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 ÖSTERREICH-REGIONAL vom 18. Oktober 1979 nach dem Sieg in der Burgenländischen UNION-Landesmeisterschaft

Herr Bartonek, Sie haben den UNION-Landesmeistertitel vor dem haushohen Favoriten Günter Muskovits gewonnen. Überrascht? Ein klein wenig, aber ich bin der bessere Zeitfahrer und vor allem der bessere Bergfahrer. Und die Strecke hier mit dem Pflaster-Anstieg in Pfösing mit 23 % Steigung und zwei weiteren kleinen Anstiegen ist dem Günter nicht wirklich gelegen. Es stimmt schon, er war der Favorit, und er hat ja auch in den letzten Jahren relativ klar und regelmäßig gewonnen, und das war die erste Strecke, auf der er sich nicht durchsetzen konnte.

Ihr Sieg ist ja sogar relativ klar ausgefallen, Sie haben Ihren Teamkollegen um 54 Sekunden distanziert. Ich bin in sehr guter Form, die Strecke liegt mir mehr als ihm, das waren die Hauptgründe für dieses Ergebnis.

Was sagen Sie zur schwachen Beteiligung? In der Amateur-Hauptklasse waren ja nur zwei Fahrer am Start. Mit einer solchen Beteiligung kann man einen solchen Bewerb wirklich umbringen. Mir unverständlich, weshalb da nicht mehr Fahrer gekommen sind. Wahrscheinlich war der späte Termin der Hauptgrund. Aber auch bei einem größeren Starterfeld hätte es kein anderes Ergebnis gegeben, er war der große Favorit und ist Zweiter geworden, die anderen hätten um die Bronzemedaille fahren können.

Welchen Stellenwert hat dieser Titel für Sie? Es ist mein allererster Sieg, und es ist ein Landesmeistertitel. Aber Sie haben recht, über den Sinn einer solchen Veranstaltung muß man schon nachdenken, wenn in der Hauptklasse zwei Mann am Start stehen und die Bronzemedaille sozusagen übrigbleibt. Aber darüber habe ich mir nicht den Kopf zu zerbrechen, das ist Sache des Veranstalters.

 

DENVER CHRONICLE vom 20. Juli 1982 nach dem 15. Gesamtrang beim "Hell of the West"

Herr Bartonek, Sie sind als bester Rookie ausgezeichneter 15. beim "Hell of the West" geworden, hinter der kolumbianischen Armada, und haben die meisten amerikanischen Stars geschlagen. Woher kommen Sie und wie schätzen Sie diesen Erfolg ein? Ich bin Österreicher, komme daher aus einem bergigen Land und habe mit Anstiegen keine Probleme. Dieser 15. Rang war mein bestes Ergebnis hier in den USA, und das beste Ergebnis meines Lebens. Die Strecke war ebenfalls die schwerste, die ich jemals gefahren bin, und über die Besetzung brauchen wir gar nicht reden - Weltklasse. Damit erübrigt sich die Frage nach dem Wert des Erfolges. Schlichtweg umwerfend.

Mit der Strecke konnten Sie sich anfreunden? Grundsätzlich ja, wenngleich ich vom Schwierigkeitsgrad täglich überrascht war. Der letzte Tag war dann der Hammer, ich dachte nie, daß die Etappe so schwer sein würde.

Konnten Sie auf eigene Kappe fahren? Nein. Ich habe meinen Freund unterstützt, Sinclair Kenton, der die Rundfahrt ja gewonnen hat. Dadurch war ich natürlich auch immer bei ihm, konnte am längsten bei ihm bleiben und war somit automatisch relativ weit vorne. Ich habe ihm geholfen, so gut ich konnte, und wenn ich zurückgefallen war oder abreißen lassen mußte, bin ich mein eigenes Rennen gefahren.

Als welchen Fahrertyp würden Sie sich beschreiben? Etappenfahrer, Bergfahrer, habe eine solide Basis, habe das ganzen Jahr über eine ziemlich hohe Grundform, kann nicht sprinten und kaum zeitfahren und eigentlich ist das alles neu für mich.

Sie untertreiben. Bei der Bergankunft am Schlußtag haben Sie den 9. Rang belegt, das war eine Weltklasseleistung. Wie wichtig ist dieses Ergebnis für Sie? Sehr wichtig, vor allem auch, weil es das allererste war. Jetzt weiß ich, daß ich mitfahren kann, daß ich mich nicht zu verstecken brauche. Das gibt Moral und Selbstsicherheit und hilft bei den kommenden Rennen, wenn es mir dreckig gehen sollte. Daran kann ich mich mental aufrichten, daher ist die Wichtigkeit dieses Ergebnisses gar nicht in Worte zu fassen.

Wie sind Sie in die USA gekommen, welche Ziele haben Sie hier? Ich bin durch eine private Initiative hierhergekommen und möchte dieses Jahr hier die Rennszene kennenlernen und dazulernen. Und natürlich Erfolg haben.

Ein Europäer, der von den Amerikanern lernen will? Warum nicht? Der amerikanische Radsport braucht sich wirklich nicht zu verstecken. Die Rennen sind zwar gewöhnungsbedürftig, aber keinesfalls von niedrigerem Niveau.

Wie bewerten Sie den Stellenwert des amerikanischen Radsports? Die Szene hier ist natürlich noch sehr jung, hat keine Tradition und ist daher mit Europa nicht vergleichbar. Aber die Menschen hier lernen schnell. Sie wollen viel, manchmal zuviel, aber durch die Vorlage der Europäer machen sie auch manche Fehler gar nicht. 1984 stehen die Olympischen Spiele an, noch dazu in Los Angeles, und da kann ich versprechen, daß sich sehr viele über die amerikanischen Radrennfahrer noch wundern werden. Die Spitzenfahrer können durchaus um Medaillen mitfahren. Der Abstand zu den traditionellen Radsportländern wird rasend schnell geringer. Und in ein paar Jahren, wer weiß...?

Sie fahren im Royal-Flash-Professional-Cycling-Team, sind als Gastfahrer eingeschrieben. Wie kommen Sie mit den Teamkollegen zurecht? Sehr gut, es gibt keine Unstimmigkeiten, das Umfeld paßt perfekt, man kann sich aufs Wesentliche konzentrieren, nämlich das Training und die Rennen.

Gibt es eine Karriereplanung? Ich weiß, viele Europäer haben sich hier niedergelassen und sind fixer Bestandteil der american domestic scene geworden. Hier verdienen sie gutes Geld, warum sollten sie also wieder gehen? Ich werde sicherlich nur dieses eine Jahr hier sein und dann nach Österreich zurückgehen. Bis dahin möchte ich soviel wie nur möglich lernen und mich in allen Belangen verbessern.

Gibt es Vorbilder? Jeder, der auf seinem Gebiet, in seiner Disziplin Spitze ist. Niemand bestimmter, ich möchte mir von den Besten was abschauen, wer immer das ist. Was machen die anders als die schwächeren Fahrer, was macht ihre Stärke aus, was kann ich von denen lernen? Das sind die Fragen, die mich interessieren.

Streben Sie eine Profilaufbahn an? So weit ist es noch lange nicht, ich beginne ja gerade erst bei den Amateuren Fuß zu fassen. Ein Übertritt zu den Profis steht überhaupt nicht zur Debatte.

Können Sie hier in den Vereinigten Staaten Rennen gewinnen? Noch habe ich keines gewonnen, aber ich arbeite dran. Wenn alles paßt, dann kann ich vielleicht zu einem erweiterten Favoritenkreis zählen, ob ich dann aber gewinne, hängt wieder von so vielen anderen Faktoren ab, die ich gar nicht beeinflussen kann. Die Form alleine ist da viel zu wenig. Aber wie ich schon sagte, es geht mir nicht darum, sondern um einen seriösen Aufbau der Karriere. Wenn ich zurückgehe, möchte ich deutlich stärker sein als vorher.

Zurück zum "Hell of the West": wie schätzen Sie den internationalen Stellenwert dieses Rennens ein? Vom Streckenprofil her sehr hoch, von der Besetzung her noch höher. Aber ich glaube auch, daß das Rennen am Zenit ist und man da nicht mehr viel steigern kann. Bedingt durch die Dauer von 3 Tagen und den Qualifikationsmodus sind dem Rennen natürlich gewisse Grenzen gesetzt.

Was sind Ihre negativen Eindrücke vom Rennen? Da kann ich nur einen Punkt erwähnen, daß ist die schon vorher angesprochene Qualifikation. Wenn nur 40 Mann in den zweiten Tag gehen dürfen, dann ist das international gesehen einfach zu wenig. Teams werden auseinandergerissen, schwächere Mannschaften werden sich hüten, hier teilzunehmen, weil sie rechnen müssen, nicht weiterfahren zu dürfen. Die Teilnehmerzahl wird daher begrenzt bleiben. Aber auch der Rennverlauf wird klar und eindeutig dadurch beeinflußt, Helfer werden eliminiert, der Rennverlauf wird ein ganz anderer, und durch das kleine Feld werden größere Zeitabstände richtiggehend herausgefordert. Aber das ist halt spektakulär. Würde die Qualifikationsregel fallen, hätte man ein größeres Starterfeld und insgesamt einen ruhigeren Rennverlauf.

Ist der Titel "Rookie of the Year" ein Ziel für Sie? Kein ausdrückliches. Ich nehme es wie es kommt. Der Titel an sich ist eine Auszeichnung, daher eine Ehre und Verpflichtung, wenn man ihn gewinnt. Aber ich glaube, da gibt es einige andere, die dafür besser prädestiniert sind als ich.

Wo wird man sie demnächst sehen können? Es ist jetzt eine kleine Pause in der Rennplanung, etwas Zeit zum Durchschnaufen. Am Sonntag starte ich bei der Tour of Somerville in New York.

Zum Abschluß noch eine Prognose: wer kann Straßenweltmeister 1982 werden? Das können sicher sehr viele, aber ich habe einen Geheimtip: Sinclair Kenton. Wenn er es nicht schafft, dann ein Fahrer aus dem Ostblock.

 

 

TUTTOCICLISMO vom 28. Mai 1991, Interview nach dem 4. Gesamtrang bei der Korfu-Rundfahrt:

Herr Bartonek, wie waren Sie mit dieser Bergetappe am vorletzten Tag zufrieden, als Sie an die 4. Gesamtstelle vorgerückt sind? Ich hatte viel Glück, denn die Etappe war ja vom Start weg sehr schnell, ich mußte da gleich in der richtigen Position fahren, wurde aber von meinem Teamkollegen Alois Vigl mustergültig unterstützt, der gezeigt hat, daß er am Berg zu den Stärksten zählt. Und dann konnte ich nur mehr hoffen, diesen Platz am Schlußtag zu verteidigen. Eine weitere Verbesserung war unrealistisch, die Abstände waren viel zu groß, das Streckenprofil des letzten Tages völlig flach. Da ging es in erster Linie darum, die Plazierung zu halten.

Haben Sie mit diesem Ergebnis von Anfang an gerechnet? Das Streckenprofil war ja nicht unbedingt auf eure Mannschaft zugeschnitten. Als ich den Etappenplan gesehen habe, da war ich schon ziemlich skeptisch. Lauter Flachetappen, was sollten wir hier denn tun? Wir hatten doch nur eine einzige Chance, die Bergetappe am zweiten Tag. Und diese Chance haben wir ganz toll genutzt. Da hat wirklich alles gepaßt, da waren einige ganz selektive Passagen dabei, die die Spitze immer kleiner gemacht haben. Vigl und ich sind bis zum Schluß drangeblieben, als dann der Russe weggefahren ist und nur mehr eine kleine Gruppe aufschließen konnte, da habe ich schon überlegt, wo ich meinen Angriff plazieren soll. Ich hatte nur mehr Kraft für eine einzige Attacke, und die mußte daher sitzen, nicht zu weit vor dem Ziel. Dann war plötzlich der Grieche weg, wir sind über den letzten Berg rüber, da hae ich gewußt, jetzt mußt du was tun. Zu dritt haben wir dann den Griechen gestellt, der wa fix und fertig. Er konnte nicht mal mehr führen, und dann war ich mit einem Mal Gesamtvierter. Unser Vorsprung war ganz beachtlich. Man muß aber auch sagen, daß hier kaum starke Bergfahrer dabei waren. Wirklich bedanken muß ich mich an dieser Stelle bei meinen Teamkollegen, die aufopfernd gearbeitet haben, ohne sie hätte ich diesen vierten Rang niemals halten können.

Also war diese Etappe von Anfang an für den Großangriff ausersehen worden? Wir hatten in dieser Tour nur diese eine Chance, das Gesamtklassement zu machen, und auch das war höchst unsicher, kannten wir doch weder Konkurrenz noch Strecke genau. Und die lange Distanz von 169 km war auch ein Unsicherheitsfaktor. Vigl und ich waren die einzigen, die mit der Spitze mithalten konnten, wir wurden von der Mannschaft ausgezeichet untersützt. Bis zum ersten Berg hin sind wir wie im Schlafwagen gefahren. In der Steigung war es dann ein reines Ausscheidungsrennen. Wir sind sehr hohes Tempo gefahren, hinten sind immer mehr Fahrer zurückgefallen. Das Terrain war wirklich extrem schwer, schmale Straßen, extrem ruppige und steile Anstiege, die viel Kraft gefordert haben. Am letzten Berg, als der Grieche weg war, da war ich schon etwas überrascht, wie leicht wir da nachsetzen konnten, und als ich dann gesehen habe, daß wir nur mehr zu dritt waren, habe ich forciert, so gut ich konnte. Der Vorsprung ist schnell angewachsen, ich wußte, das ist die einmalige Chance, die Gesamtwertung umzuwerfen. Das hat uns beflügelt. Am Schlußtag ist Gottseidank alle gutgegangen, kein Defekt, wir kontnen sogar noch einen Doppelsieg feiern. Ein toller Abschluß dieser Rundfahrt. wir hatten halt das Glück des Tüchtigen, auch in der Mannschaftswertung ist sich mit Platz 3 noch ein Spitzenresultat ausgegangen.

Dabei haben Sie gleich am ersten Tag den zweiten Gesamtrang verspielt? Da bin ich leider aus eigenem Verschulden wenige Kilometer vor dem Ziel aus dem Feld zurückgefallen, ich war nur einen Moment unkonzentriert, ich habe 1:37 Minuten verloren, in der Gesamtwertung haben mir am Ende 4:08 Minuten auf den Sieger gefehlt, aber nur 1:01 Minuten auf den Gesamtzweiten. Ich war geistig etwas übermüdet, bin unkonzentriert gefahren, und als da eine Lücke vor mir aufgegangen ist, habe ich gezögert, und dann war es auch schon passiert. Zu dumm, das hat mich den zweiten Rang gekostet.

Wie hoch schätzen Sie den Wert dieses vierten Ranges international ein? Mit Asiat Saitov hat ein russischer Elitefahrer gewonnen, der international sehr gut bekannt ist. Aber wo waren die Deutschen, die Schweizer, die anderen Russen, die Belgier? Die haben sich nicht gezeigt, aus welchen Gründen auch immer. Wir waren dagegen immer präsent, haben eine Etappe gewonnen, Vigl ist noch Gesamtneunter geworden, dazu der dritte Rang in der Mannschaftswertung. Ich bin auch im Bergpreis am Stockerl gestanden, also gesamt gesehen waren wir sicherlich keine Eintagsfliege.

Podestplatz verpaßt oder vierten Rang gewonnen? Nein, nein, ich bin nicht größenwahnsinnig. Der dritte Gesamtrang war nicht mehr drin, nicht nach dem Mißgeschick am ersten Tag. Ich muß realistisch bleiben, der vierte Rang ist schon sehr viel mehr, als ich mir vorher erwarten durfte.

DOLOMITEN vom 3. Juni 1991, Interview nach dem 15. Rang bei der Korsika-Rundfahrt:

Bravo, Robert! Gleich auf der 1. Etappe hast du deine Chance auf den Gesamtsieg gewahrt, als du am Col de Vizzavona in der Spitzengruppe warst. Ich habe damit gerechnet, daß eine kleine Spitze am Berg wegkommen wird, schließlich war der Anstieg 18 km lang, mit sehr viel steilen und ruppigen Passagen, die immens viel Kraft gekostet haben. Dann waren aber nur mehr die absolut Besten vorne, und die haben so viel Dampf gemacht, daß dieser große Vorsprung zustande gekommen ist. Da ich am Berg vorne mit dabei war, mußte ich auch keinen Rückstand aufholen, habe dadurch Substanz gespart und bin relativ frisch ins Ziel gekommen. Leider ist Vigl zu früh abgerissen, konnte mich auf den letzten 3 km des Anstiegs nicht mehr unterstützen. Schade.

Die nächste große Selektion erfolgte im dritten Teilstück, das über 174 km zur Bergankunft nach Ajaccio führte. Wie hast du dieses Teilstück erlebt? Leider hat die Marschtabelle nicht gestimmt, die Etappe war länger als angegeben, der Schlußanstieg war auch statt 4 km gleich 10 km lang, das hat ungemein Substanz gekostet. Und es war für mich die letzte Chance, meine Position zu verbessern. Ich war danach an der 15. Stelle, das Klassement war bombenfest, damit war die Tour für mich gelaufen.

Die vierte Etappe nach Bonifacio hat dann auch keine Veränderung gebracht, welche Chancen hast du da für den Schlußtag noch gesehen? Ich lag da schon 3:25 Minuten zurück, das war nicht mehr aufzuholen. Nicht bei dem Streckenprofil. Also war es realistisch, den Platz zu halten.

Am Ende warst du als einziger deines Teams auf Tuchfühlung mit der Weltspitze - wie hast du diese Korsika-Tour gesehen? Es war ein ganz großer Erfolg für mich, für die gesamte Mannschaft, denn diese Tour war wirklich ausgezeichnet besetzt, da waren absolute Weltklasseleute an der Arbeit. Da bin ich natürlich besonders stolz, nur dreieinhalb Minuten verloren zu haben.. Ausschlaggebend dafür war sicherlich das erste Teilstück, wo bereits die Vorentscheidung gefallen ist, als meine Gruppe mit großem Vorsprung ins Ziel gekommen ist. Nachher war es nur mehr Verdienst der Mannschaft, die mich blendend unterstützt hat.

Hast du mit einem solchen Ergebnis gerechnet? Ich durfte von Anfang an auf die bedingungslose Unterstützung der Mannschaft bauen, und das hat sich ausgezahlt, denn in der vorentscheidenden ersten Etappe war ich vorne mit dabei.. Leider haben mir im Finale dann an den beiden letzten Tagen die selektiven Anstiege gefehlt. Aber der 15. Gesamtrang ist ein Traumergebnis für mich.

Worauf führst du dein beachtliches Abschneiden zurück? Es stimmt, das Ergebnis war international sicherlich beachtlich. Der Rückstand war sehr gering, und in Korsika waren verdammt gute Leute am Start. Die gute Plazierung führe ich vor allem auf die selektive Streckenführung der ersten vier Etappen zurück, wodurch ich meine Stärken am Berg und meine Routine voll ausspielen konnte. Jetzt bin ich aber schon ziemlich müde, in den beiden letzten Wochen bin ich sehr viele Rennen gefahren, zuerst Korfu, dann Österreich, jetzt Korsika, und daher ist jetzt eine Pause angesagt.

DOLOMITEN vom 22. Juni 1991, Interview nach dem 3. Rang bei der Malta-Rundfahrt

Der 32jährige Österreicher Robert Bartonek feierte bei der über 4 Etappen und 492 km führenden Malta-Rundfahrt einen triumphalen Erfolg und kletterte am Ende auf das Podest und belegte den 3. Gesamtrang. Er zeigte keinerlei Scheu vor den großen Namen, fuhr ein unbekümmertes Rennen und bewies Umsicht und Routine. Doch schon am ersten Tag mußte der Österreicher einen Rückschlag hinnehmen. Was war da passiert? Die ganze Mannschaft stand noch unter den Nachwirkungen der Reisestrapazen, wir sind ja erst ein paar Stunden vorher angekommen. Wir waren dann in der Etappe damit vollauf beschäftigt, im Hauptfeld mitzuhalten und haben alle zweieinhalb Minuten verloren. Ich lag nur an der 75. Stelle und habe mir da kaum mehr Hoffnungen gemacht.

Am zweiten Tag dann aber ein ähnliches Bild, das Feld reißt auseinander, die Tiroler Radler nicht vorne dabei, da haben Sie sogar noch mehr Zeit verloren. Wie war das zu erklären? Das war eine sehr schwere und anstrengende Etappe, es war glühend heiß. Die Situation vorne an der Spitze war für uns sehr unübersichtlich, denn es war eine sehr aggressive Etappe, die Spitzengruppen haben sich andauernd abgewechselt. Ich habe als 41. über 4 Minuten verloren, und da Vigl an dem Tag 50 Sekunden vor mir klassiert war, ist er der Kapitän des Teams gewesen. In der Gesamtwertung lag ich als 50. 4 Minuten zurück, Vigl hatte auch schon gute 3 Minuten Rückstand, und damit war es uns klar, daß wir nur mehr mit einer aktiven Fahrweise zum Erfolg kommen können, wir müssen in einer Fluchtgruppe vertreten sein. Mir selbst ist es an diesem zweiten Tag gar nicht gut gegangen, ich war müde, war körperlich nicht voll auf der Höhe und habe vor allem im Finale leider noch eine Minute eingebüßt, das war schade.

Am dritten Tag dann ein völlig anderes Bild: eine größere Gruppe fährt einen eklatanten Vorsprung von viereinhalb Minuten heraus, und dann seid ihr zu dritt vertreten, und Pattis gewinnt die Etappe. Ein Wetterwechsel brachte strömenden Regen und Hagelschauer, wie haben Sie diese Etappe erlebt? Das Streckenprofil ist mir nicht sehr entgegengekommen, es war der kraftvolle, athletische Straßenfahrer als Typ gefragt. Aber ich denke, wir haben uns da für die Schlußetappe eine tadellose Ausgangsposition geschaffen, wir haben drei Mann unter den Top-20 der Gesamtwertung gehabt, und die Taktik war, daß wenigstens einer von uns seinen Platz verteidigen sollte. Das Problem war aber dabei die mangelnde internationale Erfahrung des Teams und ich habe auch gefürchtet, daß vielleicht der eine oder andere den Strapazen nicht mehr gewachsen war.

Und dann die totale Sensation am Schlußtag: mit dem 37jährigen Oldboy Alois Vigl gewinnt ein Außenseiter Schon bei der Korfu-Rundfahrt mit dem 9. Rang im Blickfeld, hat er jetzt diese Rundfahrt in Malta für sich entscheiden können. Doch Sie haben die entscheidende Attacke geritten, die ja eine unwahrscheinliche Wirkung hatte, auf den letzten Kilometern haben Sie noch über 4 Minuten herausgefahren. War dieser Angriff geplant? Es stimmt, ich habe mir drei Runden vor Schluß diesen Punkt zum Angriff ausgesucht, ich habe mich mit Franz und Alois abgesprochen. Die beiden waren der Meinung, daß in der Gesamtwertung nichts mehr zu holen war und wir im Etappenergebnis auf einen Erfolg fahren sollten. Stimmt, es war ja auch knapp, und das war der größte Erfolg für uns alle in diesem Jahr bisher. Wir hatten die Überraschung auf unserer Seite, niemand hat uns ernst genommen, im Feld haben sie viel zu lange gezögert. Franz ließ sich zurückfallen und hat die Arbeit der Verfolger erfolgreich gestört, hat eine kontrollierte und gleichmäßige Verfolgung erfolgreich verhindert.

Der Sowjetrusse Rikho Suun im Gelben Trikot lag im Hauptfeld über 4 Minuten zurück. Wie sind diese letzten Kilometer der Etappe abgelaufen? Ich bin mit Alois an der Spitze gefahren, der Italiener Marcello Titta und der Grieche Alexander Kanellopoulos waren noch dabei, iwr haben hervorragend harmoniert und sind um unser Leben gefahren.

Wie sehen Sie jetzt Ihre Form? Sie waren ja der Initiator dieser Fluchtgruppe, Sie habne das Steuer zugunsten Ihres Vereins noch herumgerissen. Ich habe ein dichtgedrängtes Rennprogramm, das sehr viel Substanz fordert. Ich kann nicht jedes Rennen voll auf Druck fahren. Hier in Malta war mir persönlich das Streckenprofil eigentlich zu flach, doch durch das Wetter war die ganze Rundfahrt dann doch selektiver als angenommen. Ich habe mich für Vigl vorgespannt, daß für mich selbst noch der dritte Gesamtrang herausgesprungen ist, war sozusagen ein Nebenprodukt.. Aber ich bin von Anfang an nicht mit jenem Druck um den Sieg mitgefahren, den man bei einem solchen Vorhaben einfach braucht. Dazu ahbe ich in den ersten beiden Tagen auch viel zuviel Zeit verloren. Aber als ich dann die Chance plötzlich gesehen habe, da habe ich zugepackt. Für mich war der Gesamtsieg nicht drin, aber Vigl, der von uns allen am besten plaziert war, der hatte durchaus noch Chancen, also bin ich für ihn gefahren.

Ihr Erfolgsgeheimnis? Wie kann man in einer Rundfahrt, in der man schon alles verloren hat, noch aufs Podest fahren? Die Mannschaft. Wir fahren zum Erfolg, indem wir füreinander einspringen.

Was ist Ihr Wunschtraum für die Zukunft? Als Bergfahrer habe ich beinahe alles erreicht, aber als Straßenfahrer würde ich gerne einmal eine große Rundfahrt gewinnen

Es klingt wie ein Traum: Sieg und Platz 3 in der Gesamtwertung, eine Etappe gewonnen, Sieg in der Mannschaftswertung - die Tiroler Radler waren in dieser Tour nicht zu übersehen. Was ist der Grund für diesen unglaublichen Aufstieg? Naja, harte Arbeit, würde ich sagen. Wir haben eine einmalige Mischung aus Routine, Können, Kraft, Energie, Intuition, Disziplin und ab und zu auch das Glück des Tüchtigen. Vor allem sind wir jetzt so weit, daß wir im Rennen selbst die richtigen Entscheidungen treffen können.

Ihr Fazit dieser Rundfahrt? Dieses Terrain in Malta hat mir nicht hundertprozentig behagt, daher wiegt dieser Erfolg für mich doppelt. Ich brauche die selektiven Kletterstrecken, die hier nicht vorhanden waren. Diesen dritten Gesamtrang verdanke ich meinem Gespür für den richtigen Moment, meiner Form und meiner Routine. Für den Alois freue ich mich ganz besonders, denn er hat mit seinen 37 Jahren diesen Erfolg verdient wie kaum ein anderer. Und er ist ja auch in der entsprechenden Form, man kann also wirklich nicht von einem Zufallssieger sprechen.

Im Ziel gab es lange Gesichter bei den Russen, die den sicher geglaubten Toursieg noch verloren haben, betroffene Gesichter bei den Schweizer und Franzosen, die ebenfalls noch aufs Stockerl fahren wollten. Wie würden Sie die einzelnen Etappen dieser Rundfahrt charakterisieren, nachdem Sie immer unauffällig gefahren sind, erst mit dem dritten Tagesrang am Schlußtag auch den dritten Gesamtrang sicherstellten? Sowohl von der Organisation als auch von der Streckenführung her habe ich keine Kritik. Die vier Etappen waren durchaus selektiv, die Besetzung internationale Klasse, mir persönlich war das Streckenprofil etwas zu leicht, aber man kann es ja nicht allen recht machen. Dadurch waren meine eigenen Chancen minimal, ich mußte noch mehr mit Hirn fahren, durfte absolut keine Kraft und Energie durch übereilte Aktionen vergeuden. Eine einzige Attacke, aber die mit durchschlagendem Erfolg. Ich bin übergücklich, daß da noch der dritte Gesamtrang rausgesprungen ist, soviel durfte ich ja gar nicht erwarten. Das gibt enormen Auftrieb für die nächsten Rennen.

Nochmal zurück zum entscheidenden Moment in dieser Rundfahrt, am letzten Tag. Was sagen Sie all den Kritikern, die enttäuscht waren, als sie von der Spitze noch verdrängt wurden? Die haben doch eigentlich gar nichts anderes verdient, denn sie alle haben nichts getan, absolut gar nichts, sie haben alle gewartet und geschaut und die Hände aufgehalten. Ich muß ehrlich sagen, in dem Moment wären mir persönlich 10 Minuten Rückstand lieber gewesen beim Versuch, alles zu geben, anstatt da auf Nummer sicher im Feld zu fahren. Ich meine da aber nicht eine ungestüme, wilde Fahrweise, sondern, daß man nicht resignieren sollte, ohne nicht vorher wirklich alles versucht zu haben.

Wie haben Sie den entscheidenden Moment erlebt? Ich habe gemerkt, daß sich da eine gewisse Müdigkeit in die Spitzengruppe eingeschlichen hat, eine geistige Müdigkeit, es hat einfach niemand mehr mit hundert Prozent agiert, alle haben sich geschont, alle waren übervorsichtig. Da wußte ich, daß der entscheidende Moment gekommen war. Und ich hatte recht.

Ihr Erfolg scheint Methode zu haben. Haben Sie nicht Angst, daß auch andere mit Ihrer Methode zum Erfolg kommen können? Absolut keine Angst, denn dann wird es erst wirklich spannend. Ich nähere mich jetzt meiner Hochform, bin zur Zeit schon sehr gut in Schuß, aber ich hatte einfach auch das nötige Glück. Der Vorteil des Überraschungsmomentes war auf meiner Seite, dennoch war es auch ein außergewöhnlich schweres Stück Arbeit. Aber ich habe gezeigt, daß ich auch auf der Straße meinen Mann stehen kann, da paßt jetzt auch der 4. Rang bei der Korfu-Rundfahrt gut dazu.

 Nach der 1. Etappe, in der Sie in der achtköpfigen Spitze waren, haben Sie an den Rundfahrtsieg nicht zu träumen gewagt.  Das stimmt. Die erste Etappe war ein ungemein schnelles Rennen, die gefährlich schmalen Straßen liegen mir nicht. Und ich hatte auch noch das superschwere Stilfser-Joch-Bergrennen vom Vortag in den Beinen. Ich war froh, in der Spitze dabeigewesen zu sein, ich bin dann 3 km vor dem Ziel leider abgerissen ujnd nur Achter geworden, aber ich habe gesehen, daß Cetto der Stärkste dieser Gruppe war und sah in ihm den hohen Favoriten.

Dann aber konnten Sie überraschend die zweite Etappe mit der Bergankunft in Palu del Fersina gewinnen. Ist da die Motivation wieder gestiegen? Ich bin diesen Berg mit mehr als 100 % raufgefahren, ich habe da nicht an den dritten Tag gedacht. Ich war danach so kaputt, daß ich mich gar nicht mit dem dritten Tag auseinandersetzen wollte.

Sie haben schon vor dem Schlußanstieg angegriffen, im Flachen. War das letztlich nicht ein Fehler? Möglich. Aber nachher ist man immer gescheiter, ich mußte mich im Bruchteil einer Sekunde entscheiden.

Und dann haben Sie in beeindruckender Manier auch die Schlußetappe in Sopramonte gewonnen, wieder eine Bergankunft - und dennoch um lächerliche 4 Sekunden den Toursieg verpaßt. Da hat sich der erste Tag gerächt, als Sie unnötig zurückgefallen sind. Ich habe es geahnt, daß Cetto nicht mehr zu schlagen ist. Hätte ich mich doch auf der ersten Etappe nicht um 18 Sekunden abhängen lassen, ich hätte die Rundfahrt jeztzt gewonnen! Aber das Jammern hilft jetzt nichts mehr, ich war halt um 4 Sekunden zu langsam.

Am Schlußtag war nicht mehr drinnen? Während der Etappe habe ich gemerkt, daß Cetto am Ende war, er hatte die allergrößten Probleme, meine Attacken zu parieren. Ich habe wirklich alles versucht, mehr war leider nicht drin. Die Rundfahrt habe ich definitiv am ersten Tag verloren, schade. Aber ich habe immerhin zwei von drei Etappen gewonnen, das ist doch ein toller Erfolg.

BOZENER RUNDSCHAU vom 28. Juni 1991, Interview nach dem 2. Gesamtrang beim Giro di Valli del Trentino

Robert Bartonek, der 32jährige Weltcup-Medaillengewinner der beiden letzten Jahre, bewies einmal mehr, daß er auch auf der Straße zu den Größten gehört. Heuer schon Vierter bei der Korfu-Rundfahrt und Dritter bei der Malta-Tour, schaffte er gestern mit seinem zweiten Rang, nur 4 Sekunden hinter Sieger Lorenzo Cetto, einen weiteren großen Schritt näher zu seinem ersten großen Toursieg. So nahe wie diesmal war er jedenfalls noch nie dran. Ist er jetzt reif für den ganz großen Sieg? Schön wäre es - denn meine nächste Rundfahrt wird die in Sardinien sein. Aber spaß beiseite: die Trentiner-Täler-Rundfahrt ist mit diesen Länderrundfahrten natürlich nicht zu vergleichen, ist um einige Nummern kleiner.Aber nichtsdestotrotz hätte ich wer weiß was darum gegeben, hier zu gewinnen! Da gewinne ich zwei von drei Etappen, verliere aber in der anderen 18 Sekunden und die Rundfahrt! Das ist doch wirklich zu dumm! Das war ein unnötiger Konzentrationsfehler! Ich habe es schon geahnt, daß ich diesen Fehler am Schlußtag nicht mehr würde ausbügeln können. Cetto war einfach viel zu stark, ich konnte ihn nur am Berg attackieren. Und gerade das ist seine Spezialität. Er hatte die weitaus bessere Mannschaft, ich nur einen einzigen Helfer. So mußte ich in erster Linie danach trachten, Cetto so schnell wie möglich von seiner Mannschaft zu isolieren, was mir mit meiner Attacke in der ersten Runde auch gelungen ist. Aber damit wurde natürlich auch das Arbeitspensum für mich ungeheuer groß. Zehnmal habe ich mit 100 % versucht, ihn in der Steigung nach Sopramonte ins Schwimmen zu bringen, aber da war nichts zu machen. Er war viel zu stark, er hat den Sieg wirklich verdient, denn er war der Stärkste in diesem Teilnehmerfeld.

In jeder Runde sah man Sie an der Spitze der Ausreißer, wie Sie Tempo gemacht haben, am Anstieg Cetto angegriffen haben, in jeder Runde - und doch hat es nicht gereicht. Wäre nicht vielleicht weniger etwas mehr gewesen? Ich trauere immer noch den 4 Sekunden nach, um die ich die Tour verloren habe. Wenn man so viel investiert wie ich - und ich habe in diese Schlußetappe alles reingelegt, was ich drauf hatte - dann rechnet man mit einem Erfolg. Aber Cetto ist ein würdiger Sieger, ist einer der besten Bergfahrer der Welt.

Sie haben also die Tour gleich zum Auftakt verloren? Den Sieg habe ich definitiv am ersten Tag verschenkt, als ich da kurz vor dem Ziel aus der Spitzengruppe gerutscht bin und 18 Sekunden verloren habe. Es war mehr eine Unachtsamkeit als eine Schwäche, und deshalb ärgert mich das besonders. Aber es war wohl das Überangebot an Rennen, das zuletzt auf meinem Programm war, da ist man irgendwann mal übersättigt.

In den 10 Runden um Sopramonte haben Sie jedesmal angegriffen, dohc Cetto konnte immer parieren. Ist das nicht frustrierend? Ich habe bei halber Renndistanz gemerkt, daß Cetto schwächer wird, daraufhin habe ich meine Bemühungen verdoppelt, und er ist ja auch reif gewesen, aber er hat angesichts der Niederlage wirklich unwahrscheinliche Kräfte entwickelt, naja, und ich selbst konnte auch nicht mehr so wie ich wollte. Ich denke, eine einzige zusätzliche Runde hätte mir zum Toursieg gereicht. Schade drum.

Ihr abschließendes Resümee dieser Tour? Es ist sicher eine superschwere Tour gewesen, keine Frage. Beide Bergankünfte, so verschieden sie auch waren, sind nur von erstklassigen Bergfahrern erfolgreich zu bewältigen. Palu del Fersina in der zweiten Etappe war 16 km lang, der Anstieg in Sopramonte nur 2,5 km - aber den mußten wir zehnmal fahren! Diese Schlußetappe war auch das schwerste Rundstreckenrennen, das ich jemals gefahren bin. Sicherlich hat auch das ungewöhnlích heiße Wetter dazu beigetragen, aber das Streckenprofil hat eindeutig den Bergfahrer bevorzugt.

RADIO DOLOMITI am 27. Juni 1991, Interview nach dem 2. Gesamtrang beim Giro di Valli del Trentino

Wir haben jetzt hier den Mann vor dem Mikrophon, der dieser dreitägigen Trentiner Täler-Rundfahrt rund um Trento den Stempel aufgedrückt hat - den 32jährigen Österreicher Robert Bartonek vom SC Tiroler Radler Bozen. Er sorgte auch am heutigen Schlußtag wieder für Dramatik und Spannung, als er die Etappe zwar wieder gewinnen konnte, den angestrebten Gesamtsieg aber um 4 Sekunden denkbar knapp verfehlt hat. Wie fühlt man sich da, wenn einen nur 4 Sekunden vom Sieg trennen? Beschissen. Man kann es nicht fassen, so knapp gescheitert zu sein.

Ist denn der zweite Gesamtrang ein Scheitern? Ja sicher, wenn man von den Möglichkeiten ausgeht, die sich während des Rennens eröffnet haben. Nein, wenn man bescheidene Erwartungen hegt und sich zufriedengibt.

Sie sagen, Sie hätten gewinnen können. Woran sind Sie denn gescheitert? An Lorenzo Cetto, der war mir nämlich dabei im Weg. Spaß beiseite, ich habe den Sieg gleich am ersten Tag vergeben, da habe ich - wirklich völlig unnötig - kurz vor dem Ziel noch 18 Sekunden verloren. Mangelnde Konzentration, ich war müde und ausgelaugt. Das war die Situation, die mich den Gesamtsieg gekostet hat.

Sie hatten keine Mannschaft zur Hand, weil die stärksten Fahrer, nämlich Vigl, der Sieger der Malta-Tour, Pattis und Komiss vom Klub keine Starterlaubnis erhalten hatten. Wieso? Sie sind in letzter Zeit sehr viele und sehr schwere Rennen gefahren, und sie haben diese Pause einfach gebraucht. Schließlich müssen wir nächste Woche in Sardinien mit der stärksten Mannschaft antreten, wenn wir dort bestehen wollen. Aber so sehr haben sie mir gar nicht gefehlt. Ich hatte ja einen Helfer dabei, der hat mich vor allem am zweiten Tag sehr tatkräftig unterstützt. Aber die Etappen waren so schwer und so kurz, daß da eine Mannschaft nicht viel tun kann.

Sie selbst sind jetzt schon die vierte Rundfahrt gefahren, hintereinander, ohne nennenswerte Pause. Kann das gutgehen? Ich hoffe es. Wenn es gutgeht, dann werde ich in den Himmel gelobt, wenn es schiefgeht, stehe ich als Idiot da. Damit muß ich mich abfinden. Aber ich tue alles, von dem ich glaube, daß es mir hilft, meine Form zu steigern und zu stabilisieren.

Wie erklären Sie sich Ihre derzeitige Hochform? Seriöses und ausgezeichnetes Training, vor allem mental stimmt es haargenau.  Ich habe da sehr an mir gearbeitet, bin auch körperlich robuster geworden, es ist ein Reifungsprozeß, der so weit fortgeschritten ist, daß man ans Ernten denken kann.

Wie haben Sie die Konkurrenz in dieser Trentiner Tour gesehen? Es sind ja Stimmen laut geworden, daß die Rundfahrt nicht so wertvoll sei, weil das entsprechende Konkurrenzniveau nicht vorhanden sei. Es ist halt keine internationale Rundfahrt, sondern nur eine nationale. Und es stimmt, daß die Tour mit mehr teilnehmenden Nationen an sportlichem Wert gewinnen würde. Es waren hier nur vier Deutsche am Start, die haben die erste Etappe nicht mal überstanden. Die Streckenführung hier verlangt aber sehr wohl einen kompletten Fahrer, der erstklassig klettern kann.

Mit welchen Erwartungen sind Sie denn in diese Rundfahrt gestiegen? Mich für Sardinien einzurollen. Ich wollte natürlich einen Erfolg, das will ja jeder, aber ich wollte ihn nicht von vornherein um jeden Preis. Daß ich ganz vorne mitgefahren bin, war nicht beabsichtigt, sondern hat sich so ergeben. Als ich gemerkt habe, daß ich die Rundfahrt gewinnen kann, habe ich natürlich alles investiert, um diese Chance auch wahrzunehmen. Ich müßte ja wirklich dumm sein, eine solche Chance auszulassen.

Unmittelbar nach dem Zieleinlauf meinten Sie ganz enttäuscht, Sie hätten so sehr mit dem Sieg gerechnet. Und Sie haben auch - vor allem am Schlußtag - unzählige Attacken gegen Cetto geritten, waren also nicht so gleichgültig, was das Ergebnis angeht. In der ersten Etappe war es für mich physisch nicht anstrengend, ich bin leicht mitgefahren. Dann war da die Chance, in der Spitzengruppe mitzufahren. ich nutze die Chance, aber es kostet mich nicht viel Kraft.. Daß wir da so großen Vorsprung hatten, konnte ich ja nicht ahnen. Und weil ich eben mit den Gedanken nicht so konzentriert bei der Sache war, bin ich dann 3 km vor dem Ziel noch aus der Gruppe rausgefallen. 18 Sekunden hat mich dieser dumme Fehler gekostet. Aber durch den großen Vorsprung bin ich automatisch zu den Mitfavoriten aufgestiegen. Ich habe ja selbst gesehen, daß kaum noch wer da wer, der mich hätte gefährden können. Ich habe eigentlich nur mit Cetto, Malfertheiner und Corradini gerechnet. Ich habe gewußt, die anderen kann ich schlagen, aber dafür muß ich mich anstrengen. Am zweiten Tag, bei der langen und schweren Bergankunft, da war ich dann plötzlich Gesamtzweiter, knapper Abstand zum Führenden. In einem solchen Fall probiert man natürlich alles. Da wollte ich gewinnen, da habe ich alles versucht. Aber das war keine Unschlüssigkeit, kein Zaudern, sondern vielmehr gezieltes Einsetzen der Kräfte. Ich möchte keine Kraft investieren, wenn nicht eine Mindestwahrscheinlich an Erfolg gegeben ist.

Mit welchen Erwartungen steigen Sie jetzt in den Giro di Sardegna? Das ist für uns Amateure eine der größten europäischen Rundfahrten. Enorme Konkurrenz, auch aus Übersee, sauschwere Strecke, viele Anstiege, eine Rundfahrt für Kletterer. Und ich bin in Hochform. Die Kräfte gezielt einsetzen setzt aber Streckenkenntnis voraus. Also werde ich mich mit dem Streckenprofil noch eingehend auseinandersetzen. Die Dichte ist so unglaublich groß, daß man da kein genaues Ergebnis vorhersagen kann. Ich möchte im Endziel das Gefühl haben, daß ich mein Bestes gegeben habe, daß es im Team kaum Leerläufe gegeben hat, und das ist doch schon ein sehr hoher Anspruch.

Was bedeutet Erfolg für Sie? Das kann man pauschal nur sehr schwer beantworten. Es kommt ja immer auf den konkreten Fall an. Auf alle Fälle brauche ich ein Glücksgefühl, ein Gefühl, etwas Besonderes geschafft zu haben, etwas nicht Alltägliches, ich muß Widerstände überwunden haben, mein Bestes gegeben haben. Erfolg ist für mich mehr ein Gefühl als eine nackte Zahl.

Sie haben hier den Kampf um den Toursieg, den Sie vorerst gar nicht angestrebt haben, gegen Lorenzo Cetto verloren. Was fühlen Sie da, wenn Sie beim nächsten Rennen wieder auf ihn treffen? Tut mir leid, ich verstehe die Frage nicht ganz.

Gibt es da irgendwelche Gefühle, Überlegungen, spezielle Taktiken? Es gibt in jedem Rennen eine eigene, spezielle Überlegung und Taktik, aber das hat nichts mit Cetto zu tun. Außerdem fahre ich nicht gegen ihn, sondern für mich. Vor dem Start kann ich vieles noch nicht wissen. Vielleicht kann er mir gar nicht gefährlich werden oder ich ihm. Die Taktik soll den eigenen Erfolg ermöglichen, die Taktik hängt von so vielen Faktoren ab, und die wichtigsten sind Instinkt und Gefühl, man muß auch in der Lage sein, aus gegebenem Anlaß die Taktik mal flexibel zu ändern. Aber wenn ich neben Cetto am Start stehe, habe ich deshalb keine andere Taktik, als wenn er nicht dabei wäre.

Wie stehen Sie persönlich zu ihm? Neutral. wir wechseln ab und zu ein paar belanglose Worte. Ich schätze ihn als ausgezeichneten Rennfahrer, ich kenne seine lange Erfolgsliste, aber ich mache deswegen keine Verbeugung vor ihm.

Man sagt, daß er die Fähigkeit besitzt, jede Rennsituation blitzschnell zu analysieren und meist richtig zu reagieren. Ich bewundere niemanden für etwas, das ich selber kann.

Könnten Sie sich vorstellen, mit ihm in einer Mannschaft zu fahren?  Nein.

Warum nicht? Weil wir zu ähnliche Typen sind, weil wir beide gewinnen wollen, in einer Mannschaft würde dabei einer von uns auf der Strecke bleiben. Es gäbe zu viel Rivalität, das würde uns beiden zuviel Substanz kosten.

Sie haben in der Schlußetappe in Sopramonte so oft angegriffen wie kein anderer. Wer Sie kennt, weiß, daß das völlig untypisch für Sie ist. Meist fahren Sie eine einzige Attacke, diesmal haben Sie immer an der gleichen Stelle angegriffen, immer im Anstieg nach Sopramonte. Aber auch Cetto ist ein ausgezeichneter Bergfahrer. Hätten Sie es da nicht lieber in der Abfahrt versuchen müssen? Wenn Sie wissen würden, was ich für ein Abfahrer bin, würden Sie jetzt lachen. Ich mußte mir eine Taktik zurechtlegen, um ihn so mürbe zu machen, daß er am Berg angreifbar ist. Ich konnte ihn nur dort angreifen, denn das ist meine Stärke. Seine ist es auch, also mußte ich was versuchen, daß er diese Stärke nicht ausspielen kann. So habe ich gleich nach dem Start mit aller Gewalt das Tempo forciert, habe seine Mannschaft gar nicht erst ins Spiel kommen lassen, das hat ihn verunsichert. Kein vernünftiger Mensch würde an meiner Stelle schon gleich nach dem Start angreifen. Ich mußte ihn aus dem Konzept bringen. Er hätte ja nur mit mir mitfahren brauchen, das hätte ihm genügt. Also mußte ich ihm das Mitfahren so schwer machen, daß es ihm unmöglich wird.

Aber bei dieser Taktik brauchen Sie doch selbst mindestens genauso viel Kraft und Energie wie er. Waren Sie sich dessen so sicher? Überhaupt nicht. Aber es war ja kaum ein Risiko dabei, hätte ich mich übernommen, hätte ich halt nicht gewonnen. In einem solchen Fall muß man halt einsehen, daß es nicht geht.

Man spricht davon, daß bei den Tiroler Radlern neue Trainingsmethoden verwendet werden. Wie steht es damit? Den Radsport als Spitzensport gibt es schon so lange, dapß es garantiert keine geheimen Trainingsmethoden gibt. Wir trainieren konsequent und seriös. Aber es ist doch immer so, daß dem, der überlegen ist und dominiert, ein geheimes Mittel oder eine geheime Methode unterstellt wird. Auf die Idee, daß es sich dabei um seriöse Arbeit handeln könnte, kommt anscheinend niemand.

Abschließend noch ein Tip - der Sieger des Giro di Sardegna? Wie wäre es mit mir?

BVZ vom 27. 6. 1991, Interview nach dem 2. Gesamtrang beim Giro di Valli del Trentino

Robert Bartonek, 32, bestätigte am vergangenen Wochenende beim Giro di Valli del Trentino seine derzeitige Hochform.  Er entschied dabei die selektiven Etappen mit dem 16-km-Zielanstieg nach Palu del Fersina und die Schlußetappe rund um Sopramonte am Fuße des Monte Bondone jeweils vor dem 27jährigen Trentiner Lorenzo Cetto für sich. Mit nur 4 Sekunden Rückstand landete der Jennersdorfer auf dem zweiten Gesamtrang. Vor allem auf der Schlußetappe rannte Bartonek vergeblich gegen die Festung Cetto an. Er konnte den Trentiner aus Lavis nicht abschütteln und so mußte Bartonek einsehen, daß er die Rundfahrt bereits am ersten Tag verloren hatte, als er 4 km vor dem Ziel durch eine kleine Schwäche 18 Sekunden aufgebrummt bekam, die sich dann als zu großes Hindernis auf dem Weg zum Toursieg erwiesen. Sind Sie mit Ihrem Abschneiden zufrieden? Die Form stimmt, die Etappen waren allesamt selektiv, es war einfach ideal. Ich glaube, ich habe mich ganz gut einrollen können für die Sardinien-Rundfahrt nächste Woche.

Sie zeigen heuer, daß Sie nicht nur auf den Anstiegen und Bergstrecken erfolgreich sind, sondern auch auf der Straße. Vierter Korfu-Rundfahrt, Dritter der Malta-Tour, jetzt Zweiter - alle warten nur mehr auf den großen Sieg!  Wann wird er kommen, wie lange werden Sie noch warten müssen? Ich hoffe, nicht mehr allzu lange. Aber das kann man so nicht planen, zu viele Dinge passieren in einer Rundfahrt, viel zu viele Faktoren kann man nicht abwägen. Meine Form jedenfalls stimmt, so gut war ich noch nie. Der Ergebnis der ausgezeichneten Arbeit im Winter.

 

DOLOMITEN vom 27. Juni 1991, Interview nach dem 2. Gesamtrang beim Giro di Valli del Trentino


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