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D O P I N G

Hier erfährst du alles Wissenswerte über die Wirkung der verbotenen Substanzen, über Dopingfälle und Hintergründe, über die Dopingszene allgemein im Radsport.

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Unter Doping versteht man gemeinhin die Einnahme von unerlaubten Substanzen oder die Nutzung von unerlaubten Methoden zur Steigerung der sportlichen Leistung. Hinter der Frage nach der Verwerflichkeit von Doping steht die tiefer gehende Frage, unter welchen Umständen ein Leistungsvergleich im Sport grundsätzlich gerecht ist – strittig ist vor allem, ob es ausreichend ist, wenn alle Teilnehmer dieselben Regeln befolgen, oder ob zusätzlich gewährleistet sein muß, daß alle Teilnehmer dieselben Möglichkeiten zur Erbringung der Leistung haben.

 

Herkunft des Wortes

Das Wort „Doping“ kommt aus dem Englischen und ist das Gerundium des Verbs dope (= Drogen verabreichen). Sein etymologischer Ursprung liegt allerdings im Afrikaans, der Sprache der weißen Buren in Südafrika: Bei Dorffeiern der Eingeborenen wurde ein schwerer Schnaps, der so genannte „Dop“, getrunken – die Buren übernahmen das Wort und gebrauchten es als generelle Bezeichnung für Getränke mit stimulierender Wirkung. Aus dem Afrikaans fand das Wort seinen Weg nach England, wo es schließlich im Zusammenhang mit Aufputschmitteln, die bei Pferderennen zum Einsatz kamen, verwendet wurde. Als der Begriff 1889 zum ersten Mal in einem englischen Lexikon auftauchte, bezeichnete er entsprechend auch die Verabreichung einer Mischung aus Opium und verschiedenen Narkotika an Rennpferde. Anfang des 20. Jahrhunderts wurden dann auch Substanzen wie Kokain, Morphin, Strychnin und Koffein als "Dopingmittel" bezeichnet. Mit der Erfindung synthetischer Hormone in den 30er Jahren hielt medikamentöses Doping Einzug in den Sport. Die ersten Dopingkontrollen bei Olympischen Spielen wurden 1968 während der Olympischen Winterspiele in Grenoble und während der Olympischen Spiele in Mexiko durchgeführt.

Definition

Die genaue Definition von Doping wirft etliche Schwierigkeiten auf – so ist es zum Beispiel bis heute nicht gelungen, anhand einer Formulierung eindeutig darzulegen, was Doping ist beziehungsweise wann Doping vorliegt. Einer der ersten Ansätze stammt aus den 60er Jahren: 1963 definierte der Europarat Doping als „die Verabreichung oder den Gebrauch körperfremder Substanzen in jeder Form und physiologischer Substanzen in abnormaler Form oder auf abnormalem Weg an gesunde Personen mit dem einzigen Ziel der künstlichen und unfairen Steigerung der Leistung für den Wettkampf.“ Für das Aufstellen von Dopingregeln war diese Definition aber viel zu ungenau (allein die Formulierung „in abnormaler Form“ ließ zu viel Interpretationsspielraum). 1977 definierte der DSB Doping als den "Versuch unphysiologischer Steigerung der Leistungsfähigkeit durch Anwendung von Doping-Substanzen (…)“, griff damit aber innerhalb der Doping-Definition selbst auf den Begriff „Doping“ bzw. „Doping-Substanzen“ zurück. Bei der Welt-Doping-Konferenz 1999 in Lausanne wurde schließlich eine neue Definition von Doping festgelegt, die Doping enumerativ bestimmte, d. h. als eine Liste von ausdrücklich aufgezählten verbotenen Wirkstoffen und Verhaltensweisen. Als Grundlage diente ein Entwurf des Internationalen Olympischen Komitees (IOC): "Doping ist definiert als 1. der Gebrauch eines Hilfsmittels (Substanz oder Methode), das potenziell gesundheitsgefährdend ist und die sportliche Leistung des Athleten verbessert, sowie als 2. die Anwesenheit einer Substanz im Körper eines Athleten, die auf der Liste, die dem gegenwärtigen Medical Code beigefügt ist, aufgeführt ist, oder der Gebrauch einer Methode, die auf dieser Liste aufgeführt ist."

Seit dem 1. Januar 2004 gilt die Doping-Definition der World Anti-Doping Agency  (WADA), womit das bisherige Reglement des IOC erweitert wurde. Die verschiedenen Abschnitte der Definition sind in den Artikeln 1 und 2 des World Anti-Doping Codes zusammengefaßt.

Eine besondere Abart der Leistungssteigerung ist das Boosting. Insofern es eine unerlaubte Methode zur Leistungssteigerung ist, läßt es sich als Doping einordnen.

Arten des Dopings

Wirkstoffgruppen und deren Auswirkungen auf den Organismus

Beim Doping werden folgende drei Gruppen unterschieden:

  • verbotene Wirkstoffe,
  • nicht erlaubte Methoden, die angewendet werden können, um die Leistung des Sportlers zu steigern,
  • Wirkstoffe, die bestimmten Einschränkungen unterliegen.

Die Gruppe der verbotenen Wirkstoffe unterteilt sich in Stimulanzien, Narkotika, Anabolika, Diuretika sowie Peptid- und Glykoproteinhormone. Verboten sind weiterhin auch alle Stoffe, die in ihrer Wirkung oder chemischen Struktur mit den oben genannten Stoffen verwandt sind. Einige Fachverbände haben ihre Dopinglisten um weitere Doping-Klassen erweitert, so zum Beispiel die FITA, die zusätzlich Antipsychotika, Anxiolytika, Hypnotika/Sedativa und Antidepressiva auflistet, weil dadurch der Ablauf des Bogenschießens erheblich beeinflusst werden kann.

 

Stimulanzien

Beispiele für Stimulanzien sind Amphetamine, Ephedrin und Koffein. Die chemischen Strukturen von Amphetamin oder Ephedrin sind ähnlich den körpereigenen Hormonen Adrenalin und Noradrenalin. Stimulanzien wirken auf das zentrale Nervensystem und steigern die motorische Aktivität. Die Nebenwirkungen von Stimulanzien sind Stresssymptome und dauerhafte Aggression. Bei der überhöhten Einnahme von Stimulanzien reagiert das körpereigene Warnsystem nicht mehr, und alle restlichen Körperreserven werden verbraucht, ohne dass der Athlet dies bemerkt. Dies führt dann zu starker Erschöpfung, Ohnmacht und im Extremfall auch zum Tod. Stimulanzien kommen in der Medizin kaum zum Einsatz, da bei fast allen der Schaden größer ist als der Nutzen. Allein Ephedrine bewirken ein Erschlaffen der Bronchien und das Abschwellen der Nasenschleimhaut, weswegen sie in vielen Erkältungsmitteln zu finden sind. Mit der Einnahme von Erkältungsmitteln, die Ephedrine enthalten, verstößt ein Sportler gegen das Dopingverbot und hat mit den gleichen Konsequenzen zu rechnen wie bei der gewollten Einnahme eines Dopingmittels.

Koffein gehört ebenso zu der Gruppe der Stimulanzien. Es galt bis 2004 bei der Überschreitung des Toleranzwertes von 12 mg pro Liter Urin als Doping, wurde nun allerdings komplett von der Dopingliste genommen. Es wurde nachgewiesen, dass nach Einnahme von Koffein die Konzentration von freien Fettsäuren im Blut zunahm. Für Ausdauersportler sind diese in der Wissenschaft noch nicht ganz unumstrittenen empirischen Daten von recht hoher Relevanz. Denn der Ausdauersportler hat das Interesse, seine Glykogenspeicher für einen Schlussspurt zu schonen und fettverbrennend zu laufen. Die Wirkung von Koffein entfaltet sich eine Stunde bis eineinhalb Stunden nach Einnahme und hält ungefähr vier bis fünf Stunden an.

 

Narkotika

Narkotika bestehen aus Morphin, anderen Morphium-Derivaten oder einem verwandten Stoff. Die häufigsten Narkotika sind Morphin, Heroin und Methadon, welche entweder aus dem Opium, welches aus Schlafmohn gewonnen wird, produziert oder vollständig synthetisch hergestellt werden. Narkotika wirken schmerzunterdrückend und werden kurzfristig als Schmerzmittel nach Operationen oder als Dauertherapie bei sehr schweren Erkrankungen wie Krebs verabreicht. Im Sport werden Narkotika für verschiedene Zwecke missbraucht. Sie finden wegen ihrer beruhigenden Wirkung auf den menschlichen Organismus in Sportarten wie Golf und beim Sportschießen ihre Anwendung. Des Weiteren führen sie bei zu hoher Dosierung zu Ohnmacht, Bewusstseinstrübung und Tod. Jedoch muss der Sportler bei der Einnahme von Erkältungsmitteln aufpassen, da in diesen oft Codein enthalten ist, welches zwar nicht verboten ist, aber vom Körper zu einem gewissen Teil in Morphin umgewandelt wird. Wird der Grenzwert von 1 mg Morphin pro Liter Urin nicht überschritten, ist die Probe als negativ zu bewerten.

 

Anabolika

Die Einnahme von Testosteron beruht auf der Einnahme von Anabolika. Vor allem aber bildet sich durch die Einnahme von Testosteron mehr Muskelmasse im Körper bei gleichzeitiger Abnahme von Fett. Auf Grund dieser Auswirkungen werden anabole Steroide im Lauf, Weitsprung und Gewichtheben beziehungsweise Bodybuilding genutzt, da die Schnellkraft und ein großer Anteil an Muskelmasse ein entscheidender Faktor ist. Auch in Ausdauersportarten werden anabole Steroide eingesetzt. Sie erhöhen massiv die Regenerationsfähigkeit des Athleten und werden deshalb von ihnen gerne in Trainingsphasen verwendet, um die Trainingshärte erhöhen zu können. Auch im Wettkampf zeigen sie bei Ausdauersportlern Wirkung. Unvergessen ist die überragende Siegesfahrt von Floyd Landis auf der 17. Etappe der Tour de France 2006, nachdem er am Tage zuvor einen brutalen Einbruch erlitten und zehn Minuten auf den Tagessieger verloren hatte. Die Erklärung lieferte der positive Test auf Testosteron im Anschluss.

Anabole Steroide sind Dopingmittel, die häufig Anwendung finden. Jedoch resultieren aus deren Einnahme viele Nebenwirkungen.

Bei Männern kommt es zu einer Verweiblichung, da das überschüssige Testosteron im Körper des Mannes zum Teil in das weibliche Sexualhormon Östrogen umgewandelt wird. Die sich daraus ergebenden Nebenwirkungen sind durch das Wachsen einer weiblichen Brust und der Einstellung der Samenproduktion gekennzeichnet. Bei Frauen hingegen kann eine Vermännlichung eintreten, die u.a. durch Bartwachstum, Zurückbildung der weiblichen Brust und eine Vertiefung der Stimme charakterisiert ist. Bei Jugendlichen kann es sogar zu einer Hemmung des Wachstums kommen, da die Produktion des körpereigenen Testosterons eingestellt wird. Weiterhin zählen Bluthochdruck, Akne, Verletzungen an Bändern und Sehnen, Reizbarkeit, Depressionen und Halluzinationen zu den häufig auftretenden Nebenwirkungen.

Der Nachweis von anabolen Steroiden hat sich als kompliziert erwiesen, da Testosteron auch im menschlichen Körper vorkommt und nur schwer vom synthetischen Testosteron unterschieden werden kann. Außerdem kann das Testosteron innerhalb von 48 Stunden im Körper abgebaut werden. Auf Grund dessen wird der Epitestosterongehalt im Urin nachgewiesen, welcher normal im Verhältnis von 1:1 zum Testosteron vorkommt. Jedoch beträgt die Genauigkeit dieser Überprüfung weniger als 100 %, da sich einige Sportler Epitestosteron spritzen lassen, um den Wert auszugleichen. Die Leistungen der Sportler in Kraft- und Schnellkraftsportarten gingen stark zurück, nachdem Trainingskontrollen eingeführt wurden.

In der Medizin werden Anabolika bei Hormonstörungen eingesetzt. Dabei werden dem Körper Hormone zugeführt, die er selbst nicht mehr produzieren kann. Ein bekanntes Dopingmittel dieser Kategorie ist Stanozolol.

 

Diuretika

Diuretika sind die einzigen Dopingsubstanzen, die keine Leistungssteigerung, sondern viel eher eine Minderung der Leistung des Athleten hervorrufen. Beispiele für verbotene Mittel sind Acetazolamid, Furosemid und Mersalyl. Anwendung finden Diuretika in Sportarten mit Gewichtsklassen wie Judo und Ringen, bei denen der Sportler unbedingt sein Gewicht halten muss, da er bei Wettkämpfen sonst nicht startberechtigt ist, zwischen Wiegen und Wettkampf füllt der Sportler die Verluste wieder auf und ist so leistungsfähiger als seine Konkurrenten. Auch beim Pferdesport wird dieses Dopingmittel eingesetzt, da die Sportler extrem leicht sein müssen, um gute Leistungen zu erzielen. Im Bodybuilding finden Diuretika meist ihre Anwendung, um das im Unterhautfettgewebe gespeicherte Wasser loszuwerden, da möglichst viele Muskelpartien des Athleten erkenntlich sein sollen.

Starke Diuretika sind in der Lage, in wenigen Stunden einen starken Wasserverlust herbeizuführen, der eine Gewichtsverringerung von ein bis drei Kilogramm mit sich bringen kann. Durch die schnelle Dehydration gehen dem Körper viele Mineralstoffe verloren. Dies schwächt die Leistung des Sportlers und kann zu Muskelkrämpfen und Nierenschäden führen.

In Dopingkontrollen sind Diuretika schwer nachzuweisen, da sie größtenteils mit dem Urin aus dem Körper gespült werden. Aufgrund dieser Wirkung werden Diuretika oftmals als Maskierungsmittel benutzt, um den Nachweis anderer Dopingmittel zu erschweren. In der Medizin werden sie eingesetzt, um Ansammlungen von Wasser im Gewebe zu verringern.

 

Peptid- und Glykoproteinhormone

Peptid- und Glykoproteinhormone sind alle körpereigene Eiweiße. Dazu gehören HGH, Corticotropin und Erythropoetin. Es treten als Nebenwirkung Verformungen in Teilen des Körpers auf.

Corticotropin, auch unter der Abkürzung ACTH bekannt, reguliert die körpereigene Produktion von Cortison und kann zu Euphorie führen. ACTH verursacht den Abbau beziehungsweise die Umverteilung körpereigener Energiereserven in Form von Fett und Zucker und fördert Infektionen durch die Unterdrückung der Entzündungsreaktion des Körpers.

Durch die Einnahme von Erythropoetin (EPO) steigt die Anzahl der roten Blutkörperchen im Blut stark an. Dies hat zur Folge, dass mehr Sauerstoff im Blut transportiert werden kann. Dadurch steigt die Ausdauer des Athleten, was im Radsport, bei Marathonläufen und im Skisport genutzt wird. Erst vor kurzer Zeit wurde eine Methode gefunden, die den Gebrauch dieses Hormons eindeutig nachweisen kann. Heute ist es möglich, EPO durch einen Urintest nachzuweisen. Als Nebenwirkungen von EPO sind Arterielle Hypertonie (Bluthochdruck) und eine Veränderung der Fließeigenschaften des Blutes bekannt. Das Blut wird zähflüssiger, wodurch die Gefahr erhöht wird, dass es die Herzkranzgefäße verstopft und der Athlet einen Herzinfarkt erleiden kann. Feine Äderchen (Kapillaren) im Gehirn oder in der Lunge können ebenfalls nicht mehr versorgt werden, was das Risiko eines Infarktes oder Schlaganfalls beträchtlich erhöht.

Der medizinische Einsatzzweck ist die Behandlung von Blutarmut oder die Unterstützung der Therapie von Krebskranken nach einer Chemotherapie.

 

Epo

Epo gilt (neben dem erlaubten Kreatin) als die absolute Modedroge im Sport, vor allen im Ausdauersport. Unter Blutdoping versteht man die Verabreichung von Vollblut oder von Zubereitung, die rote Blutkörperchen enthalten. Durch diese Maßnahme wird die Erytrozytenzahl im Blut erhöht. Die Sauerstofftransportkapazität wird somit verbessert. Bekannt ist das eigentliche Blutdoping (Transfusion von Eigen- oder Fremdblut mit vermehrten roten Blutkörperchen) seit dem Olympiasieg des finnischen Langstrecklers Lasse Viren.

 

Methoden

Seit dem 1. Januar 2003 werden verbotene Methoden zum ersten Mal genauer in den Dopingregeln beschrieben. Sie werden in drei Gruppen unterteilt: die Erhöhung der Transportkapazität für Sauerstoff sowie Gendoping und Wirkstoffe, die bestimmten Einschränkungen unterliegen.

 

Erhöhung der Transportkapazität für Sauerstoff

Die Leistungsfähigkeit vieler Sportler ist von deren Ausdauer abhängig und diese wiederum von der Sauerstoffzufuhr in den Muskeln. Eine Methode, die Transportfähigkeit des Blutes für Sauerstoff zu erhöhen, ist das Blutdoping. Dabei wird nach einem Höhentraining, nach dem sich mehr rote Blutkörperchen im Blut befinden als üblich, eine größere Menge Blut entnommen. Dieses Blut wird gelagert und dann kurz vor einem späteren Wettkampf in den Körper des Athleten transfundiert. Dadurch hat er eine vermehrte Anzahl von roten Blutkörperchen im Blut und seine Leistung steigt. Somit kann die zunächst leistungsschwächende Blutentnahme weit vor einen wichtigen Wettkampf vorgelagert werden. Diese Methode ist direkt nicht nachweisbar, so lange es sich um transfundiertes Eigenblut und nicht um Fremd- oder Tierblut handelt.

Des Weiteren sind auch alle anderen Methoden und Wirkstoffe verboten, die die Sauerstoffaufnahmekapazität steigern. Ein Grenzfall ist das Training in Unterdruckkammern, wie es in der DDR in den 1960er und 70er Jahren aufgrund der Reisebeschränkung vollzogen wurde. Durch den Unterdruck entsteht ein ähnlicher Effekt wie im Höhentrainingslager. Eine Abwandlung dieser Methode sind die sogenannten „Norwegerhäuser“. Hierbei handelt es sich um Häuser, die vollständig luftdicht abgeschlossen (und unter Luftunterdruck gesetzt) werden können. Dieser Methode bedienten sich in den 1980er und 90er Jahren viele skandinavische Ausdauersportler wie zum Beispiel Langläufer.

 

Gendoping

Das Verbot des Gendopings besagt, dass jegliche Verwendung von Zellen, Genen und deren Bestandteilen untersagt ist, sofern sie die sportliche Leistung erhöhen können.

Wirkstoffe, die bestimmten Einschränkungen unterliegen

Zu dieser dritten großen Gruppe des Dopings gehören zum Beispiel Alkohol und Cannabis. Alle internationalen Sportfachverbände haben in Übereinstimmung festgelegt, dass sowohl Alkohol- als auch Cannabistests durchgeführt werden dürfen und deren positive Ergebnisse Sanktionen mit sich bringen können. Des Weiteren sind lokale Betäubungen nur erlaubt, wenn sie kein Kokain als Wirkstoff enthalten und eine medizinische Untersuchung zu Grunde liegt, welche die Notwendigkeit bestätigt. Jedoch ist die schriftliche Mitteilung über die Diagnose, die Verabreichungsdosis und die Art der Verabreichung notwendig.

Der Einsatz von Corticosteroiden ist ebenfalls nur beschränkt zugelassen. Corticosteroide sind entzündungshemmende Medikamente. Eine lokale Anwendung der Entzündungshemmer an Haut, Ohr, Auge und Gelenken sowie die Inhalationsind erlaubt. Erfolgt eine Behandlung mit diesem Wirkstoff bei Wettkämpfen, ist eine schriftliche Mitteilung an die Wettkampfleitung erforderlich. Betablocker sind Wirkstoffe, die nur beschränkt zulässig sind. Sie verhindern Nervosität und wirken beruhigend auf Herz und Kreislauf. In Sportarten, in denen Ruhe und Konzentration eine große Rolle spielen, sind Betablocker deshalb verboten. Der Sportler selbst hat die Aufgabe, zu überprüfen, ob einer dieser eingeschränkten Wirkstoffe in seiner Sportart oder seinem Land verboten sind.

 

Risiken

 

Schäden durch Doping

Die Risiken, die der Sportler eingeht, wenn er Dopingmittel zu sich nimmt, sind groß und lassen sich in drei Gruppen untergliedern: erstens das Risiko, des Dopinggebrauchs überführt zu werden, zweitens, dass das Dopingmittel dem Körper langfristig Schäden zufügt, und drittens, dass das Dopingmittel zu einer Schwächung führt.

Dopingtests finden im Leistungssport sehr häufig statt. Entweder werden sie im Training unangemeldet durchgeführt oder sofort nach einem Wettkampf. Wird einem Sportler nachgewiesen, dass er illegal seine Leistung gesteigert hat, verliert er für zwei Jahre die Teilnahmeberechtigung an Wettkämpfen. Da fast alle Profisportler auf Sponsoren und Preisgelder angewiesen sind, gibt es für sie keine Möglichkeit mehr, in diesem Zeitraum mit dem Sport Geld zu verdienen. Bisher haben es die ordentlichen Gerichte abgelehnt, sich mit der Frage der Wettkampfsperre, also der eines Berufsverbots, zu beschäftigen. Dies sei eine interne Angelegenheit des Sports. Des Weiteren wird ein so vorbelasteter Sportler kaum wieder gute Sponsorenverträge bekommen.

Viel größer ist aber das Risiko, dass der Sportler seinem Körper langfristig mit der Einnahme von Dopingmitteln schadet. Jedes Präparat, das illegal zur Leistungssteigerung verwendet wird, hat, wie alle anderen Arzneimittel auch, Nebenwirkungen. Hinzu kommt im Sport, dass, um die Leistung zu steigern, eine mehrfach höhere Dosis eines Präparates eingesetzt werden muss als bei medizinischer Anwendung. Dies verstärkt im gleichen Maße die Nebenwirkungen. Diese Schäden sind oftmals irreparabel. Das bedeutet, dass der Sportler am Ende seiner Karriere einen teilweise zerstörten Körper in Kauf nimmt und einige der durch die Nebenwirkungen entstandenen Beeinträchtigungen unter Umständen bis zum Lebensende fortbestehen oder auch noch Jahre später zu schweren gesundheitlichen Folgeschäden führen können.

Allerdings darf bei der Gefährlichkeit des Dopings nicht übersehen werden, dass es wenig nachgewiesene Dopingtote gibt. Eine Ausnahme bildet der Amateurbereich des Bodybuilding, bei dem eine Reihe von durch Steroide ausgelösten Todesfällen wissenschaftlich dokumentiert sind. Man verweist ansonsten auf eine große Dunkelziffer, ohne dies jedoch beweisen zu können. Allein durch das mediale Interesse am Spitzensport mit der permanenten Möglichkeit zu spekulieren, ob ein Athlet sauber ist oder nicht, wird das Bild des Sports in unserer Gesellschaft enorm verzerrt.

 

Todesfälle

  • Am 23. Juli 1896 fiel Arthur Linton bei der Fernfahrt Bordeaux–Paris über 600 Kilometer tot vom Rad. Der Engländer hatte mit Aufputschmitteln seine Leistungsgrenzen so weit hinausgeschoben, dass sein Organismus die Belastung nicht mehr aushielt. Andere Quellen verweisen jedoch darauf, dass Linton erst nach dem Rennen am Typhus-Fieber gestorben sei, wobei angenommen wird, dass er wegen der Aufputschmittel in seinem Körper keine Abwehrkräfte mehr hatte.
  • Olympische Sommerspiele 1960 in Rom: Knut Enemark Jensen stirbt nach einem Hitzschlag im Mannschaftsfahren (100 km). Später stellte sich heraus, dass die gesamte dänische Straßen-Radmannschaft mit Amphetaminen gedopt war.
  • Tour de France 1967: Tom Simpson stirbt während der Etappe auf den Mont Ventoux nach Einnahme von Amphetamin.
  • 1968: Joseph (Jupp) Elze stirbt an schweren Kopfverletzungen nach einem Boxkampf gegen Carlos Duran. Die Obduktion ergab, dass sein Schmerzempfinden während des Kampfes durch Aufputschmittel stark vermindert war.
  • Am 10. April 1987 stirbt die Leichtathletin Birgit Dressel nach mehrfachem Organversagen, mit hoher Wahrscheinlichkeit infolge von Doping.
  • Am 14. März 1996 stirbt der Top-Bodybuilder Andreas Münzer mit 31 Jahren ebenfalls aufgrund von multiplem Organversagen infolge jahrelangen massivsten Dopings.

 

Doping und Fairness

Wie Doping zu bewerten ist und inwieweit es einem fairen Wettbewerb entgegen steht ist umstritten. So unterscheiden sich Sportler schon von Natur aus in einem nicht unerheblichen Maß in der Ausprägung, den Grenzen und der Trainierbarkeit ihrer Leistungen. Folglich sind sportliche Erfolge wenigstens im selben Maß ein Produkt einer durch Zufall einem Sportler zugänglich gewordenen biologischen Begabung, wie eines langjährigen Trainings. So wurden z. B. für das Verhältnis von Typ I zu Typ II Muskelfasern, für die die maximale Sauerstoffaufnahme pro Kilogramm Körpermasse und die Höhe der anaeroben Schwelle Heritabilitäten von 97 %, 47 % und 72 % gefunden. Offensichtlich gilt also, dass mangelnde körperliche Anlagen durch kein noch so ausgeklügeltes und intensives Training ausgeglichen werden können. Dementsprechend kann Doping sowohl körperliche Nachteile kompensieren, als auch Sportlern mit guten Anlagen einen noch größeren Wettbewerbsvorteil verschaffen. Es bleibt dabei aber fraglich, ob sich die Leistungsfähigkeit des Menschen beliebig steigern lässt, oder ob trotz Doping prinzipielle Grenzen für seine Fähigkeiten bestehen, an die sich alle Sportler unabhängig von ihren Grundfähigkeiten in gleicher Weise annähern können und die durch Doping letztlich allen Sportlern einen Vergleich unter gleichen Voraussetzungen ermöglichen würden. Hierzu ist anzumerken, dass im Zweifelsfall wohl die Leistung eines Sportlers höher zu bewerten ist, der sein Leistungsniveau bei gleichem Trainingsaufwand durch Dopingmittel auf das Niveau eines von Natur aus begünstigten Mitbewerbers erhöht hat, da er sein überdurchschnittliches Leistungsniveau im Gegensatz zu seinem „beschenkten“ Konkurrenten durch körperliche und finanzielle Nachteile bewusst erkauft hat. Manche Autoren sehen im gedopten Sportler sogar das Urbild des sich seiner selbst bewusst seienden und frei entscheidenden Menschen, der sich seinen eigenen Vorstellungen entsprechend verbessert. Andere dagegen vertreten die Meinung, dass Menschen verlernen würden die Grenzen ihrer Handlungsfähigkeit zu akzeptieren und es ihnen somit an Demut mangeln würde, sobald es ihnen erst einmal erlaubt wäre, ihre körperlichen Eigenschaften durch künstliche Eingriffe selbst zu bestimmen. Fraglich ist auch was genau als Doping gilt und ob Doping überhaupt sinnvoll definiert werden kann. So sind z.B. die meisten Sportler nur durch die Hilfe von hochqualifizierten Trainern und Sportmedizinern konkurrenzfähig. Die Sportler selbst besitzen meist weder die nötige Menge an Fachwissen, noch die nötige Zeit, um ihr Training nach neusten methodischen Erkenntnissen auszurichten. Strenggenommen könnte auch bei diesem wissenschaftlich orientierten Coaching von unzulässiger Leistungssteigerung gesprochen werden, da die durch moderne Trainingsmethoden erzielten Leistungen deutlich über den physiologisch normalen Werten liegen. Ein häufig genanntes Beispiel aus dieser Grauzone von legalen Methoden, die zu ähnlichen Ergebnissen führen wie als Doping klassifizierte Verfahren ist das Höhentraining. Es erhöht den Hämatokritwert auf ähnliche Weise wie die Verabreichung von Erythropoetin, wird aber im Gegensatz dazu nicht als Doping gewertet.

 

Motivation des Sportlers zum Doping

In der heutigen Zeit geht es im Sport nicht nur um ich-bezogene und soziale Aspekte, sondern auch um die finanzielle Absicherung. Ein Profisportler verdient seinen Lebensunterhalt mit Hilfe von Siegprämien und Sponsorenverträgen. Jedoch sind diese Gelder von seiner Leistung abhängig. Das bedeutet, dass nur ein guter Athlet sein Leben mit dem Sport finanzieren kann. Um Erfolg zu haben, ist ein intensives Training erforderlich. Die Entscheidung für Doping, zusätzlich zum weiterhin notwendigen intensiven Training, liegt in der Motivation begründet, sich gegen andere Sportler durchsetzen zu wollen.

Verdient ein Athlet durch seine sportliche Aktivität ausreichend Geld, konzentriert er sich nur noch auf den Sport und hat keine anderen Einnahmequellen als Sponsoren und Preisgelder. Bleiben nach einer gewissen Zeit die Erfolge aus und ist die Leistung auf normalem Wege nicht mehr zu verbessern, kann er sich finanziell nicht mehr absichern. An dieser Stelle fällt es ihm schwer, wieder in das normale Berufsleben einzusteigen. So bleibt ihm vermeintlich nur der Ausweg, seine Leistung ausschließlich mit im Sport verbotenen Mitteln zu steigern. Profisportler und auch viele Amateure versuchen, stets die höchstmögliche Leistung anzustreben. Hat ein Athlet einmal Siege errungen, ist er bestrebt, diese immer wieder zu erreichen. Um der Beste zu sein, sind viele Sportler bereit, Dopingmittel einzunehmen. Es kann sogar die Meinung angetroffen werden, dass Doping-Abstinenzler "Spielverderber" oder "die Dummen" seien, weil sie leider Moral und Fairness vor den Erfolg stellen. Aber auch um den hohen Ansprüchen der Gesellschaft gerecht zu werden, ist oft Anlass, sich zu dopen.

 

Gründe für das Dopingverbot

Im Allgemeinen wird das Dopingverbot mit drei Argumenten begründet. Eines zielt auf das bereits erwähnte Problem des fairen Wettkampfes ab, bezüglich dessen Dopinggegner die kontroverse Position vertreten, dass Doping grundsätzlich einem fairen Wettkampf widerspricht. Die beiden anderen beziehen sich auf den Schutz der Sportler und den Schutz der Öffentlichkeit.

 

Schutz der Sportler

Befürworter des Dopingverbotes nehmen an, dass jede Form von Doping grundsätzlich schädlich ist und immer deutlich mehr Schäden am Körper verursacht, als es ein „sauberer“ Leistungssports je könnte. Dem wird von Gegnern des Verbotes entgegen gehalten, dass über die Schädlichkeit von Dopingmitteln von Fall zu Fall zu entscheiden ist und eine Freigabe Doping der ärztlichen Kontrolle unterstellen würde. Auf diese Weise würden seine Risiken, die teilweise auch aus dem heute bestehenden Schwarzmarkt resultieren, minimiert. Das heute bestehende Verbot wird weiterhin damit begründet, dass eine Freigabe des Dopings „saubere“ Sportler durch einen gestiegen Konkurrenzdruck faktisch zum Doping nötigen würde.

Dagegen wird von Freigabebefürwortern eingewendet, dass auch heute ein Sportler kein Recht darauf hat, dass seine natürlichen Anlagen ausreichen um konkurrenzfähig zu sein und somit letztlich wenig Unterschied zwischen der Entscheidung für oder gegen eine Leistungssteigerung besteht und der Entscheidung ob ein Sportler von Natur aus die nötigen biologischen Eigenschaften für eine Karriere im Leistungssport besitzt oder nicht. Es wird dementsprechend auch argumentiert, dass eine Freigabe des Dopings den Leistungssport demokratisieren würde, weil die Bedeutung der Begabung zurückgedrängt werden würde und stattdessen Training und Motivation einen höheren Stellenwert erhielten, was letztlich auch körperlich weniger privilegierten Zugang zu einer Karriere als Sportler ermöglichte.

 

Schutz der Öffentlichkeit

Gegen ein öffentliches Bekenntnis des Sports zum Doping spricht nach Ansicht der Verbotsbefürworter auch die Vorbildfunktion der Leistungssportler. Besonders im Hinblick auf Jugendliche wird befürchtet, dass eine Aufhebung des Dopingverbotes falsche Signale senden könnte und Personen zum Gebrauch von Dopingmitteln animiert, die sich der daraus resultierenden Gefahren nicht bewusst sind und die deshalb nicht zwischen den Vorteilen einer körperlichen Leistungssteigerung (die im Alltag und im Breitensport kaum gegeben sind) und ihren Nachteilen abwägen können.

Darauf antworten die Verbotsgegner oft indem sie darauf hinweisen, dass eine Legalisierung von Doping von vornherein darauf abzielen sollte, eine unreglementierte Verbreitung von Dopingmitteln zu verhindern. Ihrer Ansicht nach muss dem Sportler eine durch Mediziner und Apotheker unterstütze und kontrollierte informierte Entscheidung ermöglicht werden, die ähnlich wie die Verordnung von „normalen“ Medikamenten gegen Werbung und psychischen Druck aus dem Umfeld der betroffenen Personen zu schützen ist.

 

Dopingverfolgung

Das Doping wird von den internationalen Sportverbänden (insbesondere auch dem IOC) im Rahmen ihrer Wettbewerbe untersagt. Zur Dopingbekämpfung wurde 1999 die World Anti-Doping Agency (WADA) gegründet. Offiziell begründet wird dies üblicherweise mit Chancengleichheit für die Wettkämpfer, dem Schutz dieser vor gesundheitlichen Schäden durch Doping und einer Vorbildfunktion, die der Sport und damit der Spitzensportler zu erfüllen hätten. Da ein in der breiten Öffentlichkeit herrschendes Image von sauber erbrachten Leistungen in einer Sportart für deren jeweiligen Marktwert von enormer Bedeutung ist, gibt es aber auch einen hohen wirtschaftlichen Anreiz für Verbände und Veranstalter, dieses Image durch Maßnahmen der Dopingverfolgung, effektive wie ineffektive, zu fördern.

In einigen Ländern gelten Doping oder bestimmte Formen davon als Straftat und werden von staatlichen Organen mit hoheitlichen Maßnahmen verfolgt, etwa in Frankreich, Spanien oder Italien. Seit dem Jahr 2000 können in Italien Dopingvergehen von Sportlern mit einer Haftstrafe von bis zu drei Jahren geahndet werden. Allerdings ist noch nie ein Sportler wegen Einnahme von verbotenen Dopingsubstanzen angeklagt oder bestraft worden, erst recht nicht mit einer Gefängnisstrafe. Die Frage, ob Dopingbekämpfung bei nichtstaatlichen Veranstaltungen eine Staatsaufgabe sein kann oder sollte, ist jedoch stark umstritten.

In Deutschland liegt mit der Einnahme von Doping grundsätzlich kein Straftatbestand vor, denn laut § 6a des Arzneimittelgesetzes ist nur das Inverkehrbringen, das Verschreiben oder das Anwenden von Arzneimitteln bei anderen zu Dopingzwecken im Sport strafbar. Mit Inkrafttreten des Gesetzes zur Verbesserung der Bekämpfung des Dopings im Sport (BGBl. I 2007, S. 2510) am 1. November 2007 ist auch der Besitz einer nicht geringen Menge Dopingmittel zu Dopingzwecken am Menschen verboten (§ 6a Abs. 2a Arzneimittelgesetz). Die Bestimmung dieser nicht geringen Menge findet sich seit dem 29. November 2007 in der Dopingmittel-Mengen-Verordnung. Diese Straftat wird laut § 95 Abs. 1 des Arzneimittelgesetzes mit einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren bestraft. § 95 Abs. 3 des Arzneimittelgesetzes sieht in besonders schweren Fällen (Abgabe oder Anwendung von Arzneimitteln zu Dopingzwecken im Sport an Personen unter 18 Jahren) eine Freiheitsstrafe von einem bis zu zehn Jahren vor. Es kam allerdings in der Vergangenheit zu Verurteilungen wegen Körperverletzungsdelikten, teilweise solchen an Schutzbefohlenen, wenn Präparate von Trainern an Athleten ohne deren Wissen/Zustimmung verabreicht wurden. Doping bei Tieren während sportlicher Wettkämpfe oder im Training dafür ist in Deutschland gemäß § 3 Nr. 1b Tierschutzgesetz verboten und gemäß § 18 I Nr. 4 TierSchG eine Ordnungswidrigkeit, die gemäß § 18 IV mit einer Geldbuße bis zu € 25.000,- geahndet werden kann.

 

Vorgehen

Weil in vielen Sportarten unterschiedliche Wirkstoffe und Methoden der unphysiologischen Leistungssteigerung verboten sind, aber immer neue Methoden und neue Substanzen als leistungssteigernd eingestuft werden, wird in einer ständig der Realität angepassten Dopingliste mit genau aufgeführten und beschriebenen Wirkstoffen und Vorgehensweisen definiert, was unter Doping zu verstehen ist.

Diese Liste – von internationalen Sportverbänden in Zusammenarbeit mit der medizinischen Kommission des IOC aufgestellt, aktualisiert, permanent um neue Substanzen ergänzt – wird von allen nationalen Verbänden übernommen. Demnach liegt ein Dopingverstoß vor, wenn eine der in der Verbotsliste aufgezählten Substanzen im Körper des Athleten nachgewiesen wird, er eine Dopingkontrolle verweigert hat, im Besitz von im Sport verbotenen Substanzen ist oder sich diese beschaffen will. Als Beweis für die Beschaffung genügt ein Rezept. Jeder der circa 1500 Spitzensportler in Deutschland, die den einzelnen Leistungskadern angehören, muss sich schriftlich gegenüber dem eigenen nationalen Verband verpflichten, alle Dopingvorschriften einzuhalten, sich bei Reisen abzumelden und Kontrollen zu jeder Zeit zu dulden.

Bei dem Nachweis von illegalen Substanzen wird zwischen Wettkampf- und Trainingskontrollen unterschieden. Wettkampfkontrollen sind nötig, um die kurzzeitige Leistungssteigerung durch Doping nachzuweisen, das kurz vor Beginn des Wettkampfes durchgeführt wurde. Trainingskontrollen versuchen, eine langzeitige Einnahme von Doping nachzuweisen und Stoffe aufzuspüren, die auf Grund einer rechtzeitigen Absetzung nicht mehr in Wettkampfkontrollen nachgewiesen werden können. Diese Kontrollen bestehen aus einer Urinprobe und einer – in Deutschland freiwilligen – Blutprobe.

Bei der erstmaligen Einnahme von verbotenen Stimulanzien oder Schmerzmitteln wird eine Verwarnung ausgesprochen. Bei allen anderen Vergehen, wie der Einnahme von anabolen Steroiden oder der Manipulation einer Dopingprobe, wird eine Wettkampfsperre (siehe auch Disqualifikation) von mindestens zwei Jahren für den Sportler verhängt. Des Weiteren werden bei Dopingvergehen, die während eines Wettkampfes stattfinden, die Leistungen annulliert.

 

Manipulation von Dopingproben

Da vermehrt Dopingproben manipuliert wurden, wird jetzt auch die Manipulation an sich als Dopingvergehen angesehen und beschrieben. So ist jegliche Manipulation ausdrücklich verboten, da diese Werte maßgeblich für den Nachweis des Dopings benötigt werden. Dazu zählt der Austausch oder die Veränderung der Proben, die Verdünnung mit jeglichen Flüssigkeiten, die Einspritzung von Fremdurin in die Blase, die Beeinflussung der Urinausscheidung durch chemische Substanzen sowie die Beeinflussung des Verhältnisses von Testosteron zu Epitestosteron.

Aber es sind längst nicht immer die Sportler, die manipulieren. Im großen Stil haben dies, neben der ehemaligen DDR, auch westeuropäische Veranstalter und Sportverbände getan.

Eine weltweit operierende Sportschuhfirma aus den USA hat Institute beauftragt, Methoden der Dopingverschleierung zu entwickeln, die auch erfolgreich angewendet wurden.

In den USA durften Sportler während des Trainings nur dann kontrolliert werden, wenn sie innerhalb eines 100-km-Radius um ein Testzentrum gewohnt haben. Es gab in den 1990er Jahren derer drei für die gesamte USA.

Nicht zuletzt hat die BALCO-Affäre in den Vereinigten Staaten mit der Entwicklung neuer, unbekannter Dopingsubstanzen gezeigt, die nicht nachzuweisen waren, dass bestimmte Kreise ein Interesse an der permanenten Leistungssteigerung im Sport haben, weil sich dies gut vermarkten lässt.

Trainer und Funktionäre haben Sportler vor Kontrollen gewarnt. Bestimmte Veranstaltungen werden gut besucht, weil bekannt ist, dass nicht kontrolliert wird. Im bezahlten Fußball können die Rückennummern bestimmter gedopter Sportler nicht ausgelost werden, weil man sie durch andere ersetzt.

Doping im Radsport

Das Problem des Dopings, also die Nutzung unerlaubter Methoden und Substanzen zur Leistungssteigerung, ist in Ausdauersportarten wie dem Radsport seit Jahrzehnten evident. Aber erst durch die sogenannte Festina-Affäre während der Tour de France 1998 rückte die Doping-Problematik im Profi-Radsport wirklich ins Zentrum des öffentlichen Interesses. Gleichzeitig wurde die Doping-Bekämpfung sowohl auf medizinischer als auch auf polizeilicher Ebene seit Ende der 1990er-Jahre deutlich verstärkt.

 

Geschichte des Dopings im Radsport

Frühzeit

Seit Beginn der ersten sportlichen Radrennen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wandten Radsportler auch leistungssteigernde Substanzen an. Inwieweit diese als Doping bezeichnet werden können, ist zweifelhaft, da der Begriff Doping ausdrücklich auf dem Verbot von Wirkstoffen und Methoden basiert. So lange kein eigener sportmedizinischer Katalog – also eine Dopingliste – geschaffen wurde, waren leistungssteigernde Substanzen zumindest sportjuristisch nicht illegal. Seit den 1920er-Jahren begann eine Diskussion um die Notwendigkeit einer Definition von Doping, nicht zuletzt angesichts der deutlich gesundheitsgefährdenden Folgen der oft unkontrollierten Einnahme von Pharmaka.

Erst 1966 nahm der Radsportweltverband UCI verbindliche Anti-Doping-Bestimmungen in sein Reglement auf. Nachdem sich im gleichen Jahr die drei Erstplatzierten des Fleche Wallone (Michele Dancelli, Lucien Aimar und Rudi Altig) der Dopingkontrolle entzogen hatten, fand bei der Tour de France 1966 erstmals eine unangemeldete Dopingkontrolle statt. Gegen diese Maßnahmen streikten die Rennfahrer bei der nächsten Etappe. Durch einen Todesfall wurden die Gefahren der Dopingpraxis im Radsport später drastisch verdeutlicht: Bei der Tour 1967 starb Tom Simpson beim Anstieg zum Mont Ventoux unter Einfluss von Amphetaminen und Alkohol.

 

1970er- und 1980er-Jahre

Zahlreiche Aussagen sowohl von Radsportlern selbst, als auch von außenstehenden Medizinern und Journalisten belegen, dass Doping im Radsport auch nach der Einführung von Kontrollen ab Mitte der 1960er-Jahre weiterhin äußerst weit verbreitet war. Dies hängt einerseits mit dem über lange Zeit unsystematischen und laxen Kontrollwesen, andererseits mit der zunehmenden kriminellen Energie von Sportlern und Betreuern zusammen. Diese fanden Mittel und Wege, die bekannten Dopingsubstanzen zu verschleiern bzw. wichen auf neue, nicht nachweisbare Produkte aus.

Trotz dieser strukturellen Schwäche in der Dopingbekämpfung wurden in den 1960er- bis 1980er-Jahren immer wieder Rennfahrer bei Dopingkontrollen positiv getestet, darunter die Tour-Sieger Eddy Merckx, Felice Gimondi, Lucien Aimar, Luis Ocaña, Bernard Thévenet, Joop Zoetemelk, Laurent Fignon, Pedro Delgado sowie die deutschen Fahrer Rudi Altig und Dietrich Thurau. Zahlreiche andere Spitzenfahrer legten während oder nach Beendigung ihrer Karriere Doping-Geständnisse ab, darunter Fausto Coppi, Jacques Anquetil, Rik van Steenbergen, Roger Pingeon, Freddy Maertens und Peter Winnen. Sowohl die juristischen als auch die öffentlichen Verurteilungen zum Thema Doping fielen in dieser Zeit eher milde aus: Positiv getestete Fahrer wurden meist nur vom aktuellen Rennen disqualifiziert. Die öffentliche Meinung nahm die Dopingproblematik als Nebenerscheinung hin. Insofern hatten die Radrennfahrer selbst bei aufgedeckten Dopingvergehen kaum Sanktionen zu erwarten, was das Unrechtsbewusstsein ebenso reduziert haben dürfte wie die Tatsache, dass „die anderen“ ja ebenfalls dopten.

Eine grundsätzliche Änderung dieser Situation einer an der selbstverständlichen Dopingpraxis im Radsport weitgehend desinteressierten Öffentlichkeit ist seit Ende der 1980er-Jahre zu beobachten. Bei der Tour de France 1988 wurde der Führende Pedro Delgado trotz positiver Dopingprobe zwar nicht disqualifiziert, da das ihm nachgewiesene Verschleierungsmittel zwar auf der Dopingliste des IOC, nicht aber der UCI stand. Im Gegensatz zu früheren Dopingfällen überschattete der Delgado-Skandal jedoch das gesamte Rennen.

Seit den 1990er-Jahren

In den 1990er-Jahren wurden neue, enorm wirksame Dopingpräparate zur Steigerung der Ausdauer wie EPO im Profi-Radsport vermutlich fast flächendeckend genutzt, konnten aber zunächst nicht nachgewiesen werden. Erst der Festina-Skandal bei der Tour de France 1998 brachte das Thema „Doping im Radsport“ erneut an die Öffentlichkeit. Die Ermittlungen ergaben, dass bei der Mannschaft Festina ein flächendeckendes Doping praktiziert worden war. Diese Entdeckung verdeutlichte die Unwirksamkeit der damaligen Dopingkontrollen: Keiner der Festina-Fahrer war positiv getestet worden. Als effektiv hatte sich statt dessen die Einschaltung der Staatsanwaltschaft erwiesen, die Razzien in den Mannschaftshotels sowie mehrere Verhaftungen durchgeführt hatte.

In den folgenden Jahren wurden in Frankreich und Italien scharfe Anti-Doping-Gesetze geschaffen, die nicht nur den Handel mit Dopingpräparaten, sondern nunmehr auch dessen Einsatz zur Manipulation im Spitzensport unter Gefängnisstrafe stellten. Parallel zu dieser polizeilichen Dopingbekämpfung verabschiedete die UCI – nicht zuletzt unter dem Druck der neu gegründeten Antidopingagentur WADA – härtere sportrechtliche Sanktionen, die bei Dopingfällen nunmehr eine zweijährige Sperre (statt zuvor sechs Monaten) vorsieht. Schließlich wurden einige medizinische Erfolge – etwa der Nachweis von EPO über eine Urinprobe – erzielt.

Trotz dieser Erfolge in der Dopingbekämpfung stellt Doping auch weiter ein strukturelles Problem des Profi-Radsports dar. Indizien dafür sind neue prominente Dopingfälle, die nur die Spitze des Eisbergs zeigen: Olympiasieger Tyler Hamilton wurde 2004 wegen Blutdoping verurteilt, Vuelta-Gewinner Roberto Heras wurde 2005 positiv auf EPO getestet. Dazu gehört auch die undurchsichtige Affäre um den siebenfachen Tour-Sieger Lance Armstrong.

Im Mai 2006 wurde nach der Verhaftung von Manolo Saiz, dem sportlichen Leiter von Liberty Seguros, sowie des Arztes Eufemiano Fuentes, der bisher wohl größte Doping-Skandal im professionellen Radsport aufgedeckt (siehe dazu den Hauptartikel Dopingskandal Fuentes).

Im Mittelpunkt der Ermittlungen der sogenannten Operación Puerto steht Fuentes, in dessen Wohnung die Guardia Civil hunderte von Blutplasmakonserven sowie EPO, Wachstumshormone und Anabolika fand. Der Ermittlungbericht der spanischen Behörden enthält eine Liste mit den Namen von 58 Radsportlern und 140 Sportlern anderer Disziplinen. In der Liste der bisher freigegebenen 38 Namen von Radsportlern finden sich zahlreiche bekannte Fahrer, unter ihnen Jan Ullrich, Ivan Basso, Roberto Heras, Tyler Hamilton und Joseba Beloki. Weitere Indizien weisen auf die Verstrickung des sportlichen Leiters des Team T-Mobile Rudy Pevenage hin. Jan Ullrich, Oscar Sevilla und Rudy Pevenage wurden nach Aufforderung der Teamleitung durch den Sponsor T-Mobile suspendiert bzw. entlassen (Pevenage).

Am 27. Juli 2006 wurde bekannt, dass der Tour-Sieger der 2006er-Tour, Floyd Landis, während der 17. Etappe in der A-Probe einen um das Dreifache über dem Grenzwert liegenden Testosteron/Epitestosteron-Quotienten aufwies. Wann die Resultate der B-Probe vorliegen, auf deren Durchführung Landis bestand, ist noch ungewiss. Landis, ein früherer Helfer von Lance Armstrong, der nun als Kapitän des schweizerischen Phonak Cycling Team fuhr, behauptet, die Werte seien für ihn natürlich, da er ein Schilddrüsenpräperat erhalte und zudem am Vorabend Bier und Whiskey getrunken habe.

In der Fernsehsendung Beckmann am 21. Mai 2007 gestand Ex-Radprofi Bert Dietz EPO-Doping in den 1990er-Jahren. In der Folge gestanden die Ex-Fahrer Christian Henn, Rolf Aldag, Udo Bölts, der aktive Fahrer Erik Zabel sowie zwei Mediziner der Universität Freiburg, Blutdoping betrieben bzw. dieses unterstützt zu haben.

Der dänische Tour-de-France-Gewinner von 1996 Bjarne Riis teilte am 25. Mai 2007 in einer Pressekonferenz mit, dass er jahrelang Doping mit EPO, Kortison und Wachstumshormonen betrieben habe; sein Sieg sei zwar unter dem Einfluss der Einnahme verbotener Stoffe erfolgt, aber „ohne sportliches Können nützt Doping gar nichts“. In der Presse war zu lesen, dass seine Bekehrung vom Saulus zum Paulus nicht überall geschätzt wird. Bjarne Riis hatte als Teamchef Ivan Basso entlassen, nachdem bekannt wurde, dass dieser gedopt hatte.

In der Bild-am-Sonntag vom 27. Mai 2007 gibt der frühere Telekom-Masseur Jef D’hont bekannt, dass er dem Tour-de-France-Gewinner von 1997, Jan Ullrich in Frankreich einmal persönlich EPO injiziert habe, distanzierte sich aber im belgischen Rundfunk wieder von dieser Aussage. Ullrich äussert sich zu den Vorwürfen nicht, was von seinem Anwalt Peter-Michael Diestel mit den Worten kommentiert wurde, Ullrich sei – anders als die anderen – Beschuldigter in einem Strafverfahren und könne sich deshalb nicht äußern. Kurz darauf wurde bekannt, dass Diestel nicht mehr Anwalt von Jan Ullrich ist, wobei Diestel sagt, er habe das Mandat niedergelegt und die Entourage von Jan Ullrich, dieser sei entlassen worden.

Zur Bekämpfung des Dopings wird ab 1. Januar 2009 der biologische Pass in das Regelement der UCI aufgenommen. Disziplinierungen von Fahrern im Rahmen der Anti-Doping-Regeln auf Basis des Passes werden dadurch ermöglicht.

 

Verhalten überführter Sportler

Es ist festzustellen, dass überführte Dopingsünder keinesfalls zu ihrem Vergehen selbst Stellung beziehen, sondern mit immer neuen Erklärungsversuchen überraschen. So ist im Falle von Floyd Landis bei der Tour 2006 zu hinterfragen, ob ein durchzechter Vorabend die ideale Vorbereitung für einen Sieg einer schweren Bergetappe sein kann. Landis dürfte sicher sein, dass es hier Glaubwürdigkeitsprobleme geben könnte. Trotzdem war das seine Erklärung. Häufig werden die absurdesten Erklärungsversuche abgegeben und in vielen Fällen von der Presse nicht nur vermeldet, sondern auch geglaubt. So z.B. Gilberto Simoni, der ein kokainhaltiges Narkosemittel bei einer Zahnarztbehandlung und peruanische Bonbons für zwei positive Tests beim Giro d´Italia 2002 angab. Jan Ullrich sprach davon, in einer Diskothek von einem Unbekannten „irgendwelche“ Tabletten zugesteckt bekommen zu haben, die seinen psychischen Zustand verbessern sollten. Diese Aussage wurde vielerorts, insbesondere im sportlichen Umfeld, akzeptiert. Generell sind Sportler anderer Disziplinen auch nicht einfallslos in ihren Verteidigungsstrategien. Auffällig ist jedoch die hohe Anzahl an Asthmatikern und chronisch Kranken unter den Radsportlern.

Mittelbar Betroffene eines Dopingfalls, zum Beispiel Mannschaftskameraden, verhalten sich grundsätzlich loyal zu ihren beschuldigten oder überführten Kollegen. So wird etwa ein Etappensieg dem Sünder gewidmet oder beteuert, dass man trotz der klaren Beweislage an seine Unschuld glaube. So verstecken sich nahezu alle Fahrer hinter dieser Unschuldsvermutung, wohl wissend, dass viele Mittel nicht nachweisbar sind. Auch bei eindeutiger Indizienlage - so etwa, wenn benutzte Spritzen im Abfall oder beschriftete Blutbeutel gefunden werden - wird darauf verwiesen, dass kein Test positiv gewesen sei. Selbst direkte Konkurrenten erklären offiziell, ihnen sei lieber, der Beschuldigte sei unschuldig. Nach der Tour 2006 erklärte der später zum Sieger erklärte Óscar Pereiro, ihm sei lieber, wenn sich die Affäre um Floyd Landis nicht ereignet hätte. Dabei wurde er erst nach Aberkennung des Titels für Landis selbst Gesamtsieger der Tour bzw. wäre es ohne den Zeitvorteil für Landis auf der entscheidenden Etappe ohnehin geworden.

Fast kein Fahrer spricht dagegen von Betrug. Immerhin ist das der Fall, wenn ein Fahrer durch die Einnahme unerlaubter Mittel ein Rennen gewinnt und ein sauberer Athlet nicht. Es gibt zwei mögliche Gründe für solch ein Verhalten: Der vermeintlich betrogene Fahrer fürchtet Sanktionen durch Berufskollegen oder er ist selbst gedopt und nur nicht überführt worden. Ein Fahrer, der selbst zu unerlaubten Mitteln greift, fühlt sich nicht betrogen.

Ein vollkommen eindeutiges Bild hingegen ergeben die Aussagen ehemaliger Radsportler, die dieses Thema aufgreifen, zum Beispiel weil sie selbst überführt wurden. Meistens sprechen sie von vollkommen flächendeckendem und systematischem Doping, entweder im eigenen Team oder gar im gesamten Fahrerfeld. Exemplarisch dafür sind einige Aussagen im Fall Festina, etwa von Alex Zülle, oder die Enthüllungen von David Millar, Jesús Manzano und zuletzt Jörg Jaksche im Spiegel der Ausgabe 27/2007. Auch die Fahrer früherer Jahrzehnte wie Dietrich Thurau sprechen im Nachhinein von flächendeckendem Dopingverhalten.

Die Enthüllungen vom Mai 2007 von Dietz über Aldag bis Riis werden in vielen anderen Ländern mit Verwunderung zur Kenntnis genommen, insbesondere beim zu dem Zeitpunkt laufenden Radrennen, dem Giro. Es gibt keine Anzeichen, dass beispielsweise der italienische oder spanische Radsport diesen Beispielen folgt. Laut der Aussage von Jörg Jaksche wollten einige der sportlichen Leiter abwarten, bis wieder Ruhe einkehre, um dann die beschuldigten Fahrer wieder starten zu lassen, nur die deutschen Teams würden dies verhindern.

 

Überführte und gesperrte Radfahrer (unvollständig)

  • Herbst 1998: Alex Zülle, Team Festina; Sperre für sieben Monate; Doping während Tour de France 1997; Doping mit EPO.
  • Herbst 1998: Laurent Dufaux, Team Festina; Sperre für sieben Monate; Doping während Tour de France 1997; Doping mit EPO.
  • Herbst 1998: Armin Meier , Team Festina; Sperre für sieben Monate; Doping während Tour de France 1997; Doping mit EPO.
  • Herbst 1998: Laurent Brochard, Team Festina; Sperre für fünf Monate; Doping während Tour de France 1997; Doping mit EPO.
  • Herbst 1998: Christophe Moreau, Team Festina; Sperre für fünf Monate; Doping während Tour de France 1997; Doping mit EPO.
  • Herbst 1998: Didier Rous, Team Festina; Sperre für fünf Monate; Doping während Tour de France 1997; Doping mit EPO.
  • Herbst 1998: Neil Stephens, Team Festina; Rücktritt und Karriereende; Doping während Tour de France 1997; Doping mit .
  • Herbst 1998: Richard Virenque, Team Festina; Sperre für neun Monate (reduziert auf sieben Monate); Doping während Tour de France 1997; Doping mit EPO.
  • Herbst 1998: Cédric Hervé, Team Festina; Sperre Dauer unbekannt; Doping während Tour de France 1997; Doping mit EPO.
  • 20. September 2007: Floyd Landis, Team Phonak; Sperre bis 30. Januar 2009; Doping während Tour de France 2006, Etappe 17; Doping mit künstlichem Testosteron; Aberkennung des Tour de France-Sieges 2006.

 

Das Doping der Anderen

Von Werner Franke 30. Juni 2006, 00:00 Uhr

Hagen Boßdorf übernimmt in der ARD auch den investigativen Teil des Radsport-Journalismus

Jetzt ist es bewiesen: Es hat in den Redaktionen der ARD schon echte Propheten gegeben. Einen kennen wir nun spätestens seit der mitternächtlichen Einstunden-Sendung am Mittwoch im Ersten um 23.15 Uhr – wenn nur noch wenige Jugendliche und Tour-de-France-Fans zuschauen. Den Kommentar zu Hagen Boßdorfs Sendung über die „Rollende Apotheke“ hatte nämlich schon mehr als sieben Jahre zuvor der ARD-Moderator Klaus Bednarz in „Monitor“ gesprochen: „Alle dopen, nur die Deutschen nicht.“

In seiner Magazin-Jungfern-Sendung vereinigte nun der ARD-Sport-Chefkoordinator seine Insider-Kenntnisse im Dopingsport Nr. 1 mit seiner investigativen Vergangenheit als Stasi-IM und Romeo, der in den Akten als „IM Florian Werfer“ geführt wird. Er ließ viele nicht-deutsche Dopingtäter-Sportler aus der reuevollen Sünderschar (Millar, Gaumont, Simeoni, Manzano) ebenso zu Worte kommen wie er auf schlimme Doping-Ärzte, -Teamleiter und „Betreuer“ hinwies, immer im Gegensatz zu den sauberen germanischen Lichtgestalten, deren Reigen von Jan Ullrich, Dr. Heinrich und Gerolsteiner-Chef Holczer angeführt wurden. Der Eindruck besonders von – dem bei weitem meist-interviewten – Jan Ullrich war: Ein Spitzen-Opfer in einem offenbar weltweit schnöde betrogenen T-Mobile-Team.

Das war keine Satire: die meinten das ernst, was bei Bednarz noch Ironie war. Die böse Welt dopt, nur hierzulande dopt niemand. Natürlich auch nicht Boßdorfs Freund und Buch-Koautor Jan Ulrich. Er nimmt zwar mal Amphetamin-Präparate, aber nicht den ganzen „belgischen Aufputschmitteltopf“, versichert er.

Wem der kritische Geist um dies Sendezeit noch nicht ganz abhanden gekommen war, traute seinen Sinnen nicht. Da sind in Spanien – endlich – mal richtige Razzien mit massenhaften Blutdoping- und anderen kriminellen Radsport-Tätern als Ergebnis durchgeführt worden. Da sind in Bordeaux gerade die Strafprozesse gegen die französischen Doping-Kriminellen um Radprofi Laurent Roux und Mountainbike-Weltmeister Christophe Dupouey und ihre Drogen-Versorger zu Ende gegangen. In Turin arbeitet die Staatsanwaltschaft noch die Funde bei ihren österreichischen Olympia-Razzien auf. Und unterdessen wird ernsthaft in einer öffentlich-rechtlichen Sendung über Asthmamittelchen und sportlichen Betrugs-Pipifax salbadert?

Nein, beim Doping handelt es sich – so hat in Deutschland höchstrichterlich der Bundesgerichtshof bereits am 9. Februar 2000 festgestellt – um „schwerwiegende Rechtsbrüche“, um „keineswegs mindere“, also erhebliche Kriminalität. Doping sei in jedem Fall Körperverletzung und Beihilfe dazu, denn die Sportler sind eben nicht so umfassend über gesundheitliche Risiken aufgeklärt worden, wie das bei einer Verabreichung ohne ärztliche Indikation erforderlich gewesen wäre. Außerdem verstößt es gegen das Arzneimittelgesetz, da es sich hier fast durchweg um rezeptpflichtige Präparate handelt. Und die Nummer mit der Asthma-Epidemie bei Radrennfahrern und anderen Ausdauersportlern ist inzwischen ein bekannter Witz: Soeben hat ja die Leitung der Tour de France beschlossen, in diesem Jahr zwei getrennte Rennen zu veranstalten, eine Tour für Normalos und eine für Asthmatiker, da die Gesunden gegen die mit Asthma-Freifahrtschein bekanntlich keine Chance haben.

Erhebliche Kriminalität also. Und die wird kaum bei Kontrollen im Sport, sondern offenbar viel effektiver von der Staatsanwaltschaft bzw. der Kriminalpolizei, dem Zoll oder der Steuerfahndung (z.B. das Balco-Labor bei San Francisco) dingfest gemacht. Der Radsport ist dabei weltweit deutlich an der Spitze der Kriminalität. Insofern ist der Titel „Die rollende Apotheke“ falsch und ehrabschneidend: Apotheken sind in der Regel gesetzestreue Unternehmen. Was im Radsport zu sehen ist, ist aber eine einzige rollende hochkriminelle Szene, ein mafiöses System mit Schweigepflicht und allem, was zum organisierten Verbrechen dazugehört. Bleibt eigentlich nur die Frage: Wieso werden unsere Fernsehgebühren verwandt, um durch den Erwerb von Senderechten etwa für die Tour de France dieses kriminelle System zu fördern? Wieso engagieren sich T-Mobile und Gerolsteiner als Sponsoren? Die Antwort ist natürlich immer dieselbe: Money makes the Tour go 'round.

Der in der Sendung mit kurzen Zitaten vorgestellte, sehr verdienstvolle italienische Doping-Experte Alessandro Donati hat schon seit Jahren bewiesen, daß eine Menge der teuren Präparate wie Epo und Wachstumshormon von den Herstellerfirmen überhaupt nie an Patienten gelangen, sondern als Dopingmittel Umsatz machen. So wird Epo weltweit im Internet angeboten. Interessanterweise ist die Firma, die bisher das Haupt-Patent darauf hielt, die USA-Firma Amgen, nicht dagegen vorgegangen, obwohl sie sonst durchaus aggressiv ihr Patent geschützt hat. Eine Lösung des Rätsels war kürzlich zu erahnen, als Amgen die Schirmherrschaft über die Kalifornien-Radrenn-Rundfahrt übernahm. Zwischen Amgen und Radsport aber gibt es eigentlich nur ein Interessen-Band: Epo.

Und irgendwann – um Mitternacht herum – wurde es grausam und makaber in der Sendung, als man etwa darauf hinwies (offenbar Recherche-Leistungen des im Abspann genannten freischaffenden Radsport-Experten-Mitarbeiters Ralf Meutgens), wieviel junge Radsportler in der Blüte ihrer Jahre (16 - 37) urplötzlich verstorben waren – allein 10 zwischen Januar 2003 und September 2005. ARD, wie fühlt sich da die Radsport-Knete an?

In der Boßdorf-Sendung kam auch der Direktor der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada kurz mit einem belanglosen Satz zum Gen-Doping zu Wort. Dabei hatte der sich nun wirklich direkt zur Dopingkriminalität im Radsport geäußert, so etwa am 24. Oktober 2005 in der britischen Zeitschrift „The Guardian“:

„... Der Drogenmißbrauch [im Radsport], und zwar ganzer Radsport-Mannschaften, geht unvermindert weiter. Da gibt es gar nichts drumherum zu reden: Dieser Drogen-Mißbrauch besteht nicht in der gelegentlichen Aufnahme eines schlechten Nahrungsergänzungsmittels durch einen einzelnen Athleten. Es ist vielmehr planvoller und überlegter Betrug, mit komplexer Methodik, ausgeklügelten Substanzen und Techniken, und der aktiven Komplizenschaft von Doktoren, Wissenschaftlern, Mannschafts-Offiziellen und Radsportlern selbst. Da gibt es nichts Zufälliges, Ungeplantes. Und dieser ganze Betrug geht unter den anscheinend wachsamen Augen der Radsport-Offiziellen vor sich, die lauthals verkünden, ihr Sport sei drogenfrei und habe sich verpflichtet, auch drogenfrei zu bleiben. Wenn man diese Erklärung an ihrer Leistung mißt, dann sollte man sie eigentlich nicht ohne weißen Blindenstock und Blindenhund auf die Straße lassen.“

 

100 Jahre Doping: Annäherungen an eine Geschichte der künstlichen Leistungssteigerung im Radsport

Neue Zürcher Zeitung 3.9.99

Von Michael Gamper

Der Gebrauch von Dopingmitteln ist im Radsport als Geheimpraktik stets Usus gewesen, die neueren Enthüllungsberichte geben nun auch Aussenstehenden einen Einblick in den Umgang mit leistungsfördernden Mitteln im Velometier und in deren Funktion. Eine historische und ethnologische Betrachtung kann neue Perspektiven auf die momentane Dopingdiskussion eröffnen, indem sie die heutigen Haltungen des Radmilieus und der Dopinggegner gleichermassen geschichtlich perspektiviert und diese als partikulare, in bestimmten Traditionen stehende Meinungen zeigt. Das Elend des Dopingdiskurses erweist sich so als eines der undurchdachten Grundlagen.

1886 fällt während der Ausdauerprüfung Bordeaux-Paris der Fahrer Linton tot vom Rad. Mit Aufputschmitteln hat der Engländer seine Leistungsgrenzen so weit hinausgeschoben, dass sein Organismus die Belastung nicht mehr aushält. In Begleitung des Todes tritt das Doping im Radsport erstmals an die Öffentlichkeit, 81 Jahre später traumatisiert es in gleicher Gesellschaft an der Tour de France den modernen Spitzensport. Am 13. Juli 1967 kann sich der dreissigjährige Tom Simpson, ein Engländer auch er, in der glühendheissen Steinwüste des oberen Teils des Mont Ventoux kaum mehr auf dem Rad halten, schwankend benötigt er die ganze Strassenbreite, um sich fortzubewegen, schliesslich hält er an. Sein Sportlicher Leiter hilft ihm nochmals in den Sattel, wenig später aber sinkt der ehemalige Weltmeister an den steinigen Wegrand, die Hände fest um den Lenker gekrallt. Er stirbt Stunden später im Spital von Avignon. Die Todesursache ist Herzversagen, bei der Obduktion stellt man eine Mischung aus Amphetaminen und Alkohol fest, in den Trikottaschen und im Gepäck des Fahrers finden sich die gleichen Substanzen. Auch Simpson war der bedingungslose Wille zum Sieg zum Verhängnis geworden: Das Aufputschmittel hatte seine Leistungsreserven bis zur Neige ausgeschöpft, das Betäubungsmittel seine Schmerzen, die Warnsignale des Körpers, gebannt.

Doping ist prinzipiell eine Geheimwissenschaft, wenn ihre Praktiken publik werden, muss ein Fehler im System der Grund sein. Die Aufmerksamkeit ist denn auch immer gross, wenn Einblicke in die Praktiken der künstlichen Leistungssteigerung genommen werden, der Radsport wird dann jeweils krisenhaft erschüttert. Das war so, als 1998 der sogenannte "Festina- Skandal" publik wurde, das war aber auch schon so, als 1924 die Brüder Henri und Francis Pélissier im Café de la Gare in Coutances ihre Trikottaschen leerten, Chloroform, Kokain und eine Pille namens "Dynamit" auf dem Wirtshaustisch ausbreiteten und so dem Journalisten Albert Londres zum berühmten Artikel "Les Forçats de la Route" (Die Zwangsarbeiter der Strasse) verhalfen. Und nach Simpsons Tod wähnten viele den Radsport vor dem Ende, die Folge war aber bloss die Einführung von Dopingkontrollen, welche die Vertreter des Metiers bald auf virtuose Weise zu umgehen wussten. Der Radsport hat einen starken Magen, kaum ein Eklat, den er nicht zu verdauen vermöchte.

Die Wurzeln des Fairplay

Aus der Perspektive einer Ethik des "fairen Sports" mögen solche Impressionen aus der Geschichte des Radsports lediglich die moralische Verwerflichkeit eines Milieus belegen, das sich vorzugsweise aus Betrügern, Medikamentenabhängigen und Drogendealern zusammensetzt. Eine solche Sichtweise lässt aber ausser acht, dass ihr Standpunkt und das Selbstverständnis der Radsport-Kreise ihren Begründungszusammenhang zwar ungefähr zur gleichen Zeit knüpften, sich aber aus unterschiedlichen ideologischen Voraussetzungen in andere Richtungen entwickelt haben und deshalb nun auf gänzlich verschiedene Traditionen zurückblicken. Pierre de Coubertin hat vor der Jahrhundertwende ein sportphilosophisches Programm entworfen, das ein Gegenentwurf zur gesellschaftlichen Moderne sein sollte und zugleich das (männliche) bürgerliche Subjekt mit den Eigenschaften für das kapitalistische Erwerbsleben ausrüsten sollte.

Die Spannung, die sich aus dieser doppelten und eigentlich gegensätzlichen Bestimmung des Sports ergibt, prägt auch den Fairness-Begriff, zusammen mit dem Argument der Chancengleichheit und jenem der Gesundheitsgefährdung bis heute das meistgenannte Argument gegen Doping. Fairplay hatte einerseits seine Funktion im Rahmen einer auf Übersichtlichkeit, Chancengleichheit und Transparenz beruhenden besseren (Sport-)Welt, wo das (Schein-)Handeln durch Rücksichtnahme auf die anderen geprägt ist, anderseits sollte es aber auch den jungen Männern helfen, durch die Tugenden der Mässigung und der Disziplin die Lebensbedingungen in der veränderten Berufswelt zu meistern. Verstärkt wurden die Fliehkräfte innerhalb des Coubertinschen Konzepts zusätzlich, als vorgesehen war, dass durch den Sport auch dem Fairplay entgegengesetzte Fähigkeiten und Eigenschaften wie Risikobereitschaft, Privatinitiative und Siegeswille trainiert werden sollten.

Der Radsport hat sich der Ideologie des Olympismus nie unterworfen. Coubertin hatte sein Programm wohlweislich an den materiell interesselosen Amateursport gebunden, der Radsport ist aber derjenige Sport, der sich in Amerika und Europa als erster professionalisiert hat. In Paris hatte sich um 1900 eine Szene von Professionals gebildet, welche in der schnell wachsenden Popularität der Radrennen die pekuniäre Basis für ein neues Berufsfeld erkannt hatten. Die kapitalistische Gesetzlichkeit hat sich im Habitus dieser Kreise unvermittelter abgebildet als in den olympischen Gedanken. Der monetär verwertbare Reiz des Radsports waren die nicht für menschenmöglich gehaltenen Ausdauerleistungen, welche die Athleten an den bis in die 1890er Jahre noch ohne Ruhepausen durchgeführten Sechstagerennen oder in den fast 500 km langen Etappen der Tour de France zu erbringen hatten. Wollte man als Berufsmann sein Produktionsmittel, nämlich seinen Körper, in Schuss halten, lag es nahe, zu medizinischer Hilfe zu greifen. Dabei galt es, die Leistungssteigerung so zu betreiben, dass die Siegeschancen möglichst hoch, die gesundheitsschädigende Wirkung aber möglichst klein sei. Der Deutsche Sportärztebund trug 1927 an seinem Jahreskongress in Berlin dieser Entwicklung Rechnung. Da bei den Profisportlern der Schwerpunkt nicht im sportlichen, sondern im sozial-beruflichen Erfolg liege, lasse sich Doping in deren Fall durchaus verteidigen, nur im Amateursport sei künstliche Leistungssteigerung in jedem Fall zu verbieten, wurde dort festgehalten. Wenn Oscar Camenzind heute auf die Frage, ob in seinem Team gedopt werde, mit der ausweichenden Bemerkung antwortet, sie seien "eben Profis", so entspricht dies dem Arbeitsethos eines hundertjährigen Berufsstandes, das sich kaum von demjenigen von Spitzenkräften der Wirtschaft unterscheidet. Das Problem dieses Berufsstandes ist es freilich, mittlerweile in ein sich seit einigen Jahrzehnten zunehmend universalisierendes Sportsystem eingebunden zu sein, dessen Anforderungen den "unzivilisierten" Ursprüngen des Radsports keine Rechnung tragen.

Doping als Initiationsritual

Neben den pragmatischen Funktionen kommt dem Doping im System des Radsports freilich auch eine tragende Rolle in der gruppeninternen Differenzierung zu. Zwischen dem Tod Lintons und demjenigen von Simpson hat sich eine Kultur des Dopings installiert, welche von Generation zu Generation tradiert worden und im konservativen Radsport ein zentrales Moment des Selbstverständnisses geworden ist. Erwann Menthéour, ein ehemaliger Radprofi, hat in "Secret défonce" Doping als Teil eines Initiationsrituals beschrieben, das ein junger Rennfahrer über sich ergehen lassen muss, um in den Kreis der Grossen aufgenommen zu werden. Halb ängstlich, halb hoffnungsvoll erwarten die starken Junioren den Moment, an dem ihr Umfeld sie für würdig hält, der guten Form mit Amphetaminen nachzuhelfen, behutsam werden die psychischen und physischen Abneigungen der Talente gegen Spritzen überwunden, indem ihnen zuerst Vitamine injiziert werden. Diese "rites de passage" transformieren den Junior allmählich in einen Professional, machen ihn körperlich und mental bereit für das Berufsleben als Radrennfahrer. Das Ziel eines jeden Radsportlers ist es, "Profi" zu werden, ein "Profi" zu sein bedeutet, allen Fährnissen der Landstrasse gewachsen zu sein und in Selbstverantwortung mit den eigenen und fremden Anforderungen an den Körper umzugehen. Das Metier bietet hierfür bewährte Hilfestellungen, und dazu gehörten oder gehören auch Strychnin, Kokain, Alkohol, Amphetamine, anabole Steroide, Wachstumshormone, Kortikoide, Epo, PFC und künstliches Hämoglobin.

Einschnitte in der jüngeren Geschichte des Dopings im Radsport waren die Einführung von Kontrollen im Anschluss an den Todesfall von Simpson und die Verwissenschaftlichung der Leistungsverbesserung seit den späten achtziger Jahren. Die Kontrollen, die bis in die achtziger Jahre mit milden Sanktionen (Zeit- und Geldbussen, erst im Wiederholungsfall kurze Sperren) gekoppelt waren, haben bei Fahrern und Betreuern nicht zur Einsicht geführt, dass man die künstliche Leistungssteigerung dosieren müsse, sondern vielmehr deren Phantasie angeregt und abenteuerliche Methoden zur Umgehung von positiven Befunden hervorgebracht. Willy Voet, der ehemalige Festina-Masseur, beschreibt diese Praktiken in "Massacre à la chaîne" detailliert. Die Kriminalisierung des Dopings hat dazu geführt, dass die Geheimpraktiken noch geheimer wurden, dass sie noch stärker abgedichtet wurden gegen fremden Zugriff. Damit wurde ein fatales Dopingbekämpfungssystem in Gang gesetzt, das schliesslich dazu führte, dass künstliche Leistungssteigerung noch effizienter und planvoller betrieben wurde. Während die einen ihr System von Substanzennachweisen, Kontrollen und abschreckenden Strafen zu perfektionieren streben, entziehen sich die anderen durch ständig neue Dopingmethoden. Die Kontrollen, in denen in der Regel nichts nachgewiesen werden kann, dienen als Beglaubigung der Unschuld der Fahrer, das Verbot bewährter Substanzen treibt dazu an, neue Mittel zu entdecken und zu entwickeln.

War das Doping lange eine Schwarzkunst der Pfleger und Masseure gewesen, die auf tradierten Erfahrungen beruhte und in der neue Mittel nur langsam und zögerlich Eingang fanden, so erfuhr die künstliche Leistungssteigerung in den achtziger Jahren an den italienischen Universitäten einen Innovationsschub. Lag das Schwergewicht der Behandlungen vorher auf dem punktuellen Einsatz von schmerzbetäubenden und euphorisierenden Mitteln im Wettkampf und auf kurzzeitigen Kuren im Hinblick auf ein wichtiges Rennen, so wurde den Fahrern nun nach ausgiebigen medizinischen Tests ein Programm zusammengestellt, das die Supplementierung für eine ganze Saison regelte.

Misere des Dopingdiskurses

Der Wissensvorsprung der italienischen Teams, der erst in den neunziger Jahren durch Transfers von Fahrern in Teams anderer Länder abgebaut wurde, hat die Renaissance des italienischen Radsports Ende der achtziger Jahre eingeleitet und länderspezifische Dopingkulturen installiert. Hier die systematisch-wissenschaftlich vorgehenden Italiener, über deren Dopingsystem man wohl erst nach Bekanntwerden der laufenden polizeilichen Untersuchungen Genaues wissen wird, dort die Belgier und Holländer, die weitgehend noch immer nach den archaischen Methoden ihrer Väter verfuhren. Und dazwischen die Franzosen, die zumindest teilweise wie etwa Bruno Roussel bei Festina ein vergleichsweise verantwortungsvolles Dopingsystem aufbauen wollten, in dem die Mittel unter ärztlicher Kontrolle eingesetzt wurden. Wie das Metier heute auf die verschärften Kontrollen und die ständige Gefahr von Razzien reagiert, weiss man nicht. Die Gefahr ist gross, dass die an den Umgang mit Supplementierungen gewöhnten Fahrer neue, noch stärker auf Geheimhaltung bedachte Kanäle benutzen.

Ein Blick auf die Geschichte und Soziologie des Radsports mag auch als Erklärung dienen für die Diskrepanz von offiziellem Diskurs der Dopinggegner in Sportjournalismus und -wissenschaft und den Praktiken im Radsport. Die Diskursgewaltigen treten auf mit dem Anspruch, mit ihrer (in den Grundlagen meist undurchdachten) Ablehnung von Doping und der moralischen Verurteilung der Dopingpraktizierenden im Recht zu sein, die Vertreter des Radmilieus, die über keine öffentliche Versprachlichung ihres Selbstverständnisses und ihrer Praktiken verfügen, reagieren mit Verweigerung und Stummheit. Erstere berufen sich - vor allem in Frankreich und Italien - auf die Anti-Doping-Gesetze, deren Grundlage freilich auch bloss die Ideologie der Diskursmächtigen ist. Zwei Kulturen treffen hier aufeinander, deren Verständigung ausgeschlossen ist und die sich auf Grund dieser historisch gewachsenen entgegengesetzten Ausrichtung ihres Selbstverständnisses einen für alle Beteiligten fruchtlosen Kampf liefern. Einen Sieger wird es so bald nicht geben, zumal die Kräfte der Parteien in etwa gleich verteilt sind. Der Dopingdiskurs in seiner heutigen Ausrichtung verhält sich so ähnlich zweideutig zu den Problemen des modernen Profisports wie de Coubertins Sportphilosophie zu den gesellschaftlichen seiner Zeit: Er postuliert eine Welt des Sports, in der Ehrlichkeit, Rücksichtnahme und Chancengleichheit triumphieren können, und deckt zugleich mit dem Schein dieses (nicht durchsetzbaren) Ideals eine Praxis, die dank dieser Bemäntelung um so unverfrorener agieren kann. Im Radsport ist seit dem Sommer 1998 diese von den aufrichtigen Dopinggegnern unbeabsichtigte, von den kapitalistischen Drahtziehern des Sports aber durchaus geschätzte Ökonomie aus dem Gleichgewicht geraten. Es ist bedauerlich, dass (fast) alle Beteiligten, unter ihnen die grossen Meinungsblätter Frankreichs, Deutschlands und der Schweiz, seither auf eine Restituierung des alten Systems hinarbeiten, anstatt neue Wege zu propagieren und zu beschreiten, die jenseits von Repression und der Ideologie des Fairplay liegen. Nötig wäre eine neue Ethik des Sports, welche die Dopingpraxis zu umfassen vermöchte, anstatt sie bloss zu verhüllen. Im Zusammenhang mit dem französischen Kontrollsystem im Radsport, das seit 1999 in Kraft ist, liesse sich so vielleicht eine wirksame Beziehung von Theorie und Praxis herstellen.

 

 

 


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