt schnell vom Ende des Feldes nach vorne an die Spitze gefahren und ehe ich mich´s versehen habe, war er auch schon vorne entwischt!), dann hat sich eine Verfolgergruppe mit Pangos gebildet, da war ich wieder nicht dabei. In der 3. Runde aber war wieder alles beisammen, Feld geschlossen.

In der 6. und der 7. Runde wurde dann wieder auf Teufel komm raus angegriffen, die Favoriten waren da unter sich, aber es konnte sich niemand entscheidend absetzen. Immer wieder dieselben Namen: Tarlaio, Maracani, Ex-Profi Geremia, Ex-Profi Volpato, die Konter kamen dann immer wieder von Pangos.

Erst gegen Ende der 7. und vorletzten Runde konnte sich eine größere Gruppe entscheidend absetzen, mit dem letzten Quentchen Kraft war ich auch dabei. Und ich war in prominenter Gesellschaft: lauter Ex-Profis, Ex-Elitefahrer, richtige prominente Persönlichkeiten also, waren in dieser Gruppe, mit mir waren es 25 Fahrer, als wir in die letzte Runde gingen, hatten wir knappe 15 Sekunden Vorsprung.

Der Abstand wurde schnell größer, und etwa 5 km vor dem Ziel war es klar, daß aus unserer Gruppe der Sieger kommen würde. Irgendwann mal muß ich als einer der schwächsten Sprinter dieser Gruppe eine Entscheidung treffen, und so nahm ich mir vor, das Hinterrad von Alfio Maracani zu nehmen, der mir einen sehr starken Eindruck machte.

Es war schon schwer, im Tumult der Zielanfahrt dieses Hinterrad zu halten, aber es ist mir gelungen, bis er etwa 400 m vor dem Zielstrich einen harten Bodycheck auf die rechts Schulter bekam, mit einem riesigen Schlenker einen Sturz gerade noch vermeiden konnte, dadurch aber aus dem Kreis der Favoriten rauskatapultiert wurde. Instinktiv bin ich links vorbeigeschossen und war plötzlich alleine, ohne Hinterrad. Aber ich habe nicht mehr überlegt, bin mit 50/12 einfach drauflosgespurtet und habe - dank der Vorarbeit von Maracani - noch einen tollen 8. Rang herausgefahren! Danke, Alfio!

Ergebnisse Kategorie Gentlemen: 1. Riccardo Tarlaio (GS De Luca Renault Portotecnica Portogruaro  1:23:34 (Siegerschnitt 43,2 km/h), - 2. Bojan Ropret (GS Barbariga), - Gianluca Geremia (Cicli Maggi), - 3. Stefano Volpato (Vigorbike Gammafrutta)  - 4. Ennio Salvador (Team Salvador), - 5. Michele Rezzani (Gianluca Faenza), - 6. Claudio Pangos (Bici per Haiti), - 7. Diego Palamin (Cicli Spezzotto), - 8. Robert Bartonek (GS Tecnoimpianti Padova), - 9. Mitja Oter (GS Barbariga), - 10. Marco de Polo (Team Salvador), alle gleiche Zeit

 

Sonntag, 30. August 2009: Straßenrennen um den Großen Alpe-Adria-Preis in Adorgnano di Tricesimo, 85,5 km

Rennstrecke: Adorgnano di Tricesimo - Tricesimo - Fraelacco - Loneriacco - Molinis - Nimis - Qualso - Vergnacco - Adorgnano di Tricesimo, 5 Runden á 17,1 km = 85,5 km, 135 Höhenmeter pro Runde = 675 Höhenmeter, Start 10.15 Uhr

Wetter: sonnig, heiß, leichter N-Wind, 31°

Rennverlauf: Auch dieses selektive Rennen mit den zahlreichen Anstiegen bin ich im Vorjahr gefahren, auch damals eine Runde kürzer, diesmal sind 85 km zu bewältigen. 122 Fahnrer aus drei Nationen (Italien, Slowenien, Österreich) kämpfen auf der kupierten 17,1-km-Runde um den Sieg.

Hier werden - typisch italienisch halt - eigentlich zwei Rennen gefahren: eines vorne um den Sieg, da wird attackiert, weggefahren, wie gehabt, alleine oder in kleinen Gruppen, das zweite Rennen entspinnt sich hinten, nämlich ein Ausscheidungsrennen, da geht es gegen das Abreißen. Hinten wird das Feld laufend kleiner, nach vorne hin tut sich nichts Entscheidendes. Zu gering sind die Niveauunterschiede, zu hoch das Tempo, zu schwer der Kurs, zu aufmerksam die Favoriten. Da werden immer wieder alle Ausreißer zurückgeholt. Nach 2 Runden sind wir nur mehr ca. 45 Mann, die für den Sieg in Frage kommen. In der dritten Runde wird dann das Tempo rigoros erhöht, die Entscheidung liegt förmlich in der Luft.

Dann ist es soweit, ist kommt, wie es kommen muß: das Feld reißt auseinander, eine kleine Gruppe, acht Mann, mit allen Favoriten setzt sich ab, Tarlaio und Ropret sind darunter. Pangos wie erwartet nicht. Ich konzentriere mich auf ihn, aber es dauert, bis er endlich aktiv wird. Mit 1:20 Minuten Vorsprung geht diese Achtergruppe in die Schlußrunde.

Etwa 1,5 km nach der Zieldurchfahrt können sich sechs Verfolger aus dem Feld lösen, angeführt und initiiert von Pangos, kann ich ebenfalls in dieser kleinen Gruppe unterkommen. Das Tempo überfordert mich, ich kann kaum mithalten, fahre bei jeder Führung nur einfach so durch, das Tempo liegt bei 54 bis 58 km/h, das übersteigt mein Leistungsvermögen. Ich muß den Schaden begrenzen, komme kaum mehr zum Verschnaufen, meist drücke ich mich vor der Führungsarbeit. Ich darf keinen Meter preisgeben, sonst fliege ich unweigerlich aus dieser Gruppe raus. Und das Unwahrscheinliche geschieht: die Spitzengruppe war sich anscheinend ihrer Sache zu sicher, und so können wir ca. 6 km vor dem Ziel doch noch aufschließen. 

Und damit bin ich wieder mitten im Kampf um den Sieg dabei, 6 km vor dem Ziel kommen also noch 14 Mann für das oberste Podest in Frage. Ich kann nicht mehr aktiv fahren, dazu fehlen mir Kraft, Energie und Luft, ich entschließe mich wieder für ein Hinterrad, diesmal für das von Tarlaio, hinter dem ich mich festbeiße. Und diese Wahl ist goldrichtig: 1,5 km vor dem Ziel, bei einer kleinen Straßenüberfahrt, Steigung ca. 3 bis 4 %, aber die tun verdammt weh, tritt Tarlaio an. Ich habe es kommen sehen, er hat sich vorher noch einmal umgeblickt. Und im Bruchteil einer Sekunde ist mir klar, daß ich die Zähne zusammenbeißen werde. Was habe ich schon zu verlieren? Nichts. Bei einem Sprint von 14 Mann komme ich nicht unter die ersten zehn, also bleibt mir nur mehr das Risiko.

Was der Junge als Profi auf seine Erfolgsliste gepackt hat, wird mir in dem Moment klar, in dem er die Kurbeln aus schierer Kraft verbiegt, aus den Augenwinkeln heraus spüre ich, daß da noch ein oder zwei Mann mitspringen. Aber wer? Egal, ich muß jetzt auf mich schauen, ich habe nur Tarlaios Hinterrad im Blickwinkel. Die Oberschenkel scheinen beinahe zu zerplatzen, der Schmerz scheint unüberwindlich, aber jetzt nist es schon egal, jetzt heißt es hinhalten und draufbleiben. Es geht bergab, wir fliegen runter, dann eine kleine Mulde, die Straße steigt wieder an. Schnurgerade bis zum Zielstrich, eine Steigung von ca 1 bis 1,5  %, nur jetzt keinen Gedanken mehr fassen, das kostet nur Kraft. Tarlao zieht brutal hart den Sprint bereits bei der 1000-m-Marke an, blickt sich kein einziges Mal um, ich kann nicht mehr, muß reißen lassen, da schiebt sich der Slowene Marjan Srnel an mr vorbei und füllt die Lücke aus. Jetzt hänge ich halt an seinem Hinterrad.

Ich sehe noch die 500-m-Marke vorbeifliegen, dann muß ich endgültig reißen lassen. Nein, da kann ich nicht mithalten. Heute nicht. Und obwohl ich keinen einzigen Tritt mehr zustande bringe, flitze ich mit über 40 km/h über den Zielstrich, leider als Sechster und Letzter der Gruppe. Aber egal, für mich ist der Moment der Zieldurchfahrt wie der Eintritt ins Paradies. Ich brauche geschlagene 10 Minuten, bis ich wieder halbwegs rythmisch atmen kann!

Bojan Ropret ist der - etwas überraschende - Sieger des Alpe-Adria-Straßenpreises!

Ergebnisse Kategorie Gentlemen: 1. Bojan Ropret (GS Barbariga) 2:02:15 (Siegerschnitt 41,6 km/h), - 2. Riccardo Tarlaio (GS De Luca Renault Portotecnica Portogruaro), - 3. Claudio Pangos (Bici per Haiti), - 4. Alfio Maracani (GS Frenocar), - 5. Marjan Srnel (GS Barbariga), - 6. Robert Bartonek (GS Tecnoimpianti Padova), alle gleiche Zeit, - 7.  Michele Mascheroni (Team Chiappucci) -0:15, - 8. Michele del Bianco (CIMA SIAI) , - 9. Gianluca Geremia (Cicli Maggi), - 10. Ales Hren (Cicli Spezzotto), alle gleiche Zeit

 

Montag, 31. August 2009: Internationales Straßenrennen um den Großen Preis der Stadt Taino, 90 km

Rennstrecke: Taino - Lentate Verbano - Osmate - Cadrezzate - Monate - Brebbia - Euratom - Barza - Barzola - Angera - Cheglio - Taino, 4 Runden á 22,5 km = 90 km, 225 Höhenmeter pro Runde = 900 Höhenmeter, Start 14.00 Uhr

Wetter: heiter, sonnig, heiß, mäßiger N-Wind, 31°

Rennverlauf: Valter Santeroni, frischgebackener Vizeweltmeister aus Sankt Johann/Tirol, war der Star des Rennens. 136 Fahrer aus 5 Nationen (Italien, Slowenien, Ungarn, Schweiz, Österreich) waren am Start versammelt, um auf diesem sauschweren Rundkurs mit 5 Steigungen den Sieger zu küren. Vorjahrssieger dieses Klassikers, der heuer bereits zum 67. Male stattfindet und damit einer der Ältesten in Italien ist: ebenfalls Valter Santeroni! Der Hans hat gemeint, in der Gegend um Mailand sind die stärksten Rennfahrer Italiens daheim - ich bin also sozusagen in der Höhle des Löwen! Aber jetzt MUSS ich einfach meine ausgezeichnete Form beweisen, und das geht jetzt - nach der enttäuschenden WM in St.Johann - nur mit einem Stockerlplatz bei einem sehr gut besetzten internationalen Rennen, also einem wie dem hier.

Gleich nach dem Start zieht der erste Anstieg das Feld in die Länge, die ersten Fahrer reißen hier bereits ab. Der Anstieg ist einen guten Kilometer lang und ziemlich flach, vielleicht 3 bis 3,5 % nur - aber das  Tempo macht ihn schwer. Und nach Lentate Verbano der zweite Anstieg, kurz und steil, unrhythmisch, der tut wirklich richtig sauweh. Dahinter geht es auf schnurgerader Abfahrt runter zum malerisch gelegenen Lago di Monate. Auf der linken Seite wird der See zur Hälfte umrundet, das Tempo ist hoch, andauernd wird attackiert, der typisch italienische Rennverlauf halt. Ich darf mich da nicht reinziehen lassen, muß Geduld üben, aber dennoch immer präsent sein. Hinter Monate dann der längste Anstieg, 1,8 km geht es mit bis zu 5 % bergrauf, dann leicht runter nach Brebbia. Eine 5-Mann-Gruppe hat dort etwa 20 Sekunden Vorsprung, aber niemand nimmt das Ernst.

Zwischen Barza und Barzola wartet der vierte Anstieg, kurz, knackig, steil, etwa 12 %, aber eben nur gerade mal 400 Meter lang. Aber wenn dort das halbe Feld mit dem großen Blatt derübernagelt, kann man sich vorstellen, was das für ein Tempo ist! Leichte Abfahrt nach Angera runter, etwa 2 km lang, runter an das Ufer des Lago Maggiore, von dort folgt dann der schwerste Anstieg des ganzen Rundkurses, über Cheglio rauf nach Taino zum Ziel. Zwei Kilometer lang, in der Ortschaft Taino sind dann ein paar Steilstücke mit bis zu 10 % drin, und das auf Kopfsteinpflaster!

Dort oben fährt dann auch eine vierköpfige Verfolgergruppe weg, schließt in der 2. Runde dann zur Spitze auf, Santeroni ist aber dann im Feld neben mir, also bleibe ich auch ruhig. Hätte auch gar nichts anderes machen können, denn zeitweise fahre ich am Anschlag! Ich muß die Steigungen ganz vorne fahren, mit den Allerersten, immer auf den letzten Metern falle ich etwas zurück. Dort wird dann schon drübergesprintet, das zerstört meinen Rhythmus, ich verliere dort immer viele Positionen. In der 2. Runde gibt es entlang des Lago di Monate, am längsten Flachstück des Rundkurses (ca 4 km) eine wilde Fetzerei, die in einem fürchterlichen Gemetzel mündet.

Lago di Monate

Ich bin in der zweiten Gruppe, die sich aus dem Feld gebildet hat, als es die Steigung nach Brebbia rüber geht. Gleich zu Beginn der Steigung habe ich große Probleme, falle aus der Gruppe zurück, kann aber oben auf der Kuppe mit dem letzten Rest Energie wieder reinsprinten. In der Abfahrt kommen wieder ein paar Fahrer dazu, in Brebbia sind wir 25 Mann, vorne sind 9 Mann an der Spitze, auf den langen Geraden sehen wir sie, zu Beginn der Zielsteigung liegen sie etwa 30 Sekunden vorne. Das ist gerade so viel, daß meine Gruppe wild in den Berg reinsprintet, weil sie meinen, daß sie den Vorsprung auf der Stelle gutmachen müssen, mit dem Ergebnis, daß ich wieder zurückfalle. Ich weiß, wie wichtig dieser Anstieg für das gesamte Rennen ist, ich quäle und schinde mich, ich wurschtle mich irgendwie den Berg rauf und durchs Ziel, liege nur 30 Sekunden hinter der großen Gruppe, in der kurzen Abfahrt komme ich zwar näher ran, aber ein kleines Loch bleibt, dann beginnt sofort der nächste Anstieg, der erste der 3. Runde.

Mein Glück: dort wird ganz wild gemetzelt, eine größere Gruppe reißt vorne ab, an die ich bis zur Kuppe gerade noch rankomme. In der Abfahrt findet die ganze Gruppe dann wieder zusammen, doch nicht die ganze Gruppe, denn ich zähle dann nur mehr 16 Mann.

Die Hitze tut ihr übriges, die Spitze wird langsamer, wir kommen näher. Als es raus zum Lago di Monate geht, fällt eine Vorentscheidung: Santeroni tritt an, reißt ein paar Fahrer mit, und fährt wild und entschlossen alleine das 10-Sekunden-Loch zur Spitzengruppe zu. Wieder so ein entscheidender Moment, an dem ich präsent sein MUSS. Also zwinge ich mich ans Hinterrad des Italieners, in Monate haben wir die Spitze gestellt. 14 Mann sind wir vorne, der Vorsprung ist knapp, aber hinten wird auch nicht mehr so wild gefahren. Der nächste Anstieg, wieder fahre ich am Anschlag, rüber nach Brebbia verlieren wir wieder zwei Mann, und jetzt ist danach ein wilder Kampf entbrannt, da attackiert jeder einzeln und scheinbar unüberlegt. Ich halte mich da raus, ich könnte ja auch gar nicht da mitfighten, Santeroni fährt unmittelbar vor mir und reagiert auch nicht.

Ausscheidungsrennen auf selektivem Rundkurs

Langgezogen jagt die Gruppe runter nach Angera, dann geht es gleich wieder rauf zum Ziel nach Taino. Santeroni schiebt sich unauffällig nach vorne, ich bin an seinem Hinterrad. 12 Mann sind wir stark, als der Zielanstieg beginnt. Ich fahre aufmerksam, halte konsequent das Hinterrad Santeronis, der fährt wenigstens ziemlich gleichmäßig. Die Steilstufen sind verdammt schwer, ich quäle mich über meinem Limit mit, ich weiß auch nicht, wie ich da dranbleibe. Die Gruppe platzt auseinander. Vorne ein einzelner Fahrer, dahinter eine 3-Mann-Gruppe, dann langgezogen der Rest, angeführt von Santeroni, ich gleich dahinter. Ich sehe nur ihn bzw. sein Hinterrad, lasse mich nicht abschütteln. Egal, was die anderen machen, die interessieren mich nicht. Er ist meine Garantie, wenn ich ihn halten kann, dann bin ich vorne. Die anderen kenne ich nicht, das wäre mir viel zu riskant. Und eine unrhythmische Fahrweise wäre jetzt mein Tod.

Auf den letzten Metern kann ich ihn nicht mehr halten, ich fahre als Achter durchs Ziel, in die letzte Runde, ich liege ca. 15 Sekunden zurück, aber in der Abfahrt quäle ich mich mit dem letzten Rest Kraft in meinen Muskeln wieder hin, der Rest hinter mir reißt ab, es bildet sich eine zweite Gruppe. Und ich bin vorne dran!

Nur jetzt keine Abenteuer mehr, schön unauffällig bleiben, immer hinhalten, mitfahren, gleichmäßig fahren. Zum letzten Mal geht es runter an den Lago di Monate, um den halben See herum, das Renngeschehen beruhigt sich etwas, immer wieder sehen sich die Fetzenschädeln an, das Tempo schläft richtiggehend ein. Dennoch kommt von hinten niemand mehr. Wo sind die denn alle? Dann wieder eine halbherzige Attacke, das Tempo schnellt hoch, und das tut furchtbar weh. Lange kann ich diese furchtbare Fahrweise nicht mithalten, und als es beim Euratom vorbei nach Barza zum vorletzten Anstieg geht, denke ich mir: was habe ich denn schon zu verlieren? Auf mich sieht keiner, achtet keiner, mich kennt hier sowieso keiner, und so nehme ich mir vor, oben auf der Kuppe mit der ganzen Gewalt, die noch in mir ist, anzutreten und wegzufahren - sollte ich dann noch in der Gruppe drin sein!

Zielanstieg

Brutal schwerer Anstieg in Cheglio, 1,5 km vor dem Ziel

Gesagt, getan, der Anstieg wird auch irgendwie verhalten gefahren, ist mir kein Problem, und oben auf der Kuppe fliege ich dann von hinten kommend, aus der achten und letzten Position, ganz links an allen vorbei. Nicht in meiner üblichen Art, langsam und unscheinbar wegschleichend, sondern mit aller Gewalt und Rohkraft. Am Schatten sehe ich, daß einer mitspringt, es muß Santeroni sein, ich trete gleich noch einmal an, und sofort ist er weg.

Das Herz schlägt wie eine Kirchturmuhr bis zum Hals, der zu platzen scheint, ich mache mich ganz klein, es geht runter, mit Rückenwind. Die Anstiege sind alle von der schlimmen Art, daß sie in der Gruppe sehr viel schneller gefahren werden, als dies von einem einzelnen möglich ist. Und jetzt habe ich nur mehr einen Anstieg vor mir, den letzten, die letzten 2,5 km hinauf zum Ziel. Ich brauche da natürlich einen entsprechenden Vorsprung. Also geht es jetztin der Abfahrt und dann im kurzen Flachstück um jeden Meter, um jede Sekunde. Ich blicke nicht zurück, traue mich nicht. Ich höre nichts, kein Röcheln, kein Keuchen, noch bin ich alleine. Hohes Tempo runter nach Angera, dann mit starkem Seitenwind zurück Richtung Taino. Viel zu schnell vergeht das Flachstück, viel zu schnell ist der Schlußanstieg erreicht.

Von Monate nach Brebbia geht es den Berg hoch

Wie gesagt: was habe ich schon zu verlieren? Also rein in die Steigung mit vollem Tempo, mit allem, was ich habe. Gleich zu Beginn muß ich für klare Verhältnisse sorgen, schließlich dürfen die hinter mir nicht glauben, daß sie mich noch einfangen können. Als ich mich etwa 1,5 km vor dem Ziel zum ersten Mal umdrehe, sehe ich niemanden. Das gibt Hoffnung und vor allem Kraft. Ich schalte. Zum erstenmal fahre ich diesen Anstieg mit dem großen Blatt, mit 50/21, die Steilstufen muß ich mit 23 meistern. Noch 1000 Meter, und noch immer liege ich solo in Führung!

Ich beginne die Kurven zu schneiden, die Ideallinie zu fahren, Cheglio ist erreicht, ist gleich durchfahren, ich bin in Taino. Jetzt kommt das Kopfsteinpflaster, die ruppigen Anstiege mit über 10 % Steigung. Nicht umdrehen, hohe Frequenz, alle Kraft in die Pedale, rund treten, nicht denken, nur die Beine kreisen lassen. Immer und immer wieder. Es brennt und sticht in den Oberschenkeln, in den Lungenflügeln, rauf zum Hals, die Luft wird knapper, obwohl ich den Mund aufreiße wie eine Boa, wenn sie ein Schwein verschlingt. Noch 500 Meter. Ob sich das wirklich ausgeht? Egal, jetzt kann ich sowieso nichts mehr machen, ich kann nur mehr so weiterfahren, wenn es sich ausgeht, habe ich Glück gehabt.

Und wie es sich ausgeht! Noch 200 Meter, die Zielgerade ist erreicht, eine letzte schmerzhafte Bodenwelle, ich steige aus dem Sattel, wuchte die 50/21 drüber, jetzt geht es gerade ins Ziel, die Leute rechts und links toben, aber ich höre nichts. Wie in Trance fahre ich über den Zielstrich. Habe ich gewonnen? Ich weiß es nicht mal, habe nicht bemerkt, daß jemand vorbeigefahren wäre. Also habe ich doch gewonnen!

Ergebnisse Kategorie Gentlemen: 1. Robert Bartonek (GS Tecnoimpianti Padova) 2:23:35 (Siegerschnitt 39,2 km/h), - 2. Valter Santeroni (Team Carimate Kuota) -0:13, - 3. Matteo Villa (Team Carimate Kuota) -0:17, - 4. Angelo Archetti (Tekno Bike Team), gleiche Zeit, - 5. Herbert Niederberger (VC Lugano) -0:23, - 6. Francesco Belotti (Team Tex) -0:29, - 7. Giuseppe Gianoni (Club Lombardia Team) -0:38, - 8. Ugo Mora (Edilmora Cycling Team) -0:47, - 9. Valter Scotti (GS Team De Rosa) -1:48, - 10. Pierfranco Toninelli (Sprint Bike Lumezzane) -2:15

 

Dienstag, 1. September 2009: Rundstreckenrennenum den Gran Premio Jerago in Gallarate, 59,4 km

Rennstrecke: Rundkurs in Gallarate im Industriegebiet, 33 Runden á 1,8 km = 59,4 km, Start 10.15 Uhr

Wetter: sonnig, heiß, starker N-Wind, 33°

Rennverlauf: Ende meiner Viertage-Tournee im italienischen Tessin: ein weiterer Traditionsklassiker steht am Programm, das Rundstreckenrennen um den GP Jerago in Gallarate. Draußen zwischen Gallarate und Cardano al Campo, vor dem Flughafen, im Industriegelände, ist ein idealer 1,8-km-Rundkurs abgesperrt. Schöne breite Straße, herrlich glatter Asphalt, keine Ecken, weite Kurven, schön und schnell zu fahren.

Ich tue mir wahnsinnig schwer in diesem Rennen, denn vom Start weg kann ich mich nur schlecht konzentrieren. Immer noch im Hochgefühl des tollen Sieges vom Vortag, merke ich anfangs gar nicht, wie sehr alle auf mich schauen. Allen voran Valter Santeroni, der große Geschlagene des Vortages, obwohl dort Zweiter. Aber diesmal hat er sein gesamtes Team als Helfer zur Hand, die nehmen die ersten Positionen in Beschlag, sind tempoharte Bolzer, also ideal für diesen Rundkurs. Hier habe ich nichts zu melden.

Die Attacken in den ersten Runden kümmern mich auch nicht, werden auch nimmer wieder neutralisiert. Und immer wieder vom Carimate-Kuota-Team von Santeroni, also schließe ich daraus, daß keine Gruppe wegkommt, wenn nicht einer von diesem Team dabei ist. Aber die probieren es ja nicht einmal, die holen nur zurück und stopfen die Löcher. Also führt der Sieg nur über Santeroni. Ich halte mich zurück.

Es dauert eine ganze Weile, bis ich langsam in das Rennen reinfinde. Ich arbeite mich im Feld nach vorne, immer wieder ist eine kleine Gruppe vorne weg, wird aber immer wieder zurückgeholt. Mehr als 5 bis 8 Sekunden kommt niemand weg. Das Tempo ist unglaublich hoch, mit ein Grund, weshalb da niemand entscheidend wegkommt. Also abwarten. Meine Spezialität.

In der 25. Runde tritt Santeroni zum ersten Mal selbst in Aktion. Er fährt einem Schweizer nach, aber warum? Besser, ich achte auf diesen Schweizer auch, der scheint gefährlich zu sein. Warum sonst haben die Hausherren die Hosen voll wegen ihm? Aber den sehe ich nicht mehr, er bleibt dann hinten im Feld, kommt nicht mehr nach vorne.

Kaum wird das Tempo mal etwas langsamer, fahre ich sofort ein paar Positionen nach vorne. In der 29. Runde bin ich zum erstenmal in den top-10-Rängen. Jetzt scheint es zu laufen, ich habe keine Schwierigkeiten, dieses Tempo mitzuhalten. In der 31. Runde ist es dann so weit, das Carimate-Kuota-Team nimmt das gesamte Feld auf die Kante, erhöht das Tempo noch einmal, wir fahren jetzt über 50 km/h, und eine Runde später, es ist die vorletzte, reißt das Feld auseinander. Aber bei dieser bilderbuchhaften Vorarbeit habe ich natürlich damit gerechnet und war zur Stelle, als es in die Schlußrunde geht, sind wir 12 Mann vorne weg, etwa 15 Sekunden Vorsprung. Santeroni ist dabei, aber auch gleich vier seiner Helfer. Naja, das war´s dann wohl, das Tempo fällt in dieser Schlußrunde nicht mehr unter 50 km/h - da kommt niemand weg. Erwartetes Ergebnis: Santeroni wird der Spurt ideal angefahren, er gewinnt beinahe mühelos, ich weiß aber nicht, ob das eine Entschädigung für gestern ist. Ich fürchte nicht. Denn er sieht mich zwar triumphierend an, als ich 100 Meter nach dem Ziel an ihm vorbeirolle, aber er kann mich nicht darüber hinwegtäuschen, daß das viel wichtigere Rennen nicht an ihn gegangen ist! Ich werde Achter, das ist mehr, als ich erwarten konnte.

Valter Santeroni ist klarer Sieger

Ergebnisse Gentlemen: 1. Valter Santeroni (Team Carimate Kuota) 1:16:35 (Siegerschnitt 47,9 km/h), - 2. Matteo Villa (Team Carimate Kuota), - 3. Urs Steiger (VC Mendrisio), - 4. Arno Graf (VC Lugano), - 5. Carlo Cugoni (GS Cicli Spezzotto), - 6. Angelo Archetti (Tekno Bike Team), - 7. Pierfrano Toninelli (Sprint Bike Lumezzane), - 8. Robert Bartonek (GS Tecnoimpianti Padova), - 9. Roberto Meneghetti (GS Busto Arsizio), - 10. Ugo Spallate (VC Varese), alle gleiche Zeit

 

Samstag, 5. September 2009: Bergrennen Hartberg - Masenberg, zugleich Österreichische Berg-Staatsmeisterschaft, zugleich Steirische Landesmeisterschaft, 31,1 km

Rennstrecke: Hartbgerg - Seibersdorf - Obersafen - Untersafden - Eggendorf - Hartberg - Ringkogel - Masenberbg, Olmstoll, 31,1 km, 965 Höhenmeter, Start 14.10 Uhr

Wetter: warm, starker N-Wind, leicht bewölkt, 22°

Höhengrafik

Streckenführung

Rennverlauf: Nach all den Aufregungen im Vorfeld des Rennens um die Autoreparatur wenige Stunden vor dem Start war ich dann heilfroh, als ich endlich auf der Rennstrecke unterwegs war. Da war es mir irgendwie auch wurscht, daß alle Kategorien der Klassen 2 bis 6 zusammengelegt wurden und nicht wie in der Ausschreibung vorgesehen, extra gestartet wurden.

Zügiges Tempo nach dem Start auf der Bundesstraße in Richtung Norden, und es dauert auch nicht lange, bis die ersten Angriffe kommen, noch zaghaft, und sie werden auch sofort wieder neutralisiert. Dann aber, nach etwa 8 km, die erste ernsthafte Attacke: Peter Grasser setzt sich ab, kämpft verbissen gegen den starken Wind, der ihn direkt von schräg links vorne trifft, um jede Sekunde und jeden Meter. Es dauert nicht lange, dann setzt Rudi Hansl nach. Ich zögere noch, soll ich jetzt nachfahren? Das sind wahrlich nicht die Männer, mit denen ich vorne gegen den Wind fahren möchte. Nein, ich warte noch ab. Wenn die richtige Mischung nicht zustandekommen sollte, dann fahre ich eben nicht weg. Sowas sollte man nur bei idealen Voraussetzungen machen.

Die Entscheidung wird mir abgenommen, als kurz vor der Wende der Tiroler Michi Plattner nervös nachsetzt. Und den darf ich nun wirklich keine Sekunde weglassen. Die anderen kennen ihn anscheinend gar nicht, denn niemand reagiert. Sofort hänge ich mich an, und als wir in Seibersdorf nach rechts in die Gemeindestraße Richtung Hartberg einbiegen, sind wir vier Fahrer vorne beisammen. Ich verschwende keinen Blick zurück, jetzt wird Tempo gebolzt. Es geht um jede Sekunde, schließlich bekommt man so eine Chance nicht alle Tage. Noch dazu bei einer österreichischen Meisterschaft!

Wir fahren, was jeder von uns hergibt. Das Tempo liegt permanent über 50 km/h. Manchmal blicke ich zurück, aber da sehe ich nichts und niemanden. Der Vorsprung wächst und wächst. Der Hansl Rudi atmet schon schwer und führt auch nicht sehr lange, der Plattner Michi hat keine Technik, die Wechsel kommen bei ihm sehr ruppig und tun eigentlich allen anderen weh, der Grasser schimpft über ihn wie ein Rohrspatz, ich sage nichts und fahre einfach. Da kann ich soiwieso nichts ändern, denn der fährt ja nicht absichtlich so, er kann nicht anders.

Wir haben sage und schreibe 2:12 Minuten Vorsprung, als wir wieder in Hartberg sind und der 14 km lange Anstieg beginnt. Dabei bin ich nur weggefahren, weil ich irgendwie das erste Steilstück (21 %) überleben wollte! Aber jetzt geht es mit einem Schlag um sehr viel mehr, jetzt muß ich Nerven bewahren und genau überlegen und taktieren. Der Berg ist sehr, sehr lang, und ich darf mich nicht übernehmen. Ja nicht den Fehler machen und mich da reinhetzen lasseen. Der Grasser glaubt anscheinend, er kann jetzt gewinnen, denn er fährt sofort mit dem Plattner mit, der Hansl ist mit einem Schlag weg und ich fahre mein Tempo, als es steil wird, lasse ich gleich abreißen.

Plattner und Grasser führen zusammen durch das Steilstück, ich liege etwa 100 Meter dahinter, und als ich mich am Ende des Steilen umdrehe, sehe ich den Groß Rudi bereits im Anrollen. Ich zwinge mich zu gleichmäßigem Tempo, es wird wieder flacher, einen knappen Kilometer nach dem Steilen ist der Groß Rudi neben mir und fragt mich, wer noch vorne ist. Den Wunschtraum vom Sieg (der eine Millisekunde lang durchs Hirn gegeistert ist) kann ich jetzt offiziell ad acta legen.

Hinter mir ist das Feld jetzt ziemlich auseinandergerissen, denn der nächste kommt erst viel weiter oben, der Bernhard Empl jagt mit leichtem, lockerem Tritt an mir vorbei. Wenig später kommt auch noch der Taucher Hans, da bin ich aber schon am Ringkogel oben, habe knappe 5 km bereits hinter mir. Der kennt den Berg hier wie seine Westentasche, und das kommt ihm auch zugute. Aber er ist ja nicht meine Altersklasse, daher kümmert er mich auch nicht besonders.

Johann Taucher

Das lange Flachstück, teilweise geht es auch leicht bergab. Ich fahre mit dem großen Blatt, mit über 40 km/h. Ja, ich habe noch Kraft und Luft. Immer nur schön gleichmäßig fahren, nicht übers Limit gehen! Es geht mir eigentlich noch überraschend gut. Als ich aus dem Wald rausakomme, sehe ich plötzlich Grasser vor mir. Okay, der Plattner Michi hat ihn abgehängt, das habe ich erwartet, aber er dürfte auch eingebrochen sein, denn ich bin ein starkes Stück nähergekommen. Aber ich beschließe, nicht mit Gewalt an ihn ranzuspringen, sondern gleichmäßig weiterzufahren, es ist ja noch weit, und wenn er eingebrochen ist, dann kommt er mir sowieso noch entgegen.

Da bin ich kurz nach dem ersten Steilstück mit 21 %, im Hintergrund ist noch Hansl Rudi zu erkennen.

Nach dem Steilstück habe ich noch einen relativ sicheren kräftigen Tritt.

Hier, nach dem Ringkogel, liege ich noch an der dritten Stelle - auf Medaillenkurs sozusagen, obwohl ich da schon weiß, daß dieser Platz nicht zu halten ist. Die Jäger rücken mit jedem Meter näher.

Wenig später kommen von hinten die nächsten beiden, Sebastian Pfisterer und Franz Winter, der aber auch nicht aus meiner Kategorie ist. Und da mache ich einen großen Fehler. Pfisterer sieht natürlich auch Grasser vor uns, will mit Gewalt und so schnell wie möglich an ihn ranfahren, tritt immer wieder an. Jetzt sind wir schon in dem Gelände, wo es immer wieder kleine Anstiege gibt, in Stufen geht es unrhythmisch bergauf. Und da tun solche Antritte unheimlich weh. Der Winter läßt ein Loch, Pfisterer fährt vorne weg, und ich in meinem springe wieder ran, und dabei übernehme ich mich. Das hätte ich wissen müssen! Als ich wenige Meter später abreißen lassen muß, bin ich ziemlich angeschlagen. Scheiße!

Jetzt heißt es vorsichtig sein, genau aufpassen, der Weg bis ins Ziel ist noch verdammt weit, solche Aktionen darf ich mir nicht mehr leisten. Ich werde immer langsamer, habe nicht mehr den Elan wie am Anfang, die Spritzigkeit ist fast völlig weg. Ich muß mich immer wieder zwingen, gleichmäßig zu fahren. Ich komme dennoch immer näher an Grasser ran. Wenigstens einer. Er fährt auch schon ziemlich ruckartig und abgehackt, der hat nicht mehr viel in den Beinen, wahrscheinlich gar nichts mehr. Aber wie zum Hohn, als ich nur mehr drei Meter hinter ihm bin, erfängt er sich urplötzlich wieder und beschleunigt. Ganz langsam. Ich kann auch nichts mehr zusetzen und muß zuschauen, wie er wieder an Boden gewinnt. Es ist zum Verrücktwerden! Ich falle wieder zurück, 20 Meter, 50 Meter, 100 Meter!

Noch sind es 3 km bis ins Ziel, da kommt der Korpitsch Karl vorbei, ich versuche gar nicht, mit ihm mitzufahren, ich muß jetzt schauen, daß ich ins Ziel komme. Der Schlußkilometer ist wieder sehr steil, der wird noch verdammt hart! Ich bin vielleicht 1 oder 2 km/h langsamer als er, und genauso langsam gewinnt auch er an Boden und Vorsprung.  Noch 2 km, jetzt kommen gar noch Gössler und Haider an mir vorbei. Gut, Haider ist auch nicht meine Altersklasse, aber Gössler tut mir schon weh. Mit dem habe ich nämlich gar nicht gerechnet.

Dann bin ich an der letzten Kreuzung, an der 1000-m-Marke. Jetzt wird es noch einmal ganz schwer. Der Schlußkilometer hat gut 15 % Steigung. Und ich bin schon fast tot! In meinem Kopf sage ich mir immer wieder vor, daß ich ganz gleichmäßig fahren muß, leicht, ich schalte, ich fahre jetzt mit 34/23, es geht nicht, es ist zu hart, ich schalte auf den 25er-Kranz. 34/25, aber das tut genauso weh! Quälend langsam schraube ich mich Meter um Meter näher dem Ziel entgegen. Die 500-m-Marke. Dann eine Abzweigung nach rechts rauf zum "Olmstoll", es wird etwas steiler. Ich blicke zurück, sehe ein paar Trikots hinter mir, aber das wichtigste übersehe ich, ein Fahrer ist nämlich beinahe schon an meinem Hinterrad. Noch 200 Meter, ich habe es bald geschafft, zwei Kurven nocxh, ich höre den Sprecher, ich nehme alle Kraft zusammen, um mich durch dien letzte Kurve zu schleppen, da fliegt plötzlich links an mir einer vorbei, ich kann nicht mehr reagieren, durch die letzte Rechtskurve, und da ist auch schon der Zielstrich. Das war der Ewald Ebner, und der war aus meiner Klasse! Verdammt, das war auch wieder so unnötig!

Ich bin Achter geworden, nicht schlecht, aber dennoch habe ich nicht das Optimum rausgeholt, denn zwei oder drei Plätze habe ich leichtfertig hergeschenkt. Ich erhole mich langsam, oben am Berggipfel scheint zwar die Sonne, aber es ist ziemlich kalt, ich muß mich gleich warm anziehen, verschnaufe etwas, dann fahre ich langsam runter nach Hartberg. Und andauernd überlege ich, ob die Aktion mit dem Wegfahren auf der Anfahrt richtig war, ob mir das überhaupt was gebracht hat. Gut, ich hatte zu Beginn des Anstieges 2:12 Minuten Vorsprung, das ist eine ganze Menge Holz! Den größten Teil des Anstieges hat es was gebracht, eindeutig, erst auf den letzten 5 km war ich langsamer als ich es sonst gewesen wäre, weil ich langsam eingebrochen bin. Aber 2 Minuten hab  ich da nie und nimmer verloren, das war sicher sehr viel weniger.

Gut, es beruhigt mich, die Aktion war richtig gewesen. Die Form ist zur Zeit sehr, sehr gut, und es wäre falsch gewesen, da zuzuwarten. Die Anfahrt hat mich weniger gekostet, als ich da mit weit schwächerer Form hätte hinhalten müssen.

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Tirol-Power: zwei Medaillen gehen ins "Heilige Land" - Bernhard Laimgruber (rechts) gewinnt die Amateurklasse, Bernhard Empl (links) wird Dritter in der Master-2-Kategorie

Ergebnisse Master II: 1. Rudolf Groß (ARBÖ Raiffeisen Feld/See) 1:12:08 (Schnitt 25,1 km/h), - 2. Michael Plattner (Toni´s Pro-Shop Kirchberg/Tirol) -1:07, - 3. Bernhard Empl (RC KTM-Mountainbiker.at) -1:25, - 4. Sebastian Pfisterer (ARBÖ Radsport Grassinger Lambach) -2:53, - 5. Peter Grasser (ARBÖ Radteam HN-Radcenter) -4:08, - 6. Ullrich Gössler (ARBÖ Drahteisel Volksbank Köflach) -4:28, - 7. Ewald Ebner (RC RIH ASVÖ Die Erste Bank Tulln) -5:19, - 8. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) -5:25, - 9. Heimo Vogt (RC ARBÖ Raiffeisen Althofen) -5:37, - 10. Johann Hauk (ARBÖ Volksbank Deutschlandsberg) -6:16

 

Sonntag, 6. September: Kriterium in Trumau, zugleich Abschlußveranstaltung des Ginner-Cups, 23,1 km

Rennstrecke: Robert-Bruckner-Straße - Ferdinand-Hanusch-Gasse - Kirchengasse - Rosengasse - Nelkengasse - Peter-Rossegger-Straße - Robert-Bruckner-Straße, flacher Rundkurs, 21 Runden á 1,1 km = 23,1 km, Start 11 Uhr

Wetter: sonnig, warm, leichter NO-Wind, 24°

Rennverlauf: Was hätte das heute für eine Triumphfahrt werden sollen!  Als Abschlußrennen im Ginnercup hätte ich heute auf den dritten Gesamtrang fahren sollen, bzw. den verteidigen, so wie im Vorjahr. Die Strecke hier liegt mir, im Vorjahr war ich Dritter, aber diesmal ist die Motivation einfach wie weggeblasen. Ich kann nicht mehr aufs Podest fahren, diese Chance ist aus und vorbei. Beim Aufwärmen muß ich mich noch motivieren, langsam wächst meine Wut, langsam kommt auch die positive Motivation wieder. Wut ist nämlich kein guter Ratgeber. Ich muß mich andersrum motivieren: wenn schon nicht Ginnercup, dann wenigstens Kriterium! Schließlich bin ich in dieser Disziplin Österreichischer Vizemeister, das kann ich mir gar nicht oft genug vorsagen!

Am Start (von links): Lingl, Iby (verdeckt), Mosler, Bartonek, Lechnitz

Ein etwas skeptischer Blick kurz vor dem Start, die Motivation kommt langsam, der Frust schwindet, gerade noch rechtzeitig

Startaufstellung, von links: Mosler, ich, Zierler (schaut nach links rüber), Habacher, Santos, Nutz, Krivetz

Wenige Momente vor dem Start (von links): Zierler, Lingl, Iby, Mosler, ich, Schäbinger, Habacher, Treitler, Nutz (abgeschnitten)

Vom Start weg wird hohes Tempo gefahren, ich muß mich langsam nach vorne kämpfen, aber da jede dritte Runde Wertung ist, habe ich nicht viel Zeit dazu. Die Masterklasse 1 hatte nur 5 Starter, daher haben sie diese Kategorie zu uns dazugegeben, wir fahren jetzt die Klassen 1 bis 3, und die Master-2-Fahrer maulen alle, daß da die stärkeren Fahrer dazugekommen sind. Ist mir nur recht, denn ich kann mit denen mitfahren, bzw. ihre Aktionen ausnutzen und das höhere Tempo der Klasse 1 bremst  die Verfolger meiner Kategorie etwas ein. Alles in allem für mich ein Idealfall. Aber ich schreie nicht lauthals herum, ich bin still und versuche meine Taktik dem Rennverlauf anzupassen. Ich muß ja wegfahren, um zu Punkten zu kommen.

Beim Sturz in der 4. Runde verletzt sich Alfred Lechnitz wieder an der ohnehin schon schwer geprüften Schulter

Bei der ersten Wertung muß ich passen, zu schnell sind die Sprinter für mich, ich habe auch noch keine gute Ausgangsposition für diesen Sprint gehabt. Egal, ich werde meine Punkte schon noch machen. Unmittelbar nach der Wertung, in Runde 4, ein Sturz in der Zielkurve: Gerald Lingl (VC Simmering) stellt den Lenker quer, stürzt am Bankett, und der Lechnitz Alfred fliegt über den am Boden Liegenden. Ich unmittelbar dahinter kann gerade noch ausweichen, habe aber das Loch, denn vor mir wird jetzt angetreten, die Jungs wollen den Sturz ausnutzen, ein paar Fahrer setzen sich ab, ich muß alle Kraft einsetzen, am Ende der langen Gerade bin ich dran. Wir sind fünf Mann, und das Loch hinter uns ist beachtlich groß. Eine Vorentscheidung? Mit mir sind noch Lackner, Treitler, Habacher und Schäbinger dabei, also bin ich der einzige Master-2-Fahrer! Eine wohl einmalige Chance! Leider ist in der nächsten Runde die Verfolgergruppe wieder hernagefahren, aber jetzt kommt die Glocke zur Wertung, wieder wird das Tempo verschärft, ich nutze die Tatsache aus, daß ich jetzt noch vorne bin, hänge mich hinter Habacher, und aus der Zielkurve raus achte ich auf gar niemanden, sondern trete an mit aller Kraft, die ich habe, und ich fliege als Dritter über den Zielstrich - das sind 2 Punkte!

Langgezogenes Feld, hohes Tempo in den ersten Runden, ich führe hier vor Lackner, Lechnitz, Habacher, Mosler, Schäbinger und Sattler

Kurven-Action: ich führe da vor Sattler, Feitsch und Santos

Treitler vor Schäbinger, Iby (verdeckt), Habacher, dann mit kleinem Abstand Sattler, ich und Haider

Vorne die fünf Mann, die nach dem Sturz von Lingl/Lechnitz sich etwas haben absetzen können (von vorne): Treitler, Lackner, Habacher, Schäbinger und ich, dahinter führen Haider, Iby und Nutz die Verfolger wieder heran

Wieder eine kleine Attacke von mir, die den anderen sichtlich weh tut: Sattler hängt sich dran, dahinter fährt Krivetz das Loch zu

Ich verschnaufe etwas, das Tempo bricht wieder ein, aber als die nächste Glocke kommt, wird wieder um die Positionen gekämpft. Wieder zieht Habacher auf der Gegengeraden das Tempo an, aber diesmal habe ich aufgepaßt, bin an seinem Hinterrad, der Lackner ist auch dabei, wir kommen aus der Zielkurve, ich verbiege mich schier am Rad, ziehe links rüber, ganz langsam, aber dabei mache ich für Schäbinger den Platz eng, der kommt nicht mehr vorbei, super, ich werde diesmal Vierter, das ist wieder ein Punkt, macht schon insgesamt 3 Punkte! Und wenn ich richtig mitgezählt habe, hat aus meiner Kategorie bisher nur der Iby Günther gepunktet, der hat 2 Punkte am Konto - also führe ich!

Die nächste Wertung geht wieder an mir vorbei, ich bin in den beiden letzten Kurven abgedrängt worden, macht nichts, Iby hat auch nicht gepunktet, aber auch die anderen meiner Kategorie nicht, ich muß vor allem auf Mosler, Hansl und Krivetz aufpassen, die sind sehr aktiv, die probieren dauernd was, der Nutz fährt heute auffallend diskret. Aber man weiß ja nie, eine einzige Wertung, wo einer von denen vorne dabei ist, kann das ganze Rennen umdrehen.

Die Punktewertung steht bevor, da heißt die Devise: Angriff! Hinter mir Haider (verdeckt), dann mit Abstand Iby, Nutz, Krivetz und Sattler

Volles Tempo in die Zielkurve: und ich scheine ganz schön schnell zu sein, wenn man sieht, wie hinter mir der Wolfi Treitler das Maul aufreißt, dahinter Lackner, Schäbinger und Iby

Ich muß mich mal umdrehen und nachschauen, wo denn die Konkurrenz bleibt! Naja, der Lackner Wolfi ist da, aber sonst?

Hier führe ich vor Treitler und Lackner

Der kurze Moment aus den ersten Runden, als Rudi Hansl das Feld anführt, dahinter Lingl, Lackner, Lechnitz und ich, aus der Kurve Nutz und Krivetz

In der Kurve führe ich vor Krivetz und Schäbinger

Wertungsrunde: Habacher vor Treitler, Schäbinger, mir und Haider

7 Wertungen sind am Programm, vier haben wir schon, die fünfte verpasse ich knapp, ich brauche gar nicht zu sprinten, ich bin eindeutig und klar an der fünften Stelle, von hinten kommt keiner, vorne ist der Abstand zu groß. Schade drum!

Anfahrt zur sechsten und vorletzten Wertung: ich führe nach wie vor meine Klasse an, auf der Gegengeraden greift diesmal der Stephan Haider an, sehr früh, keiner reagiert, aber ich habe das irgendwie gespürt und bin an seinem Hinterrad. Er wird immer schneller, wir haben ein kleines Loch, aber in der vorletzten Kurve verliere ich ihn, da kommen Treitler, Lackner und Habacher von hinten, ich zwänge mich in diese Staffel rein, die Zielkurve, ich stehe sofort auf und sprinte, was das Zeug hält, wieder leicht nach links rüberziehend, ja, ich bin diesmal wieder Vierter, das ist wieder ein Punkt - jetzt habe ich 4 Punkte und führe vor Iby mit 2 Punkten, alle anderen halten noch immer bei 0 Punkten! Und nur mehr 3 Runden bis ins Ziel!

Die Schlußwertung, der Zieleinlauf: in der vorletzten Runde versucht es Iby mit der Brechstange, ich habe leider nicht aufgepaßt, die Vorfreude war zu groß, wieder so ein kapitaler Fehler, der mir einfach nicht passieren dürfte! Iby setzt sich an die Spitze und kurbelt, was das Zeug hält - als Zeitfahrer kann er ein sehr hohes Grundtempo fahren und das Tempo über eine kurze Distanz sehr hoch halten, hinter ihm reihen sich alle ein, ich bin leider zu weit hinten, wenn der Iby das durchzieht, sieht es schlecht für mich aus. Er geht als Erster in die vorletzte Kurve, ich muß auf der ganz kurzen Geraden einen Platz gutmachen, mehr geht sich da nicht aus, dann ist schon die Zielkurve da, Iby zieht als Erster  raus, ich bin schon zu weit hinten, geschlagen, noch ehe der Sprint angezogen wird. Mein Glück, daß Lackner und Treitler nichts anbrennen lassen, aber auch Habacher und Schäbinger sind vorne mit dabei, dann noch der Haider, dann ein Loch, und dann komme ich, nein, diesmal reicht es nicht für Punkte, ich bleibe bei meinen 4 Punkten, aber der Iby Günther wird doch noch Dritter und holt damit 2 Punkte, macht auch 4 Punkte, und weil er in der letzten Wertung den besseren Platz hatte, gewinnt er das Kriterium - punktegleich vor mir!

Rundenlang habe ich mich schon als Sieger gesehen, deshalb ist das eine arge Enttäuschung für mich, ich bin frustriert und etwas geknickt. Naja, er war halt der Stärkere, er ist auch noch der Österreichischer Meister in dieser Disziplin, also was will ich mich aufregen! Dennoch, noch nie war ich so knapp an einem Kriteriumsieg dran - punktegleich gescheitert! Wann hat es sowas schon mal gegeben? Seit Jahren habe ich von keinem Kriterium gehört, wo der Zweite gleich viele Punkte hatte wie der Sieger, eigentlich hat es sowas meines Wissens noch nie gegeben. Und ausgerechnet ich bin jetzt der Leidtragende! Ich habe alles gegeben, mehr war da nicht drin, ich habe dreimal gepunktet, als völliger Nichtsprinter, ich habe die sehr viel stärkeren Sprinter Hansl, Mosler, Krivetz, Nutz und Feitsch auf Distanz gehalten - eigentlich sollte ich zufrieden sein, man kann eben nicht alles haben!

Siegerehrung des Kriteriums (von links): ich, Iby, Nutz

Ergebnis Kategorie Master 2: 1. Günther Iby (RC ARBÖ Ginner Amstetten) 4 Punkte (Siegerschnitt 40,1 km/h), - 2. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) 4 Punkte, - 3. Günther Nutz (RC ARBÖ Trumau), - 4. Rudolf Hansl (ARBÖ imcom.24 Vredestein Wien), -- 5. Gerhard Mosler (ARBÖ TV-Steiner Raaba), -  6. Hannes Krivetz (ARBÖ Raiffeisen Kosmopiloten Zwettl), - 7. Rudolf Feitsch (RC ARBÖ Trumau), alle 0 Punkte

Siegerehrung des Ginner-Cups (von links): Gerhard Mosler, Günther Iby, Hannes Krivetz, Günther Nutz und meine Wenigkeit

Da bin ich mit Hans Unterguggenberger (links), dem Kriteriumszweiten und Ginner-Cup-Zweiten, bei der Preisverteilung

 

Im Ginner-Cup hat sich nicht mehr viel geändert, ich hatte ja heute keine Chance mehr, aufs Stockerl zu fahren - bei drei Streichresultaten! Diese saudumme
Aktion in Oberwaltersdorf, wo der Rennleiter meinen Start vorverlegt hat und mich dadurch vom Rennen ausgesperrt hat, hat mich letztlich die nötigen Punkte gekostet - oder die Aktion in Unterdanegg, wo ich eine Minute zu spät zum Start gekommen bin! Denn ein einziger letzter Platz hätte mir gereicht, hätte mir die 10 Punkte gebracht, die mir aufs Stockerl gefehlt hätten! So verdammt knapp liegen Sieg und Niederlage beisammen, so knapp sind Euphorie und Freude von Enttäuschung und Frust getrennt. Während sich dann alle darauf ausreden, daß ja die Master-1-Fahrer das Rennen schnell gemacht haben, jedem nachgefahren sind, alle Aktionen im Keim erstickt haben, kann ich nur müde lächeln - stimmt ja überhaupt nicht, denn ich habe dadurch dreimal gepunktet und bin Zweiter geworden - wären wir nur wie vorgesehen zusammen mit der Klasse 3 gestartetm, wäre das Rennen ganz anders gelaufen! Jungs, die ihr da herummeckert, ich kann euch nur eines sagen: zum Radsport gehört das Hirn auch dazu! Nicht spazierenführen, BENUTZEN!!!

Ginner-Cup-Gesamtsieger vor dem Volkshaus in Trumau (von links): Josef Schalk (Klasse 4), Dieter Schwarzmüller (Klasse 5), Sigi Rothauer (Klasse 6), Organisator Herbert Hain, Wolfgang Lackner (Klasse 1), Günther Iby (Klasse 2) und Stephan Haider (Klasse 3)

Hannes Krivetz, der Ginner-Cup-Dritte

Ginner-Cup-Organisator und IG-Seniorensport-Vorsitzender Herbert Hain

Mit der großen Preisverteilung im Volksheim in Trumau klingt der Ginner-Cup 2009 aus

Ergebnis Ginner-Cup, Endstand Kategorie Master 2: 1. Günther Iby (RC ARBÖ Ginner Amstetten) 260 Punkte, - 2. Gerhard Mosler (ARBÖ TV-Steiner Raaba) 215 Punkte, - 3. Hannes Krivetz (RC ARBÖ Raiffeisen Kosmopiloten Zwettl) 166, - 4. Günther Nutz (RC ARBÖ Trumau) 161, - 5. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) 159, - 6. Rudolf Hansl (RC ARBÖ imcom.24 Vredestein Wien) 158, - 7. Günter Zierler (RC ARBÖ Kollar Cycling-Team Stattersdorf) 134, - 8. Jens Mateyka (RC ARBÖ Ginner Schnecke Wiener Allianz Wien) 131, - 9. Otto Schebath (RC ARBÖ Sparkasse Kindberg) 80, - 10. Günter Gugler (RC ARBÖ Ginner Amstetten) 74

 

12. September 2009: Straßenrennen "Tour de Schrick" in Schrick, 48m km

Rennstrecke: Schrick - Blumenthal - Loidesthal - Sulz/Weinviertel - Niedersulz - Hohenruppersdorf - Martinsdorf - Schricker Berg - Schrick - Obersulz - Sulz/Weinviertel - Hohenruppersdorf - Martinsdorf - Schricker Berg - Schrick, 48 km, 440 Höhenmeter, Start 14.15 Uhr

Wetter: bewölkt, starker N-Wind, 20°

Gleich nach dem Start zieht sich das Feld in die Länge, die ersten Fahrer reißen bereits ab

Hier sind wir am Ortsende von Schrick, am ersten Anstieg hat sich bereits die erste Kopfgruppe gebildet, ich bin mitten im ersten großen Haufen zu erkennen - da haben wir gerade mal 1,5 km in den Beinen!

Rennverlauf: Ein nettes, kleines Rennen, aber doch ein bekanntes, denn woher wären sonst die 100 Starter gekommen? Sogar aus der Tschechei sind welche dagewesen, und der Wind, die vielen Hügeln und das wellige Gelände hier im Weinviertel tun ihr übriges, um das Feld sofort nach dem Start in die Länge zu ziehen und dann auseinanderzureißen. Ein paar bekannte Gesichter habe ich auch entdeckt, da sind immerhin richtige prominente Kapazunder dabei: Baringer, Harlander, Böhm, Lechner, Schöpf & Co sorgen schon dafür, daß da nichts anbrennt, da sind genug Männer dabei, die aufs Tempo drücken können.

Nach einer längeren Abfahrt runter nach Loidesthal beginnen die vielen kleinen Wellen und Hügeln, da wird gnadenlos drübergebolzt, mit Brachialgewalt und Rohrkraft wird da drübergewurschtelt, nicht gerade mein Ding. Ich bleibe lieber im Feld, orientiere mich nach vorne, fahre unter den ersten zwanzig Positionen und warte ab. Was sollte ich auch sonst tun?

Mit einem Male sind sechs Mann weggepsrungen, wir sind gerade erst ca. 16 km gefahren. Da sind starke Männer drin wie Günter Baringer, die fahren voll, sind sich einig, kommen aber nicht weiter als 100 bis 200 Meter von uns weg. Ich war gerade etwas eingekeilt, konnte mich nicht sofort freifahren, aber ich habe auch abgewartet, so wie die anderen auch. Man unterschätzt das, denn die gesamte Strecke ist ja mit 48 km sehr kurz, und wir sind hier etwa ein Drittel schon gefahren. Die beiden stärksten Teams im Rennen, Sport-Nora Wien und das Maroitalia Racing-Team Wien, die haben beide starke Männer vorne und sind natürlich interessiert daran, daß die Spitze immer weiter wegkommt. Die werden den Teufel und da natürlich nicht nachfahren. Im Gegenteil, die sind stark genug, um auch im Feld alle Versuche, nachzufahren, zu stören und zu behindern.

Kurz vor dem Ziel wartet dann der Schricker Berg. Der wohl selektivste Anstieg des Rennens, 2,5 km lang, aber nicht steil, aber weil die Straße sich da zwischen den Weinbergen sich ziemlich frei nach oben schlängelt, greift auch der Wind ziemlich ungehindert an und der bremst uns ziemlich. Ich fahre ganz vorne, probiere einmal kurz, aber alle sind aufmerksam. Und weil die da alle mit Rohkraft fahren, habe ich ohnehin zu tun, um mit Frequenz und Drehmoment da mitzuhalten. Der "Kugelblitz Sammy" Lechner quält sich mit dem letzten Energie Kraft und Energie über den Berg, bleibt dabei und fährt dann wieder an vorderster Front. Es folgt eine ganz kurze Abfahrt, vielleicht einen knappen halben Kilometer lang, dann die lange Ortsdurchfahrt durch Schrick, gut 2,5 km lang.

Es gibt dann dort noch eine Sprintwertung, dann beginnt die zweite, kürzere Runde. Jetzt ist es nicht mehr weit bis ins Ziel, ca. 30 km sind gefahren. Jetzt porobviert es der Wiener Schöpf Karl wieder einmal, springt weg, aber er kommt vorne nicht an die Spitze ran, und nach einer Weile holen witr ihn wieder zurück. Dann gehen drei Verfolger weg, jetzt wird es unübersichtlich, immer mehr Aktionen, immer mehr Versuche, alleine mit dem Mute der Verzweiflung nach vorne aufzuschließen. Vorne kommen sie nicht mehr hin, aber vielleicht bleiben sie dazwischen hängen und nehmen uns damit auch Plätze weg.

Mit brutal hohem Tempo geht es über die Hügel des Weinviertels, ich bin hinten in dieser Gruppe zu sehen.

Dann sind wir wieder beim Schricker Berg angelangt, es geht das zweite Mal hinauf. Diesmal versuche ich es mindestens dreimal, wegzufahren. Es gelingt zwar jedesmal, aber diese Säcke fahre immer wieder ran, jetzt bekommt einfach keiner mehr weg. Das Tempo ist auch viel zu hoch, das Durchschnittstempo beträgt über 41 km/h. Auch Lechner bleibt dran, und der macht dann danach auf den 3 letzten  Kilometern mächtig Dampf. Wir kommen nicht mehr zu den Spitzenreitern hin, das ist mir auch klar, und ich suche mir jetzt auch bei dieser rasend schnellen Ortsdurchfahrt einen vorderen Platz. Durch das hohe Tempo scheint es mir ziemlich gefährlich, da sind noch wahre Steuerkünstler dabei, die keine drei Meter lang geradeaus fahren können.

Anstieg zum Schricker Berg

Anstieg zum Schricker Berg, ich bin am roten Helm in der Mitte hinten zuu erkennen

Zielanfahrt, wir sind hier bereits wieder in Schrick am letzten Kilometer, ich bin rechts außen ganz hinten

Und auf diesen letzten beiden Kilometern merke ich erst, wie klein doch meine Verfolgergruppe geworden ist, also dürfte der letzte Anstieg doch sehr selektiv gewesen sein. Wir sind keine zwanzig Mann mehr! Am Ortsende biegen wir rechts in eine kleine, schmale Nebenstraße ein, die sich dann nach einigen hundert Metern irgendwo in den Äckern und Feldern des Weinviertels verliert. Vorher aber, am Ortsende, ist noch nach einer etwa 300 Meter langen Zielgeraden der Zielstrich erreicht, wo das Rennen im Sprint entschieden wird. Durch all die Spitzenreiter, die da vor unserer Gruppe herumfahren, werde ich auch nur 14. - aber ich bin zufrieden, mehr ist da nicht dringewesen. Ich hätte halt eine längere Distanz gebraucht, zwei oder drei Runden mehr über den letzten Berg wären ideal gewesen.

Der Tscheche Jiri Mikulasek gewinnt in der neuen Streckenrekordzeit von 1:11 Stunden.

Der Tscheche Jiri Mikulasek gewinnt

Zieleinlauf meiner Verfolgergruppe, hinten zu Beginn der Steigung ist der Zielstrich

Mannschaftswertung geht an das Maroitalia-Racing Team (von links: Karl Böhm, Johannes Harlander)

Ergebnisse: 1. Jiri Mikulasek (Tschechien) 1:11:14 (Schnitt 40,4 km/h), - 2. Andreas Zillinger (RC DAC) -0:02, - 3. Günter Baringer (RC Sport-Nora-Team Wien), - 4. Gabriel Maresch (RC Sport-Nora-Team Wien), - 5. Franz Prunner (RC Maroitalia-Racing Team), - 6. Johannes Harlander (RC Maroitalia-Racing Team), alle gleiche Zeit, - 7. Christian Lechner (RC Kuota Zweiradchaoten) -0:42, - 8. Franz Skorne (RC Sport-Nora-Team Wien), - 9. Karl Schöpf (Cycle Circle Bell), - 10. Christian Mold (RLC Schrick), - weiters: 14. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl), alle gleiche Zeit

 

13. September 2009: Schwazer Radsporttage: Internationaler Tiroler Raiffeisen-Radmarathon in Schwaz, 94,8 km

Rennstrecke: Schwaz - Buch - St. Margarethen - Jenbach - Schwaz - Vomp - Terfens - Weer - Pill - Schwaz, 3 Runden á 31,6 km = 94,8 km, 175 Höhenmeter pro Runde = 515 Höhenmeter, Start 11.30 Uhr

Wetter: Regen, mäßiger NW-Wind, 12°

Rennverlauf: Ein tief mit Wolken verhangener Himmel, strömender Regen und dennoch ein rundum gelungenes Radsportereignis: das war der internationale Tirol-Marathon in Schwaz. Den zahlreichen Startern des Internationalern Tiroler Raiffeisen-Radmarathons schien das schlechte Wetter nichts auszumachen. Diesmal waren wir als UGB-Renngemeinschaft auch in der Mannschaftswertung vertreten, wir sind mit drei Mann angetretzen (außer mir noch Koch und Unterguggenberger).

Start in der Altstadt von Schwaz bei strömendem Regen, ich stehe mit Hans Unterguggenberger vorene rechts.

Start zum Marathon

Rutschiges Kopfsteinpflaster in der Altstadt

 

Start ins naße Vergnügen

Wieder dasselbe Wetter wie im Vorjahr, strömender Regen, für mich als Brillenträger natürlich alles andere als lustig. Und so bin ich auch sehr vorsichtig gefahren, war anfangs immer ganz weit hinten, bin durch das Feld durchgereicht worden, und habe auch an den Kreisverkehren ein paar Stürze gesehen, das hat mich dann nur noch vorsichtiger gemacht.

In Schwaz, kurz vor dem ersten Anstieg auf den Vomperberg, hat es beim Kreisverkehr nach der Abfahrt wieder mal einen Sturz gegeben, und gerade da ist ein irrsinnig hohes Tempo gefahren worden, und so bin ich da abgerissen. Wir waren ja vorher schon in Einserreihe unterwegs, da war das Loch sofort da und nicht  mehr zuzufahren. Den ganzen Anstieg rauf habe ich mich abgequält, aber ich konnte einfach nicht mehr an das große Feld rankommen. Naja, aus meiner Altersklasse waren alle noch weiter hinten, da war die Motivation natürlich in Grenzen. Und als ich nach 18 km abgerissen bin, habe ich meine Klasse dennoch solo angeführt. Von Unterguggenberger und Koch habe ich im ganzen Rennen nichts gesehen, die müssen noch früher abgerissen sein.

Es hat sich dann eine kleine, 4 Mann starke, aber feine Verfolgergruppe gebildet, und auf den nächsten Kilometern und über den nächsten, zweiten Anstieg ist die Gruppe dann immer größer geworden, schließlich waren wir 12 Mann. Wir sind schnell gefahren, wearen uns einig, ab er bei der Nässe und der glitschigen Straße ist keiner so riskant gefahren, daß wir der Gruppe vor uns nähergekommen wären. Aber wir haben den Abstand gehalten. Weniger als eine Minute, und das haben wir bis zurück nach Schwaz so offen gehalten!

Meine Verfolgergruppe hier am Vomper Berg, ich bin hinten in der Mitte zu erkennen

Ich wurschtle mich irgendwie mit drüber über die Kuppe

Eine Runde liegt hinter mmir, ich bin patschnaß, liege aber ganz toll im Rennen

So, zwei Runden fehlen noch

Zweite Runde, drüben in Jenbach hat es dann sogar aufgetrocknet, es waren nur mehr die Fahrrinnen auf der Bundesstraße naß, die Sonne ist sogar hervorgeblinzelt, aber dann war es sofort wieder aus und vorbei, es hat gleich wieder zugezogen unds wenige Minuten später hat es wieder geregnet. Die beiden unmittelbar aufeinanderfolgenden Anstiege haben in der zweiten Runde meine Gruppe etwas dezimiert, und nach vorne hin haben wir auch ein klein wenig verloren, sind aber nach wie vor hohes Tempo gefahren.

Es geht in die letzte Runde, und langsam trocknet es auf, ich führe meine Altersklasse souverän an

So, zwei Runden sind geschafft, die letzten 32 km stehen bevor!

Scheißwetter!

Ich freue mich schon, weil es auftrocknet, vielleicht wird es ja doch noch ein ganz annehmbares Wetter! Aber nein, ein paar Minuten später entwickelt es sich wieder in die andere Richtung, es zieht sofort wieder zu und beginnt zu regnen. Und wie! Es schüttet förmlich, Kübeln von Wasser stürzen vom dunklen, tiefen Himmel und überschwemmen die Straßen! Meine Gruppe wird trotz gleichmäßigem Fahren immer kleiner, immer mehr Fahrer reißen ab, und ich muß mich auch plagen, ab er ich bleibe dabei. Das Tedmpo ist gleichmäßig, aber gleichmäßig hoch. Wir gehen in die Schlußrunde, vorne sehen wir niemanden mehr. Aber auf jeder noch so kurzen Geraden wird sofort aufs Tempo gedrückt, jeder Meter Gefälle wird sofort brutal ausgenutzt, um Tempo zu machen. Ich führe so gut wie nie, und wenn, dann fahre ich sofort durch.

Die letzten beiden Anstiege sind hart, ich rette mich drüber, wurschtle mich durch, so gut ich kann, und nur, weil ich weiß, daß es das letzte Mal da drüber geht, gibt mir das zusätzliche Kräfte. Und natrü4rlich auch, weil ich weiß, daß ich meine Kategorie klar anführe. In der letzten Runde, auf den letzten Kilometern kommen dann aber doch immer wieder Zweifel - habe ich wirklich niemanden übersehen? Ist niemand vorne in der großen Gruppe drin?

Zieleinlauf in der Altstadt, ich bin hinten in der Gruppe zu sehen

Beim Zieleinlauf seht ihr mich ganz hinten in der Gruppe

Endlich ist die Qual vorbei

Zieleinlauf

Der Gedanke an den Sieg überstrahlt das Scheißwetter

Endlich! Geschafft!

Zieleinlauf - ich fahre halt irgendwie über den Zielstrich, in meiner Gruppe bin ich alleine von meiner Altersklasse, da kann ich nichts machen, nur hoffen, daß ich mich nicht getäuscht habe und wirklich niemand vorne dabei war. Und als die Ergebnisliste später dann ausgehängt wird, sehe ich, daß ich mich wirklich nicht getäuscht habe - ich habe gewonnen!

Von den 141 gestarteten Fahrern kommen 107 ins Ziel - ganze 34 scheiden aus: das ist halt der Nachteil bei einem Rundkurs, da steigen doch mehr Leute ab als wenn man nur eine einzige riesengroße Runde fahren muß!

Preisverteilung in Schwaz, der Regen hat mittlerweile aufgehört, ich in der Mitte, rechts Schrapp, der Dritte

Auch kein schlechter Anblick bei dem Sauwetter!

Ergebnisse Marathon absolut: 1. Thomas Schörghofer (RC ovilava Wels) 2:18:27 (Siegerschnitt 41,1 km/h), - 2. Rene Bauer (RC bikepalast.com Salzburg) -0:02, - 3. Peter Krebs (RC Radsport Vychodil Vredestein Graz) -0:03, - 4. Lukas Stoiber (RC ÖAMTC Hrinkow Bikes Steyr), - 5. Florian Eberharter (RC UNION Raiffeisen Radteam Tirol), - 6. Martin Wildauer (RC UNION Raiffeisen Radteam Tirol), - 7. Christian Hemetsberger (RC Naturfreunde Raiffeisen Mondseeland), - 8. Bernhard Kreidl, - 9. Bernhard Schwarzl (RC Radteam Schlickeralm Stubai), - 10. Martin Fritz (RC ARBÖ bikepoint Innsbruck), ale gleiche Zeit, - weiters: 48. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) -4:57, - 76. Hans Unterguggenberger(RC UNION Unterguggenberger Wörgl) -17:54,  - 78. Manfred Koch(RC UNION Unterguggenberger Wörgl) -17:58

Ergebnisse Altersklasse Herren 4: 1. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) 2:23:24 (Siegerschnitt 39,7 km/h), - 2. Glen Hutchinson (Williamstown, Australien) -2:58, - 3. Ludwig Schrapp (SC Vöhringen, BRD), gleiche Zeit, - 4. Manfred Krug (RC UNION Raiffeisen Radteam Tirol) -3:04, - 5. Raimund Frischmann (RV Raiffeisen Ötziradteam Umhausen) -12:19, - 6. Josef Irrnberger (RC St. Kolomann) -12:59, - 7. Peter Gramshammer (RC UNION Raiffeisen Radteam Tirol) -13:01, - 8. Herbert Fussi (RC UNION Sporthaus OKAY Innsbruck) -17:16, - 9. Werner Urlasberger (Radtreff Region 31 Tirol) -23:20, - 10. Josef Leitner (FF Jenbach) -26:53

Mannschaftswertung: 1. RC UNION Raiffeisen Radteam Tirol 7:00:28, - 2.  SC Vöhringen, BRD -0:32, - 3. Radteam Schlickeralm Stubai -4:39, - 4. RC UNION MTB-Team Sudden Death -10:59, - 5. RC UNION Unterguggenberger Wörgl -22:41, - 6. Element 3 - Kitzbühel -24:54, - 7. Radtreff Region 31 Tirol II -39:39, - 8. Radtreff Region 31 Tirol I -1:17:38

 

Samstag, 19. September 2009: Almtal-Einzelzeitfahren in Grünau im Almtal, 27,4 km

Rennstrecke: Grünau/Almtal - Almtal - Almsee, Wende - Almtal - Grpünau/Almtal, 27,4 km, 295 Höhenmeter, Start 15.55 Uhr

Wetter: sonnig, warm, leichter NW-Wind, 22°

Eine wunderschöne Strecke im Almtal

Rennverlauf: Es handelt sich zwar "nur" um ein schwarzes Rennen, aber auf einer wirklich wunderschönen Strecke, die doch ziemlich lange Distanz von 27 km führt durch eine landschaftlich wunderschöne Gegend, es gibt keine Ortschaften, es ist eine Sackgasse, die bis ans Talende zum Almsee führt, aber leider halt am Wochenende, bei schönem Wetter noch dazu, da gibt es viel und starken Ausflugsverkehr auf der Rennstrecke, und der ist nur sehr schwer unter Kontrolle zu kriegen. Immer wieder kommt es zu haarigen Situationen mit dem Autoverkehr. Aber naja, man kann ja nicht alles haben.

Ich bin toll aufgewärmt, bin dabei die gesamte Rennstrecke abgefahren, dann noch ein paar Intervalle im Flachen, habe insgesamt schon über 50 km in den Beinen, als ich starte - optimal aufgewärmt! Ich kann vom Start weg maximales Tempo fahren. Nur den Wind kann ich nicht einschätzen, der scheint von vorne zu kommen, aber erst nach der Wende kommt er RICHTIG von vorne!

Da bin ich in Schwarzenbrunn

Ich hole ein paar Fahrer ein, werde selbst erst 4 km vor dem Ziel eingeholt, kann den Mann aber ziemlich lange vor mir halten, erst am Schlußkilometer zieht er langsam etwas weiter weg. Obwohl das Rennen hier schon zum siebenten Mal stattfindet, war es das letzte Mal schon 2005 am Programm - ich fahre hier zum ersten Mal. Und niuch orientiere mich an den bisherigen Ergebnislisten, die online veröffentlicht sind. Dabei komme ich zum Schluß, daß ich wahrscheinlich um die 45 Minuten fahren werde.

Als ich dann eine Zeit von 40:50 hinlege, weiß ich sofort, daß das eine Spitzenplazierung wird. Ein etwas mulmiges Gefühl habe ich doch noch, sind doch wirklich alle mit sündteuren Zeitfahrmaschinen hier aufgetaucht, die tun alle so, als ob sie die allergrößten Spezialisten wären. Was ich nicht einshcätzen kann, sind die diversen Altersklassen, denn wir starten alle wild durcheinander, in der Reihenfolge der Anmeldung, da hat man absolut keine Übersicht.

Egal, ich werde Dritter meiner Altersklasse, der Hans mault zwar etwas, weil er als Vierter ohne Preis dasteht und weil es die Klasse 60+ gar nicht gibt, die ich ihm angekündigt habe, aber in den bisherigen Auflagen hatten sie diese Klasse immer - da kann doch ich nichts dafür! Vor lauter Frust will er morgen beim Bergzeitfahren in Stadl gar nicht mehr starten und fährt nach Hause - schade!

Preisverteilung Altersklasse 1 (von links): Helmut Schürhagl, Gerhard Franz, Robert Bartonek

Ergebnisse absolut: 1. Michael Fürweger (RC ARBÖ Radsport Grassinger Lambach) 37:08, - 2. Lukas Pöstlberger (RC ARBÖ Radsport Grassinger Lambach) -0:17, - 3. Dietmar Katzenmayer (RC ARBÖ Radsport-Grassinger Lambach) -0:32, - 4. Gottfried Lang (RC Drahteselteam Salzkammergut) -0:50, - 5. Stefan Fürweger (RC UNION Steinbach) -0:52, - 6. Alois Pimmingstorfer (ceATec Neukirchen/Vöcklabruck) -1:05, - 7. Franz Hackl (Bike next 25) -1:48, - 8. Markus Trutzenberger (WSV Trattenbach), gleiche Zeit, - 9. Ralf Hirmke (RSV Freilassing, BRD) -2:01, - 10. Stefan Höglinger (RC ovilava Wels) -2:17, - weiters: 26. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) -3:42, - 35. Hans Unterguggenberger (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) -4:30

Ergebnisse Altersklasse 51+: 1. Gerhard Franz (Naturfreunde Sierning) 39:29, - 2. Helmut Schürhagl (SIG Harreither) -0:32, - 3. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) -1:21, - 4. Hans Unterguggenberger (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) -2:09, -  5. Norbert Beneder (RSC elmer Reichör) -2:12, - 6. Alois Fink (RC ARBÖ Radsport Grassinger Lambach) -3:01, - 7. Helmut Mayrhofer (RC BikeSport Micheldorf) -3:05, - 8. Karl Hoffmann (ÖSWAG) -3:42, - 9. Johann Reiter (LRC Petermax Almtal) -7:02, - 10. Adolf Leiss (ESKA Wels) -7:09

 

20. September 2009: Bergzeitfahren Stadl/Mur - Flattnitz, 14,5 km

Rennstrecke: Stadl/Mur, Sportzentrum - Paal - Kaltwasser - Flattnitz, 14,5 km, 435 Höhenmeter, Steigung max. 10 %, durchschnittl. 6,5 %

Wetter: sonnig, kalter starker S-Wind, 20°

Rennverlauf: Die Strecke kenne ich nun ja schon aus mehrjähriger Erfahrung, es bläst immer starker Gegenwind, besonders in der zweiten Hälfte ab dem Stausee. Wie immer so gibt es auch diesmal wieder den 30-Sekunden-Start, ich starte hinterm Mosler Gerhard, eine Minute vor mir Horst Kurmann, eine halbe Minute hinter mir Hauk,, eine Minute hinter mir Forobosko. Keine schlechte Ausgangslage, wenn ich sie mir irgendwie zunutze machen kann.

Erstes Ziel: Mosler einholen, das ist der Fixpunkt vor mir. Ich bin optimal aufgewärmt, starte schnell, übernehme mich dabei aber nicht, schließlich kenne ich die Strecke genau. Dennoch sehe ich ihn nie vor mir, werde langsam unsicher. Hinter mir kommt Hauk näher, Forobosko sowieso. Dann das Steilstück hinauf zum Stausee. Als ich unten um die Kurve biege, sehe ich dann Mosler vor mir. Nicht mal weit, er ist noch im Steilen zu holen, denke ich mir. Ein Blick zurück zeigt mir, daß sowohl Hauk als auch Forobsoko in Sicht sind und näherkommen, beim nächsten Blick zurück hat Forobosko Hauk bereits überholt. Ich fahre inzwischen an Mosler ran und an ihm vorbei, es sind noch ungefähr 150 Meter bis zur Kuppe ins Flache.

Hauk ist im Steilen klar schneller als ich, also darf ich ihn im Steilen nicht an mich herankommen lassen, sonst werde ich ihn danach im Flachen nicht mehr los. Ich fahre am Anschlag, kämpfe um jede Sekunde, rette mich mit dem letzten Rest Forobosko ebenfalls an Mosler vorbei, kommt jetzt langsam näher und holt mich etwa einen knappen Kilometer nach der kurzen Abfahrt ein. Ich hänge mich sofort hinten dran. Ein Blick zurück Hauk fährt etwa 50 Meter dahinter. Der Gegenwind wird stärker, und das ist meine große Chance, denn er fährt jetzt alleine gegen den Wind, während ich das Hinterrad von Forobosko habe.

Konsequent bleibe ich dran, muß ihn dann aber auf den letzten beiden Kilometern doch ziehen lassen, aber nur ganz langsam, er setzt sich leicht ab, 3 m, dann 10 m, dann 20 m, dann hat er Kurmann eingeholt, wenig später ich auch. Immer wieder dazwischen die Blicke zurück zu Hauk, der langsam aber sicher an Boden verliert. Ich sdarf keine Skeunde lockerlassen, keine Sekunde herschenken. Dann fliegt der Groß Rudi vorbei, wieder hänge ich mich etwas an, einige wenige Sekunden bringt es auch.

Dann der Schlußkilometer, ich beschleunige noch einmal, und auf der Kuppe zum Ziel hole ich dann noch den Zeschko ein und fahre etwa 5 Meter vor dem Ziel an ihm vorbei.

Mit dem letzten Rest Kraft sprinte ich ins Ziel und bin zunächst über meine Zeit von 34:26 enttäuscht. Zweieinhalb Minuten langsamer als im Vorjahr! Doch beinahe alle sind um diese 2 Minuten langsamer als im vorigen Jahr, die  Siegerzeit vom Groß Rudi auch.

Ergebnisse Master 2: 1. Rudolf Groß (RC ARBÖ Raiffeisen Feld/See) 30:34, - 2. Wolfgang Forobosko (ÖAMTC Raiffeisen Althofen) -2:27, - 3. Ulrich Gössler (RC ARBÖ Volksbank Drahteisel Köflach) -3:11, - 4. Raimund Wulz (ÖAMTC RLM Kostel Grafenstein) -3:36, - 5. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) -3:52, - 6. Johann Hauk (RC UNION Volksbank Deutschlandsberg), gleiche Zeit, - 7. Franz Gottmann (Polizei SV Graz) -4:38, - 8. Heinz Hösele (RC ARBGÖ Volksbank Drahteisel Köflach) -4:55, - 9. Horst Kurmann (ÖAMTC RC Raiffeisen Althofen) -5:02, - 10. Gerhard Mosler (RC ARBÖ TV-Steiner Raaba) -5:47

 

Samstag, 26. September 2009: Straßenrennen um den Gran Premio di Cittá  di Zero Branco, Memorial d´oro impresa Sartor in Sant´Alberto di Zero Branco, 60,5 km

Rennstrecke: Sant´Alberto di Zero Branco - Zero Branco - Rio San Martino - Sant´Alberto di Zero Branco, 5 Runden á 12,1 km= 60,5 km, Start 14.30 Uhr

Wetter: sonnig, leicht bewölkt, mild, mäßiger NW-Wind, 25°

Rennverlauf: Gleich in der ersten Runde auf einem wunderschönen 12-km-Rundkurs mit breiten, schönen Straßen ist es zu einem wahren Gemetzel gekommen: Attacke auf Attacke, anscheinend wollten alle unbedingt in dieser ersten Runde schon die große Gruppe auseinanderbrechen, immerhin waren 96 Fahrer zu diuesem traditionellen Straßenrennen angetreten, unter ihnen ein paar der stärksten Italiener dieser Altersklasse. Schon nach wenigen Kilometern hat sich eine 8köpfige Gruppe abgesetzt, im Feld ist es dadurch aber nicht langsamer geworden, und gegen Ende der ersten Runde ist die Spitze auch schon wieder gestellt worden. Ich habe mir dabei sehr, sehr schwer getan, war eigentlich vom Rennverlauf überfordert, habe das aber auf den turbulenten Rennverlauf geschoben.

Gleich in der zweiten Runde ist es in der Tonart weitergegangen, und wieder haben sich acht Fahrer abgesetzt, und das waren anscheinend wirklich die stärksten des gesamten Feldes, denn dann war erst einmal Ruhe. Dennoch habe ich mir von Minute zu Minute schwerer getan, ich konnte kaum Löcher zufahren, die Spritzigkeit war völlig verschwunden, die Kraft ebenso, und Luft hatte ich auch gar keine. Mit Entsetzen habe ich das feststellen müssen. Ich bin langsam ans Ende des Feldes zurückgefallen, bin dann nicht mehr nach vorne gekommen. Es ist einfach nicht gegangen. Ich konnte keine Löcher mehr zufahren, war immer darauf angewiesen, daß das von hinten ein anderer erledigt. Nur war da keiner mehr hinter mir!

Also mühsam wieder nach vorne, ein paar Positionen jedenfalls, dann habe ich gleich gespürt, daß mr der kalte Schweiß ausbricht. Dieser Zustand hat mich wirklich richtig überrascht, denn damit hatte ich bei Gott nicht gerechnet. Ich hatte mch ja schon so an meine Hochform gewöhnt! In den wenigen kurzen Momenten, in denen ich eijn npaar Gedanken fassen konnte, habe ich mich natürlich nach dem Grund gefragt und das alles auf die unmittelbare Vorbereitung geschoben: heute früh nichts gefrühstückt, dann die lange, 5stündige Anfahrt, da auch nichts gegessen, dann zu spät angekommen, kaum Zeit zum Aufwärmen, da mußte es ja so kommen.

Runde um Runde ist so vergangen, ich habe nicht mehr viel mitbekommen, war heilfroh, daß ich überhaupt das Feld halten konnte. In der vorletzten Runde dann eine superschnelle Runde, die schnellste überhaupt, und im Handumdrehen waren wir an der Spitze dran, mit kleinem Rückstand sind wir in die letzte Runde gegangen, die Spitze war etwa 20 Sekunden vor uns.

 

Der Sieger Fabrizio Verza, Ex-Profi bei Sammontana Bianchi

Diese 20 Sekunden waren aber eine harte Nuß, denn wir konnten den Rückstand nicht und nicht aufholen. Erst ein zweiter Energieanfall etwa 2 km vor dem Ziel hat uns dann an die Spitze rangebracht, aber auch nicht so richtig. Das langgezogene Feld hat die ebenfalls langgezogene Spitze beinahe eingeholt, dann sind einzelne Fahrer vorne rangesprungen, sodaß es eine einzige ganz lange Einserreihe war, mit mir weit hinten dran. Naja, Schwamm drüber, abhaken und am besten schnell vergessen. Im Ziel war ich über und über mit kaltem Schweißü bedeckt, mit eiskaltem Schweiß. Sicher, das Tempo war ungewöhnlich hoch, aber trotzdem, so tot hätte ich nicht sein dürfen. Wirklich nicht.

Ergebnisse Kategorie Gentlemen: 1. Fabrizio Verza (GS Avesana Bike) 1:22:02 (Siegerschnitt 43,85 km/h), - 2. Paolo Mancin (Pro Bike Fiesso), - 3. Silvano Tittoto (GS Pappin Costr. C.C.), - 4. Francesco Lorenzon (GS De Luca Renault Portotecnica Portogruaro), - 5. Luciano Guidolin (GS Tre Bike Elisa), - 6. Virginio Dorigo (Boosny Race Team), alle gleiche Zeit, - 7. Agostino Durante (GS Pioggian in Faccia) -0:02, - 8. Elio Moras (GC Meschio) -0:04, - 9. Rodolfo Tacchetto (Team Christian), - 10. Gianluca de Rossi (GS Tre Bike Elisa), alle gleiche Zeit,- weiters: 49. Robert Bartonek (GS Tecnoimpianti Padova) -0:06

 

Sonntag, 27. September 2009: Straßenrennen um die Trofeo San Giacomo, zugleich Finale Torneo delle Provincie in Fossalta di Trebaseleghe, 50,5 km

Rennstrecke: Fossalta di Trebaseleghe - Rustega - Loreggia - Piombino Dese - Ronchi - Fossalta di Trebaseleghe, 5 Runden á 10,1 km = 50,5 km, 10 Höhenmeter pro Runde = 50 Höhenmeter, Start 9 Uhr

Wetter: mild, anfangs etwas Hochnebel, dann heiter, mäßiger N-Wind, 22°

Rennverlauf: Neues Rennen, neues Glück. Ich war zwar in leicht besserer Verfassung, aber von optimal auch noch lange entfernt. Wenige Starter heute, gar nur 39 Starter. Dennoch gleich wieder vom Start weg hohes Tempo, saber dann war eine ganz lange Passage dieser Runde, etwas mehr als die Hälfte, auf sehr schmaler und sehr kurviger Straße zu fahren, unübersichtlich, das hat etwas aufs Tempo gedrückt, war aber direkt einladend für Attacken.

Ich habe auch gleich wieder gemerkt, daß ich keinerlei Spritzigkeit hatte, auch die Kraft war verschwunden. Aber etwas besser habe ich mich gefühlt als gestern, bin vorne gefahren, wenigstens zeitweise, und ab der zweiten Runde bin ich auch offensiver geworden, habe ein paarmal zwar nicdht angegriffen, bin aber mit Angreifern mitgesprungen, habe immer ein Auge auf Renzo Marcon gehabt, den ich für den Stärksten gehalten habe.

Und tatsächlich, der Junge hsat ein paarmal attackiert, ist auch weggekommen, dreimal war ich dabei, aber jedesmal sind wir wieder gestellt worden. In der vierten Runde hat er dann mit ein paar anderen angegriffen, ich war nicht dabei, und weg war er. Beim Nachfahren war ich abgemeldet, ich konnte das Tempo nicht halten, mußte mich an die Hinterräder verkriechen.

Insgesamt 9 Mann war die Spitze stark, und die sind mit 40 Sekunden Vorsprung in die Schlußrunde gegangen. Dann wieder eine Aufholjagd, und ca. 3 km vor dem Ziel waren wir auf 20 Sekunden dran, aber dann war der Fluß wieder weg. Ich habe gemerkt, daß ich keine Spritzigkeit hatte, daß ich vor jedem Lochg, das ich hätte zufahren müssen, enorme Probleme hatte, jede Tempoverschärfung hat mich überfordert und ich bin gleich abgerissen, mußte mich erst mühsam wieder rankämpfen. Völlig untypisch und ungewohnt für mich.

Naja, auf der 2 km langen Zielgeraden hat sich nicht mehr viel getan, im Sprint war ich ungefähr im Mittelfeld. Leider, die Frage hat mich gequält: ist meine gute Form jetzt mit einem Mal verschwunden?

Ergebnisse Kategorie Gentlemen: 1. Nicola Fincato (UC Limena) 1:13:25 (Siegerschnitt 40,86 km/h), -. 2. Lucio Tasinato (Costruz. Poggia Cicli Baldo), - 3. Renzo Bergamin (Ponte Priula), - 4. Paolo Benetton (Mobiltre Arredamenti), - 5. Renzo Marcon (Cima SIAI), - 6. Roberto Rizzi (Cicli Stefanelli), - 7. Renzo Corazza (Amici della Bicicletta), - 8. Renato Lorenzon (GS Bernardi il pneumatico), - 9. Matteo Perrone (Team Lenox Solahart), alle gleiche Zeit, - 10. Ignazio Trombetta (S. Ambroggio Vinicola Balan) -0:22, - weiters: 19. Robert Bartonek (GS Tecnoimpianti Padova), gleiche Zeit

 

Samstag, 3. Oktober 2009: Straßenrennen um den Großen Preis des Naturparks Goricko in Grad (SLO), 98,5 km

Rennstrecke: Grad - Dolic (BW) - Kiuzma - Silberberg (BW) - Zenavlje - Sulinci - Miokine - Gornji Petrovci - Vidonci (BW) - Otovci - Mackovci - Moscanci - Vaneca - Puconci - Brezovci - Lemerje - Skakovci - Cankova - Krasci - Pertoca - Motovilci - Beli Kriz (BW) - Grad - Schloßberg (BW) - Dolenjski vrh - Radovci - Zenkovci - Lemerje - Skakovci - Cankova - Krasci - Pertoca - Motovilci - Beli Kriz (BW) - Grad - Schloßberg (BW, Ziel), 98,5 km, 815 Höhenmeter, Start 9.05 Uhr

Wetter: sonnig, mild, leichter NW-Wind, 20°

Rennverlauf: Es war mein erstes Rennen nach der Grippe, ich war nach wie vor geschwächt, hatte nicht trainieren können, und es war interessant zu sehen, in welcher Form ich hier antreten konnte. Galt es doch, für den Rest der Saison die Form wieder zu finden, nicht zuviel davon zu zerstören, sondern behutsam wieder zu neuem Leben zu entfachen. Und so kam es auch, daß ich in keiner Weise in den Rennverlauf eingreifen konnte - schade, denn ich hatte die Startnummer 1 am Rücken, die des Vorjahrssiegers. Doch eine Titelverteidigung war diesmal so absurd wie ein Schneefall im Hochsommer.

Bereits bei der ersten Bergwertung nach 2 km zerriss das Feld, es war ein wilder Sprint auf einen sehr flachen Hügel hinauf, und ich bin sofort abgerissen, hjabe mich in der Abfahrt aber in die Verfolgergruppe reingekämpft. Doch mir war keine Atempause vergönnt, sofort nach Kuzma ging es den zweiten Anstieg hinauf, und das war gleich der 4 km lange  auf den mit 405 m Seehöhe höchsten Punkt des Rennens, den Silberberg. Dort oben zerriss das Feld dann endgültig, eine 8-Mann-Spitze hatte sich abgesetzt, gefolgt von einer 10-Mann-Verfolgergruppe sowie einer weiteren 8-Mann-Verfolgergruppe. Ich war in die vierte Gruppe zurückgefallen und lag beinahe 3 Minuten hinter den Führenden! Zu diesem Zeitpunkt hatte ich keinen Pfifferling mehr auf mich gewettet. Es waren diesmal ja alle slowenischen Stars am Start gewesen, und dementsprechend hochklassig war der Rennverlauf gewesen.

Doch dann kehrte wieder Ruhe ins Geschehen ein, in der langen Abfahrt kam es zu einer Neugruppierung, im darauffolgenden langen Anstieg zur dritten Bergwertung des Tages in Vidonci konnten sich Bostjan Slak und Bojan Ropret absetzen und fuhren dem Feld und den Verfolgern um die Ohren. Sie waren in der Phase eindeutig die Stärksten, wurden gefolgt von einer etwa 15 Mann starken Verfolgergruppe sowie einer zweiten, 9 Mann starken Gruppe, in der ich auch Unterschlupf gefunden hatte. Oben am dritten Berg lag ich ca. 2 Minuten hinter den beiden Führenden.

Bostjan Slak, der ein Gutteil der heutigen Renngeschichte schrieb, hier als Sieger der Bergwertung in Vidonci

Die heutige Strecke war um ein ungleiches Stück leichter als die des Vorjahres. Und da beziehe ich mich nicht bloß auf die Streckenlänge (heuer um 32 km kürzer), sondern vor allem auf die Anzahl der Anstiege, die heuer doch etwas moderater waren. Es folgte eine längere Abfahrt hinunter auf der Hauptstraße in den Süden Richtung Murska Sobota. Und wie so oft lag auch diesmal der Ball bei den Verfolgern. Meine Gruppe konnte zur ersten Verfolgergruppe aufschließen und zusammen machten wir dann Jagd auf die beiden "Hasen", auf Ropret und Slak.

Die Gruppe entwickelte einen ungeahnten speed, wir machten Dampf und kamen bis auf 25 Sekunden an die beiden Spitzenreiter heran, die aber nicht aufgaben, sondern sich über die restlichen 25 Kilometer und zwei Anstiege bis ins Ziel retteten, besser gesagt zur ersten Zieldurchfahrt.

Beim Zielanstieg hinauf zum Schloßberg herrschte dann totaler Angriff. Die Verfolger wollten endlich den Sack zumachen, die beiden Spitzenreiter wehrten sich mit dem Mute der Verzweiflung, und ich bin abgerissen. Slak setzte sich von Ropret ab und fuhr alleine über den Schloßberg, Ropret hingegen wurde von einer weit auseinandergerissenen Verfolgergruppe aufgefahren. Mir war das Tempo viel zu hoch, besonders bei diesen wilden Attacken, aber ich konnte mich in einer kleinen Gruppe halten und in der Abfahrt wieder an die große Gruppe heranfahren. Ich war also wieder dabei!

Nach der 65 km langen ersten Runde folgte noch eine 33 km lange, kleinere zweite Runde, die drei Bergwertungen dieser Runde, allesamt auf den letzten 8 km gelegen, waren dann der Scharfrichter des Rennens. Vorne bewies Slak ungeahnten Atem und fuhr alleine wie ein Uhrwerk dem Sieg entgegen, und man muß anerkennend sagen, einem ungefährdeten Sieg, denn wie er alleine die gesamte Meute mit ungefähr einer Minute Vorsprung auf Distanz hielt, war beachtenswert. Das war also mein Nachfolger als Sieger dieses schweren Straßenrennens!

Der ehemalige Carrera-Profi Primoz Cerin, hier am Schlußanstieg an der zweiten Stelle, noch vor Ropret

Hinten bei den Verfolgern war am Zielanstieg der Ex-Carrera-Profi Primoz Cerin davongefahren und hatte auch Ropret abgehängt, der jedoch in Form des dritten Platzes den wohlverdienten Ruhm seines aktiven Rennens einfahren konnte. Mir blieb der sechste Rang, beinahe 3 Minuten hinter dem Tagessieger.

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Einsamer Spitzenreiter kurz vor dem Ziel

Ergebnisse: 1. Bostjan Slak (SLO) 2:45:15 (Siegerschnitt 38,9 km/h), - 2. Primoz Cerin (SLO)-0:55, - 3. Bojan Ropret (SLO) -1:25, - 4. Bojan Udovic (SLO) -1:33, - 5. Brane Ugrenovic (Serbien) -2:12, - 6. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) -2:45, - 7. Dusan Vidmar (CRO) -3:09, - 8. Eugen Plesko (SLO) -3:12, - 9. Milan Koic (Serbien) -3:15, - 10. Ljubo Csar (SLO) -3:18 3. Primoz Cerin (SLO)

Ergebnisse Großer Bergpreis: 1. Bostjan Slak (SLO), - 2. Bojan Ropret (SLO), - 3. Primoz Cerin (SLO)

 

Sonntag, 4. Oktober 2009: Tiroler Saisonabschlußrennen, Bergrennen Kolsass - Kolsassberg, 5,8 km

Rennstrecke: Kolsass - Merans - Ghf Hoferstub´n - Ghf Jägerhof - Kolsassberg, Hohenlehen, 5,8 km, 590 Höhenmeter, Steigung max. 16 %, durchschnittl. 11 %, Start 12 Uhr

Wetter: warm, sonnig, leichter O-Wind, 17°

Rennverlauf: Da wieder alle Klassen zusammen starten und es auch zwei Prämiensprints gibt, ist für hohes Tempo vom Start weg gesorgt. Und mit den Elitefahrern kann ich bei einem so kurzen Bergrennen am Anfang leider überhaupt nicht mehr mithalten, denn was die mir am ersten Kilometer gleich abnehmen, ist nicht mehr aufzuholen. Ich kann einfach nicht mehr so schnell starten, das habe ich Jahre hinter mir!

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Ich kämpfe mich den steilen Berg hinauf

Die Elitefahrer, allen voran Traxl, Totschnig und Co. gingen das Rennen gleich sehr schnell an, und Totschnig feierte einen Solosieg mit neuem Streckenrekord. Traumwetter und tolle Stimmung also entlang der Strecke, wo das Organisationsteam um Thomas Kreidl gleich 4 Sprecher aufgeboten hatte (Start, zwei Wertungen und Ziel!), dazu Hunderte begeisterte Zuschauer entlang der Strecke, die alle Rennfahrer lauthals anfeuerten.

Ich hatte wie gesagt Probleme auf den ersten beiden Kilometern, den Rhythmus zu finden, habe mich da gleich von der allgemeinen Euphorie mitreißen lassen und mich dabei hoffnungslos übernommen, konnte mich davon bis ins Ziel nicht mehr erholen. Anfangs also bin ich hinterhergefahren, dann habe ich langsam aufgeholt, bin an Fahrer um Fahrer vorbeigefahren, und je länger das Rennen dauerte, desto besser bin ich in Schwung gekommen. Ich war restlos fertig, als ich dann auf den letzten etwas flacheren Kilometer gegangen bin, das Rennen hätte keine hundert Meter länger sein dürfen.

Ich war wirklich restlos am Ende, als ich da ins Ziel gewankt bin, und am letzten halben Kilometer habe ich noch drei Fahrer abgehängt. Am Ende blieb unterm Strich ein fünfter Rang, eine Verbesserung meiner persönlichen Bestzeit um gut eine halbe Minute und ein versöhnlicher Ausklang. Mit mehr hatte ich nicht rechnen dürfen, mit dem 5. Rang muß ich zufrieden sein. 

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Preisverteilung Altersklasse 5 (von links): Michael Plattner, Josef Knabl, Helmut Geditz

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Elitesieger und neuer Streckenrekordhalter: Harald Totschnig (Elk-Haus)

Ergebnisse Tageswertung: 1. Harald Totschnig (RC ARBÖ Elk-Haus Simplon) 20:22, - 2. Wolfgang Hofmann (E-Racers Augsburg, BRD) -0:15, - 3. David Wöhrer (Team Radland Tyrol) -0:26, - 4. Richard Obendorfer (RC ARBÖ Bike-point Innsbruck) -0:31, - 5. Miran Cvet (KD Hrastnik, Tschechei) -0:33, - 6. Hans-Peter Obwaller (Team Roadbike - Holidays KTM) -0:50, - 7. Markus Moser (Union Raiffeisen Radteam Tirol) -0:56, - 8. Roman Gredler (Union Raiffeisen Radteam Tirol) -1:01, - 9. Christian Hemetsberger (Naturfreunde Raiffeisen Mondseeland) -1:11, - 10. Petr Cirkl (ÖAMTC Hrinkow Bikes, Tschechei) -1:32, weiters: 100. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) -8:34

Áltersklasse Herren 5: 1. Josef Knabl (Raiffeisen Radteam Zillertal) 24:55, - 2. Michael Plattner (Toni´s Pro-Shop Kirchberg/Tirol) -0:22, - 3. Helmut Geditz (Union Raiffeisen Radteam Tirol) -2:21, - 4. Raimund Frischmann (Ötzi-Radteam SV Umhausen) -3:12, - 5. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) -4:01, - 6. Hermann Lieb (WSV Weerberg) -4:27, - 7. Alfred Krug (Union Raiffeisen Radteam Tirol) -5:18, - 8. Karl Lener (Wipptal) -5:39, - 9. Helmuth Bair (Union Raiffeisen Radteam Tirol) -6:03, - 10. Adolf Huber (Union Raiffeisen Radteam Tirol) -6:12

 

Samstag, 10. Oktober 2009: Rundstreckenrennen in Oberlaab, zugleich Welser Stadt- und Bezirksmeisterschaften, 42 km

Rennstrecke: Oberlaab - Bundesstraße - Puchenau - Oberlaab, 12 Runden á 3,5 km = 42 km, 10 Höhenmeter pro Runde = 120 Höhenmeter, Start 14.45 Uhr

Wetter: bedeckt, trüb, aber mild, starker N-Wind, 19°

Rennverlauf: Ich starte mit insgesamt 44 Elitefahrern zu diesem Rundstreckenrennen am Ende der Saison, dabei alle Elitefahrer des Gourmetfein-Wels-Teams sowie alle anderen aus der Umgebung bzw.aus Oberösterreich, sogar vom Vorarlberger Corratec-Team ist Josef Benetseder angereist.

Vom Start weg entwickelt sich ein verdammt schnelles Rennen, bei dem ich bestenfalls gerade noch mithalten kann. Lange kann das nicht gutgehen, ich nehme mir von Runde zu Runde vor, noch eine einzige Runde mitzufahren. Vom ersten Meter an bin ich voll am Anschlag gefahren, und als dann nach Halbzeit etwa das Tempo erst so richtig angezogen wurde, da war es vorbei mit mir. Jede Kurve, jede Steigung, jede Tempoverschärfung, alles das war ein potentielles Grab für mich. Ein paar sind abgerissen, immer ein paar, das Feld ist kleiner geworden, aber ich bin dabeigeblieben, immer am Ende, bei jeder Kurve hatte ich ein kleines Loch, bei der Steigung sowieso.Das war jedesmal ein Kampf ums Überleben.

In der 7. Runde setzt sich eine dreiköpfige Spitzengruppe mit Tschibo-Cup-Sieger Martin Riska (Tschechei), Josef Benetseder und Patrick Hauser ab. Dahinter reagiert das Feld, ein paarmals sieht es so aus, als würden  wieder die Ausreißer gestellt, doch dann vergrößert sich der Vorsprung etwas und der hält bis ins Ziel. Riebenbauer und Schröger versuchen alleine, zur Spitze aufzuschließen, aber es ist zu spät. Sie kommen nur mehr bis auf 41 Sekunden heran. Beim Zielsprint stürzt Benetsedeer und wird daher Dritter.

Dominik Hrinkow und Riccardo Zoidl können sich im Finale ebenfalls noch aus dem Feld absetzen, dahinter wird aus der Hauptgruppe im Sprint der Kampf um die Plätze entschieden, Paul Illenberger (ARBÖ Govurmetfein Wels) gewinnt in der Rennklasse die Welser Bezirksmeisterschaft, ich lande zeitgleich an der 24. Stelle - und dieses Ergebnis ist für mich wie ein Sieg, ist es doch das erste Eliterennen in diesem Jahr in Österreich gewesen - und ich habe wirklich mithalten können!

Der Hans ist auch gestartet, hat eineinhalb Runden verloren und den 38. Rang belegt - was will man mehr mit 70 Jahren! In der Gästeklasse habe ich die Altersklasse gewonnen, das ist ja auch schon mal was - viel mehr aber zählt doch die Tatsache, daß ich da im Feld mitgefahren bin! Nach dem Hans war ich der mit Abstand älteste Fahrer des gesamten Starterfeldes - irgendwie eine Blamage für die Elitefahrer!

Martin Riska gewinnt in Oberlaab

Siegerehrung (von links): Martin Riska (im grünen Gourmetfein-Trikot), Mitte Riebenbauer (mit schwarzer Mütze),

Ergebnisse Rennklasse allgemein: 1. Martin Riska (Tschechei, ARBÖ Gourmetfein Wels) 59:02 (Siegerschnitt 42,7 km/h), - 2. Patrick Hauser (ARBÖ Gourmetfein Wels), gleiche Zeit, - 3. Josef Benetseder (ARBÖ Corratec Vorarlberg) -0:25, - 4. Matthias Schröger (ARBÖ Gourmetfein Wels) -0:41, - 5. Werner Riebenbauer (ARBÖ Gourmetfein Wels), gleiche Zeit, - 6. Riccardo Zoidl (ARBÖ Gourmetfein Wels) -1:36, - 7. Dominik Hrinkow (ARBÖ Gourmetfein Wels), gleiche Zeit, - 8. Lukas Stoiber (ÖAMTC Hrinkow Bikes Steyr) -1:45, - 9. Paul Illenberger (ARBÖ Gourmetfein Wels) -1:47, - 10. Matthias Wienerroither (ARBÖ Radsportteam Löffler Ried/Innkreis), -  weiters: 24. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl), gleiche Zeit

 

Sonntag, 11. Oktober: Kriterium "Rund um den Burger King" in Graz-Seiersberg, zugleich Steirische Kriteriumsmeisterschaft, 18 km

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Rennstrecke: traditioneller Rundkurs in Graz-Seiersberg beim Burger King, 15 Runden á 1,2 km = 18 km, 5 Höhenmeter pro Runde = 60 Höhenmeter, Start 14.45 Uhr

Wetter: sonnig, warm und mild, sehr starker N-Wind, 19°

Rennverlauf: es hat wieder mal Änderungen gegeben, laut Ausschreibung sollte ich mit der Klasse 3 zusammen starten, statt dessen fahren auch die Klassen 4 bis 6 mit uns, weil dort nur 4 Fahrer gemeldet haben. Im Zuge dieser Änderung wird auch die Streckenlänge von 18 auf 15 Runden reduziert. Was hat der Scheiß eigentlich noch mit Radsport zu tun? Da vergeht einem doch die ganze Freude.

Wir starten also, mit dabei die Favoriten Gössler, Taucher, Mosler und Csar, ich rechne mir bei der Besetzung doch Chancen auf das Stockerl aus. Vom gestrigen Rennen spüre ich nichts mehr, die Form ist also sehr gut, nach wie vor, ich habe die Strapazen weggesteckt, aber bei den Punktewertungen muß ich sehr aufpassen, da darf ich mir keinen einzigen Fehler leisten. Der Sprint ist schließlich alles andere als meine Domäne.

Der Start (von vorne): Gössler, Csar, Bartonek, Taucher, Mosler, Hauk, Koller

 

Sprint um die Punkte (von vorne): ich, Taucher, Haider, Mosler

Gleich in der ersten Wertung liege ich an der vierten Stelle, als es die steile Zielkurve raufgeht, der Vorsprung auf den Fünften beträgt ein paar Meter plus die Ideallinie, also rechne ich schon mal mit einem Punkt, als plötzlich vor mir der Slowene Ljubo Csar wegrutscht und sich auf den Asphalt legt, ich muß abbremsen, einen Haken schlagen, und weg ist der Punkt. Scheiße, das fängt ja gut an! Ich bin frustriert, attackiere sofort, aber es bringt nichts ein. Ich warte also bis zur nächsten Wertung.

Gössler führt das Feld in die Zielkurve, dahinter Mosler, Haider, Gottmann (verdeckt), Csar, ich, Hauk, Koller

Zweite Wertung, neue Chance. Der Taucher Hans bringt sich nach der Abfahrt in Position, ich an seinem Hinterrad. Ich weiß, ich brauche nur vor der Zielauffahrt an ihm vorbei, dann ist das die halbe Miete, und es gelingt mir, ich flitze durch die Bergauf-Schikane, vor mir nur der Gössler Ulli, der gewinnt die Wertung, ich werde Zweiter - macht 3 Punkte!

Mosler blickt zurück, da kommen Gössler, Haider, Taucher und ich

Ich bin weggefahren, aber Mosler und Gössler schließen wieder auf

Mosler schnappt mir wieder mal einen Punkt weg

Die dritte Wertung ist eine Leermeldung, ich bin zu weit hinten, werde nur mehr Fünfter. Dazwischen probiere ich es ein paarmal, alleine wegzufahren, führe auch schon mal eine Runde lang, das macht mir nichts aus, aber es bringt mir auch nichts ein. Also verlege ich mich wieder auf die Wertungen. Wie ein Schatten an meinem Hinterrad: der Mosler Gerhard. Bei den Wertungen aber bin ich stärker als er, das ist schon mal was. Vor der Wertungsrunde flutsche ich dann oben bei der Zieldurchfahrt aus dem linken Pedal, kann einen Sturz aber verhindern und schließe schnell wieder auf, aber die Position ist weg, wieder eine Leermeldung!

In der vierten Wertung hole ich mir wieder einen Punkt, in der fünften rutsche ich wieder aus dem Pedal, der Mosler Gerhard schießt mir sozusagen an der Außenseite noch vorbei und holt sich einen Punkt ab, in der Schlußwertung dasselbe Bild. Es ist zum Verzweifeln, es geht heute wirklich alles schief, und alle möglichen Leute ernten meine Lorbeeren. Naja, das ist Radsport eben.

Schlußwertung, wieder einmal steige ich oben auf der Kuppe an der Ziellinie aus dem Pedal und verliere dadurch die Punkte, ich bleibe in der Ergebnisliste bei 4 Punkten hängen und das reicht halt nicht für einen Platz unter den ersten fünf oder gar drei, nein, ich werde Sechster. Egal, das Rennen ist sowieso schon schon verhaut, es hätte mich halt gefreut, wenn es mir hier bei meinem "Heimrennen" vergönnt gewesen wäre, aufs Stockerl zu fahren und irgendwie ist auch Wehmut und Nostalgie dabei, denn es ist ja das letzte Rennen in Österreich in diesem Jahr.

Nach dem Rennen habe ich mir meinen linken Schuh mal genauer angesehen bzw. die Schuhplatte. Eh klar, die war ganz abgewetzt, da gehört sofort eine neue rauf. Interessantes Detail: die Platte am rechten Schuh sieht aus wie neu - wie ist das möglich?

Ergebnisse Kategorie Master 2/3: 1. Ullrich Gössler (RC ARBÖ Volksbank Drahteisel Köflach) 23 Punkte (Siegerschnitt 36,5 km/h), - 2. Stephan Haider (Polizei SV Graz) 11, - 3. Johann Taucher (ARBÖ Sparkasse Kindberg) 6, - 4. Ljubo Csar (SLO, Rogla Konjice) 6, - 5. Gerhard Mosler (ARBÖ TV-Steiner Raaba) 4, - 6. Robert Bartonek (RC UNION Unterguggenberger Wörgl) 4, - 7. Johann Hauk (RC UNION Volksbank Deutschlandsberg) 1, - 8. Otto Schebath (ARBÖ Spüarkasse Kindberg) 0

 

Samstag, 17. Oktober 2009: Straßenrennen um die Trofeo Memorial Enrico Rossi in Busco di Ponte di Piave

Rennstrecke: Busco di Ponte di Piave - Levada - Abbazia - Busco di Ponte di Piave, 11 Runden á 5,560 km = 61,1 km

Wetter: heiter, sonnig, starker kalter NO-Wind, 15°

Rennverlauf: Derselbe Kurs, den ich schon im Vorjahr gefahren bin, nur fahren wir heuer halt aus irgendeinem Grund eine Runde mehr. Oder vielleicht hat sich nur irgendwer verzählt? Der Rennverlauf erinnert mich in keiner Phase an das Vorjahr.

Wieder ist ziemlich viel Prominenz dabei, allein der Vorjahrssieger Alberto Busatto (GS De Luca) wird vom Veranstalter besonders herausgestrichen, der ist ein Topsprinter und immer ein Favorit, wenn er am Start steht. Erster großer Fehler, der mir noch vor dem Start passiert: ich stehe irgendwo mitten drinnen in diesem Riesenhaufen von beinahe 180 Fahrern, und dann fahren die Gentlemen (also meine Kategorie) und die Supergentlemen doch getrennt, die starten und sprinten weg, ich stehe eingezwickt im Haufen der Supergentemen und muß mich unter lautem Geschrei erst einen Platz verschaffen, um nachzufahren. Unmittelbar hinter dem Zielstrich geht es links weg, als ich dort rüberflitze, habe ich schon ein Loch von gut 200 Metern. So eine Scheiße aber auch!! Habe ich denn geschlafen? Nein, ich glaube eher, es ist wieder einmal das typisch italienische Chaos gewesen. Vorne wird bereits heftig attackiert, auf der schmalen Straße fegen der Schlußwagen und der Rotkreuzwagen mit lautem Hupen hintendrein. Ich muß gehörig in die Pedale treten, ganz alleine, ich fahre 40 km/h, dann 45, beschleunige weiter auf 48, auf 52, aber das Tempo kann ich doch nicht halten. Es braucht ganze 2,5 km, bis ich völlig außer Atem in Levada am Schwanz des Feldes angekommen bin. Vorne haben sie wieder abgestellt. Wir rollen rum, es geht gleich wieder zurück, jetzt mit Rückenwind, da bin ich gerade noch im allerletzten Moment ins Feld reingekommen - geschafft, vorerst einmal!

Und das war auch schon - aus meiner Sicht zumindest - der Höhepunkt dieses Rennens. Es wurde ein unglaublich und auch unerwartet fades und langweiliges Rennen, es gab keine Spitzengruppen, keine Ausreißer, das Feld war immer geschlossen und ist bei hohem, aber gleichmäßigem Tempo durch die Landschaft gefahren, Runde um Runde. Dadurch ist es mir gar nicht aufgefallen, daß es sehr schnell war, ich bin halt mitgefahren, war nie in Gefahr, abzureißen, hatte aber auch keine Chance, alleine oder mit einer Gruppe vorne rauszufahren.

Erst in der letzten Runde ist es wieder etwas ruppig und unrhythmisch geworden, da haben dann ein paar Fahrer probiert, wegzufahren. Und wie immer in Italien, probieren das - interessant!!! - die Sprinter, die wollen nie im Feld ankommen, die wollen immer alleine vorne weg fahren! Es wird aber nichts draus, das Feld wird zwar etwas zerrissen, aufgesplittert und gerupft, aber sofort läuft wieder alles zusammen. Dabei sind da so starke Fahrer am Start wie eben der Vorjahrssieger Busatto oder dessen Teamkollege Tarlaio, wie Ex-Profi Verza, wie der Supersprinter Maracani, wie etwa der Südtiroler Malfertheiner und viele andere, die alle hunderttausend Gründe hätten, endlich mal das Heft in die Hand zu nehmen. Aber nichts dergleichen geschieht.

Letzte Kurve, dann die unendlich lange Zielgerade, die ist über einen Kilometer lang, aber leider (in diesem Fall) verdammt schmal. Also bin ich schon lange vor dieser Zielgeraden in einer vorderen Position, kann mich dort nicht sehr lange halten, denn auf beiden Seiten wird permanent nach vor gefahren, und wenn man da irgendwo in der Mitte eingekesselt ist, ist man festgefahren und kommt so schnell nicht mehr frei, und wenn doch, ist man wieder ganz hinten im Haufen. Dazu braucht man viel Erfahrung und das Gespür, sich eben permanent auf den beiden Seiten aufzuhalten, das ist nicht ungefährlich, denn da steht man automatisch immer wieder mal im Wind. Und das unmittelbar vor dem Zielsprint.

Ich habe jedenfalls vorher schon das De-Luca-Te3am aus Portogruaro genauer und aufmerksam mir angesehen, und da sind mir vor allem Busatto und Tarlaio aufgefallen, denn die haben beide die Ambition, ganz vorne zu landen. Wer fährt da für wen? Das war nicht ersichtlich, also bin ich davon ausgegangen, daß im Endeffekt - typisch italienisch - eben jeder für sich fährt. Ich habe mich auf Tarlaio konzentriert, als der - zufällig - gerade einmal unmttelbar vor mir war. Dieses Geschenk habe ich dankbar angenommen, mich an sein Hinterrad gezwängt und gehofft, daß vielleicht irgendwo im Hinterkopf bei denen der Gedanke festgefressen war, wenn im Vorjahr der Busatto gewonnen hat, daß dann heuer eben mal der Riccardo dran ist. Und wenn nicht, auch egal, der ist ja auch ein Supersprinter.

Langer Rede kurzer Sinn: der Busatto hat abermals gewonnen, hat einen schier unglaublichen Sprint von ganz vorne gefahren, hat schon bei 300 m angetreten, aber Tarlaio hat dagegengehalten, gegen den eigenen Mann und ist Fünfter geworden.Mich hat er irgendwo dazwischen abgesttreift, ich bin sozusagen im Getümmel dieser drückenden Ellenbogen und Schultern hängengeblieben und bin Zwölfter geworden. An sich aber für mich ein Superergebnis in einem Massensprint und das gegen solche Kapazunder wie da hier heute am Start waren!

Ergebnis Kategorie Gentlemen: 1. Alberto Busatto (GS De Luca Renault Portotecnica Portogruaro) 1:29:05 (Siegerschnitt 42,47 km/h), - 2. Fabbrizio Verza (GS Avesana Bike), - 3. Loris Borin (GS  San Giovanni di Livenza), - 4. Francesco Barbirato (Gran Fondo di Pinarello), - 5. Riccardo Tarlaio (GS De Luca Renault Portotecnica Portogruaro), - 6. Alfio Maracani (VC Due Torri Rovigo), - 7. Stefano Mometti (GS San Giovanni di Livenza), - 8. Angelo Bettin (GS De Luca Renault Portotecnica Portogruaro), - 9. Karl-Heinz Malfertheiner (GS Petrolvilla Bergner Bräu Trento), - 10. Stefano Bassi (GS Cicli Olimpia), - weiters: 12. Robert Bartonek (GS Tecnoimpianti Padova), alle gleiche Zeit

 

Sonntag, 18. Oktober 2009: Bergzeitfahren Montecchio Maggiore - San Urbano um die Coppa Santa Eurosia und die Trofeo Calpeda Pompe, zugleich Provinzialbergmeisterschaften, 4,6 km

Rennstrecke: Montecchio Maggiore (99 m) - S.S. Trinitá (224 m) - Covolo (255 m) - Rio Secco - San Urbano (251 m), 4,6 km, Start 13.59 Uhr, 235 Höhenmeter, Steigung durchschnittl. 5 %, max. 10 %

Wetter: sonnig, heiter, aber starker und kalter NO-Wind, 14°

Der Streckenplan dieses Traditionsklassikers, der heute immerhin schon zum 53. Mal über die Bühne geht!

Rennverlauf: Ich habe mich optimal warmgefahren, bin zwei Stunden in der Gegend aufgewärmt, habe knappe 60 Kilometer hinter mich gebracht und stehe jetzt mit einem Pulsschlag von 152 am Start, bin gerade hingekommen, als der Starter anfängt, die letzten 10 Sekunden runterzuzählen - also alles optimal!

Sofort geht es zur Sache, auf einer so kurzen Strecke, wo es um jede Sekunde geht, darf man gar nichts herschenken. Und hier sind die ersten 600 Meter - noch unten in der Ortschaft Montecchio Maggiore auf sehr schmaler Straße in einer Häuserschlucht - relativ flach, ich fahre da mit 50/16, schalte dann auf 17, dann am Ortsende sehe ich am Asphalt groß die 4-km-Marke, und die Steigung nimmt übergangslos zu. Sofort runter auf das kleine Blatt, 34/17, ich fliege über diese erste Steigung, die ist gerade mal 100 Meter lang, dann wird es etwas flacher, ich schalte trotzdem rauf aufs 19er. Jetzt habe ich einen optimalen Rhythmus, eine hohe Frequenz, und ich spüre, wie die gesamte Kraft auf den Asphalt geht, die Steigung nimmt wieder zu, ich fliege an ein paar Zuschauern vorbei, die erste Kehre nach links, gleich darauf die zweite nach rechts, es wird flacher, ganz eben für etwa 50 Meter, eine Kehre, und da ist eine wahre Wand vor mir, gut 250 Meter lang, ich gehe aus dem Sattel und sehe den vor mir Gestarteten zum Greifen nahe.

Am Ende der Steigung bin ich an ihm vorbei, es wird flacher, aber es geht noch einen knappen halben Kilometer mit etwa 7 bis 8% hinauf zur Kirche S.S. Trinitá, dort oben habe ich eineinhalb Kilometer gerschafft, noch sind es 3 km bis ins Ziel. Jetzt heißt es hinhalten, bis zur Kuppe bei der Kirche muß ich voll durchziehen, da darf ich keinen Tritt auslassen, ich schalte aufs 18er rauf, stehe auf, schalte noch mal runter aufs 17er und sprinte die letzten hundert Meter über die Kuppe. Dort oben bin ich auf 224 m Seehöhe heroben, habe nach beiden Seiten einen wunderbaren Panoramablick, für den ich jetzt aber wirklich keine Zeit habe. Den habe ich beim Aiufwärmen genossen, denn ich bin die Rennstrecke zweimal vor dem Start raufgefahren.

Mit pfeifenden Lungen lasse ich mich auf der anderen Seite bei gut 10 % Gefälle runterfallen, durch die Rechtskurve, die lange Querpassage hin zur nächsten Steigung, die geht links weg, wieder gut 10 % steil und 200 Meter lang. Bis dort hin mache ich kaum einen Tritt, verschnaufe nur, und dann sprinte ich mit 34/17 über diesen Anstieg, aber das tut verdammt weh in den Beinen. Aber ich beiße die Zähne zusammen, denn genau das sind die Momente, in denen ich die entscheidenden Sekunden hole. Dann bin ich drüber weg, habe genau oben an der Kante zum Flachen einen weiteren Fahrer eingeholt, jetzt kommt noch eine endlos lange Kuppe, gut einen halben Kilometer lang, dann schalte ich auf das große Blatt, jetzt geht es einen halben Kilometer lang runter nach Rio Secco, ich muß mich ganz klein machen, schneide die einzige Kurve am Ende der Abfahrt wagemutig an, fliege mit knapp 50 km/h über die 1000-m-Marke, ein kurzer, aber steiler Anstieg, etwa 50 Meter lang, eine Kuppe, ich fliege drüber, sehe vor mir wieder einen Fahrer, es geht jetzt schon nach San Urbano rein, den muß ich unbedingt noch vor den letzten 400 Metern einholen, denn dann kann ich an keinem Fahrer mehr vorbei, da ist es zu schmal, und dort würde mich der nur bremsen.

So, letzte Kuppe, es geht runter, schöne breite Straße, es hämmert in meinen Schläfen, am Parkplatz vorbei, und ich hole den dritten Fahrer ein, gerade rechtzeitig, denn jetzt geht es auf sehr schmaler Straße, eigentlich ist es nur ein asphaltierter Fußweg, steil nach unten, gut 15 %, dann eine sehr enge Linkskurve, zwischen zwei Häuserfronten geht es wieder steil nach oben, raus auf die Hauptstraße, und 100 Meter rauf zum Zielstrich. Ein etwas verrückter Zieleinlauf, aber da muß jeder Kurbeltritt sitzen, da darf man keinen Zahn zu hart zu treten, sonst bleibt man unweigerlich stecken.

Die Uhr bleibt nach 10:29 Minuten stehen und ich erinnere mich an etliche Jahre, in denen diese Zeit für den Sieg gereicht hätte. Aber jetzt habe ich dafür keinen Blick und keine Sekunde Zeit, ich atme schwer, ich keuche und röchle, stütze mich an der Häuserfront auf der rechten Straßenseite ab, vor mir dreht sich alles. Nur Luft holen. Langsam fahre ich wieder zurück, hinunter zum Start. Für den Sieg wird es nicht langen, das weiß ich, denn heute ist wieder - wie in all den letzten Jahren - auch Silvano Tittoto am Start, der mehrfache Italienmeister am Berg, und der gewinnt hier immer klar und souverän. Heute aber bin ich beinahe dieselbe Zeit gefahren wie im Vorjahr, aber heute hat mich der starke Gegenwind praktisch auf jedem Meter der Strecxke gebremst.

Tittoto fährt auch - wie alle anderen Klassensieger - etwa eine halbe Minute langsamer als im Vorjahr, aber seine 10:10 Minuten reichen trotzdem zum Sieg! Was mich aber noch viel mehr shcmerzt: Luciano Zilio, den ich gar nicht kenne, ist mit 10:16 auch noch shcneller als ich, während ich Enzo Brergamasco, der im Vorjahr ein paar Hundertstel schneller war als ich, distanzieren kann - es bleibt mir also wieder nur der dritte Platz! Scheiße! In dem Moment bin ich unglaublich frustriert und enttäuscht.

Breim Zieleinlauf hatte ich einen Pulswert von 194, so hoch bin ich heuer noch nie raufgekommen, der Durchschnittspuls lag heute bei 179 Schlägen - diese Zahlen zeigen mir, daß ich in diesem Rennen heute die stärkste Leistung der ganzen Saison geboten habe! Optimal, auf den Meter genau ausgerichtet, ich hätte wirklich keine Sekunde schneller fahren können!

Naja, ich scheine doch noch nicht so alt zu sein, und die Form ist auch noch nicht weg, im Gegenteil, die ist so was von da und präsent, wie ich es mir besser gar nicht wünschen könnte - mal sehen, was die nächste Woche bringt! Und mit dem Gedanken wird auch der Frust vom heutigen Ergebnis kleiner und kleiner.

Ergebnis Kategorie Gentlemen: 1. Silvano Tittoto (GS Pappin Costr. C.C.) 10:10 (Siegerschnitt 28,5 km/h), - 2. Luciano Zilio (S. Anna Elettrosystem) -0:06, - 3. Robert Bartonek (GS Tecnoimpianti Padova) -0:19, - 4. Enzo Bergamasco (GS Cicli Benato) -0:24, - 5. Maurizio Negroponte (Schio Bike) -0:47, - 6. Marco Huber (GS Cicli De Rossi - Zuccato) -0:57, - 7. Agostino de Rossi (GS Cicli De Rossi - Zuccato) -1:08, - 8. Ivano dal Santo (Unione Ciclistica Carré) -1:09, - 9. Mariano Bedin (Colli Berici - Tecnostampi Vicenza) -1:25, - 10. Sergio Mirandola (GS Pennelli Cinghiale) -1:35

 

Samstaq, 24. Oktober 2009: Straßenrennen um den Gran Premio di Cittá di Caorle, Memorial Aldo Sartori, 93,1 km

Rennstrecke: Sansonessa di Caorle - Porto Santa Margherita - Brian - San Giorgio di Livenza - La Salute di Livenza - Ottava Presa - Sansonessa di Caorle, 3 Runden á 31 km = 93 km, 45 Höhenmeter, Start 14.10 Uhr

Wetter: anfangs leicht bewölkt, sonnig, milde, starker S-Wind, 16°, später dann bewölkt, am Ende starker Regen, 9°

Rennverlauf: 177 Rennfahrer der Kategorie Gentlemen gehen pünktlich um 14.10 Uhr ins Rennen, wie immer ein riesiges Starterfeld bei diesem traditionsreichen Klassiker rund um Caorle. Im sehr starken Wind, der vom Meer herein bläst, wird das Feld auf den ersten 5 km ungemein zerzaust, es bilden sich sofort mehrere Gruppen und Staffeln, alles drängt sich am äußerst rechten Bankett, ganz vorne sind irgendwelche Leute, die glauben, sie müssen das Feld gleich nach dem Start bereits sortieren. Sollen sie doch, ich bin längst in Position gefahren, habe mich ganz vorne bei den Allerersten eingereiht und nach 5 km, als wir dann nach rechts in Richtung landeinwärts wegbiegen und mit Rückenwind dahinrasen, ist die erste Gruppe auf gerade mal 22 Mann zusammengeschrumpft. Ist das schon die Vorentscheidung? Hoffentlich, denn ich bin in dieser Gruppe dabei, ziemlich angeschlagen und geschafft, aber ich bin dabei.

Im Rückenwind fahren wir mit 52 bis 55 km/h, die Schinderei geht ohne Unterbrechung weiter, ich muß pausenlos hinhalten und fahre nach nicht mal 5 Minuten Fahrtzeit permanent am Limit! Erst als wir nach 15 km in Richtung San Giorgio nach Osten abbiegen, fährt sofort der Wind wieder von Seite in die Gruppe rein, diesmal von rechts. Um optimal im Windschatten zu fahren, braucht man eine kleine Gruppe, im großen Feld ist das leider nicht möglich. Da sind sich alle gegenseitig im Weg, man fährt andauernd im Wind, in der kleinen Gruppe dagegen ist man optimal am Hinterrad positioniert.

Auch der Rest der Runde ist gekennzeichnet von einer Windschlacht, das technische Rüstzeug braucht man bei diesem Rennen unbedingt. Aber das ist ja bei fast allen Rennen hier in Italien der Fall, im Veneto sowieso, denn hier bläst immer der Wind. Wir fahren die Runden fertig, die Gruppe ist weiter geschmolzen, wir sind nur mehr 19 Mann und haben einen beruhigenden Vorsprung, jedenfalls mehrere Minuten. Genau kenne ich ihn nicht, denn Informationen sind sehr spärlich. Ich mache mich mit dem Gedanken vertraut, daß diese Gruppe wohl um den Sieg fahren wird. Aber mit meinen Kräften ist es - im Moment jedenfalls - nicht mehr weit her, ich müßte mich dringend verschnaufen und erfangen, habe aber keine Gelegenheit dazu, denn permanent muß ich am Anschlag fahren. In meiner Gruppe sind nahezu alle Spitzenfahrer und Favoriten, da sind gleich drei Fahrer vom De-Luca-Team, nämlich Tarlaio, Busatto und Bettin, dazu kommen noch Farné, Tittoto und Maracani, Marcon, Moras ist auch dabei, natürlich Malfertheiner und Verza, Mometti und meine Wenigkeit. Da kann jeder einzelne von denen gewinnen, die sind alle ausnahmslos  potentielle Siegeskandidaten!

Die zweite Runde ist dann sehr viel schwerer für mich, denn der Kräfteverschleiß macht sich nachteilig bemerkbar. Ich führe auch nichts mehr, ich fahre nur mehr hinten am Ende der Gruppe mit, manchmal fahre ich in der Staffel auch bis vorne hin und durch, aber ich bin grundsätzlich sehr darauf bedacht, mich unauffällig nicht in den Wind zu stellen. Die großen Favoriten sind - einml mehr - die De-Luca-Fahrer, denn die sind gleich zu dritt vertreten. Seit ich in dieser Gruppe unterwegs bin, hat es keine einzige Attacke gegeben, alle fahren gleichmäßig hohes Tempo und arbeiten hart daran, den Vorsprung so groß wie möglich zu machen.

Erst als wir dann die Passage im Rückenwind fahren, merke ich, daß wir nicht mehr ganz so schnell sind wie noch in der ersten Runde, aber wir fahren gleichmäßig, ich bin der einzige, der deutlich weniger arbeitet, um nicht zu sagen, gar nichts. Aber ich bin ja auch auf mich alleine gestellt, und dafür haben die Jungs hier großes Verständnis, da mault keiner an mir herum. Mit meinen Kräften geht es langsam zu Ende, ich muß jetzt hart kämpfen, um dranzubleiben, wenn ich mal - pro forma - führe, muß ich alle meine Energien zusammennehmen, um hinten wieder ans Hinterrad zu fahren. Die zweite Runde geht zu Ende, wir sind nach wie vor in Führung, und irgendwann mal habe ich die Nachricht aufgeschnappt, daß wir anscheinend fünf Minuten Vorsprung haben.

Gegen Ende der zweiten Runde merke ich auch, daß der Himmel völlig zugezogen hat und daß sich über uns und vor allem unmittelbar vor uns riesige Wolkenberge aufgetürmt haben, so wie große Armeen, die unmittelbar vor der großen Schlacht in Stellung gebracht werden. Kohlrabenschwarze Wolken sind es, es wird von Minute zu Minute dünkler und der Wind nimmt an Stärke und Heftigkeit zu. Als wir uns dem Ziel in Caorle nähern, sehe ich auch, daß die dunklen Regenwolken nicht mehr weit sind und daß wir in ein paar Minuten in das Donnerwetter reinfahren werden. Das wird sich nicht mehr umgehen lassen. Denn die Front kommt ganz breit auf uns zu, überall sind die Wolken, am Meer, vor uns, und auch vom Landesinnern her, wir sind sozusagen vom drohenden Gewitter umzingelt.

Ein paar Augenblicke später fahren wir über den Zielstrich und beginnen die Schlußrunde, noch sind 31 km vor uns. Die Chancen, daß ich in dieser Gruppe unter die ersten zehn fahre und einen Preis ergattere, sind verdammt niedrig, eigentlich müßte ich - von der Papierform her - leer ausgehen. Ich bin angeschlagen und der schwächste Sprinter der ganzen Gruppe. Was sind das bloß für Aussichten? Irgendwie muß ich meine Erfolgsaussichten vergrößern, aber wie?

Die Idee kommt mir, als ich wieder einmal voller Bangen in die Regenfront vor uns schaue. Ich bin mir sicher, daß es nur mehr einige wenige Minuten dauern wird, bis das Inferno losbricht. Alle haben sie Frust, daß sie so knapp vor dem Ziel noch vom Unwetter erwischt werden, alle schimpfen sie innerlich, alle sind sie abgelenkt, und was machen sie in dem  Moment, wenn sie von den ersten Regengtropfen getroffen werden? Sie verwünschen alles und jeden, halten die Luft an, ziehen den Kopf ein. In einer solchern Haltung kann man nicht attackieren, denke ich mir, und nehme mir vor, in genau dem Moment anzutreten, wenn die ersten Tropfen fallen sollten. Ha, das ist mal eine Takjtik, die hatte ich noch nie in meiner Karriere! Angriff, wenn der Regen kommt! Was habe ich schon zu verlieren?

WQir sind genau 10 km in dieser dritten und letzten Runde unterwegs, als der Regen wie eine Wasserfront auf uns niederbricht, innerhalb von ein oder zwei Sekunden sind wir alle bis auf die Haut naß, die Straße dampft, der Regen prasselt nieder, so stark, daß es direkt Schmerzen auf der Haut verursacht, wie kleine Nadelstiche, wie ein Hagelschauer. Alles verkrampft sich, die Sicht ist plötzlich auf knapp 10 Meter gesunken, es ist dunkel wie in der Nacht. Während ich all das registriere, bin ich schon ausgeschwenkt und habe angetreten, es ist ganz leicht gegangen, ich bin einfach weggefahren, es war das Einfachste der Welt. Keine Reaktion von den anderen. Sicher, sie haben nicht damit gerechnet und sie haben nicht mit mir gerechnet. Doppelte Überraschung.

Ich fahre hohes Tempo, soweit das bei dem Wetter überhaupt möglich ist, die starken Windböen sind sehr, sehr hinderlich und bremsen immer wieder. Und bei der Sicht bin ich sofort außer Sicht. Noch 21 km, ob ich das überhaupt durchhalte, das ist ein ganz schönes Stück Arbeit, das mir da bevorsteht. Ich bemühe mich, gleichmäßig zu fahren, mich nicht zu verausgaben, ich brauche noch Reserven, für alle Fälle, aber ich muß auch schneller sein als die Verfolger. Überall ist das Wasser, in den Ohren, in den Nasenlöchern, im Mund, in den Augen, und überall ist auch der feine Sand, hier in Strandnähe sowieso, dieser Sand knirscht zwischen den Zähnen, ich reibe mir die Augen, überall Sand, die Brillen laufen an und sind verschmiert, ich sehe kaum was: ich darf mich nicht zu sehr in negativen Sachen verlieren, ich muß positiv denken, ich blicke mich zum ersten Mal um. Nichts zu sehen. Nur die
Scheinwerfer des Begleitautos. Beruhigt fahre ich weiter. So weit, so gut.

Ich kämpfe mich in Richtung Ziel durch. Caorle rückt näher, in La Salute habe ich noch gezweifelt, aber in Ottava Presa beginne ich langsam an den Sieg zu denken. Und genau in dem Moment, 9 km vor dem Ziel, weiß ich, ohne mich umzudrehen, daß da einer an meinem Hinterrad hängt. Sowas spürt man. Verdammt, das ist ein mentaler Schlag, ein ganz schwerer Schlag, der Sieg ist damit dahin. Was, wenn es gar mehrere sind, was, wenn gar alle wieder da sind? Nicht auszudenken, ich habe plötzlich große Angst, mich umzudrehen. Noch 9 km - muß das denn sein? Ich schwenke weg, und ein athletischer Typ fährt vorbei und übernimmt die Führung. Alfio Maracani! Ausgerechnet der, einer der stärksten Sprinter, ein absoluter Siegfahrer! Bei der WM in St.Johann war er heuer auch ganz vorne mit dabei, den kann ich nie und nimmer biegen. Schade, doch nur zweiter Platz! Und weil ich vorher schon an den Sieg gedacht habe, ist das jetzt doppelt bitter.

Frust, Enttäuschung, Hoffnungslosigkeit. Ich fahre irgendwie weiter, aber die Motivation ist nahe dem Nullpunkt. Maracani nimmt brav, fährt hohes Tempo, und dann raffe ich mich auf, ich darf mich jetzt nicht hängen lassen, denn wenn ich ausfalle und ihn alleine schuften lasse, sind womöglich alle anderen auch bald da. Das darf nicht passieren, ich muß zumindest Zweiter werden. Die Motivation ist wieder da, ich kjlemme mich ans Hinterrad, ich lasse ihn machen, und als er dann etwa 2 km vor dem Ziel anfängt, Spielchen zu machen, gehe ich gar nicht darauf ein, ich bleibe konsequent hinter ihm, da soll er machen, was er will. Ich weiß, daß ich vom Sieg Lichtjahre entfernt bin, aber ich will Maracani wenigstens ein klein wenig noch ärgern, bevor er sich den Sieg einsacken darf.

Wir kommen zum Ziel, vonh hinten droht keine Gefahr mehr, ich sehe nichts und niemanden, wir passieren die 1000-m-Marke, nichts tut sich, Maracani führt, ich dahinter, dann die 500-m-Marke, dann die 200 m und plötzlich steht er auf, tritt an und fährt weg. Das wars dann, unspektakulär und völlig überraschend, in diesem Zieleinlauf liegt null Spannung drin. Ich bin Zweiter, klarer Zweiter, denn als ich auf die Verfolger dann warte, sehe ich erst, welch großen Vorsprung wir herausgefahren haben. Wie gerne hätte ich diesen Klassiker hier gewonnen, wie viele Jahre lang habe ich das schon versucht! Naja, bleibt wenigstens für die nächsten Jahre noch was übrig.

Der Sieger von Caorle, Alfio Maracani (Mitte)

Ergebnisse Kategorie Gentlemen: 1. Alfio Maracani (GS Rovigo) 2:08:12 (Siegerschnitt 42,9 km/h), - 2. Robert Bartonek (GS Tecnoimpianti Padova), gleiche Zeit, - 3. Riccardo Tarlaio (GS De Luca Renault Portotecnica Portogruaro) -1:15, - 4. Fabbrizio Verza (GS Avesana Bike), gleiche Zeit, - 5. Alberto Busatto (GS De Luca Renault Portotecnica Portogruaro) -1:22, - 6. Karl-Heinz Malfertheiner (GS Petrolvilla - Bergnerbräu), - 7. Silvano Tittoto (GS Pappin Costr. C.C.), - 8. Renzo Marcon (GS Cima SIAI), - 9. Angelo Bettin (GS De Luca Renault Portotecnica Portogruaro), - 10. Stefano Mometti (GS San Giovanni di Livenza), alle gleiche Zeit

 

25. Oktober 2009: Großer Straßenpreis von Lenti, Ungarisches Saisonabschlußrennen, 111 km

Rennstrecke: Lenti - Mumor - Zajda - Nova - Szilvagy - Porszombat - Kalocfa - Irsapuszta - Zalalövo - Felsöjanosfa - Pankasz - Nagyrakos - Öriszentpeter - Senyehaza - Magyarszombatfa - Gödörhaza - Velemer - Szentgyörgyvölgy - Magyarföld - Kerkaskapolna - Ramocsa - Kerkafalv a - Csesztreg - Redics - Lenti, 111 km, Start 9.15 Uhr, 385 Höhenmeter

Wetter: sonnig, leicht bewölkt, windstill, sehr mild, 17°

Rennverlauf: Alle Altersklassen fahren heute hier, die Eliteklasse macht den Anfang, 5 Minuten später folgen die Junioren, dann die Master 35-40 und 40-50, und um 9.15 Uhr dann die Master 50-60 und 60+. Es ist ein herrlich schöner Herbsttag, nur die Luft ist sehr kalt und frisch so bald am Morgen. Heute ist auf Winterzeit umgestellt worden. 75 Fahrer nehmen das Rennen auf, ich bin einer von ihnen. Das Wetter entschädigt für vieles, mir klappern noch die Zähne, wenn ich an gestern denke. Wieder ein langes Rennen, diesmal gar 18 km länger als gestern. Und 21 km länger als im vorigen Jahr, damals habe ich gewonnen, ich starte daher heute mit der Startnummer 1 am Rücken. Und daß die Masterrennen hier in Ungarn ein niedrigeres Niveau haben als etwa in Österreich oder in Italien, sieht man gleich, wenn man diesen wilden Haufen hier mustert. Da tun sich wahrlich Abgründe auf.

Nach 8 km wartet bereits der erste Anstieg, etwa 3 km lang, aber ganz, ganz flach, hat max. 2 % Steigung, das heißt, da wird mit dem großen Blatt drübergefahren. Ich reihe mich ganz vorne ein, sicher ist sicher, und ich habe gut dsaran getan, denn hinten spielen sich Dramen ab. Es wird zwar nicht sehr schnell gefahren, aber anscheinend zu schnell für die meisten, denn es kann sich hier eine etwa 25 Mann starke Gruppe absetzen. Ich habe keine Probleme, da mitzufahren. Ich halte mich zurück, mache nicht auf mich aufmerksam, aber ich merke natürlich, daß ich manchmal beobachtet werde. Ist ja auch klar, mit der Nummer 1 steht man im Blickpunkt. Ich kann warten, ich zeige Geduld und warte ab.

Kurz hinter Nova beginnt dann der zweite Anstieg, wieder ein ziemlich langer, es ist eine teilweise wilde Gegend hier, kilometerlang sieht man keine Häuser oder Ansiedlungen, die Straße führt größtenteils durch einen wilden und ungepflegten Wald. In mehreren Steilstufen geht es bergan, der Höhenunterschied bleibt aber gering. Wieder ist es keine besondere Herausforderung, aber wieder wird die Gruppe kleiner. Ohne daß vorne attackiert wird. Aber sicherheitshalber fahre ich wieder ganz vorne, und als es dann nach Szilvagy runter geht, bin ich nach wie vorne in der Spitzengruppe, die auf 19 Mann geschrumpft ist. Und wir haben doch tatsächlich bereits die ersten Abgerissenen der jüngeren Masterklasse eingeholt, die 5 Minuten vor uns gestartet ist. Auf den folgenden 5 Kilometern bis zur Hauptstraße ist das Gelände sehr wellig und hügelig, es kann da kein Rhythmus aufkommen. So leicht mir das Rennen bisher fällt, ich muß dennoch sehr konzentriert fahren, darf nichts und niemanden übersehen, denn jederzeit kann eine Attacke kommen, schließlich kann ich es nicht glauben, daß da gar nicht angegriffen wird.

Aber es tut sich nichts. Oder vielmehr: es tut sich schon was, denn die Gruppe wird immer kleiner, aber ich halte locker mit.  Und als sich dann eine vierköpfige Gruppe absetzt, kann ich erst nichts dagegen machen, ich habe es schlicht und einfach übersehen und habe nicht mehr damit gerechnet. Die Ausreißer vergrößern ihren Vorsprung, bis er sich bei etwa 2 bis zweieinhalb Minuten einpendelt. Ich rechne schon damit, daß eine Verfolgergruppe nachsetzt und bin ganz konzentriert vorne in Lauerstellung gefahren, aber nichts dergleichen passiert. Statt dessen wird die gesamte Gruppe schneller und fährt den Ausreißern nach. Auch gut, ich verschwinde wieder in der schützenden Sicherheit der großen Gruppe.

Nach einem längeren Flachstück sind wir in Öriszentpeter angelangt, die vier Ausreißer führen mit 1:50 Minuten und wir haben den vierten Anstieg zu bewältigen. Wieder schlechte Straße, ruppige Steigung, unrhythmisch, bis zu 12 % steil, aber nicht sehr lang, trotzdem reißt die Gruppe hier auseinander. Vorne also nach wie vor die vier Spitzenreiter, dann 6 Verfolger, dann wieder 8 Mann mit mir, dahinter der Rest, die in der Abfahrt wieder aufschließen können, wir aber kommen nicht mehr vorne ran. Schöne Bescherung, ohne was getan zu haben, bin ich also in der dritten Gruppe. Gleich danach Anstieg Nummer 5, kurz und sehr steil (bis 16 %), hier bricht die Gruppe abermals auseinander, ich drücke jetzt aufs Tempo und kann mit zwei anderen Fahrern beinahe an die Verfolger heranfahren, das gelingt dann in der Abfahrt.

Neue Situation nach 71 km: die vier Spitzenreiter führen mit 35 Sekunden vor zwei Verfolgern und 55 Sekunden vor einer 10köpfigen Gruppe, in der ich auch dabei bin. Der jetzt folgende sechste Anstieg ist ein flacher, aber längerer, dürfte so ungefähr an die 4 km lang sein, aber mit max. 3 %, wir fahren da alle mit dem großen Blatt. Und hier fällt eine Vorentscheidung: in der Spitze ist attackiert worden oder ist die Gruppe aus anderen Gründen geplatzt, jedenfalls gibt es danach einen Solofahrer vorne, dahinter einen weiteren einzelnen, die beiden anderen werden von den Verfolgern eingeholt, die aber ebenfalls durch eine ganz forsche Fahrweise ordentlich zuerpflückt worden sind. Meine Gruppe ist jetzt nämlich nur mehr 7 Mann stark! Unsere Lage sieht jetzt wieder rosiger aus, das Blatt scheint sich doch noch gegen die Ausreißer zu wenden. Mit diesem Anstieg sind die gröbsten Schwierigkeiten der Strecke überwunden, jetzt geht es im großen und ganzen flach bis ins Ziel. Langsam frischt der Wind auf und wird vielleicht doch noch zu einem mitentscheidenden Faktor, vor allem bei Solofahrten.

In Csesztreg nach 93 km ist es vorhersehbar, daß wir die Ausreißer bald einholen, denn auf den letzten Kilometern haben wir sehr schnell aufgeholt, ohne dabei schneller geworden zu sein. Es ist eine Eingebung in einem Bruchteil einer Sekunde, aber ich beschließe, gar nicht darauf zu warten, sondern greife gleich jetzt an. Auf meine viel und oft bewährte Art, ganz unscheinbar schleiche ich mich weg, und als das Loch bereits 100 Meter beträgt, drücke ich aufs Tempo, ohne aufzustehen. Ich fahre sitzend, das sieht von hinten ganz unscheinbar aus. Die beiden einzelnen Spitzenreiter haben zueinander gefunden und zu diesem Duo fahre ich jetzt ohne größere Probleme auf. Als wir die Hauptstraße erreicht haben und südwärts Richtung slowenischer Grenze fahren, liegen noch 13 km vor uns. Die beiden Ungarn sind völlig platt und mir keine Hilfe, die haben allergrößte Schwierigkeiten, mein Hinterrad zu halten. Wenn ich vorne bleiben will, dann muß ich sie loswerden, so schnell wie möglich, denn mit denen zusammen verzettele ich mich nur und bin auch viel zu langsam.

Gegend um Lenti

Zweite Attacke 11 km vor dem Ziel auf der breiten Straße in Richtung Grenze. Aus der dritten Poisition heraus trete ich an, die beiden reagieren gar nicht, haben anscheinend schon damit gerechnet, und als ich mich dann wieder niedersetze, bin ich endlich alleine - an der Spitze! Mit dem leichten Wind im Rücken fahre ich jetzt zwischen 42 und 44 km/h und gewinne schnell an Vorsprung, nehme mir aber vor, nach spätestens 2 km zurückzuschalten, denn ich brauche noch Reserven. Der Rest ist schnell erzählt: ich kann relativ leicht die Verfolger auf Distanz halten, sehe bald niemand mehr hinter mir und die letzten 6 km, die auf der breiten Straße schnurgerade verlaufen, sind